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Im Namen der Zwei

Das nördliche Nachbarland Mérindars, schon seit Jahrhunderten in Feindschaft mit jenem Reich. » Ortsbeschreibung
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Darion
Vagabund
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Avatar: Dieser Caradan
Alter: 29
Rasse: Mensch (Arcanier)
Heimat: Arcanis
Waffen: Schwert

Re: Im Namen der Zwei

Beitrag von Darion » Mi, 25. Apr 2018 11:22

Kaum das sie die Kuppe des kleinen Hügels erreicht hatten, konnten sie Darions Anwesen ein paar Meilen entfernt ausmachen. Sie hatten auf Darions Drängen beschlossen, hier kurz halt zu machen, um sich auf das bevorstehende vorzubereiten. War ja schön und gut mit insgesamt zehn Mann und einer Kiste nach Coralay zu reiten, aber wenn man dabei in einem Kettenhemd steckte und bewaffnet war, dann war dass zumindest in Darions Augen eine wahre Wonne. Als sie an den Häusern vorbei ritten, wurden Türen zugeschlagen und lautstark verriegelt, Fensterläden hastig zugezogen und ein jeder eilte sich, von der Straße zu kommen. Die Leute, seine Leute hatten offensichtlich furchtbare Angst und Darion konnte nur ahnen weshalb. Sie ritten auf den Hof seines Anwesens und wurden von einem elend aussehenden Arvid empfangen. Der Mann hatte ein Veilchen unter dem rechten Auge, sah hundemüde und schmutzig aus. Mit verängstigtem Blick starrte er auf die Männer der Inquisition und erst als sein Blick Darion streifte, entspannte er sich halbwegs. „Euer Gnaden.“, seufzte er und man konnte hören, welch Anspannung von ihm abfiel. „Männer der Inquisition waren hier und haben nach euch gesucht. Sie haben alles verwüstet. Alles! Euer Anwesen, die Häuser Eurer Bauern, einfach alles.“ Darion ließ die Schultern hängen. Er hätte kein einziges Mal daran gedacht, welche Folgen seine Taten für die Leute haben würden, die auf seinen Schutz angewiesen waren. Er hatte seine Pflichten als Graf vernachlässigt, als Ritter und als … Gerda kam hinaus gelaufen, das eine Kind bei der Hand, das andere auf dem Arm. „Wo ist mein Sohn?“, fragte sie verängstigt. Darion stieg vom Pferd und ging zu ihr. Er legte ihr die Hand auf die Schulter und lächelte sie an. Es war das wärmste Lächeln, dass er in diesem Moment zustande brachte und das bedeutete, es kam mehr einer Fratze gleich. „Er ist in Sicherheit. Ich wollte ihn nicht mit den Gefahren und den Strapazen so einer harten Reise konfrontieren und habe ihn auf einer anderen Burg zurück gelassen, wo er gut versorgt wird.“ Sie glaubte ihm nicht, wie könnte sie auch. Sie war eine Mutter und Mütter waren immer besorgt und Darion war ein miserabler Lügner. Ohne ein weiteres Wort kehrte sie ihm den Rücken zu und eilte hinein. „Ich bin ein schlechter Mensch.