Profil von Caradan

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Weltenbummler
Avatar: Caradan :D

Profil

Benutzername:
Caradan
Alter:
23
Gruppen:
Wohnort:
Hessen

Charakter

Name:
Caradan
Alter:
20
Rasse:
Mensch
Heimat:
Arcanis
Waffen:
Küchenmesser
Inventar:
Kleines Messer, Dietriche, fremdes Geld

Steckbrief

Name:
Darf ich mich in aller Förmlichkeit vorstellen: Mein Name ist Caradan. Nein nichts weiter. Wie nie gehört? Kommt schon, auch wenn ich keinen großen Nachnamen habe und mein Gewerbe eigentlich nicht wirklich von Aufmerksamkeit profitiert solltet ihr nicht so... wenn ich es mit recht überlege zeugt es doch von Können, das ihr mich nicht kennt. Also ist alles in Ordnung.

Alter:
Außerdem, was für einen Ruf sollte sich ein Zwanzigjähriger schon gemacht haben?

Rasse:
Ich bin mir absolut sicher das ich ein Mensch bin. Wieso? Weil ich aus Lanyamere, der bedeutsamsten Hafenstadt von Arcanis, stamme und aufgrund dessen ist eine Verschmutzung durch elfisches Blut doch eher unwahrscheinlich. Nicht das ich etwas gegen Elfen habe, aber ich traue diesem Pack einfach nicht.

Aussehen
Um ehrlich zu sein finde ich mich selbst ziemlich gut aussehend. Ja ehrlich, ich komme stark nach meiner Mutter und die war eine Schönheit - muss sie wohl gewesenen sein, sonst hätte sie im Bordell nicht mit Abstand am meisten verdient. Ja meine Mutter war eine Dirne, na und?
Aber nun wieder zu mir. Ich habe oder hatte mal dunkelblondes Haar, schulterlang. Mittlerweile sind sie schon fast braun, der Schmutz der Straße hat sich dermaßen eingebrannt, das sogar Seife nicht helfen würde - nicht das ich schon mal Seife in der Hand hatte. Vielleicht komme ich ja auch nur mit zunehmendem Alter eher nach meinem Vater.
Zu meinem Gesicht. Es ist schmal und doch rundlich zugleich. Obwohl sich mittlerweile doch ein sehr markantes Kinn abzeichnet, breit und unrasiert. Obwohl ich schon auf meinen Bart achte. Also ich bin zwar nicht rasiert, aber dafür ist mein Bart ordentlich gestutzt. Dazu habe ich helle grau-blaue Augen, relativ schmal und so manch einer meinte schon, etwas linkisches oder hinterhältiges in ihnen zu erkennen, was ich vehement zurückweisen würde. Meistens.
Gibt es noch mehr zu meinem Gesicht zu sagen? Nun ja, meine Nase ist schmal und gerade, ich habe keinerlei Narben. Und sonst habe ich noch alle meine Zähne, gesunde weiße Beißer - mit kaum merklichen Gelbstich.
Ansonsten bin ich ziemlicher städtischer Durchschnitt. Zwischen 1,80 und 1,90 groß, womöglich so 1,85, wenn ich jetzt was genaueres sagen müsste. Wenn man sich nochmals vor Augen führt, dass eine warme Mahlzeit täglich doch ziemlich utopisch ist, für den, in den Straßen einer Hafenstadt aufgewachsenen, Sohn einer Dirne, habe ich mich doch gar nicht so schlecht entwickelt.
Na ja ... mich als kräftig oder gar muskulös zu bezeichnen entspräche, streng genommen, nicht ganz der Wahrheit. Aber dürr oder ausgemergelt bin ich nun auch wieder nicht! Nein ich bin doch den Umständen entsprechend wohlgenährt. Also jedenfalls sehe ich das so, dass mein Körper mit dem wenigen was er bekommt, hervorragend Haus halten kann - soll heißen, er legt es immer genau da an, wo es im Moment gebraucht wird. Ehrlich als mein Gewerbe mal gut lief, also ich meine richtig, richtig gut, da konnte ich es mir leisten eine ganze Woche, jeden Tag in die Wirtsstube zu gehen und dort diesen köstlichen Eintopf mit Brot und Bier zu genießen. Ich schwöre, in dieser Woche habe ich mindestens 20 Pfund zugelegt. Vielleicht waren es auch nur 8 Pfund.
Man kann also sagen ich bin schmal aber nicht schmächtig, nicht stark, aber keines Falls schwach. Meine Gliedmaßen sind ebenfalls ganz normaler durchschnitt, abgesehen davon, das ich schön schmale Langfinger habe - im wörtlichen Sinne. Jetzt nicht so Spinnenfinger, aber lang genug für mein Gewerbe.

Zugegeben, meine Kleider haben schon bessere Zeiten gesehen, aber was soll ich machen? Wenn ich die Wahl zwischen einem halben Leib Brot und einer Hose habe, nehme ganz klar das Brot. Was jetzt nicht bedeutet das ich keine Hose habe!
Fangen wir oben an. Ich trage für gewöhnlich ein Hemd, schwarz, damit man den Dreck nicht so sieht, aus Leinen und darüber eine braune, mit Nähten und Flicken übersäte Wollweste. Braun ist in diesem Falle eher optimistisch formuliert. Dreckfarben passt besser. Dann noch die wirklich existierende Hose, ein ebenfalls braunes, geflicktes Stück Stoff, das unterhalb der Knie erstaunliche Freiheit gewährleistet. Dann noch Schuhe - wenn man dieses Etwas an meinen Füßen noch Schuh nennen könnte.
Schon gut vielleicht war ich gerade etwas zu ungenau. Also mein Hemd ist mir an den Ärmeln etwas zu kurz, weswegen ich sie meistens über den Ellenbogen hoch krempele. Wie bitte - nein ich habe sie nicht gekürzt, weil die Ärmel schon ausgefranst waren. Den Gefallen hat mir jemand anders getan. Dann wären da noch die beiden handbreiten Lederarmbänder. Wo ich die her habe? Gefunden. Wirklich. Nein ehrlich, ich habe die Dinger wirklich gefunden. Waren sogar ein Geschenk der städtischen Wirtsstube an mich. Ja ehrlich, ein Gast ließ sie da für mich liegen. Ja verdammt, ich bin mir sicher die waren für mich. Außerdem stehen mir die Dinger viel besser als dem anderen Kerl und sie sind verdammt praktisch. Ich kann in denen alles mögliche verstecken, wie Ringe, Münzen, Schmuck oder, was ich auch manchmal mache, meine Sammlung von Dietrichen. Ist ungemein praktisch, wenn die nicht im Beutel klimpern, wenn man gerade nachts in ein Haus einbricht. Nicht das ich so etwas tun würde.
Dann noch die knielange Hose, mit vielen Flicken, gehalten von einem viel zu großen grünen Ledergürtel, dem ich notgedrungen noch ein paar Dutzend Löcher stechen musste, mit einer wunderschönen Gürtelschnalle aus poliertem Messing. Also sie war mal poliert, als ich den Gürtel diesem alten, fetten Händler im Bordell ge...liehen habe - und kurz darauf gab er ihn mir wieder zurück. Deshalb besitze ich ihn nun. Wieso verkaufe ich nicht, fragt ihr euch bestimmt. Nun, weil er ziemlich nützlich ist, mal kann allerlei Beutel und Taschen an ihm festmachen. Genau wie mein Werkzeug. Außerdem ist es ziemlich umständlich einen Beutel aufzuschneiden, ohne das es das Opfer mitbekommt. Ihr Laien macht euch da ja gar keine Vorstellung! Zuerst muss man den Beutel unbemerkt aufschneiden und dann die Münzen geräuschlos auffangen. Da ist es viel bequemer den ganzen Beutel abzuschneiden und ihn an den eigenen Gürtel zu hängen, als gehöre er einem seit Anbeginn der Zeit oder zumindest des Tages.
Die Hose selbst ist ursprünglich mal irgendwann aus Wolle gewesen. Mittlerweile könnte ich gar nicht mehr sagen was da genau noch was ist. Vom Schnitt, mal abgesehen davon, dass sie mir bloß knapp über die Knie reicht, ist sie relativ hautnah. Also ich habe ein wirklich extrem auffallendes Defizit an dieser Hose bemerkt, immerhin habe ich sie schon seit 6 Jahren. Das Problem ist, Hosen wachsen, im Gegensatz zur eigenen Haut, beim älter werden nicht mit. Folglich sitzt sie im Moment eher ... na ja ... eng ist zu weit, verstehst du. Ich bin froh, dass ich das Ding überhaupt soweit runter bekomme, dass ich ein gewissen Geschäft erledigen kann. Natürlich wurde die Hose an den Beinen etwas erweitert, ich mein am Bauch war das nicht nötig, dass der mal in die Breite geht wäre ja mal schön. Nein, die netten Damen des Bordells nahmen den Stoff der Waden, ja die Hose war mal lang und flickten die aufgeplatzten Risse, Nähte und was weiß ich, ich bin kein Schneider. Ich kann bloß sagen, die Hose ist alt, oft ausgebessert und sehr stark anliegend.
Über meine Schuhe brauch ich nichts zu sagen, oder?
Dann hätten wir da noch meine Wintergarderobe. Da sieht es bei mir immer etwas knapp aus, aber für die kalten Tage habe ich noch meine eigene Decke. Ich weiß, eine Decke ist keine Kleidung, aber im Winter darf man nicht wählerisch sein. Jetzt nicht dass ein falsches Bild entsteht. Die Decke ist hauptsächlich für die Nacht. Es kam aber auch schon an ganz, ganz kalten Tagen vor, dass ich mir meine Decke auch am helllichten Tage übergeworfen habe. Nun ist man in meinem Gewerbe damit ziemlich eingeschränkt, wäre wohl bei jedem Gewerbe so, also unterlasse ich es und bettle stattdessen. Wäre so wie so an solch kalten Tagen, mit tauben Fingern nicht in der Lage ordentlich zu arbeiten. Da bekommt man ja gar nichts hin. An milderen Tagen jedoch, halte ich mich in der Nähe von Hauseingängen, von Marktständen an denen heiße Speisen serviert werden oder von Wachfeuern auf, bis ich dann mein Ziel entdeckt habe und dann schnell wieder dahin wo ich nicht fest friere. Der Winter ist schlecht fürs Geschäft, aber was soll man machen.

