Profil von Nebelgeist

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Avatar: Elif Siebenpfeiffer

Profil

Benutzername:
Nebelgeist
Alter:
23
Gruppen:

Charakter

Name:
Nebelgeist -der auf Kranichs Schwingen fliegt-
Alter:
20 Jahre
Rasse:
Kentauroi (Gestaltwandler)
Heimat:
Khirudan
Aufenthaltsort:
Wüste
Waffen:
Naginata & Langbogen
Inventar:
- drei Briefe
- ein Gestaltwandleramulett (Kranich)
- ein Beutel mit allerlei Nützlichem
- eine riesige Felldecke

Steckbrief

Geburtsname: Nebeldiamant
Clanname: Nebelgeist - der auf Kranichs Schwingen fliegt –
Clan: Ciel
Alter: 20 Jahre (sieht aus wie ein ca. Fünfzehnjähriger)
Rasse: Kentauroi / Gestaltwandler
Aussehen:
Den Namen Nebelgeist trägt der junge Kentauer aus gutem Grund. Seine Haut ist viel heller als die der anderen Mitglieder seines Stammes, weshalb er unter ihnen äußerst merkwürdig aussieht. Seine Haare trägt er meist in einem Pferdeschwanz, sodass sich die Haarspitzen über seinen Rücken ausbreiten. Manchmal, wenn er sie offen trägt, hüllen sie den Großteil seines Oberkörpers ein und hängen vor seiner Pferdebrust bis zum Ansatz seiner Vorderbeine. Aufgrund der Tatsache, dass seine langen vollen Haare sowie sein Schweif von einem hellen Silberton sind, liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei diesen seltsamen Farben um eine Form von Albinismus handelt. Doch seine Iris weisen nicht den für einen Albino typischen hellroten Farbton auf. Sie sind schwarz wie der Nachthimmel, nur durchzogen von winzigen weißen Einsprengseln. Wer in sie hinein blickt könnte auf den Gedanken kommen, er blicke in einen wolkenlosen Sternenhimmel hinauf. Die Pupille ist von einem schmalen silberweißen Ring umschlossen und so vom Rest des Auges zu unterscheiden. In Kombination mit seiner hellen Haut wirken sie viel größer als sie in Wirklichkeit sind, zusätzlich dazu hat er hohe feine Wangenknochen, was sein Gesicht jugendlich wirken lässt und damit über sein wahres Alter hinwegtäuscht. Das Gewirr aus langen dünnen Narben, das sich um sein rechtes Auge ausbreitet wird einen Fremden zunächst verwirren. Die Narben sehen nicht aus als wären sie von irgendeiner Waffe verursacht worden und so stellt sich schnell die Frage woher sie stammen können.
Sein menschlicher Oberkörper ist schlaksig und schlank wie der eines Teenagers. Mit seinen schmalen Schultern und den dünnen Armen wirkt er nicht als könne er eine Bogensehne spannen, geschweige denn seine Naginata auch nur anheben. Tatsächlich fällt bei genauerem hinsehen aber auf, dass seine Oberarme von flachen festen Muskeln durchzogen sind. Auch an seinem Oberkörper finden sich diese äußerlich nur schwer erkennbaren Zeichen seines jahrelangen Trainings. Das schwarze, vom Gestaltwandleramulett verursachte Mal befindet sich unterhalb seines Schlüsselbeines und hat die Form eines stilisierten Kranichs. Meist ist es jedoch nicht zu sehen, weil das Amulett selbst darüber hängt.
Er trägt meistens einen ärmellosen Überwurf aus cremefarbenem Leder, der in seiner äußeren Form einem Wams ähnelt. Es ist ein relativ neues Kleidungsstück, weshalb es bisher auch kaum Gebrauchsspuren aufweist. Das Tier aus dessen Haut es gefertigt ist hat Nebelgeist selbst erlegt, weshalb er sehr stolz auf das Kleidungsstück ist. Aus demselben Leder hat seine Mutter ihm auch noch zwei Bogenhandschuhe angefertigt, die ihm bis zu den Ellenbogen reichen. Diese trägt er jedoch eher selten um sie zu schonen. Unter anderem, weil sie auch für den Umgang mit seiner anderen Waffe, der Naginata, sehr gut zu gebrauchen sind. Sein Gestaltwandler-Amulett das es ihm ermöglicht sich in einen Kranich zu verwandeln trägt er stets um den Hals. Jedoch nicht immer offen, manchmal knotet er auch einen kleinen grauen Stoffbeutel darum um das Amulett sowie die schwarze Zeichnung, die sich unter dem Amulett befindet, darunter zu verbergen.

Sein Pferdekörper ist zierlich wie der eines Rennpferdes (etwa der eines Arabers oder Berbers). Mit einer Stockmaßhöhe von 165 cm, gehört Nebelgeist nicht zu den größten Vertretern seiner Art. Auch hier kann der Betrachter schnell durch sein scheinbar schwächliches Äußeres davon abgelenkt werden, wie viel Kraft wirklich in seinem Pferdekörper steckt. Es zwar nicht stark wie ein Kaltblut, doch dafür schnell wie der Wind und in seinen schlanken Beinen verbirgt sich eine enorme Sprungkraft. Seine Hufe sind von einem milchigen Weiß, wie das Innere einer Muschelschale. Er besitzt lange schlanke Beine und einen schmalen Rumpf. Für einen männlichen Vertreter seiner Art hat er zudem ein eher schmale Brust, obwohl sich auch hier flache aber festen Muskeln abzeichnen, wird ihn wohl niemand tatsächlich als muskulös bezeichnen und das auch noch ernst meinen. Er wurde mit einem nachtschwarzen und in der Sonne glänzendem Fell geboren. Auf seiner Kruppe sowie den Hinterbeinen befanden sich kleine dunkelgraue Flecken, ähnlich denen eines Rehkitzes. Diese Flecken lassen ihn bei richtigem Lichteinfall funkeln wie einen Diamanten. Aus diesem Grund gaben seine Eltern ihm auch den Namen Nebeldiamant. Doch hat sein Fell nicht länger diese Farbe… Durch den häufigen Gebrauch des Gestaltwandler-Amulettes wechselte sein Fell immer gerne mal die Farbe. Dies geschah immer nach einer Verwandlung. Es wurde schneeweiß, noch heller als seine ohnehin blasse Haut, und die Flecken auf seinem Rücken waren von einem hellen silbergrau. Doch verschwand diese Farbe mit jedem Fellwechsel wieder, da sein Fell in seiner Geburtsfarbe nachwuchs. Am Morgen seiner ersten Namenszeremonie vollzog dieser Farbwechsel das erste Mal, weil er aber ohne zögern fortfuhr das Gestaltwandleramulett zu verwenden, hörten dies Farbwechsel irgendwann auf, sodass er nun immer dieses gespenstisch weiße Haarkleid trägt, mit dem er in jeder Umgebung wie ein Geist wirkt. Dieses geisterhafte Aussehen inspirierte seine Großmutter Whisperwind und so nannte der Clan ihn Nebelgeist.

Als Chimaire und dazu noch Kentauer wirkt er zunächst exotisch und, auf den einen oder anderen Betrachter, vielleicht auch ein wenig geheimnisvoll. Ein Effekt der durch die seltsamen Narben in seinem Gesicht noch verstärkt wird. Doch auf die meisten Mitglieder seines eigenen Volkes wirkt der blasse Kentauer seltsam und fremdartig. Sein ungewöhnliches Aussehen sorgt dafür das ihm viel Misstrauen entgegengebracht wird, selbst innerhalb seines eigenen Clans. Dieser akzeptiert ihn wohl nur, weil er mit seinen Waffen durchaus umzugehen versteht und der Sohn des angesehenen Nachtlicht ist. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Ausdruck in seinen Augen. Wer in diese Augen geschaut, hat das Gefühl, dass ihr Besitzer ihn mit seinem klaren durchdringenden Blick vollkommen durchschaut. Das mag daran liegen das sie so ungewöhnlich aussehen oder aber daran, dass er nur sehr selten den Blick abwendet wenn er jemanden betrachtet. Er sieht einem Fremden direkt in die Augen um zu ergründen was dieser gerade denkt. Es gelingt ihm zwar nicht immer, doch hat er die Erfahrung gemacht, dass ein direkter und offener Blick keinen Eindruck von Schwäche vermittelt wie es ein schnelles abwenden der Augen oder das - einem Fremden nicht ins Gesicht sehen - vermitteln würde. So sieht man auch seinen Augen selten an wenn er unsicher oder schüchtern ist. Es ist eine Art Verteidigungsmechanismus, den er entwickelt hat, weil er von seinen Clan (speziell von seinen Altersgenossen) häufig wegen seines Aussehens und der ihm eigenen Zurückhaltung gehänselt wurde.
Niemals würde er in einen Blickduell als Erster wegsehen. Seltsamerweise wirkt dieser Blick jedoch nicht provozierend sondern vermittelt eine ruhige und sichere Entschlossenheit, selbst wenn er nervös ist. Nervosität zeigt sich bei ihm zunächst in einem leichten Zucken des Schweifes, wenn sie schlimmer wird beginnt er damit umher zu schlagen als wolle er Fliegen verscheuchen.

Kranich
Nach der Verwandlung ist Nebelgeist 140cm groß. Sein Körpergefieder ist größtenteils weiß, lediglich die oberen zwei Drittel des Halses sowie der Kopf sind schwarz. Hinter jedem Auge beginnt ein schmaler weißer Streifen der sich um den Kopf herum zieht, in der Mitte treffen sie sich und verlaufen als breiteres weißes Band schnurgerade an der Rückseite des Halses hinab. Auf dem Kopf besitzt er einen kleinen leuchtend roten Kamm. Auch die Federn seine Flügel sind größtenteils weiß, bis auf die unteren Schwungfedern dicht am Körper, die ebenso schwarz sind wie sein Kopf. Seine Spannweite beträgt 225 cm. Sowohl seine langen Beine als auch sein Schnabel zeigen sich in einem dunklen Grau. Das einzige, das nach der Verwandlung noch an den Kentauren erinnert der eigentlich ist sind seine Augen. Diese verändern ihre Farben nicht und deshalb ist es möglich ihn auch in seiner Kranichgestalt noch zu erkennen.
In seiner Kranichgestalt sind seine Bewegungen elegant und stolz. Wenn er seine großen weißen Schwingen mit dem schwarzen Federsaum entfaltet und vom Boden abhebt, zeigt sich eine ähnliche Eleganz wie wenn er in seiner normalen Gestalt mit wehendem Haar und Schweif über die Ebenen galoppiert. Seine ersten Flugversuche waren weniger rühmlich. Laut Aussage seiner Mutter sah er entweder aus wie eine angeschlossene Ente, der der Pfeilschaft noch im Flügel steckt, oder er stürzte unmittelbar nach seinem Abflug taumelnd wieder ab. Dies geschah meist sehr zur Belustigung seiner Eltern, die den abgestürzten und teilweise äußerst geknickten Vogel wieder aufsammeln mussten. Ernsthaft verletzt hat er sich bei einem seiner Abstürze jedoch nie.
Seinen Namenszusatz -der auf Kranichs Schwingen fliegt- verdankt er der Tatsache, dass er sich mithilfe des Gestaltwandler-Amulettes in einem Kranich verwandelt.

Gestaltwandleramulett
Das Gestaltwandleramulett besteht aus der Schale einer von beiden Seiten geschwärzten Mondmuschel. In die schwarze Schicht auf ihrer Außenseite ist ein Kranich mit angelegten Flügeln und stolz erhobenem Kopf geritzt. Er besteht nur aus ein paar einzelnen Linien, die im ursprünglichen Perlmuttton der Muschel schimmern. Auf ihrer Innenseite ist in winzigen, auf die Selbe Weise eingeritzten, Buchstaben der Coreonischen Sprache zu lesen:
Oh Kranich, flieg hoch
und weit auf weißen Schwingen.
Vergiss dich nur nicht.
Ob all dies von seinem Erschaffer oder erst später eingeritzt wurde lässt sich im Nachhinein nicht mehr feststellen, doch sieht es sehr danach aus als gehöre es so, was den Schluss nahelegt, dass sein Erschaffer es auf diese Weise präpariert hat. In das obere Ende der Muschel wurde ein kleines Loch gebohrt, durch das eine feine Silberkette gezogen wurde, die es ermöglicht das Schmuckstück um den Hals zu tragen. Zu dem Amulett gehört außerdem ein kleiner unscheinbar aussehender Beutel aus dunkelgrauem Stoff.
Am Körper getragene Kleidung wird mit verwandelt und wenn er seine Waffen an seinem Körper festzurrt (Naginata in die Halterung am Köcher und Bogen ohne Sehne in die Decke, die am Rücken festgebunden ist, gewickelt), fallen diese unter Kleidung und werden mitverwandelt. Was er aber in der Hand hält oder nur lose berührt bleibt zurück.

Inventar:
Die Dinge, die Nebelgeist mit sich herumträgt hängen mit einer Ausnahme in einem kleinen Lederbeutel an …
- einem Köcher aus dunkelbraunem Leder mit 25 Pfeilen.

Der Beutel selbst beinhaltet …
- zwei Bogenhandschuhe aus cremefarbenem Leder,
- ein Kamm aus Horn,
- einige Lederbänder zum Zusammenbinden der Haare,
- einige Bogensehnen als Ersatz,
- einige Früchte,
- eine Wickelhülle aus dicht gewebten Stoff für den Bogen
- und drei Briefe (wurden mit einem Stück Kohle auf helles Leder geschrieben), ein jeder mit einem Lederband in einer anderen Farbe zusammengebunden damit Nebelgeist sie auseinanderhalten kann.
Des Weiteren trägt er auf Anraten seiner Eltern eine große dicke Decke auf dem Rücken, die mit einigen Lederbändern zusammengebunden ist. Sie besteht aus den zusammengenähten Fellen einiger erlegter Antilopen. Sie ist groß genug um Nebelgeist, wenn er sich hinlegt und die Beine unter den Körper zieht, vollständig einzuhüllen oder seinen menschlichen Oberkörper im Gehen warmzuhalten, darin eingehüllt könnte er allerdings nicht kämpfen, weshalb er sie auch meist nur zum Warmhalten in der Nacht verwendet. Er hat sie sich mit einem breiten Doppelgurt, der unter seinem Bauch und zwischen seinen Vorderbeinen hindurchläuft am Rücken festgebunden. Dies sieht zwar nicht sonderlich schön aus, ist aber zweckdienlich. Seine Eltern baten ihn überdies ihren alten Freunden jeweils eine Nachricht zu überbringen. Eine dieser Reisen wird ihn nach Aussage seiner Mutter: „So weit nach Norden führen, dass ihm die Hufe am Boden festfrieren werden wenn er zu lange an einem Ort rastet“, weshalb er auch nicht lange überredet werden musste sich eine Decke mitzunehmen. Von der Decke einmal abgesehen, trägt er keine wärmende Kleidung mit sich.


Waffen
Nebelgeist trägt zwei lange und sperrige Waffen mit sich herum, da sie die einzigen sind, die er mehr oder weniger gefahrlos benutzen kann. Zum einen sein …

Zion-Bogen
Nebelgeist besitzt einen Zion-Bogen. Dieser hat eine Länge von 215 cm und besteht aus dunklem, nahezu schwarzem Holz. Wenn die Waffe nicht in unmittelbarem Gebrauches ist, hängt er sie sich meist quer über die Schulter. Ist klar, dass er ihn für längere Zeit nicht benötigen wird, hakt er die Sehne aus, verstaut sie in seinem Beutel und bindet den Bogen zusammen mit der Decke auf seinem Pferderücken fest. Für diesen Bogen besitzt er 25 Pfeile, diese Zahl bleibt meist konstant, weil er darauf achtet, sich seine abgeschossenen Pfeile zurückzuholen wenn es möglich ist und sie andernfalls zu ersetzen.
Sein Vater unternahm mehrfach den Versuch ihn mit einem Wurfspeer anzufreunden. Dies ging jedes Mal auf die eine oder andere Weise ziemlich schief… Entweder verletzte er sich selbst oder die Umstehenden, die gekommen waren um sich erneut daran zu ergötzen wie ihm ein Versuch einen simplen Speer geradeaus zu schleudern misslang. Da sein Vater als einziges Mitglied des Stammes der Ciel mit dem Schwert umzugehen verstand, versuchte er sein Wissen über diese Kampfkunst an seinen Sohn weiterzugeben. Dieses eine und einzige Mal bescherte Nebelgeist die seltsamen Narbe an seinem rechten Auge, furchtbare Schmerzen und kurierte seinen Vater von weiteren hochtrabenden Ideen. Doch der stolze Krieger gab nicht auf, er suchte und suchte bis er schließlich jene seltsame Waffe fand die ihm sein bester Freund vor vielen Jahren mitgegeben hatte. Es war eine …

Naginata
Bei dieser Schwertlanze handelt es sich um Nebelgeists bevorzugte Waffe. Sie hat eine Gesamtlänge von 220 cm, ihre Klinge selbst ist nur auf 90 cm lang, während der Rest der Waffe durch den Lanzenschaft ausgemacht wird. Dieser Schaft ist aus einem rötlichen dunklen Holz, die Klinge selbst ist jedoch aus schwarzem Stahl. Da die Waffe sehr sperrig ist, hat sich der junge Kentauer eine Halterung für sie ausgedacht um sie nicht immer in der Hand tragen zu müssen. Am Lederband seines Köchers sind zwei Halteschlaufen befestigt, in die er die Waffe bequem hineinschieben oder bei Bedarf blitzschnell herausziehen kann. Sie hängt in diesen Schlaufen außerdem quer, so das sie ihm nicht beim Laufen oder Bogenschießen behindert. Doch kommt er, besonders wenn er den Bogen auf den Pferderücken verstaut hat, sehr schnell an sie heran um sich notfalls verteidigen zu können.

