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Benutzername:
Aveyn
Gruppen:

Charakter

Name:
Aveyn Wil Conura
Alter:
14 (entspricht einem 21 jährigen Menschen)
Rasse:
Taurrin-Menai-Mischling
Heimat:
in der Nähe von Koseye
Aufenthaltsort:
Menainon
Waffen:
Zwille, Dolch
Inventar:
Quanchik, Steinchen, Kette, Beeren, Flachmann, Kleidung, Schlafsack, Seil, Buch, Papier+Kohlestifte, Nähzeug, Wasserschlauch

Steckbrief

Hauptaccount:

Aveyn

Name:

Darf ich mich vorstellen, Aveyn Wil Conura. Aber Aveyn reicht völlig. Ich liebe meinen Nachnamen, er bedeutet Erde. Gleichzeitig schützt er mich. Aber lange behalten werde ich ihn wohl nicht.

Rasse:

Mein Vater ist ein Menai, meine Mutter eine Taurrin. Ich bin dementsprechend eine Mischung aus Beidem.

Alter:

Ich bin gerade 14 Jahre alt geworden. Das entspricht dem geistigen Stand eines 21 jährigen Menschen. Eigentlich sollte ich auch so aussehen. Aber leider kann man mein Aussehen fast mit meinem tatsächlichen Alter gleichsetzen, da ich ziemlich jung wirke.

Aussehen

Da habt ihr einen wunden Punkt getroffen. Bei den Menai, wo natürlich alle wunderschön aussehen, falle ich sofort auf.
Wenn sie mich ansehen, erkennen die Meisten nur ein schüchternes Mädchen, das eigentlich ganz niedlich aussieht. Wie ich dieses Wort hasse! Ich wirke mit meinem aufrechten Gang und erhobenen Kopf aber auch stolz und selbstbewusst, doch nicht zu sehr, das würde eingebildet herüberkommen. Aber Freunden und der Familie entgeht der schelmische Blick in meinen Augen nicht, sie sehen die immer präsente Andeutung eines Lächelns in meinem Gesicht. Also, wenn sie mich nicht ganz übersehen.

Denn erst einmal bin ich viel kleiner als der Durchschnitt. 1,55m oder so. Aber das, und die Tatsache, dass ich so dünn bin, dass man teilweise meine Knochen sehen kann – übrigens Grund Nummer 2, warum ich oft übersehen werde -, macht mich ziemlich wendig. Dünn genug, um als kränklich durchzugehen, sehen viele Leute keine Gefahr in mir. Dass sie sich da mal nicht täuschen, denn ich bin doch ganz schön kräftig, jedenfalls für so ein zartes Ding, wie meine Freunde immer zu mir sagen.
Meine Haut ist heller als normal, aber trotzdem immer noch so dunkel, dass ich nicht nur gebräunt wirke.
Mein Gesicht ist klein und zierlich, passend zum Rest. Zierliches Stupsnäschen, das mich noch jünger wirken lässt, als ich ohnehin schon aussehe, kleine, geschwungene Lippen, mit kleinen, spitzen Eckzähnen. Das Einzige, was Einem sofort auffällt, sind meine riesigen, mandelförmigen Augen, die leicht schräg stehen. Das ist eine der wenigen Dinge, um die mich andere Menai beneiden. Das und meine Augenfarbe: strahlendes Türkis. Aber sobald der Blick sich auf meine Pupillen richtet, verschwindet der Neid. Bei grellem Licht zu Schlitzen verengt, kommt der wesentlichste Anteil der Taurrin zum Vorschein. Nachts sind sie dann stark geweitet, aber hey!, wenigstens kann ich so nachts auch etwas sehen. Ich kann zwar Farben nicht wirklich gut sehen und auseinanderhalten, aber über die Jahre hinweg habe ich gelernt, ungefähr zu erkennen, was welche Farbe ist. Jedenfalls fällt es mir schon fast gar nicht mehr auf, ich habe mich dran gewöhnt. Und wenn meine Augen dann leuchten, sehe ich manchmal richtig gruselig aus. Hihi! Ich liebe es, Leute damit zu erschrecken. Am liebsten Angestellte meines Vaters.
Meine Ohren sind sehr spitz, auf der rechten Seite trage ich drei kleine Ohrstecker, eine Perle, einen Ring und eine Muschel aus Silber.
Meine Locken sind schwarz und wellen sich bis zu meiner Taille. Die vordersten Strähnen habe ich hinten zu einem kleinen Dutt gebunden und die längeren davon kommen, mit Perlen und Quanchik verziert, wild gekräuselt, unterm Dutt zum Vorschein und liegen als Strähne über meinen anderen Haaren.
Auf der Innenseite meines linken Handgelenks befindet sich das Tattoo eines kleinen Vogels, es steht für Freiheit.
Über den anderen Arm zieht sich eine lange Narbe.
Ich trage ein luftiges Kleid aus Seide, das eine Handbreit über dem Knie endet und an einer Seite offen ist, um mir genug Beinfreiheit zu geben. Es hat die gleiche Farbe wie meine Augen und wurde mit Perlen und Muscheln verziert. An den Gürtelbändern, die ich mir locker um die Taille schnüre, an den Trägern, überall sind sie. Ich sehe damit aus wie eine Meeresprinzessin, sagte Mutter, als ich es zum ersten Mal trug. Dazu habe ich noch Armreifen und lange Ketten, auch aus Perlen und Quanchik, versteht sich. Oder wahlweise aus Silber. Und ein Lederband, an dem sich die Hälfte eines Herzens aus Silber befindet, trage ich auch um meinen Hals. Es war ein Geschenk von Yassa.
Ich laufe meist nur mit Kettchen an den Füßen herum, bei kälteren Temperaturen habe ich Sandaletten zum Schnüren.
Am Gürtel befindet sich auch noch ein kleiner Beutel mit meinen wichtigsten Habseligkeiten.

Falls ich einmal in kältere Gebiete kommen sollte, habe ich Kleidung, die mir ein Bote von Vater mal mitgebracht hat: Eine kürzärmlige hellblaue Tunika aus Seide, welche mit schwarzen Ornamenten verziert ist und eine lange blaue Hose aus Baumwolle, die an den Beinen locker liegt und erst an den Fußgelenken wieder zusammengeschnürt ist.

