Profil von Maévea

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lyrisches Juwel
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Profil

Benutzername:
Maévea
Alter:
41
Gruppen:

Charakter

Name:
Maévea Aéyina Eandala
Alter:
27
Rasse:
Raéyun/Drachenerbin
Heimat:
Merridia
Aufenthaltsort:
Mérindar
Waffen:
die Waffen einer Frau
Inventar:
Schalmei
Tierischer Begleiter: Lemur

Steckbrief

Aussehen:
Maévea ist eine Drachenerbin. Und als solche auch mit den Makeln und Nachteilen einer solchen behaftet. Sie hat auf den Schläfen, sowie knapp unter den Ohrläppchen kleine Drachenmale. Und auf dem Rücken, entlang der Wirbelsäule. Allerdings, anders als auf ihren Händen oder ihren Schläfen, sind diese hier ein wenig ausgeprägter und deuten leichte Erhebungen an, als ob sie alte, verheilte Brandnarben wären. Fast wie filigrane Schuppen. Um diese verschnörkelten Linien und Male herum hat sie auch immer wieder kleinere, feine Linien und, an magische Zeichen erinnernde Drachenmale, die wie kleine Tätowierungen aussehen. Ihre Finger und Unterarme sind ebenfalls von unzähligen, kleinen und filigranen Drachenmalen in Form von seltsamen Schnörkeln und Linien gezeichnet. Manche davon greifen sogar ineinander, dass sie wie ein bizarres Muster anmuten, oder eine fremdartige Schrift. Maévea ist knapp 1,71 groß und wiegt an die 52 kg. Sie hat ein weibliches, zierliches und zartes Gesicht, ohne dabei zerbrechlich oder jünglich zu wirken. Grazil genug um nicht kindlich zu sein. Sie hat volle, formschöne Lippen, eine zierliche und feine Nase, ein ovales, aber dezent herzförmiges Gesicht und eine leicht hohe Stirn, was durchaus als Schönheitsideal angesehen wird. Ihre Statur ist alles in allem ziemlich zierlich, wenn auch nicht schwächlich und sie hat feingliedrige Finger.

Sie besitzt einen schlichten, kastanienroten Umhang aus gewalktem Loden mit einer weiteren Kapuze, welche sie über ihr Gesicht zieht, wenn sie unter größere Menschenmengen tritt, um ihre augenscheinliche Andersartigkeit zu verbergen. Denn sie hatte in den letzten Jahren auch, aufgrund ihrer rötlichen Haare, Probleme oder mit Argwohn zu kämpfen gehabt. Zwar hatte sie sich bisher immer größtenteils mit ihrer Raéyungabe aus der Affäre ziehen können, aber seit diesen Tagen zieht sie es vor, sich die Haare zu einem einfachen Zopf zusammen zu flechten, damit diese nicht unter der Kapuze hervorschauen können. Sie war diese Art von Problemen und Konfrontationen einfach nicht gewohnt gewesen, denn ihr Vater hatte ihr, seit sie sich erinnern konnte, stets die Haare schwarz gefärbt gehabt. Sie hatte sich immer gefragt, warum er das getan hatte, bis sie es am eigenen Leib erfahren musste.

Maévea hat blasse, goldene Bernsteinaugen, welche zum Rand hin leicht in ein mattes Grau übergehen. Und dazu natürlich die roten Haare, wie beinahe jeder Drachenerbe.

Ansonsten kleidet sich Maévea eher schlicht. Sie besitzt ein bräunliches, altes Kleid aus Leinen, dessen Ausschnitt bis zum Hals geht, um so viel Haut wie möglich zu verbergen, damit niemand ihre Drachenmale sehen kann. Nicht nur ihre schlichte Kleidung, sondern auch ihre unscheinbare Art und Haltung, machen es ihr einfach in der Menge unter zu tauchen. Vielen Menschen fällt sie nicht einmal auf, und kaum ist man an ihr vorüber gegangen, da hat man sie auch schon wieder vergessen. Solange man ihre roten Haare nicht sieht, jedenfalls. Ihre Schuhe sind einfache Bundschuhe aus robustem Hirschleder. Sie besitzt auch ein Paar alter, abgetragener Lederhandschuhe, um die Linien auf ihren Fingern verstecken zu können, allerdings hindern sie diese beim Musizieren.

An ihrem Gürtel hängt ein lederner Beutel, welchen sie mit einer einfachen Kordel daran festknotet. Außerdem hängt dort auch ihre Schalmei, welche sie wie einen Augapfel hütet, schließlich ist diese zurzeit ihre einzige Möglichkeit wenigstens ein klein wenig Geld zu verdienen. Die Schalmei is aus Ahornholz gedrechselt worden, und besitzt im unteren Drittel den eine kleine Ausbuchtung, welche mit Intarsien aus geäztem Bronze verziert wurden. Die Bronze läuft aber an einigen Stellen schon grünlich an, von der Oxidation.

Fähigkeiten:
Aufgrund ihrer langen Lehrzeit unter ihrem Vater ist sie eine sehr talentierte, wissbegierige und belesene Alchemistin. Und infolge dessen auch eine wirklich gute Köchin. Alles was mit Kesseln oder einem Alambic zubereitet werden kann, das schafft sie auch. Auch wenn sie in den letzten Jahren nicht mehr dazu gekommen ist - aufgrund ihres Bettlerdaseins - diese Tätigkeit auszuüben, so hat sie einen wachen und aufgeweckten Geist und ein sehr gutes Erinnerungsvermögen. Sie kann sich noch an sehr viele Einzelheiten aus diesen Tagen erinnern, und sie hat zudem eine sehr schnelle Auffassungsgabe. Seid ihr Vater ihr eröffnet hatte, dass sie eine Drachenerbin war, schob sie diese Begabungen ihres Intellekts stets auf ihr Drachenblut.

