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Benutzername:
Cynárea Boragin
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Charakter

Name:
Cynárea Boragin
Alter:
22
Rasse:
Mensch (Nordreiche)
Heimat:
Mérindar
Aufenthaltsort:
Mérindar
Inventar:
Messer
Korb

Steckbrief

Name: Cynárea Boragin
Alter: 22
Rasse: Mensch (Nordreiche)

Aussehen
Cynárea ist keine auffällige Erscheinung. Weder besonders schön, noch besonders groß (mit 168 cm entspricht sie genau dem Durchschnitt) oder zierlich, keine glänzende Haarpracht und schon gar keine edle Kleidung. Auffallen mögen nur ihre grünen Augen, die für einen Menschen erstaunlich farbig sind, aber nicht so leuchtend wie es die von Elfen sein können. Sie sind oft leicht zusammengekniffen, da Cynárea etwas kurzsichtig ist.
Ihr eher schmales, ein wenig jungenhaftes Gesicht mit der etwas zu breiten Nase und den geschwungenen Lippen wird eingerahmt von störrischen, gewellten, nicht einmal kinnlangen Haaren, die in verschiedenen dunklen Brauntönen glänzen und im Sommer an manchen Stellen, von der Sonne ausgebleicht, fast blond schimmern.
Cynárea legt, was die Kleidung angeht, im Alltag mehr Wert auf die praktische Eignung als auf Mode und Eleganz. Die ihr zur Verfügung stehende Garderobe, mit der sich die etwas schlaksig wirkende junge Frau kleidet, ist schnell aufgezählt:
  • ein einfacher brauner, wadenlanger Rock mit eingenähten Taschen und eine dazu gehörige helle Bluse, die sie über dem Hemd trägt, wenn es kühler ist
  • ein verwaschen grünes Kleid mit dreiviertel langen Ärmeln, das schon mehrfach sauber repariert wurde
  • und ein fast bodenlanges blaues Kleid, das sie nur zu besonderen Gelegenheiten trägt und das daher noch weitaus mehr her macht als ihre Alltagskleidung.
Dazu trägt sie normalerweise hochwertige, aber schon lange getragene Stiefel, die ihr bis zur Mitte der Wade reichen. Außerhalb der Stadt zieht sie es bei entsprechenden Temperaturen aber vor, barfuß zu laufen, um das teure Schuhwerk noch möglichst lange zu erhalten.
Wenn Cynárea an mäßig kalten oder regnerischen Tagen unterwegs ist, schützt eine Art Gugel aus dunkelgrünem Wollfilz sie vor Regen und Kälte. Diese ist wie ein nach unten breiter werdender Schlauch geschnitten, der Schultern, Oberkörper und Hals wärmt und bei Bedarf über den Kopf gezogen werden kann, auch wenn er in dem Sinne keine Kapuze besitzt.
Für winterliche Temperaturen besitzt die junge Frau außerdem einen gefütterten Wollmantel, den sie aber nur selten trägt, da er sie in ihren Bewegungen stört.
Cynárea trägt außerhalb ihrer Apotheke meist einen Henkelkorb mit sich, in dem sie diverse Pflanzen, ihre Besorgungen oder Lieferungen an Kunden transportiert. Bei manchen Arbeiten schützt sie ihre Kleidung vor Schmutz und Beschädigung mit einer Halbschürze aus stabilem Stoff.

Waffen
Cynárea besitzt keine Waffen. Allerdings trägt sie stets ein ca. 12 cm langes gebogenes Messer mit Holzgriff bei sich, das sie als Werkzeug benutzt.

Charakter
Gleich mehrere Charaktereigenschaften von Cynárea fallen einem gewissermaßen ins Auge, wenn man sie nur ansieht – nämlich dann, wenn man ihre Haare betrachtet: Ihre praktische Veranlagung, ihre Ungeduld und ihre Sturheit.
„Wild und ungezähmt“ könnte man sagen, doch „störrisch“ passt besser auf Cynárea (und ihre Haare). Sie ist im Grunde eher überlegt und freundlich, kann je nach Tageslaune aber auch zickig und stur sein. Die mehr oder weniger praktische Frisur, die Cynárea im Moment trägt, sah noch vor einigen Monaten ganz anders aus: Eine lockige, schwer zu bändigende Mähne, die ihr bis über die Schultern fiel und furchtbar störte, wie sie fand. So schnitt sie die Haare eines Tages, als sie mal wieder verzweifelt vor dem kleinen Spiegel stand und versuchte, mit einem Lederband alle Haarsträhnen zu erwischen, kurzerhand ab – sie musste sich allerdings nicht lange danach eingestehen, dass sie das Problem damit nicht wirklich gelöst hatte: Störrisch sind die Haare immer noch, doch nun lassen sie sich noch nicht einmal mehr zusammen binden. Sie streicht sich daher oft die Haare aus dem Gesicht, wenn sie ihr mal wieder in die Augen fallen.

