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Benutzername:
Eo
Gruppen:

Charakter

Name:
Eo Schleierauge
Alter:
38
Rasse:
Elvoin
Heimat:
Nogorath
Aufenthaltsort:
Thasani
Waffen:
waffen-, aber nicht wehrlos
Inventar:
Lendenschurz, Umhang, Kräuter, Pfeife

Steckbrief

Hauptaccount: Qimmiq
Name: Eo
Alter: 37 Jahre
Rasse: Elvoin
Aussehen Eo ist mit seinen 180 cm Größe und einem Gewicht von rund 72 kg ein recht durchschnittlicher Elvoin. Selbst seine Haut, die je nach Lichteinfall schon einmal in ein sehr helles Flechtengrün hinein changiert, ist ansonsten eher von algigem, sprich hellbräunlich durchwirktem Grün und somit gleichfalls nicht extrem verschieden von der Hautfarbe anderer Elvoin, sieht man eben von der ausgesprochenen Blässe einmal ab, die die männliche Linie seiner Ahnen von jeher auszeichnet und ihn der direkten Sonneneinstrahlung auf Dauer gegenüber auch recht empfindlich regieren lässt. Bereits nach einer Stunde direkter Sonneneinstrahlung verfärbt sich die Haut andernfalls dunkelgrün, was von einem leichten Juckreiz begleitet wird. Wenn die Sonneneinstrahlung bis dahin nicht unterbunden wird – in welchem Fall die Beschwerden im Laufe einer halben Stunde wieder langsam abklingen – bilden sich über die kommenden zwei bis drei Stunden hässliche dunkelgrüne Pusteln und der Juckreiz steigert sich ins schier Unerträgliche. Sollte Eo bis dahin immer noch nicht der direkten Sonneneinstrahlung sich entziehen können – in welchem Falle die Beschwerden in gut ein bis zwei Tagen wieder abklingen – verschorfen die betroffenen Hautpartien bräunlich grün und bis in die mittleren Hautschichten hinein. Das nachwachsen gesunder Haut braucht in diesem Fall ein bis vier Wochen, je nach Behandlung der Verbrennungen. Sollte, was bisher zum Glück noch nicht geschah, selbst dann die Haut weiter dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt werden, so wandert die Verbrennung bis in die untersten Hautschichten was, wenn überhaupt, nurmehr eine Bildung von Narbengewebe, anstelle einer vollständigen Regeneration erlaubt. Die letzte Stufe dieses Leidens würde offene sich nicht mehr schließende Wunden nach sich ziehen. Doch bisher hat Eo das Schlimmste stets vermeiden können, weswegen man ihn bisweilen mit fleckig grüner Haut und selten nur mit diese bedeckenden Pusteln betrachtet, derweil er aber eben dadurch auffällt des Tags meist nur komplett verhüllt sich direktem Sonnenlicht auszusetzen, gleich wie warm es ist. Da die beschriebenen Beschwerden nur bei von direktem Sonnenlicht betroffenen – sowie trockenen – Hautpartien sich bemerkbar macht, vermag das Feuchthalten der Haut die Beschwerden zu lindern, beziehungsweise von vornherein am Auftreten gar zu hindern. Seine Lippen wirken auf den ersten Blick gleichfalls flechtgrün bis schlammfarben und nur bei starkem Lichteinfall zeigt sich ein leicht chitinener giftiggrün erscheinender Schimmer darauf, wie ihn manche Fliegen etwa auch aufweisen. Eos Statur ist kräftig und muskulös, doch ist er nicht sonderlich breit gebaut. Seine Finger sind schlank und langgliedrig, wobei die Nägel, wenn man diese denn überhaupt noch so nennen mag, in scharfe und mitternachtsschwarze Krallen auslaufen, die bei Lichteinfall indes den gleichen giftig grünen Schimmer aufweisen, den auch seine Lippen besitzen und spätestens hierin zeigt sich das dieser Elvoin sich doch merklich von den anderen seiner Art unterscheidet. Die krausen dünnen Haare Eos indes sind nur selten zu sehen, da in diesen zumeist eine solche Vielzahl kleiner Äste, Zweige und verschiedene Kräuter verwoben sind, das man meinen könnte, dem Elvoin wüchsen anstelle der Haare Zweige und derlei mehr aus der Kopfhaut. Auch seinen spärlichen Bartwuchs verschönern einzelne wohlriechende Kräuter, Hölzer und Zweige.

Aufgrund seiner ruhigen wie zurückhaltenden Art, in Kombination mit seiner auffälligen Lichtscheu, wirkt Eo auf den ersten Blick beinahe schon verstörend unheimlich und manch einer hielten ihn ob seiner Blässe, der krallenbewehrten Finger und Zehen, wie auch seiner augenscheinlichen Lichtempfindlichkeit gar für einen Vampir – womit manch ketzerisch gestimmter Elvoin die Beschränkung seiner magischen Begabung gar zu erklären versuchte. Doch da es in seinem Umfeld bisher nie zu Übergriffen seitens eines Blutsaugers kam, hatte Eo mit derlei Befürchtungen selten länger zu schaffen. Auch, wenn man es denn zulässt, zeigt er sich bald als offener freundlicher und vor allen Dingen besonnener Elvoin von überraschend klarem wie wachen Verstand und entspricht darin, den Erzählungen nach, doch so gar nicht dem klassischen Bild vom getriebenen geisteskranken Vampir. Dieser ersten Wirkung auf Fremde verdankt Eo auch über die Kreise der mit den Erzählungen über die Schleieraugen vertrauten Elvoin hinweg verstärkt Misstrauen. Doch wer immer es wagt, einen zweiten Blick zu riskieren, lässt sich gerne und schnell eines Besseren belehren. Zum Vorteil gereicht ihm sein erster sinistre Eindruck indes insofern gar, das meistenteils Raufbolde, selbst Betrunkene, aber auch auf Reibereien aus seiende Stadtwachen et cetera merklich an Elan verlieren, wenn sie ihm erst einmal gegenüber stehen und er so bisweilen gar schon mal mitten durch eine Massenschlägerei spazieren kann ohne sich um mehr als unbeabsichtigte Anrempler und verirrte Querschläger groß sorgen zu müssen. Wann immer er indes im direkten Fokus Anderer sich befindet, bedeutet das andererseits, das diese doppelt und dreifach achtsam und mithin weit weniger leicht zu überwinden dann sind.

Gewöhnlich begnügt Eo sich mit dem Tragen eines schlichten Lendenschurzes, wenn er sich unter Andere begibt, beziehungsweise in kälteren Regionen oder Zeiten oder direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt zusätzlich noch mit einem bodenlangen Kapuzenumhang. Für feierliche Angelegenheiten besitzt er einen aus feinem honigfarbenem Stoff gewebten Umhang, auf dessen Rückseite – von seiner Mutter gestickt – das quasi Familien-Totem, die Schleiereule mit ausgebreiten Schwingen und vorgestreckten zum Zupacken bereiten Klauen prangt. Ob er, sollte es ihn je in den eisigen Norden einmal verschlagen, sich mit dem Gedanken des Tragens von Schuhen würde anfreunden können, mag indes stark bezweifelt werden. Wobei die auch seine Zehen zierenden langen Krallen hier sowieso schon ein erst einmal zu lösen seiendes Problem noch stellen. Weiteren Besitz, neben dem, was er an Kräutern und Pflanzen vielleicht in Haare oder auch den Umhang eingeflochten hat, wenn der Umhang nicht etwa selbst daraus besteht, nennt er – von einer formvollendeten selbstgeschnitzten Pfeife in der Form eines Eulenkopfes einmal abgesehen – indes nicht sein Eigen oder aber er verwahrt dieses in seiner jeweiligen Bleibe. Zu erwähnen sei vielleicht noch das Eo, in Folge einer in seiner frühen Kindheit durchlittenen schweren Krankheit lange Jahre kein Fleisch verzehren durfte um die Rückkehr jener Erkrankung zu verhindern und auch wenn er inzwischen wohl wieder Fleisch zu sich nehmen könnte ohne jenes schwere Leiden zurückzurufen, bekommt Fleisch ihm schlicht nicht mehr. Doch auch ohne die Gefahr von Magenschmerzen, schweren Blähungen, Übelkeit oder gar Erbrechen, würde er inzwischen wohl auch freiwillig auf den Verzehr von Fleisch verzichten, und hat sich aus der Not eine Tugend gemacht.

