Profil von Ara

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Glücksritter
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Benutzername:
Ara
Gruppen:

Charakter

Alter:
48
Rasse:
Erdgeist
Heimat:
Steppe

Steckbrief

Name: Noahkee-wa ta Okhmatha ta Takanawi so lautete der Name des Halbdämons, den er sich verdient hatte. Die Endsilbe ‚wa‘ zeichnet ihn als Krieger seines Stammes aus, während Okhmatha die Familie war, in die er geboren wurde und Takanawi der Stamm ist, dem er angehört. Übertragen würde sein Name in etwa bedeuten: „Herz der Erde aus der Familie der Talpirscher vom Stamm derer die im Land des Nebels herrschen“. Sein Geburts- und damit Kindername war Orenaka, „Kind des wehenden Sandes“. Das zweite Gesicht gab sich selbst den kurzen und einprägsamen Namen Ara. Seinen vollen Namen verwendet er schon lange nichtmehr und wird von den meisten nur Ahkee genannt (gesprochen Ahki).

Alter: 48

Rasse: Steppenreiter-Erdgeist (Dämon)

Aussehen: Groß, verschlagen, kriegerisch aber auch wild und ein wenig hinterhältig, so wirkt Noahkee auf viele Fremde. Jemandem dem man aus dem Weg geht, weil man sich nicht sicher ist, ob er einem nur den Geldbeutel abnimmt oder ob er einen mit aufgeschlitzter Kehle im Graben liegen lässt. Manch einer geht so weit und sagt seiner Erscheinung etwas verrücktes, fast schon wahnsinniges nach. Und komplett an der Wahrheit geht dies nicht einmal vorbei. In aufrechter Haltung misst er 6,2 Fuß und überragt damit nicht bloß andere Steppenreiter um eine Stirnhöhe. Er ist von mäßig schlanker aber nicht hagerer Statur. Sehnig und doch kräftig mit den Spuren eines entbehrungsreichen Lebens. Trotz seiner Größe und der zwielichtigen Erscheinung wirkt er jung. Ein Bursche, nicht älter als Anfang bis Mitte zwanzig, was ohne weiteres dem dämonischen Blut in seinen Adern zugeschrieben werden kann. Sogar seine Gesichtszüge haben den jugendlichen Ausdruck gewahrt. Selbst das strenge Gesicht der Steppenreiter mit seinen hohen markanten Wangenknochen und der ausgeprägten Kieferlinie und den eingefallenen Wangen können daran nichts ändern. Seine Nase ist schmal und gradlinig und fügt sich damit in das länglich ovale Gesicht. Besonders markant sind seine stechend blau-grauen Augen die von den dünnen dichtschwarzen Augenbrauen umrahmt sind. Raubtierhaft liegt diesen Augen etwas Magisches inne und sieht man genauer hin erkennt man feine sandfarbene Punkte die wie ein ewiger Sturm in seinen Iriden toben. Oft sind seine Augen von dunkel blauen bis blässlich roten Augenringen untermalt und wirken dennoch listig, wach und aufmerksam. In den seltenen Momenten in denen der Halbdämon die Beherrschung verliert, scheint auch der ewig wütende Sturm außer Kontrolle zu geraten, dann versiegt das stechende blaugrau und ergibt sich einem kräftig goldenen Braun. Der Schamane der Takanawi sah in diesen Augen das unbestreitbare Erbe der Erde. Das Wesen einer Naturgewalt. Sein Mund ist schmal, die Unterlippe etwas fülliger als die Oberlippe aber beide nur von blassem Rot. Auch darüber hinaus wirkt Noahkee weder sonderlich zivilisiert, noch wirklich gepflegt oder gar adrett. Seine wilde schwarze Mähne reicht ihm hinten etwa bis zur Mitte des Rückens. Im Nacken sind die glänzend schwarzen Haare zu Filzlocken verflochten, die er mit verschiedensten Federn schmückt. Man sieht und riecht dass er nicht viel Zeit in sein Aussehen und seine Pflege investiert. Vorne reichen ihm die Haare bis über das Kinn hinaus und die Seiten sind zumeist kurzgeschoren. Auf der rechten Seite zieht sich eine deutliche Narbe vom fülligen Haar her, quer am Ohr vorbei bis knapp auf seine Wange. Selbst wenn er die Haare etwas wachsen lässt sticht die Narbe darunter noch hervor.
Trotz dessen das der Halbdämon über die Hälfte seines Lebens in den Nordreichen verbracht hatte, hat er einige Eigenheiten der Steppenreiter beibehalten. Zu entsprechenden Anlässen trägt er noch immer die charakteristische rote Kriegsbemalung auf, die sich vom Gesicht über den Hals auf den Oberkörper herab bis auf die Arme schlängelt und dabei in groben sowie feinen Linien und Mustern ausartet. Die Farbe besteht aus einer Mischung von Lehm und einem Extrakt aus wilden Beeren. Selbst der spärliche Schmuck den er trägt, entspricht den traditionellen Eigenarten seines Volkes. So trägt er eine schlichte Kette aus einem Lederbändchen an der einige Wolfszähne baumeln, sowie einen Ohrschmuck aus dem Horn des Ukhaan. Beides hat symbolischen Wert für ihn. Die Zähne stammen von seiner Prüfung zum Erwachsenenalter und das Horn stammt von dem ersten Ukhaan das er Seinerzeit erlegte.

©savagedryad
Noch symbolischer und von noch größerem Wert ist lediglich seine heilige Maske. Sein Großonkel selbst – seines Zeichens Schamane – hatte sie vor vielen Jahren kunstvoll gefertigt, obwohl der Junge damals noch gar nicht in dem Rang war eine eigene Maske zu erhalten. Sein Erbe hatte ihn immer zu etwas besonderem gemacht und demnach unterschied sich die Maske auch von denen seiner Stammesbrüder die sich wirklich eine Maske verdient hatten. Sie besteht aus festem dunklem Holz, das Noahkee nachträglich selbst mit Kalk bleichte. Neben den großen Öffnungen für die Augen hat sie keine weiteren Aussparungen, verfügt also weder über Mund noch Nase. Der Schamane sagte ihm, er würde sie vollenden sobald er die nötigen Prüfungen abgelegt hatte. Bis dahin sollte sie ihm als Erinnerung für das Dienen, was er noch vor sich hatte. Der Rand der Maske ist mit dem Fell von Noahkees erstem Pferd gesäumt. Die symbolische Verbindung zwischen Reiter und Ross. Weiter sind neben den Augen zwei kleine Schnüre aus Wildleder befestigt, die mit knöchernen Perlen und Federn verziert sind. Über die Front der Maske verlaufen kunstvoll eingearbeitete Linien die an die Kriegsbemalung der Takanawi erinnern. Auch sie sind noch nicht vollendet. Die heiligen Masken wurden von den Takanawi nicht alltäglich verwendet und dienen eher rituellen als praktischen Zwecken, auch wenn sie bei einigen Kämpfen getragen werden. In seiner menschlichen Gestalt trägt der Halbdämon seine Maske häufig für Überfälle und auf Raubzügen aber auch für seine Bräuche verwendet er sie noch. Mit der Zeit hat die Maske einige Spuren davongetragen und feine Kratzer säumen das gebleichte Holz an der Front. Da das Schicksal einen anderen Weg für ihn vorgesehen hat, wird sie wohl nie vollendet werden, wenngleich Noahkee sie auch in ihrem jetzigen Zustand schätzt. Und wenn es nur dafür ist, um damit Eindruck zu schinden. Wenn er die Maske nicht trägt, bindet er sie sich an den Ärmel oder neben den Dolch an die Hüften.

Seine Kleidung ist eine pragmatische Kombination aus der charakteristischen Kleidung der Steppenreiter und Teilen die er in den Nordreichen erbeutet und für Nützlich befunden hat. Pragmatisch, nicht ästhetisch aber funktionell, darauf kommt es ihm an. Um die Beine trägt er in der warmen Jahreszeit einfache Fellwickelungen aus grauem Hirschfell die von knapp über den Knöcheln bis kurz unter die Lenden reichen. Sie werden mit stabilen Lederbändern gebunden, die in einem gekreuzten Muster über das ganze Bein verlaufen. Als Schuhwerk dienen robuste hellbraune Wildlederstiefel, gefüttert mit Ziegenfell, die ihm bis zur Hälfte der Wade reichen. Um die Hüften trägt er in dieser Jahreszeit ein weiteres dickes Hirschfell, das nach unten etwa bis zur Mitte der Oberschenkel und nach oben bis kurz unter den Nabel reicht. Es wird mit einem robusten Ledergurt gehalten, der mehrfach um die Hüfte geschlungen wird und an dem auch ein verstärkter Lederbeutel und sein Dolch befestigt sind. Diese Kombination bietet ausreichend Schutz vor der Witterung wie auch genügend Bewegungsfreiheit, sowohl auf dem Rücken eines Pferdes sowie zu Fuß. In dem Lederbeutel bewahrt er Utensilien wie Feuersteine, Proviant oder auch Münzen und Kräuter auf. Auch auf Oberbekleidung verzichtet der junge Halbdämon in der warmen Zeit meist vollständig. Außer für Kämpfe oder wenn er in einen Ort zieht. Dann trägt er eine robuste dunkelbraune Lederjacke mit einigen stählernen Ringnieten entlang der Ärmel, über deren Schulter er dann auch das lederne Waffengeschirr wirft. In den kälteren Monaten trägt er die Jacke ebenfalls, staffiert sie aber mit Fellen aus. Dazu hat er eine mit Schafswolle gefütterte Wildlederhose für die kälteren Monate. In Verbindung mit der zähen Natur der Steppenreiter ist damit für ausreichend wärme gesorgt. Sowohl Beinwickel wie auch Hose sind bereits von einigen Ledernen flicken gesäumt und zeigen hier und dort die Spuren von laienhaften Reperaturarbeiten, erfüllen aber noch tadellos ihren Zweck. Nur die Stiefel und die Jacke weisen Spuren von professionellen Ausbesserungen auf.

Als Kämpfer, Krieger, Räuber, Bandit und Wegelagerer trägt man auf Kurz oder lang auch Spuren davon. Narben wie die an seinem Schädel die von den zahllosen Erlebnissen, Triumphen und Niederlagen kunden. Auf seinem linken Unterarm zieht sich fingerlang und daumenbreit eine Narbe lang, die von einem offenen Bruch aus Kindertagen zeugt. Rechts auf den Rippen unterhalb der Achsel bis zu den Hüftknochen verlaufen etliche kleine Narben die von Größe und Beschaffenheit den Wunden gleichen, die durch Pfeilspitzen entstehen. Sie stammen von Gesteinssplittern. Irrläufer seiner eigenen Magie. Sie sind dunkel und weisen auf schlechte Verarztung sowie Verschmutzung der Wunden hin. An seinem äußeren rechten Oberschenkel verläuft eine lange dicke Narbe vom Hüftknochen hinunter bis ans Knie. Über dem rechten Hüftknochen ist eine schwarze, daumengroße ‚6‘ tätowiert. Andere kleinere Vernarbungen entlang der Beine und am Rücken sowie den Ellbögen sind Rückbleibsel von etlichen Stürzen vom Pferd. Geradezu generisch für einen Steppenreiter.

Das zweite Gesicht – Ara: Noch bedrohlicher als ohnehin schon, wirkt Noahkee wohl nur noch, wenn sein zweites Gesicht zum Vorschein tritt. Wortwörtlich ein zweites Gesicht an der Hinterseite seines Kopfes. Die Takanawi gingen davon aus, dass Noahkee sich den Körper mit einem Erdgeist teilt. Das er ein Erdgeist wäre, der Mensch und Element in sich vereint. In Wahrheit ist es natürlich das Gesicht seiner dämonischen Hälfte. Doch in wie weit unterscheidet sich das schon vom Glaube der Steppenreiter wenn nicht bloß in den Worten die es beschreiben? Es ist das Gesicht von Ara. Es hat seinen eigenen Willen, seinen eigenen Verstand und ist doch untrennbar mit dem Steppenreiter verbunden. Während das vordere Gesicht des Steppenreiters wild, einschüchternd aber gewiss nicht hässlich ist, ist Aras Gesicht schaurig. Monströs. Es ist eine wirklich dämonische Fratze. Tritt es unter der schwarzen Mähne hervor, scheint es immer noch ungewöhnlich flach, von der Nase einmal abgesehen weist es weder eine wirklich definierte Kieferpartie noch eine richtige Stirn auf. Insgesamt ähnelt es aber ansonsten den Gesichtszügen Noahkees. Die bemerkenswertesten Unterschiede sind wohl der ungewöhnlich breite Mund, fast ein Drittel weiter als des Steppenreiters. Er weist keine Oberlippe auf und die Unterlippe ist dünn und dunkel – fast schon schwarz. Die fehlende Oberlippe entblößt permanent das leuchtend rote Zahnfleisch weshalb man auch permanent die massiven Zähne sehen kann, die wie spitze Mahlsteine wirken. Seine Augen sind schmal und Mandelförmig und die Pupillen entbehren allem menschlichen. Sie sind nämlich senkrecht und eng wie die einer Katze. Die Iriden sind von einem matt golden sandfarbenen Braun und wirken leer und trübe, was daran liegt, dass Ara blind zur Welt kam. Wer bei diesem Anblick nicht bereits die Flucht ergriffen hat, der muss Lebensmüde oder – wie Ara – blind sein. Zweitere dürften wohl dann die Flucht ergreifen wenn Ara sein abscheuliches Maul öffnet, die breite, flache und ungewöhnlich lange Zunge daraus hervorkommt und er zu sprechen beginnt. Wie grollende und bebende Erde erschüttert seine Stimme Mark und Bein und lässt selbst gestandenen Männern die Nackenhaare zu Berge stehen.

