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Benutzername:
Yasha
Gruppen:

Charakter

Name:
Yiska
Alter:
10
Rasse:
Taurrin (Vampir)
Heimat:
Lun Daria
Aufenthaltsort:
Mérindar
Waffen:
Wurfmesser, Wurfnadeln, Kettenwaffe

Steckbrief

Name: Yiska (~die Nacht ist vergangen)
Yiska, so hat ihn seine *Mutter getauft. Er war für sie das Ende des Alptraumes, den ihr Leben bis dahin darstellte. Der erste Lichtblick seit ihrer eigenen Kindheit, so fand sie diesen Namen sehr passend. Doch mit fortschreitendem Alter entfernte er sich immer mehr von dem Idealbild, welches seine Mutter in ihm sah. Er gab sich alle Mühe, musste aber irgendwann einsehen, dass er sich längst zu einem Kind der Nacht entwickelt hatte. Also erschien es ihm passend sich einen neuen Namen zuzulegen. Doch das, wofür er sich letztendlich entschied, ist eher eine Bezeichnung denn ein Name. Yasha, der Dämon, nannte er sich fortan, denn genau das war er in seinen eigenen Augen. Den Namen, den ihm seine Mutter gab, trägt er noch immer als Licht in seinem Herzen. Nur jenen, denen er wirklich vorbehaltlos vertraut, wird er ihn vielleicht eines Tages verraten…
*Mutter: Steht hier für Ziehmutter, da er seine leibliche Mutter niemals kennen lernte und erstere nach seiner Definition die einzige Mutter ist auf die es ankommt. Wenn seine leibliche Mutter im Text auftaucht, wird diese auch so bezeichnet.
Alter: 10 Jahre …
Doch ganz so einfach ist es nicht. Yasha, der im Alter von 4 Jahren von einem Vampir gebissen wurde, gleicht äußerlich einem 13 Jahre alten Menschenkind. Die Krankheit hat das Altern seines Körpers verlangsamt, sein Geist ist jedoch in jenem raschen Tempo gereift, die für sein Volk so typisch ist. Somit ist er nun auf dem geistigen Stand eines etwa Siebzehnjährigen.

Rasse: Taurrin (Katzenelf)


Aussehen
„Augen so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Das eine Rot wie der Himmel am Morgen, wenn die Sonne mit ihren Strahlen ein Feuerwerk aus Violett, Orange und Rot ans Firmament zaubert, das andere so lichtlos Schwarz wie eine mondlose Nacht. Eines so strahlend vor Energie das es auch im Dunkeln schwer zu übersehen ist. Das andere so finster das es alles Licht zu schlucken scheint.“
--- Caneha, Wahrsagerin
Je nach Gemütslage zeigt der erste Blick auf Yasha entweder einen freundlichen kleinen Jungen mit einem offenen Lächeln und klugen Augen, eben jene Art von Kind zu dem sich ein Erwachsener herunterbeugt um nachzufragen ob es seine Eltern verloren hat und man ihm vielleicht helfen kann, oder einen puppenhaft-schönen Jungen, dessen emotionslosen und intelligenten Blick nichts entgeht. Ein Kind bei dessen Anblick sich manch einer fragen mag, ob dieses Wesen tatsächlich ein Kind sein kann. Wobei es bei 110 cm Körpergröße schwer sein dürfte ihn für etwas Anderes zu halten…
Unabhängig davon welche Reaktionen er gerade hervorruft, ändert sich an seinem eigentlichen Aussehen doch erstaunlich wenig. Er besitzt eine alabasterhelle Haut die, abgesehen von einer ungewöhnlichen Blässe, kaum einen offensichtlichen Makel aufweist. Das fein geschnittene Gesicht wird von weiß-goldenem Haar mit schneeweißen Strähnen umrahmt, welches ihm bis zur Mitte des Rückens reicht. Einzig seine zwei Zöpfe, die etwa auf Höhe der Schläfen beginnend, zunächst am Kopf anliegend und im weiteren Verlauf frei bis hinunter zur Hüfte geflochten sind, sind etwas länger als das Haupthaar, welches er meist offen trägt. Durch diese Art das Haar zu tragen, sind seine Ohren häufig zu sehen. Wie bei allen Taurrin sind diese wesentlich länger und spitzer als bei gewöhnlichen Elfen. Das die Spitzen seiner Ohren sich am oberen Ende schmalen Sicheln gleich nach vorne neigen, ist ein Erbe seiner leiblichen Eltern. Das Gesicht wird von seinen verschiedenfarbigen Augen dominiert. Eines in der Farbe der Morgendämmerung, das andere schwarz, vermitteln diese Augen eine schwer fassbare Warnung die viele Wesen auf Abstand gehen lässt, während sie andere zu provozieren oder zu irritieren scheint. Er ist sich ihrer Wirkung jedoch sehr wohl bewusst und versteht es auch ganz gut diese ungewöhnliche Heterochromie einzusetzen. Trotzdem ist er dazu übergegangen sein rotes Auge tagsüber meist unter einer Augenklappe zu verbergen, da es aufgrund seiner Augenfarbe schon das ein oder andere Missverständnis gegeben hat oder er sich in einer Situation wiederfand, die ihm gar nicht behagte. Die mandelförmigen Augen mit den katzenhaften Pupillen stehen leicht schräg und ihre äußeren Enden sind leicht nach oben gebogen. Mit seinen langen weißen Wimpern, den elegant geschwungenen Augenbrauen, dem langen Haar und seinem kindlichen Körper kann er als Mädchen durchgehen, was in der Vergangenheit, sehr zu seinem Leidwesen, bereits des Öfteren geschehen ist. Yashas spitz zulaufende Eckzähne sind merklich länger als es bei Taurrin sonst üblich ist, was wohl der Tatsache geschuldet ist das er ein Vampir ist.
Seinem athletischen und schlanken Körper sieht man aufgrund des taurrinschen Erbes das harte Training nicht an. Jene typisch feine Knochenstruktur macht es schwer auf den ersten Blick einzuschätzen was tatsächlich in diesem kleinen Körper steckt. Tatsächlich ist er auch eher sehnig denn muskulös, was die Sache zusätzlich erschwert. Er besitzt einen kurzen Oberkörper, dazu aber verhältnismäßig lange Arme und Beine. Die schmalen Schultern können momentan noch damit erklärt werden, wie jung sein Körper ist, werden jedoch im weiteren Verlauf seines Lebens nicht wirklich breiter werden. Die schmalen Hände mit den geschickten langen Fingern sind äußerst beweglich und schnell. Die spitzen Fingernägel an ihren Enden gleichen vom Grad der Stärke und Schärfe her den Krallen einer Raubkatze. Seine Finger weisen einige hauchfeine Narben auf, die von dem Training mit seinen Messern stammen. Um sein rechtes Handgelenk windet sich ein stilisierter Fuchs. Die feinen Linien der schwarzen Tätowierung heben sich deutlich von der hellen Haut ab.
All dies macht es einfach ihn auf den ersten Blick für ein hübsches Kind zu halten und sich dann keine weiteren Gedanken zu machen. Wer jedoch einen zweiten und vielleicht einen dritten oder vierten Blick riskiert, der wird vielleicht stutzig werden. Kann es wirklich ein gewöhnliches Kind sein das dort vor ihm steht? Steht der Junge nicht vielleicht etwas zu gerade, in zu ausbalancierter Haltung dort? Ist ein Blick nicht zu offen und klar, sodass er fast schon an eine Herausforderung grenzt? Und wenn er anfängt sich zu bewegen, besitzt der federnde Gang nicht entfernt Ähnlichkeit mit dem einer geschmeidigen Großkatze? Tritt er überhaupt auf? Sein Schritt ist nahezu unhörbar. Wer sich so viel Zeit genommen hat, dem wird recht bald auffallen, dass dieser Junge nicht das ist was er zu sein scheint.

Yasha besitzt zwei unterschiedliche Kleidergarnituren, ein Überbleibsel seiner Arbeit im Zirkus Wintersonne. Die erste besteht aus zwei einfachen Hosen aus brauner Wolle oder dunkelbraunem Leder, wahlweise einem dunkelblauen langärmligen Leinenhemd oder einer kurzärmligen blass-roten Tunika und einem wärmenden graubraunen Umhang aus Schafswolle. Das Hemd, die Tunika und die Wollhose sind relativ neu, während die lederne Hose schon einige Gebrauchsspuren zeigt. Dem Umhang sieht man dagegen deutlich an, dass er schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat. Abhängig von der Außentemperatur, trägt er meist nur Hemd und Hose. Ist es sehr warm, kommen Lederhose und Tunika zum Einsatz. Was er trägt ist auch abhängig davon in welcher Gesellschaft beziehungsweise welchem Gebiet er unterwegs ist. Mit dem langärmligen Hemd macht er weniger den Eindruck ein Gaukler zu sein als mit der Tunika, auch verdeckt es seine Tätowierung. Auf der anderen Seite ist die Tunika leichter und wesentlich bequemer. Den Umhang sieht man selten an ihm, wesentlich häufiger findet er Verwendung als Decke um den Jungen des Nachts warmzuhalten. Er besitzt ein schweres Paar Lederstiefel, man sieht ihn jedoch genauso oft barfuß umherlaufen, wie in diesen Stiefeln. Zu dieser Garnitur gehören zwei Augenklappen. Eine besteht aus weißem Leinen und ist mit Mustern in den verschiedensten Rottönen verziert, die andere aus schlichtem schwarzem Leder.
Seine andere Kleidergarnitur ist deutlich auffälliger. Ein langärmliges grauschwarzes Leinenhemd und eine ebensolche Hose bilden zusammen mit leichten schwarzen Lederstiefeln die Grundlage. Das Hemd besitzt eine weite Kapuze, die an den Nahträndern mit winzigen Metallstücken versehen ist, damit sie auch in der Bewegung nicht leicht vom Kopf rutschen kann. Darüber trägt er ein mattschwarzes ledernes Wams. Am Hosengürtel befinden sich einige Messerscheiden. Des Weiteren trägt er an jenem Unterarm eine doppelte Lederscheide für jeweils zwei Wurfmesser. Vervollständigt wird die Kleidung von zwei schwarzen Lederhandschuhen. Wenn er in dieser Aufmachung unterwegs ist, verdeckt er seine helle Gesichtsfarbe meist mit Ruß oder Schlamm. Sein langes Haar bindet er zu einem festen Zopf und verstaut es in der Kapuze.
Es ist völlig unerheblich welche Kleidung er gerade trägt, mindestens an einem Unterarm findet sich immer eine Scheide mit zwei Wurfmessern darin.

Seine ohnehin helle Haut war bereits vor seiner Verwandlung zum Vampir anfällig für starke Sonneneinstrahlung. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass sie ihm in der jetzigen Situation erhebliche Probleme bereiten kann. So besitzt er zusätzlich zu seiner anderen Kleidung noch einen weiten Burnus aus fein gewebtem schwarzen Leinen und ein Tuch aus demselben Stoff, mit dem er sich bei Bedarf verschleiern kann. Dabei ist es so geschnitten, dass es gleichzeitig als Turban um den Kopf getragen werden kann und nebenbei die Möglichkeit offen lässt mit einem überhängenden Stück Stoff Gesicht und Hals zu verschleiern, bis nur noch ein schmaler Spalt um die Augen frei bleibt. Unter dem Burnus trägt er dann seine schwarze Leinenhose und das dunkelblaue Leinenhemd mit den langen Ärmeln. Diese Kleidung stammt ebenfalls noch aus seiner Zeit beim Zirkus Wintersonne, wo sie während der Vorstellungen Verwendung fand.

Inventar
Yashas Habseligkeiten beschränken sich auf die Kleidung die er am Leib trägt und den Inhalt seines Reisebeutels. Dieser wird wahlweise von Frostlicht oder Windläufer an einem einfachen Gurt, der über den Rücken und unter dem Bauch des Pferdes hindurch verläuft, getragen. Der Gurt ist mithilfe einer eisernen Schnalle gesichert über die er sich öffnen und in der Größe verstellen lässt. Der Beutel besitzt auch einen eigenen Riemen, der es Yasha möglich macht ihn auch selbst auf dem Rücken zu tragen, während der Tragegurt quer über seine Brust verläuft. In ihm befinden sich:
- alle unbenutzten Kleidungsstücke: jene, die er meist zusammenträgt, legt er ineinander und faltet sie so schmal wie möglich zusammen um sie anschließend aufzurollen. Diese Rollen fixiert er mit dünnen Seilen um zu verhindern das sie sich von selbst wieder öffnen.
- ein Kamm aus Knochen
- seine Waffen, die er gerade nicht am Körper trägt, sowie sein Dolch, seine Wurfnadeln, das Ersatz-Wurfmesser und sein Übungsmesser
- bunte Stoffbänder
- Obst und/oder Gemüse das er meist irgendwo gefunden oder gestohlen hat, da er selten genug Geld besitzt um sich so etwas leisten zu können
- in einer eingenähten Innentasche: ein Geldbeutel aus buntem Stoff
- ein Wasserschlauch aus Ziegenleder
- eine tönerne Schüssel



Waffen
Yasha besitzt ein kleines Arsenal von Wurfmessern. Zunächst fallen ohne Zweifel jene ins Auge, die er in seiner dunklen Kleidergarnitur ganz offen am Gürtel trägt. Bei ihnen handelt es sich um sieben Messer derselben Machart, von denen er sechs in den Scheiden trägt, während sich das siebte für den Fall das einmal eines der anderen Messer beschädigt werden oder verloren gehen sollte, in seinem Beutel befindet. Sie sind 32 cm lang und einschneidig. Ihre Klingen bestehen aus schlichtem geschwärztem Stahl, die flachen Griffstücke bestehen aus Horn. Wobei sie so gearbeitet sind, dass sie im Grunde aus einem einzigen Stück Stahl bestehen und der Horngriff den stählernen Kern lediglich umschließt.
Die vier Messer, welche in seine Unterarmscheiden gehören, sind doppelschneidig und besitzen mit 36 cm Gesamtlänge auch andere Flugeigenschaften als die kürzeren, einschneidigen Messer. Ihre Klingen ähneln von der Gestalt her lang gezogenen Regentropfen. Das Metall des Griffes ist so eng mit schwarzen Lederbändern umwickelt, das von seinem Metallkern nichts mehr zu sehen ist. Zwei von ihnen sind aus Stahl gefertigt, die anderen beiden aus Bronze. In jeder Doppelscheide stecken beide Arten.
Von beiden Messerformen besitzt er noch jeweils eine schlichte stumpfe Übungsklinge, bei der nur die Spitze mörderisch scharf geschliffen ist. Sie bestehen jeweils aus einem einzigen Stück Stahl und weisen keine weiteren Bestandteile auf.

Eine weitere Waffe, die dem Jungen sowohl zur Jagd als auch zur Verteidigung dient ist vergleichsweise ungewöhnlich. Die Waffe besteht aus einer etwa 100 cm langen Kette an deren Enden sich jeweils eine halbmondförmige Klinge befindet. Sie hat zwei wesentliche Effekte, zum einen den Gegner zu Fall zu bringen und zum anderen ihn daran zu hindern sich schnell aus einer Falle zu befreien, da jede Bewegung schmerzhafte Schnitte zur Folge hat. Da er sich im Umgang mit dieser Waffe noch nicht so lange übt, würde er im Ernstfall eher seine Wurfmesser verwenden, während er mit der „Sichelkette“, wie er sie nennt, noch trainieren muss um sie wirklich zu beherrschen. Wenn er sie nicht verwendet, hängt diese Waffe unter seiner Kleidung an seinem Gürtel in einem kleinen Lederbeutel, wobei die Klingen noch innerhalb des Beutel jeweils kleine Lederüberzüge besitzen um die Verletzungsgefahr beim Herausholen möglichst gering zu halten.

Abgesehen davon nennt der junge Taurrin noch einen zweischneidigen Dolch sein Eigen. Die Waffe besitzt eine Gesamtlänge von 42 cm. Ihre blattförmige Klinge, die sich zur Spitze hin stark verjüngt, besteht aus fahlweißem Stahl. Das Heft ist mit dunkelgrauem Leder umwickelt. Bei seiner derzeitigen Körpergröße ist sie für Yasha jedoch schlichtweg zu lang. Aus diesem Grund nutzt er sie auch nicht für den Kampf. Die rasiermesserscharfe Waffe dient ihm sowohl als Küchenmesser, als auch für alle möglichen anderen Arbeiten, für die ein Messer vonnöten ist. Zu der Waffe gehört noch eine unscheinbare braune Lederscheide, in der der Dolch mit einer Lederschlaufe fixiert werden kann um ein Herausrutschen zu verhindern, da Yasha die Waffe in seinem Reisebeutel transportiert.

Die mit Glöckchen und buntem Schmuck verzierten Wurfnadeln in seinem Gepäck zählen, obgleich er sie mit einer Ausnahme nicht dafür verwendet werden, wohl ebenfalls als Waffen. Sie sind etwa so lang wie eine Kinderhand und nicht viel dicker als ein Zahnstocher. Sechs von ihnen sind aus Stahl, acht aus Bronze und weitere sechs aus Knochen. Sie sind ein Überbleibsel seiner Kindheit im Zirkus, wo sie in den Vorstellungen Verwendung fanden. Daher rühren auch ihre teils aufwendigen Verzierungen. Einzig die sechs aus Knochen sind völlig schmucklos. Sie bewahrt er auch als einzige nicht in seinem Reisebeutel auf. Er trägt sie ganz offen in Form eines Armbandes um eins seiner Handgelenke. Das schmucklose schwarze Lederarmband misst etwa eine Daumenlänge in der Breite und besitzt für jede der sechs Nadeln zwei unterschiedlich große Lederschlaufen. Hierbei ist die vordere stets die kleinere. Damit ist es leichter die Nadeln in Richtung des eigenen Körpers aus ihrer Verankerung zu lösen und vermindert gleichzeitig die Gefahr das sie von selbst herausrutschen.
Diese Nadeln sind mitunter hilfreich bei der Jagd auf kleinere Tiere, da Yasha seine Beute nicht töten will. Mit ihnen kann er ein solches Tier verletzen und damit verlangsamen um es leichter einfangen zu können, was ihm die Nahrungsaufnahme erleichtert. Ferner nutzt er sie auch zur Selbstverteidigung, wo sie den Gegner meist eher verwirren, denn ernsthaft verletzen sollen.


Charakter
„Er ist ein Kind der Stille das nicht vielen auffällt, wenn es nicht will. Ein lautloser Schatten der des Nachts um die Häuser schleicht. Der namenlose Schrecken der Nacht, den kaum jemand sieht, aber jeder fürchtet. Was schleicht da durch die Gassen? Ein Monster oder doch ein Meuchelmörder? Nun wenn ich ehrlich sein soll, dann weiß ich es auch nicht so recht, denn das, was ich dort blassen Mondschein sehe, ist kaum mehr als ein Kind. Aber Äußerlichkeiten können täuschen und mir wird mulmig als das Kind sich zu mir umwendet und mir aus einem roten Auge einen funkelnden Blick zuwirft, bevor es mit der Andeutung eines spitzzahnigen Lächelns in der Nacht verschwindet, wie der böse Geist aus einer Schauergeschichte für leichtgläubigere Wesen als ich eines bin.“
--- Kil’juna, Artistin und Informantin
Yasha ist ein gleichzeitig scheuer und sensibler Junge, der ein äußerst feines Gespür für die Stimmungen und Launen von anderen besitzt. Aus diesem Gespür resultiert der Wunsch jemand anderen vollständig zu verstehen, seine Ziele, Motivationen und die allgemeine Gemütslage einschätzen und daraus schließen zu können in welche Kategorie diese Person gehört. Er legt sich für jeden neuen Bekannten unterbewusst eine Art geistiges Merkblatt an auf dem er alles notiert was er über diese Person in Erfahrung bringt. Gepaart mit einem guten Gedächtnis ist es daher kaum verwunderlich das er innerhalb kürzester Zeit recht gut über so ziemlich jeden Bescheid weiß, der sich häufig in seiner näheren Umgebung befindet. Er scheut sich auch nicht Fremden beim ersten Kennenlernen eine ganze Fülle von Fragen zu stellen. Dabei müssen sie nicht zwangsläufig sehr persönlich sein. Es ist im Gegenteil meist ein bunter Mix aus den verschiedensten Bereichen, die für jemand anderen kaum im Zusammenhang stehen würden, Yasha aber die benötigten Informationen geben um sich rasch ein detailliertes Bild von der anderen Person machen zu können. Er lernt auch durch stilles Beobachten von Köpersprache und Auftreten unglaublich viel über einen Fremden. So ist es nicht weiter verwunderlich das er, ist die erste Neugier gestillt, meist stumm beobachtet und nur auf direkte Ansprache zu einer Äußerung zu bewegen ist. Diese Phase dauert bei Einzelpersonen oder kleinen Gruppen selten länger als ein paar Tage. In größeren Gruppen kann es durchaus einige Wochen Zeit in Anspruch nehmen bis er aus dieser Stille auftaucht und sich von selbst an Gesprächen beteiligt. Trotzdem ist und bleibt er ein Einzelgänger, der sich in Gesellschaft von Tieren am wohlsten fühlt. Dafür gibt es mehrere Gründe, zum einen sind Tiere aus seiner Sicht die unkomplizierteren Geschöpfe, die immer sehr deutlich zeigen was sie brauchen und wen sie mögen ohne das man sich da viele Gedanken darum machen müsste. Zum anderen stellte jede Form von nicht-tierischer Gesellschaft in seiner Situation ein gewisses Risiko dar. Tiere können die Krankheit an ihm riechen, sie aber nicht ausplaudern. Sie zeigen ihm auch sofort ob sie ihn trotz seiner räuberischen Natur akzeptieren oder nicht. Bei jedem höheren Wesen dem er sich anvertraut, besteht das Risiko das es sich von ihm abwendet und wohlmöglich gar zu einer Gefahr für ihn wird wenn er sich verschätzt hat.
Einzig bei Personen die er wirklich gerne mag und bei denen auch so weit gehen würde sie als Freunde zu bezeichnen, sucht er aktiv ihre Nähe. Für diese Freunde ist er bereit so einiges zu tun. Eine Einladung von ihnen würde er nur ausschlagen, wenn er wirklich einen triftigen Grund dazu hat und nicht einfach aus einer Laune heraus. Bitten sie ihn um einen Gefallen, so hat er ein schlechtes Gewissen, wenn er diesen nicht erfüllen kann. Er würde ihnen immer zur Hilfe eilen, auch wenn er dafür Opfer bringen müsste. Über Personen die ihm derartig am Herzen liegen möchte er stets Bescheid wissen und baut sehr schnell eine sehr enge Bindung zu ihnen auf, was den anderen nicht immer bewusst ist. Er nimmt sie sehr ernst und so kann oberflächliches und unüberlegtes Verhalten ihrerseits ihn schnell sehr tief treffen, selbst wenn es gar nicht beabsichtigt war. Bei jedem außer seinen Freunden ist es ihm relativ egal was derjenige von ihm denkt. Es lässt ihn dermaßen kalt, dass man glauben könnte er hätte gar keine Gefühle. Wenn er jedoch von einem seiner Freunde eine offene Zurückweisung erfährt, oder sie schlecht über ihn sprechen, so verletzt ihn dies tief.
Mit diesen Freunden ist das so eine Sache… Eine solche Freundschaft kündigt sich meist in den ersten Stunden einer Bekanntschaft an. Ob das nun eine Person ist mit der er sich gleich beim ersten Kennen lernen stundenlang unterhalten kann ohne den Wunsch zu verspüren dieses Gespräch zu beenden oder einfach jemand, in dessen Blick etwas liegt das ihm sofort Vertrauen einflößt, ist dabei unerheblich. Meist ist er so jemandem gegenüber schnell bereit einiges von sich preiszugeben, was ihn mitunter naiv wirken lässt. Sein Vertrauen ist ein kostbares Gut das er nicht leichtfertig feilbietet, doch er gehört zweifelsohne auch nicht in die Kategorie misstrauisch. Wenn eine Person sein Interesse weckt und sie sich der Vertiefung einer flüchtigen Bekanntschaft nicht abgeneigt zeigt, ist er bereit sich auf diese Person einzulassen und sie kennen zu lernen. Wahres Vertrauen braucht jedoch trotzdem einige Zeit um zu entstehen.
Auf das Pflegen von Bekanntschaften legt er dagegen vergleichsweise wenig Wert und so wird man ihn selten als Mittelpunkt einer größeren Gruppe erleben oder auch nur als jemanden, über den jeder etwas Nettes zu sagen weiß, weil er sich stets einbringt. Im Gegenteil, viele werden ihn nur flüchtig oder auch gar nicht kennen, während er einem Fremden durchaus einen kurzen Abriss über die jeweiligen Personen geben könnte. Interessanterweise liegt er keinerlei Wert auf gesellschaftliche Anerkennung oder dergleichen. Die einzigen Personen an deren Wertschätzung ihm etwas liegt sind seine Freunde, was alle anderen denken ist ihm meist egal. Das macht es auch schwer ihn zu verärgern. Persönliche Beleidigungen prallen an ihm ab, als höre er sie gar nicht. Will man ihn wirklich wütend machen ist es angebracht seine Mutter, seine Freunde oder seine tierischen Begleiter verbal zu beleidigen oder körperlich anzugehen, wobei es egal ist von wem die Schmähung ausgesprochen wurde, Freund oder Fremder, das ist einerlei. Dies ist bei ihm der Punkt an dem jeglicher Spaß ein Ende findet und er, mit einer Ausnahme, all seine Prinzipien über Bord wirft und auf eine Weise Kontra zu geben bereit ist, die mitunter unerwartet heftig ausfällt. Je nach Intensität der Schmähung kann sich das sowohl in Form scharfzüngiger Kommentare äußern, als auch in einer körperlichen Auseinandersetzung gipfeln. Doch für letzteres sollte man beispielsweise schon seine Mutter wiederholt als Dirne oder dergleichen bezeichnet haben und es wirklich darauf anlegen ihn immer weiter zu reizen bis ihm irgendwann der Geduldsfaden reißt.

