Profil von Naveah

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wilde Kleine
Avatar: Daniel Oldenburg

Profil

Benutzername:
Naveah
Gruppen:

Charakter

Name:
Naveah Arbora
Alter:
22
Rasse:
Mensch
Heimat:
Brisangen
Aufenthaltsort:
Mérindar
Waffen:
Pfeil und Bogen, Jagdmesser
Inventar:
Geldbeutel

Steckbrief

Name: Naveah Arbora

Alter: 22

Rasse: Mensch

Aussehen

Naveah ist ungefähr 1,60 groß und wiegt etwa 60 kg. Ihre Figur ist recht schlank, die Arme ein wenig stärker definiert, durch das Bogenschießen. Ihr Körper deutet eine leichte Sanduhrform an, die Brust ist mittelmäßig ausgeprägt, die Taille ist schmal, die Hüften ein wenig ausladend, allerdings zu breit für Naveahs Geschmack. Ihre durchaus als weiblich zu bezeichnende Figur ist allerdings unter ihrer eher weiten Kleidung versteckt. Ihr Gesicht, welches auf den ersten Blick in punkto Weiblichkeit in völligem Kontrast zu ihrer restlichen Erscheinung steht, kann man als ausdrucksstark bezeichnen. Es ist zart, die Haut ist hell und rein, und auf der Nase und auf den Wangen finden sich viele kleine Sommersprossen. ‚Fliegendreck‘, so necken ihre Brüder sie gerne damit, was Naveah nicht sonderlich dazu bewegt, diese Sommersprossen zu mögen. Ihre Nase ist gerade und an der Nasenspitze ein wenig rundlich, eine echte Stupsnase! Die Augen sind groß und haselnussbraun, und vermögen sehr reizvoll zu strahlen und neugierig in die Welt zu blicken. Lange Wimpern rahmen diese ein und die hübsch geschwungenen, gleichmäßigen Augenbrauen geben ihrem Gesicht einen interessanten Ausdruck. Die Lippen sind von einem dezenten Rotton, und passen in ihrer Farbbeschaffenheit zu ihrem Kastanienbraunen Haar, welches von leichten Naturwellen durchwirkt ist. Sie reichen Naveah bis unter die Schulterblätter und sie trägt diese meistens offen, obgleich sie ständig damit beschäftigt ist, sich Haarsträhnen aus dem Gesicht zu wischen, da diese oft wirr ins Gesicht hängen.

Naveah trägt eine naturfarbene, lockere Leinentunika, die ihr bis ungefähr zu den Hüften reicht und eine braune, ein wenig weite, abgewetzte Wildlederhose, die mittels Lederband an den Hüftumfang angepasst werden kann. Über der Tunika trägt sie einen braunen Ledergürtel, der eine einfache, schmucklose messingfarbene Gürtelschließe besitzt. Des Weiteren nennt sie braune, abgetragene Rindslederstiefel ihr Eigen, die ihr allerdings ein wenig zu groß sind. Sie wird auch in diese nicht mehr hineinwachsen. Dieser Umstand der etwas zu großen Stiefel verleitet sie manchmal dazu, zu schlurfen, auf der Jagd ein wenig unpraktisch, und wenn die Böden durch starken Regen matschig sind, passiert es ab und an, dass sie mit dem Stiefel im Schlamm stecken bleibt und aus dem Stiefel rausschlüpft. Diese eher männertypische Kleidung stammt aus dem Besitz ihrer Brüder, und wurde von Kind zu Kind weitergegeben, gegebenfalls geflickt und ausgebessert. Stoffe sind teuer und die Familie stammte aus eher ärmlichen und schlichten Verhältnissen.

Naveah hat eine aufrechte Körperhaltung und einen offenen Gesichtsausdruck, welche auf den ersten Blick eine positive Lebenseinstellung verraten.


Waffen

Naveah ist ausgerüstet mit einem Bogen, nebst Köcher mit Pfeilen. Da ihr Vater Jäger ist, waren der tägliche Umgang und das Üben mit Waffen für die Kinder ab einem gewissen Alter beinahe selbstverständlich. Jeder, so auch Naveah, durfte sich für eine Waffe entscheiden, die zu beherrschen sie lernen sollten. Naveah entschied sich für Pfeil und Bogen. Ihr Bogen ist eine ziemlich einfache Ausführung eines traditionellen Bogens. Er ist aus geschnitztem und poliertem Eibenholz, ziemlich einfach in der Ausführung, schmucklos und zweckdienlich. Er ist etwa drei Ellen lang und man sieht ihm seinen ständigen Gebrauch in Form von Kerben, Grasflecken und anderen Gebrauchsspuren an. In der Mitte des Bogens sind Lederschnüre angebracht, um den Bogen an dieser Stelle rutschfest halten zu können. Diese sind schon ziemlich abgewetzt und speckig. Die Bogensehne besteht aus einer Tiersehne und ist für den permanent spontanen Gebrauch stabil in den Nocks eingehängt.