Maévea kann sehr viele Tränke, Heilpasten und Salben herstellen. Auch Rauchwerk und Gifte herzustellen fällt ihr nicht schwer. Sie hat beinahe jedes Rezept dazu im Gedächtnis und kann diese beinahe fehlerlos herstellen. Auch weiß sie welche Bestandteile nötig sind um das rudimentäre Schwarzpulver herzustellen, welches vor den Tod ihres Vaters verantwortlich ist, auch wenn sie nicht das genaue Mischverhältnis weiß. Hierfür müsste sie intensivere Studien betreiben. Allerdings hat sie vor dem Schwarzpulver einen enormen Respekt und wagt sich an dieses nicht gerne heran, da ihr Vater durch dieses ums Leben gekommen war. Zumal sie glaubt, dass die Rezeptur ihres Vaters nicht gänzlich ausgereift war. Die Sprengwirkung war enorm. Immerhin hatte sie das ganze Haus zerstört. Doch war das Gemisch auch zu hoch entzündlich. Mit ausreichendem Studium könnte sie vielleicht die Rezeptur verbessern, doch hatte ihr Vater weder Notizen gemacht, noch ihr alle Geheimnisse verraten. Und sie möchte nicht sein Schicksal teilen, weshalb das Studium dieses tödlichen, schwarzen Pulvers für sie keine sonderlich hohe Priorität hat. Zwar kennt sie ein breites Spektrum an Pflanzen, Wurzeln und Beeren, um diese für alchemistische Produkte zu verwenden, und vielleicht könnte sie diese auch in der freien Natur anwenden, um notdürftig zu überleben. Doch wäre sie - auf sich allein gestellt in der Natur - wohl kaum alleine lebensfähig, durch ihr Drachenerbe, auch wenn dieses nicht so stark ausgeprägt scheint, wie bei anderen Drachenerben.

Ansonsten kann Maévea natürlich auch Rechnen und Lesen, denn dies war unabdingbar in der Lehre zur Alchemistin. Was sie jedoch nicht kann ist schwimmen oder reiten. Für ersteres fehlt ihr der Mut es zu lernen, denn sie fürchtet jederzeit einem Schwächeanfall zu erliegen und zu ertrinken. Und für letzteres bestand in der Stadt nie die Notwendigkeit es zu lernen.

Neben der Alchemie musste sich Maévea auch den meisten alltäglichen Dingen einer Frau ihrer Zeit widmen. Eben so gut es ihr das Drachenerbe zugelassen hatte. Nähen, Sticken und andere Arbeiten mit Nadeln oder Scheren, hatte sie aber stets gemieden. Zu anfangs hatte ihr Vater noch darauf bestanden, dass sie auch diese Dinge lernen sollte, wenn sie eines Tages einmal eines Mannes Haushalt führen sollte, doch hatte sie in jungen Jahren sehr oft Zuckungen und Schüttelanfälle und sich dann mit den Nadeln dabei verletzt.

Maévea ist eine geübte Musikerin und Sängerin. Sie kann sowohl die Schalmei, als auch die Zither spielen. Doch letzteres Instrument ist ihr viel zu schwer. Sie kann es nur spielen, wenn es ihr jemand dorthin trägt, wo sie es spielen möchte. In ihrem Versteck liegt die Zither ihrer Mutter, die sie gelegentlich spielt, wenn sie alleine ist, nur um nicht aus der Übung zu kommen. Doch vor großem Publikum ist sie damit schon lange nicht mehr aufgetreten. Früher, als sie noch auf den großen Plätzen der Stadt aufgetreten war, und reihenweise die Menschen begeistert hatte, da gab es einen unschönen Zwischenfall. Neidische Musiker, die Maévea den Erfolg (in Form von Kupfer, welches ihr vor die Füße geworfen wurde) nicht gönnten, hatten sie offen als Hexe angeprangert. Es hatte auch funktioniert, denn immerhin hatte sie ja rote Haare! Sie ist damals nur knapp mit dem Leben davon gekommen, und auch nur weil ihr damals ein - ihr noch fremder - Raéyun zur Hilfe geeilt war. Dieser Raéyun hatte ein bernsteinfarbenes Auge, und eines aus einem echten Bernstein gehabt, welches immer wieder rötlich geschimmert hatte! Und seither bettelt sie eher in den Seitengassen um weder Neid noch Feindseligkeit ihr gegenüber herauf zu beschwören.

Als Drachenerbin hat sie natürlich mit körperlichen Schwächen und Beeinträchtigungen zu kämpfen. Gelegentliche Zuckungen, Krämpfe oder Schwächeanfälle gehörten bei ihr, besonders früher; in jungen Jahren, zum Alltag. Anders, als andere Drachenerben - welche sie nur aus Büchern kennt - erleidet sie keine epileptischen Anfälle oder Ohnmachtsanfälle. Das Drachenerbe ist bei ihr entweder nicht sonderlich stark ausgeprägt, oder das Erbe ist milder mit ihr gewesen, als mit anderen Drachenerben. Ihre körperlichen Leiden beschränken sich auf Zuckungen oder Krämpfe in Händen oder Beinen, welche sie aber mehr als ausreichend in ihrem Alltag als Alchemistin stören können, wo doch genaues und vorsichtiges Hantieren mit den Ingredienzen allerhöchstes Gebot ist. Schwächeanfälle zeigen sich bei ihr besonders dann, wenn sie viel auf den Beinen unterwegs war und ihre Ausdauer schon sehr unter den Strapazen des Tages gelitten hatte. Infolgedessen hatte sie auch nie eine sonderlich hohe Ausdauer oder Kondition sich aneigenen können, da ihr Drachenerbe sie stets daran gehindert hatte. Doch mit den Jahren hat sie gelernt damit umzugehen. Einen Vorteil, den viele andere Drachenerben nicht haben, ist, dass in ihren Adern das musikalische Blut der Raéyun fließt. Und mehr als das! Sie kann diese Macht auch begreifen und verstehen. Sie kann die Macht, welche ihrem Blut innewohnt, in ihre Musik einflechten und so die Gefühle und die Gemüter der anderen Menschen, welche ihre Musik hören, beeinflussen oder gar lenken. Allerdings ist ihre Macht nur von mittelmäßiger Intensität. Sie hatte zwar eine grundlegende Ausbildung in ihren Gaben erhalten, doch fehlt ihr einfach das nötige Talent zu wahrlich großen Taten der Raéyun. Da sie nicht imstande ist die Gefühle anderer bewusst zu lesen, sondern lediglich intuitiv zu erspüren, kann ihr manipulatives, musikalisches Spiel manchmal auch im Sande verlaufen. Wenn sie einfach die Eindrücke, welche sie manches mal erfüllen nicht richtig deuten kann und so ihre Gabe in die falsche Richtung lenkt. So spielt sie meist sehr zurückhaltend, während sie tief in ihr Herz hört, um die Gefühle der anderen von ihren eigenen unterscheiden zu können. Auch kann sie keine Gefühle in Menschen hervorrufen, welche in einer völlig gegenteiligen Stimmung sind. Sie vermag es zumeist nur vorhandene Gefühle zu verstärken, um sich auf diese Weise - und auch durch ihr Drachenerbe - die Macht zu erspielen, aus den Gefühlen der anderen Kraft zu schöpfen. Auch die Gefühle anderer kann sie nur intuitiv erspüren. Sie vermag es nicht, die Gefühle direkt zu lesen, wie es den meisten Raéyun eigentlich zu Eigen ist. Doch für sie reicht es vollkommen. Wenn sich bei ihr ein Anfall, oder ein Einbruch des Körpers anbahnt, hat sie gelernt, ihre raéyun'schen Gaben dazu zu nutzen, die Menschen in ihrer direkten Umgebung durch ihre Musik zu starken, emotionalen Ausbrüchen zu bringen, um sich dadurch einen kleinen Energieschub zu verschaffen. Meist reicht es, die Symptome zumindest zu dämpfen, damit sie keinen starrenden Krampf oder zittrige Schüttelanfälle erleidet. Gänzlich unterbinden konnte sie es bisher noch nie, aber in erträglichen Maßen, was in ihren Augen schon sehr viel wert ist. Denn so ist es den Drachenerben eigen. Sie profitieren von den Emotionen anderer in ihrer Umgebung. Am einfachsten gelingen ihr Wut oder Freude, zwei zweischneidige Gefühle, bei anderen Menschen hervorzurufen, um davon zu profitieren. So hat sie über die Jahre immer wieder größere Katastrophen abwenden können, und schon seit langer Zeit keinen richtig starken Anfall mehr erlitten, was natürlich nicht bedeutet, dass sie gar keine Anfälle hatte.