Waffen

Ich habe einen Dolch aus Eisen, in den Griff sind Perlen und Muscheln eingearbeitet, den ich mit einem Band an meinem Oberschenkel befestige. Man gewöhnt sich zwar nur langsam an das Gefühl, eine Waffe am Bein zu haben, aber lieber habe ich sie jederzeit griffbereit, als dass ich später ohne sie dastehe. Ich verstecke sie, wie Mutter es mir gesagt hat. Wie würde es denn aussehen, wenn ich mit einer Waffe herumlaufen würde? Vater würde sich vor den Anderen schämen! Außer dem Dolch habe ich noch eine Zwille aus Holz, mit kunstvoll eingeritzten Verzierungen, in meinem Beutel. Und ein paar Steinchen, man weiß ja nie, wo man ist, wenn man sich mal verteidigen muss.
Mit meinen Waffen kann ich mich aber gerade mal gegen Einen verteidigen. Gegen mehrere Gegner hätte ich allein keine Chance.

Inventar

In meinem Beutel befinden sich außer der Steinschleuder und den Steinchen nur ein paar Quanchik, eine Kette mit einem Raubtierzahn als Anhänger von meinem Vater, für alle Fälle ein paar Beeren und ein kleiner Flachmann, aber mit Wasser befüllt.
In meinem Lederrucksack habe ich die Sachen für kältere Regionen, einen Schlafsack, ein Seil, ein Buch, etwas Papier sowie ein paar Kohlestifte, Nahrung und Nähzeug.
Schräg über die Schulter hänge ich meinen Wasserschlauch, der an einem Band befestigt ist.

Charakter

Nach außen hin bin ich genau so, wie es von mir erwartet wird. Wie ich erzogen wurde. Denn so, wie ich wirklich bin, würde sich mein Vater für mich schämen.
Deswegen spiele ich einfach tagein tagaus die perfekte Tochter. Klar setze ich mich damit unter Druck. Ich meine, fast niemand kennt mich so, wie ich wirklich bin! Meinen Eltern fällt es nicht auf, dass ich mich verstelle. Meine Freunde allerdings merken das schon, wenn sie mich mit meinen Eltern reden sehen oder hören. Um nicht ganz verrückt zu werden, sage ich mir immer wieder, dass mich meine Freunde wirklich kennen und ich vor ihnen normal sein kann, sonst würde ich wahrscheinlich früher oder später unter dem Druck zusammenbrechen.

Wie schon gesagt, zuerst einmal wirke ich ziemlich schüchtern. Das stimmt, nach den Sitten der Menai bin ich außerdem Fremden gegenüber sehr höflich, zuvorkommend und zurückhaltend.
Jedenfalls wenn sie mir nett erscheinen. Ansonsten kann ich auch ziemlich bissig werden. Auch wenn ich die Rolle als perfekte Tochter eigentlich beherrsche, passiert es doch mal, dass ich ein paar Aussetzer habe. Zum Glück noch nie vor meinen Eltern!
Eitel, wie mein Volk, bei dem ich lebe, bin ich nicht. Aber ich achte schon auf mich. Sowohl äußerlich als auch vom Auftreten her.
Provoziert hat man mich noch nicht, ich meine, bei der Tochter eines hochgestellten Adligen wäre man schon ganz schön dumm, so etwas zu tun. Außer scherzhaft natürlich. Dann spiele ich gern mit. Aber bitte, nennt mich nicht eingebildet, verwöhnt oder verhätschelt, weil mein Vater von Adel ist. Klar wurde ich mein Leben lang beschützt und umsorgt. Aber ausgesucht habe ich es mir ja nicht. Wenn mich jemand aufgrund meines Aussehens oder meines Stammbaumes beleidigt, ignoriere ich Diejenigen so gut es geht. Da stehe ich einfach drüber.
Ich bin eigentlich ein sehr ruhiger Charakter.

Das, was ich nach außen hin wenig zeige, ist:
Ich habe meinen eigenen Kopf. Durch meine Größe denken viele, sie könnten mich herumkommandieren, denn tun kann ich ihnen ja eh nichts. Da haben sie sich aber verrechnet! Na gut, ganz so hart bin ich nicht. Ich kann bei Fremden aber auch sehr bestimmt herüberkommen. Manchmal grenzt das fast an Sturheit.
Freiheitsliebend und unabhängig, die Katzenelfen – wie sehr das auf mich passt. Nur, dass ich es nicht zeige.
Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, erreiche ich es auch. Egal wie.
Natürlich habe ich einen gewissen Stolz. Wer hat den nicht? Und um meinen Stolz zu zerstören, muss man schon harte Geschütze auffahren!
Ich würde mich schon als intelligent bezeichnen. Was ich nicht zuletzt meinen Eltern und Privatlehrern zu verdanken habe.
Ich vertraue nicht Jedem und habe ein gutes Gespür dafür, ob mir Jemand etwas Gutes will oder schlecht für mich ist.
Ich weiß nicht, ab wann ich mich mit Jemandem anfreunden würde. Bisher hatte ich ja nur Yassa und Nia. Und die kannte ich schon von Kindheit an! Ich denke einfach, Derjenige muss nett und offen sein und tolerant. Dann hat er gute Chancen. Aber ich brauche meine Zeit, um mich an Leute zu gewöhnen.
Ich bin loyal, wenn ich denjenigen kenne. Also gegenüber Freunden und Familie. Für sie würde ich einfach alles tun! Auch wenn meine Eltern manchmal unausstehlich sind. Aber sie sind nun mal meine Eltern. Ich glaube, meine Grenze wäre maximal der Tod. Denn, so makaber es klingt, tot würde ich auch nichts mehr nützen.
Ich tue nicht oft Unüberlegtes oder Riskantes, höchstens wenn ich in Gefahr bin. Was ich noch nie war, denn das Anwesen meines Vaters habe ich nie verlassen. Ansonsten denke ich meist nach, bevor ich etwas sage oder mache.
Das kommt wahrscheinlich daher, dass ich ein kleiner Tollpatsch bin. Ich schaffe es immer wieder, ins berühmt-berüchtigte Fettnäpfchen zu treten und schusselig bin ich auch ein bisschen. Manchmal sage ich auch einfach nur irgendwas Dummes oder Peinliches. Meinen Mund kann ich nur in Anwesenheit meiner Eltern halten, sonst sage ich, was ich denke. Das und meine große Neugier werden mir manchmal zum Verhängnis.
Einmal habe ich mich mit einem älteren Jungen angelegt, weil der Nia beleidigt hatte. Ich hab ihn also beschimpft und er hat daraufhin zugeschlagen. Und ich musste dann auch noch meine Eltern anlügen, wie ich zu dem blauen Auge gekommen bin. Oder als ich an der Tür meiner Eltern gelauscht hatte, die gerade besprachen, ob sie die Köchin entlassen sollten. Ich stürmte tränenüberströmt ins Zimmer und sagte ihnen, dass sie Nia nicht weggehen lassen dürften. Die beiden schauten mich streng an und hielten mir eine endlos lange Rede über Benehmen und, und, und. Und die 2 Monde Hausarrest danach hatten es auch in sich.
Zusammen mit meinen besten Freunden kann ich so sein, wie ich eigentlich bin.
Ein lustiges, nettes Mädchen, das auch oft über sich selbst lacht.

