Profil von Sabán

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Glücksritter
Avatar: Schattenherz

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Benutzername:
Sabán
Gruppen:

Charakter

Name:
Sabán
Alter:
25
Rasse:
Alepoúri
Heimat:
Khirudan
Waffen:
kleines Klappmesser
Inventar:
Lederbeutel mit Münzen

Steckbrief

Name: Sában, Sohn von Vishku und Yalá

Rasse: Alepoúri

Alter: 25

Aussehen:
Sában ist 1,67 groß und von schlanker Statur. Seine Hinterläufe sind rotbraun gefärbt und an den Unterseiten weiß. Sein Fell ist lang und dicht, aber nicht sehr voluminös und liegt glatt am Körper an. Es schimmert immer ein wenig im Sonnenlicht.
Sein Gesicht ist, wie für Alepoúri bezeichnend, eine Fuchsschnauze.
Sein Gesicht ist von typischer rot-brauner Färbung, der Bereich um die Schnauze bis an den Hals ist weiß. Vom Hals abwärts wird das Fell dünner und kürzer und geht schließlich in Höhe des Brustbeins in menschliche Körperbehaarung über. Sein Torso ist unbehaart und von dem eines Menschen nicht zu unterscheiden. In Höhe der Schenkel beginnt wieder ein sanfter Flaum zu wachsen, in Höhe des Knies gehen seine Beine in Fuchspfoten über.
Die Beine, oder eher Hinterläufe, stecken in einer grünen Stoffhose, die bis an die Waden reicht. Ein einfacher Gürtel aus Hanfseil hält sie an ihrem Platz.
Ein weißes Hemd aus grobem Tuch verdeckt seinen Oberkörper. Die Ärmel hat er bis an die Ellenbogen hochgekrempelt.
Ein wollener, brauner Umhang, der ihm bis an die Knöchel reicht und am Hals mit einem Knopf geschlossen wird, umweht die schlanke Statur des Alepoúri. Der Umhang hat eine große Kapuze, unter der Sában sein Gesicht vollkommen verbergen kann.

Seine klugen Augen sind auf den ersten Blick vollkommen schwarz, sieht man näher hin, erkennt man aber eine braun-grüne Iris, die die großen Pupillen umgibt. Seine Gesichtszüge wirken dabei immer ein wenig listig.
Sában besitzt einen ausnehmend langen und buschigen Schweif, der in einem kräftigen Rot leuchtet.
Wenn er lacht, was er recht oft tut, ist es eher ein heißeres Keckern, dass für die Ohren von Menschen fremd und manchmal sogar ein wenig bedrohlich wirkt. Hat man sich aber erst einmal daran gewöhnt, ist sein Lachen sehr ansteckend.
Wenn er spricht, besonders, wenn er Geschichten erzählt, ist seine Stimme jedoch dunkel und voll tönend. Wer ihm länger zuhört, wird ganz vom Klang seiner Stimme verzaubert.

Da Sában keine nennenswerten Habseligkeiten besitzt, hat er auch nur einen kleinen Beutel, um diese mit sich herumzuschleppen. Er ist an seiner rechten Hüfte an seinem Gürtel befestigt.
Wenn er sich ein wenig Bargeld verdient oder ergaunert hat, schiebt er es flink in seine tiefen Hosentaschen. Erst, wenn er ungestört ist, zählt er den Betrag nach und lässt ihn in sein Lederbeutelchen fallen.

Auf den ersten Blick wirkt der Fuchsmensch vorsichtig. Er äugt umher und beobachtet seine Umgebung sehr genau. Auf manche mag er gar verschlagen wirken.
Wenn er sich dann aber sicher ist, den Menschen vertrauen zu können und seine Kapuze abnimmt, schauen seine klugen Augen freundlich umher und er wirkt offen und neugierig.


Charakter:
Sában ist ein quirliger Kerl, der immer in Bewegung ist. Und muss er doch einmal still da sitzen, sind seine Hände mit irgendetwas beschäftigt oder zumindest zuckt sein Schweif hin und her.
Er liebt die Musik und das Tanzen und ist durchaus gerne in netter Gesellschaft.
Er ist stets gut gelaunt und bringt die Menschen gerne zum Lachen. Nichts vergnügt ihn mehr, als ein guter Witz. Auch wenn dieser mal auf seine Kosten geht, und er vielleicht im ersten Moment gekränkt ist, wird er bald darüber lachen können.
Besonders Witze über seine Andersartigkeit und seine Familie kränken ihn. Sobald Sabán merkt, dass man mit Witzen nicht auf allgemeine Erheiterung abzielt, sondern ihn bewusst verletzen will, zahlt er es demjenigen mit derselben Art von Witzen zurück. Wer auch dann nicht sein Mundwerk zügelt, hat es sich mit dem gutmütigen Alepoúri verscherzt.
Allerdings bringt ihn sein freches Mundwerk öfter in Schwierigkeiten, als ihm lieb ist, und nicht nur einmal musste er, wieselflink, eine Taverne verlassen, weil seinetwegen eine wilde Prügelei entbrannt ist. Da er selbst ein großes Maß an Toleranz und Akzeptanz besitzt, merkt er oft nicht, wenn für andere eine Schmerzgrenze bereits überschritten ist. Wird der Gegenüber dann noch handgreiflich oder aggressiv, reizt Sabán ihn oft noch ein wenig weiter - bis das erste Messer oder die erste Faust in Richtung seines Kopfes fliegen. Da Sabán sehr flink ist, entgeht er oft den tölpelhaften Angriffen eines schwerfälligen Trunkenboldes.
Wenn es ernst wird, ist er jedoch auch in der Lage, sich angemessen zu verhalten.
Doch Sában scheut den Kampf, sowohl seine Größe, als auch sein Körperbau sind nicht darauf ausgelegt, sich mit massigen Söldnern oder gut bewehrten Soldaten anzulegen. Es mag nicht ehrenhaft sein, doch wenn es brenzlig wird, nimmt der Fuchsmensch lieber beide Beine in die Hand und verschwindet, so schnell er kann, von der Bildfläche.

Da er anders aussieht als die meisten Bewohner Alvaranias ist er immer ein wenig vorsichtig, ehe er seine Kapuze zurückstreift.
Durch die verschiedensten Erfahrungen, von Angriffen über Faszination und Interesse hat Sabán von keiner Volksgruppe ein besseres oder schlechteres Bild, viel mehr tastet er sich jedes Mal, wenn er auf neue Gesichter trifft, langsam an diese heran, um herauszufinden, wie sie auf sein Aussehen reagieren.
Zu Anfang war er unbesorgt und, verständlicherweise, vollkommen verwirrt und erschrocken über das feindliche Gebaren der Menschen. Er, der aus einer Welt kam, in der alle gleich waren, verkroch sich verschüchtert in den hintersten Ecken. Es dauerte eine Weile, doch mittlerweile hat er sich an die verschiedenen Reaktionen gewöhnt und kann sie, in gewissem Maße, sogar nahvollziehen, auch wenn er nicht begreift, warum manche Menschen ihn lieber tot sähen, nur weil er nicht aussieht, wie sie.