Der kleine Lemur, welchen sie auf den Namen Adra getauft hatte und sie seit einigen Jahren als treuer Begleiter überall hin verfolgt, ist ihr hierbei auch ein dienlicher Freund. Er ist ihr eines Tages über den Weg gelaufen, und sie hatte ihn mit etwas Trockenobst, welches sie gerade bei sich hatte, zu sich gelockt und sein Vertrauen gewonnen. Später hat sie ihn darauf abgerichtet hier und da bei den Ständen beim Markt einen Apfel, oder etwas Brot zu stibitzen, und es ihr zu bringen. Besonders dann, wenn sie - aufgrund eines Schwächeanfalls - nicht in der Lage war, selbst auf dem Markt zu flanieren.

Charakter:
Als Drachenerbin hatte es Maévea stets schwer, denn alles konnte ihr Vater nicht verbergen. Und doch blieb sie stets in der großen Stadt. Auch wenn es sehr gefährlich für sie war, hier zu leben, zog sie die Anonymität der Großstadt stets dem einfachen Leben auf dem Lande vor. Sie war und ist stets davon überzeugt, dass sie in der Masse an Menschen viel einfacher untergehen kann, als in einem kleinen Dorf am Lande, wo jeder beinahe jeden kennt. Hier kann man sich in verwinkelten Gassen verstecken, und mit einfacher Musik sich hier und da ein paar Jestu, oder gar mehr, verdienen, um über die Runden zu kommen. Auch wenn das natürlich nicht gerade ihr Lebensziel ist. Sie würde viel lieber ihrer gelernten Tätigkeit nachgehen. Irgend etwas bedeutungsvolles erfinden. Oder eine bahnbrechende Entdeckung im Bereich der Alchemie machen, um aller Welt, oder zumindest allen Menschen ihrer Stadt, zu beweisen, dass Drachenerben nichts böses waren, sondern viel Gutes bewirken konnten. Doch davon war sie noch meilenweit entfernt. Sie hat zwar diesen einen oder anderen Traum, doch ist sie im großen und ganzen eine Realistin. Sie glaubt nicht daran, jemals einen Alchemisten zu finden, welcher ihr Obdach und Arbeit geben würde, wenn dieser ihr wahres Ich kennen sollte. Und sehr viele Alchemisten gibt es in Merridia ohnehin nicht mehr, bei denen sie nicht schon gewesen war.

Sie ist sehr charismatisch, und kann sehr überzeugend sein, wenn sie mit jemandem spricht. Zwar ist ihr Drachenerbe in vielerlei Hinsicht hinderlich daran, mit Fremden zu sprechen, doch fühlt sie sich relativ sicher, wenn sie ihre Haare, sowie ihre Male verbirgt, und etwaige zweifelnde Gedanken ihrer Gegenüber vermochte sie stets mit schmeichelnden oder ablenkenden Worten zu zerstreuen. Zweifellos ist ihr auch hier ihre raéyun'sche Gabe sehr von Nutzen, wenn sie die Gefühle anderer instinktiv erspürt, oder gar manipuliert, um so das Gespräch in die richtigen Bahnen zu lenken. Dies geschieht allerdings, wie bereits erwähnt, nur intuitiv und sie kann das absolut nicht steuern. Was nicht heißen soll, dass sie ihre raéyun'schen gaben immer und zu jeder Zeit einsetzt. Sie hat gelernt die Situationen zu erkennen, wann es angebracht ist die Macht zu verbergen, und wann sie sie einsetzen kann. So lange sie nicht am Verhungern ist, oder sich ihr Drachenerbe in Form eines Anfalls bemerkbar macht, hält sie die Macht in ihrer Musik in Grenzen. Außerdem lebt sie seit einigen Jahren sehr zurückgezogen in den Straßen Merridias. Ihr Vater war kein sehr gläubiger Mensch, und hatte ihr auch nie den Glauben an Götter oder Geister näher gebracht. Er war Wissenschaftler. Alles, was man nicht verstand, musste man studieren um es vielleicht verstehen zu lernen. Dinge, auf welche Menschen sich keinen Reim machen konnten, wurden nur allzu leichtfertig als göttlich abgetan. Doch davon wollte ihr Vater nie etwas wissen. Nun, da sie schon so lange alleine und verlassen in den Straßen der Stadt lebt, glaubt sie auch nicht wirklich mehr an einen oder mehrere Götter. Wenn sie vielleicht als Kind einmal hier oder da andere Gedanken gehabt hatte, die harte Realität hatte ihr jeden Glauben ausgetrieben. Warum war sie mit dem Drachenerbe gestraft worden? Zumal Drachenerben so verhasst waren in den Nordreichen. Und warum hatte sie ihren Vater verloren? Ohne den sie so hilflos war, besonders in den ersten Jahren ihrer Waisenschaft. Nein. Wenn es Götter gab, dann waren sie grausam, und an grausame Götter konnte und wollte sie nicht glauben oder beten. Inzwischen hält sie es wie ihr Vater. Alles auf der Welt folgt einem Gesetz. Und sie wollte ergründen, welches Gesetz auf sie als Drachenerbin zutraf.

