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Aeon
Gruppen:

Charakter

Name:
Aeon Shiokaze
Alter:
115 Jahre
Rasse:
Mischblut (Shiín/Dämon)
Heimat:
Hügelländer von Harrhy'in
Aufenthaltsort:
Das Gebirge
Waffen:
1 Katana / 2 Tessen / Wurfmesser

Steckbrief

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Geburtsname: Ayumi Mikazuki (Mondsichel)

Spitznamen: Aeon/Lyun
Den Namen Aeon gab sich das Halbblut selbst. Einerseits sollte die Shiín Ayumi von der Bildfläche verschwinden, da sie in der Gemeinschaft der Shiín zunehmend eingeengt fühlte und es nicht ihrem Wesen entpricht zu lange an einem Ort zu verweilen. Andererseits wollte sie nicht den Namen tragen, der für die Unbeherrschbarkeit ihres anderen Wesens stand (Lyun). Denn dies war der Namen den ihr Vater ihr gegeben hatte und den ihre zweite Persönlichkeit nur zu gerne für sich in Anspruch nahm. Die beiden Persönlichkeiten bezeichnen sich gegenseitig als „Seelenschwestern“, weil beide fest davon überzeugt sind zwei Seelen im gleichen Körper zu sein.
Ein weiterer Spitzname von ihr lautet Ayu. Diesen Namen verwendete ihre jüngere Schwester immer für sie und es sollte eigentlich niemanden mehr geben der ihn kennt, es sei denn er hätte ihn von Sakura selbst erfahren oder eine Begegnung mit dem Geschitenerzähler Ryu seishin gehabt und diesen überredet Aeons Geschichte zu erzählen.

Titel: Shiokaze (Meeresbrise)
Der Titel wurde ihr vom Ältestenrat verliehen als sie in einer Zeit der Unruhen zu ihrem Volk zurückkehrte und dort ihre außergewöhnliche Kampfkunst in den Dienst des Volkes stellte um es gegen einem Angriff der Menschen zu verteidigen. Wegen dieser Unterstützung, nach dem Kampf wurde sie gefeiert wie eine Volksheldin, akzeptierte der Rat ihre Andersartigkeit. Man verzieh ihr sogar das sie ihr Volk dereinst verlassen hatte. Trotzdem wollte sie nicht erneut ein fester Bestandteil der Gemeinschaft werden, so erhielt sie das Recht zu kommen und zu gehen wann immer sie wollte. Der Name aber blieb den Shiín im Gedächtnis, so kommt es nicht selten vor das ihr der Name Aeon Shiokaze in den Hügelländern von Harrhy'in Tür und Tor öffnet, da sie mit ihrem charakterischen Aussehen und dem einzelnen Katana schnell erkannt wird.

Alter: 115 Jahre (geboren im Sommer des Jahres 1254)

äußeres Alter: ca. 28 Jahre
Das unter dem Namen Ayumi geborene Mischlingswesen zwischen Shiín und Dämon alterte aufgrund seines überwiegend dämonischen Blutes sehr lagsam. Dazu kommt das es weit jünger aussieht als es eigentlich sollte, was wohl seiner schmalen Statur und der vergleichsweise geringen Größe geschuldet ist.

Rasse: Shiín-Dämonen Mischling
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Familie
Mutter, † mit 60 Jahren
Sayuri war ein Mischling. Die Tochter einer gewaltsamen Verbindung eines Wasserdämons und einer Shiín. Ihre Mutter starb bei ihrer Geburt an Komplikationen und ihr dämonischer Vater interessierte sich nie sonderlich für seine Tochter. Sie wuchs bei den Eltern ihrer Mutter auf und wurde gerade so aufgezogen wie jede andere Shiín auch, weshalb sie auch steng nach deren Vorstellungen lebte. Sie verliebte sich im Alter von 20 Jahren in Aeons Vater. Dieser etwas aus der Art geschlagene Dämon stand mit seinen 200 Jahren noch immer in der Blüte seines Lebens. Er blieb ganze zwanzig Jahre bei ihr, bis ihn sein unbeständiges Wassernaturell fortzog. Aus ihrer Verbindung gingen zwei Kinder hervor, Shiki (mit 20 Jahren) und Ayumi (mit 35 Jahren). Nachdem er sie verlassen hatte wurde die Halbshiín ihres Lebens nicht mehr froh. Nun 40 Jahre alt, gab sie sich beinahe auf, weil ihr bisheriges Leben zu bröckeln begann. Denn es verließ sie nicht nur ihr Geliebter und Vater ihrer Kinder, sondern auch im mittlerweile neunzehnjähriger Sohn Shiki. Trotz allem fand sie, so unwahrscheinlich es auch erschien, noch einmal einen Mann. Mit diesem reinrassigen Shiín bekam sie im Alter von 47 Jahren noch eine Tochter. Im Großen und Ganzen wäre ihr weiteres Leben wohl recht glücklich verlaufen, hätte sie nicht ein menschlicher Überfall ihren Mann und Selbiges gekostet.

Vater, vermutlich † mit ca. 300 Jahren
Über den Wasserdämon Akuma, Ayumis Vater, ist nicht viel bekannt. Vermutlich zog er wie viele seiner Art durch Alvarania und terrorisierte viele Wesen, weil es ihm Spaß machte. Er war unbeständig wie sein Element was auch letztendlich dazu führte das er seine Geliebte Sayuri verließ, obwohl er sie doch noch immer liebte. Diese Unbeständigkeit vererbte er an seine beiden Kinder. Warum verliebte er sich in einen Mischling? Diese Frage hat sich Ayumi häufig gestellt. Sie fragte es ihn einst, doch er konnte ihr keine zufriedenstellende Antwort geben und er war nach dem Verlassen seiner Familie für seine Tochter ohnehin uninteressant. Die stolze Jugendliche schwor sich und ihrem Bruder damals das sie, sollte sie ihren Erzeuger jemals wiedersehen, diesen zu ihrer Mutter zurück schleifen und anketten werde um ihm die Möglichkeit zu nehmen diese jemals wieder zu verlassen. Nach dem Tod ihrer Mutter dachte sie nur noch selten über ihren Vater nach und jetzt, wo sie selbst über 100 Jahre alt ist, ist er vermutlich ohnehin bereits gestorben.

Bruder, ca. 125 Jahre alt
Shiki ist Aeons älterer Bruder. Die Beziehung beider Geschwister war nie besonders intensiv, was sich hauptsächlich damit erklären lässt das er seine Familie verließ, als seine Schwester gerade einmal fünf Jahre alt war. Da Dämonen recht schnell altern war sie in diesem Alter zwar bereits auf dem Entwicklungsstand eines zehnjährigen Menschenkindes, doch ihren Schwur den Vater zu finden nahm er trotzdem nicht sonderlich ernst. Er wollte nicht leben wie ein Shiín und beschloss deshalb mit Fünfzehn das gewählte Volk seiner Mutter zu verlassen um frei und ungebunden umherstreifen zu können wie ein Dämon. Einzig die bevorstehende Geburt seiner kleinen Schwester hielt ihn davon ab die Familie bereits zu diesem Zeitpunkt zu verlassen. Ob es geschwisterliche Gefühle waren oder einfache Neugier lässt sich nicht so genau sagen, doch in den folgenden vier Jahren verfolgte er ihre Entwicklung und kümmerte sich mit viel Eifer um sie. Keine Gelegenheit Zeit mit ihr zu verbringen ließ er aus, doch war er sich die ganze Zeit über seine Motive im Klaren. Er tat dies nicht weil er eine besonders enge Beziehung zu seiner Schwester aufbauen wollte, sondern weil er sie lediglich als Studienobjekt betrachtete. Doch je älter sie wurde desto uninteressanter wurde es für ihn, denn seine eigenes Erinnerungsvermögen reichte weit zurück. Genau wie Aeon besaß er die ungewöhnliche Fähigkeit, sich an so ziemlich alles aus seinem Leben zu erinnern. Doch besitzt seine Fähigkeit nicht dieselbe Ausprägung wie Aeons, was hier bedeuten soll das er besonders im frühen Bereich seines Lebens noch größere Erinnerungslücken besitzt.
Nachdem sein Vater die Mutter verlassen hatte begann Shiki vermehrt darüber nachzudenken dessen Beispiel zu folgen. Für die Entscheidung, die Familie letztendlich doch zu verlassen benötigte er sechs Monate. Er befand sich die ganze Zeit in einem inneren Widerstreit mit sich selbst. Auf der einen Seite suchte ihn seine shiínsche Erziehung zu überzeugen dem Volk unter keinen Umständen die Treue zu brechen, auf der anderen Seite stand sein unbeständiges Wesen das ihn mit aller Macht aus der vertrauten Heimat reißen wollte. Letztendlich gab seine Neugier den Ausschlag und sein unbeständiges Wesen obsiegte, denn er wollte die Welt sehen und dabei auch erfahren ob es dort noch etwas anderes gab das seinen Vater fortgezogen hatte.

Halbschwester, † mit 87 Jahren
Sakura selbst war nur noch zu einem geringen Teil dämonisch. Im Grunde unterschied sie sich kaum von den anderen Shiín des Dorfes, da sie auch mit derselben Geschwindigkeit alterte. Das einzig Nennenswerte, was sie von jenen unterschied, war ihre geringe Begabung für Wassermagie. Doch hatte sie Zeit ihres Lebens gewaltige Probleme damit ihr zweites Gesicht unter Kontrolle zu halten, weshalb sie auch bereits mit 87 Jahren starb. An ihrem Todestag kam ihre ältere Schwester nach längerer Reise zurück in ihr Geburtsland. Mehr zufällig als geplant kam sie ein paar Wochen vor dem Tod ihrer Schwester um sie zu besuchen. Bevor Aeon selbst, dem Ruf ihres Blutes folgend, das Volk der Shiín nach dem Tod ihrer Mutter verließ musste sie ihrer kleinen Schwester versprechen, sie immer mal wieder zu besuchen, was sie auch zeitlebens tat.
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Aussehen
Mit einer Körpergröße von gerade mal 1,65 m und einem schlanken zierlichen Körperbau, der eher an einen Jugendlichen denn an einen Erwachsenen erinnert, stellt Aeon auf den ersten Blick kaum eine Bedrohung dar. Diese doch recht ungewöhnliche Körpergröße, ein Erbe ihrer Mutter, ist häufig der Grund dafür das man sie für eine Jugendliche hält. Da ihr Körper kaum weiblichen Züge besitzt kommt es mitunter sogar vor das sie als Junge durchgeht. Mit ihren schmalen Schultern, einer Brust die so flach ist das sie nicht mehr als weibliche zu erkennen ist und der Tatsache das ihre Hüfte und die Taille etwa den gleichen Umfang besitzen, ist es schwer sie als weibliches Wesen zu identifizieren. Diese Erscheinung birgt auch Vorteile. So kommt es zum Beispiel nicht selten vor das sie in einer größeren Gruppe leicht untertauchen kann, da Kinder und Jugendliche, selbst wenn sie bewaffnet sind, selten dasselbe Maß an Aufmerksamkeit hervorrufen wie Erwachsene. Dazu kommt das es zum Beispiel unter Menschen nicht allzu ungewöhnlich ist einen Jungen zu sehen der alleine unterwegs ist, während ein Mädchen in gewissen Gegenden schnell Aufsehen erregt. Speziell wenn sie ihren Reiseumhang trägt und die Waffen darunter verborgen sind hat nur selten jemand einen zweiten Blick für sie übrig. Der Umhang verdeckt sowohl ihre auffällige Hautfarbe, die einen blassvioletten Farbton aufweist, welcher sie zwar als Shiín ausweist, jedoch eindeutig dunkler ist als bei den meisten anderen Angehörigen dieses Volkes, als auch ihr Gesicht mit den ungewöhnlichen Augen. So ist es ihr möglich sich auch unter Menschen zu bewegen ohne allzu viel Misstrauen hervorzurufen. Je dunkler es um sie herum ist, desto leichter fällt es ihr unerkannt zu bleiben. Wenn sie in der Nacht die Kapuze ihres Umhangs trägt und dieser Schatten über ihr Gesicht wirft ist es möglich das sie, wird sie aus einer gewissen Distanz betrachtet, mit einer Menai verwechselt wird. Schlägt sie die Kapuze jedoch zurück, wird offensichtlich was sie wirklich ist. Ohne ihren Umhang ist Aeon mit ihrer Angewohnheit sich in Weiß zu kleiden eine auffällige Erscheinung. Nicht nur die dämonischen Merkmale, welche sie äußerlich von anderen Shiín abheben sorgen für Aufsehen, auch ihre scheinbare Jugend bringt ihr häufig skeptische Blicke ein. Gerade Angehörige der menschlichen Rasse neigen dazu sie nicht ernst zu nehmen, wenn sie auch noch ihr Schwert entdecken. Gerade in der Vergangenheit kam es häufig vor das sie belächelt oder gar ausgelacht wurde, was sie dazu veranlasste sich den Kapuzenmantel zuzulegen: Es war ihr schlicht zu anstrengend jeden in seine Schranken zu verweisen der sie auf der Straße ausgelacht hatte und darüber hinaus nahm ihr unverhüllte Anblick ihr die Möglichkeit sich unauffällig zu bewegen. Wenn sie also unerkannt reisen oder schlicht nicht auffallen will trägt sie sowohl Mantel als auch Kapuze. Schließlich ist es gerade in der Funktion eines Taschendiebes nicht besonders förderlich wenn so ziemlich jeder der einen gesehen hat auch noch haargenau daran erinnern kann, weil man einen ungewöhnlichen Anblick bot. Selbst jene die genug Weitblick besitzen es nicht als Scherz anzusehen eine kleine, zierliche und recht jung wirkende Shiín anzutreffen, die auf offener Straße gerüstet umher läuft, sind bei ihrem Anblick doch meist befremdet. Es kommt nur sehr selten vor das jemand der sie weder kämpfen sah, noch einen Blick in ihre Augen warf oder mit ihr ein ernsthaftes Gespräch führte, in ihrer selbstbewussten Haltung mehr sieht als die gnadenloser Selbstüberschätzung einer jungen Kriegerin. Selbst Angehörige ihres eigenen Volkes reagieren manchmal so, zumindest bis sie sich ihnen als Aeon Shiokaze vorstellt. Meist genügt der Name um zu gewährleisten das sie mit anderen Augen betrachtet wird.
Wem es gelingt ihre Erscheinung einfach hin- oder eben als gegeben anzunehmen, der wird sich einer selbstbewussten jungen Kriegerin mit wachen Augen gegenübersehen, die ihn oder sie mit einer Mischung aus Stolz und kühler Berechnung im Blick musterte. Allen anderen wird sie situationsbedingt Gegenübertreten. So ist es schon vorgekommen das ein belustigt Blick sich für ihre Zwecke verwenden ließ und sie sich haltlos schluchzend auf den Boden warf und mehr oder weniger überzeugend ein Kind spielte.

Ihr ovales Gesicht mit den hohen schmalen Wangenknochen wird von den leicht schräg stehenden mandelförmigen Augen dominiert. Ein Blick in diese Augen sei wie ein Blick in die Tiefen des Meeres , so definiert es einmal der Geschichtenerzähler Ryu seishin. Er beschrieb sie folgendermaßen:
„Nachdem ich einen Blick in diese Augen geworfen hatte begann vor meinem inneren Auge ein Bild Gestalt anzunehmen. Es war wie die Momentaufnahme eine Erinnerung. Ich stand an Deck eines Seglers, hoch oben am wolkenlosen Himmel über mir stand die Mittagssonne im Zenit. Es war ein warmer Herbsttag und die Sonne brannte mir auf den Rücken. Dann wurde mein Blick mit einem Mal von der funkelnden Oberfläche des Meeres angezogen. Fasziniert beobachtete ich das Spiegelbild der Sonne im Ozean. An der Oberfläche veränderte das Licht die Farben, keine Welle trug dieselbe Farbe wie ihre Nachbarin. Je weiter die Sonnenstrahlen in die Tiefe gingen, desto deutlicher waren die einzelnen Strahlen zu erkennen. Doch ab einer gewissen Wassertiefe verschwand das Licht und nur ein tiefdunkles bodenloses Blau blieb zurück. Es wirkte als ertränke das Licht im endlosen Blau der See. Genau denselben Eindruck erhielt ich auch als ich in diese Augen sah. Mir war schon nach wenigen Sekunden bewusst wie leicht es sein würde sich in diesen Augen zu verlieren, riefen sie doch den Wunsch hervor in ihnen zu ertrinken und nie wieder hervorzukommen. Viel deutlicher als irgendetwas anderes an ihrem Aussehen zeigen diese Augen ihr wahres Alter. Sie besitzen eine Tiefe, die aussagt wie viel sie schon gesehen haben und eine Fremdheit, die auch den letzten Zweifler davon überzeugen sollte das es sich bei Aeon nicht um eine reinrassige Shiín handelt.
Nachdem ich bereits einige Tage mit ihr verbracht hatte fiel mir ein weiterer faszinierender Aspekt an diesen Augen auf. Ihre Farbe verändert sich. Ich dachte zunächst das mir meine Augen einen Streich spielten, doch nach einiger Zeit wurde mir bewusst das diese Farbwechsel wirklich geschahen. Manchmal war es schwer auszumachen, kaum mehr als ein kurzes helles aufblitzen, weitaus seltener kam es vor das die Veränderung anhielt und ich sie genauer betrachten konnte. Die Farbe ihrer Augen konnte von einem Moment auf den anderen von dem warmen und freundlichen Dunkelblau, das zwar hohes Alter und jene beunruhigende Tiefe zeigte von der ich eben sprach, aber auch eine gelassene Ruhe ausstrahlte, zu einem kalten Eisblau wechseln, welches so hell war das es fast weiß erschien. Schnell lernte ich diesen gespenstischen Ausdruck des Zorns fürchten, denn je zorniger sie wird desto größer ist die Wahrscheinlichkeit das jene andere, die sie selbst Lyun nennt, hervorkommt. Doch ist Zorn nicht der einzige Grund für jene Veränderung ihrer Augenfarbe. Jedes Mal wenn jene Andere versucht die Kontrolle über sie zu gewinnen wallt Magie in ihr auf, zu der sie ihr dämonisches Blut befähigt. Sie ist es wohl auch die den Wechsel der Augenfarbe erst möglich macht. Mir bleibt also nur jedem der diesem Wesen begegnet zu raten ihre Augen im Blick zu behalten und dabei gilt: Je dunkler sie sind desto entspannter oder auch erheiterter ist ihre Besitzerin. Doch je heller sie werden, desto eher ist man beraten sich auf einen Kampf vorzubereiten oder die Beine in die Hand zu nehmen…“


Ihr Mund offenbart, im Gegensatz zu den Augen, nicht sofort das sie nicht ganz normal ist. An ihm ist interessant was sich erst zeigt wenn er geöffnet wird oder sich zu einem Lächeln verzieht. Aeons Gebiss besteht aus spitz zulaufenden Zähnen. Jeder einzelne von ihnen ist spitz wie ein kleiner Dolch. Aber da sie sich in ihrer Länge nicht von den gewöhnlichen Zähnen etwa eines Menschen oder Shiín unterscheiden, fällt das nicht weiter ins Gewicht solange sie den Mund nicht öffnet. Tut sie das doch kann es schon vorkommen das sie einem arglosen Gegenüber mit einem „Wolfslächeln“ einen gehörigen Schrecken einjagt. Das Gesicht wird eingerahmt von ihrem langen silberweißen Haar das ihr, wenn sie es offen trägt, bis in die Kniekehlen hinunterhängt. Es ist durchzogen von schmalen schwarzen Strähnen, ein Erbe ihres dämonischen Vaters, und von ebensolchen Strähnen in verschiedenen Blautönen deren Farbe sich kaum beschreiben lässt, da sie sich stetig, wenn auch nur leicht, den Lichtverhältnissen entsprechend, verändert. Sie trägt es meist in einem geflochtenen Zopf den sie sich über die linke Schulter legt oder alternativ auch mal um den Hals wickelt, damit er sie beim Kämpfen nicht behindern kann. Die langen spitzen Ohren ragen seitlich nach hinten und sind etwa so lang wie ihr Kopf, sodass ihre Spitzen wenn sie das Haar offen trägt seitlich hinausragen. Da diese Ohren länger sind als es für Angehörige des Volkes der Shiín normal ist, sind sie ein untrügliches Zeichen dafür das es sich bei ihr um einen Mischling handelt, wenngleich wohl nur wenige wegen ihnen vermuten würde das sie dämonisches Blut besitzt. Sowohl sie, als auch die ungewöhnlich spitzen Zähne hat Aeon von ihrem Vater geerbt.
Ihr übriger Körper ist wenig auffällig. Weder die zierlichen Hände mit dem langen schlanken Fingern, noch die auf den ersten Blick dünnen Arme und Beine, die stets unter der Kleidung verborgen sind, lassen einen Krieger vermuten. Sie besitzt zwar festen Muskeln, diese sind aber nicht leicht zu erkennen oder besonders stark definiert, weshalb sie in einem Kampf häufig vollkommen unterschätzt wird.

Aeon trägt meist ein weißes Oberteil das seitlich geschnürt wird und etwa ein Drittel ihres Oberschenkels bedeckt. Die langen schmalen Ärmel sind an den Enden ausgestellt. Darunter befindet sich ein hoch geschlossenes schwarzes Hemd ohne Ärmel. Beide Oberteile bestehen aus einem dicht gewebten Stoff der zwar widerstandsfähig ist aber nicht viel Schutz vor Kälte bietet. Die Hose, aus dem selben Material bestehend, ist ebenso weiß wie das Oberteil und besitzt weite Beine. Eine zweite Garnitur dieser Kleidung befindet sich in ihrem Beutel. Zusätzlich trägt sie einen breiten Gürtel aus dunkelgrauem Leder, welcher Aufbewahrungsort ihrer Waffen ist. Des Weiteren besitzt sie einen schweren Reiseumhang aus dunkelgrauer Wolle. Er hat eine Kapuze, deren unteres Ende im aufgesetzten Zustand bis zur Hüfte hinunterhängt, und ist besonders für die Reise in kältere Gebiete gut geeignet, da er sowohl einen wirkungsvollen Kälteschutz bietet als auch das Gesicht seines Trägers vor neugierigen Blicken verbergen kann. Aeon besitzt zwar Schuhe aus hellgrauem Wildleder, trägt sie jedoch eher selten. Besonders in wärmeren Gebieten ist sie meist barfuß unterwegs. Jedes dieser Kleidungsstück ist funktional und von guter Qualität, nicht aber prunkvoll. Da seit ihrem letzten Besuch bei ihrem Volk noch nicht sehr viel Zeit vergangen ist und sie die Kleidungsstücke häufig wechselt (im Fall der Schuhe einfach selten trägt), weisen sie lediglich leichte Gebrauchsspuren auf die man ihnen nicht auf den ersten Blick ansieht.
Da sie bei Shiín aufgewachsen ist, besitzt sie jene typische Tätowierung die Mitglieder dieses Volkes auszeichnet. Es verläuft von der Schläfe bis zum Schlüsselbein und besteht aus vielen schmalen ineinander verwoben Linien. Bei genauerem Hinsehen lässt sich in ihnen ein Muster erkennen das ein wenig an Meereswellen erinnert. Darüber hinaus besteht ihr einziger Schmuck aus vier Ohrringen die eine ganz besondere Bedeutung für sie haben. Ein jeder von ihnen steht für einen ihrer Waffen, ausgenommen die Wurfmesser, da sie diese nicht als Waffen sondern eher als Werkzeuge betrachtet. Im linken Ohr befinden sich relativ weit oben drei davon. Zwei bestehen aus einem hellem silbernen Material. Es ist dasselbe aus dem auch einer ihrer Tessen und ihr Katana bestehen. Der dritte ist aus Glas in dessen Inneren sich Wasser befindet und steht damit für ihr Wasser-Tessen. Den letzten Ohrring hat sie aus den Knochen eines erlegten Tieres geschnitzt. Er soll ihre waffenlose Kampfkunst symbolisieren und steckt als einziger in ihrem rechten Ohr.

Inventar
Ihre Besitztümer befinden sich in einem großen Beutel, der aus demselben Leder besteht wie auch ihr Gürtel. Er besitzt einen Tragegurt der es dem Mischling ermöglicht ihn entweder locker in der Hand zu tragen oder über seine Schulter zu schwingen, sodass das Trageband quer über die Brust verläuft. Dies ist auch die Art wie er ihn meist trägt wenn er länger unterwegs ist, weil er ihn so am wenigsten behindert. Der Beutel beinhaltet…
- Zweite Kleidergarnitur (Hose +2 Oberteile)
- Reisemantel mit langer Kapuze
- ein Paar lederne Halbstiefel (graues Wildleder)
- einige Stoffbänder
- ein kunstvoller Kamm aus Knochen, der mit einigen winzigen Muscheln besetzt ist (ein Geschenk von einem Menai)
- einige Gegenstände zum Pflegen ihres Schwertes (eine Flasche Blumenöl und zwei Tücher aus der Wolle eines Schafes)
- ein kleinerer Stoffbeutel mit Münzen (momentan: 1 Goldmünze, 4 Laras, 2 Rote und 10 Weiße aus der Muschelwährung der Menai, 15 Kupfermünze sowie 1 Thinazar)
- ein Säckchen mit Lirea-Blütenstaub
Dieser bunte Sammlung an Münzen kommt dadurch zu Stande das Aeon viel reist und sich gelegentlich in den verschiedensten Ecken Alvarias als Söldnerin verdingt oder andere kleinere Arbeiten ausführt. Dabei akzeptiert sich jeder Art von Bezahlung, auch in der heimischen Währung oder in Naturalien. Jedoch ist es einer ihrer Grundsätze mit dem zu Beschützenden vorher abzuklären was im Falle einer erfolgreichen Beendigung des Auftrages als Entlohnung zu geben ist. Sie ist nicht besonders wählerisch, was die Art der Bezahlung angeht und meistens kompromissbereit. Erhält sie die versprochene Entlohnung am Ende allerdings nicht kann sie ungehalten werden.


Lyun - zweites Gesicht
Wenn ihr zweites Gesicht unter den Haaren hervortritt, die es normalerweise verbergen, beginnen diese sich zu verändern. Die blauen Strähnen werden breiter und damit zur dominierenden Haarfarbe, das ursprüngliche Weiß der Haare wird weit zurückgedrängt, während die schwarzen Strähnen unverändert bleiben. Da dieses Gesicht sich am Hinterkopf befindet ragen meist nicht viel mehr als ihre Enden ihrer langen spitzen Ohren aus ihrem Haarschopf hervor, zeigen aber in die verkehrte Richtung. Die Haut dieses Gesichtes ist heller als es Aeons Haut ist. Auch unterscheiden sich die Augen grundlegend von jenen anderen. Die leuchtende Iris besitzt nun die Farbe von Platin und die Pupillen werden zu vertikalen Schlitzen, ähnlich den Augen einer Katze. Damit mögen sie auf den ersten Blick vielleicht furchteinflößender wirken, bei genauerem Hinsehen offenbart sich jedoch das sie weniger Tiefe besitzen. Aeons Augen sind alt, die von Lyun wirken vergleichsweise jung. Sie zeigen das bei Dämonen übliche unheimliche Glühen. Die Konturen dieses Gesichtes sind härter als die von Aeons Gesicht. Auch dieses Gesicht besitzt spitze Eckzähne und mandelförmige Augen. Der wesentliche Unterschied zu jenem anderen Gesicht besteht in der schwarzen gespaltenen Schlangenzunge, die für gewöhnlich im geschlossenen Mund verborgen bleibt. Fährt sie mit dieser durch die Luft, ist es oft ein sicheres Zeichen das sie kurz davor steht ihren Gegenüber anzugreifen. Handelt es sich dabei nicht um einen Magier so ist dieser gut beraten schleunigst ein wenig Abstand zwischen sich Lyun zu bringen, denn es ist nie sicher was sie tun wird. Es kann durchaus passieren dass in Ermangelung einer besseren Idee einfach versucht ihren Gegenüber zu beißen bevor sie einen magischen Angriff startet.


Aeon – dämonische Gestalt
Ein Dämon sollte in seiner wahren Form schrecklich anzusehen sein… Bei seinem bloßen Anblick gefriert dem einfachen Reisenden das Blut in den Adern und mit einem Mal kommt er auf die Idee zu Göttern zu beten, selbst wenn er gar nicht gläubig ist. Ein solches Wesen eignet sich vorzüglich um kleine Kinder damit zu erschrecken. Nun es gibt Dämonen verschiedenster Elemente, Mischlinge verschiedenster Rassen und Wesen wie Sakura die noch sehr wenig dämonisches Erbe in sich tragen. In irgendeine dieser Gruppen lässt sich mit Sicherheit auch Aeon eingliedern, aber wenn dieses Wesen seine wahre Gestalt annimmt geschieht nicht im Mindesten das was allgemein erwartet wird.
Das lange Haar wird vollständig schwarz. Es weist nun einen so dunklen Farbton auf, das es bei direkter Sonneneinstrahlung einen bläulichen Schimmer besitzt. Die Haut ist ungemein heller als in ihrer shiínschen Gestalt, auch fehlt ihr der typisch violette Ton. So macht sich nun das Erbe des Vaters bemerkbar. Auch er besaß helle Haut, deren Ton dem der Menschen aus den Nordreichen glich und blau-schwarzes Haar. Noch immer wirkt sie nicht wirklich einschüchternd. Einzig ihre Meer-Augen haben einen unirdischen Glanz erhalten, der einen Hinweis darauf geben sollte das dieses Wesen nicht ganz so harmlos ist wie es auf den ersten Blick erscheint. Weitaus auffälliger sind jedoch die körperlichen Veränderungen. Wo sich vor der Verwandlung Hände und Füße befanden, sind nun Flossen zu sehen. Sie sind etwa viermal so lang wie die ursprünglichen Gliedmaßen. Ihre Farbe changiert zwischen gelb, orange und rot. Von ihnen ausgehend breiten sich Schuppen über Arme und Beine aus. An den Armen bedecken sie sie etwa die Hälfte der Unterarme, während es an den Beinen lediglich das untere Drittel der Unterschenkel betrifft. Diese Schuppen tragen dieselbe schwer definierbare Farben wie die Flossen selbst. Mit diesen Gliedmaßen bleibt der aufrechte Gang verwehrt und sie ist an Land sehr angreifbar, bestünde doch ihre einzige Fortbewegungsmöglichkeit darin auf den Bauch über den Boden zu robben und sich mit den Unterarmen vorwärts zu ziehen oder auf Unterarmen und Knien zu kriechen. Im Wasser erweist sich diese Formänderung jedoch als Vorteil und versetzt sie in die Lage im wahrsten Sinne des Spruches zu „schwimmen wie ein Fisch“. Zusätzlich zu den Flossen besitzt die dämonische Form auch Kiemen an beiden Seiten des Halses, die es Aeon ermöglichen unter Wasser wie ein Fisch zu atmen. Sie besitzt in dieser Gestalt eine Größe von 1,75 m und ihre Statur verändert sich grundlegend. Nun erinnert sie an eine junge Frau im Alter zwischen 20 und 30 Jahren und ist auch an ihrer Körperform als Solche zu erkennen.




