Profil von Arvalia

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durchtriebenes Luder
Avatar: Fernanda Suarez

Profil

Benutzername:
Arvalia
Alter:
39
Gruppen:

Charakter

Name:
Arvalia Re'Haliset
Alter:
77
Rasse:
Sukkubus
Heimat:
Yath-Zuhárra
Waffen:
Magie

Steckbrief

Rasse: Halbblut Dämonin/Bergelfin

Aussehen:
Arvalia ist ein Geschöpf mit zwei Gesichtern. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn in ihren Adern fließt das magische Blut eines Dämonen. Wenn man ihre Haare sieht, dann kommt man relativ schnell dahinter, dass es sich bei diesem um einen des Elements Luft handeln muss. Ihre Haare schimmern, obgleich sie schwarz wie Tinte sind, in der Sonne beinahe silbern, und doch finden sich unzählige dunkle Strähnen darunter, welche das Erbe ihres Vaters bezeugen. Das eines Bergelfen. Aber nicht nur ihre Haare sind so ungewöhnlich, für eine ihrer Art, auch ihre Augen scheinen von einem, beinahe magischen, Grau erfüllt zu sein. Ihre Augen haben etwas geheimnisvolles an sich, worin man sich beinahe verlieren könnte, wenn man nur zu lange hinein starren würde. Auch wenn Arvalia ein solches Starren mit Argwohn und Ablehnung strafen würde. Ihre Haut ist so hell wie es den meisten Bergelfen ebenso zu Eigen ist, doch bildet diese, im Zusammenspiel mit den pechschwarzen Haaren, welche unerklärlicherweise in der Sonne silbern schimmern, einen beinahe gespenstischen und zugleich verführerischen und vornehmlich aristokratischen Anblick.

Arvalia hätte eigentlich ein recht hübsches Gesicht, wenn da nicht diese Narbe wäre, welche ihr von der Stirn, über die linke Augenbraue, sowie das Augenlid, bis hinunter über die Wange das Gesicht ziert. Es ist eine feine und gut verheilte Narbe, was sie nur den geschickten Händen des Heilers, welcher die Wunde bestens versorgt hatte, zu verdanken hatte. Allerdings erlitt Arvalia bei diesem Schnitt, der ihr diese Narbe beibrachte, auch eine leichte Verletzung der Netzhaut, was sie beinahe ihr Augenlicht gekostet hatte. Auch heute noch hat sie hin und wieder Schmerzen, wenn starkes Licht auf ihr Auge trifft. Arvalia ist, gemessen an den anderen Bergelfen, durchschnittlich hoch gewachsen. Stolze 1,70. Und ihr Gewicht lässt allerdings sehr zu wünschen übrig. Man würde sie nicht als unterernährt bezeichnen, doch bringt sie dennoch nicht mehr als 55 Kilo auf die Waage, was möglicherweise mit der dämonischen Gabe des Elements Luft in Zusammenhang stehen könnte.

Wenn man nicht, anhand der anundfürsich dunklen Haare, auf ihr elfisches Erbe schließen könnte, dann würden spätestens ihre spitzen Ohren, welche zierlich aus dem Haar heraus ragen, eben dieses Erbe verraten. Arvalia hat feine Züge und ein schmales, elfengleiches Gesicht. Kunststück! Ist sie doch zur Hälfte eine ebensolche. Ihre Nase ist schmal und spitz und ihr Mund weist zwar eine ansehnliche Fülle auf, doch neigt Arvalia oft dazu ihn zu einem schmalen Strich zusammen zu pressen, was ihr manches Mal ein harsches Aussehen verleiht. Was besonders in Verbindung mit ihrer kühlen und zurückhaltenden Art, welche sie in der Regel an den Tag legt, noch verstärkt wirkt. Ansonsten gibt es über Arvalias Aussehen nicht sehr viel zu berichten. Nicht über ihr elfisches Aussehen.

Arvalias zweite Gestalt hingegen, ist hinreißend. Hinreißend schön, hinreißend beängstigend. Wobei schön natürlich im Auge des Betrachters liegt. Aber ihr zweites Gesicht ist eine groteskte Fratze des Grauens. Mit spitzen Zähnen und Augen, die einem Wolf gleichen. Der Atem des zweiten Gesichtes riecht, als ob es sich nur von verwesendem Fleisch ernähren würde und die Stimme klingt, als ob viele Stimmen gemeinsam flüstern würden. Für andere ihrer Rasse würde sie vielleicht durchaus anziehend wirken, doch ein Bergelf, unter welchen sie nun einmal lebt, würde ihr nur mit Abscheu und Ablehnung begegnen, wenn er ihre wahre Gestalt erblickt. Das zweite Gesicht, welches Arvalia in ihrer elfischen Gestalt stets unter den Haaren verbirgt, kommt dann, wenn sie starken, emotionalen Ausbrüchen ausgesetzt ist, zum Vorschein. Und zumeist nicht nur das Gesicht allein, sondern gleich die gesamte, dämonische Gestalt, welche stets in den dunklen Schatten ihres Blutes darauf lauert, freigelassen zu werden. Ihr Haar färbt sich, als ob ihr Pech über das Haupt gegossen worden wäre, während das Silber noch stärker, in Form von ausgeprägten Strähnen, hervortritt. Und auch ihre Ohren scheinen größer geworden zu sein. Ihr Blick wirkt verschlagener und das Grau ihrer Augen scheint regelrecht zu schimmern und zu leuchten, als ob die Magie ihres Blutes darin toben würde. Auch ihre Zähne werden länger. Fast schon, wie die scharfen Eckzähne eines Vampirs, lugen die feinen Spitzen ihrer weißen Zähne aus den Mundwinkeln hervor. Und ihre Zunge gleicht mehr der einer Schlange, als der einer Elfin. Doch all diese Dinge könnte Arvalia vielleicht noch verbergen. Aber nicht die geschwungenen Hörner, welche ihr aus dem Schädel ragen, oder gar die mächtigen Schwingen, welche aus ihrem Rücken heraus brechen. Ihre zweite, dunkle Gestalt, wird, entgegen bei den meisten anderen Dämonen, nicht viel größer. Vielleicht ist hier der Umstand, dass sie nur ein Halbblut ist, daran Schuld. Doch dafür erinnert ihre Gestalt nicht mehr an die Elfin, die sie vorher einmal war. Ihre Stimme klingt zischender, fast so, als ob der Wind aus ihrem Rachen, durch die Reihen ihrer Zähne pfeifen würde. Während Arvalia noch, in ihrer elfischen Gestalt, halbwegs freundlich oder gar anziehend wirkt, so wandelt sich dies, wenn ihre dämonische Gestalt zu Tage tritt. Gemessen an der Tatsache, dass an ihr nichts elfisches mehr bleibt, wenn sie erst verwandelt ist, wirkt Arvalia äußerst einschüchternd, beängstigend und scheint durchwegs unfreundlich zu sein. Aber vielmehr ist Arvalia in ihrer dämonischen Gestalt schlicht und ergreifend die reine Magie selbst, welche sie beherrscht. Sie ist rücksichtslos und begegnet ihren Mitbürgern nur mit Ablehnung und straft sie sowohl mit Verachtung, als auch mit Heuchelei und Abweisung. Sie will unnahbar erscheinen und hegt nur Interesse an ihren eigenen Zielen und überhaupt kein Interesse an den Wünschen und Gefühlen der anderen.

Ansonsten, wie es sich für eine Bergelfin von vornehmlich wohlhabender Geburt geziemte, kleidet sich Arvalia gerne in dunkle und edle Stoffe, welche vorwiegend mit Silberfäden durchwirkt wurden und mit silbernen Knöpfen oder ähnlichem Tand geschmückt wurden. Sie trägt gerne Kleider, welche ihr an der Brust eng anliegen, aber dafür bei den Beinen etwas weiter sind, damit diese sich im Wind bewegen können. Zumal diese Kleider ihr mehr Beinfreiheit gewähren, was mitunter sehr praktisch sein kann, wenn man die Blicke auf einen neckisch, hervorschauenden und hellen Schenkel lenken möchte. Auch Schmuck und anderem Geschmeide ist Arvalia nicht abgeneigt. Sie besitzt einen edlen Stirnreif aus Silber, welcher aus vielen, einzelnen und filigranen Streifen zu einem wahren Kunstwerk zusammen geschmiedet wurde und beinahe entfernt an ein versilbertes Spinnennetz erinnerte. Passend dazu, besitzt Arvalia auch einen filigran verarbeiteten Armreif, welcher ihr vom unteren Oberarm, über den Ellenbogen und den Unterarm hinweg bis zum Handgelenk reicht. Durch die filigrane Verarbeitung behindert sie dieser Schmuck in ihrer Bewegungsfreiheit nicht und gleicht beinahe einem Handschuh. Dieser Vergleich kommt auch nicht von ungefähr, denn der Armreif geht vom Handgelenk aus in filigrane Ringe über, welche sowohl den Zeigefinger, als auch Daumen und Ringfinger, schmücken, wie Gliederringe. Arvalia besitzt eine stattliche Sammlung an Ringen, Ketten, Ohrringen und anderen Schmuckstücken wie Broschen oder Fibeln, welche allesamt von hochwertiger Handwerkskunst zeugen. Und je nach Anlass, legt sie das eine oder andere Schmuckstück auch an. Doch der Stirnreif, sowie der zugehörige Armreif sind ihr hierbei die liebsten Stücke. Er gehörte einst ihrer Mutter, und ist somit ein Erinnerungsstück mit einer, für Arvalia, wichtigen Vergangenheit.

Waffen:
Neben ihrer Magie, welche sie selbst zu einer Art Waffe macht, trägt Arvalia noch ein kunstvoll geschmiedetes Langmesser mit sich am Gürtel. Für Arvalia ist es mehr ein dekoratives Anhängsel, denn eine richtige Waffe, die sie effizient zu führen weiß.