In erster Linie dient ihr diese Waffe dazu, um Wild zu erlegen und damit zu jagen. Trotz der Einfachheit des Bogens ist Naveah ziemlich stolz darauf, diesen zu besitzen, das sie ihn, unter Anleitung und der geringen Hilfe ihres Vaters, beinahe alleine gebaut hat. Naveah wäre es nie in den Sinn gekommen, diese Waffe zum Angriff gegen Menschen zu verwenden. Höchstens zum Zwecke der Notwehr würde sie diese einsetzen, um sich zu verteidigen. Im Nahkampf oder bei einem überraschenden Angriff jedoch, wäre ihr Bogen beinahe nutzlos. Zum Bogen gehört selbstverständlich auch ein lederner Köcher, der aus dickem braunem Rindsleder gefertigt ist. Es ist ein ziemlich einfacher Köcher, der aus einem gerollten Stück Rindsleder besteht, sowie einem runden Stück Leder als Boden, deren Verbindungen mit Lederschnüren zusammengehalten werden. Zum Schutz vor der Witterung ist das Leder mit Fett eingelassen. Dennoch zeigen viele Schürfungen, Kerben und Flecken von dem oftmaligen Gebrauch. In dem Köcher befinden sich etwa zehn Pfeile, die aus Escheholz geschnitzt sind. An der Spitze sind die Pfeilspitzen angebracht, welche spitz zulaufende Ahl-Spitzen sind, die in einer Kerbe der Schaftspitze eingekeilt und mittels Garnwicklung gesichert sind. Die Befiederung der Pfeile ist aus Gänsefedern. Mit ihrem Pfeil und Bogen schafft es Naveah, ein Ziel in etwa 200-250 Fuß Entfernung zu treffen. Dafür braucht sie allerdings eine ruhige Hand und Konzentration. Wenn sie aufgeregt oder in Bedrängnis wäre, kann es durchaus passieren, dass sie ihr Ziel verfehlt.

Des Weiteren besitzt sie noch ein Jagdmesser, welches sie stets an ihre Gürtel bei sich trägt. Auch dieses erfüllt eigentlich nur den Zweck, es zum Töten von Tieren, zum Ausweiden, und für den sonstigen alltäglichen Gebrauch einzusetzen. Die aus einfachem Stahl geschmiedete und polierte Klinge ist etwa fünfzehn Zentimeter lang, drei Zentimeter breit und schimmert matt. Der etwa zehn Zentimeter lange Griff ist aus Horn, welches dem unbearbeiteten Geweih eines einst gewaltigen Hirsches entnommen wurde, und liegt recht gut in der Hand. Im Nahkampf könnte Naveah sich damit vielleicht verteidigen, wenn sie nicht unbedingt einem überraschenden Angriff gegenüber steht. Zumindest ist die Klinge lang und scharf genug, um damit einen tödlichen Stich zu versetzen.

Charakter

Naveah besitzt ein ziemlich burschikoses und ein wenig wildes Wesen, welches bestimmt dem Umstand zuzuschreiben ist, dass sie als einziges Mädchen unter ihren vier Brüdern aufgewachsen ist, was ihre Mutter manchmal ein wenig verzweifeln lässt. Sie ist eine ausdauernde, zähe Natur, welche ziemlich viel einstecken, aber auch austeilen kann, dies war unter vier wilden Burschen auch mehr als bitternötig. Zumindest, was ihr Mundwerk betrifft. Sie sagt, was sie denkt, versucht dabei aber immer, ihr Gegenüber nicht zu verletzten, und taktvoll zu sein, was ihr in den meisten Fällen auch gelingt. Nur manchmal rutschen ihr unbedachte Bemerkungen aus, die Naveah dann meist als die Wahrheit, die eben nicht vertragen wird, abtut. Naveah ist eine eher nachdenkliche Natur, und sie macht sich über ziemlich viele Dinge Gedanken, über ihre Familie, über das Leben und dessen Sinn und was einmal später aus ihr werden soll und welcher Weg ihr vorbestimmt ist. Ihr Motto hierbei ist, "Jeder ist seines Glückes Schmied", da sie sie nicht gläubig ist, glaubt sie nicht, dass es die Götter sind, die ihr Leben leiten, sondern dass jeder sein Schicksal selbst bestimmt. Jedenfalls glaubt sie nicht an die Existenz einer höheren Macht, sondern dass alles aus dem Grund geschieht, dass alles auf Ursache und Wirkung beruht.

Ihre Familie ist ihr ihre wichtigste Stütze und Hilfe, sie hat einige Freunde in Brisangen, doch nichts geht ihr über ihre Brüder und ihre Eltern. Das Verhältnis zu diesen ist sehr fest und innig und Naveah ist sich sicher, dass sie alles für sie tun würde, was in ihrer Macht steht, oder alles geben würde, was sie besitzt. Naveah würde zum Beispiel, ohne mit der Wimper zu zucken, ihre Heimat aufgeben, um mit ihrer Familie fort zu ziehen, wenn es erforderlich wäre, auch wenn dies für sie kein großes Opfer darstellen würde... Und auch wenn der Gedanke, dass sie zum Beispiel ihren Bogen verkaufen müsste, um einem ihrer Lieben etwa aus einer Notlage zu helfen, sehr unbehaglich erscheint, so ist Naveah dennoch sehr optimistisch, dass dies nie passieren wird.

Naveah ist neugierig, und wissbegierig, möchte am liebsten alles wissen. Sie kann auch ziemlich lästig werden, wenn sie etwas wissen möchte, oder etwas Interessantes wittert, was ihr Gegenüber nicht bereit ist, preiszugeben. Sie kann dann ziemlich nachhakend und nervenaufreibend sein. Naveah wirkt auch meistens sehr selbstbewusst, was ihr ihre, für Frauen außergewöhnliche, Fähigkeiten verleihen. Eindruck auf sie machen außergewöhnliche Fähigkeiten, sowie Bildung und herausragendes Wissen, alles Dinge, die ihr durch ihre Lebensverhältnisse verwehrt blieben. So hat sie eher wenig, bis gar keine Ahnung von Politik und Weltgeschehen, lediglich weiß sie über die wenigen und auch wenig aufregenden Dinge Bescheid, welche sich in Brisangen abspielen, was nicht wirklich von weltbewegendem Interesse, sondern eher Bauerngeschwätz ist...

