Profil von Thorik

Benutzeravatar
Herumtreiber
Avatar: le me (Ich)

Profil

Benutzername:
Thorik
Gruppen:

Charakter

Alter:
26
Rasse:
Wilder Mensch
Heimat:
Wilden Lande
Waffen:
Axt
Inventar:
Reiseutensilien wie Besteck, Wasserschlauch, Feuerstein etc

Steckbrief

Zweitcharakter von Caradan

Thorik Talwesson, „Grauwolf“
Etwas um die 26 Winter

Aussehen:
Zuweilen kann man einen Mann sehen, welcher entlang des Chaburs gen Westen wandert, immer der Straße nahe der Grenze zwischen Cathrad und Coralay folgend. Der Mann, gehüllt in einen langen dunkelbraunen Mantel, der vom Dreck der Straße am unteren Saum dreckstarr und Schlamm verkrustet ist, an den Schultern jedoch mit edlem, aber sichtlich abgetragenen Pelz bedeckt ist, Wolfspelz, so denn die Berichte der Wahrheit entsprechen. Das Gesicht immer unter einer Kapuze verborgen, stützt er sich schwer auf eine Krücke, welche in den Stoffbahnen seines Mantels verschwindet, während er sich schleppend und hinkend immer weiter zieht, schwer beladen mit Sack und Pack. Ein vermeintlich leichtes Opfer, für Wegelagerer, Räuber und anderes Pack. So kam es, dass jenem Mann auf eben jener Straße aufgelauert wurde, auch wenn es zweifelhaft bleibt, ob tatsächlich er das ausgesuchte Ziel ward. So kam es, dass die beiden Tunichtguts sich dem Mann, der für sie ganz offenkundig ein Invalider oder gar ein Krüppel war, ganz offen und unverschämt entgegen stellten. Eine Entscheidung die ihnen nicht zum erhofften Gewinn verhelfen sollte. Zuerst forderten sie die Herausgabe von allerlei Wertsachen und Geld, ansonsten drohten sie mit Gewalt. Der Mann, schenkte ihnen aus dem Schatten der Kapuze ein müdes Lächeln und zog sie dann herunter, um die Wegelagerer genauer erblicken zu können. Unter der Kapuze kam ein kantiges, wettergegerbtes Gesicht hervor, gehüllt in einen vollen braunen Bart und umrahmt von ebenso braunem Haar, gebändigt zu einem straffen, knotenartigen Zopf am Hinterkopf, damit es ihm nicht ständig in Strähnen ins Gesicht fiel, reichte es doch sonst weit den Rücken oder die Brust hinab. Das Gesicht des Mannes wirkte etwas eingefallen, vermutlich war er nicht so bei Kräften wie er es sonst gewesen wäre, die grauen Augen tief im Schädel, guckten wachsam und wild unter buschigen Brauen hervor und dunkle Ringe zeichneten sich unter ihnen ab. Die Nase war sicherlich schon einmal gebrochen worden, denn sie hatte eine leichte Schräge und einen knotigen Hügel auf dem Rücken. Gelassen ließ er seine Bündel von der Schulter gleiten, löste dann die bronzene Fibel an seinem Mantel und legte in vorsichtig, genau darauf achtend ihn nicht in den Straßendreck zu werfen, auf seine anderen Habseligkeiten. Er ließ die breiten Schultern kreisen um sich etwas aufzulockern und richtete sich, sehr zur Verwunderung der beiden Räuber, zur vollen Größe auf, sodass er sie um mindestens eine Haupteslänge überragte. Gemessen an örtlichen Standards und abzüglich einer kleinen poetischen Übertreibung, dürften dies wohl in etwa sechs Fuß sein, wahrscheinlich noch ein oder zwei Zoll mehr. Der Mann trug eine grüne Tunika aus Wolle, die in eine einfache braune Hose, ebenfalls aus Wolle, gestopft ist. Das rechte Hosenbein war hochgekrempelt, damit ein dicker, schmutziger Verband mehr Platz hat. Ebenso trägt er links einen ledernen Stiefel, bis zum Knie und links einen ledernen Halbschuh, da sonst der Verband nicht recht passen mag. Die Tunika war offenkundig nicht die seine, da sie über dem muskulösen Körper eng gespannt war und sprichwörtlich aus allen Nähten platzte. Ein deutlicher Riss, dessen Herkunft auch auf Fremdeinwirkung zurückzuführen sein könnte, war bereits an der rechten Seite zu sehen, darunter konnte man Tätowierungen erkennen. Auf andere Berichte von eines gewissen Weibes zurückgreifend werden diese Tätowierungen wie folgt beschrieben: Am rechten Oberarm sitzt ein Wolf, in deutlichem Stile der Wilden Lande, was die Herkunft des Mannes offenlegt. Umhüllt und auch zum Teile versteckt ist der Wolf zwischen Wurzelgeflechten, Ästen und Blättern in mannigfaltiger Vielfalt, die sich den Arm, die Brust und Teile der Flanke entlang ziehen. Am Rücken sind zwei sich aufbäumende Hengste abgebildet, über ihnen, auf Schulterhöhe, eine Bergkette, die wiederum von zwei Raben flankiert wird. Die linke Seite sei noch verschont geblieben, scheint jedoch so es zum Kampfe kommt, erzählte man, mit eigentümlichen Symbolen bemalt werden, eine Art von Kriegsbemalung. Besagtes Weib berichtete auch von noch sehr frisch aussehenden Wunden an Bauch und Bein, welche noch nicht vollständig verheilt zu sein scheinen. Doch nun zurück zur Begegnung mit den Wegelagerern. Von Größe und Statur des Mannes eingeschüchtert, fragen die beiden Tunichtguts sich, ob sie nicht besser ihr Heil in der Flucht suchen, denn eigentlich hatten sie gehofft ohne Kampf davon zu kommen.

Waffen
Da erkennen sie zu ihrem Schrecken, dass die Krücke auf die sich der Wilde stützte gar keine Krücke ist. Vielmehr hält er nun eine Breitaxt in der Hand, mit geschwungenem Blatt und schmucklosem, im Gegenteil schon ziemlich abgegriffenem Griff. Die Waffe ist etwas über drei Fuß lang und aus gutem Eisen, kein Stahl. Dazu kommen zwei kleinere handliche Äxte, die in einem regelrechten Geschirr, bestehend aus vielen Schlaufen, um die Hüfte hängen. Ansonsten ist der Mann unbewaffnet, es sei denn Besteck zähle man zu Kriegswerkzeug hinzu.

Fähigkeiten
Ähnlich seinem Kriegswerkzeug, gestaltet sich wohl auch sein Können im Kriegshandwerk. Schmucklos, simpel und absolut tödlich. Verzichtend auf übertriebene Manöver, Gebärden und technische Spielereien, nutzt der Wilde seine von Natur aus gegebene Stärke, Größe und Wildheit, die es nicht zu unterschätzen gilt. Selbstredend könnte er sich wohl kaum mit einem gut ausgebildeten Schwertkämpfer messen, da er höchstwahrscheinlich auf keinerlei formelle Ausbildung zurückgreifen kann. Jedoch ist anzunehmen, auf Grundlage der allgemeinen Kenntnisse der Wilden Lande, dass er durch Üben mit Vater, Bruder, Onkel oder wem auch immer durchaus einen reichen Erfahrungsschatz angehäuft hat. Denn als er gegen die beiden Räuber antrat, war er sich seines Sieges offenkundig sicher. Obwohl die Beiden nur mit Dolchen und Knüppel bewaffnet waren, ist es eine nicht zu verachtende Leistung, da der Wilde selbst ja auch nicht in bester Verfassung war, eben durch seine beiden Verletzungen. Den Einen fällte er schnell, während er den Anderen durch bloße Körperkraft, ohne Waffe, in die Flucht trieb. Ist klar, dass einer der Beiden überlebt haben muss, sonst wären diese Berichte ja frei erfunden. Festhalten kann man also, dass er selbst im verletzten Zustand ein ernst zu nehmender und tödlicher Kontrahent ist.

