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Die Feuerpriesterin und der Wolf

Das nördliche Nachbarland Mérindars, schon seit Jahrhunderten in Feindschaft mit jenem Reich. » Ortsbeschreibung
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Aenaeris
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Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » Di, 24. Jul 2012 20:53

Aenaeris hörte Schritte auf die Türe ihrer Arrestzelle zukommen. Klirrend schlug ein Schlüsselbund an die Türe und das metallene klacken des Schlosses war zu vernehmen. Die Tür schwang auf und ein Wachmann stand in der Türe. „Mitkommen!“ deutete er mit Daumen hinter sich. Aenaeris erhob sich langsam und folgte dem Wachmann. Er brachte Aenaeris in die große Halle und stellte sich dann an die Wand. Die Halle war groß und das Tageslicht fiel hell herein zwischen den Säulen, die östlich ausgerichtet in regelmäßigen Abständen anstatt einer Wand standen. Vor ihnen stand der Hohepriester Bartarion, in einer schweren Robe aus feinstem dunkelblauen Leinen, um die Taille hing ein schwerer Gürtel aus Gold, der aus vielen großen aufwendig gravierten Goldplatten bestand. Sein weißer Vollbart war akkurat geschnitten und weitaus dichter als sein Kopfhaar. Er hatte die Hände vor seinem Leib gefaltet und starrte ernst und ausdruckslos ins Nichts. Zu seiner rechten und zu seiner linken standen noch zwei weitere Priester.
Als er Aenaeris erblickte, runzelte er die Augenbrauen.

Aenaeris sank in die Knie und schlug die Augen nieder. „Euer Gnaden“ „Du weißt, warum Du hier bist, Aenaeris?“ „Ich bin mir keiner Schuld bewusst, Euer Gnaden.“ „Talos liegt im Lazarett, mit schwersten Verbrennungen im Gesicht. Er ist seit drei Tagen nicht aufgewacht. Was ist los mit Dir, Kind? Zuerst verleumdest Du ihn bei mir, erzählst mir wirre Geschichten über Talos‘ angebliche Knabenliebe, und dann fügst Du ihm derartige Verletzungen zu… wie ist das passiert? Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass die Feuerschalen unberührt waren, wie also konnte sich Talos derartige Verbrennungen zuziehen?“ „Ich weiß es nicht, Euer Gnaden. Talos hat mich angegriffen, er hat mich zu Boden gedrückt, und ich...ich glaube… nein, ich weiß, er wollte mir Gewalt antun…“ „Du bist sehr selbstbewusst, wie es mir erscheint!“ unterbrach Bartarion sie unwillig „was bei den Geschwistern, hat Talos Dir angetan, dass Du einen ehrwürdigen Mann wie ihn derart in den Schmutz ziehst?“ „Euer Gnaden, ihr wolltet wissen, was sich zugetragen hat, und ich erzählte es Euch. Als ich mich nicht mehr gegen ihn wehren konnte, wurde ich plötzlich von einer unglaublichen Hitzewelle ereilt, dann sah ich nur Feuer, und als das Feuer wieder erlosch, war Talos verbrannt. Das ist alles, was ich weiß…“