Sie ist ausgesprochen menschenfreundlich, und mag die meisten Menschen gerne, wenn sie sich dementsprechend verhalten. Sie ist Fremden gegenüber eigentlich kaum misstrauisch, sie ist diesbezüglich sehr offen und vertrauensselig, sie hat ja auch noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Sie kümmert sich auch gerne um andere Menschen, steht mit Rat und Tat beiseite, so sie kann. Sie führt gerne gute und interessante Gespräche, und kann mit Menschen, mit welchen sie sich gut versteht, oder auf einer Wellenlänge liegt, eine tiefe Freundschaft entwickeln. Doch sie würde für einen Fremden sicher nie ihr Leben aufs Spiel setzen, oder ein Wagnis eingehen, welches ihr selbst zum Verhängnis werden könnte oder sie in Schwierigkeiten bringen würde. Dies sind ihre Grenzen, nämlich da, wo es um ihre eigene Unversehrtheit geht, die sie sich bewahren möchte, so wie beinahe alle Menschen, sowohl im physischen, als auch psychischen Sinne.

Besonders geduldig ist Naveah nicht, dazu ist sie viel zu unruhig, will und muss ständig in Bewegung sein, hasst es, über einen längeren Zeitraum still zu sein oder still zu sitzen, es war stets eine Qual für sie, mit ihrem Vater ruhig und manchmal ziemlich lange im Unterholz zu sitzen, um auf ein Beutetier zu lauern. Da sie schon von klein auf mit toten Tieren konfrontiert wurde, hat sie keine Probleme oder Ekelgefühle, wenn es um Blut, tote Tiere, hässliche Wunden und Verletzungen geht.

Was Naveah absolut nicht ausstehen kann, sind egoistische Menschen, die nur an sich selbst denken, oder nur ihre eigenen Zwecke verfolgen. Des Weiteren mag sie arrogante oder überhebliche Menschen gar nicht. Lügen sind ihr ebenso zu wider. Man kann Naveah mäßig leicht provozieren. Durch die ständigen Hänseleien ihrer Brüder hat sie sich diesbezüglich ein dickes Fell zugelegt, nur wenn man ihre wunden Punkte trifft, kann sie aus der Haut fahren und recht harsch oder wütend werden. Ihr größter wunder Punkt ist, dass sie sich oftmals nicht als vollwertige Frau betrachtet, oder als solche leben kann, weil sie eher wie ein Junge erzogen wurde, und auch so mitanpacken musste, ohne dass hierbei auf ihre weiblichen Umstände allzu großen Wert gelegt wurde. So musste sie zum Beispiel stets die abgelegten oder zu klein gewordenen Kleidungsstücke und Stiefel ihrer Brüder tragen, anstatt ein Kleid zu besitzen.

Ihr Herz hat sie bislang allerdings noch nie verloren, geschweige denn unterhielt sie eine Liebelei, sie hat sich nie wirklich dafür interessiert und ist sogar der festen Überzeugung, dass sie keinen Mann an ihrer Seite braucht. Sie liebt ihr außergewöhnliches und auch behütetes Leben als Jägerin und einziges Mädchen unter der wilden Bande, und so sollte es ihrer Meinung nach auch bleiben.

Naveah ist nicht unbedingt als gläubig zu bezeichnen, von Religion und Göttern hält sie recht wenig. Auch in ihrer Familie waren diese Begriffe eigentlich nie ein großes Thema. Dies war eigentlich schon immer so, und diese Tatsache wurde durch ein recht einschneidendes Ereignis in ihrer Vergangenheit geprägt, (siehe Vergangenheit) so dass Naveah recht atheistisch ist.

Sie fürchtet sich ein wenig in der Dunkelheit und irgendwie schlummert in ihr die bislang unbegründete Angst, eines Tages auf sich alleine gestellt zu sein. Trotz der Tatsache, dass sie Jägerin ist, und sich mit Pfeil und Bogen gegen wilde Tiere einigermaßen verteidigen könnte, fürchtet sie sich vor den großen wilden Tieren, die immer wieder von den wilden Landen kommen, wie Berglöwen, und Bären, oder auch vor „irgendetwas Unheimlichen“, welches in den Wäldern lauern könnte… Darum ist sie auf der Jagd auch nicht sehr risikofreudig, sie versucht, so besonnen wie nur möglich zu sein, und in keine unnötige Gefahr zu tappen.