Charakter
Windspiel erzählt:
„Mein Bruder war stets nett zu mir und kümmerte sich um mich. So durfte ich zum Beispiel als Kind auf seinem Rücken reiten, was mir von den anderen Kentauren nur meine Ziehmutter Winterglanz gestattet hat. Mir zeigte er stets ein kleines freundliches Lächeln und niemals war er ungerecht oder böse zu mir. Doch es dauerte lange bis ich verstand, dass dieses Lächeln im Großen und Ganzen nur seine Eltern und ich jemals zu sehen bekamen. Mit sieben Jahren fiel mir das erste Mal auf, wie er von den anderen Clanmitgliedern behandelt wurde. Wenn sie nicht gerade mit ihm sprechen mussten ließen ihn links liegen, warfen ihm feindselige Blicke zu oder sorgte dafür, dass er ständig auf die eine oder andere Weise schlecht da stand. Speziell vor seiner Großmutter versuchten sie in schlecht zu mache, weil ihre Stimme im Clan viel Gewicht hatte. Besonders schlimm war sein Altersgenosse Hellfarn -der im Zwielicht wandelt-, der vielleicht ein oder zwei Jahre älter war als Nebelgeist und ihn pausenlos pisakte, beleidigte und nicht zuletzt im Training dafür sorgte, dass er sich ständig verletzte. Ich vermute dass mein Bruder sich speziell wegen ihm seine Maske zugelegt hat.
Diese Maske zeigt stets ein ausdrucksloses Gesicht. Es scheint als könne nichts und niemand in diesem Gesicht eine Regung verursachen. An ihr prallen Beleidigungen und dergleichen einfach ab. Dazu hat er sich einen offenen Blick zugelegt, der seine Feinde davor warnt sich mit dem anzulegen. Ich nenne dies sein Eisgesicht. Ich habe einmal miterlebt wird einen Fremden damit gemustert hat. Es war ein Kentauer aus einem benachbarten Clan, der bei seinem Anblick nicht nur eine höhnische Bemerkung sondern sogar eine offene Herausforderung ausgesprochen hatte. Er meinte, so etwas wie mein Bruder hätte gleich nach seiner Geburt getötet werden sollen und sei eine Schande für den ganzen Clan. Damals war Nebelgeist gerade 15 Jahre alt geworden. Nach dieser offenen Kampfansage spannte sein Vater Nachtlicht die Muskeln und wollte eben einen Schritt vortreten um den Neuen an seinem Platz zu verweisen, als mein Bruder eine Hand auf die Schulter seines Vaters legte und den Kopf schüttelt. Als mein Vater sich mit funkensprühenden Augen zu seinem Sohn umdrehte muss er wohl etwas im Blick desselben gesehen haben, dass ihn dazu veranlasste zurückzutreten und jenen die Sache regeln zu lassen. Ich beobachtete gebannt mit geballten Fäusten wie er dem Fremden das Gesicht zuwandte und erschrak. Er hatte seine Maske aufgesetzt und sein Gesicht war vollkommen ausdruckslos bis auf die Augen. Es schien als würde die Luft um mehrere Grad abkühlen als sein eiskalter Blick in dem nichts als ruhige Verachtung lag den Fremden traf. Dieser zuckte zusammen, wandte bereits nach einigen Sekunden den Kopf ab und gab das Blickduell verloren. Dies wäre der Moment gewesen, wo man die Sache friedlich hätte zu Ende bringen können indem man die Niederlage des anderen akzeptierte, doch mein Bruder blieb unverwandt stehen und starrte ihn mit der gleichen Intensität weiter an. Das sah der andere als Herausforderung zum Kampf. Er zog seine Waffe und ging auf ihn los. Im Nachhinein bin ich mir ziemlich sicher, dass Nebelgeist genau wusste das er stärker war als der andere und dass sein andauerndes Starren diesen herausfordern würde, was ihn aber nicht vom Kampf abhielt. In diesem Verhalten zeigte sich nun eine weniger rühmlicher Eigenschaft meines Bruders von der ich lange gewusst und die ich stets verleugnet hatte. Innerhalb von wenigen Minuten war der Kampf entschieden doch noch bevor der andere aufgeben konnte, verpasste mein Bruder ihm mit seiner Naginata einen kreuzförmigen Schnitt vorne auf der Brust, der so tief war, dass sein Gegner auf jeden Fall eine Narbe zurückbehalten würde. Damit hatte er das gute Aussehen seines Gegenübers nachhaltig zerstört. Erst als der andere vor Schmerzen aufkeuchte und in die Knie sank ließ mein Bruder von ihm ab. In seinem zuvor noch so ruhigen Gesicht zeigt sich kein Triumph nur ein kleines aber gefährliches Glitzern waren seine Augen getreten als er sagte:
„Ich hoffe du lernst daraus, denn ansonsten wird es mir eine Freude sein diese Lektion zu wiederholen.“
Die Maske aufrecht zu erhalten wenn ihm jemand feindlich, ablehnend oder in ähnlicher Weise gegenübertritt bereitet ihm keine Probleme. Wenn ihm jemand jedoch freundlich begegnet ist er meist sehr unsicher und sobald er unsicher wird beginnt seine Eismaske zu schmelzen. Wenn sie einmal verschwunden ist und sein Gesicht Gefühle zeigt, ist es ihm nur unter größten Anstrengungen möglich sie wieder aufzusetzen. Solange er unsicher ist, ist dies sogar unmöglich. Dies kann mitunter recht witzig sein, weil er es nicht gewöhnt ist ohne sie auszukommen und ihm allerlei kleine Peinlichkeiten (z.B. Stottern, rote Ohren o.ä.) passieren. Ansonsten zerbricht seine Maske nur wenn er extreme Schmerzen hat, etwa wenn ihn Blut trifft oder er eine schlimme Verletzung hat. Dann ist es jedoch kein langsames Auftauen wie zuvor beschrieben, sondern ein plötzliches Verschwinden. In einem Moment ist sie da, im nächsten nicht mehr.
Zu Blut hat er eine ganz besondere Beziehung. Laut der Aussage seiner Eltern, denn er selbst spricht nur sehr selten und dann so knapp wie möglich darüber, gab es lange bevor ich zu den Ciel kam ein traumatisches Ereignis in seinem Leben, das er nur durch eine glückliche Fügung überlebte. Als Folge davon hat er nun panische Angst vor Blut, da es ihm Schmerzen bereitet. Ich habe schon einige Male versucht mit ihm darüber zu reden, da ich einfach nicht verstehen konnte wie einfaches Blut ihn derart aus der Bahn werfen kann und warum er nichts dagegen unternimmt. Es dauerte seine Zeit, doch irgendwann habe ich ihn wohl in der richtigen Stimmung erwischt, denn er vertraute mir an, dass er sehr wohl versucht habe diese Schwäche zu bekämpfen. Mehrmals berührte er bewusst ein verwundetes Tier und benetzte nur seine Fingerspitzen mit der klebrigen roten Flüssigkeit oder brachte sich auf andere Weise bewusst damit in Kontakt. Doch seine Schmerzen ließen niemals nach und so gab er es irgendwann auf etwas dagegen unternehmen zu wollen. Stattdessen konzentrierte er sich darauf immer schneller zu werden und auch seine Reflexe zu trainieren um einer Berührung mit Blut so gut wie möglich ausweichen zu können, sodass er nun wirklich unheimlich schnell ist. Diese Schwäche, verbunden mit der Tatsache, dass er nichts gegen sie unternehmen kann frustrieren ihn. Er kann es nicht leiden, dass ihn etwas so verwundbar macht und es ihm gleichzeitig unmöglich ist diesen Faktor zu beseitigen. Trotzdem hat er inzwischen notgedrungen gelernt damit zu leben.
Wenn man ihn nicht provoziert ist mein Bruder eine stille und höfliche Person. Doch aufgrund der vielen schlechten Erfahrungen die er gemacht hat fällt es ihm schwer echtes Vertrauen zu fassen und ich bezweifle sogar, dass er seinen Eltern oder mir vorbehaltlos vertraut. Aus diesem Grund denke ich auch, dass er Fremden grundsätzlich mit Misstrauen begegnet was er jedoch nie offen zeigen würde.
Doch ist das was ich gerade beschrieben habe bei ihm starken Schwankungen unterworfen. Es gibt Tage da lässt sich auf Kämpfe ein obwohl er weiß, dass sein Gegner schwächer ist als er und verprügelt diesen dann. Genauso gibt es Tage wo er einem solchen Gegner schlicht die kalte Schulter zeigen würde, weil er keine Lust hat zu kämpfen. Wenn jener ihn dennoch angreift, zeigt er ihm lediglich, indem er ihn zum Beispiel entwaffnet oder ähnliches, dass er stärker ist ohne ihn zu verletzen. Wenn er seinen Gegner abgeschätzt hat und vermutet, dass dieser stärker ist würde er sich nicht anders verhalten als bei einem schwächeren Gegner. Das führt nicht selten dazu, dass er selbst eine ordentliche Tracht Prügel einstecken muss was ihn aber nicht besonders stört. Er hat eine Fähigkeit um die ich ihn sehr beneide. In gefährlichen Situationen gelingt es ihm nach außen Ruhe auszustrahlen während er kurz die Lage einschätzt und dann in Sekundenschnelle seine Entscheidung trifft. Besteht die Hoffnung den Kampf zu gewinnen und ist die Wahrscheinlichkeit zu sterben nicht sonderlich hoch bleibt er und kämpft. Wenn das nicht gegeben ist hat er zwei Möglichkeiten: Entweder die Beine in die Hand nehmen und davongaloppieren oder sich verwandeln und davonfliegen.

Mein Bruder ist ein Realist, der seine eigenen Fähigkeiten sehr gut kennt und weiß wann es klüger ist zu schweigen oder sich zurückzuziehen. Er kann seine eigenen Fehler erkennen und diese dann auch einsehen. Was allerdings nicht heißen soll das er sich immer gleich entschuldigt wenn er weiß dass etwas falsch gemacht hat. Er hat eine sehr nüchterne Sicht auf sein Leben und im Bezug auf andere Wesen. Nebelgeist erwartet meist nicht viel von ihnen, so dass er auch nur selten enttäuscht wird. Im starken Gegensatz zu der Tatsache, dass es sich selbst sehr gut einschätzen kann steht seine ausgeprägte Risikobereitschaft. Manchmal überkommt es ihm einfach und er hat den Wunsch etwas Dummes zu tun. Das interessante daran ist das ihm die ganze Zeit bewusst ist, dass das was er da gerade vorhat eine riesengroße Dummheit ist. Dieses Wissen hält ihn aber nicht davon ab die Dummheit auch zu begehen. Es ist beispielsweise äußerst unklug sich nur mit einem Holzstock bewaffnet einem Raubtier gegenüberzustellen, dass sich gerade ausmalt wie gut wohl ein bockiges kleines Kind, das auf dem Boden sitzt und kreischt, schmecken würde (Ja es geht um mich). Er hat mir damals das Leben gerettet ohne auch nur einen Kratzer abzubekommen, indem er das Tier von mir abgelehnt hat und anschließend so schnell er konnte (und das war wesentlich schneller als das Raubtier) davongerannt ist.

Er lebt noch folgenden Grundsatz:
Helfe wem du kannst, solange du dich dabei nicht selbst verletzt Ich habe noch nie erlebt, dass er davon eine Ausnahme macht. Dafür fällt mir gerade ein gutes Beispiel ein. Eines Tages, hatte sich seine Mutter während der Jagd eine böse Bissverletzung zugezogen. Da stand sie also zu schwach um sich vom Fleck zu rühren während ihre Schulter in dunkles Rot getaucht war. Er hätte zu ihr gehen, sie stützen und zu unserem Lagerplatz zurückbringen können doch das tat er nicht. Stattdessen riet er ihr sich an einen Baum oder ähnliches zu lehnen damit sie nicht zusammenbrach. Dann verließ er sie und lief er davon, den ganzen Weg zurück zum Lager (es dauerte eine halbe Stunde) um Hilfe zu holen. Als, mit einstündiger Verzögerung, mein Vater eintraf um ihr zu helfen, lag sie bleich und zitternd auf dem Boden vor dem Baum an dem sie sich gelehnt hatte und war nicht fähig aufzustehen. Nie zuvor hatte ich meinen Vater so zornig erlebt, wie in diesem Moment. Er schrie meinen Bruder an und beschimpfte ihn, wie es sonst nur die anderen Clanmitglieder taten. Doch das schien Nebelgeist nicht zu berühren, stattdessen ging er zu meiner Mutter und teilte ihr in nüchternem Ton mit, dass er Hilfe geholt habe und sich jetzt auf die Suche nach dem Raubtier machen werde, welches sie verletzt hatte. Am späten Abend, lange nach Einbruch der Dämmerung, kam er mit einem Grasbündel in der Hand zurück zum Lager. Er überreichte es seiner Mutter und verschwand. Als sie es öffnete fand sie darin einen Zahn Raubtieres das sie verletzt hatte…
Sein zweiter Grundsatz lautet:
Töte niemals grundlos. Auch diesen befolgt er ohne Ausnahme, wenngleich er, speziell wenn er einen seiner sadistischen Schübe hat, kein Problem damit zu haben scheint jemanden zu verletzen oder zu demütigen, indem er ihn zum Beispiel im Kampf besiegt und damit als Schwächling hinstellt. Ich kann nicht verstehen wie diese Person die Spaß am Leid anderer hat und der freundliche Beschützer mit dem ich aufgewachsen bin, ein und dieselbe Person sein können. Der Sadismus den ich zuvor ansprach, ist bei ihm nur schwach ausgeprägt. Es scheint fast so als könne er ihn nach Belieben ein und ausschalten, das klingt seltsam ich weiß… Ich weiß aber nicht wie ich es anders beschreiben soll… Wenn er gerade den Wunsch verspürt jemanden zu verletzen, muss dies nicht zwingend ein Auslöser gehabt haben. Man könnte ja meinen, dass sich dieser Wunsch einstellt wenn ihn jemand gehänselt hat, doch dem ist nicht so. Ich habe durchaus schon beobachtet wie er an einem Tag so häufig und so offensichtlich geärgert und gedemütigt wurde, dass ich schon mehrfach die Beherrschung verloren hätte und es ihm absolut nichts ausmachte. Andererseits habe ich auch gesehen wie er Hellfarn in einem Trainingskampf ohne vorangegangene Provokation mit Freuden zu verprügelt hat.
Sein Ehrgefühl verlangt von ihm zu seinem Wort zu stehen, immer und egal was kommt. Wenn er also ein Versprechen gibt wird er es immer einhalten. Auch begleicht er seine Schulden immer. Er hasst es zwar in jemandes Schuld zu stehen, würde aber trotzdem nie auf die Idee kommen eine Schuld nicht zu begleichen. Auch ist ihm Lügen zuwider, deshalb sagt er grundsätzlich die Wahrheit und man sollte ihn nicht nach seiner Meinung fragen wenn man die Wahrheit, oder eben seine Meinung dazu, nicht verkraften kann oder nicht wirklich hören will.

Mein Bruder ist ein sehr starker Charakter und hat den stärksten Willen den ich jemals gesehen habe. Er lässt sich von kaum jemandem sagen was er zu tun hat, wenn er dessen Autorität nicht anerkennt und mit Autorität ist das so eine Sache… Wenn er die Führungsqualitäten von jemandem anerkennt und feststellt, dass diese sinnvolle Befehle gibt ist er durchaus bereit diese Befehle auszuführen. Wer allerdings Gehorsam von ihm einfordert kann lange darauf warten, dass er gehorcht. Sich unterordnen zu müssen ist ihm zuwider. Schließlich ist er stolz seine Freiheit und verteidigt sie mit allem was ihm zur Verfügung steht. Dies bedeutet leider auch, dass er häufig für stur gehalten wird. Diese Einschätzung seiner Person kann ich jedoch nicht bestätigen, denn wenn sich jemand erst einmal seinen Respekt verdient und ihn restlos von sich überzeugt hat, ist er durchaus bereit für diese Person zu kämpfen und ihre Anweisungen auszuführen. Wenn er ein Ziel vor Augen hat, verfolgt er dieses bis er es erreicht hat und es gibt auch kaum einen Weg ihn davon abzuhalten. Diese Zielstrebigkeit hat er wohl von seinem Vater geerbt, der sie immer wieder bei der Führung der Ciel beweist.

Es ist schwer sich seinen Respekt zu verdienen und so weit ich weiß gibt es im Clan der Ciel nur vier solche Personen; das sind einmal seine Eltern, seine Großmutter und meine Wenigkeit. Doch selbst uns gegenüber besitzt er kein uneingeschränktes Vertrauen, ich glaube nicht dass er zu einem solchen Gefühl überhaupt fähig ist. Ein gewisser Rest Misstrauen bleibt immer, egal wie lange er jemanden schon kennt. Dazu kommt noch, dass er sich seinem Clan in keinster Weise verpflichtet fühlt. Seine Mitglieder sind ihm genauso wenig wichtig, wie er ihnen. Seine Vorstellung von Egoismus ist dagegen sehr interessant. Er selbst hält sich für eine Egoisten und würde auch nie zulassen das jemand etwas anderes über ihn behauptet. Nach seiner Definition ist man ein solcher wenn man nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist. So weit stimme ich seiner Definition zwar noch zu, aber ist es wirklich eine egoistische Handlung wenn man einem völlig Fremden das Leben rettet nur weil der einem hypothetisch gesehen dankbar dafür sein könnte? Oder ist es zu seinem eigenen Vorteil wenn er alles in seiner Macht stehende tut um seiner schwerverletzten Mutter zu helfen. Wobei es ganz offensichtlich nicht in seiner Macht lag sie zu stützen und zurück ins Lager zu bringen weil sie über und über mit Blut bedeckt war und eine Berührung vermutlich ausgereicht hätte um ihn nutzlos und ohnmächtig im Steppengras enden zu lassen? Als ich ihm sagte das nach seiner Definition wohl jedes lebende Wesen als Egoist angesehen werden müsse, lächelte er nur still in sich hinein.