Man soll nun aber nicht denken, dass der Alepoúri immer nur auf Vergnügen aus ist, im Gegenteil kann er auch sehr feinfühlig und hilfsbereit sein.
Er hört sich die Sorgen anderer ruhig an. Seine positive Art steckt die meisten, die zu ihm kommen schnell an und sie finden oft von selbst eine Lösung, die ihnen vorher in ihrem Gram nicht gekommen ist.
Sában ist nicht der Spaß wichtig, sondern Zufriedenheit.
Er gibt sich mit den kleinen Dingen des Lebens zufrieden und ist relativ genügsam. Ein trockener Schlafplatz, eine warme Mahlzeit und nette Unterhaltung reichen ihm vollkommen aus.
Außerdem hat der Fuchsmensch einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.
Da er sich als Artist, Geschichtenerzähler und Taschendieb durchschlägt, ist er oft auf die Güte der Menschen angewiesen.
Dabei hat Sában die Erfahrung gemacht, dass die, die selbst wenig besitzen, es meist mit anderen, in Not geratenen Geschöpfen teilen.
Und so raubt er nur die Taschen der gut betuchten Stadtbewohner aus, denen ein Pfund Gold mehr oder weniger in der Schatzkammer nicht auffällt. Dabei wählt Sabán seine Opfer sehr gezielt aus. Er achtet auf Kleidung, Gebären und natürlich auch darauf, was der Auserwählte ausgibt. Weiß Sabán erst einmal, wo der Geldbeutel hängt, huscht er durch die Menge, nähert sich dem Opfer und sobald sie auf eine Engstelle zusteuern, klappt er, von seinem Umhang verborgen sein Klappmesser aus. Sobald Sabán und sein Opfer aneinandergedrängt werden, schneidet der Alepouri den Geldbeutel schnell ab, nimmt ihn an sich und ehe das Opfer weiß, wie ihm geschieht, ist Sabán in der Menge verschwunden.
Auch wenn in Naradesh nicht die große Kluft zwischen Arm und Reich gezogen wird, wie in den meisten anderen Städten Alvaranias, ist doch der Unterschied zu sehen. Für Sabán sind alle gleich und bis heute versteht er nicht, wieso ein Mensch eines Titels oder von Geburtswegen mehr wert sein soll als ein einfacher Bauer. Das oft das, was die einen für ihre Kleidung ausgeben reicht, um die Familie eines anderen einen Monat lang zu ernähren empfindet Sabán, der in einer Gesellschaft, in der jeder gleich viel besitzt als große Ungerechtigkeit.
Wenn er einen besonders guten Fang gemacht hat, teilt er die Beute in der Regel mit denen, die ihm Unterschlupf und Nahrung bieten.
Von Noblesse, Luxus und Eitelkeit hält der Vagabund nicht viel und er belächelt diejenigen, die ihr ganzes Streben auf ein gutes Aussehen und ein teures Leben richten.

Für viele mag Sabán daher eher wie ein verträumter Gutmensch wirken. Im Grunde seines Herzens will er aber niemandem etwas Böses. Sein größter Traum ist es, mit seiner Geliebten irgendwo ein ruhiges, friedliches Leben zu führen und eine Familie zu gründen. Er trachtet nicht nach Geld und Reichtum, er ist nicht nachtragend und Misserfolge tut er damit ab, dass jeder Tag eine neue Chance birgt.
Seine größte Angst ist es, nie Ruhe finden zu können. Das Gefühl, versagt zu haben drückt schwer auf sein Gemüt, da er doch ein ausgesprochener Familienmensch ist. Es ist nicht einfach für ihn, nicht nachhause zurückzugehen, doch er hat es sich selbst auferlegt, erst dann zurückzukehren, wenn er kein ehrenloser Dieb mehr ist.
So ist auch das eine Herausforderung für ihn, denn ohne nennenswerte magische Begabung oder kämpferisches Geschick ist es für den Alepoúri schwer, eine Arbeit zu finden. Oft wird er allein seines Aussehens wegen abgelehnt.

Seit er seine Geliebte verloren hat, sitzt er zuweilen auch still und nachdenklich in einer Ecke. Dann scheint seine Fröhlichkeit wie eine Farce. Doch er weiß, dass sie irgendwo in der weiten Welt Alvaranias ist, und das gibt ihm die Kraft, die er braucht, um sein fröhliches Wesen nicht zu verlieren. Er gibt die Hoffnung nicht auf, sie wiederzufinden.

Waffen:
Sában besitzt ein kleines Klappmesser, was aber lediglich zum Zerschneiden von Seilen oder bestenfalls Leder geeignet ist, nicht aber, um sich zu verteidigen oder zu kämpfen. Außer seinen spitzen Zähnen und den Krallen an seinen Pfoten besitzt er keine Waffen, mit denen er sich verteidigen könnte.

Fähigkeiten:
Sában besitzt als Chimaira keine magischen Fähigkeiten, dafür aber ein sehr feines Gehör, einen ausgeprägten Geruchssinn und Augen, die auch in der Dunkelheit noch gut sehen. Nachteilig für ihn ist es, dass sie auf das grelle Sonnenlicht am Mittag sehr empfindlich reagieren. Gerade als er das erste Mal das schützende Blätterdach seiner Heimat verließ und keinen Umhang besaß, um sich vor dem ungewohnten Licht zu schützen, suchte er in der Mittagszeit einen schattigen Platz um sich zu verkriechen. Mittlerweile haben sich seine Augen ein wenig angepasst, dennoch trägt er in der hellsten Zeit des Tages seine Kapuze über den Augen.

Durch seine gewitzte Art ist er ein guter Händler – jedenfalls aus seiner Sicht. Sein Verhandlungspartner merkt meist erst nach ein paar Tagen, dass er sich übers Ohr hat hauen lassen, doch dann ist der Alepoúri in der Regel schon über alle Berge.
Den Umgang mit Geld musste Sabán sich allerdings erst sehr mühsam aneignen, das für den Alepoúri vollkommen fremde Zahlungsmittel, dass so leicht zu bekommen war, war in den ersten Monaten auch eben so schnell wieder weg. Noch heute kommt es vor, dass er nach einem besonders erträglichen Tag das meiste sofort wieder verprasst, doch er hat es sich angewöhnt, immer einen Notgroschen in seinem Beutelchen zu verwahren.
Es ist für einen Alepoúri sehr untypisch, weit voraus zu denken und so ist auch Sabán mit Entscheidungen schnell bei der Hand, ohne sich die Folgen seines Handelns vorher zu überlegen.

Dabei ist Sában keineswegs bösartig, im Gegenteil weiß er einen guten Witz immer zu schätzen.
Er beherrscht ein paar kleinere Taschenspielertricks und kann mit Bällen, Keulen oder auch Gemüse jonglieren, je nachdem, was gerade da ist. Außerdem ist er ein mäßig begabter Seiltänzer.
Seine Gewandtheit ist ihm neben seinen scharfen Sinnen auf der Jagd eine gute Hilfe, so geschieht es nur selten, dass Sában hungern muss.
Sein kleiner Körperbau und seine flinken Bewegungen machen ihn in einer großen Menschenmenge nahezu unsichtbar. Daher ist es für ihn ein leichtes, durch die Menge zu huschen und die Geldbeutel von dickwänstigen Hoheiten abzutrennen.
Allerdings birgt sein schmächtiges Aussehen den Nachteil, das er im Kampf so gut wie immer den Kürzeren zieht. Ohne Waffen, mit denen er ohnehin nicht umgehen könnte, ist er doch ein recht gebrechliches Kerlchen. Überhaupt scheut er offene Konfrontationen, der tierische Teil seines Charakters ist stets aufmerksam, um bei Gefahr umso schneller einen Fluchtweg zu finden.

Durch seine Zeit beim Zirkus ist Sabán ein begnadeter Reiter, kann sogar kurze Zeit freihändig im Sattel stehen oder sich von recht nach links schwingen. Dies tut er allerdings eher zum Zeitvertreib, Sabán hat noch nie darüber nachgedacht, dass ihm diese Fähigkeiten im Kampf nützlich sein könnten.
Seine Herkunft macht es ihm auf der einen Seite leichter, mit den Tieren zu kommunizieren, auf der anderen braucht Sabán deutlich mehr Zeit, das Tier an sich zu gewöhnen, als ein Mensch oder Elf.
Da Sabán aber schon recht lange unter Menschen lebt, ist auch sein angestammter Wildgeruch nahezu verflogen. Mag es für die Pferde anfangs auch fremd und unangenehm sein, merken sie bald, dass der Fuchsmensch ihnen nichts Böses will, sondern im Gegenteil, wenn auch unbewusst, viel besser auf ihre Körpersprache eingeht.

Da er von Natur aus flink ist, ist er ein schneller und ausdauernder Läufer und seine Pfoten machen es ihm möglich, sich nahezu lautlos durch Wald und Wiesen zu schleichen. Die Erziehung und die Lebensart der Alepoúri haben ihn zu einem guten Jäger gemacht, so kann er auch ohne Waffen gut überleben. Er kann einige essbare Beeren finden, doch nur die, die in Khirudan vorkommen.
Ebenfalls auf die Erziehung seiner Eltern zurückzuführen ist die, für einen Mann doch eher ungewöhnliche Fähigkeit, zu nähen, wenn Sabáns Werke auch nicht kunstvoll sind und sehr spartanisch wirken, so, als würden sie im nächsten Moment zerreißen. Der Schein trügt zwar, und seine Fellkleider sind überraschend robust, doch wer einmal die Kleider der Menschen und Elfen gesehen hat, möchte deren Gewänder kaum wieder gegen die einfachen Kleiderflicken aus Fell eintauschen.


