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Totenhorcher
Avatar: Sandara

Profil

Benutzername:
Nor
Alter:
39
Gruppen:

Charakter

Name:
Nor, der Totenhorcher
Alter:
44
Rasse:
Ork/Werwolf
Heimat:
die wilden Lande
Aufenthaltsort:
Nördliche Weite
Waffen:
Giftkralle, Zähne&Klauen
Inventar:
Asche der Toten

Steckbrief

Beinamen: Brudermörder, Krähenfresser

Aussehen:
Nor hat, für einen Ork seines Stammes, eine ziemlich dunkle Haut. Wobei man auch nicht behaupten würde, dass sie schwarz wäre. Doch die Farbe seiner Haut ist nicht das besondere an Nor. Sondern die unzähligen, weißen Symbole und orkischen Zeichen, welche seine Haut zieren. Besonders auf den Armen hat er so viele davon, dass man nur mehr wenig von seiner schwarzen Haut sehen kann. Diese Zeichen hat er sich mit einer scharfen Knochennadel mit dem Harz des Milchbaumes, wie er in den Landen der Orks genannt wird, unter die Haut gestochen. Aber viele dieser Zeichen sind inzwischen von Haaren überwuchert worden, denn Nor ist mehr als nur ein Ork. Auf ihm lastet der Fluch des Mondes und in seinen Adern wütet das Blut eines Werwolfes. Und nach jeder Verwandlung, die er in den letzten elf Jahren durchleben musste, blieb immer mehr Wolf in seinem orkischen Körper zurück, und so auch die kräftigere Statur, eine starke Körperbehaarung und zunehmend wölfische Züge. Sein linker Arm weißt viele haarlose, vernarbte Stellen auf. Während am Oberarm die Narben an tiefe Kratzer erinnern, ähneln die Narben an seinem Unterarm eher tiefen Bisspuren, als ob ein wildes Tier sich darin verbissen hätte. Er selbst könnte heute nicht mehr sagen, welche Augenfarbe er einst wohl gehabt haben musste. Wenn er heute in den Spiegel eines Sees blickt, kann er nur die Augen eines wilden Tieres im Wasser erkennen, welche ihn animalisch anstarren. Die Iriden seiner Augen schimmern, im Schatten seiner Augenhöhlen, golden. Beinahe wie dreckiges, geschmolzenes Gold in einer Esse. Sein Gesicht ist hart, markant und auch ein wenig grob. Wie es bei den Orks eben so ist. Und doch, wenn man genauer hinsieht und weiß, worauf man achten muss, kann man wildere, animalischere Züge bemerken. Sein Unterkiefer, wie auch seine Nase wirken leicht vorgeschoben, als ob der Knochen nach einem groben Bruch schlecht zusammen gewachsen wäre. Auch seine Ohren laufen spitzer zu, als es für Orks eigentlich üblich wäre. Und seine Wangenknochen treten kaum mehr hervor. Und wenn er lächelt, dann blitzt das wölfische Erbe einem förmlich entgegen. Unscheinbar und ungewiss, und doch ist es kein Ork, der einen da anlächelt. Seiner Stimme haftet ein dezentes Grollen an, als ob er die Zunge rollen würde, und wenn er lacht, dann klingt es beinahe als ob ein verhallendes Knurren aus seinem Rachen tönt.

Bevor er um Werwolf wurde, hatte Nor ebenfalls ein auffälliges Gesicht, nach den Maßstäben der Ork. Seine Nase war nicht gar so platt, wie der anderen, und seine Stirn war höher, als die der anderen. Auch war er nie so breit gebaut, wie andere Ork und hatte längere Beine, weshalb er auch größer wirkte, als die meisten Ork. Dies nahmen die anderen Ork stets zum Anlass Nor zu verhöhnen und zu verspotten, dass er Menschenblut in sich trug, da das Gerücht kursierte, seine Großmutter hätte sich mit einem Wilden gepaart. Angeblich sollte seine Vorfahrin derart hässlich gewesen sein, dass kein Ork sich mit ihr hatte einlassen wollen, und so wunderte sich auch keiner in Nors Stamm über dies Gerüchte, auch wenn sich viele fragten, wie sie ausgerechnet einen Menschen dazu gebracht hatte, bei ihr zu liegen. Wenn man Nor streng betrachtet, kommt man nicht umhin gewisse Ähnlichkeiten zu einem Menschen zu sehen, auch wenn man hierfür schon sehr genau hinsehen muss, da das orkische Erbe dominanter ist. Zudem hatte er Zeit seines Lebens eine eher schwächliche Konstitution. Er erlag schneller einer Krankheit, als andere Ork und war auch immer schwächer als andere seines Alters was ebenfalls seinem menschlichen Erbe zugeschrieben wurde. Dies war wohl auch der Grund, warum der Werwolf ihn infizieren konnte, denn ein reinblütiger Ork hätte dem Gift in seinen Adern getrotzt.

Nor ist - mit knapp 1,80 - für einen Ork recht hoch gewachsen, doch durch sein leicht krummes Kreuz und seine gebeugte Haltung, wirkt er ein wenig kleiner als er wirklich ist. Er hat kräftige Unterarme, während die Oberarme beinahe ein wenig dünner wirken. Seine Hände sind groß und grob. Doch seine gelblichen, im Nagelbett lila verlaufenden, Fingernägel gleichen viel mehr Krallen als Nägeln. Hierbei sollte erwähnt werden, dass er schon lange bevor er zum Werwolf wurde, immer längere Fingernägel hatte, so dass man kaum sagen kann ob das Wolfsblut daran Anteil trägt. Allerdings sind sie härter und schärfer geworden, wie auch seine Zähne. Anders, als bei vielen Orks, sind sie relativ gerade gewachsen und stehen ihm nicht, wie bei allen anderen Ork seines Stammes, aus dem Mund hervor. Doch wenn er den Mund öffnet – und er kann seinen Mund ungewöhnlich weit öffnen – offenbart sich eine dichte Reihe scharfer, spitzer Zähne, wie sie kaum ein Ork vorzuweisen hat. Wenn er sein Maul mal aufreißt, dann kann man die unnatürlich verfärbte Zunge sehen. Man könnte erahnen, dass es in seinem Rachen ungesund aussieht, da seine Lippen von derselben Färbung gezeichnet sind. Einst hatte seine Zunge einmal eine aschrote Farbe gehabt, wie Blut, welches man mit Tinte streckte. Doch heute hatte sie sie einen durchwachsenen und ungesunden violetten Stich angenommen, welcher besonders an der Zungenspitze ins Auge sticht. Dies ist auf das stete Konsumieren verschiedenster Kräuter und auch Gifte zurück zu führen. Auch seine Beine wirken kräftiger, als noch vor elf Jahren. Allerdings ist Nor ein eher träger Ork. Er hat einen leichten Wanst und ein gebeugtes Kreuz. Er hat weder einen stolzen, aufrechten Gang noch strahlt er Stärke oder Autorität aus. Und sein Blick wirkt oft abwesend und leer. Von der Wut und dem Feuer der Orks, welches in ihren Herzen lodert, ist in seinen Augen nur sehr wenig zu sehen. Wenn seine Augen nicht die eines wilden Tieres wären, dann könnte man wohl annehmen, sie wären inzwischen gestorben.

Alles in allem ist Nor, in den Augen anderer Orks, ein hässliches Exemplar seiner Spezies. Und für alle anderen Rassen sind Ork ohnehin nicht für ihre Schönheit bekannt. Doch wenn die Sonne hinter dem Horizont versinkt, dann bleibt nichts mehr übrig, was an einen Ork erinnert. Es kann beinahe beängstigend wirken, wenn man Nor dabei zusieht wie er schreit, sich verkrampft und sich windet. Und währenddessen immer größer wird. Bis zu drei Meter, sollen Werwölfe groß werden. Nunja, Nor steht selten auf zwei Beinen, wenn er die Gestalt des Werwolfes angenommen hat. Vielmehr kauert er in einer lauernden Hocke, oder rennt auf allen Vieren durch den Wald. Doch wenn er sich einmal auf die Hinterbeine stellt, um den Mond anzuheulen, oder einen Feind in die Flucht zu schlagen, dann kann er durchaus eine Größe von über zweieinhalb Metern erreichen.

Doch die Größe ist nicht das einzige, was sich verändert. Nors Kopf verformt sich zu einem mächtigen Wolfsschädel, sein Gesicht knirscht und knackt, wenn die Wolfsschnauze sich langsam aus der schwarzen Haut heraus schält. Und seine Arme werden ein länger, seine Brust breiter und seine Zähne noch schärfer. In beinahe rasender Geschwindigkeit breitet sich ein dichtes, schwarzes Fell auf seinem gesamten Körper aus, als ob Millionen Ameisen über ihn herfallen würden. Da Nor erst seit - im Verhältnis zu seinem Alter - wenigen Jahren unter dem Fluch des Werwolfs leidet, hat er noch nicht gänzlich die Kontrolle über das Tier in ihm erlangen können. Sein hohes Maß an Konzentration und Willenskraft, welche er für das Rufen der Toten aufzubringen vermag, hilft ihm zuweilen, die Bestie in sich zu halten, wenn die Nacht herein bricht. Doch fordert das Tier ein derart hohes Maß an Willensstärke, dass Nor es noch nicht vollbringen konnte, es eine ganze Nacht lang in sich einzukerkern. Wenn der Wolf ihn schließlich übermannt, kann er seine Taten weder steuern noch lenken. Der Werwolf bricht aus ihm hervor, und wenn sein Geist erst einmal verdrängt wurde, übernimmt die Bestie die Kontrolle. Er hat zwar gelernt einen gewissen Einfluss auf die Geschehnisse der Nacht auszuüben, doch primär nimmt Nor die Taten des Werwolfs wie durch ein gläsernes Gefängnis wahr. Selbst wenn der Werwolf einen Freund töten wollen würde, müsste Nor vermutlich tatenlos dabei zusehen. Nors einziger Trost in dieser Hinsicht mag sein, dass er sich auch oft nicht mehr daran erinnern kann, was geschehen war.