Einmal abgesehen von seinem irrationalen Verhalten Freunden gegenüber, tut dieser Junge nichts ohne Überlegung. Alles geschieht aus Berechnung und Kalkulation. Stets darauf bedacht aus allem und jedem seinen eigenen Vorteil zu ziehen, würde sich niemals auf unnötige Provokation einlassen und geht gefährlichen Situationen ohne Nutzen für ihn in der Regel gekonnt aus dem Weg. Glaubt er jedoch, einen persönlichen Vorteil aus einer bestimmten Situation ziehen zu können, ist er durchaus bereit Risiken einzugehen und nimmt auch Verletzungen in Kauf. Kurzum er ist bereitet ziemlich alles zu wagen solange es ihn nicht umbringt. Dabei hat er jedoch eine bisweilen etwas skurril anmutende Sichtweise auf die Welt. Einer anderen Person zu helfen mag auf den ersten Blick selbstlos erscheinen und damit müsste man jetzt davon ausgehen das Yasha so etwas nicht einmal im Traum einfallen würde. Doch nach seiner Definition ist die Person danach dankbar für die Hilfe, schuldet ihm vielleicht sogar einen Gefallen und damit wird es wieder zu einem persönlichen Vorteil für ihn. Dabei ist es jedoch sehr wichtig was es für eine Person ist, die Hilfe benötigt. Einem vom Leben Gebeutelten oder auch nur weniger Privilegierten würde er stets eher helfen als jemanden der in Saus und Braus lebt. Diese, im Vergleich zu seinen sonstigen Verhalten, kontroverse Regung rührt daher das er weiß was seine Mutter vor dem Zirkus für ein Leben geführt hat und so ein Leben wünscht er niemandem.

Trotz seiner ungewöhnlichen analytischen Fähigkeiten und des messerscharfen Verstandes, wird er in einer großen Gruppe vergleichsweise selten das Wort führen. Er bleibt lieber für sich. Trotzdem besitzt er überraschendes Geschick im Umgang mit dem gesprochenen Wort und vermag es so lebhaft zu erzählen, dass er andere damit regelrecht gefangen nimmt. Da es ihm aber häufig schwer fällt zu verhehlen was er wirklich denkt, schweigt er meist bis er gefragt wird, wenn seine Meinung nicht zum Gesamtbild passt, es sei denn jemand fragt ihn danach oder es dient seinen Zwecken andere wissen zu lassen was er von einer Sache hält. Sein vergleichsweise scheues und zurückgezogenes Gemüt verbirgt er bei der ersten Begegnung entweder hinter einem freundlichen Lächeln oder jenem kalten berechnenden Blick, der ihn dermaßen unnahbar wirken lässt das sich kaum jemand traut ihm auch nur anzusprechen. Welches Gesicht man zu sehen bekommt hängt davon ab was er sich von der Begegnung erhofft.

Yashas Mutter hat ihrem Sohn bereits in früher Jugend viele Freiheiten gewährt und von Beginn an versucht seine charakterliche Entwicklung nicht negativ zu beeinträchtigen. Unwissentlich sind jedoch einige ihrer Eigenschaften im Laufe der Zeit auf ihn übergegangen. So zum Beispiel eine moralische Grundregel. Sie hasste es anderen Leid zuzufügen, sowohl verbal als auch körperlich. So ist es für ihren Sohn ganz natürlich, sich zumindest schlecht zu fühlen, wenn er eins von beidem tut oder plant. Was ihn jedoch in der Vergangenheit nicht davon abhielt es zu tun. Man könnte hier von einer abgeschwächten Form dieser Regel sprechen, die doch zumindest in einem Punkt sehr deutlich ist: Yasha mag sagen was er will und sich selbst für ein Dämon halten der nur Schmerz und Leid verursacht, doch als Todesboten hat er sich nie gesehen. Das ist die eine Grenze, die er niemals überschreitet. Yasha tötet nicht, unter gar keinen Umständen. Auch steht er stets zu seinem Wort, und wird ein einmal gegebenes Versprechen nicht brechen. Doch abgesehen davon gibt es nicht gerade viel das er nicht tun würde, wenn er es für nötig erachtet. Jemanden die Zähne in den Arm schlagen und sein Blut trinken? Notwendig. Lügen, wenn es angebracht ist? Warum nicht. Jemand anderen ausrauben? War einen Großteil seines bisherigen Lebens seine Arbeit… In diesem Punkt weiß er jedoch das es falsch ist. Wobei ihm das in den meisten Fällen auch wieder herzlich egal ist. Dabei würde er jedoch nie so weit gehen jemand anderen um Haus und Hof zu bringen oder einem Hungernden das letzte bisschen Essen vor der Nase weg zu stehlen. Einen reichen Händler um einen Apfel zu erleichtern oder einer schmuckbehängten Dame den ein oder anderen funkelnden Stein zu entsenden, bereitet ihm hingegen keine Gewissensbisse.
Dabei ist er weder besonders feige noch mutig. Er ist irgendwas dazwischen. Weder würde er jeder Auseinandersetzung aus dem Weg gehen und es jedem recht zu machen versuchen um bloß nicht in Ungnade zu fallen, noch würde er in einem Konflikt in dem klar erkennbar ist, dass er den Kürzeren ziehen wird, törichten Heldenmut beweisen und sich mit einem Gegner anlegen den er ohnehin nicht besiegen kann. Trotz allem wäre es falsch zu sagen das er Konflikten aus dem Weg geht. Er kann lediglich seine eigenen Fähigkeiten einschätzen und damit in vielen Situationen erkennen wann ein strategischer Rückzug angebracht ist und wann nicht.

Der jungen Vampir ist sich seines scharfen Verstandes durchaus bewusst und weiß ihn auch einzusetzen. Es gibt nur wenige die ihm an Intelligenz gleichkommen und so fällt es ihm in einer normalen Unterhaltung mitunter schwer sich seine Langeweile nicht anmerken zu lassen. Belangloses Gerede über das Wetter, hohle Höflichkeitsphrasen und alles was noch in diese Kategorie fällt sind ihm zuwider. Deshalb verlegt er sich auch oft aufs Schweigen, wenn es einfach nichts zu sagen gibt. Noch schlimmer ist es für ihn jedoch, wenn man ihn wie das Kind behandelt, das er rein äußerlich noch immer ist. Doch er hat gelernt damit zu leben, das sich einem Kind viele Türen ganz von selbst öffnen und betrachtet es als notwendiges Übel diese Behandlung gelegentlich über sich ergehen zu lassen. So wie er auch gelernt hat das ganze Ausmaß seiner geistigen Fähigkeiten selten zu zeigen, weil es viel Ärger mit sich bringen kann, wenn jemand der größer und stärker ist als er der Meinung ist, er mache sich über ihn lustig, nur, weil er ihm auf geistiger Ebene nicht folgen konnte.
Es macht ihm Freude mit seinem Verstand Probleme zu lösen und wann immer er geistig wirklich gefordert wird blüht er sichtlich auf. Wenn es etwas Neues zu lernen oder neues Wissen zu entdecken gibt, ist er mit viel Eifer bei der Sache. Eine geistreiche Unterhaltung, in der er sich nicht verstellen muss, ist eines der größten Geschenke das man ihm machen kann. Sich auf intellektueller Ebene wahrhaft seinen Respekt zu verdienen ist unglaublich schwer.
Er besitzt einen unbeugsamen Willen und es fällt ihm schwer Fehler einzugestehen, selbst wenn er sie deutlich als seine Fehler erkannt hat. Auch eine Entschuldigung bringt er nur äußerst ungern über seine Lippen. Damit kann man ihm wohl eine gewisse Sturheit und auch einen gewissen Stolz nicht absprechen. Doch besteht ein wesentlicher Unterschied darin einer anderen Person nicht Recht geben zu wollen oder ihre Meinung nicht zu akzeptieren und die Wahrheit darin zu erkennen. Seine Intelligenz lässt es nicht zu, dass er sich logischen Argumenten verschließt und erkennt wann jemand anders recht hat während er selbst im Unrecht ist, doch zugeben tut er es trotzdem nicht gerne.

Der junge Taurrin kann sich weder für Politik, noch für Religion begeistern. Während Erstere ihn in der Regel langweilt, weil er nicht verstehen kann warum sich viele Personen über eine Sache streiten müssen, die in den meisten Fällen eine sehr einfache und für ihn offensichtliche Lösung besitzt, hält er Letztere für ausgemachten Unsinn. Göttliche Mächte und Wesen sind etwas das er mit seinem Verstand nicht erfassen kann. Damit sind sie für ihn unheimlich. Er leugnet ihre Existenz nicht, doch hat er auch noch keinen Beweis für das Gegenteil erhalten und somit sind sie etwas über das er nicht nachdenkt. Wozu auch, mischen sie sich doch nicht direkt in sein Leben ein und haben damit für ihn keinerlei Bewandtnis. Es will ihm nicht in den Kopf wie manche Wesen Tag für Tag und Jahr für Jahr in einen Tempel pilgern können um ihre Bitten und Gebete an ein Wesen zu richten das, sollte es existieren, keinerlei Interesse an ihren Worten zu haben scheint oder nicht in der Lage ist darauf einzugehen. Es sieht einfach keinen Sinn darin sich regelmäßig mit der leeren Luft zu unterhalten, wenn diese ihm nicht antwortet.

Die Stimmen im Mondlicht
Mit der leeren Luft zu sprechen ist ein deutliches Anzeichen von Verrücktheit, das ist auch Yasha durchaus bekannt. Aber was ist, wenn man sich mitten in der Nacht völlig allein im Freien aufhält und das fahle Mondlicht auf einmal mit einem zu sprechen beginnt? Und das nicht nur mit einer Stimme, sondern gleich mit mehreren? Er hört diese Stimmen seit er fünf Jahre alt ist. Alles in allem hat er beschlossen das er bis zu einem gewissen Grad verrückt ist. Denn trotz eines gut funktionierenden Verstandes, der im deutlich sagt das es alles andere als normal ist im bleichen Licht des Mondes Stimmen zu hören und er sich immer und immer wieder gesagt hat das es diese Stimmen nicht geben kann, hört er sie noch immer. Jeglichen Gedanken daran, dass es sich bei ihnen möglicherweise um etwas völlig anderes handeln könnte verdrängt er. Zu sehr würde es ihm vorkommen als klammere er sich an eine sinnlose Hoffnung, die ohnehin nur enttäuscht werden kann.
Damit er sie hören und mit ihnen sprechen kann muss eigentlich nur eine Bedingung erfüllt sein, er muss im Mondlicht stehen. In einem von Kerzen erhellten fensterlosen Raum in den kein Streifen Mondlicht fällt, kann er sie in der Nacht demnach genauso wenig hören wie am Tage. Ist der Himmel wolkenverhangen und das Licht des Mondes damit nur schwach, sind sie leiser und undeutlicher als in einer sternenklaren Nacht. Am deutlichsten zu hören sind sie, wenn er sich direkt in einen Streifen Mondlicht stellt, beispielsweise in einem dunklen Wald, wo ein einzelner silbern funkelnder Strahl durch die Bäume bricht. Es gibt allerdings einen guten Grund dafür das er die Stimmen nur unter diesen Voraussetzungen hören kann. Ein Umstand dessen er sich selbst gar nicht bewusst ist hat dazu geführt das Yashas Unterbewusstsein dies als Schutzmaßnahme so festgelegt hat. Ganz zu Anfang, als der junge Vampir die ganze Tragweite seines „Fluches“ zu erfassen begann, befand er sich nach dem brutalen Angriff war er innerlich völlig erstarrt. Kaum ein Gefühl drang noch zu ihm durch, doch ein Teil von ihm wollte diese innere Taubheit nicht anerkennen und so kämpfte er unterbewusst mit sich selbst, bis es dem widerspenstigen Teil von ihm gelang auch noch den letzten Rest seines Verstandes aus der selbstgewählten Isolation zu holen. Die Folge daraus waren eben jene Stimmen, von denen jede einzelne eine Folge einer bestimmten Situation ist in der sie gebraucht wurden. Doch sein Unterbewusstsein ist geradezu unheimlich kreativ was die Ausarbeitung dieser Stimmen angeht, manche erschafft es aus der Erinnerung an reale Personen, andere sind größtenteils fiktive Helfergestalten.
Zusätzlich dazu setzte das Virus eine natürliche Schutzfunktion seines Geistes außer Kraft, es entfernte nämlich nicht nur seine Fähigkeit etwas zu vergessen, sondern zerbröselte auch tagtäglich stückchenweise die Grenze zwischen Lang- und Kurzzeitgedächtnis. Sein Gehirn verlor zusätzlich die Fähigkeit unwichtige von wichtigen Sinneseindrücken und Informationen zu trennen. Man kann sich vorstellen das dies seinen Geist innerhalb kürzester Zeit nicht nur Be- sondern auch Überlastete. Bevor es zu ernsthaften Langzeitschäden kommen konnte, begann er unbewusst einen neuen Schutzwall gegen die erdrückende Informationsflut aufzubauen. Nun war es nicht mehr wie kurz nach seinem ersten Kontakt mit Blut, nach dem eine Flut von nicht zu unterscheidenden Stimmen ihn durchgehend mit jeder Information bombardierte, die in seinem Geist gespeichert war. Diese seltsame Entwicklung dauerte etwa drei Tage und ist etwas das er erfolgreich verdrängt hat, denn vergessen kann er ja nichts mehr. Der Schutzwall schwächt lediglich die Flut an Sinneseindrücken und dämpft seinen Zugriff auf sein Langzeitgedächtnis auf ein normales Maß. Sofern es als normal anzusehen ist, wenn man mit seinem Langzeitgedächtnis sprechen und es einfach nach der gewünschten Information befragen kann ohne das man sich darüber im Klaren ist was man da eigentlich tut. Das er die übrig gebliebene Stimmen nun nur noch unter Einwirkung von Mondlicht hört hängt auch mit besagtem Schutzwall zusammen. Die unbewusste Wahl des Lichtes als Mediums hat wiederum etwas mit seiner inneren Einstellung zu tun. Denn er sieht sich selbst zwar als Geschöpf der Nacht, doch ein kleines bisschen Licht hat er sich in seinem Herzen bewahrt, auch wenn er selbst nicht mehr daran glaubt, also ersucht er das Licht des Mondes um Rat und Hilfe zu erhalten.

Im Laufe der Jahre haben sich nach und nach einzelne Stimmen herauskristallisiert. Er hat jeden von ihnen mit der Zeit kennen gelernt, ihren Namen, Motivationen und Hintergründe erfahren… Doch niemals was sie eigentlich sind und weshalb er sie hören kann. Er hat gelernt solche Fragen nicht zu stellen, weil sie daraufhin schweigen und sich bei ihrer nächsten Unterhaltung mit keinem Wort auf das von ihm Gefragte beziehen und es auch niemals wieder ansprechen. Dabei ist ihm nicht ganz klar ob sie diese Fragen nicht beantworten können, nicht hören oder nicht beantworten wollen. Es kommt durchaus vor das ihn eine fremde Stimme anspricht, doch das ist selten und wird für ihn erst dann relevant, wenn er sie häufiger hört. Schließlich gibt es Stimmen die er nur einmal in seinem ganzen Leben gehört hat.
Im Grunde gibt es nur fünf Stimmen die er mit Namen kennt. Will er nun mit einem von ihnen sprechen, braucht er nur ihren Namen zu nennen. Alles andere ist wie in einem normalen Gespräch auch: Mal sprechen sie ihn von sich aus an, mal reagieren sie nicht auf seine Ansprache. Die Unterhaltungen mit ihnen sorgen dafür das er sich nur selten nach nicht tierischer Gesellschaft sehnt, denn er hat zumindest in der Nacht immer jemand zum Reden.
Chione
Wenn es für Yasha jemals so etwas wie einen richtigen Kindheitsfreund gegeben hat, dann ist es zweifelsohne Chione. Das lebenslustige und fröhliche Mädchen nimmt kein Blatt vor den Mund und ist selten um eine Antwort verlegen. Mit ihrer fröhlichen hellen Stimme erinnert ihn ihr sprunghaftes Temperament an einen Sonnenstrahl. Sie ist in ihrem Wesen unbeständig wie ein Band aus Licht, gleichzeitig aber die treueste Freundin die er sich jemals wünschen konnte. Die eine Person der er alles sagen kann und die ihm immer zuhört, wenn er ein Problem hat. Die erkennt wann es ihm schlecht geht und sich dann, wenn auch mit offensichtlicher Mühe, zusammenreißt und ihm ihre volle Aufmerksamkeit schenkt. Sie findet meist einen Weg ihn aufzumuntern und hilft ihm dabei einen anderen Blickwinkel auf Dinge zu bekommen, die um ihn herum passieren. Trotz allem kann ihre übersprudelnde Lebensfreude für ihn mitunter auch recht anstrengend werden, da sie in manchen Nächten wie ein Wasserfall plappert. Er neigt dann dazu gute Miene zum bösen Spiel zu machen und ihre Worte einfach durch sich hindurch fließen zu lassen ohne, dass auch nur eines davon in sein Bewusstsein zu dringen vermag, bis der Redeschwall vorbei ist. Denn auch er ist ihr Vertrauter und merkt es, wenn sie etwas wirklich Ernstes zu sagen hat. Dann schenkte ihr ebenfalls seine volle Aufmerksamkeit und hilft wo er kann. Sie ist die eine Person, die er besser kennt als sich selbst und wegen deren Existenz er sein Schicksal, sowohl die körperlichen als auch die geistigen Auswirkungen der Krankheit, angenommen hat und nicht mehr damit hadert.
Sie war die erste Stimme die ihn mehrfach aufsuchte und dann auch blieb. Chione stellte sich ihm vor, erzählte ihm von ihrem Leben und hielt ihn davon ab an den Folgen des Vampirbisses zu zerbrechen. Obwohl die beiden so unterschiedlich sind wie es nur möglich ist, freundeten sie sich recht schnell an und sie wurde bald neben seiner Mutter zu seiner wichtigsten Vertrauten. Sie teilte all seine Erfolge, Fehlschläge und besondere Momente mit ihm. Sollte sie eines Tages nicht mehr mit ihm sprechen oder ihn von sich stoßen, wäre das für ihn nach dem Tod seiner Mutter wohl ein so schwerer Schlag, das zweifelhaft ist ob er sich davon jemals erholen würde.

Fianna
Die sprichwörtliche Stimme der Vernunft. Eine warmherzige Person mit der weichen dunklen Stimme einer Mutter. Es hat ihn im Grunde nicht überrascht als sie ihm ihren Namen nannte. Vor dem Tod seiner eigenen Mutter tauchte ihre Stimme nur sehr selten und verhalten auf, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen und für ihn wirklich ein Gesicht zu bekommen. Nach diesem einschneidenden Ereignis änderte sich das jedoch schlagartig. Sie tröstete ihn gemeinsam mit Chione. Ihr beschützendes mütterliches Wesen und die Art, wie sie ihn immer schilt, wenn er etwas unüberlegtes oder Gefährliches tut, erinnert ihn sehr an seine verstorbene Mutter. Trotzdem ist es nicht das gleiche. Sie kann er ignorieren, wenn er das will, ohne dabei ein allzu schlechtes Gewissen zu bekommen, ein Umstand der ihm bei seiner Mutter nicht geglückt wäre. Wenn sein Gewissen ihn nicht mit seiner eigenen Stimme piesacken würde, so wäre es die ihre, da ist er sich sicher.

