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Glücksritter
Avatar: jojo080889

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Benutzername:
Malia
Gruppen:

Charakter

Alter:
18
Rasse:
Mensch
Heimat:
Coralay
Aufenthaltsort:
Mérindar
Waffen:
Dolch
Inventar:
Kleider, Lederbeutel mit Münzen und einem Kräutermesser

Steckbrief

Name: Malia
Alter: 18
Rasse: Mensch – ich finde, das sieht man. Und dass ich nicht aus Menainon oder der Wüste komme, sieht man wohl auch, oder? Geboren bin ich in Coralay. In einem Bergarbeiterdorf, etwa 3 Tagesmärsche von Shuridron entfernt.

Aussehen:
Naja.. ich würde mich schon als hübsch bezeichnen. Wenn meine Haare denn endlich mal wieder gewaschen werden, sie starren im Moment ja geradezu vor Dreck. Witzig, sie sind ja eh schmutzig-blond, selbst kurz nach dem Baden. Aber ich mag sie. Sie wellen sich leicht und reichen mir bis zu den Schulterblättern.
Und dabei rahmen sie mein schmales Gesicht so schön ein. Letztens hat es jemand ‚ausgemergelt’ genannt – aber das klingt so abwertend! Ich mag mein Gesicht! Ich habe große, braune Rehaugen, die von einem langen Wimpernkranz eingefasst werden, mit denen ich so schön unschuldig schauen kann, ein kleines Stupsnäschen und Grübchen, wenn ich lache. Mein Schmollmund passt zu meinen Rehaugen und vollendet mit meiner zierlichen Statur das Aussehen eines Unschuldslamms wie es im Buche steht. Dieses Auftreten ist das Erfolgreichste. Jung und unschuldig aussehen, verschüchtert schauen, ein bisschen mit den Wimpern klimpern... hihi, das funktioniert eigentlich immer.

Zudem bin ich nicht besonders groß, vielleicht 1,60 oder so?
Ich finde, dass ich überhaupt nicht ausgezehrt aussehe. Schmal, vielleicht zerbrechlich, aber eigentlich sieht man mir mein Leben gar nicht so sehr an. Vielleicht liegt das aber auch an meiner Ausstrahlung. Dem schüchternen Ding traut man dieses harte Leben vielleicht einfach nicht zu.

Aber bei den jungen Burschen muss ich mich nicht verstellen. Da darf ich frech sein, das stachelt sie meist noch mehr an. Und dass ich dann ein oder zwei Becher Wein ausgegeben bekomme, ist nichts ungewöhnliches – ich muss nur schnell genug verschwinden, ehe sie das plötzlich als Bezahlung betrachten. Pah, so weit kommt’s noch.
Und die Narben, die sich über meinen Rücken ziehen... naja. Die sieht man ja eigentlich nicht. Der erste Eindruck entscheidet schließlich! Und ich denke, im ersten Moment bin ich ziemlich einnehmend. Hey, das ist keine Arroganz, ich bin nur realistisch, klar?!

Ich könnte mal wieder neue Kleider gebrauchen. Das Männerhemd, dessen Ärmel ich hochgekrempelt habe, war mal weiß – glaube ich. Jetzt hat es eine grau-braune Färbung, die Schmutzflecken würde ich nicht zählen wollen. Staub, Dreck, Wein, Blut... alles mögliche eben. Aber dafür reicht es mir bis über den Hintern und wenn ich die Ärmel umkrempel sind meine Hände nicht mehr zu sehen. Es ist halt schon fast ein Jahr alt - Kleider haben nicht das ewige Leben. Ist ja nicht so, als würde ich immer so aussehen, wie jetzt. Wenn es besonders hart ist... aber eigentlich sind meine Kleider ziemlich sauber. Sicher, etwas staubig werden sie immer sein, aber im Großen und Ganzen achte ich darauf, alle paar Wochen am Fluss zu baden und zu waschen - so gut es eben mit klarem Wasser geht.
Und die Hose, die ich etwa eine Handbreit über den Knien im Sommer abgeschnitten habe, sollte ich im Winter auch dringend ersetzen. Ist so eine ganz einfache aus braunem Stoff. Nichts besonderes und mittlerweile schon ein paar mal geflickt, aber für mich reichts. Passt nicht ganz und war vormals sicher im Besitz eines Mannes, aber was soll's? Besser zu groß als zu klein, sage ich mir immer.
In meinem Versteck habe ich noch einen Rock aus grobem, braunen Stoff, aber der stellte sich als viel zu kurz raus. Bedeckt nur das Nötigste, den trage ich eigentlich nie.
Und ein zweites Hemd – eines aus Baumwolle, will gar nicht wissen, wie viel es den Besitzer gekostet hat, habe ich dort auch noch liegen – für den Winter. Ein wirklich schönes Teil, weich und warm, mit Knöpfen und in einem Grauton. Ich habe es bereits im letzten Winter getragen, aber nachdem ich es gründlich gewaschen habe, sah es aus wie neu.
Eine Cotte habe ich natürlich nicht... vielleicht erbeute ich demnächst ja eine, man weiß ja nie.
Und die Schuhe... ach, ich finde im Winter schon welche, für die warmen Monate tun es meine bloßen Füße. Sie sind zwar dadurch permanent schmutzig, aber was solls? Als würde irgendjemand auf meine Füße achten! Die Männer haben doch sowieso nur 2 Dinge im Kopf, die an Frauen interessant sind. Vorbau und Hinterteil – ist doch so!
Und die können sich bei mir sehen lassen – aber ICH entscheide, wer sie genauer begutachten darf.
Ich bin eben praktisch veranlagt – deshalb trage ich auch so wenig wie möglich mit mir herum. Ich habe einen kleinen Lederbeutel, den ich mir um die Hüfte binde – aber unter dem Hemd, muss ja niemand wissen. Es ist eh nicht viel drin. Ein paar Münzen, hin und wieder ein Schmuckstück, mein kleines Messerchen – ursprünglich war es wohl zum Kräuter schneiden gedacht, aber da es auch dünne Lederriemen durchtrennt, erfüllt es für mich seine Zwecke.