Charakter:
Arvalia ist als Tochter eines wohlhabenden und gelehrten Architekten aus dem erhabenen Yath-Zuhárra geboren worden. Auch wenn ihr Vater nicht dem gehobenen Geldadel der Stadt angehörte, so galt er, in seinen Kreisen, als weit vermögender, als es den Anschein hatte. Ihre Mutter hingegen stammte weder aus der Zuhandal-Kette, noch aus dem Dûngar-Gebirge. Nein, sie war nicht einmal eine Bergelfin, auch wenn sie einer solchen, fast bis aufs Haar glich. Und da es in der Natur des dämonischen Erbes zu liegen scheint, stets das dominantere zu sein, so ist es auch nicht verwunderlich, dass Arvalia viel mehr von ihrer Mutter, als von ihrem Vater geerbt hatte. Auch wenn ihr Vater ein sehr ehrgeiziger, hartherziger und kaltblütiger Mann gewesen war, Arvalia war mehr als nur das. Sie ist unglaublich berechnend und zugleich kann sie auch eine falsche Schlange sein. Sie ist, wenn man ihr Charakterwesen beim Namen nennen wollte, ein verzogenes Miststück. Ihre Eltern, hierbei wäre besonders ihre Mutter zu erwähnen, denn ihr Vater war, wenn es ums Geld ging, ein sehr verhaltener Mann, hatten ihr stets jeden Wunsch von den Augen abgelesen, denn sie war ein lang ersehntes Wunschkind gewesen, und immer ein Einzelkind geblieben. Und sehr bald schon hatte Arvalia diesen Umstand für sich zu Nutzen gewusst. Mit den Jahren hatte Arvalia ihren Vater immer leichter um den Finger wickeln können, damit er ihr beispielsweise ein neues Kleid kauft, oder gar ein teures Geschmeide bezahlt. Und auch wenn er sehr knauserig war, so gab er am Ende immer nach. Vielleicht lag es an den unschuldigen Augen, welche Arvalia so gezielt einzusetzen vermochte, wie keine Zweite. Doch vermutlich hoffte er einfach, wenn er ihr diesen Wunsch erfüllte, dass er sie dafür mit etwas anderem, weit teurerem, nicht behelligte. Und so fehlte es der jungen Bergelfin, in deren Adern das dämonische Blut ihrer Mutter floss, eigentlich nur selten an etwas. Und diese Erfahrungen haben Arvalias Persönlichkeit maßgeblich geprägt. Sie war es stets gewohnt ihren Willen zu bekommen, dass sie heute, da sie zu einer reifen Frau herangewachsen war, nichts anderes mehr erwartete und gewohnt war. Ihre Leidenschaft, hatte sich inzwischen zu einem echten Laster entwickelt. Arvalia ist dem Schönen und Edlen so verfallen, wie eine Elster. Es ist eine regelrechte Sammelleidenschaft, welche Arvalia dazu zwingt, sich immer wieder teure Kunstgegenstände wie Gemälde oder Schmuck, kunstvoll geschmiedete Waffen, Stirnreifen oder Ringe anzueignen. Und als eine Frau von Welt, liebt es Arvalia Feste zu feiern. Doch haftet ihr in dieser Beziehung noch eine weitere Schwäche an, und zwar eine nahezu zwanghafte Spielsucht. Da sie stets darauf aus ist, ihr Vermögen zu vermehren, gab es irgendwann in ihrem Leben den Punkt, an welchem sie dem Glücksspiel zugetan wurde, und durch anfängliche Erfolge regelrecht beflügelt, ist es heute so, dass sie nicht unerhebliche Mengen, des ihr zur Verfügung stehenden Geldes, in Glücksspiele investiert, was letzten Endes nur dazu führt, dass ihr Vermögen geringer wird, anstatt sich zu vermehren.

Arvalia ist sehr bestimmend, wenn es sowohl um ihre Person, als auch um Gefälligkeiten oder Dienste geht. Sie verlangt förmlich, dass man ihr zu Kreuze kriecht und aufgrund ihrer reizvollen, und bei den Bergelfen auch auf eine gewisse Weise exotischen, Schönheit, vermag sie es auch, viele dazu zu bringen, ihr zu Gefallen zu sein, was sie in gewisser Hinsicht auch sehr Eitel und Narzisstisch macht. Aber wehe, wenn man sich ihr verweigert, oder gar die Stirn bietet. Dann kann sie ein giftiges Biest werden, welche sogar nicht davor zurückschreckt, das, was sie begehrt, mit Gewalt an sich zu reißen. Dies sind die Momente, in welchen sie stets Gefahr läuft die Kontrolle über sich selbst zu verlieren und zu der Dämonin zu werden, die in ihrem Blut innewohnt. Was nur dazu führt, dass man sich ihr noch mehr verweigern, oder sie gar bekämpfen würde.

Besonders in, für Arvalia, gefährlichen Situationen neigt Arvalia oftmals zu irrationalem Verhalten und unkontrollierten Wutausbrüchen, was letzten Endes dann dazu führt, dass das magische und dämonische Erbe in ihr die Überhand gewinnt und hervor bricht. Sie ist gänzlich unfähig in Konfliktbewältigung und kann weder gut argumentieren, noch ihre Probleme mit besonnenen Worten lösen. Arvalia ist, was das angeht, auch ziemlich verschlossen und nicht gerade feinfühlig. Während andere Kinder der Bergelfen mit den Wertvorstellungen und Traditionen der Bergelfen aufwachsen, verbrachte Arvalia viel Zeit zu Hause, bei ihrer Mutter. Sie hatte zwar versucht Arvalia diese Dinge zu lehren, doch die Wut und Agressionen ihrer dämonischen Seite machten dies nicht gerade leicht. Arvalia ist eine stolze Frau, und wenn es um die Dinge geht, die ihr wichtig sind, kann sie sowohl willensstark, als auch hartnäckig sein, um diese Ziele zu erreichen. Und so kann man heute sagen, dass Arvalia weder Ehrgefühl im Leib trägt, noch irgendwelche Skrupel besitzt. Wie bereits erwähnt, würde man leicht dazu neigen, sie ein unmoralisches Miststück zu nennen, die weder ihre Grenzen kennt, noch diese Grenzen einhält, da sie immer wieder auch über die Stränge schlägt, da sie nur eigennützig und sich selbst am nächsten ist.

Wenn man den Wunsch hegt, sich mit Arvalia anzufreunden, oder ihr Vertrauen zu gewinnen, so grenzt dies an ein zwiespältiges Unterfangen. Einerseits ist Arvalia eine falsche Schlange, die leichthin eine Freundschaft vortäuscht, um ihre Ziele zu erreichen, und sich zudem leicht von Geschmeide oder anderen Geschenken locken, ja beinahe blenden lässt. Doch wahre Freundschaft ist bei Arvalia schon schwieriger zu gewinnen. Hierfür sind vor allem viel Geduld und Zeit vonnöten, um das Eis, welches ihr Herz umgibt, zu durchbrechen.

Aber während man Arvalia noch so etwas wie Menschlichkeit bezeugen kann, so scheint dieser Charakterzug buchstäblich zu verschwinden, wenn sie ihre wahre Gestalt zeigt. Natürlich verschwindet sie nicht wirklich. Denn es ist und bleib der selbe Charakter. Allerdings werden andere Aspekte ihrer Persönlichkeit in den Vordergrund gerückt, während andere verdrängt werden. In dämonischer Gestalt ist Arvalia oftmals grausam, rassistisch und selbstsüchtig und was ihr nicht in den Kram passt, das zeigt sie offen und ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer. Sie neigt dazu skrupellos und verschwenderisch zu sein, was ihr oft mehr Schwierigkeiten bereitet, als Probleme zu lösen. Sie ist sich ihrer Macht und ihrer Stärke bewusst und lässt dies auch ohne Skrupel jeden wissen, wer ihr nicht zu Willen ist. Doch gänzlich unnahbar und erhaben ist sie natürlich nicht. Weder in ihrer elfischen, noch in ihrer dämonischen Gestalt. Nein, vielmehr gibt sie sich oft, als ob sie leicht zu haben wäre, nur um dann, wenn sie ihr Ziel erreicht hat, ihre wahres Gesicht zu zeigen. Aber wie jede Persönlichkeit, so sieht sich auch Arvalia mit Ängsten konfrontiert. Besonders überwiegt hier die Furcht davor, als das erkannt zu werden was sie ist. Eine Dämonin. Die Furcht davor lähmt zwar nicht ihr Handeln, doch hat sie es stets im Hinterkopf, dass eine Enttarnung zwangsläufig dazu führen würde, dass man ihr mit Hass oder gar Verfolgung begegnen würde, was letzten Endes dazu führen würde, dass sie ihr annehmliches Leben aufgeben müsste. Und davor fürchtet sich Arvalia wohl noch mehr, als vor einer Enttarnung. Sie hat nie gelernt ohne den Luxs und den Reichtum ihrer Familie zu leben, dass sie sich gar nicht vorstellen kann, ohne diesen auskommen zu müssen. Vermutlich würde sie dabei auch elendig scheitern und irgendwann Zugrunde gehen.

Arvalia hat einen Hang zur Dramatik, sowohl in ihrer elfischen, als auch in ihrer dämonischen Gestalt. Sie geht ihre Probleme immer auf eine sehr komplizierte und manchmal sogar aberwitzige Weise an, auch wenn es viel einfachere und schnellere Wege gäbe. Doch das macht gerade den Reiz aus, welcher ihrem, ansonsten so eintönigen Lebensalltag, die nötige Würze verleiht. Und wenn man ihr so etwas wie geheime Wünsche oder Träume andichten müsste, dann wohl unermesslicher Reichtum, ewige Schönheit und Jugend und unvorstellbare, gottgleiche Macht, um damit ihre Ziele zu erreichen. Auch hier spiegelt sich die verzogene Erziehung ihrer Eltern wunderbar wieder, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis Arvalia ihre Arroganz und auch ihre Überheblichkeit zum Verhängnis werden wird. Denn auch, wenn die Bergelfen ein sehr eigensinniges, vielleicht sogar engstirniges, und stolzes Volk sind, so hat jeder von ihnen seine Grenzen, und Arvalia stößt leider sehr oft an Grenzen. Sowohl an ihre eigenen, als auch an die der anderen. Ihre Narbe, welche ihr Gesicht unübersehbar ziert, ist nur eine dieser Gratwanderungen, welche für sie in einer schlechten Erinnerung geendet hatte. Und selbst heute noch, nach all diesen Jahren, gibt es Tage, wo ihr Auge schmerzt, wenn die Sonne zu hell scheint.