Waffen
Aeon trägt nur ein Katana. Die schlanke Klinge ist schlicht, jedoch ist ihr deutlich anzusehen wie wiederstandsfähig und kunstvoll sie geschmiedet wurde. Ein ganz besonderes Schwert auf dessen heller Klinge sich bei genauem Hinsehen ein Wellenmuster erkennen lässt. Zusammen mit dem unverwechselbaren Klang den das Schwert erzeugt wenn es geschwungen wird, sind diese Muster wohl auch für den Namen verantwortlich den die Klinge erhielt. Wellenlied ist schon seit über neunzig Jahren im Besitz Aeons und hat seiner Herrin bisher immer gute Dienste geleistet. Das Heft ist schwarz und mit dunkelgrauem Leder umwickelt. Im Gegensatz zur Klinge muss das Leder regelmäßig ausgetauscht (etwa alle fünfzehn Jahre, damit es nich brüchig wird) und das Heft neu umwickelt werden. Die Scheide des Schwertes besteht aus geschwärztem Holz und ist vollkommen Schmucklos. Ihr ist nicht anzusehen von welch hohem Wert ihr Inhalt ist, doch ist sie durchaus dafür geeignet ihn vor wiedrigen Witterungen und dergleichen zu schützen.
Weitaus auffälliger als das Schwert sind beiden Tessen die Aeon besitzt. Eine der Waffen hat im zusammengefalteten Zustand eine Gesamtlänge von 40 cm. Die Steben bestehen aus demselben Metall wie Aeons Schwert und weisen damit eine hellgraue, beinahe weiße Färbung auf. Sie verjüngen sich zum oberen Ende hin. Die dadurch entstehenden Spitzen sind abgeflacht und beidseitig geschärft, jedoch erst oberhalb des zwischen ihenen gespannten dunkelblauen Stoffes. Ähnlich dem das auch für Schiffe verwendet wird, weist dieses Material doch nicht dieselbe Stärke auf wie ein echtes Segel. Totzdem ist es deutlich belastbarer als viele andere Stoffe und damit als Material für diese Waffe gut geeignet. Das zweite Tessen ist etwas besonderes, denn es besteht zum Teil aus Wasser. Wie das möglich ist? Gute Frage, doch lasst mich erklären. Aeon ist ein Dämon, zumindest zum größten Teil, was sie dazu befähigt die Magie des Meeres zu beherrschen. Wasser, egal in welcher Form, ist ihr zu Diensten und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass sie der Lage ist es zu einer Waffe zu formen. Zu diesem Zwecke trägt sie stets einen, etwa 20 cm langen zylindrischen Glasbehälter mit sich, der randvoll mit Meerwasser gefüllt ist. Zusätzlich dazu, trägt sie noch ein seltsames Gebilde mit sich herum. Hierbei handelt es sich um ein Ebenbild ihres anderen Tessen, nur das ihm die Stoffbahn fehlt, welche bei dem anderen zwischen den Streben gespannt ist. Somit besteht dieser zweite Tessen im Grunde nur aus den spitz zulaufenden Metallstreben. Kommt es nun zu einem Kampf in dem sie zwei Waffen benötigt, überzieht sie die Streben des Tessen mit beschworenem Süßwasser. Dieses dient zum Schutz des Metalls vor dem Salzwasser, welches sie nach Fertigstellung der Schutzschicht zwischen die Streben spannt. Sie hält es durch reine Willenskraft an Ort und Stelle, verleiht ihm aber keine Festigkeit um die Fähigkeit des Tessen sich zusammenfalten und öffnen zu lassen nicht zu beeinträchtigen. Hierfür benötigt sie selten mehr als ein paar Herzschläge, gerade so lange wie es dauert den wassergefüllten Glasbehälter zu öffnen und sich auf die gewünschte Form des Fächers zu konzentrieren. Nach Beendigung eines Kampfes steckte sie ihn entweder, wie auch den anderen, in ihren Gürtel oder trennt ihnen seine Bestandteile auf, wobei sie das beschworene Wasser im Boden versickern lässt, das Salzwasser jedoch wieder zurück in den Glasbehälter leitet. Wofür sie sich entscheidet hängt von zwei Faktoren ab: der allgemeinen Gefahrenlage und ihrer eigenen Energie. Ist sie geschwächt, ist es einfach am Klügsten den Fächer wieder in seine Bestandteile zu zerlegen, weil die Verwendung von zu viel Magie immer die Gefahr mit sich bringt das Lyun außer Kontrolle gerät. Wenngleich dies eher selten der Fall ist, da seine Aufrechterhaltung nicht viel Energie kostet. Zur allgemeinen Gefahrenlage bleibt zu sagen: Wenn sie mit einem Angriff rechnen muss, so ist ihre Kampfkraft mit zwei Fächern wesentlich höher als mit einem. Es kann also vorkommen das sie hier auch mal das Risiko in Kauf nimmt den Wasser-Tessen aufrechtzuerhalten, obwohl sie geschwächt ist.
Darüber hinaus besitzt Aeon noch zwei Wurfdolche, deren doppelschneidige Klingen aus geschwärzten Stahl bestehen. Mit den Heften aus dunkelgrauem Holz weisen sie eine Gesamtlänge von jeweils 20 cm auf. Sie stecken in Scheiden aus geschwärztem Leder. Sie benutzt diese Waffen jedoch eher selten, da ihre Kampfkunst eher auf den Nahkampf ausgelegt ist und sie meist eine größere Anzahl von beschworenen Wassermessern wirft, deren Verlust nicht wirklich schlimm ist. Aeon nutzt sie um Feinde zu verwirren, oder die Flugbahn ihrer echten Messer zu verschleiern, die sie zusätzlich mit einem dünnen Wasserfilm überzieht um sie zu tarnen. Die Wassermesser selbst können keinen Schaden anrichten, das äußerste wozu sie nützlich sind ist, den Gegner zu erschrecken.
Aeons Schwertscheide steckt, zusätzlich durch zwei enge Lederschlaufen gesichert, in ihrem Gürtel. Die Wurfdolche hat sie sich in ihren jeweiligen Scheiden an die Unterarme gebunden wo sie von der weiten Kleidung verdeckt werden. Die beiden Tessen stecken, ebenfalls durch Lederschlaufen gesichert, in ihrem Gürtel, wobei sie für den „stofflichen“ auch noch eine Schutzhülle besitzt. Diese besteht, ebenso wie ihre Schwertscheide, aus geschwärztem Holz und hängt neben dem Glasbehälter an ihrer linken Hüfte, wenn sie in Gebrauch ist. Es kommt jedoch auch vor das Aeon ihn und die Fächerscheide aus verschiedenen Gründen zusammen, etwa um die Waffe vor widrigen Wetter zu schützen, mit dem Fächer darin in ihrem Reisebeutel verstaut. Den andern umwickelt sie zu diesem Zweck mit einfachem Leinen, wenn er nicht in Gebrauch ist.


Charakter
Ein Wasserdämon, zumindest zum großen Teil, das ist Aeon. Doch das ist nicht alles. Dieses Wesen ist Wasser. Wie das gemeint ist? Nun, sie ist unbeständig wie die See. An einem Tag ruhig und durch nichts aus der Ruhe zu bringen, am nächsten wild wie das Meer nach einem Sturm.
Aeon ist sehr direkt. Sie sagt immer was sie denkt, egal wie das auf andere wirkt und was dabei herauskommt. Dazu kommt das sie sich je nach Stimmung mal aufführt wie ein unverblümter Flegel und sich so ausdrückt als käme sie von irgendeiner Straße, dann aber blitzschnell auf eine gehobenere Sprechweise umschalten kann. Speziell wenn sie auf Fremde trifft kann dies ein wenig skurril wirken. Zu verstecken was sie gerade denkt, fiele ihr nicht ein. Sie geht offen und ohne Furcht auf Fremde zu und zeigt dabei selten Zurückhaltung oder Nervosität. Ihre Art des Auftretens wird jedoch recht unterschiedlich wahrgenommen. Auf den einen wirkt ihre Selbstsicherheit beruhigend, andere scheint sie wiederum zu provozieren. Wenn sie auf so jemanden trifft und dieser beschließt sie anzugreifen umso besser, dann macht die Begegnung auch noch Spaß. Schließlich es gibt es, abgesehen von einem guten Gespräch, kaum etwas das sie mehr liebt als den Kampf. Aus diesem Grund geht sie manchmal bewusst auf Provokationen ein um einen Kampf herauszufordern wenn ihr gerade danach ist. Es bedeutet nicht das sie schnell wütend wird, sondern einfach das sie einen Fremden der versucht sie zu provozieren umgekehrt so lange reizt bis dieser keine andere Möglichkeit mehr hat als sie anzugreifen. Dabei gibt sie sich häufig um einiges arroganter als sie eigentlich ist. Sie mag Situationen wie diese, weil sie, sollte sie selbst angegriffen werden, nicht gezwungen ist ihren Gegner vor Schaden zu bewahren. Sie würde in einem solchen Kampf niemals töten, weiß aber sehr genau wie weit sie gehen kann um dem anderen zwar Schmerzen zu bereiten, ihn aber nicht lebensgefährlich zu verletzen, speziell wenn er sich verärgert hat. Sie macht sich häufig einen Spaß daraus ihren gegenüber im Unklaren über ihr wahres Geschlecht zu lassen. Wenn sie zum Beispiel für einen halbwüchsigen Jungen gehalten wird gibt es kaum etwas das ihr mehr Freude bereitet als Fremde durch vage Aussagen und verändertes Verhalten aufs Glatteis zu führen. Es kommt auch vor das sie es genau andersherum angeht. Einmal traf sie einen älteren Soldaten der Menschen, der sie kaum als weiblichen Shiín erkannt hatte, als er auch schon begann sie zu verhöhnen. Sie fragte ihn nur mit einem unverschämten Grinsen und leicht spöttischer Stimme, vorher denn bitte wissen wolle das sie ein Mädchen sei. Während der folgenden Unterhaltung wurde der Mann immer verwirrter. Schließlich hatte sie ihm so weit, er glaubte ihr das sie ein Junge sei, womit dann ja auch seine Hemmungen beseitigt war, denn gegen ein schwaches Mädchen hatte er nicht kämpfen wollen. Während des folgenden Kampfes schwieg sie konzentriert und begann mit einem eher langsamen Angriffstempo. Sobald sie herausgefunden hatte wie groß die Fähigkeiten des Mannes waren, begann sie das Tempo zu steigern bis ihm klar wurde das er keine Chance hatte. Als sie schließlich über ihm stand, die Metallspitzen ihres aufgefächerten Tessen an seiner Kehle, sagte sie nur mit verächtlicher Stimme: „Jetzt weiß ich warum ihr nicht gegen ein Mädchen kämpfen wolltet großer Krieger. Ihr könntet nicht einmal einen kleinen Jungen besiegen.“ Anschließend verpasste sie ihm mit der stumpfen Seite des Tessen einen Schlag gegen den Kopf der ihn ins Reich der Träume beförderte. Dann drehte sie sich um und ging davon.

Aeon ist so stolz, dass sie hin und wieder arrogant wirkt. Manches mal tut sie auch besonders arrogant um jemanden der sie noch nicht so gut kennt zu ärgern. Diese Strategie verwendet sie meist in Situationen in denen sie keine Lust hat Konversation zu betreiben. Nichts beendet eine freundlich gemeinte Unterhaltung schneller als ein verächtlicher Blick aus dem arroganten Gesicht einer Shiín. Sie hat ein herausragendes Talent im Schwertkampf und weiß darum. Dies zu verstecken würde nicht zu ihr passen. Anders verhält es sich mit ihren anderen Fähigkeiten oder ihrem Wissen. Wenn sie sich in einer Situation wiederfindet in der sie glaubt ein bestimmtes Ziel schneller zu erreichen indem sie Unwissenheit vospielt, so wird sie das tun. Es ist sehr schwer sie dazu zu bewegen ihr Schwert zu ziehen, denn das tut sie nur wenn sie sich einigermaßen sicher sein kann das ihr Gegner auch nur die geringste Chance gegen sie hat wenn sie diese Waffe führt. Dies mag zwar dafür sprechen das sie eingebildet oder arrogant ist, doch hat es einen simplen Grund. Der Schwertkampf ist für sie die höchste Kunst die sie auch immer mit voller Kraft ausübt. Ist ein Gegner nun um ein Vielfaches schwächer als sie würde das unweigerlich dazu führen das dieser schwere Verletzung oder sogar den Tod erleidet und sie tötet nicht gern, menschliche Gegner einmal ausgenommen. Für gewöhnlich zieht sie die Klinge auch nur in der Auseinandersetzung mit einem anderen Schwertkämpfer. Die einzige Ausnahme bildet ein Kampf in dem sie sich nicht anders zu helfen weiß, weil sie mit ihren anderen Waffen unterliegen würde. Womit der nächste wichtige Punkt bereits angesprochen ist, sie hasst es zu verlieren, egal in welcher Lebenssituation und versucht es deshalb tunlichst zu vermeiden. Ist es doch einmal geschehen muss sie ihre Niederlage notgedrungen anerkennen. Das gelingt ihr erstaunlicherweise in den meisten Fällen einigermaßen. Der größte Graus ist ihr dabei gegen einen Menschen zu verlieren, sei es im Würfelspiel oder einer kriegerischen Auseinandersetzung. Nach einer Niederlage hat sie meist schlechte Laune. Musste sie jedoch zuvor die größeren Fähigkeiten des Gewinner anerkennen, so lässt sie diese schlechte Laune, meist unbewusst, an dem nächsten aus der ihr begegnet und ihr Missfallen erregt oder zufällig das Pech hat ein Mensch zu sein. Ist die schlechte Laune erstmal da, genügt ein harmloses Lachen oder auch ein Blick den sie in ihrer Verärgerung falsch deutet um sie dazu zu veranlassen andere an ihrem momentanen Gemütszustand teilhaben zu lassen. Meist beschränkt sich dabei auf bissige Kommentare die andere verletzen sollen, auch wenn sie das nicht bewusst tut sondern es eher eine Art Reflex ist. Hat sie jedoch gegen einen Menschen verloren ist anders, dann kann es vorkommen das sie ihre schlechte Laune auch durch Handgreiflichkeiten weitergibt, wenn ihr ein entsprechender Anlass, wie zum Beispiel ein höhnischer Kommentar über ihre Niederlage, geboten wird. Kurzum, Aeon mag es nicht nur nicht zu verlieren, sie ist auch schlecht darin.
Die Kriegerehre ist ihr wichtig, so würde sie niemals einen Soldaten verurteilen der seine Pflicht tut, ihn aber durchaus töten wenn das nun mal ihre Pflicht ist oder er sich gerade an Schwächeren vergreift. Da sie bei den Shiín aufgewachsen ist sollte man meinen das sie ein ausgeprägtes Ehrgefühl besitzt und es recht leicht wären sie zu verärgern indem man diese verletzt, doch dem ist nicht so. Um sie ernsthaft zu reizen ist es notwendig ein wirklich großes Verbrechen zu begehen (Vergewaltigung, Mord, Angriff auf ihr Volk o.ä.). Trotzdem darf nicht vergessen werden wie wandelbar Aeon ist. Wenn sie etwas erreichen oder verhindern will, zeigt sich ein gewisses schauspielerisches Talent. Legt sie es darauf an jemanden durch Vorspiegelung eines völlig anderen Charakters hinters Licht zu führen, hat sie einige Aussicht auf Erfolg. Sie tut dies aus den verschiedensten Gründen: eine Auseinandersetzung verhindern, eine Auseinandersetzung provozieren, Informationen erhalten, falsch eingeschätzt oder unterschätzt zu werden… Um zu erkennen ob die gezeigte Verärgerung auch wirklich echt ist genügt meist ein Blick in ihrer Augen. Zeigen die in einem kalten Eisblau ist sie wirklich sauer. Wenn man sich länger in ihrer Gegenwart aufhält bekommt man leicht das Gefühl das das Leben für sie im Grunde nur ein großer Spaß ist, doch ihr Humor ist meist eher von der dunkleren Sorte und es ist schwer sie zum Lachen zu bringen. Gelingt dies doch einmal lacht sie mit heller klarer Stimme, ein Klang der pure Freude ausdrückt und in seiner Schönheit schon so manchen zum Weinen gebracht hat.
An dieser Einstelung mag es auch liegen das verbale Angriffe an sie verschwendet sind, zumindest wenn sie ihre Person betreffen. Wegen ihres langsamen Alterns hat sie früh gelernt damit zurecht zu kommen für jünger gehalten zu werden als sie ist. Von ein paar Ausnahmen abgesehen lassen sie gehässige Kommentare meist völlig kalt, da sie nicht viel Wert auf die Wertschätzung von Wildfremden legt, die nichts besseres zu tun haben als sie nur nach ihrem Aussehen zu beurteilen und aufgrund dieser nicht gerade fundierten Einschätzung dann spöttische Kommentare abzugeben. Anders verhält es sich wenn eine solche Provokation sich nicht gegen sie persönlich sondern gegen ihr Volk im Allgemeinen richtet, von einer Person kommt die sie schätzt und sie damit unerwartet trifft oder man sie, wie vor der Anschaffung ihres Umhanges häufig geschehen, offen auslacht. Was Spott betrifft sind ganz klar Worte die Grenze. Wer es wagt sich über die Grenzen von Worten hinaus zu bewegen und sie auszulachen sollte sich mindestens auf eine scharfe Erwiderung einstellen. Es ist nicht immer leicht zu erkennen wann die Akzeptanzgrenze erreicht ist. Einige Hinweise hierfür sind: Das aufblitzen von hellem Eisblau in ihren Augen, ein grundlegender Wandel ihres Auftretens oder das Versteinern von Gesicht und Körperhaltung. Dummerweise ist es nicht möglich sich bei Aeon darauf zu verlassen das sie einer handgreiflichen Vergeltung eine verbale Warnung voragehen lässt. Es kann also geschehen das sie schneller ihre Dolche gezogen hat, als zu erwarten war. Sie verteilt nur selten Ohrfeigen, viel lieber hält sie jemanden, der sie verärgert hat eine Klinge an die Kehle, schenkt ihm ein Wolfslächeln und bittet ihn höflich darum zurückzunehmen was er zuvor sagte.

Das Halbblut ist „ihrem Volk“ gegenüber absolut loyal. Da sie unter Shiín aufgewachsen ist und an ihren dämonischen Vater kaum noch Erinnerungen hat, sieht sie sich selbst auch als Shiín. Sie hat viele Jahre ihres Lebens bei diesem Volk verbracht und würde alles tun um es zu beschützen, weil es sie zu dem gemacht hat was sie heute ist. Dort akzeptierte man ihre Andersartigkeit und schuf eine Ort an den sie zurückkehren konnte. Sie würde unter Einsatz ihres Lebens dafür kämpfen diesen Ort und die Wesen die dort leben zu verteidigen und hat das auch schon häufiger getan. Auch wurde ihr die volkstypische Abneigung gegen Menschen seit ihrer Kindheit anerzogen und als sie es in jungen Jahren verließ begab sie sich in eine Welt voller Menschen mit dem festen Ziel deren Population ein wenig zu dezimieren. Der Zorn über den Tod ihrer Mutter saß tief in ihren Knochen und schaffte es sogar deren Lehre möglichst nicht zu töten außer Kraft zu setzen wenn es um Menschen ging. Es dauerte viele Jahre bis aus diesem offenen Hass eine Abneigung wurde. Erst das Mischlingsmädchen Nai sorgte dafür das Aeon ihre Meinung zu diesem Thema grundlegend überdachte und Menschen heute mit einem gewissen Grad an Neutralität entgegenzutreten versucht. Trotzdem sollte man sich als Mensch in ihrer Gegenwart hüten etwas falsches zu sagen, denn Beleidigungen die ihr Volk betreffen sind eine der wenigen Möglichkeiten sie wirklich schnell wütend zu machen.
Eigentlich kann man Aeon nicht als hilfsbereit bezeichnen, zumindest nicht als freiwillig hilfsbereit. Denn wenn es nicht gerade darum geht jemandes Leben zu retten oder einem Schwächeren beizustehen der alleine keine Chance hätte die Situation in der er gerade steckt unbeschadet zu überstehen, tut sie nur Dinge die ihr selbst zum Vorteil gereichen. Es ist schwer zu sagen ab wann sie jemandem vertraut, da man sie weder als besonders vertrauensselig noch als misstrauisch bezeichnen kann. Sie täuscht Vertrauen gerne vor um mehr über ihren Gegenüber herauszufinden und zu erkennen ob sie ihm womöglich wirklich vertrauen kann. Der Übergang von vorgetäuschten zu wirklichem Vertrauen ist in der Regel fließend, denn wirklich erkennbar zeigt sie echtes Vertrauen erst wenn sie von selbst anfängt etwas über sich preiszugeben. Um sich ihr Vertrauen zu verdienen muss eine zufällige Begegnung eigentlich nur ehrlich in Wort und Tat sein. Sobald sie das Gefühl bekommt das dem so ist, wird sie anfangen sich selbst etwas zu öffnen und ihr wahres Wesen zu zeigen. Sich ihren Respekt zu erwerben gestaltet sich da schon etwas schwieriger. Wer sich nicht als geschickter Kämpfer hervortut oder einen eisernen Willen zeigt, hat im Grunde nur wenige Möglichkeiten sich Aeon gegenüber zu beweisen. Dies ist meist gar nicht nötig, denn solange sie nicht durch Feigheit, offenen Verrat oder dergleichen vom Gegenteil überzeugt wird, ist dieser Aspekt für sie nicht von Belang. Sie ist nicht so arrogant zu glauben das sie jeden den sie zufällige auf der Straße kennelernt sofort perfekt enschätzen kann, weshalb sie sich bei ersten Begenungen entweder so gibt wie sie ist oder sich eine Strategie nach dem zurechtlegt was sie in ihrem Gegenüber zu erkennen glaubt. Erweist sich diese nachträglich als falsch, sieht sie es als lehrreiche Lektion.

Aeon liebt den Kampf. Wenn sie auf jemanden trifft von dem sie glaubt es könnte ein starker Kämpfer sein oder einen interessanten Kampfstil haben, so kommt es nicht selten vor das sie versucht mehr über dessen Fähigkeiten herauszufinden. Sie ist bereit sich mit so ziemlich jedem anzulegen, egal wie stark oder schwach der zu sein scheint. Dabei liegt ihr Hauptaugenmerk auf dem Kampf an sich, während ihre Seelenschwester Lyun im Gegenteil eher das Töten bevorzugt. Um Aeon dazu zu bringen jemanden zu töten muss man sie schon wirklich wütend machen und selbst dann ist nicht gesagt das sie bis zum äußersten geht. Geschieht es doch einmal und sie verliert vor Wut die Kontrolle, so ist sie danach meist geknickt und macht sich Selbstvorwürfe, selbst wenn der nun aus-dem-Leben-Beförderte es wirklich verdient hatte.

Auf ihren langen Reisen ist sie in Kontakt mit vielen verschiedenen Glaubensrichtungen und darüber zu dem Schluss gekommen das es irgendeine höhere Macht geben muss, wenn so viele Wesen auf unterschiedliche Arten davon überzeugt sind das es so etwas gibt. So hängt sie zwar keinem speziellen Götterglauben an doch der Verdacht das es da etwas geben muss das größer ist als alle Lebewesen auf dem Kontinent beginnt sich in ihr immer weiter zu erhärten und sie würde sogar so weit gehen offen zuzugeben das sie an eine höhere Macht glaubt. Irgendwo müssen die ganzen unerklärlichen Phänomene die es gibt ja herkommen. Einige dieser Seltsamkeit, wie zum Beispiel die Chimairen, sind nachweislich durch Magie entstanden und so hat sie sich in diesem Punkt darauf verlegt mehr über das Wirken und die Gesetze dieser geheimnisvollen Kraft herauszufinden, die sie selbst auch zum Teil beherrscht, ohne sie dabei zu verstehen. Aus politischer Sicht interessierte sich nicht für die Belange anderer Völker, es sei denn diese planen einen Angriff auf ihrer Heimat oder das Volk der Shiín. In jüngerer Vergangenheit, seit um und bei 16 Jahren, hat sich das auch auf ihre beiden Schüler ausgewirkt, sodass sie jedes Mal nervös aufhorcht wenn es Neuigkeiten aus Khirundan oder Kamîrush gibt.
Abgesehen von Menschen steht sie im Grunde jedem anderen Volk neutral bis neugierig gegenüber. Wenn sie einen ihrer Vertreter trifft, so steht einer höflichen Konversation nichts im Wege und sie nutzt jede dieser Gelegenheiten um mehr über das fremde Volk zu erfahren dem er angehört. Anders verhält es sich bei den Menschen. Zwar hat sich ihre Einstellung uber die Jahre dahingehend gewandelt das sie nicht mehr versucht jeden Menschen den sie auf der Straße trifft sofort zu töten, doch ihre Abneigung ist meist noch deutlich spürbar und sie hat nur mäßiges Interesse an diesem Volk. Sie hält es für jung, kurzlebig und langweilig. Bei einer ersten Begegnung wird sie sich Tagesform- und Situationsbedingt entweder unverblümt direkt oder höflich und zurückhaltend geben, es sei denn ihr Gegenüber ist ein Mensch, in diesem Fall trifft nur Ersteres zu. Trotz allem kann sie gut mit Worten umgehen und schafft es häufig sich aus einer brenzligen Situation mit Worten hinaus zu winden wenn sie gerade nicht kämpfen will oder merkt das ihr Gegner sowieso keine Chance gegen sie hätte und dieser noch nicht den Fehler gemacht hat sie so sehr zu verärgern das sie ihn vorführen will. Aufgrund ihrer rastlosen Natur und ihrer Neigung nie lange an einem Ort zu verweilen könnte man sie als einsamen Wolf bezeichnen. Zufällige Begegnungen führen meist nicht zu mehr als einem einfachen Gespräch oder hin und wieder einem Kampf. Wenn sie zum Beispiel auf der Suche nach Informationen ist, verschwindet sie recht schnell wieder sobald sie diese bekommen hat. Sollte sie sich einer größeren Gruppe anschließen so ist beinahe unbestreitbar sicher das sie sich davon etwas verspricht oder ein Versprechen gegeben hat. Erstaunlicherweise gilt sowohl für sie als auch für Lyun der Grundsatz, das ein gegebenes Versprechen niemals gebrochen wird. Trotz allem ist Vorsicht geboten denn das Versprechen ist nur für die Persönlichkeit bindend die es auch gegeben hat.

Schwächen
Vermeide es andere zu töten!“, pflegte Ayumis Mutter stets zu sagen: „Bekämpfe deine Feinde, besiege sie und demütige sie, damit sie dich niemals wieder angreifen, aber hüte dich davor zu töten. Es bringt nur Unglück. Die Seelen und Gesichter derer, die du erschlagen hast werden dich verfolgen und du wirst niemals mehr Ruhe finden.“ Sie hämmerte diese Denkweise in das Gedächtnis ihrer Tochter als diese noch sehr jung war und diese hat es nur selten in Frage gestellt. Ayumi hat seit ihrer Kindheit den unbezähmbaren Drang Schwächeren zu helfen und im Laufe ihres Lebens begannen diese beiden Denkweisen immer häufiger zu kollidieren. Einmal sah sie wie zwei Männer versuchten ein Menschenmädchen, das vielleicht gerade einmal das 14. Lebensjahr vollendet hatte, zu vergewaltigen. Sie wurde zornig und ging auf die beiden los. Sie versuchte noch sich zurückzuhalten, doch es gelang ihr nicht und so erschlug sie beide. Dieses Ergebnis stürzte sie in eine tiefe Gewissenskrise, aus der sich schließlich ein seltsamer Kompromiss ergab, den sie nicht ganz bewusst mit sich selbst geschlossen hat. Wenn sie in eine Situation gerät in der jemand Hilfe benötigt, kann sie nicht anders als ihm zur Hilfe zu eilen. Dieser Zwang macht es ihr unmöglich wegzusehen und untätig zu bleiben wenn jemand sich zum Beispiel aus eigener Kraft seiner Haut nicht erwehren kann, ihm eine Ungerechtigkeit widerfährt oder er aus Unwissenheit einen Fehler begeht, der ihn den Kopf kosten könnte. Ihr Problem ist nun, das sie sich nicht bewusst dazu entscheiden kann diesem nicht Folge zu leisten. Dieser Zwang ist einer der Gründe warum sie sich nach Möglichkeit von größeren Städten fernhält.
Von diesem Drang ausgenommen sind z.B. Geldspenden und weitere materielle Gaben. Dies kann sie zwar tun wenn sie das denn will, muss es aber nicht. Abgesehen davon ist er, je nach Situation, unterschiedlich stark. Ist das Leben einer Person bedroht so wird er unerträglich sobald sie die Situation gesehen hat und lässt nicht nach bis sie ihm Folge geleistet hat. Handelt es sich bei der Situation um etwas anderes ist er entsprechend schwächer, jedoch in den meisten Fällen trotzdem nicht umgehbar. Versucht sie trotzdem ihm nicht Folge zu leisten, wird ihr zuerst schlecht, dann bekommt sie Kopfschmerzen und, wenn sie sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weit genug entfernt hat, bleibt sie starr wie eine Statue stehen und ist sie unfähig sich noch weiter vom Geschehen zu entfernen. Kommt es soweit ist ihre einzige Möglichkeit sich wieder bewegen zu können dem Zwang zu folgen.

Wünsche
Wenn man in diesem Punkt wirklich von einem Wunsch sprechen kann, so ist der nahezu unbezähmbare Drang allem Unerklärlichen und Unbekannten auf den Grund zu gehen ihr größter. Man könnte allerdings in diesem Fall auch schon fast von einer Lebensaufgabe sprechen, denn sie hat für sich selbst entschieden das sie vor ihrem Tod eine Antwort auf die Frage haben will ob es Götter gibt oder nicht. Zu diesem Zweck ist es ihr Wunsch irgendwann in ihrem Leben einmal nördlich der Mauer der Drachen zu gelangen um eine dieser mythischen Kreaturen mit eigenen Augen zu sehen, auch wenn sie sich noch nicht überlegt hat wie das zu realisieren wäre. Ihr bisher einziger Versuch wurde von dem Raéyun Ryu seishin vereitelt, dem sie im Austausch für einige Informationen ihrer Lebensgeschichte erzählte.

Ziele
Aeons unbeständiges Wesen verhindert das sie lange an einem Ort verbleibt. So hat sie sich die Erlangung von Wissen zum Lebensziel gesetzt, da sie diesem an jedem Ort nachgehen kann an denen sie verschlägt und ihr häufiges Reisen sie stets an fremde, mitunter interessanten Orte bringt. Sie will so viel Wissen wie möglich ansammeln. Wann immer sie etwas Neues sieht das sie noch nicht kennt, überkommt sie sofort der Forscherdrang. In diesem Punkt unterscheidet sie sich kaum von einem neugierigen Kind: Es genügt ihr nicht etwas sehen, denn sie will verstehen was sie sieht und darüber hinaus häufig auch noch warum das was sie sieht so ist wie es ist. Diese ständige Suche nach dem tieferen Sinn ist aus ihrer Sicht einer der Gründe warum sie, im Alter von über 100 Jahren, noch nicht an Langeweile verstorben ist. Ein weiteres Ziel ist es ihren älteren Bruder Shiki aufzuspüren um sich über ein paar Dinge Klarheit zu verschaffen, die bei ihrem letzten Treffen noch unklar geblieben sind. Unter anderem will sie mit ihm die Frage erörtern, welches Alter die beiden Geschwister zu erreichen hoffen dürfen.

Ängste
An dieser Stelle wäre wohl zu erwähnen das Aeon unter ausgeprägter Bindungsangst leidet. Sie lebt stets in der Furcht, dass jemand der ihr zu nahe kommen könnte ihr durch Umstände genommen wird auf die sie keinen Einfluss hat. Zu diesen Umständen gehört ihrer Seelenschwester Lyun oder das hohe Alter. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass sie versucht jemanden durch zur Schau gestellte Leichtigkeit oder schmerzhafte Worte auf Abstand zu halten, wenn sich abzeichnet das sie ihn eventuell mögen könnte. Zweitens hat sie Angst vor dem Altern. Sie hat ihre kleine Schwester aufwachsen, altern und sterben sehen. Dabei ist in ihr eine Furcht vor dem gewachsen was sie nicht versteht und das ist sie selbst. Sie weiß zwar das sie ein Mischling ist und auch welcher Rasse ihr Vater angehörte, doch hilft ihr das in dieser Frage nicht weiter. Im Laufe ihres bisherigen Lebens hat sie auch einiges über ihre Rasse in Erfahrung bringen können. Dazu gehört auch mit welchem Alter reinrassige Dämonen normalerweise aus dem Leben scheiden. Da sie selbst auch das Blut der vergleichsweise kurzlebigen Shiín besitzt, kann sie sich nicht wirklich vorstellen wie alt sie wohl werden wird.

Lyun
Lyun ist böse. Das mag etwas verallgemeinert klingen, aber es ist einfach die treffendste Beschreibung die man für dieses Wesen finden kann. Sie liebt den Kampf, doch der Gebrauch von stofflichen Waffen ist ihr fremd. Die Magie, welche sie um einiges besser beherrscht als Aeon, ist ihre Waffe. Sie kämpft jedoch, egal wie stark oder schwach ihr Gegner ist, stets mit aller Kraft. Dabei gibt es häufig Tote. Sie kennt weder Stolz noch Zurückhaltung, ihr Antrieb ist dabei einzig die eigene Belustigung. Für Lyun dient alles um sie herum nur diesem Zweck. Das Leben ist ein Spiel und demnach wird man bei ihr auch vergebens auf Mitgefühl oder Hilfe hoffen. Ist jemand in Not und bittet sie um Hilfe, so wird sich vermutlich ein Spaß daraus machen dem Hilfesuchenden zunächst Hoffnung zu schenken indem sie seinen Peiniger tötet und ihn anschließend selbst mit einem hilfsbereiten Lächeln aus dem Leben befördern. Doch hält sie nicht besonders viel von unnötiger Grausamkeit, sie ist nicht sadistisch und es macht ihr demnach keine Freude einen Todgeweihten zu quälen. Die Tode die sie schenkt sind schnell und sauber, denn es ist das Töten selbst was ihr Freude bereitet.
Sie existiert seit Ayumis Geburt und kämpft mit ihr um die Vorherrschaft über den Körper. Vermutlich hat sie diese bisher nicht erlangt, weil sie genauso aufwachsen musste wie Ayumi selbst. Dabei hatte Letztere das Glück mit der Geschwindigkeit eines Dämons, mit der auch ihr Körper alterte, heranzureifen während Lyun die geistige Reife erst in jenem Alter erreichte in dem es auch Menschen oder Shiín tun. Warum ist beiden ein Rätsel, doch es sorgte dafür das Ayumi in ihrer Kindheit nur selten von ihr terrorisiert wurde und das auch nicht in dem Maße in dem es heute geschieht.