Natürlich halte ich mich an die kleinen Rituale und verehre die Natur, denn die Götter sehen alles! Überall um uns herum ist Magie, in jeder noch so kleinen Pflanze. Ich passe genau auf, dass ich die Götter nicht erzürne. Ich bete zwar nicht oft, aber ich bin gewillt, nichts zu tun, was den Göttern als entwürdigend erscheint. Unser Schutzgott lebt auf dem Conura, dem Berg, bei dem wir wohnen.
Klar akzeptiere ich andere Religionen, solange sie die Meine nicht schlecht machen oder selbst nicht tolerant sind.

Unsere Politik…naja, ändern kann ich sie nicht. Ich halte mich an die Gesetze und Vorschriften, erhebe meine Stimme nicht gegen den König und das war´s. Zufrieden bin ich nicht. Vor allem nicht mit den Kasten. Denn so toll mein Leben auch ist, andere Leben in Armut. Und das nur, weil sie in Armut geboren worden sind. Außerdem verbieten es diese zumindest einigen Menschen, ihre wahre Liebe zu heiraten. Sie werden gezwungen. Ich werde gezwungen.
Ich bin geschickt darin, Leute zu überreden. Egal um was es geht. Ob das an meinem Charme liegt (falls ich welchen habe) oder daran, wie ich mit den Wörtern spiele, weiß ich nicht.

Würde ich weggehen, würde sich mein Charakter wahrscheinlich von Grund auf ändern, in welche Richtung, keine Ahnung. Ich war halt noch nie in Situationen, in denen es richtig ernst wurde. Ich bin zwar nicht feige oder schwach, aber ob ich lange überleben würde, weiß ich nicht.

Ich weiß gar nicht, wovor ich Angst hätte. Bis jetzt hatte ich noch keinen Grund, mich mit so etwas zu beschäftigen. Obwohl, ich denke, das Schlimmste für mich wäre glaube ich, wenn ich meine Eltern enttäuschen würde. Oder sie wegen mir unglücklich wären. Ich denke, das grenzt schon an Angst. Und dass ich meine Freunde verliere. Ohne sie würde ich zerbrechen.
Manchmal wünsche ich mir, frei zu sein. Damit kommen wir wieder zu der Frage, was dann mit mir passieren würde. Aber ich weiß nicht, wie lange ich noch hier bleiben kann.