Waffen:
Immer griffbereit in einer Hosentasche habe ich meinen kleinen Dolch. Er ist nichts besonderes, aber es reicht, um mich zu verteidigen, wenn es nötig ist.
Ich bin nicht besonders kräftig, aber dafür schnell. Ich bin robuster als ich aussehe und mit diesem Dolch, den ich schon viele Jahre besitze, kann ich sehr gut umgehen!
Er hat ein ganz einfaches Heft aus Holz, mit Leder umwickelt, ohne Zierde oder Muster. Er ist zwar schon etwas abgenutzt und die etwa handbreite Klinge aus Knochen ist bereits ein wenig schartig, aber um einen zudringlichen Kerl auf Abstand zu halten oder jemanden einzuschüchtern, der die Stadtwache rufen will, tut er’s alle mal.
Bei den Göttern - ich bin Diebin, keine Mörderin! Und selbst wenn – mit dieser Waffe töte ich so schnell bestimmt niemanden – außer durch eine Blutvergiftung vielleicht. Naja, kleinere Tiere, Hasen, Eichhörnchen – sowas halt – die kann man damit schon erlegen.
Ein Waffengurt befindet sich natürlich nicht in meinem Besitz, der Dolch steckt in einer einfachen, selbstgemachten Scheide aus zwei zusammengenähten Lederlappen. Erfüllt ihre Zwecke, nicht? Soll ja nicht nett anzuschauen sein, sondern einfach den Dolch - und mich - schützen.

Mein kleines Kräutermesser ist zwar keine Waffe, aber dennoch überlebenswichtig. Es ist vollständig aus Eisen und die kleine Klinge ist etwa fingerlang. Es ist nicht besonders scharf und geschützt im Beutel untergebracht laufe ich nicht Gefahr, mich damit zu verletzen.... es ist eben ein Kräutermesser.


Charakter:
Ich bin 'n ganz normales Mädchen. Ich vertraue natürlich nicht jedem sofort, aber als paranoid würde ich mich nicht bezeichnen. Ich muss vorsichtig sein, davon hängt mein Überleben ab… kann sein, dass ich ein bisschen selbstsüchtig bin, aber anders kommt man nun mal nicht durch’s Leben. Ich kann‘s mir nicht leisten, Menschen zu helfen, ich hab‘ selbst nicht genug. Natürlich pack‘ ich mit an, aber Materielles kann und will ich nicht hergeben.. außerdem gehört das alles ja sowieso nicht wirklich mir. Es ist... geliehen. Für sehr lange Zeit.
Ehrlich, wenn ich irgendwann mal das Geld dazu habe, kriegen die Leute alles wieder – mit Zinsen. Aber ich bezweifle, dass dieser Tag kommt.
Jeder für sich, so ist das halt. Wenn’s nicht so wäre, würde ich nicht jeden Tag ums Überleben kämpfen, nicht?
Ich meine, jeder muss sehen, wo er bleibt. Ich muss mir jeden Tag überlegen, wie ich meinen Magen fülle... mir geht es nicht besser als anderen.

Einen Beruf habe ich nicht gelernt und ich zeige auch in nichts eine besondere Begabung. Wenn ich ehrlich bin, eigentlich bin ich mit diesem Vagabundenleben zufrieden. Es ist hart, aber ich in frei, mein eigener Herr.