Waffen Eo kämpft recht passabel ohne Waffen, sprich er ist im waffenlosen Kampf wohl versiert. An dem Erlernen irgendeiner Waffenkunst zeigt Eo bis heute indes nicht das geringste Interesse, wobei er etwaig getragene Umhänge doch auch schon mal zum Abwehren eines Angriffs, zum Fintieren oder um einen Gegner damit einzuwickeln, zu nutzen weiß.

Charakter Eo ruht vollkommen in sich um nicht zu sagen: er ist regelrecht unerschütterlich. Er ist mit der Welt und seinem jeweiligen Platz darin vollauf zufrieden oder, wo dieses etwa einmal nicht der Fall sein sollte, ändert er es schlicht bis er es wieder zufrieden ist. Eo lässt sich von den Gezeiten des Schicksals dorthin treiben wo Asz’dara ihn hin denn wünscht. Darüber hinaus ist Eo ein zwar einzelgängerischer Elvoin, der sich gerne einmal in die Stille der Natur zurück zieht, wenn ihm das „menschliche“ Treiben etwa zu bunt wird. Diese seine ruhige Art, sowie doch auch auffällige Zurückhaltung verdankt er den Zeit seines Lebens erfahrenen Ausgrenzungen aufgrund dessen, was er nun einmal ist. Doch hadert Eo nicht etwa, sondern hat sich halt einfach zu jenem eher zurückhaltend ruhigen Elvoin entwickelt, der er nun einmal ist und, würde man ihn fragen, er würde es gar nicht mehr anders haben wollen – ab davon das es Asz‘daras Wille nun einmal ist und alleine darum schon jedes Hadern unsinnig doch wäre. Statt nun also mit der Welt zu hadern, hilft er vielmehr gerne Anderen, wo diese seiner Meinung nach Hilfe bedürfen, was dann schon mal dazu führen kann, das Eo alles andere stehen und liegen lässt um einer schwerkranken Fremden ein für ihre Heilung etwa unabdingbare Kraut zu beschaffen oder einem betrogenen Kunden eines zwielichtigen Kaufmanns zu dessen Recht zu verhelfen, auch wenn er keinen der beiden vielleicht näher kennt. Eo spricht zumeist leise und mit ruhiger Stimme und erhebt selten unbedacht das Wort. So kommt es häufig das man ihn mehrere Momente über eine scheinbar simple Frage nachsinnen sieht, ehe er dann schließlich antwortet.

Während Eo den Betäubungsmitteln, mit einer Ausnahme, eher ablehnend gegenüber steht, kann man ihn dennoch – wenngleich auch nur in vertrauter Gesellschaft – in stiller Ausgelassenheit bisweilen doch beobachte. Darum nun, hat er hin und wieder eine Pfeife im Mund. Zwar gibt er sich dem gerne hin, bemüht sich zugleich aber auch stets jegliches Suchtverhalten zu vermeiden, weswegen er in der Folge die Pfeife auch schon einmal für längere Zeit beiseitelegt, wenn der Drang nach neuerlichem Konsum um dessen selbst willen, sich etwa bemerkbar macht. Das eine Kraut ist schlichter Tabak, der seine magischen Sinne dämpft, aber bei zu regelmäßigem Konsum doch eben auch zur Sucht führen kann. Beim zweiten Rauschmittel handelt es sich schlicht um Fliegenpilz, der seine magischen Sinne extrem schärft. Aufgrund dessen sein Vater, der diese Pilze selbst zu besagtem Zwecke bisweilen verzehrte und dem Jungen, als der sich erstmals als Schleierauge zu erkennen gab, fortan einen entsprechenden Trunk [18]aus dessen im Rausch abgeschlagenen Urin[/18] regelmäßig zu trinken stets gab, entwickelte Eo alsbald eine rechte Unempfindlichkeit gegenüber des Pilzes nicht unbeträchtliche Wirkungen. Da aber selbst für ihn Vorsicht aber immer noch angeraten ist und die Schärfung seiner Sinne ihm ohnedies nur erlaubt ist, wenn die Zeichen ihn darin bestärken das dieses zu tun Asz’daras Wille sei, hält er sich auch hiermit meist eher zurück. Um aber die Toleranz gegenüber dem Pilzgift nicht abzubauen, gönnt er sich monatlich zumeist eine eher dem Rausch, denn der magischen Auswirkungen geschuldeten Sitzung, wenn eine solche im vergangenen Mondzyklus nicht vonnöten war. In diesen Momenten gibt er sich ganz dem Rausche dann hin, wird aber selbst dann oder etwa auch auf den rauschendsten Festen wohl niemals auf einem Tisch tanzend sich wiederfinden, wohl aber mag er – unter Freunden – zu einem angenehmen Anekdotenerzähler oder gar stillem Scherzbold sich mausern, wobei all dieses indes nie zum Schaden oder auf Kosten Anderer gereicht.

Eo liebt die Freiheit die die Natur ihm zu bieten hat und vermag allen Witterungen, ja selbst Schnee, Regen, Sturm und Hitze etwas abzugewinnen, wobei die Trockenheit der Wüste ihm vermutlich etwas mehr zu schaffen machen dürfte, denn anderen Völkern -sollte ihm das Wasser dort etwa jemals knapp werden. Unter freiem Himmel blüht Eo regelrecht auf, derweil er Behausungen in denen er nicht mit wenigen Schritten das befreiende „Draußen“ zu erreichen vermag als beklemmend meist wahrnimmt, aber auch damit sich wohl zu arrangieren vermag. So sehr er nun die Einsamkeit zu schätzen weiß, vermag er doch auch in Gesellschaft sich wohl zu bewegen. Doch wer ihn länger kennt, wird bemerken das Eos an sich zuvorkommend freundliche Art, recht ... oberflächlich ist und es doch deutlich schwerer fällt ihn wirklich tief zu berühren. Wem dies indes gelingt, der mag sich ein Lebtag dann darauf verlassen in Eo einen unverbrüchlichen und treuen Freund zu gewinnen.

An Sprachen beherrscht Eo die Sprache Nogorr fließend und, bedingt durch die Reise mit seinem Sohn nach Merridia, ein halbwegs brauchbares Coreonisch. Die miruanischen Sprache wie die Steppenidiome indes beherrscht er nur ausgesprochen bruchstückhaft, da er auf der Reise nordwärts ausgesprochen unter der heißen wie direkten Wüstensonne entlang des großes Stromes litt und darum für Feinheiten wie die Überwindung hinderlicher Sprachbarrieren kaum Kraft aufzubringen vermochte, derweil die Rückreise sie entlang der kaum besiedelten Nordhänge des Sharzíkad-Gebirges durch das südliche Waldland entlang der Bernsteinpfade geführt hatte.

Feindseligkeiten, so diese nicht aufgrund seines erstens Eindrucks schon verfliegen, begegnet Eo zumeist ruhig und nüchtern. Auch lässt er sich durch Beleidigungen seltenst aus der Ruhe bringen, was das Vorhandensein eines starken Wilens erahnen lässt, und gibt lieber nach, statt starr seinen Kopf durchsetzen zu wollen. Wenn es Asz’daras Wille ist, bietet sich schon eine andere Möglichkeit ans Ziel zu gelangen, und wenn nicht... Wo Worte aber nichts mehr bringen oder ein Rückzug schlicht nicht in Frage kommt, handelt Eo schnell und entschlossen, seine kämpferischen Erfahrungen dabei dann auch nutzend, sieht sich selbst aber nicht dazu berufen den Tod oder Leid zu anderen zu bringen, weswegen er – so Asz’dara denn will – einen Kampf vorher abzuwenden wie zu beenden sucht. Wenn es aber zu einem Kampf, oder Todesfall ob dessen gar kommen sollte ... wer wäre er schon Asz’daras Willen in Frage zu stellen. „Es ist wie es ist.“ ein vielfach von ihm vernommener Ausspruch. Es ist wie es ist, und es entspricht Asz’daras Willem, so wie es ist. Wer also wäre er, ihre Absichten in Frage zu stellen? Solange es ihm wohlergeht und er ist, Asz’dara sei Dank, ja doch genügsam eher, steckt Eo darum gern zurück und kämpft erst für sein Recht, wenn er dieses Wenige, dessen er doch nur bedarf, irgends bedroht auch sieht. Dann aber sollte man aber auch nicht mehr mit seiner Freundlichkeit wie Zurückhaltung rechnen. Doch selbst nach solchen Begebenheiten, wenn er nur seine Grenzen hat aufzeigen können, wird man ihn wieder freundlich und ruhig erleben und selten nur ein böses Wort in Folge von ihm erwarten müssen.