Waffen
Ich stehe Waffen eigentlich ziemlich misstrauisch gegenüber, denn ich finde, wer eine Waffe trägt, sollte auch mit ihr umgehen können. Da ich das nicht kann, besitze ich keine.
Was ich aber besitze, ist Werkzeug. Mein mit Abstand wichtigstes Werkzeug ist ein kleines eisernes Messer mit nach vorne gekrümmter Klinge. Perfekt um Geldbeutel zu öffnen. Entweder stecke ich das kleine Ding in den Gürtel oder, wenn ich auf "Jagd" bin schiebe ich es mir mit dem Griff voran in die Lederarmbänder, sodass die Klinge in meiner Handfläche verschwindet. So kann ich wunderbar arbeiten und keiner sieht das Messer.
Dann eben noch meine Dietriche, ebenfalls sehr praktisch.
Wenn ich es mir recht überlege besitze ich da noch dieses ziemlich lange Messer, das ich mal aus einer Küche habe mitgehen lassen. Zählt das als Waffe?Jedenfalls mögen die Wachen es nicht, wenn ich mit diesem langen Messer durch die Stadt laufe, also habe ich mir einen kleinen Trick überlegt. Ich wickel es in einen Socken ein und stecke es mir am Rücken in den Gürtel. Die Socke habe ich übrigens von einer Dirne beborgt bekommen.
Ach beinahe vergessen, eine Waffe habe ich dann doch noch, mit der ich hervorragend umgehen kann. Meine Zunge, schärfer als jede Klinge, nur meinem Verstand unterlegen. Mit Worten zu jonglieren ist meine Spezialität, obwohl ich sagen muss das mir meine Kunststücke mal besser, mal schlechter gelingen.

Charakter
Kommen wir zu mir als Person. Tja, da fallen mir spontan nur negative Eigenschaften ein. Allen voran egoistisch, selbstverliebt und intrigant. Oh ja, das beste kommt zu erst.
Aber mal ehrlich, war etwas anderes zu erwarten, bei meiner Tätigkeit? Da darf man nun mal nicht zimperlich sein, Die Straße ist nicht gnädig - bei all den Schwierigkeiten aber auch nicht gnadenlos. Da bin ich realistisch. Natürlich gibt es auch jene, die einen Zusammenhalt pflegen, sich gegenseitig beschützen und wie eine eigenen Familie überleben, für einander sorgen. So etwas hätte ich mir auch gewünscht. Oh man, habt ihr mir das abgenommen? Nein, bloß nicht, bleibt mir mit so einem Geschwätz ja vom Leib. Jeder ist sich selbst der Nächste - das ist mein Motto. Ich habe kein Problem damit andere ans Messer zu liefern und verstehe auch, wenn ich mal ans Messer geliefert werden würde, aber dafür bin ich zu schlau. Ich erwähnte meine Selbstverliebtheit schon, oder?
Aber auch wenn ich nichts auf diesen inoffiziellen Kodex gebe, die Straße hält zusammen und so ein Geschwätz, würde ich doch nie denen Schaden die meine Misere teilen - es sei denn es rettet mir den Hals, da kenne ich nichts. Seit meine Mutter von uns gegangen worden ist, habe ich nicht mehr allzu viel übrig für andere Leute. Vor allem widern mich Soldaten, Söldner oder allgemein alle Kerle mit Schwertern sowas von an.
Ich mag andere Leute nicht. Die meisten sind mir einfach zu dumm. Nicht das ich ein hochgebildeter Mensch wäre, aber das macht jemanden noch nicht schlau. Manche Menschen sind einfach erschreckend resistent gegenüber Logik. Dann gibt es noch diejenigen auf meinem Niveau, mit denen ich mich dann doch ganz gut verstehen kann. Mit dieser Art, mache ich gerne Geschäfte. Anders sind dann wieder die, die schlauer sind als ich. Vor denen habe ich nicht nur ein gesundes und oft auch lebensrettendes Maß an Respekt, nein, ich fürchte diese Menschen auch des öfteren.

Ich weiß nicht ob man mich als willensstark bezeichnen könnte, weil ich mir niemals einen unnötigen Luxus gönnen würde, wie teuren, seltenen Alkohol. Auch an fleischliche Freuden bin ich nicht interessiert, immerhin bin ich einem Bordell aufgewachsen, da sieht man sich schnell satt. Nicht das ich völlig abgeneigt bin, nur bin ich da nicht so versessen wie andere Männer.
Abgesehen davon, habe ich nicht wirklich Geld zu vergeuden. Sicher, manchmal bleibt etwas übrig und sicher, ich könnte mir ab und an mal was gönnen, aber ich meine ich brauch das Geld um mir vielleicht andere Dinge zu kaufen oder denkt ihr die Damen im Bordell flicken meine Kleidung umsonst, weil sie so nett sind oder glaubt ihr mein Messer bleibt so scharf, weil der Schmied gerade mal Lust zum Schleifen hatte? Nein ich habe Kosten und für die spare ich das Geld, immer hin bin ich nur so gut wie meine Ausrüstung.
Ach ja, was man noch als Junge in einem Bordell lernt, ist den Mund zu halten und unsichtbar zu werden. Darin bin ich gut. Es wurde mir also beigebracht still und ruhig zu sein, andere zu beobachten, von ihrem Verhalten zu lernen und sich anzupassen. Mit der Zeit lernt man jede Charaktereigenschaft zu imitieren, immer gerade die, die einem am meisten nützt.