“, hauchte er und wandte sich um zu Tiros der neben ihm stand. „Ich habe überhaupt nicht an Ardan gedacht. Nur an Aelis… und er ist immerhin ...“ „Ihm geht‘s gut. Da bin ich sicher.“ Darion nickte und winkte Devin und Arvid zu sich. „Wir bringen das wieder in Ordnung Arvid. Devin und ich haben bereits so einiges in die Wege geleitet, aber dennoch muss ich noch ein paar Sachen von dir verlangen.“ Er gürtete sein Schwert ab und reichte es ihm. „Zuerst bring das zurück an seinen Platz, ich werde es nicht wieder zu dieser Burg tragen. Und dann, haben wir Waffen?“ Arvid runzelte die Stirn. „Es ist Euer Anwesen, Euer Gnaden. Natürlich haben wir Waffen.“ Darion nickte. „Gut, bring alles in die große Halle, wir werden uns das Beste mitnehmen. Hoffentlich kommt es nicht zum Kampf, aber wenn dann will ich vorbereitet sein.“ Nachdem sie sich ein paar Stunden ausgeruht hatten, die Pferde und die Männer versorgt waren, konnten sie nun endlich in der großen Halle die Früchte seines Anwesens bewundern. Es war beinahe so, als hätte man die Waffenkammer von Irukhan geplündert. Ein halbes dutzend Speere lagen dort, ein paar Äxte, Dolche, Schwerter, zwei Schilde, ein Streithammer und sogar eine Armbrust. Darion packte den Streithammer und wog in der Hand. Hiermit würde er dieser Schlampe den Schädel einschlagen, wenn sie Aelis oder dem Jungen auch nur ein Haar gekrümmt hätte. Darion hatte sich seine Rüstung angelegt, zumindest den Teil, den der Schmied bereits fertig gestellt hatte, sprich Schulterplatten, Armschienen und Halsberg, dazu Kettenhemd und Waffenrock wie stets. Für Devin hatte er auch noch ein Kettenhemd gefunden. „Hier.“, meinte er als er es ihm reichte. „Könnte dir etwas zu kurz sein, aber besser als nichts.“ Einen Moment stand Darion schweigend da. „Ich mache mir Sorgen um sie. Ich hoffe einfach Arcados Bote ist diplomatisch genug um einen abgeschlagenen Kopf zu erklären.“ Gut gerüstet und ausgeruht machten sich die Männer aus Arcanis auf gen Süden, um wieder einmal nach Coralay zu reiten. Verstärkung bekamen sie von den restlichen fünf Männern aus Darions Leibwache. Sie kannten den Weg zur Burg besser als jeder von ihnen und so würden sie hoffentlich noch rechtzeitig ankommen. Und so hatten sie nun immerhin eine halbwegs anständige Kampfkraft um sich bei einem Überfall behaupten zu können. Und tatsächlich, sie kamen gut voran. Schon bald hatten sie die kargen Lande von Arcanis hinter sich gelassen und ritten durch die dichten Wälder der gefallenen Reiche. Es gab keinen Plan, keine Absprachen vorher. Sie würden improvisieren. Das hatte bisher meist besser funktioniert, als irgendwelche zum Scheitern verurteilte Pläne zu schmieden.