Diese seine innere Ruhe liegt unter Anderem darin begründet, das er den Tod seiner geliebten Frau nie verwunden hat und darum den eigenen Tod zwar nicht herbei seht, hieße dieses doch Asz’daras Willen vorzugreifen, doch gilt sein Streben nurmehr die Gefüge des Schicksals nach Asz’daras Willen gestalten, auf das sie dereinst zufrieden mit ihm sein wird und ihm und seiner Frau im Jenseits das Glück dann vergönnt sein wird, dass das Schicksal ihnen beiden in diesem Leben nicht vergönnte. Und da man außer seiner Persönlichkeit, seiner Fähigkeiten sowie seinen Geist, nicht viel mehr mit hinüber nehmen kann, lohnt es sich seines Erachtens auch nicht groß an Anderen Dingen groß festzuhalten. Denn das Einzige, was ihn wahrlich ängstigt ist es Asz’daras Willem nicht gerecht zu werden und darum dereinst auch im Tode von seiner geliebten Nona getrennt zu sein. Dies zu vermeiden ist etwa auch seine Scheu vor gar zu exzessivem Drogenmissbrauch geschuldet, fürchtet er doch im Rausch und ohne Kontrolle über Geist und Verstand, eventuell etwas zu tun, das weniger Asz’daras Willen, denn vielmehr dem Drogenrausch alleine nur geschuldet ist.

Im Großen und Ganzen weiß Eo Eindruck zu hinterlassen, sowohl einschüchternd wie verstörend im ersten Moment, als dann auch freundlich und vertrauenswürdig, wenn mann ihn eines zweiten Blickes denn noch würdigt. Da er jedoch, wie alle Elvoin, das recht harte Nogorr doch spricht, was unverkennbar in allen anderen Idiomen hörbar doch mitschwingt, vermag man ihn bei allem guten Willen, weder als guten Redner oder Rädelsführer gar betrachten. Wo Fakten oder harte Zahlen zählen, wie etwa an einem Marktstand, mögen seinem Gegenüber schon maldie Argumente vor ihm ausgehen, aber wo immer Stimmungen manipuliert oder mit Emotionen umgegangen werden muss, tut Eo gut daran zurückzustehen und jenen das Wort zu überlassen, die derlei unzweifelhaft besser beherrschen, denn er, der Wilde aus Nogorath.

Auch ist Eo den verschiedenen Spielen seines, wie auch anderer Völker sehr zugetan und vermag Stunden über Stunden über einen nächsten Zug zu grübeln.

Fähigkeiten Wie alle Elvoin musste auch Eo recht früh lernen auf sich alleine aufzupassen, nennt also respektable Überlebensfertigkeiten sein Eigen. Das Jagen hat er zwar erlernt, aus naheliegenden Gründen in der Praxis dann aber kaum je ausgeübt, weswegen diese Techniken nunmehr allenfalls rudimentär noch beherrscht werden. Einizg das Fallenstellen um sein Heim in Nogorath vor unwillkommenem Besuch zu bewahren hat er beibehalten, sich hier aber eher auf das Aufhalten gefährlicher Jäger konzentriert, denn etwa damit Beute zu machen versucht. Sich ungesehen zu Bewegen indes oder auch Spuren zu lesen – um sich solcherart unerfreulichen Begegnungen zu entziehen – und auch, wengleich nicht sonderlich schmackhaft das Kochen über selbstentfachtem Feuer, hat er gelernt und über die Jahre hinweg gar verfeinert, so dass es im Wald- oder Sumpfland schon mit dem Rikshan zugehen müsste, sollte er von jemandem wider Willen entdeckt werden oder jemandes Spur dort verlieren. Doch je trockener wie vegetationsärmer es wird, desto weniger vermag Eo dann noch durch diese seine Fähigkeiten hervorzustechen und wäre in einer felsigen Wüstenschlucht wohl so verloren, wie jeder noch so unfähige Stadtmensch etwa.

Aufgrund der besonderen Gabe, welche in seiner Familie schon immer von dem Vater auf den Sohn, oder Enkel et cetera überging, war Eo indes weit außerhalb der Siedlungen der Elvoin groß geworden, weswegen seine Eltern doch stets ein etwas größeres Augenmerk auf sein Wohlergehen richteten, denn dieses bei anderen Elvoin-Kindern zumeist üblich war. Doch bekam das Kind davon kaum etwas mit, übersah zumeist den ihn gelegentlich begleitenden Raben, uns sah nicht mehr denn einen weiteren Spielgefährten in der Schleiereule, die seine Mutter als Nestling gefunden und daraufhin, soweit ihr möglich, gezähmt hatte. Zwar ließ das Tier niemand anderen denn Mara, Eos Mutter, allzu nah an sich heran, erkannte aber in ihrem Kind scheinbar doch so etwas wie ein zu Anfang recht schutzbedürftiges Geschwister, welchem sie darum hin und wieder doch auch beistand. Doch diesen meisterlichen Umgang mit den Tieren, den seine Mutter mehrfach an den Tag legte, sollte er, Eo, nie sein Eigen nennen.

So lernte er schon recht schnell wie tödlich Wald und Sumpf doch wahren und sah häufig Kämpfe auf Leben und tod und erkannte rasch, das das Leben des Einen den Tod des Anderen bedingte, wie der Tod des Anderen aber zugleich auch das Leben des Einen vielfach bedingte und sein Vater lehrte ihn früh diese Philosophie des Kreislaufs von Werden und Vergehen, welche dem Glauben des Salzvolkes in vielerlei Aspekten begegnet, doch das ihn weit am stärksten beeindruckt habende Ereignis in seiner Kindheit, war der Kampf zwischen einer Höllenotter und einem Baummarder. Der Marder war, hoch droben im Geäst, weit beweglicher als die kleine Schlange und stärker und doch schaffte es dieses kleine schuppige schwarze Tier den großen Marder immer wieder ins Leere laufen zu lassen, ihm auszuweichen und im Passieren gar noch ihm den einen oder anderen Biss mitzugeben, bis der Marder schließlich erschöpft und verletzt das Weite suchte. Lange dachte Eo über diese Begegnung nach und als es zu einer Begegnung mit einer ihre Frischlinge verteidigen wollende wütende Bache kam, erinnerte er sich dessen, ließ das Tier heranstürmen, wich im letzten Moment aus und grub ihr gar noch seine Krallen in den Rücken. Derweil das Tier auslief und wendete, war der damals noch recht kleine Junge ein halbes Dutzend Schritte näher an den nächsten Rettung verheißenden Bäumen. Dennoch musste er jene Taktik noch zwei weitere Male erfolgreich üben und kam offen gestanden mit mehr Glück als Verstand nur mit dem Leben damals davon.

Doch war ihm dies eine Lehre und so suchte er von da an die Konfrontation mit anderen, zugegebenermaßen zu Beginn weit weniger wehrhaften Tieren. Doch auch einem Fuchs seinen Hasen streitig machen zu wollen, war keine allzu leichte Aufgabe und nicht selten kam der Junge mit Bissverletzungen oder anderen Blessuren in den darauffolgenden Jahren heim, doch was sollten seine Eltern schon dazu sagen. Besser er lernte es jetzt, als das es ihm später einmal fehlen sollte. So weist Eo nunmehr einen recht ... „unzivilisiert“ scheinenden Kampfstil, der dem wilden Kampf tollwütiger Tiere eher ähnelt, denn irgendetwas Anderem. Und doch ist Er unglaublich effektiv schwerfällige Gegner ins Leere laufen zu lassen, hat er die den Marder immer wieder ins Leere laufen lassende Höllenotter nie wieder aus seinem Bewusstsein gedrängt.

Ausweichen und im Ausweichen zuschlagen: Im Tierreich und wider unerfahrene Faustkämpfer überaus effektiv, wobei ihm das Ausweichen zumeist weit besser gelingt – auch erfahreneren Kämpfern gegenüber – das anschließende im Vorbeiflug angreifen indes einem erfahrenem Kämpfer gegenüber ebensolche Mühen noch bereitet, wie etwa auch der Kampf gegen halbwegs versierte Kämpfer, die nicht dumm genug sind wild auf ihn loszustürzen. Auch, offensichtlicherweise ist Eo jedem behänden Kämpfer mit großer Waffenreichweite unterlegen, derweil ein morgensternbewährter Krieger, alleine ob der Schwere seiner unbalancierten Waffe wegen, eher schlechte Karten gegen Eo und seinen Kapfstil aufwiese ... wenn Eo denn je so dumm sein sollte eine solche nichtsdestotrotz ungleiche Auseinandersetzung je zu suchen.