Ich würde gerne ein paar positive Eigenschaften nennen, doch könnte ich nicht guten Gewissens welche aufzählen, da die meisten nur gespielt sind. Nicht das ich ein böser Mensch wäre, aber ich kann mir sowas wie Freundlichkeit, echte Freundlichkeit, einfach nicht leisten. Also ich kann schon nett sein, sogar aufrichtig oder höflich, aber dazu muss mein Gegenüber auch die passende Art Mensch sein. Kerle die ihrer eigenen Stärke mehr Aufmerksamkeit schenken als allem anderem, können mir gestohlen bleiben. Angeber brauch niemand und Lügner langweilen mich, denn ich weiß sehr gut wann jemand lügt.
Ich brauch auch keine Freunde. Das klingt jetzt hart aber lasst mich erklären. Freunde lässt du an dich ran, lässt dich von ihrem Verhalten beeinflussen und vor allem zeigst du ihnen Verwundbarkeit. Freunde können dich verletzten und das will ich nicht. Deshalb pflege ich nur nützliche Kontakte, zu denen ich, je nach Nutzen des Kontaktes, ein gewisses Maß an Treue zukommen lasse, falls ich zu so etwas fähig bin. Wenn ja, sage ich bescheid.
Haltet mich jetzt bitte nicht für herzlos oder dergleichen. Ich helfe auch mal jenen die so sind wie ich, ehrlich, aber eben nicht sehr häufig. Also wenn jemand kurz vorm Verhungern wäre, würde ich ihm etwas geben, das ist doch wohl selbstverständlich, aber deswegen ist der noch lange nicht mein Freund.
Ich hatte mal einen Freund, sein Name war Kläffer, eine schmutzige, verlauste Töle, die mir in einer kalten Winternacht das Leben gerettet hatte, indem ich mit ihm kuscheln durfte. Er hat den Winter nicht überlebt und das hat mir zum ersten Mal das Herz zerrissen. Deshalb will ich keine Freunde. Dazu kam noch das er von Krähen auf offener Straße verspeist wurde und als ich sie verscheuchen wollte, verscheuchten sie mich. Seit dem habe ich höllische Angst vor Vögeln, diese Biester mit ihren Rasiermesser scharfen Schnäbeln und den kalten toten Augen ... huah, ich bekomme eine Gänsehaut.
Dann waren da auch noch die Dirnen im Bordell, die ich jahrelang als meine Freunde sah. Dann starb meine Mutter und die ehemalige Herzlichkeit und Freundlichkeit, wandelte sich in Mitgefühl. Ich hasse Mitgefühl! Ich leide selbst genug, da muss mich nicht noch jeder daran erinnern und das schlimmste ist, Mitleid vergeht und hinterlässt nichts als Leere. Und das war für mich fast noch schlimmer, als der Verlust selbst.
Natürlich wünsche ich mir ab und zu mal einen Freund, jemanden, mit ich auch mal Spaß haben kann, denn der kam bisher echt zu kurz. Wenn jemand so ist wie ich, natürlich nicht genau wie ich, aber im groben, dann kann ich mir auch mal vorstellen etwas offener zu sein. Also der andere, egal ob Mann ob Frau, sollte Sinn für Sarkasmus oder gar Zynismus haben, sollte keine Erbsenzähler sein und, ganz wichtig, sollte er das Gesetzt als nette Empfehlung betrachten.
Was gäbe es da noch über mich zu sagen. Oh da fällt mir noch was ein. Risikobereitschaft ist doch noch ein interessantes Thema, wie weit bin ich bereit zu gehen.
Kurz um, sehr. Ja ich bin ein wirklich unverschämter Dieb. Ja nicht nur das ich meinen Opfern oft auch mitten ins Gesicht schaue, während ich arbeite, nein ich bin auch dabei auch noch zu einem kleinen Plausch aufgelegt. Natürlich muss man als Dieb Risiken eingehen, um an sein täglich Brot zu verdienen.
Das ist übrigens auch so eine Sache, ich meine ich habe seltener als mir lieb ist Geld um mir eine volle Mahlzeit zu gönnen. Meistens hole ich mir einfach kleinere Essensreste, also mal ein angebranntes Brot hier, ein braun gewordener Apfel dort. Auch mal eine Wurst oder ein gutes Stück Käse. Ich achte eben immer darauf, dass ich immer wieder mal etwas esse, also im Prinzip schaue ich wenn ich Hunger habe, ob ich genügend Geld übrig habe oder ob ich eine Gelegenheit sehe mir an einem stand was zu stibitzen. Wenn ich aber dann mal einen fetten Fang habe, überlege ich wie ich den am besten einsetzte, also brauch ich etwas dringender als Essen oder kann ich mich auch mal wieder satt essen um eventuell die nächste Flaute gefahrlos zu überstehen.
Zurück zum Risiko. Ich gehe meistens enorme Risiken ein, immerhin ist eine abgeschlagene Hand noch das kleinste übel, wenn man erwischt wird. Das mal so dahin gestellt. Aber eben das, macht es ja auch so spannend. Prinzipiell gehe ich aber nur kalkulierbare Risiken ein. Ich bin weder wagemutig, noch lebensmüde, noch blöd. Ich halte mich da so an einen selbstauferlegten Kodex oder nennen wir es lieber Anleitung, denn ich halte mich konsequent von bewaffneten oder bewachten Leuten fern. Mit denen will und kann ich mich nicht anlegen. Leider sind das meistens diejenigen, die das meiste Geld bei sich haben, aber was soll's, immerhin lebe ich dadurch noch. Dann bestehle ich ungern Damen. Das hat nichts mit Ritterlichkeit zu tun, sondern ist schlicht und ergreifend besser für meine Gesundheit. Also Männer neigen dazu, wenn sie merken dass sie bestohlen wurden, die Sache selbst regeln zu wollen. Sie sehen sich also nach dem Dieb um und wollen ihn auf eigene Faust verfolgen. Alle Angaben ohne Gewähr. Die Damen tendieren eher dazu laut los zu kreischen, als würde ihnen jemand auf offener Straße an die Wäsche gehen. Das lockt dann lauter hilfsbereite junge Kerle an, die der Jungfrau in Nöten, sofort zu Hilfe eilen. Instiktives Triebverhalten, sag ich da nur.
Am liebsten klaue ich von Männern zwischen 30 und 40, denn die haben oft auch etwas im Beutel und schreien eben nicht sofort um Hilfe. Alte Menschen tun mir oft auch einfach zu leid um sie zu bestehlen. Oft, nicht immer.

Eigentlich erzähle ich gar nicht gerne etwas über mich, da bin ich eher von der verschwiegenen Sorte. Andererseits, wenn ich für mich einen Vorteil sehen, kann ich auch erzählen. Na ja, eher lügen. Das macht mir nichts aus. Moralisches Handeln ist nicht so mein Fall. Aber ich habe da doch schon meinen eigenen Kodex. Ich würde zum Beispiel niemals jemanden tötet - dachte ich jedenfalls - oder jemanden bestehlen der mir schon mal den Hals gerettet hat. Dankbarkeit ist etwas dem ich mich verpflichtet fühle und Schulden müssen beglichen werden, da kenne ich keine Ausnahmen.
Religion und Einstellung
Wenn man in Arcanis aufwächst, wird einem die Religion im Prinzip mit der Muttermilch eingeflößt, selbst im ach so toleranten Lanyamere, welches nur im direkten Vergleich mit dem Rest des Landes als tolerant durchgeht. Meine Mutter war sehr religiös und betete auch oft. Ich bin da doch eher liberaler eingestellt, also keine Fanatiker. Im Prinzip bin ich froh das ich die Namen unserer Götter kenne. Janus und Idalia, von denen ich auch glaube dass es sie gibt, also versteht mich da nicht falsch. Aber Götter sind nun mal Götter und Götter sind meiner Meinung nach selbstsüchtige und oder sadistische Mistkerle, die sich einen Dreck um uns kümmern. Ich meine Hunger, Krieg und Leid können doch kaum im Sinne von dieses ach so tollen Wesen sein. Wieso greifen sie nicht ein, wieso zeigen sie sich nicht den Ungläubigen, sondern lassen hier die Wahrheitsbringer und Aschesänger die Drecksarbeit erledigen? Ich glaube an sie JA! Warum glaube ich an sie? Weil ich ja irgend wen für meine Lage verfluchen muss!
Und mit unserem tollen Priesterkönig will ich gar nicht erst anfangen. Nie im Leben stimmt alles was der Kerl sagt, ich meine das ist doch etwas zu viel des Zufalls, dass die heiligen Schriften so perfekt zu seiner politischen Einstellung passt. Mir aber auch egal, immerhin weiß ich nicht mal wie der Kerl heißt! Politik und Macht und so etwas sind für mich so interessant wie ein toter Fisch. Ehrlich, es gibt nichts was mich im Moment weniger interessieren könnte.
Wünsche oder Träume
Träume sind für Idioten. Wenn ich irgendwann mal das nötige Kleingeld habe, dann werde ich mir nochmal überlegen ob ich träumen werde. Und den einzigen Wunsch den ich habe, wäre ein wärmerer Winter, denn eigentlich, bin ich ganz zufrieden mit meinem Leben. Ich bin gut in dem was ich tue und kann mir ein anderes Leben gar nicht mehr vorstellen. Es würde mir auch langweilig werden, so ganz ohne den Nervenkitzel erwischt zu werden.