Durch seinen langen Aufenthalt bei den südlichen Völkern spricht er auch deren Sprachen nahezu fehlerfrei. Seine naturgegebene Fähigkeit, Sprachen er erlernen, ist ihm schon immer eine große Hilfe gewesen. Er spricht und versteht sowohl das Menon-Emenisch als auch die zentralalvaranischen Sprachen fehlerfrei. Noch etwas holprig indes klingt sein Coreonisch, doch reicht es, um sich verständlich zu machen. Seine Aussprache ist dennoch von einem südlichen Dialekt gefärbt.
Seine Geschichten über die schöne Mondgöttin Mirika, die zum Mensch wurde und nun über die Erde wandelt, erzählt er zwar in Coreonisch, doch in seinem Kopf entstehen sie in Menon-Emenisch.
In dieser Sprache ist er äußerst wortgewandt, doch viele seiner Ausschmückungen gehen bei der Übersetzung verloren.

Was Sabán gar nicht leiden kann ist das Wasser. Er kann nicht schwimmen und bevorzugt es auch, sich außer Reichweite dieses Elements zu befinden.


Vergangenheit:
Kindheit und Familie


Sában wurde in den westlichen Wäldern Khirudans als das zweite von 3 Geschwistern geboren.
Seine Schwester Tesmea ist zwei Jahre jünger als er.
Sie ist klein und von schmaler Gestalt und kommt sehr nach ihrer Mutter Yalá. Das rotbraune Fell, welches auch Sában aufweist, haben die Geschwister von Yalá geerbt.
Sein Bruder Itsto ist stämmig, etwa 1,70 groß und gehört damit zu den größeren Exemplaren seiner Art. Er ist vier Jahre älter als Sában und hat, wie sein Vater, ein grau-weißes Fell.
Während Tesmea eher zurückhaltend und schweigsam ist, ist Itsto der Draufgängertyp.
Sában ist zwar abenteuerlustig, doch wie Tesmea zieht er sich eher zurück, wenn die Stimmung ernst oder gar gefährlich wird. So weist Sabán die Charakterzüge seiner Geschwister in ausgewogenem Maße auf. Er ist weder so zurückhaltend wie Tesmea, noch so ruppig und impulsiv wie Itsto.
So war es immer und so ist es bis heute geblieben.
Von den drei Geschwistern ist Itsto ihrem Vater Vishku am ähnlichsten.
Vishku ist ein etwas sturer, aber sehr liebenswerter Mann und hat seine Kinder mit milder Strenge erzogen.
Yalá, die Mutter der drei, ist eine zierliche, hübsche Frau. Sie kann Unstimmigkeiten nicht leiden und lehrte ihre Kinder schon früh die einfachsten Lieder zu singen.
Vishku nahm die Kinder, sobald sie alt genug waren, mit auf seine Jagdzüge und lehrte sie, wie sie alleine zurechtkommen konnten, wenn die Zeit gekommen war, den elterlichen Bau zu verlassen.
So wuchs Sában wohlbehütet im Kreise seiner geliebten Familie auf.
Nach Art der Alepoúri lebten sie in einer großen Höhle, die wie ein überdimensionaler Fuchsbau wirkt, tief in den Wäldern Khirudans.
Sabán und seine Geschwister lernten schnell, wie sie kleinere Tiere erbeuten und zerlegen konnten. Schwerer taten sie sich daran, die Felle zu gerben und zu Kleidung zu verarbeiten, wobei sich hierbei Tesmea deutlich hervortat. Für Sabán und Itsto war derlei Tätigkeit zu weibisch, obwohl es bei den Alepoúri keine geschlechtsspezifischen Aufgaben gibt.
Sabán stellte besonders gerne Kaninchen nach und zog sich so manche Rüge Vishkus ein.
"Töte nie, nur, weil es dir Spaß macht."
Wie oft hatte Sabán diesen Satz von seinem Vater gehört?
Doch je älter er wurde, desto besser verstand er das empfindliche Gleichgewicht der Welt, in der er lebte.
Es zeigte sich, dass der junge Alepoúri kein besonderes Geschick für die Musik besaß, aber eine sehr schöne, volltönende Stimme hatte. Yalá wollte ihn immer überreden, zu singen, doch Sabán hörte lieber zu. Ihm lag es mehr, Geschichten zu erzählen, schon in jüngeren Jahren überlegte er sich manchmal, was ein Hirsch, den er und seine Geschwister getötet hatten wohl schon erlebt haben mochte.
Überhaupt war er ein wenig eigenbrötlerischer als seine Geschwister. Indes nichts ungewöhnliches für Alepoúri, so trieb Sabán sich oft viele Stunden des Tages alleine im Wald herum, ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen zu haben. Er tat es, weil er Gefallen an der Umgebung hatte, am Plätschern eines Baches oder am Lichtspiel, das die Schatten der Blätter und Sonnenstrahlen auf den Boden malte.
Je älter er wurde, desto ausgedehnter wurden seine Streifzüge.

Natürlich stritten die Geschwister sich untereinander, doch der Streit wurde schnell beigelegt und beim Abendessen vertrugen sie sich schon wieder.
Doch nach einigen Jahren zog es Itsto in die weite Welt hinaus, er wollte mehr als die Wälder sehen, andere Völker kennenlernen.
Er verließ die Familie mit 16, als Sában 12 Jahre alt war. Doch jedes Jahr kehrte Itsto für ein paar Tage in die Heimat zurück. Dann erzählte er seiner Familie von den Abenteuern, die er erlebt und den Dingen und Wesen, die er gesehen hatte.
Der große Bruder trug nun ein langes Silberschwert an seinem Gürtel und diente in der Armee des Sultans von Naradesh.
Er berichtete von fernen Orten, fremden Tieren und sonderbaren Sprachen. Nur eines brachte der älteste Spross zum Kummer seiner Mutter nie mit nach Hause – eine Frau.
Und so wuchs auch in Sában die Sehnsucht nach der weiten Welt.
Das behütete Leben in den Wäldern Khirudans genügte ihm nicht mehr.

Die Zeit strich ins Land, und der jugendliche Sabán verbrachte immer mehr Zeit im Wald. Immer häufiger kam es vor, dass er sich am Tage viel zu weit vom heimatlichen Bau entfernte, um nachts unbeschadet nach Hause zu kommen und gezwungen war, sich im Wald einen Unterschlupf zu suchen. Feuer machte er dabei nie, die Angst, einzuschlafen und den ganzen Wald durch seine Unachtsamkeit in Brand zu stecken, war zu groß.
Auf seinen Streifzügen verbrachte er dabei die meiste Zeit damit, einfach umher zu schauen. Er lehnte sich an Bäume und überlegte sich, was diese ihm wohl erzählen würden, wenn sie sprechen könnten.

Der Beginn einer endlosen Reise

Mit 18 Jahren dann packte auch Sában seine Habe und verließ die Familie, obgleich Mutter und Schwester ihn davon abzubringen versuchten.
Einzig sein Vater wünschte dem Jungen Glück und sagte, wer von der weiten Welt gerufen wird, muss dem Ruf folgen.
So zog Sabán in den Westen Alvaranias. Er überquerte die Ruwayt-Berge und folgte dann den malerisch anzusehenden Kaskaden des Furat.
Er wollte zuerst nach Naradesh, seinen Bruder überraschen. In der ersten Zeit drückte die plötzliche Einsamkeit doch sehr auf sein Gemüt, doch sobald er erst einmal die Wälder verlassen hatte und in eine völlig neue Welt eintrat, war aller Trübsinn wie weggeblasen. Das Reisefieber hatte ihn, wie einst seinen großen Bruder gepackt, und er konnte es kaum erwarten, die Städte, von denen Itsto immer geschwärmt hatte, mit eigenen Augen zu sehen.

Doch schnell musste der junge und übermütige Alepoúri feststellen, dass die Menschen ihn nicht wie ihresgleichen behandelten. Sie jagten ihn fort, hetzten ihn oder beschimpften ihn.
Lediglich die ärmsten Bewohner der Städte waren bereit, Sabán zumindest einen Unterschlupf zu gewähren.
In die Quartiere der königlichen Garde wurde er nicht eingelassen, die Wache an den Toren lachten ihn aus und wiesen ihn ab. Er versuchte es mehrmals, doch nach ein paar Wochen gab er resigniert auf.
Das, dachte der junge Fuchsmensch zu Anfang grämend, hatte Itsto ihm nicht erzählt.
Man erklärte Sabán, einen wie ihn gäbe es nicht in Naradesh. Zuerst wollte Sabán ihnen nicht glauben, schließlich hatte Itsto Naradesh genauso beschrieben, wie Sabán es erlebt hatte. Und er hatte doch das Schwert....
Doch als er sich genauer überlegte, wie die Menschen bei seinem Anblick reagierten, nämlich verschreckt oder aggressiv, kamen ihm bald Zweifel an dem Wahrheitsgehalt der Geschichten seines Bruders.