Bartarion kniff die Augen zusammen. „Wer bist Du?“ Aenaeris starrte ihn ungläubig an. „Was meint ihr damit? Ihr kennt mich, ich bin Aenaeris, Tochter von Albon und Neheris Ardere…“ „Komm näher, Kind“ erwiderte er ruhig und machte eine heranwinkende Geste. „Deine Augen… sie besitzen plötzlich ein solches Feuer… diese Farbe ist mir bislang verborgen geblieben… Du…siehst aus wie…“ er unterbrach sich und wandte sich an seinen rechten Priester „Sieht sie nicht aus wie vom elfischen Wüstenvolk ?“ er brachte diese Worte hervor als würde er Gift und Galle ausspucken. Sein Nebenmann nickte demutsvoll: „Oh, ihr habt Recht, Euer Gnaden…!“ „Und warum ist das bislang niemandem aufgefallen?“ stieß er voller Verachtung hervor? „Ich weiß es nicht, Euer Gnaden“ meinte der linke „Und es gibt ja doch keinen Beweis dafür, dass es in der Tat so ist… seht sie Euch an, die Ohren sind nicht spitz, sie ist von durchschnittlichem Wuchs, und auch ansonsten kann ich keine elfischen Attribute an ihr erkennen… vielleicht ist ihre Augenfarbe eine Laune der Natur?“ „Eine Laune der Natur? Eine Laune der Natur wäre ein braunes und ein blaues Auge, eine Laune der Natur wäre, wenn sie blind wäre…“ er packte Aenaeris am Kinn und riss das Gesicht in die Höhe, damit es vom Sonnenlicht gut beschienen wurde. Im Sonnenlicht leuchteten die Augen deutlich rötlich. „…aber dies hier, dies ist eindeutig!“ rief Bartarion und machte eine Handbewegung, als wolle er Aenaeris schlagen. Sie zuckte instinktiv zurück. „Weib, Du hast elfisches Blut in Dir, daran kann es keinen Zweifel geben! Du bist eine abscheuliche Absonderlichkeit, eine Schande für das stolze Volk der Arcanier!“ „Euer Gnaden, ich schwöre bei den Geschwistern, die mir heilig sind, dass ich nichts damit zu tun hatte!“ „Beleidige nicht unsere Götter“ herrschte er sie an. „und sei froh, dass wir diese heiligen Hallen nicht mit Deinem unreinen Blut besudeln!“ Der Priester zu seiner linken beugte sich zu ihm, und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Bartarion murmelte ihm etwas Unverständliches zurück und nickte dann. „Bringt sie zu Morat!“ Aenaeris wusste, was dies bedeutete… Sie warf den Kopf zurück und sah sich um „Nein! Bitte nicht!“ rief sie, doch niemand reagierte darauf, zwei Wachen packten sie an den Armen und schoben sie aus der Halle.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen sie schließlich vor dem Kellergewölbe an. Einer der Wachen nahm die brennende Fackel von der Wand und tauchte sie in einen Eimer Wasser, der am Boden neben der Tür stand. „Bevor uns die Hexe ebenfalls abfackelt…“ brummte er. Der Wachmann hob den Arm und hämmerte mit der Faust gegen die Türe. Das Kellergewölbe barg einen Raum, von dessen Existenz zwar die meisten wussten, aber nichts, was darin geschah, drang nach außen. Man wusste nur, dass darin des Öfteren häretische Dinge vor sich gingen. Man hörte innen schlurfende Schritte, dann klirrte ein Schlüssel und die Scharniere der schweren Eichentür quietschten, als diese geöffnet wurden und ein mürrisches Gesicht lugte durch den Türspalt. „Seid gegrüßt, Morat, ich bringe Euch die Hexe“ sagte der Wachmann. Die Tür öffnete sich ganz und die Wachen schoben Aenaeris im eisernen Griff nach vorne und ließen sie auf einen Stuhl sacken. Das mürrische Gesicht gehörte zu einem fetten glatzköpfigem Mann, der eine schmutzige Bundhose, Stiefel und sonst nichts trug. Seine Haut glänzte ölig und er stank. Er zog sein Seil hervor und fesselte damit Aenaeris an den Stuhl. Aenaeris sah ich in dem Raum um. Neben dem Stuhl stand ein Tisch auf dem ein Tablett mit allerlei Instrumenten und Zangen aller Art, die fein säuberlich nach Größe sortiert waren und ganz offensichtlich dem Zwecke dienten, zu peinigen. An der Wand waren Seile aufgehängt, daneben hatte eine Halsgeige ihren Platz. Weiter hinten im Raum stand eine Esse, in deren glühenden Kohlen einige Eisenstäbe lagen. „Ihr seid gut ausgestattet“ kicherte der Wachmann. „Jaja, nun geht, ich mag kein Publikum!“ blaffte Morat ihn an „es dauert nicht lange, ihr könnt draußen warten.“ Mit einem Schulterzucken trotteten beide hinaus.