Wenn er kein Werwolf ist, könnte man Nor, auf den ersten Blick, für einen Lumpensammler halten. Er trägt eine weite Kutte aus schwarzem Wollstoff, welche knapp bis zum Boden hinab reicht. Dass diese Kutte einst einmal bessere Zeiten gesehen hatte, sieht man dem stinkenden und vor Dreck stehenden Mantel auf den ersten Blick an. Der Saum ist verfilzt, verschlissen und dreckig. Und an vielen Stellen des Mantels wurde der Mantel notdürftig geflickt. Wobei viele Flicken nicht einmal aus Wolle bestehen, sondern auch aus Leinen oder gar Leder. Was Nor eben gefunden oder gefleddert hatte, um den weiten Überwurfmantel auszubessern. Unter dieser Kutte trägt Nor nichts. Es ist mühsam genug, sich den Überwurfmantel vom Leib zu zerren, bevor er durch die Wandelung zum Werwolf zerrissen wird. Nor hat es inzwischen längst aufgegeben, sich ständig neues Gewand zu besorgen. Und die Kleider der Toten zieht er nur ungern an. Um den Bauch trägt Nor einen dicken Gürtel aus Wildschweinleder, an welchem unzählige lederne Beutelchen, Schrumpfköpfe von Orks oder Menschen, eine kleine Sichel, sowie ein kleines tönernes Gefäß hängen. In diesem Gefäß schwimmt ein starkes Giftkonzentrat aus den verschiedensten, pflanzlichen und tierischen Sekreten. Die Sichel hat er aus dem Rippenknochen eines Menschen geschnitzt und als Griff ein Lederband um den Knochen gewickelt, welches inzwischen schon sehr abgewetzt und speckig geworden ist. Diese Knochensichel ist äußerst scharf, allerdings - da sie aus einer menschlichen Rippe geschnitzt wurde - auch nicht sehr stabil. Nor nutzt sie nur um Kräuter und seine rituellen Opfer zu schneiden. Würde er sie dazu verwenden einen gegnerischen Schlag zu blocken, würde der Knochen buchstäblich zerbersten. Für gröbere Arbeiten besitzt Nor ein scharfkantiges Steinmesser aus Feuerstein, dessen Griff ebenfalls mit speckigem Leder umwickelt wurde. Auch dieses Werkzeug dient nicht dazu, um zur Verteidigung, oder gar zum Kampf zweckentfremdet zu werden.

Einen weiteren Gürtel, oder vielmehr einen ledernen Riemen, hat er sich quer über Schulter und Brust gelegt. Auch an diesem finden sich unzählige, lederne Beutel. Manch einer würde sich fragen, was sich wohl alles in diesen Beuteln befindet, und nicht wenige würden den Ork mit einem angewiderten Blick betrachten, wenn sie es erführen. In beinahe jedem dieser Beutel befinden sich Asche oder gemahlene Knochen verschiedenster Toter. In wenigen eingefetteten Schläuchen schwappt sogar abgestandenes, gäriges Blut. In der Regel handelt es hierbei um die Sterblichen Überreste von Ork, aber auch einige sterbliche Überreste von Menschen finden sich darunter, die Nor wie einen Schatz hütet. In den wenigen Beuteln, in welchen er keine Asche oder Knochen mit sich herum schleppt, finden sich verschiedenste Kräuter und Wurzeln.

Unter der Robe trägt Nor eine kleine Urne aus grobem, gebranntem Ton. Natürlich bewahrt er auch in dieser Urne die Asche eines Verstorbenen auf. Doch nicht irgendeine Asche. Es ist die Asche seines Bruders. Und um den Hals trägt er ein ledernes Band, an welchem die beiden Eckzähne eines Werwolfes baumeln. In die Zähne hat er die Schutzzeichen seines Totemgeistes hineingeritzt.

Waffen:
Neben der bereits erwähnten Knochensichel und dem Steinmesser, führt Nor nur einen knorrigen, robusten Wanderstab mit sich. Dieser Stab ist weit mehr als nur ein Wanderstab. Es ist ein Totemstab. In den Kopf des Stabes hat er in langen, Lagerfeuernächten das Totem seines Stammes hinein geschnitzt. Einen wütenden Eber. Der Stab selbst ist übersät mit heiligen Symbolen und magischen Runen. Magisch ist hier vielleicht das falsche Wort. Diese Runen vermögen keine Magie zu wirken, oder in sich zu bergen. Doch in Nors Augen haben sie eine spirituelle und magische Bedeutung. Für ihn hat dieser Stab einen ganz besonderen, persönlichen Wert. Denn er hat den Geist eines Toten, dieser nennt sich Bhanel, an den Stab gebunden. Es gab schon Tage, da überkam Nor der Wunsch diesen Bann wieder zu lösen, denn Bhanel ist ein mürrischer und ungehobelter Zeitgenosse, der ihm mit seinem Gemecker und seinen Hasstiraden oft gehörig auf die Nerven gehen kann. Doch jedes Mal, wenn er kurz davor ist den Bann zu lösen, erinnert er sich wieder daran, wie schlecht und falsch Bhanel gewesen war, und er befindet, dass er diese Strafe noch einige Zeit aufrechterhalten sollte. Allerdings muss er auf diesen Totemstab aufpassen, wie ein Kleinod, denn würde der Stab zerbrechen, wäre Bhanels Seele augenblicklich frei, und es würde ihm sicher kein zweites Mal gelingen, ihn einzufangen geschweige denn zu bannen.

Außerdem nutzt Nor, wenn er nicht gerade als Werwolf mordend und schlachtend durch die Lande zieht, seine Fingernägel als Waffen. Er tunkt die Spitzen der Nägel in ein starkes Gift - welches er stets bei sich trägt - und versucht auf diese Weise seinen Feind zu verletzen und letzten Endes auch zu bezwingen. Da er des Tages nicht gerade eine Kämpfernatur ist, versucht er derartige Konflikte weitesgehend zu vermeiden oder vor ihnen zu flüchten. Doch kündigt sich die Nacht an, nutzt Nor das Gift um mögliche Opfer zu schwächen, damit der Werwolf leichteres Spiel hat den geschwächten Gegner niederzuringen. Denn gerade in der Phase der Verwandlung ist Nor am angreifbarsten.

Magie:
Nor ist ein orkischer Schamane. Er spricht zu den Ahnen und zu den Geistern. Und er spricht noch zu etwas anderem. Zu den Toten. Nor ist das, was man einen Totenhorcher nennt, oder auch Totenrufer. Dies ist auch der Grund, warum er so viele Beutel mit der Asche Verstorbener mit sich herum trägt. Er kann mit Hilfe dieser Asche, oder auch anderer, sterblicher Überreste, den Geist eines Toten zu sich rufen. Oder es zumindest versuchen, denn natürlich darf man sich diese Gabe nicht so einfach vorstellen, dass Nor einfach irgendein heidnisches Ritual durchführt, und die Geister ihn kurz darauf in Scharen umkreisen. Nein. Diese Rituale sind aufwändig, teilweise sogar gefährlich und verlangen von Nor ein hohes Maß an Konzentration und Disziplin, sowie einen eisernen Willen und enorme Willensstärke. Und zu allem Überfluss kommt es nicht selten vor, dass all die Mühe vergebens war und auch wenn Nor schon viele Jahre die Toten zu sich ruft, muss er sich jedes Mal vor Augen halten, dass jeder Fehler sein letzter sein könnte und ihn die Geister überwältigen könnten . Im Grund bedürfte es nur einer tiefen, meditativen Konzentration, um den Geist eines Toten im Reich der Schatten zu finden, um ihn dann zu sich zu rufen. Doch wie die meisten Schamanen der wilden Lande ist Nor mit Riten und Gebräuchen aufgewachsen und verehrt die Geister der Totems. Und so nutzt er verschiedene Riten um die Geister und Seelen zu beschwören. Außerdem helfen ihm diese Rituale, sich besser zu konzentrieren und seine Willenskraft zu fokussieren. Jedem Ritual geht ein Opfer voran, welches er dem Schutzgeist seines Totems darbringt. Das Tier wird hierbei von ihm kurzerhand aufgeschnitten und ausgeweidet, wobei er sich meist selbst an den Innereien gütlich tut und dem Geist die sterbliche Hülle überlässt. Dann, bevor Nor es wagt einen Geist aus der anderen Welt zu rufen, bemalt er seine Haut mit Kalk oder Lehm, welchem er das Blut des Tieropfers beimischt. Diese Schutzzeichen und Totemrunen dienen, in Nors Augen, dem Zweck den Geist davon abzuhalten ihm Schaden zuzufügen. Nor kennt drei Arten von Geistern. Feuergeister, Nebelgeister und Blutgeister. Vielleicht gibt es noch mehr, doch sind ihm bisher keine anderen begegnet. Für jeden von ihnen gestaltet sich das nötige Ritual auf eine andere Weise. Während Feuergeister meist ruhelose, zornige und zuweilen auch aufbrausende Geister sein können, welche nicht selten auch dem Feuertod erlegen sind, sind Nebelgeister eher ruhige und sanfte Naturen. Blutgeister sind, besonders in den wilden Landen, die häufigste Art, auf welche Nor treffen kann. Es sind die Seelen jener, welche im Kampf gefallen sind, oder einfach nur feige und hinterrücks ermordet wurden. Sie zu rufen ist für Nor ein besonders gefährliches Unterfangen. Wenn Nor sich entschließt, einen Geist in diese Welt zurück zu befehlen, verfällt er zunächst in eine Art Trance um sowohl in sich zu kehren, als auch seine Seele in die andere Welt hinüber gleiten zu lassen, indem er sich auf die Präsenz des Toten konzentriert. Am einfachsten gelingt ihm dies auf einem Friedhof, da hier so viele Seelen gebunden sind. Aber auch der Ort, an welchem ein Sterblicher zu Tode kam, kann ein mächtiges Tor in die andere Welt sein. Im Gebet und dem Anrufen des Totems und der Ahnen, versucht Nor die wahre Natur des Geistes zu ergründen, welchen er zu rufen gedenkt. Doch ist dies meist nur ein Deuten von Bildern und Eingebungen. Erhält Nor keine klare Erkenntnis in der Schattenwelt, muss er aus dem Bauch heraus entscheiden, für welchen Ritus er sich entscheidet. Da das Rufen der Toten viel mehr auf Konzentration und Willenskraft beruht, als auf Riten und Gebräuchen, ist die Art des Rituals nicht zwingend von Belang, doch kann sich Nor besser auf die Willenskraft des Geistes einstellen, wenn er das entsprechende Ritual durchführt, was auf diese Weise eher zum Erfolg führt. Denn scheitert er, muss er seine Kräfte sammeln und das Ritual widerholen, welches er in der Regel erst am nächsten Tag durchführen kann, wenn er sich nicht in Gefahr bringen will. Vielleicht schwingt hier auch der Respekt vor den Geistern der Toten mit, und auch die Furcht Nors, die Geister könnten ihn überwältigen und sich seines Körpers bemächtigen. Denn viele Geister sind starken Willens. Würde er scheitern, die Geister zu rufen, oder seine Konzentration Fehl schlagen, fürchtet Nor, von den Geistern übermannt zu werden oder gar, bei einem Fehltritt, während den Ritualen, zu sterben. Immerhin bringt er sich dabei immer wieder an den Rand der Lebensgefahr.