Maévea hat nie wirkliche Freunde gehabt. Immer wieder mal gab es Bekanntschaften, doch die waren stets von kurzer und oberflächlicher Dauer. Sie hatte ja auch die meiste Zeit bei ihrem Vater verbracht. Er hatte sie die meiste Zeit vor anderen Menschen verborgen, aus Sorge dass ihr Drachenerbe bekannt werden würde und ihr daher auch kaum Freundschaften zu anderen Menschen erlaubt. Dennoch ist sie keineswegs introvertiert oder verschlossen. Im Gegenteil. Sie ist ein sehr offenherziger und lebensfroher Mensch geblieben, trotz ihrer Unzulänglichkeiten und Einschränkungen. Lebensfroh in vielen Lagen, außer wenn es um ihr Drachenerbe geht. Hier ist sie eher zurückhaltend und fürchtet sich vor den Reaktionen anderer Menschen, wie sie wohl reagieren würden, wenn sie erfahren, dass sie eine Drachenerbin war. Die meisten ihrer Einschränkungen waren ihr ja auch von ihrem Vater auferlegt worden, zu ihrem Schutz. Sie hat es lange nicht verstanden, doch heute ist sie ihm Dankbar dafür.

Auch wenn sie vorsichtig ist und manchmal auch verschlagen sein kann, so ist sie insgesamt ein eher frohes Gemüt. Natürlich schlagen ihr Ablehnung oder offensichtlicher Hass, aufgrund ihres Drachenerbes, schon sehr aufs Gemüt und in diesem Fall sollte man sie nicht zu sehr provozieren. In ihren Augen ist ihr Erbe ein Fluch. Sie hat in den letzten Jahren zu oft Rückschläge und Ablehnung erfahren, so dass sie inzwischen einen gewissen Groll gegen den Adel wie auch auch gegen das gemeine Volk, welches ihresgleichen so sehr mit Verachtung entgegenkommt, hegt. Und so ist ihre Hemmschwelle dieser Tage ziemlich gering. Man kann sie beinahe eine Münze mit zwei Seiten nennen. Die eine Seite zeigt ein fröhliches Gesicht, welches ehrlich lächelt und golden schimmert. Und die andere Seite, welche stets unten liegt, ist dunkel und schwarz angelaufen. Dreckig und nachtragend. Sehr nachtragend. Vielleicht ist dies eine Art Gegenpol für ihre Offenherzigkeit, dass sie Leid oder Ungerechtigkeit, die ihr widerfahren sind, nur sehr schwer vergisst oder gar vergibt. Sie würde wohl nicht zögern Erniedrigungen und Demütigungen mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zu vergelten. Gift oder eine explosive Gabe auf der Türschwelle sind schon mit sehr einfachen Mitteln leicht herzustellen. Und vielleicht würde sie sogar ehrlich lachen, wenn ihr Peiniger aus der Welt scheidet.

Anders hingegen steht es mit Menschen, die ihr freundlich entgegen kommen. Wenn man zu ihr freundlich ist, oder sie nicht wegen ihres Drachenerbes verurteilt, kann man in Maévea eine treue und ehrliche Freundin gewinnen. Wer freut sich nicht, über ehrliche Treue?

Wenn sie einmal mit Kindern, und später mit gleichaltrigen, jungen Erwachsenen zu tun gehabt hatte, da waren ihr die Frauen stets lieber gewesen. Mit Knaben, und später auch mit Männern, hatte sie nie wirklich etwas anfangen können. Sie waren ihr sogar oft zuwider, so dass sie entweder die Gesellschaft gleichgeschlechtlicher Freunde gesucht hatte, oder gleich die Einsamkeit in ihres Vaters Labor. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sie ihre ersten, sexuellen Erfahrungen mit einer Frau gemacht hatte. Lange hatte sich dessen geschämt und geglaubt sie wäre nicht normal. Sie hatte es auch immer wieder ihrem Drachenerbe zugeschoben, dass sie in so vielen Dingen anders war, als andere Frauen ihres Alters. Doch irgendwann hatte sie sich wohl damit abgefunden. Sie war damals rund sechzehn Jahre alt gewesen, und ihre Freundin, Sinaea; eine hübsche Elfin, war über fünf Jahre älter als sie gewesen und hatte doch so jung wie sie ausgesehen. Für Maévea war das damals alles sehr aufregend und auch ein gewisser Reiz des Verbotenen gewesen, während Sinaea nur Spaß haben wollte, ohne ein echtes Interesse an ihr zu haben. Maévea war bis zu diesem Zeitpunkt ihres Lebens noch niemals als Drachenerbin erkannt worden. Ihr Vater hatte ihr ja auch die Haare gefärbt, und sie so gut es ging verborgen gehalten. Und so hatten die beiden jungen Frauen immer wieder Zeit miteinander verbracht. Sinaea war die Tochter eines Händlers gewesen, von welchem ihr Vater immer wieder verschiedene alchemistische Zutaten erworben hatte, und daher war Sinaea auch immer wieder im Labor gewesen, weshalb sich die beiden erst hatten anfreunden können. Sinaea hatte allerdings kein wirkliches Interesse an Maévea, weder sexueller noch freundschaftlicher Natur. Sie war eben da, und besser als sich zu langweilen, während die Erwachsenen die Preise aushandelten. Doch es hatte Maévea nicht gestört. Irgendwann hatte Maévea ihren ganzen Mut zusammen genommen und Sinaea geküsst. Sie war zuerst erschrocken und schockiert gewesen. Doch dann war sie näher an Maévea herangetreten und ihre Lippen zu einem Kuss geformt. Doch bevor es dazu kam, hatte sie sich wieder von ihr zurück gezogen und sie ausgelacht. Sie hatte sie nicht verraten, doch wieder gesehen hatte sie sie niemals wieder. Und auch wenn man glauben mag, dass ein solches Erlebnis einen Menschen in sich zurückziehen lässt, oder einschneidend prägt, so traf dies bei Maévea nicht zu. Vielleicht war ihre Seele zu sehr nach Freundschaft oder gar Liebe ausgehungert, dass ein Rückschlag sie nicht aus der Bahn hatte werfen können. Wer weiß?