Niak
Apropos Gewissen, davon gibt es auch ein sehr deutliches Gegenteil und das heißt Niak. Nicht das ihn der junge Mann mit der vornehmen exotisch klingenden Stimme zu Dummheiten verleiten würde… Er hat einfach eine andere Einstellung zum Leben um es mal vorsichtig zu formulieren. Sobald es um die Ausführung von Einbrüchen, Informationsbeschaffung oder dergleichen geht, ist er mit einem praktischen Rat zur Stelle. Ansonsten ist er schweigsam und verschlossen. Er spricht selten mehr als nötig und bleibt immer ruhig und höflich.
Er ist eine nahezu unerschöpfliche Quelle an Informationen über den Messerkampf, das Bogenschießen und den Umgang mit einigen exotischen Waffen, wie etwa auch Yashas Kettenwaffe. Zudem besitzt er ein bemerkenswertes Wissen über die Anatomie der verschiedensten Geschöpfe und weiß sehr genau wie man sich selbst bestimmte körperliche Eigenschaften aneignet. Niak ist und war Yashas Mentor. Ihm verdankt er einen Großteil seines akrobatischen Geschicks und die Fähigkeiten im Umgang mit seinen Waffen. Es mag zwar eine umständliche Trainingsmethode sein, dem Lehrer stets alles haarklein beschreiben zu müssen, bevor dieser ein Urteil fällen kann, doch bei Yasha hat diese Methode funktioniert. Wobei es mit Sicherheit auch hilfreich war, dass der junge Vampir die Stimmen nicht anlügen kann, was ihm die Möglichkeit nahm seine Trainingserfolge anders darzustellen als sie in Wirklichkeit waren.

Beowan
Der alte Beowan ist ein Fall für sich. Man stelle sich den engstirnigsten, griesgrämigsten und konservativsten alten Nörgler vor dem man je begegnet ist. Eine Person die sich den Satz: „Früher war alles besser!“, zum Lebensmotto gemacht hat. Auch Sätze wie: „Zu meiner Zeit herrschten noch Zucht und Ordnung.“, oder: „Als ich noch jünger war gab es noch so etwas wie Respekt vor dem Alter.“ gehören zu seinem Repertoire. Man kann sich also vorstellen das ein Gespräch mit ihm nicht unbedingt zu den angenehmsten Dingen gehört die man in einer friedlichen Nacht machen kann. Wenn er schlechte Laune hat ist er kaum auszuhalten und auch leidlich schwer auszublenden. Selbst in guter Stimmung ist er mitunter schwer zu ertragen. Trotzdem gibt es für Yasha schon gute Gründe sich Beowan nicht zu verschließen, denn trotz seiner anhaltend schlechten Laune und Grießgrämigkeit, besitzt diese Stimme ein schier unerschöpfliches Wissen, an dem er dem jungen Katzenelfen auch gerne teilhaben lässt.

Lapis
Er ist die neueste der Stimmen. Die Person über die Yasha bisher am wenigsten weiß. Ein scheuer Fremder mit einem starken Akzent den der Junge noch nie gehört hat und auch nicht so recht einzuordnen weiß. Da er nur sehr wenig von sich preisgibt, kann Yasha seinen Charakter noch nicht einschätzen. Bisher hat er lediglich herausgefunden das Lapis einen schnellen und wachen Geist besitzt und damit einen durchaus interessanten Gesprächspartner darstellt.
Wünsche
Der junge Vampir wünscht sich nichts sehnlicher als wieder eine Heimat zu finden. Einen Ort an dem er sich nicht verstecken oder verstellen muss, mit Freunden die ihn schätzen und ihn vorbehaltlos als das akzeptieren was er ist. Doch ist dieser Wunsch zur Zeit noch nicht mehr als ein Traum. Ein schöner Traum zugegeben, aber doch nur ein Traum. Viel konkreter ist sein Ziel, etwas von der Welt zu sehen und damit verbunden, wenn auch ungleich wichtiger, ist sein Wunsch Wissen über das Meer zu erlangen. Es fasziniert ihn schon so lange er zurückdenken kann. Wenn sich für ihn die Möglichkeit ergäbe auf einem Schiff mitzufahren oder zu arbeiten, würde er sie vermutlich ergreifen. Er könnte sich sogar vorstellen einer gewöhnlichen Arbeit nachzugehen, wenn diese ihm nur den unbeschränkten Zugang zum Wasser ermöglichte. Ehrlich gesagt hat er sich schon oft gefragt, ob er nicht eigentlich als Lyr hätte geboren werden sollen…

Ängste
Yasha fürchtet das Alleinsein. Sowohl die vollständige Abwesenheit von Personen oder Tieren, die sich dafür interessieren wie es ihm geht und die ihn schätzen, als auch den Verlust selbst. Deshalb wählt er seine Vertrauten auch mit viel Bedacht, denn es sind allesamt Wesen für die er durchs Feuer gehen würde, was auf sie aber umgekehrt genauso zutrifft. Einen von ihnen zu verlieren trifft ihn härter als es irgendetwas anderes könnte. Seine mit Abstand größte Angst ist jedoch der Tod. Einfach aus dem Grund das er nicht weiß was darauf folgt und es sich auch nicht vorstellen kann. Es ist etwas das sein Verstand nicht erfassen und er auch nicht intuitiv verstehen kann. Eine dunkle Ungewissheit, die ihn eines Tages aber unwiderruflich einholen wird. Eben jene Unausweichlichkeit macht aus der bloßen Furcht vor dem Ungewissen eine wahre Angst.



Fähigkeiten
Ein zweifellos intelligentes, doch bisweilen in seiner Freundlichkeit etwas naives Kind. Im Grunde wäre er perfekt als Informant oder Kundschafter geeignet gewesen, denn er wirkt so natürlich in seinem Verhalten das selten jemand auf den Gedanken kommt das er etwas Anderes sein könnte als ein unschuldiges Kind… Doch gibt es Zeiten in denen jede Freundlichkeit und ehrliche Neugier aus seinem Blick schwindet und nur eisige, berechnende Intelligenz darin zurückbleibt. Mit diesem Ausdruck in den Augen fällt es schwer sich daran zu erinnern das es sich bei der Person, die einem gegenübersteht, tatsächlich um ein Kind handeln soll. Dieser Blick passt eher zu einem gedungenen Mörder und würde in der Informantenfunktion nur unnötiges Aufsehen erregen, schließlich darf der zu Informierende keinesfalls auf den Gedanken kommen das er möglicherweise falsche Informationen erhält oder gar die Situation nicht absolut unter Kontrolle hat. Auch bei einem Kundschafter, der unauffällig vor einem Gebäude steht und es mustert als plane er gerade seinen nächsten Meuchelmord, würde sich ein Beobachter wohl kaum vom kindlichen Aussehen täuschen lassen […]
So komme ich zu dem Schluss, dass dieser Junge entweder keinerlei schauspielerisches Talent besitzt, nicht lernfähig oder schlicht nicht lernwillig ist. Es ist im Grunde unerheblich welche der drei Aspekte auf ihn zutreffend sind. Fest steht für mich, das Sie, unerheblich in welcher Funktion Sie ihn später einsetzen wollen, auf seine Mitarbeit weit mehr angewiesen sind als je bei einem Initianten zuvor. Ich revidiere meine anfängliche Erkenntnis nur sehr ungern, doch seinen Sie gewarnt: Dieses Kind ist wahrlich schlau, zu schlau um eine der gewöhnlichen Erklärungen für die Arbeit die ihm zugedacht ist nicht auf Anhieb zu durchschauen und ich kann Ihnen nicht sagen wie er auf so etwas reagieren würde. Nach unseren Gesprächen und dem Abschluss jeglicher Tests vermag ich, zu meinem großen Bedauern nur zu sagen, das mir solch ein Intellekt noch nicht untergekommen ist. Ich kann die Persönlichkeit dieses Kindes kaum einschätzen. Nur in einer Sache bin ich mir vollkommen sicher. Wenn Sie ihn für sich arbeiten lassen wollen, muss er wissen was und wofür er etwas tun soll und sich dann von sich aus dafür entscheiden. Geben Sie ihm einen Grund und es sollte ein guter sein, andernfalls ist es gefährlich ihn in Ihrem Unternehmen zu behalten, da er, ohne das Wissen über seine Motive zu besitzen, für mich und damit wohl auch für Sie, nahezu unberechenbar ist.
--- Tjak, unabhängiger (absolut von sich überzeugter und vollkommen überbezahlter) Wesensprüfer
Der junge Taurrin ist ein Akrobat: schnell, wendig und beweglich. Durch seine geringe Körpergröße und -masse kann er sich nahezu lautlos bewegen. Stundenlang unbeweglich an einem Fleck zu stehen und so mit der richtigen Kleidung mit dem Hintergrund verschmelzen zu können, erleichterte ihm seine Arbeit bei den Frostschatten enorm. Die Kombination dieser Fähigkeiten, sorgfältig trainiert und verfeinert, sorgte dafür das er trotz seiner Jugend einiges Ansehen bei den Mitgliedern dieser Organisation genoss. Doch bei all seinem akrobatischen Geschick besitzt der schlanke Junge nur wenig körperliche Kraft. Er kann weder schwere Lasten stemmen, noch einen äußerlich Gleichaltrigen im Armdrücken besiegen oder sich durch schiere Kraft aus einer misslichen Lage befreien.
Er ist ein Vampir. Positiv daran ist, dass sein Körper die für Vampire typische Widerstandsfähigkeit besitzt. Auch seine Wunden heilen schneller als üblich. Beides Umstände, die ihm erlaubt haben trotz seines jugendlichen Alters das unbarmherzige Training bei den Frostschatten durchzustehen, welches wiederum seine akrobatischen Fähigkeiten verbesserte. Die negativen Aspekte der Krankheit sind jedoch nicht zu verachten. Da er bereits seit sechs Jahren mit dieser Krankheit lebt, weiß er inzwischen sehr gut worauf er achten muss um einigermaßen unbeschadet durch Leben gehen zu können. Diese sechs Jahre bedeuten leider auch das sich seine Symptome inzwischen in vollem Ausmaß manifestiert haben. Silber zu meiden ist dabei noch das geringere Übel. Mit dem Sonnenlicht ist das eine andere Sache. Er hat schon immer gerne viel Zeit im Freien verbracht, was ihn durch die Krankheit nun stark erschwert wird. Da sind zum einen seine Augen. Er kann im Dunkeln fast noch besser sehen als die tierischen Namensvetter seine Rasse. Das witzigsten bisschen Licht genügt ihm um sich im Dunkeln sicher bewegen zu können. Der Übergang aus einer hellen in eine dunkle Umgebung bereitet ihm keine Probleme, weil seine Augen sich schnell auf die veränderten Lichtverhältnisse einstellen. Im umgekehrten Fall dauert es lange… Hat er beispielsweise in einem abgedunkelten Raum geschlafen und will sich nun nach draußen begeben wo der Tag schon angebrochen ist, muss er seine Augen langsam an das Licht gewöhnen. Er schließt dann die Augen, zieht die Vorhänge vor den Fenstern zurück und setzt sich mit geschlossenen Augen in eine Ecke, bis sich das unangenehme Stechen hinter seinen Liedern gelegt hat. Wenn er die Augen dann öffnet, dauert es auch nochmal einige Herzschläge bis sie sich an die Helligkeit angepasst haben. Dieser Vorgang kann bis zu einer halben Stunde in Anspruch nehmen, je nachdem wie hell es draußen ist. Danach kann er seine Augen dem Licht zwar direkt aussetzen, doch nach einigen Stunden ununterbrochenem Aufenthalt im Freien wird er davon trotzdem Kopfschmerzen bekommen.
An einem wolkenlosen Sommertag, wenn die Sonne mit ihren kräftigen Strahlen den Boden ungehindert erreichen kann, ergibt sich ein zusätzliches Problem. Die Wärme, die andere in solch einem Moment vielleicht als angenehm empfinden würden ist für ihn bedrohlich. Vom ersten Moment an, in dem seine Haut diesem Licht direkt ausgesetzt ist, fühlt es sich an als stünde er zu dicht an einem Lagerfeuer. Die ersten schwachen Verbrennungen treten bereits nach wenigen Minuten auf, nach etwa 20 Minuten folgen Brandblasen, dann schwerere Verbrennungen und zuletzt, setzte er sich dem weiterhin aus, kann es nach einer guten Stunde lebensbedrohlich für ihn werden. Ist der Himmel jedoch verschleiert, etwa grau von Dunst, nebelverhangen oder einfach nur bewölkt, kann er sich relativ gefahrlos im Freien aufhalten. Es braucht schon direkte Sonneneinstrahlung damit seine Haut Schaden nimmt. Je schwächer das Sonnenlicht ist, desto länger dauert es auch bis er sich unwohl zu fühlen beginnt. Ist die Wolkendecke also dicht genug, ist es für ihn nicht anders als für einen Nichtinfizierten.

Yasha ist klug. So klug das es bei einem Kind in seinem Alter bisweilen befremdlich wirkt. Sein Verstand ist seine schärfste Waffe und die weiß er einzusetzen. Ein Umstand, der besonders in längeren Gesprächen mitunter in kleinen Gesten offenkundig wird, selbst wenn er sich bemüht ihn zu verbergen. Manchmal kann er sich einfach nicht davon abhalten bei einer naiven, oder offensichtlich falschen Äußerung genervt die Augen zu verdrehen, oder man sieht die Ungeduld in seinen Augen funkeln, wenn sein Gesprächspartner etwas lang und umständlich erklärt, dass man auch wesentlich einfacher und präziser hätte formulieren können.
Trotz seiner außergewöhnlichen Intelligenz kann man ein merkwürdiges Phänomen an ihm beobachten. Dabei handelt es sich vermutlich um eine Nebenwirkung oder auch Folge seines Vampirismus. Er mag noch so schlau sein und sich geistig auf dem Niveau eines Heranwachsenden befinden, sein Körper ist noch der eines Kindes. Durch den seltsamen Umstand das sein Geist trotz der unnatürlich verlangsamten Alterung seines Körpers in jenem raschen Tempo gereift ist das für die Katzenelfen so typisch ist, kommt es vor das er von jetzt auf gleich ein kindlich anmutendes Verhalten an den Tag legt. Es äußert sich mal als Konzentrationsschwäche, mal in dem unwiderstehlichen Drang die Wahrheit zu sagen wo sie besser verschwiegen werden sollen oder auch in dem plötzlichen Wunsch zu gefallen und gelobt zu werden. Hinterher ist es ihm dann meist peinlich, doch in dem Moment selbst kann er es nur selten unterdrücken.
Schon seit frühester Kindheit besitzt Yasha ein ausgeprägtes Talent im Umgang mit Tieren. Besonders deutlich zeigt es sich wenn er mit Pferden zu tun hat. Auf einem Außenstehenden kann es bisweilen etwas skurril wirken, wenn er mit einem völlig fremden Pferd bereits nach wenigen Herzschlägen umgeht als würde er es schon seit Jahren kennen. Doch bei weitem interessanter ist es, wie diese Tiere auf ihn reagieren. Es scheint fast als ob sie spüren würden das etwas an ihm anders ist. Diese Andersartigkeit scheint ihnen Sicherheit zu geben und bisweilen sogar Vertrauen einzuflößen. Und wer schon beeindruckt ist, wenn er ihn mit einem fremden Pferd umgehend sieht, dem wird der Umgang mit seinen eigenen Pferden fast wie Zauberei vorkommen. In der Art wie sie miteinander umgehen liegt etwas instinktives, eine natürliche Harmonie die schwer zu fassen aber dennoch beeindruckend ist.
Ihm selbst fällt es schwer in Worte zu fassen was er fühlt, wenn er sich einem Tier gegenübersieht. Irgendwie versteht er meist was in ihm vorgeht. Manche Tiere sind schwieriger zu lesen als andere, doch eine grobe Ahnung was in ihnen vorgeht hat er immer. Bei Pferden gilt diese Regel jedoch nicht, sie sind für ihn wie ein offenes Buch. Er versteht sie instinktiv und das scheinen sie zu wissen. Meist reicht seine bloße Anwesenheit um ein aufgebrachtes Pferd zu beruhigen. Doch wenn dem einmal nicht so ist genügt es, wenn er sie anspricht. Ob diese Gabe jedoch bei jedem Pferd Wirkung zeigt, weiß er nicht sicher. Sicher ist nur das sie bisher noch nie versagt hat…
Seit seiner Erkrankung wird seine Gabe jedoch von dem Umstand eingeschränkt, dass er nun ein Vampir ist. Besonders wenn er zornig oder sehr hungrig ist, sind sogar seine beiden tierischen Begleiter vor ihm auf der Hut und meiden ihn. In so einer Situation würde jedes fremde Tier sich von ihm bedroht fühlen, dann hilft auch seine Gabe nicht. Aber auch in gemäßigter Stimmung kann es nun vorkommen das ein fremdes Tier ihn fürchtet, das passiert nicht häufig, kommt aber vor. Ein Umstand der ihn in seiner Überzeugung bestärkt verflucht zu sein.

Ein Jahr mehr oder weniger auf sich gestellt die Wildnis zu durchstreifen, hatte einen gewissen Lerneffekt auf den jungen Taurrin. So ist Yasha ganz sicher kein ausgebildeter Wildführer, Pflanzenkundler, oder Jäger, doch er kommt zurecht. Wenn er will kann er sich flink und nahezu lautlos bewegen, wie das Raubtier das er im Grunde ja auch ist. Ein Umstand der ihm die Jagd mit seinen Nadeln oder Wurfmessern sehr erleichtert. Denn er verlässt sich bei der Jagd ausschließlich auf seine feinen Sinne und die Möglichkeiten die sein Körper ihm bietet. Versucht man ihm zu erklären wie man eine Falle baut oder Spuren liest, wird man wohl nur einen verständnislosen Blick ernten, schließlich braucht er all das nicht.
Er ist in der Lage ein Feuer zu entfachen und sich seine Mahlzeit einigermaßen genießbar zuzubereiten, doch wirklich gut kochen kann er nicht. Das wenige Wissen in diesem Bereich stammt noch von seiner Mutter, die ihn immer dafür zu begeistern suchte aber schließlich an seinem Desinteresse scheiterte. Was das Wissen über Pflanzen angeht, kennt er sich im Nordosten des Kontinents recht gut aus, da er sich schließlich größtenteils von ihnen ernährt. In fremdem Gebiet beobachtet er seine beiden Begleiter. Was sie nicht fressen, fasst auch er nicht an… Eine Philosophie die ihn schon mehr als einmal den Magen verdorben hat, sodass er nach seinem Wildnisjahr sehr viel vorsichtiger geworden ist und er nun keine fremden Pflanzen mehr zu sich nehmen würde, wenn er sich nicht zuvor versichert hat das sie seinem Magen auch zuträglich sind. So ist er bisher ganz gut zurechtgekommen. Wenn er es darauf anlegt kann er sich im Wald bewegen wie ein Teil davon, nicht wie ein Fremdkörper. Der Wald ist für ihn zur Heimat geworden, ein sicherer Ort in dem er die Regeln des Lebens kennt, versteht und sich ihnen anpassen kann, das städtische, oder zivilisierte Leben, wie es manch einer bezeichnen würde, ist ihm dagegen vollkommen fremd.

Yasha kann gut singen. Mit seiner kindlich klaren Sopranstimme vermag es der junge Vampir sein Publikum zu fesseln. Wenn er sich an den Straßenrand stellt und seine Stimme anmutig durch die Nacht zu tanzen scheint, verharren die Passanten meist um ihm gebannt zu lauschen. Er weiß seine Stimme durch die häufige Verwendung in Vorstellungen und intensives Training einzusetzen. Wenn er erst einmal zu singen begonnen hat, fällt es schwer sich der betörenden Harmonie dieser Stimme zu entziehen, in die sich nur sehr selten ein Missklang einschleicht.
Er ist ein geübter Reiter und Schwimmer. Das Tauchen bereitet ihm dagegen noch deutliche Probleme. Zwar kann er sich unter Wasser koordiniert und auch einigermaßen schnell fortbewegen, doch mangelt es ihm noch an der richtigen Atemtechnik und dem ausreichenden Lungenvolumen um für einen längeren Zeitraum die Luft anhalten und damit unter Wasser bleiben zu können. Er übt sich darin, da ihn die Welt unter Wasser fasziniert.
Lesen, Schreiben und Rechnen hat er noch während seiner frühen Kindheit in Lun Daria gelernt. Obgleich er leidlich gut im Umgang mit Zahlen ist, kann er nicht mit Geld umgehen. Dafür gibt es einen einfachen Grund. Er hat es nie gelernt. Da er weitgehend abgeschottet von der Zivilisation, zuerst an einem abgelegenen Ort in der Einöde und dann in einer abgeschlossenen Zirkusgemeinschaft, aufgewachsen ist, ist er nur mit dem Tauschhandel vertraut. Zeit seines Lebens bestand die einzige Währung mit der er sich wirklich auseinandersetzte im Tausch von materiellen Gütern oder dem Handel mit Gefallen. Deshalb könnte er den rein rechnerischen Anteil des Geldhandels vermutlich rasch begreifen, doch dessen praktische Umsetzung ist das eigentliche Problem. Er kann den teilweise nur symbolischen Wert der Münzen nicht auf den materiellen oder ideellen Wert der zu kaufenden Objekte übertragen.

Yasha beherrscht kein gängiges Handwerk. Er kann gut genug mit Nadel und Faden umgehen um seine eigene Kleidung und Ausrüstung Instand halten zu können, doch Geld verdienen ließe sich damit nicht. Mit seinen akrobatischen Fähigkeiten und dem Talent mit so ziemlich allem zu jonglieren das man ihm in die Hand drückt, könnte er sich vielleicht als freier Straßenkünstler verdingen, doch als Handwerk zählt das streng genommen auch nicht.

Kampffähigkeiten
Der junge Vampir ist kein Krieger. Er wandelt im Schatten und meidet die offene Konfrontation mit Waffen wo er kann. Zwar ist er ein äußerst geschickter Messerwerfer und ein passabler Messerkämpfer, doch kann er mit seiner geringen Kraft und Größe nicht darauf hoffen mit diesen Fähigkeiten gegen ein Schwert oder einfach nur einen Gegner bestehen zu können der ihm an Kraft und Größe weit überlegen ist. Was in seiner Situation leider auf so ziemlich jeden zutrifft… Kommt es doch einmal zu einer solchen Auseinandersetzung, verlässt er sich auf sein akrobatisches Geschick und seine Schnelligkeit. Um solche Situationen zu vermeiden, wird er jedoch stets versuchen einen potentiellen Gegner aus der Ferne oder von hinten außer Gefecht zu setzen.
Um jemanden zu verwirren oder einfach nur durch einen kleinen unerwarteten Schmerz abzulenken, sind auch seine Wurfnadeln nicht zu verachten. Schmal, lang und spitz stellen sie, außer bei einem sehr unglücklichen Treffer ins Auge, kaum eine wirkliche Gefahr da.
Yashas Kettenwaffe kommt im Kampf zurzeit nicht zum Einsatz, da er mit ihr noch nicht wirklich umgehen kann und die Gefahr sich selbst zu verletzen deshalb zu hoch wäre.



Magie/Zauber
Als Taurrin ist Yasha von Geburt an nicht dazu in der Lage Magie zu wirken.