Obwohl die Begebenheit mit ihren Haaren zeigt, dass Cynárea ungeduldig sein kann, besitzt sie in anderen Belangen doch eine erstaunliche Sturheit und Durchhaltevermögen. Was sie einmal begonnen hat, führt sie auch zu einem Ende, ob erfolgreich oder nicht. Sie hat es sich in den Kopf gesetzt, die Apotheke allein zu führen, und hat zwar bisher keine riesigen Erfolge feiern können, sich aber gut durchgeschlagen. Sie ist zufrieden damit, von ihrem Wissen leben zu können, und strebt nicht nach schnellem Erfolg.
Cynárea liebt die Arbeit mit den Pflanzen und ist gern in der Landschaft unterwegs, hat bei längeren Ausflügen aber immer ein mulmiges Gefühl und hält sich, wenn möglich, dicht an den Straßen. Früher, in Onvorthad, war sie nie allein unterwegs gewesen, heute bleibt ihr aber nichts anderes mehr übrig.

Cynárea hat einen Sinn fürs Praktische. Ihre Wohnung über der Apotheke ist ohne viel Schnickschnack eingerichtet, ihre Kleidung hat keine unnötigen Schleifen und Rüschen, sondern stattdessen viele nützliche Taschen und ist aus festem Stoff gefertigt. Auch wenn sie nicht unbedingt eitel ist, achtet sie doch darauf, mit sauberer Kleidung und gewaschenem Gesicht aus dem Haus zu gehen. Trotz allen Waschens sind ihre Finger allerdings oft mit grünen oder braunen Flecken verfärbt, was von der Arbeit mit den Pflanzen kommt. Ihre Apotheke ist stets aufgeräumt und abgestaubt, alle Gläser und Tiegel sauber beschriftet und in ihren Regalen sortiert. Ganz anders sieht es allerdings im Flur hinter dem Verkaufsraum aus: Dort herrscht auch nach mehr als einem Jahr das pure Chaos, da sie bisher nicht dazu gekommen ist, die Waren und Habseligkeiten des verstorbenen Vorbesitzers durchzusehen und auszusortieren und sie daher übergangsweise in Flur und Küche gestapelt hat.
Die wenigen Anfälle von Eitelkeit gehen meist schnell vorüber, wenn sie über ihrer Frisur resigniert, ihre magere Garderobe begutachtet oder die letzten Münzen aus dem Kästchen nimmt, um auf dem Markt Brot und Schmalz zu kaufen statt bunter Bänder und billigen Schmucks.

Die junge Apothekerin ist freundlich, aber zurückhaltend, ganz anders als ihre Schwester Irida, der sie immer das Reden überließ. Sie geht selten selbst auf Fremde zu, freut sich aber über jeden Versuch der Kontaktaufnahme und kann durchaus eine angenehme Gesprächspartnerin sein. Wird sie wütend, kann man allerdings auch eine erstaunliche Menge Schimpfwörter aus ihrem Mund hören, die man von der sonst so ruhigen jungen Frau nicht erwartet. Diese Seite von ihr kommt allerdings eher selten zum Vorschein – meist dann, wenn ganz offensichtliche Ungerechtigkeiten im Spiel sind. Dann würde sie sich auch nicht davor scheuen, einen Stadtrat oder reichen Bürger zu beschimpfen – zu ihrem Glück ist das aber bisher nicht passiert. Zu Handgreiflichkeiten lässt sie sich nie hinreißen, da sie dabei ohnehin chancenlos wäre, sie greift aber helfend ein, wenn sie es für sinnvoll befindet.