Ich habe mich oft gefragt warum Nebelgeist sich so dagegen sträubt im Mittelpunkt zu stehen. Zunächst dachte ich er sei besonders schüchtern oder so etwas, doch diese Illusion wurde mir genommen als ich sah wie er mit Problemen umgeht und mit welchem Selbstbewusstsein er sich Tag für Tag jenen stellt die ihn verspotten. Daher gehe ich davon aus, dass er es schlicht nicht mag. Denn wenn eine Situation ein resolutes Eingreifen verlangt ist er meist sofort zur Stelle. Auch seine Fähigkeiten als Streitschlichter sind nicht zu verachten. Ich habe nie zuvor jemanden getroffen der sich mit völligem Gleichmut beide Versionen eines Problems anhört, egal ob sie ihm zugeschrien, geweint oder regelrecht an den Kopf geworfen werden und dann nach kurzer Bedenkzeit eine Lösung präsentiert, die so überraschend einfach ist, dass keiner der beiden Streitenden darauf gekommen ist. Vermutlich kommt diese Fähigkeit daher, dass er seine Umgebung und die Wesen die darin vorkommen pausenlos analysiert und alles was sie sagen oder tun dafür verwendet, sich ein relativ klares Bild von ihnen machen zu können. Dank dieser Fähigkeit kann er andere sehr gut einschätzen und begeht selten den Fehler auf vorgeschobenes Verhalten eines Anderen einzugehen, ohne zu wissen was ihn erwartet. Wie bereits erwähnt sind ihm auch Lügen zuwider, weshalb er selbst nicht lügt. Das Wissen, welches er bei diesen Analysen sammelt gibt er nur sehr widerwillig preis und teilt es auch nur selten mit anderen, selbst wenn ihn eine nahestehende Person darum bittet. Warum ist mir auch ein Rätsel, da bin ich nicht schlauer als ihr.

Nebelgeist ist der Meinung das es mächtige Wesen gibt, die dafür verantwortlich sind das die Welt funktioniert. Es würde ihm jedoch nie einfallen zu diesen zu beten, da er der Meinung ist, dass sie sich ohnehin nicht beeinflussen lassen. Diese Wesen ist es egal ob bei dem Gewitter das sie verursacht haben zufällig auch ein kleiner Kentauer stirbt, der zu dicht an einem Baum stand oder als einziger auf einem leeren Feld. Er glaubt er an die Macht des Schicksals und das man dieses zwar beeinflussen, aber nicht gänzlich lenken kann. Aus diesem Grund hält er den Zufall auch für einen mächtigen Generator der das Leben lenkt, wenn das Schicksal seine Hände gerade einmal nicht im Spiel hat. Aus diesen Gründen denkt er, dass jeder für sein Leben selbst verantwortlich ist, es selbst in die Hand nehmen sollte und es nicht von irgendwelchen Naturgeistern abhängig machen muss, die sich sowieso nicht für Gebete interessieren falls sie sie überhaupt hören. Man kann also nur versuchen so gut wie möglich mit dem zurecht zu kommen was das Leben bereithält und es zu beeinflussen wann immer es möglich ist. Beispielsweise hält er es nicht für sinvoll angesichte einer heraufziehenden Naturkatastrophe zu verweilen und zu beten, dass man ihn verschonen solle. Stattdessen ist jeder der etwas auf sein Leben gibt gut beraten, die Beine in die Hand zu nehmen und so schnell wie möglich das Weite zu suchen.. So hat er es mir zumindest erklärt als ich ihn danach fragte. “


Wünsche
Die Welt sehen, wie es einst seine Eltern taten und möglichst auch alle Orte bereisen von denen sie ihm erzählt haben, ist sein größter Wunsch. Dabei hofft er zu verstehen warum seinesgleichen stets misstrauisch beobachtet, wenn nicht gar beschimpft oder als unnatürlich vertrieben wird. Er würde gerne herausfinden woher seine Blutproblematik kommt, wenngleich er es nicht für sehr wahrscheinlich hält das ihm irgendein liebendes Wesen diese Frage zufriedenstellend beantworten könnte. Sollte er einen Hinweis, der in diese Richtung geht, finden würde er ihm ohne zu zögern nachgehen. Immer in der Hoffnung das es vielleicht möglich ist, etwas dagegen zu unternehmen. Auch hofft er sich auf seiner Reise in den Weiten Alvarias zurecht und dabei eventuell auch einen Freund zu finden. So wie die drei Freunde seiner Eltern die ihnen, nach eigenen Angaben, das Überleben in der Welt außerhalb von Khirudan wesentlich leichter gemacht haben.

Ziele
Sein Hauptziel besteht darin seine verlorene Schwester Windspiel wiederzufinden und dabei zu Erfahren ob sie freiwillig gegangen ist oder entführt wurde. Auch möchte er in Erfahrung bringen ob sie mit ihm zurückkommen will und wenn nicht wenigstens den Grund dafür erfahren. So oder so wird er dafür sorgen, dass es ihr gut geht und zu erreichen versuchen das sie glücklich sein kann. Von seinen Eltern hat er den Auftrag erhalten drei Briefe auszuliefern, an jeden ihrer Freunde einen. Darüber hinaus soll er jeden dieser Freunde persönlich zu einem Besuch bei den Ciel einladen und wenn sie ihn begleiten wollen dafür Sorge zu tragen das sie sicher in Khirudan ankommen.

Ängste
Seine größte Angst ist es nicht mehr fliegen zu können oder anderweitig seine Freiheit aufgeben zu müssen. Doch fürchtet er auch seine Schwester nicht wieder finden zu können (Windspiel) oder seine kleine Freundin Fiari auf welche Art auch immer zu verlieren. Dazu kommt noch eine nicht unterschätzende, mitunter auch ein wenig peinliche, Angst vor gelben Salamandern die er sorgfältig vor seinen Altersgenossen bei den Ciel verborgen hat um ihnen keine neuen Gründe zu liefern ihn zu verspotten.


Fähigkeiten
Da es sich bei Nebelgeist um einen Kentauren handelt besitzt er die körperlichen Fähigkeiten eines Pferdes. An seinem Körperbau kann man erkennen, dass er eher ein schneller als ein ausdauernder Läufer ist. Selbst unter seinesgleichen ist er für seine außergewöhnliche Schnelligkeit und auch Wendigkeit hinlänglich bekannt. Es gab nie jemanden der schneller laufen konnte als er. Seine Ausdauer ist eher als durchschnittlich zu beschreiben. Einen scharfen Kontrast zu jener außergewöhnlichen Schnelligkeit stellt seine geringe körperliche Stärke dar. Er ist körperlich schwächer als die meisten Kentaura, deshalb setzt er im Kampf auch immer eher auf schnelles Ausweichen, denn auf das Blocken von Schlägen. Diese Schwäche macht ihn auch für viele Arbeiten, die im Alltagsleben eines Kentaurenclans anfallen, unbrauchbar. So konnte er nie viel Ausrüstung tragen wenn das Lager verlegt wurde und auch größere erlegte Jagdbeute nicht alleine zurücktragen. Im Kampf versteht er es aber seine körperliche Schwäche mit außergewöhnlicher Schnelligkeit weitestgehend auszugleichen.
Wie bei einem Pferd üblich hat er eine feine Nase. Dies kann manchmal auch einen großen Nachteil darstellen, wenn ihn der Geruch eines großen Raubtieres oder ähnliches unvorbereitet trifft. Dann überwältigt ihn sein angeborener Fluchtinstinkt und es kann dauern bis er sich wieder unter Kontrolle bekommt und die Flucht aus eigenem Antrieb abbrechen kann. Auch seine Augen sind durch die häufigen Verwandlungen inzwischen außergewöhnlich gut und es scheint beinahe so als würden sie mit jeder Verwandlung ein klein wenig besser werden. Er kann auch in Großer Ferne noch viele kleine Details erkennen. Außerdem hat er, auch wenn das offensichtlich ist, in seiner verwandelten Form die Fähigkeit zu fliegen.

Blut
Nebelgeist besitzt eine angeborene Allergie gegen Blut. Nach Kontakt mit seiner Haut beginnt sich recht schnell ein rötlicher juckender der Ausschlag zu bilden der, selbst wenn das Blut umgehend ab gewischt wird, noch 2-3 Tage verbleiben kann. Weitaus häufiger ist es jedoch dass der Kentauer in bis zu einer Woche mit sich herumträgt, weil er selten dazu kommt das Blut umgehend abzuwischen. Der Grund hierfür ist ein schweres psychisches Trauma das er seit seinem sechsten Lebensjahr mit sich herumträgt. Wann immer seine Haut mit Blut in Kontakt kommt, beginnt er starke Schmerzen zu verspüren, obgleich es ihn nicht verletzt sondern, wie bereits erwähnt, nur einen juckenden Ausschlag verursacht (Phantomschmerzen). Obwohl er sonst sehr beherrscht ist was das äußere Zeichen von Schmerz angeht, hat er in diesem Fall überhaupt keine Kontrolle mehr über sich entweder beginnt er vor Schmerzen zu weinen oder zu schreien. Das ist jedoch von der Menge des Blutes abhängig das ihn getroffen hat. Wenn es viel ist (mehr als nur ein paar Spritzer) fällt er häufig in einer Art Schockstarre deren Länge auch wieder von der Menge des Blutes, das ihn getroffen hat, beeinflusst wird und somit unterschiedlich lange andauern kann. Alles im Zeitraum von wenigen Minuten bis hin zu mehreren Stunden ist nicht ungewöhnlich. Von außenstehenden Personen kann ihm in einem solchen Fall nur geholfen werden indem er/sie das Blut abwäscht. Eine solche Entfernung sorgt dafür das die Schmerzen abklingen, doch sie verschwinden nicht sofort. Meist sind sie erst nach einem Tag vollständig verschwunden. Ist hingegen sehr viel an seine Haut gelangt, kann es sogar dazu kommen, dass er wegen der Schmerzen in Ohnmacht fällt. Eine weitere Begleiterscheinung dieses Traumas ist eine körperliche Schwächung die ebenfalls psychisch bedingt ist und häufig eine Woche anhält.
Demnach genügen einige Blutspritzer zwar noch nicht um ihn völlig hilflos zu machen doch alles was darüber hinausgeht schon. Hierin liegt auch seine offen gezeigte Abneigung gegenüber Blut begründet. Sein Anblick genügt um ihn zusammenzucken oder, je nachdem ob er darauf vorbereitet ist es zu sehen oder nicht, zurückweichen zu lassen. Darüber hinaus hält er sich geradezu panisch davon fern um Schmerzen und Schlimmerem zu entgehen.

allgemeine Fertigkeiten
Nebelgeist beherrscht nur ein Handwerk sehr gut und das ist der Bau von Zion-Bögen. Seit einem Alter von 10 Jahren wurde er darin trainiert. Das Wissen wird seit Generationen im Clan der Ciel weitergegeben und so blieb es auch ihm nicht erspart dies lernen zu müssen. Er kann sich zwar nicht mit den Meistern seines Clans darin messen, doch seine Fähigkeiten reichen aus, seinen Bogen zu warten und sich einen angemessenen Ersatz selbst herzustellen, sollte seiner kaputtgehen. Überdies mag er zwar in der Lage seine eigene Kleidung unter der Verwendung von Nadel und Faden zu flicken, doch ob man das als Nähen bezeichnen kann sei mal so dahingestellt. Im Gegensatz dazu steht sein Geschick im Bau von Fallen. Um sich Wild für sein Abendessen zu besorgen nutzt er sie gerne wenn er keine Lust hat sein Glück mit dem Bogen zu versuchen oder wenn diese Jagdmethode erfolglos war. Dies hat er sich weitestgehend selbst beigebracht, weil es in seinem Clan als unehrenhaft gilt seine Beute nicht mit Bogen oder Wurfspieß zu erlegen.

Seine pflanzen- und landschaftskundlichen Fähigkeiten beschränken sich auf seine Heimat Khirudan und werden ihm außerhalb davon kaum eine große Hilfe sein, außer er trifft zufällig auf eine Pflanze die auch in Khirudan wächst. Abgesehen davon kommt ihm die nomadische Lebensweise seines Volkes zu Gute. Nie hat er ein Leben in einer Hütte geführt und so ist es für ihn selbstverständlich, dass man weiß wie ein Feuer gemacht wird, wie man in der Wildnis an Nahrung gelangt und diese schmackhaft zubereitet. Im Vergleich mit anderen Kentauren ist er ein durchschnittlicher Jäger, weder besonders gut, noch schlecht. Dafür beherrscht er die Fähigkeit des Fährtenlesens nahezu perfekt. Wenn er einmal eine Spur gefunden hat ist die Wahrscheinlichkeit, dass er sie verliert wenn er sich wirklich bemüht ihr zu folgen, nicht sonderlich hoch. Das hilft ihm auch gute Plätze für seine Fallen zu finden weshalb er mit ihnen oft erfolgreicher ist als mit dem Bogen.

Wenn er die richtige Zutaten findet ist Nebelgeist ein passabler Koch. Doch trägt er keine Gewürze oder dergleichen mit sich herum, weil er nicht so viel Wert darauf legt sich immer eine aufwändige Mahlzeit zu bereiten, da er nicht selten auch in seiner Kranichgestalt Nahrung zu sich nimmt, weil das bedeutend schneller geht. Von Geld hat er kein Ahnung, ihm wurde zwar davon erzählt das es so etwas außerhalb seiner Heimat geben soll, gesehen hat er es aber noch nie, schließlich wird in seiner Heimat ausschließlich Tauschhandel betrieben. Mit Tieren kann er eigentlich gut umgehen da er sie sehr gerne hat, die einzige Ausnahme davon bilden erstaunlicherweise Pferde. Vielleicht riecht er für sie seltsam, doch reagieren diese Tiere wenn sie ihn zu ersten Mal sehen mit unterschiedlichen Stufen von Panik auf seine Anwesenheit. Es bedarf erst einiger Überredung und sie müssen ihn gründlich beschnüffeln bevor sie sich in seiner Nähe aufhalten ohne zu scheuen oder zu bocken. Wenn sie sich dann erst einmal davon überzeugt haben, dass er keine Gefahr darstellt gelingt es ihm meist auch sich mit ihnen anzufreunden.
Wichtig zu erwähnen ist noch seine Beziehung zur Musik. Laut Aussage seiner Mutter ist er: „So schlecht mit sämtlichen Instrumenten das dafür eine neues Wort kreiert werden müsste.“ Daraus ist zu schließen das man sich nicht in seiner Nähe befinden will wenn er sich im Umgang mit einem Instrument versucht. Seine ungewöhnlich hohe und helle Stimme könnte ihn vielleicht zum Singen befähigen, doch hat er diese Kunst nie erlernt und so kann er allenfalls melodisch summen.

Kampffertigkeiten
Den Umgang mit seiner Naginata beherrscht er sicher. Sicher genug um sich jedem Gegner entgegenzustellen, ob der nun ein Schwert oder eine Lanze trägt. In Verbindung mit seiner Schnelligkeit ist er mit dieser Waffe ein ernstzunehmender Gegner. Da es sich bei seiner Naginata um eine Langwaffe handelt scheint es zunächst als habe er leichtes Spiel gegen Waffen mit geringerer Reichweite und dies ist auch grundsätzlich richtig, mit dieser Waffe kann er seine Gegner meist mühelos auf Distanz halten. Kommt ein feindlicher Kämpfer aber dicht an ihn heran kann die Länge der Waffe schnell zum Nachteil werden. Er benötigt viel Platz um sie zu schwingen, demnach ist er bei einem dicht stehenden Gegner nicht in der Lage ihr volles Potenzial zu entfalten. Demnach verlegt er sich in solch einem Fall meist aufs Blocken und versucht auf Distanz zu gehen um seine Naginata richtig nutzen zu können. Seine größte Schwäche sind Waffen wie z.B. Äxte die er nicht gut mit dem Schaft seiner Waffe blocken kann, sowie Wurfwaffen. Außerdem hat Nebelgeist einen entscheidenden Vorteil: Er weiß wann es Zeit ist die Flucht anzutreten und wenn er zu der Entscheidung gelangt ist das dies eine der Situation angemessene Reaktion ist, kann er sie auch sehr schnell in die Tat umsetzen. Im Umgang mit dem Zion-Bogen ist er zwar geübt, doch nicht besser als der Durchschnitt. Er kann zwar sehr schnell schießen, doch seine Treffsicherheit ist nicht unfehlbar. Auf einer Entfernung von 60m trifft er ein bewegliches Ziel sicher, wenn es sich nicht bewegt geling es ihm auf eine Entfernung von 110 m, darüber hinaus kann es zwar vorkommen das er trifft, ist jedoch nicht sehr wahrscheinlich, weshalb es das häufig gar nicht erst versucht. Interessant wird es erst wenn man ihm einen Wurfspeer in die Hand gibt. Trotz vieler Versuche seines Vaters ihn im Umgang mit dieser Waffe zu schulen, scheint er nicht das kleinste bisschen Talent dafür zu besitzen. Das geht so weit, dass eigentlich nur zu sagen bleibt das er mit dieser Waffe eine größere Gefahr für sich selbst als für seine Umgebung ist. Mit dem Schwert hat er nur ein einziges Mal ein Training durchgeführt und dies ist auch nicht besonders erfolgreich verlaufen, weshalb er eine Waffe dieser Art nach Möglichkeit nicht mehr anfassen möchte

Magie/Zauber
Aufgrund seiner Abstammung ist Nebelgeist nicht in der Lage Magie zu wirken. Er hat viele Geschichten darüber gehört, doch noch nie gesehen wie jemand Magie wirkt.


Restliches
Sprachen
Seine Eltern lehrten den jungen Kentauren die Brocken vieler Sprachen, doch außer dem in Khirudan gesprochenem Dialekt der Pferdemenschen beherrscht er keine vollständig. Jedoch könnte er die meisten Sprachen zumindest identifizieren und ein paar Brocken davon sprechen. Sprachen die er noch nie gehört hat und dementsprechend auch nicht erkennen würde sind: Shindar und die Ursprachen.

Fiari
Fiari ist eine dreijährige Rotfüchsin, die Nebelgeist als Welpe gefunden hat. Sie war von ihrer Mutter verstoßen worden und er beschloss sie aufzuziehen. Die Füchsin ist ein schlaues Tier und eine gute Jägerin. Sie versteht viel von dem was ihr Freund zu ihr sagt und hält ihm unerschütterlich die Treue. Auch ist sie daran gewöhnt auf längeren Strecken in etwas eingewickelt und auf seinem Rücken verstaut zu werden, sodass sie es meist klaglos über sich ergehen lässt. Ihr langes rotbraunes Fell ist wesentlich dichter als das ihres Freundes und damit ist sie wesentlich besser auf eine Reise in kältere Gebiete vorbereitet als er.