Dämonengestalt – Tenku-kee – Die Rache der Erde:
© 2013 Eric Wemhoener
Tenku-kee nannten die Takanawi Noahkees dämonische Form als sie sie zum ersten Mal erblickten. Unfreiwillig und alles andere als zu ihrem Vergnügen. Dem weisen Schamanen der Takanawi war sofort klar, dass es eine Ausartung des Erdgeistes sein musste, der mit Noahkee verbunden ist. Ein Rachegeist der die sterblichen dafür Straft, dass sie der Erde nicht mit genügend Respekt begegnen. Eine sehr diplomatische Sicht, die kaum einer teilen kann, wenn er dieser Kreatur gegenübersteht. Ein Titan. Größer als jeder Bär. Zwischen Elf und Dreizehn Fuß misst das Ungeheuer in aufrechter Haltung, welche es aber nie innehat. Seine massive, bullige Gestalt zwingt ihn in eine gebeugte Position. Die schwarzen Haare ziehen sich wie die Mähne eines Pferdes struppig über den gesamten Rücken. Aus den Unterschenkeln sprießt ein graubrauner Pelz, wie der eines Ebers und seine Füße werden zu mächtigen Hufen, so groß wie ein Teller. Seine Arme sind in diesem Zustand breit wie kleine Baumstämme und aus den Händen werden gewaltige Pranken aus denen jeweils vier kurze, sich nach vorne verjüngende Klauen herausragen. Ab den Knien unterhalb derer der Pelz sprießt, ziehen sich knöcherne Wucherungen über seinen gesamten Körper, die in Struktur und Farbe Gestein sehr ähnlich sind. Selbst über seine Augen ziehen sich diese Wucherungen und nur das breite Maul bleibt davon verschont, dass in dieser Gestalt dem Aras gleicht. An einigen Stellen zeichnen sich in der steinernen Struktur feine Linien ab, denen Noahkees Kriegsbemalung nachempfunden ist. Selbst seine Ohren werden groß. Groß, spitz und haarig wie die Ohren eines Hirsches. Über den Ohren sprießen zwei gewaltige Hörner hervor die einem steinernen Geweih gleichen. Um die Hörner herum und entlang seiner Stirn sprießen kleine knöcherne Dornen, die wie ein Meer aus Stalagmiten anmuten. In dieser Gestalt wirkt er schwerfällig und träge, was bei einem Gewicht das den Boden beben lässt nicht verwunderlich ist. Aber wie ein Bär kann er sich auf allen Vieren erstaunlich schnell bewegen, was durch die nach vorne abgewinkelten Sprunggelenke und die kräftige Beinmuskulatur noch verstärkt wird.

Waffen: Ein Dämon kämpft mit seiner Magie, so ist es bekannt. Bei Noahkee trifft diese Binsenweisheit aber nur gelegentlich zu. Magie birgt Gefahren, ist Risikobehaftet und gelegentlich unkontrollierbar. Mit konventionellen Waffen sieht es da schon ganz anders aus. Über eine gut geführte Klinge verliert man nicht die Kontrolle. Ein anständig gehaltener Speer erfüllt stets seinen Dienst. Noahkees Hauptwaffe ist ein gut ausbalancierter Anderthalbhänder aus robustem Stahl. Die Klinge misst in etwa 43 Zoll und der Griff charakteristische 11 Zoll. Von dem leicht verlängerten Griff stammt die Bezeichnung Anderthalbhänder, da er knapp eine halbe Handbreite länger ist als gewöhnliche Schwertgriffe. Er ist mit dunklem Wildleder umwickelt und am Ende befindet sich ein Knauf in pyramidenform, der sich nach unten verjüngt. Die Parierstange ist schlicht und in einer ausläufigen V-Form angelegt. Das Schwert trägt Noahkee auf dem Rücken, wo die ebenfalls wildlederne Scheide am Waffengurt befestigt ist. So lässt sich die Waffe auch im Ritt schneller ziehen und verwenden. Des Weiteren besitzt er einen knöchernen Dolch der mit dem Griff aus Hirschhorn knapp eine Elle misst. Den Dolch trägt er unter den Gürtel geklemmt und wegen der Beschaffenheit von Knochen eignet er sich weniger für den Kampf als für handwerkliche Aufgaben wie das Ausweiden von Tieren. Die Klinge ist beidseitig geschärft und hat bereits einige Gebrauchsspuren in Form kleinerer Kerben die sich entlang der Klinge ziehen.

Charakter: Noahkee ist wild, hitzköpfig etwas arrogant und ganz gewiss kindisch. Selbst von seiner Art her wirkt er nicht älter als er aussieht und entspricht damit nicht im Geringsten seinem eigentlichen Alter. Sein Wesen rührt wohl daher, dass er weder wirklich die Gelegenheit noch den Anreiz hatte richtig erwachsen zu werden. Die ersten Jahre seines Lebens hat er in der Steppe verbracht und dort haben sich bereits einige seiner Wesenszüge gebildet. Entgegen den meisten Dämonen mag er nämlich Gesellschaft. Von Kindesbeinen an hat er gelernt wie wichtig der Zusammenhalt einer Gruppe ist und bis heute schätzt er die Gesellschaft anderer. Er umgibt sich gerne mit Freunden und jenen die ihm sympathisch sind. Seine Sympathie zu gewinnen ist dabei nicht einmal schwierig. Er mag Freigeister und Leute die zu ihrer Meinung stehen – wenn sie dazu das Rückgrat haben für sich selbst einzustehen ist dies umso besser. Charakterschwache Leute, Duckmäuse und jene die mit ihrer Belesenheit prahlen ohne einen Tag in der Wildnis überleben zu können, sind ihm dafür von Grund auf unsympathisch. Er kann es nicht ausstehen wenn sich jemand ihm gegenüber herablassen verhält nur weil er ein Kind der Straße ist. Mit den Jahren hat der Halbdämon gelernt seine Aggressionen zu beherrschen oder zumindest auf den Kampf zu projizieren, wenn aber jemand einfach nicht davon absehen kann ihn zu provozieren oder ihm mit herablassender Art unaufhörlich auf die Nerven geht, dann kann das auch mit einer gebrochenen Nase enden. Allgemein scheut er weder Konflikte noch Auseinandersetzungen. Meistens hat er sogar Spaß daran. Sein Lebensweg kommt ja nicht von ungefähr. Einer einfachen Schlägerei ist er nur selten abgetan und sowohl seine jugendlich anmutende Leichtsinnigkeit wie auch die Überheblichkeit die mit seinem dämonischen Wesen einhergeht, sorgen häufig dafür, dass er sich Hals über Kopf in Situationen stürzt, deren Risiken er nicht wirklich kalkulieren kann. Nicht selten ist es nur seinen angeborenen Fähigkeiten zu verdanken, dass er unbeschadet davonkommt. Die vielen Erfolge und die Macht über die er verfügt und von der er auch gerne Gebrauch macht, tragen dabei wesentlich zu seiner Überheblichkeit bei.

Noahkee ist aber keinesfalls immer so. Die Jahre haben ihn gelehrt auch einmal ruhiger zu sein und vermutlich liegt es an der Beständigkeit seines Elements, dass er sich auch gelassen zurückhalten kann – wenn er will. Zumeist ist er ein aufmerksamer Beobachter und wenn ihn nicht etwas völlig aus der Bahn wirft, nimmt er sich auch die Zeit eine Situation erstmal genauestens zu analysieren. Im Kampfgeschehen erweist sich das als nützlich, in zwischenmenschlichen Beziehungen mangelt es ihm dann aber doch an Empathie um immer den Durchblick zu wahren. Er sagt eigentlich immer direkt heraus was er denkt und sieht auch keine Notwendigkeit darin seine Meinung zu beschönigen. Dabei gibt es zwei Ausnahmen. Die erste ist natürlich wenn er sich etwas davon verspricht. Wenn eine Lüge oder eine ausgelassene Wahrheit ihm zum Vorteil gereichen, dann wird er davon auch Gebrauch machen. Der geschickteste Lügner ist er wohl aber nicht und das er dazu noch etwas zwielichtig aussieht hilft ihm auch nicht recht. Trotzdem kann er mit Worten umgehen, wobei sein Vokabular zweifelsfrei von der Straße und nicht vom Hofe stammt. Die andere Ausnahme leitet sich letztlich wohl von der ersten ab, betrifft aber explizit das andere Geschlecht. Wie fast alle Dämonen plagt auch ihn der Drang sein Erbe zu verbreiten. Die Erfahrung hat gezeigt dass es eigentlich allen jungen Männern so geht, bei Dämonen scheint es aber ausgeprägter. Dafür legt er auch gerne mal seine schroffe Art ab und kann beinahe Charmant sein. Auf feste Bindungen ist er aber nicht aus. Da müsste ihm schon jemand wirklich besonderes den Kopf verdrehen. Ihm geht es wie in seinem restlichen Leben eher um Vergnügen. Wenn er Spaß dabei hat ist für ihn alles in bester Ordnung. Verantwortung übernehmen ist gewiss kein Vergnügen und schon der Gedanke daran ist ihm ein Graus. Für sein Vergnügen stört es den Halbdämon auch nicht wenn andere dafür kürzer treten müssen. Nicht unwahrscheinlich das an dem ein oder anderen Ort ein unfreiwilliger Spross von ihm bereits sein Unwesen treibt. Per se skrupellos ist er jedoch nicht. Und schon gar nicht um des reinen skrupellos sein Wollens. Sein Verständnis von der Welt sagt einfach, dass man sich nimmt was man will, denn man kriegt im Leben nichts geschenkt. Er hat aber auch gute Seiten – manchmal. Der Typ der holde Jungfrauen in Nöten rettet ist er nicht, aber besonders Straßenkinder dessen Schicksal er nur zu gut kennt, haben sein Mitgefühl. Schon das ein oder andere Mal hat er etwas von dem Überschuss den er besaß - wenn er ihn denn besaß - an eben solche abgegeben. Diese Eigenart beruht vermutlich auch auf seinem Glauben. Die Religion der Steppenreiter hat er nie abgelegt und obgleich es wesentlich Frommere gibt als ihn, glaubt er an Mutter Erde, Vater Himmel und Ahnen sowie Naturgeister. Er glaubt daran, dass die Welt auf einem natürlichen Gleichgewicht beruht und manchmal muss dieses Gleichgewicht eben gewahrt werden. Der Natur fühlt er sich ohnehin verbunden. In den Nordreichen wurde er zwar des Öfteren mit dem Begriff Dämon konfrontiert, wie sein Stamm einst glaubt er aber Teils ein Geist der Erde zu sein. Daher schätzt er fahrlässigen Umgang mit der Umwelt der Menschen auch nicht im Entferntesten. Selbst das was die meisten Ostlinge für Aberglaube halten ist in ihm noch immer verankert. Unter dem schützenden Schatten eines Baumes schlafen ohne den Baumgeistern dafür gebührend zu danken? Ein Unding! Von Politik wiederum versteht er rein gar nichts. Er hat sich nie dafür interessiert was die hohen Herren machen und selbst welcher Landstrich nun welchem Fürsten gehört ist ihm herzlich egal. Was seine Ziele betrifft hat ihn die Bescheidenheit der Steppenreiter und das Leben auf der Straße geprägt. Ein höheres Ziel für das es sich zu sterben lohnte hatte er nie. Der Halbdämon ist auch zu pragmatisch als das er irgendwelchen Träumereien nacheifern würde. Stattdessen lebt er von Tag zu Tag und von der Hand in den Mund. Solange er seine Freiheit genießen kann ist er zufrieden, weswegen seine größte Angst wohl auch wäre diese Freiheit zu verlieren. Das einzige was ihm abseits dessen noch im Kopf rumschwirrt ist die verschwindend geringe Hoffnung, irgendwann einmal doch zu erfahren, was seinen Freunden wiederfahren ist. Im Kontrast dazu steht seine profane Angst vor Wasser. Das nasse Element kann er auf den Tod nicht ausstehen, ob es nun darum geht sich zu waschen oder wenn er von einem Regenschauer überrascht wird. Feuchte Erde beschränkt seine Magie, weswegen er sich bei Nässe und Regen gehörig unsicher und unwohl fühlt. Ein einfacher Regenschauer reicht manchmal schon aus um ihn aus der Ruhe zu bringen und auch an seiner Konzentrationsfähigkeit kratzt dies heftig.