Tatsächlich war Itsto zwar in Naradesh gewesen, den Sultan aber hatte er nie persönlich gesehen. Wie Sabán war er mit Abneigung konfrontiert worden und hatte die Stadt schnell verlassen. Er war in Richtung Süden gezogen und schließlich auf der Pirateninsel Belua im wahrsten Sinne des Wortes gestrandet. Für Itsto war nach seiner Reise vor allem eines sehr verwirrend - er befand sich unter dem Abschaum der Welt, die für einen Groschen ihren eigenen Bruder verraten würden, doch niemand schaute den Fuchsmenschen je schräg von der Seite an.
Itsto gefiel die raue Lebensart der Piraten mehr und mehr, heute zählt er zu den reichsten Männern der Insel.
Nur vor seiner Familie schämte der graue Alepoúri sich und erdachte die Geschichte vom Heer in Naradesh, dessen es nie ansichtig geworden war. Jedes Jahr verschwindet Itsto für einige Wochen von der Insel, niemand weiß, wohin er geht und was er tut. Er achtet sorgfältig darauf, dass niemand erfährt, dass er in dieser Zeit zu seiner Familie zurückkehrt.
Doch sein kleiner Bruder Sabán konnte all das nicht ahnen. Er war in Naradesh gelandet und zerbrach sie den Kopf über den Verbleib von Itsto. Er war in dem Glauben in die Stadt gekommen, freundlich bei ihm aufgenommen zu werden. Indes hatte er weder eine Unterkunft, noch Geld, nicht einmal den Magen konnte er füllen.

Auch Arbeit war für Sabán schwer zu finden. Er schlug sich damit durch, auf den Marktplätzen ein paar kleinere Kunststückchen aufzuführen.
Jonglieren, auf den Vorderpfoten laufen, Saltos schlagen.
Seine Fertigkeiten verbesserten sich mit der Zeit von alleine.
Wenn es ganz bitter kam und er sich nicht mal eine kleine Mahlzeit kaufen oder erbetteln konnte, fing er aus Gram an, die Stadtwachen zu bestehlen.
Selbstverständlich gelang ihm das nicht sofort, und oft musste er dann doch mit leeren Händen fliehen, wenn er seinen Pelz retten wollte.
Nein, es war wahrlich keine schöne Zeit für den unerfahrenen Fuchsmenschen.
Doch mit der Zeit wurde er vorsichtiger, und geschickter.
Bald hatte er etwas Geld über und besorgte sich seinen Umhang, um nicht so schnell aufzufallen.
Die Menschen schenkten ihm bald keine Beachtung mehr, wenn er behände durch die verwinkelten Straßen Naradeshs huschte.
Natürlich konnte er nicht wissen, dass er es in Naradesh besser hatte als in irgendeiner anderen Stadt. Er hatte eben nicht gesehen, was sein Bruder gesehen hatte und hatte keine Ahnung davon, dass er in anderen Städten längst als Untier getötet worden wäre, wenn er nicht schnell genug geflohen wäre.
Hin und wieder bekam er sogar Arbeit, kleine Handreichungen bei Bäckern oder Handwerkern, aber eine feste Anstellung fand er nie.
Sein Haupteinkommen verdiente er nach wie vor mit seinen Kunststückchen, die vielleicht nicht zuletzt wegen seiner fremden Erscheinung immer großen Anklang fanden.

So vergingen zweieinhalb lange Jahre. Seinen Bruder sah Sabán in all der Zeit nicht ein einziges Mal, dafür hatte er in der ärmeren Schicht der Bevölkerung einen kleinen Freundeskreis aus Musikanten und Handwerkern gewonnen, mit denen er sich so manchen Abend in den Schenken der Stadt herumtrieb.
Seine besondere Art, Probleme zu lösen und die Leichtigkeit im Leben zu erkennen macht ihn zu einem wertvollen Freund, der oft bei Miseren zu Rate gezogen wurde.
Sabán war jetzt 20 Jahre alt und sehnte sich immer mehr nach seiner Familie. Er wäre gerne zurück zu ihnen gegangen, doch er schämte sich – sein Bruder war in der angesehen Armee und er? Er war ein kleiner Taschendieb, ein Akrobat, ein Niemand.
Seine Mutter hätte ihn glückstrahlend zuhause aufgenommen, gefüttert und verhätschelt und nicht einmal sein Vater hätte sich seine Enttäuschung anmerken lassen, doch der Stolz des Alepoúri lies diese Schmach nicht zu. So hatte er, ohne es zu wissen, dasselbe Schicksal wie Itsto erlitten und dieselben Konsequenzen gewählt.

Der Zirkus Wüstenrose

Eines Tages wurde Sabán dann ein schmackhaftes Angebot unterbreitet.
Es war ein schöner Mittag und der Fuchsmensch vollführte mal wieder ein paar seiner Kunststückchen auf dem Marktplatz. Er bemerkte gar nicht, dass er durch listige, braune Augen beobachtet wurde. Er beendete seine Vorstellung, ging mit seinem Beutelchen durch die Menge, um ein paar Kupfermünzen einzuheimsen und wollte seiner Wege gehen, als eine dunkle Hand ihn sanft, aber bestimmt am Arm packte. Erschrocken blieb er stehen und blickte in das ovale Gesicht eines Menai.
Der Mann erklärte Sabán ohne lange Vorreden, dass er Mitglied eines Wanderzirkuses war und ob der Alepoúri sich vorstellen könnte, sich ihnen anzuschließen. Er habe großes Potential, was man im Zirkus noch weiter fördern könnte. Ohne lange nachzudenken schlug Sabán in die ihm dargebotene Hand ein.
Da er weder ein Haus noch ein Zimmer in einer Schenke besaß folgte er dem Mann, der sich als Mescha'dar vorstellte an den Rande der Stadt. Mehrere Wagen standen hier in einem Kreis und ein großes Zelt aus buntem Stoff war etwas abseits davon errichtet worden. Es herrschte buntes Treiben in dem kleinen Lager und Sabán fiel zunächst kaum auf.
Mescha'dar brachte den Alepoúri zu einem hochgewachsenen Wüstenelfen, der sich schlicht Ahmad nannte. Dieser musterte den jungen Fuchsmenschen interessiert und bat ihn dann, ein paar seiner Kunststückchen vorzuführen.

Sabán zeigte ein paar Taschenspielertricks und jonglierte mit ein paar herumliegenden Kieselsteinchen. Ahmad zeigte sich zwar nicht beeindruckt, nickte aber dennoch als Zeichen seiner Zustimmung. Zuletzt fragte er ihn, ob Sabán ein Händchen für Diebereien hätte. Der Alepoúri bejahte und wurde damit endgültig in den fahrenden Zirkus 'Wüstenrose' aufgenommen.
Der Zirkus bestand aus den verschiedensten Menschen.
Diejenigen, die in Menaion gescheitert waren und aus Schmach ihre Familie und Heimat verlassen hatten ebenso wie Menschen aus Demera und ein paar Wüstenelfen hatten sich hier zusammengeschlossen.
Schlangenbeschwörer, Seiltänzer, Akrobaten, Jongleure, Bauchredner, Clowns, Kunstreiter und Schlangentänzerinnen fanden sich hier ebenso wie grobschlächtige Arbeiter, die die Pferde betreuten und die Zelte und Unterkünfte aufbauten. Sabán fühlte sich hier sehr wohl, weil es zum ersten Mal geschah, dass er von niemandem misstrauisch beäugt wurde. Im Gegenteil wurde er freundlich aufgenommen und sofort in das Leben im Lager mit eingebunden.
Auch seine Kleidung wechselte er hier, seine abgetragenen Sachen, die, nach Art der Alepoúri vollständig aus Fellen selbst zusammen geschneidert worden waren, tauschte er gegen ein weißes Hemd und eine grüße Stoffhose.
Die Luftdurchlässigkeit und Leichtigkeit dieser neuartigen Kleidung gefiel Sabán ausnehmend gut, hatte er so doch viel mehr Bewegungsfreiraum. Einzig seinen Umhang behielt er.Die große Kapuze war ihm lieb und teuer geworden, konnte er doch so seine empfindlichen Augen vor der grellen Sonne des Tages schützen.