Fähigkeiten

Naveahs Hauptkönnen ist die Jagd. Sie wurde, wie auch ihre Brüder, seit sie etwa zehn Jahre alt war, von ihrem Vater zur Jagd mitgenommen und wurde in allem theoretischen und auch praktischen Belangen von diesem unterrichtet. Sie kann mit ihrem Pfeil und Bogen gut umgehen, besitzt sie doch schon etwa zwölf Jahre Erfahrung im Umgang mit diesem. Sie kann sich also in der Wildnis gut behaupten, kann sich auf die Lauer legen um ein Tier zu erlegen, kann dieses ausweiden, häuten, zerlegen und das Fleisch ausbeinen. Auch Spurenlesen, diese unabdingbare Fähigkeit beim Jagen, beherrscht sie, wobei ihre Kenntnis hier ganz klar bei Tieren liegt. Sie kann verschiedene Klauen- oder Pfotenabdrücke der verschiedenen regionalen Tiere wie Feldhasen, Rehe, Hirsche, Wildschweine, Fasane, Füchse und andere Kleinraubtiere unterscheiden und deuten, auch kann sie die verschiedenen Exkremente oder Verwüstungsmerkmale, welche die verschiedenen Tiere anrichten, ganz klar erkennen. Naveah hat gelernt, einfache Fallen zu bauen und wo man diese, nach einer Spurensuche, platzieren sollte, dass ein Erfolg zu vermerken sein kann. Auch bei der Wundversorgung kann sie einige Fähigkeiten vorweisen. Sie kann Wunden reinigen, versorgen und gegebenfalls verbinden, und sie kann Knochenbrüche schienen. Naveah hat auch von ihren Eltern gelernt, welche Kräuterzubereitungen bei den klassischen Beschwerden, wie Husten, Erkältungen, Magenbeschwerden, oder Fieber anzuwenden sind, bei Hautverletzungen oder Prellungen kann einige wenige entsprechende Kräuterbreiumschläge herstellen, aus den regionalen Kräutern der Umgebung. Doch ihr Kräuterwissen ist nicht so ausgeprägt, denn sie war weder je bei einem Medicus oder bei einer Kräuterfrau. Einige Kräuter, die durchaus Heilkräfte besitzen, kennt sie sogar nur als würzenden Zusatz für den Eintopf oder Hirschbraten... Sie ist Laufen und lange Märsche gewohnt, und könnte auch in der Wildnis diesbezüglich recht gut zurechtkommen, oder einem Angreifer davonlaufen. Ein echtes Naturmädel eben!

Naveah kann weder lesen noch schreiben, das Rechnen beherrscht sie nur in groben Zügen. Sie kann nicht schwimmen, und sie kann nicht reiten, geschweige denn hat sie je auf einem Pferd gesessen. Ihre größte Schwäche ist vermutlich ihr Pflichtbewusstsein gegenüber ihrer Familie. Sie hat ihre fixen Aufgaben in der Familie, und vergisst darüber oft, dass sie eigentlich auch ein eigenes Leben besitzt. Doch für Träume und Wünsche erscheint ihr ihr Leben zu ausgefüllt. Selten bis gar nicht macht sie sich Gedanken darüber, was sie im Leben gerne erleben und verwirklichen würde. Vielleicht träumt sie davon, eines Tages in die Welt hinaus zu ziehen, um einmal etwas anderes zu Gesicht zu bekommen, als ihre unmittelbare Umgebung und Heimat. Naveah getraute sich bisher aber nicht, diesen Traum umzusetzen, denn ihre Mittel und Wege sind sehr beschränkt

Magie/Zauber Naveah verfügt über keine magischen Fähigkeiten

Vergangenheit

Naveah wurde vor zweiundzwanzig Jahren an einem kühlen Oktobertag geboren. Sie ist das dritte von insgesamt fünf Kindern von Jolan und Nerila Arbora. Sie ist das einzige Mädchen unter vier Burschen und wuchs dementsprechend wild auf. Die Familie lebt am Rand des Waldes, nicht weit von Brisangen, welches zwischen den Wäldern von Sieryan und den wilden Landen liegt. Das Holzhaus steht auf einer kleinen idyllischen Lichtung, von satter, grüner Wiese umgeben. Hinter dem Häuschen steht ein großer Hollerbusch, und auch ein mittelgroßer Garten wurde angelegt, welcher die Familie mit Kräutern, Wurzelgemüse, Kohl und Kraut versorgt, welches, entsprechend eingesäuert, unabdingbare Grundlage in der winterlichen Ernährung bietet. Ihr Vater ist Jäger, die Aufgabe ihrer Mutter ist neben dem Führen des Haushaltes, die Erziehung der Kinder, das Sammeln von Früchten, Kräutern und Wurzeln, die nicht im Garten wachsen, sowie die alltäglich anfallenden Tätigkeiten wie zum Beispiel Nähen und Ausbessern der Kleidung und etwa Feuerholz sammeln. Die Eltern verlangen von ihren Kindern einiges ab, so muss Naveah ihre Mutter bei ihren Tätigkeiten unterstützen, den Brüdern wurden zu verschiedenen Handwerkern in die Ausbildung geschickt, um praktisch und sinnvoll zu helfen. So zum Beispiel ist der älteste Sohn Kalan (25) Gerber, um die Häute, welche bei der Jagd abfallen, weiter verarbeiten zu können, der zweitälteste Sohn Toran (23) ist gleichermaßen wie sein Vater Jäger, und Naveahs jüngerer Brüder Cirian (19), der, wie man einst durch einen Zufall in Brisangen herausfand, ein außerordentlich kluger Kopf ist, fand seinen Platz unter den Fittichen eines Gelehrten, welcher ihm Lesen, Schreiben und Rechnen beibrachte, und seine Studien noch heute fortsetzt und einen vielversprechenden Studienplatz in Onvorthad in Aussicht gestellt bekam, und der jüngste Bruder Alean (16) wurde zu einem Schmied in die Lehre geschickt. Naveah zeigte immer außerordentliches Interesse an der Jagd, und wurde von ihrem Vater, wie auch die anderen Brüder, in der Kindheit und frühen Jugend stets in die Wälder mitgenommen, und auch im Alltag war das allgegenwärtige Hauptgesprächsthema zwischen Vater und Kindern all die Erfahrungen und Theorien der Jagd, die ihm zu Eigen waren. Die Familie besitzt ein paar Hühner und ein Schwein, die sie mit allen Bemühungen vor wilden Tieren zu schützen versuchen. Vor einigen Jahren waren sie noch im stolzen Besitz einer Kuh, die die Familie mit Milch versorgte, doch die Kuh fiel eines Nachts einer reißenden Bestie zum Opfer, wahrscheinlich ein Berglöwe aus den wilden Landen, und Geld für eine neue Kuh, war einfach nicht vorhanden. Die Familie lebt von den Erträgen der Jagd, sowohl für den Eigenbedarf, und den Überfluss an Fellen, Häuten, Leder und Fleisch, verkaufen die Eltern bei ihren wöchentlichen Besuchen in Brisangen auf dem Markt, oder tauschen sie gegen andere benötigte Güter.