An profanem Klatsch und Tratsch über die neuesten Skandale am Hof hat Cynárea kaum Interesse. Bei ihren täglichen Besorgungen schnappt sie aber genug über wichtige Ereignisse auf, um über die politische Situation in Merridia und Mérindar informiert zu sein. So verrammelt sie Abends Türen und Fenster so gut es geht und hat Knoblauch am Türbalken aufgehängt, um Vampire vom Betreten ihrer Apotheke abzuhalten. Selbstverständlich geht sie nach Einbruch der Dämmerung nicht mehr auf die Straße. Sie fürchtet sich vor allem Übernatürlichen (dazu zählen allerdings nicht die Götter) und Magie, und teilt die Angst der meisten Leute vor Drachenerben. Omen wie eine schwarze Katze oder Elstern auf dem Dach nimmt sie ernst, eine kleine Geste um den Schutz der Götter herauf zu beschwören ist ihr schon seit ihrer Kindheit in Fleisch und Blut übergegangen. Den Aberglauben, aber auch das Wissen um Historie und Legenden ihrer Heimat hat sie hauptsächlich ihrer Großmutter zu verdanken, die den drei Geschwistern an langen Winterabenden oft Geschichten erzählte.
Das junge Mädchen wurde dazu erzogen, an die Sieben Götter zu glauben, geht aber nicht oft in den Tempel. Sie zieht es vor, die Götter im Alltag mit kleinen Gesten zu ehren, wie es in ihrem Elternhaus üblich war. Besonders verehrt sie Ondara, die Göttin der Fruchtbarkeit.
Cynárea hat keine Freunde in Merridia, da die Arbeit ihr bisher keine Zeit ließ, Freundschaften zu pflegen. Sie hat allerdings einige Kunden und Bekannte, mit denen sie sich gut versteht. Und für eine Sache hat sie immer ein halbes Stündchen Zeit: Wenn Zigeuner in der Stadt sind, kann man Cynárea in den meisten Fällen unter den Zuschauern finden, die Gaukelei und Kunststückchen mit Applaus und Münzen honorieren. Sie scheint nie genug davon zu bekommen, diese fremdartigen Menschen und Elfen mit ihren ungewöhnlichen Talenten zu beobachten. Manches Mal mag man sie dann mit abwesendem Blick dabei erwischen, wie sie davon träumt, in einem der Wagen in die Welt hinaus zu ziehen, die relative Sicherheit ihres Zuhauses gegen die endlose Straße einzutauschen und einem Leben voller Abenteuer und Romantik entgegen zu ziehen… und bleibt dann doch lieber bei ihrem alten, sicheren Leben.

Fähigkeiten
Cynárea ist Apothekerin, und ihr Wissen und ihre Fähigkeiten konzentrieren sich auf Pflanzen, ihre Wirkung, Zubereitung, Anwendung und das Wissen darum, wie und wo sie wachsen und gesammelt werden können. Aufgrund ihres jungen Alters und dem Fehlen eines Lehrmeisters in den letzten 1 ½ Jahren kann sie jedoch keineswegs behaupten, alles zu wissen – und obwohl sie vehement auf Hokuspokus jeder Art schimpft, ist sie selbst nicht ganz frei von Aberglauben. Bisher erkennt sie die meisten Kräuter, weiß jedoch bei manchen noch nicht, wie genau (also in welcher Art und Dosierung) sie diese anwenden muss. Die grundlegende Herstellung von Salben und Arzneien kennt sie, hat jedoch Schwierigkeiten mit komplizierteren Rezepten und gefährlicheren oder exotischen und daher seltenen Kräuterextrakten, da ihr die Erfahrung bei der Dosierung fehlt. Ihre eigenen Wissenslücken ärgern sie maßlos. Daher ergreift sie jede Gelegenheit, um ihr Wissen zu erweitern, und beweist zumindest im Bereich der Pflanzenkunde eine gute Auffassungsgabe und große Zielstrebigkeit. Nützlich dabei ist es, dass sie im Lesen und Schreiben des Coreonischen aller Dialekte gut bewandert ist. Um den Umgang mit Zahlen ist es dagegen schlechter bestellt, was ihr beim Verkauf der Kräuter schon so manches Mal peinliche Rechenfehler oder Momente, in denen sie auf das Abzählen an den Fingern angewiesen war, bescherte. Feilschen kann sie ebenfalls nicht besonders gut, sie hofft jedoch, dass ihr nur etwas Übung fehlt.
Reiten, Schwimmen, Kämpfen oder Tanzen hat Cynárea nie gelernt. Sie könnte sich wohl auf einem Pferderücken halten – das hat sie auf Reisen auch schon getan – ist den Launen des Tieres aber hilflos ausgeliefert, sollte es sich dazu entschließen, seiner eigenen Wege zu gehen. Ihre Ausflüge in die Umgebung von Merridia macht sie stets zu Fuß, und hat die Ausdauer, um auch weite Strecken zurückzulegen. Hinderlich ist ihr dabei allerdings das rechte Bein, das nach einem Bruch im Kindesalter an manchen Tagen schmerzt und sie hin und wieder sogar zum Humpeln zwingt. Ebenso hinderlich bei ihren Streifzügen, auf denen sie nach seltenen Pflanzen sucht, ist daneben auch ihre leichte Kurzsichtigkeit, die es ihr erschwert, Pflanzen auf die Entfernung zu erkennen. In bis zu 4 Metern Entfernung sieht sie scharf, alles was weiter weg ist, erkennt sie nur noch verschwommen.
Cynárea ist recht fingerfertig, was sie dazu befähigt, gut mit Nadel und Faden umzugehen und so ihre Kleidung selbst reparieren zu können. Außerdem stellt sie manchmal kleine hübsche Duftsträußchen oder Kränze her, die sie dann für ein paar Jestu verkaufen kann.
Sonstige Haushaltstätigkeiten verrichtet sie mit mittelmäßigem Können. Sie kann genießbare Mahlzeiten zubereiten, Brot backen, putzen, Feuer machen und mit ihrem Geld haushalten, beweist in nichts davon allerdings überdurchschnittlich Geschick oder Eifer. Auch handwerklich ist Cynárea nicht weiter begabt und kann nur kleine Reparaturen, die im Haushalt anfallen, selbst erledigen.