Schon am ersten Tag fiel ihm ein Mädchen in seinem Alter auf. Sie hieß Kiria, doch im Stillen nannte Sabán sie seine 'Srkabaniana', seine Wüstenblume.
Von Anfang an verstanden sich der Alepoúri und die Tochter des Salzvolkes sehr gut.
Kiria stammte aus Demera und war als achtes Kind und siebte Tochter einer armen Bauernfamilie an die berühmte Tanzschule Jeret-Iunmutef verkauft worden. Sie war damals 6 Jahre alt gewesen. Vollkommen eingeschüchtert hatte sie alles getan, was man ihr auftrug. Es zeigte sich sehr bald, das sie großes Talent besaß, doch Kiria war aufmüpfig und oft zu spät.
Oft wurde sie mit einem Eimer eiskalten Wassers übergossen und bekam dann Schläge mit dem Rohrstock, doch keine Strafe konnte den Willen des Mädchens brechen. Noch heute hatte sie große Narben auf dem Rücken.
Einzig ihr Talent rettete sie davor, der Schule verwiesen zu werden. Doch sie war unglücklich und fühlte sich eingesperrt.
Sie war 13, als sie die Tanzschule bei Nacht und Nebel verließ. Sie war seitdem nicht mehr nach Demera zurückgekehrt.
Kiria war eine ungestüme und übermütige Frau, sie hasste Zwänge und unterwarf sich nur selten einem täglichen Ritual. Feste Zeiten zum Aufstehen, essen oder Proben gab es für sie nicht. Sie lebte in den Tag hinein und war dabei ganz unbeschwert.
Sie lachte gern und viel und Sabán verliebte sich in das Blitzen in ihren braunen Augen, wenn sie lachte.
Sie war von zierlicher Gestalt und ihre Haut hatte die Farbe von dunklem Sand, ihr Haar war lang und von schwarzer Farbe. Immer trug sie es in verwirrenden Flechtmustern. Weite, bunte Kleidung mit aufwändigen Stickereien verschleierten ihren Körper. Für Sabán war sie das anmutigste und hübscheste Wesen, das er je gesehen hatte. Ihre Stimme klang wie flüssiges Gold in seinen Ohren.

Im Zirkus wurde Sabáns Geschick gefördert, er lernte Seiltanz und verbesserte seine Jonglierfertigkeiten.
Aber auch im Reiten wurde er unterwiesen. Er zeigte sich sofort begeistert von den kraftvollen Tieren und verbrachte täglich mehrere Stunden auf den Koppeln.
Bald wurde er dazu eingeteilt, die Tiere vor den Vorstellungen mit bunten Bändern und Federn zu schmücken, da dem zuständige Mann, ein kräftiger Bursche des Salzvolkes, auffiel, dass sie sich in der Nähe des Alepouri wohlfühlten und ruhiger wurden.
Es war Knochenarbeit und ständig stand Sabán unter Zeitdruck, denn nicht nur die Pferde, sondern auch er selbst mussten geschmückt und eingekleidet werden.
Doch er störte sich nicht daran, er hatte immer genug zu essen, ein warmes Bett und gute Gesellschaft. Besonders mit Kiria verbrachte er viel Zeit und schon bald bemerkte er, dass er sich so sehr von ihr angezogen fühlte, dass er es nicht weiter zurückhalten konnte. Er gestand der hübschen Frau seine Liebe. Und auch Kiria hatte sich in den Fuchsmenschen verliebt.
Die nächsten 3 Jahre waren die schönsten seines bisherigen Lebens.
Er besaß das Herz der wunderschönen Kiria, er zog herum und sah viel vom Süden Alvaranias und er musste sich nie darum sorgen, wo er des Nachts schlafen und womit er seinen Magen füllen konnte.
So bereiste er den gesamten Südwesten Alvaranias. Menaion, Thanasi, Kamîrush. Sie blieben nie lange an einem Ort und von den Städten sahen sie eigentlich nie etwas, außer sie machten Besorgungen, doch in der Regel kamen die Händler aus der Stadt zu ihrem Lager, um ihre Waren zu verkaufen.

Natürlich hatte auch Sabán hin und wieder Probleme mit seinen neuen Gefährten. Wer immerzu auf engen Raum miteinander auskommen muss, gerät auch schon mal aneinander.
Besonders mit dem Kraftprotz Jihad hatte Sabán immer wieder Gefechte auszutragen.
Jihad hatte schon lange ein Auge auf Kiria geworfen, doch die Schlangentänzerin hatte ihn immer wieder abgewiesen. Das jetzt ausgerechnet der schmächtige Sabán ihre Gunst gewonnen hatte, konnte der Mann, der in der Manege Metall verbog, einfach nicht ertragen. Wo er konnte, machte er Sabán das Leben schwer. Er stichelte und frotzelte, er rempelte ihn an und tat auch sonst alles, um Sabán in Verruf zu bringen.
Der redegewandte Fuchsmensch lies sich davon indess nicht beeindrucken und brachte Jihad so immer wieder mit frechen Sprüchen und Kontern in Rage.
Zu einer offenen Ausschreitung zwischen ihnen kam es nie, da Zusammenhalt in der Gruppe groß geschrieben wurde. Jihad wusste sehr genau, dass eine offene Provokation für ihn nur schlecht sein konnte. Sabán war mittlerweile ein festes Mitglied der Gruppe und für den schwächlichen Alepoúri mit dem scharfen Verstand wäre es ein Leichtes gewesen, alles so auszulegen, als hätte nur Jihad Schuld. Und das hätte für ihn im schlimmsten Fall bedeutet, dass er die Gruppe hätte verlassen müssen.
Doch freundlich war das Verhältnis zwischen ihnen nie und Sabán bemühte sich, Jihad einfach aus dem Weg zu gehen.

Doch schon lange war der Zirkus Wüstenrose den großen Herrschern der Wüste ein Dorn im Auge, denn unter dem Deckmantel des Wanderzirkus wurde, von den Statisten unbemerkt, wertvolles Diebesgut geschmuggelt. Es waren Waffen, die in den Untergrund Demeras gebracht wurden. Ob Ahmad selbst der Drahtzieher, oder nur eine Figur auf dem Schachbrett der Großen war, vermochte niemand zu sagen, sicher war nur, dass er und seine engsten Vertrauten die Königin Dilshad nicht länger auf dem Thron sehen wollten und alles dafür taten, um sie loszuwerden, selbst, wenn sie sich dafür mit vielen Fremden abgeben mussten und Demera nie länger als nur einige Tage im Jahr sahen. Ob nun Anführer oder nicht, sicher war, dass Ahmad ein wichtiges Mitglied der Verschwörerbande war. Der Sultan von Avrabêth setzte also alles daran, Ahmad zu finden - lebendig. Er wollte ihn zum Tausch anbieten. Mittelsmann gegen Informationen. Natürlich ging es dabei um mehr, doch in die Wirren der Politik wollen wir einfachen Bürger uns nicht einmischen, letztenendes sind wir ja doch alle nur Figuren auf den Schachbrettern der Herrscher, so gütig sie auch sein mögen.