Es war ein erschreckender Anblick, als sie in das Einzugsgebiet der Burg vorstießen. Nichts sah so aus, wie sie es verlassen hatten. Die Bäume rundherum waren zu weiten Teilen abgeholzt und auf den freien Flächen machten sich zahlreiche Zelte breit, Banner wehten in einer seichten Brise und der Rauch dutzender Feuer kringelte sich gen Himmel. Hatte Elisia nun doch mehr Männer gesammelt? Womöglich als Reaktion auf den Kopf in der Truhe? Das würde ihr Vorhaben bei weitem schwieriger machen. Unsicher ob sie näher kommen sollten, verharrten sie am Waldrand, als plötzlich eine Gruppe von Reitern näher kam. „Wer seid ihr?“, rief der Anführer der Gruppe, ein Mann mittleren Alters mit Adlernase und hellen grauen Augen. „Ich … bin Darion Malistaer. Aus Arcanis.“, antwortete Darion unsicher und runzelte die Stirn, als sich die Miene des Mannes aufhellte. „Welch freudige Nachricht Herr! Kommt, kommt.“ Er geleitete sie in das weitläufige Lager zu einem zentralen Zelt. Es war mit Abstand das größte, aus edlem roten Tuch, mit Wappen behangen, von Soldaten bewacht und von Fackeln beleuchtet. Im Innern befand sich eine lange Tafel mit einem Dutzend Stühle, eine auf Pergament gezeichnete Zeichnung der Burg, Weinkaraffen, Becher, Teller mit Speiseresten und nicht zuletzt acht Männern die in ihrer Unterhaltung inne hielten, als Darion, Devin und Tiros eintraten. „Da ist er!“, rief Barlor und Darion blickte ihn ungläubig an. „Was geht hier vor?“, verlangte er zu wissen. Barlor, Garm, Behl und Ieblis sollten eigentlich bei Aelis in der Burg sein, gefangen mit ihr, gefoltert vielleicht oder tot. Aber sie waren ihr, an der Spitze eines kleinen Heeres. Und wo war der Junge. „Wo ist der Junge?“ „Schläft zwei Zelte weiter.“ Darion schloss die Augen und dankte still den Zweien. „Wir sind ein paar Tage nach dir und Devin geflohen.“, erklärte Barlor. „Wir haben bemerkt wie die Stimmung in der Burg kippte und haben uns davon gemacht.“ Er hob abwehrend die Hände, bevor Darion auch nur was sagen konnte. „Wie konnten Aelis nicht mitnehmen. Wir sind dann zu den einzigen Menschen gegangen, von denen wir wussten, sie würden uns Elisia nicht ausliefern. Darf ich dir die Grafen von Gramsee, Gemial, Algard und Karloth vorstellen.“ Nacheinander erhoben sich die Männer und stellten sich der Reihe nach noch einmal selbst vor. Der erste war ein älterer Mann mit silbrigem Haar, der in seinem reich verzierten Harnisch wirkte, wie ein magerer Bauer. „Bertholdäus von Gramsee-Malistaer.“ Darion nickte knapp als sich der nächste nach vorn drängte. Ein feister Kerl, mit Spitzbart. „Konlin Gemial-Malistaer.“ „Wilham Algard-Malistaer.“, wartete der andere gar nicht ab. Ein großer schlaksiger Kerl, mit buschigen Brauen und schiefen Zähnen im Maul, die er durch ein breites Grinsen unverblümt zur Schau stellte. Und dann kam der letzte. Er verbeugte sich vor Darion und lächelte ihn warm an. „Graf Canush von Karloth-Malistaer. Zu Euren Diensten.“ Der Mann war jünger als Darion, hatte dunkles Haar und ein stoppeliges Kinn. Darion war wie erschlagen. Die versammelte Verwandschaft Elisias und … in gewisser Weise auch von ihm, war hier aufmarschiert und warum. „Ihr seid wohl voraus geritten?“, fragte der Alte, Bertholdäus. „Wem?“, fragte Darion irritiert. „Na, dieser junge Mann hier,“, er deutete auf Barlor, „meinte wenn Ihr zurück nach Karanhál kämt, dann an der Spitze eines Heeres, weil Ihr hörtet was hier vor sich ginge.“ Darion schüttelte den Kopf. „Wir sind alle, aber wie ich sehe, habt Ihr genügend Männer.“ „Und Katapulte!“, warf Behl von der Seite ein. „Wofür denn Katapulte?“ „Vielleicht um Bären zu verschießen.“, meinte Tiros trocken. „Was?“ „Bärenkatapulte.“, zuckte Tiros mit den Schultern. „Wäre mal was neues.“ „Warum denn?“, rief Darion verwirrt. „Leck mich, deshalb.“, murrte Tiros und einen Moment lang herrschte unsicheres Schweigen. „Wie viele Männer habt Ihr?“ „Einhundert und vierzig Mann.“, antwortete Canush von Karloth. Darion weigerte sich auch nur einem dieser Männer den Namen Malistaer angedeihen zu lassen.