Vergangenheit

Der Stamm der Ciel
Der Lebensraum
Die Jagdgründe der Ciel liegen im Westen des Landes nahe der großen Bergkette (des Ruwayd-Gebirges). Es ist ein Gebiet das großräumige Steppenlandschaften umfasst. Einige Wälder befinden sich an deren Grenze, doch in ihrem Herzen gibt es lediglich einige kleine Baumgruppen, kaum groß genug um als Lagerplatz zu dienen. Was es in dieser Gegend jedoch zu Hauf gibt sind Seen und Flüsse. Das Gelände ist von ihnen durchzogen, sodass die Ciel nur selten Durst leiden müssen und sehr häufig weite Strecken zurücklegen können ohne ständig nach neuen Wasserquellen Ausschau halten zu müssen. Da diese Jagdgebiete an die Territorien der Lezardoi grenzen sind es meist Angehörige dieses Volkes die die Kinder des Clans als erstes anderes Volk sehen.

Die Namensgebung
Jedes Mitglied der Ciel hat drei Namen. Den ersten Namen erhält es nach seiner Geburt von seinen Eltern. Dieser Name besteht häufig, aber nicht immer, aus zwei zusammengesetzten Worten von denen eines in den späteren Clannamen übernommen wird. Tritt jemand in den Clan ein der bereits einen Namen hat, so wird zumindest versucht den Anfangsbuchstaben dieses Namens im späteren Clannamen beizubehalten. Im Alter von zehn Jahren werden aus den Kindern der Ciel in einer Weihezeremonie so genannte Ziins. Sie sie beginnen nun mit dem Training des Zion-Bogens und erhalten ihren ersten Clannamen. Dieser Name wird von den Ratsmitgliedern gewählt und soll etwas über seinen Träger aussagen. Entweder über das Aussehen, besondere charakterliche Eigenschaften, besondere körperliche Eigenschaften oder spezielle Leistungen. Die Mitglieder des Stammes können den Ratsmitgliedern Vorschläge unterbreiten, in welche Richtung dieser Name gehen sollte. Doch ob die Ratsmitglieder diese Vorschläge annehmen oder eine eigene Entscheidung treffen bleibt Ihnen überlassen. In diesem Lebensalter haben sich meist schon Spitznamen für den jeweiligen Kentauren etabliert, diese im privaten Kreis zu benutzen ist nicht verboten. Genauso ist es den Eltern oder guten Freunden erlaubt Ihr Kind in privatem Umfeld weiterhin mit seinem Geburtsnamen anzusprechen. Auf öffentlichen Feiern oder dergleichen wird die Verwendung eines anderen Namens als des Stammesnamens als unschicklich bis respektlos empfunden. Im Lebensabschnitt zwischen 15 und 25 Jahren erhält jedes Mitglied des Ciel-Clans einen Namenszusatz. Dieser zielt auf Besonderheiten des jeweiligen Kentauren, erinnerungswürdige Leistungen oder außergewöhnliche Ereignisse (wie etwa die Sichtung eines Meteoriten) ab. Ein solcher Namenszusatz kann von jedem Mitglied des Clans vorgeschlagen werden und anschließend stimmt der gesamte Clan darüber ab ob dieser Namenszusatz verwendet werden soll oder nicht. Dabei haben jedoch immer noch die Ratsmitglieder das letzte Wort (wenn die Abstimmung unentschieden steht, der Namensträger selbst etwas einzuwenden hat oder der Name aus ihrer Sicht überhaupt nicht passt). Der Namenszusatz wird jedoch nur innerhalb des Clans verwendet, außenstehenden wird dieser nur selten verraten.
Es gibt jedoch immer Sonderfälle nach denen zum Beispiel ein erwachsener Kentauer in den Clan eintritt der seinen Namen gerne beibehalten möchte oder ähnliches. In Ausnahmefällen wird ihm gestattet seinem Geburtsnamen als Clannamen beizubehalten, doch einen Namenszusatz wird er in jedem Fall erhalten häufiger ist jedoch der Fall, dass er oder sie einen Clannamen zugewiesen bekommt und dieser offiziell seine Zugehörigkeit zu gehen Ciel kennzeichnet. In solchen Sonderfällen wird darüber hinweggesehen wenn der Geburtsname anstelle des Clannamens verwendet wird.

Geschlechterrollen
Im Gegensatz zu vielen anderen Kentauren-Clans, sind bei den Ciel Kentaura und Kentaure gleichberechtigt. Alle Aufgaben, selbst die Erziehung der Kinder werden von beiden Geschlechtern gleichermaßen übernommen. Dies stößt bei anderen Clans häufig auf Unverständnis, weshalb es auch nur selten vorkommt das männliche Vertreter anderer Clans zu den Ciel wechseln. Wesentlich häufiger ist es hingegen, dass eine Kentaura von einem anderen Clan sich einen Gefährten bei den Ciel sucht, wenn sie diesen auf seiner Reise kennen lernt. Kentaura sind häufig anpassungsfähiger als ihre männlichen Artgenossen, da sie entweder mit Gleichberechtigung wie sie auch bei den Ciel üblich ist, aufwuchsen oder eben damit, typisch „weibliche“ Aufgaben zu verrichten. Wenn eine Kentaura also weder jagen noch kämpfen gelernt hat, so wird sie von den Ciel auch nicht dazu gezwungen, hat jedoch jederzeit die Möglichkeit es zu erlernen.

Die Rolle der Familie
Kinder dieses Clans werden bis zu ihrem fünften Lebensjahr weitestgehend von ihren Eltern erzogen. In dieser Zeit haben Sie noch keinen Beitrag zum Clanleben zu leisten. Das ändert sich nach ihrem fünften Geburtstag. Dann haben die anderen Mitglieder des Clans die Möglichkeit sich mit den neuen Mitgliedern vertraut zu machen und manche Eltern beginnen schon ihren Kindern neue Lehrer zu suchen, wenn Sie zum Beispiel beide nicht die besten Jäger sind oder ähnliches.
In diesem Lebensabschnitt spielt die Familie zwar immer noch eine große Rolle, doch nun werden die Kinder auch anders Clanleben herangeführt. Sie müssen nun nicht mehr nur ihren Eltern gehorchen sondern auch ihren Lehrern in den einzelnen Disziplinen (Die es nicht bei jedem Kind gibt). Die Kinder werden in der Jagd, dem Verarbeiten und den Grundsätzen des Clans unterrichtet. Auch beginnen die Eltern nun ihre Kinder an den Gebrauch des Bogens zu gewöhnen um zu gewährleisten, dass sie mit zehn Jahren bereit sind das Zion-Training aufzunehmen. Hierfür werden jedoch noch andere Bögen verwendet, da die Zion-Bögen zu groß für Kinder in diesem Alter sind.
Im Alter von zehn Jahren wird aus dem Kind dann ein Schüler des ganzen Clans, der ab sofort dazu aufgefordert ist aktiv am Clanleben teilzunehmen. Das Bogentraining wird nicht nur von einem Lehrer durchgeführt, sondern jeder Kentauer ist dafür verantwortlich, dass seine Kenntnisse an den Schüler weitergegeben werden. Zwingend notwendig ist dies jedoch nicht, was etwa bedeutet, dass sich das jeder immer noch selbst aussuchen kann. So kann es in den seltensten Fällen durchaus vorkommen, dass ein junger Kentauer oder eine Kentaura nur von einem Lehrer unterrichtet wird, wenngleich dies eigentlich nicht wünschenswert ist.

Das Reisen (spezieller Brauch)
Nach Abschluss des Zion-Trainings (meistens mit 20 Jahren) muss ein jeder Kentauer der Ciel eine Reise unternehmen um als vollwertiges Mitglied in den Clan aufgenommen zu werden. Die Mindestdauer dieser Reise beträgt zwei Monate, nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Es ist üblich Khirudan auf dieser Reise nicht zu verlassen, da jeder Ziin über die Gefahren der äußeren Welt aufgeklärt wird und nur die wenigsten das Risiko eingehen. Jene die es tun werden dafür meistens mit einem Platz im Rat des Clans belohnt. Auf dieser Reise soll der betreffende Kentauer/ die Kentaura Lebenserfahrung, sowie Wissen über alles Mögliche ansammeln; etwa fremde Völker kennen lernen, verstehen warum die meisten dieser Völker gefährlich sind und eventuell gute neue Jagdgebiete für den Clan ausfindig zu machen. Viele finden auf dieser Reise auch einen Gefährten. Das letzte Jahr der Ziin-Ausbildung beschäftigt sich hauptsächlich mit der Vorbereitung auf dieser Reise. Hier können ältere Kentauren die die Reise schon gemacht haben Warnungen aussprechen, Tipps geben und Ähnliches. Es kommt nicht selten vor, dass sich gerade die Eltern in dieser Zeit sehr intensiv mit ihrem Nachwuchs beschäftigen, da es nicht selten vorkommt das Wagemutige, die die Gefahren der äußeren Welt nicht ernst nehmen, nicht zurückkehren. So ist der Abreisetag auch meistens von einer Art Abschied begleitet. Ein Zurückkehrender wird mit allen Ehren und großer Freude in Empfang genommen. Das geht so weit, dass häufig ein Fest veranstaltet wird auf dem der Heimgekehrte dann seine Geschichte erzählen kann.
Ratsmitglieder werden meist danach gewählt, was Sie auf Ihrer Reise besonderes erfahren oder erlernt haben. Ein Beispiel ist hier Whisperwind, die auf einer Fünfzehnjährigen Reise nahezu jedes Land des Kontinentes bereiste. Sie kam sogar bis zur Mauer der Drachen. Die Erfahrungen die Sie auf dieser Reise sammelte hat teuer bezahlen müssen. So ist sie nun auf einem Auge blind und trägt überall am Körper die Narben vergangener Kämpfe. Wenn man ihr zuhört könnte man meinen das es nur sehr wenige Völker auf Alvaria gibt, die sich keinen Spaß daraus machen einen Kentauren zu fangen und als Kuriosität auszustellen oder einfach nur zu töten. Eine andere Geschichte erzählt das Ratsmitglied Zionflug. Auf seiner sechsjährigen Reise quer durch Khirundan erlernte er von den anderen Chimairen-Stämmen viele verschiedene Jagdtechniken, sowie mindestens fünf verschiedene Bogenarten. In seiner Geschichte kommt viel Freundlichkeit und Verständnis vor. Bis auf ein oder zwei Angriffe aufgrund seines Aussehens weiß er kaum von solchen Übergriffen zu berichten.

Der Zion-Bogen (anngelehnt an einen Kyudo Bogen)
Dieser Bogen hat eine Größe zwischen 200 und 225 cm. Er hat einen verlängerten oben Wurfarm und damit eine asymmetrische Form. Mit dieser Bauart ermöglicht der lange obere Wurfarm einen großen Auszug und der kürzere untere eine erhöhte Geschwindigkeit des Pfeiles. Die Pfeile sind, je nach Größe des Bogens zwischen 84 und 96 cm lang. Sie sind sehr leicht, um auch auf größere Distanzen Schaden anrichten zu können. Es gibt allerdings auch Kurzstreckenpfeile deren Spitzen aus Stein bestehen (ca. 60 m). Bögen wie Pfeile werden aus Holz gefertigt, die Sehnen aus denen erlegter Jagdbeute.
Die Vorbereitung auf diesen Bogen beginnt mit fünf Jahren. Hier wird die Haltetechnik, sowie die Kraft trainiert die notwendig ist um später einen richtigen Bogen überhaupt spannen, bzw. mit ihm zielgenau schießen zu können. Während dieses Trainings, wird anfangs nur mit einem Holzstock die Haltetechnik trainiert und anschließend mit einem echten kleinen Bogen die Kraft die nötig ist um den Zion-Bogen später spannen zu können. Auch an der Bogen-Haltung wird gearbeitet, doch vor der Ernennung zum Ziin wird kein Pfeil abgeschossen. Das ernsthafte Training beginnt meistens mit zehn Jahren und der Ernennung zum Ziin. Es dauert rund zehn Jahre und endet mit Reiseantritt des Kentauren.
Die Kunst diese Bögen zu bauen wird von den Ciel mit Argusaugen gehütet und an jedes Mitglied des Clans weitergegeben. Die Wartung sowie der Bau eines neuen Bogens dieser Art gehört zur Ausbildung eines Ziin.

Namentlich bekannte Mitglieder

Der Rat
- Nachtlicht –wo die Krähe niemals landet-
- Zionflug –der in der Nacht jagt-
- Whisperwind –reiste weiter als ein Vogel fliegt-
- Fuchszahn –mit dem Feuerfell-
- Himmelsfeuer –vom großen Sternenband-

Stuten
- Winterglanz –aus dem kalten Norden-
- Sonnentau –die das Wasser fand-

Hengste
- Sandwind –der den blauen Strom durchquerte-
- Asky’in –der das große Knochentier besiegte-

Ziins
- Nebelgeist –der auf Kranichs schwingen fliegt-
- Morgenstern –vom Tag des brennenden Himmels- (noch in der Ausbildung)
- Hellfarn –der im Zwielicht wandelt- (auf der Reise)

Kinder
- Pfauenauge

Der Stamm der Ciel hat etwa 36 Mitglieder. Davon 4 Ziins und fünf Ratsmitglieder.

Wichtige Personen
- Winterglanz –aus dem kalten Norden– (Mutter)
- Nachtlicht –wo die Krähe niemals landet– (Vater)
- Windspiel –mit den Lebensaugen– (sind zusammen aufgewachsen, keine Chimaira)
Vorgeschichte
Um verstehen zu können wieso sich Nebelgeists Leben so entwickelte wie es das tat, muss zunächst ein kurzer Überblick über die Lebensgeschichten seiner Eltern gegeben werden. Somit beschäftigen sich Kapitel 1 und 2 mit den Geschichten seiner Eltern und seine eigene Vorgeschichte beginnt erst in Kapitel 3.

Kapitel 1: Nachtlicht
Der unter dem Namen Lichtläufer geborene Sohn des Ratsmitgliedes Whisperwind zeigte bereits früh eine besonders ausgeprägte Abenteuerlust. Er war mit einem weißen Fell geboren worden, doch das wechselte bis zu seinem zehnten Geburtstag die Farben so dass sein Fell nun schwarz schimmerte. So erhielt er seinen endgültigen Stammesnamen Nachtlicht unter dem er als Ziin trainierte. Es zeigte sich recht früh, dass er eine große Begabung für alle möglichen Arten von Waffen besaß. Seinen Zunahmen -wo die Krähe niemals landet- erhielt er, als er für den Clan einen neuen Lagerplatz suchen sollte und einen kahlen Flecken Toten Landes erwischte. Dort gab es kein Leben und nicht einmal die am Himmel kreisenden Krähen trauten sich auf diesem Stück Land zu landen.
Als die damals noch unter dem Namen „Weiß“ bekannte Stute in den Clan eintrat war er bereits 17 Jahre alt. Sie war 15 und stand bereits an der Schwelle zu ihrem 16. Lebensjahr. Mit ihrer ungewöhnlichen Ruhe machte sie ihn nervös und so beschloss er so zu tun als interessiere er sich nicht für sie. Das änderte sich auch bis zur Vollendung seines 20. Lebensjahres und dem Antritt einer Reise nicht. Er hatte beschlossen, zunächst einmal ganz Khirudan zu erkunden, doch es sollte anders kommen… Von den Ältesten des Stammes hatte gehört, dass sich im Süden des Landes ein großes Meer befände und so zog er los um dorthin zu gelangen. Dort angekommen beschloss er nach Osten, bis an die Grenze des Landes zu gehen und dann, der Grenze folgend, das Land einmal zu umrunden. Was er dabei nicht bedacht hatte, war das er die Landesgrenze nicht sehen konnte und so zog er munter über sie hinweg, immer weiter nach Osten. Seine Reise führte ihn durch verschiedene Länder unter anderem: die südlichen Ausläufer des Dûngar–Gebirges, die Ränder des Waldelfenreiches, den Wald von Sieryan und Cathrad. Dabei folgt er stets den Verlauf der Küstenlinie. Im Reich der Kentauren interessierte man sich noch wenig für ihn und auch die Bewohner des Gebirges hatten nicht mehr als ein paar erstaunte Blicke für ihn übrig. Das änderte sich als er im Reich der Waldelfen zum ersten Mal auf einen der ihren traf. Sie beschimpften ihn als unnatürlich und dergleichen mehr und vertrieben ihn. Einige Male sah er auch einen oder mehrere Taurin die sich jedoch bei seinem Anblick stets in die Wälder zurück zogen in die er sich nicht hinein traute. Er wandert immer weiter und weiter gen Norden ist er auf die ersten Nordelfen und im Anschluss daran auch auf Menschen traf. Diese überlegten nicht lange, sondern griffen ihn an. Jede dieser Begegnungen endete damit, dass er entweder vollkommen außer Atem oder vollkommen außer Atem und übel verletzt war. In dieser Zeit erlitt er viele Verletzungen, die zwar verheilten aber heute noch als eindrucksvollen Narben in seinem Fell zu sehen sind. Er verstand nicht was sie gegen hatten, doch konnte sie auch nicht fragen da sie ihn ansonsten wohl getötet hätten. Das Ganze geschah stets so schnell, dass er nicht auf die Idee kam sich zu verteidigen sondern ihm immer nur die Flucht blieb. Als sich diese Begegnungen häuften beschloss er weiter ins Landesinnere vorzudringen, da er vermutete das es dort weniger Siedlungen geben würde und somit weniger Gefahr bestand von ihm feindlich gesinnten Wesen angegriffen zu werden. Nachdem er zwei Jahre lang die Küste entlanggewandert war und einige Monate das zerfallene Nordreich Cathrad durchstreift hatte, traf er in den Wilden Landen ein. Dort begegnete er dem Mann der sein bester Freund wurde.
Sein Name war Tesok vom Skerôingur-Clan. Er bemerkte sofort, dass es sich bei diesem Mann um einen besonderen Menschen handeln musste, da dieser ihn nicht mit Abscheu und Misstrauen begegnete wie es die Elfen getan hatten. In jenen vergangenen Jahren hatte er gelernt sich von größeren Siedlungen fernzuhalten und sich in vielen brenzligen Situationen wieder gefunden. Darin hatten seine Kontrahenten alles daran gesetzt ihm als „Ungeheuer“ die Haut abzuziehen oder Schlimmeres. Tesok dagegen begegnete ihm freundlich, lud ihn zu sich nach Hause ein und zeigte ihm seine Welt. Als der Schmied bemerkte, dass sein Besucher ein Interesse an den Klingen zeigte die er selber herstellte, weihte er ihn in die Kunst des Schwertkampfes ein. Drei Jahre lang lebte Nachtlicht bei den wilden Menschen des Skerôingur-Clans. Mit ihnen schlug er so manche Schlacht gegen angreifende Orks und teilte viele frohe Momente mit ihnen. Sie lehrten ihn schreiben und lesen, während er ihnen im Gegenzug hilfreiche Hinweise zur Verbesserung der Qualität ihrer Bögen gab. Doch irgendwann beschloss er, dass es Zeit sei zu seiner eigenen Familie und dem Clan der Ciel zurückzukehren. Zu seiner Abreise schenkte ihm sein Freund zwei seiner besten Schwerter und eine seltsame Waffe, die er als Experiment nach dem Vorbild von Nachtlichts Wurfspeer hergestellt hatte. Es war eine seltsame Kombination aus Speer und Schwert, sozusagen eine Schwertlanze, die er Naginata nannte. Zu diesem Zeitpunkt wusste der Kentauer noch nicht was er später einmal damit anfangen sollte. Nachdem er sich bedankt hatte, verließ er die Wilden Menschen und traten die lange Heimreise an. Der Rückweg verlief um einiges einfacher als der Hinweg. Er verlief sich zwar ein paarmal, weshalb er für die Rückreise ein ganzes Jahr benötigte, doch hatte er genug Erfahrungen gesammelt um den meisten Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen. Zurück bei den Ciel wurde er wegen seiner neuen Fähigkeit (dem Schwertkampf) und seiner vielen Erlebnisse zum Ratsmitglied ernannt, weshalb seine Mutter sehr stolz auf ihn war. Er dachte lange darüber nach sich eine Gefährtin zu nehmen, doch die Richtige schien nie dabei zu sein bis Winterglanz zurückkehrte. Ihre Reise war um einiges länger und beschwerlicher gewesen als seine und die Kentaura die zurückkehrte hat nicht mehr viel mit der gemeinsam, mit der er zusammen ausgebildet worden war. Es dauerte nicht lange bis die beiden sich ineinander verliebten und ein Paar wurden. Aus dieser Verbindung entstand Nebelgeist.