Fähigkeiten
Wo soll ich da denn nur anfangen, haben die Götter mich doch so reichlich ausgestattet. Eigentlich hatten die Zwei gar nicht so viel damit zu tun. Egal.
Manch einer hat es vielleicht schon spitz gekriegt, aber ich bin ein ganz passabler Dieb. Nicht das ich ein bescheidender Mensch wäre, aber das Diebeshandwerk professionell auszuüben würde ich mir niemals anmaßen zu behaupten. Ich bin eher ein Gelegenheitsdieb, ohne große Ambitionen außer zu überleben und auch nicht daran interessiert irgendwann mal der Diebesgilde beizutreten.
Aber im großen und ganzen würde ich mich schon als guten Dieb bezeichnen. Ich kann mich unsichtbar machen - im übertragenen Sinne versteht sich. Eine Menschenmenge ist wie ein Teich voller Fische und die Kunst ist das du als Raubfisch, zu einem kleinen, unbedeutendem Fisch wirst, den alle anderen übersehen. Lass die dicken Forellen und die edlen Lachse nur ihres Weges schwimmen, bleibe unbemerkt, erst recht von den schwer bewaffneten Wachfischen, die dafür sorgen das die Geldbeutel der Forellen und Schmuckstücke der Lachse sicher an ihren Flossen bleiben. Aber nicht mit mir. Natürlich übertreibe ich es nicht gleich. Ich bin nicht einer von dieses wagemutigen Piraten, die über Nacht ganze Schiffsladungen stehlen. Nein, nein, ein Beutel hier und da reicht vollkommen. Man muss seine Grenzen kennen, das ist ganz wichtig. Erst recht wenn sich abseits der legalen Pfade bewegt. Wenn man da zu übermütig wird, haben sie dich ganz schnell am Schlafittchen. Das macht meiner Meinung nach einen guten Dieb aus. Du musst wissen bei Wem und du Was wagen und Wie du es wagen kannst. Sonst ist es ganz schnell vorbei.
Sobald man dann den Beutel hat, ganz schnell und heimlich in einer Seitengasse verschwinden. Gut, manchmal auch nur schnell und nicht ganz so heimlich. Aber schnell bin ich, daran gibt es nicht den geringsten Zweifel, immerhin hat mich noch nie eine der Wachen erwischt. Sollte mir dann doch mal einer zu nahe kommen, klettere ich einfach auf das nächstgelegene Dach. Also ich bin jetzt nicht einer dieser Fassadenkletterer, der mal eben die nächste Hauswand empor steigt. Um ehrlich zu sein tue ich mir auch schwer auf Bäume zu klettern. Um ganz ehrlich zu sein kann ich gar nicht klettern. Ich nutze dafür natürliche Treppen, so wie Fässer die da gerade praktisch stehen ein günstig stehender Karren wird dann mal schnell zum Sprungbrett. Bin ich dann erstmal Oben, bin ich unfassbar, dann spring ich von Dach zu Dach. Nicht das ich mutig bin oder so was, aber wenn es um meine eigene Haut geht, geh ich schon so manches Wagnis ein. Na gut, bis jetzt wurde ich noch nie über die Dächer verfolgt, also weiß ich nicht genau ob ich von Dach zu Dach springen könnte, aber ich bin mir da fast absolut sicher.
Obwohl, einmal musste ich über die Dächer der Stadt fliehen, da waren mir zwei gehörnte Ehemänner auf den Fersen. Wieso gleich zwei? Nun ja, Mutter und Tochter waren ein dynamisches Duo im Schlafzimmer, aber darauf gehe ich lieber nicht ein. Mal abgesehen davon, haben Vater und Schwiegersohn uns gar nicht dabei erwischt. Ich war schon wieder angezogen und am gehen, als die beiden ins Zimmer stürmten und ich notgedrungen das Fenster als Ausgang auserwählte. Das war schon eine Leistung, denn das nächste Dach war zwei Schritt weit weg, aber ich habe den Sprung gewagt. Hab mir dabei zwar das Knie an der Kante des Daches blau gestoßen und bin zwei Dächer weiter ausgerutscht und vom Dach gefallen, aber alles in allem war es eine Flucht über die Dächer. Bei dem Sturz habe ich mir zum Glück nichts getan, denn ich bin in den Stand eines Tuchhändlers gestürzt, zum Glück. Er fand das wiederum nicht so toll, denn ich habe sein Dach zerrissen und ein paar teure Stoffe in den Dreck geschleudert, aber eigentlich sollte der Kerl doch stolz sein, einem jungen Mann wie mir das Leben gerettet zu haben. Stimmt doch oder nicht?
Das ist unter anderem der Grund, weshalb ich Bodennähe dann doch vorziehe. Ich meine, rennen kann ich, recht schnell und recht lange. Jedenfalls länger als die gerüsteten Wachen, die sind ja schon nach 800 Metern aus der Puste, während ich noch Tage lang weiter rennen könnte. Oder auch nur eine Stunde oder zwei, wenn es darauf ankäme.
Dann bin ich auch nicht allzu schlecht im Schlösser knacken, obwohl ich dazu nie wirklich Gelegenheit habe. Bin nun mal ein Taschendieb und kein Einbrecher. Im Bordell hatte ich als kleiner Junge viel Gelegenheit, kein Schmuckkästchen war vor mir sicher. Natürlich habe ich die Damen nie bestohlen, immerhin waren die sowas wie meine Familie und außerdem hatten die meisten sowie so nicht genug, also hätte sich das gar nicht gelohnt.