Fähigkeiten

Das Erste ist wohl, dass ich lesen und schreiben, sowie rechnen kann. Darauf wurde viel Wert gelegt. So wie auf meine Kenntnisse zur alvaranischen Geschichte.
Dann bin ich schnell, sowohl körperlich als auch geistig; und wendig, kann gut klettern und schwimmen. Trotz meiner Größe bin ich verhältnismäßig stark. Also, auf jeden Fall etwas stärker als Gleichgroße. Gegen Einen musste ich mich schon behaupten, es war zwar kein richtiger Kampf, eher wollte er mir seine Überlegenheit demonstrieren, aber da hat es sich mit der Falschen angelegt! In den Bäumen hinter unserem Haus habe ich es gelernt, wie eine richtige Katzenelfe von Ast zu Ast zu schwingen, zu hangeln oder zu klettern. Eigentlich kann ich mich im Falle eines Sturzes abfangen und so schlimmere Verletzungen vorbeugen. Doch öfters verschätze ich mich im Schwung und der Wucht des Aufpralls, weshalb ich mir auch öfters mal was stoße oder so.
Ich bin nicht zimperlich, kann einiges ab und nehme Verletzungen ohne großes Gejammer in Kauf.
Meine Ausdauer ist mir da ein Dorn im Auge. Auf kurzen Strecken ist alles, was ich gerade gesagt habe, richtig. Auf lange Zeit aber kann ich nicht so schnell laufen. Ich bin zu schnell aus der Puste, wenn ich Schnelligkeit und Weite miteinander verbinden will. Es liegt nicht an mir, es ist fast wie eine Krankheit. Man kann es mit den Drachenerben vergleichen. Ich kann nach kurzer Zeit nicht mehr. Ändern lässt sich das nicht, es ist angeboren.
Ich kann stehlen. Seit Mutter mir erzählt hat, dass die meisten Taurrin das in der Stadt so machen, habe ich mich daran versucht. Natürlich habe ich nur der Köchin mal etwas Kleines aus der Tasche stibitzt und es ihr danach wiedergegeben, aber ich wollte auf alles vorbereitet sein. Wer weiß, wann ich es mal brauche.
Ich interessiere mich für Medizin, so wie alle in der Familie väterlicherseits. Mein Vater ist einer der besten Mediziner ganz Menaions. Ich erkenne ein paar wichtige Pflanzen auch in der Wildnis, ansonsten beherrsche ich den praktischen Teil der Medizin eher wenig. Daran übe ich noch.
Zwar bin ich nicht völlig unbegabt im Handwerk, aber meistens wird mir alles abgenommen. Ich kann nähen, aber nur sehr wenig. Immerhin reicht es, um meine Sachen auszubessern und Löcher zu flicken.
Meinen Dolch benutze ich nur im Notfall. Ich kann zwar mit ihm umgehen, gegen starke Gegner hätte ich damit aber keine Chance. Im Nahkampf hatte ich Unterricht, sodass ich zwar weiß, wie ich ihn einsetzen könnte, aber ich will nicht unnötig Blut vergießen. Dann weiche ich lieber aus und mache mir meine anderen katzenelfischen Talente zum Vorteil. Mit der Steinschleuder umzugehen hat mir mein bester Freund gezeigt. Ich bin relativ treffsicher, nur auf große Entfernungen habe ich meine Probleme. Mit anderen Waffen kann ich gar nicht umgehen. Die meisten sind zu groß und zu schwer.
Ich kenne ein paar Heilpflanzen, die mein Vater mir gezeigt hat und die man für die Medizin braucht. Ansonsten bin ich eigentlich nicht fürs Wildnisleben geschaffen. Jedenfalls nicht allein. Ich bräuchte jemanden, der sich auskennt.
Ich kann reiten, tanzen und singe gern. Und eigentlich auch gar nicht so schlecht. Meine Freunde sagen sogar, ich bin richtig gut.
Reiten kann ich allerdings nur auf meiner Stute, da sie kleiner ist als normale Pferde. So kann ich mich fast problemlos auf sie drauf schwingen und losgaloppieren.
Natürlich beherrsche ich das alles nicht perfekt, oh nein. Sooft, wie ich nicht zum Unterricht gegangen bin, grenzt es eigentlich schon an ein Wunder, dass ich überhaupt so viel lernte. Aber die Grundlagen für alles oben Genannte besitze ich. Der Ausbau meiner Fähigkeiten ist mir zwar schon ein Stück weit gelungen, jedoch muss ich noch viel üben.
Was ich schade finde, ist, dass ich weder Karten, noch Fährten lesen kann. Das wäre wenigstens mal was nützliches, was man mir hätte beibringen können. Nicht so wie der Benimmunterricht. Außerdem kann ich bis auf ein paar Brocken Elfisch, die ich bei meiner Mutter aufgeschnappt habe, nur Menon-Enemisch sprechen. Das wird mir in der großen weiten Welt nicht viel nützen, denke ich.
Im Umgang mit Geld bin ich nicht geübt. Ich habe ja immer alles bekommen, was ich wollte.
In der Wildnis würde ich wahrscheinlich gerade einmal ein paar Tage überleben. Denn meine Kenntnisse vom Überleben sind ja sehr gering. Aber, vielleicht bin ich ja auch so etwas wie der geborene Überlebenskünstler. Wer weiß das schon? Ausprobiert habe ich es bis jetzt auf jeden Fall noch nicht.


Magie/Zauber

Habe ich einen spitzen Hut und einen langen Umhang? Nein, ich kann und will nicht zaubern. Aber nicht, dass ich etwas gegen die hätte, die es können. Vielleicht bin ich auch ein kleines bisschen neidisch…




Vergangenheit

Mein Vater, der adlige Menai Cinduj Wil Conura, lernte meine Mutter Shariyn vor ungefähr 15 Jahren kennen. Irgendwo in der Nähe von Ikhal trafen sie sich. Also, eigentlich traf mein Vater zuerst auf eine Bande von Räubern, die ihn bestehlen wollten. Meine Mutter hatte meinen Vater zuvor schon beobachtet und sah so auch den Raubzug. Sie rettete ihn vor dem Überfall, indem sie sich den Räubern stellte und sie verjagte. Dann sprach sie mit Vater. Es war Liebe auf den ersten Blick. Auch wenn Vater wusste, dass er als Adliger das Blut der Menai verschmutzen würde und Getuschel und Spott über sich ergehen lassen müsste, wenn er eine Taurrin heiratete, nahm er Mutter mit zu sich auf sein kleines Anwesen in Koseye. Mutter nahm die Religion der Menai nie gänzlich an. Sie übernahm zwar die Sitten, wahrscheinlich nur Vater zuliebe, wie ich denke. Aber an die Götter glaubte sie nicht. Ab und zu überkam sie der Freiheitsdrang, dann verschwand sie manchmal für ein paar Tage im Wald. Aber das stand dem Glück nicht im Weg. Die beiden heirateten nur wenige Monate später. Was keiner der Beiden wusste – zu diesem Zeitpunkt war Mutter schon schwanger, mit mir.
Die Schwangerschaft war sehr überraschend für Vater und auch ein bisschen für Mutter, weil sie es sich bis zum letzten Zeitpunkt nicht eingestehen wollte, schwanger zu sein.
Sie hatte wohl zu viel Angst, dass man mich nicht mögen würde unter den Adligen, so wie sie sie nicht mochten. Aber nach ein paar Monaten war die Tatsache unleugbar.