Nun hat mich dieser Bericht von den beiden Wegelagerern und dem Wilden fasziniert, woraufhin ich beschloss mehr über besagten Wilden in Erfahrung zu bringen. Bei meinen Nachforschungen traf ich eine ältere Frau, welche vor kurzem zur Witwe wurde, die ihn wohl eine Zeit lang beherbergte, da ihr verstorbener Mann, ein Heilkundiger, den Verletzten fand und vorhatte ihn gesund zu pflegen. Sie berichtete mir, dass es vor kurzem erst eine Auseinandersetzung zweier verfeindeter Fürsten gab und dass auf einer der Seiten Söldner aus den Wilden Landen kämpften. Schlachtberichten zufolge, derer ich mich ermächtigt habe, war einer dieser Söldner ein Mann namens Thorik, der auf die Beschreibung unseres Wilden passt. Jener Thorik schien furchtlos dem Feind entgegenzutreten, während er ohne Schild und ohne Rüstung in die Reihen der Feinde preschte, um sich schlagend wie, ich zitiere, ein wild gewordener Bär, dem man Feuer unterm Arsch gemacht hat.
Des Weiteren, um zurück auf die Erzählungen der Witwe zu kommen, scheint er auch eine Begabung zur Jagd zu haben, da er dem ältesten Sohn einen kleinen Hinweis gab, wie man einen Hasen am besten Häutet und sich danach mit ihm angeregt über Fährten lesen und Fallenstellen unterhielt, so wie hitzig darüber diskutierte, ob es besser wäre einem Hirsch, Eber oder anderem Wildtier den Speer in die Brust oder in den Kopf zu rammen. Speer deshalb, da Thorik anscheinend nicht sonderlich geübt mit Pfeil und Bogen ist. Laut ihm ist er zwar ein gekonnter Jäger, aber schlecht beim Heranschleichen. Er ist alles andere als leise, was ihn schon so manches Mal, wenn er seine Beute in Sicht hatte, in den Wahnsinn getrieben hat, da eine kleine Bewegung genügte um das Tier zu verschrecken. Ein unbedachter Schritt und das knacken eines Astes schallt von den Bäumen wieder. Thorik ist der festen Überzeugung das die Etáín, die Naturgeister an die sie und er auch glauben, sich einen Spaß mit ihm erlauben, indem sie die Geräusche seiner Schritte verstärken, um die Tiere zur Flucht und ihn in die Verzweiflung zu treiben. Jedoch findet er stets wieder zu seiner Beute, es kann nur manchmal etwas länger dauern. Ebenfalls sollte man abgehärtet sein, wenn man eine von ihm zubereitete Speise verzehrt, so des Heilers Weib. Zwar ist er in der Lage ein Feuer zu machen und kann diverse Pflanzen zu einem nahrhaften Sud zusammenklauben, aber geschmacklich scheinen diese Gerichte wohl etwas unterdurchschnittlich zu sein. Immerhin weiß er welche Beeren und Pilze man gefahrllos verzehren kann, jedenfalls innerhalb der Nordreiche. Thorik kann laut eigener Aussage, weder lesen, noch schreiben, noch rechnen. Ebenso sieht es mit klassischen Frauenarbeiten aus. Obwohl es klar ist, dass er solch schwere Wunden wie er sie erlitten hat nicht selbst versorgen konnte, ist er im Allgemeinen auch nicht wirklich in der Lage seine eigenen Wunden zu versorgen. Sollte es bluten, sollte man ein Tuch draufdrücken und damit ist er schon am Ende seiner Weisheit angelangt. Nicht einmal ein paar heilende Kräuter kennt er und das obwohl man solche Dinge als Krieger doch wissen sollte.
Was mich persönlich noch zutiefst überraschte, war seine Wortgewandtheit, denn offenkundig versteht er die elfische Zunge zu großen teilen, spricht selbst sogar ein paar gebrochene Brocken, während er hingegen, wenn auch mit äußerst starkem Akzent und zweifelhafter Aussprache, einen Dialekt der Steppenreiter fließend zu sprechen vermag.

Charakter
Nun interessiert sich natürlich manch einer was hinter dem Vorhang lauern mag und hier wird sowohl interessant, als auch schwierig, da hinter die Fassade eines Menschen zu blicken oftmals zu Trugschlüssen, ob eigener Vorurteile oder sonst was, führt oder nur in Halbwahrheiten und schemenhaften Andeutungen endet. Um das Innere eines Menschen zu erkennen, muss man ihn zuerst einmal kennen lernen, was bei jenem Thorik eine Schwierigkeit sondergleichen darstellt. Nicht etwa weil er introvertiert oder schüchtern wäre, nein, vielmehr liegt es daran, dass man einfach schwer mit ihm ins Gespräch kommt. Was zu großem Teil meine eigene Schuld ist, da ich mich nicht wirklich traute ihn anzusprechen, als ich dann endlich fand.
Deshalb muss ich mir nun einen Reim aus verschiedensten Berichten und Erzählungen machen. Nun denn, allem Anschein nach ist Thorik, so es denn zu einem Kampf kommt, ein unerschrockener und wilder Kämpfer, soweit waren wir ja schon. Dabei tritt er dem Feind nicht nur furchtlos entgegen, sondern ist auch zu den eigenen Leuten hart. Er toleriert keine Feigheit vor dem Feind, noch greift er gerne auf fiese Tricks und Handstreiche zurück, sondern bevorzugt es in einen offenen Kampf zu ziehen. Wer also seiner Ansicht nach aus Feigheit einen anderen Schlachtplan vorschlägt, wird von ihm unfreundlich darauf angesprochen. Selbstredend ist er aber nicht völlig auf den Kopf gefallen. Wenn ein Hinterhalt das Leben der seinen zu Schützen vermag, dann wird eben ein offener Kampf einseitig gestartet, wenn der Feind zu langsam reagiert ist es sein eigenes Versäumnis. Im Allgemeinen ist Thorik stets darauf bedacht die eigenen Verluste zu minimieren, das hat nichts mit taktischen Überlegungen zu tun, sondern liegt vielmehr daran, dass ihm viel an seinen eigenen Leuten liegt. Zusammenhalt untereinander ist für ihn das höchste Gut, denn Feinde außerhalb gibt es genug, da muss ihr Volk an sich einen geschlossenen Wall bilden, so sieht er es jedenfalls. Aus diesem Grund würde niemals die Hand gegen einen der seinen erheben, so es denn nicht unbedingt nötig ist und selbst dann ist er noch zurückhaltend. Es sei denn der Mann hätte es mehr als verdient.
Fremde haben in dieser Hinsicht mit nicht allzu viel Nachsicht zu rechnen. Zwar liegt seinem verhalten keine strikte Ablehnung anderer Kulturen zu Grunde, ganz im Gegenteil, aber er ist Ablehnung gegen sich als Wilden gewöhnt und trägt diese Ablehnung nun wie ein Schutzschild vor sich her. Sozusagen ist jeder ein potentieller Feind von ihm, solange er ihm nicht das Gegenteil beweist. Dies ginge zum Beispiel in dem man Toleranz gegenüber seiner Religion zeigt, statt sie rigoros zu verurteilen. Begegnet man ihm aufgeschlossen und offen, zeigt er sich ebenso. So kam es auch, dass er mit vielen anderen Kulturen in Kontakt kam und diese Kontaktaufnahme zu keinem Fiasko wurde. Er passt sich an und ist selbst willens Neues zu erfahren und kennen zu lernen, dabei vergisst er aber nie woher er kommt. In gewisser Weise erinnert er an ein neugieriges Kind, das stets danach strebt Neues in Erfahrung zu bringen und dabei mit überraschender Offenheit zu Werke geht.
Ins Gespräch kommt man mit ihm, wenn man sich auf ein Thema einschießt, zu dem er ebenfalls was zu sagen hat, da ihm das, vor allem in der Fremde, ein wohliges Gefühl der Sicherheit vermittelt. Weiß er zu etwas nichts zu sagen, sagt er auch nichts, sondern lauscht nur aufmerksam. Anpassung ist stets ein Bestreben von ihm.
Natürlich kann er aber auch mal einen schlechten Tag haben. An solchen sollte man ihn unter allen Umständen in Ruhe lassen, da er sehr Jähzornig werden kann und dann gerne mal sprichwörtlich Rot sieht, was nicht selten mit handfesten Auseinandersetzungen endet. Aufbrausend ist er von selbst aus, belässt es meist aber bei Worten, sofern der Gegner keine Herausforderung zu bieten vermag. Er ist eben durch und durch ein Mann der Wilden Lande, raufen und prahlen. Am besten noch mit einer Rauferei herum prahlen. Diplomatisch ist er eben nicht wirklich, sondern immer gerade heraus und direkt. Wer damit nicht klar kommt, der kann es ihm ja gerne sagen, wenn er sich traut.
Aber vor allem in jüngster Vergangenheit zeigten sich ihm bis dahin völlig neue Eigenheiten an ihm selbst. Vieles war ihm schon immer bewusst, aber es ist immer was anderes damit Konfrontiert zu sein. Wie als behaupte jemand, er hätte keine Angst vor einem Wolf, bis dieser dann vor einem stünde. Verrat ist da ein gutes Stichwort. Verraten wird sicherlich niemand gerne und die wenigsten würden es wohl leichtfertig tun, aber an Thorik nagt dieser letzte, jüngste Verrat doch sehr. Seit sein Bruder ihm den Bauch aufgeschlitzt hatte, fragte er sich ständig, ob er es hätte sehen können, verhindern können. Ihn plagen Selbstzweifel und er gibt sich selbst die Schuld an der Tragödie. Er ist kein Häufchen Elend, wie man es nun vielleicht meinen könnte. Vielmehr hadert er mit sich selbst, sucht den Moment, den Punkt an dem alles schief gegangen ist und stellt sich selbst hypothetische Fragen, was wäre wenn...
Versinkt er mal in solche Grübeleien, starrt er mit grimmiger Miene vor sich hin, keine Emotionen dringen nach außen vor. Diese Gedanken verfolgen ihn nur, weil er von klein auf mit Verantwortung aufwuchs und Scheitern für ihn nie in Frage kam. Selbstkritisch ist wohl eine passende Bezeichnung. Doch wehe dem der ihm Unrecht tat und Thorik nicht bei sich den Fehler findet. Dem können keine Götter mehr helfen.
Da wir eben von Göttern sprachen. Bei aller Offenheit für andere Glaubensrichtungen, Bräuche und Kulturen allgemein, ist Thorik ein sehr Heimat bezogener Mensch. Seine Götter sind für ihn die einzig wahren und er lässt kein schlechtes Wort auf sie kommen, geschweige denn auf seine eigenen Ahnen. Zu groß ist die Angst keinen Platz unter ihnen zu finden oder noch schlimmer, einfach in Vergessenheit zu geraten. Ansonsten ist er ein recht angstfreier Mann, wenn man mal von den abergläubischen Tendenzen absieht. Stichwort Berggipfel.