Naveahs Kindheit war recht unbeschwert und ereignislos. Sie spielte und tollte stets mit ihren Brüdern durch die Wiesen und Wälder, und lernte schon früh, sich gegen ihre wilden Brüder zu behaupten. Ihre Mutter begleitete sie schon mit fünf, sechs Jahren auf deren Streifzügen durch die Gegend. Da lernte sie alles, was auch ihre Mutter wusste, über Heilkräuter und Nutzpflanzen, welche Beeren und Pilze man sammeln und essen konnte und wie man sie verwendete, welche giftig oder ungenießbar waren, und wo die bevorzugten Orte sich befanden, wo diese wuchsen, und welche Dinge man unbedingt beachten musste. Es war nicht allzuviel Wissen, doch es war eine solide Grundbasis und Naveah war stolz darauf, dies alles zu erfahren. Als Naveah zehn Jahre alt war, durfte sie sich eine Waffe aussuchen, die zu beherrschen sie lernen sollte, und welche ihr bei der Jagd dienlich sein würde. Die Wahl fiel Naveah nicht schwer, und so entschied sie sich für Pfeil und Bogen. Die Anfänge waren ziemlich hart, Naveahs Hände wurden schwielig und wund, ihre Arme schmerzten sie sehr vom Halten und Spannen des Bogens, doch mit der Zeit fiel es ihr immer leichter, und die Schmerzen und Mühen vergingen. Sie stellte sich beim Bogenschießen recht geschickt und tauglich an, und so übte sie beinahe täglich und wurde immer besser. Als ihr Vater befand, dass sie gut genug dafür war, sie war ungefähr dreizehn, nahm er sie, nebst ihren Bruder Toran zur Jagd mit, wo sie nach einiger Zeit auch bald ihren ersten Jagderfolg erzielen konnte. Zwar war es nur ein fetter Feldhase, doch Naveah war unglaublich stolz auf ihre Leistung. Von ihrer Mutter ließ sie sich zeigen, wie sie sich aus dem selbstgehäuteten Fell etwas nähen konnte, und nähte sich eine Fellmütze für den Winter. Es gab immer wieder Situationen, in welchen der Vater oder einer ihrer Brüder, oder auch sie, bei der Jagd oder im handwerklichen Alltag Verletzungen davon trugen, und so lernte Naveah auch von ihren Eltern, wie man Wunden am besten behandelte, und welche Kräuter und Methoden hierbei hilfreich sein könnten.

Naveah hatte selten das Gefühl, dass es ihr an etwas fehlte, auch wenn die Familie eher ärmlich war und sehr bescheiden leben musste. Sicher gab es manchmal Momente in ihrem Leben, etwa, wenn sie mit ihrer Familie über den Markt und die Gassen von Brisangen schlenderte, dass sie sich wünschte, ein besseres Leben führen zu können, vielleicht ein hübsches Kleid zu besitzen, aber sie hatte trotz allem Verständnis dafür, dass ihr Leben nun einmal eines war, welches von vielen Entbehrungen geprägt war. Ihre Eltern versprachen ihr, dass es irgendwann bestimmt einmal die Gelegenheit gab, Stoff für ein Kleid zu kaufen, doch war dieses Vorhaben eher weit hinten angesiedelt, da es stets wichtigere Dinge gab, als dem Wunsch ihrer Tochter nachzugeben. Gab es doch schließlich genug abgelegte Kleidung ihrer Brüder, und ein Kleid würde ohnehin nur hinderlich sein, wenn Naveah durch Wald und Wiesen streifte. Naveahs Eltern hielten nicht allzu viel von Religion und Göttern, und diese Ansichten erzogen sie auch ihren Kindern an, denn wie konnten die Götter nur all dies Leid, welches stets in der Welt widerfuhr, zulassen, während andere Menschen, Adelige und gut betuchte, stets auf der Butterseite des Lebens schwammen?