Fähigkeiten
Das einzige Handwerk welches Ayumi erlernt hat ist die Diebeskunst. Vom Schlösserknacken über Taschendiebstahl bis hin zu Einbrüchen, all dies beherrscht sie einigermaßen, doch besaß sie dafür nie ein herausragendes Talent. Abgesehen von diesem und dem Kriegshandwerk hat sie nichts anderes gelernt, ist jedoch auch nie auf die Idee gekommen das es notwendig sein könnte. Sollte sie Geld benötigen kann sie sich als Leibwächterin oder Söldnerin verdingen. In beiden Fällen kommt ihr die nomadische Lebensweise zu Gute, welche sie sich angewöhnt hat. Geld ist ihr nicht wichtig. Es anzuhäufen und zu horten käme ihr nicht in den Sinn, viel eher macht sie sich Gedanken darum, es ständig mit sich herumschleppen zu müssen. Weshalb sie auch, wenn sie aus ihrer Sicht genug davon besitzt, häufig andere Arten der Bezahlung für ihre Tätigkeiten akzeptiert, da sie es schlicht nicht einsieht ihr Reisegepäck mit ihnen zu beschweren. Sie nutzt es wie jeden anderen Gebrauchsgegenstand auch, wenn sie also etwas sieht das sie gerne erwerben möchte, scheut sie sich nicht auch mal eine größere Summe auszugeben, denn es kommt nicht häufig vor. Es fällt ihr nicht schwer in der Wildnis für sich selbst und andere zu sorgen. In ihrem langen Leben hat sie ein großes Wissen über Fauna und Flora auf Alvarania angesammelt. Sie kennt viele essbare Pflanzen und Strategien bestimmte Tiere zu erlegen. Die Jagd führt sie mit ihren Wurfmessern durch, denn sie kann weder Fallen bauen noch weiß sie jene vernünftig auszulegen. Das Entfachen eines Lagerfeuers oder finden eines Unterstandes für die Nacht bereiten ihr wenig Probleme, doch wenn es darum geht sich in Gesellschaft zu bewegen wird schnell klar wie unangenehm ihr derartige Dinge sind. Sie beherrscht im Grunde kaum etwas das eine Frau, zumindest aus Sicht der Menschen, können sollte und so fällt sie unweigerlich negativ auf. Weder Nähen, noch Tanzen oder meisterliches Kochen beherrscht sie. Dafür kann sie sehr gut reiten, es fällt ihr nicht einmal schwer vom Pferd aus zu kämpfen.
Sie liebt Tiere und die Tiere mögen sie. Sie fassen schnell Vertrauen zu ihr und es gab Zeit ihres Lebens keine Phase in der sie nicht mindestens von einem Tier begleitet wurde. Als sie ein Kind war war dies meistens kleine Nagetiere oder Vögel, erst mit steigendem Alter begann sich dieses Interesse auf größere Tiere auszuweiten. Aeon scheint ein instinktives Verständnis zu besitzen was ein Tier gerade fühlt und welche Bedürfnisse es hat. So fällt es ihr verständlicherweise auch nicht besonders schwer schnell Freundschaft mit diesen Wesen zu schließen. Je besser sie Tiere zu verstehen begann, desto größer und gefährlicher wurden ihre neuen „Freunde“. Sie streckte sich immer höhere Ziele und suchte Herausforderungen bis sie sich sicher sein konnte, das es keine „bösen“ Tiere gab, sondern sie nur einem Instinkt folgen wenn sie jemanden angreifen. So gelangte sie auch an das Wissen was zu tun sei um solchen Angriffen aus dem Weg gehen zu können, was ihr besonders in der Funktion als bezahlte Wache einen enormen Vorteil brachte. Sie kann lesen, schreiben und rechnen. Darüber hinaus hat sie so ziemlich jede Sprache die es auf Alvarania gibt schon mal gehört. Bis auf die coreonischen Sprachen beherrscht sie jede sicher genug um in ihr eine längere Unterhaltung führen zu können, ohne das sie einen starken Akzent besäße. Sie hat in ihrem langen Leben viel Zeit darauf verwendet eine jede dieser Sprachen zu erlernen und sich stetig in ihrem Gebrauch geschult. Es wäre ihr wohl auch möglich eine Unterhaltung auf Coreonisch zu führen, doch besitzt sie einen starken Akzent und kennt bei weitem nicht alle Wörter dieser Sprache, sodass sie das so weit es geht vermeidet.
Sie besitzt die flinken und geschickten Finger eines Diebes. Im Kampf verlässt sie sich auf ihre Schnelligkeit, die sie zusammen mit ihrer Wendigkeit zu einem nicht zu unterschätzenden Gegner macht. Auch ist sie in der Lage sich nahezu vollkommen lautlos zu bewegen und sich zu tarnen indem sie unbeweglich in einem Schatten stehen bleibt und mit ihm nahezu verschmilzt. Letzteres funktioniert aber nur wenn sie ihren grauen Umhang oder andere dunkle Kleidung trägt. Es fällt ihr nicht schwer ihre helle Kleidung in Kämpfen schmutzfrei zu halten, so schnell ist sie. Doch ihre Ausdauer lässt etwas zu wünschen übrig, weshalb sie selten auf längere Kämpfe einlässt. Ihre Kampfstrategie ist auf die mangelnde Ausdauer ausgerichtet. So wird sie stets versuchen einen Kampf sehr schnell zu beenden, wenn sie währenddessen feststellt das sie langsam die Kräfte verlassen. So mag es vorkommen das sie einen Gegner anfangs unterschätzt mit ihm spielt, wenn sie jedoch feststellt, dass er besser ist als gedacht und sich der Kampf noch länger hinziehen könnte, wird sie das Tempo stets so weit ankurbeln wie es aus ihrer Sicht nötig ist um nicht zu unterliegen. Auch in einem Wettrennen das über eine längere Strecke geht würde sie vermutlich den Kürzeren ziehen.
Aeon besitzt ein außergewöhnliches Talent. Sie vergisst nie etwas. Sie kann sich an alles erinnern seit sie das Licht der Welt erblickte und ihren ersten Atemzug tat. Zugegebenermaßen sind viele ihrer Kindheitserinnerungen, besonders des ersten Lebensjahres, verschwommen und teilweise unklar, doch sie kann sie trotzdem jederzeit abrufen wenn das einmal nötig sein sollte. Darüber hinaus hat sie in ihrem Geist eine Art Landkarte angelegt. Jedes neu erworbene Wissen legt sie an den dafür bestimmten Ort ab. Erfährt sie etwas über das Meervolk, so speichert sie dieses Wissen auf der Karte an dem Punkt wo die Bucht von Nibyn liegt. Doch zusätzlich zu dem Wissen das sie Zeit ihres Lebens ansammelte, kann sie auch auf ihre persönlichen Erinnerungen jederzeit zugreifen. Es ist als wäre dieses Wissen die ganze Zeit da und sie bräuchte kaum mehr zu tun als danach zu greifen wenn sie sich erinnern will. Dazu kommt das sie von außergewöhnlicher Intelligenz ist und viele Dinge aufgrund ihrer raschen Auffassungsgabe schneller begreift als so manch anderer. Sie hat jedoch gelernt diese Intelligenz zu verbergen um nicht negativ aufzufallen, wie sie es in ihrer Kindheit oft tat, weil sie nicht verstehen konnte weshalb ihr Volk die Menschen so hasste.

Schwächen
Aeon ist ein Paradoxon. Als Teil-Wasserdämon hat sie eine enge Verbindung zu diesem Element und kann es sogar mittels Magie in gewissem Maße kontrollieren, doch wird sich schwerlich ein Wasserdämon finden lassen der sich konsequenter von seinem Element fernhält als sie. In ihre Beziehung zu Wasser ist eine ganz besondere, denn es ist abgesehen von starken Gefühlsaufwallungen und der übermäßigen Nutzung der Magie durch Lyun einer der Hauptgründe für das unkontrollierte Hervortreten der dämonischen Gestalt. Es hat etwas mit der Psyche des Mischlings zu tun. Eine leichte Berührung mit Wasser, etwa einfaches trinken, leichter Regen oder das eintauchen eines Fingers oder einer Zehe in das nasse Element genügt noch nicht um eine Verwandlung auszulösen. Kommt jedoch mehr Wasser in direkten Kontakt mit ihrer Haut (oder in Form nasser Kleidung) folgt unweigerlich ein Gestaltwechsel. Hierunter fallen Gelegenheiten wie…

- Sturzbachartige Regenfälle, die die Kleidung vollkommen durchnässen
- der Fall/Sprung in ein Gewässer (Fluss, See, Bach, Meer…)
- Andere Gelegenheiten wo ihr Körper zu mindestens einem Viertel mit Wasser bedeckt ist. Folglich reicht es ein Wasserschlauch über ihr auszuleeren um eine Verwandlung herbeizuführen.
=> Die einzige Bedingung hierbei ist der direkte Kontakt des Wassers zur Haut (oder von etwas Nassem, wie zum Beispiel Kleidung wenn diese großflächig damit vollgesogen ist)

Diese seltsame Wirkung hatte Wasser schon immer auf das Halbblut. Der genaue Grund für das Auslösen der Verwandlung durch das nasse Element liegt vermutlich in seiner Zusammensetzung. Das Gefühl wenn die Haut von nichts als Luft umgeben ist ist ein anderes, als wenn sie feucht oder von Wasser umgeben ist. Ihr Shiín-Körper ist für das Überleben in einer wasserlosen Umgebung besser geeignet als die dämonische Form. Befindet er sich jedoch im Wasser, sind seine Möglichkeiten stark eingeschränkt, die der dämonischen Form jedoch nicht. Mit den Kiemen, welche das Atmen unter Wasser ermöglichen, und den Flossen, die die Fortbewegung in so einer Umgebung erheblich erleichtern, ist er bestens an diese Umgebung angepasst. Bereits kurze Zeit nach Aeons Geburt, als sie noch kaum zu einem bewussten Gedanken fähig war, vollzog sich diese Verwandlung das erste Mal als ihre Mutter den Säugling badete. In dieser Zeit verankerte sich diese Vorgehensweise als „natürlich“ im Gehirn. Es geschieht stets unbewusst und weder Aeon noch Lyun ist in der Lage die Verwandlung aufzuhalten. In Grenzsituationen, etwa bei mittelstarkem Regen, gibt es eine Art Übergangsphase in der die gerade vorherrschende Persönlichkeit die Verwandlung abwenden kann, wenn sie sich ihrer durchnässten Kleidung so schnell wie möglich entledigt, bevor diese dem Körper signalisiert das eine Verwandlung nötig ist und sie sich stark auf das Verhindern einer Verwandlung konzentriert.
Grundsätzlich ist die Tatsache, dass der Körper sich von selbst den neuen äußeren Gegebenheiten anpasst nicht wirklich negativ. Doch dies gilt nur für Situationen in denen sich dieser Körper wirklich im Wasser befindet. Das einfache Durchqueren eines Flusses kann bereits zum Problem werden wenn dieser zu tief ist (mehr als die Füße mit Wasser bedeckt sind). Auch ein unachtsamer Moment im Regen, oder sehr starke Regenfälle können zur Verwandlung führen, was mitunter sehr unangenehm werden kann. Zum einen beginnen sich die Kiemen zu öffnen wenn sie wiederholt mit Wasser benetzt werden und erschweren Aeon damit das Atmen, zum anderen ist die Flossen-Form an Land ein einziger Nachteil: sie ist schwerfällig und macht ihren Träger damit sehr angreifbar, während sie ihm die Verteidigung erschwert. Außerdem ist sie sehr auffällig und enttarnt ihren Träger sofort als „nicht normal“.
Im Widerstreit der beiden Persönlichkeiten kann sie jedoch auch von Vorteil sein. Schließlich ist es Aeon, die diese Gestalt kontrolliert. Sie ist zwar wenn Lyundie Kontrolle hat nicht in der Lage Magie zu wirken oder den Körper zu bewegen, kann aber gedanklich mit ihr kommunizieren und sie ablenken. Es gelingt ihr zwar selten, doch ist es schon vorgekommen das es ihr gelang Lyun so stark abzulenken, dass diese in eine Pfütze trat die tief genug war um eine Verwandlung auszulösen, oder im Regen stehen blieb um sich mit der nervigen Stimme in ihrem Kopf zu streiten anstatt diesen unverzüglich zu verlassen um die Verwandlung zu verhindern. Auch ein Außenstehender könnte, wenn er eingeweiht ist, auf diese Weise Kontrolle über die mörderische zweite Persönlichkeit Aeons gewinnen und vielleicht schlimmere Katastrophen oder plötzliche Todesfälle verhindern. Die einfachste Methode wäre hier den eigenen Wasserschlauch über Lyun zu entleeren.

Wie bereits erwähnt besitzt das Mischlings-Wesen zwei Persönlichkeiten Aeon und Lyun. Die beiden Persönlichkeiten sind in der Lage miteinander zu kommunizieren. Sie unterhalten sich in Gedanken und es ist für den, der gerade die Kontrolle über den Körper hat, sehr schwer den anderen komplett auszublenden. Es gibt nur wenige Momente, wie etwa eine Kampfsituation in der sich beide einig sind, weil sie beide den Kampf lieben und sich gegenseitig diese Freude nicht zerstören wollen, und so der derjenige, der aktuell nicht die Kontrolle hat, schweigt. Der Regelfall ist, dass Aeon die Kontrolle hat und Lyun lediglich als Stimme in ihrem Kopf existiert. Dies ändert sich wenn…
- Aeon eine gewaltige Gefühlsaufwallung erlebt, die ihr zweites Gesicht hervorzerrt. Dieses wird von Lyun kontrolliert. Unter diesen Punkt fallen sowohl extrem negative als auch extrem positive Gefühle. Es hat seine Zeit gedauert bis Aeon herausfand das Gefühle sie die Kontrolle verlieren lassen, weshalb sie viele Jahre versuchte ihre Gefühle unter Kontrolle zu bingen, bis sie irgendwann einsehen musste, dass eine absolute Kontrolle in diesem Punkt nicht erlangt werden kann. Somit bewegt sie sich im täglichen Leben auf einem schmalen Grat. Wissend das starke Gefühle sie in ein blindwütiges Monster verwandeln können, versucht sie ständig diese nicht ausufern zu lassen.
- Aeon freiwillig die Kontrolle abgibt. Dies geschah im Laufe ihres Lebens noch nicht sehr oft, ist aber durchaus schon vorgekommen. Einmal geschah es aufgrund von Trauer über die Ermordung ihrer Mutter. Lyun übernahm die Kontrolle und richtete ein furchtbares Blutbad unter den Verursachern des Todes an. Sie überließ die Herrschaft freiwillig, weil sie sich in ihrer Verzweiflung nicht mehr dazu in der Lage sah, die Rache in angemessenem Umfang auszuführen und sie sich drauf verlassen konnte dass ihr anderes ich sehr wohl dazu in der Lage wäre zu töten, egal wer sich ihm gegenüberstellte. Denn Lyun besitzt nur nicht ihre Schwäche, anderen helfen zu müssen wenn diese in Not sind.
- sie in einem Kampf zu unterliegen droht. Dies ist in ihrem ganzen Leben nur ein einziges Mal vorgekommen und das war bei einem Trainingsgefecht im Alter von 20 Jahren. Es war das erste Mal dass die Stimme in ihrem Kopf hervortrat und bewusst die Kontrolle übernahm, ohne das zuvor ihr zweites Gesicht hervorgetreten war. Das es als Reaktion darauf an die Oberfläche drängte ist nicht wichtig, wichtig ist nur Ayumis Erkenntnis das eine solche Situation sie die Kontrolle über ihren Körper kosten kann. Deshalb investierte sie viel Zeit und Energie in das Training ihrer Kampffertigkeiten.
- sie zu wenig oder zu viel Magie benutzt. Beides macht sie angreifbar für die pure Magieexistenz Lyun. Um zu gewährleisten das sie niemals zu wenig Magie verwendet, hält sie häufig ihren Wasser-Tessen in seiner kampffähigen Form, weil dies ein Mindestmaß an Konzentration und Magie erfordert und bei weitem nicht so auffällig ist, wie das permanente Jonglieren mit Wasserkugeln oder ähnlichen Kunststücken.
Hat Lyun erst einmal die Kontrolle übernommen bricht sie los wie ein Wirbelsturm. Sie beginnt sich auf alle nur erdenklichen Arten zu vergnügen und lässt dabei nichts unversucht um Aeon zu provozieren, in Verruf zu bringen oder jene die ihr wichtig sind zu verletzen. Diese zweite Persönlichkeit ist eine von Aeons größten Schwächen, weil es für sie äußerst schwierig ist einmal abgegebene Kontrolle zurück zu erlangen. Hierzu gibt es im Grunde nur drei Möglichkeiten: entweder Lyun überlässt ihr die Kontrolle freiwillig, sie verwendet zu viel Magie und nimmt dadurch die dämonische Gestalt an oder sie kommt mit zu viel Wasser in Kontatk, da sie in diesem Fall der Selben Schwäche unterliegt wie Aeon.


Kampffähigkeiten
Aeons bevorzugte Waffe ist das Katana. Was auch nicht weiter verwunderlich ist wenn man bedenkt, dass sie den Umgang damit seit ihrer frühsten Kindheit trainiert und dementsprechend inzwischen sehr gut damit umzugehen versteht. Da sie bei den Shiín aufgewachsen ist erlernte sie auch den Kampf mit zwei Waffen dieser Art. Doch ihre Jugendklinge verlor sie, kurz nachdem sie Volk verlassen hatte, durch einen unglücklichen Zwischenfall. Doch bereits vorher zeichnete sich ab das ihr der Kampf mit lediglich einem Katana mehr lag als der mit zweien. Der Grund hierfür war in ihrer Jugend das sie mit der anderen Hand ein Tessen führen oder Magie verwenden konnte um in einem Kampf die Oberhand zu gewinnen. Heutzutage käme ihr eine solche Zuhilfenahme anderer Waffen allerdings nicht mehr in den Sinn. Gelingt es einem Gegner sie derart zu beeindrucken das sie ihr Schwert überhaupt zieht kann der sich schon gewaltig etwas darauf einbilden. Es kommt nur sehr selten vor und sie nutzt diese Waffe nur im Kampf gegen einen, aus ihrer Sicht würdigen, Krieger, denn der Schwertkampf ist für sie eine der höchsten Kunstformen. Ihr Kampfstil gleicht einem Tanz. Einem blitzschnellen und mitunter tödlichen Tanz der eine ganz eigene Schönheit besitzt. Mit halber Kraft geführte oder langsame Hiebe wird man bei ihr nie sehen, wenn sie die Klinge einmal zieht, kämpft sie mit voller Stärke.
Die weitaus häufigste Art einen bewaffneten Konflikt zu lösen besteht für Aeon in der Verwendung ihrer Tessen. Diese Waffen sind sowohl für den defensiven als auch für den offensiven Nahkampf geeignet. Im geschlossenen Zustand können die Fächer für das Blocken oder auch Schlagen, im Prinzip wie kurze Stöcke, verwendet werden. Die gefährlichen Spitzen geben zusätzlich die Möglichkeit dem Gegner Schnittwunden zuzufügen, wie es ein Dolch könnte. Im geöffneten Zustand bieten sie noch immer zahlreiche Möglichkeiten Schläge abzuwehren, doch die Angriffsfläche ist nun größer. Die vielen kleinen Spitzen sind mitunter eine schmerzhafte Lektion für jeden der die doch recht harmlos aussehenden fächerförmigen Waffen unterschätzt. Der Wasser-Tessen bietet im geöffneten Zustand weniger Möglichkeiten Angriffe zu blocken, dafür eignet er sich bestens zur Verwirrung oder auch Entwaffnung des Gegners. Denn das Wasser das Aeon zwischen die Metallstreben spannt, besitzt nicht die Festigkeit des Stoffes des anderen Tessen. Es kommt vor das Aeon einen Angriff bewusst nicht pariert, sondern ihn vielmehr teilweise durch ihre eigene Waffe fahren lässt. Wenn es sich bei diesem Angriff beispielsweise um einen Stich mit einem Schwert handelt, so erwartet der Gegner auf Widerstand zu treffen. Geschieht das nicht ist er vielleicht verwirrt, mit Sicherheit aber aus dem Gleichgewicht gebracht, was Aeon die Möglichkeit für einen eigenen Angriff bietet. Auch kann sie den Tessen in dem Moment in dem die Waffe hindurchfährt blitzartig zusammenklappen und seitlich Wegdrehen um dem Gegner damit die eigene Waffe aus der Hand zu entwenden. Für Manöver dieser Art hat sie die Waffe entwickelt, denn sie wäre zwar in der Lage derartige Manöver auch mit ihrem anderen Tessen durchzuführen, kann aber durch die Verwendung der Magie Kosten sparen. Schließlich wäre es doch recht umständlich ständig das durchlöcherte Leinen ihrer anderen Waffe austauschen zu müssen. Ob sie beide Tessen verwendet oder nur einen hängt ganz davon ab für wie fähig sie ihren Gegner hält. Es kann schon vorkommen das sie im Laufe des Kampfes, sollte sie feststellen das ihr Gegner doch mehr Kampfstärke besitzt als sie zunächst dachte, eine zweite Waffe hinzunimmt. Dies kommt nicht selten vor, da sie sich zu Beginn eines neuen Kampfes mitunter nur fragt ob ihr Gegner, benutzte sie ihre Tessen, eine reelle Chance gegen sie hätte oder nicht. Kommt sie zu dem Schluss das die Antwort nein lautet, verlegte sich auf ihre waffenlose Kampfkunst oder ihre Wurfdolche, lautet die Antwort ja zieht sie zunächst einen Tessen. Sie sind ein Teil ihrer so genannten „magischen Kampfkunst“, da zumindest einer der Tessen teilweise ein Werk der Magie ist. Die andere Hälfte dieser Kampfkunst bilden ihre Wurfmesser. Die beiden schlanken Klingen, die sie in verborgenen Scheiden an den Unterarmen trägt sind, abgesehen von der Magie, ihre einzige Möglichkeit einen Feind auf die Distanz anzugehen. Sie kennt diese Waffen sehr gut und hat sich um sie nicht zu verlieren etwas einfallen lassen. Grob gesagt schafft sie große messerförmige Wassertropfen, die sie auf ihre Feinde wirft. Sie halten nicht so lange wie der Wasser-Tessen, aber das müssen sie auch nicht. Sie dienen meist nur zur Abschreckung. Nur in den seltensten Fällen lässt sich Aeon auf einen Distanz-Kampf ein, da sie nie wirklich gelernt hat Waffen dieser Art zu führen. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Dolche kaum eine echte Bedrohung darstellen.
Zuletzt beherrscht sie noch einen waffenlosen Kampfstil den sie selbst entwickelt hat. Dieser ist sehr defensiv geprägt und somit eher dazu geeignet einen bewaffneten Gegner zu entwaffnen oder außer Gefecht zu setzen, als ihn wirklich nachhaltig zu schädigen. Zwar wäre sie dazu durchaus in der Lage erst entspräche aber nicht ihrem Wesen. Demnach sind die meisten Techniken auf das Blocken oder Ausweichen ausgelegt. Es gibt auch einige Kontertechniken bei denen meist präzise die verletzlichen Stellen des gegnerischen Körpers anvisiert werden (z. B. der Solarplexus, die Zehen, die Kniescheibe, der Kehlkopf, die Nase usw.). Ein Treffer an einer dieser Stellen kann, wenn er mit zu viel Kraft ausgeführt wird, schwere Schäden verursachen. Werden sie jedoch mit einem geringeren Kraftaufwand getroffen so sind sie geeignet den Gegner kurzfristig außer Gefecht zu setzen oder ihn zu lähmen. In diesem Fall kann der anwendende Kämpfer sich entscheiden ob er die Gelegenheit zur Flucht nutzen oder, wie in Aeons Fall, dazu seinen Gegner freundlich darauf hinzuweisen das es durchaus möglich wäre den Kampf fortzusetzen, der Gegner dann aber keine Gnade mehr zu erwarten habe. Sie nutzt diese Kampf Technik meist gegen deutlich unterlegene Gegner oder zu Trainingszwecken. Ist es nicht ihr Ziel ihren Gegner schwer zu verletzen, sondern lediglich eine Lektion zu erteilen oder ihn, wie gesagt, zu schulen ist sie sehr hilfreich, kann sie doch ihre volle Geschwindigkeit nutzen ohne dabei so vorsichtig sein zu müssen wie zum Beispiel bei der Verwendung einer Waffe.

Aeons offensichtlichste Schwäche ist der Fernkampf. Sie hat nie gelernt einen Bogen, eine Wurfaxt oder ein Blasrohr sinnvoll zu verwenden und es sind diese Waffen die ihr wirklich gefährlich werden können. Zwar besitzt sie, wenn sie sehr aufmerksam ist, die Fähigkeit fliegenden Geschossen rechtzeitig auszuweichen, doch einen permanenten Beschuss, besonders mehrerer Gegner, würde sie wohl kaum unbeschadet überstehen. Für Lyun gilt dies aber nicht. Sie hat im Gegensatz zu Aeon keine Hemmungen im magisches Talent einzusetzen. So kann sie im Grunde genauso leicht von einem Distanzwaffenkämpfer verletzt werden wie Aeon, kann diesen aber im Bruchteil einer Sekunde mittels Magie angreifen.
Schwere Waffen (Keulen, Morgensterne, Steitäxte…) bereiten hingegen beiden Probleme. Hat Lyun nicht rechtzeitig erkannt das sich ein Gegner mit einer solchen Waffe nähert und ihn schon auf größere Entfernung mittels Magie angegriffen, ist dieser in der Lage sie hart zu treffen. Eine derartige Konfrontation stellt sie vor ein Problem, da sie keine nennenswerte kämpferische Ausbildung besitzt. Sie war stets der Meinung das ihre Magie zu Verteidigungszwecken immer genügen würde. Dabei hatte sie nicht bedacht das es mit Wassermagie einen enormen Kraftakt darstellen würde einen Angriff mit einer derartigen Waffe aufzuhalten. Versucht sie es trotzdem, könnte es geschehen das sie danach so erschöpft wäre, dass sie jedem weiteren Angriff nicht mehr viel entgegenzusetzen hätte und womöglich wehrlos wäre. Somit wäre sie gezwungen den Angreifer selbst auszuschalten, anstatt einfach seinen Angriff abzuleiten, wie sie es mit einer leichen Waffe zu tun vermag wenn sie diese rechtzeitig kommen sieht. Doch auch dabei handelt es sich um einen nicht zu unterschätzenden Kraftakt. Den sie nicht mehrmal hintereinander druchführen kann. Aeon hat ein ganz anderes Problem. Zu stolz ihre Klinge zu ziehen, aber nicht dumm genug einen heranstürmenden Axtkämpfer oder ähnliches mit einem Wurfmesser oder Magie aufhalten zu wollen, steckt in einer Zwickmühle. Entweder sie bricht ihre eiserne Regel die Klinge nur dann zu ziehen wenn sie einem wirklich würdigen Gegner gegenübersteht oder sie muss versuchen dicht an ihren Gegner zu gelangen um ihn seine Waffe aus der Hand zu schlagen, denn je nachdem um welche Waffe es sich handelt erscheint es auch nicht besonders klug ihr mit zwei Fächern beikommen zu wollen. Sie bringt sich häufig in gefährliche Situationen wenn sie denkt ihren Gegner rechtzeitig entwaffnen zu können. Scheitert sie dabei, wird häufig mehr verletzt als nur ihren Stolz.
Etwas weniger offensichtlich, aber dennoch nicht zu verachten ist ihre fehlende Ausdauer. Die Chancen sie mit einer leichten Nahkampfwaffe zu besiegen steigen immer weiter, je länger der Kampf dauert. Besonders in größeren Schlachten, wo es nicht zum klassischen Duell zwischen zwei Kämpfern kommt wird Aeon spätestens nach einem halben Tag leichte Beute sein. Ihre Grenze befindet sich bei etwa einer Stunde wenn sie mit unverminderter Geschwindigkeit kämpft, hält sie sich etwas zurück beginnen die ersten Anzeichen von Erschöpfung sich meist nach etwa zwei Stunden zu zeigen. Wenn sie merkt das sie langsamer wird und ihre Wachsamkeit nachlässt, sie also ihre „Grenze“ erreicht hat, wird sie versuchen den Kampf möglichst schnell zu beenden.
Eine interessante, wenn auch im Vergleich zu den anderen eher kleine Schwäche, ist Aeons Angewohnheit sich im Nahkampf zu sehr auf bestimmte Sinneseindrücke zu verlassen. Wenn beispielsweise kein Distanzangriff zu erwarten und die Geschwindigkeit des Kampfes noch nicht allzu hoch ist, verlässt sie sich meist mehr auf ihre Augen als auf ihr Gehör. Dies kann ein Gegner ausnutzen, denn wenn sie plötzlich Staub in die Augen bekommt oder dergleichen, bringt sie das kurzzeitig aus dem Konzept. Je mehr die Geschwindigkeit des Kampfes zunimmt, desto weniger verlässt sie sich auf ihre Augen. In so einem Fall ist ihr Gehör ihr wunder Punkt. Geräusche deren Lautstärke um ein Vielfaches höher ist als alles was die kämpfenden zuvor umgab haben einen ähnlichen Effekt wie zuvor der Staub.


Magie/Zauber
Erst im Alter von etwa 30 Jahren begann Aeon langsam zu begreifen, dass das dämonisches Erbe, welches sie in ihrer Kindheit zu einem Außenseiter gemacht hatte, keine bloße Ausprägung Lyuns war. Denn es war nicht nur deren jugendliche Unbeherrschbarkeit gewesen, die ihr diesen Status verschafft hatte. Auch Aeon selbst nutzte die magische Macht die ihren Blut innewohnte gelegentlich. Besonders in ihrer frühen Jugend besaß das nasse Element eine geradezu magische Anziehungskraft auf sie. Sie konnte stundenlang an einem kleinen Bachlauf sitzen und es anstarren ohne das etwas geschah. Doch manchmal gelang es ihr kleine Verwirbelungen in so einem Bach entstehen zu lassen oder dafür zu sorgen, dass sich die winzigen Wellen, welche ein Regentropfen verursacht wenn er auf eine unbewegte Wasseroberfläche trifft, ein wenig weiter ausbreiteten als sie es ohne ihr Zutun getan hätten. Es war kaum mehr als der instinktgetriebene Wunsch die Schönheit einer bestimmten Begebenheit ein klein wenig länger zu beobachten. Selbst jetzt, viele viele Jahre später, kommt es noch gelegentlich vor.
Während mit zunehmendem Alter die unkontrollierten Magieausbrüche seltener wurden, blieb diese Faszination erhalten und durch sie verstand Aeon, dass die Magie nicht ihr Feind und Lyuns Verbündeter war, sondern jene im Gegensatz zu ihr akzeptiert hatte, dass die Magie ein Teil ihres Wesens war. Nachdem ihr das klar geworden war, verbrachte sie viel Zeit mit dem Versuch diese Kraft zu lenken. Es wurde deutlich, dass sie diese Kraft so instinktiv herbeirufen konnte, wie ein jedes Wesen sofort nach der Geburt das Atmen beherrscht. Nachdem sie das jedoch getan hatte begannen die Probleme. Denn jeder, der in seinem Leben schon mal versucht hat die Luft anzuhalten wird wissen, wie anstrengend das auf Dauer werden kann. Für Aeon fühlte sich der Versuch die magische Kraft zu unterdrücken anfangs so an als würde sie ersticken. Es war als versuche sie einen Teil ihrer selbst bewusst zu töten und dabei wusste sie ganz genau, dass es vorher anders gewesen war. Es ärgerte sie maßlos, ließ ich nun aber nicht mehr ändern. Also blieb ihr nichts anderes übrig als zu üben diese Kraft zu unterdrücken. Es kostete sie Jahre bis es ihr gelang diese Macht so weit zu unterdrücken, dass sie nicht ständig die Kontrolle an Lyun verlor. Glücklicherweise befand sie sich zu dieser Zeit auf Reisen und die ständigen Machtkämpfe erregten nicht so viel Aufsehen, wie sie es an ein und denselben Ort zweifelsohne getan hätten.
Erst als sie einige Zeit in größtenteils unbewohnten Gebieten verbrachte, traute sie sich wieder mit dem experimentieren zu beginnen. In dieser Zeit ging sie einige Male bis an ihre Grenzen und konnte schließlich für sich eine Regel entwickeln. Sie durfte nie zu viel oder zu wenig Magie verwenden, denn beides führte zu einem seelischen Ungleichgewicht, welches immer mit dem Hervortreten des Zweiten Gesichtes endete und so suchte sie nach einem Weg dieses Mindestmaß an Magie stets aufrecht zu erhalten und fand eine elegante Lösung: ihren Wassertessen. Mit ihm konnte sie nun beginnen einen neuen Kampfstil mit zwei Fächern zu entwickeln und gleichzeitig stets ein wenig Magie verwenden um den zweiten aufrecht zu erhalten.