Magie
Thorik hegt große Bewunderung für allerlei Naturmagier, erst recht jene Neeskia seines Volkes weckt ihn ihm Ehrfurcht. Wer mit den Göttern und Ahnen in Verbindung steht, dem muss eine ungeheure Macht inne wohnen. Ganz anders die Elementarmagie. Sie beunruhigt ihn und weckt Abscheu. Für ihn ist die Beherrschung der Elemente unnatürlich und er ist fest davon überzeugt, dass solche Mächte nicht in sterbliche Hände gehören.

Vergangenheit
Nun über vergangene Tage berichtet ab besten derjenige, der diese Tage erlebt hat. Mittlerweile habe ich mich doch überwunden und habe Thorik persönlich angesprochen und nach dem Genuss von Bier, Fleisch und Wein, war er dann doch in Plauderstimmung und ich nutzte die Gelegenheit um mir hastig ein paar Notizen zu machen, welche ich nun ins Reine schreiben werde.
Über seine Kindheit verlor er nicht viele Worte, sondern spielte vielmehr auf eine ereignislose Kindheit an. Im Verlauf des Gesprächs ließ er jedoch immer wieder mal Andeutungen fallen. So wuchs er wohl in einem Dorf südöstlich des Duurvan Berges, nahe der Grenze zu Cathrad, als zweites von drei Kindern auf, mit einer älteren Schwester und einem jüngeren Bruder und stand von klein auf unter der Rute seines strengen Vaters, der wohl eine besondere Position innerhalb der Dorfgemeinschaft innehatte, denn er war das Dorfoberhaupt. Eine seiner Söhne sollte ihm wohl nachfolgen, dementsprechend streng fiel die Erziehung der Knaben aus. Was die Schwester anging, da sollte sich später noch was ergeben, aber wir wollen uns an Thorik halten, ja?
Wie wohl die meisten Jungen in den Wilden Landen und vermutlich wie beinahe überall, lernte der Knabe den Umgang mit Waffen zuerst spielerisch, indem er sich mit den anderen Kindern Stöcke um die Ohren schlug. Schon damals ließ sich ein nicht von der Hand zu weisendes Talent zum Kampf erkennen und spätestens als er mit etwas mehr als sieben Jahre von seinem Vater unterwiesen wurde, trat das Talent immer deutlicher hervor. Zusammen mit seinem Bruder übte Thorik den Kampf mit Schwert, Axt, Speer und Schild, wobei es ihm besonders die Axt angetan hatte. Während der Knabe langsam aber stetig zum Mann reifte, nahm er an Größe, Kraft, Schnelligkeit und Geschick zu und war bald seinem Bruder haushoch überlegen. Dieser verstand sich seit je her besser auf reden und Arglist, aber ein Kämpfer war er nicht. Das trennte die Brüder auf eine ganz eigene, aber sehr effektive Art. Zwischen ihnen entwickelte sich nie solche eine Wärme und Verbundenheit, wie es bei anderen Geschwistern sonst üblich sein sollte. Nein, vielmehr gerieten sie öfter aneinander, rivalisierten über das normale Maß hinaus, was nur verständlich war. Nur ein Erbe und zwei Jungen erhoben Anspruch. Nun musste jene Frage gestattet sein, weshalb dieser Streit überhaupt möglich wurde, da Thorik ja sowohl der Erstgeborene Sohn, als auch der bessere Kämpfer war. Nun das beantwortete er mir ganz schnell und einfach. Sein Vater gab nichts auf Geburtsrecht, er wollte das seine Söhne sich diesen Posten verdienten, so wie er ihn sich verdient hatte und da Thoriks Bruder des Vaters Lieblingssohn war, vermutlich weil er sich von seinem Erstgeborenen bedroht fühlte, wollte er Thoriks Überlegenheit gegenüber seinem Bruder nicht akzeptieren und ignorierte es gekonnt. Das blieb Thorik natürlich nicht verborgen. Es nagte an ihm stetig, spornte ihn jedoch auch an. Er wollte so viel besser als sein Bruder werden, dass sein Vater es einfach nicht länger ignorieren konnte. Die Rivalität gipfelte vorerst als Thorik etwa dreizehn war, gerade in jenem schwierigen Alter, wo alle jungen Männer etwas von ihrem Verstand einbüßten, als sich beide Brüder in dasselbe Mädchen verguckten. Nun sollte sich zum ersten Mal herausstellen wer der Bessere der Beiden war. Während Thorik ihr mit zur einer – halbstarken - Zurschaustellung seiner Stärke zu imponieren suchte, verließ sich sein Bruder eher auf die subtilere Methode des Schmeichelns. Letzten Endes entschied sich die Erwählte für seinen Bruder, was Thorik rasend machte und während er sich mit seinem Bruder über diesen Vertrauensbruch stritt, kam irgendwo her ein Messer ins Spiel und aus einer harmlosen Rauferei wäre beinahe ein ernster Unfall entstanden. Selbstredend wollte später keiner der Beiden das Messer gezogen haben, trotzdem bekamen alle Beide, ich zitiere, die Abreibung ihres Lebens, denn sie sollten mehrere Wochen nicht mehr richtig laufen, sitzen, liegen und, ich zitiere erneut, scheißen können, ohne irgendwo an irgendeiner Körperstelle Beschwerden zu verspüren.