Geboren wurde ich noch in Koseye. Aufgewachsen bin ich ein Stück abseits der Stadt, auf einem Anwesen, das am Fuß des Gebirges liegt. Genaugenommen am Berg Conura. Daher der Nachname. Vater kaufte das Anwesen kurz nach meiner Geburt, um mich zu schützen und mir das Bestmögliche zu bieten, was sie hatten. Was sehr viel war. Denn das Haus ist riesig und wir beschäftigten sogar ein paar Angestellte. Aufgezogen wurde ich von meiner Mutter und meinem Kindermädchen Olea. Mit der schon etwas älteren Menai verbrachte ich die meiste Zeit meines ersten und zweiten Lebensjahrs, während mein Vater sich mit der Medizin beschäftigte und meine Mutter, ab dem Punkt, an dem ich durchschlief, sich um alles andere kümmerte.
Olea brachte mir das Laufen und Sprechen bei.
Und da sie ihren, von der Entwicklung her ungefähr gleich alten, Enkel aufzog, hatte ich auch sofort einen Spielkameraden. Mein bis heute bester Freund Yassa. Mit ihm und der Tochter der Köchin, Nia, verbrachte ich meine Kindheit. Als ich vier wurde, nahm Mutter mich mit in unseren großen Garten, der an einen Wald grenzt, und zeigte und erklärte mir die Natur. Sie erzählte mir von den Göttern und dass jede Pflanze und jedes Tier von ihnen beschützt wurde. Von da an brachte sie mir auch die kleinen Rituale bei: einen Teil des Getränkes auf den Boden zu schütten und es so den Göttern als Opfer darzubringen oder meinen neuen Schmuck eine Nacht, bevor ich ihn das erste Mal trug, auf die Erde zu legen.
Und natürlich, mir vor dem Beten, womit ich schon sehr früh anfing (obwohl ich es da noch nicht so recht verstand), das Gesicht zu waschen.
Mit ungefähr fünf Jahren lernte ich das Lesen, Schreiben und einfaches Rechnen.
Ich war sehr schlau, also konnte ich es relativ schnell fehlerfrei. Das war auch die Zeit, in der ich meine Eltern immer weniger zu Gesicht bekam. Wir sahen uns seitdem eigentlich nur noch beim gemeinsamen Essen.
Eines Tages hörte ich Mutter singen, mit einer so wunderschönen Stimme, dass es mich verzauberte. Unbedingt wollte ich das auch können. Also bekam ich Gesangsunterricht. Natürlich hatte ich nebenbei noch Zeit, mit Yassa und Nia zu spielen. Manchmal schlichen wir uns abends in die Küchen und klauten etwas vom Kuchen. Das war immer am Besten.
Während meines siebten Lebensjahrs brachte mir Olea das Nähen bei. Nur für alle Fälle, sagte sie. Das musste auch reichen! Denn wirklich gut nähen kann ich bis heute nicht und ich habe lange gebraucht, um selbst den einfachsten Stich richtig anzufertigen. Das regte mich so auf (denn geduldig war ich noch nie), dass ich anfing, verbissen zu üben, und dann schaffte ich es irgendwann doch. Außerdem bekam ich wöchentlichen Besuch von Lehrern, die mein Benehmen und mein Wissen schulen sollten. Die Ärmsten! Ich glaube, sie hatten noch nie einen so schlimmen Fall wie mich. Denn als Kind war ich noch ganz schön aufgedreht. Aber mit der Zeit lernte ich, mich zu beherrschen. Ein sehr langwieriger Prozess! Und mir das alles beizubringen war für die Lehrer und für mich hart. Denn da ich es nicht lernen wollte, tat ich mich dementsprechend schwer. Meiner Freizeit musste ich leider fast gänzlich Lebewohl sagen. Machen, wonach mir war, konnte ich nur ein paar Stunden wöchentlich. Als ich acht wurde, kamen zum wöchentlichen Unterricht noch die Ausflüge in den Wald mit meiner Mutter hinzu. Oft wagten wir uns tief hinein und blieben über mehrere Nächte dort. Sie schenkte mir dafür einen Schlafsack aus Fell, falls es kalt werden würde, aber das Fell war nur sehr dünn, sodass ich auch nicht schwitzte, wenn ich ihn bei wärmeren Temperaturen benutzte. Dort in den Bäumen zeigte sie mir, wie ich sicher klettern, hangeln und springen konnte. Einmal bin ich abgerutscht und fast drei Meter in die Tiefe gefallen, bevor ich einen Ast zu fassen bekam. Dabei schürfte ich mir den Arm von Oben bis unten komplett an einem abgebrochenen Ast auf. Der Kratzer war so tief, dass ich bis heute eine Narbe davon habe. Auch brachte sie mir im See das Schwimmen bei. Schnell und wendig war ich schon immer, vor Allem, weil ich so klein war. Oft kam ich mit Schrammen nach Hause, die ich dann vor Vater verstecken musste, denn er wusste nichts von diesen Ausflügen. Manchmal wagte ich mich dann auch allein in den Wald, kam meist unbemerkt wieder zurück, doch einmal war es anders. Ich lief zu weit hinein, ohne es zu bemerken. Dann kletterte ich auf einen Baum, der alle anderen überragte. So weit, so gut. Ich konnte den gesamten Wald überblicken. Als ich dann wieder runtergehen wollte, überkam mich die Angst. Von unten hatte das gar nicht so hoch ausgesehen! Und waren die Äste beim hinaufklettern auch nur so dünn gewesen? Zitternd klammerte ich mich an den Stamm und traute mich es nicht, auch nur die kleinste Bewegung zu machen. Die Stunden vergingen und die Sonne ging mit ihnen. Und immer noch saß ich unbeweglich auf dem Baum. Bald würde man sich Sorgen um mich machen… Aber! Das war schlecht! Wenn Vater bemerken würde, dass ich zum Abendbrot nicht da war, würde er Fragen stellen. Mit neuem Mut – Oder nur der Angst vor etwas schlimmeren als dem Absturz, nämlich