Wasser beschwören
Es ist eigentlich mehr eine Sache von Magie, die ohne direktes Nachdenken bei Aeon geschieht. Da sie leider ihre Magie ohne Zutun und Leitung eines Lehrers erfahren musste, hat sie sich wenig mit dieser Seite ihres Seins befasst, ja floh eher davon. Jedoch ist es ihr ein beinahe leichtes, Wasser nicht nur zu verformen, sondern auch dessen Flussrichtung zu verändern. Dies jedoch – da sie unter keiner kompetenten Anleitung gestanden hatte – bedurfte bei Aeon ein gewisses Maß an Konzentration, welche auch schon mal damit endete, dass ihr zweites Gesicht die Herrschaft an sich riss.
Die Wasserbeschwörung besteht aus mehreren Teilen… zum einem die „normale“ Wasserbeschwörung. Hierbei entzieht sie ihrer Umgebung Wasser und verlagert es an einen anderen Ort. Ob es sich dabei um den Wasserspeicher einer Pflanze, einen unterirdischen Flusslauf oder etwa den noch nicht gefallenen Regen in den Wolken über ihr handelt es dabei einerlei ist das Wasser schon in seiner endgültigen Form vorhanden, so benötigt Aeon nicht viel Energie um es etwa in einem formlosen Wirbel, scheinbar aus dem Nichts, über ihre Handfläche erscheinen zu lassen. Jedoch gibt es Gegenden in denen nur wenig Wasser in dieser Form (H2O) vorhanden ist. Doch auch hier kann sie Wasser beschwören. Es erfordert jedoch wesentlich mehr Energie. Da Wasser nicht nur in seiner flüssigen Form vorkommt, sondern sich seine Bestandteile auch in Form von Gasen in der Luft befinden, kann Aeon aus ihnen „Wasser beschwören“. Genau genommen verwendet sie die Wasserstoff- und Sauerstoff-Atome, welche sich in der Luft in ihrer unmittelbaren Umgebung befinden. Sie verbindet diese indem sie sie in Schwingung versetzt, bzw. leicht erwärmt. Nun ist allerdings klar: je trockener die Luft ist, desto schwerer fällt es Aeon Wasser herzustellen. Auch die Menge an Wasser die sie auf diese Art beschwören kann ist von der Luftfeuchtigkeit, sowie dem Sauerstoffgehalt der Luft abhängig und kann damit von Ort zu Ort stark variieren. Somit fällt es ihr in trockenen Gebieten deutlich schwerer sich auf diese Weise zum Beispiel neues Trinkwasser zu beschaffen, andererseits minimiert die Trockenheit auch die Gefahr, dass sie zu viel Energie für die Wasserbeschwörung verwendet und dabei versehentlich einen leichten Regenguss verursacht. Denn dieser Zauber ist besonders in trockenen Gebieten mitunter tückisch. Verwendet sie zu viel Energie auf die Herstellung von Wasser, so kann es tatsächlich passieren das es zu regnen beginnt und Aeon sich in ihrer dämonischen Gestalt auf den trockenen Land wiederfindet, wo diese doch recht hinderlich ist…
Eine weitere Art der Wasserbeschwörung, die stetes Lernen erfordert, wäre aus Wasser Wesen zu beschwören, die als Unterstützung bei Kämpfen mitwirken können. Es erfordert jedoch einen Lehrer um diese Form der Magie zu meistern. Da Aeon niemals einen solchen hatte, ist ihr dieses Können und Wissen verschlossen.

Wasser formen
Wasser zu formen ist ebenso eine Art der Wassermagie die Aeon beherrscht. Aeons „inneres“ Auge „sieht“ sozusagen wie Wassermoleküle sich verhalten. Durch Konzentration gelingt es ihr, die Bewegung der einzelnen Wassermoleküle zu verlangsamen und ihre Bewegungsrichtung zu ändern, womit sie einen eisähnlichen Zustand herbeiführt, der es ihr ermöglicht Wasser in feste Strukturen zu bannen. Will sie zum Beispiel eine Kugel formen, so beginnt sie damit eine gewisse Menge an Wassermolekülen um ein einzelnes rotieren zu lassen, welches sie als Mittelpunkt ausgewählt hat. Wie bei der Entstehung eines Strudels breitet sich diese Bewegung nach außen hin aus, sodass innerhalb kürzester Zeit immer mehr Teilchen von dieser Bewegung betroffen sind. Es entsteht ein Ball, der sich um sich selbst dreht und durch die Drehbewegung immer größer wird. Hat die zukünftige Kugel Größe erreicht, die Aeon anfangs für sie vorgesehen hatte, verlangsamt sie die äußersten Ränder der Kugel. Die Teilchen die sich dort befinden werden ihrer Bewegung so stark gebremst, dass sich sehr viele nebeneinander anlagern können. Die nun nur noch schwach bewegten und eng zusammenliegenden Moleküle ziehen sich gegenseitig an und bilden eine elastische Oberfläche, die dem Gebilde seiner Form verleiht. Da die Moleküle im Inneren sich noch immer in um den ausgewählten Mittelpunkt drehen, werden diejenigen die die Außenwand bilden stetig von ihnen angezogen, können sich aber nicht weit in Richtung Mitte bewegen, da sie so eng zusammen lagern das ihr Bewegungsspielraum stark eingeschränkt ist. Diesem Umstand verdankt das Gebilde letztendlich seine Form. Je nach Lage kann Aeon diese Kraft verstärken oder auch verringern, was konkret bedeutet, dass sie Gebilde von unterschiedlicher Festigkeit erschaffen kann. Ist diese Kraft sehr gering, also die Bewegung der Moleküle im Inneren nicht sehr schnell, so genügt eine Berührung um die Spannung zu zerstören und die Form aufzulösen. Sie kann jedoch auch Gebilde mit so großer Oberflächenspannung formen, das nicht einmal ein harter Schlag ausreicht um sie zu zerstören. Wirft man eine solche Kugel beispielsweise auf den Boden, so wird sie sich verformen und bei dem Versuch ihr Gleichgewicht wiederzufinden vom Boden abprallen und wieder ihre alte Form annehmen. Je größer der Zusammenhalt des Gebildes ist, desto mehr magische Energie erfordert seine Aufrechterhaltung.
Auf diese Weise kann sie Messer, Kugeln und allerlei andere Gebilde formen. Weniger komplexe Übungen, etwa kleine Strudel entstehen zu lassen oder etwas Bewegung in die Oberfläche eines stehenden Gewässers zu bringen, fallen ihr nicht schwer. Nach demselben Prinzip „spannt“ sie auch das Wasser um den Wasser-Tessen einsatzfähig zu machen. Die Schwierigkeit bei seiner Herstellung ist, dass sie die Moleküle hier nicht einfach kreisförmig um einen Mittelpunkt rotieren lassen kann, wobei es egal ist welche in Richtung dieser Kreis verläuft. Auch ist hier die Fläche der größtenteils unbeweglichen Außenhülle wesentlich größer als der bewegte Innenteil, vergleicht man es etwa mit einer Kugel. Für diese flache Form hat sich Aeon etwas ganz besonderes ausgedacht. So besteht die vermeintliche Fläche in Wirklichkeit aus vielen verschiedenen Mittelpunkten, um die Moleküle in geordneter flacher Bahn ihre Kreise ziehen, wobei mehrere Mittelpunkt übereinander angeordnet wurden. Damit diese Kreise auch an Ort und Stelle bleiben, befinden sich zwischen den einzelnen Kreisen jeweils winzige Kugeln, die aus allen Richtungen an ihnen ziehen und verhindern das sie auf Wanderschaft gehen.
Solange sich die äußeren Einflüsse nicht ändern verbraucht die Kontrolle über derartige Gebilde nicht viel Energie, ihre Herstellung ist kräftezehrender. Ändern sich diese Einflüssevso verbraucht auch die Aufrechterhaltung des „festen“ Zustandes plötzlich mehr Energie. In einer solchen Situation, etwa bei einem noch so leichten Regen, die Kontrolle über den „festen“ Körper zu behalten, musste Aeon erst lernen. Was Lyun so leicht fiel wie Atmen unter Wasser, war für Aeon ein harter Lernprozess. .

Wasser aufweichen
Aufgrund der körperlichen Gegebenheiten in Dämonengestalt ist sie nicht mehr in der Lage eine Waffe zu führen und darum hat sich Aeon diese Form der Wassermanipulation ausgedacht. Befindet sie sich selbst in einem Gewässer, kann sie durch diesen Zauber Zeit erkaufen um zu flüchten oder einfach nur Kämpfen aus dem Weg gehen indem sie ihre Angreifer erschreckt. Durch das „Erweichen“ wird die Oberflächenspannung des Wassers verändert und es wird weniger tragfähig. Da sie in der Dämonengestalt statt Hände und Füße nur Flossen hat, ist dies eine Art der Verteidigung. Je leichter ein Objekt auf der Wasseroberfläche ist, desto mehr Magie muss angewendet werden, um das Wasser zu erweichen und den Gegenstand oder den Angreifer einsinken zu lassen. Es bedarf mehr Magie und Konzentration und reicht meist nur dazu, einen eventuellen Schwimmer eher zu erschrecken, als zu verletzen oder gar zu töten.
Es mag vielleicht verwunderlich sein das sie das Studium der Magie stets auf diesem geringen Niveau hielt, doch hatte sie nie einen Lehrer der sie darin bestärkte weiter zu forschen oder den Ehrgeiz eine Alternative zum bewaffneten Kampf aus dieser angeborenen Fähigkeit zu ziehen, wie es viele reinblütige Dämonen tun.

Da sie den ihrer dämonischen Gestalt zu ihrer Verteidigung vollständig auf die Magie angewiesen ist, versucht sie in dieser Form Konflikte stets zu vermeiden. Denn ist sie erst verwandelt, beginnt sie diese Kraft genauso unbewusst und selbstverständlich zu nutzen wie Lyun. Sie muss nicht darüber nachdenken wie etwas geschehen sollen, sondern sich nur darauf konzentrieren das es passieren soll und dann geschieht es. Doch je mehr Magie sie in dieser Gestalt anwendet desto unkontrollierbarer und mächtiger wird diese. Theoretisch ist in dieser Form sogar dazu fähig einen Wasser elementar zu beschwören um ihn für sich kämpfen zu lassen, doch ist dieser magische Kraftakt im Grunde schon die Grenze. Würde sie versuchen mehr Magie zu verwenden, bestünde die Gefahr die Kontrolle über den von ihr begonnenen Vorgang zu verlieren, was mit Sicherheit unangenehme Folgen hätte. Es ist bisher nie passiert das sie vollkommen die Kontrolle verlor. Einmal hat sie es bis zum Äußersten getrieben um ihre Grenze auszutesten indem sie versuchte die Fließrichtung eines Flusses zu ändern. Es gelang ihr nicht und nach dem Versuch war sie tagelang geschwächt, instabil und konnte keine Magie anwenden ohne Gefahr zu laufen die Kontrolle vollkommen zu verlieren. Da sie dieses Erlebis ungern wiederholen und auch nicht wirklich wissen will was passiert wenn sie nicht rechtzeitig aufhören kann, ist sie in dieser Gestalt noch vorsichtiger mit der Magie als in ihrer normalen Gestalt. Gerade das intuitive Verständnis der Magie, welches sie in der dämonischen Form besitzt, macht ihr Angst Obwohl sie aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters eine gewisse Form der Kontrolle über ihre eigenen Magie erlangt hat, besteht immernoch die Gefahr das sie, besonders wenn sie wütend ist, kleinere magische Veränderungen hervorruft ohne das ihr dies bewusst ist. So kann beispielsweise eine Beleidigung, die eine kurze aber heftige Gefühlsaufwallung auslöst, durchaus mit einer kleinen Dusche aus einer nahegelegenen Wasserquelle beantwortet werden, bevor Aeon sich wieder beruhigt.

Magie Lyuns
Die Magie ist einer der Auslöser für das Hevortreten des Zweiten Gesichtes und damit für die Kontrollübernahme durch Lyun. Weil dieses Risiko immer besteht, versucht Aeon sich nur selten an Zaubern die einen größeren Kraftaufwand erfordern. Für Lyun gelten diese Bestimmungen nicht. Sie kann mit ihrem Element dem Wasser so ziemlich alles veranstalten was sie möchte, denn für sie besteht die Gefahr die Kontrolle über die Magie zu verlieren nicht. Sie ist die Personifikation des Chaos, der Magie die in Aeon wohnt, somit gibt es abgesehen von der Gesamtenergie die ihr zur Verfügung steht nicht wirklich etwas das sie aufhalten könnte. Verbraucht sie zu viel von der Gesamtenergie, nimmt der Körper die dämonische Gestalt an und sie verliert die Kontrolle mit dieser Verwandlung wieder an Aeon. Warum dies so ist haben die beiden nie herausgefunden. Lyuns Magie ist schwer zu beschreiben. Sie verwendet kein Zaubersprüche oder dergleichen. Wenn sie ein Ziel mittels Magie erreichen will dann tut sie das. Dabei bleibt die freigesetzt Magie aber stets chaotisch, wie es auch Lyuns Wesen ist. Je länger sie die Kontrolle behalten kann, desto größer wird die Zerstörung sein die sie verursacht. Doch sie ist nicht dumm. Sie weiß wie viel Energie sie verbrauchen kann bevor sie Gefahr läuft die Kontrolle über den Körper zu verlieren. Versuche sie nach elfischen Maßstäben zu beurteilen haben ergeben, dass sie rein theoretisch in der Lage wäre ein Elementarwesen zu beschwören und ca. 1 Stunde über es zu gebieten bevor die Verwandlung unausweichlich wäre. Das Problem ist: Gebraucht Lyun so viel Magie das es zu einer Zwangsverwandlung kommt ist Aeon für mehrere Tage in dieser Gestalt gefangen. In dieser Zeit ist sie launisch wie ein verwundetes Tier und hat kaum noch Gewalt über sich selbst. In diesem Zustand würde sie so gut wie alles angreifen das sich ihr zu nähern wagt.
Lyuns bevorzugte Art zu kämpfen unterscheidet sich wesentlich von der Aeons. Während Aeon sich meist auf ihre kämpferischen Fähigkeiten im Umgang mit Waffen oder ihrem eigenen Körper verlässt und die Magie nur zur Unterstützung gebraucht, verlässt sich Lyun ausschließlich auf ihre Magie. Sie kann sie sowohl offensiv als auch defensiv oder beides zeitgleich einsetzen. Was genau sie veranstaltet hängt aber immer davon ab in welcher Stimmung sie gerade ist. So kann sie zum Beispiel einen Gegner vom Angriff abhalten, indem sie ein nahe gelegenes Bächlein über die Ufer treten und dann schnell zurückfließen lässt, so dass ein Sog entsteht der besagten Gegner das Gleichgewicht kostet oder ihn sogar ganz umreißt. Alternativ könnte sie aus derselben Quelle eine Welle erschaffen die ihn umwirft oder ihn, wenn sie gerade schlecht gelaunt ist, so hart trifft, dass sie Knochen brechen kann. Doch genau in diesem Punkt jedoch die Schwierigkeit. Je härter die Welle ihren Gegner treffen soll, desto mehr Energie muss Lyun ihr mitgeben. Einer solchen Welle genug Kraft zu geben, dass diese zu einer körperlichen Bedrohung wird, kann sie bereits gefährlich nah an die Grenze der Verwandlung in die dämonische Gestalt bringen. Anders verhält es sich wenn die Welle nicht aus einem Bach entsteht, sondern aus dem offenen Meer. Je höher die Grundenergie, die das Wasser mit sich führt, bzw. in Lyuns unmittelbarer Umgebung in flüssiger Form vorhanden ist, desto leichter fällt es ihr größere magische Veränderungen hervorzurufen, da sie sich an dieser Energie bedienen oder sie für ihre Zwecke umleiten kann. Einfach ausgedrückt bedeutet dies: je weiter Lyun von offenem Wasser entfernt ist wenn sie kämpft, desto schwächer ist sie. Befände sie sich beispielsweise in Cala an Darh, würde bereits der Versuch jemanden mittels Wasser aus dem Gleichgewicht zu bringen sie an die Grenzen ihrer Fähigkeiten führen. Wasser beschwören kostet sie jedoch wesentlich weniger Energie und so würde sie in so einem Fall vermutlich den Kopf des Gegners mit Wasser umhüllen bis dieser entweder tot oder bewusstlos ist. Auch das ist wieder Stimmungsabhängig…



Restliches
Es gibt nur ein einziges Volk das Aeon noch nie gesehen hat, deren Sprache sie nicht zumindest in ihren Grundzügen versteht und das darum eine gewaltige Faszination auf sie ausübt. Die Tigún kennenzulernen ist ihr ein tiefer Wunsch und sie wird alles mögliche tun um dieses Ziel zu erreichen.

Sarani
Aeons Begleiterin ist ein weiblicher Rikshan. Sarani ist zwei Jahre alt und noch nicht zur Gänze ausgewachsen. Ihr Körper, noch immer der eines Heranwachsenden, ist von einem hellen Haarkleid bedeckt. Diese Farbe ist eher geeignet sie in einem lichten Laubwald zu tarnen als in den tiefen Schatten des Jurna-Waldes. Sie ist schlank und wendig wie eine Leopardin, besitzt aber kürzere Beine. Die langen Dornen ihrer Mähne sind etwa einen halben Fuß lang und weisen die Farbe von Knochen oder hellem Horn auf. Ihre tiefligenden Augen sind dunkelrot wie die Asche eines Lagerfeuers kurz vor dem Verlöschen. Zusammen mit den Knochenplatten an ihrem Kopf, sorgt dieses Aussehen dafür das man ihr viel Raum lässt und gebürenden Abstand hält, wenn man nicht bereits bei ihrem entfernten Anblick die Flucht ergreift.
Ihr Charakter ist freundlich und verspielt, doch sollte niemals vergessen werden das sie einer Raubkatze sehr ähnlich ist. Auch die tiefe Freundschaft die sie mit Aeon verbindet kann nicht immer verhindern das sie ihrer Natur folgt und sich auf einen Fliehenden Zwei- oder Vierbeiner stürzt. Aeon besitzt bis zu einem gweissen Punkt die Kontrolle über Sarani und weiß sich trotz ihrer wesentlich geringeren körperlichen Kraft meist gegen das intelligente Tier durchzusetzten. Wenn Sarani etwas aber absolut nicht will, kann auch Aeon sie meist nicht dazu zwingen oder umgekehrt kostet es sie viel Mühe sie von etwas abzubingen das sie unbedingt tun will. Fremden gegenüber verhält sie sich meist scheu und ist sehr vorsichtig. Aeon hat ihr beigebracht das sie, sollte Aeon selbst in eine Kampfsituation geraten, zunächst nicht eingreiift und sie zu verteidigen sucht. Sie greift erst ein wenn sie das Blut ihrer Freundin riecht und dann kann sie niemand mehr aufhalten und der unglückliche Verursacher dieses Geruches kann sich auf äußerst unangenehme Verletzungen oder gar den Tod einstellen.
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Zeitleiste des Lebens
1 - 27 Jahre:
- die Familie
- Kindheit und Schwertkampfausbildung in den Hügelländern von Harrhy'in
- Beginn des inneren Kampfes zwischen Aeon und Lyun(ca. mit 14 Jahren)
- anfängliches Herumspielen mit einem Fächer wird zur ernstzunehmenden Waffe

27 - 50 Jahre:
- erste große Alvarania-Reise
- Verlust ihrer Jugendklinge (30 Jahre)
- zwei Tessen beherrschen lernen
- Magie beherrschen lernen
- Entwicklung ihrer waffenlosen Kampfkunst

51 Jahre:
- Geburt der Legende Shiokaze

52 - 73 Jahre:
- Entdeckung ihrer Faszination für Tiere
- gelegentliche Besuche in den Hügelländern von Harrhy'in
- tiefe Verbundenheit zum Wasser wird offensichtlicher/längere Zeit bei den Lyr (ca. acht Jahre)
- längere Aufenthalte bei Völkern von denen sie besonders fasziniert ist
-> Zeit in Nogorath (ca. fünf Jahre)
-> Zeit bei den Lyr
-> Zeit in Khirundan (ca. zwei Jahre)
- Verfeinerung ihrer Kampffähigkeiten

74 - 98 Jahre:
- Ausbildung der beiden Schüler Nai und Cael
- zweite große Alvarania-Reise mit ihren Schülern

99 - 115 Jahre:
- Tod der Halbschwester (96 Jahre)
- unerwartetes Treffen mit ihrem Bruder (ca. 100 Jahre)
- Sarani
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Meeresflüstern [Dieser Steckbrief ist nur für registrierte Mitglieder sichtbar]

Höret, was ich zu berichten habe, von sturzbachartigen Regenfällen in der Wüste, von Flüssen die aufwärts fließen und einem Wesen das seit über einem Jahrhundert durch Alvarania streift. Dies ist die Geschichte von Aeon, die viele Namen trug doch nur unter wenigen bekannt ist. Sie ist nicht leicht zu finden und noch schwerer zu halten wenn man sie einmal gefunden hat. Mir war das große Glück beschieden, sie in einer Situation anzutreffen in der sie nicht von mir davonlaufen konnte. Dies war vor ungefähr einem halben Jahr an einem kalten Herbsttag am Fuße der Mauer der Drachen.
Meine Reise führte mich von Arcanis aus nach Norden, immer weiter und weiter bis ich den Fuß der gewaltigen Bergkette erreicht hatte. Mein Plan bestand darin, mich an den Bergen zu orientieren, um das Risiko, mich auf den Weg in die Eiswüste zu verlaufen, zu minimieren. Da dies meine erste Reise in dieses Land war, hatte ich die Temperaturschwankungen und das allgemeine Klima auf meiner gewählten Route vollkommen unterschätzt. Es war Ende Herbst und die ersten frostigen Winde wehten mir entgegen, in ihnen lag eine Warnung die zu beachten ich nicht klug genug war. Anstatt umzudrehen, wozu die Kälte mich drängen wollte, ging ich weiter. Je weiter ich nach Westen kam und die Zeit voranschritt, desto kälter wurde es. Nach einer halben Woche begannen die ersten Schneefälle und an ihrem Ende war es so kalt, dass mir der Atem in weißen Wolken vor dem Mund stand. Meine Augen tränten wegen des kalten Windes und schon nach wenigen Minuten zogen sich glitzernde Spuren aus zu Eis gefrorenen Tränen über mein Gesicht. Meine Sicht verschwamm zusehends und machte es mir immer schwerer meine Umgebung im Blick zu behalten. So sah ich die schlanke, in einen dunkelgrauen Umhang gehüllte Gestalt erst als sie unmittelbar vor mir stehen blieb und mich ansprach: „He Goldauge, bist du lebensmüde? Ist dir bewusst wie kalt es hier ist?“ Sie sagte wohl noch mehr aber diese Worte drangen nicht mehr zu mir durch, weil ich in diesem Moment meiner Erschöpfung erlag und hintenüberkippte. Das letzte, was ich mitbekam, waren zwei Arme, die mich auffingen, bevor ich auf dem Boden aufschlagen konnte.
Als ich wieder zu mir kam, war die Kälte verschwunden. Ich befand mich in angenehm warmer Umgebung, so öffnete ich die Augen. Überall war Wasser… Mit einer hektischen Bewegung fuhr ich hoch, sicher im endlosen Nass ertrinken zu müssen, doch meine Angst war völlig unbegründet, stand ich doch nur bis zur Hüfte im warmen Wasser einer kleinen Grotte. Was ich im Dämmerlicht fälschlicherweise für endlose Wassermassen gehalten hatte, stellte sich nun als Wasserspiegelung an den Höhlenwänden heraus. „So, bist du also endlich aufgewacht Goldauge? Dann kannst du mir jetzt wohl mal verraten weshalb du dich zu dieser Jahreszeit allein und ohne ordentliche Winterkleidung in dieser Gegend aufhälst“, die leicht spöttische Stimme erklang hinter mir und ich drehte langsam den Kopf. Dort stand die kleine Gestalt, die nunmehr ihren Umhang abgelegt hatte. Die schmale Gestalt mit der violetten Haut eines Shiín lehnte mit verschränkten Armen an einer der Höhlenwände. Im Halbdunkel fiel es mir schwer, Haar- und Augenfarbe einzuschätzen, aber ich meinte einen fahlblauen Schimmer in den hellen Haaren wahrnehmen zu können. Die schneeweiße Kleidung bildete einen scharfen Kontrast zu der dunklen Haut. Bevor ich mich jedoch weiter in der Betrachtung verlieren konnte sprach mich die Gestalt erneut an: „Mensch? Wie lange willst du mich noch anstarren? Man könnte fast denken das du stumm bist, stumm oder schwachsinnig…“ Ihre Worte lösten bei mir eine Art entrüstetes Stottern aus. Die Gestalt zog spöttisch eine Augenbraue hoch und ihre Mundwinkel zuckten leicht. Erst dieser Anblick machte es mir möglich mich einigermaßen zu fangen und ich konnte wieder sprechen. Aufgrund ihrer geringen Größe und des lockeren Tons, den sie anschlug, beschloss ich, es ihr gleich zu tun und auf unnötige Höflichkeitsfloskeln zu verzichten: „Mein Name ist Ryu seishin. Meines Zeichens Barde und Geschichtenerzähler und, wie du offenbar bereits bemerkt hast, bin ich ein Raéyun. Es scheint, als hättetst du mich gerettet, warum?“ Ihre Antwort erstaunte mich noch mehr: „Warum nicht? Wenn dir jemand vor die Füße fällt, der halb erfroren ist, würdest du ihn liegen lassen?“ Aus dieser Frage entspann sich ein Gespräch das sich erst nach über einer halben Stunde dem Ende zuneigte, als die Gestalt mir ihren Namen nannte. Sie erwähnt ihn in einem Nebensatz, genauso unspektakulär wie ihr bisheriges Auftreten auch. Nachdem ich ihn jedoch vernommen hatte weiteten sich meine Augen: „Aeon“, hakte ich nach und als sie nickte fragte ich weiter: „Aeon Shiokaze? Die legendäre Shiín-Kriegerin und Trägerin von Wellenlied, die im Jahre 1318 einen groß angelegten menschlichen Angriff auf die Hügelländer von Harrhy'in verhinderte?“ Als ich noch weitersprechen wollte, hob sie nur eine Hand und nickte. Die folgende Stunde verbrachten wir damit, uns gegenseitig auszuhorchen. Sie wollte nicht länger nur wissen weshalb ich hier war, sondern interessierte sich nun auch dafür, woher ich Kenntnis von dieser Geschichte und dem Namen hatte. Ich erzählte ihr bereitwillig von meiner tiefen Freundschaft, die mich seit sechs Jahren mit ihrem Volk verband und zeigte ihr sogar meine Kette, an der mich jeder Shiín als Freund erkennen sollte. Als sie diese sah lachte sie leise bevor sie mich darauf hinwies, dass die Kette lediglich ein Zeichen dafür war, dass ich im Gegensatz zu den anderen meiner Art kein Feind sei. Doch es schien, als habe die Kette sie von meiner Ungefährlichkeit überzeugt und so wurde das Gespräch angenehmer.
Wir kamen überein einige Tage lang gemeinsam zu reisen, bessergesagt drückte sie es folgendermaßen aus: „Ich kann wohl kaum zulassen das ein Freund meines Volkes in dieser Kälte eingeht und da du weder die Landschaft noch die Jahreszeit zu kennen scheinst, wäre es dein Tod wenn ich dich hier alleine ließe. Du sagtest das du nach Norr Bharrak willst? Ich schätze das uns bei diesem Wetter noch eine Reise von etwa einem Monat bevorsteht, also sollten wir so schnell wie möglich aufbrechen, denn das Wetter wird nur immer schlimmer werden und in spätestens zwei Monaten wird diese Strecke so gut wie unpassierbar sein.“ Zu Beginn unserer gemeinsamen Reise war Aeon nicht sonderlich kommunikativ, doch an den allabendlichen Geschichten schien sie Gefallen zu finden. Als ich eines Abends begann, alte Drachensagen zum Besten zu geben wurde sie hellhörig und wollte mehr darüber wissen. Schließlich schlossen wir eine Art Pakt. Ich versprach, ihr wirklich alles, was ich jemals über diese mystischen Kreaturen gehört hatte, zu erzählen, wenn sie mir im Austausch dafür ihre Lebensgeschichte erzählte. Sie ließ sich auf diese Vereinbarung ein und es dauerte ungefähr zwei Wochen bis ich damit fertig war, da wir grundsätzlich nur abends Zeit für Gespräche und Geschichten fanden. Tagsüber war es draußen einfach zu kalt, um den Mund allzuoft zu öffnen. Als ich meinen Teil der Vereinbarung eingehalten hatte, begann sie eines Abends mit ihrer Geschichte:

Mein Name war einst Ayumi Mikazuki, Tochter des Wasserdämons Akuma und der Halbshiín Sayuri. Ich wurde in den Hügelländern von Harrhy'in so weit von Zeaihn entfernt geboren, wie es in dem vergleichsweise kleinen Shiínreich möglich war. Meine Mutter mochte ein etabliertes Mitglied der Gemeinschaft sein, mein Vater war es nicht. Er hatte als Dämon stets seinen eigenen Weg gesucht und war nie an Gesellschaft interessiert gewesen, zumindest nicht bis er meine Mutter traf. Sie war das Kind einer gewaltsamen Verbindung zwischen einem Dämon und einer Shiín. Nachdem ihre Mutter dem Kindbettfieber erlegen war und ihr Vater das Weite gesucht hatte, nahmen sich meine shiínschen Urgroßeltern ihrer habblütigen Enkelin an. Sie kämpften lange Zeit mit ihrer dämonischen Hälfte und irgendwann gewannen sie. Sayuri erkämpfte sich ihren Platz in der Gemeinschaft und als sie mit 20 Jahren Akuma, den reisenden Dämon, kennenlernte, war sie ein vollwertiges Mitglied derselben. Doch sah sie mit ihrer Schwangerschaft eine Gefahr in sich selbst und verließ Zeaihn um ihr dämonisches Kind abseits des Dorfes aufzuziehen, bis es keine Gefahr mehr darstellen würde. Mein Bruder Shiki, geboren im Winter des Jahres 1239, durchkreuzte diese Pläne jedoch gründlich. Er hatte als Kleinkind gewaltige Probleme damit, sich selbst zu beherrschen und als Jugendlicher sah er es nicht ein, sich anzupassen. Ich selbst, 15 Jahre später geboren, war von Beginn an anders. Ich war ein Sommerkind, in der Familie Mikazuki ein Zeichen für einen außergewöhnlich starken Geist. Meine Urgoßeltern vergötterten mich und ich erhielt so viel Liebe wie manch ein Dämon vermutlich in seinem ganzen Leben nicht. Auch ich kämpfte mit mir, meiner dämonischen Natur und der Magie, die ich recht schnell fürchten lernte. Sowohl Mutter als auch Vater halfen mir und so verbrachte ich die ersten fünf Jahre meines Lebens mit diesem Kampf. Da ich anfangs sehr schnell alterte, wie es bei Dämonen üblich ist, sah ich dann aus wie ein neunjähriger Shiín und sollte zur Schwertkampfausbildung zugelassen werden. Meine Mutter hatte anfangs noch Bedenken, doch dann überschlugen sich die Ereignisse. Wenige Tage nach meinem fünften Geburtstag verließ mein Vater aus heiterem Himmel seine kleine Familie. Wie ich Jahre später von meiner Mutter erfuhr, hatte er ihr dies bereits zu Beginn ihrer Bekanntschaft sehr deutlich mitgeteilt. Er schwor ihr, dass er sie liebe und es niemals eine andere für ihn geben würde, doch sagte er im gleichen Atemzug, dass er sie verlassen werde, weil es ihm seine Natur unmöglich machte, länger an einem Ort zu verweilen. Er war rastlos und egal wie gut es ihm an einem Ort gefiel, nach einiger Zeit begann diese Rastlosigkeit immer stärker zu werden und ihn fortzuziehen. Genau das war geschehen und es brach meiner Mutter beinahe das Herz. Sie zog sich tief in sich selbst zurück, vernachlässigte ihre Pflichten in der Gemeinschaft, meinen Bruder, mich und sich selbst. Es schien, als könne sie nichts aus dieser Trauer herausholen, so übernahm es mein Bruder mit seinen 19 Jahren, die kleine Schwester auf das Training unter Shiín vorzubereiten. Seine Geschicklichkeit, Kraft und Geschwindigkeit waren ungewöhnlich und so kann ich mit Fug und Recht behaupten sechs Monate lang von dem Besten trainiert worden zu sein, den es in dieser Zeit für mich geben konnte. Ich wuchs noch immer schnell und lernte noch schneller. Als Shiki meine Mutter und mich schließlich auch noch verließ, ließ sie das noch tiefer in ihrer Lethargie versinken. Meine Urgroßeltern konnten dies nicht mit ansehen. Sie hatten bereits meine Mutter aufgezogen und gesehen mit welcher ungewöhnlichen Geschwindigkeit sie wuchs, aber in mir war noch mehr dämonisches Blut und so wuchs ich sogar noch schneller. Ich hatte auch bei weitem nicht so viele Probleme mich selbst zu kontrollieren wie sie in meinem Alter. Die beiden gealterten Shiín beschlossen das es Zeit sei nach Zeaihn zurückzukehren und meine Ausbildung voranzutreiben, denn dort musste ja niemand wissen, wie alt ich in Wirklichkeit war. Doch es ergab sich ein unerwartetes Problem. Mein rasantes Altern verlangsamte sich rapide und so kam es, dass mich meine Urgroßeltern im Alter von fünf Jahren als Elfjährige ausgaben und meine Ausbildung begann. Da ich bereits von Beginn an über eine außergewöhnliche Körperbeherrschung und Geschicklichkeit verfügte, eine Folge des Trainings mit meinem Bruder und einem Holzkatana, begann sie bei mir recht früh mit dem echten Schwerttraining. So lernte ich das Katana zu beherrschen, bis es für mich zu einer natürlichen Verlängerung des Arms wurde und ich kaum noch darüber nachzudenken brauchte, wie es einzusetzen sei. Der Schwertkampf lag mir im Blut und so begannen meine Lehrer sich mehr auf die Diebeskunst und Wissensvermittlung zu konzentrieren, weil ich mich damit wesentlich schwerer tat. Das erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen machte mir viel Freude und ich war auch mit Ehrgeiz dabei, noch viel mehr interessierte mich aber die Geschichte des Volkes. Ich sog jedes nur so kleine Quäntchen Wissen auf, dessen ich habhaft werden konnte und erregte häufig Anstoß mit meinen Nachfragen. So verstand ich zum Beispiel nicht weshalb es Naturgegeben sein sollte, diese seltsamen Menschen zu hassen, wo ich doch noch nie einem begegnet war. Meine Lehrer erzählten mir, wie sie unser Volk aus seiner ehemaligen Heimat vertrieben und an den Rand der Auslöschung gebracht hätten. Ich nahm mir vor, diesen Wesen mit Vorsicht zu begegnen, hasste sie aber nicht.
Sosehr mir das Lernen auch gefiel, die Nähe zu Shiín barg auch Gefahren. Meine Urgroßeltern hatten mich vor unserem Aufbruch nach Zeaihn eindringlich davor gewarnt, dort jemanden bemerken zu lassen was ich war. Doch ich war gerade mal fünf Jahre alt und so war es eigentlich nur eine Frage der Zeit. Ich weiß ja nicht ob du schon einmal einen Dämon in diesem Alter getroffen hast… Falls nicht lass mich dir gesagt sein, dass „unbeherrscht“ noch milde ausgedrückt ist. Es kann geschehen das sie von einem Moment auf den anderen vollständig von der Magie übernommen werden, die sonst in ihnen schläft. Ich hatte im Gegensatz zu vielen anderen meiner Artgenossen das Glück, dass mir ein ausgewachsener Dämon in den ersten fünf Jahre meines Lebens zur Seite stand. Wann immer ich einen magischen Ausbruch hatte, vermochte er ist die Zerstörung die ich verursachte einigermaßen Grenzen zu halten und wenn es vorbei war debattierten wir häufig lange darüber wie es dazu gekommen war. Diese Gespräche halfen mir schon in sehr jungen Jahren ein Gespür für Anomalie meiner eigenen Magie zu entwickeln. Es ist wie mit einem Feuer. Beispielsweise bei einem Waldbrand… Kommt der Wind aus der richtigen Richtung, so ist das Feuer meilenweit zu riechen. Der Wind treibt die Flammen vor sich her. Nach dem Geruch folgen die Geräusche und zu guter Letzt, noch bevor die Gefahr wirklich sichtbar ist, wirst du eine unangenehme Wärme spüren. Die Luft ist so warm, dass sie dir die Tränen in die Augen treibt und ich instinktiv zurückschrecken lässt. So ähnlich fühlte es sich damals an, wenn die Magie in mir hochstieg. Wenn das ungute Gefühl kam, hatte ich meist noch ein paar Herzschläge Zeit. Mein Mutter sagte mir, dass ich diese Zeit nutzen sollte um davon zu laufen, damit ich niemanden gefährdete und mein Geheimnis gewahrt blieb. Ich verbrachte das letzte halbe Jahr vor unserem Aufbruch nach Zeaihn hauptsächlich damit mich dafür zu sensibilisieren, bis es mir in Fleisch und Blut überging beim ersten Anzeichen dieses Gefühls zu flüchten. Während meiner Trainingszeit in Zeaihn erwarb ich mir durch diese Schutzmaßnahme sowohl bei meinen Mitschülern als auch bei meinen Lehrern recht schnell den Ruf eines Sonderlings. Auch darauf war ich vorbereitet worden. Man hatte mir gesagt das ich die Wahl hätte, entweder ich erwarb mit den denkbar schlechtesten Ruf, oder ich riskierte herauskam was für ein Wesen ich war und die Erwachsenen sagten mir für diesen Fall ganz offen, dass sie mit äußerst unangenehmen Folgen für mich rechneten, aber keine Ahnung hätten was wirklich geschehen würde wenn es soweit kam. Ich war zwar jung aber nicht dumm und beschloss dieses Risiko nicht einzugehen. Also lief ich ständig davon und wenn man mich später nach dem Grund fragte, konnte ich meist nur wenig zufriedenstellende Antwort geben. Recht bald entwickelte ich mich zu einer geschickten Lügnerin. Ich legte mir auch eine arrogante und aufmüpfige Fassade zu, die es mir häufig ermöglichte mich mit jemandem zu streiten anstatt ihm Fragen über meine Abwesenheit beantworten zu müssen.
Natürlich gelang es mir nicht immer rechtzeitig bewohntes Gebiet zu verlassen, vor allem weil diese Anfälle für mich stets völlig überraschend kamen. Es gab weder ein besonderes Gefühl, noch Worte oder andere Gegebenheiten die es sicher auslösten und so blieb mir nichts anderes übrig als während der Trainingseinheiten pausenlos wachsam auf den nächsten Ausbruch zu warten. Wie anstrengend das man sich sicherlich genauer erläutern… Erschwerend kam hinzu, dass ich häufig nach den Anfällen nicht mehr wusste wo ich gewesen war, was ich getan hatte oder auch nur wie spät es war. Es kann schon zu einer unangenehmen Situation werden, wenn man erst von Training wegläuft, mehrere Stunden später ohne Erinnerung an den Vorfall nachhause läuft und dabei einem Mitschüler begegnet der beginnt einen auszufragen was man so alles getrieben hat, während man selber noch kaum weiß wann der Kopf steht. Selbstverständlich erhielten meine Urgroßeltern deshalb Beschwerden von meinen Lehrern. Wie sie es geschafft haben jeglichen größeren Ärger von mir fernzuhalten ist mir bis heute ein Rätsel, doch ich denke dass mich meine Lehrer trotz dieser Eskapaden mochten, da ich wie gesagt ein gewisses Talent beim Kampftraining und einigen Enthusiasmus in vielen anderen Unterrichtseinheiten an den Tag legte. Meine Mitschüler vermochte all das jedoch wenig zu beeindrucken. Viele von ihnen hielten mich für schwach und einige waren obendrein neidisch, dass ich trotz meiner gelegentlichen Abwesenheit mit dem Schwert besser war als sie. Mit meiner direkten Art eckte ich zusätzlich an, also war ich nicht sonderlich beliebt. Mit all dem nahm ich eine seltsam isolierte, aber dennoch sichere Position ein, denn sie konnten einerseits nicht so recht einschätzen weshalb die Lehrer mein Verhalten tolerierten, andererseits geschahen in meiner Umgebung gelegentlich ungewöhnliche Dinge.
Eine Situation steht mir noch sehr deutlich vor Augen. Der Schwertmeister schalt mich nach einem Trainingskampf, meinen Gegner beleidigt zu haben, da ich nicht mit voller Stärke gegen ihn vorgegangen war. Dies war Absicht gewesen, schließlich hatte sich mein Trainingspartner die Hand verletzt und war nun kaum in der Lage sein Schwert zu führen, während er offensichtlich zu stolz war um es mitzuteilen. Ich hatte nicht vor ihm das zu sagen, da er jedoch mit ungewöhnlichem Eifer nach dem Grund forschte, antwortete ich ehrlich. Das Resultat war eine lautstarke Maßregelung, bei der er im Gegensatz zu mir seine Stimme nicht senkte, so dass es die ganze Trainingsgruppe mit anhören konnte. Ich war etwas ungehalten und als ich zu allem Überfluss auch noch eine Magieaufwallung spürte, zögerte ich zu lange. Heute ist mir klar, dass ich Glück im Unglück hatte, denn es war kein starker Magieimpuls. Er ließ lediglich wählen im nahe gelegenen Bachlauf entstehen, der daraufhin über die Ufer trat und einigen umstehenden die Füße durchnässte. Die größeren Ausbrüche spürte ich zu meinem großen Glück stets rechtzeitig, sodass zumindest die Gemeinschaft nichts davon mitbekam. Trotzdem vermute ich, dass der ein oder andere meiner Ausbilder vermutete das ich magische Fähigkeiten besaß, denn anders waren die kleineren und größeren Seltsamkeiten, die sich gelegentlich in meiner Nähe abspielten, nicht zu erklären. Nicht zuletzt hatten einige von ihnen auch meine Mutter ausgebildet, die in meinem Alter noch wesentlich unbeherrschter gewesen war als ich. Also schoben sie diese Fähigkeiten wohl auf das „böse Blut“ das durch die Vergewaltigung der Mutter meiner Mutter in die Blutlinie der Mikazuki gelangt war. Mich haben sie nie darauf angesprochenden theoretischen Unterrichten darauf vorbereitet das es so etwas wie Magie gab und wie es in der Regel aussah wenn sie gewirkt wurde, hatten es aber nie in Wirklichkeit gesehen. Aus diesem Grund schöpften sie, mit einer Ausnahme, auch keinen Verdacht. Diese Ausnahme war ein Junge namens Kaled. Er folgte mir einmal als ich davonlief um einen Magierausbruch zu verbergen. Unglücklicherweise wurde er dabei nicht nur Zeuge eines Magieausbruch, sondern sah wie mein zweites Gesicht hervortrat. Als ich wie üblich nach Ende dieses Ausbruchs einigermaßen desorientiert nachhause schlurfte passte er mich ab und versuchte näheres aus mir herauszubekommen. Ich war erschöpft, müde und wollte einfach nur noch nachhause, deshalb sagte ich ihm geradeheraus, dass ich ein Mischling war und das Blut einer magiebegabten Rasse in mir trug, deren Kraft gelegentlich schwer zu kontrollieren war. Eigentlich wollte er noch weitere Antworten von mir, doch als ihm klar wurde das ich ihm keine mehr geben würde, versuchte er auf andere Art einen Vorteil aus seinem Wissen zu ziehen. Er wollte von mir das Versprechen, weshalb ich vermute, dass meine Großeltern sich um dieses Problem gekümmert haben, schließlich ist es ihnen schon vor mir mit meiner Mutter gelungen, ein Kind mit dämonischen Blut in die Gesellschaft zu integrieren, ohne offen zu legen um was für eine Art von Mischblut es sich handelte. Die meisten meiner Trainingsgefährten hatten die Hügelländer noch nie verlassen und konnten demnach mit Magie auch nicht viel anfangen. Sie wurden zwar in, dass ich ihm für die gesamte Zeit der Ausbildung mit meinem Wissen über den Schwertkampf helfen würde seine eigenen Fähigkeiten zu verbessern, wenn er sich im Gegenzug dafür bereit erklärte das Wissen über mein magisches Blut für sich zu behalten. Ich ging darauf ein und so schlossen wir eine Vereinbarung. Ich dachte ich nicht, dass er sich daran halten würde, doch habe ich nie ein Anzeichen dafür gefunden das dem nicht so war. Meine Familie war da ein ganz anderer Fall. Es kam vor das ich desorientiert von einem Anfall nach Hause kam und dort schon von meiner Urgroßmutter erwartet wurde, die mich nur vorwurfsvoll anstarrte. Wenn ich diesen Blick sah wusste ich, dass irgendetwas größeres passiert war. Sie war zum Beispiel wütend als ich das kleine Bächlein, welches durch unseren Vorgarten floss und zur Bewässerung des Gemüsegartens unerlässlich war, an der Quelle versiegen ließen. Das schlimmste an dieser Situation war immer, dass ich mich selbst nicht daran erinnern konnte was ich getan hatte und ich damit darauf angewiesen war, dass mir jemand anders von meinen Taten erzählte.
Nach den vier Jahren meiner Ausbildung sah ich immer noch aus wie Elf, hatte sie aber offiziell abgeschlossen und galt als 15, wenngleich ich gerade einmal neun Jahre alt war… Die Tätowierung übernahmen meine Urgroßeltern selbst und als die Zeit der Tag-und-Nacht-Gleiche schließlich gekommen war, wurde ich trotz meines Status als Sonderling gefeiert wie alle anderen angehenden Krieger auch. Meine Tätowierung war schlichter als die meisten und besser verheilt obendrein. Obwohl ich viel zu jung aussah und als seltsamer Außenseiter galt war es mir nach Ende der Ausbildung gelungen mit den Respekt meiner Mitschüler zu verdienen. Meinen Eintritt in die Gemeinschaft hatte ich hauptsächlich meiner Familie zu verdanken, denn sie hatte mich darauf vorbereitet unter Wesen aufzuwachsen, die nicht wissen durften was ich war. Da stand ich also, neben meinen Trainingsgefährten und leistete den Schwur, der so alte ist, dass sich kaum noch jemand erinnert aus welcher Zeit er stammt: Ich, Ayumi aus der Familie Mikazuki, widme mein Leben meinem Volk, dem ich mein Wissen und mein Können verdanke. Mein Leben widme ich dem Kampf und mein Leben gebe ich gern, um die Meinen zu beschützen. Im Andenken an den Heldentod meiner Ahnen und die verlorene Heimat werde ich den Zorn in mir schüren wie eine Glut, die die Häuser der Menschen verzehrt und sie heimatlos macht wie uns. Nach dem ich die Worte gesprochen hatte erhielt ich das schönste Schwert das ich jemals gesehen hatte. Wellenlied war von einer solchen tödlichen Eleganz und Schönheit, dass ich mir vornahm einen Kampfstil zu verbessern und hart zu trainieren bis ich seiner würdig war. Das Schwert war seit Generationen im Familienbesitz und erst jetzt meinten meine Urgroßeltern, das es Zeit sei das Schwert dem letzten weiblichen Nachfahren zu geben, der eine tiefe Verbindung zum Wasser hatte. Es stand geschrieben, dass es einst eine Tochter der Familie geben würde die sich dieses Schwertes als würdig erweisen werde. Sie sei daran zu erkennen, dass sie wie keine andere mit dem Wasser verbunden wäre. Zöge sie die Klinge blank, werde das Schwert zu singen beginnen. Ich unterzog mich dieser letzten Prüfung und ließ es unter dem Jubel des halben Dorfes zwei oder auch drei mal durch die Luft fahren. Die Klinge war viel leichter als mein erstes Schwert, tanzte beinahe elegant um mich herum und erzeugte dabei einen hellen Klang als Singe es. Damit erkannte es mich als Besitzerin an und ich war fortan ein vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft.
Du kannst dir kaum vorstellen wie es war diesen Eid zu leisten… Ein hehres Ehrgefühl tobt durch den Körper, man fühlt sich unbesiegbar und will, dass dieser Moment nie vergeht. Ich glaube, niemand der eine solche Zeremonie erlebt hat, wird diesen Eid jemals freiwillig brechen. Trotz des schönen Gefühls hatte ich noch immer Zweifel an der Schuld der Menschen und so war ich nicht mit vollem Herzen dabei. Doch das sollte sich bald ändern. Zuvor möchte ich noch auf die letzten schönen Jahre eingehen, in denen ich als unschuldiges Kind meine Zeit sorglos mit Training und Selbstbeherrschung verbrachte. Denn kurz nach meiner Zeremonie, ich muss damals etwa zehn oder elf Jahre alt gewesen sein, traf meine Mutter den Mann ihres Lebens. Als sie ihn mir vorstellte, war mir sofort klar, dass diese Liebe tiefer ging, als es die zum meinem Vater jemals getan hatte. Der Mann war ein Shiín namens Nima. Er gab sich redlich Mühe mir ein Vater zu sein und versuchte sich stets von seiner besten Seite zu zeigen, damit ich bloß keine Antipathie gegen ihn aufbaute. Das wäre gar nicht nötig gewesen, denn ich verehrte diesen Mann. Er konnte mir noch einiges über den Schwertkampf beibringen, doch seine wahre Qualität lag in dem ungeheuren Wissen, das er besaß. Er lehrte mich viel über die anderen Völker, so etwa die Grundzüge mancher Sprachen, fremder Gebräuche und die Geldsysteme Alvaranias. Auch gab er mir viele Ratschläge, wie ich als Shiín in der Welt außerhalb zurecht kommen würde, ohne allzu viel unerwünschte Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen und noch einiges mehr.
Die nächtlichen Raubzüge an denen Teilzunehmen von einem vollwertigen Krieger verlangt wurde erschienen mir nicht recht, doch ich hielt meinen Mund. Stattdessen konzentrierte ich mich ganz auf die Ausbildung im Doppelschwertstil. Das war auch bitter nötig, denn zwei Schwerter zu führen lag mir gar nicht. Ab meinem elften Lebensjahr begann mein zweites Gesicht immer häufiger hervorzutreten und ernsthafte Probleme zu Ursachen, auch verlor ich häufiger die Kontrolle über die Magie. Meist gelang es mir mich rechtzeitig zurückzuziehen, sodass selten jemand verletzt wurde oder auch nur mitbekam wie ich wütete. Ich verstand es nicht, hatte ich doch vorher in den Jahren meines Trainings, vergleichsweise viel Ruhe gehabt. So hielt ich mich auch verstärkt von meiner Familie fern als meine Mutter im Alter von 47 Jahren meiner jüngeren Schwester Sakura das Leben schenkte. Ich wurde rastlos und unberechenbar. So zog ich mich immer weiter zurück bis sich im Alter von 14 Jahren, also zwei Jahre nach Sakuras Geburt,
Lyun das erste Mal offenbarte. Sie wies mich darauf hin das es lange genug gedauert habe bis ich sie wahrgenommen hätte und das sie beabsichtigte diesem Körper zu übernehmen. Ich solle mich verziehen und ihr geben was ihr gehöre. Zu meiner Schande muss ich gestehen das ich ganze sechs Jahre brauchte, um sie so weit in den Griff zu bekommen, das ich mich wieder unter Shiín wagen konnte. Ständig verlor ich die Kontrolle und mein zweites Gesicht trat hervor. Wann immer das geschah verursachte Lyun Zerstörung wo sie konnte. Wohlweislich verließ ich zu dieser Zeit meiner Heimat immer wieder heimlich damit sie diesem Zorn an Menschen auslassen konnte und ihr kein Angehöriger meines Volkes zum Opfer fiel. In dieser Zeit kanzelte ich mich von allem ab, verlor viele Freunde und wurde fortan nur noch als verschrobene Sonderling gehandelt, da ich auch nur noch selten an den Raubzügen teilnahm. Ich konzentrierte mich allein darauf die Kontrolle zurückzuerhalten oder, wenn ich sie gerade hatte, sie zu behalten, mein Schwertkampftraining und die Verbesserung meiner körperlichen Verfassung. Gerade das Schwertkampftraining schien Lyun zu Tode zu langweilen und so tat ich es so oft ich konnte. Zwei Tage vor meinem 20. Geburtstag verstand ich zum ersten Mal in meinem Leben wirklich was es bedeutete ein Dämon zu sein. Das Ganze lief recht unspektakulär ab. Während eines meiner vielen Streitgespräche mit meiner Seelenschwester, wie ich inzwischen scherzhaft nannte, achtete ich nicht auf meinen Schritt. Ich hatte mich bereits weit von meinem Heim entfernt und fiel nun, durch einen unglücklichen Zufall und eine ziemlich große Baumwurzeln zu Fall gebracht, von einer kleinen Anhöhe in einen See. Panik überfiel mich, denn ich hatte nie schwimmen gelernt und mich zuvor auch noch nie mit dem ganzen Körper unter Wasser befunden. Die erste Verwandlung war fließend, so natürlich als hätte ich es schon hundertmal zuvor gemacht. Auch das seltsame Ziehen, welches mir immer ankündigte, wenn Lyun die Kontrolle zu übernehmen versuchte, verschwand schlagartig. Mit einem Mal besaß ich Flossen und es kam mir nicht seltsam vor. Ich konnte unter Wasser atmen und schwimmen wie ein Fisch, außerdem konnte ich mit dem Wasser um mich herum veranstalten was ich wollte. Es war ein seltsames Gefühl, angefüllt mit Freiheit und doch seltsam bedrohlich. Ich wusste das es nicht richtig war in dieser Gestalt länger zu verweilen und so verließ ich, wenn auch mit leichtem Unbehagen das Wasser. Es dauerte einen halben Tag bis es mir gelang mich zurückzuverwandeln. Das es mir gelungen war merkte ich daran das die Stimme meiner Seelenschwester aufgebracht in meinem Kopf erklang und wissen wollte was ich getan hätte. So schnell ich konnte, kehrte ich zurück zu meiner Familie, um von meiner Mutter zu erfahren was es mit dieser Verwandlung auf sich hatte. Sie erzählte mir von der wahren Gestalt eines Dämons und wies mich darauf hin, wie gefährlich es sei länger in dieser zu verweilen. Außerdem nutzen sie die Gelegenheit um mich zu tadeln, dass ich sie alleingelassen hätte und meine kleine Schwester häufig nach mir gefragt hätte. Eine Flutwelle des schlechten Gewissens überrollte mich und ich nahm mir vor mich mehr und die Kleine zu kümmern. Es erstaunt mich das sie viel größere Probleme mit der Kontrolle ihres zweiten Gesichtes hatte als Shiki oder ich.
Dann, wenige Wochen nachdem die Bäume begonnen hatten in den bunten Farben des Herbstes zu erstrahlen, ereignete sich der Überfall, der mein Leben verändern sollte. Wie stets an solchen Tagen begann auch dieser friedlich. Ich war gerade dabei, meiner kleinen Schwester ein wenig mit einem Stock den Schwertkampf näher zu bringen und stellte dabei erstaunt fest, dass sie für diese Art des Kampfes überhaupt kein Talent zu besitzen schien, als ich das Horn hörte. Es war ein Klang von dem ich immer gewusst, ihn aber nie zuvor selbst vernommen hatte. Er bedeutete das Zeaihn angegriffen wurde. Sofort war ich hellwach. In fliegender Eile verstaute ich meine kleine Schwester im Haus bei meinen Urgroßeltern und wies sie an, es nicht zu verlassen. Ich wusste wie gerne sie kämpfen wollten, doch auch sie erkannten das sie hier nützlicher sein könnten indem sie ihre Urenkelin beschützen. Hastig griff ich mir meine Schwerter und begab mich auf die Suche nach dem Feind. Der erste Mensch der vor mir auftauchte, verlor seinen Kopf ehe ich darüber nachdenken konnte, dass ich ihn eigentlich gar nicht töten wollte. Als mir mit Entsetzen klar wurde was ich getan hatte, verlor ich die Beherrschung und
Lyun übernahm das Kommando. Bis heute weiß ich nicht wieso sie ihren Zorn nur gegen die menschlichen Angreifer richtete, doch das Blutbad das sie veranstaltete, habe ich noch heute vor Augen und ich möchte nicht darüber sprechen. Es ist nur wichtig zu wissen, dass sie in dem Kampf nicht die einzige war die wütete und ich so, nachdem er vorbei war, keine unerwünschte Aufmerksamkeit erhielt. Als sie nach dem Kampf das erste Mal in meinem Leben die Kontrolle über den Körper freiwillig wieder abgab, sah ich nicht nur das volle Ausmaß der Zerstörungen, sondern auch in meiner Nähe einen verletzten älteren Shiín, in dem ich meinen Ziehvater erkannte. Seine Wunden waren schwer und ich vermutete das er den Tag nicht überleben würde. Er sah mit Tränen der Wut und des Schmerzes in den Augen zu mir auf und flüsterte mir ins Ohr was geschehen sei. Sie hätten meine Mutter getötet. Er habe nichts tun können, weil sie von hinten gekommen seien und sie hinterrücks erschlagen hätten. Er habe es nur noch geschafft die Warnung zu überbringen und dann immerhin noch zwei Feinde mit in den Tod zu nehmen. Während er starb versprach ich ihm für Sakura zu sorgen bis sie alt genug wäre. Nachdem was er mir erzählt hatte war ich froh das es Lyun gewesen war die die Menschen gerichtet hatte. Da die restlichen Feinde geflohen waren und in mir ein Zorn hochwallte wie ich ihn noch nie zuvor gefühlt hatte nahm ich sofort die Verfolgung auf, nachdem ich dem Toten die Augen geschlossen hatte. Es kümmerte mich nicht ob mich jemand weggehen sah, denn ich konnte nur noch daran denken das ich die Mörder meiner Mutter zur Rechenschaft ziehen wollte. Bald fand ich die Überlebenden des Angriffs. Eine kleine Menschengruppe befand sich am Rande des Shiín-Gebietes. Nicht alle von ihnen waren verletzt und als sie mich erblickten, eine blutbesudelte junge Shiín mit irrem Blick und zwei Klingen in den Händen, fackelten sie nicht lange, sondern griffen mich an. Sie waren in der Überzahl und so konnte ich nicht lange bestehen. Mein Zorn wuchs und ich konnte kaum noch vernünftig kämpfen während ich immer mehr an Boden verlor. Heute bin ich mir sicher das ich diesen Kampf verloren hätte, wäre nicht einer der Männer so siegesgewiss gewesen das er begann mich zu verwöhnen. Er prahlte damit wie einfach es gewesen sei die kleine Shiínfrau von hinten mit einem Schwert zu richten während ihrem männlicher Begleiter nichts besseres eingefallen war als zu flüchten. Ob es nun das Schimpfwort war das er für meine Mutter anstatt des Wortes Frau verwendete, oder die Tatsache das ich im Begriff war diesen Kampf zu verlieren, weiß ich bis heute nicht, jedenfalls hörte ich eine Stimme in meinem Kopf die ich so gut kannte wie keine andere. Diesmal klang sie nicht aufgebracht und beschimpfte mich auch nicht, wie sie es sonst so häufig tat, sondern sprach ganz ruhig: Lass mich das regeln Ayumi. Dieses eine Mal scheinen wir einer Meinung zu sein, aber ich kann tun was dir nicht gelingt. Es war die tödliche Ruhe in dieser Stimme die mich überzeugte. Also überließ ich ihr die Kontrolle und spürte wie sich mein Mund zu einem grausamen Lächeln verzog, während ich meine Klingen in die Scheiden führte. Dann spürte ich wie die Magie in mir aufstieg wie ein zorniger Wirbelsturm. Ich glaube nicht, dass die Männer wussten wie ihnen geschah als der Fluss neben ihnen explodierte. Das Wasser traf sie mit einer Wucht, die Knochen brechen konnte. Meine Arme hoben sich und immer mehr Wasser aus dem Fluss floss an Land und unerbittlich auf die Männer zu. Sobald es sie erreichte begann es sich an ihnen hochzuwinden und sie einzuschließen, nur die Köpfe blieben frei. Einige der Männer brachen in erschreckte Rufe aus, doch es nützte ihnen nicht viel. Einen nach dem anderen begann Lyun zu richten. Als sie fertig war überließ sie mir zu meinem größten Erstaunen kommentarlos die Kontrolle und zog sich zurück. Ich glaube nicht das jemals ein Shiín von dieser Tat erfahren hat, oder sich vorstellen konnte wer sie ausführte. Es dauerte einige Zeit bis ich mich so weit gefasst hatte das ich mich in der Lage sah nach Zeaihn zurückzukehren und mich um meine kleine Schwester zu kümmern bis diese alt genug sei. Genauso wie ich es ihrem Vater versprochen hatte.
Alt genug bedeutete für mich, dass ich noch um und bei sieben Jahre für sie sorgen müsste, bis sie ihre Kriegerweihe erhielt. Doch ich nahm mir fest vor nach Ablauf dieser Frist größere Rache zu nehmen. Der neu geborene Hass auf die Menschen gärte in mir, wurde stärker und stärker, während ich alles mögliche versuchte um meiner Halbschwester eine gute Ersatzmutter zu sein. Ein Jahr nach der Tragödie erreichte sie das neunte Lebensjahr und erhielt ihre erste Klinge. Als in diesem Jahr auch unsere Urgroßeltern starben war ich nur die einzige Familie die ihr geblieben war. Trotzdem beobachtete ich mit Freude wie sie begann sich immer mehr von mir zu lösen. Während sie in Geschichte und anderen Geisteswissenschaften, die an der Schule vermittelt wurden, gut mitkam, begann ich mit wachsender Verzweiflung zu befürchten das sie ihre Kriegerweihe niemals erhalten würde. Sie war noch immer kaum in der Lage mit einem Holzschwert zu üben ohne sich dabei selbst zu verletzen und so begann ich nach einer Alternative für sie zu suchen. Eines heißen Sommertages saß ich in Gedanken versunken auf der kleinen Veranda unseres Hauses in Zeaihn und spielt mit einem Fächer herum. Ich hörte die trippelnden Schritte meiner kleinen Schwester, die wie so oft einen Überraschungsangriff auf mich startete wenn sie glaubte das ich gedanklich abwesend war. Ohne so recht darüber nachzudenken, vollführte ich mit dem Fächer einer halbkreisförmige Bewegung während ich mich umdrehte und traf zu meiner Verblüffung das Holzschwert meiner kleinen Schwester so hart, dass es ihr aus der Hand gerissen wurde und polternd unter uns dem Boden landete. Sie war nicht minder überrascht als ich und starrte auf den Fächer. „
Das war ja unglaublich Ayu, sowas habe ich noch nie gesehen. K… Kannst du mir das beibringen? Ich verspreche auch das ich es niemandem weitersage. Bitte “, sie sah mich mit großen Hundeaugen an und ich musste mir ein Lachen verbeißen während ich mich gleichzeitig fragte was ich da getan hatte.
Die folgenden zwei Jahre verbrachte ich damit die Grundzüge einer neuen Kampfkunst zu entwickeln. Etwa nach der Hälfte dieser Zeit suchte ich einen Schmied auf und übergab ihm eine Zeichnung, die ich zuvor angefertigt hatte. Diese Zeichnung enthielt den Konstruktionsplan eines neuartigen Kampffächers, der Tessen genannt wurde. Ich bat ihn drei davon anzufertigen. Der Erste sollte eine Art Testmodell werden und Sakura als Trainingswaffe dienen, deshalb sollte er auch aus stabilem Holz und nicht aus Metall bestehen. Den Zweiten trage ich heute noch bei mir, er ist aus dem selben Metall gefertigt wie mein Schwert und sehr stabil. Der Dritte bestand aus geschwärztem Stahl und zwischen den einzelnen Streben war ein fuchsiafarbenes stabiles Tuch befestigt. Als nun die Zeit kam und die offizielle Schwertausbildung begann, zeichnete sich ab wie schlecht Sakura wirklich mit dem Katana war und so überreichte ich ihr den Übungsfächer. Zuvor besprach ich mich mit ihren Lehrern und bat diese freundlich um die Erlaubnis das Schwerttraining zu Gunsten einer anderen Kampfkunst ein wenig zu vernachlässigen. Als diese mich nach einem Grund fragten, sagte ich ihnen das ich der Meinung sei, das Schwert wäre einfach nicht die richtige Waffe für meine kleine Schwester. Sie vertröstet mich um eine Woche, in der sie ihr besonderes Augenmerk schenken wollten und stimmten mir dann zu. Die folgenden vier Jahre verliefen genauso friedlich wie es meine eigene Kindheit während der Ausbildung getan hatte. Durchbrochen wurde dieser Frieden nur von gelegentlichen Zwiegesprächen mit
Lyunmeiner- und Kontrollverlust ihrerseits. Es gelang ihr einfach nicht ihr zweites Gesicht unter Kontrolle zu bringen. Immerhin entwickelte sie mit der Zeit ein Gespür dafür waren es vermutlich hervorkommen würde und konnte sich so meist rechtzeitig zurückziehen, bis der Ausbruch vorüber war. Trotz dieser gelegentlichen Zwischenfälle fiel ihr der Kampf mit ihrer neuen Waffe wesentlich leichter als mit dem Schwert. Als sie feierlich zum Krieger ernannt wurde, überreichte ich ihr aus diesem Grund auch keine Klinge sondern, zur Überraschung der meisten Anwesenden, jenen Fächer den ich bereits vor Jahren für sie hatte anfertigen lassen. Ich hatte ihn zuvor noch einmal zurück zu seinem Erschaffer gebracht, damit dieser ihn mit einer Gravur versehen konnte. Auf der obersten Strebe stand zum einen der vollständige Name meiner Schwester und zum anderen ihre Lieblingsweisheit in Shindar, eine der wenigen Erinnerungen die sie noch an unsere Mutter hatte: Jeder vermiedene Kampf ist ein gewonnener Kampf.
Während der Schmied seine Arbeit verrichtete, hatte ich begonnen eine Lederscheide für die Waffe anzufertigen und es auch mit Mühe noch rechtzeitig zur Tag-und-Nacht-Gleiche geschafft. Ich werde nie vergessen wie glücklich meine Schwester strahlte als sie mir ihre neue Tätowierung zeigte und ich ihr mit einem leichten Lächeln ihre neue Waffe überreichte. Die folgenden vier Tage verbrachte ich noch gemeinsam mit Sakura, begann aber im Geheimen bereits mit den Vorbereitungen für meine Abreise. Als ich ihr von meinem Plan erzählte, mich auf eine Reise zu begeben, nahm sie mir das Versprechen ab wieder zurückzukehren, so oft ich es vermochte. Ich war 27 Jahre alt und äußerlich kaum älter als ein sechzehnjähriger Jungspund, als ich mich auf die Reise begab.