Zirkus Wintersonne
Wintersonne ist ein mittelgroßer Zirkus. Trotzdem gehört er in den Nordreichen zweifelsohne zu den bekannteren. Es liegt größtenteils daran, dass man in einer seiner Vorstellungen Kreaturen zu sehen bekommt, die man dort oben andernfalls eher selten beobachten kann. Wenngleich den Zuschauern nie so ganz klar ist, welches der seltsamen Wesen, dass sie vor sich sehen in Wahrheit auch so aussieht wie es scheint und welches nur einer raffinierten Verkleidung entspringt, macht doch das exotische Aussehen der Artisten die Vorstellungen recht interessant. Eines seiner Aufnahmekriterien, welches besagt das ein Anwärter nur dann Aufnahme in die Truppe finden kann, wenn er nicht zur Gänze menschlicher Abstammung ist, hat dazu sein Übriges getan.
Der Zirkus hat einen interessanten Status im Machtgefüge des Ostens, der sich von dem anderer Zirkusgruppen unterscheidet. Denn zur Wintersonne kommt nicht nur wer sich an einer Vorstellung erfreuen möchte, sondern auch jener, der gewisse Dienstleistungen benötigt. Ob es sich dabei um Informationsbeschaffung, das Streuen falscher Informationen, Diebereien und Einbrüche, Botendienste oder auch Sabotageakte handelt ist einerlei. Die Mitglieder der Organisation Frostschatten sind Söldner, die sich nur dem Direktor des Zirkus, der gleichzeitig Anführer ihrer Organisationen ist, verpflichtet fühlen. Stimmt die Bezahlung ist, abgesehen von Mord oder Entführungen, so ziemlich alles im Bereich des Möglichen. Von dieser Organisation innerhalb des eigentlichen Zirkus, wissen jedoch nur wenige.

Geschichte
In den rund 450 Jahren, die seit der Gründung des Zirkus Wintersonne vergangen sind, wurde er ausnahmslos von Wüstenelfen der Familie Sonnglas geführt. Aktuell wird das Unternehmen in vierter Generation von Laeon Sonnglas geführt.
Die Geschichte des Zirkus begann in der Wüstenstadt Aysibrir mit dem jungen Wüstenelfen Wyn Sonnglas. Hineingeboren in eine wohlhabende Kaufmannsfamilie, lernte der Elf bereits in früher Jugend einiges über all die fremden Länder und Völker in denen sein Vater beruflich unterwegs war. Als Vierter von insgesamt fünf Söhnen, gab es für ihn keine fest vorgezeichnete Zukunft. Weder zwang man ihn das Familienunternehmen weiterzuführen, noch musste er der Familientradition folgend Tempel- oder Armeedienst verrichten. Da seine Familien so recht nichts mit ihm anzufangen wusste, er sich für das Familiengeschäft nicht wirklich interessierte und ihm abgesehen davon das Klima in seinem Heimatland nicht gut bekam, verließ er sein Geburtsland bereits im Alter von 30 Jahren. In den Nordreichen angekommen versuchte er sich in verschiedenen Berufen, bevor er schließlich dem fahrenden Volk beitrat. Ihre Lebensart gefiel ihm, besonders hatten es ihm jedoch die durch das Land ziehenden Zirkusgruppen angetan und so dauerte es nicht lange bis er beschloss seinen eigenen zu gründen. Mit dem Geschäftssinn und Geschick eines Kaufmannssohnes wurde aus dem groben Entwurf im Verlauf von nicht einmal 15 Jahren ein gut funktionierendes Unternehmen. Dabei setzte er sowohl auf Bewährtes, wie etwa der Einsatz von exotischen Tieren und Akrobatik, dachte sich jedoch auch Neues aus um seinen Zirkus von den anderen abzuheben. Darunter fällt zum Beispiel, dass er sich redlich Mühe gab die Angehörigen aller möglichen Völker zum Beitritt in seiner Zirkusgemeinschaft zu motivieren und damit den exotischen Part von den gezeigten Tieren auf die Darsteller auszuweiten.
Damit war die Wintersonne während ihrer ersten Jahre zwar ein etwas ungewöhnlicher Zirkus, doch auch nicht mehr als das. Das änderte sich erst mit der Gründung der Organisation Frostschatten. Auf die Idee kam der gealterte Patriarch durch einige Denkanstöße seines jüngsten Sohnes, der sich zwar als Meldereiter in der Armee Mérindars schon lange vom Lebensstil des fahrenden Volkes abgewandt, dabei jedoch nie vollständig den Kontakt zu seiner Familie abgebrochen hatte. Die Wichtigkeit, sowie der immense Nutzen präziser Informationen brachten Wyn ins Grübeln.
Anfangs bestand „Frostschatten“ lediglich aus drei vertrauenswürdigen Artisten, die der alte Patriarch für seine Ideen zu begeistern können und ihre Aufgabe bestand auch lediglich darin Informationen zu sammeln die der Elf gewinnbringend zu verkaufen suchte. Es sollte jedoch lange, bis über seinen und sogar noch den Tod seines ältesten Sohnes hinaus dauern, bis sich der Zirkus und seine Organisation soweit etabliert hatten das ist ein wirklich lukratives Geschäft darstellte. Somit war es an der dritten Generation der Sonnglas Familie die Organisation auszubauen und diese Generation war es auch, die sie zu dem machte was sie heute ist. Kalim Sonnglas sorgte dafür das nur noch Kinder in die Organisation aufgenommen und dort zu absoluter Treue ausgebildet wurden. Er führte die Spezialisierung für einige Mitglieder ein und überwachte ihre Ausbildung persönlich. Auch die Idee, sich in der Entscheidung ob ein Kind in die Organisation aufgenommen werden sollte durch unabhängige Wesensprüfer helfen zu lassen, stammt von ihm. Diese sogenannten Wesensprüfer mussten stets selbst langjährige Mitglieder des Zirkus sein, ohne jedoch zur Organisation gehören zu dürfen. Damit schuf er eine neue Gruppe von Mitwissern die er, um sie unter Kontrolle halten zu können, sehr klein hielt. Daher verfügte er persönlich das es zu jeder Zeit maximal drei von ihnen geben dürfte, zwei vollständig ausgebildete und einen, der sich in der Ausbildung befand. Dabei nutzte er sie nicht nur für die Organisation, sondern auch für jene, die sich um die Aufnahme in die Zirkusgruppe selbst bewarben. Auch sollten sie selbst keine Artisten sein, sondern dem Direktor lediglich im Bereich der Administration unterstützen.
In den folgenden Jahren wuchs ihre Bekanntheit an den richtigen Stellen. Auch jetzt dauerte es wieder seine Zeit, doch schon bald trug das strenge Auswahlverfahren seine Früchte und die Organisation erarbeitete sich einen guten Ruf. Sie stand für Zuverlässigkeit, Präzision und absolute Verschwiegenheit. Genau die Art von Ruf die einem in diesem Gewerbe gut zahlende Kunden einbringt. Auch der eigentliche Zirkus erfreut sich aufgrund seines langen Bestehens einiger Bekanntheit, sodass seine Vorstellungen meist gut besucht sind und man sich als Mitglied desselben um pünktliche und vollständige Bezahlung der eigenen Arbeit kaum Gedanken machen muss.

Vorstellungen
Exotische Darsteller, exotische Tiere, Akrobatik und dergleichen mehr, als dies bekommt man während einer Vorstellung geboten, wie man es von einem richtigen Zirkus erwartet. Dabei wird innerhalb der Wintersonne im Bereich der Tiere zumeist auf Pflanzenfresser gesetzt. Wer also nach tierischen Raubtieren, deren Größe die einer gewöhnlichen Straßenkatze überschreiten, Ausschau hält sollte sich wohl einen anderen Zirkus suchen.
Zum Repertoire gehören jedoch auch Geschichten der verschiedensten Art, sowie die bekannte Geschichte verschiedener Teile des Kontinents, die in Theaterstück-Form mit Gesang und Schauspiel aufgeführt werden. Wobei Ersteres für gewöhnlich überwiegt. Da sich der Zirkus jedoch meistens für mehrere Tage, selten mehr als eine Woche, an einem Ort aufhält, kann der Besucher selbst auswählen wann und welche Art von Vorstellung er besuchen möchte.
Wenn sich dieser Zirkus in der Stadt befindet, sind oft mehrere seiner Mitglieder in verschiedenen Schenken und Wirtshäuser des Ortes zu finden, wo sie sich ganz der Tradition des fahrenden Volkes folgend, mit ihrer Musik einen kleinen Zusatzverdienst erspielen.

Mitglieder
Die Artistentruppe dieses Zirkus besteht aus einer bunten Mischung aus Angehörigen der verschiedensten Rassen aus allen Winkeln des Kontinents. Die große Mehrheit bilden hierbei Angehörige der verschiedenen Elfenvölker und Mischblütige, die zum Teil auch menschliches Blut in sich tragen. Auch ein paar Taurrin-Familien reisen dauerhaft mit der Truppe. Doch sind weder Elfen, noch Katzenelfen oder Mischlinge in den Nordreichen als Teil des fahrenden Volkes ein seltener Anblick. Die Ork-Familie und das Lyr-Pärchen, sind da schon etwas außergewöhnlicher. Die ungewöhnlichsten Mitglieder sind jedoch unbestritten die junge Lezardoi-Artistin Kil‘juna und die Alepoúri-Zwillinge Beon und Laeya.
Im Grunde hat jedes Mitglied seine eigene Geschichte, die erklärt wie und warum es zur Wintersonne gekommen und geblieben ist. Doch lässt sich zumindest bei den exotischeren Mitgliedern ein gewisses Muster erkennen. So ist es unter anderem Tradition, dass der Direktor sich auf der Suche nach neuen Mitgliedern auf allen möglichen Sklavenmärkten umschaut, in deren Nähe der Zirkus gelangt. Auch begibt er sich jedes Jahr in den Wintermonaten auf eine Reise in weiter entfernte Gebiete, wo er nach neuen Mitgliedern oder auch interessanten Tieren Ausschau hält.
Das Zusammenleben folgt einer einfachen Ordnung. An der Spitze der ganzen Organisation steht der Direktor, der Wüstenelf Laeon. Das Leben der Übrigen lässt sich in drei großen Gruppen zusammenfassen. Die Erste besteht aus den eigentlichen Schaustellern, also sämtlichen Schauspielern, Musikern, Artisten und Tiertrainern. In die zweite Gruppe fallen all jene, die zwar mit dem Zirkus umherreisen, aber nicht auf der Bühne zu sehen sind, zum Beispiel jene, die für die Verwaltung zuständig sind, der Koch, die Kostüm-und Maskenbildner, die Tierpfleger und so weiter. Beide Gruppen haben eine Art ungeschriebenes Gesetz zur inneren Organisation. Dabei gilt, vereinfacht gesagt, je länger eine Person schon festes Mitglied in einer Gruppe ist, desto mehr hat sie dort auch zu sagen. So soll gewährleistet werden das die Erfahreneren sich um Neulingen kümmern und diese ausbilden ohne das mit jedem Neuen, der einer Gruppe beitritt, ein Hierarchie-Streit losbricht. Es führt mitunter zu Problemen, wenn sich ältere Personen dem Zirkus anschließen, die der Meinung sind aufgrund ihres Alters eine gewisse Vorrechtstellung gegenüber Jüngeren zu haben, doch bisher ist es den Gruppen gelungen Probleme dieser Art zu lösen, ohne dass sich der Direktor zum Eingreifen genötigt sah. Kinder werden mit dem offiziellen Beginn ihrer Ausbildung zu so genannten „Anwärtern“, bis sie diese beendet haben. Damit stehen sie in der Hierarchie ganz unten. Die dritte Gruppe besteht aus den Mitgliedern der OrganisationFrostschatten . Die ersten beiden Gruppen koexistieren und arbeiten zusammen, haben aber zum größten Teil keine Kenntnis von der dritten Gruppe, während die Mitglieder der dritten Gruppe unweigerlich auch zu einer der anderen beiden Gruppen gehören und somit um einiges mehr über „ihren Zirkus“ wissen.

Jahresrhythmus und Winterquartier
Der Lebensrhythmus des Zirkus wird von der Jahreszeit bestimmt. In den warmen Sommermonaten durchwandert er Mérindar, Cathrad, Córalay und die nördlichen Ausläufer des Waldes von Sieryan. Dabei folgt er nicht jedes Jahr derselben Route, stattdessen wird sie jedes Jahr in der Winterpause für das Folgejahr neu festgelegt. Mit dem Ende des Sommers ist die Zeit der Wanderung vorbei und der Zirkus beginnt sich auf den Rückweg zu seinem Winterquartier zu machen. Es liegt zwischen der der Kleinstadt Andra und dem Midland-Hügel im Fürstentum Suryan, nahe genug an der Stadt um sich dort versorgen zu können, jedoch nicht nahe genug das jeder Bewohner der Stadt Auskunft darüber geben könnte wo sie im Winter zu finden sind. Der Plan sieht meistens vor, dass sie zur Mitte oder gegen Ende des Herbstes dort eintreffen. Dort verweilen sie bis das Heraufziehen des Frühlings vom Ende des Winters kündet und sie sich mit steigenden Temperaturen wieder auf den Weg machen.
Bei dem Winterquartier handelt es sich um einen großen Gutshof mit Stallungen und großen Scheunen, die genug Platz bieten um die Wagen und die Ausrüstung über den Winter dort zu lagern. Auch bieten die Stallungen genug Platz für die Tiere, während die zweibeinigen Mitglieder des Zirkus reichlich Platz im Gutshaus und den angrenzenden Gesindehäusern finden. Das Anwesen hat der Gründer des Zirkus gekauft, kurz nachdem er seine Heimat verlassen hatte um im Osten sein Glück zu machen. Während der Zirkus in der warmen Zeit des Jahres auf Reisen ist, bleiben immer einige zurück. Zumeist handelt es sich um Alte und Kranke, wobei Letztere wenn sie genesen sind, der Truppe meist hinterherreisen, sowie Verletzte oder ebenfalls zu alt gewordene Tiere. Abgesehen von Ihnen bleiben stets auch einige zum Schutz des Anwesens zurück. Während das Leben im Sommer dort also recht angenehm und ruhig verläuft, so ändert sich dies doch schlagartig sobald die gesamte Truppe auf einen Schlag zurückkehrt. In dieser Zeit geht es auf dem großen Anwesen sehr geschäftig zu. Es wird viel Zeit darauf verwendet die Ausrüstung zu warten und an den eigenen Fähigkeiten zu arbeiten. Doch besonders wichtig ist diese Zeit für die Frostschatten. Sie haben schließlich den Rest des Jahres damit verbracht auf der einen Seite ihrem alltäglichen Tagwerk und den Aufgaben in der Zirkusgemeinschaft nachzugehen um danach, wenn die anderen Zeit hatten sich von ihren Auftritten zu erholen oder womöglich schon die nächsten zu planen, im Auftrag des Direktors für die Organisation einen Auftrag nach dem anderen zu erfüllen. So werden sie in der Winterpause meist möglichst unauffällig von den meisten Tagesaufgaben befreit um zu gewährleisten, dass sie sich ein wenig erholen und die restliche Zeit für Training nutzen konnten.

Die Frostschatten
Die Frostschatten sind eine Organisation von Söldnern innerhalb des Zirkus Wintersonne. Ihre Existenz ist nicht allgemein bekannt, innerhalb des Zirkus wissen nur die engsten Vertrauten des Direktors, der Direktor selbst und die Mitglieder der Organisation von ihr. Im fahrenden Volk munkelt man über das Bestehen einer solchen Geheimorganisation, doch ist nicht bekannt wo sie zu finden ist, ob es sie überhaupt gibt oder wer Teil davon ist. Es gibt einige Mitglieder des Adels, die um ihre Existenz wissen. Zumeist haben sie ihr Wissen durch Mundpropaganda oder persönlichen Kontakt mit dieser Organisation erhalten (bzw. haben deren Dienste bereits einmal in Anspruch genommen). Für ein solches Adelsmitglied besteht die Möglichkeit an bestimmten Orten oder durch bestimmte Personen mit ihr in Kontakt zu treten. Doch auch dafür ist es erforderlich, dass man zuvor das genaue Prozedere kennt und sich auch daranhält, da eine Kontaktaufnahme ansonsten gar nicht zu Stande kommt. Die einzige Ausnahme bildet der Ort an dem sich der Zirkus zurzeit aufhält. Denn dann befindet sich eine Kontaktperson im teuersten Gasthaus der Stadt. Nun stellt sich natürlich die Frage, wie kann etwas so Kompliziertes erfolgreich sein? Die Antwort ist vergleichsweise einfach. Die Herrscher verschiedener Länder, Fürstentümer und Provinzen… ja gelegentlich schon einfacher Burgen beschäftigen Spione um das Weltgeschehen im Blick zu behalten, Intrigen und dergleichen zuvorzukommen und so weiter. Und in diesen Kreisen ist die Organisation Frostschatten nicht nur sehr bekannt, sondern wird auch für ihre Zuverlässigkeit und Schnelligkeit geschätzt.

Um bei der Auswahl neuer Mitglieder die Gefahr einer Fehleinschätzung möglichst gering zu halten, zieht der Direktor stets einen Wesensprüfer hinzu bevor er seine endgültige Entscheidung fällt. Es gibt stets drei Wesensprüfer: zwei vollständig ausgebildete, von denen einer im Winterquartier verbleibt, während der andere mit dem dritten Wesensprüfer, der sich noch in der Ausbildung befindet, und dem Zirkus durch die Lande zieht um seine eigene Ausbildung zu beenden. Sie werden speziell in der Begutachtung von Fähigkeiten körperlicher und geistiger Natur geschult. Als Mitglieder kommen nur sehr junge und damit formbare Mitglieder der Gemeinschaft infrage, da sie von Beginn an zu absoluter Loyalität dem Direktor gegenüber erzogen werden sollen. So ist es auch mehr als unüblich, dass ein Auserwählter die Ausbildung nicht besteht. Wer sich im Nachhinein als unpassend erweist wird stillschweigend liquidiert und nie mehr wiedergesehen, doch das kommt nur sehr selten vor, da die Auswahlkriterien ohnehin extrem anspruchsvoll sind. Ist ein geeigneter Kandidat gefunden, so ist es die Aufgabe des Wesensprüfers ihn einige Wochen zu studieren, sich anschließend mit dem Direktor über die mögliche zukünftige Verwendung oder die Untauglichkeit der Person zu besprechen und dann, wenn nichts Anderes mehr dagegenspricht, ein sehr langes und intensives Gespräch mit dem möglichen Kandidaten zu führen. Der Ausgang dieses Gesprächs entscheiden dann darüber ob der Kandidat eingeweiht wird oder nicht. Wird der Kandidat eingeweiht, so folgt eine Ausbildung deren Dauer von den persönlichen Fähigkeiten abhängt. In der Regel zwischen zwei und vier Jahren, doch es gab auch schon Fälle in denen die Ausbildung nur ein knappes Jahr dauerte. Die Ausbildungszeit unterscheidet sich sehr von dem Werdegang der anderen Anwärter, da sie in sehr jungen Alter stattfindet wo das Kind noch nicht viele Aufgaben zu erledigen hat. Je nachdem in welche der beiden anderen Gruppen der Kandidat nach Ende seiner Ausbildung gehören soll, beginnt meist zur Hälfte seiner Lehrzeit parallel eine Anwärter-Ausbildung in der jeweiligen Gruppierung, sodass er mit Beendigung seiner Frostschatten-Ausbildung bereits zu einer der anderen Gruppen gehört und seine Fähigkeiten damit kein Aufsehen erregen.
Mit dem Ende der Ausbildung kommt eine Abschlussprüfung, bei das Kind allein einen Auftrag ausführen muss. Um welche Art es sich dabei handelt, hängt davon ab für welchen taktischen Bereich des ausgebildet wurde. Gab es mehrere dieser Bereiche, so liegt die Wahl der Prüfung an Direktor. Nach der bestandenen Prüfung erhält das Kind in einem Aufnahmeritual einen neuen Namen und eine Tätowierung. Die Tätowierung besteht aus einem stilisierten Tier, das in direktem Zusammenhang mit dem Namen steht. Ein typischer Frostschattenname wäre beispielsweise Tanzender Vogel. Wobei das erste Wort für eine hervorstechende Eigenschaft oder Fähigkeit, das zweite für das zugeordnete Tier steht, welches wiederum dem Charakter zugeordnet wird.