Kapitel 2: Winterglanz
Winterglanz wurde in einem anderen Kentauren Clan unter dem Name Weiß geboren. Mit 15 verlor sie ihre Eltern und verließ den Clan ihrer Geburt, den Grund dafür hat sie niemals jemandem mitgeteilt und wird dies wohl auch nicht tun. Sie kam als in einem Alter zu den Ciel in dem es äußerst ungewöhnlich war, dass man noch einen Kindheitsnamen trug. Als man sie vor ihrer Aufnahme fragte ob sie gerne einen Stammesnamen und das Namenskürzel erhalten würde um als vollwertiges Mitglied anerkannt zu werden willigte sie ein, schließlich war ihr Geburtsname ihr nur gegeben worden, weil ihren Eltern nicht treffenderes eingefallen war. So erhielt sie den Namen Winterglanz -aus dem kalten Norden-, da ihr Fell glänzte wie der winterliche Schnee, den einige aus den Clan auf ihren Reisen gesehen hatten. Am Tage ihrer Namenszerrungen flog außerdem ein Vogel über die Clanversammlung, der sonst laut Aussage von Whisperwind nur im eisigen Norden Alvarias vorkam. Sie wirkte im Clan immer ein wenig fehl am Platz und hatte auch zu Beginn ihrer Reise keine wirklichen Freunde dort, obwohl sie den Umgang mit den Zion-Bogen weit besser und schneller beherrschen lernte als die meisten ihrer Altersgenossen.
Ihre Reise sollte sie nach Norden führen und sie folgte diesem Kurs zielstrebig durch einen großen Teil der Steppe. Da sie sich stets abseits von Siedlungen und Lagern der Steppenreiter hielt kam sie mit diesem Volk auch wenig in Kontakt und hatte kaum Probleme bei ihrer Reise nach Norden. Die seltenen Begegnungen verliefen meist friedlich und die Bewohner der Steppe zeigten sich auch oft gastfreundlich gegenüber der weißen Kentaura. Doch irgendwann war die Steppe zu Ende und sie sah am Horizont die Silhouette einer gewaltigen Gebirgskette die scheinbar in den Himmel hineinwuchs. Je näher sie ihr kam desto kälter wurde es um sie herum und so beschloss sie nach Westen weiterzuziehen. Sie hielt sich stets zwischen dem großen Wald und den fernen Bergen im Süden, da sie den Wald nicht betreten wollte. Je weiter sie wanderte desto kälter wurde es. Auf derartige Temperaturen war sie nicht vorbereitet gewesen. Wie auch? So etwas gab es in ihrer Heimat schließlich nicht. Sie hatte die Eiswüste erreicht … Monatelang irrte sie darin umher bis sie schließlich halb verhungert und erfroren in der Nähe der kleinen Stadt Norr Hinthrog zusammenbrach. Sie wäre wohl dort gestorben, wenn sie nicht ein Mann, dessen Haus ein wenig außerhalb jener Stadt lag, dort im Schnee gefunden hätte. Er war zunächst erschrocken als er sie das erste Mal sah. Ein solches Wesen wie sie hatte er noch nie zuvor gesehen, doch Mitleid rührte sein Herz und so band er sie an sein Pony und schleifte sie bis zu seiner Hütte hinter sich her. In Ermangelung einer besseren Idee steckte er sie in den Stall des Ponys wo er ihren menschlichen Oberkörper in warme Decken wickelte und darauf wartete, dass sie wieder zu sich kam. Erst nach einem halben Tag geschah das dann auch. Als sie jedoch die Augen öffnete und ihn in einer fremden Sprache, die er noch nie gehört hatte, ansprach erschrak er erneut. Er wusste nicht genau was erwartet hatte, doch ganz gewiss nicht von diesem seltsamen Wesen angesprochen zu werden. Trotzdem gelang es Winterglanz sich einigermaßen verständlich zu machen indem sie sich wiederholt mit der Hand auf den Bauch klopfte. Als der Mann davon eilte und mit warmem Essen zurückkehrte war sie sehr stolz auf sich. Der Mann war seinerseits fasziniert von ihr und testete immer wieder mit kleinen Herausforderungen ihre Intelligenz, bis er sie schließlich für klug genug befand um mit ihr umzugehen als sei sie ein Mensch. Er begann sie seine Sprache zu lehren und es dauerte nicht lange bis die beiden sich richtig unterhalten konnten. Sein Name war Norimar. Sie erzählte ihm von den ausgedehnten Steppenlandschaften ihrer Heimat und im Gegenzug berichtete er ihr von seinem Leben als Eisfischer in diesem kargen und unwirklichen Landstrich. Die beiden wurden schnell Freunde und Winterglanz blieb um einiges länger bei ihm als sie eigentlich vorgehabt hatte. Ganze vier Jahre verbrachte sie in der Eiswüste. In dieser Zeit lernte sie viel über die Sitten und Gebräuche dieses Landstrichs. Unter anderem lehrte Norimar sie das Lesen (Coreonisch), nachdem er voller Entsetzen hatte feststellen müssen, dass sie es nicht beherrschte. In seiner Familie war es seit Jahren Tradition das jedes Mitglied diese Kunst erlernte. Schreiben mussten die Kinder nicht lernen, doch lesen war eine Fähigkeit die es ihnen ermöglichte sich im Umgang mit Verträgen und ähnlichem nicht blind auf die Aussagen anderer verlassen mussten, sondern genau zu wissen wozu man mit einer Unterschrift seine Zustimmung gab. Auch befanden sich im Familienbesitz bereits seit Generationen einige Bücher, aus denen die Eltern ihren Kindern jene Geschichten vorlasen mit denen sie selbst aufgewachsen waren. Diese Bücher waren es auch mit deren Hilfe Norimar seine Freundin das lesen lehrte Sie ging ihrem Freund auch häufig bei dessen Arbeit zur Hand, doch hielt er sie beharrlich von anderen Menschen fern. Die wenigen Male in denen sie von einem aus der Ferne erspäht wurde, behauptete Norimar nachträglich es handele sich um seinen Schimmel Wasser, der zusammen mit Winterglanz im Stall stand. Da der Mann bei vielen seiner Nachbarn als ehrbar und aufrichtig bekannt war, stellten sie nie weitere Fragen und spionierten ihm nicht hinterher. Letztendlich wurde ihr die Entscheidung ob sie nicht vielleicht für immer dort leben wollte abgenommen als Norimar beschloss zu heiraten. Bereits die erste Begegnung zwischen Winterglanz und seiner neuen Frau, Elia, verlief äußerst unglücklich. Kaum hatte sie die Kentaura erspäht wurde sie vollkommen hysterisch und weigerte sich für mehrere Stunden aus dem Haus zu kommen. Egal was ihr Mann versuchte er konnte sie nicht umstimmen und so blieb ihm nichts anderes übrig als ihr zu sagen, dass sie fortan wohl damit zurecht kommen müsse mit einem nichtmenschlichen Wesen unter einem Dach zu leben. Doch die Frau wollte sich das nicht gefallen lassen und so erzählte sie ohne das Wissen ihres Mannes im Dorf herum, was dieser bei sich zuhause verbarg. Sie sprach von einem Dämon in Pferdegestalt und so machte sich eine Abordnung von bewaffneten Männern auf den Weg um diese Behauptung zu überprüfen. Norimar, der gerade von der Arbeit zurückkehrte sah sie rechtzeitig und konnte seine Freundin in letzter Sekunde warnen. Zu ihrem hastigen Abschied drückt er ihr noch ein Geschenk in die Hand. Bei diesem Geschenk handelt es sich um ein Amulett in Form einer schwarzen Mondmuschel mit einem stilisierten Kranich darauf das an einer schmalen Silberkette hing. Dieses Familienerbstück war stets als Glücksbringer behandelt, doch nie getragen worden. Irgendetwas hinderte sie stets daran das Geschenk aus seinem Beutel zu nehmen. Es war ein seltsames Gefühl das sie immer überkam wenn sie darüber nachdachte das Amulett herauszunehmen. Aus diesem Grund verstaute sie es tief in ihrem Reisegepäck und erinnerte sich erst daran als ihr Sohn geboren wurde. Das selbe Gefühl was ihr geraten hatte das Geschenk nicht selbst anzulegen, geschweige denn es anzurühren, sagte ihr das es für ihn bestimmt sei.
Nach sechs Jahren Abwesenheit von ihrem Clan wurde ihr mit einem Mal bewusst, dass sie ein wenig Heimweh verspürte und so verließ sie die Eiswüste. Ein wenig ziellos durchsteifte sie das große Waldland im Nord-Westen Alvarias bis sie nach Monaten endlosen herumirren in diesem riesigen Waldgebiet das Sharzíkad-Gebirge erreichte. Sie folgte seinen Ausläufern nach Osten bis es ihr schließlich gelang es zu umgehen und sie erneut die Steppe erreichte. Dieses Mal wurde sie jedoch von den dort ansässigen Steppenreitern vertrieben, weshalb sie sich erneut nach Westen wandte. Als sie nach einem Jahr Calan an Darh erreichte hatte sie den Entschluss gefasst so schnell wie möglich zu den Ciel zurückzukehren. Doch dazu sollte es nicht kommen …
Sie orientierte sich tagsüber an der Sonne und nachts an den Sternen. So gelangte sie recht schnell in die Nähe Khirudans als sie eines Morgens auf ein halb im Sand verborgenes Reptil trat, das ihr als Reaktion darauf die Zähne tief in das linke Hinterbein grub. Was sie zunächst nicht wusste war, dass die Schlange die sie soeben gebissen hatte, giftig war. So lief sie noch eine Tag weiter bis sich das Gift ihn ihrer Blutbahn verteilt hatte. Dann begannen die, von diesem Gift hervorgerufenen, Schüttelkrämpfe und erneut war sie vollkommen hilflos. Zu ihrem großen Glück wurde sie von einer alten Wüstenelfen namens Shahalani gefunden. Diese pflegte die Kentaura gesund und gab sich alle Mühe ihr wieder auf die Beine zu helfen. Als Winterglanz wieder ansprechbar war teilte die Elfe ihr mit, dass sie beinahe an dem Gift gestorben wäre und fragte sie wieso sie so unvorsichtig gewesen war durch das Jagdgebiet der Schlange zu laufen. Die Antwort, sie habe es eben nicht gewusst, tat die Alte mit einem Schulterzucken und dem Rat, dann müsse sie so etwas eben erkennen lernen, ab. Sie bestand darauf Winterglanz die Gefahren und Geheimnisse der Wüste näher zu bringen. Unter ihrer Anleitung erlernte Winterglanz auch das Schreiben. Schon bald erkannte diese, dass sie der Elfe im Gegenzug mit ihrer Pferdezucht und der Erziehung der Jungpferde helfen konnte. Nach 2 Jahren und 8 Monaten beschloss sie dann ihre neue Freundin zu verlassen um in ihre Heimat zurückkehren zu können.
Der letzte Abschnitt ihrer Reise dauerte gerade einmal 4 Monate und verlief auch ohne großartige Zwischenfälle. Nach ihrer Rückkehr wurde ihr ein Platz im Rat angeboten doch sie lehnte mit der Begründung, dass sie sich nicht bereit sei so viel Verantwortung zu tragen. Sie entdeckte schnell ihre Liebe zu Nachtlicht und beschloss mit ihm eine Familie zu gründen.