So ich denke das wäre dann der rechte Zeitpunkt um den Laien unter euch mal etwas über mein Handwerk zu erzählen. Also im Grunde unterscheidet ich zwischen vier verschiedenen Gattungen innerhalb des Diebeshandwerkes.
Da gäbe es zum einen die gewöhnlichen Diebe, die einfach das klauen, was sie gerade in die Finger bekommen. Sprich ein Korb Äpfel fällt zu Boden und der Dieb stibitzt sich einen davon. Dazu brauch man kein großes Geschick, bloß Ausdauer, da diese Gattung meistens nach dem Diebstahl sofort flüchtet.
Dann den allerorts gefürchteten Räuber, ihr wisst schon, die Kerle die mit Waffengewalt andere um ihr Hab und Gut erleichtern und die Kunst des Stehlens mit Füßen treten. Ich mag diese Kerle nicht.
So jetzt wird es interessanter, denn wir kommen zum Einbrecher. Der Einbrecher zieht es vor, entgegen der meisten Erwartungen, am Tage zuzuschlagen, wenn die Straßen voll und die Häuser dementsprechend leer sind. Dazu ist ein gewissen Maß an Können von Nöten, denn man muss sowohl ungesehen, als auch ungehört das Schloss des Hauses öffnen oder irgendwie anders eindringen, was sich unter gewissen Umständen als äußerst schwierig erweisen kann. Andererseits, so kompliziert ist es gar nicht, habe ich doch noch nie ein Haus um Hilfe schreien hören, weil jemand gerade in es einbricht.
Nun kommen wir zur schönsten Gattung, meiner Gattung, der Gattung der Taschendiebe. Nichts verkörpert den Geist des Stehlens besser als der Taschendieb. Unbemerkt beklaut er sein ahnungsloses Opfer und entschwindet dann, ohne großen Tumult oder Aufsehen zu erregen. Ich unterscheide den Taschendieb zwischen zwei Arten. Den Jäger oder wie ich in nenne, den Vogel und dem Sammler, im folgenden der Fisch genannt.
Der Vogel liegt auf der Lauer. Er schwebt wenn es sein muss stundenlang in einer sanften Meeresbriese und wartet auf den Fischschwarm. Entdeckt er dann ich besagtem Schwarm einen für ihn geeigneten Fisch, begibt er sich in den Sturzflug, schnapp den Fisch, bringt ihn um die Ecke, brät ihm über dem Feuer, garniert ihn mit ein paar Kräutern und serviert ihn sich selbst, noch schön filetiert und in mundgerechte Happen zerstückelt, auf dem Silbertablett.
Der Fisch, ist da anders. Vorne weg, ich bin eher der Fisch, also ein toller Hecht wenn ihr so wollt. Der Fisch, schwimmt im Meer. Er kennt das Meer in und auswendig und er wartet ebenfalls auf den Schwarm. Sobald er den Schwarm erblickt, mischt er sich unauffällig unter ihn und schnappt mal nach hier und mal nach da und verschlingt die Beute gleich roh.
Nicht das ich das Geld jetzt fresse! Ich gebe es nur sofort aus. Ich meine die Wahrscheinlichkeit mit Diebesgut erwischt zu werden sinkt erheblich, wenn der Bäcker es bereits als Wechselgeld dem nächsten Kunden gibt.
Wie geht der Fisch als Mensch nun vor, also wie genau komme ich da an das Geld. Die Erfahrung zeigte mir, je unverschämter ich vorgehe, desto erfolgreicher bin ich. Das hat vor allem den Grund, dass die meisten Menschen einfach zu arrogant und von sich selbst überzeugt sind, das sie glauben, es sein unmöglich sie zu bestehlen, so etwas geschähe nur anderen, sie selbst wären dafür zu gerissen, zu vorsichtig, zu aufmerksam, zu was auch immer. Sie verdrängen lieber die Tatsache das sie gerade in diesem kurzen Moment bestohlen wurden, als zu akzeptieren das sie nicht so schlau sind wie sie denken und später dann das böse erwachen.
Was ist meine Methode der Wahl. Das klassische Anrempeln. Man stößt absichtlich mit dem Opfer zusammen und schneidet schnell und gezielt den Beutel ab, entschuldigt sich, verbeugt sich um sein eigenes Gesicht zu verbergen und taucht in der Menge unter, während das Opfer noch verwirrt umher steht. Der Vorteil dabei den ganzen Beutel abzuschneiden ist der, dass man es in einer Sekunde erledigt hat. Dazu kommt noch, dass das Opfer dadurch verunsichert wird. Habe ich den Beutel zu Hause gelassen, habe ich ihn verloren, habe ich ihn liegen lassen - das geht einem Bestohlenen durch den Kopf.
Natürlich kann ich auch anders. Still und heimlich einen Ring vom Finger ziehen, während ich dem Opfer die Hand schüttele, manche besitzen keinen Geldbeutel und haben das Geld in den Taschen. Da komme ich im Gedränge auch leicht ran, denn da wird man ständig irgendwo berührt, wer merkt da schon ob die Hand an oder in der Tasche ist?
Kurz gesagt gibt es viele Arten, andere um ihr Habe zu erleichtern und ich kenne so einige davon. Aber ich werde mich hüten alle meine Tricks zu verraten.

Dann kann ich noch lesen, schreiben und rechnen. Zugegeben, meine rechnerischen Fertigkeiten beschränken sich auf das Zusammenzählen ohne Finger und das Wissen über den Wert von welchen Münzen. Lesen ist da auch so eine Sache. also ich kann es, aber manche Wörter, hauptsächlich welche aus südlichen Dialekten sind mir dann doch nicht so geläufig. Also was ich lesen nenne ist eigentlich mehr ein Erraten der Wörter, die ja so und so klingen müssten und dann bilde ich mir einen sinnvollen Satz aus den Wörtern die ich glaube gelesen zu haben. Was das Schreiben nun wieder angeht, also meine Mutter wollte es mich lehren - ja sie konnte schreiben - aber dazu fehlte ihr die Zeit und mir die Geduld. Aber wenn man lesen kann, wie schwer kann schreiben dann schon sein.

Ich erwähnte ja schon meine Haltung zu Waffen. Da ich keine habe liegt es nur nahe das ich auch nicht kämpfen kann. Gut, ich beherrsche mit meinem zu groß geratenen Küchenmesser ein paar kleine Kunststücke, lass es von einer Hand zur anderen springen und wirbeln, um meinen Gegner einzuschüchtern. Das bringt natürlich wenig, wenn der Andere ein muskelbepackter Söldner mit Streitaxt ist. Da kann ich fuchteln wie ich will. Wahrscheinlich hacke ich mir selbst einen Finger ab und der Kerl lacht sich tot.
Dann versuche ich doch lieber das Problem mit Worten zu lösen. Darin bin ich gut. Zugegeben, wenn ich viel und lange rede, hat nicht alles was ich sage Hand und Fuß, aber wenn ich das weiter rede, wird irgendwann ein Schuh daraus. Ich weiß schon wie ich meine Gegenüber beruhigen kann ... ab und zu. Falls es mir dann doch mal missglückt, den großen, Streitaxt schwingenden Söldner zu beruhigen, nehme ich die Beine in die Hand und weg bin ich.
Ich bin durch und durch ein Kind der Stadt. Soll heißen ich würde keinen Tag in der Wildnis überleben. Ich habe keine Ahnung wie ich außerhalb einer Stadtmauer zurecht kommen sollte. Weder weiß ich was für Pflanzen man essen kann, noch kann ich Feuer machen, geschweige denn jagen. Da ich nicht in der Lage bin Feuer zu machen, erübrigt sich die Frage ob ich Kochen kann, aber nein, kann ich nicht. Es gibt noch so viel mehr das ich nicht kann oder womit ich Probleme habe, aber das fällt mir momentan nicht ein, was soll's.

Magie/Zauber
Was soll ich sagen, mein Repertoire an Feuerbällen, Windstößen und Flutwellen ist dann doch eher sehr mager, aber wundert das jemanden? Und als guter arcanischer Bürger würde ich niemals annehmen das ich Naturmagie beherrsche - obwohl beherrschen mir da die falsche Wortwahl zu sein scheint.

Aber da gibt es diese eine Sache, die mir keine Ruhe lässt. Ich habe da diese eine Fähigkeit, die ich selbst "blinzeln" nenne und die habe ich seit ich denken kann, also seit meiner Geburt glaube ich, immerhin habe ich die von niemanden gelernt oder mir abgeguckt. So genau kann ich das aber nicht sagen, da immer ein gewisser Umstand von Nöten ist, damit sich diese Fähigkeit freiwillig zeigt und in solch einen Umstand, gerät man als kleiner Junge dann doch eher selten. Außerdem habe ich das Gefühl je älter ich werde, desto aktiver zeigt sie sich. Aber ich sollte erstmal sagen, von was ich da genau rede.
Also, ich habe Vorahnungen. Immer dann, wenn mir jemand ans Leder will, weiß ich es einen Wimpernschlag bevor er es selbst weiß. Das klingt jetzt verrückt und ist bestimmt auch nur schwer nachzuvollziehen, aber es ist wahr.
Neulich erst war ich in der Wirtsstube und da war ein Söldner oder Soldat oder was auch immer, der einen über den Durst getrunken hatte. Der Kerl war voll - was rede ich da - der Kerl lief über! Und anscheinend passte ihm irgendwas an mir nicht, denn er kam zu mir rüber geschwankt und meinte, ich tränke da sein Bier. Das wahr selbstverständlich Schwachsinn, denn ich war froh das ich mir ein Stück Brot mit einem Krug Wasser hatte leisten können, was ich ihm auch sagte. Daraufhin meinte er, ich würde ihn einen Lügner nennen. Er zog also seinen Dolch und wollte mir meine eigenen Hand an den Tisch nageln. Er zog ihn also und rammte den Dolch mit einer, für seinen Zustand beachtlichen, Präzision in den Tisch, genau dorthin, wo eine Sekunde zuvor noch meine Hand gewesen war. Ich hatte gewusst oder es zumindest geahnt was er vorhatte, noch bevor er zum Dolch gegriffen hatte!
Das mag jetzt klingen als wäre ich dadurch unverwundbar oder dergleichen. Lasst es euch gesagt sein, es ist definitiv nicht so. Ich erkläre diese Ahnungen nochmal Schritt für Schritt. Leider kamen sie noch nicht allzu oft vor, ich ihr auftreten an einer Hand abzählen. Zweimal in ein und dem selben Kampf und dann letztens in der Wirtsstube. Interessanter weise, war immer der gleiche Kerl derjenige, der mir das Fell über die Ohren ziehen wollte.
Also, sobald sich so ein für mich gesundheitsgefährdendes Verhalten ankündigt, durchzuckt mich so etwas wie ein Bild, es ist wirklich nur ganz kurz, im Falle der Wirtsstube, sah ich meine durchbohrte Hand. Dieses Bild geht immer mit einem kurzen Kopfschmerz einher, nichts dramatisches, es fühlt sich so an als hätte man versehentlich in die Sonne geguckt. Danach bin ich dann eigentlich wieder auf mich gestellt, aber immerhin bin ich bereits vorgewarnt was gleich passieren könnte und halte mich dementsprechend in Bereitschaft.
In der vor ein paar Jahren stattgefundenen, als Prügelei begonnenen, Messerstecherei, sah ich einmal wie ich erwürgt werde und einmal wie ich mit meinem eigenen Messer erstochen wurde. Die Bilder, es sind wirklich nur Bilder, vollendete Tatsachen, ich sehe weder wer etwas tut, noch wann oder wie es getan wird. Nur das es passiert versteht ihr?
Dem erwürgen entkam ich dadurch, dass ich meinen Gegner in dem Moment biss, als ich bemerkte was er vorhatte und dem Stich wich ich durch puren Zufall aus, denn als ich Ausweichen wollte, knickte ich um und fiel noch rechtzeitig zu Seite. Ihr seht also, auch ohne mein eigenes Zutun treffen diese Bilder nicht zu.