Magie
Cynárea ist nicht magisch begabt.

Vergangenheit
Cynárea wurde in Ajunvar als zweite Tochter eines Apothekers geboren. Cynáreas Vater Jacek Boragin war der zweite Sohn einer alteingesessenen Apothekerfamilie, ihre Mutter Lucia eine Frau aus einem der umliegenden Dörfer. Drei Jahre nach ihr kam im Winter der vom Vater heiß ersehnte Junge zur Welt, ihr Bruder Nival. Als Cynárea fünf Jahre alt war, zog ihre Familie mitsamt Cynáreas Großmutter mütterlicherseits von Ajunvar nach Onvorthad, da sie sich dort, in einer größeren Stadt, bessere Einkunftsmöglichkeiten erhoffte. Und sie hatten recht: In einer Nebengasse des Marktplatzes bauten sie sich erfolgreich Apotheke und Kräuterhandel auf, die ihnen ein gutes Einkommen sicherten. Während der Vater als ausgebildeter Apotheker für Verkauf und Zubereitung der Arzneimittel zuständig war, half die Mutter neben dem Haushalt bei der Beschaffung der Kräuter und Inhaltsstoffe. Vieles wurde eingekauft, oft ging Lucia mit einem oder mehrerer ihrer Kinder aber auch selbst auf die Suche nach bestimmten Pflanzen in der Umgebung der Stadt. Bei einem dieser Ausflüge tollten die achtjährige Cynárea und ihr Bruder wie so oft trotz Ermahnungen der Mutter herum, jagten sich gegenseitig und waren der Mutter mehr im Weg, als ihr zu helfen. So kam es, wie es kommen musste: Beim Versuch, ihrem Bruder über einen steinigen Bach zu folgen, verhedderte sie sich in ihren Röcken, rutschte aus und schlug sich nicht nur das Knie auf, sondern knickte zwischen den Steinen so ungünstig um, dass sie sich das Bein kurz über dem Knöchel brach. Der Bruder schuldbewusst und die Mutter wütend und besorgt, brachten die heulende Cynárea nach Hause, wo ihr Vater ihr höchst selbst eine Schiene anlegte, Bettruhe verordnete und ihr und Nival dann eine saftige Strafpredigt hielt. Verärgert (sie war ja schließlich nicht mit Absicht hingefallen) versprach Cynárea, so etwas nicht noch einmal zu tun. Da der Bruch eher schlecht verheilte – wahrscheinlich war es Jacek nicht gelungen, den Knochen wieder exakt zu richten - hatte sie ohnehin lange keine Gelegenheit mehr dazu, und als sie ein dreiviertel Jahr später endlich wieder ohne Schmerzen laufen konnte, war sie langsam von dem wilden Mädchen zu einem ruhigen Kind geworden, das es nicht erwarten konnte, endlich erwachsen zu sein, und sich dementsprechend gab. Nur selten brach von da an ihre Wildheit noch durch, und das ist bis heute so geblieben. Zwischen ihr und den gleichaltrigen Freundinnen war eine Kluft entstanden, die sich nicht mehr so leicht überbrücken ließ – von da an waren ihre Geschwister ihre besten Freunde, und mit anderen Kindern hatte sie nur noch wenig zu tun. Auch zu ihrer Großmutter baute sie in dieser Zeit eine besondere Beziehung auf.

Das Jahr, das sie ohne viel Bewegung verbracht hatte, hatte ihr Vater dazu genutzt, sie mit reichlich Lesestoff (fast ausschließlich Kräuterbücher, Herbare und illustrierte botanische Werke, aber auch einige Romane, die nicht unbedingt für achtjährige Mädchen gedacht waren) zu versorgen. Sie brannte nun darauf, das theoretische Wissen über Pflanzen, das sie so erlangt hatte, praktisch anzuwenden.