Apropos: Das stählt die Nerven. Wenn nach jedem Winter 'n paar Freunde weniger sind, weil’s einige einfach nicht gepackt haben, bist du dir eben immer im Klaren darüber, dass du die Nächste sein könntest. Immer, überall. Hey, ich bin kein Trauerklos! Ich mache was aus jedem Tag, ich genieße jeden Tag! Ich bin dabei vielleicht manchmal ein bisschen übermütig, aber ich sage mir immer, dass es eigentlich nicht mehr schlimmer kommen kann. Ich bin nicht total leichtsinnig, ich weiß schon, wo meine Grenzen liegen. Klar, weil ich’s irgendwann mal ausgetestet habe. Ich muss eben in Bewegung bleiben. Immer an einem Ort verharren, weil’s da sicher ist? Es kann sich alles ändern, von einer Minute auf die andere.
Und Bewegung schützt vor zu viel Nähe. Ich bin gerne unter Menschen, ich bin süchtig nach Nähe… aber zu viel Nähe, zu viel Gefühl... ich sag’s doch, jeder kann der Nächste sein. Das geht einem viel näher, je wichtiger derjenige dir ist. Und deshalb vermeide ich’s – so gut ich kann. Klappt natürlich nicht immer. Und natürlich ist man betroffen, auch ich, wenn die Freunde sterben. Zugeschneit in einer Gasse liegen und nicht mehr aufwachen. Zu Tode geprügelt werden... es gibt viele Arten zu sterben in der Stadt, glaub mir.
Da macht sich Beklommenheit breit. Trauer... und irgendwie auch Wut. Keiner von uns hat sich dieses Leben ausgesucht. Und egal, wie wenig wir uns kennen, irgendwie sind wir alle Geschwister im Geiste... wir müssen zusammenhalten, füreinander sorgen. Wenn wir's nicht tun, tut's keiner.
Ist schwierig. Manche hier schließen sich zusammen. Teilen, was sie haben, stehen füreinander ein. Klar, die geben einander was ab, aber die gehen auch viel organisierter vor. Teilen sich auf und so.
Aber keiner von denen würde mir helfen, also helfe ich denen auch nicht - die haben einander. Ich habe niemanden.
Ist nicht so, als könnte ich das nicht ändern, nicht? Es ist toll, wenn man sich auf andere verlassen kann. Aber ehrlich gesagt, ich will mich nicht auf andere verlassen müssen.
Besonders wählerisch kann ich bei meinen Freunden nicht sein. Wer sich mit mir abgibt, wer mir ehrlich die Meinung sagt, wer auch mal bereit ist, was für mich zu riskieren - nicht mehr als ich, das würde ich nie verlangen - mit dem komme ich klar.
Wie gesagt - Materielles gebe ich nicht und verlange ich nicht. Man kann sich zusamentun, wenn's sich anbietet. Der eine hat Fleisch, der andere Brot, das passt dann.
Und klar, wenn ich tatsächlich mal mehr habe, als ich brauche, kann ich davon auch was abgeben. Es ist immer gut, wenn jemand dir einen Gefallen schuldet.
Aber das ist nicht meine Art. Die Wachen ablenken, wenn sie einen von uns erwischen, das ist eher mein Stil. Damit riskiere ich ziemlich wenig und rette vielleicht jemandem das Leben.
Und wer weiß, wann es mal gut sein kann, jemandem den Hals gerettet zu haben.

Ich bin wohl ziemlich offen - je schneller und je mehr Leute du kennen lernst, desto besser sind deine Chancen, wenn du mal eine helfende Hand brauchst.
Wer nett zu mir ist, zu dem bin ich auch nett, so einfach ist das.
Ich würde nicht jeden, mi dem ich mich mal nett unterhalten habe, direkt als Freund bezeichnen, dafür muss schon mehr vorhanden sein. Sympatie, eine Art Verbundenheit, die man direkt spürt. Gibt wenige, die ich als Freunde bezeichne.
Auch, weil ich mir immer bewusst bin, dass sie morgen schon tot sein können. Mag sein, dass ich vor dem Tod fliehe... aber ich glaube, es gibt kaum was schlimmeres, als irgendjemanden an den Tod zu verlieren. Das ist so endgültig. Daran lässt sich nix ändern. Und am Ende gibt man sich noch selbst die Schuld, obwohl man ja eh nichts hätte tun können.

Ich komme mit so ziemlich jedem klar, aber nur die wenigsten verstehen eben, was es heißt, auf der Straße zu leben. Zu Bauern, Soldaten, Bäckern, was es nicht so alles gibt, habe ich zwar freundschaftliche Bande, man kennt sich und lacht miteinander... aber ich wäre nicht so dumm, diesen Menschen mein Leben anzuvertrauen. Die würden ihre Hand genauso wenig für mich ins Feuer legen, wie ich für sie. Das ist okay. Hin und wieder können diese Menschen ein bisschen was entbehren. Das hilft mir schon ungemein.

Natürlich würde ich niemals jemanden bestehlen, der mir schon mal unter die Arme gegriffen hat. Die meisten haben es schon so schwer genug, das weiß ich.
Aber wenn ich durchkommen will, muss ich eben stehlen.
Ich beschränke meine Bekanntschaften - ich kann nicht jedem gegenüber ein schlechtes Gewissen haben, wovon soll ich dann leben?
Ja, wenn ich Lebensmittel klaue, tut den Menschen das weh und einige müssen sich das dann vielleicht vom Mund absparen... aber egal, wie man's dreht - diese Menschen haben mehr als ich und da muss mein Gewissen eben schweigen.

Immerhin kann man mir nicht vorwerfen, dass ich lügen würde. Bin ‘ne ziemlich ehrliche Haut – paradox bei einem Leben als Diebin, was?
Ja, ehrlich und lebenslustig. Vielleicht n bisschen frech. Aber so komm ich durch. Ich lass mir eben nicht alles gefallen.
Ich kann auch anders. Lieb und unschuldig sein – naja, zumindest kann ich die Leute glauben lassen, dass ich so wäre. Ein hilfloses Ding, das vom Schicksal in die Gosse getrieben wurde. Tragisch, nicht?
Soll nicht heißen, dass ich nur nett mit den Augen zwinkern kann, dass das klar ist. Ich bin keine begabte Rednerin, aber ich red, wie mir der Mund gewachsen ist. Das lasse ich mir auch nicht verbieten. Die meisten haben zwar ein stilles, sittsames Weib lieber, aber wenn ich in einem Wortgefecht einen vorlauten Burschen bloßstelle, finden die meisten das dann doch recht belustigend.
Klar ist es einfacher, wenn man nicht ganz so zerzaust aussieht, wie ich im Moment, aber wie gesagt - das ist ja kein Dauerzustand.
In der Regel sehe ich ganz annehmbar aus, werde sicher hin und wieder für ein Bauersmädchen gehalten - ein selbstbewusstes oder ein schüchternes, je nachdem, wie es von Vorteil ist. Man muss erkennen, welche Masche zieht. Klar liege ich auch mal daneben, passiert. Es ist ein Glücksspiel.