Vergangenheit
Das Leben eines Taurrin ist zu kurz um es zu verschwenden. Dein Lebenslicht mag im Vergleich zu anderen Rassen nur kurz brennen, dafür aber umso heller. Dein Volk ist anpassungsfähig und nimmt es auch mit Situationen auf vor denen jene zurückschrecken, denen die Natur ein längeres Leben beschieden hat als euch. Warum, mein Sohn, sollte ich dich also verstoßen? Du bist noch immer mein Licht am Ende der Nacht Yiska und das wirst du auch immer bleiben. Ich vertraue dir, dass du dich niemals zur Gänze der Dunkelheit zuwenden wirst die nun in dir wohnt“, das waren die Worte meiner Mutter nachdem sie mich dabei ertappt hatte wie ich unserer schlafenden Mitbewohnerin meine Zähne in den Arm schlagen wollte. Anstatt hysterisch zu schreien, wie ich es eigentlich erwartet hatte, packte sie mich entschlossen am Arm und zerrte mich aus dem Raum um mich draußen nur vorwurfsvoll anzusehen bis ich ihr schluchzend alles gestand. Heute kann ich nicht sagen was ich erwartete als ich geendet hatte, ich weiß nur noch, dass ich zitternd vor ihr stand und die Tränen nur mühsam zurückhielt. Auf jeden Fall nicht das sie mir ein feines Lächeln schenken und mich dann tröstend in die Arme schließen würde. Meine Mutter war speziell…
Aber ich schweife ab, vielleicht sollte ich diese Geschichte nicht mit Details, sondern mit dem Wesentlichen beginnen. Mein Name ist Yasha und ich bin Verflucht. Damit ist im Grunde alles gesagt, doch, wenn ich meine Lebensgeschichte damit beende, wirst du mir vermutlich bis ans Ende meines Lebens damit in den Ohren liegen. Also kann ich es auch jetzt gleich hinter mich bringen…

Na gut, dann will ich mal anfangen. Zunächst solltest du wohl wissen das jene Frau die ich Mutter nenne nicht die ist, die mich geboren hat. Trotzdem ist sie die einzige Mutter die ich jemals gekannt habe, was sie zu der wichtigsten Person meines Lebens machte. An meine richtigen Eltern erinnere ich mich nur noch verschwommen und das ist wohl auch besser so. Schließlich sind sie, wenn auch nur indirekt, Schuld daran das ich zwei viel zu lange Fangzähne und das anhaltende Verlangen nach Blut mit mir herumschleppe. Das wenige was ich über sie zu wissen glaube stammt aus einer Erzählung meiner Mutter, die mir ihre Vermutung über meine Herkunft im Alter von acht Jahren mitteilte, als wir schon mit dem Zirkus Wintersonne die Lande bereisten.
Doch zuvor, wisse dies: Meine Mutter und ich stammen aus der Einöde. Sie selbst, geboren mit dem verräterischen roten Haar eines Drachenerben hatte es in ihrem Geburtsland Arcanis nicht leicht. Meinen bohrenden Fragen über ihre Vergangenheit wich sie meist aus und das wenige was ich über sie in Erfahrung bringen konnte, reichte aus um meine kindliche Neugier im Keim zu ersticken. So kann ich dir nur wenig über die Frau erzählen, die für mich die Welt bedeutete. Ihre Eltern waren Bauern. Gläubige Menschen, jedoch nicht fanatisch. Sie versteckten ihre kränkliche Tochter jahrelang, färbten ihr das Haar und taten alles Menschenmögliche um zu verhindern das irgendwer herausfand was sie war. Die anderen Dorfbewohner kannten sie als kränkliches Mädchen das gern kochte und häusliche Arbeiten verrichtete. So war es auch nicht weiter verwunderlich das ihre Eltern sie, als sie alt genug war, bei der örtlichen Schneiderin in die Lehre gaben. Doch es kam wie es kommen musste. Als junge Frau verliebte sie sich in einen jungen Soldaten. Die beiden heirateten und sie zog mit ihm fort ohne ihm zuvor von ihrem Geheimnis berichtet zu haben. Sie erklärte ihm das sie ihre Haare ständig färben müsse, weil sie bereits in früh ergraut seien und es ihrem Schönheitsideal widerspräche als junge Frau mit grauen Haaren umherzulaufen. Und er glaubte ihr… Die Täuschung gelang erstaunlich lange. Genau genommen bis zu der Geburt ihres ersten Kindes. Jenes Kindes das mit flammenfarbenen Augen und rotem Haar geboren wurde. Es lebte keine halbe Stunde, da ihr Mann es trotz aller Proteste und lautem Geschrei ihrerseits ermordete und anschließend verbrannte. Danach war nichts mehr wie zuvor. Er war ihr gegenüber misstrauisch und begann an ihrem Glauben zu zweifeln. Er gab ihr und ihrer lockeren Einstellung zur Lehre der Zwei die Schuld an der Geburt des Bastard-Kindes, wie er es verächtlich nannte. Er wurde zusehends launisch, schlug sie, wenn ihm danach war und behandelte sie schlecht. Trotz allem liebte sie diesen Mann. Er war ihr ein und alles, auch wenn sie nun noch akribischer darauf achten musste, das er nicht zugegen war, wenn sie ihr Haar färbte und sie den richtigen Zeitpunkt dafür nicht verpasste. Das ging noch etwa drei Jahre gut. Drei Jahre voller Schmerz und Leid, welches ihre Liebe zu ihm gründlich ausrottete, in denen sie ihr Schicksal zu verfluchen begann und sich doch nicht traute ihn zu verlassen, bis ihr die Entscheidung abgenommen wurde. Damals muss sie etwas über 30 Jahre alt gewesen sein. Von einer lang anhaltenden schweren Krankheit auf ihr Lager gezwungen, vergaß sie sich das Haar zu färben. Irgendwann bemerkte ihr Mann den roten Haaransatz, doch er sagte zunächst nichts. Etwa einen Monat lang, während sie sich von den Auswirkungen der Krankheit erholte, ließ er sie in Frieden und sie dachte schon ihr Leben würde sich nun wieder verbessern, bis sie sich von ihrem Lager erheben konnte und das erste Mal seit langem in den Spiegel blickte. Sie sah den roten Ansatz, sah ihren Mann der mit ausdruckslosen Gesicht hinter ihr stand und begriff.
Infolgedessen schlug er sie, wie er sie noch nie zuvor geschlagen hatte… Er brachte sie wohl bis an den Rand des Todes, schor in den Kopf kahl und warf sie anschließend aus ihrem Haus mit dem Versprechen sie zu töten, sollte sie jemals wiederkehren. Das folgende Jahr irrte sie im Land umher. Überall wurde sie abgewiesen und sobald ihr Haar nachwuchs erkannte man sie als das, was sie war. Niemand war bereit sie aufzunehmen und nach Hause konnte sie nicht zurückkehren, da sie ihre Eltern nicht noch weiter in Schwierigkeiten bringen wollte als sie sie ohnehin schon vermutete. Schließlich gab sie auf und floh. Sie floh nach Norden, weit über die Landesgrenzen von Arcanis hinaus und irrte eine Zeit lang durch die Einöde. Schließlich fand sie in Lun Daria eine neue Heimat. Das Leben dort war hart und die Bewohner des Ortes verschlossen. Ein abweisender Ort in dem Vertriebene eine neue Heimat finden konnten. Zunächst nur geduldet, dauerte es Jahre bis sie dort akzeptiert wurde. Ihre Fähigkeiten als Schneiderin konnte man dort gut gebrauchen, also blieb sie. Es war eine kleine verschworene Gemeinschaft und doch wurde es für sie nie wirklich zur Heimat. Sie war eine Vertriebene unter Vertriebenen. Nach einiger Zeit kam sie dort zwar zurecht, doch das wonach sie sich sehnte konnte ihr der kleine Ort nicht geben. Wie ich das meine? Nun, Lun Daria ist eine Zuflucht, ein letzter Ausweg an den man sich flüchtet um seine Familie in Sicherheit zu bringen, oder sich selbst für eine Weile von dem schrecklichen Leben zu erholen das man führt. Doch kaum jemand bleibt dort. Die meisten Heranwachsenden verlassen den Ort sobald sie können, nehmen alles mit was sie dort gelernt haben und versuchen sich irgendwo ein besseres Leben zu schaffen… Wer bleibt ist in der Regel alt und verbittert oder so sehr vom Leben gebeutelt, dass er sich nirgendwo sonst mehr sicher fühlen kann. Meine Mutter wusste nicht wohin… Also blieb auch sie und wurde dort alt. Über 20 Jahre verbrachte sie dort, am Rande der uns bekannten Welt, bis mich ein Zufall und ein, zugegebenermaßen sehr kalter Fluss, in ihr Leben spülte.

Was an dieser Stelle folgt ist im Grunde nicht mehr als eine Geschichte… Eine Geschichte geboren aus einer Vermutung, zusammengereimt aus Erzählungen und untermauert mit dem Tod.
Ich wurde vermutlich an jenem Ort geboren, an den sich nur jene zurückziehen die keine Hoffnung und auch sonst im Leben nichts mehr haben, in der Einöde. Weit im Nordosten Alvaranias gelegen, verirrt sich selten jemand in die karge Trostlosigkeit dieses Ortes. Dort, mitten im Nichts, hatte sich eine Räuberbande ihren Rückzugsort geschaffen. Allzu groß kann sie nicht gewesen sein, vielleicht hatte sie zwischen 20 und 30 Mitgliedern, doch sie war gefürchtet und verhasst. Elfen, Menschen, Taurrin und vielleicht noch der ein oder andere Ork der übelsten Sorte hatten sich zusammengeschlossen um gemeinsam die Lande unsicher zu machen. Man nannte sie voller Furcht die Feuerteufel, denn wohin sie auch gingen, brachten sie das Feuer. Sie plünderten, brandschatzten und wenn ihnen nicht gefiel was es zu holen gab, mordeten sie gelegentlich. Ihre Raubzüge erstreckten sich über den äußersten Norden von Arcanis, den Nordosten der wilden Lande und große Teile Córalays. Dabei mieden sie Städte und größere Ansiedlungen, sie überfielen in der Regel mittelgroße bis große Dörfer. Sehr kleine Dörfer oder isoliert lebende Familien traf es dagegen vergleichsweise selten, da es dort einfach nicht genug zu holen gab um einen gut durchgeplanten und sorgfältig organisierten Überfall zu rechtfertigen. Das die Feuerteufel nicht zerschlagen wurden, lag einzig daran, das sie ihre Überfälle stets lange im Voraus zu planen pflegten, bevor sie sie ausführten. Die Menschen fürchteten sie, denn sie kamen in der Regel völlig unerwartet, schlugen schnell wie der Blitz zu, und waren wieder fort, ehe sich irgendeine Form von Verteidigung hätte organisieren können. Wenn sie doch einmal unerwartet auf Widerstand trafen, verwandelten sie das betreffende Dorf auf ihrer Flucht in ein einziges Flammenmeer. Eine Zeit lang wurde sogar gemunkelt, dass es sich bei ihrem Anführer List Schattenfeuer um eine monströse Kreatur handelte, die Feuer aus den bloßen Händen schleudern konnte. Ob das aber wahr ist… Ich weiß nicht. Auf jeden Fall lag das Hauptlager der Gruppe so tief in der Einöde, dass es nahezu unmöglich zu finden war.
Jahr um Jahr lebten die Bewohner der heimgesuchten Gebiete in Angst vor den Banditen, bis diese sich eines Tages das falsche Dorf aufsuchten. Entgegen der sonst üblichen Taktik, griffen sie dieses Mal ein winziges Dorf in der Einöde selbst an. Ein Dorf, das aus kaum mehr als fünf oder sechs Häusern bestand. Natürlich gab es dort nicht viel zu holen und so brannten die Banditen, unzufrieden mit der kargen Ausbeute das gesamte Dorf nieder, ermordeten die Bewohner und zerstörten die Felder. Als sie abzogen ahnten sie nicht welch gewaltigen Fehler sie damit begangen hatten. Denn sie hatten nicht alle Bewohner des Dorfes getötet… Ein Familienvater der ausgezogen war um im nächstgelegenen größeren Ort eine Kuh für das gesamte Dorf zu erstehen, kehrte wenige Stunden nach dem Abzug der Banditen von einer tagelangen Wanderung zurück. Als er in seinem zuhause eintraf, hatte der leichte Regen noch nicht einmal alle Feuer gelöscht. So stand er also da, in den Ruinen seines Dorfes. Er selbst ein Ausgestoßener, seine Familie ermordet, sein Dorf zerstört und sein Leben in Trümmern, gab es ab diesem Moment für ihn nur noch ein Ziel im Leben: Rache. Auf dem winzigen Dorfplatz fand er gut sichtbar das Markenzeichen der Banditen, welches sie stets nach der Beendigung eines Überfalls zurückließen. Auf eine lange Stange aufgespießt, wehte eine Pferdedecke im Wind, in die ein Flammensymbol eingebrannt war. Also machte sich der Mann auf dem Weg. Da er nun wusste wer seine Familie, seine Nachbarn und Freunde auf dem Gewissen hatte, musste er sich nun einer anderen Herausforderung stellen. Halb wahnsinnig vor Kummer und Zorn durchstreifte er den Nordosten des Kontinents, auf der Suche nach einer ganz speziellen Person. Letztendlich fand er seinen am Vampirismus erkrankten Bruder und bat ihn um Hilfe. Vor Jahren war er für diesen Bruder ins Exil gegangen, hatte dessen Schuld und dessen Taten auf sich genommen und war dafür gejagt worden wie ein Tier. Der Bruder wollte ihm zunächst nicht geben was er sich von ihm erbat, doch schließlich willigte er ein und infizierte ihn mit der Krankheit. Dem Mann war es egal, er brauchte die Kraft die sie ihm verlieh… Ihm war zu diesem Zeitpunkt bereits alles egal, wenn er nur seine Rache bekam. So machten sich die beiden Brüder schließlich auf die Jagd nach den Banditen. Es dauerte einige Zeit bis sie die Bande gefunden hatten, doch dann nahmen sie grausam Rache. Sie töteten einen nach dem anderen. Wer dem ersten Angriff entkam, den hetzten sie wie ein Jagdhund seine Beute. Jene Männer und Frauen zerstreuten sich in alle Winde, so dauerte es lange, bis die beiden auch noch die letzten von ihnen aufspüren konnten. Dabei wurde der Bruder des Mannes in einen Hinterhalt gelockt und erlag nach kurzem Kampf seinen Verletzungen. Da er nun endgültig alles verloren hatte was ihm jemals wichtig gewesen war, ging der Vampir nun mit der vernunftlosen Brutalität einer stumpfsinnigen Bestie vor und veranstaltete ein wahres Massaker unter den letzten Mitgliedern der Feuerteufel. Die letzte Banditin, eine flinke Katzenelfe, stellte er am Ufer jenes namenlosen Flusses, aus dem meine Mutter mich wenig später barg. Ich muss zu diesem Zeitpunkt etwa ein Jahr alt gewesen sein. An meine leiblichen Eltern erinnere ich mich kaum, eine erste glasklare Erinnerung besteht in dem kalten Wasser des Flusses, wie es langsam und kontinuierlich in den ledergepolsterten hölzernen Kasten eindrang, in dem ich lag und weinte. Dann war da das Gesicht meiner Mutter, als sie mich aus dem Kasten zog und mich wärmte.

Die folgenden drei Jahre meines Lebens verbracht meine Mutter und ich in dem Dorf Lun Daria. Für die alte Menschenfrau war es überaus befremdlich zu sehen, wie schnell ich wuchs. Trotzdem nahm sie sich meiner an und liebte mich als sei ich ihr eigener Sohn. Wissbegierig wie ich war, wollte ich alles um mich herum verstehen, erforschen und kennen lernen. Meine kindliche Neugier und schier unerschöpfliche Energie zogen sie aus der stumpfen Lethargie und Eintönigkeit ihres bisherigen Lebens. Später erzählte sie mir, es sei einfach nicht möglich gewesen weiterhin Trübsal zu blasen und das eigene Schicksal zu verfluchen, weil ich ständig ihre Aufmerksamkeit forderte und sie immer wieder aufs Neue zu überraschen wusste. Durch mich hatte sie wieder eine Aufgabe, die sie Tag für Tag aufrecht hielt. Nun hatte sie wieder jemanden, dem es nicht egal war ob sie morgens aufstand und den Tag in Angriff nahm.
Es zeigte sich bereits früh, dass ich eine ganz besondere Beziehung zu den tierischen Einwohnern Lun Darias besaß. Meine Mutter bekam ein ums andere Mal beinahe einen Herzanfall, wenn sie sah wie ihr kleines blasses Elfenkind mit einem der gewaltigen Hofhunde unseres Nachbarn spielte, zumindest bis sie sah wie vorsichtig das riesige Tier sich in meiner Gegenwart verhielt. Während wir miteinander spielten, behandelte es mich liebevoll wie einen übermütigen Welpen. Ob ich nun an seinen Ohren zog, meine Finger in seinem Fell vergrub oder mich an seinem Schwanz festhielt, wenn er loslaufen wollte, all das ertrug er klaglos. Wenn es ihm doch einmal zu viel wurde, musste er mich nur mit seiner Schnauze einmal kräftig anstupsen, ich landete auf meinem Hosenboden und er hatte seine Ruhe. Und er war nicht der einzige, wie meine Mutter verwundert feststellte. Mal sah sie mich mit den Hoftieren unserer Nachbarn spielen, ein paar Tage später fand sie mich nach längerem Suchen im Stall eines anderen Nachbarn bei dessen Kuh, und gelegentlich irgendwo draußen, wo ich den Flug der Vögel beobachtete und ihnen ein ums andere Mal ein paar Körner unseres Hühnerfutters hinwarf. Tiere mögen mich einfach… Das ist schon immer so gewesen, soweit ich zurückdenken kann.
Als ich etwa das Niveau eines sechsjährigen Menschenkindes erreicht hatte, brachte sie mich zu einem alten griesgrämigen Elfen, dem es erstaunlich viel Spaß machte mich im Lesen, Schreiben und Rechnen zu unterrichten. Im Sommer, als die Temperatur des Meerwassers und des Flusses es einigermaßen zuließen, brachte mir ein Heranwachsender aus dem Dorf das Schwimmen bei. Mit seinen 15 Jahren war er nach mir der nächstjüngste Bewohner des Dorfes. Meine Mutter selbst brachte mir indes bei mit Nadel und Faden umzugehen. Das mir dieser Arbeit keinen Spaß machte, ließ sie nicht gelten… Ich durfte zwar allein draußen spielen oder etwas lesen, wenn mir danach war, aber sobald sie den Eindruck bekam das ich mich langweilte gab sie mir etwas zu tun damit ich nicht auf dumme Gedanken kam, wie sie es ausdrückte. Alles in allem war dies die sorgenloseste Zeit meines Lebens. Ich war der Liebling des ganzen Dorfes und mein Anblick vermochte es ein ums andere Mal jenen vom Schicksal Gezeichneten, die sich an den äußersten Rand der bekannten Welt zurückgezogen hatten, ein Lächeln zu entlocken. Aber wie hätte es auch anders sein sollen, ich war ein unschuldiges Kind…

Das änderte sich schlagartig, als ich etwa vier Jahre alt war. Denn zu dieser Zeit fand er mich. Meine Mutter und ich lebten am äußersten Rand des Dorfes, weil sie die Abgeschiedenheit und Stille dieses Ortes sehr zu schätzen wusste. An jenem Tag war sie zum Haus der neuesten Mitglieder unserer kleinen Dorfgemeinschaft aufgebrochen, die erst vor wenigen Tagen eingetroffen waren. Sie führten kaum etwas mit sich und die Kleidung die sie am Leibe trugen war kaum noch als solche zu erkennen. Das meine Mutter sich also auf den Weg gemacht hatte um dem Abhilfe zu schaffen, war nicht weiter verwunderlich… Ihr wäre es nicht im Traum eingefallen zu riskieren das irgendwer aufgrund von mangelnder Kleidung in der kalten Jahreszeit Schaden nahm. Also war ich allein. Die Geschichte ist im Grunde schnell erzählt. Ich hockte in der Scheune bei unseren kostbaren Hühnern und versuchte eben eine der vier Hennen zu überreden, ihr frisch gelegtes Ei herauszurücken als ich einen kalten Luftzug fühlte. Ich drehte mich um und sah ein paar schwere genagelte Stiefel keine zwei Meter von mir entfernt stehen. In diesen Stiefeln steckte ein riesenhafter Mann, der mit ausdruckslosem kantigen Gesicht auf mich herunter stierte. Ich kam nicht dazu mehr zu tun als in verwundert anzustarren, da traf mich auch schon seine Faust und ich ging zu Boden. Dann begann er mich nach allen Regeln der Kunst zu verprügeln, bis ich beinah die Besinnung verlor. Explosionsartiger Schmerz durchzuckte meinen Körper, ich blutete und vom panischen Gegacker der Hühner klingelten meine Ohren. Der Mann sagte kein Wort… Er schlug wieder und wieder zu ohne auch nur eine Miene zu verziehen oder einen Laut von sich zu geben. Als er mich schließlich an den Haaren packte und hochzog, keimte in mir die winzige Hoffnung auf, er würde es nun beenden. Stattdessen musterte er mich kurz als sei ich ein Insekt, welches er gleich unter seinem Stiefelabsatz zertreten wollte. Dann öffnete er leicht den Mund um mir zwei lange und viel zu spitz aussehende Fangzähne zu präsentieren, bevor er sie mir in die Schulter schlug. Wäre in meinen Lungen noch genug Luft gewesen um zu schreien, hätte der Schmerz der darauf folgte mich mit Sicherheit laut genug schreien lassen um das halbe Dorf zu alarmieren, zerschlagen wie ich war brachte ich jedoch nur ein ersticktes Wimmern zu Stande.
Warum?“, mehr als dieses gehauchte Wort brachte ich, halb besinnungslos vor Schmerz, nicht hervor. Da zog der Mistkerl doch tatsächlich seine Fangzähne aus meiner Schulter und brachte sein Gesicht ganz dicht vor meines. In seinen Augen stand ein Gefühl das ich in dieser reinen Form nie zuvor gesehen hatte: Hass. Bodenloser, herzloser Hass. Bei diesem Anblick zerbrach irgendetwas in mir und mir wurde schwarz vor Augen, doch leider kam die erlösende Ohnmacht nicht sofort. Ich kann heute nicht mehr sagen, was es genau war das mich in diesem Moment brach und in mir die Erkenntnis aufsteigen ließ das ich den nächsten Augenblicken sterben würde. Vielleicht war es tatsächlich der Hass in seinen Augen, vielleicht waren es die folgenden Worte oder auch die Krankheit die bereits durch meine Adern floss und mir eine neue Definition des Begriffes Schmerz ermöglichte… Dieses Rätsel werde ich wohl niemals lösen, aber das ist auch nicht weiter wichtig.
Jedenfalls hörte ich seine schnarrende Stimme dicht an meinem Ohr. „Warum?“, wiederholte er meine Frage mit emotionsloser Stimme: „Weil der Tod noch viel zu gut für dich ist Junge. Ich will das es dir, dem letzten Abkömmling des Abschaumes der meine Familie, meine Freunde und nicht zuletzt mein ganzes Dorf abgeschlachtet hat, genauso ergeht wie mir. Und das ist mir bisher ganz gut gelungen nicht wahr?“ Bis zu diesem Moment hatte ich nicht gewusst, dass jemand vollkommen gefühllos lachen kann. In diesem Lachen lag mehr als ein Hauch von Wahnsinn und in meinem Kopf existierte zu diesem Zeitpunkt nur noch ein einziger Gedanke. Ich wollte das die Ohnmacht endlich kam und ihm das Wort abschnitt, was sie natürlich nicht tat. Als er sich beruhigt hatte und fortfuhr war die Kälte vollständig aus seiner Stimme gewichen und hatte etwas fiebrig-wirres darin hinterlassen, was mein inneres Gebet, die Ohnmacht möge sich beeilen, noch eine Spur inniger werden ließ. „Ich habe deine Eltern getötet… Ich habe jedes Mitglied ihrer Gruppe, von den Alten die das Essen kochten über die Mordbuben die Dörfer überfielen, ausraubten und niederbrannten, bis hin zu den Kindern die nicht einmal alt genug waren um zu begreifen was ich mit ihnen tat, dahingemetzelt. Und dann, drei glückliche Jahre nachdem ich dachte, ich hätte das Pack vollständig ausgelöscht, hörte ich Gerüchte über ein Kind. Ein Taurrin-Kind mit seltsamen Ohren das die Bewohner von Lun Daria kurz nach der Vollendung meiner Rache aus den eisigen Fluten jenes namenlosen Flusses gezogen hatten, an deren Mündung das Dorf liegt. Eben jenes Flusses, an deren Ufer ich wenige Tage zuvor eine gewitzte Taurrin-Söldnerin gerichtet hatte, deren Ohren eine ganz besondere Form hatten. Also machte ich mich auf dem Weg um zu Ende zu bringen was ich begonnen hatte, aber unterwegs… Ja unterwegs kam mir der Gedanke das es meiner Rache einen viel süßeren Beigeschmack gäbe, wenn ich dir denselben Schmerz zuteilwerden ließe.“ Ich spürte nur noch undeutlich wie er mich mit einem Ruck von sich stieß. Während ich quer durch die Scheune flog hörte ich noch einmal sein wahnsinniges Lachen, bevor er mit den Worten: „Viel Spaß mit deinem neuen Leben als Blutsauger, kleiner Vampir“, für immer aus meinem Leben verschwand. Mein Flug endete mit einem harten Aufprall und der langersehnten Ohnmacht.
Als ich langsam wieder zu mir kam, wunderte ich mich zunächst das ich noch lebte. Als nächstes wunderte ich mich das ich nicht aufstehen konnte. Meine Beine versagten mir den Dienst, mein Kopf fühlte sich an als hätte man ihn gegen eine Wand geschlagen und mir war schlecht. Stunden vergingen, während ich mich nicht rühren konnte. Um mich her die gewöhnlichen Geräusche eines Hühnerstalls, gelegentlich einer seiner Bewohner der sich dicht neben mir niederließ um sein warmes Federkleid dicht an meinen Körper zu pressen, nur um einige Zeit später wieder aufzustehen und fortzugehen. Ich verlor immer mal wieder das Bewusstsein, daher hätte ich nicht sagen können wie lange ich dort lag, bis mich meine Mutter schließlich fand. Als sie, gefolgt von einem eiskalten Windzug, die Scheunentür aufriss hatten sich unsere fünf Hühner allesamt dicht um meinen Oberkörper gruppiert und ich hing in einem seltsamen Dämmerzustand. Der Anblick war ein Schock für sie. Ich blutete aus zahlreichen Wunden und mein Körper war übersät von schillernden Blutergüssen, Beulen und Schrammen. Auf keine ihrer Ansprachen reagierte ich… Ich nahm nicht wahr wie sie dicht an mich herantrat, die Hühner mit wilden Protestgegacker davonstoben, sie mich vorsichtig aufnahm und ins Haus trug.