Ara: Das Zweite Gesicht unterscheidet sich gewaltig von Noahkee. Ara ist böse, unheimlich gewitzt und hinterhältig. Er liebt die Auseinandersetzung, Kampf und Gewalt. Andere leiden zu sehen ist für ihn ein ganz gewöhnliches Vergnügen wie für andere der alltägliche Biergenuss. Wenn er kämpfen, lügen und Zwietracht sehen kann ist er glücklich. Aber er ist nicht dumm oder gar stumpf. Ganz im Gegenteil! Er verfügt über weitaus mehr Weitsicht als Noahkee und ist in fast jeder Lebenslage bedachter als dieser. Man kann von Glück reden, dass Noahkees Lebensweg sich so gut mit den Interessen seines zweiten Ichs deckt, sonst wäre es wohl deutlich häufiger zu Konflikten gekommen. Doch selbst Ara kann etwas wie Sympathie hegen. Er mag jene die seine Interessen teilen und ähnlich skrupellos sind wie er. Soziopathen sind die perfekte Gesellschaft für ihn wenn man so will. Über die Jahre hat der Halbdämon aber gelernt das zweite Gesicht zu zügeln, wenngleich es oft dem Kalkül Aras zu verdanken war, dass er Noahkee nicht in den falschen Momenten in die Quere gekommen war. Bei dem extremen Wesen Aras klingt es beinahe schon unglaubwürdig wenn man sagt, dass er und Noahkee sich auf eine eigenwillige Weise dennoch gut verstehen können. Sie wissen das sie untrennbar miteinander verbunden sind und sie betrachten sich wortwörtlich als Brüder im Geiste. Wie aber schon bei gewöhnlichen Brüdern führt diese völlig indiskrete und permanente Nähe nicht selten zu Konflikten.

Fähigkeiten: Der Halbdämon ist ein geborener Steppenreiter. Das erkennt man in seinem Gesicht genauso wie in seinem Umgang mit Pferden. Obwohl er nicht lange in der Steppe lebte, lernte er von Kindesalter an auf dem Rücken eines Pferdes zu sitzen. Der Wind der einem im Galopp umweht ist geradezu die Verkörperung von Freiheit. Wie jeder Steppenreiter hat auch er gelernt auf dem Rücken eines Pferdes zu essen, zu trinken und selbst zu schlafen. Natürlich kann er von dort auch kämpfen, wenngleich er es lieber vermeidet auf die Gefahr hin von seiner dämonischen Seite übermannt zu werden. Die Mischung aus Steppenreiter und vogelfreiem Straßenkind zieht einen roten Faden durch seine Talente. Schon früh hatte er gelernt zu jagen und in der Wildnis zu überleben. Er kann Fährten lesen, Feuer machen, Wild ausnehmen und es möglichst simpel und einfach zubereiten. Eine handvoll hilfreicher Kräuter und Gewächse kann er ebenfalls voneinander Unterscheiden, was sich aber vor allem auf Pflanzen für die einfache Wundversorgung bezieht. Auch ein paar essbare Pflanzen, Beeren und Pilze sind ihm bekannt,wobei sich seine Kenntnis da auf die Vegetation der Nordreiche beschränkt. Felle oder Knochen zu verarbeiten oder etwas Schmackhafteres als gebratenes Fleisch zuzubereiten, beherrscht er aber nicht. Weil er sich mit dem Bogen schon damals furchtbar ungeschickt anstellte, war schnell klar dass er kein Jäger werden würde. Dabei beherrscht er mit dem Speer recht passabel die Jagd und auf eine Entfernung von etwa 160 Fuß ist er damit auch ein vernünftiger Schütze. Einem Jäger der Pfeil und Bogen beherrscht wird er trotzdem nicht zur Konkurrenz.

Es war aber der Kampf der ihm immer mehr im Blut lag als die Jagd. Die Auseinandersetzung. Der bewaffnete und unbewaffnete Konflikt. Den Umgang mit dem Speer hatte er von den Takanawi gelernt. Ob beritten oder zu Fuß, er kennt Ausweichschritte, Finten, Konter und Paraden. Auf offener Fläche ist er damit eine ernstzunehmende Bedrohung und sein athletischer kräftiger Körper macht ihn zu einem umso besseren Kämpfer. Auf engem Raum hingegen wird der Speer schnell in seine Schranken gewiesen, im wahrsten Sinne des Wortes. Und auch gegen schwere Waffen wie Streitäxte, Kriegshämmer oder schlicht Zweihandschwerter taugt ein Speer nicht zu Verteidigung. Kettenpanzer lassen sich im Glücksfall noch durchdringen, Schilde bereiten da schon eher Probleme. Den Schwertkampf hat er sich über die Jahre selbst beigebracht. Einen wirklichen Kampfstil oder gar eine Fechtschule besitzt er nicht, dafür waren die Techniken die er von den Takanawi erlernt hatte immer von Vorteil. Seine Kraft und seine Wendigkeit erlauben ihm gleichermaßen geschickte Manöver wie kräftige Schläge. Im Schwertkampf neigt er eher nicht zu kunstvollen Angriffstechniken sondern verlässt sich hauptsächlich auf die Schnelligkeit und Wucht seiner Angriffe sowie die Schärfe seiner Waffe. Einem einfachen Soldaten und selbst einem geübten Fechter kann er mit seinem improvisierten Stil Einhalt gebieten - ob es für einen geschulten Schwertmeister reicht ist aber sehr Zweifelhaft. Den unbewaffneten Kampf lernen viele männliche Steppenreiter schon in der Jugend. Bei dem traditionellen Ringkampf beweisen sie ihr Können mit geschickten Hebeln und Würfen. Über die Jahre und hauptsächlich in Tavernen hat der dieses Können um wuchtiger Faustschläge und fiese Tritte erweitert. Man kann nicht behaupten das er meisterlich im unbewaffneten Kampf wäre – für eine simple Schlägerei taugt es aber.
Durch die Reihe lässt sich sagen, dass Noahkee besonders von körperlichen Attributen profitiert. Steppenreiter sind zäh, kräftig und schnell und das Dämonenblut unterstützt diese Aspekte weiter. Er ist wendig, rasch, hat eine ungewöhnliche Kraft und verfügt über durchschnittliche Konstitution. Schwierig sind eher lange ausdauernde Fußmärsche. Ein kurzer Sprint ist kein Problem, bei langen Wanderschaften ist er aber den Luxus eines Pferds gewöhnt. Auch klettern liegt ihm nicht. Ein Dämon der Erde hat in der Höhe einfach nichts verloren. Von Wasser ganz zu schweigen. Noahkee kann nicht schwimmen und selbst wenn sein Leben davon abhing würde er wohl zweimal darüber nachdenken, ob er ein Gewässer betritt.

In intellektuellen Themen machen ihm ebenfalls andere den Rang streitig. Er kann weder lesen noch schreiben und rechnen ebenfalls nicht. Ein paar Münzen kriegt er noch zusammengezählt, Wirte und Händler haben aber leichtes Spiel wenn sie ihn über den Tisch ziehen wollen. Mit Sprachen tut er sich auch schwer. Selbst nach all den Jahren hört man ihm noch einen deutlichen Akzent aus der Steppe an. Feiern kann er dafür gut, genauso wie einen über den Durst trinken. Handwerklich geschickt ist er wiederum nicht. Einen kleinen Flicken provisorisch auf ein Fell nähen ist das höchste der Gefühle und auch sonst hat er sich neben dem Kriegshandwerk in keinem Handwerk als wirklich begabt herausgestellt.
Allerdings kommt er mit Tieren erstaunlich gut zurecht. Alles andere wäre bei jemandem der sich selbst als Geist der Erde sieht aber auch tragisch. Insbesondere Tiere die auf dem Boden leben sind oftmals zutraulich ihm gegenüber. Ein hungriger Wolf macht zwar keinen Halt vor ihm, aber Pferde, Hunde und selbst Katzen öffnen sich ihm schnell. Vögel sind da eine ganz andere Geschichte. Er hasst diese Biester und sie hassen ihn. Sie brauchen ihn nur sehen, da fangen sie für gewöhnlich schon an zu fauchen und mit den Flügeln zu schlagen. Nicht sonderlich hilfreich wenn man sich mühsam an einen jungen Hirsch angepirscht hatte nur um dann von wildgewordenem Federvieh verraten zu werden. Geflügelte Bastarde.

Magie: Noahkees Magie ist sehr mächtig, insbesondere für einen Halbdämon. Aber gerade das macht sie für einen Halbdämon auch schwer zu kontrollieren. Über die Jahre hinweg hat er gelernt mit ihr umzugehen, wenngleich sie stets ein Ritt auf Messers Schneide ist. Was vor allem daran liegt, dass seine Magie sehr instinktiv ist und stark von Emotionen abhängt. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Wut und Aggressionen sich sehr gut eigenen um seine Magie zu wirken – nicht unbedingt präzise wie man sich denken kann. Wenn die Magie eines geschulten Magiers eine geschickt platzierte Pfeilspitze ist, dann ist seine Magie ein Katapult das man grob in die Richtung des Feindes gerichtet hat, in der Hoffnung das es alles vernichtet was es trifft. Der Umstand das er nie einen Lehrmeister hatte der ihm seine Magie näher brachte, tat sein Übriges. Besonders hat es aber dafür gesorgt, dass seine Zauber sich auf ein kleines und fein ausgewähltes Repertoire beschränken. Der Halbdämon weiß schlichtweg nicht welche Möglichkeiten die Magie alles parat hält. Seine Zauber hat er durchweg in Situationen großer Emotionen erlernt. In Notsituationen wenn man so will. Sie besser zu beherrschen hat er sich anschließend über viele Jahre selbst beigebracht. Ebenso wie das Wissen das Emotionen seine Magie beeinflussen und das zu viele Emotionen immer die Gefahr bergen die Kontrolle über die Magie zu verlieren, was er schon häufig am eigenen Leib spüren durfte. Zwei seiner größten Verletzungen stammten von seiner Magie, die so unkontrolliert gewirkt war, dass sie ihn selbst schwer verwundete. Da ist es nicht weit her, dass er sich abseits der Magie gerne auch auf physische, konventionelle Waffen verlässt. In der Theorie kann auch Noahkee wie jeder andere Dämon bedingungslos über sein Element gebieten. Doch nicht nur in der Wissenschaft können die Unterschiede zwischen Theorie und Praxis gewaltig sein. Einige Zauber beherrscht der Halbdämon mittlerweile sehr gut, andere gelingen ihm seltener und wieder andere sind ein schieres Zufallsprodukt. Bei den Zaubern die er gut beherrscht, kann er inzwischen Abschätzen wie viel möglich ist, bevor er der Magie unterliegt. Alles andere birgt weiterhin das Risiko sich in der Magie zu verlieren und gerade dann wenn ein Kampf besonders hitzig wird und die körperliche Erschöpfung zusammen mit der Psychischen steigt, wird es äußerst schwer abzuschätzen bis zu welchem Punkt er die Magie beherrscht und ab welchem Punkt sie ihn beherrscht. Grundbestandteil sämtlicher Zauber ist das vermehren von Erde und Mineralien. Unter hohem Aufwand kann er auch Erde aus dem Nichts erschaffen, worauf er nach Möglichkeit dennoch verzichtet. Es wäre ja nicht so, als gäbe es nicht überall genug Erde. Kleine Zauber wie das Aufwirbeln von Sand und Erdreich entziehen sich der Auflistung, da sie von der Komplexität auch einem Novizen der Magie nicht viel abverlangen und für einen Dämon eher spielerisch sind.