Und so kam es, das der Zirkus während einer Vorstellung in Avrabêth von den Soldaten der Stadt eingekreist wurde. Unruhen entstanden und die Menschen drängten aufgeregt aus dem Zelt. Auch Ahmad wurde aufmerksam und begriff in Windeseile, worum es ging. Er zog seine Untergebenen zusammen und steckte unbemerkt das große Zirkuszelt in Brand.
Eine Panik brach aus, beißender Rauch und lodernde Flammen verbreiteten sich rasend schnell.
Sabáns feine Nase witterte die Gefahr als erstes. Fluchend rannte er umher, um Kiria zu finden. Er erspähte sie im Artistenbereich. Die Menschenmassen waren noch nicht bis dorthin vorgedrungen.
Er packte Kirias Hand und rannte mit ihr so weit weg, wie er konnte. Sie mischten sich unter die Besucher und schafften es, den Ring aus Soldaten unbehelligt zu durchbrechen.
Doch sie waren nicht sicher in der Stadt. Zu den Überresten des Lagers trauten sie sich nicht zurückzugehen, sie hatten gesehen, wie einige ihrer Freunde, unter ihnen auch Ahmad, in Fesseln abgeführt worden waren. Der Sultan hatte auf die Ergreifung der Zirkusleute Kopfgelder ausgeschrieben, doch sie waren niedrig, es ging nur darum, den Schein zu wahren. Niemand hetzte den Geflohenen, von Goldsucht besessen, nach, daher entkamen Kiria und Sabán ohne großes Aufsehen.
Zu zweit und auf sich gestellt, machte sich das Paar auf in Richtung Norden. Denn sie beide wussten, das irgendetwas im Zirkus nicht mit rechten Dingen zugegangen war und auch, wenn sie nichts damit zu tun gehabt hatten, ja nicht einmal wussten, worum es sich handelte, sie würden verfolgt werden, in welcher Stadt sie sich auch blicken lassen würden.
Ihre einzige Hoffnung bestand darin, sich durch die Steppe zu schlagen und die Nordreiche oder die Wälder der Elfen zu erreichen. Ihr Plan war einfach: Die Wüste unbemerkt verlassen, immer der Nase nach die Steppe überqueren und dann dorthin zu laufen, wohin die Füße sie gerade trugen.
Zu laufen? Nein, bei der nächstbesten Gelegenheit ergaunerten sich die beiden Spitzohren zwei Pferde. Und noch ehe der Besitzer bemerkte, dass er gerade zwei gesuchten Verbrechern zur Flucht verholfen hatte, waren sie über alle Berge auf und davon.
Doch weder Sabán noch Kiria hatten jemals eine Karte des Kontinents gesehen, geschweige denn die Wüste verlassen. Dass ihr Weg nach Nord-Osten von der Zuhandal-Kette und deren ungastlichen Bewohnern, den Bergelfen, blockiert wurde, ahnten sie nicht.

Flucht aus dem Süden

Die Reise war nicht einfach und oft mussten die beiden mit knurrenden Mägen schlafen gehen, doch sie waren zufrieden damit, beieinander sein zu können.
Karawanen von Reisenden gingen sie aus dem Weg, man konnte schließlich nie abschätze, ob es Händler aus dem Norden oder aus dem Süden waren.
Sie hielten sich an ihren Plan, immer geradeaus zu reiten. Wasser zu finden war für sie eine leichte Übung, das Leben in der Wüste hatte sie bestens darauf vorbereitet. Dennoch war es keine leichte Zeit. Sie hatten wenig zu essen, sprachen mit keiner Menschenseele ein Wort und wussten nicht, was sie an ihrem Ziel erwarten würde.

Und dann kam die Bergkette in Sicht, von deren Existenz sie nichts geahnt hatten.
Zuversichtlich ritten sie darauf zu und begannen schon, einen begehbaren Weg für die Pferde zu finden, als wie aus dem Nichts ein grün gewandeter Elf vor ihnen stand, der ihnen kalt beschied, dass sie hier nicht passieren konnten. Er verschwand ebenso lautlos, wie er gekommen war. Sabán und Kiria schauten sich zweifelnd an, zuckten dann aber mit den Schultern. Sabáns Pferd machte einen weiteren Schritt, als ein Pfeil haarscharf an seinem Gesicht vorbeischoss.
Sein Pferd scheute und er hatte alle Mühe, es wieder unter Kontrolle zu bringen.
"Lass uns umkehren.", murmelte er erschrocken, "wir sind hier nicht erwünscht."

Ratlos rasteten sie am Fuße der Berge. Hier gab es zwar wieder mehr Wild und um Wasser mussten sie sich keine Sorgen mehr machen, doch die Begegnung mit dem Elf hatte sie beide verstört.
Doch da sie nicht tatenlos herum sitzen und verweilen konnten, entschlossen sie sich, an den Ausläufern des Gebirges nach Süden zu gehen. Sie hofften, das Ende der Zuhandal-Kette, und somit des Bergelfenreiches zu finden. Wenn sie nicht im Süden war, so gingen sie eben zurück und in Richtung Norden, denn sie wussten, dass es Handelsrouten zwischen den Nordreichen und den Wüstenstädten gab.

Doch sie waren vorsichtig und Sabán wagte nur nachts, zu jagen. Zu fremd war ihnen das Bergelfenvolk, nach dem Empfang wollten sie keinen weiteren Ärger riskieren. Doch die Monate vergingen, und nicht ein menschliches Wesen lies sich blicken.

Das Klima in den Bergen allerdings ist kühl und Kiria, die nur die heiße Wüstenluft kannte, hatte sehr darunter zu leiden. Nachts wie tagsüber fror sie ganz entsetzlich, und so entschlossen sie sich, wieder in die Steppe zu reiten und die Zuhandal-Kette immer in Sichtweite zu haben. Nun hatten sie aber wieder mit Nahrungsknappheit zu kämpfen. Ein Gefühl für Zeit und Entfernung hatten sie längst verloren.

Sie erreichten die Zhiraled-Seen, doch eine große Handelskarawane in Beduinenkleidung passierte gerade die Wege. Obwohl das Paar nicht mehr damit rechnete, noch verfolgt zu werden, entschieden sie sich, weiter im Süden einen anderen Durchgang zu finden. Nach Jahren der Einsamkeit scheuten sie sich ein wenig vor Menschenmassen.
So zogen sie weiter, immer in Richtung Süden.

Erst als sie die Grenzen zu Khirundan überschritten, wurde es besser für die beiden. Das Klima wurde milder und oft zog Sabán in der Dämmerung los, um einige kleinere Wildtiere zu erbeuten. An der Blütenpracht konnte er bestimmen, dass sie Frühling haben mussten. Über ein halbes Jahr lang waren sie also schon auf der Flucht.
Zu seiner Familie konnte Sabán aber nun, als gesuchter Verbrecher wider Willen erst recht nicht zurückkehren. Er schämte sich mehr denn je, jetzt, wo er ihnen näher war als in all den Jahren, seit er sie verlassen hatte.
Kummer beschattete sein Herz und der sonst so fröhliche und aufgeweckte Alepoúri tappte mit hängendem Schweif durch die Welt. Einzig Kirias Nähe und ihre verständnisvollen Worte vermochten wieder ein Lächeln in sein Gesicht zu malen.

Ein halbes Jahr dauerte die schwierige und gefährliche Reise von Sabán und Kiria, doch schließlich kamen sie glücklich in Laethea an. Was sie vorhatten, das wussten sie selbst noch nicht so recht. Vielleicht fand sich ein Wanderzirkus, der sie aufnahm, oder sie fanden irgendwo eine Möglichkeit, als ehrliche Leute zu leben, sesshaft zu werden und, wer wusste es schon, vielleicht eine Familie zu gründen. Denn bisher war aus ihrer mittlerweile vier Jahre andauernden Verbindung noch kein Kind hervorgegangen. Sie beide wünschten sich Kinder und keiner von beiden hatte darüber nachgedacht, ob ein Mischling aus einem Alepoúri und einem Menschen überhaupt lebensfähig sein würde.

In den Wäldern der Elfen war es für die Reisenden wie der Eintritt in eine neue Welt. Der Umgang der Elfen miteinander war anders als der, den sie von den Menschen im Süden gewohnt waren, Klima und Vegetation waren eine vollkommen andere.
Das Essen schmeckte fremd, die Elfen wirkten wie jung gebliebene Greise, in deren Köpfen ein schier unendliches Wissen gespeichert war.
Fasziniert wanderte das ungleiche Paar durch die Wälder, doch selbst hier wurde Sabán immer wieder misstrauisch beobachtet, so zog er es bald wieder vor, seine Kapuze über sein Gesicht zu ziehen, die er vier Jahre lang nicht getragen hatte. Er tat es Kiria zuliebe, denn er wollte nicht, dass man sie anstarrte und über sie tuschelte.
Doch die junge Frau hätte sich nicht daran gestört, sie liebte Sabán und sie scheute sich nicht davor, das auch zu zeigen.

Sie hatten sich nach Norden gewandt, ohne zu wissen, dass sie geradewegs auf das Gebiet der Shiín zusteuerten. Keiner von beiden verstand sich auf das Karten lesen und selbst wenn, sie besaßen ja keine Karten.
So gerieten sie immer näher an die Hügellande von Harrhy'in heran, ohne zu wissen, in welch schicksalhafte Gefahr sie sich begaben.