Später entwickelte sich daraus eine reizvolle Leidenschaft für Maévea und während sie zur Frau erblühte sie suchte immer wieder die Nähe zu anderen Frauen. Keine von ihnen erkannte ihr Drachenerbe. Und viele schloss sie recht schnell ins Herz. Auch wenn die meisten von ihnen nur flüchtige Bekanntschaften blieben. Maévea wagte es nur sehr selten ihre Gefühle zu offenbaren. Schließlich war diese Art von Zuneigung unter Frauen keinesfalls gewöhnlich. Und so kostete es sie immer wieder Überwindung diese Schritte zu gehen. Auch wenn sie immer äußert behutsam vorging, und sich erst sicher sein wollte, ob ihre Gefühle erwidert wurden, wurde sie selten von Erfolg gekrönt und irgendwann beschloss sie, lieber alleine zu bleiben, als sich dem ständigen Hohn oder Spott preiszugeben. Denn zu allem Übel war sie weit mehr als nur eine Frau. Sie war eine Drachenerbin. Wer konnte schon eine wie sie wahrlich lieben? Und doch. Wenn man am Ende gar nicht mehr daran glaubt, passiert etwas, was man zuvor so krampfhaft versucht hatte zu erzwingen. Zwei Jahre später schließlich hatte sie das erste Mal bei einer Frau gelegen, und nichts daran war ihr verkehrt oder falsch vorgekommen. Sie war glücklich gewesen und wurde auch nicht mit Verachtung bedacht, sondern mit aufrichtiger Zuneigung. Leider war ihr Glück in dieser Hinsicht nicht von langer Dauer, denn sie starb. Sie stürzte in den Aras und ertrank.

Aufgrund der offenkundigen Ablehnung, welche ihr im Laufe ihres bisherigen Lebens immer wieder widerfahren waren, hatte sie eine gewisse Abneigung gegen oberflächliche Menschen entwickelt. Sie gab die Schuld an diesem Aberglauben und diesem starken, feindseligen Verhalten ihresgleichen gegenüber dem Adel, wie auch dem Klerus. Die Priester taten nichts dagegen. Vielleicht schürten sie sogar diesen Aberglauben. Und auch die Obrigkeit der Stadt tat nichts dagegen, wenn man sie bespuckt oder verfolgt hatte. Nicht einmal die Stadtwache war ihr zur Hilfe geeilt, als sie in größter Not gewesen war. Nein, da hatte erst ein fremder Raéyun eingreifen müssen. Aufgrund dieser Erfahrungen ist sie in dieser Hinsicht sowohl ein gebranntes Kind, als auch ein wenig verbittert. Vielleicht wünscht sie sich die Dinge zu ändern. Doch wüsste sie nicht wie. Wie konnte man den Adel für sich gewinnen? Wie konnte man das gemeine Volk davon überzeugen, dass Drachenerben nichts Schlechtes waren? Maévea ist in dieser Sicht hilflos.


Vergangenheit:
Maévea ist als Tochter eines angesehenen Alchemisten direkt in Merridia aufgewachsen. Ihr Vater war beinahe so etwas wie eine Berühmtheit, und stand unter der Schirmherrschaft des Königshauses. Er hatte immer wieder wichtige Aufträge bei Hofe. Doch seine Tochter hat er nur selten dorthin mitgenommen, auch wenn sie sehr talentiert und begabt war, was die Alchemie betrifft. Wie auch Maévea, war ihr Vater ein Raéyun. Allerdings hatte er schlichte, vor Fröhlichkeit leuchtende, graue Augen, und selbst nicht einmal wirklich gewusst, dass er ein Raéyun war.

Als seine Tochter schließlich geboren wurde, war er zunächst sehr bestürzt. Sie war eine Drachenerbin! Ihre Augenfarbe schrieb er zuerst ihrem Drachenblut zu, bevor es ihm erst viel später klar wurde - als er sich näher mit dem Thema beschäftigt hatte, um seine Tochter besser schützen zu können; und unzählige Bücher über Drachenerben gelesen hatte - dass ihre Augen die eines Raéyun waren. Seine Frau, welche keine Raéyun war, hatte grüne Augen gehabt. Er war sich nie gänzlich sicher wer der beiden nun das Raéyunblut an Maévea vererbt hatte. Von früh an hatte er die Haare seiner Tochter stets schwarz gefärbt, damit sie nicht schon wegen ihrer roten Haare schief angesehen wurde. Und ihr Haar hatte sie stets offen zu tragen, damit man die Male an ihrer Schläfe und auch unter ihren Ohren nicht sehen konnte. Und so wuchs Maévea eigentlich ziemlich behütet auf. Wenn auch oft sehr einsam.

Wenn man einmal von den körperlichen und gesundheitlichen Schwächen ihres Drachenerbes absieht. Er hatte als Alchemist, und in gewissen Grundzügen auch als Apotheker, sehr guten Zugang zu selbst seltenen Kräutern und Ingredienzien. Und immer wieder verschiedene Salben und Tränke ausprobiert um diese seltsame Krankheit in ihr zu heilen, aber er war nie zu einem Erfolg gekommen. Immer wieder hatte sie ihre Anfälle und Schwächeeinbrüche, und er konnte nur hilflos zusehen. Er war ein sehr liebevoller und hingebungsvoller Vater und litt sehr unter ihren Leiden, fast mehr noch als sie selbst. Eines Tages, als Maévea ungefähr sieben Jahre alt war, hatte er, aus purer Verzweiflung, einen Traueranfall, welcher langsam in eine unfähige Wut überging. Er war nicht auf seine hilflose Tochter sauer, sondern auf die Ungerechtigkeit des Schicksals, welche ihr so schwer widerfahren war. Und als ihr Zustand sich mit einem Mal ein wenig änderte, da begriff er die Zusammenhänge seiner starken Emotionen zu dem Zustand seiner Tochter. Seit jenem Tag hatte er ihre Krankheit, wie er es nannte, wenn andere ihn nach seiner Tochter fragten, besser im Griff.