Es gibt nicht viel, dass mich aus der Ruhe bringt, über die Jahre bin ich wohl ganz schön abgehärtet. Aber wenn mir jemand ohne meine Erlaubnis zu nah kommt, weiche ich ganz automatisch zurück. Das kann ich nicht haben. Und wenn - meistens sind es ja Männer - wenn sie dann zudringlich werden und mein Nein einfach nicht verstehen wollen, passiert es schon mal, dass mir die Hand ausrutscht. Den Moment nutze ich dann, um zu verschwinden.
Ich vermeide es, mit Männern allein zu sein. Man weiß nie, was in deren Köpfen vorgeht und wenn so'n Riese auf dich zukommt, wird mir ganz anders. Schätze, da bin ich wie ein wildes Tier. Kommt man mir zu nah, schnappe ich nach allen Seiten.
Sowas macht mich einfach wütend. Ich bin vielleicht nur ein Straßenkind, aber mit mir kann man nicht machen, was man will!
Aber ich halt mich zurück. 'ne Schlägerei würde ich ja eh nicht gewinnen - und wozu mehr riskieren, als notwendig?
Auch wenn's manchmal schwer ist und ich am Liebsten zuschlagen würde - der Klügere gibt nach, also seh' ich zu, dass ich verschwinde.
Irgendwann zeig ich's denen. Ich weiß noch nicht wie, aber irgendwann gehör ich mal zu den Großen.
Aber bis dahin solle ich wohl für jeden Tag dankbar sein, den ich heil überstehe.
Ich brauch nicht viel zum Zufrieden sein. Hin und wieder ein Bad, ein warmes Nachtlager, ein voller Magen.
Klar wäre es toll, eine Familie zu haben, ein Haus, Arbeit. Aber das ist eben nicht. Muss ich mit leben, muss ich mit klar kommen.

Fähigkeiten:
Wenn ich Arbeit suche, wollen die Leute immer wissen, was mich ausmacht. Ich finde die Frage total albern – so lange ich tu, was man mir sagt, ist das doch total egal.
Ich sag’ denen dann immer, dass ich sehr ausdauernd bin – stimmt ja auch. Die Stadtwachen oder auch Bewohner können manchmal ganz schön hartnäckig sein Naja, ich kann’s ihnen nicht übel nehmen. Aber dafür müssen sie mich erstmal bemerken. Ich kann schnell untertauchen und kenne außerdem die Stadt wie meine Westentasche. Ich kenne jedes Schlupfloch, Abkürzungen und Hinterhöfe.
Außerdem bin ich flink und wendig. Ich kann ziemlich gut klettern, aber danach fragt ja niemand. Stark bin ich natürlich nicht – zu harter körperlicher Arbeit tauge ich nicht, sonst wär ich ‘n Kerl geworden.
Lesen und Schreiben kann ich natürlich nicht und kochen tu’ ich auch mehr schlecht als recht.
Dafür kann ich nähen, pah! So verroht, wie manche sagen, bin ich gar nicht. Natürlich sind das auch keine Kunstwerke, aber ich kann Löcher flicken, Ärmel kürzen, Knöpfe annähen.. sowas halt.
Ich hab’ ne gute Beobachtungsgabe. Sehe, wer unvorsichtig ist und wer auf sein Geld aufpasst. Ich merke schnell, ob mir jemand traut oder nicht – oder ob ich jemandem trauen kann.
Im Wald komm’ ich auch ganz gut zurecht. Kann Fährten lesen, zumindest ein bisschen. Kenne ‚n paar essbare Beeren und Pilze, kann Kaninchen und andere kleine Tiere erbeuten, finde Vogelnester.
Feuer machen, das ist ne Glückssache. Mal klappts, mal wieder nicht. Keine Ahnung, was ich dann falsch mache.
Das meiste hab' ich mir selbst beigebracht, als Kinder sind wir oft im Wald herumgestromert - da lernt man schnell, welche Beeren man bessre nicht essen und welchen Gewächsen man nicht zu nah kommen sollte.

Ob man das Stehlen jetzt als Talent sehen will, bleibt jedem selbst überlassen. Zumindest geht es mit einer guten Menschenkenntnis einher. Es ist nicht ganz einfach, abzuschätzen, wer sich ausnehmen lässt, bei wem man betteln kann und um wen man besser einen großen Bogen macht.
Aber wenn ich erstmal ein Opfer habe, beobachte ich es sehr genau. Versuche, seine Geschwindigkeit abschätzen, seine Reaktion. Ich verfolge es eine Zeit lang, wie der Jäger die Beute.
In einem günstigen Augenblick, wenn das Opfer abgelenkt ist, nähere ich mich, trenne mit der einen Hand das Lederband ab, fange den Beutel mit der anderen auf, stecke ihn in eine Hosentasche und verschwinde unauffällig in der Menge - oder eben auffällig und schnell, je nachdem, wie gut es mir gelingt.
Am besten klappt das alles natürlich auf dem Markt, bei dichtem Gedränge.
Aber auch in den Schenken, wenn der Alkohol fließt, kann man ziemlich gute Beute machen.