den Fragen von Vater? – kletterte ich so langsam und ruhig es eben mit zitternden Händen geht hinunter. Ungefähr vier Meter über dem Boden (So genau wollte ich das gar nicht wissen!) verlagerte ich zu viel Gewicht auf einen Fuß und der Ast brach. Der Schock meines Lebens! Ich war so froh, dass ich auch in dieser Situation alle Sinne beisammen hatte, denn ich griff sofort nach einem weiteren Ast und bekam ihn, schon im Fall, zu fassen. Ich zog mich etwas hoch und griff auch mit der anderen Hand nach dem Ast. Dann hangelte ich mich bis zum Stamm, griff nach ihm, umarmte ihn und ließ mich langsam hinunter gleiten. Als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, lief ich so schnell es ging nach Hause und kletterte durch ein Fenster in mein Bett. Meinem Vater sagte ich, mir wäre unwohl gewesen. Nach diesem Erlebnis beschloss ich, den Wald erstmal für eine Weile zu meiden. Yassa und Nia überragten mich um mehrere Dezimeter. Die Zeit verging und mein neunter Geburtstag kam. An ihm bekam ich eine junge Stute geschenkt, die ich Perse taufte. Nun hatten meine Lehrer mich noch öfter am Hals, da sie mir jetzt auch das Reiten beibrachten. Von meinen Eltern sah ich nur beim Essen etwas. Oft kamen andere Adlige zu uns, feierten Feste oder redeten einfach nur. Stundenlang. Ich verhielt mich immer perfekt, blieb still und sprach nur, wenn ich aufgefordert wurde. Bis ich endlich mit dem Satz: „Schatz, geh doch in dein Zimmer und spiel!“ erlöst wurde. Falls die Menai ein Problem mit mir (also besonders mit meiner Rasse oder meinem Aussehen) hatten, ließen sie es sich nicht anmerken. Und bis auf die Angestellten und meine Freunde, denen es egal war, hatte ich keinen Kontakt zur Außenwelt. Also auch Niemanden, der mich hassen könnte.
Eines Abends erzählte mir Mutter, wie Taurrin eigentlich lebten, wie sie lebte, bevor sie Vater fand. Ich hörte davon, dass sie in Städten stahlen, sie sozusagen genetisch dazu veranlagt waren. Wir, meine ich. Am nächsten Tag musste ich es natürlich sofort ausprobieren und steckte die Brosche von Olea ein, als sie nicht hinsah. Natürlich gab ich sie ihr wieder, aber meine Neugier war geweckt. Würde ich es schaffen, alle auf dem Anwesen zu bestehlen, ohne dass es auffiel? Also übte ich. Leider erwischte mich einmal unser gruseliger Bote, dem ich einen kleinen Schlüssel stahl. Er herrschte mich an, was ich mir einbildete. Und dieser komische Mann hatte mich damals Zehnjährige schon ganz schön erschreckt. Als ich dann erwiderte, dass es nur ein Spaß war und ich ihm den Schlüssel bestimmt nicht ernsthaft gestohlen hätte, schüttelte er nur den Kopf und schaute mich mit seinen irren Augen an. Ich dachte mir, dass ich ihn erstmal meiden würde, und so schnell habe ich nichts mehr geklaut.
Einmal im Esszimmer, ich war 11 Jahre alt, fragte Vater, ob ich ihn nicht morgen einmal in seinem Arbeitszimmer besuchen würde. Ich bedankte mich höflich und sagte zu. Innerlich kreischte ich vor Freude. Seit Jahren wollte ich schon dort hinein, neugierig wie ich war. Aber immer wurde es mir verboten. Was mich natürlich noch neugieriger machte. Also ging ich den nächsten Tag mit strahlendem Lächeln in den Arbeitsbereich meines Vaters und klopfte an die Tür. Sie öffnete sich und ich betrat einen Raum voller Bücher, Kräuter und meinem Vater. Ich war mir sicher, wenn ich mich jetzt gut anstellte, würde ich viel Zeit mit ihm zusammen verbringen. Während er mir also einen einführenden Vortrag in die Medizin und Heilkunde hielt, lächelte ich, nickte, gab an passenden Stellen Kommentare ab oder stellte Fragen. Eigentlich interessierte es mich nicht. Vater dachte da wohl anders. Denn er lud mich dazu ein, wöchentlich herzukommen und von ihm zu lernen. Das Angebot nahm ich allein schon deshalb an, um länger bei ihm zu sein. Ich saß also ein Mal in der Woche im Arbeitszimmer meines Vaters und lauschte seiner Stimme. Irgendwann fand ich ganz spannend, was er erzählte, als ich mich einmal darauf und nicht nur auf den Klang seiner Stimme konzentrierte und seitdem höre ich ihm zu und lerne von ihm. Die Pflanzen und Kräuter habe ich zu Anfang oft verwechselt, einmal wollte ich eine Beere essen, die mich fast umgebracht hätte. Dann beschloss ich, etwas vorsichtiger zu sein und genauer hinzuschauen. Nicht, dass ich eines Tages jemand anderen auf dem Gewissen habe! Vater will, dass ich später mal seine Arbeit übernehme. Das wird sich noch zeigen…
Mit 12 empfand ich meine unzähligen Unterrichtsstunden einfach nur als nervig. Also schwänzte ich den Unterricht bei meinen Privatlehrern (natürlich nicht bei meinen Eltern) und ignorierte sie, wenn sie mir Strafpredigten hielten. Ich meine, ich konnte das eh schon lange. Benimmregeln am Tisch, Höflichkeit, Benehmen gegenüber Fremden, Geschichte Alvaranias, tanzen und hinzu kam auch noch ein Unterrichtsfach mit Namen: „Die perfekte Ehefrau Menaions“, um mich auf meine Zukunft als Hausfrau vorzubereiten… Wer braucht das alles schon? Ich ging aber weiterhin zum Reitunterricht bei ihnen, denn meine Lehrerin hatte ich lieb gewonnen. Meine Eltern wussten nichts von meinem Schwänzen, da sie nach wie vor nur sehr wenig für mich Zeit hatten. Aber manchmal, so wie hier, habe ich mir das zum Vorteil gemacht. Denn so streng wie Vater war, hätte er mir so etwas sicher nie durchgehen lassen. Mutter war da schon etwas anders, sanfter und netter, sie hätte es mit Sicherheit nachvollziehen können. Da sie als Kind keine richtige Erziehung hatte, denn ihre Mutter starb früh und so war sie sich selbst überlassen worden, musste sie sich auch erst an feste Regeln gewöhnen.