Dafür vermag Eo recht gut zu klettern, ist ein ausdauernder, wenn auch inzwischen nicht mehr ganz so schneller Läufer und Schwimmer, der – auch zu Meditationszwecken – eine fast meisterlich zu nennende Atemtechnik sich inzwischen angeeignet hat, die ihm bei entsprechender Vorbereitung schon einmal erlaub bis zu fünf Minuten unter Wasser bleibend sich zu bewegen, ehe der Atemreflex ihn endgültig übermannt. Desweiteren sind ihm die meisten gängigen Pflanzen – Speisekräuter, Heilkräuter, Gifte und Pilze seiner Heimat bekannt und auch in der Fremde bemüht er sich stets seine Kenntnisse der veränderten Umgebung anzupassen. Doch die Kenntnisse über ungewöhnliche Kräuter, sprich mehr als was es zum normalen Leben braucht, sind ihm verwehrt und er hat auch keinerlei Ambitionen mehr Arbeit in die Erforschung derer Geheimnisse zu stecken, denn sinnvoll scheint. Sprich, wenn er mit seinem „Küchenlatein“ nicht mehr weiter kommt, dann geht er halt zu einem Heiler und gut ist. Seine Rechen-, um nicht zu sagen mathematischen, Künste – aufgrund derer der Umgang mit Geld ihm, ganz elvointypisch, recht gut doch liegt – indes sind eine der beiden Eigenschaften, die ihn merklich über Andere erheben und seine diesbezüglichen Gespräche mit Gelehrten etwa die er auf seinen Reisen traf, vertieften diese noch. Nicht nur das er ein brillanter Kopfrechner ist, so mag er vielleicht auch schon mal dadurch überraschen, das er etwa nach dem Abmessen des Schattens eines Turmes erklärt wie viel Seil es braucht, sich von diesem herabzulassen oder er weiß etwa nach dem Fallenlassen eines Kiesels in einen Brunnen in welcher Tiefe der Wasserspiegel ruht und dergleichen mehr. Aus diesem Grund auch ist er wohl für verschiedene Spiele prädestiniert, die nicht rein auf Glück, denn vielmehr Verstand etwa beruhen, was dazu führen mag, das gewisse Kreise ihm nach einer Weile die Teilnahme an diversen Wettspielen untersagen. Ein wenig von dem Ruf der Elvoin profitierend, obgleich er diesbezüglich nicht auf die den Elvoin an sich zu eigen seiende Befähigung zur Zukunftsschau zuzugreifen vermag, hat Eo sich mit der Kunst des Kartenlegens hinreichend befasst damit die eine oder andere Münze sich verdienen zu können.

Lesen hat Eo niemals gelernt „Ist nur schlecht für das Gedächtnis“ und als einziges Erbe der Gabe seiner Mutter im Umgang mit Tieren hat Eo ein fast intuitives Reitgespür stets bewiesen, kann er doch beinahe ebenso gut mit, wie ohne Sattel reiten und vermochte mit seiner Reitkunst in der Vergangenheit gar selbst die Steppenvölker zu beindrucken, nichtsdestotrotz diese ihm dennoch viel beizubringen vermocht hatten, soweit es um die Techniken beim Reiten und ein Stück weit auch die Pferdedressur ging. Handwerklich vermag Eo grobe Arbeiten zufriedenstellend zu erledigen, derweil die höheren, eher technischen Handwerke wie etwa das Schmieden, das Müllern, die Stellmacherei, Glasbläserei oder dergleichen mehr ihm – nicht zuletzt ob der krallenbewehrten Finger – eher schwer meist nur von der Hand gehen. Einzig, und hier wiederum seiner mathematischen Begabung wegen, die Architektur, wenn man diese als Handwerk denn betrachten möchte, liegt ihm noch nahe und mithin auch einfache Holz- und Steinmetzarbeiten, obgleich sich spätestens bei Letzterem die ihm nur mittelmäßige eigene Körperkraft als kaum zu überwindendes Hindernis im Wege steht, machen doch bei langanhaltender oder schwerer körperlicher Belastung seine eher fragilen Knochen bemerkbar, welche auch bei noch so großer Muskelmasse nicht mehr tragen könnten, denn sie es jetzt bereits tun. Doch wo ihm das Bauen an Land noch einleuchtend scheint – das unten hat stabil zu sein, dass das oben einen nicht auf den Kopf fällt, grob gesprochen, geht ihm beim Schiffsbau dieses Verständnis schlicht ab.

Zwar hat er gelernt kleine Boote, Kanuten und dergleichen, zu bauen, doch größere Wasserfahrzeuge betreffend kann er allenfalls noch mit anzustellenden Berechnungen einem Schiffsbauer zuspielen, aber wohl kaum je selbst etwas brauchbares zustande bringen. Flöße indes oder kleine, vielleicht bis fünf Meter lange, Boote – sie stellen weder im Bau, noch in der Handhabe ein ernstliches Problem für ihn dar, wenn denn etwa auf Segelwerk und so weiter verzichtet werden kann. Denn auch die Schiffahrt selbst mit dem paradoxen Segeln gegen den Wind und dergleichen mehr, stellen ihn eher vor nur schwer zu lösende Aufgaben, liegt ihm das gar zu abstrakte Denken – respektive der Transfer der im Abstrakten durchaus ihm verständlichen Ergebnisse zurück zum praktisch gerade vorliegenden Problem – doch eher weniger. Einzig die Nautik, das Navigieren mittels der Sterne, das berechnen der Auswirkungen gegebener Strömungen und dergleichen fordert wiederum eher sein mathematisches Können, denn seine Handwerkskunst – weswegen er hier wohl wieder zu brillieren vermöchte, sollte derlei denn je von ihm gefordert sein.

In seiner Freizeit widmet er sich gerne abstrakten Überlegungen und etwa darum auch gewissen, die Logik wie taktisches oder gar strategisches Denken fordernde Spiele, indes andere Freizeitbeschäftigungen wie Singen und Tanzen, Malerei oder Bildhauerei und dergleichen mehr nicht so wirklich zu seinen Begabungen zählt – was ihn indes nicht davon abhält all dieses und Manches mehr dennoch einmal begeistert zu versuchen. Und wenn das Ergebnis dessen dann alles andere denn ein Ruhmesblatt ihm ist? Nun, dann war es die Freude am Versuchen dennoch allemal wert es ein weiteres Mal in unbestimmter Zukunft erneut zu versuchen, denn... „Hey – man lebt schließlich nur einmal. Ist doch so – oder?“

