Von den drei Brüdern…

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Sqeulaiche Dubh
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Von den drei Brüdern…

Beitrag von Sqeulaiche Dubh » Mo, 04. Jan 2016 20:57

Niederschrift der in Fadrun ersonnenen und begonnenen Erzählung von den drei Brüdern, so den Wunsch der Zuhörer dort nach fortgesetzt neuen Geschichten zu stillen. (Verdammt, das kommt davon, wenn man so lange an einem Ort ausharrt, das die Leute bald schon das komplette Repertoire der eigenen Geschichten kennt. Man muß entweder was Neues ersinnen und schriftlich festhalten, später nichts durcheinander zu bringen, oder aber man zieht weiter. Weiterziehen wäre die wohl leichtere, wie sinnvollere Option. Aber ohne Eleah? Also schreib ich nun halt und ersinne Neues. ) – Sqeulaiche Dubh
Man sagt ihnen nach, sie wären drei Brüder, manch einer sagt ihnen gar noch eine älteste Schwester nach. Doch bin ich nur einem der Brüder je begegnet, gleichwohl jener die Existenz seiner beiden Brüder wohl zu bestätigen wusste. Was seine angebliche Schwester indes anbelangt, so versicherte der jüngste der drei Brüder kaum mehr als unprüfbare Gerüchte und Märchen bis zum heutigen Tag nur von dieser vernommen zu haben. Jenen einen traf ich in einer dunklen Nacht, der heutigen nicht ganz unähnlich, obgleich die Wolken am Firmament einer wilden Jagd gleich, wetteifernd westwärts über die Himmel jagten. Hier unten, auf Erden aber, wehte kein Lüftchen und die Flammen meiner offenen Laterne brannte so ruhig und Stetig wie jene Funzel dort zwischen uns am heutigen Abend brennt, da ich vor euch sitze, euch von Ârk zu berichten, dem Erzenen.

Doch beunruhigten die, sich am Himmel immer weiter auftürmenden, Wolken die Reisegruppe, mit welcher ich zu jener Zeit südwestwärts von Garbh Lann gen Cavérn auf der alten Gebirgsstraße aus der Blüte Córalays reiste. Ich muss eingestehen die Furcht meiner Reisebegleiter wohl geteilt zu haben, regnen sich die Wolken doch mit beinahe schon berechenbarer Regelmäßigkeit an den Osthängen eben jenes Gebirgszuges ab. Eben darum zeigen sich die Hänge des Hrov-Gebirgszuges ja so unterschiedlichst bewachsen. Während die kaum besiedelten Osthänge und Täler so dicht bestanden sind, das man durch das dichte Strauch-, Wald- und teilweise gar mückengeplagte Sumpfland tagelang orientierungslos umherirren kann, bietet westlich des Gebirges trockenes Grasland den zähen Wilden Menschen dort üppige Weiden feil.

Auch ich wäre wohl mit der Gruppe der Händler darum nur zu gerne an der Passstraße gen Westen und damit in Richtung Kahlfels gezogen, annehmend dass die Gefahren dort auf der nicht umsonst Räuberstraße geheißenen Wegstrecke, weit geringer wären, denn das ansonsten hinzunehmende Unwetter. Doch eine kleine Unstimmigkeit mit dem damaligen Herren auf Kahlfels und der Umstand, das ich doch hoffte den geheimen Hohlweg zu Astrioths dunklen Laboratorien finden zu können, ließen mich auf dem Weg nach Cavérn, nunmehr alleine mit meinem Reittier, einem schwarzen Esel Namens Sturkopf voran hasten.

Keine zwei Stunden später aber, bereute ich meinen Entschluss schon zutiefst und fürchtete im wahrsten Sinne des Wortes um mein Leben. Ein solches Unwetter brach über mich und mein Reittier herein, wie ich vorher und bis zum heutigen Tage nicht, kein Schrecklicheres je erlebt hatte. Mit schierer Urgewalt schoss bald ein bis dahin gut dreißig Fuß längsseits der Straße still dahingeplätschert seiender Wildbach, nunmehr direkt über die alten Pflastersteine und warfen mich eins ums Andere Male beinahe um. Einzig der Esel, in seiner Sturheit sich weigernd sich von des Wassermassen umwerfen zu lassen hielt mich ein ums Andere Mal von einem verhängnisvollen Sturz ab.