Um Feuergeister zu sich zu befehlen entzündet Nor ein kleines Feuer und verbrennt darin sowohl einige, getrocknete Pilze und Kräuter - welche dadurch eine halluzinogene Wirkung entfalten – als auch etwas von der Asche des Toten. Um eine geistige Bindung zu der Seele des Verstorbenen herzustellen, hält nor dabei seine Hände in die Flammen und wandelt stets auf dem schmalen Grat zwischen Verbrennung und Zorn. Feuergeister sind wütende Seelen, und Nor ergibt sich oft wildem Geschrei, während dieses Ritus, um ihren Zorn in den Flammen verrauchen zu lassen, damit sie ihn nicht mit ihrem Hass übermannen können.

Um einen Nebelgeist zu sich zu rufen, raucht Nor zunächst ein wenig getrocknetes Harz des Milchbaums. Der Milchbaum entfaltet beim Verbrennen stark berauschende und auch lähmende Gefühlszustände. Doch damit nicht genug, muss Nor unter die Nebel eines Moores oder Sees steigen und im Wasser die dunstigen Schwaden des Nebels einatmen. Wie man sich vorstellen kann, kann dies nicht ungefährlich sein, wenn er berauscht und betäubt im Wasser treibt und jederzeit zu ertrinken droht. Allerdings sind Nebelgeister oft ruhige und sanfte Gemüter, welche Nor zuweilen sogar davor bewahren, zu ertrinken.

Um einen Blutgeist zu sich zu rufen, trinkt Nor einen Sud aus seinem eigenen Blut und dem Blut des Verstorbenen. Dieses Ritual wirkt zwar auch, wenn er sein Blut mit dem Leichengift des verwesenden Körpers, oder der Asche des Toten vermischt. Allerdings sinkt dann die Aussicht auf Erfolg rapide. Und die Gefahr zu erkranken oder sich zu vergiften steigt. Wie man sich vorstellen kann ist dieses Ritual nicht ungefährlich. Geronnenes Blut Verstorbener, oder gar das Sekret der Verwesung sind nicht gerade etwas, das man zu sich nehmen sollte. Zumal man stets bedenken sollte, dass Nor eine eher schwächlichere Konstituion besitzt, auch wenn das Blut des Werwolfs ihn in dieser Hinsicht ein wenig schützt.

Doch ganz gleich welchen Geist er zu rufen gedenkt, jedes dieser Rituale ist stets von Zaubergesängen und Gebeten begleitet. Gemurmelgebete und rhythmische Gesänge, welche nach einer Weile so monoton klingen, dass man sich wünscht, er würde endlich damit aufhören! Auch das Malen von Schutzkreisen auf den Boden gehört ebenso dazu, wie die Zeichen der Abwehr, welche er sich – im Idealfall mit dem Blut des Verstorbenen - auf die Haut malt, damit der Geist des Gerufenen nicht seinen Körper befallen kann. Nor ist in dieser Hinsicht ziemlich abergläubisch und bereitet seine Rituale sehr gewissenhaft und vorsichtig vor.

Eine weitere Gabe, welche dem Ork zu Eigen ist, ist der Bann. Dieser Zauber geht mit den Flüchen einher, und er hatte viele Jahre gebraucht, bis er ihn sich angeeignet hatte. Doch dieser Zauber ist weit schwieriger, als das Totenrufen. Für diesen Zauber benötigt Nor nicht nur den Geist eines Verstorbenen, sondern auch ein Gefäß oder einfach nur ein Objekt, an welches er den Geist des Toten zu binden wünscht und eine lebende Krähe. Dieses Ritual hat ihm auch den Beinamen Krähenfresser beschert. In Nors Stamm galten Krähen als Unglücksboten und Geisterdiebe. Sie hacken den Toten die Augen aus, die Fenster der Seelen. Manche Schamanen glaubten sogar, dass die Seelen Verstorbener in den Krähen verbleiben, wenn diese die Augen gefressen hatte. Wenn es Nor gelingt eine Krähe zu fangen, dann beißt er ihr im Laufe des Rituals bei lebendigem Leib in die Brust und trinkt sowohl ihr Blut und verspeist ihr Herz. Er glaubt, dass auf diese Weise die Macht der Krähe für die Dauer des Rituals auf ihn übergeht, und er ebenso wie die Krähe die Seelen der Verstorbenen zu sich rufen kann. Um die Bindung mit dem Ritualgegenstand herzustellen, schmiert er das restliche Blut der Krähe auf den Gegenstand, in welchen er den Geist zu bannen gedenkt. Damit das Ritual von Erfolg gekrönt wird, muss Nor eine starke Bindung zwischen sich, dem Geist und dem Gefängnis, in welchem er den Geist einzusperren gedenkt, herstellen. Um dies zu bewerkstelligen vermischt er das Krähenblut auf dem Objekt mit dem seinen, und den sterblichen Überresten oder dem Blut des Verstorbenen. Die Tatsache, dass er selbst in dieses Ritual involviert wird, lässt erahnen, wie gefährlich es sein kann. Ein falsches Wort, oder eine falsche Geste, und der Zauber könnte nicht nur fehlschlagen, sondern sich ins Gegenteil kehren. Er könnte seine eigene Seele in das Gefängnis einkerkern.

Um einen erfolgreich gewirkten Bann dauerhaft aufrecht zu erhalten, muss Nor sich jeden Tag und immer wieder auf den gebannten Geist konzentrieren, um die Fesseln des Banns zu erhalten. Nor schmiert etwas Blut auf das Banngefäß, denn das hilft ihm dabei die Konzentration nicht zu vernachlässigen und die Bindung zu stärken. Somit ist es von Nors Willen und auch von seiner Konzentration abhängig wie viele Geister er zugleich gebannt halten könnte. Doch verlangt eine höhere Zahl eine derart hohe Konzentration, dass Nor nichts anderes mehr machen könnte, als sich auf die Bannobjekte zu konzentrieren, damit keines von ihnen ihre Bindung verliert. Nor hat es zwar noch nie versucht, aber er glaubt nicht, dass er mehr als drei Geister zugleich gebannt halten könnte. Bhanel allein ist ihm schon mühsam genug.

Fähigkeiten:
Außer dem Schamanentum ist Nor ein passabler Kräuterkundler, Giftmischer und, wie es den meisten Orks zu Eigen ist, Wildnisläufer mit einem recht passablen Orientierungssinn. Allerdings ist der Werwolf in ihm in dieser Hinsicht weit überlegen, während Nor eher auf seinen Instinkt hört, wenn er sich in eine Richtung begibt, die er nicht kennt. Er kennt viele heimische Sträucher, Kräuter, Wurzeln und Beeren der wilden Lande und weiß sie sowohl zum Guten, wie auch zum Schlechten einzusetzen. Besonders jene, welche in unmittelbarer Umgebung des Friedhofs, auf welchem er lange gelebt hatte, wachsen, kennt er sehr gut. Ansonsten kennt er nur jene Kräuter, welche sein alter Meister ihn gelehrt hatte. In der Regel einfache Heilkräuter und Kräuter zum Würzen von Speisen oder dem verschatten und übertünchen von Giften. Giftige und gefährliche Pflanzen, kennt er nur wenige, dafür aber die richtigen, mit welchen er regelrechte Hexenbrühen brauen könnte. Während er die guten Kräuter größtenteils ohne Mühe voneinander unterscheiden kann, gibt es unter den gefährlichen das eine, oder andere, welches sich zum verwechseln ähnlich sieht, und er immer wieder genauer überprüfen muss, ob er auch das richtige geerntet hat. Meist verlässt er sich hierbei auf seine immer feiner werdende Nase, obgleich diese ihn auch zuweilen schon getrogen hatte. Außerdem kann er kochen, wenngleich es wohl nur ihm zu schmecken scheint, nähen, schnitzen und auf Bäume klettern, um Misteln, Borke oder Früchte zu ernten. Was er hingegen nicht kann, ist jagen. Er ist dafür einfach zu ungeschickt und ungelenk. Wohl kann er in Gestalt des Werwolfs jagen, und das nahezu ausgezeichnet, doch gebratenes Fleisch hatte er schon seit ewigen Zeiten nicht mehr gegessen. Und daran denken, was der Werwolf so alles verschlingt, will Nor erst gar nicht.

Ein Vorteil, welchem ihm das Blut des Werwolfs beschert hatte, war neben der Kraft und der Wundheilung, der verbesserte Geruchssinn. Er kann viele Pflanzen und Kräuter selbst im dichtesten Unterholz riechen. Aber auch Gifte, welche jemand einem Essen beigemischt hätte, oder den Angstschweiß eines Feindes. Manche dieser Gerüche sind allerdings auch sehr verstörend und aufdringlich, so dass sich Nor ihnen kaum entziehen kann, was diesen Vorteil in dieser Hinsicht auch schon beinahe wieder zu einem Nachteil macht.

Wenn man Nors Vergangenheit kennt, weiß man, dass er unter Kurzatmigkeit leidet. Wenn er normal durch den Wald läuft macht sie sich nicht so schnell bemerkbar, doch sobald er sich etwas schneller bewegt, geht ihm sehr bald rasant die Puste aus. Ihm wird schwindelig, schlecht oder gar schwarz vor Augen. Bei zu großer Anstrengung könnte auch alles drei zugleich eintreten. Diese Kurzatmigkeit ist kein angeborener Mangel, sondern seinem Lebenswandel zu verdanken. Als Schamane hat er schon oft das eine oder andere, schädliche Kraut zu sich genommen. Und durch seine, von Geburt bedingte, schlechte Konstitution, erlag er diesen Giften immer ungewöhnlich lange, wie sein Meister immer gesagt hatte. Doch seit er unter dem Fluch des Mondes leidet, hatte er immer wieder Kontakt mit Eisenhut und Nachtschatten. Besonders letzterer ruft eine unangenehme Atemnot in ihm hervor. Dumm, oder vielleicht auch nur einfältig, wie er war, hat er versucht seinen verfluchten Körper gegen diese Gifte zu immunisieren, indem er immer wieder kleine Dosen dieser Gifte zu sich genommen hatte. Die Strafe für diesen Versuch bekam er erst viel später zu spüren, und seither leidet er unter dieser bedrückenden Kurzatmigkeit. Selbst in Werwolfgestalt, schlägt dieses Leiden irgendwann zu. Zwar dauert es hier ein wenig länger, doch früher, oder später, wird er bei übermäßiger Anstrengung von dem Schwarz übermannt, welches sich auf seinen Geist legt. Und nur der hohen Regenerationsfähigkeit seines Werwolfsblutes ist es wohl zu verdanken, dass er diese Experimente überleben konnte. Jeder andere Ork wäre wohl schon längst gestorben.