Man kann wohl sagen, dass ich ‘ne Überlebenskünstlerin bin. Bleibt wohl nicht aus, in Zeiten wie diesen mit einem Leben wie meinem. Ich hab’ den Winter bisher noch immer irgendwie überstanden – wenn auch manchmal grade dem Tod von der Schippe gesprungen.
Trotzdem kann ich nicht von mir behaupten, besonders gut mit Geld umzugehen. Naja, was ich habe, investiere ich in Wichtigeres. Essen, Kleidung... ein Bad. Ich kann's mir nicht leisten, das zu horten und zu mehren - dafür fehlen mir die Mittel.
Von Politik habe ich keine Ahnung. Sollen die Großen ihre Machtspielchen treiben, solange es keinen Krieg gibt, ist mir das egal. Ist doch eh überall gleich. Die Reichen nehmen die Armen aus und die, die nichts haben, müssen sehen, woher sie's bekommen.

Religion:
Hm, schwierige Frage. Die Götter.. meine Mutter war sehr gläubig. Hat gebetet und besonders Ondara und Va'ileska verehrt - geholfen hat's ihr nicht.
Ihre Gottverbundenheit hat mein Vater immer als Aberglaube abgetan und den Kopf geschüttelt - für ihn zählte nur das, was man selbst erreichen konnte.
Und ich?
Geschenkt haben sie mir nichts, die Götter.
Kann mir auch nicht vorstellen, dass sie Zeit und Lust haben, sich jedes Gebet anzuhören und dann zu erfüllen. Dann wär de Welt wohl nicht, wie sie nun mal ist, nicht?
Ich bin nicht sicher, wie es ist mit diesen Göttern. Mir haben sie nicht beigestanden und auch sonst niemandem, den ich kenne.
Ich denke, es gibt sie, aber es sind launische Götter. Helfen, wenn sie wollen, wem sie wollen - also, ich verlasse mich lieber auf mich selbst.

Magie:
Hä? Hab ich rote Haare? Hexenmale, spitze Ohren? Ist bestimmt ‘ne feine Sache, so ein Element zu beherrschen... aber nicht für mich.

Vergangenheit:
Willst du das echt hören?
Dann sag’ aber nicht, ich sei weinerlich! Das stimmt nicht! Ich hab’ mir mein Leben nich’ ausgesucht und ich würd liebend gern tauschen.
Es hat ja schon mies angefangen. Mein Vater war ‘n Trinker. Meine Mutter war immer grün und blau geschlagen – hätte mich sogar fast verloren, hat sie mal gesagt.
Wir waren arm. Mein Vater hat in den Bergwerken geschuftet – gefährliche Arbeit, aber man verdient immerhin genug zum Leben. Meine Mutter hat an der Scheidebank gearbeitet, da konnte sie mich mitnehmen, hat niemanden gestört.
Wir haben überlebt, immer, irgendwie. Hätte mein Vater nicht alles versoffen, hätte ich sogar ‘n halbwegs anständiges Leben führen können.
In den ersten Jahren hat meine Mutter mich immer vor Schaden bewahrt. Ich hab’ nie was mitbekommen, immer nur neue Wunden und Tränen gesehen. Ich war wohl sowas wie der Halt, den meine Mutter hatte. War ja die Einzige, die sie hatte. Naja, und andersrum, nicht? Meine Mutter hat mir viel bedeutet, die Götter haben sie selig.
Als mein Vater dann auch mich als Prügelobjekt entdeckt hat, da wurde es dann schwierig.. Ich war gerade 4 oder 5, weiß bis heute nicht, was ich seiner Meinung nach falsch gemacht habe. Mal war’s meine Haltung, mal mein Blick... ihm fiel immer etwas ein. Irgendwann konnte meine Mutter mich nicht mehr schützen... so sehr sie's auch versucht hat. Hat mich getröstet, meine blauen Flecken gekühlt.. aber sie und ich, wir wussten, wenn wir Widerstand geleistet hättet, er hätte uns totgeschlagen, daran bestand kein Zweifel. Wir waren selten allein. Haben aufeinander aufgepasst, zumindest haben wir uns das wohl eingebildet. Es war irgendwie tröstlich zu wissen, dass da noch jemand war, der diese Last mit einem trägt.
Meine Mutter hat sich oft Vorwürfe gemacht und gesagt, sie hätte mich gar nicht bekommen dürfen. Hätte mir dieses Leid ersparen müssen. Wenn sie wüsste, wie ich heute lebe... sie würde sich im Grabe umdrehen.

Je älter ich wurde, desto schlimmer wurde es mit meinem Vater. Die Narben auf meinem Rücken, die hab’ ich heute noch.
Zu der Zeit habe ich dann auch angefangen, an den Scheidebänken zu arbeiten. War genau das richtige für einen Knirps wie mich. Stillhalten, mit einem Hämmerchen Steine zerschlagen, einsortieren. Und wehe, man gibt mal nicht acht, dann kommt sofort der Obersteiger angeschossen – wie ein Bluthund war der alte Herman! Aber sehr fest hat er nie geschlagen. War zahm, im Vergleich zu meinem alten Herrn. Die Arbeit war nicht schlecht. Wir waren vor meinem Vater in den Gruben sicher, hatten Essen und Schutz. Andere Frauen, die uns entweder zu helfen versuchten oder dasselbe durchmachten. Wir waren eine eingeschworene Gemeinschaft.