Es dauerte eine gute Woche bis ich mich von den schlimmsten Verletzungen soweit erholt hatte, dass ich meine Lagerstatt verlassen konnte. Ich hatte noch immer mehrere gebrochene Knochen, doch glücklicherweise funktionierenden meine Beine noch einwandfrei, sodass ich mich aus eigener Kraft bewegen konnte. Natürlich wollte meine Mutter wissen was vorgefallen war. Sie versuchte wieder und wieder mich zum Sprechen zu bringen, doch alles was sie aus mir herausbekam war das ein Mann in unsere Scheune gekommen, mich ohne Vorwarnung angegriffen und halb totgeprügelt hatte, bevor er wieder verschwand. Ansonsten schwieg ich mich aus. Überhaupt war ich nach diesem Vorfall sehr schweigsam. Ich wurde Fremden gegenüber kontaktscheu. Keiner außer meiner Mutter durfte mich mehr anfassen… Ja, ich zuckte schon zusammen, wenn jemand nur in meiner Nähe die Hand hob um sie mir auf die Schulter zu legen oder dergleichen. Wann immer ich einen großen kräftigen Mann in Lederstiefeln erblickte, begann ich zu zittern und war stundenlang nicht ansprechbar. Meine Angst ging so weit, dass ich mich nach einiger Zeit von allem zurückzuziehen begann und meine Mutter mich kaum noch dazu bewegen konnte unser Haus zu verlassen.
Die ersten Symptome der Krankheit spürte ich vier Wochen nach dem Biss. Zumindest weiß ich heute das sie es damals waren. Mein Körper war inzwischen vollständig genesen, ein Umstand der im Dorf für einige Verwirrung sorgte, schließlich war ich mehr als übel zugerichtet gewesen. Man erklärt es sich einfach damit, dass ich ein Taurrin war. Immerhin hatten sie sich damit auch den schnellen Reifeprozess meines Körpers und Geistes erklärt, so nahmen sie es einfach hin. Um diese Zeit begann das Licht der Sonne immer öfter in meinen Augen zu schmerzen. Keine zwei Wochen danach fühlte sich selbst die winterliche Sonne unangenehm warm auf meiner bloßen Haut an, wenn sie vom wolkenlosen Himmel mit aller Macht auf mich herunterprallte. So begann ich vorsichtig Erkundigungen einzuholen. Noch immer mied ich Fremde und ganz besonders Männer, doch jene die mir seit Jahren bekannt waren, wie etwa mein Schwimmlehrer oder der alte Mann der mir so vieles über Lesen, Schreiben und Rechnen beigebracht hatte, ließ ich langsam wieder an mich heran und ging wieder regelmäßig zu meinen Unterrichtsstunden bei ihnen. Den alten Elf bat ich mir etwas über Vampire zu erzählen. Jenes letzte Wort mit dem mein Peiniger sich von mir verabschiedet hatte. Um meine Unwissenheit zu überspielen und gleichzeitig zu erklären woher ich den Begriff kannte, behauptete ich einfach er sei in einer Geschichte meiner Mutter vorgekommen und ich wolle sie nun damit beeindrucken, dass ich wusste wovon sie sprach, ohne das sie es mir erklären musste. Er unterschätzte mich stets, wie es die meisten Erwachsenen tun. Häufig war er verblüfft über meine rasche Auffassungsgabe und die geradezu unheimliche Geschwindigkeit mit der ich Dinge lernte, erklärte es sich aber immer wieder damit, dass ich ein Katzenelf sei und das für meine Rasse wohl normal wäre. So glaubte er meine fadenscheinige Erklärung ohne Hintergedanken zu vermuten. Was er mir erzählte, verlieh den Worten meines Peinigers einen Sinn.
Eines Abends, als wir noch spät zusammen an seiner Feuerstelle saßen kam er auf ein sehr wichtiges Thema zu sprechen, dessen Bedeutung für mich, mir jedoch erst Monate später klar wurde. Es ging um die Vermutung über den Ursprung der Krankheit und ihr Übertragungsart. Dabei war sich der alte Mann sicher, dass der eigentliche Biss noch keine Ansteckung verursachte, sondern diese erst in Verbindung mit dem Speichel der blutsaugenden Ungeheurer, wie er meine Art stets freundschaftlich nannte, was ich ihm im Übrigen nicht verdenken kann… seine ganze Wirkung entfaltete. Somit wäre jeder Biss ein potenzielles Risiko für die Erschaffung eines neuen Vampirs. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch Hoffnung, das Ganze würde sich als schlechter Scherz herausstellen. Wie naiv ich doch war…

Nach acht Wochen fiel mir auf, dass sich das Wachstum meiner Eckzähne scheinbar vervielfacht hatte. Innerhalb kürzester Zeit wandelten sie sich von normal langen spitzen Eckzähnen zu dolchartigen Fängen, mit denen ich mir ohne Mühe die eigene Zunge aufstechen konnte.
Und dann, ungefähr drei Monate nach dem Biss, begann in mir ein Hunger zu wachsen den ich nicht zu stillen wusste. Ich aß so viel ich konnte, sogar über die Grenze dessen hinaus was mein Magen vertragen konnte. So kam es vor das ich aß, aß und aß bis ich mich übergeben musste und dabei trotzdem noch immer hungrig blieb. Wonach es mich verlangte wurde mir erst klar, als sich meine Mutter in meiner Gegenwart mit einem Küchenmesser in den Finger schnitt. Der Geruch des Blutes fraß sich so gnadenlos in mich hinein, wie es der Geruch frisch gebackenen Brotes bei einem Hungernden tut. Das Verlangen war so stark das ich mit Entsetzen feststellte wie ich mich auf meine Mutter zubewegte und es einige Herzschlägen dauerte bis ich mich zwingen konnte stehenzubleiben. Während sie vor sich hin fluchte und zu intensiv mit ihrem verletzten Finger beschäftigt war um Notiz von meinem seltsamen Verhalten zu nehmen, zwang ich mich mit aller inneren Stärke die ich aufbringen konnte zum Rückzug. Nach den ersten zwei Schritten wurde aus diesem Rückzug eine Flucht. Ich rannte aus dem Haus, durch das Dorf und dann über die Ebene bis ich Lun Daria nicht mehr sehen konnte. In einem Hain voller windschiefer knorrige Bäume die einen kleinen Weiher umstanden, verhielt ich schließlich. Mein Herz raste und ich war nicht ganz bei Sinnen. Lange unbefriedigter Hunger tobte durch meinen Körper und ich zitterte unkontrolliert. Die schlanke Ricke war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Ich nahm jedes Detail der folgenden Attacke überdeutlich war, ohne auch nur den geringsten Einfluss auf meinen Körper zu haben. Ob es das nahezu lautlose Tappen ihre Hufe auf dem harten Boden oder der Geruch ihres Körpers war, der die Reaktion auslöste kann ich nicht sagen. Vielleicht war es auch beides gleichzeitig… Jedenfalls schnellte ich los wie ein abgeschossener Pfeil und schlug im nächsten Moment meine rasiermesserscharfen Fangzähne in ihre Flanke. Dabei entgingen mir weder die silbrigen Stellen in ihrem rotbraunen Fell, noch das schiere Entsetzen das in ihren Augen aufblitzte. Wie sie nach mir zu treten und mich zu beißen versuchte, bis sich meiner Kehle ein unartikuliertes Fauchen entrang und sie stocksteif stehen blieb. Sie rührte sich erst wieder als mein Hunger gestillt und ich von ihr zurückgetreten war. Ein Zittern durchlief ihren Körper und sie sprang davon, bevor mir allmählich ins Bewusstsein sickerte was ich da gerade getan hatte.
Von diesem Moment an habe ich gelogen. Von einigen der vorherigen Symptome hatte ich meiner Mutter erzählt, doch als ich einige Stunden später gesättigt nach Hause zurückkehrte, verlor ich kein Wort über meinen Fluch. Das es sich beim Vampirismus genau darum handelte war mir in dem Moment bewusstgeworden, als ich mir den Anblick des vor Angst erstarrten Tieres in Erinnerung rief. Es war auch der Tag an dem ich mir schwor, dass mich dieser Fluch nicht zu einem Mörder machen würde. In der folgenden Nacht hörte ich auch Chione zum ersten Mal. Um was es sich bei den Stimmen genau handelt weiß ich auch nicht. Vermutlich bin ich verrückt und bilde sie mir nur ein, doch es ist müßig darüber nachzudenken, schließlich hilft es mir nicht dabei sie loszuwerden und das will ich auch gar nicht, wenn ich ehrlich bin. Chione ist immerhin meine beste Freundin. Ich weiß nicht ob ich ohne sie in der Lage gewesen wäre das Trauma des Vampirangriffs zu überwinden.

In den folgenden drei Monaten lernte ich einiges über das Leben als Vampir. Unter anderem auch, das tierisches Blut den Hunger für wenige Tage verschwinden lässt, doch es nicht wirklich das ist wonach es mich verlangt. Es ist das Blut intelligenter aufrechtgehender Wesen nach dem es mich dürstet. Auch lernte ich das man, stellt man es nur geschickt genug an, einer Person die tief und fest schläft und, dass sollte ich vielleicht dazu sagen, zudem noch von der Natur mit einem tiefen Schlaf gesegnet ist, mitten in der Nacht relativ gefahrlos etwas Blut aussaugen kann, wenn man es langsam, beherrscht und vor allem leise tut. Wenn ich ehrlich sein soll habe ich es in diesen drei Monaten bei so ziemlich jedem Bewohner unserer Dorfgemeinschaft versucht. Dabei bin ich viele Male nur sehr knapp unbemerkt entkommen, habe dafür aber gelernt bei wem es sich um ein passendes Opfer handelt und wen ich lieber schlafen lassen sollte… Ein Vorteil, den ich vielleicht gegenüber den Vampiren aus den Geschichten habe ist der, das mein Körper relativ klein ist und ich damit logischerweise weniger Nahrung und vor allem auch weniger Blut benötige als sie. So hat mich der Hunger noch nie dazu getrieben mein Opfer zu töten. Nur bei kleineren Tieren wie Steppenhasen oder Hühnern muss ich mich zusammenreißen um nicht unwillentlich ihr Leben zu beenden. Bei meinen ersten bewusst geplanten nächtlichen Beutezügen erinnerte ich mich irgendwann an die Gefahr mit jedem Biss einen weiteren Bewohner des Dorfes zu verfluchen und so kam mir eine Idee. Anstatt jedes Mal, wenn ich des Nachts eines der passenden Opfer besuchte, meine Zähne zu verwenden um an das Blut in ihren Körpern zu gelangen, nahm ich ein sehr scharfes Küchenmesser zur Hilfe. Mein Plan ging nur leider nicht oft auf und meist endete es damit, dass mich Geruch und Anblick des Blutes überwältigten sobald es aus der frischen Wunde austrat. Was dazu führte das ich es direkt aus der Wunde saugte und damit das Manöver seinen eigentlichen Sinn verfehlte… So ist es durchaus möglich, dass ich die Krankheit in dieser Zeit weitergab und auch später, bei gelegentlichen Aussetzern meinerseits, kann es durchaus vorgekommen sein, doch habe ich bisher nicht von einem solchen Fall erfahren. Wie mit allen Lernprozessen, war jedoch auch dieser nicht völlig hoffnungslos. Mit voranschreitendem Alter und den immer deutlicher auf meinen Körper wirkenden Folgen der Krankheit gelang es mir immer besser mich in solchen Situationen zu beherrschen. Ich gewöhnte mir an meine Opfer zunächst mit dem Messer zu schneiden, dann das austretende Blut von der Haut des unfreiwilligen Spenders zu trinken und das übrige Blut, wenn ich genug getrunken hatte, mit einem Tuch abzuwischen um zu vermeiden das mein Speichel in seine die Blutbahn gelangt. Obwohl ich zugeben muss, dass ich in manchen Situation, wenn ich jemanden beispielsweise nicht leiden kann, ihm etwas heimzahlen will, oder mich einfach der Hunger übermannt, weil ich zu lange nichts getrunken habe, das Messer einfach in seiner Scheide stecken lasse und meine Zähne benutze. Bei Tieren verwende ich sie dagegen immer, da ich noch nie davon gehört habe das diese Krankheit sich auch auf sie übertragen kann. Heutzutage verwende ich außerdem nicht länger ein Küchenmesser, sondern eines meiner zweischneidigen Wurfmesser oder eine meiner Knochennadeln, je nachdem ob ich nur prüfen will ob sich jemand als Opfer eignet und wie durstig ich bin.
Der zerstörerischen Kraft der Sonne mit einigem Respekt zu begegnen, lernte ich erst als ich mich an einem wolkenlosen, vergleichsweise warmen Wintertag einmal dem drängenden Verlangen meiner Haut nach kühlem Schatten widersetzte und die gesamte Sonnenperiode im Freien verbrachte. Abends im Haus stellte ich dann fest, dass meine Haut an manchen Stellen so stark verbrannt war das sie Blasen warf… Wie sich meine Mutter das erklärte weiß ich ehrlich gesagt nicht, jedenfalls sprach sie mich nicht darauf an als mit den Verletzungen zu ihr kam. Abgesehen von etwas Geschimpfe über die Leichtfertigkeit und Sorglosigkeit der Jugend äußerte sie sich nicht weiter zu dem Thema.
Dir mag es seltsam erscheinen, wie gleichmütig ich mich mit meinem veränderten Schicksal abfand, doch du solltest bedenken das ich zu jener Zeit nicht viel mehr war als ein Kind. Ein frühreifes und kluges zwar… Aber doch nur ein Kind. So nahm ich meinen Fluch als Teil meiner selbst an und akzeptierte ihn wie es nur Kinder können. Ich hörte auf Chione und meine innere Stimme und verheimlichte ihn so gut ich konnte.

Etwa ein halbes Jahr nach dem Biss entdeckte meine Mutter mein Geheimnis, als ich testen wollte wie tief der Schlaf der junge Frau war, die wir für kurze Zeit bei uns aufgenommen hatten. Danach wurde mein Leben völlig auf den Kopf gestellt. Meine Mutter sorgte sich das mein Geheimnis in der kleinen Dorfgemeinschaft auffallen würde und begann darüber nachzudenken fort zu gehen. Den Anstoß und perfekten Ort dafür bot ein ungewöhnlicher Besucher. Laeon, Direktor des Zirkus Wintersonne, verirrte sich auf seiner Talentsuche in die Abgeschiedenheit der Zuflucht. Er hatte von der Existenz dieses Ortes gehört und sich vorgestellt das er für seine Zwecke geradezu ideal war. Keine vier Tage nach seinem Eintreffen, hatte Mutter sich entschlossen mit ihm zu gehen. Als Schneiderin, mit passablen Koch- und einigen kräuterkundlichen Fähigkeiten war er mehr als gewillt uns aufzunehmen. Da außer Mutter und mir niemand mit ihm gehen wollte, hatte er den gesamten Rückweg Zeit sich mit uns auseinanderzusetzen. Im entging nicht viel, weder wie beweglich, flink und schlau ich war, noch wie misstrauisch und ablehnend meine Mutter. Er versuchte ihr Vertrauen einzuflößen in dem er versicherte, dass der Zirkus eine Familie sei und man sich dort um einander kümmere. Wirklich überzeugt war sie wohl erst nachdem wir ein oder zwei Sommer mit ihnen umhergezogen waren. Wir machten einen großen Bogen um Arcanis, wanderten stattdessen durch die zerfallenden Reiche und Mérindar bis wir das Winterquartier erreichten. Am Ende der Reise, nach vielen Gesprächen ihm und meiner Mutter, war es entschieden, ich sollte meinen Fähigkeiten entsprechend im Zirkus Artist werden. Das war einige Wochen vor meinem fünften Geburtstag.