Magie/Zauber Ja, Eo vermag die Reflektionen des Vergangenen zu sehen, wie auch die das Zukünftige verhüllende Nebelschleier zu durchdringen, ganz wie auch Andere seines Volkes es doch vermögen. Doch ist er, wie auch alle anderen männlichen Vertreter seiner Linie hierin … speziell! Können alle männlichen Nachfahren seines Ahnherrn, wenn die Gabe ihnen denn überhaupt gegeben ist, doch nichts weiter sehen, denn den sich hinter den Nebeln zur jenseitigen Welt bewegenden Tod vergangener, gegenwärtigen oder auch zukünftiger Ereignisse! Während die Elvoin betreffende Omen als Präsenz vollkommen undurchdringlicher, wie annähern humanoider Nebelschleier sich ihm zeigen, erblickte er Omen des vergangenen oder nahenden Todes von Nichtelvoin als Abbild eben derer, die es betrifft und das einzige Mal bisher, das ein Omen ihn selbst betraf, glaubte er ein schwaches auf Höhe seines Herzens vor ihm schwebendes sanftes Licht zu sehen. Derweil Eo diese Omen nicht zu kontrollieren vermag, wobei er zwei verschiedene Kräuter wohl kennt, die diese seine Wahrnehmungen wahlweise dämpfen oder aber auch verstärken können, fungieren diese jedoch gemeinhin wie Warnungen vor einem drohenden Todesfall oder zeigen sich alternativ als Wiederholungen vergangenen Sterbens. Während er also die „Geister“ von Verstorbenen in deren ihr Ende begleitenden Momenten sieht, kann Eo weder mit diesen kommunizieren, noch das Beobachtete irgends beeinflussen, vermag indes aber schon einmal einen vergangenen Todesfall rückwirkend so doch noch zu erklären. Das dies etwas Anderes ist, denn etwa orkische oder menschliche Schamanen unter Geistern verstehen, tangiert Eo hierbei wenig. Ebenso wie die Geister vergangener Tode zeigen sich ihm gelegentlich die „Geister“ noch Lebender in den Momenten des ihnen drohenden Todes, teilweise aber lange bevor dieser eintritt, etwa wenn deren Tod einleitende oder begleitende Umstände weit vor deren tatsächlichem Ende sich zutragen sollte. Auch hier zeigt sich der Tod ihm, Elvoin betreffend als schemenhafter Nebelschleier, ihn betreffend – sollte dieses denn noch einmal sich fügen – als freischwebendes Licht und die anderen Völker betreffend als ein Abbild der jeweiligen betroffenen Kreaturen. In keinem Fall läst die Erscheinung des Todes hierbei Rückschlüsse auf die Art des Todes zu, weswegen es im übrigen nicht immer leicht ist den Tod noch rechtzeitig abzuwenden. Da er das Gesicht aber nicht immer hat, denn vielmehr nur wenn Asz’dara sich eine Abänderung der Ereignisse durch ihn erhofft, mag auch er wohl von derlei Ereignissen überrascht werden. Doch wenn vor seinen Augen wer zusammenbricht und er währenddessen den Schleier des Todes neben diesem stehend findet oder wenn Wochen vor einer entscheidenden Begegnung besagter Tod ihm allnächtlich im Traume erscheint, dann weiß Eo, das es an ihm ist zu tun, was denn getan werden muss. Wobei gerade letztgenannte Fälle ihn während jeder Nacht heimsuchender wiederkehrender Todesomen dann schon einmal das über Tage hinweg beständige Pfeife rauchen nur vor dem Durchdrehen bewahrt und er schlussendlich das Eintreffen der Ereignisse und mithin das Verschwinden der Omen kaum mehr abzuwarten vermag. Denn es sind ihm die selten einmal häufiger denn alle paar Wochen überkommenden Omen mehr als genug Last und die wenigen Zeiten, in denen über Monate hinweg kein Omen über ihn kam darum heiß und teuer. Doch wann immer er im Angesicht des Todes dem Tode gegenüber sich findet, ist ihm gewiss, das es an ihm ist Asz’daras Willen zu erfüllen. Die Tatsache, dass der Tod ihn manchmal gleichermaßen dann zu betrachten scheint, wie er auch ihn... nun ja, das mag auch Einbildung bloß sein!

Vergangenheit Vor 37 Jahren, während einer langanhaltenden Nebelphase die das Verlassen der Behausung selbst für erfahrene Elvoin gefährlich machte, kam Eo in einer in einen majestätischen Baumriesen geschlagenen Wohnhöhle und fernab der nächsten Elvoin-Siedlung in einer problemlosen Geburt als erstgeborener Maras und Schelriks Schleierauges zur Welt, wobei jener „Familienname“ an sich ein Zeichen des Makels ist, der diesen Familien-Clan selbst anderen Elvoin gegenüber suspekt erscheinen lässt und auch der Grund ist, das jenes frischgebackene Elternpaar so einsam im Wald und ab der anderen Elvoin ihrem Erstgeborenen gemeinsam auf die Welt halfen. Es war diese Gabe durch die Schleier zum Totenreich hindurch zu blicken, die seine Eltern so fernab andere Elvoin an den Ausläufern des Nogorath unterhalb den an Wasserfällen reichen Steilhängen des Sharzíkad-Gebirges zu leben zwang. Doch während jene Gabe bisweilen eine oder sehr sehr selten mehrere Generationen gar übersprang und darum nicht zu sagen war ob auch der kleine Eo sie besitzen würde, überkam seine Eltern doch sehr rasch ein weiterer Schrecken. Es zeigten sich krallenbewehrte Finger und Zehen und während die Krallen an den Zehen eher grünlich schwarzen Nägeln glichen, welche sich knapp jenseits der Zehenspitzen hinab beugten und ihm beim Klettern und Laufen eher zusätzlichen Halt gar boten, waren die Nägel an den Fingern spitz und lang. Offen gestanden erstaunte sich seine Mutter noch lange Jahre darauf, dass er sie damit nicht verletzt hatte, vor oder während der Geburt, und während die Krallen im unbewaffneten Kampf beinahe so hilfreich waren wie etwa beim Klettern, erschwerten sie ihm jegliches auf Feinfühligkeit etwa angewiesenes Agieren mit Werkzeugen oder auch den eigenen Händen. Der Grund für diese – Abnormität lag in der Tatsache des zweiten Erbes. Denn was Eos Ururgroßvater einst im Sumpf gefunden und von da an gleichfalls die männliche Linie der Familie entlang vererbt hatte – was einen nicht minder gewichtigen Grund darstellte, die anderen Elvoin zu meiden – war ein kleines Amulett mit einer daran befestigten Silberlochmünze gewesen, das beinahe lebensecht wirkende Abbild einer Vogelklaue, welche es deren Trägern erlaubte die Gestalt eines mitternachtschwarzen Vogels anzunehmen und tatsächlich so auch zu fliegen. Doch hatte dieses seinen Preis für die Träger, die stete Verwandlung in eben jene Geschöpfe, und Eo so in jungen Jahren bereits den Blick in jene vormals moosgrünen Augen seines Vaters verwehrte, von der Mutter doch so schwärmte. Auch kannte er den Vater nie anders, als mit schwarzem Gefieder im Haar, das nicht – wie man denken mochte – dort bloß hineingesteckt worden wäre.

So wuchs Eo seit er sich erinnern konnte in einer geräumigen Baumhöhle abseits der Anderen auf und begleitete Vater und Mutter nur alle drei vier Tage auf die Jagd, beim Kräuter- oder Beerensammeln oder zu einem der seltenen Familienfeste oder auch den großen Gebetsfesten. Bisweilen musste Eo auch mit dem Vater mitgehen, wenn doch mal einige der anderen Elvoin sich von ihm Antworten erhofften, die diese selbst zu geben sich etwa außerstande sahen. Denn auch wenn Elvoin sich untereinander gemeinhin nicht die Zukunft zu sagen vermochten, kam es doch immer mal wieder einmal vor und wenn ein ungeklärter Todesfall etwa im Raum schwebte, zogen es manche vor es zumindest zu versuchen und fragten darum, unter Anderem, auch immer wieder die Schleieraugen, vermochten diese – den Tod betreffend – doch meist weit zuverlässigere Gesichte doch zu produzieren. Und da, seit Eo mit nur vier Jahren lachend hinter dem damals nur für ihn sichtbaren Schemen eines Haustieres seiner Großmutter her gerannt war um exakt an der Stelle in Tränen plötzlich auszubrechen, wo jene in das Haus eingedrungene Giftschlange das arme Tier damals schließlich zu Tode gebracht hatte, offensichtlich war, das die unheimliche Gabe auch in ihm stark war, und vier Augen bekanntlich immer mehr doch sahen, denn zwei, war er bei jenen wenigen Besuchen stets mit von der Partie und wurde von seinem Vater auch ausführlich zu dem befragt, was sich dem jungen aber nicht dem alten Schleierauge offenbart haben mochte.