Nor kann außerdem weder lesen noch schreiben. Was nicht sonderlich verwunderlich für einen Ork ist. Mit Ausnahme der Sprache der Orks, beherrscht er keine andere Sprache Alvaranias. Zwar hatte er hier und dort einmal kurze Kontakte zu menschlichen Händlern gehabt, doch mehr als nur bruchstückhafte Worte hatte er sich nicht aneignen können. Zumal Orks ohnehin sehr langsam Neues lernen. Man kann Nor nicht unbedingt als schlau bezeichnen. Listig oder verschlagen, ja das kann er sein. Doch im Großen und Ganzen ist er eine einfältige Natur. Seine Riten und Gebräuche stützen sich nicht auf Wissen, sondern auf Glaube, wie auch auf Aberglaube. Er tritt allem Fremden und Neuem sehr skeptisch gegenüber.

Aufgrund seiner, für Orks eher untypischen Statur, war Nor nie zum Kämpfer geboren. Er hatte oft allerlei Hohn und Spott über sich ergehen lassen müssen. Ein Umstand, welcher durch den Kratzer des Werwolfs, welcher ihn vor elf Jahren verletzt – und damit auch verflucht – hatte, eine Wendung in Nors Leben gebracht hatte. Denn wenn es Nacht wird, und der Mond hell am Himmel steht, dann streift Nor diese Schwäche ab, wie ein nutzloses Kleidungsstück. Sein Körper nimmt an Muskeln zu, und seine Agilität, wie auch seine Kraft und seine Konstitution nehmen erheblich zu. Seine Hände werden zu mächtigen Klauen und sein Mund zu einem tödlichen Mordinstrument. Doch alles im Leben hat seinen Preis. Zwar erlangt Nor all die Gaben, welche er sich all die Jahre so sehr gewünscht hatte, doch zugleich wird er zu einer reißenden Bestie, die weder Freund noch Feind schont. Denn in Wahrheit tauscht Nor in der Nacht nur eine Schwäche durch eine andere aus. Zwar wachsen seine Kraft und seine Ausdauer, doch der Preis dieser Macht ist ein sehr hoher. Er kostete ihn nicht nur das Leben seines Bruders, sondern verdammte ihn auch zur Einsamkeit.

Wenn der Werwolf, bei Anbruch des Tages, wieder verschwindet und den dunkelhäutigen Ork zurück lässt, ist es keine Seltenheit, dass Nor kurz darauf vor Erschöpfung und Müdigkeit zusammen bricht. Als ob all die Energie und die Kraft, welche dem Wolf innegewohnt hatten, mit einem Mal verraucht wären.

Zu erwähnen wäre noch, dass nicht nur Eisenhut und Nachtschatten für Nor gefährlich sein können, sondern auch Silber. Doch hat Nor in seinem Leben noch nie so etwas wie Silber oder Gold gesehen, und weiß daher auch nicht um die enormen Gefahren, welche von diesem Metall ausgehen. Da er aber aus den wilden Landen der Ork regelrecht verbannt wurde, zieht es ihn immer weiter in den Süden. Früher oder später wird er auf Menschen treffen. Und wenn die Bestie in ihm erwacht und den süßen Geschmack von Menschenfleisch gekostet hatte, wird er sicherlich auch bald mit diesem Edelmetall Bekanntschaft schließen.

Charakter:
Nor ist ein verschrobener und eigenartiger Geselle. Er hat schon so viel Zeit in der Gesellschaft von Toten und Geistern verbracht, dass es beinahe den Anschein hat, dass er deren Gesellschaft derer der Lebenden vorzieht. Da er auch nur die Sprache der Orks beherrscht, hält sich seine Redseligkeit unter Angehörigen anderer Völker sehr in Grenzen. Wenn er doch einmal redet, dann spricht er in einem wirren Kauderwelsch, womit wohl sogar so mancher Ork seine Müh und Not hätte ihn zu verstehen. Man könnte dies vielleicht auf den übermäßigen Gebrauch von Pilzen schließen, oder einfach nur auf seinen schwachen und einfältigen Geist, oder die lange Einsamkeit am Friedhof, welches seine Aussprache verwaschen hat. Wie auch immer.

Wenn man Nor freundlich begegnet, dann sucht er aber auch sehr schnell die Nähe jener Person. Hierbei ist es ihm völlig egal, welcher Rasse dieser Jemand angehört. Er hat keine besonderen Abneigungen gegen Menschen, wie die meisten Orks. Viel eher scheinen die anderen ein Problem mit ihm zu haben. Entweder wegen seinem Aussehen, oder wegen seiner Herkunft. Er hat in seinem Leben nicht viele Freunde gehabt, wenn man einmal von einigen Toten absieht, so dass er geneigt ist einer freundlichen Geste nachzukommen. Er ist in dieser Beziehung auch ein wenig leichtgläubig. Wenn man ihm das erste Mal begegnet, und ihn nicht sogleich wegen seiner seltsamen Erscheinung und seiner hässlichen Fratze verurteilt, dann gewinnt man zunächst sicherlich den Eindruck, dass Nor nicht ganz richtig in der Birne ist. Doch er ist nicht dumm, auch wenn er einfältig sein mag. Er kann sehr wohl zwischen einem Witz oder einem Spaß auf seine Kosten unterscheiden. Genauso mag er es nicht wenn man ihn belügt oder mit ihm redet, als sei er verblödet. Was besonders dann passiert, wenn man seine Sprache nicht versteht und man bemüht ist ihm mit Wortfetzen und gebrochenen Sätzen zu erklären was man von ihm will.

Seine Einfältigkeit äußert sich in der Regel darin, dass er Unwillens, oder unfähig zu sein scheint, komplexeren Gedankenmustern nachzugehen. Da er Zeit seines Lebens kaum Anerkennung unter Orks gefunden hatte, sehnt er sich, tief in seinem Inneren, nach einer tiefergehenden Freundschaft, als es ihm die Toten geben könnten. Würde man Nor für seine Zwecke einsetzen wollen, und ihm vorgaukeln sein Freund sein zu wollen, würde er es in seiner Einfalt wohl kaum bemerken, wenn man sich dabei nicht allzu ungeschickt anstellt. Zivilisierte Menschen würden Ork mehr weltfremd als primitiv bezeichnen, obwohl sicherlich beides zutrifft. Nor hat es nie nach mehr Verlangt, als er besaß und da er weder Gold noch Silber kennt, würde er es vermutlich ohne groß darüber nachzudenken gegen irgendwelchen wertlosen Plunder eintauschen, wenn er ihn für nützlich erachtet. Er ist nicht sehr redegewandt und beschränkt sich daher auf die nötigsten Worte, was in den Augen anderer durchaus sofern interpretiert werden kann, dass er einen schwachen Geist hat.

Wenn Nor einmal beleidigt ist, dann muss man aufpassen dass man ihm nicht blindlings den Rücken kehrt. Außerdem wäre, wenn man ihn zutiefst beleidigt hatte, wäre es eine gute Idee zu lernen, wie man mit offenen Augen schläft. Nor kann sehr kreativ sein, wenn er sich für Ungerechtigkeit, die ihm widerfahren ist, rächen will. Es kann durchaus passieren, wenn es ihm denn gelingt, dass man am nächsten Morgen aufwacht und die wütende oder nervtötende Stimme eines Geistes im Kopf vernimmt, und man diesen Geist einfach nicht los wird, egal wie oft man ins kalte Wasser springt oder sich in einen Glockenturm zur Gebetsstunde stellt. Natürlich müsste Nor den Bann stets aufrecht erhalten und ihm einiges an Konzentration abverlangen einen Geist in einen lebendigen Körper einzukerkern, weshalb die Wirkung zweifelsohne nicht von langer Dauer sein würde. Denn mit Ausnahme von Bhanel hat Nor niemals einen Geist langfristig an ein Objekt gebannt.

Nor ist eigentlich ein feiger Ork, auch wenn er auf seine Weise wieder ziemlich mutig ist. Nur wenige würden sich mit dem Tod derart auseinander setzen, wie er es macht. Und selbst gestandene Männern läuft mitunter ein eisiger Schauer über den Rücken, wenn die Toten zu ihm sprechen würden. Insofern hat Nor auch eine ziemlich geringe Risikobereitschaft. Er hängt an seinem Leben und würde es stets vorziehen zu fliehen, als sich zu stellen. Doch in der Nacht nicht. Der Werwolf flieht nicht. Der Werwolf beugt sich nicht. Der Ork hingegen schon. Wenn auch nur so lange, um in einem günstigen Moment eine vergiftete Klinge in den Rücken stoßen zu können. Bei seinen Riten und Gebräuchen der Kräuterkunde und des Totenhorchens hingegen, legt Nor eine höhere Risikobereitschaft an den Tag und scheint eine geringere Hemmschwelle zu besitzen. Vielleicht ist dies auch die Erfahrung, die ihn zwar immer wieder tief in den Dreck geworfen hatte, aber noch niemals umgebracht.

Nor hat keine besonders ausgeprägte Moral oder Skrupel. Was will man schon von einen Mann erwarten, der es für selbstverständlich hält, die Totenruhe zu stören, Gebeine zu schänden, Blut von Toten zu trinken oder sich Nacht für Nacht in einen Werwolf zu verwandeln? Nor schert sich nicht um andere, denn er zieht die Einsamkeit vor. Doch gerade in einsamen Nächten, alleine auf dem Friedhof oder im Wald, da keimen immer wieder Träume und Wünsche in seinem Herzen auf, wie Samen in finsterer Erde. So sehr er die Kraft, welche der Werwolf ihm gewährte, Zeit seines Lebens auch ersehnte, er würde alles dafür geben, diesen Fluch zu bannen. Er hasst Bhanel aus tiefstem Herzen. Und das nicht nur, weil er eigenhändig seines Bruders Herz verschlungen hatte. Schon mehr als nur einmal, hatte er sich gewünscht, der Werwolf hätte ihn, anstelle seines Bruders getötet. Doch Nor hat, mit den Jahren, damit zu leben gelernt. Auch wenn er den Wunsch nie aufgegeben hatte. Doch sich selbst das Leben zu nehmen, dafür ist sein Herz zu feige, und er noch nicht verzweifelt genug.