Doch in dieser Hinsicht beweist Arvalia weder Weisheit noch Einsicht. Sie ist davon überzeugt, dass sie den anderen überlegen ist und nutzt diesen Umstand auch gnadenlos aus, ohne vorher die möglichen Konsequenzen in Betracht zu ziehen. Zugleich aber ist Arvalia, was ihr durch die Erziehung ihrer Mutter beigebracht worden war, keine Frau die willkürlich ihrem Temperament freien Lauf lässt. Sie kann aufbrausend und herrschsüchtig sein, doch ihre dämonische Gestalt hat sie, in all den Jahren, in welchen sie unter den Bergelfen gelebt hatte, nie offen zur Schau gestellt. Immer nur dann, wenn sie wusste, dass die Zeugen niemanden davon berichten würden, oder konnten. Dies klingt vielleicht leichter als es war. Arvalia leidet sehr oft unter den Einflüsterungen und den Auswirkungen des zweiten Gesichtes. Heute mehr denn je, denn je älter Arvalia wird, und je öfter sie von ihrer Macht Gebrauch macht, desto stärker wird das dämonische Erbe in ihr und verdrängt das elfische wieder zurück auf seinen angestammten Platz. Das zweite Gesicht spricht an manchen Tagen unentwegt im Geiste zu ihr. Es flüstert ihr verlockende Versprechungen ein. Versprechungen von Macht und Magie, mit welchen es den Geist Arvalias ins Wanken bringen will, um letzten Endes entfesselt zu werden, wenn Arvalia den Versuchungen der Lügen des zweiten Gesichts verfällt und ihre Macht gebraucht. Denn jedes Mal, wenn Arvalia die Magie ihres dämonischen Blutes nutzt, droht das zweite Gesicht hervor zu brechen. Arvalia hat zwar, über die vielen Jahre, gelernt, das zweite Gesicht zu beherrschen, doch hat sie es nie gänzlich zum Schweigen bringen können. Wie ein falscher Freund und Lügner flüstert es unentwegt Gedanken und Lügen in Arvalias Geist und es gibt Tage, da macht sie dieses zweite Gesicht wahnsinnig und rasend vor Wut, so dass sie nur schwer dem Drang zu widerstehen vermag, den Einflüsterungen zu widerstehen. Und an Tagen wie diesen lässt Arvalia oft ihrer Wut freien Lauf, und das mit verheerenden Folgen. Allerdings hängt ihr Überleben davon ab, unentdeckt zu bleiben und in dieser Hinsicht ist Arvalia nicht unberechenbar, sondern handelt mit Kalkül und Vorsicht. Nicht unbedingt aus Furcht oder Respekt, sondern einzig und allein mit dem Hintergedanken, dass das Wissen um ihre wahre Natur, und das Verbergen von eben dieser, ihr die Möglichkeit gab, stets das Überraschungsmoment auf ihrer Seite zu wissen. Arvalia lebt stets mit dem Wissen im Hinterkopf, dass jedes unachtsame Fehlverhalten ihrerseits, dem zweiten Gesicht die Macht gewährt, an die Oberfläche zu kommen. Und wenn dies geschieht, dann spricht Arvalia stets mit zwei Stimmen, die wie eine sprechen, obwohl sie oftmals verschiedene Dinge sagen. Wenn Arvalia die Wahrheit spricht, lügt das zweite Gesicht, und wenn Arvalia lügt, dann spricht das zweite Gesicht die Wahrheit, oder zumindest das, worunter das zweite Gesicht so etwas wie die Wahrheit versteht. Dieser Umstand führt dann dazu, dass Arvalia noch selbstzerstörerischer wird, nur um die Magie in sich zu entfesseln. Denn dies ist das einzige, was das zweite Gesicht zum Schweigen bringt. Wenn sie ihre wahre Gestalt annimmt und sich den Winden ihres Blutes hingibt. Daher zieht es Arvalia hin und wieder in einsamere Gegenden der Berge um dort gelegentlich ihrer Macht freien Lauf zu lassen, wenn ihr das zweite Gesicht zu sehr auf den Nerv geht. Doch dies ist ein Teufelskreis. Es verschafft Arvalia vielleicht kurzzeitig Linderung und Ruhe, doch langfristig gesehen, wäre es klüger den Verlockungen des zweiten Gesichtes zu widerstehen, damit es nicht durch die Entfesslungen ihrer Magie gestärkt wird.

Da Arvalias Mutter schon nicht sonderlich religiös war, und ihr Vater selten zu Hause, hat sie Arvalia kaum in dieser Hinsicht erzogen. Arvalia weiß, dass die Bergelfen diese verehren, doch sie selber würde man nicht gerade als eine gläubige Frau bezeichnen. Es ist schwierig eine höhere Macht anzunehmen, wenn man sich selbst schon einer solchen zugehörig fühlt. Denn Dämonen sind keine gewöhnlichen Sterblichen. Sie sind mächtige Wesen der Magie, welche weit älter und weit mächtiger werden können, als jeder Elf. Wenn Arvalia einst ihr volles Potential ausschöpfen sollte, würde sie wohl, aufgrund ihres instabilen Charakters, irgendwann dazu neigen, dass sie als eine Göttin verehrt werden sollte. Tod oder Unterwerfung!

Was besonders konträr zu ihrem Wesen und ihrer dämonischen Natur steht. Denn Arvalia kann zuweilen sehr zurückhaltend und berechnend sein. Doch neigt sie, besonders dann wenn man sie herausfordert, zu irrationalem oder impulsivem Verhalten. Besonders dann, wenn man an ihr Ego appelliert oder sie gar belächelt oder, noch schlimmer, nicht Ernst nimmt. Dann kann sie ein feindseliges Mitstück sein, dass Gift und Galle spritzt und dann dauert es auch nicht mehr lange, bis sie die Kontrolle über sich selbst verliert. Nichts nagt mehr an Arvalias Stolz, als die Tatsache, dass man sie für unwürdig, schwach oder geringer schätzt, als man selber ist. Und ein solches Gefühl schürt sowohl den Ehrgeiz als auch die Wut in ihrem Herzen. Ist Arvalia erst einmal gereizt, dann fällt die eiserne Maske der Verhüllung buchstäblich von ihr ab. Ein Umstand, den ihre Mutter ihr in all den Jahren der strengen Ausbildung angelernt hatte. Und ein Umstand, der Arvalias Steckenpferd ist, wenn man so will. Die Krux mit dem Ego ist stets ein zweischneidiges Schwert. Es ist schwer sich für etwas besseres zu halten und zugleich über jede Art von Erniedrigung oder Provokation erhaben zu sein. Zumindest für Arvalia.

Fähigkeiten:
Arvalia ist keine Frau von sonderlich vielen Gaben oder Talenten. Als Tochter eines wohlhabenden Mannes sah sie es stets unter ihrer Würde Hausarbeiten oder andere Tätigkeiten zu erlernen, bei welchen man sich die Hände schmutzig machen konnte. Zumal ihr Vater, obwohl er so vermögend war, es vorzog zurückgezogen und enthaltsam zu leben und nicht einmal eine Dienerin beschäftigte. Alle Hausarbeit überließ er Raélis. In den Kreisen seiner Konkurrenten nannte man ihn oft den Drachen, der auf seinem Hort voll Gold hockte und jede einzelne Münze mehr liebte, als alles andere auf der Welt, ja selbst seine Frau und seine Tochter. Auch wenn dies nur zum Teil zutraf, denn er liebte seine Frau und konnte seiner Tochter nie sehr lange einen Wunsch ausschlagen, traf es doch in allen andere Belangen zu. Selbst in der gehobenen Lehre der Architektur, oder einfach nur dem Studium, den Berufen ihres Vaters, zeigte sie in offenkundig ihre Ablehnung gegenüber und nur wenig Interesse oder gar Wissbegierde. Wodurch sie sich aber auch stets den Groll ihres Vaters auf sich zog, was dieser zumeist dahingehend bestrafte, ihre Wünsche auszuschlagen, bis sie ihm zu Gefallen war. Er sah darin sein einziges Druckmittel ihr gegenüber, und oftmals trug es auch Früchte. Und so wurde ihr, in dieser Hinsicht und trotz alledem, eine ansprechende Ausbildung zuteil auch wenn ihr die meisten Bergelfen in dieser Hinsicht weit überlegen sind, denn wo ihr Vater versagt hatte, ihr das nötige Wissen zu vermitteln, so waren die Lehren des harten Lebens weitaus erfolgreicher. Nach dem Tod ihres Vaters war sie gezwungen gewesen, sich das fehlende Wissen, welches sie in ihrer Kindheit abgelehnt hatte, anzueignen, um nicht unterzugehen. Ihr Lehrmeister war in dieser Hinsicht zumindest genauso hartnäckig wie sie selbst. Arvalia hat sowohl Lesen, als auch Schreiben gelernt. Allerdings beherrscht sie nur die Sprache der Bergelfen. Grundlegende Mathematik beherrscht Arvalia auch, doch für das höhere Wissen hatte sie nie die Disziplin aufbringen wollen, es zu lernen. Sie verwendete ihre Zeit lieber darauf, ihr Geld für hübschen Tand auszugeben oder den jungen Bergelfen hübsche Augen zu machen.