In dieser Zeit lernte Maévea bereits sehr viel über Kräuterkunde und Heilkunde von ihrem Vater, denn da sie nur selten mit anderen Kindern spielen konnte, verweilte sie die meiste Zeit bei ihm im Laboratorium. Doch hatte oft, beinahe wöchentlich, Krämpfe oder Zuckungen, welche es unmöglich machten ihrer Arbeit nachzugehen oder zu lernen. Ihr Vater versuchte ihr stets zu helfen, indem er versuchte zu lachen oder zu schreien. Doch halfen diese Versuche nicht immer. Und sie hasste was sie war. Mehr als nur einmal lag sie abends wach im Bett und betete. Sie wünschte sich, diese Gabe oder diesen Fluch von ihr genommen zu bekommen. Doch ihr Wunsch wurde nie erfüllt. Und sie begann schließlich auch an den Göttern zu zweifeln, wie bereits ihr Vater. Eines Tages, mit ungefähr elf Jahren, begann sie, instinktiv, die Macht in sich zu erspüren. Es war ihr gelungen eine komplizierte Mixtur herzustellen, ohne einen Fehler zu begehen, und ihr Vater, welcher zwar sehr stolz auf sie war, aber auch sehr streng, wenn es um die Alchemie ging, gratulierte er ihr zu ihrem Erfolg. Sonst hatte er immer nur anerkennend genickt, wenn sie ihre Arbeit zufriedenstellend verrichtet hatte. Und sie hatte so lange und hart dafür gearbeitet. Auch wenn sie eigentlich sonst nicht viel anderes machen konnte, hatte ihr das Lernen und die Arbeit im Labor immer Spaß gemacht. Es hatte sie auch davon abgelenkt, dass sie etwas anderes war, als all die anderen Menschen da draußen. Sie war glücklich, ja beinahe euphorisch und vor lauter Freude begann sie ein Lied vor sich hin zu singen. Irgendwie schien sich diese Euphorie durch das gesungene Lied auf ihren Vater zu übertragen. Auch wenn sie es nicht direkt gesteuert hatte, so hatte die Gabe in ihr das Übrige erledigt. Und irgendwann begann ihr Vater ebenfalls zu singen. Als ihr Vater schließlich in ihren Gesang einstimmte, da stockte sie erschrocken und sah ihn mit großen, erstaunten Augen an. Er hatte noch nie gesungen. Nicht, so weit sie sich erinnern konnte. Und auch er sah sie verwundert an, als ob er selbst nicht sagen konnte, was da in ihn gefahren war. Nach einiger Zeit erkannten beide, dass dies kein Zufall war, sondern die Macht, welche in ihrem Blut innewohnte.

Als ihr Vater schließlich erkannte dass sie nicht nur die Augen, sondern auch die Talente der Raéyun geerbt hatte, da setzte er alles daran einen Raéyun zu finden, welcher ihr die nötigen Kenntnisse vermitteln sollte. Er war ein Mann des Wissens und der Wissenschaft, und für ihn waren die Raéyun nicht derartige, verdammenswerte Unholde, als welche sie im allgemeinen Volksmund verschrien waren. Er sah hier nur eine gute Gelegenheit seiner Tochter mehr Möglichkeiten in ihrer Zukunft zu bieten.

Die Suche dauerte lange, beinahe vier Jahre, aber irgendwann fand er einen willigen Raéyun, welcher Maévea ausbildete. Ganze drei Jahre dauerte die Ausbildung, während sie nebenher sich auch dem Studium der Physik und der Mathematik zu widmen hatte. Und als der Raéyun schließlich zu Maéveas Vater offenbarte, dass er ihr nichts weiter beibringen kann, trennten sich ihre Wege. Sie war nicht ausreichend talentiert genug, um mehr lernen zu können, doch sowohl Maévea, als auch ihr Vater waren rundum zufrieden.

In der Zeit ihrer Ausbildung lernte sie auch Sinaea kennen, denn dank ihrer Ausbildung durch den Raéyun gewann sie immer mehr an Selbstvertrauen und er lehrte sie sich weder zu fürchten noch sich für sich selbst zu schämen. Eine Entscheidung, die sie später noch bereuen würde. Sie machte ihre ersten, eigenen Erfahrungen mit anderen Menschen, gute wie auch schlechte. Wobei sie, dank der gefärbten Haare, nie als Drachenerbin erkannt wurde. Dieser Umstand allein ließ sie zu der Frau werden, die sie später wurde. Wäre sie stets erkannt worden, würde sie heute wohl nicht einmal mehr am Leben sein. Wobei sie, trotz der Umstände, die Erfahrungen mit Sinaea als einige der Guten zählt.

Als ihr raéyun'scher Lehrmeister sie schließlich verließ, war sie achtzehn Jahre alt. Sie hatte in den letzten Jahren viele Menschen kennengelernt, sie aber auch ebenso schnell wieder vergessen. Nur wenige waren lange genug geblieben. Denn ihr Vater gebot ihr stets zur Vorsicht, und ließ keine tiefgreifenden Freundschaften zu. Vielleicht hatte hier auch die Furcht davor mitgeschwungen, dass er seinen guten Namen und seine hohe Stellung bei Hofe nicht verlieren wollte. Als der Raéyun fort war lernte sie bald Julineya kennen. Eine junge, adelige Frau, welche ungefähr ihr Alter gehabt hatte. Sie hatte sie im Zuge der Arbeiten ihres Vaters kennengelernt, und sie beide waren sich einander näher gekommen. Viel näher als ihrer beiden Väter es je gestattet hätten, und wenn ihr Vater davon erfahren hätte, wäre er wohl zuerst wütend und beschämt gewesen, und später enttäuscht. Hätte hingegen Julineyas Vater davon erfahren, hätte der Alchemist wohl sehr bald seine gehobene Stellung bei Hofe verloren. Es hatte lange gedauert, bevor sie sich überhaupt mehr als nur distanziert begegneten. Immerhin war Julineya von Adel, und Maévea nur eine Bürgerliche. Doch gemeinsame Interessen hatten sie schnell Freunde werden lassen. Und wann immer ihr Vater bei Hofe war, hatte Maévea sich heimlich mit Julineya getroffen. Und so kam irgendwann eines zum anderen.

Doch das hätte ohnehin keinen Unterschied gemacht.