Nicht nur Cynárea, sondern alle drei Kinder zeigten mindestens mäßiges Interesse am Beruf ihrer Eltern. Die älteste Tochter, Irida, hatte ein Talent darin, in der Apotheke nicht nur mit Beratung und Arzneimitteln, sondern auch mit freundlichem Klatsch und Tratsch zu handeln, was den Laden zu einem beliebten Anlaufpunkt für die Frauen der Umgebung machte und den Umsatz nicht unbeträchtlich steigerte. Nival widmete sich mehr den Rezepturen und deren Weiterentwicklung, der Erforschung von Wirkstoffen und der Haltbarmachung. Er begann mit 16 Jahren damit, die Rezepte seines Vaters niederzuschreiben, ein Projekt, für das dieser nie die Zeit gefunden hatte. Das daraus entstandene und bisher noch unvollständige Rezeptbuch wird gut verschlossen in der Apotheke in Onvorthad aufbewahrt. Cynárea letztendlich war nicht diejenige, die plappernd andere unterhielt oder lange experimentierte, um ein Quentchen mehr Wissen zu erlangen. Sie widmete sich mit Eifer dem Praktischen: dem Sammeln von Pflanzen, ihrer Anwendung, Auf- und Zubereitung und ihren Wirkungen.

Die Apotheke war zwar ein gut gehendes Geschäft, doch sie bot nur einer begrenzten Anzahl an Personen ein Auskommen. Als Irida mit 22 Jahren heiratete und ihr Mann mit in die Apotheke zog um dort zu helfen, wurde es eng – als sie ein Jahr später ihr erstes Kind bekam und bald darauf wieder schwanger war, wurde es absehbar, dass alle den Gürtel enger schnallen würden müssen. Was also, wenn Nival eines Tages auch eine Familie gründete? Cynárea wusste, dass es der Wunsch ihres Vaters war, dass der einzige männliche Erbe irgendwann einmal das Geschäft übernehmen sollte; das war schon immer klar gewesen. Das würde ihm die Möglichkeit geben, einmal eine Familie zu ernähren, während die Töchter ein gutes Auskommen durch eine Heirat erzielen konnten. Da eine solche Heirat für Cynárea aber nicht in Aussicht stand und auch nicht wirklich nach ihrem Geschmack war, musste eine andere Möglichkeit her. Eine Weile wälzte sie ihre Gedanken hin und her, dann sprach sie mit ihrem Vater: Sie wollte es ihren Eltern gleich tun und wie diese vor vielen Jahren in eine andere große Stadt ziehen, um dort eine Apotheke zu eröffnen – sie war überzeugt davon, genug von ihrem Handwerk und dem Geschäft zu verstehen, um erfolgreich zu sein. Und außerdem fand sie die Idee, ganz allein in die Welt hinaus zu ziehen, aufregend. Vielleicht hatte sie es sich ein wenig zu einfach vorgestellt…
Das sah auch ihr Vater so, doch er musste sich eingestehen, dass ihm selbst keine bessere Möglichkeit einfiel. Und er wusste von der Entschlossenheit seiner Tochter, die stets zu Ende führte, was sie einmal begonnen hatte.

So zog sie zum Ende des Winters vor 1 ½ Jahren mit einer Grundausstattung an Handelswaren und so viel Geld, wie die Familie entbehren konnte, flussabwärts nach Merridia. Ihr Vater hatte darauf bestanden, dass ihr Bruder sie begleitete, um ihr in der ersten Zeit behilflich zu sein. Cynárea sah es als Zeichen der Götter, dass schon ihre ersten Erkundigungen ergaben, dass es in der Krämergasse eine seit kurzem leer stehende Apotheke gab, deren Vorbesitzer verstorben war. Ihr Geld reichte gerade, das kleine, zweistöckige, zwischen zwei größeren Häusern eingezwängte Gebäude zu kaufen, ohne allzu große Schulden machen zu müssen. Begeistert und voller Vorfreude darauf, etwas eigenes aufzubauen, nachdem sie ihr ganzes Leben für das Lebenswerk ihres Vaters und die Familie gearbeitet hatte, machte sie sich daran, die Apotheke aufzuräumen, Hokuspokus und Ramsch aus den Regalen zu sortieren und mit Nivals Hilfe ihre ersten Kunden zu gewinnen. Was sich leider als schwerer erwies als gedacht, da der Vorbesitzer der Apotheke keinen allzu guten Ruf besessen hatte und mehr auf Liebestränke, Flüche, wirkungslose bis schädliche Mittelchen aus „Sternenstaub, Morgentau und Mäuseohr“ und sonstigen Aberglauben gesetzt hatte, was hin und wieder fatal für erkrankte Patienten geendet hatte. Es dauerte mehrere Wochen, bis die Neugier die ersten Käufer in die neu eröffnete Apotheke trieb und sie sich davon überzeugen konnten, dass Cynárea die altbekannten Kräuter und keine schwarze Magie verkaufte. Sie hegte sogar eine ausgesprochene Abneigung gegen wirkungslosen Hokuspokus und weigerte sich, so etwas zu verkaufen, obwohl mehr als eine Kundin nach einem Liebestrank fragte.
Als zweite Hürde erwies sich Cynáreas junges Alter. Einer erwachsenen Frau hätte man sich eher anvertraut und ihren Ratschlägen glauben geschenkt, doch Cynáreas Worten begegnete man zuerst mit Misstrauen. Besonders die Nachbarn konnten sich aber inzwischen mehrfach von Cynáreas Wissen überzeugen, und mit der Zeit wurden die Kunden zahlreich genug, um nach mehreren Monaten, in denen Cynárea kurz vorm Aufgeben stand, genug Profit zum Leben und zum Abzahlen der Schulden zu erzielen.