Man könnte Arvalia als eine verzogene Göre bezeichnen, welche nur sich selbst die nächste scheint und nichts kann, außer das Nichtstun. Tatsächlich hat sie keinen der Berufe, welche gerade bei den Bergelfen sehr häufig vorkommen, gelernt. Würde sie in einer Schmiede stehen, wäre wohl ihre einzige Sorge, dass sie sich schmutzig machen könnte, oder ihr gar ein Fingernagel abbrechen könnte, würde sie nur einen Handgriff erledigen müssen. Zumal ihr die Hitze neben einer Esse auch nicht sonderlich zusagt. Nähen, Sticken, Kochen. All diese Dinge, welche einer Frau ihres Alters normalerweise im Blut liegen sollte, sind ihr gänzlich fremd. Sie könnte wohl nicht einmal einen Knopf annähen oder sich eine einfache Mahlzeit zubereiten, ohne diese anbrennen zu lassen. Kämpfen hat sie ebenso nie gelernt. Hierfür gab es auch nie einen Grund. Sie war die Tochter eines wohlhabenden Mannes, und einer solchen geziemt es sich nicht, sich in Männerkleidung zu werfen oder gar eine Klinge zu schwingen. Reiten hat Arvalia ebenso niemals gelernt, geschweige denn, dass sie jemals ein Pferd zu Gesicht bekommen hätte. In den Bergen der Bergelfen ist kein Platz für Pferde.

Man könnte annehmen, dass sie, wenn sie schon handwerklich unbegabt oder unwillig scheint, dass ihr da vielleicht eine künstlerische Ader in die Wiege gelegt worden war. Doch dem ist bei Arvalia nicht so. Wenn sie singt, würden wohl Gläser zerspringen, denn sie klingt wie eine schiefe Nebelkrähe. Und wenn sie ein Instrument in die Hand nehmen würde, dann würde sie es wohl eher beschädigen, als darauf eine wohlklingende Melodie zu spielen. Die einzige "Kunst", welche sie in ihren langen Jahren vervollkommnend hatte, war die Kunst der Verführung, die Künste des Lugs und Betrugs und natürlich die hohe Kunst, sich auf den Lorbeeren anderer auszuruhen. In ihrem Fall die ihres Vaters, welche ihr ein angenehmes Leben bereitet hatten, solange er noch am Leben war. Sie wäre hoffnungslos verloren, wäre sie nur auf sich allein gestellt, oder gar in der Wildnis verirrt. Sie ist ein typisches Stadtkind, welche zu sehr an die Annehmlichkeiten der Zivilisation gewöhnt ist, und in der Wildnis weder leben, noch überleben könnte, ohne dass ihr dabei jemand hilft.

Allerdings, während andere ihres Alters eben jene Dinge lernen mussten, die Arvalia so abgelehnt hatte, wurde ihr von ihrer Mutter etwas gänzlich anderes beigebracht. Disziplin. Selbstbeherrschung und innere Ruhe. Diese drei Dinge waren existenziell für Arvalia gewesen. Besonders in den frühen Jahren ihrer Kindheit hatte sie oft mit dem zweiten Gesicht und ihrer dämonischen Natur zu kämpfen, und da ihr Vater oft auf Reisen zu den anderen, bergelfischen Städten, gewesen war, um dort mit seinem geschätzten Wissen an Bauprojekten zu helfen, hatte ihre Mutter oft viel Zeit gehabt, ihr diese Dinge beizubringen. Es trug allerdings nur sehr schale Früchte. Arvalia war unbeständig, ungehorsam und unbelehrbar. Und so riss ihrer Mutter, eines Tages der Geduldsfaden. Manch einer würde wohl sagen, dass ihre dunkle Seite zum Vorschein kam, denn sie packte ihre damals siebenjährige Tochter am Hals und überflutete ihren jungen und zerbrechlichen Körper mit ihrer, weitaus mächtigeren, dämonischen Magie, nur um ihr aufzuzeigen, wie mächtig sie war und wie töricht es es schien, ihr zu trotzen. Ein scharfer Wind blies Arvalia um die Ohren, während ihre Mutter all die Luft um sie herum buchstäblich dem Raum entzog. Arvalia, welche dieser brutale Übergriff förmlich zusammensacken ließ, während ihre Mutter immer fester zudrückte und sie für ihre verzogene und unbelehrbare Art bestrafte, erlitt zerbrach förmlich. Ihre Mutter wusste sehr genau was sie da tat, auch wenn es den Anschein hatte, dass sie sich nur ihrem Zorn hingegeben hätte. Durch diese Übermacht, welcher Arvalia ausgesetzt worden war, wurde die Seele, oder nennen wir es Psyche, des Mädchens einem regelrechten Schock ausgesetzt. Diese Erfahrung schwächte die junge Halbdämonin so sehr, dass es dazu führte, dass sich sowohl ihr dämonisches Wesen, oder Bewusstsein, als auch ihre, ohnehin ein wenig instabile, dämonische Macht weit ins Innere zurück zog. Vielleicht war dies auch eine Art Schutzmechanismus ihres Halbblut Organismus, wobei es möglicherweise auch daran lag, dass Arvalia - im Gegensatz zu anderen Dämonen - schon von Geburt an einem gestörten Machtverhältnis ihrer Gaben leidete. Arvalias Unterbewusstsein hat auf diese Weise wohl das erlittene Trauma zu verarbeiten versucht. Das zweite Gesicht und ihre dämonische Macht waren enger miteinander verwoben, als dies bei anderen Dämonen der Fall war, denn, besonders in ihren jungen Jahren, neigte Arvalia dazu, kaum empfänglich für ihre Magie zu sein und nach diesem Vorfall schien Arvalia, zumindest für einige Zeit, weniger von den emotionalen Ausbrüchen des zweiten Gesichtes beherrscht zu werden. Bald darauf erkannte ihre Mutter, dass wohl, aufgrund ihres Halbblutes, Arvalias zweites Gesicht und ihre dämonische Macht direkt aufeinander einwirkten und bereute ihre Tat zutiefst. Zu Anfangs, als Raélis noch die Macht ihrer Tochter stärken wollte, erkannte sie, dass dadurch unweigerlich das zweite Gesicht an Kraft gewann, wobei Arvalias Gemütszustand sich dadurch unweigerlich ins Untragbare kehrte.

Was Arvalia damals nicht wusste, und ihrer Mutter oft mit Trotz und Widerstand begegnet war, wenn diese sie oft über mehrere Tage hinweg im Haus eingesperrt hatte oder sie besondere Atemübungen lehren wollte, war, dass ihre Mutter, entgegen der meisten Dämonen, bei ihr geblieben war, um ihr eben jene Dinge beizubringen, die andere Dämonen oft nur unter Leid und Qual selbst erlernen mussten. Der Ausbruch ihrer Mutter, wäre für viele wohl kaum als ein Akt der Liebe zu bezeichnen, und doch war es genau dieses. Eine verquere, dämonische Liebe. Denn als sie Arvalias Macht gedämpft hatte, wurde ebenso die Macht ihres zweiten Gesichtes unterdrückt. Arvalia war von jenem Tage an, wie ausgewechselt. Zwar war sie noch immer stur und engstirnig, doch hatte sie es fortan weit leichter, ihre Wut zu lenken oder gar zu zügeln. Allerdings zu dem Preis der Macht. Dies war ihrer Mutter allerdings mehr als nur Recht, denn so konnte Arvalia sich unter die Bergelfen mischen, ohne Gefahr zu laufen, als Dämonin entlarvt zu werden. Diese beschwerliche Zeit hatte sowohl ihr Gutes, wie auch ihr Schlechtes und es hatte einen großen Bruch zwischen Mutter und Tochter verursacht, welcher lange Zeit nicht verheilte. Durch die andauernden Übungen lernte Arvalia sowohl ihre dämonische Seite besser zu zügeln, als auch, dass ihre körperlichen und mentalen Stärken zu verfeinern. Hinzu kam, dass ihr Vater sie immer wieder in den Sitten und Tugenden der Bergelfen unterrichtete, in der Hoffnung, sie eines Tages doch noch auf den rechten Weg zu lenken. Eine Hoffnung, die nie erfüllt wurde.

Zwar ist Arvalia heute eine Frau des ausschweifenden Lebens und musste eigentlich nie besonders schnell, wendig oder ausdauernd sein, doch in ihrer dämonischen Gestalt ist dies weit stärker ausgeprägt, als in ihrer elfischen, wo man sie wohl eher als schwächlich und weibisch bezeichnen würde, denn als besonders agil oder ausdauernd. Zwar ist es ihrem dämonischen Blut zu Eigen, dass sie über eine gewisse, körperliche Stärke und auch eine hohe Konstitution verfügt, die sie wohl gegen Verletzungen resistenter macht, als andere Elfen, doch sie als dämonisch stark und unverwundbar zu bezeichnen wäre mehr als übertrieben. Ganz im Gegenteil! Arvalia ist eine zierliche, Frau und wenn man ihr mit roher Gewalt begegnet, da kann man sie leicht an die Wand drängen, was dazu führt, dass sie panisch wird und ihre Konzentration vom Winde verweht wird. Sie wird irrational und handelt impulsiv und in diesem Zustand ist sie sowohl am angreifbarsten, als auch am gefährlichsten. Denn auch wenn ihr dann, wenn man sie erst einmal das Fürchten gelehrt hat, oftmals der freie Kopf fehlt, um die mächtigen Zauber zu wirken, welche ihr dämonisches Blut durchfluten, so drängt sich ihr Überlebenswille ihr förmlich auf, welcher sie dazu zwingt zu kriechen oder gar zu fliehen, nur um dann finstere Rachepläne zu schmieden. Oft entscheidet Arvalia spontan, ob sie sich unterwirft und gute Miene zum bösen Spiel mimt, um später, wenn sie ihren Gegner in Sicherheit gewogen hat, diesen feige und rücklings zu erstechen, oder ob sie gleich die Flucht antritt und aus der Ferne ihre Rache plant.