So sah mein Leben aus – nicht besonders spektakulär, was? Viel Zeit zum Spielen hab’ ich nicht gehabt, und wenn doch, bin ich mit den anderen Kindern im Wald rumgetollt. In die Gruben haben wir uns nicht getraut, die Berggeister wollten wir dann doch lieber nicht erzürnen. Und meiner Mutter war's lieber, mich irgendwo im Wald zu wissen, als zuhause. Hat mir vertraut. Wir Kinder, viele waren wir nicht, vielleicht 20, haben alles zusammen gemacht. Schon damals war ich für ein Mädchen ziemlich frech. Hab mir von den Jungs nie was sagen lassen. Die einen haben das bewundert, die anderen haben jede Gelegenheit genutzt, mir das Leben schwer zu machen. Aber damit haben sie mir nur gezeigt, dass sie das wirklich nicht gut fanden, sogar Angst hatten, jemand könne ihre Ideen oder ihren Mut in frage stellen. Es hätte ein wirklich schönes Kinderleben sein können.
Vor allem mit einem Jungen in meinem Alter, Till heißt er, war ich quasi unzertrennlich. Till war der Jüngste von 5en und musste sich immer beweisen. Stand immer irgendwie im Schatten seiner Brüder.
Am Anfang hat er Angst vor mir gehabt, aber das hat sich irgendwann gelegt. Ich wollte ja nicht, dass man Angst vor mir hat. Seither haben wir eigentlich alles miteinander gemacht. Wir waren wie Geschwister, auch wenn er mit seinen rabenschwarzen Locken ganz anders aussah als ich.

Als ich 10 Jahre alt war, hat meine Mutter sich erhängt. Sie hat’s wohl einfach nicht mehr ertragen mit meinem Vater. Die letzten Kinder, die sie hätte bekommen können, hat sie durch seine Schläge verloren – sie hat den letzten Ausweg gewählt. Und diese Kinder, die hätte sie eh nicht gewollt.. Hätte ich auch nicht, wenn alles, was dazu führen konnte ein Akt aus Angst und Gewalt war.
Hab' das viel zu oft mitbekommen und konnte nix tun, außer mir die Ohren zuzuhalten und keinen Mucks von mir zu geben.
Ich kann’s ihr nicht verübeln. Damals war das natürlich ein Schock für mich. Ich hab’s nicht begriffen, wollte es nicht begreifen. Mein Leben wurde dadurch noch brutaler, irgendwann bin ich einfach nicht mehr nachhause gegangen. Die Mutter meines Jugendfreundes Till hat mich dann bei sich aufgenommen. Gute Frau... kannte meine Mutter schon seit sie kleine Mädchen waren. Hat sich für mich verantwortlich gefühlt, und das, obwohl sie noch 5 eigene Mäuler zu stopfen hatte. Das bisschen, was wir Kinder an den Scheidebänken verdient haben, hätte nie ausgereicht. Aber Gretas Mann war anders als mein Vater. Hat ihre Entscheidung verstanden. Er hätte mich auch wegjagen können, aber er meinte, jeder hat seinen Teil in der Gesellschaft zu tragen... und ein Kind diesem Vater zu überlassen, das wäre einfach verantwortungslos. Die beiden haben für mich gesorgt, haben nicht mal versucht, meinen Vater zu überreden, wenigstens n bisschen Geld für mich abzudrücken - wäre eh sinnlos gewesen. Und irgendwie war's selbstverständlich, dass ich bei Till blieb.
Ich glaube, diese Jahre waren die glücklichsten in meinem Leben - trotz dem Tod meiner Mutter, denn so musste ich nicht jeden Abend vor meinem Vater zittern.

Aber das hat meinen Vater natürlich nicht davon abgehalten, sein Recht, mich als seine Tochter zu züchtigen, wenn er’s für angebracht hält, auch einzulösen. Im Gegenteil. Ich war natürlich froh, bei Till und Greta wohnen zu können, aber umso mehr musste ich mich vor dem alten Säufer in acht nehmen. Ich bin nie allein gewesen, wenn ich's verhindern konnte. Andere Kinder, am Besten in der Nähe von Erwachsenen..... aber die Meisten hätten wohl eh nichts getan, um mir zu helfen. Er war mein Vater, er hat das Recht gehabt.

Bis dann... ich rede nicht so gern drüber.
Ich war mittlerweile 14, kein kleines Kind mehr, weißt du? War schon komisch. Jahrelang mit Till und seinen Geschwistern in einem Bett zu schlafen und eines Nachts wacht man auf und fühlt sich komisch dabei, verstehst du?
Vor allem, weil er für mich immer sowas wie ein Bruder war.
Naja, was ich eigentlich sagen wollte war, dass das natürlich nicht nur ich merkte.
Und auch mein Vater kam dann wohl auf den Trichter... hätte mich fast zur Hure gemacht! Und wer hat’s verhindert? Der alte Bluthund, der Obersteiger Herman!
Ich glaube nicht an Zufälle, und als mein alter Herr mich abends in dieser dunklen Gasse abgefangen hatte, hab ich auch nicht dran geglaubt. Wie er da so über mir stand und ich seine Fahne schon riechen konnte... brr.
Und plötzlich steht einer hinter ihm und schlägt ihn bewusstlos.
Wer war's? Hermann, der alte Bluthund!
Und wofür? Um eine Gegenleistung zu verlangen. Vom Regen in die Traufe, genau so war’s.

Ich bin abgehauen. Hab’s irgendwie geschafft, auf das Dach zu klettern – hatte ich ein Glück, dass es aus Holz war – und ab zu Greta nach haus.