Aber dann, ich weiß bis zum heutigen Tage nicht was es war, erschreckte etwas Sturkopf dermaßen, das er sich ausschlagend von mir losriss und zurück in das Sturmesdunkel hinter uns zurück flüchtete. Zurück würde ohne den Halt an Sturkopfs Sattelknauf keine zwei Herzschläge wider den reißenden Bach bestehen, also hieß es weiterzugehen und auf einen sicheren Unterschlupf zu hoffen, würden mich hier ansonsten doch früher oder später die Winde des inzwischen wild tobenden Sturmes sicher in die eine oder andere bodenlose Steilklamm sonst bloß stürzen.

Ich hatte längst mit meinem Leben abgeschlossen, als ich das Klingen einer fernen Glocke und den flackernden Schein einer schwankenden mir entgegen kommenden Sturmlaterne erblickte, welche aus einem, wie in die emporragende Bergflanke zu meiner Rechten hinein geschnittenen Hohlweg mir entgegen kam. Das war der Moment, als ich Ârk, den Erzenen, erstmals traf. Wohl wusste ich in dem recht aber überaus kräftig doch gebautem bärtigen Menschen, den ich alsbald einen vollbeladenen Handkarren ziehend erblickte, an dessen einer Radnarbe eine bronzene Glocke hing, derweil die zweite Radnarbe eine wild im Sturmwind tanzende Sturmlaterne hielt und der in seiner schlichten Robe damals noch nicht eine jener drei Gestalten vor mir, die die Einen in das Mythen-, die Anderen in das Götterreich und wiederum Andere in das Dämonenreich verorteten.

Doch bot mir der fremde Mensch, der mich in seiner Erscheinung so frappant an die Legenden über Zwerge doch erinnerte, an, sein Heim aufzusuchen und den Sturm dort abzuwarten und ich wäre wohl ein Narr gewesen, jenes freundliche Angebot auszuschlagen, selbst wenn in der Erscheinung Ârk den Erzenen damals bereits denn schon gewähnt hätte. Also half ich ihm den Karren die alte Gebirgsstraße hinauf zu ziehen, bis sich nach einigen sturmgepeitschten Minuten auf dieser, ein düsterer Stollen rechterhand auftat, in welchem jedoch links und rechts - kaum das wir diesen betreten hatten - ruhig brennende Öllampen an der Wand wiederfanden. Obgleich draußen der Sturm noch immer toste, war es in dem Stollen behaglich warm. Nach einigen dutzend Schritten kamen wir an ein aus dem Fels herausgeschlagen geworden zu seien scheinendem kleinen, mit Ried gedeckten Haus, in dessen Kamin ein behaglich warmes Feuer prasselte in dessen kessel der wohlriechendste Fleischeintopf vor sich hin schmorte und das Bierfass daneben, das Bierfass…

Als ich am nächsten Morgen, nach durchzechter Nacht, erwachte, fand ich mich unter einem überhängendem Felsvorsprung auf einem weichen Moosbett liegend wieder. Die Gebirgsstraße indes, welche einige Fuß unter mir entlang führte, sah – soweit das Auge reichte – aus wie neuerbaut. Das Moos zwischen den Pflastersteine, der Dreck, der sich in den Jahrhunderten dort eingenistet hatte und die Patina der Zeit auf den Wegsteinen selbst, sie waren allesamt wie fortgespült einzelne Pflastersteine sahen wie frisch angeschlagen aus und die Hänge über mir zeugten von einem Felssturz, der über die Gebirgsstraße hinweg gedonnert sein musste um dann aber von dem nun wieder leise neben der Straße entlang plätscherndem Bach wieder fortgespült worden sein musste.

Ich hatte auf dem über Meilen wohl einzig sicherem Platz scheints geruht und den Hohlweg wie den Stollen zu der Behausung jenes Zwergen, ich muss es wohl kaum noch sagen, fand ich sebstverständlich nicht mehr wieder, als ich mich umsah. Das war meine erste Begegnug mit Ârk, doch sollte ich ihn erst bei meiner nächsten Begegnung als den erkennen, der er war, derweil es noch weitere Begegnung brauchte, ehe er mir von seinen Brüdern, Io dem Himmlischen und Ash dem Strahlenden berichtete. Und noch weit später erst sollte ich erstmals von deren Schwester Ura, der Herrin über die Seestadt hören und den Grund erfahren, warum er mich in jener Nacht unserer ersten Begegnung vor dem sicheren Tod bewahrt hatte, gewährte Ârk, der jüngste der drei Brüdern doch nie eine Gefälligkeit ohne einen teuren Preis darob einzufordern. Doch davon, vielleicht, später mehr…
‘Ah, music, a magic far beyond all we do here!’ (Albus Dumbledore)

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