Ein paar Stunden später, am späten Nachmittag, standen Devin und Darion in Begleitung von Tiros uns Darions neunköpfiger Leibgarde vor den Toren der Burg. Gerade so in Schussreichweite. Ihm schwirrte der Kopf, von den ganzen Informationen die auf sie eingeprasselt waren. Darions Männer hatten Hilfe geholt und nun waren die Schwäger Elisias mit ihren Männern hierher gezogen um die Burg zu belagern. Den Boten hatte man weder gesehen, noch etwas von ihm gehört, aber nun konnte man ein paar verwesende Köpfe die auf den Mauern aufgespießt waren erkennen. Offenbar war der Bote schon hier gewesen. Das Tor der äußeren Mauer öffnete sich und Elisa, gefolgt von zehn schwer gerüsteten Männern trat heraus und blieb etwa auf halben Weg zu ihnen stehen und winkte sie zu sich. Darion überlegte nicht lange und stampfte voraus. „Schön dich wieder zu sehen!“, rief sie ihnen fröhlich entgegen. „Halt‘s Maul du Fotze!“, donnerte Darion und blieb drei Schritt von ihr entfernt stehen. „Ich habe dir vertraut!“, warf er ihr vor. „Und wir sind ja so eng miteinander verbunden, da war dieses Vertrauen natürlich gerechtfertigt.“, spottete sie mit ernster Miene. „Ich kann nichts für deine Naivität Darion. Außerdem, hast du dich ja auch nicht an die Abmachung gehalten.“ „Ich hatte hiermit nichts zu tun! Aber jetzt bin ich verdammt froh darüber.“ Sie schnaubte ärgerlich. „Aber zu deiner Information. Ihr Onkel schert sich nicht um sie, denn er hat mir den Kopf meines Boten geschickt.“ „Doch tut er.“, antwortete Darion gereizt. „Deswegen sind wir ja hier.“ Er deutete auf die Truhe die Garm und Ieblis trugen. „Nicht die geforderte Summe, aber genug.“ Sie blickte die Truhe skeptisch an. „Und dafür willst du sie?“ „Natürlich!“, zischte er. „Gib sie frei, nimm das Gold und wir lassen euch euren kleinlichen Krieg in aller ruhe austragen. Ihr seht uns nie wieder.“ „Vergiss es. So nicht.“ „Überlege es dir. Ansonsten werden wir auf der Seite deiner Schwäger kämpfen.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Tut das.“ Dann wandte sie sich um und ging hinein und Darion rief ihr noch hinterher. „Dann werden wir die Burg morgen erstürmen!“
„Wir werden die Burg nicht erstürmen.“, stellte Darion klar, als er im Zelt saß und die versammelten Grafen auf einen Angriffsplan drängten. „Ich will eine Sache klarstellen. Das da, ist meine Burg.“ „Also bei allem Respekt“, wollte Graf Bertholdäus aufbegehren, doch Darion schlug mit der Flachen Hand auf den Tisch. „MEINE Burg. Keiner von euch ist ein Malistaer und ich bin der einzige lebende und direkte männliche Nachfolger. Also habe nur ich ein Recht auf diese Burg und deshalb entscheide ich, ob sie gestürmt wird oder nicht.“ „Euer Gnaden.“, begann der feiste Konlin, „wir verstehen eure Besorgnis, aber Ihr habt Elisia doch kennen gelernt. Mit ihr kann man nicht verhandeln. „Sie ist eingeschüchtert und versteckt das hinter bloßem Trotz.“, stellte Darion klar und war sich gar nicht mal so sicher ob das stimmte. „Sie wird verhandeln.“, meinte er bestimmt. „Und jetzt alle raus, ich will mit Devin alleine sprechen.“ „Dies ist nicht Euer Zelt.“ „Heute schon und jetzt raus.“ So würdevoll die Grafen es nach dieser Respektlosigkeit vermochten, erhoben sie sich und stolzierten hinaus. Darion vergrub das Gesicht in seinen Händen. „Ich weiß nicht weiter Devin.“, gestand er. „Ich weiß wie man tötet, kämpft und ich weiß wie ich diese scheiß Burg einnehmen könnte, aber ich weiß nicht wie wir Aelis retten können. Ich bin ratlos. Hilf mir.“
Fürchtet den Silberlöwen

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