Mir selbst ist das manchmal unheimlich, das ich ein Magier sein könnte. Ich mag gar nicht daran denken, da lässt es mir glatt die Haare zu berge stehen. Ich kann ja auch niemanden fragen, ich bin ja nicht lebensmüde. Vielleicht mache ich mir auch wegen nichts Sorgen, vielleicht habe ich ja auch nur eine verdammt gute Intuition, die mich ein ums andere Mal vor Schaden bewahrt. So wird es sein. Ich und Magie, einfach lächerlich.

Vergangenheit
Ich glaube um meine Geschichte zu verstehen, muss man die Geschichte meiner Mutter kennen. Und jetzt keine falschen Hoffnungen, meine Geschichte ist langweilig.
Also meine Mutter wuchs in Irukhan, der Hauptstadt des schönen Landes Arcanis, auf. Sie lebte dort in einem Viertel nahe des Marktes, in einem Haus mit Blick auf die Silberzitadelle. Sie war eine Schönheit, langes blondes Haar und dunkelgrüne Augen. Wenn ich mich an meine Mutter zurückerinnere, war sie wirklich schön und wie sie sagte, meinten die Männer in der Hauptstadt, sie sei das schönste Mädchen im Viertel. Das wiederum halte ich für übertrieben. Leider schien es, als sei eben jenes Aussehen ihr Fluch, denn ein Jüngling schien sehr von ihr angetan. Er ließ nichts unversucht ihr Herz zu gewinnen. Als er wieder und wieder und wieder abblitzte ging er zu unkonventionellen Methoden über. Das Ende vom Lied war, meine Mutter war gerade 17 Jahre alt geworden, dass er sich ihr aufzwang. Mehrmals, wie sie sagte. Und es kam wie es kommen musste, sie wurde schwanger - mit mir. Hurra mein erster Auftritt. Nun ist es natürlich so, es ist für eine junge Frau nicht gerade von Vorteil, wenn sie unverheiratet schwanger ist und selbst eine Anklage gegen diesen Mistkerl wäre nutzlos gewesen, denn im Zweifel, wird immer dem Mann geglaubt. Eine Schwachstelle in unserem Rechtssystem, wie ich finde, aber da bin ich wirklich kein Experte. Und meine Großeltern waren auch nicht besser! Sie verstießen meine Mutter, wollte mit einer Hure nichts zu tun haben. Was blieb ihr anderes übrig als zu fliehen, nach Lanyamere, zu einem Onkel der dort angeblich leben sollte. Wie sie da hin kam, davon hat sie nie erzählt, aber als sie ankam musste sie feststellen, dass der Onkel schon über ein Jahr tot war. Ohne Mittel oder Bekannte, war meine Mutter in einer fremden Stadt gestrandet. Ihr blieb nichts anderes übrig als im Freudenhaus anzufangen - also so sah sie das damals.
Damals hatte ein Mann namens Barns das Bordell gepachtet und nahm meine Mutter trotz Schwangerschaft auf. Ich weiß ja nicht wie vertraut ihr mit Freudenhäusern seid, so zum Ablauf wie es da zu geht. Also ich meine jetzt nicht wie es in den Schlafzimmern zugeht, sondern wie es abseits des Geschäftes zu geht, zwischen Frauenwirt und Dirne. Meine Mutter musste alles abgeben was sie hatte und bekam die städtische Dirnentracht. Nicht kostenlos versteht sich. Vier Silbermünzen kostet das Kleid, noch einmal zwei Heller das Unterkleid. Dann musste meine Mutter noch für Kost und Logis wöchentlich vier Heller. Dann kam ich zur Welt und da zeigte sich, das Barns ein Herz hatte, denn statt das doppelte zu berechnen, schlug er nur die Hälfte drauf.

So kommen wir dann endlich zu mir. Über meine Kindheit lässt sich gar nicht so viel sagen, ich meine ich war ja noch klein und da erlebt man nicht allzu viel. Sobald ich laufen konnte, war ich eigentlich ständig unterwegs. Ich lief durch die Gassen der Stadt, spielte und tobte mit anderen Kindern und war manchmal stundenlang weg. Also als Knirps ist ja alles und jeder dein Freund, unabhängig von Alter, Herkunft und Geschlecht. Ansonsten richtige Freunde hatte ich eigentlich nie so wirklich, das lag hauptsächlich daran, dass ich mich nirgendwo zugehörig fühlte. Ich war keines dieser Waisenkinder auf der Straße, nein ich hatte eine Mutter, die sich um mich gekümmert hat. Abgesehen davon wollten die wenigsten bürgerlichen Eltern das ihre Kinder mit dem Sohn einer Dirne zu tun hatten. Meiner Mutter fiel das nicht so auf, sie war nun mal viel beschäftigt. Einmal blieb ich die ganze Nacht weg. Das wiederum fiel ihr auf und als ich wieder auftauchte, bekam ich zum ersten und einzigen mal Prügel von ihr. Kinder haben in einem Bordell eher weniger zu suchen, nur Nachts durfte ich mich dort blicken lassen. Ich hatte auch kein eigenes Zimmer, sondern schlief auf dem Dachboden, zwischen den Laken und der Bettwäsche. Kontakt zu den anderen Dirnen, ich nannte sie meistens Tanten, hatte ich nur beim alltäglichen Mittagessen, meistens Gerstenbrei und dann noch beim wöchentlichen Waschtag. Also die Damen wuschen sich jeden Tag, da gab es nichts zu meckern, aber ich musste nur einmal pro Woche. Heute würde ich sagen durfte nur einmal pro Woche. An den Tagen wurde dann die Wäsche gewaschen, das ganze Haus gefegt und eben auch ich ordentlich geschrubbt. Wie ihr seht, ging es mir gar nicht so schlecht. Ich hatte ein Dach über dem Kopf, bekam zu Essen und hatte viele lustige Tanten, die mich einfach nur süß fanden und auch, abseits der Geschäftszeiten, mit mir rum alberten.