Ungefähr ein halbes Jahr nach dieser Erfahrung, musste Maévea einen tiefgreifenden Einschnitt in ihrem Leben erfahren. Ihr Vater kam bei einem Experiment mit Schwarzpulver ums Leben. Das Labor flog buchstäblich in die Luft und mit diesem auch das Haus, in welchem er und Maévea gewohnt hatten, und Maévea kam nur deshalb mit dem Leben davon, weil sie zu dieser Zeit bei Julineya gelegen war.

Als sie vom Tode ihres Vaters erfahren hatte, da kehrte sie zuerst in sich, und später kehrte sie auch Julineya den Rücken. Sie war vergrämt und voller Trauer und flüchtete sich in die Einsamkeit. Und obwohl ihre Freundin ihr damals Trost spenden wollte, wollte sie davon nichts hören. Anfangs noch besuchte sie Julineya, doch als Maévea schließlich erfuhr, dass sie verheiratet werden sollte, da brach in ihr das letzte Stück ihres Herzens. Julineya war mit dieser Hochzeit sicherlich nicht einverstanden. Doch welche Wahl hatte sie schon? Sie würde das Land verlassen, zu irgend einem Adeligen aufs Land ziehen, um dort dessen Frau zu werden. Und das, obwohl sie wusste, wie es in ihrem Herzen aussah. Vielleicht hätte Julineya damals auch Trost gebraucht, doch Maévea war noch von Trauer erfüllt und sah nur ihre eigene Not. Und da hatte sie Julineya nicht mehr besucht.

Das Leben in der Gosse war hart. Niemand wollte sie aufnehmen. Selbst die Familien, mit welchen ihr Vater stets gut verkehrt hatte, wiesen sie ab. Und das, obwohl sie nicht einmal wussten, dass sie eine Drachenerbin war. Nach und nach wurde Maévea bewusst, dass ihr Vater nicht allerorts so beliebt war, wie sie es all die Jahre vermutet hatte. Er war ein rücksichtsloser Geschäftsmann gewesen. Hatte hart dafür kämpfen müssen, die Stellung zu erringen, die alle anderen so an ihm neideten. Und nicht nur einmal schnappte sie das Gerücht auf, dass ihr Vater Opfer einer Intrige geworden war. Jemand hatte ihn aus dem Weg haben wollen. Maévea begann diesem Gerede Glauben zu schenken. Warum sollte ihrem Vater, ihrem weisen und besonnenem Vater, den sie nur so kannte wie er stets gewesen war, ein derartiger Fehler unterlaufen? Diese Erkenntnis war eine bittere gewesen. Nur ein Mann ließ sie in sein Haus. Ein alter Freund ihrer Familie. Er war kein Alchemist, nur ein Händler doch Maévea war dankbar, dass er ihr helfen wollte. Doch nicht völlig uneigennützig. Zunächst spannte er sie in den Haushalt ein, bis er bemerkte, dass sie eher kränklicher Natur war. Immer wieder kamen die Zuckungen und Krämpfe, welche sie schon so lange unter Kontrolle gehabt hatte, als ihr Vater noch am Leben war. Aus Angst, sie könnte eine Krankheit haben, isolierte er sie von seinen Kindern und quartierte sie daher im Keller ein.

Irgendwann kam er zu ihr in den Keller und wollte mehr...sie versuchte sich zu wehren, doch was konnte sie schon gegen einen Mann ausrichten? Doch als er ihre Drachenmale sah, und die roten Haare, welche bereits am Haaransatz unter den schwarzen hervorlugten, da wandte er sich von Ekel erfüllt von ihr ab. Sie rannte aus dem Haus, und hatte zweifelsohne gut darin getan, dies zu tun.

Die folgenden Monate verharrte sie stets in der Gasse. Aus Furcht jemand könnte sie suchen. Schließlich wusste der Mann wer sie war, und sie wollte nicht gefunden werden. Sie zog von dem südlichen Stadtteil in den nördlichen, wo ihr Vater selten geschäftlich zu tun gehabt hatte. Und sie bettelte und spielte auf ihrer Schalmei. Das einzige, was ihr von ihrem alten Leben noch geblieben war. Doch niemand fand sie. Und so wagte sie sich wieder vermehrt unter Menschen, wenn sie auch ihre Haare immer unter ihrer Kapuze verbarg. Die Jahre gingen ins Land, und sie schlug sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Stehlen und Lügen das lag ihr nicht wirklich. Es war nötig, um überhaupt zu überleben. Doch achtete sie stets darauf, dass niemand hinsah, und sie wagte auch niemals mehr als nur ein wenig zu Essen von den offenen Wagen zu stehlen.

Als sie sich der Gosse zugewandt hatte, da hatten ihre Haare sehr schnell das gefärbte Schwarz verloren und waren irgendwann zu den roten Haaren, wie sie sie heute trägt, ausgewachsen. Zwar hatte sie immer wieder versucht das Färbemittel zu bekommen, oder selbst herzustellen, doch fehlten ihr laufend dafür die Mittel, bis sie sich schließlich damit abgefunden hatte.

Während sie so in der Gosse lebte, und stets um ihr nacktes Überleben kämpfen musste, konnte sie sich nach all den Jahren im Labor anderen Dingen widmen. Wenn auch gezwungenermaßen. Sie versuchte ihr musikalisches Spiel zu verbessern, um so vielleicht auch eine bessere Kontrolle über ihre Schwächen zu erlangen. Besonders in den ersten Jahren ihres Gossenlebens war dies die härteste Prüfung. Ihr Vater hatte ihr immer geholfen, wenn sich das Drachenerbe bemerkbar gemacht hatte. Nun da ihr Vater gestorben war, hatte sie niemanden. Oder nur Menschen, denen sie nicht vertraute. Wie Randel, der fette Wirt von »der roten Hexe«, einer billigen Absteige im Hafenviertel. Er hatte ihr gelegentlich erlaubt im Schankraum zu spielen, wenn er die Hälfte ihrer Spenden dafür bekam. Im Gegenzug verprügelte er sie nicht fürs herumlungern, und sie bekam sogar etwas zu essen und einen Schlafplatz neben dem Herd in der Küche. Es war kein besonders bequemer Schlafplatz. Aber warm und besser als in der Straße. Doch Randel war nicht immer so gnädig gewesen. An manchen Tagen hatte er sie einfach fort gejagt, wie einen Hund.