Nach dieser kleinen Anekdote kam ich auf den Pelz zu sprechen, da ich mich durchaus wunderte, wie ein Mann, der eigentlich so wenig besaß und auch nur so wenig brauchte, zu so einem luxuriösen Habe gelangte. Ich nahm nämlich an es handele sich um Diebesgut, was ich selbstredend nicht laut sagte. Die Wahrheit war aber eine gänzlich andere und ich konnte deutlich erkennen, dass er nicht allzu gern darüber sprach.

Jenes Fell ergatterte er im Alter von knapp fünfzehn Jahren, in einem harten Winter, mit reichlich Schnee und kalten Winden. Damals war sein Vater mit Thoriks Schwester auf Reisen zu einem in der Nähe liegenden Dorf, denn im Sommer war die dorfeigene Hexe, nenne ich sie mal, also eigentlich so das alte Weib für alles, verstorben und nun gab es keinen Nachfolger oder Nachfolgerin. Also musste wohl oder übel jemand Fremdes her um eventuell einen potentiellen Nachfolger heranzuziehen. Wie es das Schicksal wollte, hatte Thoriks Schwester ein Talent für solches Hexenwerk, selbst ohne große magische Begabung. In der Not darf man nicht wählerisch sein, jemand musste die Lücke füllen. Wenn schon nicht als neue Seherin oder sonst was, dann doch immerhin als Heil- und Kräuterkundige, die zur Not auch mal mehr machen kann als bloß einen Verband zu wechseln.
Jedenfalls waren Vater und Schwester abwesend und die beiden Brüder allein zu Hause bei der Mutter, als jene krank wurde. Keiner wusste genau was sie hatte, noch konnte jemand Ratschläge oder Hilfestellungen geben, da, wie gesagt, die Kräuterhexe erst vor kurzem verstorben war. Aber da wir ja alle unsere Erfahrungen mit alten Leuten haben, sprach jeder, obwohl keiner wirklich wusste was zu tun, seine Meinung aus, was der Mutter fehlte, eine Diagnose abenteuerlicher als die Andere. Da geschah dann etwas Merkwürdiges. Eine der ältesten Frauen des Dorfes, die schon seit Jahren nicht mehr gesprochen hatte, begann leise murmelt Verse eines alten Liedes zu rezitieren. Grob zusammengefasst ging es darum, wenn sich zwei Brüder vom selben Blut bekriegen, weckt dies ein uraltes Unheil. Für sich genommen, sollte man dies als das Gebrabbel einer senilen alten Frau abtun, aber man unterschätze niemals den Aberglauben gewisser Völker, erst recht nicht bei solchen, bei denen Wissenschaft und der gleichen so unausgereift ist. Dennoch führten einige anderen Indizien durch aus zu dieser Fehlinterpretation, denn erst kürzlich hatten einige mutige Jäger, die sich an solch kalten Tagen hinaus wagten, übergroße Wolfsspuren entdeckt, von einer scheinbar riesigen Bestie, welche allein das Umfeld des Dorfes unsicher machte. Für die versammelte Gemeinschaft war klar, die beiden Jungen waren Schuld und mussten jene Sünden aus der Welt schaffen. Nun hätten die älteren sich etwas klarer ausgedrückt, hätten die Brüder nicht das getan was sie schließlich taten.Ob es nun an den undeutlichen Worten der halten oder dem hitzigen Gemüt der Jungen lag, sei nun dahin gestellt. Sicher ist, dass die Knaben einer ganz simplen Schlussfolgerung folgten. Sie stritten schon ihr Leben lang und ihrer Mutter ging es immer gut. Plötzlich tauchen Wolfsspuren auf und sie wird krank. Der Wolf musste Schuld sein und die Knaben trugen die Schuld dafür, dass die Bestie überhaupt erst aufgetaucht war. Das mussten sie wieder gut machen. Mit Speeren bewaffnet, in die wärmsten Kleider gehüllt und mit gerade genug Proviant zum Überleben, zogen sie aus um die Bestie zur Strecke zu bringen. Zwei Tage irrten sie umher, bis die Bestie schließlich sie fand. Direkt mit ihr konfrontiert machte der Wolf den Eindruck, als könne er es mit Leichtigkeit mit einem Bären aufnehmen. Mit einem grauen, fast schon silbernen Fell, gelben Augen und gefletschten Zähnen kam er auf sie zu, das Fell im Nacken aufgestellt und ein angsteinflößendes Knurren von sich gebend. Wie genau der Kampf ablief, weiß keiner der Brüder mehr genau, sicher ist nur, dass Thoriks Messer ihm Schädel der Bestie landete. Nun tot, schien der Wolf auf eine zwar besondere Größe, aber nicht mehr annähernd so monströse Größe, zu schrumpfen. Nachdem sie sich von dem Schrecken erholt hatten, denn wie durch ein Wunder waren alle Beide nahezu unverletzt geblieben, machten sie sich auf den kräftezehrenden Rückweg, den Kadaver des Tieres im Schlepptau. Zuhause angekommen, mussten sie zu ihrem Entsetzten feststellen, dass ihre Mutter kaum waren sie aufgebrochen gestorben war, ganz allein, was den beiden Brüdern ihr Leben lang Kummer bescherte. Nun ist ein totes Elternteil nie etwas schönes für einen Jungen und so trauerte er. Er suchte die Schuld bei sich, wäre er vielleicht netter zu seinem Bruder gewesen, dann wäre das alles nicht passiert. Auch machte er sich Sorgen, wie ihr Vater reagieren würde. Ob er zornig, traurig oder noch schlimmer enttäuscht wäre? Als er schließlich Heim kehrte, gab er sich alle Mühe stark zu sein. Er tröstete seine Söhne, erklärte ihnen, dass die Götter für jeden von ihnen den Weg bestimmten und dass die Beiden nichts hätten tun können. Es war das erste Mal das ihnen ihr Vater wirklich das Gefühl gab, dass er ein Herz hatte. Jetzt blieb für die beiden nur noch eines zu tun. Ihre Mutter im Herzen zu halten und mit all ihren Taten zu ehren, so lange sie Beide lebten. Mit dem Tod der Bestie, hätten sie den ersten Schritt getan. Da Thorik letzten Endes den Wolf erlegt hatte wurde ihm das Fell zugesprochen. Jenes Fell trägt er noch heute voller Stolz, wobei man ganz deutlich sagen muss, es hat seine besten Tage lange hinter sich.

Soviel zum Wolfsfell. Länger wollte ich ihn nicht mir jenem Thema quälen, weshalb ich geschickt auf etwas anderes zu sprechen kam. Seinen ersten richtigen Kampf, wo es um Leben und Tod ging. Darüber sprach er natürlich liebend gerne und umso originalgetreu zu Berichten wie es nur geht, bat ich ihn langsam zu sprechen und schrieb Wort für Wort mit. Folgendes sind nun seine eigenen Worte – nur um eventuelle Kraftausdrücke vorne weg zu entschuldigen.