Vergangenheit:
Bastard! Das war es, was die Orks ihn in seiner Jugend oft genannt hatten. Einen Bastard. Angeblich soll der Vater seines Vaters es mit einer wilden Menschenfrau getrieben haben. Doch das war noch die harmlosere Geschichte. Ein Ork, welcher eine menschliche Frau vergewaltigte war nichts besonderes. Die Wahrheit weiß niemand mehr so genau, aber Sein Großvater war alles andere als ein Mensch gewesen, und seine Großmutter die hässlichste Ork der wilden Lande, so sagt man - den Rest kann man sich denken. Aber ganz gleich ob Vater oder Mutter. Nor, wie auch seine Linie, gelten, wegen des Menschenblutes, welches in seinen Adern fließt, schwächlich und kränklich. Nor hat diesen harten Worten nie sonderlich viel Glauben geschenkt, und es stets als Gemeinheiten abgetan, denn sein Bruder strafte diese Gerüchte stets Lügen. Er war so gänzlich anders als Nor, kräftig, stark, orkisch. Doch so wirklich sicher war er sich auch nie und tief in seinem Herzen trafen ihn diese Worte jedes Mal wie ein scharfer Dolchstoß. Doch Zweifel hatte er gelegentlich schon. Er war kein Ork wie die anderen. Er war weder sonderlich kräftig, noch gerade ein Ork, an dem die Orkweiber gefallen fanden. Das Gerede der Ork und ihr ablehnendes Verhalten hatte Nor nie gänzlich angenommen, auch wenn er es nachvollziehen konnte. Er sah anders aus, als sein Bruder. Auch anders als sein Vater, und wie seine Mutter ausgesehen hatte, das wusste Nor nicht, denn sie war schon lange tot. Wie jeder Ork, sehnte sich auch Nor nach Zugehörigkeit zu seinem Stamm und Anerkennung, doch blieb ihm beides stets verwehrt, was schließlich und unweigerlich dazu führte, dass er sich immer mehr von ihnen abgrenzte, um nicht an dem Hohn zu zerbrechen. Der einzige, welcher immer zu ihm gehalten hatte, war sein Bruder Nar gewesen. Obgleich Nar ein Bild von einem Ork gewesen war, hatten die Häme und der Spott, welchem Nor ausgesetzt war, auch ihn stets beleidigt. Denn teilten beide Brüder das gleiche Blut, so unterschiedlich sie auch gewesen waren. Und Nar hatte immer regelrechte Wutanfälle, wenn man Nor – und damit indirekt auch ihm – unterstellt hatte, dass Menschenblut in seinen Adern fließen würde. Nar war auch der einzige Grund, warum es in all den Jahren auch stets sehr selten dazu gekommen war, dass Nor von anderen Orks in die Mangel genommen worden war. Denn von seinem Vater hatte Nor niemals Hilfe oder Trost erhalten. Er war ihm stets wie ein Fremder gewesen, der stets Nar bevorzugt hatte und Nor am liebsten tot gesehen hätte. Nicht nur, weil er Schande über die Familie brachte, sondern auch, weil seinetwegen seine Frau gestorben war. Immer wieder hatte er ihm dies vorgehalten, und Nor hatte nie erfahren, ob es der Wahrheit entsprochen hatte, dass sie bei Nors Geburt gestorben war. Doch Nar war nur einer unter vielen. Er hatte Nor nicht ewig beschützen können.

Nor hatte es nie besonders leicht in seinem Stamm, welcher weit im Nordwesten der wilden Lande deren Wälder seine Heimat nannte. Das ausgeprägte Revierverhalten der anderen Orks grenzte ihn stets zum Außenseiter aus. Er war kein Kämpfer. Er errang keine Ehre und in den Augen mancher war er ja nicht einmal ein reiner Ork. So hatte Nor recht früh gelernt für sich selbst zu sorgen. Er war oft und sehr lange alleine im Wald. Der Wald verurteilte ihn nicht. Der Wald verspottete ihn nicht. Da er nie besonders gut im Jagen war, hatte er bald angefangen alle möglichen Dinge zu verspeisen, denen er im Wald begegnet war. Einige davon hatten sogar richtig gut geschmeckt. Doch an anderen hatte er sich regelrecht den Magen verdorben. Schwankend und beinahe grün im Gesicht war er eines Tages, im Alter von acht Jahren, in das nahe Moor gekrochen, und hatte sich mit letzter Mühe in die Hütte des Schamanen, welcher abseits des Dorfes gelebt hatte, geschleppt. Dieser hatte ihn wieder auf die Beine gebracht und das hatte Nor damals so tief beeindruckt, dass er unbedingt mehr von ihm hatte lernen wollen. Die anfängliche Skepsis des Schamanen wich bald, als er bemerkte, dass Nor ein außerordentliches Talent auf dem Gebiet der Kräuterkunde entfaltete.

Eine lange, harte und oft auch frustrierende Lehre folgte. Über zehn Jahre wurde er von Gorth, dem Schamanen seines Stammes, in der Kräuterkunde, als auch darin unterwiesen seinen Alltag zu meistern. Sei es kochen oder das Herstellen von einfachen Faustkeilen oder Knochenmessern. Die meiste Zeit über verbrachte Nor in der Hütte seines Meisters. Hier hatte er fast alles, was er zum Leben gebraucht hatte. Mit Ausnahme eines Weibes vielleicht, doch in seinem Stamm gab es ohnehin nicht ein Orkweib welches sich mit ihm eingelassen hätte. Und so besuchte er nur hin und wieder seinen Bruder. Er lernte alle Pilze, Wurzeln, Beeren, Kräuter und Baumrinden kennen, welche man dazu nutzen konnte lindernde Salben, giftige Tränke oder berauschende Sude herzustellen. Während Nor in beinahe allen Bereichen des Lebens eine langsame Auffassungsgabe vorzuweisen hatte, fiel ihm die Aneignung des Schamanenwissens geradezu leicht. Was nicht heißen soll, dass Nor nicht auch Rückschläge erlitten hatte und mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Einige Pflanzen und Kräuter sahen sich so ähnlich, dass er sehr lange gebraucht hatte, um sie voneinander unterscheiden zu lernen. Harte, und oft auch schmerzhafte Lektionen. Schmerzhaft auf zweierlei weisen. Für jeden Fehler wurde er von seinem Meister mit einem Schlag mit einem Rohrstock bestraft. Und in der Regel hatte jeder Fehler auch starke Bauchschmerzen, Übelkeit, Schwindelgefühle oder Fieberausbrüche zur Folge, wenn er wieder einmal das falsche Kraut zu sich genommen hatte, was auf Nors schwächere Konstitution und Widerstandsfähigkkeit gegen diese Gifte zurück zu führen war.

Als er achtzehn Jahre alt geworden war, verstarb sein Meister. Nor war zunächst tief betrübt über den Verlust seines einzigen Freundes und Mentors. Da Nors Stamm sehr klein war, gab es keinen anderen Schamanen mehr, welcher ihn hätte unterweisen können. Und so zog es ihn – in der Hoffnung woanders Hilfe zu erhalten - zum benachbarten Stamm, welcher nicht weit vom Dorf seines Geburtsortes ansässig geworden war. Doch wurde er dort alles andere als freundlich begrüßt. Die Orks leben beinahe alle untereinander in Zwist und Streit. Vielleicht konnte er damals von Glück reden, dass sie ihn nur verjagt und ihn nicht getötet hatten. Zweifellos hatten sie sich von seiner, nicht gerade eindrucksvollen, Gestalt nicht gerade bedroht gefühlt.

Wie dem auch sei. Auf der Flucht vor den Orks hatte er sich zunächst im Wald verirrt, bevor er nach einigen Tagen und langen Irrungen und Wirrungen zum, als heilig geltenden, Tal der Knochen fand. Dieses Tal der Knochen war ein Ort, tief im Wald, nahe der Sümpfe und Moore der wilden Lande. Das eigentliche Tal lag in einer Senke, umgeben vom Wald der wilden Lande. In unzählige Bäume waren die Totems verschiedener Stämme eingeschnitzt worden, so dass diese Bäume an diesen Verletzungen gestorben waren und die Totems beinahe aussahen, als wären sie groteske und Angst einflößende Schreckensgestalten, welche über diesen Ort Wache hielten. Ihre kahlen und teilweise auch morschen Äste ragten wie dürre Finger in den Himmel und die Fratzen, welche in die Bäume geschnitzt worden waren, starrten Nor an, der verloren und verwirrt auf der weißen Lichtung gestanden hatte.

Unzählige Knochen lagen auf dem Boden und wurden über unzählige Jahre in der Sonne ausgebleicht. Hier und da lagen auch einige verwesende Kadaver. Und auf vielen dieser Totembäume waren die Schädel menschlicher Opfer wie Trophäen an die Äste gebunden worden. Dieser Ort, der Knochenhof, war ein Friedhof. Hier her gingen die Schamanen und Totempriester der Orks, wenn sie spürten, dass ihre Zeit gekommen war. Daher lagen die meisten der Skelette auch einfach wahllos am Boden. Hier gab es nur den Tod. Kein lebender Ork verirrte sich an diesen trostlosen, wenn auch heiligen Ort. Zumindest dachte Nor das damals, als er zögernd am Rand der Lichtung stand und es nicht wagte die Geister der Ahnen zu erzürnen, indem er einen Fuß in das Tal der Knochen wagte.

Stattdessen ging er vor dem Totem des Keilers, dem Totem seines Stammes, auf die Knie und begann vor dem toten Baum zu den Ahnen und dem Schutzgeist, von dem er glaubte, dass er dem Baum innewohnen würde, zu beten. Während des Gebets schien es Nor, als ob ein lauer Wind aufgekommen wäre. Er glaubte flüsternde Stimmen im Wind gehört zu haben und erschrocken hatte er sich von dem Baum abgewandt und war davon gelaufen.

Ziellos und Verunsichert war er einige Tage durch den Wald geirrt, bis er wieder zu seinem Heimatdorf zurückgekehrt war. Doch als er am Rand der Lichtung stand, sah er sein Dorf in Flammen stehen. Die Orks, welche ihn zunächst verjagt hatten, waren ihm nachgestürmt. Und als sie ihn nicht gefunden hatten, da waren sie kurzerhand über das Dorf Nors hergefallen. Vor den Häusern lagen überall verstümmelte oder verbrannte Leichen und Nor ging mit einer wachsenden Wut und zugleich dicken Tränen durch das entvölkerte Dorf. Hier und da lagen einige verletzte Orks. Sie stöhnten und als sie Nor erblickten, da flehten sie ihn um Hilfe an. Ihn, den sie stets ausgegrenzt hatten. Alles in ihm sträubte sich, ihnen zu helfen. Doch als er auch seinen Bruder am Boden liegen sah, mit einer schweren, blutenden Wunde am Kopf, da stürmte er sogleich in den Wald um Kräuter und Wurzeln zu sammeln. Er setzte einen heißen Tee auf und rührte eine Salbe für die Wunden an. Und so nahm er sich einem nach dem anderen den verletzten Orks an. Die folgenden Tage waren beschwerlich. Viele Orks erlagen dem Wundbrand, welchem Nor beinahe hilflos ausgesetzt war. Er hatte zwar versucht das absterbende Gewebe heraus zu schaben, doch außer wildem Geschrei hatte es nicht viel geholfen. Viele starben dieser Tage. Insgesamt konnte Nor noch acht Orks vor dem Ende retten. Darunter auch seinen Bruder. Alle anderen erlagen früher oder später ihren Wunden. Die überlebenden Orks sannen auf Rache, doch wie? Sie waren so gut wie heimatlos geworden. Kein Stamm, keine Familie, keine Ehre. Was konnten acht Orks und ein schwächlicher Schamane schon ausrichten, wo zuvor über dreißig Orks versagt hatten?