Kapitel 3: Die jungen Jahre
Am Tag seiner Geburt türmten sich dunkle Gewitterwolken am Himmel über der Steppe. Seine Mutter hatte sich von der Gruppe abgesondert um allein in stiller Ruhe ihren Sohn zur Welt zu bringen. Sie kehrte erst am folgenden Tag mit einem kleinen schlaksigen Kind zurück, das noch bei jedem zweiten Schritt über seine eigenen Hufe stolperte. Als Nachtlicht die beiden erspähte galoppiert er ihnen entgegen, umarmte seine Gefährtin und besah sich voller Stolz seinen kleinen Sohn. Das ungewöhnliche Aussehen des Kindes schien ihn nicht zu stören und selbst den Schrecken den er empfand als es ihm das erste Mal in die Augen blickte konnte er gut verbergen. In diesem Moment nahm er sich vor seinen Sohn niemals spüren zu lassen wie sehr ihn seine Augen beunruhigten. Die Reaktion des Clans war jedoch eine ganz andere. Misstrauisch und mit viel Argwohn untersuchten sie das Kind bis dessen Mutter in verschnupften Ton mitteilte, dass es sich tatsächlich um einen Angehörigen derselben Art handelte wie sie selbst es seien, bevor sie sich zornig umdrehte, ihren Sohn an der Hand nahm und davon trabte. Zurück blieb der immer noch stolze Vater, der seinen Clangefährten eisige Blicke zuwarf und sie darauf hinwies, dass er es nicht dulden würde wenn sie seinen Sohn jemals schlecht behandeln sollten. Bevor er jedoch seine Gefährtin folgen konnte, hörte er das langsame und unregelmäßige Geräusch von Whisperperwinds Schritten hinter sich. Ihr Gefährte war am Vortag verstorben und so ging er davon aus, dass sie noch immer voll stiller Trauer sein musste. Als er sich umdrehte sah er jedoch das lebhafte Funkeln in ihren alten Augen. „Sohn, wo sind deine Gefährtin und dein neugeborener Sohn? Ich hab dich doch eben so euphorisch losrennen hören, also müssen sie wohl zurückgekehrt sein. Habe ich sie verpasst, wo sind sie denn jetzt?“ , fragte sie. Doch noch bevor er antworten konnte legte sie den Kopf schief und lauschte. Dann setzte sich mit einem mal in Bewegung und trabte langsam in dieselbe Richtung davon in die eben seine Gefährten verschwunden war. Wie üblich blieb Nachtlicht nichts anderes übrig als seiner Mutter zu folgen. Sie holten die beiden rasch ein, da der Junge wieder einmal gestolpert war und sich weigerte weiter zu laufen. Als seine Mutter die Schritte hinter Ihnen hörte fuhr sie mit wütend blitzenden Augen herum und wollte ihren Verfolger wohl anfahren, als sie die beiden erkannte. Eine gewisse Furcht stahl sich in ihren Blick und sich schwierig. Nachtlicht war stehen geblieben und beobachtete nun gemeinsam mit Winterglanz gebannt wie seine Mutter langsam auf das am Boden liegende Fohlen zuschritt. Die alte Kentaura musterte das Fohlen kurz, dann knickte sie erst die Vorderbeine und anschließend die Hinterbeine ein, bis sie mit untergeschlagenen Beinen in einer einigermaßen bequemen Haltung von dem Kind auf dem Boden kauerte. Es sah zu ihr auf und wimmerte. Eine seiner kleinen schwarzen Fesseln wies eine seltsame Beule auf. Sie streckte langsam eine Hand aus und begann sie vorsichtig zu betasten. Das Kind zuckte zwar zusammen gab aber keinen Laut von sich bis sie ihre Untersuchung abgeschlossen hatte und es anlächelte. Als sich das strahlende Lächeln auf dem alten Gesicht ausbreitete atmeten beide Eltern auf. Sie nahm die Hand des Kleinen, lächelte ihm aufmunternd zu und half ihm dann beim Aufstehen. Anschließend stemmte sie sich mühsam selbst wieder hoch und warf den Eltern einen forschenden Blick zu. Dann sagte sie zu Winterglanz: „Ein wirklich schönes Fohlen hast du da geboren meine Liebe. Wie soll er denn heißen?“ Die angesprochene lachte vor Freude bevor sie ihren Gefährten ansah und antwortete: „Seht nur wie die Sonne sein Fell strahlen lässt, als wäre er ein schwarzer Diamant. Aber der Rest von ihm ist so blass wie eine Nebelschwade, deshalb denke ich wir nennen ihn Nebeldiamant oder?“ Nachtlicht war ebenfalls erleichtert und mit der Wahl des Namens seiner Gefährten einverstanden, so gab er nur stumm nickend sein Einverständnis.
In der folgenden Zeit begann sich abzuzeichnen, dass sein ungewöhnliches Aussehen dem jungen Kentauer in Zukunft Probleme bereiten würde obwohl seine Großmutter und seine Eltern sich vor ihn stellten wann immer abfällige Bemerkungen der dergleichen in seine Richtung geschleudert wurden. Es war offensichtlich, dass viele kleine Sticheleien wie etwa ein Tritt der ihn zufällig traf oder ein Kniff von einem der anderen Kinder nur der Anfang wären. Seine Eltern hofften, dass es nicht in naher Zukunft schlimmer werden würde, sondern erst wenn er alt genug wäre um sich selbst dagegen zu Wehr zu setzen.
An seinem zweiten Geburtstag bekam er von seiner Mutter ein ganz besonderes Geschenk. Spät am Nachmittag trat sie zu ihm und überreichte ihm ein kleines Säckchen aus dunkelgrauem Stoff. Fragend sah er zu ihr auf, schließlich hatte sie ihm zuvor noch kein Geschenk gemacht, während sein Vater ihn andauernd mit irgendwelchen kleinen Dingen überraschte. Als sie auch nach einiger Zeit nichts sagte, öffnete er neugierig den Beutel. In ihm befand sich ein langes schmales Band. Es fühlte sich kalt an, war hart wie Stein und trotzdem biegsam. Auf die Frage was es sei antwortete seine Mutter nur: „ Das ist eine Silberkette. Silber ist ein Metall und das ist hier in unserer Heimat sehr selten. Aber mein eigentliches Geschenk ist das was daranhängt…“ Dergestalt ermutigt zog er nun auch noch den Rest des Geschenkes aus dem Beutel. Mit leuchtenden Augen betrachtete er die schwarze Muschel mit dem eingeritzten Vogel darauf, die an der silbernen Kette hing. Er hielt sie seiner Mutter hin und bat sie, sie ihm umzulegen was diese auch tat. Kaum berührte das Amulett seinen Hals begann die Stelle an der es mit seiner Haut in Kontakt kam, zu brennen. Der Schmerz verebbte recht schnell wieder, aber der Schrecken saß dem jungen Kentauren noch in den Knochen. Hastig schob er das Amulett zur Seite und warf eine Blick auf das schwarze Mal, das sich in seine Haut gegraben hatte. Auch seine Mutter wirkte erstaunt als sie es sah und beugte sich darüber um es näher in Augenschein nehmen zu können. „Tut das weh?“, fragte sie mit einem seltsamen Ausdruck in den Augen. Dieser Ausdruck war es auch, der ihn dazu veranlasste zu lügen: „Nein, gar nicht." Sie lächelte: „Dann ist ja gut. Ich hatte schon Angst das Geschenk meines Freundes hätte dich verletzt..
In den folgenden drei Jahren entdeckte er nach und nach was es mit diesem Amulett auf sich hatte. Mit vier Jahren kam er zum ersten Mal auf die Idee das Amulett umzudrehen, wobei er die Inschrift entdeckte. Da in diesem Alter noch nicht lesen konnte aber wissen wollte was dort stand bat er seine Mutter es ihm vorzulesen was diese auch tat. Nachdenklich gestimmt durch die Inschrift fragte er seine Mutter auch was ein „Kranich“ sei. Sie erklärte ihm, dass es sich dabei um einen schönen Vogel handelte, der in Khirudan nicht vorkam, den sie aber auf ihrer Reise weiter im Norden schon ein paarmal gesehen habe. Drei Wochen später verwandelte er sich das erste Mal. Im Geiste war er bei dem Vogel gewesen und hatte sich gefragt warum dieser auf dem Amulett abgebildet sei. Dazu kam, dass sein Vater ihm an diesem Tag etwas über die Entstehung seiner eigenen Rasse erzählt hatte und er fragte sich nun ob es jene Amulette noch gäbe und wenn ja wie sie aussehen würden. An diesem Punkt seiner Überlegungen spürte er etwas seltsames im Geiste, es war zunächst wie eine sanfte Berührung und als er versuchte das Gefühl zu fassen wäre es ihm beinahe entglitten. Also wartete er ganz stumm und still darauf das wiedererstarken würde und das tat es…
Hass flammte in ihm auf, verbunden mit Zorn und Schmerz über etwas das seinem Körper angetan wurde. Er spürte wie sich die simplen Gedanken eines Tieres in die Seinen drängten, wenngleich er nicht wusste woher er das wusste. Vor seinem inneren Auge erlebte er die letzten Momente dieses Tieres mit, plötzlich war er das Tier und sah zu wie ein hoch gewachsene Ork sich über ihn beugte und ihn tötete. Er spürte die Klinge des Messers mehrfach in seinen Körper eindringen, schlug mit den Flügeln um den Angreifer abzuwehren, aber er war zu schwach. Dann wurde alles dunkel.
Benommen schüttelte der junge Kentauer den Kopf während die Erinnerungen seinen Geist freigaben und nur ein schwaches Pochen, eine Erinnerung an die vorangegangenen Schmerzen, zurückließen. Dann spürte er ein neues Gefühl, es durchströmte ihn warm und weich und vermittelte ihm einen Eindruck von Freiheit, wir er ihn bisher nur in einem langen schnellen Lauf über die Ebenen kannte. Als er sich darauf konzentrierte fiel ihm auf, dass dieses Gefühl nicht die Freiheit beschrieb an die er zunächst gedacht hatte. Es war fremdartig. Vermittelte es ihm doch einen Eindruck von scharfem kalten Wind der ihn umströmte, nicht aber das beständige Trommeln seiner Hufen auf dem Boden und das Gefühl seiner Haare die im Wind flogen. Er konnte es nicht einordnen. Doch übte es noch immer Faszination auf ihn aus und so ließ er sich darauf ein. Schnell konnte er es auch genauer beschreiben, es war das Gefühl die Bürde des Bodens von sich abzustreifen, die Flügel auszubreiten und in den Himmel aufzusteigen. Je weiter er sich diesem Gefühl hingab, desto unwichtiger schien sein Körper zu werden. Er schloss die Augen und konzentrierte sich fest darauf. Ein seltsames Ziehen ging durch seinen Körper. Zuerst dumpf, dann immer stärker und stärker, bis es sich schließlich anfühlte als werde sein Körper in zwei Teile gerissen. Seine Knochen schienen sich zusammen zu ziehen, die Gelenke stauchten sich und alles wurde kleiner. Verwirrt öffnete die Augen, unfähig ob der Schmerzen dir empfand zu schreien doch das war auch gar nicht nötig. Schon waren sie vorbei und er blickte sich verwirrt um. Er fragte sich was wohl gerade geschehen war. Wegen des seltsamen Gefühls und weil er das Gefühl hatte sich näher am Boden zu befinden als vorher, senkte er den Kopf tiefer und tiefer um nachzusehen ob er sich vielleicht verletzt hatte. Erstaunlicherweise konnte er seinen Kopf immer weiter senken bis er schließlich durch seine Beine nach hinten schaute. Bei der Erkenntnis dass er A.) zwei Beine hatte und B.) durch eben jene Beine nach hinten schaute fiel er in Ohnmacht.
Als er wieder zu sich kam standen seine Eltern über ihn und fragten was geschehen sei. Nachdem es ihnen erzählt hatte, begriff sein Vater sofort was geschehen sein musste und erklärte ihm das er mit diesem Amulett vorsichtig umgehen müssen während seine Mutter ihm nur mit stolz leuchtenden Augen ansah. Nach kurzer Zeit erfuhr auch der Clan davon und sehr zur Verwunderung von Nachtlicht und Winterglanz verurteilten sie ihn nicht dafür. Jene, die ihm für sein ungewöhnliches Aussehen verurteilt hatten, nahmen es nun mit Gleichmut hin, dass er sich gelegentlich in einen Vogel verwandelte.
In den folgenden zwei Jahren lernte er mit einer Vogelgestalt umzugehen, etwa fliegen und das Laufen auf zwei Beinen was ihm anfangs sehr verwirrend erschien. Doch nach dieser Zeit bewegte er sich in seinem Vogelkörper genauso sicher wie in seinem richtigen Körper. Die Verwandlung fiel ihm nicht schwer, doch die Schmerzen die sie hervorrief ließen niemals nach genauso wenig wie das Gefühl als würde sein Körper in zwei Teile gerissen. Die Tatsache, dass ihm das Erlernen des Umgangs mit seiner Vogelgestalt recht leicht fiel lässt sich wohl damit erklären, dass er noch relativ jung war und das Lernen noch natürlich für ihn war.
Von den Sticheleien seiner Clangefährten einmal abgesehen, verlebte der junge Kentauer die ersten sechs Jahre seines Lebens recht behütet und glücklich. Bis zu jenem Tag, an dem sich seine kindliche Weltanschauung für immer ändern sollte… Es war Sommer in der Steppe. Der Clan hatte sein Lager seit Wochen nicht gewechselt, da ein naher Fluss gutes klares Trinkwasser sowie erfolgreiche Jagdbeute versprach. Eine Herde Antilopen zog entlang des Flusses und die Jäger des Clans brachten viel Beute zurück. Für gewöhnlich achteten Nebeldiamants Eltern darauf ihren Sohn nicht allein und unbeaufsichtigt zu lassen und gingen darum selten gemeinsam auf die Jagd. Nicht so an diesem Tag. Whisperwind hatte versprochen ein Auge auf ihren Enkel zu haben und so waren die beiden in den frühen Morgenstunden losgezogen. Der Kleine hatte seine Großmutter gebeten eine Weile allein fliegen zu dürfen, da er sich langweilt das kann der alte Kentaura sehr gelegen und so erlaubte sie es ihm. Fasziniert beobachtete sie wie er sich verwandelte und sich anschließend anmutig in die Lüfte erhob. Sie sah ihm nach bis er aus ihrem Blickfeld verschwand, es war im Grunde auch nichts dabei in alleine fliegen zu lassen schließlich tat er das ständig. Während sie zum Lager zurückkehrte, flog er mit raschen Flügelschlägen über das weite Land. Doch bereits nach einer halben Stunde merkte er, dass seine Flügel schwer wurden und so landete er in der Nähe eines kleinen Waldstückes und verwandelte sich zurück. Völlig erschöpft legte er sich im warmen Sonnenschein ins Gras und schlief ein. Er erwachte Stunden später durch ein leises Geräusch. Es erinnerte ihn an den Clan den das Schwert seines Vaters verursachte wenn er es aus der Scheide zog. Trotz allem hätte ihm dieses Geräusch nicht wecken dürfen, war es doch zu leise um den Gesang der Vögel oder das Geräusch des Windes in den Baumkronen des nahen Wäldchens zu überdecken. Doch der Wind schwieg und ebenso die Vögel. Diese Erkenntnis Vertrieb schlagartig die Restmüdigkeit aus seinen Gliedern. Die Vögel schwiegen nie, zumindest nicht in der Steppe Khirudans am helllichten Tag. Der Junge wusste nicht was er tun sollte, wenn er aufstand oder sich in anderer Weise besiegte würde der Verursacher dieses Geräusche das ganz gewiss wahrnehmen denn es klang sehr nah. So blieb er liegen, öffnete lediglich die Augen zu einem winzigen Spalt und blähte die Nasenflügel. Der Geruch glich nichts das er kannte. Es war ein herber harter Geruch in denen sich eine Spur als Leder mischte. Er kündete von Gefahr. Alles in ihm schrie nach Flucht, doch das was er sah hielt ihn davon ab. Dicht vor ihm, kaum drei Meter entfernt, stand eine Gestalt. Er konnte nur verschwommen erkennen dass sie zwei Beine und einen breiten kräftigen Körper hatte bevor seine Aufmerksamkeit von dem gefährlich blitzenden metallischen Gegenstand in ihren Händen gefangen genommen wurde. Das Schwert war lang, viel länger als die seines Vaters. Doch bevor in sein Bewusstsein drang das es jetzt wohl doch klüger wäre die Flucht zu ergreifen, durchzuckte ein grausamer Schmerz deinen Körper. Kälte breitete sich in ihm aus während er ein klägliches Wimmern ausstieß und versuchte auf die Hufe zu kommen. Was auch immer in seinem Körper steckte, es tat schrecklich weh und so vergaß er alle Vorsicht. Sein Instinkt befahl ihm die Flucht, doch er konnte nicht. Kaum hatte er sich aufgerichtet verschwamm sein Blickfeld und seine Vorderbeine knickten ein. Er hörte ein raues Lachen, dann wurde alles schwarz. Als er wieder zu sich kam schmerzte sein ganzer Körper noch schlimmer als zuvor, es war als steckten unzählige winzige Nadeln in seinem Körper, und er konnte sich nicht rühren, doch das war noch nicht das Schlimmste. Das sah er erst nachdem er seine Augen geöffnet hatte. Plötzlich wollte er sich nicht mehr bewegen. Überall um ihn herum war Blut. Er lag zusammengekrümmt im feuchten roten Gras und neben ihm sah er eine kleine Gestalt. Ihre zierlichen mit dunkelbraunem Fell bedeckten Beine zuckten schwach. Es es schien als wolle sie sich verteidigen, doch der große Kentauer der über ihr stand stach mitleidlos mit seinem langen Speer zu, immer und immer wieder… bis das Zucken aufhörte. Nebeldiamant wurde gar nicht beachtet und doch konnte er sein Blick nicht von den grausigen Geschehen wenden. Er sah zwar die Spitze des Speeres nicht, doch das Geräusch sowie die Bewegungen des Armes der ihm führte hörte und sah er sehr wohl. Ihm wurde schwindlig vor Grauen und als das Zucken aufhörte gelang es ihm endlich den Blick abzuwenden. Eher zufällig fiel sein Blick nur auf seinen Arm der leicht angewinkelten über einem seiner Vorderbeine lag. Rot beherrschte sein Blickfeld, seine Haut, sein Fell und sogar die sonst so hell schimmernden Hufen waren bedeckt mit der klebrigen roten Flüssigkeit. Panik stieg in ihm auf und er begann zu schreien lauter und lauter. Er wollte das alles nicht sehen, wollte nicht hören und erst recht nicht die Wärme des Blutes auf seiner Haut spüren, doch das einzige was er mit seinem Schrei erreichte war ein lautes Lachen. Es klang so zufrieden und kalt das er wusste seine Schmerzen würden noch viel schlimmer werden bevor das Ganze endlich vorbei war. Erst als er keine Luft mehr in den Lungen hatte um sie hinaus zum brüllen verstummte er und auch das Lachen hörte auf. Eine bleierne Stille, nur durchbrochen von den regelmäßigen Hufschlägen des Kentauren der nun auf ihn zu zukommen schien, senkte sich herab. Wie in Zeitlupe hob er den Blick, blickte wie gebannt in das ausdrucksloses Gesicht einer schwarzhaarigen Kentaura. Ihre edlen Gesichtszüge verrieten nicht was sie soeben getan noch was sie dabei gefühlt hatte. Als sie vor ihm stehen blieb und, wie er aus dem Augenwinkel sah, den Speer hob versuchte er nicht einmal sich zu rühren. Er sah sie nur an. Teilnahmslos beobachtete er wie die Speerspitze seinem Gesicht immer näher kam und dann war sie plötzlich weg. Ein zorniger Aufschrei, Hufgetrappel und Kampfgeräusche. Dann fliehende Schritte, mehr Geschrei und Stille. Sein Blick war starr nach vorn gerichtet auch dann noch als sie eine tiefe Stimme sanft ansprach: „Hast du ein Kind gesehen, etwa in deinem Alter und mit braunem Fell?“ , fragte er. Als sie nach mehreren Sekunden des Wartens noch immer keine Antwort bekam fragte die Stimme, diesmal ungeduldiger: „Was haben sie getan? Wer bist du und woher kommst du?“ Eine andere Stimme mischte sich ein: „Shen, komm her und schau… Wir haben sie gefunden…“ Die Antwort bestand in einem wortlosen Aufschrei, so schmerzerfüllten zornig das selbst der erstarrte Junge innerlich zusammen zuckte.
Es war eine Gruppe Kentauren eines anderen Clans, die ihn gerettet hatte. Sie waren auf der Suche nach dem Kind mit dem braunen Fell gewesen dass man vor Nebeldiamants Augen getötet hatte. Ihm wurde schnell klar, dass er wohl unter Schock stehen musste doch wussten sie nichts mit ihm anzufangen, da er weder sprach noch sich von selbst bewegte. Es war als hätte der verzweifelte Schrei, den er nach dem Tod des anderen Kindes ausgestoßen hatte, ihm die Stimme geraubt. Sie nahmen ihn mit zurück in ihr Lager, wuschen ihn, entfernten viele metallischen Nadeln aus seinem Körper, bei deren Anblick sie sich fragten wie es dem Kind gelungen sei sich aufrecht zu halten anstatt sich unter Schmerzen am Boden zu winden, und versorgten seine Wunden. Doch erst am darauf folgenden Tag hatte er sich soweit beruhigt das er auf ihre Fragen wo er herkäme stumm in die Richtung weisen konnte von der er glaubte das sich dort sein Clan befände. Sie schickten eine kleine Abordnung aus vier Kentauren los, die bald darauf im gestreckten Galopp zurückkehrten. Der Grund für die enorme Geschwindigkeit fegte wie ein Derwisch ins Lager und blickte sich mit wild blitzenden Augen um. Das weißes Fell klebte an Winterglanz Flanken und als sie ihren Sohn erspähte traten Freudentränen in ihre Augen. Sie rannte auf ihn zu und umarmte ihn ohne sich darum zu kümmern, dass sie mit ihrem Eindringen das halbe Lager aufgeschreckt hatte. Bevor es zu Missverständnissen kommen konnte erreichten auch die übrigen Mitglieder der Gruppe das Lager. Da seine Gefährten nicht mehr ansprechbar war übernahm es Nachtlicht sich zu bedanken und Einzelheiten über die Situation zu erfragen. Viel konnten sie ihm nicht erzählen. Ein Kind ihres Clans sei entführt worden und als man es schließlich gefunden hatte war es bereits tot gewesen, auf brutale Weise ermordet von einer Kentaura und einem Zweibeiner dem die Flucht gelungen sei. Die Kentaura habe man getötet und an Ort und Stelle den Aasfresser überlassen. Dabei habe man Nebeldiamant aufgespürt. Man habe versucht ihn zum sprechen zu bewegen und zu erfahren wo er herkäme doch das sei alles fehlgeschlagen da er noch immer unter Schock zu stehen schien. Schließlich gelang es auch Winterglanz sich unter Tränen für die Rettung ihres Sohnes zu bedanken und sie kehrten ihnen in ihr eigenes Lager zurück. Als Dank für die Rettung ließ der Rat dem anderen Clan zwei Frisch erlegte Tiere, sowie eine von Winterglanz eigens dafür angefertigte Schlafdecke zukommen, die sie persönlich dem übergab, der die Kentaura erschlagen hatte.
Nach diesem Ereignis benötigte Nebeldiamant mehrere Monate bis er wieder zu sprechen begann. Damit dachten seine Eltern sei es nun gut, doch wie sehr sie sich getäuscht hatten erfuhr erst sein Vater als er ihn für alt genug befand um mit dem Kampftraining zu beginnen. Zunächst lief alles gut. Er führt ihn mithilfe eines kleinen Übungsbogens an die Kunst des Bogenschießens heran um seine Kraft zu trainieren, damit er später dem Zion-Bogen gewachsen wäre. Aber Speerwurftraining befand sein Vater für ausgesprochen wichtig. Beim ersten Mal als er ihm einen Wurfspeer in die Hand gab, stieß sich der junge Kentauer die scharfe Steinspitze bei dem Versuch es zu werfen ins Bein, verwandelte sich vor Schreck in einen Vogel, sodass die Speerspitze hinab fiel und flog panisch davon. Danach war sein Vater ein wenig erschrocken und beschloss, das seinem Sohn jemand anders das Training den Umgang mit dem Wurfspieß beibringen durfte. Leider hielt er sich nicht an diesen guten Vorsatz und versuchte noch viele, viele Male bis zum zehnten Geburtstag seines Sohnes ihm den Wurfspeer näher zu bringen, immer mit ähnlichem Ergebnis. Seine Mutter zog bereits nach der zweiten Trainingsstunde das Fazit, dass ihr Sohn einfach keinerlei Begabung für diese Waffe aufweisen würde, egal wie oft man noch versuchte in deren Handhabung beizubringen.
Eines Tages traf sein Vater jedoch eine schicksalhafte Entscheidung als er beschloss seinem Sohn den Schwertkampf beizubringen. Denn hier offenbarte sich nun wie tief die seelischen Wunden waren die das Ereignis mit der Kentaura geschlagen hatte. Nachtlicht hielt es für eine gute Idee wenn sein Sohn das Schwert beherrschte, da er bislang der einzige im Clan der Ciel war, der diese Fertigkeit besaß. Als er mit einem seiner echten Schwerter und zwei Übungsschwertern aus Holz herbeikam beobachtete sein Sohn ihn gespannt. Nebeldiamant musterte die lange metallene Waffe, die scharf und gefährlich aussah, mit einigem Respekt. Sein Vater erklärte ihm kurz die einzelnen Bestandteile des Schwertes, dann legte er es beiseite, gab seinem Sohn ein Übungsschwert und erklärte ihm was er tun müsse. Um das Folgende verstehen zu können ist es notwendig zu wissen, dass sich Nachtlicht vor einigen Tagen bei der Jagd eine tiefe Schulterwunde zuzog, die noch lange nicht verheilt war. Lediglich eine dünne Kruste bedeckte sie. Zu Beginn des Trainings lief alles glatt. Doch nach einer halben Stunde wich er einem Stich seines Sohnes nur halbherzig aus und dieser erwischte mit einem schlecht platzierten Ausfallschritt die Schulterwunde. Sein Holzschwert bohrte sich tief in sie hinein und sein Vater zischte vor Schmerz. Doch noch bevor der Junge die Waffe zurückziehen konnte, begann er zu schreien. Er wich taumelnd zurück und schlug die Hände vor sein Gesicht. Sein Vater stand verdattert da, das Schwert steckte noch immer in seiner Schulter und sah seinem Sohn hinterher. Dann zog er in Zeitlupe das Schwert aus seiner Wunde und ging seinem Sohn hinterher. Dieser war inzwischen stehengeblieben, die Hände noch immer vor dem Gesicht. Sein Vater berührte ihn vorsichtig am Arm doch der Junge rührte sich nicht. Es bedurfte einiger Kraft die Arme mit Gewalt herunter zu ziehen, doch was Nachtlicht dann sah verstand er nicht. Die Augen seines Sohnes unbeweglich nach vorne gerichtet, doch schien ihn nicht zu sehen obwohl er direkt vor ihm stand. Blut lief über sein Gesicht und er sah Schmerz in diesen Augen. In seinem Bestreben dem jungen eine Reaktion zu entlocken sprach er ihn an doch nichts geschah. Er wedelte mit der Hand vor dessen Gesicht herum, stutzte ihn an und riss schließlich ein Bündel Grashalme ab um seinen Sohn damit das Blut aus Gesicht zu wischen. Als er sich in der Hoffnung zurücklehnte, seinem Sohn nun eine Reaktion entlocken zu können, brach dieser zusammen. Es dauerte mehrere Stunden bis er wieder zu sich kam.
Als das geschah war er allein. Es war als sei er wieder an jenen Tag zurückversetzt als es geschehen war. Er sah an sich herab um sich zu vergewissern, dass es nur Einbildung war und stellte erleichtert fest dass dem tatsächlich so war. Trotzdem erinnerte er sich sehr lebhaft an den Schmerz den die Berührung mit Blut hervorgerufen hatte, er tobte in abgeschwächter Form noch immer in seinem Körper. Genauer gesagt fühlte sich an als habe er sich das Gesicht verbrannt. Also erhob er sich von seiner Schlafstelle auf die ihn sein Vater wohl gelegt haben musste und trottete mit langsamen unsicheren Schritten nach draußen. Sein Ziel war ein kleiner Bach in der Nähe des Lagers. Er wollte sich die letzten Spuren aus dem Gesicht waschen um dieses Gefühl zu vertreiben. Kaum hatte er den Bach erreicht, kniete er sich an dessen Ufer nieder und beugte sich vor um sein Vorhaben in die Tat umzusetzen, als er sein Spiegelbild sah. Aufgrund der bewegten Oberfläche des Wassers war so aus als wäre seine, durch die angeborene Allergie gegen Blut gerötete Haut, noch immer damit bedeckt. In diesem Moment setzte sein Verstand aus, wie mechanisch klatschte er sich mehrmals Wasser ins Gesicht und versuchte das eingebildete Blut abzuwaschen, was verständlicherweise nicht funktionierte. Also begann er zu kratzen. Wieder und wieder fuhr er sich mit den Fingernägeln übers Gesicht bis es schmerzte. Sie hinterließen blutige Furchen und trotzdem hörte er nicht auf. Besonders stark konzentrierte er sich dabei aus unerfindlichen Gründen auf das rechte Auge. Er hätte wohl ewig so weiter gemacht, wenn nicht seine Mutter vorbeigekommen wäre. Sie fragte nicht einmal weshalb er das tat, sondern hielt nur seine Hände fest und wusch ihm dann mit einer Hand das Gesicht. Anschließend zog sie ihn mit sich, fort von dem Fluss. Diesmal war sie es die seine Wunden versorgte und als sie damit fertig war sagte sie: „Hör mir zu mein Sohn denn ich werde das hier nicht wiederholen. Ich habe gesehen was du dir angetan hast und ich glaube zu wissen weshalb. Dein Vater hat mir erzählt das heute beim Training passiert ist und es scheint so als hätten wir beide unterschätzt wie sehr dich dieses Ereignis mitgenommen hat, aber ungeachtet dessen werde ich es nicht tolerieren wenn so etwas wie das vorhin am Bach noch einmal geschehen sollte… Du brauchst dazu jetzt auch nichts zu sagen denn ich habe deine Augen gesehen, darum lass mich dich warnen Sohn: Solltest du einen Akt der Selbstzerstörung der diesem gleicht noch einmal vollziehen, dann wird es Konsequenzen haben und ich werde mich nicht zurückhalten.“ Ihre Stimme klang dabei um einiges ernster und ihre Augen blickten eindringlicher als jemals zuvor und danach jemals wieder. Es lag ein Versprechen in ihren Worten vor dem ihr Sohn sich so sehr fürchtete, dass es ihm bis ins Innerste berührte. Ein solcher Vorfall wiederholte sich danach nie mehr.
Die Wunden in seinem Gesicht heilten langsam und juckten dabei unerträglich. Nur dem Einsatz seiner Mutter, die mit Argusaugen über ihn wachte ist es zu verdanken, dass er sich nicht wieder auf kratzte. Ein Großteil von ihnen verheilte sehr gut und ließ keine Narben zurück. Einzig jenes seltsame Gebilde rund um sein rechtes Auge blieb. In den folgenden 3 Jahren suchte sein Vater sporadisch nach einer möglichen Lösung für die Untalentiertheit seines Sohnes mit dem Wurfspeer. Schließlich fand er die Lösung. Das Geschenk seines Freundes fiel ihm ein, jene ungewöhnliche Schwertlanze die seit seiner Rückkehr zu den Ciel vergessen und eingewickelt in seinem Reisegepäck verstaut war.
Im Alter von acht Jahren erhielt Nebelgeist dann von seinem Vater die Naginata geschenkt. Bereist nach den ersten Trainingseinheiten mit dieser Waffe zeigte sich, dass er ein ungewöhnliches Talent im Umgang mit ihr besaß. Sein Vater half ihm beim Training so gut er konnte indem er Schwertkampfübungen abwandelte, doch das meiste musste sich der Junge selbst beibringen und das tat er mit großem Enthusiasmus.
Im Jahr darauf fand er dann Windspiel. Er flog gerade seine morgendliche Runde in weiten Kreisen über dem Nachtlager des Clans als er in einem kleinen Wäldchen in der Nähe etwas seltsames erspähte. Er flog näher heran und landete in geringer Entfernung, damit er sich in Ruhe zurückverwandeln konnte. Wieder in seiner normalen Gestalt näherte er sich langsam und bedächtig der Seltsamkeit. Hinter einer hohen Tanne hockte das seltsamste Wesen, das Nebeldiamant jemals gesehen hatte. Ausgestattet mit zwei langen dünnen Armen und einem Oberkörper, der eine vertraute Form besaß, hätte es eigentlich nicht so seltsam wirken dürfen. Doch besaß es am Unterkörper nur zwei Auswüchse die dünner waren als es gesund sein konnte, es hatte sie in einem seltsamen Winkel angezogen und saß auf seinem Hintern. Den Kopf in die Hände gestützt und das Gesicht unter den langen verfilzten Haaren verborgen wiegte es sich langsam vor und zurück. Dabei gab es ein leises Wimmern von sich. Wohl aufgeschreckt durch das Geräusch seiner Hufe auf dem Waldboden hob es den Kopf. Als es ihn sah, zuckte es zurück und versuchte hastig von ihm wegzukriechen. Er legte nur neugierig den Kopf schief und trat einen langsamen Schritt vor, bevor ihm klar wurde, dass es sie wohl noch mehr verunsichern würde wenn er näher kam. Das Wesen war augenscheinlich weiblich, wie er nach einer kurzen Musterung feststellt. Als er nicht näher kam unterbrach es seine ungelenke Flucht und musterte ihn nun ihrerseits. Sein weißes Fell leuchtete unnatürlich im schummrigen Licht das durch die Bäume drang und so wirkte er noch blasser als er eigentlich war. Besonders fasziniert schien es jedoch von seinen Augen zu sein. Er konnte seinerseits nicht aufhören sie anzustarren. Ihre dunkelroten Haare breiteten sich ungepflegt über ihren mageren Körper aus, der nur in Lumpen gehüllt war. Aus ihnen lugten spitze Ohren hervor. Das Mädchen musterte ihn mit giftgrünen Augen, sie hob zu sprechen an als ein Zittern durch ihren Körper lief und sie in Ohnmacht fiel. Er schnellte vor und fing sie auf, bevor ihr Kopf auf dem Boden aufschlagen konnte. Nach einem kurzen Augenblick des Nachdenkens hob das bewusstlose Mädchen auf und brachte es ins Lager zurück wo seine Mutter sich ihrer annahm. Im Folgenden Jahr lernte das Mädchen nach und nach die Sprache der Kentauren, konnte sich aber an nichts aus ihrem früheren Leben erinnern außer ihrem Namen Wyna. Das damals etwa fünf Jahre alte Mädchen war sehr scheu, nur zu Nebeldiamant fasste es Vertrauen und begann ihn wirklich als ihren älteren Bruder zu sehen. Mit der Zeit fügte sie sich immer besser in das Leben bei den Ciel ein und wurde zu Nebeldiamants einziger Freundin.
Der Tag der Namenszeremonien war ein strahlender Frühlingstag. Bevor, wie üblich, der Name um die Mittagszeit vom Rat verkündet wurde, tagte dieser an einem kleinen See in der Nähe des Lagerplatzes. Normalerweise wurden an diesem Punkt Vorschläge gesammelt, gegeneinander abgewogen und schließlich der beste Name für den neuen Ziin per Mehrheitsbeschluss ausgewählt. Doch soweit sollte es heute gar nicht erst kommen, denn Whisperwind das älteste Ratsmitglied trat gleich zu Beginn der Versammlung vor um zu sprechen. Ihre alten, vom Grauen Star trübe gewordenen Augen richteten sich nacheinander auf jedes einzelne der versammelten Ratsmitglieder bevor sie zu sprechen anhob: „Heute Morgen erwachte ich früher als sonst. Die Sonne blitzte noch nicht über den Horizont und die Welt um mich herum zeigte das helle Grau einer Morgendämmerung. Da es trotz der Frühe schon recht warm war, beschloss ich sofort mich auf den Weg zum See zu machen, um mich für den heutigen Anlass gebührend zurecht zu machen. Auf dem kurzen Weg dorthin hörte ich den Schrei eines Vogels. Ich blieb stehen, hob den Kopf und erblickte ihn am Himmel über mir. Es war der uns allen wohl bekannte Schrei eines Kranichs, der wie so oft allein seine Bahnen am morgendlichen Himmel zog. Nach kurzer Zeit verlor ich ihn aus dem Blick und setzte mich wieder in Bewegung. Über dem See hing noch der dichte weiße Morgennebel, und so konnte man seine Silhouette nur erahnen. Während ich versonnen den Nebel betrachtete, fiel mir auf wie sehr dieses milchige Weiß mich an den Kleinen erinnerte, dessen Namenszeremonie heute Nachmittag stattfinden soll“, versonnen ließ die alte Kentaura ihren Blick über den See schweifen, bevor sie weitersprach: „Dann kam Bewegung in den Nebel. Ein sanftes kräuseln begann sich über die zuvor unbewegte Oberfläche auszubreiten, wie ein Wassertropfen der in einen See fällt und kleine Wellen verursacht. Ein Umriss begann sich abzuzeichnen. Je näher er kam desto größer wurde er, bis mir schließlich klar wurde, dass es sich wohl um ein Mitglied unseres Clans handeln musste das noch vor mir die Reise zum See angetreten hatte. Doch je weiter den Nebel aufriss, desto verblüffter war ich. Das Wesen das sich dort aus dem Nebel schälte wirkte auf den ersten Blick als wäre jener überall an seinem Körper hängen geblieben. Es war ein blasser Schemen, kaum von dem bewegten Hintergrund zu unterscheiden aus dem er soeben getreten war. Doch er kam weiter auf mich zu und ich erschrak ein wenig. Spielten mir meine Augen einen Streich? War dies vielleicht einer meiner Vorfahren, der als Geist zurückgekehrt war um mir eine Nachricht zu überbringen? Nein, denn je näher die Gestalt kam desto mehr Einzelheiten erkannte ich. Hatte ich zuerst noch gedacht dies wäre lediglich ein durchscheinender Schemen, das Abbild eines längst Verstorbenen, so wurde ich nun eines Besseren belehrt. Das Fell des Kentauren vor mir war schockierend weiß, wie die Federn des Kranichs den ich zuvor am Himmel erspäht hatte oder das Fell von Winterglanz. Doch konnte dies nicht Winterglanz sein, schließlich schien dieses Wesen komplett mit dieser Farbe überzogen zu sein und wies auch nicht die für sie typischen kleinen schwarzen Flecken auf. Unsicher trat ich einen kleinen Schritt zurück als die Sonne ihre ersten Strahlen über den Horizont schickte. Sie fielen durch den dunstigen Nebel und ließen das Fell meines Gegenübers erstrahlen wie einen Edelstein. Jetzt erst erkannte ich ihn, gibt es doch in diesem Clan nur einen Kentauren mit einem Diamantfell. Er, der aus dem Nebel aufgetaucht war wie ein längst vergessener Geist war jener, der heute seinen Namen erhalten soll...“ Damit war im Grunde alles geklärt. Die Erzählung der Alten hatte so viel Eindruck auf die übrigen Ratsmitglieder gemacht, dass diese bedenkenlos zustimmten und am Nachmittag erhielt Nebeldiamant dann seinen Stammesnamen Nebelgeist. Unter diesem Namen nahm er am nächsten Tag sein Ziin-Training auf.