Naveah hatte, als sie zur Frau erblüht war, eigentlich kaum die Gelegenheit, einen Mann kennenzulernen. Wohl gab es immer wieder Söhne von bekannten Bauern und Handwerkern in Brisangen, die durchaus Interesse an Naveah gehabt hatten, doch entweder hatte sie kein Interesse an jenen, dann waren da noch ihre Brüder, die stets beschützen und davon abhalten wollten, sich den nächstbesten auszuwählen, und nicht zuletzt die Tatsache, dass ihre Familie im Falle einer Heirat eine Aussteuer in Aussicht zu stellen hatte, was sich diese kaum hätte leisten können. Ihre beiden ältesten Brüder Kalan und Toran fanden sich schließlich der Reihe nach eine Frau, und zogen aus dem gemeinsamen Haus aus, nach Brisangen, wo diese ein neues Leben begannen. Ein wenig betrübt war Naveah von dieser Tatsache, da sie zu ihren Brüdern, wie auch zu ihren Eltern stets ein inniges Verhältnis hatte. Wenn Naveah gerade nichts zu schaffen hatte, besuchte sie ihre Brüder in Brisangen. Doch allzu oft war dies nicht der Fall, denn im Haushalt gab es immer etwas zu tun, Naveah musste schon früh mitanpacken, ihrer Mutter helfen, die Kleidung auszubessern, die Ernteerträge aus ihrem Garten für den Winter einzulegen, zu trocknen, oder sie wurde Kräutersammeln geschickt. Auch gehörte das Stallausmisten, das Füttern der Hühner und des Schweins zu ihren festen Aufgaben, sie half ihrer Mutter beim kochen, Brotbacken, und bei allen anderen anfallenden Tätigkeiten im Haushalt. Naveah fand dies man chmal ungerecht, dass sie als weibliche Person augenscheinlich mehr Aufgaben hatte, als ihre Brüder, denn da auch sie in der Jagd ausgebildet war, hielt sie sich gleichwertig, und doch gab es diese ungerechten Unterschiede... So vergingen die Jahre und Naveah lebte ein behütetes, wenn auch ein wenig hartes Leben. Aber das einschneidendste Erlebnis in Naveahs geradlinigem Leben passierte eines Nachts, völlig unerwartet…

Naveah saß am Holzzaun, welcher das kleine Stückchen Land, welches nicht länger als dreihundert Fuß war, einsäumte. Ein frischer Wind war aufgekommen, welcher den vierten Mond des Jahres ein wenig kühler wirken ließ, als er war. Die Sonne stand schon weit hinter dem Zenit, und die dichten Bäume warfen ihre Schatten auf das Grundstück, und Naveah schlang schützend die Arme um ihren Leib. Bei dieser Geste schwankte sie ein wenig und der Holzzaun knarrte und wackelte, so dass Naveah von diesem heruntersprang. Sie hatte alle ihre Aufgaben im Haus erledigt, und es war einer dieser seltenen Momente zwischen Mittag und Sonnenuntergang, wo sie nicht wusste, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollte. Für einen kurzen Moment überlegte sie, ob sie Kalan oder Toran in Brisangen besuchen sollte. Doch Torans Frau war ihrer Ansicht nach ein böses Weibsstück. Nie hatte sie verstanden, warum Toran, diese gute Seele, sich für ein derartig böses Frauenzimmer hatte entscheiden können. Hübsch war sie ja, und die Tochter eines erfolgreichen, wenn auch nicht reichen Händlers aus Brisangen, war für einen Mann aus den Familienverhältnissen der Arboras eine durchwegs gute Partie. Und wer wusste schon, wie sie war, wenn die beiden alleine waren? Und vielleicht hatte sie entscheidende Qualitäten… Nein, Toran würde sie heute nicht aufsuchen, davor fürchtete sie sein Weib viel zu sehr… Und Kalans Frau war schwanger, hochschwanger bereits, man erwartete in Bälde die Geburt des Kindes, und da sie nun recht viel liegen musste, da sie bei der schweren Arbeit, die sie trotz allem zu erledigen hatte, Blutungen bekommen hatte, erschien es Naveah als nicht richtig, in das Haus ihres Bruders einzufallen, und die schwangere Frau gar zu stören. Doch vielleicht konnte sie ihr doch ein wenig zur Hand gehen? Ihr im Haushalt helfen? Oder Besorgungen für sie machen? Kalan war nun als alleiniger Gerber in Brisangen tätig, seit sein Meister durch einen unglücklichen Unfall erblindet war… Kalan hatte die Gerberei vertrauensvoll in seine Hände gelegt bekommen, dafür sorgte er für seinen ehemaligen Meister, bis dieser sterben würde, da dieser nun nicht mehr für sich sorgen konnte, so war der Handel, und Naveah war doch ein wenig stolz auf ihren Bruder, wie weit er es gebracht hatte, auch wenn der bittere Beigeschmack blieb, dass ein Gerber kein sonderlich hohes Ansehen besaß, was einerseits an seiner schmutzigen, unreinen und stinkenden Arbeit lag, und zum anderen, dass der Beruf durch die chemischen Laugen ein nicht ungefährlicher war, und stets ein „Verschleiß“ an Lehrlingen bestand, sowie hoher Bedarf an billigen Arbeitskräften vorherrschte. Naveah hatte es sich nun doch anders überlegt. Sie entfernte sich von dem Zaun und lief zu ihrem Elternhaus. Sie stieß die Türe auf, dass diese polternd gegen die Hauswand schlug und rief, ohne dabei zu achten, wo ihre Mutter war „Mama… Mama… Ich gehe nach Brisangen… Ich will fragen, ob Maella vielleicht Hilfe benötigt!“ Ihre Mutter saß gerade an dem Esstisch der Familie, und schnitt gelbe Rüben und Frühlingszwiebeln. Sie erschrak, als ihre Tochter so ungestüm ins Haus gestürmt war, hielt in ihrem Tun inne und sah Vorwurfsvoll zu Naveah auf. „Du hast mich zu Tode erschrocken… Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du nicht ein solch wildes Frauenzimmer sein sollst? Sicher reden sie im Dorf über dich, mit deiner ganz und gar nicht weiblichen Art…“ Ein wenig gekränkt blickte Naveah ihrer Mutter in die Augen und meinte trotzig „Na und? Erlaubst du mir nun, Maella zu besuchen? Vielleicht braucht sie ja was…“ Ihre Mutter nickte mit dem Kopf. „Geh nur… Aber sei vor Sonnenuntergang spätestens wieder zuhause, hörst du?“ rief sie ihrer Tochter nach, die schon nach den ersten beiden Wörtern ihrer Mutter aus dem Absatz umgedreht hatte, und wieder aus der Hütte gelaufen war. Sie hatte es vermutlich nicht gehört, doch sie kannte die Ermahnungen ihrer Mutter zur Genüge, und wusste stets, wann sie zuhause sein sollte. Außerdem trieb sie der Hunger ohnehin immer rechtzeitig zurück.