Die Trennung

Die Gegend, in der sie sich nun befanden, war kaum besiedelt. Die Elfenstädte waren langsam gewichen, nur hin und wieder sah man vereinzelt ein paar Hütten stehen.
Und nach fast einem Jahr betraten sie dann zum ersten Mal wieder eine von Menschen Bewohnte, kleine Siedlung.
Es war spät am Nachmittag und die meisten Menschen befanden sich auf den Straßen.
Doch als sie Sabán und seinem fremdartigen Aussehen gewahr wurden, verschwanden sie alle in ihren Häusern. Nur eine kleine Gruppe bewaffneter Männer stellte sich ihnen in den Weg.
"Verschwinden wir, das gefällt mir nicht!", wisperte Kiria. Sabán nickte, er spürte die drohende Stimmung in der Luft. Sie kehrten ihre Pferde um und galoppierten davon.
Sie waren verwirrt, in dieser Gegend konnte man nicht wissen, dass sie vom Sultan in Avrabêth gesucht wurden - oder doch?
"Vielleicht sind sie vor kurzem überfallen worden?" mutmaßte Kiria. Sabán sagte nichts. Noch nie war er wegen seines Aussehens angegriffen worden. Man hatte ihn fortgeschickt, angestarrt oder ausgelacht. Es betrübte ihn, dass er in diesem Teil der Welt wohl sehr gefährlich lebte. Und das, obwohl die Elfen doch friedlich waren.
Dennoch entschied er sich, den Vorfall zu vergessen. Allerdings vermieden sie es nun wieder, die Dörfer der Menschen zu betreten.
Man sah sie immer nur von weitem einen großen Bogen um die Siedlungen machen Nur einige Wanderer begegneten ihnen von Zeit zu Zeit, doch sobald sie Sabáns Fuchsschwanz bemerkten, sahen sie zu, dass sie möglichst schnell das Weite suchten.

Es war ein lauer Sommerabend. Sabán und Kiria ritten gemächlich an der ausgetretenen Straße entlang. Da niemand in der Nähe war, hatte Sabán seine Kapuze zurückgeschlagen und ließ sich die Sonne auf den Pelz scheinen.
Kiria kicherte leise und beugte sich im Sattel zu ihm herüber, um ihn zu küssen, als plötzlich hinter ihnen ein lautes Geschrei anscholl. Erschrocken zügelten die beiden ihre Pferde und blickten sich um.
Ein Tross von aufgebrachten – und vor allem bewaffneten – Menschen stürmte hinter ihnen her.
“Das ist die Bestie!”; brüllten sie, und “Packt sie!”

Ein angsterfüllter Blick schwirrte zwischen Kiria und Sabán hin und her, dann gaben sie ihren Pferden gleichzeitig die Sporen.
Doch offensichtlich hatten die Bauern sie beobachtet, denn vor ihnen erschien nun auch eine wütende Meute mit brennenden Fackeln.
Die nervösen Pferde scheuten, den beiden Flüchtenden blieb nichts weiter übrig, als abzuspringen.
“In den Wald, schnell!”; rief Kiria noch, ehe Sabán sie aus den Augen verlor. Sie waren mitten in den aufgebrachten Mob geraten.
Doch nicht Kiria war das Ziel ihres Angriffs, sondern Sabán.
Er wich mehreren Schlägen mit Holzknüppeln aus, ehe eine Mistgabel seine Seite aufriss und sein Hemd zerfetzte. Blut quoll hervor und irgendwo hörte er einen erstickten Aufschrei – wahrscheinlich weil die Haut seines Torsos nicht fellbedeckt war- ehe er sich mit einem Hechtsprung aus der Menge rettet und in den Wald stürmte. Mit dem Arm presste er die Wunde ab.
Eine hohe Fichte mit tief herabhängenden Zweigen diente seinem Zweck und er kletterte schnell hinauf.
Erschöpft und schwer atmend hielt er in den Wipfeln inne. Die Wunde brannte und Sabán musste feststellen, dass sie gefährlich tief war. Auf Hilfe brauchte er offensichtlich nicht zu hoffen.
Kiria! Wo war sie?! Tausend wirre und schreckliche Gedanken wirbelten in seinem Kopf durcheinander.
Er würde sie suchen, sobald die Menschen seine Verfolgung aufgegeben hatten. Wenn sie Kiria nur nichts angetan hatten..
Er hörte die Dörfler im Wald herumstreunen, doch seine Spur fanden sie glücklicherweise nicht. Er hatte keine Spur aus Blut hinterlassen.

Erst als es tiefe Nacht war, gaben die Menschen ihre Verfolgung auf.
Mit pochendem Herzen wartete Sabán noch eine ganze Weile, dann erst kletterte er langsam von der Fichte herunter.
Er biss die Zähne fest zusammen, die Wunde brannte wie Höllenfeuer.
Er kam zwar glücklich unten an, aber er hatte eben doch viel Blut verloren. Sein Schweif und seine Kleidung waren blutgetränkt.
“Kiria!”, rief er schwach, “Kiria!”
Doch keine Antwort.
Er schleppte sich durch den Wald, in welche Richtung er ging, wusste er nicht. Ihm war schwindelig.
“Kiria....”
Seine Stimme wurde zu einem Flüstern, bis er einfach am Boden zusammenbrach.
“Ich finde dich, meine Srkabaniana, wo immer du bist...”; waren seine letzen Gedanken, ehe er in eine tiefe und lange Ohnmacht fiel.

Miriam aus Menaion

Sabán erwachte erst einige Wochen später in einer kleinen Hütte.
Eine alte Frau saß an seinem Bett und begann langsam mit ihm zu sprechen.
Sie hatte schloweißes Haar, das ihr bis an die Hüfte reichte und in einem dicken Zopf über ihre linke Schulter hing. Ihr Gesicht war faltig, hatte einen sehr dunklen Hautton und sie hatte wache, braune Augen. Insgesamt erinnerte sie Sabán sehr an die Menschen in Menaion.
Er hatte seine Mühe damit, sie zu verstehen, denn sie sprach Aras-Elfisch und Sabán hatte bisher viel zu wenig gehört, um diese Sprache gut zu verstehen oder gar zu sprechen. Sie bemerkte seinen verständnislosen Blick und begann, mit den Händen zu sprechen. Sie deutete auf sich, dann auf ihn, und begann wieder, zu sprechen.
Er verstand, dass ihr Name Miriam war und das er in ihrem Haus war. Sie hatte seine Wunden gepflegt und war eine Heilerin, die alleine und versteckt im Wald lebte, abgeschottet von Shiín und Menschen gleichermaßen.
Sie hatte ihn zufällig gefunden. Da ihr so ein Wesen wie er noch nie untergekommen war, hatte sie ihn mitgenommen.
Sabán nickte und ein dankbares Lächeln glitt über sein Gesicht.
Er erzählte nun seinerseits, wer er war und bediente sich dabei des Menon-Emenisch.
Miriams Gesicht hellte sich auf und als sie das Wort wieder ergriff, sprach auch sie die Sprache der Menai.
Schon mehrere Wochen hätte er im Fieber gelegen, sie hätte hart um sein Leben kämpfen müssen. Narben, die die Mistgabel gerissen hatten, würden wohl zurückbleiben, aber keine Beeinträchtigung darstellen.
Seine Kleidung hatte sie gewaschen und geflickt, sagte sie.
Nur von Kiria hatte sie weder etwas gesehen, noch gehört.

Die alte Frau war vor vielen, vielen Jahren, als junges Mädchen, ebenso wie Kiria, an Jeret-Iunmutef verkauft worden, hatte dort ein gutes Leben und wurde schließlich an einen Fürsten in Ranurj vermittelt. Sie war, ganz ähnlich wie Kiria, jedoch viel zu freiheitsliebend. Der Fürst behandelte sie schlecht. Zwar hatte sie immer genug zu essen, prächtige Kleider und einen eigenen Schlafraum im Palast, doch der Mann war grausam und schien Tänzerin und Lustsklavin zu verwechseln.
Miriam floh.
Sabán war erstaunt, wie ähnlich das Schicksal seiner Geliebten und seiner Retterin waren, denn Miriam schloss sich einem großen Wanderzirkus an, der sie schließlich in die Nordreiche führte. Sie verließ den Zirkus und blieb in den Wäldern von Sieryan. Ihr Aussehen, sie war eine hübsche junge Frau und ihre tänzerische Begabung verhalfen ihr hier zwar weder zu Reichtum, noch zu Luxus, doch sie konnte sich eine kleine Hütte erbauen und ein einfaches Leben führen.
Doch als sie älter wurde, wurde es immer schwerer, Anstellungen zu finden und schließlich zog sie sich hier hin zurück und lebte von dem, was der Wald ihr zu bieten hatte. Sie wollte von niemandem abhängig sein und niemandem zur Last fallen.Warum sie sich jedoch gänzlich vom öffentlichen Leben zurückgezogen hatte, das erzählte sie dem Alepoúri nicht.
Als er seine Geschichte erzählte, war er aber der Meinung, einen Hauch von Trauer in ihren Augen lesen zu können. Vielleicht hatte sie ja jemanden verloren? Vielleicht gab es noch mehr Parallelen zu Kirias Leben? Er wusste es nicht und er wollte das Geheimnis, welches Miriam so gut in ihrem Herzen verschlossen hatte, auch nicht aus ihr herauspressen.
Miriam bat ihn, niemanden von ihr und ihrem Aufenthaltsort zu erzählen und Sabán versprach es ihr fest, auch wenn er nicht recht wusste, wem er denn überhaupt von ihr hätte erzählen können. Noch ehe er einen Ton herausgebracht hätte, würde sein Kopf wohl schon abgehauen auf der Erde liegen.