Geistersicht: Man müsste meinen über Magie zu gebieten müsste ein Segen sein. In den häufigsten Fällen liegt man damit richtig, doch ein Aspekt der Magie Noahkees neigt dazu sich häufiger als Fluch denn als Segen zu erweisen. Die Geistersicht. Der Halbdämon ist mit der Erde verbunden. Er spürt sie und das nicht bloß unter seinen Füßen. Er spürt sie so deutlich, dass er spüren kann was mit ihr verbunden ist. Wenn ein Mensch oder ein Tier sich in seinem Umkreis befindet kann er dessen Silhouette durch die Mineralien im Körper wahrnehmen. Kein klares Bild sondern schlicht ein Schemen aus schier unzähligen leuchtenden kleinen Punkten. Was daran kein Segen ist mag man sich Fragen? Nun das er keinerlei Kontrolle darüber hat. Sie ist immer da. Zu jeder Sekunde, jeder Minute, jeder Stunde jedem Tag und jedem Jahr. Ob er schläft oder ob er wach ist. Dem blinden Ara und seiner augenlosen Dämonenform ist diese Gabe ungemein nützlich, in seiner menschlichen Form aber ist sie eine Qual. Man kann sich kaum ausmalen wie dieser unaufhörliche Sinnesfluss die Nerven und das Gemüt reizt. Umso mehr Menschen ihn umgeben umso schlimmer wird die Sinnesflutung. Das geht so weit, dass er große Menschenmengen meidet um wegen der Sinnesreizung nicht den Verstand zu verlieren. Einige Leute um sich zu haben, daran hat er sich gewöhnt. Aber viele und sich häufig bewegende Massen bereiten ihm Kopfschmerzen und schlaflose Nächte. Sein Schlaf ist dadurch so häufig gestört, dass Augenringe schon zu einem markanten Bestandteil seines Gesichts geworden sind. Auf die Frage wie man es sich diese Sicht vorstellen muss hat er einmal gesagt: „Wenn du dir ganz fest auf die Augen drückst und sie anschließend öffnest, dann stell dir vor die unzähligen weißen Punkte bilden grob den Umriss einer Gestalt. Weder genug um alter oder Geschlecht zu erkennen, gerade ausreichend um Mann von Hirsch zu unterscheiden. Und das permanent. Immer. Kein Augenblick in dem du dieses Flimmern nicht wahrnimmst!“. Zwei Möglichkeiten gibt es an der Zahl um dieser steten Sinnesreizung zu entgehen. Einerseits auf dem Rücken seines Pferdes und andererseits auf einem dichten, nicht mineralhaltigem Untergrund wie trockenem Holz oder Eis. Für Ara und seine dämonische Gestalt stellt diese Verbindung zur Erde kein Problem dar. Sie kennen nur diese Sicht und selbst wenn sie stark beschränkt ist, ist sie besser als schiere Blindheit.

Erdpfahl: Ein sehr simpler Zauber und quasi Noahkees Markenzeichen. Diesen Zauber beherrscht er sehr gut und er verlangt ihm nicht viel ab, wenngleich ein geringes Maß an Aggressionen sich vorzüglich dafür eignet. In einem ausgewählten Bereich des Bodens stößt vorhandenes Erdreich explosionsartig hervor und verhärtet sich in einem Wimpernschlag zu massivem Gestein, in der Gestalt eines etwa ein Klafter hohen, armdicken und spitzen Pfahls nur um einige Augenblicke darauf wieder zu dem Erdreich zu werden, aus dem er entstanden ist. Im richtigen Winkel und im richtigen Moment kann dieser Zauber tödlich sein oder aber schwere Verletzungen hervorrufen. Ist das Ziel schwer gerüstet wirft die Wucht des Zaubers es mindestens um.

Steinerner Griff: Komplexer als der Erdpfahl, denn neben Wut muss Noahkee sich hierfür auch auf die Form konzentrieren die er erschafft. Das vorhandene Erdreich schießt wie bei dem Erdpfahl explosionsartig hervor und kann sich dabei zu einer Mannsgroßen Hand formen, mit der er einen Feind greifen und festhalten kann. Lässt seine Konzentration oder seine Emotionen nach, zerbröselt das Gebilde zu dem Erdreich aus dem es entstanden ist. In einigen Fällen kann der Zauber auch tödlich enden, da es verhältnismäßig komplex ist das Erdreich gezielt in Form zu halten. Verletzungen und Quetschungen sind deshalb sogar sehr wahrscheinlich.

Speer aus Erde: Ein sehr nützlicher Zauber. Damit kann Noahkee einen einfachen Speer aus Stein formen, den er wie seinen eigenen Speer verwenden kann. Das größte Problem daran ist, dass er sich durchgehend ein wenig konzentrieren muss, damit das Mineral in seiner Form bleibt. Lässt die Konzentration nach oder bricht er den Zauber gezielt ab – beispielsweise nachdem er den Speer geworfen hat – zerbröselt dieser wieder in seine Bestandteile. Die Konzentration die er für diesen Zauber aufwenden muss ist allerdings geringer als bei dem steinernen Griff.

Erdwall: Sehr ähnlich dem Erdpfahl bildet sich auch hier ein Gebilde aus dem Erdreich. In diesem Fall ein Schild oder eben ein Wall der Projektilen und hieben mit Leichtigkeit standhält. Wie auch beim Erdpfahl ist dieser Zauber meistens eine Reflexhandlung, wenn Noahkee sich bedroht sieht und sich rasch verteidigen will. Diesen Zauber beherrscht er in zwei Abstufungen. Der einfache Erdwall wird aus dem Erdreich geformt und verfügt über dessen komprimierte Härte – er muss sich nicht konzentrieren um diesen Erdwall aufrecht zu erhalten. Stattdessen bleibt er solange bestehen bis die Witterung oder gewaltsame Einflüsse ihn in seine Bestandteile zersetzen. Die zweite Stufe nutzt ebenfalls das vorhandene Erdreich, verhärtet dieses aber zu robustem Stein. Dafür erfordert es auch Emotionen die Festigkeit aufrecht zu erhalten. Lassen sie nach zerbröselt der Wall einfach.

Mutter Erdes Schutz: Das Erdreich sammelt sich um Noahkees Körper und bildet eine Rüstung die sich perfekt um seinen Körper legt und je nach Bedarf verstärkt oder abgeschwächt werden kann. Anders als die anderen Zauber aus seinem Standardrepertoire profitiert dieser Zauber weniger von Aggression. Es braucht viel Feingefühl um die Rüstung bei jeder Bewegung in der Form anzupassen damit daraus nicht plötzlich ein steinerner Käfig wird. Der Steppenreiter mag diesen Zauber nicht einmal, da er ihn in seiner Schnelligkeit und Bewegungsfreiheit einschränkt. Es ist eher ein letztes Mittel um sich gegen Angreifer zu verteidigen.

Zornranken: Wie gehabt formt sich aus vorhandenem Erdreich ein dichtes und wirres steinernes Gestrüpp, welches an sich windende Dornenranken erinnert und Feinden das Vorankommen deutlich erschweren kann. Die Ranken sind nicht von besonders stabiler Struktur und können so zwar andere zu Fall bringen, halten Angriffen aber kaum stand. Solange der Zauber aufrechterhalten werden soll, muss auch Konzentration dafür aufgebracht werden.

Erde vernichten: Im Prinzip ein sehr simpler Zauber. Anstatt die vorhandene Erde zu nutzen um daraus etwas zu erschaffen, zerstört dieser Zauber die Struktur der Erde explosionsartig, was zu einer kräftigen Erschütterung in einem kleinen Zielbereich führt. Dabei können Teile des Erdreichs hervorstoßen oder der Boden sackt wie Treibsand in sich zusammen. In jedem Fall raubt es Jenen die sich darauf befinden den halt. Auch dieser Zauber ist eher eine instinktive Reaktion und profitiert von vorhandener Wut.

Sandschleier: Ein Zauber mit dem Noahkee Sand und kleine Erdpartikel emporfächern kann, bis sie in einem kleinen Umkreis einen mächtigen Sturm aus Sand und Schutt bilden, der mit solcher Wucht tobt, dass er weitere Erde und Gestein zerschleift und damit immer kräftiger wird. Der Schleier versperrt dich Sicht, erschwert die Atmung und das Vorankommen. Größere Erdpartikel und feine Sandkörner können darüber hinaus zu kleinen Verletzungen führen. Den wirbelnden Schleier aufrecht zu erhalten kostet anhaltend Magie und der Zauber benötigt viel Zorn um überhaupt gewirkt zu werden.

Herz aus Stein: Noahkees mächtigster und bösartigster Zauber der ihm erst ein einziges Mal gelungen ist und das auch nur aus tiefstem Hass heraus. Mit Körperkontakt kann er durch diesen Zauber die Mineralien in einem Körper (insbesondere Kalk) so weit vermehren, bis der Körper zu einer leblosen Kalksäule erstarrt. Der junge Halbdämon weiß nicht wie er diesen Zauber gezielt einsetzen kann und seine Anwendung kostet so viel magische Energie das ein Kontrollverlust danach schier unvermeidbar ist.
Die größte Schwäche seiner Magie beruht darin, dass er feuchtes Erdreich nicht beherrschen kann. Theoretisch kann er es schon, aber da seine Magie oft mehr auf Gefühlen als auf Konzentration basiert, gelingt es ihm nicht mit diesen chaotischen Emotionen Struktur in feuchte Erde zu bringen. Die Erde eines Flussbettes ist für ihn genauso unantastbar wie Erdreich das lange und manchmal sogar nur kurz Regenfällen ausgesetzt war. Erde vernichten ist der einzige Zauber der auch bei feuchter Erde funktioniert. Bei allen anderen Zaubern benötigt er möglichst trockene Erde. Umso trockener umso besser.

Vergangenheit: Noahkee wurde vor vielen Jahren als erster und einziger Sohn der Steppenreiterin Minnowa und dem Erddämon Keshesan geboren, dessen Name sowohl seiner Partnerin wie auch seinem Sohn auf ewig ein Rätsel bleiben sollte. Denn wie man sich bei dieser mehr als fragwürdigen Zusammenkunft schon denken kann, beruhte sie nicht auf beiderseitigem Interesse. Minnowa absolvierte gerade ihre Prüfung die den Übergang in das Erwachsenenalter bezeichnen sollte, war demnach als ziemlich exakt 15 Jahre alt. Keshesan, der Erddämon zog seiner Wege und kam aus den Nordreichen während sein Weg ihn in die ferne Wüste führen sollte. Dabei durchquerte er die weitläufige Steppe und wie die Götter es wollten zufällig das Territorium der Takanawi. Mit ihm kam ein entsetzlicher Staubsturm einher, wie in die Takanawi noch nie zuvor so hoch im Norden der Steppe erlebt hatten. In diesem Sturm traf er auf Minnowa und wie sie dem Schamanen später berichten sollte, wurde sie an diesem unheilvollen Tag von einem Geist der Erde berührt. Woher hätte das arme Kind es auch besser wissen sollen, was dort geschehen war? Über die genauen Umstände dessen was dort in der Weite der Steppe vorgefallen war, sollte sie jedoch aus Scham bis an ihr Lebensende Stillschweigen bewahren. Schon wenige Monate danach machte sich deutlich was sich nicht verbergen ließ. Sie war schwanger. Für alle die lediglich wussten das ein Erdgeist ihr in dieser schlimmen Stunde beigekommen war, schien es als hätten Mutter Erde und Vater Himmel selbst ihr dieses Kind geschenkt.

Geboren wurde der Halbdämon zum Ende des Winters. Die Kunde über seiner Geburt verbreitete sich im Stamm der Takanawi ebenso schnell wie die Geschichte von dem Mädchen das leibhaftig einem Naturgeist gegenübergetreten war. Einer Ehre die allerhöchstens einem hohen Schamanen zuteilwurde. Wenn überhaupt. Dass daraus ein Kind entstand sorgte unter den gut 400 Seelen der Takanawi für großes Aufsehen. Die zwei Gesichter mit denen er zur Welt kam bestärkten den Schamanen und die anderen nur umso mehr in ihrem Glauben. Die einzige die dieses Kind nicht als Segen verstand war Minnowa selbst. Sie hasste Noahkee, damals noch Orenaka förmlich. Er war ihr zuwider, zu fremdartig und nur sie wusste um die genauen Umstände seiner Zeugung. Selbst das er ihr in vielen Merkmalen ähnlich war änderte nichts daran. So kam es wie es kommen musste und der junge Noahkee erhielt keinerlei Fürsorge und Liebe von seiner Mutter. Stattdessen war es sein Onkel Pekekewan der er als seine Pflicht gegenüber seiner Schwester wie auch den Geistern verstand, bestmöglich für den Halbdämon zu sorgen. Und wenngleich Noahkee es seinem Ziehvater durch kleinere magische Ausbrüche sowie das zweite Gesicht äußerst schwer machte, wich dieser nicht einmal von seiner Pflicht zurück. Pekekewans eigener Onkel, seinerzeit der geachtete Schamane der Takanawi half dabei wo er nur konnte und seine Weisheit half viel. Die ersten Jahre waren nicht einfach aber zu Pekekewans Wohl reifte der junge Halbdämon schnell heran. Viel schneller als alle anderen Kinder es taten. Bereits im zarten Alter von 5 Jahren konnte sein Onkel den jungen Noahkee mit auf die Jagd nehmen, soweit war seine körperliche und geistige Reife.