Die meisten Dämonen überleben diese schwierige Zeit nicht, welche die ersten Jahre mit sich bringt, denn entweder vergingen sie in ihrer eigenen Magie, welche sie überwältigte, oder sie wurden von den Menschen oder auch Elfen kurzerhand getötet, als sie diese als das, was sie waren, erkannt hatten. Doch Arvalia hatte in dieser Hinsicht wohl Glück gehabt. Zumal sie als Halbblut mit weit weniger stark ausgeprägten Problemen zu kämpfen hatte, als dies bei einem reinblütigen Dämon der Fall wäre. Allerdings dafür auf Kosten ihrer Macht. Sie würde niemals so mächtig werden, wie ein reinrassiger Dämon. Ihr elfisches Erbe bekämpft seit jeher das dämonische in sich und daher spielte die Einkerkerung der Magie ihrem elfischen Erbe direkt in die Hände, welches seither versucht das dämonische zu dominieren. Wohl lag dies am disziplinierten und beherrschten Erbe ihres elfischen Vaters, welcher beinahe das Sinnbild eines Bergelfen war, dass ihre elfische Seite ihr in dieser Hinsicht beinahe entgegen kam, als es darum ging, die Wut und die Unberechenbarkeit ihres dämonischen Erbes zu zügeln zu lernen. Und so hatte sie schon sehr früh gelernt die Magie in ihrem Blut, wie auch ihre Gefühle, besonders die Wut, den Zorn und den Trotz, beherrschen zu lernen. Allerdings auf Kosten dieser Macht. und natürlich nicht ohne Rückschläge oder Einbussen zu erleiden. Jedes Mal, wenn Arvalia die Macht ihres Blutes herauf beschwört, schwächt sie das Band, welches ihre Mutter einst um das Seelengefängnis ihres zweiten Gesichtes gewoben hat. Und irgendwann wird der Tag kommen, da das zweite Gesicht wieder zu voller Stärke kommen wird.

Arvalia zeigte sich zwar, nach und nach, fähig, aber selten willens, die Lehren ihrer Mutter sich anzueignen. Sie sah in ihr stets die Frau, die sie ihrer Freiheit beraubte, und sie mit langwierigen Übungen und Lehren quälte. Auch das zweite Gesicht, welches in ihrer Kindheit oft ungefragt und unkontrollierbar die Kontrolle über Arvalia übernommen hatte, lernte sie so, nach der Einkerkerung ihrer Magie, schneller zu meistern, als die meisten anderen Dämonen. Was natürlich nicht bedeutet, dass es nie zu Tage kam. Allerdings waren es nur schwache Ausbrüche, welche Arvalia oft gut mit ihren Haaren verbergen konnte, wenn es dazu kam. Hier ist es nur dem Umstand zu verdanken, dass ihr Vater in den frühen Jahren ihrer Kindheit beinahe nie zu Hause war, sonst wäre ihre dämonische Natur viel eher aufgeflogen. Jene Zeit war oft unerträglich, denn sie durfte lange Zeit das Haus nicht verlassen, und sie fühlte sich ihrer individuellen Freiheit beraubt. Hier angesetzt erscheint es einem auch beinahe logisch dass sie, kaum hatte sie halbwegs ihre dämonische Seite zu zügeln gelernt, all das nachholen hatte wollen, was sie in jungen Jahren verpasst hatte, und somit noch rebellischer und aufsässiger geworden war, wenn es um die Autorität ihrer Eltern gegangen war. Somit hat Arvalia zwar viel gelernt, doch nur wenig alltägliche Dinge. Es war eine Lehre zum Überleben. Eine Art Selbstschutz, den ihre Mutter ihr beigebracht hatte. Aber Arvalia hatte dies erst lange nach dem Tod ihrer Mutter begriffen und oft schon hatte sie sich gewünscht nur ein einziges Mal noch mit ihr reden zu können, um sich für ihre aufopfernde Erziehung zu bedanken.

Magie:
Was Arvalia dafür allerdings ziemlich gut beherrscht, ist die Macht über das Element des Windes zu gebieten. Zwar ist elementarische Magie unter den Elfen nichts ungewöhnliches, aber gerade bei den Bergelfen ist die Erdmagie weit häufiger. Aber der Umstand elementarmagisch begabt zu sein, war bei den Bergelfen keine sonderlich verwunderliche Begabung Arvalias, was ihrer dämonischen Seite, oder dem Verbergen von eben dieser, zugute gekommen war.

Als Dämonin des Windes, welche nun schon seit über siebzig Jahren mit ihrem Element in ständigem Bewusstsein lebt und agiert, hat Arvalia ein beachtliches Wissen und eine noch beachtlichere Macht auf diesem Gebiet erlangt. Regelrecht verbissen hatte sie sich dem Erlernen der verschiedenen Zauber gewidmet und immer wieder versucht neue Kombinationen zu erschaffen. Mal mit mehr und mal mit minderem Erfolg. Und so ist es heute nicht verwunderlich, dass sie für viele ihrer Zauber nur einen einzelnen Gedanken braucht, um ihn in ihrem Geist zu formen. Besonders zu erwähnen wären hier jene Zauber, welche ein gewisses Maß an Aggression abverlangen. Zauber wie Luftstoß, Luftklingen, dünne Luft oder Schock sind Zauber, welche sie schon sehr früh gelernt hat, und nun, über die unzähligen Jahre, kaum mehr als einen Gedanken oder ein Wort benötigt, um sie zu wirken. Der liebsten Zauber sind ihr hierbei die dünne Luft, beziehungsweise der Schock, denn so kann sie sich gefährliche Angreifer auf eine äußerst elegante und effektive Weise vom Leib halten. Ihre Opfer sind ihr besonders dann, wenn diese um Luft ringend am Boden knien, schutzlos ausgeliefert, und genau das ist es, was Arvalia so liebt. Dieses Gefühl von Macht, über Leben und Tod zu entscheiden, wenn sie die Klinge in der Hand hält um dem wehrlosen Opfer den Gnadenstoß zu verpassen. Für spontane Machtdemonstrationen greift Arvalia aber lieber auf die Luftklingen zurück, denn nichts ist einschüchternder, als schneidende Luft. Hierbei ist es natürlich abhängig davon, wie viele solcher Klingen Arvalia zur selben Zeit beschwört, doch zumeist ist es mehr als ausreichend eine einzelne davon zu ihrem Schutz zu rufen, und für diese benötigt Arvalia lediglich einen Gedanken, während sie für die Atem raubenden Zauber schon ein kompliziertes Symbol in die Luft zeichnen muss, um deren Wirkung vollends zu entfalten. Die meisten dieser offensiven Zauber werden nur durch ein einzelnes Wort, oder eine diskrete Geste hervorgerufen, doch gibt es natürlich auch Zauber, welche Arvalia mehr Konzentration und auch mehr Willensstärke kosten. Hierunter fallen besonders Zauber, welche eine gewisse Ruhe und Ausgeglichenheit erfordern, woran es Arvalia, trotz all der Jahre, noch oftmals mangelt. Zauber wie Schweben, Freiheit oder generell Zauber hoher Stufen. Als Windämon hat Arvalia aber ihre bevorzugten Zauber, und greift in der Regel nur auf diese zurück, während andere eher vernachlässigt wurden. Was in der Regel auch, mitunter, daran liegt, dass ihr besagte Zauber nicht so leicht fallen, wie andere. Von den defensiveren Zaubern ist die Freiheit aber Arvalias absoluter Liebling. Denn in ihrer Kindheit hat sie oft ihre Zeit an den Klippen des großen Yath-Zuhárra verbracht und sich nichts sehnlicher gewünscht, einfach davon zu fliegen. Doch irgendwie hatte jeder Versuch, sich mit Hilfe ihrer Schwingen in die Lüfte zu erheben, nie die gewünschten Erfolge erzielt. Doch als sie den Zauber Freiheit für sich entdeckte, da gab ihr dieser, wovon sie immer geträumt hatte, und so nutzt sie diesen Zauber auch heute noch sehr gerne, wenn sie sich unbeobachtet weiß, um einfach dem bescherten Leben auf der Erde für einen Moment zu entfliehen. Was natürlich nur Blendwerk ist. Sie nutzt ihre Magie und bewegt dabei ihre Schwingen, dass es so aussieht, als ob sie fliegen würde. Doch würde ihr Zauber versagen, würde sie wohl zu Boden stürzen, oder unbeholfen dahingleiten.

Recht früh schon, als Arvalia ihr sechzehntes Lebensjahr vollendet hatte, wurden die Meister der arkanen Schulen auf die junge Windelfin aufmerksam und gedachten sie unter ihre Fittiche zu nehmen. Sie zeigte zwar Anzeichen von magischer Begabung, aber durch die Dämpfung des zweiten Gesichtes und dem daraus resultierenden Magiebann, welcher Arvalia auferlegte, die Magie in sich zu zügeln, anstatt sie zu entfesseln, wirkte sie zwar talentiert, aber nicht übermässig begabt. Aber ihre Eltern, besonders ihre Mutter, sprachen sich gegen eine Ausbildung aus. Ihr Vater wollte dass sie in seine Fußstapfen trat und ihre Mutter fürchtete, dass sie noch zu jung und ungestüm war, und dass man ihre wahre Natur aufdecken würde. Denn in der Schule der Magie wäre sie beinahe tagtäglich dazu gezwungen gewesen Magie auszuüben, was den Bann des zweiten Gesichtes binnen kürzester Zeit aufgelöst hätte. Und dann hätte Arvalia erneut mit dem zweiten Gesicht zu kämpfen gehabt, ohne es vorher gelernt zu haben, darüber die Kontrolle zu behalten. Alles, was Arvalia über die Magie des Windes wusste, hat sie von ihrer Mutter gelernt. In dieser Zeitspanne, in welcher ihre Mutter bei ihr war, hat Arvalia zwar allerhand gelernt, doch nach dem Tod ihrer Mutter war sie gezwungen gewesen, sich vieles selbst beizubringen, was natürlich oftmals katastrophale Folgen hatte. Und heute beherrscht Arvalia eine ansehnliche Sammlung an Zaubern, welche den Wind herbeizurufen vermögen, oder schlicht die Luft die sie umgibt, zu manipulieren.

Wie es den Dämonen zu Eigen ist, läuft sie ständig Gefahr die Kontrolle über ihrer Selbst, sowie ihrer Magie zu verlieren, wenn sie die instinktive Magie des Windes, welche ihrem Blut innewohnt, gebraucht. Und da sie nur eine Halbdämonin ist, wiegt diese Schwäche bei ihr umso stärker, als bei einem Dämon reinen Blutes. Tatsächlich ist es bei ihr sogar so, dass sie kaum mehr als drei Zauber des Windes wirken kann, ohne dass die Wut der Magie in ihr einen solch immensen Druck aufbaut, dass sie die Kontrolle über sich selbst zu halten vermag. Und wenn dies geschieht, dann bricht nicht nur das zweite Gesicht hervor, nein, sie verwandelt sich in ihre wahre Gestalt und wird zu einem wahren, dämonischen Derwisch, der alles um sich herum zu verwüsten gedenkt.