Nor führte die acht verbliebenen Orks in das Tal der Knochen. Da dieser Ort als heilig galt, konnte er sich nicht vorstellen, dass ein anderer Stamm es wagen würde, diesen Ort zu entweihen. Dieser Ort bereitete aber auch den neun Orks ein beklemmendes Unbehagen, aber Nor zerstreute anfängliche Zweifel recht geschickt. Ruht euch aus, lasst eure Wunden verheilen. Dann könnt ihr gehen, wohin die Geister euch führen. Das waren seine Worte. Vielleicht gab es irgendwo in den wilden Landen einen Stamm, der sich ihrer Annehmen würde, wenn sie sich unterwerfen würden. Doch Nor dachte nicht daran, von diesem Ort fortzugehen. Jeden Tag kniete er vor dem Keilerbaum und rief den Schutzgeist ihres Stammes an. Er brachte Opfergaben und sogar Blutopfer von sich und den anderen acht Orks. Er bat sie um Stärke und um Schutz, und in jenen Tagen stieg Nor im Ansehen der anderen Orks.

Als seine Gefährten, wie auch sein Bruder, langsam zu Kräften kamen, begannen sie den Friedhof zu erkunden. Sie hatten Hunger und Durst. Einige gingen auf die Jagd und andere fanden eine klägliche Quelle, nicht weit der toten Bäume. Doch sie fanden noch etwas anderes. Einen verwilderten Menschen. Sie hatten ihn zu den anderen gezerrt und dieser hatte lauthals protestiert. Thror der größte unter ihnen, und der neue Anführer dieser kläglichen Sippe wollte ihn einfach nur töten. Doch Challa, das einzige Orkweib unter ihnen, wollte ihn sogar verspeisen. Sie stritten und beinahe hätten sie sich sogar wegen dem Menschen geschlagen, als Nor dazwischen gegangen war. Sie hassten Menschen, doch Nor war es egal ob sie einen Menschen oder einen Ork vor sich hatten. Er hatte die Anwesenden ermahnt, dass man diesen Ort nicht durch Zwist oder gar Blut entweihen dürfe. Widerwillig legten die Orks ihren Streit bei, doch Thror widerstrebte es sich von Nor Befehle erteilen zu lassen. Auch wenn es um die Ahnen oder die Totemgeister ging. Er spuckte dem Menschen ins Gesicht und stapfte wütend von dannen. Nor sah ihm noch nachdenklich nach, als dieser Mensch an ihn herangetreten war und sich für seine Rettung bedankt hatte. Verwundert hatten Nor, und auch die anderen Orks, diesen Menschen angesehen, als er in der Sprache der Orks zu ihnen gesprohen hatte. Doch Nor wischte die Worte des Menschen nur achtlos beiseite. Thror war ein mächtiger und starker Ork gewesen. Sie hätten ihn gebraucht, wenn Gefahr aufgezogen wäre.

Gemeinsam berieten die Orks, was sie nun mit dem Menschen anfangen sollten. Er war ein Mensch. Er hatte in diesem Teil der wilden Lande nichts zu suchen. Außerdem hatte er ihren heiligen Boden betreten und die Totemgeister erzürnt! Nur Schamanen und Orks durften diesen Ort betreten. Und schließlich kamen sie zu dem Entschluss, diesem Menschen, welcher sich mit dem Namen Bhanel vorgestellt hatte, beide Augen auszustechen und ihn irgendwo im Wald auszusetzen. Bhanel begehrte gegen das Urteil der Orks natürlich auf, und er fragte sie, warum sie ihm die Augen ausstechen wollten. Und als Challa, die wilde Ork, an den Menschen herangetreten war und ihn brutal an seinem Gemächt gepackt hatte, dass Bhanel zu winseln begann, hatte sie ihm nur zugeknurrt, dass dieser Ort ein heiliger Ort für die Geister und Schamanen der Orks war, und da er diesen Ort gesehen hatte, würden sie ihm dafür die Augen aus dem Kopf reißen!

Bhanel entwand sich Challas eisernem Griff und hielt schützend die Hände vor sich, als ob er die Orks auf Abstand halten wollte. Er beteuerte, dass er nichts Böses im Sinn gehabt hatte, und offenbarte den Orks, dass er auch ein Schamane war. Und hatte er damit nicht das Recht diesen Ort zu betreten? Die Orks sahen sich verdutzt an und runzelten die Stirn. Doch sie schüttelten nur den Kopf. Er war kein Ork! Doch Nor trat hervor und wollte von dem Mann einen Beweis für seine Worte.

Bhanel bereitete ein seltsames Ritual vor. Er bereitete eine Decke über einigen Knochen aus und ging darauf in die Hocke. Er zerdrückte einige Tollkirschen und schmierte sich den Saft dieser giftigen Frucht unter die Augen und auf die Stirn. Und dann nahm er einen der Knochen und zerbrach ihn vor den Augen der Orks. Sofort begannen diese zu schreien und zu brüllen. Sie wollten ihn an Ort und Stelle an einen der toten Bäume hängen. Doch wieder war es Nor, der ihnen Einhalt gebot, und als sie seine Worte ignorierten, da stellte sich sein Bruder Nar an seine Seite und brachte die Orks zum Schweigen. Nar war, nun nachdem Thror gegangen war, der neue Anführer geworden. Er hatte sich diesen Rang recht schnell erkämpft, denn die anderen waren größtenteils noch sehr geschwächt von ihren Verletzungen.

Als Bhanel damit begonnen hatte seltsame Worte zu singen und immer wieder hin und her zu schwanken, da waren die Orks immer ruhiger geworden. Doch irgendwann, als bereits der Mittag angebrochen war, da entstieg den Knochen mit einem Mal eine unheimliche Präsenz. Es war nichts, was man wirklich beschreiben konnte. Jeder Ork schien etwas anderes zu sehen. Und viele weiteten einfach nur ihre Augen. Diese Präsenz, oder eben auch Geist, wenn man so will, schien über diesen Knochen zu schweben, wie Nebel oder Rauch. Und doch schien es beinahe, als ob dort nichts als Leere war. Bhanel begann mit der Präsenz zu sprechen, und nach einer Weile war der Zauber vorbei. Bhanel stand von dem Tuch auf und schüttelte die zerbrochenen Knochen zurück zu den anderen. Er erklärte den Orks, dass er soeben mit Ranek gesprochen hatte. Ranek. Dieser Name weckte in beinahe jedem der Orks Erinnerungen. In jedem, außer in Nor, denn er war noch zu jung, um Ranek gekannt zu haben. Ranek war der Älteste ihres Stammes gewesen und galt als weise und mächtig.

Als Nor begriff, über welche Macht dieser Bhanel gebieten konnte, da brannte in ihm der Wunsch, diese Gabe ebenso zu erlernen. Die anderen Orks waren eher zwiegespalten. Einige fürchteten sich vor Bhanel und seiner unheimlichen Macht. Sie nannten ihn Ruhestörer und Nekromant. Doch die anderen schienen eher fasziniert von der Macht mit den Ahnen sprechen zu können. Eine Gabe, die den abergläubischen Orks, welche an Schutzgeister, Totemgeister und die Ahnen glaubten einen gewissen Respekt abverlangte. Viele von ihnen, wie auch Nor, trugen einen Schutzstein mit sich, oder einen Gegenstand, welcher einem ihrer Vorfahren gehört hatte. Sie sollten Glück bringen und Unheil abwenden. Auch Nor hatte einen solchen Gegenstand. Es war ein einfacher Kieselstein, auf welchen verschiedene orkische Runen eingeritzt worden waren.

Mit dieser Demonstration waren die Orks sich nicht mehr so sicher, über das Schicksal dieses Menschen. Er war nicht nur irgendein Schamane. Sie entschieden, dass er für eine Weile bleiben durfte. Nur Hrok war dagegen. Er mochte diesen Menschen nicht und wollte ihn nicht in seiner Nähe wissen.

Nor hingegen verlangte von Bhanel, dass er ihm seine Gabe lehren sollte. Die Riten und die Gebete, die Zauberformeln und auch alles andere. Und Bhanel hatte eingewilligt, zum Dank für sein Leben. Bhanel und Nor übten jeden Tag, während die anderen Orks die beiden kritisch beäugelten. Nach und nach verheilten die Wunden, und der erste der ging, war Hrok. Als sein schmerzendes Bein endlich nicht mehr nach jedem Schritt kribbelte und pochte, war er wie ausgewechselt. Er ging in den Wald und brachte kurz darauf einen prächtigen Hirsch, den sie gemeinsam über dem Feuer brieten. Doch am nächsten Morgen, da war Hrok einfach verschwunden. Niemand hatte gesehen, wohin er gegangen war, und niemand konnte sich vorstellen, wohin es ihn gezogen hätte. In der Umgebung gab es keinen einzigen Stamm, welcher dem ihren Freundlich gesonnen wäre. Selbst wenn Hrok sich unterwerfen würde, und keiner konnte sich vorstellen, dass dieser Ork dazu überhaupt fähig war, würden sie ihn töten.

Die Wochen und Monate vergingen. Trostlose und auch langweilige Wochen, in welchen der Sommer langsam verging und der Herbst ins Land einzog. Vor allem die Orks begannen sich zu langweilen. Sie balgten miteinander und maßen ihre Kräfte. Jeder von ihnen forderte Nar immer wieder zum Kampf heraus, doch am Ende war stets Nar der Sieger. Doch je mehr Zeit ins Land strich, desto weniger wurden sie. Nach und nach verschwand einer nach dem anderen. Während sie an einem Tag noch zu siebt waren, da waren sie am nächsten schon zu sechst. Als sie nur noch zu viert waren, da war Challa eines Tages einfach während des Essens aufgestanden, hatte die Knochen des Keilers, welchen sie gerade verspeist hatten, auf den Boden geworfen und wild geflucht. Es ging ihr gegen den Strich und war wider ihrer Natur, sich an diesem unheimlichen Ort wie ein Feigling zu verstecken. Und dieser Bhanel war ihr genauso nicht geheuer. Und da war sie fluchend und fauchend in den Wäldern verschwunden. Sie wollte lieber im Kampf sterben, als irgendwann an Langeweile oder Trübsal.