„Schleierauge“, der Begriff entwickelte sich bald zu so etwas wie einem Schimpfwort in seiner Wahrnehmung, denn auch wenn die Elvoin ihr Schicksal und also auch ihre Sterblichkeit ergeben hinnahmen, mochten etliche unter ihnen dennoch nicht gar zu beständig an diese ihre Sterblichkeit erinnert werden und wenn einmal der Schleier des Todes neben einem bestimmten Elvoin schwebte und aber nicht zu ergründen war, warum und ob dieses abzuwenden war, oder überhaupt auch nur abgewendet werden sollte, dann war das Leben während dessen weit weniger entspannt, als wenn eines Abends einfach nur ein morscher Ast einem auf den Schädel fiel und man von jetzt auf gleich es hinter sich hatte, statt etliche Stunden vorher schon beständig das drohende Ende etwa allüberall sich nahen zu wähnen. Nein, Eo war sich bewusst, dass die … Distanziertheit der Anderen nichts Persönliches war und das manche unter ihnen so überzeugend Elvoin-Flüche vorheuchelten, das sie bezüglich der Schleieraugen selbst daran zu glauben schien. Er verstand es und war dennoch endlos dankbar, das seine Mutter – dieses voraus ahnend – ihm eben darum den Rufnamen Eo, in seiner Muttersprache nicht anderes denn Licht meinend und eines der wenigen sanft wie angenehm klingenden Worte in jener ansonsten doch sehr hart wie abgehackt klingenden Sprache darstellend, gegeben hatte. Nun verhielt es sich bedauerlicherweise nur auch so, dass die häufig schier undurchdringlichen Nebelschwaden, in welchen selbst erfahrenste Fährtenleser den Tod oft fanden, den Elvoin synonym für den Schleier zum Totenreich stand, was den „Familienname“ Eos auch mit begründet hatte, und weswegen die Elvoin bei allzu dichtem Nebel häufig furchtsam in ihren Hütten blieben und in den diese umschwebenden Schwaden nicht selten dann die Schemen sie besuchender Ahnen zu erkennen meinten. Gerade dann aber zeigten sich auch die, an sich nicht sonderlich ungewöhnlichen, gelegentlichen Sumpflichter als besonders trügerische und gefährliche Irrlichter. Diese tödlichen Irrlichter nun werden in Nogorr darum auch als ‘Lichter von jenseits der Schleier’ bezeichnet, sehr gefürchtet und gemeinhin als dunkles Todesomen aufgefasst. „Eo“, was in Nogorr ja nun schlicht Licht doch meint, in Kombination mit seinem „Familienname“ – Schleierauge... nun ja. Es verleitet halt nur allzuleicht zu eher unerfreulichen Analogien doch. So glücklich Eo darum mit seinem Rufnamen auch ist und so sehr er sich mit seinem „Familiennamen“ inzwischen auch abgefunden hat, reagiert er selbst in gegenwärtigen Tagen doch noch recht empfindlich darauf, bei seinem vollständigen Name gerufen zu werden, bestärkt dieses doch nur die teils abergläubischen Vorurteile unter denen seine Blutlinie seit jeher schon zu leiden hatte. Übrigens bedingt wohl auch die Ähnlichkeit zwischen den Worten Schleierauge und Schleiereule die Zurechnung eben jener gleichsam als Totenvögel doch auch verschrienen Tiere als quasi Totemtier der Blutlinie der Schleieraugen.

Bereits mit sieben Jahren indes, also ganze drei Jahre vor dem hierfür eigentlich üblichem Alter, wurde Eo auf die erste Ausflüge mitgenommen. „Weil wir Schleieraugen uns weniger auf die Hilfe Anderer verlassen können und darum härter und mehr lernen müssen als diese.“, hatte ihm sein Vater erklärt. „Weil die Schleieraugen einfach anders sind und die Traditionen weniger ehren als wir, weil sie unnormal sind, seltsam... Unglück verheißend.“, sagten die Anderen und fühlten sich in ihren Vorurteilen darob nur noch mehr bestärkt. Bei seinen ersten Begegnungen mit gleichaltrigen, auf den Festen zu Ehren Asz’daras, erlebte er das die anderen Kinder normal mit ihm spielen wollten, die Älteren sie aber tuschelnd fort zogen und Eo fragte darauf weinend seine Eltern, ob er etwas falschgemacht habe. Als zu späteren Festen die Gleichaltrigen von den Älteren fortgezogen wurden oder ihrerseits nun die Jüngeren Kinder von ihm fern hielten, hatte Eo es indes bereits verstanden und auch wenn er die Gesellschaft der Anderen immer ein Wenig doch auch misste, war er sich selbst stets doch auch genug – insbesondere da das ihn umgebende Wald- und Sumpfland mehr als genug spannungsgeladene Abenteuer auch für einen einzelnen jungen Elvoin stets doch besaßen, so dass nie mehr, denn ein leises Bedauern ob der Reaktionen der Anderen in ihm war, niemals aber echte Betroffenheit ob dessen etwa an ihm nagte. Nein, er war sich zumeist selbst genug und lernte gar, da ihm die Hilfe gleichaltriger Spielgenossen nie zuteilwurde, weit eher gar das eigenständige Überleben. So kam es, dass sein Vater ihn bereits mit fünfzehn Jahren für reif genug befand alleine zu leben. Das Eo sich ein Zwischenlager errichten und Feuer machen, Spurenlesen und sich auch verteidigen konnte, das hatte er immerhin doch bereits mit zwölf Jahren bewiesen. Und auch wenn er seit damals kein Fleisch mehr aß und also auch die Jagd für ihn geringes Interesse nur mehr besaß, seit er mit zehn Jahren das erste und bisher einzige Mal seinen eigenen Tod gesehen, das Zeichen aber nicht als das erkannt hatte was es war, und darum dennoch von dem wurmverseuchten Wasser getrunken hatte, so hatte sein Vater ihn dennoch die Grundzüge all dessen beizubringen versucht, so dass niemand ihm vorwerfen mochte dem Jungen wichtige Kenntnisse vorenthalten zu haben. Der Vater bestand aber darauf des Jungen Umzug in dessen bereits ein Jahr zuvor fertiggestelltes Baumhaus noch bis zu dessen 17. Lebensjahr zu warten. „Die Leute reden auch so schon genug, Junge.“ Nun ja, das Fischen und Fallenstellen, sowie das Ausweiden der erlegten Beute beherrschte er mit 17 Jahren wohl hinreichend, wenngleich er diese Kenntnisse später nur selten anwendete. Das Bogenschießen oder die Schleuder mit seinen krallenbewehrten Händen zu erlernen, war ihm indes nie vergönnt. Doch war er fast allen Gleichaltrigen zeit seines Lebens in der Kunde von essbaren wie giftigen und auch von heilenden wie stärkenden Pflanzen voraus. Einzig jene, die dieses zu ihrem einzigen Steckenpferd machten, waren ihm hier stets noch voraus.

Bis zu seiner Volljährigkeit zeichneten keine ungewöhnliche Vorkommnisse seinen eher ruhigen Lebensweg, sah man von den ihn beinahe getötet habenden Würmern einmal ab, welche erst über zwölf Jahre später ausgehungert durch seine strikt vegetarische Ernährung und damit tot seinen Darm wieder verließen. Nun ja, indirekt war da noch der Verlust des Erbes seines Vaters zu nennen, der eines Tages – Eo war damals gerade sieben – verwirrt und mit einer schweren Kopfverletzung aber ohne das Amulett heimgekehrt war. Doch offen gestanden war Eo vielmehr nur unendlich erleichtert, ging doch so zumindest jenes Schicksal an ihm vorüber. Bereits mit 16 Jahren hatte er es, wie all die anderen Schleieraugen vor ihm, zuwege gebracht einen Baumriesen zu finden, der zu seiner neuen Wohnstatt werden sollte und hatte sich daraufhin angeschickt seine Behausung in diesem zu errichten. Da der Baum es indes nicht ganz zu der stattlichen Größe des Heimatbaumes seiner Eltern gebracht hatte, baute er eine, die mit einer scharfen Axt erweiterten natürlichen Höhlungen des Urwaldriesen in luftiger Höh umspannende Wohnplattform. Zugegeben war dieses alles selbst zu seinem 17. Geburtstag noch überschaubar, derweil sein Heim mit den Jahren noch wachsen sollte. Immer wieder begleitete er seinen Vater auf dessen Besuchen und teilte in den ersten Jahren als Schleierauge nur diesem leise flüsternd seine Beobachtungen mit. Erst als er mit zwölf Jahren auf einem der Fest das eine gleichaltrige Elvoin betreffende Todesomen sah, derweil sein Vater mit anderen Schamanen gemeinsam eine Zeremonie vorbereitete, beschloss Eo – sehr zum Spott der dieses bald bemerkenden anderen Jugendlichen – jenes Mädchen alleine zu verfolgen, bis diese schließlich drohte ihr Familie herzurufen, sollte er nicht endlich verschwinden. Er blieb und rettete ihr wenige Minuten später das Leben, als sie sich in einer von einer Giftschlange bereits besetzten Hängematte niederlassen wollte. Von da an spotteten die Gleichaltrigen nicht mehr, sahen ihn dafür aber mit den gleichen Blicken nun an, den zuvor nur die Älteren ihm geschuldet hatten und sie mieden ihn nun nicht mehr nur weil die Alten es so wollten. Von jenem Tag an, ließ sein Vater ihn zwei Jahre lang als Schleierauge in seiner Begleitung zu den Anderen gehen und nun war es der Vater, der dem Jungen nur mehr flüsternd weitere Beobachtungen unterbreitete. Von seinem vierzehnten Geburtstag an, durfte der Junge auch Alleine zu Anderen gehen, dort als Schleierauge der Gemeinschaft zu dienen, auch wenn die Meisten noch weitere drei Jahre, bis zu seiner Volljährigkeit warteten, ehe sie ihn an seiner Vater statt zu sich baten. Doch auch in diesen Jahren, wenn Asz’dara rief und der Tod ihm ins Auge blickte, war es ihm zumindest erlaub mit einem Pilzbeutel bewehrt, sich aufzumachen.