Die Zeit, in der ich nicht zum Unterricht ging, verbrachte ich mit meinen Freunden.
Nia war schon so alt, dass sie hier selbst arbeitete, als eine Art Zofe von mir. Oder als laufender Terminplaner, je nachdem, in was für einer Stimmung sie war. Yassa wurde in Koseye zum Krieger ausgebildet. Also waren meist nur wir Mädchen da. Aber wenn Yassa zwischendurch wieder zuhause war, brachte er mir den Umgang mit Waffen bei. Er hatte eine Zwille geschnitzt, aber da er selbst kein Holz als Waffe haben durfte und das ja sowieso keine richtige Waffe war, schenkte er sie mir. An den Nachmittagen übten wir meine Treffsicherheit, während ich eigentlich die endlos lange Liste von früheren Königen Menaions herunterbeten sollte. Als wir gerade an einem weit entfernten Ziel übten, und ich schon am abfeuern war, kam Nia zwischen mich und das Ziel gelaufen. Das Üble war nur, dass das Steinchen sich schon auf dem Weg in ihre Richtung befand. Nia konnte nicht rechtzeitig ausweichen und der Stein traf sie mit voller Wucht an die Stirn. Wir sind sofort zu ihr gelaufen und haben sie umsorgt, denn so wie sie geweint hat, tat das bestimmt ganz schön weh. Die Zwille steckte ich an dem Tag in das hinterste Regalfach in meinem Zimmer und holte sie erst ein paar Monate später wieder heraus, von jetzt an sorgsam darauf bedachtet, dass mir nicht noch einmal jemand dazwischen kommt.
Eines Tages waren wir nicht vorsichtig genug und meine Mutter erwischte uns. Ich machte mich schon innerlich auf eine Predigt gefasst, aber alles, was sie sagte, war: „Du musst den Arm gerade halten.“ WOW! Meine Mutter hatte überhaupt kein Problem damit. Sogar im Gegenteil: Sie kam öfters vorbei und gab mir Ratschläge, wie ich meine Technik verbessern konnte. Sie als Katzenelfe kannte sich ja schließlich aus. Auch schenkte sie mir ein paar Monate später einen Dolch, der Griff besetzt mit Muscheln und Perlen, genauso wie meine Gewänder. Und sie zeigte mir, wie man ihn benutzte. Mutter meinte, es wäre gut, ihn immer bei mir zu haben, für alle Fälle. Sie würde mich dadurch sicherer wissen. Also band ich ihn mir mit einem breiten Band um den Oberschenkel, jederzeit griffbereit.
Eines Tages, mit 13, ging ich in den Wald, um zu klettern. Da fand ich, auf dem Boden zusammengerollt, ein kleines Wolfsjunges. Da ich seine Mutter nicht sehen konnte, nahm ich es hoch und lief schnell nach Hause. Dort zeigte ich es Vater, denn ich hatte auf dem Weg bemerkt, dass es an der Pfote blutete. Die Diagnose lautete Knochenbruch. Mein Vater verband der Kleinen (Vater meinte, es ist ein Mädchen) die Pfote und meinte zu mir, dass sie wohl eine Weile hier bleiben müsste. Was so viel bedeutete, wie: „Du darfst sie behalten.“ Überglücklich nahm ich die Kleine mit in mein Zimmer und pflegte sie mit voller Hingabe. Aber erstmal musste ich die Kleine erziehen, was mich ganz schön viel Zeit und Nerven kostete. Aber Nia hilf mir, wo sie nur konnte. Natürlich vergaß ich meine Pflichten nicht. Ich ging weiterhin zum Unterricht, auch zum Benimmunterricht, was ich aber weniger freiwillig tat. Das alles unter einen Hut zu bekommen war zwar äußerst schwierig, oft war ich übermüdet und passte nicht richtig auf, aber am Ende habe ich doch alles so halbwegs hinbekommen. Nach zwei Monaten ging es der Wölfin wieder gut. Sie war ein gutes Stück gewachsen, schon so groß wie ein ausgewachsener Hund. Als ich sie wieder freilassen wollte, wenn auch schweren Herzens, weigerte sie sich zu gehen. Ich probierte es noch ein paar Mal, dann gab ich auf. Es hat mich zwar eine ausführliche Erklärung, warum der Wolf noch da war, und viele Überredungsversuche gekostet, aber am Ende durfte ich die Wölfin behalten. Richtig kümmern brauchte ich mich nicht, wenn sie fressen oder laufen wollte, ging sie einfach nach draußen und in den Wald. Ansonsten folgte sie mir auf den Fersen. Egal wohin ich ging, sie kam hinterher. Meine Mutter nannte sie immer nur Core, was „die Anhängliche“ heißt. Also nannte ich sie bald auch Core und der Name ist geblieben. Core hat noch nie auf mich gehört. Sie machte immer, was sie wollte. Oft hatte ich Probleme mit ihr, einmal hat sie mein ganzes Zimmer verwüstet, mehrmals die Vorratskammer geplündert, aber irgendwann, nach vielen Standpauken, hat sie gelernt, so etwas nicht mehr zu tun. Sie ist immer noch ein kleiner Wildfang, aber solange sie am Tag ein paar Stunden draußen ist, hält sich das in Grenzen. Schlimm wird es nur, wenn sie sich nicht austoben kann. Jetzt ist sie eigentlich recht friedlich und sehr anhänglich, am Tag nur mal ein paar Stunden weg, um in den Wald zu gehen, dann ist Core schon wieder an meiner Seite.