So lief Naveah den nicht all zu weiten Weg nach Brisangen. Zuerst ein Stückchen durch eine kleine Gruppe von Bäumen, welche zwischen der Lichtung und dem eigentlichen Wald lag, und schließlich begann der schmale Trampelpfad über die satte Bergwiese, die ob des ungewöhnlich warmen Wetters zu dieser Jahreszeit schon recht hoch geschossen war und schon vereinzelte Margeriten, Löwenmaul und Strauchwicken blühten. Achtlos lief Naveah an den Blumen, welche sanft im Wind wiegten, vorbei, und nach kurzer Zeit tauchten hinter dem kleinen Hügel schon die ersten Häuser von Brisangen auf. Nach einer Weile erreichte sie schließlich den Handelsposten, der letzte, zwischen den Nordreichen und dem Westen Alvaranias, und lief durch die breite, festgetretene und beinahe staubige Handelsstraße. Sie schlenderte durch die Gässchen, grüßte mal hier, und mal da, da sie doch ein bekanntes Gesicht im Dorf war, auch wenn sie nicht dort lebte, und erreichte nach einer Weile das Haus, in welchem Kalan und seine Frau lebten. Die Gerberei lag ein Stück außerhalb des Dorfes, an einem kleinen Ausläuferarms des Chaburs… Nicht zuletzt wegen dem Gestank, der sonst über dem Dorf liegen würde, die ohnehin nicht die Sauberste war. Manchmal, wenn der Wind ungünstig wehte, trieb er den Gestank von toten Tieren über Brisangen. Doch nun galt es ja nicht, ihren Bruder aufzusuchen, sondern dessen hochschwangere Frau… Naveah stand schließlich vor dem Haus, und klopfte dreimal laut und deutlich an die hölzerne Tür, und trat schließlich ein, ohne abzuwarten. „Maella?“ rief sie in das Haus hinein und sogleich erhielt sie Antwort von dieser. „Naveah? Bist du das? Komm herein, ich bin hier…“ drang ihre Stimme dumpf aus dem türlosen, anschließenden Nebenraum, wo das Bett und der Esstisch sich dicht aneinander drängten. Maella lag in dem Ehebett und schien sich gerade auszuruhen. Ein wenig sorgenvoll blickte Naveah auf die einst recht hübsche Frau. Sie sah wahrlich nicht gut aus, sie war im Gesicht und an den Extremitäten stark angeschwollen. Wassersucht, meinte der Medicus. Sie mussten es diesem glauben, sie verstanden selbst wenig bis kaum von Geburten, auch wenn ihre Mutter fünf gesunde Kinder zur Welt gebracht hatte, von einigen Fehl- und Totgeburten einmal abgesehen. Außerdem blutete Maella oftmals, sie hatte es mit ihrer harten Arbeit wohl übertrieben. Maella war ein abschreckendes Beispiel dafür, dass Naveah selbst keine Kinder bekommen wollte. Nicht um diesen Preis! „Kann ich dir irgendwie zur Hand gehen, Maella? Brauchst du was?“ Die junge Frau in ihrem Bett lächelte „Das ist nett von dir, Naveah… Kochen liegt dir wohl nicht so im Blut, soweit ich mich entsinne?“ Naveah errötete und grinste. „Nein, nein, das wirklich nicht… Aber Kalan kennt es von mir nicht anders, und wenn du mir sagst, wie du es haben willst, mach ich es gerne…“ So half die junge Frau unter der Anleitung ihrer Schwägerin, die Abendmahlzeit zuzubereiten. Sicherlich war es nicht so genießbar wie von Maella selbst, aber in der Not… Zumindest würde ihren Bruder eine warme Mahlzeit erwarten, wenn er nach Hause kam, mit lieben Grüßen seiner Schwester, dachte sie bei sich. Als die Sonne bereits unterging, verabschiedete sich Naveah von ihrer Schwägerin und lief wieder nach Hause. Als sie ankam, saß die Familie bereits beim Abendbrot. Es gab nur Brot und ein wenig geräuchertes Hirschfleisch, dazu eine dünne Gemüsesuppe. „Ah, die Herumtreiberin kommt auch schon nachhause?“ zog ihr jüngster Bruder Alean sie auf, welches sie, als sie Platz nahm, mit einem Knuffen in die Rippen quittierte. „Maella sieht nicht gut aus…“ begann sie nach einer Weile etwas zögerlich. „Ich sorge mich ein wenig um sie…“ Ein wenig betroffen nickte ihre Mutter, doch sagte sie nichts dazu. Sie wusste, wie schlecht Maellas körperliche Konstitution im Laufe ihrer Schwangerschaft geworden war, und sie wollte mit ihren Ahnungen niemanden beunruhigen. Nach dem Abendmahl saß die Familie noch zusammen, und unterhielt sich, ihre Mutter besserte eine zerrissene Hose aus, und der Vater rauchte ein wenig Pfeifenkraut. Es war der einzige Luxus, welchen er sich gönnte. Naveah mochte den Geruch des Pfeifenkrautes, welcher stets ihren Vater umgab und welcher sie stets an ihn erinnerte. Doch selbst mochte sie den Geschmack des Pfeifenkrautes nicht. Sie hatte einmal probiert, doch ihr war davon nur übel geworden. Schließlich legten sich die Eltern nieder. Der Abend war recht kalt geworden und so löschte man das Feuer, welches in der Feuerstelle brannte nicht sondern legte für die Nacht noch einige Holzscheite nach. Naveah war noch wach, als ihre beiden Brüder und die Eltern bereits schliefen. Ihre Eltern besaßen ein Ehebett, und Naveah schlief in einem großen Bett zusammen mit ihren Brüdern. Seit Kalan und Toran ausgezogen waren, war bedeutend mehr Platz in dem großen Bett… Immer wieder kreisten ihre Gedanken sorgenvoll um Maella, und sie fand keinen Schlaf. Schließlich erhob sie sich aus ihrem Bett, und verließ das Haus, um auf den Abort zu gehen, der sich ein wenig abseits vom Haus befand. Der Mond beschrieb beinahe eine volle Scheibe, und so fand sich Naveah in der Dunkelheit gut zurecht. Als sie ihr Geschäft erledigt hatte, stand sie noch eine Weile da, und starrte den hellen, kalt wirkenden Mond an.