Sie verstummte und hob eine Hand, etwa auf Kinnhöhe. Während ich noch verwirrt von ihrer Hand zu ihr starrte begann diese sich langsam mit Wasser zu füllen und ich beobachtete ungläubig wie sie daraus trank. Dann stand sie auf und ging scheinbar ohne mich noch weiter zu beachten aus der kleinen Höhle, die uns in dieser kalten Nacht einen Unterschlupf bot. Ehe ich mich dazu entschließen konnte ihr zu folgen war sie bereits zurück. Von ihrem Gesicht tropft Wasser und ich vermutete das sie sich mit Schnee gewaschen hatte. Sie setzte sich neben unser kleines Feuer und nickte mir zu. Ich vermutete das es als Aufforderung gemeint war, meine Fragen zu stellen und so tat ich genau das: „Warum hast du aufgehört deine Geschichte zu erzählen?“ Ein leichtes Lächeln spielte um ihre Züge als sie das hörte und ihre Antwort ließ mich zurückzucken: „Nun, das ist einfach zu beantworten. Sollte ich versuchen dir meine Geschichte zu Ende zu erzählen säßen wir vermutlich morgen Abend noch hier und zumindest du würdest den ganzen folgenden Tag verschlafen. Wie vermutlich bereits meinem Bericht zu entnehmen war, bin ich ein Dämon, zumindest zum Teil. Ich weiß nicht wie gut du mir zugehört hast, als ich erwähnte in welchem Jahr mein älterer Bruder geboren wurde und dir dann grob ausgerechnet hast wie alt ich, die 15 Jahre später geboren wurde, folglich zum heutigen Zeitpunkt sein müsste. Für den Fall das du es nicht getan hast: Ich wurde im Sommer des Jahres 1254 geboren und habe vor einigen Monaten mein 114. Lebensjahr begonnen, folglich ist meine Lebensgeschichte etwas länger als du dir vielleicht am Anfang ausgemalt hast.“ Nach dieser Eröffnung starrte ich sie einfach nur stumm an. Ich konnte, nein wollte nicht glauben das diese junge Frau dort vor mir, die im Grunde nicht viel älter aussah als 25 Winter, bereits 114 Jahre gesehen haben sollte. Darüber würde ich nachzudenken haben, doch zuerst beschloss ich noch die Frage zu stellen die mir auf der Seele brannte: „Du hast einen Eid auf dein Volk geschworen, weshalb hast du es dann verlassen? Ist dieser Schwur nicht bindend und hättest du nicht vielleicht jemandem aus dem Rat Bescheid sagen sollen das du vorhast für längere Zeit fort zu bleiben?“ Sie warf mir einen erstaunten Blick zu und antwortete dann seltsam ernst: „Ja, vermutlich hätte ich das tun sollen. Doch ich war jung, zornig und von einem seltsamen Zwang erfüllt meiner Heimat den Rücken zu kehren. Das zu erklären wäre mir nicht möglich gewesen und verstanden hätten es die edlen Shiín des Ältestenrates wohl kaum. In mir ist zu wenig Shiínblut als das sie es verstehen könnten. Diese Unbeständigkeit habe ich wohl der Tatsache zu verdanken das ich zum Teil ein Wasserdämon bin.
Am nächsten Tag setzen wir unsere Reise fort. Nach Aeons Meinung wurde es uns noch etwa fünf Tage kosten bis wir Norr Bharrak erreichten und meiner Meinung nach wurde das auch langsam Zeit. Draußen war es mittlerweile so kalt, dass ich mir fast wünschte den kompletten Winter in einer Fels- oder Eishöhle verbringen zu können, die uns in den Nächten Schutz boten. Doch an diesem Tag hatten wir Pech. Es gab keinen vernünftigen Unterschlupf. Ich sah mich schon steifgefroren bis zum Sommer in dieser kargen Einöde verweilen als Aeon begann einen Unterschlupf in den Schnee zu graben. Fasziniert beobachtete ich wie sie sich ruhig in den Boden grub. Nach 2 Stunden war ein ordentliches Loch entstanden und ich staunte nicht schlecht als ich eintrat und feststellte dass die Wände aus solidem Eis zu bestehen schienen. Ich fragte sie nicht wie sie das fertig gebracht hatte. Es war schneidend kalt, trotzdem verstand ich sie als sie auf meine Frage nach einem Feuer mit einem Kopfschütteln antwortete. Nachdem wir ein karges Mal aus meinen Vorräten zu uns genommen hatten, wickelten wir uns in alle Kleidungsstücke ein die wir bei uns trugen, bis nur noch unsere Köpfe hervorschauten. Erst dann fuhr meine Reisegefährtin mit ihrer Geschichte fort:

Bevor ich aufgebrochen war hatte ich gründlich jede Karte studiert derer ich habhaft werden konnte und besaß nun eine ungefähre Vorstellung wie es auf Alvarania, das ich zu bereisen geplant hatte, aussehen musste. Ich legte auch meinen alten Namen ab, da ich nicht darauf hoffen konnte das man mich nach dieser unangekündigten Abreise und den Jahren zuvor, in denen ich nur spärlich am Gemeinschaftsleben teilgenommen hatte, freundlich empfangen würde, sollte ich zurückkehren. Auch war mein Name zu auffällig. Er kennzeichnete mich sofort als Shiín und als solche würde ich überall viel Aufsehen erregen, was nicht wirklich mein Ziel war. Ich hatte mir eine Reiseroute zurechtgelegt die mich einmal quer über den Kontinent und schließlich zurück in meine Heimat führen würde. Denn mich trieb nicht nur der Wunsch an ein paar Menschen zu töten, ich wollte auch meine Lebenswelt kennen und verstehen lernen. Im Grunde war sogar mein oberstes Ziel so viel über alle nichtmenschlichen Völker in Erfahrung zu bringen wie ich nur in meinem Kopf behalten konnte. Heute weiß ich das Pläne sich in den weitaus meisten Fällen nicht in die Richtung entwickeln in die sie eigentlich sollten, also vermeide ich sie wo ich kann. Es scheint ihr einziger Daseinszweck zu sein und so sollte meine, ursprünglich nur auf zehn Jahre ausgelegte, Reise wesentlich länger dauern, als ich mir vorstellen konnte. Ich verließ meine Heimat also im Alter von 27 Jahren und kehrte erst 24 Jahre später mit 51 Jahren in die Hügelländer von Harrhy’in zurück. Mit der Geschichte über diese erste Reise könnte ich Bücher füllen und dich vermutlich monatelang unterhalten, deshalb werde ich versuchen mich kurz zu fassen.
Ich verließ die Hügelländer in südwestlicher Richtung und gelangte bald in den Wald von Sieryan. Ich war seit meiner Kindheit fasziniert von der Lebensart der Waldelfen und so hatte ich beschlossen meine Reise in ihrem Reich zu beginnen. Während ich durch ihren Lebensraum zog begegnete ich diesen schönen Wesen häufig. eines Tages kam ich in ein kleines Dorf das sich in Küstennähe in einem gewaltigen Baum befand. Ich habe seinen Namen nicht erfragt und auch nicht weshalb mich seine Bewohner so freundlich aufnahmen. Ich hatte kein Geld und beherrschte kaum etwas anderes als den Kampf. Trotzdem boten sie mir eine Bleibe als ich unfreiwillig einem ihrer Kinder das Leben rettete. Es fiel von einem Baum und wäre wohl direkt vor meinen Füßen auf dem Erdboden zerschellt , hätte ich nicht reflexartig die Arme ausgestreckt und es aufgefangen. Das ich mir dabei einen Arm auskugelte und üble Prellungen davon trug verhinderte das ich sofort weiterreisen konnte, doch die erzwungene Ruhepause entwickelte sich schnell zu etwas angenehmeren. Die Elfen hielten mich aufgrund meines jugendlichen Aussehens wohl für jünger als ich tatsächlich war und behandelt mich auch dementsprechend. Sie boten mir Unterkunft, Verpflegung und Heilung an und obgleich ich noch immer getrieben vom Zorn auf die Menschen weiterreisen wollte, nahm ich dieses Angebot zunächst an. In dieser Zeit lernte ich viel über den Elfenwald. Auch begann ich großen Gefallen an Kräuterkunde zu finden was die Elfen zunächst amüsierte und dann erfreute. Viele Stunden verbrachte der ein oder andere Elf mit mir im Wald und gab sein Wissen an mich weiter. Im Gegenzug ging ich häufig mit auf die Jagd und half bei allen Arbeiten die im Dorf anfielen, wie etwa die Jagd und die Zubereitung von Nahrung. Es war schön bei den Elfen, doch mein unbeständiges Wesen trieb mich nach einiger Zeit wieder fort. Ich blieb anderthalb Jahre bei ihnen, jedoch nicht nur in diesem einen Dorf. Vielmehr durchwanderte ich das riesige Waldgebiet stets auf der Suche nach neuen Dingen die es zu entdecken gab und begann meine Sprachkenntnisse im Elfischen auszubauen. Im Grunde lässt sich meine ganze Reise damit zusammenfassen: Ich lernte neue Sprachen, fremde Völker kennen und versuchte mir deren Wissen anzueignen soweit ich es vermochte. Meine Rastlosigkeit trieb mich nach Norden wo, wie ich wusste die Menschenreiche lagen. Sie war jedoch nicht der einzige Grund. Ich war jung und hatte mit meinem zweiten Gesicht zu kämpfen. Seit
Lyuns erstem Auftauchen waren die unkontrollierten Magieausbrüche stetig weniger geworden. Dafür versuchte sie nun ständig mir die Kontrolle zu entreißen. Da sie jedoch im Gegensatz zu der Magie früher stets mit einem Plan an die Sache herangehen, gelang es mir mit fortschreitendem Alter immer besser diesen Versuchen zu begegnen und sie mitunter sogar abzuwenden. Trotzdem war ich natürlich gefährlich für mich und meine Umwelt und wollte es nicht riskieren, dass man mich als Dämon erkannte. Es ließ sich natürlich nicht immer vermeiden und wenn es einmal dazu kam, musste ich meist überhastet aufbrechen und mich lange von dem Ort fernhalten und an den geschehen war. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Wesen mit einer kürzeren Lebensspanne als ich viele Dinge erstaunlich schnell vergessen. Bevor ich die Menschenreiche erreichte hatte machte ich eine überaus interessante Begegnung mit einem filigranen hellhaarige Geschöpf. Es war auf der Handelsstraße zwischen Agheveer und Burg Stormwall als ich gerade noch rechtzeitig fühlte wie jemand an meinem Beutel nestelte. Es mochte sich nichts wirklich wertvolles darin befinden, trotzdem verspürte ich nicht den Wunsch bestohlen zu werden. Ich wirbelte herum, packte das Kind am Handgelenk und spürte überraschend einige kleine spitze Zähne die sich in meine Haut bohrten. Als Antwort verpasste ich dem kleinen Dieb einen Schlag auf den Kopf und begann dann seine Zähne einzeln aus meinem Fleisch zu lösen. Wie ich später erfuhr handelte es sich bei diesem Geschöpf um einen Katzenelfen. Er war noch sehr jung und ehe ich mich versah fand ich mich auch schon umstellt von einer kleinen Rotte dieses Volkes. Es waren bestimmt vier oder fünf und keiner viel größer als der Junge. Mich erstaunte auch das sie allesamt weiblich waren, zumindest bis eine von ihnen mich in zornigem Tonfall dazu auffordert ihren Sohn herauszugeben. Ich hatte etwas dagegen und wir gerieten in einen kleinen Konflikt an dessen Ende ich über und über mit Biss- und Kratzwunden versehen war, während ich einer meiner Angreiferinnen die Metallspitzen meines Tessen unters Kinn hielt. Nach dieser ersten Begegnung kamen wir schnell zu der Übereinkunft das es uns nützen würde wenn uns gegenseitig unterstützen. Was mich früher bei meinem Volk noch so gestört hatte führte ich nun ohne Probleme durch. Unsere kleine Gruppe geriet immer weiter in Menschengebiete und Menschen bestahl ich gerne. Menschen tötete ich auch gerne, entgegen aller Überzeugungen die meine Mutter mir beizubringen versucht hatte. Auf sie besann ich mich erst später wieder. Fest steht in jedem Fall das ich von diesen Taurrin einiges über die Diebeskunst lernte, worauf so manch einer in meiner Heimat neidisch wäre. Als sich die Gruppe nach einem halben Jahr auflöste, weil die Kinder wohl alt genug seien, wie die erwachsenen Frauen verkündeten, machte ich mich mit nunmehr 29 Jahren erneut auf den Weg, tiefer in die Menschengebiete.
Ein Jahr lang durchstreifte ich die Menschenreiche im Norden und hielt mich sogar kurze Zeit im Reich der Orks auf. Doch dort gefiel es mir nicht nur nicht, sondern gar nicht. Mit diesem Wesen kann ich einfach nichts anfangen. Sie sind mir zu derb und riechen zu streng. In den Menschenreichen ließ ich nun meinem Zorn freien Lauf und es kam häufiger zu unkontrollierten Gewaltausbrüchen an deren Ende
Lyun ein wahres Schlachtfest veranstaltete. Doch ich war nicht viel besser; in dieser kurzen Zeit erschlug ich mindestens zehn Menschen einfach nur weil sie mich als Shiín erkannten und eine abfällige Bemerkungen über mein Volk fallen ließen. Doch es dauerte nicht lange bis die Tatsache das immer wieder Soldaten, Händler und auch einfache Reisende in den Nordreich verschwanden die Runde machte und so war ich gezwungen mich wieder zu besinnen. Mir wurde klar das dieses Verhalten meine Rachegelüste nicht zum erliegen brachte und so gab ich es bereits nach wenigen Monaten wieder auf. Im Jahre 1284 kam es immer häufiger zu bewaffneten Übergriffen zwischen den beiden Menschenreichen Arcanis und Mérindar. Kurz nach meinem 30. Geburtstag geriet ich an der Grenze zwischen den beiden Reichen in einen dieser Konflikte. Volkommen verblüfft beobachtete ich wie Menschen sich gegenseitig aus dem Leben beförderten ohne dafür scheinbar einen anderen Grund zu haben als einige wenige Männer die Befehle brüllten. Es war die erste wirkliche Schlacht die ich sah und sie ist mir lebhaft in Erinnerung geblieben. Der Anblick war grausiger, allerdings bei weitem nicht so unangenehm wie die Situation die folgte. Ein paar Soldaten sahen mich abseits des Schlachtfeldes stehen und hielten mich, da meine violette Haut unter dem Kapuzenumhang den ich trug nicht zu erkennen war, wohl für einen feindlichen Krieger, denn sie griffen mich an. Ehe ich mich versah, hielt man mich für einen Verbündeten Mérindars. Da es, wie du dir sicher vorstellen kannst, schwierig ist auf dem Schlachtfeld Soldaten während sie versuchen dich zu töten zu erklären das du eigentlich nur zufällig vorbeigekommen bist hattte ich keine andere Wahl als mich den Kämpfen anzuschließen. In diesem Kampf verlor ich mein erstes Katana und habe es seitdem nicht wirklich vermisst, schließlich lag mir der Kampf mit zwei Katana nie. Meine unfreiwillig gewählte Seite gewann und ein paar der Soldaten, die mich auf ihrer Seite hatten kämpfen sehen, brachten mich zu einem ihrer Anführer. Sein Name wird dir nichts sagen denn er ist mit ziemlicher Sicherheit schon vor 20 oder 30 Jahren verstorben. Man bedankte sich bei mir klopfte mir auf die Schulter wie einem guten alten Kameraden. Als der Mann mir dann auch noch einen kleinen Soldbeutel in die Hand drückte war ich vollkommen verblüfft. Er musste gesehen haben welchem Volk ich angehörte und es hatte ihn nicht gestört. Verstanden habe ich bis heute nicht weshalb er freundlich zu mir war. Dannach war ich zugegebenermaßen doch ein wenig neugierig auf jenes Volk geworden, mit welchem mein eigenes seit Generationen im Streit lag. Ich gelangte in die Stadt Merridia. Dort schlief ich das erste Mal in meinem Leben in einem menschlichen Gasthaus und muss gestehen das es mir gefiel. Seit meinem ersten Aufenthalt an einem solchen Ort, besuche ich sie immer wieder gerne, besonders wenn ich den Wunsch verspürte mich ein wenig zu bereichern. Für Taschendiebe ist so ein Haus wahrlich eine Goldgrube, für ein Söldner aber noch viel mehr. Als ich in einen dunklen Umhang gehüllt in einer Ecke der Gaststube saß sprach mich ein älterer bewaffneter Mensch an ob ich nicht Lust hätte mich als Wächter einer Handelskarawane anzuschließen, die Bezahlung wäre auch gut. Wir einigten uns schnell auf die genaue Summe und so kam es das ich die Menschenstadt bereits am nächsten Tag wieder verließ. Die Reise führte die Karawane zunächst in die Zuhandal-Kette wo sie Handel mit den Bergelfen treiben wollten. Danach sollte die Reise weiter durch die Steppe gehen und in Kamîrush enden. Ich machte bereits von Anfang an deutlich das ich die Karawane nur bis in die Steppe begleiten würde, doch das schien niemanden zu stören. Es war eine seltsam Handelsreise, denn sobald wir das Gebirge erreicht hatten, sprach mich eine junge Nordelfe an die aus geschäftlichen Gründen länger dort verweilen wollte und sich dafür interessierte wie viel es sie kosten würde wenn sie dabei meine Dienste als Leibwächter in Anspruch nahm. Wobei es mich damals ziemlich belustigt hat das sie mich die ganze Zeit in der ich in ihrem Sold stand für einen Jungen hielt, weshalb ich sie nie verbesserte. Sie wollte ein kleines Geschäft aufbauen und meine Dienste für vier Jahre in Anspruch nehmen, da abzusehen war das sie besonders in der Anfangszeit viel zwischen dem Gebirge und der Steppe hin und her pendeln müsste. Es war recht eindeutig warum sie dafür mich und nicht einen der fünf anderen Wächter der Karawane gewählt hatte, die Rückschläge der wenigen bewaffneten Banditenüberfälle die sich bisher ereignet hatten, konnte man mir beinahe alleine anrechnen. Ich war diejenige die einen Hinterhalt rechtzeitig wahrnahm und die anderen warnen konnte. Einmal schlug ich einen nächtlichen Überfall im Alleingang und so leise zurück das mich am nächsten Morgen das Schreien eines Händlers weckte, weil er neben der Leiche eines erschlagenen Banditen aufgewacht war. Ich willigte ein und wurde Solinas persönlicher Leibwächter. In diesen vier Jahren lernte ich eine Menge über das Handwerkervolk der Bergelfen und auch etwas über die Steppenbewohner. Ich ließ mir von einem befreundeten Glasbläser jenen Behälter anfertigen den ich noch immer mit mir herumtrage und der heute mit Salzwasser gefüllt ist.
Nach Ablauf meines Vertrages verließ ich die Händlerin und verfolgte meinen ursprünglichen Plan weiter, mich in die Eiswüste zu begeben. Doch wählte ich nicht den direkten Weg. Stattdessen durchwanderte ich die Gebiete um die Staubseen und den Jurna Wald. Verweilte lange Jahre dort, denn ich fühlte das ich ein wenig Abstand von sprechender Gesellschaft brauchte. Auf dem bisherigen Teil meiner Reise hatte ich zwar viel über fremde Völker gelernt, doch dabei meine Kampffähigkeiten vernachlässigt. Dies wollte ich jetzt nachholen. Ich wanderte drei Jahre lang durch die Wildnis und verbrachte meine Tage mit nichts anderem als der Erforschung der Pflanzen und Tierwelt auf meiner Reiseroute. Daneben erfreute ich mich an der Schönheit der Landschaft und trainierte so viel ich konnte. Ich hatte mich auf meiner bisherigen Reise in der Kunst der Magie geübt, wenn auch stets heimlich und hatte nun die Gewissheit dass ich sie als Waffe einsetzen konnte. Genau das war es was ich in der Einsamkeit der Wälder trainierte. Da ich bereits vorher begonnen hatte mich mit zwei Fächern im Kampf zu üben, gelang es mir nun diese Fähigkeit zur Perfektion zu bringen, zumindest soweit das ich selbst es dafür hielt. Auch übte ich mich weiter in der Beherrschung der Magie und dem Umgang mit meinem einen Katana. Im Alter von 37 Jahren erreichte ich schließlich die Eiswüste.
Ich war wieder sehr beeindruckt von der Anpassungsfähigkeit der Menschen und lauschte fasziniert den Geschichten und Legenden die man sich in diesem Land erzählte. Notgedrungen lernte ich auch etwas von ihrer Sprache was mir den Aufenthalt dort entschieden erleichterte. Ich blieb für ein ganzes Jahr dort um mich mit ihren Jagdtechniken vertraut zu machen. Anfangs erregte ich großes Aufsehen mit meiner seltsamen, wie sie es nannten, violetten Haut und der gefährlich aussehenden Klinge an meiner Seite doch nach dem ich mehrere Monate den Frieden gehalten hatte begann sie mich zu akzeptieren oder zumindest zu ignorieren. Ich lebte davon das Erjagte gegen andere Dinge des täglichen Bedarfs einzutauschen und verbrachte meine Zeit in einem kleinen Gasthaus das von einem alten Geschichtenerzähler geführt wurde. Wir brachten uns gegenseitigen Nutzen. Ich half ihm das Haus zu führen und instandzuhalten, dafür hatte ich eine Bleibe, stets etwas zu Essen und durfte des Abends alten Sagen und Legenden aus dieser Gegend lauschen.
Als ich die Eismenschen verließ war ich 38 Jahre alt und langsam begann ich zu spüren wie weit entfernt von meiner Heimat ich mich doch befand. In mir wuchs der Wunsch meine Familie wieder zu sehen und so beschloss ich meine Reise fortzusetzen. Ich durchwanderte Nogorath, das Waldreich der Elvoin, erlernte ihre Sprache Nogorr und nutzte meine Zeit dort um von ihren Jagdfertigkeiten zu lernen. Ich sah auch das erste Mal einen jener seltsamen Waldbewohner, die das Waldvolk Rikshan nennt. Die Begegnung war unangenehm und bescherte mir mehr als eine Wunde, doch meine Neugier war geweckt. Ich verbrachte viel Zeit damit die Verhaltensweisen und den Lebensraum dieses Tieres zu studieren bevor ich im Alter von 40 Jahren nach Kamîrush weiterzog. Auch in dieser neuen Gegend stürzte ich mich mit Feuereifer auf die alten Legenden des Salzvolkes und der Wüstenelfen, während ich mein Möglichstes tat um des Miruanischen mächtig zu werden. Ich arbeitete viel als Leibwächterin bei verschiedenen Herrschaften die zwischen den beiden Völkern hin und her reisten. Es schien mir im Laufe meiner Reise immer absonderlicher zu werden das ich es tatsächlich 27 Jahre lang in den Hügelländern von Harrhy’in ausgehalten hatte ohne das mich jene innere Stimme, die mich kreuz und quer über das Land zu scheuchen schien und es mir unmöglich machte irgendwo länger zu verweilen, in den Wahnsinn getrieben hatte. Während ich auch diese Gegend nach zwei Jahren wieder verließ, hatte ich nun eigentlich einen Ort erreicht an den ich unbedingt gelangen wollte. Das Meervolk der Lyr kennen zu lernen war eines meiner Hauptziele bei Reiseantritt gewesen. Nun begann sich aber ein größerer Konflikt mit
Lyun abzuzeichnen und ich verlor das erste Mal seit meines Aufenthaltes in Mérindar wieder vollends die Kontrolle über sie. Ich kann mich nicht erinnern was sie tat und das ist vielleicht auch besser so. Nach einer vollen Woche Kontrollverlust kam ich auf einer Wiese irgendwo in Thasani wieder zu mir. Während ich das Land auf dem Weg in den Süden weiter durchquerte hörte ich Geschichten von einem dämonischen Wasserwesen das Tod und Verwüstung über das Land brächte. Niemand sei vor ihm sicher, wenn es mit seinem unheimlichen grausamen Gelächter vorüberzog. Ich denke du kannst dir vorstellen weshalb ich die Beine in die Hand nahm und machte das ich nach Meneaion kam.
Dort war es zunächst die Landschaft die mich faszinierte und ich wanderte wochenlang durch dieses wunderschöne Land bis sich ein kleiner Zwischenfall ereignete. Ich war mir eigentlich sicher endgültig die Kontrolle über mein zweites Gesicht gewonnen zu haben, aber leider war dem nicht so. Je länger ich in diesem Land verblieb desto häufiger und heftiger musste ich kämpfen bis es schließlich zu einer unangenehmen Begebenheit kam. Ich war in einem Gasthaus und wurde dort von zwei hellhäutigen Männern als Shiín erkannt. Um es kurz zu machen, sie wollten das ich ging und teilt mir dies sehr deutlich mit, was mir wiederum nicht gefiel und so beschloss ich zu bleiben. Sie verärgerten mich also ging ich auf jede ihrer Provokationen ein und bald war eine wüste Schlägerei in Gange. Die Männer waren gut und es gelang ihnen mich in die Ecke zu drängen. Dabei beschimpften sie mich unablässig und fragten ob das ach so stolze Volk der Shiin jetzt schon Kindern erlaubte sich als Krieger auszugeben. Er sagte noch ein paar Dinge und das genügte um mich wirklich wütend zu machen. Also schleuderte ich ihn mit einem Wunschschrei von mir, während ich spürte wie
Lyun ihre geistigen Fesseln abstreifte und sich brüllend auf die Männer stürzte. Als es endlich vorbei war, lag das Gasthaus in Trümmern und sämtliche Gäste waren entweder verletzt, tot oder geflohen. Jene die Flohen schrien etwas während sie rannten: Dämon. Das Wort verfolgte mich während ich so schnell ich konnte das Weite suchte. Indes wurde mir klar das ich einige ernst zu nehmende Wunden davongetragen hatte. Welche Waffe sie mir auch geschalgen hatte, sie schmerzten wahrlich grausam. Ich weiß nicht mehr wie weit ich lief, noch wie es mir gelang mich fort von jeglicher Zivilisation zu schleppen, doch irgendwann hielt ich an und sah um mich herum nichts als dichtes grünes Blattwerk. Das Fehlen der Gefahr raubte mir die letzten Kräfte und ich brach zusammen. Schließlich fand mich dort ein alter Meneai und wenn ich alt sage, meine ich steinalt. Der Mann musste gut und gerne siebzig Jahre alt sein, zumindest sah er so aus. Er sah mich dort liegen, nahm mich mit zu sich nach Hause und begann mich gesund zu pflegen. Ich verstand die Welt nicht mehr. Ein Mensch für den ich nichts getan hatte half mir… einfach so. Meine Genesung dauerte vier Monate, denn bei der Auseinandersetzung waren einige meiner Knochen zu Bruch gegangen und das ein oder andere Band in Mitleidenschaft gezogen worden. Als ich genesen war bedanke ich mich für die Heilung und fragte den alten Mann wer er sei und warum er mir geholfen habe. Seine Antwort verstand ich noch viel weniger, er sagte wenn ich das herausfinden wolle sollte ich bei ihm bleiben und das zu gegebener Zeit noch einmal fragen. Es interessierte mich, also beschloss ich zu bleiben. Der alte Mann war ein ausgebildeter Arzt und ein ziemlicher Sonderling. Er hatte sich nach eigener Aussage bereits vor Jahren vom gesellschaftlichen Leben zurückgezogen. Seine Fähigkeiten beeindrucken mich, wann immer er ein verletztes Tier heilte oder auch hin und wieder mal einen Menschen der sich zu ihm verirrte. Doch abgesehen von mir blieb keiner. Ich half ihm im Haushalt und erledigte kleinere Aufgaben für ihn während er begann mich in Menondiwe zu unterrichten. Einmal unternahmen wir eine größere Wanderung, die über mehrere Tage ging. Es war im Jahre 1300 und ich hatte das große Glück mich während der Blütezeit der Mvenduna in Meneaion aufzuhalten. Als wir aus dem Wald traten und sich vor uns die mit dieser Pflanze bewachsenen Hänge ausbreiteten erblickte ich dieses wunderschöne Naturschauspiel. Der Anblick in Silber getauchter Berghänge ließ mich mein Leben lang nicht mehr los, noch heute sehe ich dieses Bild vor mir als hätte ich es erst gestern erblickt. Der alte Mann und ich blieben dort zwei Tage um uns an diesem Anblick zu erfreuen bevor wird den Rückweg zu der Hütte des Mannes machten. Ich blieb noch drei weitere Jahre bei dem Alten und begann ganz zuletzt mit seiner Hilfe meine waffenlose Kampfkunst zu entwickeln. Als ich ihm die Idee vortrug war er zunächst entrüstet, er sagte es sei seine Berufung Leben zu retten und er werde ganz bestimmt nicht dabei helfen sie zu nehmen, trotzdem ließ er mich ausreden. Ich wollte eine Kampfkunst entwickeln mit der es möglich wäre einen Gegner kampfunfähig zu machen ohne ihn dabei schwer zu verletzen oder zu töten. Außerdem wollte ich etwas beherrschen mit dem ich mich notfalls verteidigen könnte wenn ich einmal weder mein Schwert, noch meine Fächer oder Messer griffbereit hatte. Nachdem er mit den Schwur abgenommen hatte niemals jemanden damit zu töten, half er mir tatsächlich dabei diesen Kampfstil zu entwickeln. Der Mann besaß ein geradezu unglaubliches Wissen über den menschlichen Körper und wusste mir stets die Punkte zu nennen, die anzugreifen am wirkungsvollsten sein würde. In unserem letzten gemeinsamen Jahr begann in mir erneut der Drang zu erstarken den Ort an dem ich mich gerade befand zu verlassen. Der alte Mann schien meine Rastlosigkeit zu bemerken und schenkte mir eines Abends einen Kamm aus Knochen. Am nächsten Morgen lag eine Botschaft, dicht beschrieben in seiner feinen Handschrift, auf dem kleinen Esstisch. Darin verabschiedete er sich mit wenigen Worten von mir und schenkte mir einen kleinen Beutel voller Muscheln, die ich als meneaische Währung erkannte. Er sagte das er die gemeinsame Zeit genossen habe, es aber nun für mich Zeit sei zu gehen. Im Alter von 50 Jahren verließ ich also Meneaion.
Das folgende Jahr verbrachte ich mit meiner Rückreise. Zunächst musste ich die südlichsten Ausläufer von Cala an Darh, dem Meer ohne Wasser, durchqueren. Ich merkte recht schnell das dies kein guter Ort für einen Wasserdämon war, sodass ich mich immer dicht an der Küste hielt. Ich erreichte Khirudan noch im selben Jahr. Dort verweilte ich, wenn auch nur kurz. Ich wollte unbedingt mehr über die geheimnisvollen Tiermenschen die das Land angeblich bewohnten in Erfahrung bringen, sah sie aber höchstens mal aus der Ferne. Ich setzte meine Heimreise also fort, durch das Gebiet der Bergelfen und anschließend das der Waldelfen bevor ich in der Ferne die grünen Hügel meiner Heimat erblickte.
Im Alter von 51 Jahren kehrte ich zu den Shiín zurück bei denen ich aufgewachsen war. Es war eine Zeit der Unruhen, ständig gab es bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Shiín und Menschen. Als ich eintraf war gerade ein Kampf in vollem Gange. Er tobte erschreckend nah an Zeaihn. Ich sah den Kampf und beschloss das der letzte gute Kampf in dem ich mich so wirklich hatte gehen lassen können viel zu lange her war. Ich hatte seit Ewigkeiten nicht mehr mit dem Katana in der Hand gekämpft und genoss es nun. An diesem Tag fielen unter meiner Klingel viele Menschen und es störte mich nicht, denn ich befand mich in einem seltsamen Art Rausch während ich mit Wellenlied in der Hand Feind um Feind niederwarf. Nach Abschluss dieses Kampfes wurde ich vor den Ältestenrat gerufen. Ich dachte eigentlich sie würden zürnen, dass ich einfach gegangen war oder mich verstoßen, weil offensichtlich war, dass es sich bei mir um einen Mischling handelte. Stattdessen erhielt ich den Ehrentitel mit dem du mich vorhin angesprochen hast. An die genaue Anzahl der Feinde erinnere ich mich nicht mehr. Mir wurde später erzählt, dass es nicht nur diesen einen Angriff gegeben hatte. Die Menschen mit mehreren kleinen Gruppen alle möglichen Siedlungen in meiner Heimat gleichzeitig angegriffen, während eine große Gruppe den Angriff auf Zeaihn wagte. Als ich dazu kam waren viele der kleinen Kämpfe bereits gewonnen und die Krieger auf dem Weg in die Stadt. Dort waren die Menschen mit einer dreifachen Übermacht angerückt und die Verteidiger nach einem langen Kampf inzwischen demoralisiert. Als ich in den Kampf eingriff stagnierte er und die Menschen waren gerade dabei die überhand zu gewinnen. Die Ältesten ehrten mich nun dafür, dass ich mich trotz der schlechten Lage ohne zu zögern auf die Feinde geworfen hatte und damit einerseits den Verteidigern wieder Hoffnung auf einen Sieg gegeben hatte, während ich die Angreifer kurzzeitige Verwirrung gestürzt hatte. Mein, wie sie es nannten heldenhafter Einsatz, ich würde es eher als blinde Kampfeswut bezeichnen, hatte die Menschen unvorbereitet getroffen. Sie waren gerade dabei den Kampf zu gewinnen, als eine zierliche kleine Shiín aus dem Nichts auftauchte und sich wie ein Berserker auf sie stürzte. Die kurze Zeit der Verunsicherung, während der Feind initiierte versuchte sich auf diese neue Bedrohung einzustellen, die für eine solche Übermacht im Grunde keine war, verschaffte den Verteidigern die nötige Atempause um sich wieder zu formieren sich mit neuem Elan gegen die Feinde zu werfen. Als dann auch noch die restlichen Krieger aus den Dörfern eintrafen, hatten die Menschen endgültig verloren. Das dieser Sieg heute allein mir zugeschrieben wird ist, wie du jetzt sicherlich verstehen kannst, nicht ganz richtig.. Trotzdem berichteten die Menschen, die nachhause zurückkehrten, noch Jahre später von dem Weißäugigen Dämon der sie vom Land der Shiín vertrieb, also muss ich wohl wirklich zornig gewesen sein. Es gab ein großes Fest für die Gefallenen und diejenigen die den Kampf gewonnen hatten. Nach diesem Kampf wurde ich so akzeptiert wie ich war, ein Mischlingskind das sich aufgrund seiner Schwertkunst seinem Platz im Volk verdient hatte. Heute wundert sich niemand mehr wenn ich nach zehn Jahren zurück in die Hügelländer komme und nicht nennenswert gealtert bin. Doch eine Sache taten sie. Ayumi Mikazuki, die das Volk verlassen hatte, war nicht jene die zurückkehrte. Zurück kam Aeon, denn Ayumi ist in der Welt außerhalb verschollen und nie zurückgekehrt, so befand der Rat um mich zu bestrafen.