Kurz nach meiner Ankunft erfuhr ich das hinter dem Zirkus mehr stand als meine Mutter und ich wohl erwartet hätten. Kaum hatte meine Mutter entschieden das wir bleiben würden und sich herausgestellt das Laeons erste Einschätzung meiner Person was Lerngeschwindigkeit und Geschicklichkeit anging den Tatsachen entsprach, trat ein Wesensprüfer an mich heran. Ich hatte wohl genau das richtige Alter um mich auf die Frostschatten einzuschwören. Ich muss gestehen, dass das Training meiner körperlichen Fähigkeiten, welche ich benötigen würde um als Akrobat aufzutreten, wenn der Zirkus das Winterquartier verließ, mich körperlich vor eine richtige Herausforderung stellte. Doch als mir dann angeboten wurde einer geheimen Organisation beizutreten, die vielseitige Aufgaben zu erfüllen hatte, dachte ich nicht lange nach, sondern stellte mich mit kindlich naiven Eifer dieser Herausforderung. So begann mein Doppelleben im Zirkus. Man schärfte mir ein, dass meine Mutter nichts von den Frostschatten wissen dürfe und begründeten es damit, dass es zu gefährlich für sie sei… Eine zweifelsohne klug gewählte Formulierung, denn andernfalls hätte ich es wohl kaum für mich behalten.
Mit dem Ende der Winterpause, keine zwei Monate nachdem wir in unserem neuen zuhause eingetroffen waren, lernten wir das wahre Zirkusleben kennen. Das umherreisen, die vielen fremden Orte und Wesen machten es für mich zu einem großen Abenteuer. Die jährlichen Winterpausen hingegen… Nun, ich denke es ist nicht übertrieben wenn ich sage, dass das Trainingspensum, welches unterwegs schon hart an die Grenze des belastbaren ging, sich in diesen Zeiten noch erhöhte. So stark, dass ich mitunter dachte man wolle austesten wie viel ich aushalten könne, bevor ich vor Erschöpfung zusammenbräche. In diesen ersten zwei Jahren beschäftigten sich sieben Personen damit mich so gründlich an die Grenzen meiner Belastbarkeit zu bringen, dass ich mich heute noch mit einem lachenden und einem weinenden Auge an diese Zeit erinnere. Das lachende Auge ist einfach erklärt… Ich befand mich in einem Abenteuer, meine Mutter blühte in unserem neuen zuhause richtiggehend auf und mit ihrer Hilfe gelang es mir auch weiterhin zu verbergen was ich war. Das weinende Auge ist sogar noch einfacher zu erklären: Training. Erbarmungsloses, an der Grenze jeder geistigen und körperlichen Belastbarkeit kratzendes Training. Aber zurück zu den sieben Sklaventreibern…
Da waren zunächst Alepoúri-Zwillinge Beon und Laeya. Ihnen fiel es zu meine richtige Zirkusausbildung zu leiten. Es galt zunächst meine Ausdauer, Geschwindigkeit, Koordination und allgemeine Körperbeherrschung zu trainieren, lange bevor sie damit begannen nicht tatsächlich in die Akrobatik einzuführen. Für die Ausdauer ließen sie mich laufen und, wenn es warm genug war, natürlich auch schwimmen, weil ich das besser konnte und dabei auch mehr Elan an den Tag legte. Dank ihrer Unerbittlichkeit, mit der sie mich tagein tagaus bis an den Rand der Erschöpfung rennen ließen, kann ich heute stundenlang laufen ohne müde zu werden. Vor und nach dem Lauftraining ließen sie mich mit Bällen jonglieren, Geschicklichkeitsübungen ausführen und stellten mir verschiedene Aufgaben zur Verbesserung von Körperbeherrschung und Koordination. Mit den richtigen akrobatischen Übungen begann ich erst nach einem guten halben Jahr. Dabei stellt sich schnell heraus das ich für Partnerübungen nicht gut zu gebrauchen war, da es mir extrem schwer fiel einem Partner zu vertrauen. Schließlich entschieden wir das ich mich größtenteils auf ein Einzeltraining konzentrieren sollte und ansonsten nur mit den Zwillingen auftreten sollte, da ich ihnen nach zwei Jahren Training dieses Vertrauen entgegenbringen konnte.
Der Halbmensch Aluvin war Laeons engster Vertrauter im Umgang mit seinen Pferden. In der wenigen freien Zeit die ich neben meinem Training noch aufbringen konnte ging ich zu ihm um ihm mit den Pferden zu helfen. Es wurde schnell klar, dass ich ein Talent im Umgang mit ihnen besaß. Hatte der mürrische alte Mischling mich also anfangs nur geduldet, begann er bald schon sich an meiner Gegenwart zu freuen, weil ich ihm den Umgang mit den Tieren erleichterte und ihm einiges an Arbeit abnehmen konnte. Als Dank dafür erklärte er sich schließlich bereit mir das Reiten beizubringen. Ein sehr langsamer und mühsamer Prozess, da ich neben meiner übrigen Ausbildung nur selten Zeit dafür fand. Trotz allem macht es mir so viel Spaß, dass ich eine ein ums andere Mal in Kauf nahm für den Reitunterricht weniger zu schlafen oder nach einem erschöpfenden Trainingstag meine letzten Kraftreserven mobilisierte um dort hingehen zu können.
Meine Ausbilderin für die Frostschatten, bzw. Mentorin wie sie es dort nennen, war eine weibliche Waldelfe namens Fio. Tatkräftige Unterstützung erhielt sie von einer neuen Stimme. Niak wurde zu meinem heimlichen Verbündeten, dem es Spaß zu machen schien mich in meiner Ausbildung zu unterstützen… Denn es Fio recht zu machen gelang mir einfach nicht. Die Trainingsstunden bei ihr waren meist eine ermüdende und zugegebenermaßen frustrierende Angelegenheit. Sie legte viel Wert darauf mir eine umfassende Ausbildung in allen Einsatzbereichen der Frostschatten zuteilwerden zu lassen und ließ sich dabei weder von meinem Alter, noch der Tatsache stören das ich neben dem Training bei ihr auch noch für den Zirkuseinsatz ausgebildet wurde. Zusätzlich erschwert wurde das Frostschatten-Training dadurch, dass es im Geheimen stattfinden sollte. Dementsprechend nachts oder weit weg vom Lagerplatz des Zirkus. Auch durfte ich meiner Mutter nichts davon erzählen, weshalb ich sie anlügen musste um zu erklären weshalb ich nachts so lange auf- und fortblieb. Als eines der ältesten Mitglieder der Organisation wusste Fio sehr genau über die Anforderungen, welche die einzelnen Tätigkeiten der Organisationen an eines ihrer Mitglieder stellten, Bescheid. Um es kurz zu machen… Die zweijährige Ausbildung bei ihr war mir zuwider. Die einzigen Lichtblicke bildeten das Messertraining und Niak. Ersteres, weil es wirklich den einzigen Ausbildungsinhalt darstellte bei dem ich wirklich Spaß hatte… Ein Umstand den sie nicht umhin kam zu bemerken, weshalb es ihr meiner Ansicht nach auch ein wenig Freude bereitete mir dieses Wissen zu vermitteln. Trotzdem stellte ich mich anfangs mit den Messern nicht wirklich geschickt an, es dauerte Monate bis ich im Umgang mit ihnen kleine Fortschritte zu machen begann. So trage ich die Narben davon noch heute. Es war diese wenigen kostbaren Stunden in denen wir einander nicht mit Feindschaft begegneten. Zeiten in denen wir einander nicht gegenseitig aus der Reserve zu locken und auszustechen versuchten. Ich denke an dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass ich ein wirklich garstiger kleiner Vampir sein kann… Zumindest wenn ich das will. Und ja, ich gebe offen zu das es mir einige Befriedigung verschaffte als ich herausfand wie tief diese alte Frau schlief… Es ist wohl müßig zu erwähnen das ich mir bei ihr nicht die Messer schmutzig machte, sondern mit einiger Schadenfreude meine eigenen Zähne einsetzte.
Niak war wohl der einzige Grund dafür, dass ich diese Ausbildung durchstand. Wann immer mir nachts während eines besonders harten Trainings der Gedanke kam, dass ich jetzt endgültig aufgeben müsse, half er mir. Er gab mir Ratschläge wie ich Bewegungen besser ausführen oder gestellte Aufgaben lösen konnte, tadelte mich wenn ich bockig war und beschrieb mir in den dunkelsten Farben was man dieser Frau alles antun könnte. Er war auch der mir den Tipp gab, sie als Nahrungsergänzung zu benutzen. Ich glaube durch diese nächtlichen Racheaktionen bin ich auf den Geschmack von Waldelfenblut gekommen. Niak brachte mich auch auf die Idee den Umgang mit Wurfnadeln zu erlernen und sie zusammen mit Lähmungsgift zur sichereren Nahrungsbeschaffung einzusetzen.
Meine liebe Mutter nenne ich ganz bewusst in einem Atemzug mit meinen übrigen Ausbildern, wenngleich man das was sie mir beibrachte nicht wirklich als „Ausbildung“ bezeichnen kann. In Bezug auf die pflanzenkundliches Wissen mag es noch am ehesten zutreffen, da es sich dabei für mich um eine notwendige Fertigkeit handelte, weil ich es vermeiden Fleisch oder Fisch zu essen wo ich kann. Demnach kann man sich vorstellen das ich mir zumindest in diesen Bereichen Mühe gab aufzunehmen was sie mir zu vermitteln versuchte. Ihre Begeisterung für das Kochen und die Schneiderei teilte ich nicht. Trotzdem wurde sie nicht müde zu versuchen mir zumindest ein bisschen von diesem Wissen zu vermitteln. Besonders gerne dann, wenn ich nach einem anstrengenden Trainingsvormittag zum Mittagessen in unseren Wagen kam… Deshalb die Nennung bei den Sklaventreibern.
Die letzte der sieben war ein Lyr. Der Wahrsagerin Caneha fiel es zu die geschichtlichen Theaterstücke mit Gesang zu begleiten. Da ihr vorheriges Lehrmädchen jedoch auf mysteriöse Weise verschwunden war bevor sie ihre Ausbildung abgeschlossen hatte, war sie auf der Suche nach einem Ersatz. Zu meinem eigenen Pech lief sie eines Abends an unserem Wagen vorbei als ich meiner Mutter etwas vorsang. So führte einst zum anderen. Sie bat Laeon und meine Mutter um Erlaubnis mich dafür ausbilden zu dürfen, und fragte mich ob ich es wolle… Dummerweise war das noch ganz am Anfang, als ich noch nicht abschätzen konnte wie anstrengend das übrige Training werden würde und so sagte ich zu. Anders als die anderen Ausbildungen, war diese bereits nach einem halben Jahr so weit fortgeschritten, dass ich bei den geschichtlichen Darbietungen mit ihr gemeinsam auftreten konnte. Wir führten die Gesangsstunden danach zwar fort, jedoch nicht mehr mit derselben Intensität wie am Anfang. Nun war ich auch nicht mehr der Schüler, sondern vielmehr ihr Partner und damit war es eher ein gemeinsames Training, denn ein Unterricht. Ich war fasziniert von diesem, meinem geliebten Wasser so eng verbundenen, Geschöpf. Ihr Wagen erschien mir wie ein Wunderland. Die Konstruktion war eine wahre Meisterleistung planerischen Geschicks und zeigte mir wie gut sich der Direktor auf die speziellen Anforderungen seiner besonderen Artisten einzustellen verstand. Der Wagen war wesentlich länger und fast anderthalb mal so hoch wie die anderen. Sein Inneres wurde lediglich zu einem Drittel von dem gewöhnlichen Inneren eines Zirkuswagens eingenommen. Es gab einen kleinen Schlafraum, einen offenen Wohnraum mit kleiner Koch- und Essecke und eine winzige Kammer mit einer merkwürdigen Trichteranlage darin. Der Rest des Wagens bestand in einem gewaltigen wassergefüllten Metallbecken. Wobei die normalen Räume höher gelegen waren als das Becken, sodass Caneha und ihr Mann bequem zwischen den beiden Teilen hin- und herwechseln konnten ohne lange Leitern erklimmen zu müssen. Es schien als hätte man das Becken beim Bau des Wagens bewusst mit eingeplant, denn das ganze Konstrukt wirkte so fein aufeinander abgestimmt, dass es mich richtiggehend zum Staunen brachte. Nachdem ich das Innere des Wagens das erste Mal gesehen hatte, begriff ich auch warum sechs kräftige Zugtiere nötig waren um ihn zu ziehen.
Wenn ich alles richtig verstanden habe wurde das Wasser durch ein ausgeklügeltes System in steter Bewegung gehalten damit es nicht brackig wurde, nicht zu stinken begann und seinen Sauerstoffgehalt behielt. In dem Becken befanden sich zwei, in ihrem Durchmesser etwa armlange, Gebilde, welche entfernt Ähnlichkeit mit den zusammengefügten Flügeln eines Windrades besaßen, obgleich ihre jeweils drei Flügel eine andere Form besaßen. Im Gegensatz zu den langen, schmalen und geraden Bestandteilen mit den definierten Kanten meines Beispiels, ähnelte die Form dieser Dinger lang gezogenen, in sich halb gedrehten Tautropfen. Auch waren es keine einzelnen Flügel die mit einem Mittelteil verbunden waren, sie waren im Gegenteil wohl in einem Stück geschmiedet worden. Angetrieben wurden diese Flügelräder über Wellen, die über Zahnräder umgelenkt und durch Wasserräder in Drehbewegung versetzt wurden. Der Mechanismus war, wie mir Canehas Mann stolz erläuterte als ich nachfragte, der Funktionsweise eines Mühlenrades nachempfunden. Nur eben in umgedrehter Reihenfolge. Hier trieb nicht die Windmühle mit Hilfe eine sogenannten Getriebes, den Mühlstein an, sondern im Gegenteil ein Wasserrad das Flügelrad. Durch die Drehung der Metallflügel wurde das Wasser in Bewegung versetzt. Die eigentliche Genialität des Ganzen bestand aus meiner Sicht aber in der Anbringung der Wasserräder.
Fünf Handbreit unter der Oberkante des Wasserbassins befand sich ein faustgroßes Loch. Das austretende Wasser lief in einer tiefen Rinne steil an der Außenseite des Beckens hinunter. Die hohe Geschwindigkeit des Wassers versetzte zwei Schaufelräder in Bewegung, bevor es in einem Trichter aus meinem Blickfeld entschwand. Von dort wurde es durch einen langen ledernen Schlauch zurück in das Becken geführt. Als ich wissen wollte wieso das Wasser nicht einfach im Trichter anstieg und hinauslief, sagte man mir, dass das Wasser durch die Verwendung eines Blasebalges, wie er auch in einer Schmiede zur Anwendung kam, angesaugt wurde. Zu diesem Zwecke teilte sich der Lederschlauch eine Armlänge über dem Becken in zwei Schläuche auf. Er war über ein handlanges metallenes Rohr gezogen und mit Schnüren daran fixiert worden. Auf der anderen Seite teilte sich das, eigens zu diesem Zweck geschmiedetes Rohr in zwei schmalere Rohre auf. Auf jedem dieser Auslässe war wieder ein Lederschlauch befestigt. Einer der beiden führte in einem Bogen hinunter ins Becken und endete knapp über der Wasseroberfläche. Der andere endete in dem Lufteintrittsventil eines Blasebalges. Wurde dieser Blasebalg nun mehrfach betätigt sog er die Luft aus dem Schlauch, wodurch das Wasser mit nach oben gesogen wurde. Sobald es das Rohr passierte stürzte es durch den herabhängenden Schlauch zurück in Becken, ganz seiner Natur folgend bestrebt den tiefsten Punkt zu erreichen. Da der Blasebalg höher stand gelangte kein Wasser in ihn hinein. Diese Konstruktion funktionierte nur, solange ein steter Wasserstrom gewährleistet war. Wurde dieser unterbrochen, musste der Blasebalg erneut betätigt werden um zu vermeiden das der Trichter überlief und den Wagen flutete, weshalb Caneha und ihr Mann Aleki diesen Kreislauf gewissenhaft mehrmals am Tag überprüften.

Eines Tages lehrte sie mich ein besonderes Lied. Der nostalgische Gesang handelte von der Liebe ihres Volkes zum Meer. Es war ein Lobgesang auf seine Kraft und Schönheit, während es gleichzeitig voller Ehrfurcht von der Wildheit der Fluten warnte, pries das Steigen und Fallen der Gezeiten, unabänderlich wie der Lauf der Zeit. Dieses Lied war so wundervoll und schrecklich zugleich, dass es mir eine für mich sehr untypische Gefühlsregung abnötigte… Ich weinte wie ein kleines Kind. Es nahm mich gefangen als ich es das erste Mal hörte, noch heute bekomme ich eine Gänsehaut wenn ich mich daran erinnere wie sie es vortrug und mir kommen jedes Mal die Tränen wenn ich es selbst singe.
Während ich also in ihrem Wagen saß, mich die Schluchzer schüttelten und ich doch ein träumerisches Lächeln auf den Lippen trug, weil ich nicht ganz verstand ob es Tränen der Trauer oder der Freude waren die meine Wangen hinabrannen, fragte mich die Lyr, wohl um mich aus dieser seltsamen Stimmung hinaus zu holen, ob ich wissen wolle wie sie zur Wintersonne gelangt war. Als ich bejahte, nahm sie mich mit der einlullenden Stimme einer geübten Geschichtenerzählerin mit auf eine Reise durch ihr Leben: „Die Bucht von Nibýn, Heimat meines Volkes, ist ein wundervoller Ort. Dort können wir die grenzenlose Freiheit des Lebens unter Wasser genießen, doch unser eigentliches Leben findet auf der Ayen sin Valdysea statt, genaugenommen darunter. Wir leben in Familiengruppen zusammen in den Höhlen unter dieser Insel. Für den Großteil meines Volkes ist dies alles was sie in ihrem Leben sehen, die heimatlichen Höhlen und die Bucht, doch mir hat das nie ausgereicht. Meine ganze Kindheit über wollte ich wissen was sich jenseits der Grenzen meiner Welt befand. So verließ ich als junge Erwachsene eines Tages die Bucht und fand mich in der Nähe der Hafenstadt Rômachar wider. Dort traf ich noch auf vereinzelte Angehörige meiner Art, doch es war mir noch nicht genug, vor allem dann nicht mehr als ich mir zum ersten Mal eine Karte von Alvarania besah. Mit Hilfe des Händlers dem die Karte gehörte fand ich darauf zunächst die Stadt und damit auch die Bucht, welche bisher meine ganze Welt dargestellt hatte. Es schockierte mich wie klein sie im Vergleich zum Rest der Welt doch war. Die Geschichten des Händlers über fremdartige Wesen wie Elfen, Shiín, Orks und noch weitere fremdartige Wesen taten ihr Übriges, ich wollte die Welt sehen. Um das zu realisieren wollte ich mich einer Handelskarawane anschließen, doch was hatte ich schon anzubieten um so eine Reise zu bezahlen? Ich hatte ja kein Handwerk erlernt und besaß auch kein Geld. Schließlich traf ich durch einen glücklichen Zufall auf eine dir wohl gut bekannte Person. Unser Direktor hatte für dieses Jahr die weite Reise in den Westen unternommen um ein paar neue Zuchtpferde zu erwerben und war dann in der Hoffnung vielleicht noch ein neues Mitglied für den Zirkus zu rekrutieren den großen Strom bis hinunter nach Rômachar weitergereist. Dort fand er mich in einem Gasthaus, wo ich für eine warme Mahlzeit und ein Bett für die Nacht sang. Der Rest wird sich wohl nicht groß von deiner Lebensgeschichte unterschieden. Er war fasziniert von meiner Stimme und rekrutierte mich für die Wintersonne. Auf dem Weg wäre ich mehrfach mangels Wassers beinahe eingegangen, bis Laeon und ich begriffen weshalb ich kränkelte. Es war unglaublich anstrengend und als wir endlich die Nordreiche erreichten, hatte ich von reisen genug und wollte im Grunde nur noch zurück nach Hause, doch ich hatte mein Wort gegeben und wollte zudem nach der beschwerlichen Reise nicht kurz vor dem Ziel aufgeben. Als wir eintrafen, residierte der Zirkus gerade in seinem Winterquartier. Ich wollte nur noch vernünftig schwimmen und mich von den Strapazen der Reise erholen, was ich Laeon auch deutlich sagte. Er lächelte mich nur geheimnisvoll an und führte mich tief in die Eingeweide des Gutshofes. Als ich die gewaltige unterirdisch gespeiste Zisterne entdeckte, welche sich unter dem Anwesen erstreckte, entschädigte mich das für alle Unbill der Reise. Das kristallklare saubere Wasser des Beckens war wie Balsam für meine strapazierte Haut.
Trotzdem wäre ich wohl nicht geblieben, hätte ich nicht im darauffolgenden Jahr meinen Partner getroffen. Aleki arbeitete als Sklave in einer Mühle im Südosten Mérindars. Als Kind von Piraten verschleppt, dann in die Sklaverei verkauft und auf vielen Umwegen nach Merridia gelangt, wurde er schließlich von jenem Müller erstanden. Er besaß kaum noch Erinnerungen an sein Volk, das einzige was ihn tagtäglich aufrecht hielt war die schwindende Hoffnung seinem Sklavenstatus irgendwann entkommen zu können. Diese Chance kam in Gestalt des Zirkus Wintersonne nach Lúnes, wo er die Kinder seines Herrn zu einer unserer Vorstellungen begleitete. Als ich ihn entdeckt und Laeon von ihm berichtet hatte, beschloss dieser Aleki seinem Herrn abzukaufen. So etwas macht er häufiger, besonders mit interessanten Sklaven. Frag nur mal deine beiden Fuchsmenschen wenn du mir nicht glaubst.
Nachdem er Aleki also gefolgt war und ihn vor die Wahl bei dem Müller zu bleiben, oder mit ihm zu kommen um als freier Mann in seinem Zirkus zu leben und zu arbeiten gestellt hatte, kaufte er ihn. Wie stets war die Freiheit, die er ihm dann schenkte an eine einzige Bedingung geknüpft. Er musste vier Jahre im Zirkus arbeiten, danach stand es ihm frei zu bleiben oder zu gehen wohin er wollte. Aleki willigte in diese Bedingung ein, so gab es nun also zwei Lyr im Zirkus Wintersonne. Es dauerte nicht lange bis der Neuzugang meine Nähe suchte und mich bat ihm etwas über unser Volk beizubringen. Er wollte wissen was er eigentlich war. Bereitwillige berichtete ich ihm von der Buch von Nibýn, dem Leben dort und unserem Volk. Ja, ich bot ihm sogar an nach Ablauf der 4 Jahre mit ihm dorthin zurück zu kehren. Ein Vorhaben das wir auch in die Tat umsetzten. Irgendwann im Verlauf der Jahre war aus unserer anfänglichen Freundschaft mehr geworden. Als sie vorüber waren bat uns der Direktor zu sich und schenkte Aleki nun endgültig die Freiheit, die Freiheit zu gehen wo immer er hinwollte. Als wir ihm unser Anliegen vortrugen zeigte er sich überraschend verständnisvoll, bat uns aber ihm Nachricht zu schicken sollten wir nach einem Besuch unseres Volkes nicht zur Wintersonne zurückkehren wollen. Das ist es was diesen Ort so einzigartig macht, er ist eine Heimat für uns alle und man wird nicht verstoßen wenn man die eigene Familie besuchen will… In der Bucht von Nibýn angekommen zeigte sich schnell das Aleki und auch ich dort nicht hinpassten. Es war ein ruhiges und friedliches Leben unter unseren Artgenossen. Sie nahmen uns herzlich auf, doch uns beiden behagte die Abgeschiedenheit nicht, wir hatten uns so sehr an das Zirkusleben gewöhnt das wir nach nicht einmal zwei Monaten in den Osten zurückkehrten. Und wie du siehst sind wir geblieben“, schloss sie mit einem Lächeln.

Meine intensive Ausbildung ließ nicht viel Raum für anderes. Natürlich konnte ich mich am Wechsel der Jahreszeiten in den Nordreichen erfreuen und lernte das ein oder andere über die Bewohner dieser Lande. Als Artisten-Anwärter, gehörte es zu meinem Aufgabenbereich, neben meiner Ausbildung den Mitgliedern der Verwaltung zur Hand zu gehen. Beispielsweise half ich bei der Fütterung der Tiere, unterstützte ihre Pfleger bei der Säuberung der Stallungen, ging dem Koch zur Hand oder spielte für irgendwen den Laufburschen. Gerade im ersten Jahr gab es auch an unserem Wagen die ein oder andere Arbeit zu erledigen und so ging ich dort meiner Mutter zur Hand. In diesem Jahr fiel der Sommer unerwartet kurz und kühl aus, weshalb unsere Wanderung sich nur über Mérindar und Cathrad erstreckte. Nach einem langen harten Winter, folgten ein milder Frühling und ein sehr warmer Sommer der auch lange anhielt. Demnach sah ich in diesem Jahr auch das weiter entfernte Córalay und die nördlichen Ausläufer des Waldes von Sieryan. Wobei mir besonders in den Waldgebieten das Leben wesentlich leichter fiel als anderswo, da mich der Schatten der Bäume von der grausamen Kraft der Sonne abschirmte. Denn zu dieser Zeit, gute zweieinhalb Jahre nach dem Biss, hatte sich das volle Ausmaß der Krankheit offenbart und die Sonne wurde für mich zu einem echten Problem. Ein Umstand den meine Mutter und ich als angeborene Unverträglichkeit zu tarnen suchten, was auch gelang.