Vergangenheit:
Arvalia wuchs in Yath-Zuhárra, der großen Stadt der Bergelfen, auf. Anders, als viele andere Dämonen, hatte die Mutter ihre Tochter nicht sich selbst überlassen, sondern war bei ihrem Gemahl, wie auch bei ihrer Tochter geblieben. Was ungewöhnlich, für diese Rasse war. Doch Arvalias Mutter war eben anders, als die anderen. So wie Arvalia anders ist, als andere Dämonen ihres Schlages. Vielleicht lag es auch daran, dass ihre Mutter schon mehr als die Hälfte ihrer Lebensspanne hinter sich hatte und den Wunsch nach Sesshaftigkeit und Frieden höher geschätzt hatte, als das Leben alleine. Natürlich war es auch von Vorteil, dass Arvalias Vater oft auf Reisen zu den anderen bergelfischen Städten war, und so waren die beiden Frauen oft allein. Besonders in den ersten Jahren ihrer frühen Kindheit war ihr Vater, aufgrund wichtiger Bauprojekte, oft nur sehr selten zu Hause. Denn auch, wenn ihr Vater wohlhabend war, lag dies nicht darin, dass er besonders reich entlohnt wurde, nein, vielmehr hatte er sich seinen Reichtum über viele Jahre hinweg angespart. Von außen betrachtet schienen Arvalias Eltern ein eher distanziertes Verhältnis gepflegt zu haben. Was allerdings auf Gegenseitigkeit beruhte. Bei ihrem Vater lag es wohl an der verschlossenen Art der Bergelfen, nicht mehr Gefühle als nötig zu offenbaren, und bei ihrer Mutter lag es wohl an der dämonischen Natur. Arvalia glich in diesen Tagen beinahe einer Gefangenen in ihrem eigenen Elternhaus, denn ihre Mutter ließ sie so gut wie nie vor die Tür, aus Furcht, sie könnte die Beherrschung oder die Kontrolle über ihre wahre Natur verlieren. Bis zu jenem, schicksalhaften Tag, als Re'sea Arvalias Geist und ihre dämonische Magie gebändigt hatte. Von diesem Tag an, war Arvalia beinahe elfisch, denn das dämonische in ihr, schien mehr zu schlafen, als zu kämpfen. Und so schlug Re'sea gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Erstens konnte sie ihre Tochter auf das zweite Gesicht, welches eines Tages wieder hervorbrechen würde, besser vorbereiten, und zweitens war es umso leichter geworden, sowohl ihrem Gemahl, als auch all die anderen Bergelfen über Arvalias wahre Natur hinweg zu täuschen. Sie hielt Arvalia dennoch noch lange unter ihrer Aufsicht und lehrte sie die unbändige Wut und magischen Kräfte, welche ihrem Blut innewohnten, kontrollieren zu lernen. Auch wenn Arvalia von jenem Tage an öfter vor die Tür gehen durfte, wenn auch meistens nur in Begleitung ihrer Mutter. Ihre Mutter hatte immer befürchtet, dass Arvalia, allein unter Bergelfen, keine sonderlich hohen Überlebenschancen hätte, wenn erst einmal ihre dämonische Natur bekannt geworden wäre. Aber vielleicht war ihre Mutter in dieser Hinsicht auch anders, als die meisten Dämonen, dass sie Zuneigung für ihre Tochter empfunden hatte, die ihr beinahe wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sah. Sie hatte dunkleres Haar, als Arvalia, und dieser Umstand war ihr wohl zugute gekommen, als sie sich in den Bergelfen A'renas, Arvalias Vater, verliebt hatte. Sie waren sich auf einer seiner Reisen begegnet und da er, durch sein Ansehen, einen ansehnlichen Wohlstand angehäuft hatte, hatte Arvalia eine recht unbeschwerte Kindheit, da es ihr kaum an etwas mangelte. Höchstens vielleicht die Liebe ihres Vaters, da dieser, wenn er einmal zu Hause war, sich stets kühl und reserviert gegenüber Arvalia verhalten hatte. Vielleicht, weil er lieber einen Sohn gehabt hätte, der sein Erbe irgendwann übernehmen würde und Arvalia in dieser Hinsicht weder Interesse noch Talent bewiesen hatte. Als Arvalia einmal ihre Mutter gefragt hatte, warum sie noch hier blieb, wenn ihr Mann nie zu Hause war, und sich stets so reserviert verhielt, da hatte sie nur gelächelt. »Wohin sollte ich sonst gehen, Arvalia?« Beim näheren Betrachten klang dies einleuchtend. Arvalias Mutter war ihres alten Lebens müde. Sie hatte einen Ort der Zuflucht gefunden, inmitten einer Schlangengrube. Sie hatte Wohlstand und war genügsam. Vermutlich hätte sie auch genauso gut in einem anderen Land, oder in einer anderen Stadt sesshaft werden können, doch was soll man tun, wen das Herz brennt?

Wenn ihr Vater einmal längere Zeit zu Hause war, so verhielt sich Arvalia ihm gegenüber stets sehr distanziert. Er las oft Stunden in Büchern oder hatte immer wieder Freunde oder Gleichgesinnte zu Gast, so dass er Arvalia in ihr Zimmer, oder gar vor die Tür schickte, damit sie ihn nicht stören, oder gar vor seinen Freunden blamieren konnte. Da er keine Diener, Knechte oder Mägde beschäftigte, da er niemandem traute und alles nur Neider und Diebesgesindel waren, oblag es Arvalias Mutter ihn und seine Gäste zu bewirten, und so verbrachte Arvalia oft ihre Zeit mit Unsinn oder ihrer Verschwendungssucht.Und so hatte Arvalia oft viel Zeit für sich selbst, in welchen sie sowohl die Stadt, als auch ihr eigenes Wesen zu ergründen begann. Anfangs nur schlenderte sie, mehr gelangweilt als interessiert, durch die Stadt. Aber irgendwann wurde es ihr zu ermüdend und es zog sie an die Randgebiete der Stadt. Die Klippen, welche hunderte Meter in die Tiefe gingen ohne dass man den Boden sehen konnte. Hier fühlte sie sich am wohlsten, wenn ihr der Wind um die Ohren fegte und sie vom Felsen zu wehen drohte. Es schien beinahe, dass die dämonische Magie in ihr, sie stets an diesen Ort rief, und so war es natürlich auch nicht verwunderlich, dass sie die Macht an diesem Ort erneut erspürte. Zuerst hatte sie es nur für einen Windhauch gehalten, doch es kam immer wieder und sang förmlich in ihrem Blut. Und sie lernte dem Wind zuzuhören, und irgendwann kam der Tag, sie war ungefähr zehn Jahre alt, als sie den Wind befehligte. Und dies war der Tag, als das zweite Gesicht erneut zum Leben erwachte. Nicht in alter Stärke. Nein. Nur ein Hauch. Ein leises Flüstern, welches in ihrem Ohren erklang, als ob der Wind entfernte Worte heran getragen hätte. Es lockte und flüsterte und versuchte Arvalia immer wieder dazu zu bringen, Magie zu üben.

Arvalias schwierige Persönlichkeit hatte es ihr in ihrer Kindheit aber nichtsdestotrotz schwer gemacht Freunde zu finden. Zumal sie selten die Gelegenheit dazu bekommen hatte, mit andern Bergelfen in Kontakt zu treten. Und als sie, im Alter von zwölf Jahren wieder einmal durch die Stadt gegangen war, hatte Arvalia bald Bekanntschaft mit Re'sea und An'so gemacht, zwei Bergelfen wie sie im Buche standen. Sie waren skrupellos und hatten für Fremde rein gar nichts übrig. Und ironischerweise schien Arvalia mit ihrer arroganten und verzogenen Art welche durch die lange Unterdrückung ihrer strengen Mutter danach schrie diese Ketten des Elternhauses abzustreifen, dieses Trio beinahe perfekt abzurunden. Da Arvalia, durch den Wohlstand ihres Vaters, bald schon einen gewissen Status bei den beiden Geschwistern errang, schien es aber beinahe, als ob sie nur an Arvalias Freundschaft interessiert gewesen waren, um sich ebenso in diesem Wohlstand zu sonnen. Arvalia bewies kaum Geschick in der Architektur, dem Geschäft ihres Vaters, doch dafür umso mehr darin, das Geld ihres Vaters für nutzlosen Tand auszugeben.