Als sie diesmal verstummte lag ein Schatten über ihrem Gesicht. Da war etwas in ihren Augen das ich nicht so recht deuten konnte, doch als ich ihr einen fragenden Blick zuwarf ging sie nicht darauf ein. Nachdem sie einige Zeit geschwiegen hatte, beschloss ich das sie wohl für heute fertig sei und es nun angebracht war meine Fragen zu stellen damit wir uns bald zur Ruhe begeben konnten. Doch ich kam nicht dazu mehr zu tun als nur meinen Mund zu öffnen bevor sie mir einen funkelnden Blick zuwarf der mich zurückweichen ließ. Ihre Augen waren hell, beinahe weiß und in dieser gespenstischen Farbe lag eine unbestimmte Warnung, die zu ignorieren mir nicht klug erschien. Während ich meinen Mund wieder schloss und mich langsam tiefer in mein wärmendes Lager hineingleiten ließ sah ich wie sie die Höhle verließ und sich in die klirrende Kälte der Nacht hinausbegab. Ihre Rückkehr bekam ich dann nicht mehr mit, da mir die Augen zufielen.
Der nächste Tag war merklich wärmer. Als wir am Morgen aufbrachen warf ich schüchtern einen Blick in Aeons Augen und verharrte überrascht. Sie waren so blau wie zuvor, kein eisblaues Glühen lag darin. Aeon bemerkte meinen Blick und ließ in einem müden Lächeln ihre spitzen Zähne sehen. Da dieser Blick nicht länger feindselig erschien fragte ich sie was am Abend geschehen sei. „Es gab eine kleine Meinungsverschiedenheit. Bei dem Versuch diese aus der Welt zu schaffen bin ich zornig geworden und musste mich alleine beruhigen, also bin ich nach draußen gegangen und habe mich etwas abgekült. Als ich dann zurückkam schliefst du bereits und ich sah keine Veranlassung dich zu wecken“,antwortete sie ruhig. Mit dieser Antwort konnte ich zwar nicht viel anfangen, gab mich aber damit zufrieden. Am Abend fuhr sie dann mit ihrer Geschichte fort als sei nichts geschehen:

Sosehr Sakura mich auch drängte, es gelang ihr nicht mich bei sich zu halten. Dieses Mal war es meine bewusste Entscheidung die Hügelländer von Harrhy'in zu verlassen. Doch ich erneuerte mein Versprechen Sakura häufiger zu besuchen. In der Zeit meine Abwesenheit war sie erwachsen geworden, sodass ich sie beinahe nicht erkannte als ich sie nach meiner langen Resie wiedersah. Inzwischen hatte sie eine Familie gegründet und mindestens zwei Kinder geboren. Allerdings konnte ihr Ehemann mich vom ersten Moment an nicht leiden, er nannte mich abfällig Halbblut und versuchte mich vor Sakura in Verruf zu bringen. Es gab für mich auch abgesehen von dieser offenen Feindschaft nicht viel das bei den Shiín hielt, so verließ ich sie bald wieder. In den folgenden 21 Jahren kehrte ich manches mal zurück um sie zu besuchen, hatte mich aber bereits von den Gedanken verabschiedet dort wieder sesshaft zu werden. So blieb ich zwar stets einige Zeit dort, es war jedoch von Anfang an stets klar das ich wieder gehen würde. Bis auf zwei längere Abwesenheiten blieb ich meist im Nordosten Alvaranias, so war der Weg zurück auch nie besonders weit.
Ich verbrachte diese Jahre meines Lebens verstärkt mit dem Studium der Natur und ihrer Bewohner, sowie dem Kampftraining, denn ich hatte mir das Ziel gesetzt zur Besten Schwertkämpferin meines Volkes zu werden. Ich vermietete nicht länger mein Schwert wenn ich meinen Dienst als Söldnerin oder Leibwächtern versah, denn ich beschloss meine Klinge nur noch gegen würdige Gegner zu ziehen. Ich wusste das ich zu dieser Zeit bereits sehr gut war und sah es nicht ein meine Fähigkeiten geringer darzustellen als sie waren. So kam es vor das ich bei meinen gelegentlichen Besuchen in der Heimat mit einem geliehenen Schwert die Kinder meiner Schwester auszubilden half oder meine Fähigkeiten auf Wunsch auch anderen Shiín-Schülern zur Verfügung stellte. Mich mit einem solchen Schwert einem freundschaftlichen Trainingskampf gegen einen angehenden oder bereits ausgebildeten Schwertkämpfer zu stellen tue ich noch heute gern. Meine eigene Klinge ist für eine solche Begegnung nicht geschaffen, es sei denn mein Gegenüber ist meinen Fähigkeiten gewachsen oder übertrifft mich sogar. Abgesehen von diesem Training nahm das bereits erwähnte Studium der Natur mich vollkommen Anspruch. Ich war geradezu fasziniert von tierischen Lebensweisen und begann bald mehr in ihnen zu sehen als bloße Jagdbeute und damit Nahrung. Ich hatte in meiner Zeit bei dem alten Meneai-Arzt einiges über die Heilkunst gelernt und verwendete dieses Wissen nun häufig dafür verletzte Tiere so gut ich konnte zu versorgen wenn ich für sie noch eine Überlebenschance sah, nur um damit herauszufinden wie sie sich nach einer solchen Heilungen ihrem natürlichen Lebensraum zurechtfinden würden. Es gibt viele Kuriositäten und einzigartige Lebewesen in der Tierwelt Alvarias und genau jene suchte ich…
Einmal führte mich eine etwas längere Reise erneut nach erneut nach Nogorath wo ich mir die Zeit nahm die Rikshan zu erforschen. Diese seltenen Raubtiere ähneln in vielem gewöhnlichen Katzen, sind aber ungleich größer. Mich faszinierte bereits bei meinem ersten Aufenthalt in diesem Waldreich ihre Dornenmähne. Ich wollte wissen wie diese Wesen lebten und fragte mich weshalb sie scheinbar so schwer gerüstet durch diese Sümpfe zogen. Um auf diese Fragen Antworten zu erhalten begab ich mich auf ihre Spuren, beobachtete sie aus sicherer Entfernung und suchte geduldig immer wieder neue Vertreter dieser Art wenn ich die Spuren eines anderen verlor. Fünf Jahre lang durchstreifte ich das Sumpfgebiet bevor ich beschloss nun doch nach den Lyr zu suchen. Ich durchwanderte Thasani auf der Jagd nach Geschichten und Gerüchten über das geheimnisvolle Meervolk und fand mehr als ich zu hoffen gewagt hatte.
In dem kleinen Ort der direkt an der Küste lag wurde ich fündig. Es war ein kleines Mädchen das mich auf den jungen Mann aufmerksam machte. Sie zupfte ihre Mutter, deren Hand sie hielt, am Ärmel und fragte sie warum der junge Mann am Straßenrand blau sei. Während die Menschenfrau einfach weiterging ohne ihre Tochter zu beachten blieb ich stehen und warf einen Blick in die Richtung in die das Mädchen gedeutet hatte. Tatsächlich saß dort ein Mann, der wohl kaum mehr als achtzehn Winter gesehen habe konnte, in einer verdreckten Kutte am Starßenrand. Ich ging auf ihn zu und als ich schließlich vor ihm stand betrachtete ich erstaunt seine hellblau schillernde, an manchen Stellen mit kleinen Schuppen bedeckte, Haut. Als ich über ihm stand sah er auf. Wir betrachteten uns gegenseitig eine ganze Weile und wägten beide ab ob die Personen vor uns einer Vorstellung bedurfte oder nicht. Ich machte den Anfang indem ich mich langsam auf die Fersen sinken ließ um mit ihm auf einer Augenhöhe zu sein. Als ich mich vorstellte setzte ich einen freundlichen Gesichtsausdruck auf, der ihn letztendlich davon überzeugte es mir gleich zu tun. Er hieß Nari und war, wie ich erfuhr, auf der Suche nach seiner Mutter. Als ich das hörte wollte ich schon die Flucht ergreifen doch es war zu spät. Die Verzweiflung, welche in seinem Blick lag während er sprach, fesselte mich und ich hörte wie ich ihm meine Hilfe anbot während ich mich noch selbst dafür verfluchte ihn überhaupt angesprochen zu haben. Zuerst schien er überrascht, doch nach ein paar prüfenden Blicken in mein Gesicht hellte sich seine Miene merklich auf. Wir begaben uns gemeinsam auf eine Suche an der ich mich nicht beteiligen wollte, nach einer Person die ich nicht kannte… Alles in allem versprach sie bereits zu Beginn erheiternd zu werden, denn mein Begleiter hatte nicht nur keine Ahnung vom Kampf sondern ging auch mit einer Naivität in die Welt hinaus die ihresgleichen suchte. Ich denke den Verlauf werde ich mir sparen, hierzu nur soviel, wir fanden sie nicht. Nach vier Jahren der Suche gab Nari auf. In dieser Zeit hatte sich zwischen uns beiden, die wir unterschiedlicher nicht hätten sein können, eine scheinbar unmögliche Freundschaft entwickelt. Er mochte zwar nicht wissen was für ein Wesen ich genau war, hatte aber meine dunkle Seite mit eigenen Augen gesehen und sich nicht von mir abgewandt. Dafür hatte ich einiges an Zeit damit verbracht ihn aus brenzligen Situationen zu holen und ihm so oft das Leben gerettet das ist zu zählen aufgehört hatte. Die entstandene Vertrautheit war es auch die den Wunsch in ihm wachsen ließ mich seiner restlichen Familie vorzustellen. Er hatte mich bereits einmal in meiner dämonischen Gestalt gesehen und nahm mich deshalb mit zu sich nachhause. Wie du dir vermutlich vorstellen kannst empfing man mich dort mit Misstrauen und nur äußerst widerwillig. Selbst nach dem Nari erzählt hatte was wir zusammen durchgestanden hatten und versicherte das ich sein vollstes Vertrauen genoss, war der Rest seiner Familie noch nicht überzeugt. Sie fühlten, wohl durch das Wasser verstärkt, überdeutlich zwei Seelen in meinem Körper und da ich schon sehr lange mit
Lyun zusammen bin, kann ich mir denken weshalb sie uns nicht in ihrer Nähe wissen wollten. Ich glaube in letzter Instanz überzeugte sie, wie das Wasser auf mich reagierte. Zuvor hatte ich nie länger in meiner dämonischen Gestalt ausgeharrt als wenige Stunden. Doch nun vergingen Tage bis die älteren Lyr sich einig wurden. Ich stellte fest das mir das Leben unter Wasser wesentlich besser gefiel als das an Land. Ich war umgeben von meinem Element, musste mich endlich nicht mehr zwanghaft davon fernhalten um eine unliebsame Verwandlung zu verhindern und das Meer mochte mich, anders kann ich es nicht beschreiben. Es war als gehöre ich dort hinen, als habe es mich nach langer Zeit endlich wieder gefunden, wie ein verlorenes Kind. Man gestattete mir zu bleiben. Nari zeigte mir seine Welt: die Bucht und die Höhlen. Er versuchte mich zu überzeugen bei ihm und seiner Familie in den großen Höhlen, welche sie bewohnten, zu bleiben. Ich lehnte ab, zu sehr genoss ich die Weite der Bucht um mich nun freiwillig in von Felsgestein eingeschlossene Gänge zu begeben, die mir das neue Gefühl der Freiheit raubten. Dort, im stetigen Wechsel zwischen Halbdämmer und Dunkelheit blieb ich so lange ich konnte. Letztendlich war es wieder meine Natur die mich von dort fortzog. Ich verließ die Lyr und konnte Nari nur mit Mühe davon abhalten mir zu folgen. Wieder an Land dauerte es eine gefühlte Ewigkeit bis ich mich wieder daran gewöhnt hatte wie beschränkt das Leben dort war, es fehlte die Leichtigkeit und gleitende Eleganz die alles unter Wasser besaß. Bereits nach wenigen Tagen sehnte ich mich zurück nach der Freiheit des Meeres, entschloss mich aber trotzdem zu gehen. Wie viel Zeit wirklich verstrichen war fiel mir erst auf als ich Sakura besuchte. Hatte ich vor meiner Abreise noch ihrer zweijährigen Tochter ein kleines Muschelarmband geschenkt, stürmte mir nun eine tätowierte Kriegerin entgegen die mindestens 16 Winter zählen musste. Mit leichter Bestürzung stellte ich fest wie stark meiner Halbschwester gealtert war. Auch wenn sie es nie offen sagte schien es ihr befremdlich das mein Körper trotz meines Alters immernoch jugendlich wirkte. Inzwischen sah ich jünger aus als sie…
Meine zweite längere Reise begann im Jahr 1326 und führte mich nach Khirundan, in die Heimat der Tiermenschen. Ich hielt mich bedeckt und beobachtete sie stets aus der Ferne. So zog ich keine unerwünschte Aufmerksamkeit auf mich und stellte keine offensichtliche Bedrohung dar. Ich wagte nicht mich ihnen weiter zu nähern, denn ich befürchtete, dass ein einziger Kontrollverlust genügen würde um mich in diesem Land, welches so selten von Fremden bereist wurde, auf Jahre als Feind zu brandmarken. Auch erschien es mir als beste Methode um mehr über Khirundans scheue Bewohner zu erfahren. Zwei Jahre lang durchwanderte ich die vielfältige Landschaft. Letztendlich hatte ich mich doch noch entschlossen, mich einen der Völker offen zu nähern, doch soweit kam es nicht. Ich befand mich im äußersten Nordosten des Landes, wo dichtes Waldgebiet auf offene Steppe trifft und man hinter den Bäumen die Ausläufer des Dûngar-Gebirges auftragen sieht, als ich laute Schreie und Kampfgeräusche hörte. Wobei sehen in diesem Fall die falsche Bezeichnung ist, denn es war bereits stockfinster. Die Nacht war wolkenverhangen und ich konnte kaum die Hand vor Augen sehen. Ein durchdringender Blutgeruch lag in der Luft und ich entschloss mich herauszufinden was vor sich ging. Der Anblick der sich mir bot war geradezu bizarr. Hinter einer flachen Hügelkuppe sah ich eine Gruppe von stierköpfigen Tiermenschen. Wobei der größte Teil der Gruppe bereits tot am Boden lag. Als ich ankam standen nur noch zwei Männer aufrecht von denen einer bereits mehr tot als lebendig im Griff eine seltsam blassen Wesens hing. Dieses hielt ein schlankes Schwert und fixierte mit seinem rot glühenden Augen bereits den zweiten Gegner, während es den anderen aus seiner Umklammerung entließ und verächtlich zu Boden stieß. Während ich noch überlegte ob ich nun eingreifen wollte oder nicht fiel auch der letzte noch lebende Mann der Klinge zum Opfer. Nun wandte sich das blasse Wesen mir zu. Es zischte bösartig und kam mit langsamen gleitenden Schritten auf mich zu. Als es sich ansatzlos auf mich stürzte wurde mir klar das sich hier wohl eine der seltenen Gelegenheiten ergab in denen ich Wellenlied ohne Bedenken ziehen konnte. Mein Gegner war gut aber nicht so gut wie ich. Der Kampf gestaltete sich wegen der schlechten Sicht anfangs schwierig und so musste ich einige unangenehme Schläge einstecken, bis es mir endlich gelang mich auf meinen Angreifer einzustellen. Der Kampf dauerte eine ganze Weile, doch schließlich gelang es mir das Leben meines Angreifers zu nehmen. Ich hatte ihn jedoch zu dicht an mich herankommen lassen und so schlug er mir, noch ehe er zu Boden ging, im Sterben zwei dolchartige Fangzähne in die Hand. Da ich ihm für diese Tat nicht nochmal töten konnte, beließ ich es dabei ihn von mir zu stoßen. Dann hörte ich ein leises Wimmern und wandte mich um während ich meinen Blick suchend umherschweifen ließ. Hinter mir saß ein Kind.


Ich lauschte gespannt und war ein wenig enttäuscht als sie nicht weitersprach. Doch dann sah sie mich auffordern an und ich ahnte weshalb sie an dieser Stelle unterbrochen hatte. „Ich rechne es dir hoch an das mich nicht unterbrochen hast, aber jetzt ist die beste Gelegenheit um deine Fragen zu stellen bevor sie vergisst. Ich habe leider feststellen müssen das Menschen ein furchtbar schlechtes Gedächtnis haben. Also frage“, sagte sie dann auch prompt. „Weshalb hast du dich von dem Ehemann seiner Schwester vertreiben lassen? Ich hatte es bisher so verstanden das sie dir sehr wichtig ist. Hättest du da nicht bei ihr bleiben und sie nach besten Kräften unterstützen sollen?“ . „Nein“, sagte sie einfach: . „Ich bin zu wenig Shiín um unter ihnen leben zu können. Außerdem bin ich ein Wanderer, mich hält es nie lange an einem Ort und darüber hinaus bin ich ein Dämon. Das wusste Sakura genauso gut wie ich. Sie hätte es kaum zugelassen das ich mich zu lange in der Nähe ihrer Kinder aufhalte, so sehr sie mich auch geschätzt haben mag als sie noch lebte, stellt sich doch ein permanentes Risiko für deren Sicherheit dar. Ich selbst habe keine Kinder, habe aber oft genug gesehen welch gewaltige Anstrengungen Mütter auf sich nehmen um das Leben ihrer Sprösslinge zu schützen, deshalb nahm ich es ihr nicht übel, dass sie die Gefahr, die ich nun mal darstellte, nicht dauerhaft in der Nähe wissen wollte. Also habe ich mich nicht von ihrem Mann vertreiben lassen sondern vielmehr vermieden ihr ihr Glück zu zerstören in dem ich mich aufdrängte. Mit der Lösung das ich alle paar Jahre einmal zu Besuch kommen hatte er letztendlich wenig Probleme, denn auch er hat mit der Zeit festgestellt dass ich weder für ihn noch für die Kinder eine Bedrohung darstellen. Freunde sind wenige worden aber ich hatte bis zu seinem Tod keinen ernsthaften Streit mit ihm.“ Ich musterte sie nachdenklich bevor ich meine nächste Frage stellte: „Du hast erzählt, dass du nach deiner Zeit bei den Lyr das Leben an Land als beschränkt empfunden hättest. Wie soll ich das verstehen?“ „Bist du schon einmal geschwommen?“, fragte sie mich im Gegenzug und als ich verwirrt nickte sah sie mich mit hochgezogenen Augenbrauen an: „Dann müsstest du es doch verstehen können.“ Nach diesen Worten wandte sie sich von mir ab und legte sich schlafen.
Es ist schwer zu beschreiben wie es sich anfühlte als ich am nächsten Morgen die kleine Höhle verließ die uns ein Nachtlager geboten hatte und feststellte das draußen ein ausgewachsener Schneesturm wütete. Noch ehe ich begreifen konnte was ich da sah, schob mich Aeon auch schon gewaltsam in die Höhle zurück. „Ich werde heute nicht weitergehen“, teilte sie mir in neutralem Ton mit bevor sie meine Schultern losließ und zu unserem Nachtlager zurückkehrte. „Wegen dem bisschen Schnee?“, fragte ich verwundert. Sie ließ sich nicht zu einer Antwort herab sondern begann in aller Seelenruhe die Waffen von ihrem Gürtel zu lösen und sie mit geradezu akribischer Sorgfalt zu polieren. Fasziniert beobachtete ich wie sie einen fächerartigen Gegenstand von ihrem Gürtel löste und ihm aufklappte. Die langen dolchartigen Spitzen überzeugten mich davon dass es sich bei diesen Gegenstand wohl eher nicht um einen Fächer handelte. „Sag Aeon ist dieser Fächer eine Waffe?“, fragte ich interessiert. Ohne in ihrer Tätigkeit innezuhalten oder aufzusehen antwortete sie: „Dies ist ein Tessen, kein Fächer und ja, es ist eine Waffe.“ Da es ein längerer Aufenthalt zu werden drohte, beschloss ich ebenfalls meine Ausrüstung in Augenschein zu nehmen.
Irgendwann war ich fertig mit dem Ausbessern meiner Ausrüstung und begann mich zu langweilen. Ein schneller Blick zu meiner Gefährten zeigte dass sie offenbar die Arbeiten an diesem Tessen beendet hatte, denn nun lag die blanke Klinge ihres Katanas über ihren Knien. Sie polierte die helle Klinge mit derselben Sorgfalt wie zuvor den Tessen. Die Zeit kroch träge dahin und mein einziger Versuch ein Gespräch zu beginnen scheiterte am Desinteresse meine Gesprächspartnerin. Nach etlichen Stunden des Schweigens begann ich zuerst leise zu Summen und als darauf keine Reaktion erfolgte ein Lied vor mich hin zu singen. Schließlich schob Aeon ihr Schwert in die Scheide. Dann wandte sie sich wieder mir zu: „ Ich denke nicht das dieser Sturm länger andauern wird als einen Tag. Wir könnten uns heute ein wenig früher zur Ruhe begeben“, mit einem kurzen Blick vergewisserte sie sich meiner Zustimmung bevor sie weitersprach: „Dann werde ich jetzt mit meiner Geschichte fortfahren.“ Ich machte es mir bequem und sah zu wie sie kurz die Augen schloss, scheinbar um ihre Gedanken zu ordnen. Dann begann sie von neuem:

Das Kind welches ich zuvor von diesem spitzzahnigen Wesen gerettet hatte war ein Tiermensch. Sein Kopf war der eines Rindes. Aus dem braunen Fell, welches einen so hellen Farbton aufwies das es fast weiß erschien, sahen mich zwei riesige Kinderaugen an. Ich bildete mir ein in ihnen so etwas wie Dankbarkeit vielleicht sogar Vertrauen zu lesen. Da saß der kleine Junge nun umgeben von jenen die versucht hatten sein Leben zu schützen. Dieses Mal braucht es keinen Zwang um mich zu überzeugen dem Kind beizustehen. Ich ließ mich langsam vor ihm auf die Knie sinken und streckte vorsichtig eine Hand nach ihm aus. Er regte sich nicht, selbst dann nicht als ich ihm mit den Fingern durch das dichte gleiche Fell auf seinem Kopf vor. Ich war mir noch immer nicht ganz sicher welche Sprache sie in Khirundan verwendeten, deshalb versuchte ich es mit so ziemlich jeder Sprache die ich kannte. Es war der Dialekt der Steppenreiter, der das Kind aufhorchen ließ. Der kleine Junge mochte vielleicht zwei oder drei Winter gesehen haben. Ich schloss meinen Mund und wollte eben zu einer anderen Sprache ansetzen als er begann ein Wort zu wiederholen, Cael. Cael? Ist das dein Name , fragte ich. Er antwortete darauf mit einem erstickten Schluchtzen und brach in Tränen aus noch ehe ich mir überlegt hatte was nun zu tun sei. Also beugte ich mich hinab um ihn zu trösten.
Für mich war die Sachlage klar. Dieses Kind musste zurück zu seinem Volk. Das Problem dabei war: Es wollte nicht… Ich kann mir bis heute nicht erklären was die Gruppe so weit in den Norden des Landes verschlug, aber ich begann recht schnell es ihnen übel zu nehmen. Auf meiner Suche nach Ansiedlungen der Tiermenschen wanderte ich zwei Wochen mit dem Kind im Schlepptau nach Süden ohne auch nur einmal auf einen von ihnen zu treffen. Es stellte sich heraus das ich überhaupt keine Ahnung davon hatte wie mit einem Kind dieses Alters zu verfahren sei. Dazu kam das eine solche Reise nicht unbedingt der beste Ort für ein Kind ist und es mich einiges an Mühe kostete den Kleinen am Leben zu erhalten. Selbstverständlich wusste er nicht welche Pflanzen essbar und welche Tiere ungefährlich waren. Nur dachte ich in meinem Eifer ihn wieder loszuwerden nicht darüber nach und so gab es die eine oder andere brenzlige Situation in der er zum Beispiel versuchte giftige Beeren zu essen oder ein Raubtier zu streicheln. Ich kann nicht genau sagen wann ich mich entschied ihn nicht zu seinem Volk zurückzubringen. Jedenfalls wuchs er mir ans Herz und als ihn letztendlich fragte ob er zurück wolle und er sich nur weinend an mich klammerte, war das Thema für mich erledigt. Doch auch mir war klar das einem Kind in diesem jugendlichen Alter mein nomadischer Lebensstil nicht gut tun würde. Ich hätte es wohl trotzdem versucht, wäre der Junge nicht krank geworden. Genau wie ich selbst hatte auch er bei unserer ersten Begegnung einige Bisswunden davongetragen. Was auch immer das für ein Wesen gewesen war, mit dem Biss war irgendetwas in unsere Körper gelangt. Seltsam war nur das es auf uns beide unterschiedlich zu wirken schien. Cael bekam Fieber und war etwa einen Monat lang so geschwächt dass er seine Lagerstatt kaum verlassen konnte, während ich selbst zu starken Stimmungsschwankungen neigte, welche die Magie mit unter unkontrolliert aus mir hervor brechen ließen, und ich häufiger die Kontrolle an
Lyun verlor. Doch auch sie war schwach und kaum in der Lage ihre eigenen Magie zu beherrschen. Bis sich das Ganze wieder normalisierte vergingen bei mir anderthalb Monate, die ich dafür nutzte eine kleine Hütte zu bauen. Sie liegt in einem kleinen Waldgebiet tief im Süden Khirudans auf einer Landzunge. Bevor ich mit dem Bau begann versicherte ich mich ausführlich das uns dort niemand überraschen würde indem ich tagelang durch die Wälder streifte als es mir noch einigermaßen gut ging. Die Lektion die ich aus der Begegnung zog war mich niemals wieder von einem blassen Zweibeiner beißen zu lassen. So kann sich jemand der diese Kriterien erfüllt ziemlich sicher sein das ich auf den bloßen Versuch äußerst ungehalten reagieren werde.
Ich blieb mit Cael drei Jahre lang in dieser Hütte bis ich ihn für alt genug befand mit mir auf Reisen zu gehen. Zu Reisebeginn erschien er mir dann alt genug, um ihn in allen möglichen Dingen zu unterrichten. Er war sehr neugierig und besaß beinah einen noch größeren Wissensdurst als sich selbst, den zu befriedigen mir eine Freude war. Ich brachte ihm auch bei wie man auf der Straße überlebt und sich seiner Haut erwehrt. Letzteres stellte mich vor eine gewaltige Aufgabe, denn der Junge war friedliebender als jeder den ich bisher begegnet war. Ihn wütend zu machen war so gut wie nicht möglich, da er wusste das ich ihn beschützen würde hatte er sich auch eine gewisse naive Freundlichkeit bewahrt, die ihm jedoch außerhalb von Khirudan nicht allzuoft Gutes einbrachte. Wir wanderten im Zickzackkurs in Richtung Osten. Recht schnell wurde mir klar das er sein ungewöhnliches Äußeres noch mehr verstecken musste als ich meine violette Haut, deshalb besorgte ich ihm einen langen Kapuzenumhang der seine Andersartigkeit zumindest in den ersten Jahren gut verhüllte. Mein Glück war das er im Gegensatz zu vielen anderen seiner Art keine Hörner ausbildete, weshalb meistens eine Kapuze reichte um zu verbergen was er war. Aber zurück zu seiner Kampfausbildung, wenn man das denn so nennen kann. Ich versuchte ihm jede Waffe nahe zu bringen die ich auch nur im entferntesten beherrschte, doch alles schlug fehl. Es war nicht so das er mit ihnen nicht umgehen konnte, er wollte es einfach nicht und ich sah wenig Sinn darin viel Mühe darauf verwenden ihm eine Kunst näher zu bringen jedoch nie einsetzen würde. Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben als er mich eines Tages schüchtern fragte ob ich ihm nicht vielleicht die Bewegungen beibringen könnte die ich immer dann benutzte wenn mir jemand zu sehr aufs Gemüt schlug und ich wenig Lust verspürte ihn zu verletzen. Anfangs erstaunte es nicht wie sehr ihn diese Art des Kampfes lag, doch dann wurde mir klar dass er verstanden hatte was ich schon seit Jahren in seinem Schädel zu Hermann versuchte. Begegnungen wie jene die ihm seine Familie geraubt und ihn selbst mit einer äußerst unangenehmen Verletzung geschlagen hatten, würden sich auf die Dauer nicht vermeiden lassen. Sollte er also in eine Solche geraten wäre es besser wenn er sich seiner Haut zu erwehren verstand, denn ich machte ihm bereits in sehr jungem Alter deutlich das ich wohl kaum sein ganzes Leben lang auf ihn aufpassen könnte.
Im Jahre 1333 erreichten wir das Menschenreich Mérindar
“, als ich ungläubig den Mund öffnete um sie zu unterbrechen lachte sie nur leise und fuhr fort: „Ja, ich weiß das dies zweifelsohne nicht meine klügste Entscheidung war, aber du musst mir zugute halten das ich ihn nicht mit nach Arcanis nahm. Jedenfalls war es auch nicht meine Idee dorthin zu gehen. Egal was ich in meinem Leben zu diesem Zeitpunkt alles erlebt hatte, Menschen mochte ich immer noch nicht. Vielmehr war es Cael der dieses Volk unbedingt kennen lernen wollte um beurteilen zu können ob meine tief gehende Abneigung gegen sie aus seiner Sicht gerechtfertigt war oder nicht. Er mochte vielleicht sieben oder acht Winter alt sein als wir uns südlich der Stadt Merrida in einem Gasthaus infizierten. Ich untersagte ihm das Gasthaus zu verlassen bis ich die aktuelle Lage der Stadt geprüft hatte und ließen allein. Während er sich brav an meiner Anweisung hielt wanderte ich eine Weile ziellos durch die Stadt. Mir gefiel was ich war. Die Stadt schien ruhig und ich dachte das ich es wohl wagen könnte sie mit Cael im Schlepptau zu betreten wenn ich achtsam war. Während ich meinen Gedanken nachhing durchquerte ich das Handwerkerviertel und fand mich auf dem Bettelmarkt wieder. Da die hohen Häuser einem mit vergleichsweise niedrigen Marktständen überfüllten Platz gewichen war, blieb ich kurz stehen um mich zu orientieren. Eine junge Frau rempelte mich an. Sofort fuhr meine Hand an meinen Beutel um mich zu vergewissern das er noch da und nicht leichter war als zuvor. Die Frau indes war stehen geblieben und sah mich an wie ein gestelltes Reh ein Raubtier. Ihre blauen Haut und das kurzgeschorene silberweiße Haar kennzeichneten sie zweifelsfrei als Lyr. Ich registrierte verwunderte wie verschmutzt und zerlumpt ihre Kleidung und die des hellhäutigen Kindes, welches sich an ihre Hand klammerte, war. Während die Lyr Schreckensstarr vor mir stand, musterte das Kind mich aus helltürkisen Augen neugierig. In seinem Blick lag etwas das ich nicht deuten konnte. Doch hielten mich diese Augen gefangen, selbst dann noch als die Frau sich aus ihrer Erstarrung löste und fluchtartig den Platz verließ. Sie zerrte das Kind rüde hinter sich her. Ich überlegte nicht lange sondern folgte ihr. Seit langem besann ich mich wieder einmal auf meine Diebesausbildung um ihr ungesehen auf der Spur bleiben zu können. Sie überquerte den Aras und lief nach Nordwesten. Erstaunt sah ich zu wie die Häuser um mich herum immer prachtvoller wurden und sich schließlich in einem von ihnen verschwand. Mit schief gelegtem Kopf beobachtete ich das Haus noch eine Weile doch es kam niemand mehr heraus. Kopfschüttelnd kehrte ich zur Herberge zurück.
Ein paar Tage später, als ich mit Cael über den Markt schlenderte hörte ich einen Schrei. Am Ufer des Flusses hatte sich eine kleine Menschentraube gebildet. Wir näherten uns langsam und als ich sah was den Schrei verursacht hatte, war ich überrascht. Dort lag die Lyr, die mich noch vor ein paar Tagen angestarrt hatte als hätte ich mich vor ihren Augen verwandelt. Konnte aus der Entfernung nicht erkennen ob sie ertrunken oder auf andere Art zu Tode gekommen war, jedenfalls verwunderte mich das Fehlen offener Wunden, denn ich konnte mir beim besten Villen nicht vorstellen das ausgerechnet eine Lyr ertrunken sein sollte. Inzwischen waren auch die Schreie verstummt und an ihre Stelle war ein lautes Weinen getreten. Ich sah mich suchend um und entdeckte das Kind. Ein hochgewachsener Mensch gilt es am Handgelenk gepackt und zog es gewaltsam von der Toten weg, während es alles versuchte, kratzte und bis, um zu ihr zurückzugelangen. Nach während ich vortrat und mir dabei noch nicht sicher war was ich eigentlich tun wollte, schlug er dem Kind hart ins Gesicht und brüllte es an. Ich verstand nicht viel von dem was er von sich gab, dafür reicht meine Kenntnisse der Sprache nicht aus, was ich aber sehr wohl verstand waren die Worte: Sklave, an den eigenen Stand erinnern und gehorchen. Als der Mann erneut die Hand hob, wohl um das Kind diesmal mit geballter Faust zu züchtigen, war ich mit ein paar schnellen Schritten bei ihm und fiel ihm in den Arm. Jetzt richteten sich seine zornfunkelnden Augen auf mich und ich will mir einige Worte entgegen die ich nun endgültig nicht mehr verstand. Ob der späten Stunde, es dämmerte bereits, hoffte ich das man meine dunkle Haut für die einer Menai halten würde, da von mir kaum mehr zu sehen war als meine eine Hand, mit der ich den Mann festhielt und ihn in sicherem Menondiwe fragte, wie er dazu käme ein Kind zu schlagen. Nach ein paar verständnislosen Blicken und Verwirrung auf den Gesichtern der Umstehenden trat ein alter Mann vor, der meine Worte übersetzte. Mir fiel durchaus auf wie neugierig er mich musterte, war aber zu wütend um mich darum zu kümmern. Ich hatte für den Moment ganz andere Sorgen, denn wenn ich die Kontrolle über meinen Zorn verlor würde das hier sicherlich unschön enden, gleichzeitig wäre es denkbar schlecht wenn die Menge auch noch entdeckte das es sich bei meinem Begleiter um ein Tiermenschenkind handelte. Dementsprechend umgänglich versuchte ich mich zu zeigen als der Alte mich darum bat den Arm des Mannes loszulassen der ebenfalls sichtlich Mühe hatte seinen Zorn unter Kontrolle zu bekommen. Die Situation schien uninteressant zu werden je mehr sie sich entschärfte und die Menschen verliefen sich, während ich noch immer ein seltsames Dreiergespräch mit den beiden Männern führte und Cael unauffällig in meiner Nähe stehen blieb. Der Mann erklärte, dass es sich bei dem Kind um eine Sklavin handelte und sie mich nichts anginge. Um eine Eskalation zu vermeiden zog ich mich langsam zurück, machte mich jedoch sofort an die Verfolgung, nachdem ich Cael ins Gasthaus zurückgeschickt und mich bei dem alten Mann für die Übersetzung bedankt hatte. Der Mann verließ den Markt in südwestlicher Richtung und hielt auf den Hafen zu. Um diese Zeit waren dort nicht viele Menschen unterwegs und es fiel mir nicht schwer mich im Verborgenen zu halten. Während ich mich noch fragte was der Mann vorhatte verschwand er mit dem kleinen Mädchen in einer dunklen Seitengasse und stieß sie zu Boden. Sie schlug so hart auf das sie sich den Kopf aufschlug. Als er dann auch noch einen großen Stein vom Boden aufhob und sich damit eindeutig in ihre Richtung bewegte, griff ich ein. Leise schlug ich ihn mit dem Knauf eines meiner Wurfmesser bewusstlos, nahm das ebenfalls bewusstlose Kind auf und verließ die Stadt. Es verlangte schon einiges an Erfindungsreichtum ungesehen aus Merridas hinaus- und in unser Zimmer im Gasthaus hinein zu kommen, doch es gelang mir.
Das Mädchen hieß Nai. Als Tochter zweier Sklaven, einer Lyr und jenes Menschen den ich bewusstlos geschlagen, war ihr Weg vorgezeichnet gewesen. Sie war für ihre sechs Jahre ziemlich verständig und wusste ganz genau was sie wollte. Sie bat mich, nein sie flehte mich an sie nicht zurück zu ihrem Herren zu bringen und sie stattdessen mitzunehmen. Ich war ein wenig verwirrt, schließlich kannte sie mich nicht. Sie wusste weder was ich war, wer ich war oder warum ich ihr geholfen hatte, aber sie wollte mit mir zusammen reisen. Ich sagte ihr, das ich mir das überlegen würde, während sie sich von ihrer Kopfverletzung erholte. Was auch immer der Mann, nachdem er aufgewacht war, seinem Herren erzählt haben mochte, interessierte mich herzlich wenig, denn es suchte niemand nach uns. Nach einer Woche war sowohl die Verletzung verheilt, als auch Caels Neugier auf die Stadt soweit befriedigt das ich weiterzuziehen beschloss. Die Frage ob das Mädchen uns begleiten würde, löste ich indem ich ihr in knappen Worten erzählte was ich für ein Wesen war und was auf sie zukäme wenn sie uns begleiten wollte. Außerdem überließ ich die letzte Phase der Entscheidung Cael, nachdem das Mädchen sich recht unbeeindruckt von meiner Eröffnung gezeigt hatte. Der Junge mochte sie nicht, doch ich fand das es für ihn sprach, als er sagte es wäre kein Problem für ihn, wenn sie uns begleiten sollte.
So kam es das ich mit einem achtjährigen Minotaren und einer sechsjährigen Halblyr durch Alvarania zog. 16 Jahre reisten wir gemeinsam. Während dieser Zeit sah ich die beiden aufwachsen und bildete sie aus. Caels Fähigkeiten im waffenlosen Nahkampf übertrafen bald meine eigenen, während Nai den Kampf mit zwei Tessen sowie den waffenlosen Nahkampf erlernte. Sie erreichte zwar nie dieselbe Stufe des Könnens wie Cael oder ich, ich kann aber mit Fug und Recht behaupten das sie eine nicht zu unterschätzende Kämpferin ist. Ich versuchte den beiden so viel Wissen zu vermitteln wie mir möglich war um sie auf ihr späteres Leben vorzubereiten. Doch gab es in dieser Zeit häufig Zwischenfälle. Nai war auf der einen Seite sehr einfühlsam, wie es für die Lyr typisch ist, begann auf der anderen Seite aber recht früh damit meine Entscheidungen und vieles was ich tat in Zweifel zu ziehen und mir häufig zu widersprechen. Anfangs ließ sie sich noch mit vernünftigen Argumenten überzeugen das ich recht hatte, wenn es denn so war und ich keine Entscheidungen traf, die ich nicht zuvor sorgsam überdacht hatte. Es kam jedoch eine Zeit, sie muss etwa 14 Winter alt gewesen sein, als sie begann irrational und unverschämt zu werden. So starke Stimmungsschwankungen wie sie sie in dieser Zeit durchlebte kannte ich weder von Sakura, noch von Cael oder mir selbst. Von einem Moment auf den anderen wurde sie patzig, fing an ihn oder mich zu beleidigen, rannte zornig davon und kam dann zurück um sich unter Tränen für ihr Verhalten zu entschuldigen. Kurzum: Ich wurde nicht schlau aus ihrem Verhalten. Beide lernten sehr früh was es bedeutete mit einem Dämon zu reisen. Ich wies sie auf die Gefahr hin, deren äußeres Zeichen ein Farbwechsel in meinen Augen darstellte und riet ihnen mich in einer solchen Situation nicht weiter zu verärgern und sich möglichst unauffällig von mir zu entfernen ist der Anfall vorbei war. Cael lernte dies in seiner frühen Kindheit zu beherzigen, während Nat sich besonders in ihren Trotzphase mehr als einmal in eine gefährliche Situation manövrierte, weil sie sich nicht an meine Warnung hielt. Trotz dieser Phase begannen Nai und Cael langsam sich anzufreunden obwohl sie charakterlich sehr verschieden waren. Es freute mich das zu sehen, weil es in meinen Augen bewies das die unterschiedlichsten Völker miteinander auskommen konnten, egal welche Vorurteile es gab. Auch begann ich langsam an meiner vorgefassten Meinungen über die Menschen zu zweifeln, schob Nais Andersartigkeit aber letztendlich auf ihr Lyrblut. Sie sammelten viele schöne, aber auch manche schreckliche Erfahrung in dieser Zeit des Lernens, so wie es mir selbst auch auf meiner ersten Reise wiederfahren war. Das einzige Land welches wir niemals besuchten war meine Heimat. In den Hügelländern mit einem halbmenschlichen Mädchen aufzutauchen, das nicht wusste wann es besser war zu schweigen, erschien mir nicht klug. Das Verhältnis zwischen uns dreien wurde ungezwungener als ich nach 14 Jahren verkündete, unsere gemeinsame Zeit neige sich dem Ende zu, denn die Ausbildung der beiden sei abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt zählte Nai zwanzig und Cael zweiundzwanzig Winter.
Die folgenden zwei Jahre verbrachten wir noch gemeinsam. Doch sprachen die beiden immer öfter über das Sesshaft-werden, begründen einer Familie und der Suche nach Verwandten. Gleichzeitig schien keiner von ihnen ernstlich darüber nachzudenken mich zu verlassen. Also lenkte ich unsere Schritte aus dem Wald von Sieryan, in dem wir die letzten Monate verbracht hatten, in Richtung Khirundan. Je näher wir Caels Herkunftsland kamen, desto aufgeregter wurde er. Ich bemerkte es obwohl er sich redlich Mühe gab es zu verbergen. Nai hingegen war völlig ahnungslos. Beide waren damit aufgewachsen den jeweils anderen und mich stets in der Nähe zu haben. Ich erinnere mich noch sehr gut an das Gefühl als ich meiner eigenen Heimat den Rücken kehrte. Es war eine gewisse Entschlossenheit etwas zu tun von dem man nicht wusste ob es sich als gut oder schlecht herausstellen sollte. Genau diese Entschlossenheit sah ich nun in Caels Augen. Als wir Khirundan erreichten, blieb zunächst alles beim Alten. Einige Monate lang durchstreiften wir das wilde Land bis eines Tages in der Ferne ein befestigtes Dorf auftauchte. Schon von weitem konnte ich sehen, dass es sich bei seinen Bewohnern um Minotauren handelte. Wir näherten uns dem Dorf vorsichtig und wurden erst eingelassen als Cael seine Kapuze abnahm und sich damit als einer der ihren offenbarte. Kaum war das geschehen kam keiner von uns dazu nur ein Wort zu sagen, denn eine alte Frau trat vor und musterte ihn aus milchigen Augen. Sie sagte, sie erkenne sein Fell. In ihrem ganzen Leben habe sie nur ein einziges Mal ein solches Fell gesehen. Einmal sei ein Fremder ins Dorf gekommen und habe eine Zeit lang bei ihnen gelebt. Cael, so war sie sich sicher, müsse mit ihm verwandt sein. Sie nahmen uns freundlich auf, wenngleich sie Nai und mich mit Misstrauen betrachtet. Besonders an mir schienen sie etwas riechen zu können das da nicht hingehörte oder ihnen einfach unheimlich war. Cael stellte bereits nach einigen Wochen fest dass er dort bleiben wollte, also fragte er Nai und mich ob wir es ihm gleichtun würden. Zumindest in meinem Fall war diese Frage reine Höflichkeit, denn er kannte mich lange genug um zu wissen das ich es nicht konnte. Nai fühlte sich indes fremd. So wie die Minotauren sie beäugten und hinter ihrem Rücken tuschelten, hoffte sie bereits seit Tagen das ich unsere Abreise verkünden würde. Caels Entschluss zu bleiben traf sie vollkommen unvorbereitet. Ich bin mir heute sicher das sie einfach nicht darüber nachgedacht hatte was es bedeutete irgendwo sesshaft zu werden. Jedenfalls nahm sie es ihm übel, dass er bleiben wollte und damit einen Teil der ihr bekannten Welt Stücke schlug. Außerdem war ich mir sicher das sich zwischen den beiden den letzten Jahren etwas entwickelt hatte das über bloße Freundschaft hinausging. So war es nun für beide doppelt schwer sich zu trennen, aber er wollte nicht weg so kam es dann dass wir Khirundan zu zweit verließen und Cael allein zurückblieb. Wir beide reisten indes weiter nach Westen, da ich dachte Nai könnte vielleicht Gefallen an einem Leben bei den Lyr finden. Sie war von Selbstzweifeln geplagt, gab sich die Schuld daran das Cael die Gruppe verlassen hatte nur um ihn im nächsten Moment genau dafür zu verfluchen. Ich ließ sie fluchen, war ich doch die letzte die zu diesem Thema etwas sinnvolles beisteuern konnte. Als wir die Lyr schließlich erreichten blieben wir dort kaum länger als eine oder zwei Wochen. Das Mädchen fühlte sich auch unter ihnen fremd, sie hatte nie zuvor ein anderes Mitglied ihrer Art getroffen und sah sich selbst als Mensch, weshalb sie auch unter denen leben wollte. Ich bin mir sicher das ich etwas in ihrer Erziehung falsch gemacht zu haben. Wer, der außer menschlichem Blut noch anderes besitzt, würde sich denn freiwillig als einen der ihren betrachten? Jedenfalls äußerte sie den Wunsch nach Demera zu reisen. Bereits bei unserem ersten Aufenthalt in Kamîrush hatte sich das Mädchen fasziniert von der Religion des Salzvolkes gezeigt. Als wir die Stadt erreichten, eröffnete sie mir das sie versuchen wollte der Priesterschaft dort beizutreten. Die Gottheit Numa faszinierte sie so sehr, dass sie sich in ihren Dienst stellen wollte. Sie betete bereits seit längerem zu ihr und die Priesterschaft, oder besser der Versuch dieser beizutreten erschien ihr wie ein großes Abenteuer das sie unbedingt ausprobieren wollte. Wie Cael zwei Jahre zuvor, dankte auch sie mir für alles was ich für sie getan hatte undsagte das sie gerne bei mir bleiben würde, aber glaube nun ihre Berufung gefunden zu haben. Es erfüllt mich mit Freude zu sehen mit wie viel Hingabe sie sich auf ihre neue Aufgabe vorbereitete und ich blieb ein paar Monate bis feststand, dass sie tatsächlich in den Tempel aufgenommen werden würde. Dann verließ ich sie und machte mich auf den Weg zurück in die Hügelländer. Ich wusste das viel Zeit vergangen war seit ich sie verlassen hatte und hoffte nun meine Schwester dort noch anzutreffen. Irgendetwas in mir mahnte mich zur Eile, also kaufte ich mir ein schnelles Pferd und hastete nachhause.


Ich hatte mich höflich zurückgehalten, doch jetzt schien sie mit diesem Teil ihrer Geschichte fertig zu sein und ich konnte mein Lachen nicht mehr zurückhalten. Sie schaute mich pikiert an und zog ein wenig die Nase kraus, was mich nur noch lauter Lachen ließ. „Du sprichst davon das sich deine Einstellung der Menschen gegenüber verändert hat und fragst dich im gleichen Atemzug wie sich jemand freiwillig zu diesem Volk bekennen kann wenn er gemischtes Blut hat… Dazu dieser Blick, als wäre dieser Gedanke bereits eine Zumutung“, brachte ich mühsam hervor. Sie schien noch immer nicht zu begreifen, aber für einen weiteren Erklärungsversuch fehlte mir die Luft. Offenbar war ihr das auch aufgegangen, also rollte sie sich nur mit einem leichten Kopfschütteln auf ihrer Lagerstatt zusammen.
Am nächsten Morgen war der Himmel klar, genau wie Aeon vorhergesagt hatte. Es war sogar so warm das sie sich dazu herabließ mit mir ein kurzes Gespräch zu führen: „Wir können heute ein gutes Stück der Wegstrecke bewältigen, wenn das Wetter so bleibt erreichen wir in zwei Tagen Norr Bharrak. Dann werde ich auch meine Geschichte beendet haben. Dort werden sich da noch unsere Wege trennen.“ Überrascht sah ich mich um, konnte aber weit und breit nichts erkennen. „Bist du sicher“, fragte ich erstaunt: „Ich kann nichts erkennen…“ Nun war es an ihr zu lachen: „Du bist ja auch nur ein Mensch und deine Augen sind entsprechend schlecht.“ Der Rest des Tages verlief in gelöster Stimmung und gegen Abend fanden wir schnell einen Unterschlupf und so fuhr sie fort:

Ich kehrte im Jahr 1353 in die Hügelländer zurück. Ich schämte mich beinahe dafür so lange fort gewesen zu sein, hatte ich Sakura doch anderes versprochen. Als ich unser altes Haus erreichte, bot sich mir ein unerwarteter Anblick. Vor dem Haus spielten drei Kinder die ich noch nie gesehen hatte. Auf der Veranda saßen zwei jugendliche Shiín, von denen einer bereits das Zeichen der Schwertweihe trug. Sie musterten mich verwundert und ich meinte so etwas wie Abneigung in ihren Blicken zu lesen. Sobald ich den Fuß auf die erste Stufe gesetzt hatte, erhob sich der junge Krieger und kam auf mich zu. Ich versteifte mich, doch das wäre nicht nötig gewesen, er wollte nur wissen wer ich war. Mein Name entlockte ihm zunächst ein ungläubiges Schnauben und als ich meine Aussage nicht zurücknahm starrte er mich an, sodass ich förmlich hören konnte wie es in seinem Kopf zu rattern begann. Dann bemerkte ich eine einzelne dunkelblaue Haarsträhne, in seinem sonst silberweißen Haar. Das konnte nicht sein. Ich wollte nicht wahrhaben das ich hier womöglich bereits der dritten Generation meiner Familie gegenüberstand. Die alte Frau die mühsam und langsam aus dem Haus kam, besaß nur noch entfernt Ähnlichkeit mit jener stolzen Kriegerin die Sakura einst gewesen war. Wie auf ein unhörbares Kommando schnellten die beiden Jugendlichen auf der Veranda zu ihr herum. Es war offensichtlich was sie befürchteten und es trat dann auch ein. Als Sakura stolperte war ich jedoch schneller als beide zusammen. Ich fing sie auf und stellte sie wieder auf die Füße. Erstaunt ließ ich meinen Blick an ihrer abgemagerten Gestalt heruntergleiten und sprach dann genau das aus was ich dachte: Was ist mit dir Schwester? Wieso bist du so alt… Müsstest du nicht jünger sein? Sie bat mich ins Haus um es mir dort zu erklären. Es sei das zweite Gesicht das sie umbrachte. Je älter sie wurde desto häufiger verlor sie die Kontrolle darüber und es kostete sie jedes Mal eine gewaltige Menge an Energie um es zurückzudrängen. Es schien als würden ihre beiden Erben sich stetig bekriegen, ein Umstand der sie Jahre ihres Lebens gekostet hatte. „Ich werde bald gehen “, sagte sie mit einer Sicherheit die mir garnicht gefiel. Doch was blieb mir übrig? Ich tat jetzt genau das was ich all die Jahre vorher stets versucht hatte und wobei ich immer gescheitert war, ich blieb bei ihr. Ja, ich schwor ihr sogar sie bis zu ihrem Tod nie wieder zu verlassen. Sie schien es mir nicht übel zu nehmen, dass ich erst jetzt die Zeit fand bei ihr zu bleiben und begann mir mit geradezu kindlich anmutende Freude die Familie vorzustellen. Sie und ihr Mann hatten drei Kinder in die Welt gesetzt, zwei Söhne und eine Tochter. Die Tochter wiederum besaß einen Sohn, während jeder ihre Brüder jeweils zwei Töchter besaß. Als sie dann anfing mir die Namen ihrer Kinder, deren Ehepartnern und Kindern herunter zu beten schaltete mein Gehirn ab. Es dauerte Wochen bis ich jeden dieser Namen Gedächtnis behielt und ich will dich jetzt nicht damit langweilen dass ich sie alle aufzählen kann. Sakuras Mann war bereits gegangen und auch wenn die 87-jährige einen starken Willen besaß, neigte auch ihre Zeit sich dem Ende zu. Es war rührend anzusehen mit welcher Hingabe sich die ganze Familie um die alte Frau kümmerte. Wir verbrachten viele schöne Stunden damit uns gegenseitig von unseren Erlebnissen zu erzählen. Ich war geradezu begierig zu erfahren auf welche Weise sich das Volk und die Heimat mit den Jahren verändert hatte, die ich fort gewesen war. Nach einigen Monaten war es dann soweit. Ihr Lebenslicht erlosch. Es kam mir vor als beteiligte sich an der Begräbniszeremonie das halbe Volk der Shiín. So viele von ihnen hatte ich noch nie an einem Ort versammelt gesehen. Nach ihrem Tod wollte ich eigentlich wieder gehen, doch sie war etwa zwei Monde vor meinem 100. Geburtstag gestorben und ihre Kinder hatten mich gebeten zu bleiben. Sie wollten meinen Geburtstag mit mir gemeinsam im Kreise der Familie feiern. Ein paar Wochen danach kam er. Ich hätte niemals erwartet ausgerechnet ihn noch einmal wieder zu sehen, doch da stand er. Seine hellgrauen Augen fixierten mich zunächst kurz, dann weiteten sie sich und wollten sich nicht mehr schließen. Er flüsterte meinen Namen. Als wäre damit ein Damm gebrochen, begannen wir uns miteinander zu unterhalten wie in alten Tagen, als wäre nicht über 70 Jahre vergangen seit wir uns das letzte Mal gesehen hatten. Wir befanden uns in einem kleinen Waldstück nördlich von Zeaihn, wo wir uns auch früher häufiger aufgehalten hatten. Das Gespräch war interessant. Doch es war eine zufällige Begegnung und er sagte das er kein Interesse daran habe die übrigen Nachfahren unserer Mutter aufzusuchen. So kam es das wir uns einen Tag lang unterhielten und er dann wieder ging. Heute ist er nicht mehr als ein halb vergessene Erinnerung bis wir uns das nächste Mal treffen.
Ich kehrte also zu meiner nomadischen Lebensweise zurück und blieb selten länger als ein oder zwei Monate am selben Ort.
Zwei Jahre später gelangte ich mit einer Karawane in die Steppe, von wo aus ich nach Nogorath weiter zog. Ich wollte die Rikshan weiter erforschen, doch dazu sollte es nicht kommen. Recht früh schlug mir ein durchdringender Geruch entgegen den ich nur allzu gut kannte, hatte ich ihn in meinen Leben doch schon zu oft gerochen. Ich folgte ihm und erreichte eine kleine Waldlichtung, wo sich mir ein erstaunlicher Anblick bot. Dort saß ein junger Rikshan neben einem getöteten Kaninchen. Ich konnte nicht genau erkennen wie alt er war, vermutete aber das er noch nicht lange von der Milch seiner Mutter unabhängig war. Als er mich sah, versuchte er sich aufzurichten und ich sah das er ein Hinterbein nachzog. Für mich lag die Vermutung nahe das er sich das Bein gebrochen haben musste, aber es dauerte einige Zeit bis er mich so weit an sich heranließ das ich ihn untersuchen konnte um meinen Verdacht zu bestätigen und er biss mich mehr als einmal. Während ich ihn pflegte war ich vorsichtig und achtete darauf den scharfen Zähnen nicht zu nahe zu kommen. Nach einer Woche überraschte er mich damit das er mich an sich heranließ ohne zu Knurren und sogar vorsichtig meine Hand beschnüffelte. Dieser Umstand war es, der eine seltsame Freundschaft zwischen mir und diesem Wesen begründete. In den folgenden Wochen begann mir dieses junge Wesen zu vertrauen. Bald fand ich heraus das es sich bei diesem Rikshan um ein Weibchen handelte.
Eigentlich war ich davon ausgegangen das sie schnell verschwinden würde sobald ihre Verletzung ausgeheilt war, doch ich sollte mich irren. Sobald sie wieder laufen konnte, wich mir die Kleine nicht mehr von der Seite und ich gab ihr den Namen Sarani. Sie wuchs schnell, wie ich es von ihrer Art gewohnt war. Leider wurde sie mit steigendem Alter auch immer eigenwilliger und wir gerieten in manch eine Situation in der der Versuch sie zu bändigen mir einiges abverlangte, besonders da ich ihrer Stärke körperlich nicht viel entgegenzusetzen hatte und sie genau das nicht wissen durfte. Es gab drei Dinge die als Begründung dafür herhalten können weshalb es meist nicht mehr als ein scharfes Wort von mir bedarf und sie zur Ordnung zu rufen. Zum einen ist sie ein kluges Tier und ich bin mir fast sicher das sie
Lyuns Anwesenheit und kaum beherrschbare Grausamkeit zu spüren im Stande ist, weshalb sie gehörigen Respekt vor mir hat. Der zweite Punkt ist das ich schon immer eine gewisse Affinität zu Tieren besaß die es mir in den weitaus meisten Fällen erlaubt zu wissen wie ich mich verhalten muss damit ein Tier meine überlegene Stellung anerkennt. Zu guter letzt hat sie einen Narren an mir gefressen und würde nach allem was ich bisher mitbekommen habe so ziemlich alles tun um mich vor Schaden zu bewahren und ist auf der anderen Seite nur äußerst ungern von mir getrennt. Als sie mir in ihrer frühen Jugend einmal nicht gehorchte suchte ich mir den nächsten größeren See und verschwand für einige Tage darin. Als ich schließlich wieder auftauchte saß sie wie ein Häuflein Elend am Ufer und wartete auf mich. Meiner Erfahrung nach ist, abgesehen von derartigen Sanktionen, eine ruhige Autorität der beste Weg um sich Respekt zu verschaffen. Das gilt sowohl für Tiere als auch für höhere Wesen…. Ich verließ den Wald erst wieder als ich mir einigermaßen sicher war meine Begleiterin kontrollieren zu können und sie so weit einschätzen konnte, dass ich ihre Reaktion auf die meisten Situationen vorauszusagen vermochte.
Wann immer wir dicht besiedelte Gebiete erreichen, etwa Städte oder Siedlungen, lasse ich sie ein gutes Stück entfernt davon zurück um ihre Selbstbeherrschung nicht zu sehr auszutesten. Momentan befindet sie sich in den nördlichen Ausläufern des Jurna-Waldes, da ich Selbst vorhatte einige Zeit hoch im Norden zu bleiben um systematisch nach den Spuren des gefallenen Sterns zu suchen. Es war recht schwierig sie davon zu überzeugen dort zu bleiben doch behagt ihr die Kälte nicht und ich kann mir angenehmeres vorstellen als einen frierenden und übellaunigen Rikshan mit mir herumzuschleppen. Ich gehe nicht davon aus das du auf deinem Weg hierher Spuren seines Niedergangs gefunden hast?


Ich kann nicht genau sagen was ich erwartet hatte, auf jeden Fall nicht das sie mit einer Frage enden würde. Zumal mit einer die ich leider verneinen musste. Auch ich hatte zugegebenermaßen schon Gerüchte von dem Tag gehört als der Stern fiel, es selbst aber nicht gesehen. „Wenn es nicht der Stern ist, was führt dich dann um diese Jahreszeit so hoch in den Norden“, wollte sie daraufhin wissen. „Ich bin ein Geschichtenerzähler“, sagte ich etwas ungehalten: „und als solcher stets auf der Suche nach einer guten neuen Geschichte oder, wie in diesem Fall, einer alten Legende auf der Spur. Sie handelt von einem Gott der sich in ein Menschenmädchen verliebte und im Zorn das Land, welches heute als Eiswüste bekannt ist, verheerte, weil sie seine Liebe nicht erwiderte. Vielleicht kennst du sie ja?“ Sie schüttelte den Kopf und ich begann zu erzählen.
Tatsächlich sollte sie Recht behalten, denn wir erreichten Norr Bharrak bereits in der Abenddämmerung des nächsten Tages. Es war vor den Toren dieser Stadt als ich Aeon Shiokaze das letzte Mal sah.
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von Ryu Seishin, Sommer 1369 [Dieser Steckbrief ist nur für registrierte Mitglieder sichtbar]

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