Noch ein paar Tage blieb Sabán bei Miriam.
Er war noch etwas wackelig auf den Beinen und musste sich erst lansam wieder an die Bewegungen gewöhnen. Seine Wunden waren vollständig abgeheilt, doch vier längliche Narben, die sich über seine rechte Seite zogen, waren zurückgeblieben.
Miriam fütterte ihn kräftig und bald hatte Sabán seine alte Kraft und auch seine Hoffnung und seine gute Laune wieder zurück.

Er verließ sie mit ihren besten Wünschen und dem Wunsch, er möge seine Skrabaniana schnell und gesund wiederfinden. Sabán bedanke sich überschwänglich bei Miriam für die Rettung seines Lebens, doch sie winkte nur ab.

Die Suche

In seinen Mantel gehüllt und stets darauf bedacht, nicht aufzufallen schlich er durch die Wälder. Er musste Informationen über Kiria finden, wenigstens den Ort finden, an dem er sie verloren hatte... irgendwas. Wanderern wich er aus. Doch wie sollte er etwas über Kiria herausfinden, wenn er niemanden fragte? Es war zum Verzweifeln.
Vom Mut der Verzweiflung getrieben sprach er schließlich doch einen einsamen Wanderer an. Er war wie ein Bauer gekleidet und wirkte plump. "Im Notfall", dachte sich Saban, "kann ich immer noch fliehen."
Der Mann war ein Reisender, ein Vagabund, der in Sabán keine Gefahr sah. Er war freundlich und konnte Sabán tatsächlich weiterhelfen. Zwar hatte er von Kiria weder etwas gehört, noch gesehen, doch er wusste den Grund der Hetzjagd auf den Alepoúri.

Erst vor kurzem hatte eine rätselhafte Mordserie in den umliegenden Bauerndörfern begonnen. Gestohlen wurde nichts, nur die Menschen, die sich in den Häusern befanden, wurden am nächsten Tag grausam verstümmelt vorgefunden.
Man munkelte von einem Shiín, einem verrückten Shiín, um ganz genau zu sein. Vielleicht auch eine ganze Gruppe. Überall sammelten sich die Männer der Dörfer, bewaffnet mit Mistgabeln, Fackeln, Prügeln, schlicht mit allem, mit dem man ein Wesen jagen, verletzen und töten konnte.
Man hatte anscheinend den fremd anmutenden Sabán für den Übeltäter gehalten. Die Jagd sei missglückt, allerdings wäre das Wesen so schmächtig und vor allem unbewaffnet gewesen, das man sich wohl eingestanden hatte, einen Fehler gemacht zu haben. Die Frau, die bei ihm gewesen war, sei allerdings spurlos verschwunden.
Man hatte den Mann gewarnt, auf der Hut zu sein. Auch wenn man nun wusste, dass das Wesen nicht dafür verantwortlich zu machen sei, sollte er vorsichtig sein, wenn er des Wesen ansichtig würde. Er schmunzelte ein wenig, betrachtete Sabán und meinte dann, dass er eigentlich nicht an dessen Existenz geglaubt hatte. Nun aber, da er ihn vor sich sehe, bezweifelte er, dass sich überhaupt irgendjemand vor dem schmächtigen Sabán zu fürchten bräuchte.
Sabán bedankte sich überschwänglich bei dem Vagabund.

Dennoch blieb er vorsichtig und sprach auch weiterhin nur alleinreisende Menschen und Elfen an.
Aber niemand hatte Kiria gesehen und je weiter er sich von den Hügellanden entfernte, desto weniger war über die Vorfälle dort bekannt. Seltsame Blicke streiften ihn weiterhin, doch niemand streckte mehr die Hand nach ihm aus.

Ohne es zu wissen war Sabán in seinem 25ten Lebensjahr in Tir as Leen gelandet.
Unter Elfen wagte er es endlich wieder, hin und wieder seine Kapuze abzunehmen. Ja, er begann sogar wieder damit, auf den Marktplätzen Kunststückchen vorzuführen, um sich ein wenig Geld zu verdienen oder sich eine Mahlzeit zu erbetteln.
In Tir as Leen wusste niemand von den Geschehnissen rund um Harrhy'in.
Sabán begann damit, Geschichten zu erzählen. Geschichten von einer wandernden Göttin, dem genauen Abbild seiner geliebten Kiria. Er hoffte, irgendjemand würde eines Tages zu ihm kommen, und ihm sagen, er habe eine solche Frau gesehen.
Doch der Erfolg blieb aus.

Allerdings hatte er vom Theater Rúbin in Merridia gehört.
Er hatte sich des Abends zu einer kleinen Gruppe von Händlern gesellt und mit seinen Geschichten erfreut, als einer der Männer ihn zur Seite zog.
Er erzählte Sabán, dass er, vor einigen Jahren und nur für ein paar Monate, in Merridia in einem kleinen Etablissement gearbeitet hatte. Es ist versteckt in den verwinkelten Gassen und von außen kaum zu erkennen, aber vielleicht könne Sabán, der ja ohne Ziel und Arbeit war, für eine Weile dort unterkriechen, er wäre mit Sicherheit willkommen.Vielleicht war Kiria ja dorthin geflohen?

Und so machte Sabán sich auf den Weg, das Theater Rúbin zu finden.
Er hielt in jedem Dorf, das auf seinem Weg lag, erzählte seine Geschichten und vollführte seine Tricks.
Keine Spur von Kiria. Doch sie war am Leben, er wusste einfach, dass sie am Leben war!
Diese Hoffnung war es, die Sabáns Lebenswille und seine gute Laune erhielt.
Es dauerte zwar ein wenig, doch je näher er Merridia und damit vielleicht einer Spur von Kiria war, desto besser wurde seine Laune und bald war er wieder ganz der Alte.

Er erreichte Merridia ohne besondere Zwischenfälle, selbst die Sprache beherrschte er nun einigermaßen gut.
Doch im Theater Rúbin musste man ihn enttäuschen. Kiria hatte man dort nicht gesehen.

Schwer geknickt entschloss Sabán sich dazu, wieder in den Süden zurück zu kehren, vielleicht hatte Kiria ja dasselbe getan? Es mussten bereits 2 Jahre vergangen sein, seit sie den Zirkus Wüstenrose verlassen hatten. Mittlerweile würde sich wohl niemand mehr an Kiria erinnern. Und vielleicht hoffte sie darauf, das Sabán dasselbe tat? Was dachte sie? Wo war sie nur?
Tag für Tag fragt er sich, ob seine Entscheidung richtig war. Ob Kiria nicht vielleicht doch in den Nordreichen geblieben war?
Dann aber denkt er daran, wie schlecht sie das kühle Klima vertragen hat.
Doch am Schlimmsten quält ihn die Vorstellung, dass sie ihn für tot hält. Das sie all ihre Hoffnungen und Träume aufgegeben hat, nicht nach ihm sucht.... dass sie vielleicht jemand anderen gefunden hat. Jemanden, der nicht mit seinem Aussehen alle Blicke auf sich zieht. Jemand, der einen ehrbaren Beruf hat und sie versorgen kann. Jemanden... nun, einfach nicht Sabán.

Momentan befindet er sich, nun ganz auf sich allein gestellt, zwischen Tir as Leen und Etyrion. Das Gebiet rund um Harrhy'in hat er dabei bewusst großzügig umrundet.
Hin und wieder schließt er sich für ein paar Tage einer Gruppe Händlern an.

Wer trifft Sabán auf seinem Weg zurück in die Cala an Darh und will sein Weggefährte für diese lange Reise sein?

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