Und so hatte Arvalia natürlich auch ihre Probleme sich in die bergelfische Gesellschaft zu integrieren. Zumindest so, wie es sich für eine wahre Bergelfin gebührte. Ihr Vater grämte sich zusehends, eine solch verzogene Tochter gezeugt zu haben, welche nur an sich selbst und an ihr eigenes Wohlergehen dachte und keinen Sinn für die wirklich wichtigen Dinge im Leben hatte. Wie Ruhm Erfolg und Ansehen. Und das nicht nur deshalb, da sie viele Jahre unter der ständigen Fuchtel ihrer Mutter aufgewachsen war. Dieser Umstand hatte zwar auch die Runde in dem Viertel, in welchem Arvalia lebte, gemacht, doch war dies nicht der einzige Grund, warum Arvalia es schwer hatte. Man redete immer wieder, hinter vorgehaltener Hand über diese sonderliche Elfin, und man mutmaßte allerlei Dinge darüber, warum ihre Mutter sie nie in jungen Jahren herausgelassen hatte. Und als Arvalia schließlich das wahre Licht der Bergelfenwelt erblickte, da meinten einige zu verstehen, warum ihre Mutter sie nie herausgelassen hatte. Arvalia schien beinahe, als ob sie entfesselt worden wäre. Sie kannte kein Benehmen und auch keine Zurückhaltung und brachte Tag für Tag mehr Schande über ihren Vater, welcher es dann vorzog, bei seinem Bruder in Aelkazâna zu arbeiten, wo man den Ruf seiner Tochter noch nicht vernommen hatte. Schien all die Dinge, die sie in ihren jungen Jahren verpasst hatte, auf einen Schlag nachholen zu wollen, was ihr relativ bald schon einen recht zweifelhaften Ruf einbrachte. Dies ging so weit, bis sie ihr zwanzigstes Lebensjahr erreicht hatte, als eines Tages ihr Vater aus Aelkazâna zurückkehrte. Es war jener, verhängnisvoller Tag, als Arvalias zweites Gesicht hervorbrach und sie, trotz der enormen Willensstärke, welche sie bis dahin schon aufgebaut hatte, nicht imstande war es vor ihrem Vater zu verheimlichen. Sie hatte an den Klippen heimlich Magie geübt, und nun zahlte sie den Preis dafür. Ihr eigener Vater schnappte sie am Kragen und legte das Haar offen, unter welchem das Gesicht verborgen war. Er wurde argwöhnisch und warf ihrer Mutter vor, dass sie nicht seine Tochter war, denn sie war offensichtlich keine Bergelfin. Doch Raélis hielt zu ihrer Tochter und verteidigte sie, bis A'renas mit einem Messer auf sie losgegangen war. Und so warf sich ihre Mutter zwischen ihren Gemahl und ihre Tochter und offenbarte ihm ihre wahre Gestalt. Die Gestalt einer Dämonin des Windes. A'renas, welcher in all den Jahren nie geahnt hatte, dass seine Frau keine Bergelfin, sondern eine Dämonin gewesen war, geriet in fürchterlichen Zorn und streckte seine Frau, nieder. Sie wehrte sich natürlich und durch die Magie, welche sowohl ihr, als auch ihrer Tochter im Blut lag, und sie konnte A'renas auch im Schach halten. Doch A'renas war ein unerbittlicher Mann. Er hatte all die Jahre in dem Glauben gelebt, dass seine Frau eine wahre Bergelfin gewesen war. Die Erkenntnis, die ihn wie ein Donnerschlag getroffen haben musste, ließ ihn Verwünschungen und Flüche aussprechen. Er hatte sich mit einer Dämonin vereinigt! Das ließ ihn Blind vor Raserei werden und er beschimpfte Raélis wie auch Arvalia als Missgeburten und Abschaum. Und in dem Gerangel fügte er schließlich Raélis eine tödliche Wunde zu.

Arvalia war damals wie erstarrt gewesen, als ihre geliebten Eltern sich gegenseitig umzubringen drohten, doch als Raélis in ihrem eigenen Blut daniederlag, da war jede Beherrschung, die ihre Mutter ihr in all den langen Jahren anerzogen hatte wie weggeweht. Wie ein Sturm brach sie über A'renas hernieder und traktierte ihn mit Bissen, Tritten und Kratzern. Vermutlich hätte er auch sie getötet, wenn er nicht schon durch den Kampf mit ihrer Mutter derart geschwächt gewesen wäre, und als Arvalia, ebenso wie ihr Mutter, ihre wahre Gestalt offenbarte, da bohrten sich ihre langen, geschwungenen Hörner tief in seine Brust und er hauchte sein Leben aus, während all sein Blut über Arvalia strömte. Wie von Sinnen stand Arvalia über den Leichen ihrer Eltern, als sie hektisch wurde und nervös wie auch panisch wurde. In ihrer kopflosen Überhast, schleifte sie den Leichnam ihres Vaters zu dem großen Fenster und warf ihn die Klippen hinab, wo er mehrere hundert Meter in die Tiefe stürzte. Selbst wenn man die Leiche fand, man würde ihn nicht mehr identifizieren können. Und da ihr Vater ohnehin selten zu Hause war, würde niemand seine Abwesenheit vermissen. Ja, dessen war sich Arvalia sicher. Den Leichnam ihrer Mutter konnte sie nicht aus dem Fenster werfen. Sie konnte sie aber auch nicht liegen lassen. Und so hob sie den Leichnam zunächst auf das Bett, um sie dort liegen zu lassen. Allerdings begann der Leichnam relativ bald fürchterlich zu stinken, und so legte sie die verwesende Leiche in eine Truhe und verschloss diese mit einem robusten Schloss und bat ihre beiden Freunde, ihr dabei zu helfen, die Kiste in den hintersten Winkel des Kellers zu stellen.

Diese Erlebnisse warfen Arvalia beinahe aus der Bahn. Wütend und manisch vor Trauer verzog sie sich für einige Zeit in ihren Gemächern um zu trauern, doch das Geschäft ihres Vaters blühte und sie hatte keine andere Wahl, als ihr Erbe anzutreten. Zumal sie unmöglich auf den Wohlstand, welcher ihr bis dahin ein so unbeschwertes Leben verliehen hatte, verzichten wollte. Doch ihre anfänglichen Versuche es ihrem Vater gleichzutun, endeten in einem Desaster. Und so überließ sie das Geschäft den Arbeitern und Gelehrten, welche für ihren Vater gearbeitet hatten, auch wenn dies bedeutete, dass sie so noch weniger von ihrem Erbe hatte, als ohnehin schon.

Arvalia kam sich mit einem Mal so nutzlos vor, und so versuchte sie einen anderen Weg einzuschlagen. Mit all dem Geld, was sie von ihren Eltern geerbt hatte beschloss sie den Bruder ihres Vaters zu besuchen, um dort das Geschäft zu lernen. Sie übergab die Leitung der hiesigen Geschäfte an den Vertrauten ihres Vaters und behauptete, dass dieser überhastet in das Hochland Sul'aht aufbrechen musste. Arvalia war diese Reise nur recht, denn sie war mit den Geschäften ihres Vaters heillos überfordert. Und so verbrachte sie ganze fünfundzwanzig Jahre in Aelkazâna. Dort angekommen, tischte sie dem Bruder ihres Vaters die selbe Lüge, wie zuvor auf und dass dieser sie zu ihm geschickt hätte, um sie in die Geschäfte der Familie einzuweisen. Arvalia stieß anfangs natürlich auf Argwohn und Skepsis. Ihr Vater hatte natürlich immer wieder über seine missratene Tochter gelästert, wenn er bei seinem Bruder gewesen war, doch allein ihre Anwesenheit schien zu beweisen, dass sie nun doch, nach zwanzig Jahren, sich eines Besseren besonnen hatte. Besonders die ersten Jahre waren hart für Arvalia, und oft erschien sie einfach nicht zum Unterricht und darunter hatten sowohl ihre Fortschritte im Studium der Architektur, wie auch das Studium der Wissenschaften zu leiden. Zum einen, da es ihr an Disziplin und Respekt mangelte, aber auch zum anderen, da es oft Tage gab, an welchen ihr dämonisches Erbe stärker an ihr zerrte und sie nicht Gefahr laufen wollte ihre wahre Natur zu offenbaren. Und so zog es sie immer öfter aus der Stadt, um sich dort der Magie des Windes zu ergeben, um dem Druck, welcher auf ihr lastete, zu entfliehen. Doch, wie bereits erwähnt, schürte dieses Verhalten nur die erstarkende Macht des zweiten Gesichtes. Immer öfter war Arvalia Stimmungsschwankungen unterworfen und immer öfter vernahm sie die Stimmen des zweiten Gesichtes im Kopf. Sie machte stets die Übungen zur inneren Ruhe, welche ihre Mutter sie gelehrt hatte, doch die Lehre war Nervenaufreibend und oft war Arvalia einfach nur frustriert. Die Mathematik und besonders die Geometrie verursachten ihr das meiste Kopfzerbrechen. Sie erkannte, von Tag zu Tag, mehr und mehr, dass sie niemals eine solch' begnadete Architektin werden würde, wie ihr Onkel, und geschweige denn, wie ihr Vater.

Während ihres Aufenthaltes in Aelkazâna, gab es immer wieder größere und unschöne Auseinandersetzungen mit ihrem Onkel, wie auch ihrer Tante. Und mehr als nur einmal, hatte er ihr angedroht, sie vor die Tür zu werfen. Arvalia schlug mit ihrer harschen und arroganten Art viel zu oft über die Stränge und beleidigte ihren Onkel oder stieß ihre Tante vor den Kopf. Einzig und allein, dass sie verwandt waren, ließ ihn so lange Zeit in Geduld üben. Und da Bergelfen von Haus aus selbst dazu neigen ähnliche Charakterzüge zu zeigen, spricht das nicht für Arvalia, wenn ihnen dieses Verhalten so untragbar erschien, dass sie die Windelfin eines Tages das Messer auf die Brust setzten. Da ihr Vater schon lange nicht mehr gesehen worden war, wurde er für verschollen erklärt und Arvalias Onkel hatte das Geschäft übernommen. Allerdings hegte er kein Interesse daran, nach Yath-Zuhárra zu ziehen und überließ die hiesigen Geschäfte engen Vertrauten. Und mit diesem Wissen, dass Arvalias Vater nicht mehr so schnell zurück kehrte, drohten sie ihr den Geldhahn abzudrehen, wenn sie nicht baldigst ihre Verschwendungssucht, wie auch ihr Verhalten maßgeblich ändern würde. Arvalia stand mit dem Rücken zur Wand, bildhaft gesprochen. Alles in ihr lehnte sich gegen diese Drohung auf, und so kam es, wie es kommen musste. Sie erlag den Versuchungen des zweiten Gesichtes und willigte zunächst ein. Ar'nestor, ihr Onkel, nickte zufrieden und gab ihr eine Woche Zeit, sich zu bessern, andernfalls würde er einen Brief an ihren Vater schicken. An ihren Vater, der schon lange nicht mehr am Leben war. Immer wieder hatte sie gefälschte Brieftauben oder Eilbriefe zu ihrem Onkel geschickt, in welchem sie ihm berichtete, wie es mit dem Geschäft voran ging. Und es ging gut voran. Denn der Vertraute ihres Vaters leistete gute Arbeit in Yath-Zuhárra. Arvalia ließ einige Tage ins Land ziehen, bis sie entschloss, ihren Onkel zu verführen. Bei ihrem Vater hatte sie immer leichtes Spiel gehabt, ihn um den Finger zu wickeln. War sie doch seine Tochter. Doch beim Onkel musste sie andere Saiten anschlagen. Und so wartete sie, bis ihre Tante das Haus verlassen hatte, und trat zu ihrem Onkel ins Arbeitszimmer. Mit nichts am Leib, außer ihrer nackten Haut. Zuerst starrte er sie nur entgeistert an, und fand kaum Worte, seine Entrüstung zum Ausdruck zu bringen. Doch Arvalia hatte schon reichlich Erfahrung damit, andere Männer zu umgarnen, und sie war eine attraktive, junge Frau. Es dauerte nicht sehr lange, da hatte sie die Barrieren seiner Abwehr überwunden und ihn in das Ehebett gelockt. Arvalias Plan schien beinahe aufzugehen. Denn hätte sie erst den Onkel an der kurzen Leine, wären alle Probleme aus der Welt. Doch sie hatte die Rechnung ohne ihre Tante gemacht. Denn sie kam früher heim, als erwartet, und erwischte die beiden im Bett. Natürlich gab es ein fürchterliches Geschrei und wilde Anschuldigungen. Ihr Gemahl suchte sein Heil in Ausflüchten und Arvalia versuchte sich nur heraus zu reden. Alles half nichts. Die Emotionen kochten hoch und irgendwann war Arvalia an dem Punkt angelangt, als sie ihre Beherrschung vollends verlor. Ihr zweites Gesicht übernahm die Kontrolle und ehe sie es sich versah, da hatte sie beide umgebracht. Bei diesem Streit hatte sich Arvalia auch die Narbe zugezogen, welche sie seither im Gesicht "ziert", denn ihr Onkel hatte sich, in seiner Not, mit einem Brieföffner zur Wehr gesetzt. Arvalia fluchte und schimpfte. Da hatte sie beinahe alles ins Lot gebracht und erneut stand sie vor zwei Leichen. Doch dieses Mal gab es keine Möglichkeit sie aus dem Fenster zu werfen. Und so zündete sie kurzerhand das Haus an und vertuschte den Tod der Beiden. Das Erbe ihres Onkels, ging an den ältesten Sohn über, welcher nur zehn Jahre älter als Arvalia war.