Aber nur, um mich zu verabschieden. In diesem Dorf war ich nicht mehr sicher, nicht mehr nach dieser Nacht. Von Greta hab’ ich den Dolch bekommen. Woher sie den hatte? Frag mich nicht, sie war ‘ne Hausfrau, aber listig wie ein Fuchs!
Na jedenfalls bin ich abgehauen. Mitten in der Nacht durch den Wald, total bescheuert! Was alles hätte passieren können!
Als ich das Dorf weit genug hinter mir gelassen hatte, bin ich auf ‘nen Baum geklettert und hab’ die halbe Nacht über geheult.
Aus Angst, aus Verzweiflung – und auch aus Ekel. Wenn ich dran denke, was da hätte passieren können... ich hab’ wirklich verdammtes Glück gehabt.

Die nächsten Jahre waren echt kein Vergnügen. Ich bin von Dorf zu Dorf gewandert, hab’ meine Dienste angeboten. Und wie oft dieses Angebot missverstanden wurde und ich wieder hungrig beide Beine in die Hand nehmen musste, ich hab irgendwann aufgehört zu zählen.
War mein Glück, dass ich quasi im Wald aufgewachsen bin und zumindest Vogelnester plündern konnte. Bis ich meinen ersten Hasen erlegt hab, hat es ziemlich lang gedauert - und war wohl ne Glückssache, war ein altes Tier.
Aber der erste Erfolg hat mich angespornt und ich hab mich gezielt auf die Jagd gemacht. Klar am Anfang hatte ich nur selten Glück, aber irgendwann hab ich mich einfach in den Hasen hineinversetzt. Fiel mir nicht sonderlich schwer, ich wusste ja, wie es ist, wenn man bei jedem Schritt alles nach Feinden absuchen muss. Der Winter war trotzdem hart - und unerbittlich.

Und jetzt sag’ mir mal, ich hätte ‘ne Wahl gehabt! Natürlich musste ich irgendwann mit dem Klauen anfangen! Es ging so auf den Herbst zu, als ich damit anfing. Ich hatte keine Ahnung, wie ich den Winter überstehen sollte. Ich meine, ich war 16 Jahre alt, ohne Familie, ohne Zuhause. Keine Vorräte, keine warme Kleidung, kein Unterschlupf – nichts. Also hab ich mich nachts ins nächste Dorf geschlichen, hab die Hühnerställe ausgeräumt und mir n Paar Schuhe geschnappt, das irgendwer draußen hatte stehen lassen.
Die Bewohner dachten wohl erst, es sei ein Fuchs gewesen und der Schuhlose hätte sie eben verlegt.
Bis sie mich einmal fast erwischt hätten - da musste ich dann abhauen.
Damals habe ich nicht drüber nachgedacht, ob ich den Menschen mit meinen Diebstählen schaden könnte - schließlich hatten sie genug, damit ich etwas stehlen konnte, oder?
War wohl besser so, ein schlechtes Gewissen war das Letzte, was ich hätte gebrauchen können.

Das Schlimmste an diesen Jahren war die Einsamkeit. Nicht gesehen zu werden war wichtig. Ich habe auf Bäumen geschlafen, damit mich wilde Tiere oder Aussätzige, Strauchdiebe, was in den Wäldern eben so herumlungert, nicht entdeckten.
Am meisten habe ich Till vermisst, wirklich. Frag' mich heute noch, was aus ihm geworden ist.

War ein trostloser Winter, den ich fast nicht überlebt hätte. Als sich die ersten Tierchen blicken ließen, war ich nur noch Haut und Knochen.
Einen stand fest: Ich konnte nicht weiterhin wie eine Gesetzlose im Wald leben.
Nicht als Frau, nicht in meinem Alter - und nicht noch einen Winter lang. Im Frühling habe ich mich an die größeren Dörfer herangewagt. Dort habe ich viel gebettelt - ich hätte in meiner Verfassung kaum arbeiten können.
Als ich wieder halbwegs bei Kräften war, bin ich in einer Backstube untergekommen. Eigentlich kein schlechtes Leben. Immer Arbeit, immer Essen, sogar auf dem Boden am Ofen konnte ich schlafen... aber anscheinend hat mich das Leben geprägt. Ich sehnte mich danach, tun und lassen zu können, was ich wollte, selbst, wenn der Preis dafür sehr hoch war. Nach 4 Monaten, im Sommer, bin ich also aus dem Dorf wieder verschwunden. Seltsam, wenn ich so darüber nachdenke. Ich hätte in diesem Dorf sicher wieder ein normales Leben haben können. Hätte heiraten können, eine Arbeit gehabt... aber es war nicht, was ich wollte... damals zumindest. Ich will selbst wählen, das wurde mir damals klar. Dennoch stand fest, dass ich den nächsten Winter nicht wieder alleine im Wald verbringen konnte. Ich bin also wieder von Dorf zu Dorf gezogen und habe viel Zeit damit verbracht, mir zu überlegen, wieso ich war, wie ich war.
Nun, ich denke, vieles hängt damit zusammen, dass ich nicht enden wollte wie meine Mutter. Mit einem Mann, der mich grün und blau schlägt und von mir nur erwartet, dass ich Kinder bekomme. Ich habe nichts gegen Kinder, aber ich hatte schon einmal den Mut, vor so einem Menschen zu fliehen - das habe ich nicht getan, um direkt an den nächsten zu geraten.
Mir wurde bewusst, welch hohen Preis ich zahlte, als ich das Leben in der Backstube gegen das Straßenleben austauschte, aber in dem Moment fühlte es sich richtig an.
Sicher habe ich es oft bereut, besonders, wenn die Zeiten hart waren.
Im Sommer ging es mir gut. Viel Wild, gute Ernte, reiche Felder, von denen ich stibitzen konnten. Die Menschen waren freigiebiger und ich musste mir über wenig Gedanken machen.
Aber ich wusste immer noch nicht, was ich mit meinem Leben anfangen wollte.