Der Halbdämon verbrachte auch in den kommenden Jahren viel Zeit mit seinem Onkel, ob bei der Jagd oder sonst wann. Pekekewan war seine einzige Bezugsperson, denn die anderen Kinder interessierten sich weder für Naturgeister noch Segen noch die Worte des Schamanen. Für sie war der Junge unheimlich. Er war anders und die Menschen fürchteten seit jeher was sie nicht verstanden. Auch zu seiner Mutter entstand kein Vertrauensverhältnis mehr. Sie konnte die Ereignisse nie überwinden und obwohl der Stamm ihr viel Rückhalt gab, waren sie und ihr Sohn sich wie Fremde. Mit 8 Jahren kam Noahkee nicht bloß mit zur Jagd sondern bekam von seinem Onkel auch das erste elementare Wissen darüber vermittelt. Da er die Gesellschaft seines Onkels schon zu jener Zeit sehr achtete und diesen liebte wie seinen eigenen Vater, fiel es ihm auch nicht schwer eifrig das aufzugreifen was sein Onkel ihm bot. Erst zwei Jahre später, Noahkee verstand inzwischen schon viel von der Jagd, änderte sich etwas an dem gewohnten Tages- und Jahresablauf. Mit steigendem Alter entwickelte er Interesse für andere Dinge. Er beobachtete häufig wie die anderen Jungen, meist die die etwas älter waren als er selbst, für das järhliche Kundunan-Fest übten. Der große Ringkampf der durch die Grenzen des Stammes hinweg bei vielen Steppenreiter populär war. Dort traten Burschen, Knaben und Männer entsprechend ihrer Altersklasse gegeneiner an um ihr Können unter Beweis zu stellen. Nur zu gerne hätte der Halbdämon sich an dem beteiligt, was für ihn wie spielerische Rauferei wirkte. Er hätte den anderen nur zu gerne bewiesen was in ihm steckte. Das er aber seinen Altersgenossen viel zu weit voraus war, verhinderte das er für die Kämpfe akzeptiert wurde. Es war schlicht und ergreifend nicht gerecht den Jungen gegen gleichaltrige antreten zu lassen. Er war größer, reifer und stärker. Dass er bereits bei der Jagd mithalf machte den Unterschied umso deutlicher. Dennoch war es ein toller Zeitvertreib für ihn, den anderen dabei zuzusehen.

Weitere zwei Jahre später sollte sich dies endlich ändern. Woher auch immer es kam, aber der gravierende Unterschied zu gleichaltrigen schwand langsam. Zum ersten Mal war er den Kindern in seinem Alter nicht mehr weit voraus. Pekekewan hatte das Interesse seines Spross natürlich bemerkt und bereits im Winter angefangen ihm die Griffe und Techniken begreiflich zu machen, die bei dem Kundunan zulässig waren. Als das Fest zum Ende des kommenden Herbstes bevorstand, waren der Schamane genauso wie die Ringrichter (jährlich wechselnde Krieger der Takanawi) damit einverstanden, dass der Halbdämon ebenfalls an den Festlichkeiten teilnahm. Der Junge platzte förmlich vor Begeisterung, hatte sich ihm doch nie zuvor die Möglichkeit geboten mit anderen so zu raufen. Nachdem er die ersten Runden mit Bravur gemeistert hatte (der Altersunterschied ließ zwar nach, sein körperlicher Vorteil durch die Jagd aber nicht) geschah etwas womit er bis zu diesem Tag nie gerechnet hatte. Andere Kinder applaudierten ihm! Sie feuerten ihn an! Erstmalig erhielt er Zuspruch von anderen in seinem Alter und erstmalig empfand er etwas, was wohl das Gefühl von Zusammengehörigkeit war. Perplex ob dieses völlig überwältigenden Gefühls erlaubte er sich in der nächsten Runde einige Schnitzer die ihn beinahe hätten ausscheiden lassen. Doch mit etwas Glück und neugewonnener Euphorie schaffte er es schließlich in die finale Runde. Sein Kontrahent war dabei kein geringerer als der Sieger der letzten Jahre in seiner entsprechenden Altersklasse. Ein für Steppenreiterverhältnisse pummeliger Junge, Sohn einer kleinen Familie von Ziegenhirten innerhalb der Takanawi. Man sah ihm an wohin viel ihrer Produktion floss – in den jungen welcher auf Noahkee zu dieser Zeit wie ein wahrer Kampfkoloss wirkte. So einen speckigen Jungen hatte man in der Steppe sicher nie zuvor gesehen. Der Kampf zog sich eine Weile hin und kurz vor dem Ende geschah es dann. Das Moppelchen hatte Noahkee bereits mit einem fiesen Haltegriff zu Boden gerungen, wobei er ihm den Arm auf dem Rücken verdrehte. Dabei verlor er das Gleichgewicht und sein Sturz brach dem Halbdämon unschön den verdrehten Arm, auf dass sogar ein Teil des Knochens herauslugte. Noahkee schrie vor Wut und vor Schmerz ob der Niederlage und seines Armes welcher sich anfühlte als wäre er ihm vom Körper gerissen wurden. Es vergingen nur wenige Augenblicke bevor der Schrei verebbte und der Junge Dämon erstmalig unter den Augen aller anwesenden seine dämonische Gestalt annahm. Ein Spektakel das nur von kurzer Dauer war, denn selbst nach der Verwandlung lag das Moppelchen noch immer schwerwiegend auf dem verdrehten Arm und bevor die Magie ihre zerstörerische Macht entfalten konnte, führte der Schmerz zu einer raschen und beruhigenden Ohnmacht. Was für ihn eine furchtbar bittere und kränkende Niederlage war, sollte sich wenig später als ein wahrer Segen entpuppen. Die Menschen hatten ihn gesehen. Hatten gesehen was für ein Wesen in ihm steckte. Aber was noch wichtiger war: Sie hatten gesehen das er aus Fleisch und Blut war. Sie hatten gesehen dass er verletzlich war, selbst wenn seine Gestalt so befremdlich schien wie es nur ging.

Von da an meinte das Leben es vorerst besser mit ihm. Man brachte ihm mehr Akzeptanz entgegen und selbst Gleichaltrige beschäftigten sich häufiger mit ihm. Über ein halbes Jahr aber war raufen und toben ein Ding der Unmöglichkeit. Nur dank der Erfahrung der Steppenreiter was komplizierte Brüche anging, war es überhaupt möglich das er seinen Arm jemals weder verwenden konnte. An der Stelle vor der Knochen aus der Haut hervor trat, hat er heute noch eine dicke Narbe. Mehr als der Arm schmerzte aber sein Stolz. Er war bezwungen wurden. Von einem speckigen Jungen! Diese Niederlage nagte noch lange an ihm, selbst nachdem sein Arm schon lange verheilt war. Und diese Gedanken eigneten sich nicht schlecht um die Leere Zeit zu füllen, die er wegen der Verletzung hatte. Meist saß er in diesem halben Jahr einfach nur da und beobachtete die jungen Kämpfer der Takanawi bei ihrer Ausbildung. Da passierte es auch, dass sowohl Noahkee als auch Ara einen Entschluss fassten. Sie wollten einst selbst ein so tapferer und stolzer Krieger werden! Nun Ara ging es weder um Tapferkeit noch Stolz, er sah darin eine Möglichkeit seinem Bedürfnis nach Streit und Gewalt nachzukommen und welche Beweggründe Noahkee dafür hatte war ihm einerlei sofern er mitziehen würde. Bis dahin hatte Ara immer wieder Probleme bereitet. Er war ein unausstehliches Ekel und hatte andere angegiftet wo er nur konnte. Ab diesem Tag aber hielt er sich bewusst etwas zurück, für das Versprechen Noahkees das er alles dafür tun würde selbst ein Krieger zu werden. Das wiederum brachte etwas mehr Leichtigkeit in ihren Alltag, wenngleich das Leben mit zwei Gesichtern weiterhin anstrengend und belastend war.

Die Akzeptanz der anderen hatte sich fast schon zu spät eingestellt, denn nun war Noahkee in einem Alter wo es sich gehörte der Familie bei der Arbeit auszuhelfen. Doch immerhin Gelegentlich und gerade während der zahlreichen Feste im späten Herbst gab es noch ein paar Gelegenheiten um mit den anderen Kindern umherzutollen. Das die Arbeit mit Pekekewan währenddessen zur Pflicht geworden war und nicht mehr bloßer Zeitvertreib, störte den Jungen kaum. Selbst wenn die anderen ihn nun mehr akzeptierten, war sein Onkel weiterhin seine wichtigste Bezugsperson. Darüber hinaus kam es vereinzelt und auch nur selten vor, dass der Halbdämon deutlich mit sich zu kämpfen hatte. Nichts was beim Herumtollen mit anderen geschehen sollte. Weit draußen in der Steppe, abseits von allen außer seinem Onkel war dies schon einfacher. Was sich nicht ändern sollte war der Umstand das der Junge fortan nichtmehr am Kundunan teilnehmen durfte. Zwar war er zu bezwingen, aber die mögliche Gefahr war zu viel des Guten als das man hätte tolerieren können. Allein schon der anderen Kinder wegen.

So verstrichen die Jahre und erst mit 15 sollte sich wieder etwas Bedeutendes im Leben des Halbdämons ereignen. Es war die Zeit seiner Prüfung. Die Zeit in der er seinen Kindernamen ablegen und in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen würde. Wie beinahe alle Kinder in diesem Alter zog auch er hinaus in die Steppe, ohne Trinken, ohne Essen, ohne eine Waffe oder sonst etwas. Dass ihm ein Erwachsener mit gebührendem Abstand folgte wusste er selbstredend nicht. Nach einer Weile hatte er ein Plätzchen gefunden, an dem er die kommenden drei Tage und Nächte irgendwie überstehen würde. Ein kleiner Fels ragte aus der Landschaft heraus der ihm Windschatten und richtigen Schatten vor der sengenden Sonne bieten sollte. Der erste Tag verlief ausnahmslos Ereignislos. Der zweite Tag hingegen war anders. Im Morgengrauen hatte sich eine grasende Herde Ukhanns genähert und sowohl Hunger wie auch das üble Zureden Aras brachten ihn auf eine Idee. Nun es war Aras Idee, aber er übernahm sich für sich. Mit einem faustgroßen Stein würde er es mit etwas Glück und einer Menge Geschick schaffen, sich an die Herde heranzupirschen und eines der schwächeren Jungtiere zu erschlagen. Natürlich war der Plan nicht gut gedacht, denn nicht mal ein erfahrener Jäger würde es schaffen sich so nahe heranzupirschen, dass er ein Jungtier mit einem Stein erschlagen könnte. Abgesehen davon das Ukhaans durchaus wehrhaft sein konnte wenn es um die Verteidigung ihrer Jungtiere ging. Lange bevor er auch nur in die Reichweite für einen Wurf kam, schreckte die Herde auf und verschwand in einer Wolke aus aufgewirbeltem Staub. Erst als der Staub sich wieder legte erkannte der Halbdämon, dass es nicht seine Schuld war, dass die Herde davongerannt war. Ein Rudel Wölfe hatte sich ebenfalls angepirscht und im Gegensatz zu Noahkee hatten sie schnell bemerkt, dass es eine leichtere Beute als Ukhaans gab. Ihn. Als er realisierte dass das Rudel sich ihm in kreisenden Bewegungen näherte, war es schon zu spät um die Flucht zu ergreifen. Und wenn wären sie ohnehin schneller gewesen als er. So verharrte er, angewurzelt vor Schreck an Ort und Stelle, den Stein noch immer fest umklammert und mit zugeschnürter Kehle. Ihm war nicht klar das sein heimlicher Bewacher sich bereits von hinten näherte. Auch er wusste nicht ob er den Wölfen etwas entgegensetzen konnte. Unversucht würde er es gewiss nicht lassen. Doch er war noch viel zu weit entfernt, als der Leitwolf bereits zum Sprung ansetzte. Da passierte es und Noahkee bemerkte erst einige Sekunden später was geschehen war, als er die vor Angst verkniffenen Augen wieder öffnete. Der Leitwolf hing reglos mehrere Fuß über dem Boden. Eine spitze Säule aus Stein hatte sich wie ein Speer im Sprung durch seine Brust gebohrt und den Wolf so augenblicklich getötet. Die Erschütterung dabei war so gewaltig, dass die anderen Wölfe blitzartig die Flucht ergriffen und auch der heimliche Bewacher warf sich zu Boden. Von einem Moment auf den anderen war er sich nicht mehr sicher ob es gefährlicher wäre sich den Wölfen zu stellen, oder aber diesem Jungen einen Schreck zu verpassen wenn er sich unerwartet von hinten näherte. Als der Halbdämon zu seinem Stamm zurückkehrte war er nicht hungrig. Dafür war er blutverschmiert und hatte ungeheuerliche Magenschmerzen. Nachdem etliche versuche ein Feuer zu entfachen gescheitert waren, hatte er sich am dritten Nachmittag entschieden roh von dem Wolf zu essen. Eine dumme Idee. Aber er hatte keinen Hunger.