Arvalia, welche sich nun erneut vor dem drohenden Problem sah, dass ihr das Geld durch die Finger rinnen würde, entschloss sich, kurzerhand, an ihren Vetter heran zu schmeißen, und diesen zu umgarnen. Und er war auch nicht abgeneigt von ihr. Ganz im Gegenteil. Da Nestor auch ein recht ansehlicher Mann war, hielt es Arvalia sogar eine recht lange Zeit mit ihm aus. Allerdings liefen die Geschäfte in Yath-Zuhárra alles andere, als gut. Denn unter den, nicht ganz so fähigen Händen ihrer Vertreter, hatte es nach und nach an Einfluss und auch Wohlstand eingebüßt. Arvalia, welche inzwischen Mitte fünfzig alt war, hatte nun, aufgrund ihrer Vorliebe für Geschmeide und teure Kleider bald ein ernsthaftes Problem. Denn sie gab mehr Geld aus, als ihr Geschäft ihr einbrachte und so rann ihr das Geld buchstäblich durch die Finger und so redete sie auf Nestor ein, doch nach Yath-Zuhárra zu gehen, um die Geschäfte dort ins Reine zu bringen.

Irgendwann war der Tag gekommen, als Arvalias, oder besser gesagt Nestors, Geschäft kaum mehr zahlungsfähig war, und ihnen nach und nach die Ingenieure und Architekten davonliefen, um bei einer besseren Anstellung ihr Glück zu versuchen. Und in ihrer Verzweiflung, als sie keinen weiteren Ausweg mehr wusste, da kam eines Tages einer ihrer Konkurrenten zu ihr, um sie unverhohlen zu verhöhnen und sich in ihrem Elend zu sonnen. Nestor war außer sich vor Zorn, doch Arvalia schickte ihn fort und beschwichtigte ihn, dass sie das schon regeln würde. Und als ob dies nicht alles schon genug gewesen wäre, da unterbreitete dieser Konkurent ihr noch das dreiste Angebot, ihr Geschäft, mitsamt ihrem Ruf und ihren guten Namen, aufzukaufen. Und da war es um Arvalias Selbstbeherrschung geschehen. Sie schrie ihn an und wollte ihn aus dem Haus werfen, als dieser nur zu lachen begann. Er wusste natürlich um Arvalias Neigung zu Tand und Geschmeide, und unterbreitete ihr sogleich ein noch weit unmoralischeres Angebot, obwohl er wusste, dass Nestor nur im Nebenraum wartete. Arvalia, welche Zeit ihres Lebens eine recht ansehnliche Elfin gewesen war, bot er ihr an, ihr angenehmes Leben, zumindest zum Teil, nicht gänzlich zu verlieren, wenn sie einwilligte, seine Frau zu werden. Und da sträubte sich alles in Arvalia. Doch gerissen wie sie war, willigte sie ein, da sie bereits einen finsteren Plan in ihrem Geist ausgeheckt hatte. Und so setzten sie gemeinsam einen Vertrag auf, welcher die Besitztümer Arvalias auf ihn übertrug, und er ihr im Gegenzug, bei einer Vermählung, ein gewisses Haushaltsgeld zur freien Verfügung stellte. Und als er schließlich seine Unterschrift auf das Papier gebracht hatte, da offenbarte Arvalia ihre wahre Gestalt. Sie hatte keine Wahl gehabt. Es hatte geschehen müssen, bevor er das verbindliche Wachssiegel auf dem Vertrag angebracht hatte, und so entzog sie ihm alle Luft aus den Lungen und zwang ihn so auf die Knie. Röchelnd und blau anlaufend lag er am Boden und es war ihr ein Leichtes ihm die Klinge ihres Vaters ins Herz zu treiben. Als er dann gestorben war, schrieb sie einen neuen Vertrag, welcher ihr all sein Besitz überschrieb, fälschte seine Unterschrift, was ihr aufgrund der Ausbildung, welche ihr durch ihren Vater zuteil geworden war, erstaunlich gut gelungen war, und dann, als sie auch ihre eigene Unterschrift darauf gesetzt hatte, da versiegelte sie den Vertrag mit dem Siegel des Toten. Nestor, welcher von dem Todeskampf des Mannes aufmerksam geworden war, stolperte beinahe über die Leiche, als er den Raum betrat. Er wollte wissen, was geschehen war, und Arvalia erwog eine erneute Lüge und behauptete, er sei einfach tot umgefallen. Nestor ging vor dem Mann in die Hocke, doch konnte er nichts weiter, als seinen Tod festzustellen. Ihr Vetter wurde nervös. Das Geschäft hing an einem seidenen Faden. Wenn bekannt würde, dass er ausgerechnet in ihrem Haus gestorben war, dann würde der gute Ruf ihres Geschäftes ruiniert sein. Und so schafften sie, im Dunkel der Nacht, die Leiche fort und warfen sie in einen der alten Gruben, am Rande der Stadt.

Und von da an hatte Arvalia wieder keine Geldprobleme. Sie konnte weiterhin ihrem sorgenlosen Leben frönen, während die Geschickten Männer ihres Opfers die Arbeit für sie übernahmen. Doch Arvalia wäre nicht Arvalia, wenn sie es nicht geschafft hätte, auch diesen Reichtum nach und nach zu verlieren, bis sie erneut wieder vor einer schweren Entscheidung stand. Eines Tages wurde sie von Nestor zur Rede gestellt und traf dabei, bei Arvalia, einen besonders Wunden Punkt. Er hielt ihr vor, dass sie das Geld ohne Sinn und Verstand zum Fenster herauswarf, für nutzlosen Plunder und oberflächlichen Tand. Nestor war bei weitem nicht so knauserig wie ihr Vater gewesen, doch nun hatte er vor ihr gestanden, ihr ihre Makel vor Augen geführt und von ihr Verlangt sich zu zügeln, wenn ihr etwas an ihm oder dem Geld, welches er ihr überließ, läge. In diesem Moment keimte in Arvalia unbändier Trotz auf und nur die Götter allein schienen sie davor bewahrt zu haben, ihre Beherrschung zu verlieren und ihn anzugreifen. Vielleicht war da, in ihrem Herzen, doch mehr als nur Zuneigung für diesen Mann gewesen, der so ungebührlich mit ihr gesprochen hatte. Doch Arvalia war nicht dumm. Sich ihres Gemahls und Gönners so unbesonnen zu entledigen würde sie vor weit größere Probleme stellen, als die Konfrontation mit Nestor. Und so gab sie vor, ihm nachzugeben, während sie indessen gänzlich andere Pläne schmiedete. Und seither verhält es sich so, dass sie immer wieder wohlhabende Konkurrenten oder Adelige umgarnt, sie in ihr Netz lockt, um sie dort ihres gesamten Besitzes zu berauben, um davon ihre eigene Haushaltskasse zu füllen, völlig verborgen vor den Augen ihres Gemahls, und nutzt diese gewonnen Erträge zu großen Teilen, um sie bei Glücksspielen zu vermehren, was ihr natürlich nicht immer gelingt und sie heillos alles verjubelt. Immer dann, wenn sie auf einen solcher "Raubzüge", geht, entschuldigt sie sich mit der Ausrede, das Grab ihrer Mutter zu besuchen, oder zu den Klippen zu spazieren, und dabei nicht gestört werden wollte. Da diese Handlungen ihrerseits nur in großen zeitlichen Abständen geschehen, hatte bisher, zu ihrem Glück, noch niemand Verdacht geschöpft, doch irgendwann würde zweifellos der Tag kommen, an welchem sie nachlässig werden würde, oder es einen Zeugen gab. Und wenn dieser Tag eines Tages an ihre Pforten klopfen würde, dann hätte Arvalia zweifellos ein ernstes Problem. Doch so weit plant Arvalia nicht in die Zukunft. Sie lebt für den Moment und genießt es förmlich verrückte und komplizierte Pläne zu schmieden, wie sie ihre Opfer um ihr Hab und Gut bringen konnte.

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