Dann war da noch Logren, der Bader. Er unterhielt das Badehaus im östlichen Teil der Stadt. Auch wenn es nicht sein Badehaus war. Sie kannte ihn noch von alten Tagen, und er war alt und gebrechlich. Er litt am grauen Star und konnte sie kaum richtig sehen. Zunächst hatte sie sich ihm nicht richtig anvertraut, doch dass sie eine Drachenerbin war, das wagt sie nicht einmal ihm zu sagen. Wenn das Badehaus schließt, lässt er sie manchmal noch hinein, damit sie sich waschen kann, und er gibt ihr einen starken Kräutertee zu trinken. Schlafen hingegen darf sie nur sehr selten im Badehaus.

Wenn sie weder bei Logren noch bei Randel eine Unterkunft für die Nacht findet, dann schläft sie im Hafen. Dort gibt es alte Schaluppen, welche am Ufer liegen und repariert werden müssen. Nachts, wenn der Hafen still daliegt, und nur einsame Glocken im Wind bimmeln, kann man hier oder dort eine kleine Drachenerbin schlafen finden. Der Hafen wird zwar bewacht, doch Maévea wurde noch nie entdeckt. Vor Anbruch der Morgendämmerung hat sie den Hafen meist verlassen, denn sie hat - seit sie in der Gosse lebt - einen sehr leichten Schlaf.

Inzwischen lebt sie seit über acht Jahren in den Straßen Merridias. Sie hat sich recht gut gehalten in der Stadt. In einer oder zwei Alchemistenstuben hatte sie auch für einen Hungerlohn gearbeitet, und war froh wenigstens ein Dach über dem Kopf zu haben. Doch kaum hatte man ihre wahre Natur, die des Drachen in ihr, erkannt, wurde sie fortgejagt. Niemand hatte sie als Drachenerbin erkannt. Das wäre fatal gewesen. Doch ihre Zuckungen und Krämpfe, waren Grund genug. Die Essenzen, die sie verschütten konnte, waren sündhaft teuer. Auch für den Logren, den Bader, hatte sie hin und wieder gearbeitet. Doch waren im Badehaus so viele Leute, da hatte sie sich stets unwohl gefühlt. Stets hatte sie Blicke im Nacken gespürt, und auch wenn die Robe ihr bis unters Kinn gegangen war, und wirklich niemand ihre Male hatte sehen können, war ihr nie wohl bei der Sache gewesen. Eines Tages war sie wieder im Süden der Stadt unterwegs, und fragte bei einer der Alchemistenstuben an, welche nun alle um die Gunst des königlichen Hofes buhlten, seit ihr Vater verstorben war. Da kam es zum ersten von insgesamt zwei großen Zwischenfällen in ihrem Leben. Der Alchemist erkannte sie als Drachenerbin! Doch er dachte nicht daran, sie an einen wütenden Mob oder gar die Stadtwache zu verkaufen. Er wollte sie schlicht und ergreifend für alchemistische Experimente missbrauchen, doch sie hatte sich mit ihrer Raéyunmacht vor ihm schützen können. Und seit diesem Tag meidet sie den südlichen Teil der Stadt, welche glücklicherweise so weitläufig ist, dass sie bisher unangenehmen Bekanntschaften aus dem Wege geht.

Vor fünf Jahren hatte sie in der Hauptstadt Mérindars einen Raéyun namens Adraéyu kennengelernt. Er arbeitete für einen gewissen Fórel, einen skrupellosen Feuerelfen, und sie haben sich bei einem seiner schmierigen Aufträge, welche er für Fórel zu erledigen hatte kennengelernt. Schnell stellte sich heraus, dass er eine wahre Bardenseele war, und recht anzüglich um sie freite. Eine unangenehme Erfahrung für Maévea, die sich seither nie für Männer interessiert hatte. Doch hatte Adraéyu ihr das Leben gerettet, als ein wütender Mob sie als Drachenerbin erkannt hatte, und gleich an Ort und Stelle hatte lynchen wollen. Dies war der zweite große Zwischenfall in ihrem Leben, welcher sie hart daran erinnerte, dass sie eine Drachenerbin war, die niemand haben wollte. Sie hatte auf einem großen Platz, im Westen der Stadt, mit ihrer Schalmei musiziert. Und es waren viele Menschen dort gewesen, und hatten ihr mehr als nur Jestu zugeworfen. Es war ein ertragreicher Tag gewesen. Zu ertragreich, in den Augen der anderen Schausteller und Bettler, welche in dieser Gegend ihr Unwesen trieben. Und da hatten sie sie kurzerhand als Hexe bezeichnet. Wie recht sie damit hatten, stellte sich nur wenig später heraus. Einer der Männer hatte ihr die Kapuze vom Kopf gerissen, und ihre roten Haare offen gelegt. Da war alles aus. Die Menge stürzte auf sie zu, rissen ihr all das Geld aus den Händen und begannen sie wüst zu beschimpfen. Sie war verzweifelt und glaubte schon ihre letzte Stunde habe geschlagen. Die Musik in ihr reichte nicht einmal, um einen von ihnen zu besänftigen. Doch da griff erneut das Schicksal in ihr Leben ein. Dieser Adraéyu war ihr mit verzaubernder Musik und berauschendem Spiel zu Hilfe geeilt, und hatte die einfachen Geister des einfältigen Volkes recht schnell eingeschüchtert. Vielleicht war es Dankbarkeit, oder weil er sie gerettet hatte. Doch sie ließ es zu, dass sie ihn gern hatte. Und bald darauf wurde sie dafür bestraft.

Eines Tages ist Adraéyu einfach verschwunden, und seither nicht mehr wieder aufgetaucht. Sie hatte sich damals gefragt, warum er einfach verschwunden war, und ob es an ihr gelegen hatte. Lange Zeit hatte sie ihm gegrollt, und nicht geglaubt ihm vergeben zu können, dass er sie einfach alleine gelassen hatte. Und sie sich und ihrem Schicksal überlassen hatte. Doch sie hatte überlebt, und wenn sie sich ehrlich ist, ihm wohl auch vergeben. Manchmal fragt sie sich, ob sie ihn jemals wieder sehen wird?

Seither meidet sie sowohl die südlichen, als auch die westlichen Stadteile. Ihre Optionen gehen ihr langsam aus. Und sie steht nun vor der Wahl die Stadt alsbald zu verlassen. Außer, sie findet vielleicht doch einen Platz in der Stadt, an welchem sie ihrer Alchemie nachgehen kann, und vielleicht auch ein ganz normales, einfaches Leben führen könnte...

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