Nach einem Jahr besuchte Cynáreas Vater seine beiden Kinder in Onvorthad. Er begutachtete ihre Erfolge mit Zufriedenheit, und eröffnete ihnen dann, dass Nival mit ihm nach Onvorthad zurück kehren müsse. Den Eltern fiel es zunehmend schwerer, die erfolgreiche und gut besuchte Apotheke zu führen – sie spürten immer häufiger die Anzeichen des Alters, und der Vater wollte seinen Erben wieder zu Hause wissen, um ihm die letzten Geheimnisse und Fähigkeiten zu vermitteln, die zur erfolgreichen Führung des Geschäftes nötig waren.
Cynárea war es schwer ums Herz, denn Nival war ihr nicht nur eine große Hilfe, sondern eine letzte Verbindung zu ihrer geliebten Familie und nicht zuletzt auch ein guter Freund gewesen, der ihr die Arbeit des Alltags mit seinen Späßen kurzweiliger gemacht hatte. Doch sie ließ sich das nicht anmerken und versicherte den beiden, auch allein zurecht zu kommen. Helfen sollte ihr dabei eine Abschrift des Rezeptbuches, das Nival für ihren Vater angefertigt hatte, und die dieser seiner Tochter aus Onvorthad mitgebracht hatte. Die ersten paar Monate nach Nivals Abreise kam sie kaum zum Atemholen vor Arbeit, doch inzwischen bleibt ihr so viel Zeit zum Nachdenken, dass sie beginnt, sich einsam zu fühlen. Zwar reiste sie zweimal von Merridia nach Onvorthad zu ihrer Familie, doch das kann die vielen Tage, die sie mehr oder weniger allein verbringt, nicht aufwiegen.
Ans Heiraten, wie für junge Frauen ihres Alters üblich, denkt sie im Moment nicht, dazu nimmt die Apotheke sie zu sehr in Anspruch; wohl aber daran, einen Gehilfen oder eine Gehilfin einzustellen.

Ihre Tage sind ausgefüllt mit dem Sammeln von Kräutern und ihrer Haltbarmachung, dem Verkauf der Waren und alltäglichen Arbeiten. Inzwischen kennt sie die wichtigsten Vorkommen gängiger Kräuter in der Nähe Merridias und stößt auf ihren Streifzügen auch immer wieder auf seltenere Pflanzen, deren Standorte sie sich sorgfältig merkt und dann auf der letzten Seite ihres Rezeptbuches notiert. Hilfreich waren dabei auch Gespräche mit einigen hilfsbereiten Nachbarinnen, die ihr zumindest Vorkommen von Bärlauch, Beinwell, Pfefferminze und anderen verbreiteten essbaren oder heilenden Kräutern zeigen konnten.