Mit 20 Jahren, Eo war als Schleierauge inzwischen so bekannt, und zugleich auch verschrien, wie sein Vater und dessen Vater vor ihm und wie all die anderen Schleieraugen die die lange Reihe seiner Vorväter abbildeten, trafen er und Nona sich auf einem der Jahresfeste zu Ehren Asz’daras und verliebten sich ineinander. Doch erlaubten Nonas Eltern keine Hochzeit mit einem Schleierauge und auch wenn diese ihrem ja nun erwachsenen Kind nichts vorschreiben konnten, folgte Nona ihrem Willen. Als sie jedoch ein Jahr später mit Zwillinge schwanger ging und allen Beteiligten klar war, wer der Vater sein müsse, kam es zum Bruch zwischen Tochter und Eltern und obgleich Eo sah wie seine Frau daran zerbrach und er ihre Eltern auf Knien anflehte, wenn schon nicht ihn, dann doch wenigstens ihr eigenes Kind nicht zu verstoßen, hörten sie nicht auf ihn und leugneten je eine Tochter gehabt zu haben.

Drei Monate vor der Geburt eines gesunden Jungen und eines gesunden Mädchens sah Eo dann erstmals jenen nebelgrauen Schemen am Lager seiner Frau, doch hätte es dieses gar nicht mehr bedurft, zeigte doch alleine schon Nonas gebrochene Augen den geschwundenen Lebenswillen. „Sorge für unsere Kinder, hörst du?“ hatte sie ihn gebeten und ihn desweiteren schwören lassen sie nach ihrem Vater wie ihrer Mutter zu benennen. Als sie wenige Monate nach der Geburt schließlich starb, entkräftet und ohne Willen das sie überkommen habende Sumpffieber zu bekämpfen, hatte Eo ein letztes Mal nach ihren Eltern schicken lassen. Der Vermittler hatte beschämt zu Boden geblickt, als er ein Bündel Blätter entfaltete und die darin eingeschlossenen Exkremente dem Schleierauge vor die Füße geworfen hatte. Das war deren Antwort auf die Bitte ihrer Tochter gewesen ihre Eltern noch ein letztes Mal sehen zu wollen. Derlei ahnend hatte Eo den Boten abgefangen, der die „Botschaft“ eigentlich Nona direkt hatte überbringen sollen. Eo hatte ihr darauf vorgeschwindelt das ihre Eltern verhindert wären, so gerne sie auch kommen wollten, doch Nona hatte nur seine Hand ergriffen und ihm gesagt, das er sich keine Vorwürfe machen solle. „Es ist nicht deine Schuld, hörst du? Ich habe entschieden, meine Eltern haben entschieden, es ist Asz’daras Wille, hörst du? Dich am allerwenigsten, trifft irgendeine Schuld, vergiss das nie, hörst du? Nie!“ Nach diesen Worten hatte sie die Augen geschlossen und kein klares Wort gesprochen. Wohl hörte man in den folgenden Wochen immer wieder ihre verzweifelten Schreie nach ihren Eltern, nach Eo, nach Tira und Parn ihren Kindern. Doch obgleich in diesen letzten Wochen gar andere Elvoin der Eltern Herzen zu erweichen versuchten, obgleich derlei an sich Familienangelegenheit doch war, kamen diese nicht, obschon Eo hätte schwören mögen das ihr Erscheinen bis zuletzt noch etwas hätte bewegen können. So voller Schmerz diese kurze Zeit auch war, war es doch auch Eos erfüllteste Zeit überhaupt. So wie Eo die Schleier des Todes zu schauen vermochte, schien Nona die unmittelbarste Zukunft eines Augenblicks erfassen zu können, was ihr einen beinahe intuitiven Umgang mit Anderen ermöglichte. Wann immer ein Streit zwischen den jungen Liebenden auszubrechen drohte, verstand sie im letzten Moment einzulenken oder aber auch ein völlig unerwartetes Gegenargument darzulegen, das niemals auch nur der Hauch von bösem Blut zwischen ihnen war und noch Jahre später erinnerte Eo in ruhigen Augenblicken das glockenhelle Lachen Nonas, mal schelmisch, mal Versöhnlich aber immer anziehen d und nie verletzend. Ja, sie war mit aller Welt gut Freund gewesen und sich stets seiner tiefsten Zuneigung gewiss gewesen. Nur ihre eigene Zukunft hatte sie mit dieser Vorraussicht sich nicht zu retten vermocht, und mithin auch ihm nicht. Ihren Eltern hatte sie nie das rechte Wort gegenüber gefunden, hatte dort versagt, dann verzagt und sich schließlich aufgegeben.

Eo verbrannte die Hütte seiner Frau. Alles was sie, eine versierte Händlerin – wie auch ihre Eltern – an Wertvollem besessen hatte, hatte er in Bernstein, die Tränen der Sonne und eine große Zahl an Bienenwachskerzen eingetauscht. Den Weihrauch spendete er mit der Bitte ein besonderes Ritual zum Schutz seiner verstorbenen Frau damit auszurichten, doch weigerten sich die Elvoin die gleichsam als Bezahlung gedachten Bienenwachskerzen anzunehmen und beschämten somit öffentlich Nonas Eltern ob deren Hartherzigkeit und nahmen statt dessen das junge Schleierauge in ihre Mitte und beteten zu jenem Fest zur Schicksalsgöttin, das sie über den Witwer und die beiden Kinder ihre schützende Hand halten möge. Und was das verzweifelte Flehen ihrer Tochter nicht vermocht hatte, das gelang der Gemeinschaft der Elvoin durch diesen Akt der Solidarität mit den Nona nie aufgegeben habenden Hinterbliebenen. Dieser Ausdruck öffentlicher Missachtung Nonas Eltern gegenüber erweichte deren Herz, doch nicht Trauer um die Tochter, denn vielmehr die Missachtung, der Verlust von Anerkennung rührte schließlich jene beiden so hartherzigen Elvoin. Noch in der selben Nacht zogen Nonas Eltern fort und ließen sich am anderen Ende des Nogorath nieder, wo sie Jahre später gebrochen und einsam starben. Die bis zum Schluss erfolgten Einladungen Eos ihre Enkelkinder doch einmal zu besuchen hatten sie niemals angenommen.

Eo, ab jener Ereignisse, wurde wohlwollender unter den Anderen aufgenommen denn je ein Schleierauge vor ihm, zeigte er sich doch nie unbeherrscht oder laut und erwies sich zudem gar noch als liebevoller Vater, sondern – auch wenn nur dem Wunsch seiner Frau damit zu genügen versuchend – er versuchte bis zum Ende hin seine Schwiegereltern dazu zu bewegen an ihren Enkelkindern nicht den gleichen Fehler zu begehen, wie an seiner Frau, die er kurz vor ihrem Tode doch noch zu einer Eheschließung vor Asz’dara hatte bewegen können. Doch Tira und Parn sollte es an nicht ermangeln. Zum Einen zeigten beide Kinder nicht den Hauch einer der den Schleieraugen zugesprochenen körperlichen Deformitäten, dem verschollenen Amulett sei Dank! Zum Anderen war Parn, wie sich herausstellte gleichfalls ein Schleierauge, wie sein Vater und Großvater vor ihm, doch der Umbruch den Nonas Eltern durch ihre Hartherzigkeit in den Köpfen vieler Elvoin erwirkt hatten, er bescherte dem jungen Parn von Anbeginn an eine überraschend freundliche Aufnahme in die Gemeinschaft der Elvoin und obgleich die beiden Kinder von früh an bei ihren beiden Großeltern, den Eltern Eos, hochwillkommen waren, zog es sie doch auch zu den anderen Elvoin und sie beiden waren die ersten Schleieraugen seit mindestens fünf Generationen, die mit Erreichen ihrer Volljährigkeit, sich dazu entschlossen elvointypische Pfahlbehausungen inmitten der Anderen zu errichten, statt ihrem Vater oder den Großeltern gleich sich in die Einsamkeit des Dschungels zu flüchten. Zu Beginn hatte sich Eo nichts weiter denn den Rat der Anderen in Sachen der Kindererziehung erhofft und da er die beiden lebenslustigen Unruhestifter nich andauernd bei seinen Eltern belassen konnte, sie aber alleine und ohne den Beistand ihrer Mutter groß ziehen musste, begleiteten ihn Tira und Parn meistenteils auf seinen Wegen und lernten so durch schieres Zuschauen, wie man Wasser fand, ein Lager und Feuer errichtete undwelches Getier giftig war – alles Andere, so genießbar, war mithin Essen. Doch wenn Eo andere Eltern traf, bemerkte er das diese ihre Kinder – die von sich aus noch keine Vorurteile kannten – nicht etwa fortzogen, denn vielmehr besorgt erst und dann ausgelassen den Kleinen allenfalls noch beim Spielen zusahen. Und wenn ein störrischer Alter dennoch mal eines der eigenen Kinder vor der Brut des Schleierauges fortzerren wollte, hallte jener bald selbst zornig ihn umstehende Elvoin vor der Nase. Vieles lernten die kleinen also untereinander oder von anderen Elvoin, doch war Eo ihnen immer ein begehrter Fragenbeantworter, der insbesondere auch früh ihre Neigungen zu ergründen versuchte um ihnen dann ihren weiteren Lebensweg betreffend beistehen zu können. Tira etwa bewies recht schnell ihrer Großmutter Neigung, sich in Tiere einzufühlen, weswegen Eo dafür sorge trug, das sie mit der Großmutter, aber auch mit Imkern, Jägern und Fischern etwa in Kontakt kam, die komplizierteren Fragen so zu klären oder Parn mit den Bernsteinsuchern zusammenkommen zu lassen und teilweise auch auf deren jeweilige Touren zu begleiten.