Das änderte sich, als Barns fortging und neue Besitzer das Bordell pachteten. Ein unliebsames Ehepaar, das ich immer nur Herr und Frau Grütze nannte. Ich weiß bis heute nicht wie die beiden wirklich hießen. Sie führten erstmal eine neue Hausordnung ein, die besagte, keine Mieter, die nicht arbeiteten. Sprich, ich landete auf der Straße. Man muss erwähnen das ich gerade acht Jahre alt geworden war, vielleicht war ich auch noch sieben, so genau weiß ich das nicht mehr. Herzloses Pack, diese Grützköpfe. Eine Woche hielt ich durch, dank meiner Tanten, die mir Essensreste durchs Fenster auf die Straße warfen. Meine Mutter kämpfte und bettelte darum, das ich doch bitte im Haus schlafen dürfe. Diese Frau, sie war unglaublich, was hat sie nicht alles getan um mir ein Leben zu ermöglichen, kein außergewöhnlich gutes, aber immerhin ein Leben. Sie war die beste Mutter und das sage ich nicht auf die Weise, wie es alle Söhne über ihre Mütter sagen sollten, nein es ist die Wahrheit, denn was sie alles getan hat - es macht mich stolz der Sohn einer Dirne zu sein. Sie kämpfte um mich aber ...Keine Chance, bis Herr Grütze eine weitere Woche später auf ein Problem aufmerksam wurde, für dessen Beseitigung er meiner Hilfe bedürfen könnte. Straßendirnen, verdammt schlecht fürs Geschäft. Also trafen er und ich, oder viel mehr er und meine Mutter, eine Vereinbarung. Wann immer sich eine dieser Parasiten dem Viertel näherte, solle ich ihm Bescheid geben, dafür dürfe ich im Hinterhof schlafen. Also nicht das es im allgemeinen etwas an Dirnen auszusetzen gäbe, nein ich respektiere und bewundere sie in gewisser Weise, die Damen des ältesten Gewerbes. Es sind wie ich finde starke Frauen, mutige Frauen und ich genieße es richtig, wie sie es den Kerlen zeigen was Sache ist. Ehrlich, im Gegensatz zu den ach so gewöhnlichen, freien Frauen, die vollends dem Willen ihres Ehemanns, Vaters, Onkels, Bruders oder einem beliebigen männlich Vormund ausgeliefert sind, sind Huren, mal abgesehen vom Besitzer des Bordells, doch sehr frei und unabhängig von den Männern. Ja, denn die Damen geben im Schlafzimmer den Ton an, die Herren dürfen sich nur aussuchen für was sie zahlen. Das war eine ungemeine Verbesserung, war der Hinterhof zwar genauso dreckig, schützte er mich aber immerhin vor Streunern und damit meine ich nicht die Hunde. Mit denen kam ich gut zurecht, ich streichelte sie und sie fraßen mich nicht auf - eine Abmachung zu beiderseitigem Vorteil. Nein ich meine betrunkene Kerle oder andere Leute die einem kleinen Jungen schaden wollten. Da war ich ganz zufrieden mit dem Hinterhof, dass mir meine Tanten in der Nacht Decken brachten, war auch nicht so schlecht, obwohl es keine richtigen Decken waren, sondern Vorhänge, aber das war mit herzlich egal. Wenn es mal geregnet hatte, warf ich den Waschzuber um und verkroch mich darunter. Ich kam also schon zurecht. Solange es Dirnen zum petzen gab, hatte ich ein Dach über dem Kopf - oder eben einen Zuber.