Kapitel 4 Ein Ziin mit Problemen
Nach seiner Namenszeremonie wurde Nebelgeist, wie es Brauch war, offiziell zum Ziin ernannt. Sowohl seine Eltern als auch seine Großmutter hatten gehofft, dass mit diesem Tag die Ausgrenzungen nachlassen würden, doch weit gefehlt, es wurde sogar noch schlimmer. Der einzige andere Ziin des Clans, Hellfarn, der ca. 1 Jahr älter war als er hasste ihn vom ersten Tag an. Da half es auch nicht, dass er selbst besser im Bogenschießen war als Nebelgeist. Er konnte sich auch darüber lustig machen, wie schlecht der Junge mit dem Wurfspeer war, aber womit er definitiv nicht zurechtkam war Nebelgeists wachsendes Geschick mit der Schwertlanze. Hinzu kam, dass man sich bei den Ciel noch immer nicht an sein ungewöhnliches Aussehen gewöhnt hatte weshalb er sich seinen Platz im Clan auch hart erkämpfen musste. Der Zion-Bogen bereitete ihm anfangs viele Probleme und er erlernte den Umgang mit ihm sehr langsam. Was wiederum dazu führte, dass er erneut das Ziel von Hohn und Spott seiner Clan-Gefährten wurde. Doch schien es, als lernte er je älter wurde immer besser damit umzugehen, da er nach außen hin nicht zeigte wie sehr es ihn in Wirklichkeit verletzte, dass sie ihn noch immer nicht akzeptieren wollten. Er verbrachte so viel Zeit wie möglich allein mit Waffentraining oder anderweitig abseits des Clans. Beispielsweise lernte er das Fallenstellen und flog viel in seiner Kranichgestalt. Dass er auf seinen Streifzügen häufig Gefahren rechtzeitig erspähte um den Clan warnen zu können und auch die ein oder andere gute Lagerstelle für sie fand, schienen sie nicht für besonders erwähnenswert zu halten, geschweige denn ihm deswegen dankbar zu sein. Doch das Hauptproblem waren gar nicht einmal sie, sondern Besucher aus anderen Clans oder jene die sich den Ciel anschließen wollten. Diese Begegnungen verliefen häufig nach dem selben Muster wie bei Asky’ins Ankunft.
Eines Tages kam ein Kentauer in den Clan. Eine der zurückkehrenden Stuten hatte sich, was äußerst ungewöhnlich war, einen Gefährten aus einem anderen Clan gesucht und diesen überredet mit zurück zu ihrem Clan zukommen, da man sie in seinem nicht akzeptieren wollte. Es war ein großer muskulöser Mann, dessen Pferdekörper dem eines kräftigen Kaltblutes glich. Als er Nebelgeist das erste Mal entdeckte beschloss er sogleich, den Ungewöhnlichen und in seinen Augen nicht zu akzeptierenden Kentauren an seinem Platz zu verweisen. Also stellte er sich vor ihn hin und begann ihn zu provozieren. Nebelgeist reagierte wie immer indem er ihn einfach gelassen anblickte, seine Eismaske aufsetzte und nicht durch ein winziges zucken der Muskeln verriet wie nervös er in Wahrheit war. Der andere schien jedoch auf einen Kampf aus zu sein, zog seinen Speer und griff ohne Vorwarnung an. Ob es nun seine Schnelligkeit war die ihn rettete, oder ob er den geplanten Angriff bereits in den Augen seines Gegenübers gesehen hatte, jedenfalls gelang es dem jungen Kentauren auszuweichen. Die Speerspitze streifte nur seine Flanke und hinterließ einen langen blutigen Riss in seinem Fell. Auch Nebelgeist zog nun seine Waffe aus ihren Halterungen und stellte sich seinem Gegner. Als dieser erneut zum Angriff ansetzte wich der junge Kentauer flink aus, wirbelte die Waffe über seinem Kopf und durchtrennte mit ihr anschließend den Speerschaft seines Gegenübers, als bestände dieser aus Wachs. Während Asky’in noch verwundert seine abgebrochene Waffe anstarrte schoss Nebelgeist vor und hielt ihm die Spitze seiner Waffe dicht unters Kinn. Das praktische daran war, dass es sich bei dieser Bewegung nicht in die Reichweite seines Gegenübers begeben hatte. Mit zornig blitzenden Augen beschuldigte sein Gegenüber ihn unfair gekämpft zu haben doch das ließ Nebelgeist kalt. Er blieb stumm und vollkommen reglos vor seinem Gegner stehen und schob nach jedem von dessen Worten die Klinge um eine Winzigkeit nach vorn, bis sie schließlich den Hals des anderen aufritzte. Dann sagte er leise: „Ich an deiner Stelle würde jetzt aufgeben. Ich hab zwar momentan keine Lust dir ernsthaft weh zu tun, doch das wird mich nicht davon abhalten es zu tun wenn du nicht deinen Stolz hinunterschluckst und eine Niederlage anerkennst.“
Was genau es war das den anderen tatsächlich dazu bewog aufzugeben hat wohl bis heute keiner der Umstehenden verstanden, doch der Neuling hob die Hand während er sich langsam zurückzog und den Kopf senkte um seine Niederlage einzugestehen. Kaum konnte sich Nebelgeist sicher sein, dass diese Kapitulation ernst gemeint war drehte er sich um und lief davon. Keinerlei Triumph lag in seinen Augen als er davon zog. Sie waren kalt und ausdruckslos wie eh und je.
Glücklicherweise gab es nicht viele dieser Begegnungen und auch Hellfarn lernte nach einiger Zeit, dass es nicht ratsam war Nebelgeist offen herauszufordern. Mehr als einmal wurde er von seinem Altersgenossen besiegt und musste schließlich eine schachvolle Niederlage eingestehen.
Trotzdem ergaben sich ihm viele neue Gelegenheiten seinen Clangefährten zu piesacken. Wenn es wieder einmal Zeit war das Lager abzubauen und von den Ziins erwartet wurde alles zusammenzupacken, sowie Zelte auf und abzubauen konnte der schwächliche magere Kentaur nie so viel tragen wie Hellfarn. Lasten die ihm keine Probleme bereiteten verlangsamten Nebelgeist und bei größeren Lasten musste ihm nicht selten die jüngere Kentaura Morgenstern helfen. Dasselbe Problem ergab sich wann immer es Jagdbeute zum Lager zurückzubringen galt. Ganz anders sah die Sache hingegen aus wenn es darum ging die Ausrüstung zu warten oder auch das Essen zuzubereiten. Hier war der Jüngere eindeutig im Vorteil, da Hellfarn zwar kräftig war, ihm jedoch nahezu jede Feinmotorik fehlte.
Das Leben der Ziins wurde zur einen Hälfte von den verschiedensten Trainingseinheiten, z.B. im Bogenbau, Schießkunst, Speerwurf, Pflanzenkunde und Spurenlesen, und zum anderen von Clanarbeiten, wie u.a. Auf und Abbauen des Lagers, Kochen, Jagen, Kundschaften, Wache halten und Instandhaltung verschiedenster Dinge, ausgefüllt. Nebenbei gab es noch die Weitergabe von Erfahrungen, Sprach- und seltener, wie in Nebelgeists Fall, auch Lese- und Schreibfertigkeiten. Dies geschah meist durch die Eltern oder auf den ausdrücklichen Wunsch des Ziins selbst, da bei weitem nicht jeder im Clan diese Fähigkeiten für sinnvoll hielt und sie selbst beherrschte.
Als an seinem 15. Geburtstag seinen Namenszusatz Zeremonie anstand, brauchte der Clan gar nicht erst lange über etwaige Vorschläge abzustimmen, nachdem der Vorschlag -der auf Kranichs schwingen fliegt- in die Diskussion geworfen worden war. Es schien einfach am ehesten zu ihm zu passen und so erhielt er diesen Namen. Dieser Tag war ein besonderer da sich einer der, in diesem Teil Khirudans äußerst seltenen, Sommerstürme ankündigte. Nebelgeist flog wie so oft in seiner Kranichgestalt über dem Lager seine Kreise und ahnte nichts von der drohenden Gefahr. Als die warmen Winde kamen war es bereits zu spät. Bei diesem Sturm handelte es sich um einen ausgewachsenen Wirbelsturm und die warmen Winde entstanden in seiner unmittelbaren Umgebung. Niemand im Lager hatte ihn kommen sehen, doch die Alten wussten um die Bedeutung der Winde und so rief Whisperwind den Clan zur Flucht auf. In wilder Panik stoben sie davon und ließen das Lager zurück. Nebelgeist sah sie fliehen und wollte hinterher, doch der Sog des Wirbels hatte ihn bereits erfasst. Die Kraft riss ihn mit sich, so verzweifelt er auch zu entkommen suchte…
Einige Stunden später war der Sturm weitergezogen und die Ciel kehrten zum Lager zurück. Alles war verwüstet, die Lederplanen der Zelte zerrissen, die Gerüste zum Trocknen des Fleisches zerschmettert und alle Alltagsgegenstünde lagen zerstreut und zerbrochen herum. Inmitten des Chaos lag der Kranich. Einer seiner Flügel war gebrochen, so gelang es ihm nicht aufzustehen. Seine Mutter rannte zu ihm und half ihm sich wieder auf die Füße zu stellen. Mühsam verwandelte Nebelgeist sich zurück. Was er dabei nicht bedacht hatte, nämlich das die Verwandlung seinen gebrochenen Flügel nicht heilen würde, wurde schnell zum Problem. Sobald sie abgeschlossen war verteilte sich sein Gewicht nicht länger nur auf zwei Beine, sondern auf vier von denen eines unverzüglich unter ihm nachgab, sodass er erneut seltsam verrenkt auf dem Boden zu liegen kam. Seine Heilung dauerte etwa ein halbes Jahr. Verlorene Zeit die er in den folgenden Jahren wieder aufholen musste indem er härter arbeitete als die anderen Ziins.
Die einzige die während seiner gesamten Trainingszeit hinter ihm stand, sogar dann noch als sie selbst zur Ziin ernannt worden war und sich abzeichnete, dass sie mit dem Bogen um einiges besser umgehen konnte als ihr älterer Bruder, war seine Adoptivschwester Wyna, die mit zehn Jahren den Clannamen ins Windspiel erhielt.