Nach nicht einmal einem halben Jahr, waren nur noch Nar, Nor und Bhanel übrig geblieben. Nar hatte sonst niemanden mehr, außer seinem Bruder. Ihre Eltern und sein Weib waren tot, und so sehr es ihn auch in die Ferne zog, um sich einem anderen Stamm anzuschließen, so wollte er seinen Bruder, den letzten seiner Familie, nicht im Stich lassen. Und so blieb Nar auch die übrigen sieben Jahre bei Nor und die beiden begannen sich mit diesem seltsamen Menschen, der sich Bhanel nannte, anzufreunden. Und eigentlich war es ja auch kein schlechtes Leben, wenn man von den harten Wintern absah, welche das Wild oft weit in den Süden trieb. Doch Nar war ein geschickter Jäger und Nor ein findiger Wurzelsammler. Und während Nar auf die Jagd ging, nutzte Nor die Zeit oft um Feuerhholz zu sammeln, Kräuter, Wurzeln oder Beeren, und wenn Nar länger brauchte, auch schon das Feuer zu schüren. Sie waren ungestört, hatten zu Essen, wenn es auch zuweilen dürftig war, und Bhanel konnte zuweilen sogar ganz interessante Geschichten erzählen. Das einzige, was Nar vermisste, war ein prächtiges Orkweib. Doch ein solches zu finden, war beinahe genauso schwer, wie einen neuen Stamm zu finden, der ihn aufnehmen würde. Manchmal saßen die beiden Brüder am Waldrand und starrten einfach nur den Mond an, und Nars Gedanken schweiften in die Ferne ab.

Nor hatte in diesen letzten sieben Jahren erstaunliche Fortschritte gemacht, wenn man einmal von den Rückschlägen absieht, welche er im Laufe seiner Lehre erlitten hatte. Fehlgeschlagene Riten und verpatztes Totenrufen kamen nicht selten vor. Doch als er einmal zu viel Leichengift bei einem Ritual verwendet hatte, lag er beinahe zwei Wochen in einem hitzigen Fieber. Er wäre beinahe gestorben, wenn Nar ihm nicht unentwegt immer wieder frischen Schnee gebracht hätte. Wenn zu dieser Zeit nicht Winter gewesen wäre, hätte Nor zweifellos der Tod ereilt. Doch durch den fielen Schnee, den er geschmolzen getrunken hatte, konnte er seinen Körper von dem Gift entwässern und war mit Mühe und Not dem Tode entrungen. Zwar war Bhanel ihm noch in vielen Belangen überlegen, doch hatte Nor einen starken Willen und einen ehrfürchtigeren Glauben an die Totemgeister, als Bhanel. Nor war nun inzwischen 27 Jahre alt, und Nar begann immer öfter in die Ferne zu schweifen. Und da spielte das Schicksal dem älteren Bruder in die Hände. Eines Tages, auf einem seiner Streifzüge, entdeckte Nar einige Knochen. Das war natürlich, im Tal der Knochen, nichts außergewöhnliches. Doch einer der Schädel, welcher sich unter diesen Knochen befunden hatte, wies einen abgebrochenen Eckzahn auf. Die Eckzähne der Orks konnten, wie die eines Ebers, zuweilen recht lang werden, und bei Rangeleien kam es gelegentlich vor, dass einer dieser Zähne abbrach. Nar hätte sich nichts dabei gedacht, wenn auf diesem Zahn nicht ein eiserner Dorn gesteckt hätte. Ungläubig hob er den Schädel in die Höhe, um ihn näher zu betrachten und betrachtete diesen im Sonnenlicht. Hrok, der Ork, welcher als erster gegangen war, hatte einen eisernen Zahn gehabt. Alle hatten ihn nur Eisenzahn genannt. Das Eisen war Hroks wertvollster Besitz gewesen, denn er hatte es bei einem Streifzug in die südlichen Lande erbeutet und sich damit seinen gebrochenen Zahn repariert. Als Nar den Schädel Hroks erkannt hatte, da untersuchte er auch die anderen Knochen, welche sich an dieser Stelle befunden hatten. Sie alle schienen noch nicht sehr lange hier zu liegen und jeder von ihnen wies unzählige Bisspuren auf, als ob jemand das Fleisch von ihren Knochen genagt hätte.

Als Nar Nor von seinem Fund berichtete, da wollte dieser ihm erst nicht glauben. Doch Nar wurde wütend und stellte Bhanel zur Rede. Der Mensch stritt natürlich ab, irgendetwas davon zu wissen. Doch auch Nor machte sich langsam Gedanken. Er erinnerte sich daran, wie die meisten Orks einfach in der Nacht verschwunden waren und nicht wieder aufgetaucht waren. Nar packte den Mann am Hals und hob ihn beinahe mühelos in die Höhe, als dieser zu röcheln und zu gurgeln begann. Vermutlich hätte er einfach irgendwann seine Lebenskraft verloren und Nar hätte ihn irgendwo in den Wald geschmissen. Doch war inzwischen die Dämmerung des Abends angebrochen und der Mond erhob sich langsam in den Himmel. Und da begann Bhanel mit einem Mal zu zucken und zu schreien. Entsetzt ließ Nar den Menschen fallen und trat einen Schritt zurück, als dieser sich krümmte und in den Knochen unzähliger, vergangener Schamanen herumwälzte. Er zog sich seine schwere Axt aus dem Gürtel und umklammerte den Griff mit beiden Händen.

Bhanel war ein Werwolf gewesen. In all den Jahren war es weder Nar, noch Nor, noch einem der anderen Orks aufgefallen. Sie hatten nicht einmal bemerkt, dass er sich jede Nacht, vor Einbruch der Dämmerung, davongeschlichen hatte. Vielleicht waren die Orks einfach nur zu einfältig gewesen, um es zu bemerken, oder aber Bhanel war ein solch listiger Mann, dass er genau gewusst hatte, wie er sich verborgen halten konnte. Manch einer würde sich vielleicht fragen, warum er sie nicht einfach alle in einer beliebigen Nacht abgeschlachtet hatte. Doch das war ein Geheimnis, welches er mit ins Grab genommen hatte.

Als Bhanel sich schließlich in seiner wahren Gestalt vor den beiden Brüdern offenbart hatte, da sprang er die Orks an und schnappte nach Nar. Doch dieser hieb ihm mit der Axt ins Maul. Jeder andere Mensch wäre von diesem Schlag wohl auf der Stelle gestorben. Doch Bhanel nicht. Er hatte gewinselt und natürlich auch stark geblutet. Doch die Axt hatte ihn nicht getötet. Er war vor Nar zurück gewichen und hatte begonnen die beiden Orks zu umkreisen. Er war sich seiner Stärke und seiner Schnelligkeit bewusst. Er musste nur auf den richtigen Moment warten, um Nar zu überwältigen. Und als der Werwolf sich schließlich erneut auf die beiden Orks stürzte und sie förmlich unter sich begrub, da riss er Nor mit seiner Klaue den linken Oberarm auf. Doch nicht nur das. Er verbiss sich regelrecht in seinem Unterarm so dass das Blut und der Speichel des Werwolfs sich stark vermischten. Und seither trägt er diese Narben an seinem linken Arm.

[18]Nar hingegen hatte sich geschickt auf die Seite gerollt und noch bevor der Werwolf seine Klauen in seinen Bruder hatte schlagen können, ihm die Axt tief in den Schädel getrieben. Die Kreatur hatte noch einige Male gezuckt und Nar hatte immer wieder auf den verfluchten Menschen eingehackt, bis die ganze Erde mit dem roten Blut des Werwolfs getränkt worden war.[/18]

Nun hielt weder Nar, noch Nor noch etwas an diesem Ort. Er war entweiht worden. Entweiht von dem Blut des Werwolfs. Relativ bald setzte ein Gewitter ein und gellende Blitze erhellten die Nacht. Die beiden Brüder verstanden dies als ein Zeichen der Totemgeister. Sie waren zornig und die beiden Orks rannten förmlich um ihr Leben. Sie irrten Monate durch die Wälder der wilden Lande, Heimatlos und ruhelos. Aber sie hatten überlebt! Doch zu welchem Preis?

Nor wurde, je mehr Tage seit der Verwundung durch den Werwolf ins Land gestrichen waren, immer launischer, aggressiver und litt immer häufiger unter Wutanfällen und Zornesausbrüchen. Sein Bruder versuchte ihn immer wieder zu beruhigen, doch fruchtete es kaum. Eher noch stritt Nor sich mit seinem Bruder, wenn dieser versuchte ihn zu beruhigen. Nach solchen Ausbrüchen wurde Nor dann immer träge und müde. Er zog es vor zu schweigen.

Nar hatte den Vorschlag unterbreitet, ihr Glück im Süden der wilden Lande zu suchen, wo die Stämme näher bei den Menschen lebten. Er hoffte dort auf Orks zu treffen, welche ihnen nicht sofort feindlich gesonnen wären, so dass sie ein neues Leben beginnen konnten. Doch sollte sich Nars Vorschlag nie bewahrheiten. Als das erste Mal, nach dem Vorfall mit dem Werwolf, der Vollmond am Himmel aufging, brach das erste Mal die Bestie, welche bis dahin in ihm geschlummert hatte, aus Nor hervor. Er wurde wieder einmal wütend und brach einen grundlosen Streit vom Zaun. Nar, welchem die letzten Tage bereits schon sehr viel Geduld abverlangt hatten, schlug Nor die Faust ins Gesicht. Er hatte genug von dem wankelmütigen Geist seines Bruders. Doch diese Tat sollte seine letzte werden. Nor ging zu Boden und krümmte sich vor Schmerzen. Nar, welcher zunächst glaubte, dass er seinen Bruder zu fest geschlagen hatte, ging neben seinem Bruder in die Hocke und wollte ihm wieder auf die Beine helfen, als Nor sich zum ersten Mal in einen Werwolf verwandelte. Der Ork starrte seinen Bruder beinahe fassungslos an, und als er sich gewahr wurde, was dort geschah, da sah er sich panisch nach der Axt um, mit welcher er auch schon den letzten Werwolf zur Strecke gebracht hatte. Doch diese lehnte an einem Baum, zu weit weg von Nor. Nor riss die Augen auf und knurrte, und sein Bruder versuchte zu der Axt zu rennen. Doch der Werwolf war schneller. Er fegte den rennenden Ork buchstäblich von den Beinen und er schlug hart gegen eine Baumwurzel. Als der Werwolf ihn dann schließlich eingeholt hatte, war dies das Ende des großen Orks. [18]Der Werwolf riss ihm buchstäblich die Brust auf, versenkte seine Schnauze in der klaffenden Wunde und labte sich an dessen Fleisch. Er riss dem Ork das schlagende Herz aus der Brust und verschlang es mit einem Satz.[/18]

Als Nor am nächsten Morgen wieder erwachte, da war der Werwolf wieder gegangen. Zurück blieb die kalte, ausgeblutete Leiche seines Bruders. Als er den Leichnam entdeckte da wurde Nor panisch und er weinte bittere Tränen, denn er hatte seinen Bruder über alles geliebt. Doch als er später bemerkte, dass Blut an seinen Händen klebte und er einen seltsamen, metallischen Geschmack auf der Zunge hatte, da stürzte er kopflos durch den Wald. Er rannte und rannte, und irgendwann wusste er nicht mehr wo er war.