Bei einem ihrer Streifzüge kurz nach der Abreise Nivals, der wie die meisten in das Gebiet südlich der Stadt führte (so konnte sie die teure Überquerung des Flusses vermeiden), sah sie an einer schwer zugänglichen Uferstelle des Tonsees eine alte Frau, die mit geschürzten Röcken im knietiefen Wasser des Ufers watete und Brunnenkresse in einen Korb sammelte.
Cynárea beschloss, sich davon nicht stören zu lassen, und folgte auf ihrer Suche langsam dem mit nur wenigen Bäumen bestandenen Wiesenufer des Sees, um in der feuchten Erde nach Baldrianwurzeln zu graben. Mit einem Grabstock hebelte sie die Rhizome aus dem weichen Erdreich, mit dem Messer schnitt sie die Wurzeln ab und ließ sie in den Korb fallen, den sie auf dem Rücken trug. Sie achtete darauf, immer mindestens die Hälfte der Pflanzen stehen zu lassen, und wenn sie zwischen den hohen Stängeln Wasserminze oder Vogelmiere fand, nahm sie auch davon eine Handvoll mit, um sie später zur Bereicherung ihres Abendessens zu verwenden. Sie hatte sich schon fast bis in Sichtweite der nördlichen Straße nach Shannija vorgearbeitet, und hatte gerade beschlossen, sich noch von den schattigen Waldrändern der ersten Ausläufer des Königswaldes ein paar Brombeerblätter mitzunehmen und vielleicht ein wenig von den ersten reifen Früchten zu naschen, als sie ein Geräusch hörte, erschrocken den Kopf hob und dicht vor sich eben jene alte Frau erblickte, die sie vorhin am Seeufer beobachtet hatte. Mit einem freundlichen, dabei aber fast schon aufdringlich interessierten Blick wurde Cynárea taxiert und dann offensichtlich für ausreichend befunden, denn die weißhaarige Frau mit den abgetragenen Kleidern trat näher, warf einen Blick auf ihre Hände, in den Korb auf ihrem Rücken, auf die grünfleckige Schürze und schenkte ihr schließlich ein zahnloses Lächeln. Cynárea ließ dies höflich über sich ergehen – man hatte ihr stets Respekt vor dem Alter anerzogen – doch dass sie sich dabei nicht sonderlich wohl fühlte, konnte sie nicht verbergen. Die heiseren Worte der Alten ließen sie dieses Unbehagen jedoch schnell vergessen:
„Soll ich dir zeigen, wo du Wermut finden kannst?“
Die junge Apothekerin nahm das Angebot begierig an, und wurde von der Alten – Beathag hieß sie, wie sie später erfuhr, und stammte ursprünglich aus Córalay – an einen sandige Kuppe im alten Auwald am Aras-Kanal geführt, wo es tatsächlich ein Vorkommen der für diese Gegend nicht typischen Pflanze gab. Während Beathag sich auf einem umgestürzten Baum niederließ und Cynárea die aromatisch duftende Pflanze bündelweise sammelte, wurde sie die Geheimnisse der Anwendung gegen Schlaflosigkeit, zur Appetitanregung und gegen Krämpfe eingeweiht. Cynárea schwieg respektvoll, während die kratzige Stimme der Kräuterfrau erklärte und beschrieb, immer wieder längere Pausen einlegte und auch ein- oder zwei persönlichere Fragen an die junge Frau richtete. Irgendwann bedeutete sie ihr, nicht weiter zu sammeln. Die Pflanzenbündel wurden geteilt, Cynárea bedankte sich und kehrte zurück in die Stadt – wo sie die Gedanken an die Zufallsbegegnung nicht mehr los ließen. Trotz ihres Alters, trotz der zerlumpten Kleidung und der scheinbaren Gebrechlichkeit war sie eine bemerkenswerte Erscheinung, die die Lebensweisheit, die Menschenkenntnis und ein gutes Maß an Inszenierungstalent besaß, die Cynárea noch fehlten.

Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass sie Beathag mehr oder weniger zufällig traf. Trotz weniger Worte verstehen die beiden sich gut, denn beide teilen den gleichen Wissenshunger in Bezug auf Pflanzen. Beathag zeigt ihr die Orte, an denen die selteneren der Kräuter wachsen, Cynárea erledigt dafür Besorgungen in der Stadt für sie. Obwohl Beathag hin und wieder auch ein wenig kauzig auf Cynárea wirkt, saugt sie doch jedes Quentchen Wissen, dass ihr die alte Kräuterfrau vermittelt, wie ein Schwamm auf.

Ist das Wetter nicht geeignet, um außerhalb der Stadt umher zu streifen, erledigt Cynárea Besorgungen innerhalb der Stadtmauern. Viele Pflanzen und exotische Gewürze kauft sie, statt sie selbst zu sammeln. Gegen Mittag kehrt sie normalerweise in die Apotheke zurück, um Kunden ihre Kräuter zu verkaufen. Wenn keine Käufer da sind, nutzt sie die Zeit, um in der Küche Arzneien herzustellen, Pflanzen weiter zu verarbeiten oder einfach ihr Abendessen zu kochen.