Aus Orenaka war Noahkee geworden. Er war erwachsen, zumindest nach den Bräuchen der Steppenreiter. Sein Bewacher hatte dem Schamanen von den Ereignissen erzählt und es lag nicht fern, dass der Halbdämon mit dieser einschüchternden Begabung seinem Wunsch nachgehen durfte. Gemeinsam mit einigen anderen wurde ihm die Ehre zuteil, von den erfahrenen Kriegern der Takanawi ausgebildet zu werden. Das die Ausbildung so früh begann war typisch für die Takanawi. Der Stamm lebte zu einem nicht unerheblichen Teil von Plünderungen und Raubzügen und fähige Krieger waren dafür genauso notwendig wie zur Verteidigung des Stammes gegen andere Steppenreiter, unter denen die Takanawi keinen guten Ruf genossen. Die Ausbildung und Übungen waren hart und die Umstellung die diesem neuen Weg folgten waren keine geringen. Vom Sonnenaufgang bis zum späten Nachmittag galt es Tag ein Tag aus sich im Zweikampf zu üben, den Kampf vom Pferd zu erlernen und Lehrstunden über taktische Manöver sowie wichtige Regeln bei Überfällen zu erlernen. Nur im Winter war es anders, da mussten die heranwachsenden Männer ihren Familien aushelfen, und gerade jene die bei der Jagd beteiligt waren wurden dringend gebraucht. Aber da war noch etwas anderes. Als Noahkee den Wolf getötet hatte, dessen Zähne nun an einer Kette um seinen Hals baumelten, hatte er Blut geleckt. Noch nie zuvor hatte die Magie in ihm sich so impulsiv gezeigt. Kleine Ausbrüche kannte er, dabei wurde aber maximal etwas Erdreich aufgewirbelt und im stärksten Fall formten sich kleine Faustgroße Figuren aus dem Boden. Nichts Beeindruckendes. Nichts was sich irgendwie in eine Verbindung damit bringen ließ. Diesmal hatte er jedoch eine Verbindung. Er war wütend gewesen. Unglaublich wütend auf sich selbst und auf seine Hilflosigkeit gegenüber diesen Bestien. Er war wütend gewesen auf die Wölfe die sein Abendessen vertrieben hatten und wütend auf die Wölfe deren Abendessen er nun werden sollte. Und obwohl Angst über der Wut dämmerte, war es der Zorn den er in Verbindung mit dieser Macht fühlte. Seine Neugierde war entfacht und wann immer es ihm möglich war ritt er abseits des Stammes. So weit das er die Langzelte der Takanawi gerade noch am Horizont erkennen konnte. Er wollte verstehen. Lernen. Üben. Anfangs schrie er sich einfach nur die Seele aus dem Leib. Versuchte auf Biegen und Brechen seine Wut zu bündeln. Enttäuschend. Erfolglos. Aber umso größer die Wut auf seine Unfähigkeit wurde, umso näher kam er dem Gefühl das er hatte als er den Wolf unwissentlich getötet hatte. Und schließlich, an einem Tag als sein Lehrmeister ihn für seine unkonzentrierte Haltung beim Umgang mit dem Speer getadelt hatte, gelang es ihm. Wieder brachte er eine steinerne Säule hervor, wenngleich sie nach wenigen Wimpernschlägen wieder in sich zusammenfiel.

Mit den Übungen und seiner Ausbildung strichen Tage, Wochen und schließlich auch Monate und sogar Jahre dahin. Immer wieder erlitt er Rückschläge, scheiterte an seiner eigenen Unbeherrschtheit, doch seiner entschlossenen Verbissenheit war es zu verdanken, dass er dennoch Fortschritte machte. Sein aufbrausendes Temperament hatte oft dazu gefühlt das seine Kriegerlehrer in tadelten, teilweise so heftig das sie in Frage stellten ob er fähig wäre einmal ein brauchbarer Krieger zu werden. Der Halbdämon aber biss sich durch. Was ihm an Disziplin mangelte machte er mit Ehrgeiz und Können wett. Beim Zuhören und Gehorchen haperte es, beim Kämpfen jedoch trumpfte er durch Härte und gute Körperbeherrschung. Auch sein Verständnis der Magie schritt unterdessen voran. Die Zauber gelangen ihm häufiger doch hatten sie auch offenbart das sie Gefahr bargen. Mehrmals hatte er die Kontrolle über sich verloren und wäre er nicht immer soweit Abseits des Stammes geritten, hätte niemand sagen können ob diese Leichtsinnigkeit nicht das ein oder andere Leben gekostet hätte. Manchmal erwachte er erst spät in der Nacht wieder, mitten in einem kleinen Kreis aus Stalagmiten, die zuvor ganz sicher nicht den Boden der Steppe gesäumt hatte. Einige Male vertrieb er dabei sogar seine sonst so treue Stute, was ihm Zuhaus gehörige Schimpftiraden einhandelte. Eine Ungerechtigkeit! – so empfand er. Niemand brachte ihm Verständnis dafür entgegen, dass er die Magie seines Wesens erkunden wollte. Wie auch? Niemand teilte seine magische Begabung. Niemand verstand sie.

Mit 18 Jahren war seine Grundausbildung Großteils abgeschlossen. Er beherrschte den Kampf mit dem Speer und mit der Kriegskeule, genauso wie der Überfalltaktiken und die Organisation ihrer Reiterschar kannte. Das Können würde in den Jahren weiter heranwachsen. Im Kampf. An der Seite der anderen Krieger. Gewiss gab es auch weiterhin Übungen die es zu absolvieren galt. Und es gab Ränge in den verschiedenen Disziplinen die man erreichen konnte um Ehrträchtige Titel zu erlangen. Und für die besten von ihnen gab es sogar die Möglichkeit sich zu beweisen und den Punagawa beizutreten. Den Sagenumwobenen Elitekriegern der Takanawi. Die Besten der Besten die in der ganzen Steppe berüchtigt für ihre skrupellose und vernichterische Kriegskunst waren. Ein weit entfernter Traum für den jungen Noahkee. Vorerst genügte es ihm mit den anderen Kriegern hinaus ziehen zu dürfen. Sich endlich in einen echten Kampf zu stürzen. Zu beweisen was er wert war und was er konnte. Die Takanawi ritten vorzugsweise im Spätsommer hinaus um zu Plündern. Dies war eine gute Zeit um Handelsreisende abzufangen und in den Ausläufern der wilden Lande gab es sogar kleine Siedlungen an deren Ernte man sich bereichern konnte. Die Takanawi brauchten diese Überfälle denn sie handelten nicht mit anderen. Sie nahmen sich was sie brauchten und was sie nicht selbst zustande brachten. In diesem Spätsommer erlebte der junge Halbdämon seine ersten Plünderungen. Er erlebte die ersten Raubzüge und die ersten echten Kämpfe in denen es nicht mehr nur darum ging, wer der Stärkere war, sondern wer überlebte. Mit einem Mal war die kindliche Unschuld wie weggewaschen als er zum ersten Mal im Blut und in den Eingeweiden eines Toten stand. Es roch nach Schweiß, Blut, Urin und Fäkalien. Nichts am Sterben war schön. Nichts daran war ehrenhaft oder würdevoll. Man war von Adrenalin geschwängert und nichts davon wirkte mehr wie die spielerischen Kämpfe aus der Vergangenheit. Heute erinnert der Halbdämon sich kaum noch an den ersten Menschen den er getötet hat. Zu viele waren ihm gefolgt. Doch damals, als er den Speer in der Hand hielt welcher in die Rippen eines jungen Mannes ragte, welcher kaum ein paar Jahre älter war als er selbst und das warme Rot langsam den Schaft herab, über seine Hände und Arme floss, da dachte er für einen Augenblick, dass er diesen Moment niemals in seinem Leben vergessen würde. Niemals würde er vergessen wie es war ein Leben zu nehmen. Niemals würde er vergessen wonach der Tod roch. Wie das Sterben war. Doch er vergaß. Viele viele Jahre später vergaß er.

Nur knapp ein Jahr später sollte sein Leben sich ein weiteres Mal gravierend ändern. Inzwischen war er ein echter Krieger. Noahkee-wa hieß er im Stamm. Er hatte bereits einige Monate auf Plünderungen verbracht. Hatte Menschen sterben sehen. Hatte Freunde sterben sehen. Für die Takanawi war dies normal. Es gehörte so zum Leben wie es für andere zum Leben gehörte ein Feld zu bestellen. Und der Halbdämon hätte lügen müssen wenn er hätte sagen wollen, dass es ihm nicht auch ein wenig Spaß bereitete. Nicht das Töten. Das Töten bereitete ihm kein Spaß, da war er anders als Ara. Aber das Kämpfen, die Auseinandersetzung. Die Anerkennung mit der sie bei ihrer Rückkehr überhäuft wurden. Das waren die Dinge die ihn für das Leid entlohnten, dass er auf ihren Ausritten erlebte. Dieser Spaß war es auch der seinem Leben eine unerwartete Wendung geben sollte. Die Krieger kamen gerade von den Ausläufern der wilden Lande zurück als sie eine letzte Runde entlang der Handelsstraße reiten wollte, um noch ein paar Händler auszunehmen bevor sie heimkehrten. Das Glück war ihnen hold. Der Beritt begegnete einer großen Karawane. Einem Handelszug von etwa 3 bis 4 Dutzend Mann. Mehr als sie selbst waren, dafür war nur ein Bruchteil der Männer bewaffnet. Ein Handelszug dieser Größe hatte meist nur ein Dutzend Wächter, wenn überhaupt. Als der Beritt der Takanawi angriff wurde Noahkees Übermut ihnen zum Verhängnis. Der Halbdämon war sich so sicher dass er seine Magie verwenden konnte um die Wächter unvorbereitet zu treffen und ihren Widerstand im Handumdrehen zu brechen. Er hatte sich verkalkuliert. Sein Zauber gelang ihm, warf einen Wagen um. Der Handelszug war alarmiert bevor die Reiter nahe genug waren, doch zu nahe als das sie den Angriff hätten abbrechen können. Unter dem zischen von Armbrustbolzen fielen Augenblicklich zwei der berittenen Krieger. Wut entbrannte in dem Dämon und in seinem Leichtsinn versuchte er abermals seine Magie zu wirken. Es gelang und wieder verfehlte er. Als der Beritt den Handelszug vollends erreicht hatte und Pferde sich aufbäumten, Speere auf Schilde trafen und Metall Holz zerhackte, war Noahkee bereits von Ehrgeiz zerfressen. Es musste ihm einfach gelingen, nachdem er seine Stammesbrüder so fahrlässig gefährdet hatte. Es gelang. Doch mit den aufgekochten Emotionen schaffte er es nichtmehr die Kontrolle zu wahren und die Magie bekam die Oberhand. In dem anschließenden Chaos fielen etliche Händler und Wächter, ebenso wie eine ganze Handvoll der Takanawi. Zwei von ihnen durch die Magie des Dämons.

Als der Beritt zum Stamm zurückkehrte war der Halbdämon entwaffnet, gefesselt und entkräftet. Selbst verletzt. Der Ausbruch seiner Magie hatte ihm üble Wunden zugefügt. Eine dicke offene Wunde zog sich längst an seinem Oberschenkel lang und weitere kleine Wunden zierten seine komplette Flanke. Die Wildheit seiner Magie hatte ihn selbst in die Knie gezwungen. Das er überhaupt noch lebte lag nur daran, dass die Krieger nicht selbst entschieden was mit ihm geschehen sollte. Diese Entscheidung oblag dem Schamanen und den Ältesten. Es war bereits Nacht. Noahkee hatte bereits auf dem Heimritt darüber nachgedacht das sein Leben bald enden würde und währen der Schamane und die Alten noch darüber lamentierten ob eine Hinrichtung für den Verrat angemessen wäre oder doch eine Verbannung (beides bedeutete ein Todesurteil denn man ging nicht davon aus, dass jemand allein in der Steppe überleben würde) mischte sich das Schicksal ein. In Form von Pekekewan. Ihm war es egal was sein Junge angestellt hatte, um keinen Preis der Welt würde er mit ansehen wie man ihn hinrichtete. Um keinen Preis. Er befreite den Halbdämon im Schutze der Nacht. Er war es der ihm seine nötigste Habe und etwas Proviant gab. Er war es der ihn zu seiner treuen Stute führte. Er war es der ihm riet gen Osten zu reiten. In das Land der Sesshaften Menschen. Dort könnte er allein überleben. Nicht aber in der Steppe. Der Halbdämon war alles andere als begeistert von der Idee. Noch weniger aber war er davon begeistert zu sterben. Hingerichtet zu werden oder ohne Proviant und Pferd in der Steppe ausgesetzt zu werden. Wenn er schon sterben musste, dann wenigstens mit dem Gefühl selbst in sein Verderben geritten zu sein. Die bitteren Tränen, der Schmerz den er spürte als er seinem Onkel ein letztes Mal in die Augen blickte. Dieser Schmerz war es den er wahrhaftig nicht vergessen würde. Bis an sein Lebensende nicht.