„Als ich sechzehn war hielt mein Vater es endlich für angebracht mich und meinen Bruder mit auf Raubzug im Westen zu nehmen. Wir sollten endlich unsere Todfeinde kennen lernen: Orks. Drei oder vier Tagesmärsche waren wir unterwegs bis wir unser Ziel erreichten, ein kleines Lager, kaum mehr als dreißig von denen lebten dort. Wir hatten uns mit einem anderen Dorf zusammengeschlossen und zählten knapp drei Dutzend Krieger, davon waren sechs Jungen wie wir, die sich der Weihe des Kampfes unterziehen wollten. Wäre es nach mir gegangen, wären wir unter lautem Gebrüll aus dem Unterholz gebrochen und hätten uns diesen Grauhäutern im offenen Kampf gestellt. Siegreich wären wir gewesen, immerhin waren wir in Überzahl. Aber nein, nein mein unglaublich kluger Bruder meinte wir sollten aus verschiedenen Richtungen angreifen und das wurde begeistert aufgenommen. Alte Idioten die meinem Vater in den Arsch kriechen wollten indem sie seinen Lieblingssohn über alle Maßen lobten. Natürlich war es eine gute Idee, aber unnötig. Na ja, wie dem auch sei. Die meisten von uns stellten sich im Osten auf und zwei kleine Gruppen bezogen nördlich und östlich Stellung. Selbstverständlich gehörte ich der Gruppe an die als erstes von Osten angriff. Meine Axt schwingend stürzte ich mich in die Feinde, der Rest versuchte krampfhaft mich einzuholen. War ein guter Kampf, dauerte nicht lang, aber war gut. Kaum das die Orks sich uns entgegenwarfen kamen unsere Brüder aus Nord und Süd und fielen ihnen in den Rücken. Schlachten sind chaotisch, schnell und einfach unüberschaubar, wenn man mitten im Getümmel ist. Ich weiß gar nicht mehr wie es zustande kam, aber gegen Ende befand ich mich im Zweikampf mit einem wahren Riesen. Er teilte so heftige Schläge aus, das ich lieber zur Seite wich als zu blocken. Ich bin nicht so stolz drauf, aber als er an einer Schrägen weg rutschte, wirklich er verlor nur für einen halben Herzschlag den Halt, stürzte ich mich auf ihn und biss ihm in den Hals. Ja, ich weiß wie das klingt, aber her je, manchmal macht man einfach verrückte Dinge im Kampf. Hab ihm glatt den Kehlkopf heraus gerissen. Wie eine Bestie. Wenn ich die Augen zu mache, schmecke ich immer noch sein Blut. Danach war auch um mich herum alles vorbei. Einer der Männer klopfte mir den Rücken und meinte, ich sei ja ein richtiger Wolf. Und daraus wurde dann im Laufe unserer Rückreise nach Hause mein Rufname 'Grauwolf'. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl meinen Vater wahrlich beeindruckt zu haben und mir war in dem Moment sonnenklar, er würde mich erwählen, die Tradition unserer Familie fortzuführen, so wie es schon sein Vater getan hatte. Aber dann tauchte mein beschissener Bruder auf, in seinen Händen hielt er einen Kopf. Es war der Kopf des Häuptlings, wenn man das bei so einem kleinen Haufen überhaupt sagen konnte. Ich wage zu bezweifeln das er ihn wirklich erledigt hatte, sicherlich hatte er ihn verwundet gefunden und von hinten abgestochen. Dennoch erzählten die Männer die alles angeblich gesehen hätten, wie tapfer und unerschrocken er gekämpft haben soll. Wieder daheim angekommen gaben wir ein großes Fest, zu Ehren aller Jungen die zum ersten Mal kämpften und natürlich um den Sieg zu feiern. Die Ausbeute war angemessen, ein paar Felle, ein paar Tiere, Schafe und Ziegen und ein wenig Schmuck, den diese Grauhäuter tragen. Zufällig fiel das Fest mit dem Erntemondfest zusammen. Was wir getan hatten kann man ja sozusagen eine Bluternte nennen. Du weißt nicht was das ist oder? Kurz gesagt feiert das ganze Dorf unsere Götter und die Geister. Herrlich geschmückt war das Dorf, vor allem der zentrale Platz und auch die Menschen waren herausgeputzt, also mussten die Heimkehrer sich auch anständig ankleiden. Das schönste war, das ich meine Schwester nach über einem Jahr wieder sah. Ihre Lehre war zwar noch lange nicht fertig, aber zu diesem besonderen Anlass kam sie nach Hause. Wir aßen, tranken, sangen und lachten den ganzen Tag, bis spät in die Nacht hinein und an dem Punkt wo bei großen Clans Fórnask-Ritual anstand – ähm, da machen unsere Naturmagier Dinge die du nicht wissen musst – kam bei uns in diesem Jahr die Ehrung von uns Knaben, die sich im Kampf bewiesen hatten, durch meinen Vater und auch durch meine Schwester, denn sie sprach jene rituelle Segenssprüche aus, die sonst nur von den Magiern gesprochen werden. Ich weiß das kann man nun als ein schlimmes Vergehen sehen, aber bei so einer kleinen Dorfgemeinschaft wie der unseren, sieht man das nicht so eng. Hauptsache die Traditionen werden geehrt so gut es geht. Kurz darauf verkündete mein Vater, wer ihm nachfolgen sollte, als Beschützer des Dorfes, wer nach seinem Tod die Krieger führen sollte, sobald er sich auch vor ihnen bewiesen hat. Er nannte meine Bruder.
Ich war außer mir, zornig, verletzt und einfach nur verwirrt. Wieso er und nicht ich, habe ich mich ständig gefragt. Und je mehr mein Bruder beglückwünscht, gefeiert und geehrt wurde, desto mehr und weiter zog ich mich zurück. Ich lief in unsere Hütte, legte meinen Wolfspelz ab und klaubte alles was mir war zusammen, schnürte es zu einem großen Bündel und lief nach draußen. Meine Schwester erwartete mich schon. Wortlos drückte sie mich, wünschte mir viel Glück und meinte, bis zu unserem Wiedersehen würde sie für mich zu unseren Ahnen beten. Sie verstand warum ich weg lief. Sie verstand, wie verraten ich mich fühlte und sie nahm es hin und viel wichtiger, sie nahm es an.“


Das war etwas mehr als bloß der erste Kampf, aber als er so im Erzählen war, wollte ich ihn nicht unterbrechen. Was nun folgte war eine lebhafte Schilderung der Reisen die er unternommen hatte und gleichzeitig eine Erklärung seiner Tätowierungen, die entgegen meiner anfänglichen Vermutung mehr als bloßer Zierrat sind. Nein vielmehr erzählen sie eben jene Geschichte die nun ihren Anfang genommen hat, weshalb ich mir eine kleine stilistische Spielerei erlaube und besagte Tätowierungen als sozusagen Überschriften nehme.