Tira heiratete einen Fischer am, im Norden über den großen Weißwasserfall von den Steilhängen des Sharzíkad-Gebirges hinab strömenen, Tk’akzlaý-iak Fluß und mauserte sich, das Erbe ihrer Großmutter im Umgang mit Tieren zeigend, zu einer der erfolgreichsten Trüffelsammlerin ganz Nogorath, wollte man den diesbezüglich stolzen Ausführungen ihres Vaters, Eo, hierin denn Glauben schenken. Parn indes hatte sich zu seiner Volljährigkeit als (unter Anderem auch Bernstein-) Händler in den Fußstapfen seiner Mutter Nona und deren Eltern damit wandelnd und ja – Schleierauge auch – erste solide Anfänge geschaffen und obgleich er sich mit siebzehn noch nicht für eine Frau zu entscheiden vermochte, hatte Eo keinen Zweifel daran, das auch er seinen Weg finden würde. Um die beruflichen Anfänge Parns zu untermauern, zeigte der sich doch etwas weniger zielstrebig denn seine Schwester, hatte Eo Parn zuliebe gar einige Reisen mit diesem gemeinsam in die Welt jenseits des Nogorath unternommen, als der das 12 Lebensjahr gerade erreicht hatte, Eo war zu der Zeit 32 Jahre alt, und war mit diesem aufgebrochen einigen ehemalige Handelspartnern der Eltern Nonas entlang der Bernsteinpfade zu kontaktieren. So reisten sie entlang der Ausläufer des Sharzíkad-Gebirges nach Süden, folgten dem großen Strom durch Kamîrush bis zur Steppe und dann durch die wilden Lande nach Merridia und die ihnen von den dortigen neuen alten Handelspartnern offengelegten Bernsteinpfade entlang des nördlichen Flanken des Sharzíkad-Gebirges zurück. Während dieser knapp zwei Jahre dauernden Reise in deren Verlauf viele sich noch an Nona und ihre Eltern erinnernde alte Handelspartner bereit erklärten, dem jungen Parn Schleierauge als zukünftigem Handelspartner unter die Arme zu greifen, war Tira bei ihren Großeltern untergekommen (und hatte sich nebenbei in die tierkundlichen Fähigkeiten ihrer Großmutter unterweisen lassen), sah auch Eo erstmals die Welt jenseits des Nogorath und beschloss dort für sich – sollten die Kinder erst ihre Volljährigkeit erreicht haben – seiner bisherigen Heimat den Rücken zu kehren... Zwar war ihm diese Welt fremd und stellenweise zu laut, hektisch und in ihrem Streben nach Geld und Macht, statt Zufriedenheit und Lebensfreude eher unverständlich, doch fühlte er sich auch seltsam frei und bemerkte erst in diesen Tagen, was es bedeutete nicht jedem Gegenüber nur ein Schleierauge zu sein. Insbesondere erkannte er, das was er nach dem Tode Nonas so lange für Freundlichkeit gehalten hatte, doch eher tiefempfundenes Mitleid eher war. und auch die Erfahrung jemandem ins Gesicht zu blicken dessen Lachen oder auch Zorn nichts mit dem zu tun hatte, was Eo unter seinesgleichen galt... es war schier unbeschreiblich befreiend und ein Gefühl, welches er unbedingtnoch einmal auskosten wollte, wenn es nicht die Geschäfte seines Jungen waren, die sein weiteres Vorgehen diktierten. Wie mochte es wohl sein, des Morgens aufzustehen und hingehen zu können wo auch immer das Schicksal in hintrieb – ohne Abends nicht nur für sich das Essen besorgt haben zu müssen? Das war es, was Eo herauszufinden gedachte. Einfach nur sich von den Winden des Schicksals treiben zu lassen und zu schauen, was ihm dieses wohl einbrachte, in welchen Hafen ihn dieses wohl treiben mochte! Pläne, Ziele, Aufgaben und Pflichten? Nein, das war vorüber, das sollte vergangen sein. Nein, die Freiheit war es die ihn lockte und wenn es sich zeigte, das die Winde des Schicksals wieder zurück drängen sollten? Nun, dann wusste er zumindest: er hatte es versucht!

Nachdenklich die letzte noch vom Besitz seiner Frau erstandene Kerze betrachtend, er hatte die Anderen über ein Jahr hinweg Nacht für Nacht auf einem das Feuer überstanden habenden Pfahl ihrer Behausung entzündet, nickte Eo seinem Vater zu. „Willst du das wirklich, Sohn?“ fragte ihn seine Mutter und wusste die Antwort wohl. Tränen traten ihm in die Augen als er nickte. „Den Kindern geht es gut, sie finden ihren Weg. Das war Nonas Wunsch und alleine ihretwillen bin ich all die Jahre hier geblieben und ja Vater“, unterbrach er seinen alten Herrn. „Ich weiß das ihr Opfer den Makel von unserer Linie genommen hat und das wir Asz'dara niemals genug danken können. Mein Sohn lebt mit ihnen, in ihrer Gemeinschaft und alleine das würde es Nona ihren Weg immer wieder aufs Neue wohl so wählen lassen, Vater – ja! Das hast du mir alles schon gesagt und nein Mutter, weine jetzt nicht, das ist nicht fair!“ Drohte Eo ihr, selbst tränenfeuchten Blickes mit erhobenem Zeigefinger, dass sie darob alle lachten. Sie konnten ihn nicht umstimmen und sie wussten es. Doch sie mussten es versuchen und das wiederum wusste er. Von seinen beiden Kleinen sich bereits verabschiedet habend, nahm Eo die Kerze, umarmte seine Eltern und schritt in die Nach hinaus.

Jahre war es her, dass er den Platz von Nonas Hütte zuletzt besucht hatte, doch fand er den Pfahl noch vor. Ja, die des Pfahles Spitze zierende Kugel abgebrannten Wachses der ungezählten Kerzen hatte sogar noch erheblich an Umfang zugelegt. „Wir haben ihre Rufe damals auch gehört, Junge – weißt du?“ hatte eine inzwischen Zahnlose alte Elvoin gesagt und ihm tröstlich auf die Schulter geklopft, als er verwundert vor dem Pfahl stand. „Viele hier zünden inzwischen Kerzen an, die Jungen inzwischen sogar in eigenen Liebesdingen, aber wenn sie nicht wissen was es damit auf sich hat, dann erzählen wir Alten ihnen die Geschichte.“ Eo lächelte, das hätte Nona sicherlich gefallen. Doch schlug er die Einladung zum Essen aus, hielt nur entschuldigend die Kerze hoch. „Ich versteh schon, Jungchen, ich versteh schon!“ hatte die Alte noch gekrächzt und ihn dann alleine gelassen. Eo hatte diese letzte alte Kerze entzündet und ein letztes Mal zu Asz'dara gebetet, das diese seiner Frau berichten mochte, das er ihren letzten Wunsch erfüllt habe und das er nun fortzöge und das sie sich nicht sorgen solle, wenn er in den kommenden Jahren nicht von sich hören lasse, nicht an den gemeinschaftlichen Festen würde teilhaben und das, dass...

Am folgenden Morgen war die Kerze erloschen und Eo fort und ob er jemals wieder in den Nogorath-Wald zurückkehren würde, zu seinen inzwischen alten Eltern, seinen Kindern oder an das Grab seiner Frau? Das mochte Asz'dara alleine wissen!

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