Der Weg gen Osten war hart und Entbehrungsreich aber dank seiner Stute und dem was Pekekewan ihm mitgegeben hatte war er machbar. Vor allem da die Handelstraße ihm eine sichere Richtung wies. Sein Weg führte ihn immer weiter Richtung Osten und Trauer, Hunger sowie Zorn hatten sich zu seinen Weggefährten entwickelt. Es war eine elende Zeit. Eine wirklich elende Zeit. Eine Zeit in der sogar eine Ratte oder anderes undefinierbares Nagetier eine Mahlzeit bot. Eine Zeit in der selbst dieses Ungeziefer ein Lichtblick war. Nach Wochen oder Monaten hatte er die östlichen Königreiche erreicht. Die wilden Lande hatte er ohne Unterbrechung passiert denn zwischen diesen wilden und kriegerischen Völkern die oft genug unter der Tyrannei seines Stammes gelitten hatten, wollte er sich keineswegs niederlassen. Erst im Grenzland zu Mérindar fand seine Reise ein Ende. Genauer gesagt bei den Wäldern und weiten Flächen die Shuridron umgaben. Selbstverständlich hatte er keine Ahnung was sich jenseits dieses Ortes befand aber in den Wäldern gab es Wild, es gab einen Fluss und Menschen die ihn weder kannten noch sich für ihn interessierten. Der erste Winter war demnach auch sehr hart und er konnte sich gerade so mit der Jagd und einigen kleineren Überfällen über Wasser halten. Die Kultur in diesem fernen Land war fremdartig und beklemmend. Alles war anders als er es aus der Steppe kannte und wäre er nicht zur Hälfte ein Dämon und zur anderen Hälfte ein Steppenreiter gewesen, hätte er diesen Winter sicher nicht überlebt. Dem Dorf stattete er nur selten einen Besuch ab. Die Menschen hier waren misstrauisch und ein wild wirkender Junge wie er gehörte nicht zu denen, denen man Haus und Hof öffnete. Manche waren wenigstens bereit mit ihm zu Handeln und so tauschte er Felle gegen Trinken, Essen und vor allem Nahrung für sein Pferd.

Im Frühjahr zeichnete sich dann der obligatorische Silberstreif am Horizont ab. Mit der Schneeschmelze wurde das Leben einfacher und das verhältnismäßig milde Klima sowie die reichhaltige Flora und Fauna boten ihm allerhand womit er sich durschlagen konnte. So ging es bis zum Sommer, wo er endlich wieder Hoffnung fand. Das Leben war schon immer der seltsamste aller Geschichtenschreiber und in diesem Fall befeuerte es seine Hoffnung in Form von Gleichgesinnten. Der Halbdämon hatte gerade einen Händler verscheucht und labte sich an einem Kanten Brot den er von seinem Handkarren erbeutet hatte, als er von einer Gruppe umstellt wurde. 8 Knaben und 4 junge Frauen. Die meisten nicht älter als er selbst, eher noch jünger. Wer diese Kinder waren? Straßenkinder. Eine Bande von Heimatlosen, wie es sie viele dieser Tage gab. Einige hatten Familie durch Hunger, Krankheit und Elend verloren. Andere wurden von den immer wiederkehrenden Auseinandersetzungen der regionalen Fürsten aus ihrer Heimat vertrieben und wieder andere waren aus welchen Gründen auch immer von Zuhause weggelaufen. Weil ihnen Zwangshochzeit bevorstand, weil sie in die Knechtschaft gezwungen wurden oder einfach weil sie in einem alter waren in dem jugendliche rebellierten. Sie alle hatten jedenfalls eins gemeinsam: Sie hatten niemanden außer sich. Doch diese Banden waren keinesfalls zu unterschätzen. Mancherorts wurden sie zu richtigen Plagen. Sie stahlen, raubten, verwüsteten und teilweise mordeten sie sogar. Auch in dieser Gruppe konnte Noahkee schnell erkennen, dass einige, fast alle bewaffnet waren. Einige hatten Schwert, manche Dolche oder Bögen und einer hatte eine Armbrust über der Schulter hängen. Sie waren die Kinder einer Zeit der Not und des Elends. Und allem Anschein nach lebten sie so nicht einmal schlecht. Von Hunger waren sie jedenfalls nichtmehr geplagt, dass sah man ihnen an. Einige von ihnen trugen sogar Schmuck, den Kinder dieses Alters und Standes für gewöhnlich nicht besaßen und der seinen Eigentümer nicht im Einverständnis gewechselt hatte. Die Satzfetzen die der Steppenreiter in den letzten Monaten aufgeschnappt hatte sowie die Tatsache dass es ihm ganz offensichtlich nicht besser ging als ihnen, führten dazu, dass die namenlose Gemeinschaft den Halbdämon bei sich aufnahm. Dass er anders war, dass er ihre Sprache kaum verstand, dass er verwildert und verwahrlost war spielte keine Rolle. Sie saßen doch alle im selben Boot.

In der namenlosen Truppe konnte Noahkee rasch neue Hoffnung fassen. Sie brachten ihm die Sprache näher, wobei er sich gerade mit der richtigen Aussprache zum Amüsement aller anwesenden gehörig schwertat. Dazu konnten sie auch von ihm etwas lernen, denn niemand der kleinen Truppe hatte solche Erfahrungen beim Überleben in der Wildnis. Auch im Kampf bewies er in kürzester Zeit seinen Wert. Die Gruppe lebte eigentlich ausschließlich davon, dass sie Reisende und Händler überfielen. Manchmal stürmten sie sogar einen abgeschiedenen Hof um sich zu nehmen was sie brauchten. Die beachtliche Kampferfahrung des neuen Fremdlings fügte sich also ausgezeichnet in die Anforderungen der anderen. Die folgende Zeit wurde für Noahkee besser und besser. Er lernte von ihnen die Bräuche ihrer Kultur, lernte ihre Sprache immer besser wobei sie ihm mit vorliebe unflätige Schimpfworte beibrachten, er kämpfte und raubte mit ihnen. Waren sie einmal sehr erfolgreich wurde sogar mal in einer Herberge übernachtet und sich gehörig betrunken und gefeiert. Hin und wieder ließ ihn dies alles die schmerzhaften Erinnerungen vergessen und mit jedem Monat der verstrich wich die Enttäuschung über die Vergangenheit einer neuen Lebensfreude. Nur Pekekewan, den vergaß er nicht.

Nach über einem Jahr mit der Bande und fast zwei Jahren die zwischen ihm und der Steppe lagen, hatte Noahkee sich mehr als nur angefreundet mit dem Leben das sich ihm geboten hatte. Er genoss es in vollen Zügen wenn man so wollte. Die Sprache beherrschte er nun gut genug um damit über die Runden zu kommen und das Gefühl das dieses Leben ihm mehr Freiheiten bot als sein altes wurde von Tag zu Tag größer. Wegen Aras aufbrausendem Temperament und Noahkees mangelnder Beherrschung über eben dieses, blieb es nicht lange unbemerkt das der Steppenreiter anders war als die Anderen. Anfangs sorgte das auch für Skepsis und Furcht aber sie merkten schnell dass er kein Schreckgespenst war. Nach einer Weile erkannten sie sogar dass seine dämonischen Fähigkeiten prima waren, um ein fahrenden Händler von seinem Karren zu vertreiben oder Wachen zu verscheuchen, die ihnen in die Quere kamen. Um denselben Fehler nicht zu wiederholen der ihn aus der Steppe vertrieben hatte, verzichtete er allerdings darauf übermäßig mit seiner Magie zu hantieren während die anderen anwesend waren. Deswegen begann er auch sich mit dem Schwert zu üben – der Speer hatte sich nämlich zu seiner Frustration als wenig effizient gegen die Rüstungen und Waffen der Nordreiche erwiesen. Trotzdem übte er sich auch weiter im Umgang mit der Magie – dafür zog er sich dann von der Gruppe zurück um ja darauf zu achten nicht nochmal jemanden zu gefährden, der ihm wichtig war. Wieder allein dazustehen kam dem Halbdämon nicht in Frage. Er hasste die Einsamkeit und selbst die wenigen Monate die er allein verbracht hatte, hatten an ihm gezehrt wie ganze Jahre der Einsamkeit.

So zogen die Jahre ins Land und die stehlende, plündernde, mordende, pöbelnde und feiernde Bande hatte sich mit der Zeit einen beachtlichen Ruf erarbeitet. Nun wenn sie einem Namen gehabt hätten. Den meisten, insbesondere Präfekten, Fürsten, Schulzen und Wachen waren sie ein Dorn im Auge. Reisenden und Händlern natürlich auch. Wirte, Schneider, Huf- und gewöhnliche Schmiede wiederum hatten immer etwas zu feiern wenn die namenlose Truppe wieder einmal vorbeizog. Durch den Erfolg der sie krönte konnten sie ordentlich auf den Putz hauen und schlecht ging es ihnen nur selten. Hin und wieder gab es Phasen in denen die Ausbeute schlechter ausfiel und dass keiner von ihnen mit seinem Gewinn auch nur im Entferntesten wirtschaftete machte es auch nicht besser. Ja manchmal gab es auch Verletzte und selbst der Halbdämon trug in diesen Jahren die ein oder andere Narbe davon. Aber alles in allem war es eine gute Zeit. Sie waren eine eingeschworene Gemeinschaft, hatten ihren Spaß und lebten gewiss besser als bettelnde Straßenkinder oder jene die sich für einen Hungerlohn zum Feldknecht machen ließen. Als Noahkee schon 26 war (was man ihm wegen des dämonischen Erbe nicht ansah und wegen seiner Art auch nicht anmerkte) sollte er zum ersten Mal auch erfahren, was Liebe bedeutete. Vohkathásin nannte das Mädchen aus dem hohen Norden sich, die dem Halbdämon den Kopf verdrehte. Schneekatze aus dem elfischen (fast alle benutzten Namen die sie sich selbst gaben, meist um mit ihrer Vergangenheit abzuschließen oder einfach weil sie fanden das es besser klang). Sie war bereits vor anderthalb Jahren zu der Bande gestoßen und mit der Zeit hatte sich immer deutlicher abgezeichnet, dass die beiden mehr füreinander empfanden als die typische Sympathie die innerhalb der Gruppe herrschte. Sie war ein gutes Stück jünger als er, stand ihm mit ihrem vorlauten Mundwerk aber in nichts nach. Schon davor hatte er sich während den Reisen der Gruppe vereinzelt auf kleine Liebeleien eingelassen. Die waren aber stets kurzatmig und überdauerten nie den Aufenthalt der Bande in dem jeweiligen Ort. Bei ihr war es jedoch anders. Sie akzeptierte ihn trotz dem Monster das er in gewisser Weise war. Nicht wie die anderen – sie akzeptierte ihn nicht bloß als Freund, sondern als ihren Freund. Noahkee war nie wirklich ein Romantiker, aber man sah ihm an, dass ihre Zuneigung dem Spaß den er an diesem Leben fand noch die sprichwörtliche Kirsche aufs Sahnehäubchen gab.