Da wäre rechter Hand der Wolf zwischen dem vielfältigen Blätterwerk. Nun wie wir ja schon in Erfahrung gebracht haben, ist sein Rufname 'Grauwolf', also liegt die Vermutung nahe, er selbst sei der Wolf und tatsächlich, dies ist der Fall. Das Blätterwerk könnte selbstredend alles Mögliche bedeuten, seien es nun die Wälder der Wilden Lande oder vielleicht mag er einfach nur Bäume. Tatsache ist, es handelt sich um den Wald von Sieryan, denn dorthin verschlug es ihn.
Als er nämlich von seinem Heim fortlief, reiste er dorthin, wo man wenigstens noch seine Sprache sprach, folglich gen Osten. Unterwegs hielt er sich mit seiner ausreichenden Jagdkünsten am Leben, stellte jedoch zeitnahe fest, dass man als gewöhnlicher Jäger, so man nicht im Auftrag oder mit Erlaubnis irgendeines Fürsten handelte, gerne mal Wilderer geschimpft wurde und sich somit außerhalb des gesetzlichen Rahmens bewegte. Durch jene Erkenntnis entschloss der junge Thorik sich sein Können für Geld anzubieten, also als freiberuflicher Kämpfer durch die Lande zu ziehen, sprich als Söldner sein Geld zu verdienen. Da man im Allgemeinen davon ausgeht, dass die Wilden Menschen aus dem Westen alle samt Krieger von Format sind, gestaltete sich seine Arbeitssuche ziemlich kurzweilig, schon nach einem halben Monat heuerte ihn ein fahrender Händler an, als Wache für eine Karawane in den Süden, genauer gesagt beabsichtigte der Mann den gefährlichen und langen Weg bis Etyrion zu befahren. Entsprechend groß fiel die angeheuerte Meute von Mietschwertern aus, sechzehn Mann, die überaus gut entlohnt wurden. Nach gut sieben Monaten erreichte die Karawane ihr Ziel und der Händler erledigte das, was auch immer er zu erledigen hatte. Thorik war anscheinend ziemlich von den Wäldern beeindruckt, ebenso faszinierten ihn die mageren Spitzohren, wie er sie nannte. Solche Wesen hatte er noch nie wirklich zu Gesicht bekommen, zwar von ihnen gehört, aber sie mit eigenen Augen zu sehen, war selbstverständlich etwas völlig anderes. Nach nur wenigen Tagen machten sie sich wieder auf Richtung Norden nach Aymân. Wenige Tage bevor sie Fort Candera erreichten bemerkte der junge Wilde wieder eine gewisse Unruhe unter den erfahrenen Männern, die er auch schon beim Hinweg verwirrt zur Kenntnis nahm, aber jetzt, voll beladen mit teuren Waren und langsam, wie eine, Zitat, gut gemästete Sau, schienen die Männer regelrecht nervös auf und ab zu laufen. Die Wachen wurden nachts verdoppelt und ihnen wurde regelrecht eingeprügelt, sie sollen die Augen und Ohren offenhalten. So kam es, dass sich mitten in einer Nacht Gestalten im umliegenden Unterholz regten. Thorik, welcher sich gerade im Gebüsch erleichterte entkam der ersten Tötungswelle, als die Angreifer gut organisiert die Wachleute ausschalteten und sich still und heimlich über die Schlafenden hermachten. Kaum das er sich der Gefahr bewusst geworden war, brüllte er aus Leibeskräften und stürzte sich in den Kampf. Es floss noch einiges an Blut aber am Morgen war bis auf eine Ausnahme alle Angreifer tot, ebenso wie die Hälfte der Männer tot oder schwer verletzt waren. Wenn Thorik die Elfen schon interessant fand, war von den lilahäutigen Weißhaaren, erst recht fasziniert. Die Umstände des Angriff, mitten in der Nacht schlafende zu ermorden, fand er feige, aber wie sie dann kämpften, hatte ihn beeindruckt. Laut eigener Aussage ist er in dieser Nacht dem Tod viel näher gekommen als ihm lieb war – und nicht nur einmal. Die eine Gefangene wurde mitgenommen bis ins Fort, wo man sich erst mal ein paar Tage erholen musste. Während dieser Zeit versuchte Thorik sich mit der Shiìn zu unterhalten, denn die Markierungen in ihrem Gesicht hatten es ihm angetan. Die Konversation gestaltete sich, wie man es sich denken kann, ziemlich einseitig. Kurz um, er bekam nichts aus ihr heraus und als sie wieder aufbrachen wurde sie zurück gelassen. Seine versuchte Unterhaltung, wurde ihm als Verbrüderung mit dem Feind ausgelegt und dementsprechend kühl traten ihm seine verbliebenen Kameraden gegenüber. Jedwede Versuche noch irgendetwas über diese Markierungen in Erfahrungen zu bringen brachten keine Antworten mit sich, bis sie in Agheveer auf einen Elfen stießen, der sich auskannte und auch gerne mit seinem Wissen über jenes sonderbare Volk prahlte. Auf die Frage ob man so etwas auch als Mensch bekommen könnte, meinte er dass es mit Sicherheit welche in den Nordreichen gab, die jene Begabung besaßen. Kaum in den Nordreichen angekommen, machte sich Thorik auf die Suche nach so jemanden, denn ihm spuckte diese Idee im Kopf herum und ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Nach Monaten der Suche und wochenlangen Märschen durch den Norden fand er jemanden Aramad, der seinen Vorstellungen entsprach. Die Frau an die er sich wandte stammte aus den Wilden Landen und war künstlerisch mehr als begabt. Der junge Mann hatte genaue Vorstellung was er wollte und da kam ihm eine aus seinem eigenen Volk gerade recht, denn er wollte nicht so einen verschnörkelten Firlefanz, wie er mir sagte, sondern etwas das mehr wie Schnitzereien an den Stützbalken in den großen Hallen seines Volkes zu finden waren. Wenigstens wusste er was er wollte… So entstanden dann der Wolf und das Blattwerk.

Nun zu den beiden Pferden. Nachdem er sich von der Tortur erholt hatte, die das Tätowieren mit sich brachte, erstaunlich wie solch hartgesottene Kerle jammern können, wegen ein paar hundert kleinen Einstichen. Wie dem auch sei, selbstredend benötigt ein jeder der sich nicht mit Betteln zufrieden gibt irgendwann wieder eine Arbeit um sein Täglich Brot zu verdienen. Nun gab es damals wie heute in den gefallenen Reichen durchaus Verwendung für kampferfahrene Kämpen, jedoch hatte seine jüngste Erfahrung mit fremden Kulturen in ihm eine Neugier geschürt, die er nun zu befriedigen suchte. So hörte er sich um und fand letzten Endes, erneut, einen Händler der drauf und dran war gen Westen in die Steppe, genauer nach Itkkin zu reisen um dort mit den Reiterfürsten Handel zu treiben. Obwohl der Mann keinerlei Verwendung mehr für Thorik hatte, denn seine Wachmannschaft waren bereits voll besetzt, nahm er ihn mit, da er keinerlei Bezahlung verlangte, sondern nur genügend zu Essen und das Privileg der Reise. Diese Reise nach, sowie die Ankunft in Itkkin gestaltete sich weniger aufregend als gedacht, denn statt fremder Kulturen zu begegnen zogen sie knapp zwei Monate durch Niemandsland und durchquerten bloß eine einzige Siedlung. Selbst der Handelsposten selbst war nicht gerade das, was er erwartet hatte, denn zu wenige der Bewohner dieser Ländereien tummelten sich dort. So beschloss er nach Süden zu gehen, dorthin, wo seinen Informationen zur Folge viele von ihnen sesshaft lebten: Thamyr. Jedwede Warnung, nur ein Lebensmüder würde diesen Weg allein beschreiten ignoriert er geflissentlich. Nun nicht mehr durch einen langsamen Karrenzug behindert marschierte er nach Süden. Kurz bevor er sein Ziel erreichen sollte traf er auf eine kleine berittene Schar. Was ganz genau passierte wollte er jetzt nicht verraten, aber am Ende des Tages war sozusagen ein Gast bei einem jener Reiterfürsten, die er so unbedingt treffen wollte. Man erlaubte ihm, wohl aufgrund seines kriegerischen Talentes einige Zeit unter ihnen zu leben. Thamyr erreichte er nebenbei bemerkt nie, sondern schloss sich den Nomaden an, bei denen er zu Gast war. Da er zwar mit den Pferden im Großen und Ganzen zurecht kam, aber nicht reiten konnte war gezwungen, nicht ohne Hohn und Spott neben den Wagen herzugehen, welche die Zelte und Habseligkeiten des Stammes geladen hatte. Seit er von zu Hause wegging, war er fast ausschließlich neben irgendwelchen voll beladenen Wagen hergelaufen, also störte es ihn nicht wirklich. Laut eigener Aussage störten ihn auch nicht die verstohlenen Blicke der jungen Frauen, aber über irgendwelche Liaisons schweigt er sich vehement aus. Da der Winter kurz bevor stand, zog der Stamm gen Süden, wohl auf den Spuren des dort lebenden Ukhaan, hierzulande wohl besser als gehörntes Karibu bekannt. Mit der Zeit lernte er sogar die Sprache die die Menschen der Steppe untereinander sprachen, auch wenn er sich etwas schwer mit Aussprache und Grammatik tat, was nicht weiter verwunderlich ist. So interessant das Leben in der Fremde auch sein mag, ganze Folianten wird es wohl kaum mit abwechslungsreichem Inhalt füllen. Dementsprechend kurz fasse ich mich nun. Im Winter ging es südwärts, im Sommer nordwärts und im Herbst gab es Krieg und spätestens da, stellte Thorik seinen Wert unter Beweis und wurde fortan nicht länger verspottet, bloß weil er zu Fuß ging. Wie genau er es schaffte Eindruck zu schinden, hatte wohl etwas damit zu tun, dass er es schaffte Pferde dermaßen zu verschrecken, dass diese ihre Reiter abwarfen, welche er dann zu Fuß niedermachte. Ansonsten hielt er sich sehr zurück, wie sollte er auch sonst gegen die schnellen Reiter antreten. Etwa drei Jahre blieb er bei ihnen, bevor es ihn eines Sommers wieder Richtung Heimat zog. Obwohl er zuerst in Aramad vorbeischaute, aus offenkundigen Gründen.