Am Morgen meines 14. Geburtstages erhielten wir Post von einem anderen Adligen. Wir, also mein Vater und ich, wurden aufgefordert, ihm einen Besuch abzustatten, denn er war gerade in der Nähe, erzählte mir Vater. Ich wunderte mich, was der Adlige von mir wollte, aber ich konnte ja schlecht absagen. Also begab ich mich ein paar Tage später ordentlich zurecht gemacht mit meinem Vater die Residenz des Adligen am Strand von Koseye. Die Umgebung nahm ich gar nicht wahr, denn ich war nun wirklich fieberhaft am Überlegen, was er von mir wollte. Eine Frau wartete im Eingangsbereich auf uns und bedeutete meinem Vater, nach oben zu gehen. Dort würde man ihn in Empfang nehmen. Ich sollte bei ihr bleiben und mit ihr gehen. Ganz wohl war mir bei der Sache nicht, aber ich folgte der Frau brav durch die langen Gänge bis vor die letzte Tür. Sie klopfte an, ich hörte ein durch die Tür dumpf klingendes „Herein!“ und die Frau öffnete die Tür. „Hier ist sie.“, sagte sie in den Raum hinein, und zu mir: „Keine Angst, ihr sollt nur ein bisschen Zeit zusammen verbringen, um euch näher kennen zu lernen.“ OK, ich war verwirrt. Trotzdem ging ich durch die Tür und traf auf einen Jungen, der in etwa in Yassa´s Alter sein musste. Er lächelte mich an und bedeutete mir, mich zu ihm zu setzen. Ich nahm mit etwas Abstand zu ihm Platz und sah ihn misstrauisch an. Er begann, von sich zu erzählen. Zugehört habe ich ihm nicht. Ich weiß noch, dass er ein Freund der Astronomie ist, weil er mir eine gefühlte Stunde davon sprach. Dann machte er eine Pause und fragte, warum ich so schweigsam wäre. Er forderte mich auf, etwas über mich zu erzählen. Aber was? Viel wichtiger war doch, warum ich hier war und diesen jungen Mann, den ich vorher noch nie gesehen hatte, kennenlernen sollte. Da stimmt doch irgendetwas nicht. Bevor ich ihn fragen konnte, warum ich hier war, öffnete sich die Tür und die Frau von vorhin trat herein. Sie sollte mich abholen und mich zurück zu Vater bringen. Ich stand schnell auf und lief ihr hinter her, einfach nur schnell weg von dem Jungen. Auf dem Weg nach Hause fragte mich Vater über ihn aus. Ich antwortete jedes Mal, es wäre interessant, ihn kennengelernt zu haben. Was ja auch stimmte. Positiv gemeint war es aber nicht, das musste Vater allerdings nicht wissen. Heute erhielten wir den nächsten Brief. Meine Eltern lasen ihn und Vaters Gesicht wurde immer fröhlicher, Mutters dagegen verdunkelte sich kaum merklich. Als ich fragte, was denn da so erfreuliches stand, klärte Vater mich zu gern auf. „Sie haben dich angenommen, Liebling. Der junge Mann, bei dem du vor ein paar Tagen warst, hat zugestimmt dich zu heiraten!“ WAS? Das kann doch nur ein Scherz sein. Sie können mich doch nicht einfach irgendeinen wildfremden Mann heiraten lassen. Oder doch? Verängstigt und Hilfe suchend schaute ich zu Mutter, aber sie nickte nur traurig.
Das war´s. Es ist aus. Mein Vater hat mein Leben zerstört.
Wütend stand ich auf und verließ den Raum. Ich ging auf mein Zimmer und ließ dort den Tränen ihren Lauf.
Und hier liege ich nun, weinend und mit der Gewissheit, dass mein Leben verdorben worden war. Was soll ich jetzt nur tun? Dann kommt mir eine Idee. Ich könnte weglaufen. Aber ob ich das überleben würde, ist fraglich. Mir fällt aber kein anderer Ausweg ein.
Also krame ich aus meinem Schrank den alten Lederrucksack hervor. In meinem Beutel an meinem Gürtel habe ich alles Wichtige, dort stecke ich nur noch schnell ein paar Quanchik hinzu. Dann hole ich meine Sachen aus der Eiswüste und lege sie in den Rucksack. Wer weiß, wohin mich mein Weg führt. Dann nehme ich meinen Schlafsack aus Fell, den ich noch von den früheren Ausflügen mit meiner Mutter habe, Proviant & einen großen, gefüllten Wasserbeutel, ein bisschen Nähzeug, ein Buch und ein Seil und werfe alles in den Rucksack. Bis auf den Wasserbeutel, den hänge ich mir um. Ich ziehe meine Sandaletten an und schleiche mich leise nach draußen. Im Wohnbereich liegt eine Kette von Vater, ein Raubtierzahn an einem Lederband. Ich binde sie mir um und gehe weiter. Im Esszimmer nehme ich mehrere Kohlestifte und Papier, stecke auch hiervon etwas in den nun schon überfüllten Rucksack und schreibe noch einen letzten Brief an meine Eltern. Tränen strömen über mein Gesicht, als ich von ihnen Abschied nehme. Dann schleiche ich mich nach draußen in die Ställe und sattle Perse. Dabei treffe ich auch auf Core. Sie muss wissen, dass ich nicht wiederkommen werde, denn sie folgt mir als ich los reite und weicht nicht von meiner Seite, als ich den Weg nach Koseye einschlage, um Yassa zu suchen. Vielleicht kann er mir helfen. Meine Eltern wissen nicht, wo er wohnt, ich glaube, sie haben nicht mal richtig wahrgenommen, dass er nicht mehr da war. Das sähe ihnen jedenfalls ähnlich. Und was ich mit Perse machen soll, weiß ich noch nicht. Vielleicht kann ich sie ja irgendwie tarnen…
An seinem Zimmer, das er in dem Haus, welches für die auszubildenden Krieger als zuhause dient, angekommen, klopfe ich an die Tür und hoffe, dass Yassa noch nicht schläft. Core ist mir bis hierher gefolgt, mit treuen Augen schaut sie mich an. Ich höre ein Rumpeln, so als ob etwas umkippt und dann Schritte. Als Yassa die Tür aufmacht und mich dort sieht, schaut er ganz schön verdattert. „Darf ich reinkommen?“, fragte ich ihn mit schüchternem Lächeln. Noch nie war ich im Zimmer eines Anderen gewesen. Das gehört sich nicht. Aber im Moment sind mir die Normen meiner Eltern egal. Da Yassa noch zu verwirrt ist, um zu reden, nickt er einfach nur. Ich setze mich auf einen Stuhl und er nimmt auf seinem Bett Platz. Core trottet in eine Ecke des Zimmers und rollt sich dort zusammen. Ich erzähle Yassa, was passiert ist und kann die Tränen nicht zurückhalten. Er kommt zu mir und nimmt mich in den Arm und versichert mir, dass ich für eine Weile bei ihm wohnen dürfte. Dankbar sehe ich ihn an. Wir reden noch ein bisschen, bevor ich müde den Schlafsack aus meinem Rucksack nehme und es mir auf dem Boden gemütlich mache. Mein letzter Gedanke bevor ich einschlafe, ist, wie es jetzt mit mir weitergehen soll. Ich habe keine Ahnung, was als Nächstes passiert.


Restliches

Ich habe einen Wolf, Core, und ein Pferd von den Wüstenelfen, eine prächtige Falbenstute, Perse.
Ich esse kein Fleisch. Denn Tieren das Leben zu nehmen, finde ich, ist ein Verrat an meine Götter.

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