Etwas wirklich Gravierendes sollte erst 6 Jahre später wieder geschehen. Die Bande war älter geworden, nicht aber erwachsen. Manche waren mit der Zeit gegangen, andere dazugekommen – an ihrem Lebensstil hatte sich aber nichts verändert. Mit steigendem Alter brachte man ihnen natürlich weniger Rücksicht entgegen, wenngleich sie von Anfang an nie zimperlich behandelt wurden. Mit der Zeit die Verstrichen war, waren aber auch die Schäden nicht geringer geworden die sie verursachten und irgendein hohes Tier musste derart geplagt von der Bande gewesen sein, dass er ein kleines Vermögen investierte um ihnen eine Gruppe von Kopfgeldjägern auf die Fersen zu schicken. Wohl die besten die sich für Geld diesseits des Aras fanden lassen. Die Bande hatte früh bemerkt dass die Schlinge sich enger zog. Wegen ihrer unberechenbaren Wegführung und wegen der Weitläufigkeit der Lande dauerte es allerdings bis das unvermeidliche Geschah. Bei einem weiteren Überfall gingen sie den Kopfgeldjägern in die Falle. Sie waren in einen Hinterhalt gelaufen und bei dem Kampf der dabei entbrannte, verloren 12 der inzwischen 20 Männer, Frauen, Burschen und Mädchen ihr Leben. Nur 8 entkamen und das auch nur dank Noahkee der mit seiner Macht die Angreifer im Schach halten konnte. Bezwingen konnte er sie damit jedoch nicht. Von dieser Begegnung stammt auch die Narbe die sich bis heute quer über seinen Schädel zieht. Es war mehr Glück als Verstand zuzuschreiben, dass er überhaupt entkam denn trotz seiner Magie hatte er den perfekt ausgebildeten und erfahrenen Kopfgeldjägern kaum etwas entgegenzusetzen. Vohkathásin oder Vohka wie sie kurz genannt wurde, schaffte es als eine der ersten zu entkommen, obwohl sie eine schwere Verletzung von dem Kampf davontrug. Wäre es anders gekommen hätten nur die Götter gewusst ob überhaupt jemand an diesem Ort und bei diesem Hinterhalt überlebt hätte – denn wenn es etwas gab was dem Halbdämon seine inzwischen recht passable Kontrolle über sein Wesen nehmen konnte, dann war es wenn jemand Hand an seine Freunde anlegte. Ihr insbesondere. Die Verluste waren dennoch überwältigend, die Schmerzen groß und die Wunden die sie zu lecken hatten zahlreich. Für Noahkee war es als hätte jemand den Großteil seiner Familie ermordet – von einem Moment auf den anderen und entsprechend brodelten Wut, Hass und Verzweiflung in dem Dämon. Hätte der Anführer der Bande, Seyfried, den Halbdämon nicht davon zurückgehalten zurückzureiten und den Kopfgeldjägern alles entgegenzusetzen was er noch konnte, hätte wohl auch er diesen Tag nicht überlebt.

Danach ging es nurmehr Bergab für die Bande. Die Verbliebenen waren unterschiedlicher Meinung darüber, wie sei weiter machen sollten. Es gab Zwist und schließlich trennten sich zwei weitere Mitglieder von der Gemeinschaft. Die übrigen zogen sich für eine ganze Weile zurück. Traten kürzer. Versuchten erst einmal nichtmehr aufzufallen. Bloß kein Aufsehen zu erregen. Es war klar, dass man ihnen eiskalte Profis auf den Hals gehetzt hatte. Männer und Frauen die nicht Halt machten, bevor ihre Aufgabe erfüllt war. Auf ihrer Flucht vor den Verfolgern verschlug es die letzten Sechs nach Norden. Erst bei Cadron und damit bereits im Königreich Mérindar machten sie wieder richtig Halt. Das sie sich aus Cathrad vollständig verzogen hatten und in ein anderes Herrschaftsgebiet verschwunden waren, machte es ihren Verfolgern schwerer an ihnen dran zu bleiben, so dachten sie es sich jedenfalls. Damit brach die Bande auch mit einer lang gehegten Tradition: sie sahen davon ab weiter namenlos zu bleiben. Sie waren nun die letzten Sechs und als diese sollte man sie auch kennen. Nachdem sie sich einige Monate bedeckt gehalten hatten gewannen die letzten Sechs auch wieder neue Mitglieder – bei dem Namen blieb es allerdings, unabhängig davon wie groß die Gruppe wirklich war. Das ihr eiserner Kern aus vier Kerlen und zwei Weibern bestand, die bewiesen hatten das sie bis zum bitteren Ende zusammenhalten würden, hatte sie geprägt.

Es dauerte Monate, möglicherweise sogar ein oder zwei Jahre in denen sie sich mit kleineren Überfällen begnügten, dann aber ging es langsam wieder Bergauf. In den Ländereien rund um Cadron war der Name „die letzten Sechs“ für viele zu einem Begriff geworden, wenngleich die Gruppe inzwischen wieder aus 11 Personen bestand. Auch ihr Konzept hatten sie unter dem neuen Namen verändert – wo sie es damals noch von allen nahmen um es für sich zu behalten, ließen sie inzwischen von den Armen ab. Es lohnte sich ohnehin nicht und war weder den Aufwand noch die Gewalt wert. Dafür mussten die die Brokat trugen und an deren Fingern funkelnde Ringer glitzerten umso mehr vor ihnen auf der Hut sein. Das die gewöhnliche Landbevölkerung von ihnen nichts zu befürchten hatte und sie bekannt dafür waren bei den Händlern, Wirten und Handwerkern der unteren Kasten ordentlich und manchmal auch mehr als nötig zu zahlen, verschaffte ihnen sogar einen recht anständigen Ruf. Sie waren natürlich keine Helden und man sang ihnen auch keine Loblieder, aber man verpfiff sie auch nicht an den Schulzen oder die Wachen, wenn sie in einer Scheune nahe eines Ortes nächtigten. Es war einfacher als durchweg bei allen unbeliebt zu sein und brachte den Vorteil das jene die von ihren Räubereien profitierten, offen dafür waren ihnen auch mal die ein oder andere Information durchsickern zu lassen, wann und wo es sich besonders lohnte einen Hinterhalt zu stellen oder welche Straßen man doch lieber meiden sollte. Einer ihrer Ausflüge führte die letzten Sechs während dieser Zeit auch nach Aymân. Für Noahkee war es das erste Mal das er eine Stadt dieser Größe betrat oder besser gesagt überhaupt zu Gesicht bekam. Alles was er in den Nordreichen gesehen hatte waren Dörfer, kleine Siedlungen, wenn überhaupt eine weitgestreckte Kleinstadt aber nichts das sich mit einem Moloch wie Aymân vergleichen ließ. Der gutgemeinte Ausflug tat dem Halbdämon auch alles andere als gut, denn die dichtgedrängten Straßen waren so überfüllt, dass seine Geistersicht ihm eine Migräne verpasste als hätte er 7 Tage und 7 Nächte durchgesoffen ohne dabei einmal das Tageslicht gesehen zu haben. Neben der Erkenntnis das er Städte dieser Größe einfach furchtbar fand, nahm er aber noch zwei weitere Dinge mit, die ihn bis heute begleiten sollten. Einerseits sein Schwert. Ein kunstvoll und sehr professionell geschmiedeter Anderthalbhänder von herausragender Qualität und andererseits eine kleine Tätowierung oberhalb des rechten Hüftknochens. Eine schlichte schwarze „6“. Die gesamte Bande, beziehungsweise alle die an diesem Tag dabei waren, tragen diese Tätowierung seit dem an der selben Stelle.

Dieses Leben führten sie noch einige Jahre fort und mit der Zeit konnten sie nicht bloß an die Erfolge vergangener Jahre anknüpfen, sondern diese auch noch überbieten. Sie waren keine Straßenkinder mehr, nein sie waren zu erfahrenen Banditen geworden. Verbrecher. Vogelfreie. Ein wenig der kindlichen Naivität schwang immer noch mit, da sie nur das Leben auf der Straße kannten, aber mit der Zeit war ihr Können und ihre Erfahrung gewachsen. Aus blindlinks schreienden Angriffen sind taktische Hinterhalte geworden. Aus willkürlichen Plünderungen wurden geplante Überfälle. Und aus Liebe wurde wieder Freundschaft. Während der Jahre hatte sich die Verbindung zwischen Noahkee und Vohka abgekühlt. Sie waren sich noch wichtig und mochten sich sehr, es ließ sich aber nicht verschweigen oder verheimlichen das die Magie aus Jugendtagen mit der Zeit verblasst war. Für den herangereiften Mann aus der Steppe war dies nicht einmal so schlimm wie man meinen mochte. Auch ihm war es lieber so. Besser als Kinder zu bekommen, sein Leben in irgendeiner miefigen Hütte zu verbringen und die Langeweile Einzug halten zu lassen. Sie mochten sich ja noch immer sehr und von allen in der Bande waren sie sich weiterhin die nächsten. Ihren gewohnten Lebensstandard konnten sie jedenfalls mühelos wahren. Viele weitere Jahre dauerte es bis ihre Tollkühnheit ein Ende finden sollte. Mit dem Vermögen der Überfallenen waren auch deren Mittel gestiegen und der Ruf den sie weg hatten, machte es schwer lange unerkannt zu bleiben.

Und so wurden sie schließlich ein zweites Mal von den Kopfgeldjägern aufgespürt, die ihnen bereits damals einen so herben Schlag versetzt hatten. Nicht nur die letzten Sechs, auch die Kopfgeldjäger hatten an Erfahrung gewonnen. Sie hatten einen Magier gefunden der bereit war sie bei ihrem Vorhaben zu unterstützen, immerhin hatten sie verstanden das sie es nicht bloß mit einer Bande gealterter Straßenkinder zu tun hatten, sondern das ein Wesen unter ihnen war, dem mit konventionellen Methoden kaum beizukommen war. Überrascht und überwältigt von der Macht des Magiers und der geübten Kopfgeldjäger scheiterte was letztes Mal noch gelang. Die letzten Sechs schafften keine Flucht mehr und als 11 wurden wieder 8, einen Augenblick später 6 und noch einen Moment danach 5. Als Vohka in die Hände der Häscher fiel, sollten diese lernen, dass auch der Halbdämon nicht untätig gewesen war. Nicht nur das er sich mit dem Schwert viel geschickter schlug als damals, er hatte auch gelernt seine Magie zu beherrschen. Seine dämonische Gestalt zu kontrollieren. Aus 12 Häschern wurden 9, dann 7 und schließlich 6. Einem Halbdämon der sich nach besten Möglichkeiten mit seiner Magie zur Wehr setzte, hatte der Magier einiges entgegenzusetzen, einem wildgewordenen Rachegeist der Erde aber nicht. Auch er fiel. In seinem Wahn der Zerstörungswut konnte Noahkee trotzdem nicht verhindern, dass die überlebenden der letzten Sechs verschleppt wurden. Die die nicht schon im Kampf gefallen waren und keine Kraft mehr besaßen um sich ihren Angreifern zu widersetzen. Als der Staub sich lichtete und die Erde sich wieder beruhigte war Noahkee allein. Allein wie damals als er seinem Onkel zum letzten Mal in die Augen gesehen hatte. Seine Familie war fort, verschleppt, ermordet. Wussten die Ahnen was mit ihnen geschehen war. Als die Magie aus ihm gewichen war, gab es keine Spur mehr von seinen Freunden. Seinem Vertrauten Seyfried. Seiner geliebten Vohka. Alle waren sie weg. Nur eins war noch da: Hass. Unbeschreiblicher Hass. Von diesem Moment an sollten die Jäger die gejagten sein und würde er sie finden, würden sie den Tag verfluchen an dem sie diesen Auftrag angenommen hatten. Sie sollten sogar den Tag verfluchen an dem sie geboren wurden!

Doch er fand sie nicht. So sehr er sich auch bemühte, jede Spur auf die er stieß war kalt oder gar eine falsch gelegte Fährte. Aus Monaten der Suche wurden Jahre. Jahre in denen er mehr oder weniger ziellos und verbittert umherzog und mit jedem Jahr das verstrich verblassten auch die Erinnerungen an das was geschehen war. Die Hoffnung verblasste und wich Resignation. Und eines Tages, Noahkee war inzwischen 45 Jahre alt, war aus einer irrführenden Suche ein ermüdendes und einsames umherziehen geworden. Er hatte es aufgegeben, schließlich konnte ihm niemand sagen ob seine Freunde lebten und in irgendeinem Kerker versauerten, oder ob sie schon vor Jahren gestorben waren und ihre Körper sich bereits in der Erde zersetzten. So konnte er ohne Wenn und Aber nicht mehr weiter machen. Um überhaupt wieder über die Runden zu kommen schloss er sich kurzweilig anderen Banditen an. Ein paar Monate mit einer Gruppe, dann weiter zur nächsten. Hier einige Wochen als Wegelagerer und dann doch wieder wo anders. Nicht weil er keinen Spaß mehr an dieser Lebensweise hatte, sondern einfach weil er – so wie er war – von niemandem mehr so akzeptiert wurde wie er es von früher gewohnt war. Ihm fehlte nicht die Lust sich in das Kampfgetümmel zu stürzen. Ganz und gar nicht. Er hatte immer noch Spaß daran – nur eine Gesellschaft fand er nicht, in der er sich wohl fühlen konnte.

Und so zieht er seiner Wege – bis zum heutigen Tag…

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