Die folgenden Nächte waren eine schlimmer als die andere. Jede Nacht verwandelte sich Nor in die reißende Bestie, die seinen Bruder auf dem Gewissen hatte. Und jeden Morgen erwachte Nor und konnte sich nicht mehr daran erinnern, was in der Nacht geschehen war. Des Tages war er voller Zorn und Hass. Er schrie zu den Geistern, fragte sie warum er sie mit solch einem Fluch belegt hatte? Doch er erhielt nie eine Antwort.

Er streifte durch die wilden Lande, ziellos irrte er umher, und er verirrte sich mehrmals. Zuerst war er immer weiter in den Süden gekommen, doch wenn es Nacht wurde, zog es den Werwolf immer zurück in den Norden. Nor hatte Glück, dass der Frühling bereits ins Land gezogen war, denn der harte Winter der wilden Lande hätte dem schwächlichen Ork in diesem Zustand zweifellos den eisigen Tod gebracht. Und der Werwolf legte immer weitere Strecken zurück, als es der schwächliche Ork am Tag vermochte. Irgendwann kam er wieder dort an, wo alles begann. Der Friedhof im Tal der Knochen. Dort vegetiert er vor sich hin. Nor hatte seinen Lebenswillen verloren. Des Tages nahm er kaum etwas zu sich und ergab sich seinem Schicksal. Doch die Bestie in ihm, erhielt ihn am Leben, da sie jede Nacht durch den Wald pirschte um ein Tier, oder gar einen Ork zu reißen.

Da der Ork einfach nicht sterben konnte und ihm der Mut dazu fehlte, sich selbst das Leben zu nehmen, ergab er sich irgendwann in sein Schicksal. Wenn er nicht sterben konnte, dann wollte er zumindest lernen die Bestie in sich zu beherrschen. Irgendwann bemerkte Nor, dass Nachtschatten und Eisenhut, Pflanzen die er in seiner Tätigkeit als Schamane des Öfteren für verschiedene Gründe benutzte, ihm ein verstärktes Unwohlsein bereiteten. Besonders Nachtschatten rief in ihm sogar Atemnot hervor. Und so entschloss er sich, gegen diese Gifte abzuhärten. Immer wieder nahm er kleine Dosen davon zu sich, um seinen Körper an diese Gifte zu gewöhnen.

Die Tage und auch Jahre gingen ins Land. Lange, entbehrliche und harte Jahre. Ohne Nar hatte Nor kaum zu Essen, und doch verhungerte er nicht, denn der Werwolf ging jede Nacht auf die Jagd. Und des Tages über erholte sich Nor oft Stunden von den Strapazen der Nacht, welche der Werwolf von ihm abverlangt hatte. Und die Winter waren noch härter, doch die Höhle, nahe des Friedhofs spendete zumindest so viel Schutz, dass er nicht erfror und er begann sie mit den Fellen der erlegten Tiere, welche der Werwolf in der Nacht gerissen hatte, auszulegen und legte Vorräte für den Winter an. Getrocknetes Obst, Wurzeln oder einfach nur Feuerholz, welches er im Wald suchte, wenn ihm die Konzentration fehlte, die Toten zu rufen. Über die Jahre hatte Nor sich somit die Höhle zu einem neuen Heim geschaffen. Und Nor fühlte sich dennoch zusehends einsamer, als er sich auf die Gabe, welche Bhanel ihn gelehrt hatte, besann. Die ersten Rituale, welche mit den verschiedensten Gebeinen der verrottenden Schamanen durchführte, waren selten von Erfolg gekrönt. Er machte immer wieder Fehler, welche hin und wieder auch dazu führten, dass er bewusstlos wurde und erst am nächsten Morgen wieder erwachte. Doch nach und nach gelang es ihm immer öfter die Geister der Verstorbenen zu rufen, welche an diesem Ort lagen. Die Nächte vergingen in Blut und Tod, und die Tage verbrachte Nor damit die Geister des Friedhofs zu wecken um seine Einsamkeit zu vertreiben. Viele von ihnen waren nur wütend und verfluchten ihn förmlich, weil er es gewagt hatte ihre Ruhe zu stören. Doch fand Nor auch einige Seelen unter ihnen, welche ihm halbwegs freundlich gesonnen waren. So gut man das eben von einem Ork behaupten konnte. Sonst hatte er niemanden zum Reden. Nur die Geister. Und es gab Tage, da war er sogar froh darüber sich von einem jener Geister beschimpfen und beleidigen zu lassen. Alles war besser als die trostlose Einsamkeit und die bedrückende Totenstille, welche an diesem Ort vorherrschte. Und während er die Geister rief, versuchte er immer wieder sich dem Ruf des Mondes zu widersetzen, oder die Bestie in seinem Blut zu zähmen, was ihm nur schwerlich gelang. Wenn es darum ging Tote zu rufen, konnte Nors Willen eisenhart sein, doch konnte er nicht den Willen der Bestie in sich überwinden. Sie schien so viel stärker als er zu sein.

Irgendwann rief Nor den Geist eines alten Schamanen zu sich. Sein Name war Rukh, und er war einst wie Nor gewesen. Ein Totenrufer. Nor erfuhr so manches Geheimnis von diesem Geist, unter anderem auch die Macht des Banns. Ein Fluch und ein Zauber zugleich. Fortan rief Nor diesen Geist beinahe jeden Tag an, um mehr von ihm zu lernen, und Rukh war einer jener Geister, die Nor später als Nebelgeister bezeichnete. Ruhige Seelen mit einem freundliche Gemüt. Er lehrte Nor nicht nur die verschiedenen Riten für die drei Arten der Geister, sondern auch den Bann.

Es dauerte Jahre. Nor war 29 Jahre alt, als er zum ersten Mal mit Rukh in Kontakt getreten war, und erst als er 42 Jahre alt wurde, hatte er diesen Fluch gemeistert. Dreizehn lange Jahre. Harte, entbehrliche Jahre in welchen er immer wieder das Tier in sich bekämpft hatte, mit minder zufriedenstellendem Erfolg. Irgendwann war Nor an einem Punkt angelangt, wo er sich entscheiden musste. Wollte er weiterhin die Bestie in sich bekämpfen, oder sie als ein Teil seiner selbst anerkennen? Er entschied sich für letzteres, allerdings mit dem Hintergedanken, irgendwann vielleicht eine Lösung zu finden, wenn er gelernt hatte die Bestie zu verstehen und zu lenken. Und in all dieser Zeit hatte er das Tal der Knochen nie verlassen. Wenn Nor nicht geschlafen hatte, dann sprach er mit den Geistern, und wenn es Nacht war, ging der Werwolf auf die Pirsch. Und diese Zeit ist nicht spurlos an ihm vorüber gegangen. Er wurde mehr und mehr zum Exzentriker. Vielleicht lag es daran, dass er Tag für Tag die Geister rief, um mit ihnen zu reden. Vielleicht auch an den Ritualen und den Lehren Rukhs. Oder einfach nur an den verschiedenen Kräutern, welche er immer wieder zu sich nahm. Es gab auch Tage, da sprach er nur mit sich selbst, ohne ein Ritual gewirkt zu haben. Und als er endlich den Bann gemeistert hatte, da war Nors Zeit der Rache gekommen. Als er vor dreizehn Jahren von Rukh erfahren hatte, dass er den Geist eines gerufenen Toten an einen Gegenstand zu binden vermochte, hatte er die sterblichen Überreste des Werwolfs, mit Ausnahme der Zähne, aus welchen er sich zwei Schutzsteine angefertigt hatte, die er fortan um den Hals trug, zu Asche verbrannt. Nor rief die Seele Bhanels mit dem Feuerritual, und als Bhanel kam, da begann er schallend und gehässig zu lachen. Er verspottete Nor und nannte ihn seinen Erben. Der Erbe des Fluchs. Doch Nor ließ sich von Bhanel nicht provozieren. Stattdessen stellte er ihm Fragen. Warum hatte er all die Ork getötet? Doch Bhanel antwortete nur mit knurrendem Lachen. Er hatte Freude daran, hatte er behauptet. Den einen hatte er nicht leiden können, der andere hatte ihn zu grob angepackt, als sie ihn gefunden hatten. Andere hatten ihn als das erkannt, was er war, als sie des Nachts auf die Jagd gegangen waren. Doch Nar und Nor waren immer zusammen gewesen und so hatte es keine Möglichkeit gegeben Nar zu töten, ohne Nor seine wahren Natur zu offenbaren. Nor hörte Bhanel zu, während er ihn weitere Fragen stellte und so den feurigen Geist ablenkte, damit dieser nicht bemerkte, was Nor vorhatte. Er hatte seine Rache gut geplant und als er mit seinem Ritual begonnen hatte, da gab es für Bhanel kein Entrinnen mehr. Nor hatte Bhanels Geist an den Totemstab gebannt, welchen er immer mit sich führte, und seit jenem Tag ergötzte sich Nor stets an dem Geschrei des Geistes dieses verfluchten Werwolfs.

Eines Tages erschien ein roter Stern am Himmel, welcher aussah, als würde er zur Erde stürzen. Dieser brennende Komet erhellte sowohl den Tag, als auch die Nacht und kleidete diese in blutrotes Gewand. Als der Stern zum ersten Mal in Erscheinung trat, hielt Nor diesen für einen Blutgeist, welcher vom Himmel stürzte, bis die Nacht herein brach... Als es Nacht wurde, und sich auf die Verwandlung vorbereitete, indem er sich seiner Kleidung entledigte, damit sie bei der Werwolfwerdung nicht zerstört würde, da konnte er das erste Mal seit elf Jahren wieder den Mond am Himmel sehen. Er hatte zwar schon einige Nächte erlebt, in welchen die Verwandlung ihn nicht übermannt hatte, doch waren dies allesamt mondlose Neumondnächte gewesen. Doch in dieser Nacht war die Sichel des Mondes hell am Himmel gestanden und er hatte sich nicht in einen Werwolf verwandelt! Er war geblieben wer er war, Nor. Zunächst hielt er es für einen seltsamen Zufall, bis dieser Zufall sich in der folgenden Nacht wiederholt hatte. In jener Nacht keimte in ihm eine neue Hoffnung auf. Der rote Blutgeist hatte die Bestie, welche in ihm schlummerte, weiterhin schlafen lassen. Er sah dies als ein Zeichen der Ahnen und machte sich auf diesen Blutgeist zu finden. Er machte sich auf, die wilden Lande zu verlassen, um diesen Blutgeist zu finden.

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