Schließlich wurde es ihr doch zu kalt, und sie ging leise wieder zurück in das Haus. Auf dem Weg dorthin hörte sie plötzlich einen markerschütternden und doch erstickten Schrei. Ihre Mutter...!? Naveahs Herz begann aufgeregt zu rasen, während sie zuerst langsam, und dann immer schneller lief, bis sie schließlich rannte. Zuerst zauderte sie vor der Türe, dann stieß sie die Tür auf und blieb im Türrahmen stehen. Was sie im Feuerschein vorfand, ließ sie zunächst zurückprallen, und schließlich erstarren. Ihre Eltern lagen unnatürlich verdreht im Bett, und der Arm ihrer Mutter, welcher aus dem Bett hing, war blutüberströmt. Sie stieß einen leisen Schrei aus, denn nur wenige Augenblicke zuvor hatte sie ihre Mutter noch schreien gehört, und nun sollte sie nicht mehr am Leben sein? Sie hielt sich erschrocken die Hand vor den Mund, als ihr gewahr wurde, dass derjenige, der dies angerichtet hatte, sich vermutlich noch im Haus befinden würde. Warum? Warum war überhaupt jemand in ihr Haus eingedrungen? Und wer? Ihre unheilvolle Vermutung, dass sie gehört worden war, bestätigte sich, als eine Gestalt, welche zunächst im Schatten verborgen gewesen war, sich zu ihr umwandte, die neben einem ihrer beiden Brüder am Bett saß. Als sich deren Gesicht im Feuerschein zeigte, erstarrte Naveah beinahe… Die Hautfarbe dieses unbekannten Mannes war unnatürlich hell, beinahe so bleich wie bei einer Leiche, und der Mund und das Kinn waren blutverschmiert. Die Augen starrten sie kalt und unheilvoll an, und Naveah war beinahe wie erstarrt. Als er sie anstarrte, war es ihr, als könnte er ihre Angst förmlich riechen, und begann hämisch zu grinsen, und entblösste dabei ein paar unnatürlich wirkende, lange Eckzähne. Ihr Bruder, Toran, lag neben dieser fremden bedrohlichen Gestalt in dem Bett. Er war wach, was Naveah zunächst nicht bemerkt hatte, und er zitterte, und bebte, und wurde vor Angst regelrecht geschüttelt. Naveah, die ihren Bruder als mutigen Jäger kannte, vermochte sich kaum vorzustellen, was hier von sich gegangen war, dass er ihr derartzig fremd vorkam, er hatte nie vor etwas Angst gehabt, oder gar Angst gezeigt... Seine Blicke glitten über den anderen, jüngsten Bruder, der wie ein Stein zu schlafen schien. Als sich die geschockten, fassungslosen und auch ratlosen Blicke der Geschwister trafen, wandte sich der Mann abwechselnd Naveah und auch Toran zu, so, als ob er überlegte, auf wen er sich zuerst stürzen wollte. Naveahs Augen glitten durch den Raum, sie suchte in ihrer Reichweite etwas, was sie diesem unheimlichen Mann an den Kopf werfen könnte, um ihn zu vertreiben, und ihre Brüder zu retten, doch da war nichts. Und plötzlich siegte der Überlebenstrieb, und es überkam sie eine rasende Panik. Ein letztes Mal blickte Naveah ihrem Bruder in die Augen, dann wandte sie sich um und verließ fluchtartig das elterliche Haus. Sie rannte über die Lichtung, sprang, als wäre die wilde Jagd hinter ihr her, über den niederen Zaun, begleitet von ersticktem panischen Schluchzen, und lief und lief, über den schalen Trampelpfad, der vom Mond beschienen wurde, ohne sich noch einmal umzusehen, ohne zu wissen, wohin sie wollte, und ohne noch einmal an ihre beiden Brüder zu denken, die sie zurückgelassen hatte. Sie lief und lief und fand sich bald in Brisangen wieder. Das Dorf war schon dunkel, die wenigen Straßenlaternen gelöscht, und nur mehr im „feigen Hasen“, einer der Gaststätten in Brisangen, leuchtete noch Feuerschein durch die mit Tierhäuten bespannten Fenster. Ohne noch weiter nachzudenken, stolperte die völlig geschockte Naveah in die Gaststätte…

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We're gonna find a place where we belong
Where we belong
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