Nun zum Rest des Körperschmucks, Berge und Raben. Nun, er war im Osten, Süden und Westen, hatte Elfen, Shiìn, Steppenreiter und fremde Menschen kennengelernt – für ihn gab es nur eine Form des Seins die er noch nicht kannte und nur einen Ort an dem er noch nicht war. Ganz auf sich allein gestellt im Norden. Nun ist der Norden, wenn man von den Nordreichen ausgeht, natürlich nicht annähernd so weitläufig wie etwa der Westen oder Süden, ist der Norden doch äußerst effektiv begrenzt durch ein gigantisches Gebirge. Aber dem Drang nach Neuem stur folgend verschlug es ihn die Einöde, wo er mehr schlecht als recht überlebte, gestand er mir. Nichtsdestotrotz weigerte er sich dieses Erlebnis vorzeitig abzubrechen und verbrachte den anstehenden Winter, sowie den darauffolgenden dort oben. Völlig ausgehungert und in allgemein schlechter Verfassung kehrte wieder nach Süden zurück, wo er sich erst einmal mehrere Monate wieder ein gewisses Kampfgewicht, ich zitiere, anfressen wollte. Sich erneut ein Bildnis in den Rücken ritzen zu lassen ließ er sich selbstredend auch nicht nehmen. Die Raben seinen übrigens nur dazu gedacht, den langweiligem Gebirgskamm etwas ästhetisches zu verleihen, also ausnahmsweise bloßer Zierrat. Wer nun eine abenteuerliche Geschichte erwartet hatte, den bitte ich um Entschuldigung, es war viel mehr ein Experiment, mit zweifelhaftem Erfolg. Jedoch zeigte es ihm, dass er allein zurecht kommen konnte. Nach nunmehr acht Jahren fern der Heimat überkam ihn dann jedoch irgendwann das Heimweh und er entschloss sich wieder nach Hause zu gehen.

Nun kommen wir zum vorerst letzten Kapitel dieser zusammenfassenden Personenbeschreibung, denn bis auf eineinhalb Jahre, sind war so gut wie im Hier und Jetzt angelangt, weswegen ich nun erneut, vom Schriftgelehrten zum gemeinen Schreiberling wechsele, um jenes letzte Kapitel nochmals exakt so niederzuschreiben, wie Thorik davon berichtete.