Kurz nach meinem siebten Geburtstag, befanden meine Ausbilder das ich nun so weit sei am richtigen Zirkusleben teilzunehmen. Für die gewöhnlichen Tätigkeiten im Zirkus bedeutete es, dass ich meine Fertigkeiten einmal dem Direktor persönlich vorführen sollte und er dann die abschließende Entscheidung traf ob ich tatsächlich so weit sei. Ich war sehr aufgeregt und es fiel mir schwer konzentriert bei der Sache zu bleiben, weshalb ich den ein oder anderen wirklich dummen Fehler in meine Vorführung einbaute. Laeon genügt es trotzdem. So war ich also offiziell aufgenommen und durfte nun auch an den Vorstellungen aktiv teilnehmen. Zu meinem Leidwesen befand auch Fio, das ich bereit für meinen ersten Auftrag sei.
Es war mein drittes Jahr in der Wintersonne. Wir hatten das Winterquartier seit drei Wochen verlassen und vor einigen Tagen unser Lager westlich von Shannija aufgeschlagen. Allmählich gewöhnte ich mich daran nun wirklich Teil der Artistentruppe und damit der Vorstellungen zu sein. Es war ein Leben das mir gefiel. Doch nun stand ich vor meiner wirklichen Bewährungsprobe. Als der Direktor mich zu sich rief schwante mir Böses. Mein erster Auftrag stellte sich als Diebstahl heraus. Es klang alles recht einfach. Ich sollte in das Haus eines reichen Händlers eindringen, dort eine wertvolle Diamantenbrosche entwenden und dann unbemerkt verschwinden. Über die Hintergründe des Auftrags erfuhr ich nichts. Als ich nachfragte, wurde ich mit mildem Tadel darauf hingewiesen das diese Information nicht für mich bestimmt sei, es ja schließlich nur meine Aufgabe sei den Auftrag auszuführen und ich anschließend ja auch dafür entlohnt würde. Es gefiel mir nicht, aber ich gehorchte. Alles was ich über die Natur des Auftrages wissen musste war damit gesagt. Alle weiteren Informationen erhielt ich von Fio. Da war etwa eine Karte des Hauses in das ich eindringen sollte, der vermutliche Standort des zu stehlenden Gegenstandes, sowie Informationen über die Hausbewohner, deren Gewohnheiten und die Bewachung des Hauses und der umliegenden Straßen. Anhand der Fülle der Informationen mussten wohl einige Informanten daran mitgearbeitet haben sie seit unserer Ankunft zusammenzutragen. Ich war mehr als beeindruckt, vor allem als sich sämtliche Informationen, abgesehen von dem Standort des Objektes, als zutreffend herausstellen. Es war nicht schwer gewesen in das Haus zu kommen. Mit dem Wissen über die Patrouillenwege der Stadtwachen, hatte ich ihnen leicht ausweichen können. Ich war ein paar Straßen von dem Haus entfernt auf die Dächer geklettert, über die Dächer bis zu dem Haus gelaufen und hatte mich dort durch das offenstehende Fenster des ältesten Sohnes der Familie hineinfallen lassen. Schließlich hatte der die Angewohnheit sich bis spät in die Nacht in den Tavernen der Stadt zu betrinken um dann volltrunken über das Dach des Schuppens durch sein Fenster, welches er zu diesem Zweck stets offenstehen ließ, in sein Schlafzimmer zu kommen ohne dabei das ganze Haus aufzuwecken. So stand ich nun also im ersten Stock im Arbeitszimmer des Händlers und blickte auf die leere Vitrine, in der sich laut meinen Informationen das Schmuckstück befinden sollte. Ich machte mich daran die einzelnen Zimmer methodisch und leise zu durchsuchen. Mir blieben noch etwa zwei Stunden bis der Trunkenbold von seinem Zechgelage zurückkehren und sein Zimmerfenster verschließen würde, also nahm ich mir die Zeit. Nach über einer Stunde wurde ich im zweiten Stock des Hauses fündig. Ich stand in der Tür zum Zimmer der Tochter des Händlers. Das zwölfjährige Mädchen hatte das schillernde Schmuckstück auf seinem Nachttisch, dicht neben seinem Kopf abgelegt. Mir entschlüpft ein lautloser Fluch und ich hätte am liebsten gegen eine Wand getreten. Über das Mädchen hatten die Informanten zwar auch die ein oder andere Information beigesteuert, doch wusste ich selbstverständlich nicht ob sie einen tiefen Schlaf hatte und mich bemerken würde, wenn ich so dicht an sie herantrat. Nach einem Moment des Abwägens beschloss ich eine etwas unkonventionelle Methode anzuwenden. Ich durchquerte das Zimmer und ließ mich auf der gegenüberliegenden Seite des Bettes im Boden sinken. Dann kroch ich auf dem Bauch unter das Bett, robbte bis an den anderen Rand und drehte mich auf den Rücken. Dann schob ich mich quälend langsam darunter hervor bis ich einen Arm befreit hatte und mit den Augen das Kind im Blick zu behalten vermochte. Ich atmete flach und beobachtete das Mädchen einige Herzschlägen lang. Als sie sich nicht rührte und ihre tiefen gleichmäßigen Atemzüge noch immer rhythmisch an mein Ohr drangen, zog ich das Amulett langsam vom Nachttisch. Sobald es in meiner Hand baumelte, schloss ich die Faust darum und schob mich blitzartig zurück unters Bett. Mit laut klopfendem Herzen lauschte ich ein weiteres Mal auf ihre Atmung. Unverändert. Also fühlte ich mich sicher genug um das Zimmer auf dem gleichen Weg zu verlassen wie ich gekommen war. Mein Rückzug verlief problemlos, bis zu dem Moment als ich auf dem Dach des Schuppens fast mit einem jungen Mann zusammenstieß. Er glotzte mich ungläubig an. Der stechende Alkoholgeruch der von seinem Körper ausging, ließ mich würgen. Einige Herzschläge lang starten wir uns nur an, dann hob er die Hand und rieb sich die Augen. Diesem Moment nutzte ich um mich flink wie eine Katze am Fensterrahmen hochzuziehen, auf das Dach zu schwingen und dort reglos liegen zu bleiben. Die folgenden Geräusche verrieten mir das er in sein Zimmer zurückkehrte und ich hoffte er würde mich für nichts weiter als eine Sinnestäuschung halten. Nachdem ich auf Umwegen in unser Lager zurückgekehrt war, übergab ich meine Diebesbeute an Fio, die im Eingang des Lagers auf mich gewartet hatte, und verzog mich anschließend in den Wagen um die letzten kostbaren Stunden der Nacht zum Schlafen zu nutzen. Am nächsten Tag erwartete mich eine Überraschung. Zuerst wurde ich in den frühen Morgenstunden, ganz dem Brauch der Frostschatten folgend, in einer Zeremonie in die Organisation aufgenommen und erhielt einen neuen Namen. Die Beobachter bei der Prüfung am Vortag hatten berichtet wie ich meinen Auftrag ausgeführt hatte und so war die Namenswahl nicht schwergefallen. Stiller Fuchs nannten sie mich. Still, weil ich leise wie eine Katze in das Haus geschlichen war, und Fuchs für meine schlaue Idee mit dem Bett. Gegen Ende der Zeremonie erhielt ich dann meine Tätowierung. Seitdem trage ich den stilisierten Fuchs, der mich für den Rest meines Lebens als Mitglied der Frostschatten kennzeichnet.
Im Anschluss bat mich der Direktor noch einmal zu sich. Auch von ihm erhielt ich nun seine besten Glückwünsche zum Gelingen der Prüfung und weiteren Namen. Es ist nicht allgemein bekannt das der Direktor das Recht besitzt, anstatt den offiziellen, von der ganzen Organisation ausgewählten, Namen zu verwenden dem neuen Mitglied für seine eigenen Zwecke einen weiteren geben kann. Was er an meinem Namen auszusetzen hatte kann ich dir leider auch nicht sagen, jedenfalls nannte er mich „Wisper“. Anschließend folgte er einer weiteren Tradition und brachte mich zu meinem Geschenk, welches ich für die erfolgreich abgeschlossene Aufnahmeprüfung erhalten sollte. Für gewöhnlich handelte es sich bei diesen Geschenken um irgendwelche Versprechungen oder kostbare materielle Güter. In meinem Fall hat er sich jedoch etwas Besonderes ausgedacht. Für gewöhnlich waren die Anwärter mit Abschluss ihrer Ausbildung nicht mehr so jung wie ich, daher war in die Auswahl des Geschenkes einigermaßen schwergefallen. Den Ausschlag gab schließlich sein alter Freund Aluvin, der vorschlug mir das verletzte Hengstfohlen zukommen zu lassen, welches der Elf eigentlich zum Verkauf anbieten wollte, weil es für seine Zwecke zu schwächlich und klein war. Der alte Mann versprach seinem Freund mir bei der Pflege des kleinen Wesens zu helfen um zu gewährleisten, dass ich das Geschenk nicht falschverstand, weil das Tier verletzt war. Die beiden wussten das der Heilungsprozess langwierig sein würde, doch es war eine Verletzung die wohl keine körperlichen Schäden nach sich ziehen würde.
So hatte mein Geschenk also vier Hufe, ein aschgraues Fell, silberweißes Langhaar und viel zu lange Beine. Ich verliebte mich innerhalb kürzester Zeit in dieses kleine zerbrechliche Wesen. Vielleicht aus Trotz gab ich dem verletzten Fohlen den Namen Windläufer. Es sollte Monate dauern bis seine Verletzung vollständig ausgeheilt war, danach machte er seinem Namen jedoch alle Ehre. Der kleine Kerl war schnell.

Zwei Jahre reiste ich nach meiner Aufnahme mit dem Zirkus Wintersonne umher. Mit Aluvins Hilfe bildete ich Windläufer aus und erfüllte Missionen für die Frostschatten. Einerseits war dies eine der schönsten Zeiten meines Lebens, denn das umherreisen mit dem Zirkus, die Vorstellungen und der Anblick des begeisterten Publikums erfüllt mich mit Freude. Es war mehr als offensichtlich das es meiner Mutter hier sehr gut gefiel. Sie wirkte viel lebendiger und glücklicher als sie es in Lun Daria jemals getan hatte, solange ich mich zurücklehnen konnte. Trotzdem kam ich nicht umhin zu bemerken das ihre Kräfte nachließen und sie schwächer wurde. Ich wusste das dies bei den Erben der Drachen nicht ungewöhnlich war und so hoffte ich wie stets, dass es nur eine zeitweilige Schwäche wäre die irgendwann wieder vorrüberging. Ich machte mir natürlich Sorgen um sie, doch ihre wiederholten Versicherungen das es ihr gut gehe beruhigten mich schließlich. Meine Tage waren ausgefüllt und ich erwischte mich ein ums andere Mal bei dem Gedanken, wie schön es doch wäre, wenn es für immer so bleiben könnte. Ein Gedanke der so nicht ganz den Tatsachen entsprach. Denn so sehr es mir auch gefiel die Welt zu sehen, in Vorstellungen aufzutreten und mit meinem vierbeinigen Freund zu arbeiten, so sehr missfielen mir mit der Zeit die Aufträge für die Organisation. Es begann mit meinem ersten Sabotageauftrag in Merridia in dessen Folge, wie ich zufällig mitbekam, ein Streit zwischen zwei großen Handelshäusern ausbrach an dem das eine beinahe zerbrach, das zweite stark geschwächt wurde und ein drittes aus der Bedeutungslosigkeit zu großem Einfluss aufstieg. Diebstähle, Einbrüche und dergleichen bei denen niemand wirklich zu Schaden kam störten mich nicht und als Informant war ich sogar recht gerne unterwegs. Mit der Zeit begann mich jedoch zu stören das ich nie Hintergründe meiner eigenen Taten erfuhr und dem Direktor einfach in allem blind vertrauen sollte. Ein Umstand in dem ich noch nie gut war… Im zweiten Jahr begannen sich die Sabotageaufträge für mich zu häufen und ich musste öfter in einer Gruppe mit anderen Frostschatten-Söldnern agieren. Obgleich ich meine Aufträge weiterhin ohne Protest ausführte, wuchsen in mir vermehrt die Zweifel an dem was ich da tat. Ich begann mich selbst für das zu verurteilen was ich im Namen anderer ausführte und obgleich mir meine Erfolge in vielen Aufträgen die Anerkennung meiner Mitsöldner eintrugen und ich in ihrem Ansehen innerhalb kürzester Zeit stark stieg, vermochte ich meinen Widerwillen kaum noch zu unterdrücken. Wenn ich ehrlich bin spielte ich bereits mit acht Jahren mit dem Gedanken diesen Ort verlassen und blieb nur wegen meiner Mutter. Hätte es eine Möglichkeit gegeben nur die Organisation zu verlassen, aber im Zirkus zu bleiben oder nur, dass ich mir aussuchen konnte welche Aufträge ich annahm und welche nicht, ich hätte sie sofort ergriffen. Leider war das nicht möglich. Aus diesem inneren Zwiespalt gingen wohl auch die völlig gegensätzlichen Stimmen Beowan und Fianna hervor.

Als ich neun Jahre alt war erkrankte meine Mutter an einer schweren Sommergrippe. Ein paar Tage vor Ausbruch der Krankheit war sie mit mir noch über den Pferdemarkt in Merridia geschlendert und hatte mir mit ihrem Ersparten ein weißes Fohlen als verspätetes Geburtstagsgeschenk gekauft. Sie verstand zwar nicht was ich mit diesem feindseligen, schmutzstarrenden kleinen Monster anfangen wollte, vertraute mir aber so weit, dass sie keine Fragen stellte. Demnach arbeitete ich in den nächsten Tagen intensiv mit der jungen Stute und verbrachte nur wenig Zeit in unserem Wagen. Sie verbarg die Anzeichen der Krankheit gut. Einige Wochen lang schöpfte ich keinen Verdacht, bis sie eines Abends beim Abräumen des Esstisches einfach zusammenbrach. Die folgenden vier Wochen verbrachte ich möglichst viel Zeit bei ihr. Ich saß an ihrem Bett, hielt ihre Hand, pflegte und versorgte sie so gut ich konnte. Ja ich ging sogar so weit, sie zu einem Heiler in der nächstgelegenen Stadt zu bringen, doch es half alles nichts. Am Ende gab ihr ohnehin schwächlicher Körper den Kampf gegen die Krankheit auf. Dieser Verlust stürzte mich in eine tiefe Krise. Genau wie damals, nach dem Angriff des Vampirs. Ich konnte gar nicht begreifen das sie tot sein sollte. Meine Mutter, mein Anker, mein ein und alles sollte fort sein… Ich verlor jeden Halt, spielte sogar mit dem Gedanken mich einfach mitten am Tag ungeschützt in die pralle Sonne zu legen und mein verfluchtes Leben zu beenden. Lange Gespräche mit Chione und Fianna hielt mich davon ab. Fianna, welch eine Ironie das diese Stimme genau den gleichen Namen gewählt hat, den meine Mutter trug.

Nach dem Verlust meiner Mutter gab es für mich kein Halten mehr. Mit meiner unsteten Art, der Unbeständigkeit und dem hohen Gewaltpotenzial das ich in dieser Zeit verströmte, kam ich dem Wahnsinn doch recht nahe. So denke ich nicht, dass irgendwer im Zirkus sich wunderte als er eines Morgens den Wagen, den ich seit zwei Monaten allein bewohnte, in Flammen aufgehen sah und bemerkte das ich mit meinen beiden Pferden und meinem gesamten Habe verschwunden war. Ich wanderte zunächst ziellos durch Mérindar und wandte mich dann gen Süden. Ich ging in den Wald von Sieryan. Dort hauste ich mit Windläufer und dem weißen Stutfohlen, welches ich Lichtfrost nannte. Wir verbrachten Monate dort in der Abgeschiedenheit und Einsamkeit des Waldes. Ohne meine beiden tierischen Begleiter, hätte ich diese Zeit wohl nicht überstanden. Labil und halb wahnsinnig vor Trauer wie ich war, gelang es Lichtfrost, diesem kleinen misstrauischen Wesen, Stück für Stück mein gebrochenes Herz für sich zu gewinnen. Sie war einer der Hauptgründe warum ich nicht einfach aufgab. Zum einen war sie Mutters letztes Geschenk an mich gewesen und ich hatte nicht vor ihr Andenken in den Schmutz zu ziehen indem sie sich selbst überließ, zum anderen machte es mich traurig zu sehen welche tiefe seelischen Wunden dieses Tier in seinem jungen Leben bereits mit sich herumtrug, also versuchte ich ihr Sicherheit zu geben. Ein Versuch, den sie mit wahrer Treue und tiefer Freundschaft belohnt hat.
Diese Zeit in der Einsamkeit des Waldes brauchte ich um wieder einen Sinn in meinem Leben zu finden und um einigermaßen über den Schmerz des Verlustes hinwegzukommen. Ich lebte von dem was der Wald mir bot und bekam mein Blut hauptsächlich von Tieren. Nur gelegentlich, wenn der Hunger zu übermächtig wurde, wanderte ich tagelang durch den Wald, auf der Suche nach einer Ansiedlung, wo ich mich des nachts dann in ein Haus schlich und meinen Hunger stillte, bevor ich wieder verschwand. Jetzt ganz Wisper, der flüsterleise Schatten nach dem man mich benannt hat.
Mit meinem zehnten Geburtstag und dem Auftauchen von Lapis veränderte sich irgendwas. Stück für Stück gelang es mir aus meiner Lethargie aufzutauchen und mich wieder auf die Person zu besinnen die ich war. Ich schalt mich selbst für die verlorene Zeit und beschloss mich auf dem Weg zu machen. Auf dem Weg zurück ins Leben, ein Leben das mir bestimmt noch so einiges zu bieten hat. Ich bin gespannt darauf wohin mein Weg mich führt… Ich denke ich werde ans Meer gehen.
Gespräch mit einem Freund
Restliches
Yasha isst nur sehr selten Fleisch. Das Trinken von Blut bereitet ihm weniger Probleme als das Töten eines Tieres um es zu verzehren.
Aufgrund seiner Vergangenheit in einem Zirkus mit Angehörigen der verschiedensten Völker ganz Alvaranias, kennt er viele Worte aus allen möglichen Sprachen, deren Bedeutung und kann, wenn er einige von ihnen hört, wohl auch die meisten Sprachen identifizieren, doch befähigt ihn das nicht in einer dieser Sprachen auch nur einen zusammenhängenden Satz von sich zu geben. Sicher verständigen kann er sich in seinen Muttersprachen (Coreonisch und Aras-Elfisch) und Wüstenelfisch, während er Romarisch nicht sonderlich gut beherrscht. Aufgewachsen ist er mit Coreonisch und Aras-Elfisch, beides Sprachen die in Lun Daria gesprochen werden und um die man, wächst man dort auf, nicht herumkommt, da es einige alte engstirnige Elfen gibt die sich weigern Coreonisch zu lernen und umgekehrt auch einige Menschen die sich gegen das Erlernen des Elfischen sträuben, kurzum: in diesem Dorf ist Aras-Elfisch als eine seltsame Form von Kompromiss die gebräuchliche Straßensprache. Coreonisch ist die Sprache mit der er aufgewachsen ist, wobei er einen deutlichen Arcanischen Dialekt besitzt, da seine Mutter aus diesem Land stammte und ihn nie ganz abgelegt hat. Im Zirkus Wintersonne wird dagegen untereinander ausschließlich Wüstenelfisch gesprochen, weshalb diese Sprache den Neuzugängen dort recht schnell vertraut wird. In den Vorstellungen wird die verwendete Sprache nach der Zusammensetzung des Publikums ausgewählt, was meist Coreonisch oder Aras-Elfisch zur Folge hat. Seine lückenhaften Kenntnisse des Romarischen hat er wiederum seiner Gesangslehrerin Caneha zu verdanken, wobei er diese Sprache zwar verstehen, jedoch nur gebrochen sprechen kann.



Tierische Begleiter
Yasha besitzt zwei Pferde, Windläufer und Lichtfrost.












Windläufer ist etwa drei Jahre alt. Er besitzt ein Stockmaß von 152 cm und einen schmalen Körper mit mittellangen schlanken Beinen. Sein kurzes aschgraues Fell weist am Rücken ein unregelmäßiges schwarzes Gittermuster auf, das dem Verlauf des Wiederristes folgt und auf der Kruppe in wenige schmale Streifen ausläuft. Das dunkle Fell bildet einen starken Kontrast zu den silberweißen Haaren von Mähne und Schweif. Seine Augen haben eine so dunkelbraune Färbung, dass sie beinahe schwarz wirken. Das Fell ist vergleichsweise kurz und nicht besonders dicht. Wesentlich besser für das Klima der Wüstengebiete von Cala an Dar geeignet als für das gelegentlich schon recht frostige Wetter der Nordreiche, besonders im Winter. Der zierliche Hengst ist neugierig und besitzt ein freundliches Wesen. Er ist ein schneller Läufer, erreicht jedoch auf kurzen Distanzen nicht einmal annähernd Lichtfrosts Geschwindigkeit. Dafür kann er ein höheres Tempo auch über eine längere Strecke problemlos halten. Er ist Yasha ein treuer und zuverlässiger Weggefährte. Einzig seine Furcht vor dem Springen hat ihm der junge Vampir noch nicht abgewöhnen können und so weigert er sich mit allem was ihm zur Verfügung steht, wenn ihn jemand dazu bringen will über ein Hindernis hinwegzusetzen. Er würde in so einer Situation jeden abwerfen, auch Yasha bildet da keine Ausnahme. Der Grund dafür ist eine schwere Verletzung in Folge eines Sprunges, die er sich als Fohlen zuzog. Sie hat dafür gesorgt, dass der junge Hengst beinahe getötet worden wäre, weshalb der Wüstenelf Laeon nichts mehr mit ihm anzufangen wusste. So gelangte er letztendlich als Geschenk zur bestandenen Aufnahmeprüfung bei den Frostschatten in Yashas Besitz, der das junge Tier mit der Hilfe seines Lehrmeisters und viel Geduld langsam wieder gesund pflegte. Das Trauma des Schmerzes nach der Verletzung hat sich jedoch so tief in sein Gedächtnis eigegraben, dass er wohl nie in der Lage sein wird die panische Angst vor dem Springen zu überwinden.
Er stammt aus einer alten Zuchtlinie der Wüstenelfen. Aufgrund seines Alters steckt er noch in der Ausbildung. Yasha hat angefangen ihn einzureiten als er etwas über zwei Jahre alt war. Demnach dient er ihm jetzt seit einem knappen halben Jahr als Reittier, wobei seine Ausbildung noch lange nicht abgeschlossen ist.



















Die Jährlingsstute Lichtfrost verdankt ihren Namen der seltsam anmutenden Farbkombination mit der sie geboren wurde. Ihr frostweißes Fell besitzt einen ungewöhnlichen Schimmer, fast als würde sie aus sich selbst heraus leuchten. Damit hebt sie sich selbst in einem verschneiten Gebiet deutlich von der Umgebung ab. Dagegen besitzen ihre Langhaare einen seltsam blassweißen Farbton. Sie wirken als habe jemand die Farbe aus ihnen herausgewaschen. Selbst die Hufe der jungen Stute sind beinahe weiß, die einzigen Farbtupfer stellen ihre Augen dar. Ihr gespenstisches Eisblau rundet den Eindruck des fleischgewordenen Winters ab, den Lichtfrost bei vielen hinterlässt die sie erblicken. Manch einer fröstelt bei ihrem bloßen Anblick, die meisten anderen meiden sie oder zeigen offene Feindseligkeit, wenn Yasha mit ihr und Windläufer gesehen wird. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass sie sich im Laufe ihres kurzen Lebens bereits zu einem echten Biest entwickelt hat. Mit Ausnahme von Yasha zeigt sie sich den meisten Zwei- oder auch Vierbeinigen Wesen gegenüber offen feindselig. Wenn ihr jemand zu nahekommt, kann es vorkommen das sie es nicht bei einem warnenden Schnauben oder einem Anlegen der Ohren belässt, sondern ohne Vorwarnung zuschnappt oder auskeilt. Entgegen aller Vermutungen ihres früheren Besitzers ist dies jedoch kein Ausdruck von Unsicherheit oder Furcht, da sie weder besonders schreckhaft noch ängstlich ist, sie ist einfach zutiefst misstrauisch und scheu.
Über ihre Herkunft ist nicht viel bekannt. Yasha fand sie als langbeiniges Fohlen am Stand eines Pferdehändlers. Sie ließ niemanden an sich heran, ihr helles Fell starrte vor Schmutz und mit ihren überlangen Beinen wirkte sie unförmig. Der Händler war bereit sie zu einem sehr geringen Preis zu verkaufen, denn er war beinahe soweit sie an einen Schlachter zu geben, da sich niemand für sie interessierte. Auf Yashas Nachfrage woher das Tier stamme antwortete der Händler, wohlgemerkt erst nachdem dessen Mutter sie käuflich erworben hatte, dass sie ihm bei seiner letzten Durchquerung des Waldes von Sieryan begegnet sei, wo sie mit einem Vorderhuf in einem Dornenbusch hing. Es kostete ihn einiges an Mühe sie daraus zu befreien, weil sie sich heftig wehrte. Sie ließ ihn nicht an sich heran und so wurde es zu einem echten Kraftakt die Beinwunde zu versorgen. Der Mann war so froh das Tier los zu sein, dass er dem jungen Taurrin noch eine ansehnliche schwarze Pferdedecke mit eingearbeiteten dunkelroten Mustern schenkte. Zunächst hielt der Junge sie mit ihren Troddeln und aufgrund des hohen Gewichtes für überflüssig. Es dauerte jedoch nicht lange bis ihm aufging, dass sich diese Decke nahezu perfekt für sein anderes Pferd Windläufer eignete, dessen dünnes Fell ihm besonders im Winter nicht den besten Kälteschutz bot. Lichtfrosts Fell ist dagegen lang und dicht. Das Deckhaar ist bei ihr auch um einiges weicher als es bei Windläufer der Fall ist.
Sie besitzt ein Stockmaß von 175 cm. Ihr schlanker, kräftiger Körper und die langen Beine machen sie zu einer schnellen Läuferin. Bei einem Sprint über eine kurze Distanz lässt sie die meisten ihrer Artgenossen problemlos hinter sich. Bei längeren Distanzläufen mit hohem Tempo lassen ihre Größe und dass daraus resultierende Gewicht sie dagegen schnell ermüden. Die junge Stute steht noch am Anfang ihrer Ausbildung und ist noch nicht eingeritten.

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