Kapitel 5: Fiari
Ein paar Wochen nach seinem 17. Geburtstag bezog der Clan ein neues Lager in einem kleinen Waldgebiet. Durch das Wäldchen floss ein dünnes Rinnsal, das als Bach zu bezeichnen schon eine Übertreibung wäre. In dem Wäldchen wimmelte es nur so von Füchsen. Diese Füchse boten für die Kentauren eine willkommene Nahrungsergänzung und ihre Pelze waren gut für Kleidung zu verwenden. Doch Füchse sind schlaue Tiere und so dauerte es nicht einmal eine Woche ist sämtliche Füchse aus dem Wald geflohen waren, während es den Clan lediglich gelungen war 5-10 Tiere zu erlegen. Sie durchkämmten auf der Suche nach den verschwundenen Tieren den gesamten Wald, sowie einige angrenzende Teile der Steppe.
Als es dämmerte wollte Nebelgeist ins Lager zurückkehren als er ein schwaches Wimmern hörte. Er wendete und folgte dem Geräusch das ihn an einen Bach führte. Er warf einen Blick über die Böschung und erspähte im dunkelgrau schimmernden Wasser des Baches einen rötlichen Fleck. Dieser kauerte, alle vier Beine angezogen, auf einem Stein in dessen Mitte und traute sich offensichtlich nicht herunter. Es verwunderte den jungen Kentauren nicht, war dieses Wesen doch so klein das ist vermutlich in den flachen Bach nicht einmal hätte stehen können. Also beugte er sich herunter und untersuchte das Bachbett schnell mit den Augen bevor er ein wenig umständlich hineinkletterte. Als er dicht vor dem Wesen stand erkannte er das es ein Fuchs war, genauer gesagt eine Füchsin. Sie mochte gerade alt genug sein um nicht mehr die Milch ihrer Mutter trinken zu müssen. Etwas regte sich in ihm bei dem Anblick des hilflosen kleinen Häufchens, das ihn aus riesigen braunen Augen ansah, und er nahm sie mit im Lager. Dort angekommen kam von einigen Ciel der Vorschlag das Fuchsjunge zu verspeisen, doch als sie feststellten das Nebelgeist diesen Vorschlag nicht ernsthaft in Erwägung zog, ließen sie ihn in Ruhe. Sein Vater sagte wenn er das Tier selbst erzog und dafür sorgte das es im Clan keine Probleme bereitete werde auch niemand etwas dagegen einwenden das es blieb. So widmete der junge Kentauer sich von diesem Tage an hingebungsvoll der Erziehung des kleinen Fuchses. Wobei Erziehung in erster Linie bedeutete, dass er ihr beibrachte was sie lieber lassen sollte. Dazu gehörten unter anderem: sich nicht aus dem Schweif von Whisperwind ein Nest bauen wenn diese schlief, irgendeinem Kentauren der gerade nicht aufpasste nicht über die Hufe zu pinkeln und sich auch nicht laut lauthals bellend auf die Beute zu stürzen, die ihr Freund gerade erlegen wollte. Mit der Zeit mauserte sie sich zu einer guten Jägerin und die Zusammenarbeit der beiden wurde immer besser. Sie trieb häufig die Beute in die Fallen, die er zuvor aufgestellt hatte was beiden die Jagd erleichterte. Er gab ihr den Namen Fiari. Ich auf diese Idee war er gekommen als er das flammend rote Fell der Füchsin näher betrachtet hatte. In seinem Kopf war eine Buchstabenkombination aufgetaucht, die irgendwie zu ihr zu passen schien also übernahm er sie einfach. Wie sein Vater prophezeit hatte interessierte sich im Clan kaum jemand für den Fuchs, abgesehen von Windspiel. Sie liebte das kleine rote Energiebündel und hatte es gemeinsam mit ihm aufgezogen und erzogen, wenn man in Fiaris Fall denn von „Erziehen“ sprechen kann. Schließlich hatte sie noch immer ihren eigenen Kopf und verschwand auch ein ums andere Mal für eine längere Zeit. Nebelgeist machte sich deswegen keine Sorgen. Er wusste das sie sehr gut allein zurechtkam und vertraute darauf das sie immer zurückkäme, was sie bisher auch immer tat.
Die letzten drei Jahre seines Ziin-Trainings verliefen ähnlich wie die vorangegangenen. Der einzige Unterschied war die sich wachsende Anhänglichkeit seiner Schwester, die den Tag fürchtete an dem er sich auf seiner Reise begeben würde. Sie wollte nicht dass er ohne sie ging, verstand aber die Unmöglichkeit ihres Vorhabens ihn zu begleiten. Also versuchte sie so viel Zeit wie möglich mit ihm zu verbringen bevor er loszog. Es verwunderte ihn nicht, dass sie zu Beginn eines ihrer Jagd-Ausflüge ankündigte sie wolle ihm ihren geheimen Traum verraten. Wie üblich gestattete er ihr auf seinen Rücken zu steigen sobald sie das Lager weit genug hinter sich gelassen hatten um sicher gehen zu können, dass niemand sehen würde. Im Laufe des Nachmittages wurde schnell klar, dass sie an diesem Tag nichts fangen würden begann der Kentauer leise und melodisch vor sich hin zu Summen. Als Windspiel das hörte sprang sie von seinem Rücken. Er blieb sofort stehen und verstummte. „Bitte, mach weiter. Deine Stimme ist so schön“ , bat sie. Als er ein wenig verwundert aufs Neue zu Summen anhob, lächelte sie schüchtern und begann sich dann zu bewegen. Sie tanzte. Das sie dabei gleichzeitig elegant und sicher wirkte, erstaunte Nebelgeist. Hatte er sie doch nie auf Feststellen des Clans tanzen sehen und nicht gewusst das sie es gerne tat. Vorsichtig begann er mit dem Vorderhuf einen Takt zu klopfen und sie lachten begeistert während sie sich schneller und immer schneller um sich selber drehte. Als er schließlich verstummte blieb sie mit erhitzten Wangen und leuchtenden Augen stehen. Dies sei das Geheimnis von dem sie ihm erzählen wollte. Es sei ihr großer Traum einmal Tänzerin zu werden und sie hoffte, sich diesen Traum auf ihrer Volljährigkeitsreise (mit 20 Jahren) erfüllen zu können. Doch bat sie ihn niemandem davon zu erzählen, weil sie nicht wusste wie der Clan und speziell ihre Eltern darauf reagieren würden.
Als sie Wochen später dann verschwand machte sich ihr Bruder Vorwürfe, dass es nicht doch jemandem erzählt hatte. In seinem Herzen keimte die Befürchtung auf das sie beschlossen hatte nicht zu warten bis sie alt genug war sondern den Clan sofort verlassen hatte um sich diesen ihren Traum zu erfüllen. Doch wunderte ihm das ich sie sich von niemandem verabschiedet hatte. Und so begann er sich Sorgen zu machen. Er nahm sich fest vor, seine in drei Monaten beginnende Reise dazu zu nutzen sie zu finden und sich zu vergewissern dass ihr gut ging.
Am Tag seines Reiseantrittes versammelte sich der ganze Clan um ihn zu verabschieden. Er sah diesem Abschied mit gemischten Gefühlen entgegen, ein wenig Angst seine Eltern nicht wiederzusehen mischte sich mit dem Zorn darüber, dass viele seiner Clangefährten ihn bereits seit Tagen so behandelten als hofften sie das er nicht zurückkehren werde. Hinzu kam das er sich nicht wirklich vorstellen konnte wie es sein würde auf andere Völker zu treffen. In seinem Leben hatte er viele Mitglieder anderer Chimairen-Arten getroffen, nie jedoch ein Wesen einer anderen Rasse, abgesehen von Windspiel. Er fragte sich also ob sie alle ihr in Verhalten und Aussehen gleichen würden oder ob sie wirklich alle so verschieden wären wie es ihm seine Lehrer immer erzählt hatten. Außerdem war er von einer kaum zu bezähmenden Neugier darauf erfüllt, wie sie ihm begegnen würden und wie sich das Leben fernab des schützenden Clans wohl gestalten würde. Seine Eltern gaben ihm letzte Ratschläge und er erhielt ein wenig Verpflegung von seiner Großmutter. Auch baten ihn seine Eltern erst an diesem Punkt die drei Briefe an ihre Freunde auszuliefern, die sich seitdem ich in seinem Inventar befinden. Einer sollte bis in die Eiswüste zu Norimar dem Eisfischer gebracht werden. Der zweite die, laut seiner Mutter: „irgendwo in der Wüste lebende“ , Wüstenelfe Shahalani erreichen. Den letzten sollte er in die wilden Lande zu dem Schmied Tesok vom Skerôingur-Clan bringen. Also zog er los um drei Briefe an Orte auszuliefern, die er nur von Beschreibungen und aus Geschichten kannte und wollte dabei noch versuchen seine kleine Schwester zu finden, von deren momentanem Aufenthaltsort er keine Ahnung hatte. Alles in allem begann seine Reise genau so wie er sie sich vorgestellt hatte…

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