Habe hier und dort gearbeitet, für ein paar Wochen als Magd, dann als Bäckerin, ich habe bei der Ernte geholfen, aber sobald der Drang sich meldete, folgte ich ihm und ging wieder meinen einsamen Weg.


Den nächsten Winter hab ich jedenfalls in Shuridron verbracht. Hab' mich in einem Heuschober versteckt, mich von Ratten und Bettelei ernährt. Hab schnell eine Freundin gefunden. Sie hieß Meriam und war damals 17, genau wie ich. Ihr Oheim hat sie nach dem Tod ihrer Eltern bei sich aufgenommen. Nach allem was ich weiß, weil ihm die Hurenhäuser zu teuer waren. Sie ist abgehauen, mit 14, wie ich. Das hat uns irgendwie zu Verbündeten gemacht. Von Meriam kenne ich viele Kniffe.
Bei wem man mit Betteln weiter kommt als mit Stehlen, wie man die Beutel erkennt, wie man sie los schneidet.... wie viel man trinken sollte.
Oh ja, mit Meriam habe ich meinen ersten Rausch erlebt - und meinen ersten Kater. Junge, das war eine Nacht...
Meriam war seit langem die erste, bei der ich mich wohlfühlte. Ich konnte ihr vertrauen und sie verstand mich. Sie konnte zwar nicht nachvollziehen, wieso ich nicht blieb, wenn ich eine Anstellung fand, aber ich glaube, sie konnte mich verstehen, ohne zu wissen, wie es sich anfühlte.
Aber sie war krank. Hat ständig gehustet und es ist immer schlimmer geworden.
Und eines Morgens ist sie nicht mehr aufgewacht.
Und ich... ich bin weggelaufen. Konnte es nicht ertragen, durch die Stadt zu laufen und überall ihr Gesicht zu sehen... es war wirklich schlimm. Ich meine, es war nicht so, dass es total überraschend war - aber irgendwie war's halt doch so.
Ich habe mich unglaublich einsam gefühlt und auch verloren. Hab geweint. Es hat mich sehr an den Tod meiner Mutter erinnert, auch wenn es doch ganz anders war. Aber meine Bezugsperson war weg und ich stand da, in einer Welt voller Feinde, die ich nicht verstand.
Also, ich bin wieder geflohen und hab mir geschworen, nie mehr jemanden so nah an mich heran zu lassen wie sie. Bisher klappt das ganz gut. Ich habe einige Freunde, aber niemand weiß so viel von mir, wie Meriam.
Es wurde langsam wärmer, also bin ich weiter gezogen. Immer von Dorf zu Dorf. Ungesehen, denn es wäre ja doch zu auffällig gewesen, wenn ein Straßenmädchen ins Dorf kommt und in der Nacht ein Fuchs zuschlägt. Nene, die haben mich nicht bemerkt. Nur in den größeren Dörfern und Städten hab ich's gewagt.


War 'n einsames Leben - mal wieder. Hab ich nicht lang durchgehalten. Mit 18 bin ich in Cadron gestrandet. Und dort bin ich geblieben.
'n bisschen außerhalb hab ich eine verlassene Scheune entdeckt. Halb verfallen, aber winddicht. Blickggeschützt. Niemand kommt dorthin, nie. Im Moment würde ich diese Scheune als mein Zuhause bezeichnen.
Ich stromere durch Cadron, mal hier, mal dort. Die anderen Straßenkinder kennen mich, ich kenne sie - aber von meinem Versteck weiß niemand und das ist gut so.
Noch bin ich hier recht fremd. Nicht jeder kennt mich und ich weiß noch immer nicht genau, wer wirklich gefährlich ist.

In der Nähe meines Unterschlupfes gibt es eine kleine Schenke.
Zum weißen Ross, so heißt sie und der Wirt - ein dicker, kleiner Mann mit rotem Zinken und kahlem Kopf, kennt mich. Nennt sich selbst einfach Jakob.
Ich glaube, es belustigt ihn, zu sehen, wie ich die jungen Burschen in seiner Stube um den Finger wickle - und nebenbei kurble ich so sein Geschäft an.
Wenn er mal was übrig hat, Suppe oder einen Kanten Brot, gibt er es mir.
Ohne Gegenleistung. Kaum zu glauben, nicht? Seine Frau ist vor ein paar Jahren gestorben, Kinder hat er keine. Schätze mal, ich bin für ihn so eine Art Ersatz. Schadet mir nicht, im Gegenteil. Aber auch wenn er mir oft anbietet, bei ihm zu bleiben und als Schankmagd zu arbeiten... er versteht es, wenn ich abwinke.
Mein Leben hier ist gut.
Tagsüber stromere ich durch die Gassen und nehme, was ich kriegen kann, sei es Gold oder Essen.
Und abends verweile ich oft ein wenig im weißen Ross.
Wer weiß, vielleicht bleibe ich ja doch irgendwann bei Jakob? Aber noch nicht jetzt. Im Moment geht es mir gut, und wenn es so bleibt, vielleicht bleibe ich ja in Cadron? Wer weiß.

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