Drei Jahre lang ging das gut, bis das Ehepaar Grütze sich verabschiedete und ein neuer Besitzer das Bordell übernahm. Die Besitzer wechselten ständig, die Dirnen kamen und gingen, aber meine Mutter blieb. Sie war zu einer Konstanten geworden, zum Aushängeschild des Bordells, so wunderte es mich nicht, als sie zur neuen Lohnsetzerin, also zur Vorsitzenden der Dirnen wurde. Sie verhandelte also mit dem Frauenwirt und der Kupplerin, meistens die Frau des Wirtes, über den Preis. Der neue Wirt, Gerdur und sine Frau Elsa - zwei seltsame Namen wenn ich das mal anmerken darf - waren nicht länger auf meine Dienste angewiesen, da er den Ruf hatte, ziemlich brutal zu sein. Folglich trauten sich keine Straßendirnen auch nur in die Nähe des Viertels.
Ich war wieder auf der Straße. Gerade elf Jahre alt, wollte mich niemand als Lehrling oder Arbeitskraft und ich war gezwungen zu betteln. Wie bitte? Ja warum wollte mich wohl keiner als Lehrling? Es lag jedenfalls nicht daran das ich nicht gefragt habe. Im ganzen Viertel habe ich alle möglichen Handwerker gefragt und so gar im Nachbarviertel fragte ich nach. Ja, möglicherweise hätte ich im Rest der Stadt mehr Glück gehabt aber ich war elf Jahre alt, da habe ich mich nicht allzu weit weg getraut. Dazu wurde ich relativ schnell entmutigt, denn ich bekam im die selbe Antwort, ich zitiere "So einen verlausten Hurensohn wie dich wollen wir in unserem Haus nicht." An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich noch nie in meinem Leben Läuse hatte - nur einmal Flöhe. Abgesehen davon, woher hätte ich das Lehrgeld nehmen sollen? Also betteln. So kam ich mehr schlecht als recht über die Runden, denn es reichte gerade mal für ein paar angebrannte Brocken Brot beim Bäcker. Ich bettelte auch am Hafen, wo mir etwas auffiel. Die Matrosen und Arbeiter klagten immer über Durst, besonders an warmen Tagen. Da kam mir die Idee - auf die ich bis heute immer noch verdammt stolz bin - Wasser zu verkaufen. Also lieh ich mir einen Eimer, wobei leihen bedeutet nehmen, und holte täglich Wasser am Brunnen, ein paar hundert Schritt vom Hafen entfernt und reichte es unter den Arbeitern herum, die mir - meistens - dafür einen Pfennig gaben. Ich verdiente zwar kaum mehr als mit Betteln, aber wenigstens tat ich etwas. Das war sehr wichtig für mich und führte dann nicht zuletzt dazu, dass ich mein wahres Talent entdeckte. Taschendiebstahl.
Ich kaufte mir weiterhin bei dem Bäcker immer nur die angebrannten Reste, konnte mir immer noch nicht mehr leisten, aber immer hin mit vor Stolz geschwollener Brust, war ich doch nicht länger der Bettelknabe, sondern der Wasserträger. Irgendwann, ich kann gar nicht sagen, wie alt ich war, verlangte der Bäcker mehr. Ich hatte aber nicht mehr. Also nahm ich mir einfach was ich wollte und rannte so schnell ich konnte. Ich war weg, bevor er rufen konnte "Haltet den Dieb".
So fing alles an, weil ein Bäcker zu gierig wurde, wurde ich zum Dieb. Ich wurde sogar richtig kreativ und unverschämt. Aber ich dachte damals und auch heute noch das ich im Recht war, immerhin hatte ich den alten Preis gezahlt und dann wollte der Drecksack mehr. Ihr könnt euch ja gar nicht vorstellen wie es mir ging. Da bin ich so was von Stolz auf mich, dass ich mein eigenes Geld verdiene und dann kommt er. Ich war im Recht, das bestätigten mir die Damen im Bordell. Gut, meine Mutter war jetzt nicht begeistert davon, aber sie hat sich beschwichtigen lassen. Auf dem Markt war um die Mittagszeit immer sehr viel los und da fiel es mir nicht schwer hier und da was einzustecken. Ein Gemüse hier, eine geräucherte Wurst da. Ich ging weiterhin noch Wasser holen, aber nur noch selten, da ich nicht mehr viel Geld für Essen benötigte. Aber irgendwann reichte mit das nicht mehr, ich wollte mehr. Also, fing ich an wo ich nur konnte Geld zu klauen und da gibt es viele Möglichkeiten für Amateure. Wenn es runterfällt nehme ich mir was und renne weg, oder hebe es für den Besitzer auf, stecke mir heimlich eine Kleinigkeit ein und kassiere noch eine kleine Belohnung als Dankeschön. Ich könnte es auch schnell schnappen, wenn der Käufer es an den Verkäufer überreicht und und und, man muss nur kreativ sein.
Das war dann auch das erste Mal, dass ich Kontakt zur Diebesgilde hatte. Offensichtlich wilderte ich in ihrem Revier, was sie mir auf sehr einfühlsame Art erklärten und mich freundlichst darauf hin wiesen das ich gefälligst verschwinden sollte, was sich als schwierig herausstellte, da ihr Revier die ganze Stadt beinhaltete. Das ist das interessante an Städten ist, das irgendwer sich immer zum inoffiziellen Herrscher der Stadt aufspielt - das ist in den wenigsten Fällen tatsächlich der Fall. So gab es auch in Lanyamere eine Art von Konkurrenzkampf zwischen verschiedenen Gruppen. Der Anführer einer dieser Gruppen war ein Kerl den alle nur "Bohne" nannten, warum auch immer. "Bohne" rekrutierte mich dann auch und brachte mir alle Grundlagen bei, auf denen ich mir dann mein Talent aufbaute. Leider hielt unsere Gruppe nicht allzu lange, denn wir wurden schnell zerschlagen, von einer anderen Gruppe. War mir ziemlich egal, ich hatte für die anderen nicht viel übrig. Nur die Tatsache das er mir beibrachte Geldbeutel zu öffnen, Schlösser zu knacken und mir gewisse Orte zeigte, wo ich gestohlene Waren verkaufen konnte, ließ mich die ersten Monaten für sie arbeiten. Die Vorgehensweise war einfach, der erfahrenste suchte das Ziel aus, der unerfahrenste lenkte es ab und der dritte im Bunde schlug zu. Ein simples Muster, das sich auf so gut wie alles anwenden ließ, vom Geldbeutel bis zum Ring.
Ich als der Unerfahrenste musste als Ablenkung herhalten und ich war eine grandiose Ablenkung, unübertroffen, niemand war so gut wie ich. Zugegeben, ich übertrieb es ein wenig, täuschte Knochenbrüche, Krankheiten und Überfälle vor, ohne darüber nachzudenken wer mir da vielleicht alles zugucken könnte, etwa die Konkurrenz, die dann auch schnell zur Tat schritten und uns bis auf mich umbrachten. Warum ich verschont wurde? Nun mein Talent wurde noch rechtzeitig erkannt und deshalb wurde ich nicht getötet - das ich die anderen verraten hatte tat sein übriges.
Danach war ich wieder auf mich gestellt und nutzte meine neuen Fertigkeiten sehr erfolgreich.
Ich stahl wo und von wem ich nur konnte, ungeachtet der Tatsache ob die Gilde oder eine der anderen Organisationen ihnen Schutz gewährte. Eines wundersamen Tages stahl ich eine Depesche von einem Mann, der es mehr als eilig hatte von einem Schmugglerschiff aus Merridia gen Hauptstadt zu reisen. Ich hatte eines gelernt als Dieb, ein Brief konnte das tausendfache seines Gewichtes in Gold wert sein. Ungünstig für mich war das ich nicht wirklich lesen kann, also zwischen gar nicht und ein bisschen, das ist von Handschrift zu Handschrift anders. Hab ihn für zwei Heller an einen Mann namens Lernis verkauft, einem Hehler, der alle möglichen Briefe an gewisse Personen weiterverkaufte. Wie sich herausstellte war es wohl irgendeine Geheime Information für den König, sehr brisant und gefährlich. Ich ärgerte mich fast zu Tode, das ich ihn so verramscht hatte. Ironischerweise rettete mir das mein Leben, denn kurz darauf machte ein Gerücht die Runde, ein Mitglied der Mördergilde sei in der Stadt gesehen worden und kurz darauf wurde es sehr still um einen gewissen Hehler.
Ich war 14 als meine Mutter starb. Erst eine Woche zuvor hatte ich diese erfolgreiche Woche gehabt, die, in der ich 8 Pfund zugelegt hatte. Ich weiß das noch genau, denn ich bemerkte den Tumult in der Nähe des Bordells. Zuerst nutzte ich die Gelegenheit und bereicherte mich an der öffentlichen Neugierde, bis ich bemerkte was da los war.
Wie ich später erfuhr war ein Kunde schon ziemlich betrunken, als er zu meiner Mutter in die Kammer stieg. Dem Anschein nach lief alles wie gewohnt, keine ungewöhnlichen Geräusche zu hören oder so etwas. Dann zuerst lauter werdende Stimmen, dann ein kurzer Schrei, gefolgt von einem Poltern. Dann Stille. Nach einer Weile sah eine der Dirnen nach und fand meine Mutter in einer Blutlache liegen - tot. Als ich das erfuhr war ich, verständlicher Weise, am Boden zerstört. Ich weinte, zum aller ersten Mal wenn ich ehrlich sein soll. Also als Kleinkind habe ich auch geweint, aber das ist was anderes. Am schlimmsten war, dass der Mistkerl geflohen war! Er war wohl aus dem Fenster gestiegen und das war Richtung Hafen gerichtet. Ich ging also dahin, wo ich ihn vermutete. Dies, war das erste Mal, dass ich meine Fähigkeit bemerkte. Ich wusste einfach er war am Hafen und tatsächlich fand ich einen betrunkenen Kerl, mit blutigen Ärmeln. Er hatte wohl an meiner Mutter gerüttelt um sie aufzuwecken. Ich ging auf ihn los und schon wieder bemerkte ich diese Vorahnungen, denn sie retteten mir zwei Mal das Leben. Als ich am Morgen zu mir kam, war das einzige, an das ich mich erinnern konnte, das Gesicht des Mannes. Ich werde es niemals vergessen. Meine Mutter hatte sich wund gearbeitet um mich durch zu bringen, ohne Rücksicht auf sich selbst und nun konnte ich diese Schuld nie mehr begleichen, wegen einem Säufer!
Nach dem Vorfall wechselte das Bordell wieder mal den Besitzer. Die Neuen hießen Simmer, ein Ehepaar. Als sie erfuhren, dass ich der Sohn von Caralia war - so hieß meine Mutter - erlaubten sie mir, auf dem Dachboden zu schlafen, erneut. Ich nahm an. Nun wieder auf dem Dachboden lebend, setzte ich mein Leben fort, Tag ein, Tag aus. Tagsüber ging ich meinem Gewerbe nach, und nachts schlief ich auf dem Dachboden.
Etwas in mir, war zerbrochen und das spürte jeder. Ich war anders, waghalsiger, unverschämter was das Stehlen anging. Man hätte fast glauben können ich sehne mich nach dem Strick. So ganz ereignislos war die Zeit jetzt nicht. Da gab es schon die ein oder andere Begegnung mit Leuten, deren Anheuerung man nicht ausschlagen konnte. Also erledigte ich noch die ein oder andere Aufgabe für gewisse Herrschaften. Ich stand Schmiere während ein Schuldner mit unkonventionellen Mitteln etwas ... kooperativer gestimmt wurde, spielte Kurier oder bestahl Kuriere. Mein Talent war frei käuflich, obwohl der Preis dafür oft stark schwankte.So fristete ich mein Dasein, bis vor wenigen Tagen. Mittlerweile war ich ein junger Mann und des öfteren in der Wirtsstube, natürlich nur wenn ich es mir leisten konnte. Ich wirkte sogar ziemlich anziehend auf Frauen, ehrlich sie umkreisten mich, wie die Fliegen den Scheißhaufen. Kein vorteilhafter Vergleich, ich weiß. Aber etwas ernsthafteres entwickelte sich nie. Das lag nicht daran, dass ich nicht interessiert gewesen wäre, aber die richtige war aus irgendeinem Grund nicht dabei.Ich erwähnte ja schon das ich da neulich eine Begegnung hatte, die ungesund für mich hätte enden können, hätte ich nicht diese Ahnung gehabt. Der Mann war überrascht, dass ich so schnell reagieren konnte und trotz der Überraschung erkannte ich den Mistkerl sofort. Er war es, ohne Zweifel, er hatte meine Mutter auf dem Gewissen. Ich weiß nicht was in mich gefahren war, aber ich stürzte mich auf ihn, rang ihn zu Boden und ... zog mein Messer. Ich hasse Gewalt, aber in dem Moment, musste es einfach sein. Ich stach zu, immer wieder, bis mich ein paar Männer von ihm weg rissen und anfingen auf mich einzuschlagen. Sie würden mich entweder bis zur Bewusstlosigkeit prügeln oder mich den Wachen ausliefern. Beides kam für mich nicht in Frage, also floh ich, rannte blind durch die Gassen und fand mich beim Hafen wieder.
Ich weiß nicht was mich da geritten hat, aber von jetzt auf gleich rannte ich zum nächsten Schiff und schlich mich an Bord. Anscheinend dachte ich, dass dort keiner nach mir suchen würde. Ich machte es mir zwischen allem Möglichen in Fässern, Kisten und Netzen gemütlich und schlief schließlich ein, seit langem mal wieder mit mir selbst zufrieden. Konnte ja keiner Ahnen, dass das scheiß Schiff am nächsten Morgen noch vor Sonnenaufgang auslief, Richtung Merridia. Jetzt sitze ich auf dem Ding fest und muss ins verfluchte Feindesland reisen, ohne Ziel oder Ahnung von dem Leben dort. Andererseits, wurde es vielleicht auch mal Zeit, was Neues zu entdecken.

Restliches
Tja. Was gibt es denn noch zu sagen. Eigentlich nichts mehr. Schönen Tag noch.

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