Restliches
Die Apotheke
Cynáreas Apotheke mit Verkaufs-, Lager- und Wohnraum befindet sich in einem schmalen, zweistöckigen Gebäude in der Krämergasse nicht weit entfernt vom Bettelmarkt. Die Front des Gebäudes ziert ein Schild mit der Aufschrift „Cnr. Boragin - Apotheke und Kräuterhandel“.
Die untere Etage der Apotheke ist aufgeteilt in einen kurzen Flur mit Tür zum Garten und eine Küche, die auch als Arbeitsraum genutzt wird und der einzige über die Feuerstelle beheizbare Raum des Hauses ist (beides im hinteren Teil des Gebäudes), und den Verkaufsraum, der die gesamte vordere Hälfte einnimmt. Eine Glocke an der Tür verrät ihr, wenn jemand die Apotheke betritt. Eine Theke, die über die ganze Breite des Raumes läuft und hintere und linke Wand von den Kunden trennt, ist voll gestellt mit Dosen, Schalen voll duftender Kräuter und Arbeitsgeräten wie Mörser, verschiedenen Messern und Hobeln zur frischen Zubereitung von Arzneien, und einer Menge sauberer, weißer Leinentücher, in denen Cynárea Gewürze und Kräuter verpacken kann, wenn diese nicht wie Salben oder Tinkturen in Glas- oder Tongefäßen verkauft werden.
Eine große Waage steht außerdem auf der Theke.
Die hintere und linke Wand wird, bis auf eine schmale Tür zur Küche, vollständig von deckenhohen Regalen eingenommen, die gefüllt sind mit sorgfältig geordneten und beschrifteten Apothekergläsern und Behältnissen aller Art, die verschiedenste haltbare Kräuter, Gewürze und Arzneien enthalten.
In der linken Ecke befindet sich die Steile Treppe in die obere Etage.

In der zweiten Etage befindet sich, zu erreichen über diese Treppe, Cynáreas Kammer. Ein zweiter, etwas kleinerer Raum ist über einen schmalen Flur zu erreichen und wird im Moment nicht genutzt. Bis vor einem halben Jahr schlief ihr Bruder Nival dort.
Cynáreas Schlafraum ist eher spartanisch eingerichtet – hauptsächlich, weil sie nicht das Geld für eine luxuriösere Einrichtung besitzt, nicht weil sie grundsätzlich auf Bequemlichkeit verzichtet. Ein Bett, eine große Truhe, eine Kommode, ein Stuhl und eine Waschschüssel machen die gesamte Einrichtung aus. Auf dem Boden vor dem Bett liegt ein zerschlissener Läufer, und vor dem kleinen Fenster gegenüber der Tür schützt ein dicker Vorhang vor Zugluft. Der Abzug des Kamins in der Küche befindet sich genau zwischen beiden Zimmern, so dass die Räume im Winter ein wenig von der Wärme abbekommen, die durch den Schornstein abzieht.

Am Ende des Flurs führt eine Leiter zum Dachboden des Hauses. Dieser wird von Cynárea zum Trocknen der Kräuter genutzt. An den Balken aufgehängte duftende Bündel von Schafgarbe und Pfefferminze, auf Tüchern ausgebreitete Salbeiblätter, Thymian und Ringelblumenblüten, Hagebutten wilder Rosen und weitere Pflanzenteile aller Art füllen den Spitzboden fast völlig aus.

Hinter dem Haus schließt ein kleiner Garten an, der von Cynárea aufgrund Zeitmangels bisher aber nur halbherzig (zum Anbau von Knoblauch und ein wenig Gemüse) genutzt wurde. Allerdings findet man dort reichlich Ringelblumen, die von Cynárea nicht weiter gepflegt werden müssen und von ein paar Pflanzen abstammen, die sie aus Onvorthad mitgenommen hat. Einige andere Kräuter wie Pfefferminze oder Brennnessel wachsen dort ebenfalls von selbst und werden von Cynárea bei Bedarf genutzt. Sie hat sich vorgenommen, bald richtige Beete anzulegen.

Beathag
Eine Frau um die siebzig, die Witwe eines Wildhüters im Königswald nahe Merridia. Sie weigerte sich trotz Drängens ihrer beiden erwachsenen Söhne, die in Merridia leben und arbeiten, nach dem Tod ihres Mannes die alte Hütte zu verlassen und lebt dort allein. Sie ist schon seit sie in jungen Jahren aus Córalay kam als Kräuterfrau bekannt und geschätzt, wenn auch einige weniger freundliche Gerüchte über sie im Umlauf sind. Die Tatsache, dass sie die meisten der Bewohner der umliegenden Siedlungen auf die Welt gebracht hat und noch öfter kleine und größere Verletzungen sowie Krankheiten behandelt hat, sichern ihr jedoch Dankbarkeit und Auskommen.
Trotz ihres Alters ist Beathag noch recht gut zu Fuß, und noch flinker ist ihr Geist, auch wenn sie das aus taktischen Gründen manchmal gut zu verbergen weiß.

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