„Mein Dorf liegt recht nahe an der Grenze zu Cathrad, also hatte ich nicht viel Weg vor mir. Als ich mich nach so vielen Jahren endlich wieder in vertrauter Umgebung befand, war das ein unbeschreibliches Gefühl und ja, ich habe sofort gemerkt ab wann ich wieder zu Hause war. So wie du genau weißt wo dein Haus in einer eurer Städte ist, so weiß ich wann die Wilden Lande anfangen. Doch so erfreut ich auch war, irgendwie hatte ich das Gefühl, dass was falsch war. Als ich die ersten dünnen Rauchschwaden erblickte, die von den Herdfeuern meines Dorfes zeugten, verflog dieses Misstrauen wieder, jedenfalls so lange, bis ich dann tatsächlich in Sichtweite war. Nichts war so wie ich mich erinnerte oder es erwartet hatte, lauter Fremde stolzierten herum, als wäre es ihr Grund und Boden, fremde Hütten hatten sich breit gemacht, ja sogar richtige Häuser mit Stein und allem standen dort, wo genug Platz war. Guck nicht so komisch, so wie ihr uns Wilde sofort erkennt, erkenne wir euch auch von weitem. Die Männer bartlos und die Frauen … zierlicher, wenn du verstehst. Kaum einer von meinen Leuten war zu sehen. Mein erster Gedanke war natürlich, dass wir überfallen und vertrieben worden sind. Vorsichtig näherte ich mich und wurde bald von, Kindern umringt, die um mich herum tänzelten, Fangen spielten und sich mit Stöcken verdroschen. Ich hätte schwören können einer der Jungen sah aus wie meine Schwester. Von allen Seiten wurde misstrauisch beäugt, selbst von denen die, wie ich nun sah, von meinem Volke anwesend waren. Wutentbrannt stampfte ich dorthin wo früher die große Halle stand. Zu meiner Erleichterung war wenigstens sie unverändert geblieben. Ich brüllte nach meinem Vater, er sollte mir Rede und Antwort stehen, verdammt nochmal! Doch als sich die Tür öffnete, starrte mich mein Bruder an und er war nicht erfreut mich zu sehen. In dem Moment wusste ich was hier vorging und am liebsten hätte ich ihm den Hals umgedreht. Wortlos standen wir uns gegenüber, er genau so angespannt wie ich es war, als eine lang vermisste Stimme von innen fragend meinen Namen rief. Ein Kleinkind auf dem Arm kam meine Schwester nach draußen geeilt und viel mir um den Hals. Damit hatte sie meinem Bruder viele Probleme erspart. Sie lud mich ein mit ihr und meinem Bruder zu essen und zu trinken, sie wollten mir alles erklären.
Anscheinend war unser Vater nur wenige Wochen nach meinem Verschwinden gestorben, hatte sich bei der Jagd verletzt, die Wunde hatte sich entzündet und er war irgendwann am Wundfieber zugrunde gegangen. Kaum das er tot und mein Bruder nun Vorsteher unseres Dorfes war, kamen Gesandte aus dem Osten. Schon oft standen sie vor meinem Vater, wollten ihn überreden sich einem Greifen – er meinte Grafen – anzuschließen, im Austausch für Wissen über Ackerbau und Viehzucht. Jedes Mal hatte sie Glück lebend gehen zu dürfen, aber kaum hatte mein Bruder was zu sagen, schwor er einem dieser … Grafen Loyalität und erlaubte, dass sich Bauern aus Cathrad hier ansiedeln durften. Sie vermischten sich mit uns. Selbst meine Schwester heiratete einen entfernten Verwandten dieses Grafen, den Neffen seines Schwagers oder so. Innerhalb von nur acht Jahren hatte mein Bruder alles zunichte gemacht, wofür wir als Angehörige unseres Volkes standen, wir waren nicht länger Wilde Menschen, wir waren eine Missgeburt, die jeder Mensch bei verstand zum Sterben im Wald ausgesetzt hätte! Wir waren nicht länger Krieger und Jäger, sondern nur noch Bauern und Hirten. Auf die Jagd gingen nur noch jene die sich mit der neuen Ordnung nicht abfinden konnten und Überfälle und Plünderungen wurden von meinem Bruder strikt untersagt. Er selbst war in feine Stoffe gekleidet. Er sah aus wie einer Hure, wie man sie hier in euren Städten überall findet. Ich bin fremden Völkern immer offen entgegengekommen, aber hier verunstaltete man MEIN VOLK, da kann man nicht mit Nachsicht rechnen. Deshalb war mein Brüder nicht erfreut über mein Erscheinen, denn er fürchtete ich könnte wieder das Feuer des Widerstandes anfachen, die Stimme derjenigen sein, die nicht so wollten wie er befahl. Aber was sollte ich denn schon machen? Er war immer noch mein Bruder, meine Schwester hatte zwei Kinder mit einem der Fremden, denn der Junge der mich so an sie erinnerte, war auch ihr Kind und ich war ja auch nicht völlig blind. Ich sah ja das es meinen Leuten, auch wenn nur noch die Hälfte der Bewohner tatsächlich meine Leute waren, besser ging. Ihr verweichlichten Zivilisierten könnt vielleicht nicht richtig Kämpfen, aber wie man ein Feld bestellt und Vieh hütet, da habt ihr uns einiges voraus. Ich hielt den Mund und zog in unsere alte Hütte. Mein Bruder residierte in der großen Halle und meine Schwester hatte mit ihrem Gemahl ein neues Haus. Dort versorgte sie auch die Kranken. Sie war ja immer noch Hebamme, Heilerin und zu meiner Beruhigung auch noch so etwas wie eine Priesterin unseres Glaubens. Wenigstens den hatten wir bewahrt. Tja, man gewöhnt sich schnell an neue Dinge, auch wenn man immer wieder an den alten Werten festhält. Ein paar Monate später kamen erneut Gesandte. Dieses Mal nicht mit einem Angebot, sondern einer Forderung. Mein Bruder solle seinem Eid nach kommen und mit seinen Kriegern nach Osten ziehen, sein Fürst ziehe in den Krieg. Das war der Preis, den wir zahlen mussten, für Vieh und Feld machten wir uns selbst zu Wachhunden irgendeines fremden Adligen.
Mit Schild und Schwert, Axt und Speer zogen wir aus um uns den Streitkräften dieses Grafen anzuschließen. Er selbst hatte etwas weniger als dreihundert Soldaten zusammengetrommelt, viele davon einfache Männer, denen man Waffen in die Hand gedrückt hatte, dazu kamen noch etwa vierzig Mann aus den Wilden Landen, denn die neu angesiedelten wehrfähigen Männer, zogen mit uns, so auch mein Schwager. Der Feind waren diese wie hießen sie noch? Diese Rebellen? Armaganen genau, danke sehr. Also wir sollten gegen die Armaganen kämpfen, die wohl einen Vorstoß wagten, weit ab von ihrem eigentlichen Einflussgebiet. Angeblich sollten sie von irgendeinem anderen Fürsten unterstützt werden, aber ganz ehrlich mich kümmerte wenig gegen wen ich kämpfte. Wir zogen nach Süden, nachdem wir uns dem kleinen Heer angeschlossen hatten. Ich scharte ein paar gleichgesinnte Krieger um mich, denn obwohl ich mich nicht offen gegen dieses Bündnis aussprach, merkte jeder das ich nicht damit einverstanden war. Also zog ich mit knapp zwei Dutzend Männern aus den Wilden landen aus um sozusagen als Vorhut ein wenig Panik zu schüren. Guck nicht so vorwurfsvoll, wir brannten nur einen einzigen Bauernhof ab und hatten sogar den Anstand die Leute da zu töten. Was? Wäre es gnädiger gewesen sie dem Hungertod zu überlassen? Wir hatten ihnen Vieh und Ernte genommen um einen Standpunkt zu setzen. Ach komm, im Krieg trifft es immer Unschuldige. Jedenfalls wurden wir dafür bestraft, wobei ich diese Strafe erst später erkennen sollte. Nach etwa zwei Wochen kamen wir auf dem baldigen Schlachtfeld an. Diejenigen die mir auf den Raubzug gefolgt waren wurden unter meinen Befehl an unserer linken Seite postiert. Der Plan war simpel, wir sollten die feindliche rechte Seite mit einem wilden Sturmangriff überrennen und so eine Bresche schlagen, durch die dann andere Truppen dem Feind in Flanke und Rücken fallen konnten. Was man uns vorenthielt, war folgendes: Aus eben dieser Richtung hatten Späher eine anrückende Truppe Reiter entdeckt, die den Aufständischen zu Hilfe kommen wollte. Die Nacht vor dem Angriff hielt ich mich von meinem Bruder fern, ich wollte nicht, dass er die Gelegenheit bekam mich irgendwie zu Beeinflussen. Ich wüsste zwar nicht wozu, so im Nachhinein. Am Morgen gingen wir in Position. Zuvor hatte ich noch einem Knaben, der dem Tross angehörte mein ganzes Habe anvertraut, mit der Drohung, sollte irgendwas etwas fehlen, würde ich ihn lebendig fressen. Ich zog ohne Rüstung in den Kampf, nur mit meiner Axt bewaffnet. Nichtsahnend griffen wir an, mähten unter tosendem Gebrüll diese Bauern nieder. Als sie uns anstürmen sahen, schlotterten sie vor Angst und konnten kaum die Piken gerade halten. Plötzlich hörte ich es, dieses dumpfe Gedonner. Ich wusste sofort, was es war, immerhin hatte ich drei Jahre in der Steppe zugebracht, da erkennt man wie sich ein berittener Ansturm anhört. Sie fielen über uns her, schlachteten uns ab. Ich selbst schaffte es ein paar Reiter samt Pferde zu fällen als mir ein sterbendes Pferd im Todeskampf gegen mein Bein trat. Ich hörte den Knochen brechen, bevor ich überhaupt etwas spürte. Es sah schlimm aus. Verwundet schleppte ich mich weg von dem Tier und sah, wie die Reiter nicht etwa über unsere Verbündeten herfielen, sondern unsere Feinde nieder ritten. Man hatte uns verraten, ihnen in den Weg gestellt oder sie gar angewiesen uns auch zu töten. Entsetzt verfolgte ich das Geschehen und bemerkte gar nicht wie sich mir jemand näherte, bis dieser Jemand trocken feststellte, dass ich immer noch nicht tot sei. Mein Bruder stand mit gezogenem Schwert hinter mir und gerade als den Mund aufmachte um etwas zu sagen, stieß er es mir in den Bauch. Leiden sollte ich, während ich zusah wie alle Aufrührer wie ich zugrunde gingen, wie alle starben, die noch an unseren Traditionen festhielten.
Danach verschwimmen die Augenblicke, ich kann mich nicht mehr wirklich erinnern. Irgendwann bin ich dann auf einer Pritsche in einer Hütte aufgewacht. Es stank nach Blut, kaltem Schweiß, Pisse und Scheiße. Außer mir lagen noch dutzende andere Verletzte herum. Zu meinen Füßen lagen meine Habseligkeiten. Meine Äxte und mein Mantel, mehr hatte ich nicht, außer der Kleidung am Leib, aber die war nicht meine, sie denn alles war mir zu klein. Ein Heiler hatte mich vom Schlachtfeld aufgelesen und gepflegt. Zufälligerweise oder von den Göttern vorherbestimmt, habe ich seinem Sohn meine Sachen anvertraut. Ich verbrachte Woche um Woche auf dem Krankenbett. Ich weiß nicht mehr genau wie viele Wochen ich nicht wach war, aber als ich dann wieder wach war, verbrachte ich zwei Vollmonde dort. Mein Bauch heilte nur schwer, aber nicht annähernd so schwer wie mein Bein. Wie auch immer dieser Mann es geschafft hat mein Bein zu retten, ich hoffe er wurde nach dem Tod reichlich dafür belohnt. Es grenzt schon fast an Magie. Obwohl er den Knochen gerichtet hat und meinte es würde gerade zusammenwachsen, ich müsste mir keine Gedanken um ein schiefes Bein machen, tut es immer noch verdammt weh. Es ist dick, rot und bei jedem Schritt durchfährt mich ein Schmerz, bei dem mir schwindelig wird. Leider erfuhren irgendwann jene Verräter von meinem Überleben und statteten dem Heiler einen Besuch hab. Bevor ich irgendetwas tun konnte hatten sie ihm die Kehle aufgeschlitzt und wollten dann über mich herfallen. Zu meinem Glück, war ich nicht länger ans Krankenbett gefesselt, sondern konnte immerhin, beinahe aufrecht stehen. Ich zerhackte diese elenden Hunde. Dann bin ich gegangen. Ich konnte die Frau und ihre Kinder nicht entlohnen und ich hielt es für zu gefährlich, wenn ich blieb. Es fiel mir schwer, sie einfach so zurück zu lassen, aber ich schwor ihnen noch, diese Schuld zu begleichen, so früh es mir möglich sein würde.“


Dann endete er abrupt, stand auf und verabschiedete sich. Er dankte für den Wein, das Essen und die nette Unterhaltung. Ich fragte ihn noch was er nun vor hatte. Er lächelte nur müde und meinte, er müsse langsam anfangen, die Schuld zu begleichen – und anfangen würde er mit dem Leben seines verräterischen Bruders.

Kontaktdaten von Thorik

Benutzer-Statistik

Registriert:
Mi, 18. Nov 2015 15:02
Letzte Aktivität:
Mo, 05. Feb 2018 22:45
Beiträge insgesamt:
13
(0.04% aller Beiträge / 0.01 Beiträge pro Tag)
Am meisten aktiv in Forum:
Córalay & Cathrad
(13 Beiträge / 100.00% der Beiträge des Benutzers)
Am meisten aktiv in Thema:
Meine Frau, der Wilde und ich
(7 Beiträge / 53.85% der Beiträge des Benutzers)

Signatur

Far, far from the fame
Far, far away from the fame
But we still remember your name