Morat wandte sich an Aenaeris. „Na dann wollen wir mal“ meinte er trocken und schlurfte hinüber zur Esse, während er sich einen dickgepolsterten Handschuh überstreifte. Sorgsam ging er die Eisenstäbe durch und entschied sich dann für eine. Er hob das Brandeisen aus den Kohlen. Sie glühte hellorange und die Luft um die Esse und das heiße Eisen flimmerte. Er ging zu Aenaeris hinüber, beugte sich hinunter und packte sie am Arm. „Nein…was tut ihr da?“ entsetzte sich Aenaeris und rutschte hochgradig nervös auf ihrem Stuhl herum. „Ich setze Dir ein Brandzeichen, Hexe“ meinte er mit einer Gelassenheit, als würde er jemandem erzählen, er würde sich jetzt ein Butterbrot schmieren. Er fackelte nicht lange und hob das Brandeisen an, ungerührt von Aenaeris‘ Flehen. „Nein, nein, nein, nein!“ schrie sie bettelnd und begann vor Angst unkontrolliert zu zittern, so heftig, sodass der Stuhl zu wackeln begann. Sie spürte die glühende Hitze, die immer näher kam, ihre Augen waren vor Angst geweitet und dann drückte Morat schnell, entschlossen und kräftig das Brandeisen auf ihren Oberarm. Es zischte und Aenaeris schrie auf. Der Gestank von verbranntem Fleisch stieg ihr in die Nase, während ihr die Tränen in die Augen schossen und die Wange hinunter liefen. Sie keuchte, fluchte und wimmerte gleichzeitig, als Morat das Brandeisen aus dem Fleisch zog, wo es eine rauchende Wunde hinterließ. Es war das Zeichen der Geächteten, doch es ließ sich nicht erkennen, noch nicht, da die Haut stark gerötet war, und in ihren Augen Tränen des Schmerzes standen, die nicht und nicht versiegen wollten. Ungerührt schnitt er ihr die Fesseln durch und hieß sie die Kammer wieder zu verlassen. Vor der Tür warteten die Wachen, die ihr wieder Geleit nach oben geben sollten. Einer der beiden betrachtete das Brandmal und pfiff durch die Zähne, doch er sagte nichts. Als sie die Steinstufen hochstiege., erklärte er: „Wir haben Anweisung vom Hohepriester erhalten. Du sollst Deine Sachen nehmen und verschwinden. Genau so hat er’s natürlich nicht gesagt, aber ich bin ja kein Herr der schönen Sprache…“ grinste er. Als Aenaeris nichts erwiderte, verzog er sein Gesicht wieder mürrisch.

Oben angekommen, betrat Aenaeris ihre kleine Kammer, die recht spartanisch ausgestattet war. Ein einfaches Bett, ein Tisch, ein Stuhl, ein Gebetsbuch und ein kleines vergittertes Fenster, mehr war da nicht. Unter dem Bett war eine kleine Truhe, der ihre wenigen Besitztümer barg, ein Wasserschlauch, den sie seit der Reise nach Lanyamere nicht mehr benützt hatte, ein kleiner Dolch und ein Wolltuch für kühle Tage. Sie steckte alles in ihre Ledertasche und verließ die Kammer. Bevor sie den Tempel verließ, zögerte sie… Sie wollte sich noch von Reyar, dem Bader verabschieden….
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Re: Im Tempel von Lanyamere

Beitrag von Aenaeris » Do, 26. Jul 2012 7:24

Aenaeris betrat den Flügel des Wohngebäudes, wo sich das Lazarett befand. Es war schon Abend, und alle lagen wohl schon in ihren Betten, oder meditierten noch. Aus keinem der Priesterquartiere drangen Geräusche. Es war still und Aenaeris erwartete, niemandem zu begegnen, Dennoch huschte sie schnell und möglichst leise durch die Räume, auf der Suche nach Reyar . Sie fand ihn im letzten Raum, er stand an einem Bett und war gerade im Begriff, die Verbände eines Kranken zu wechseln. Reyar hörte ihre Schritte, und wandte den Kopf kurz zur Seite, drehte sich aber nicht um. Sie ging ans Bett und besah sich den Mann. Sie ahnte, dass es Talos war, obwohl sie ihn nicht erkennen konnte. Die Salbenverbände hatten einen dicken öligen Film auf dem verbrannten Fleisch hinterlassen, was dem Ganzen einen noch groteskeren und schauderhaften Eindruck, als die Brandwunden allein, verlieh. Der Bader hatte ihm einen Saft aus halluzinogenen Kräutern verabreicht, so dass dieser die meiste Zeit schlief oder in einem Dämmerzustand war.

„Ich wollte mich von Dir verabschieden“ sagte Aenaeris leise „Sie werden mich verbrennen. Der Hohepriester hat entschieden. Einzig die Gnade wird mir zuteil, mich von meinem zu Leben verabschieden.“ Sie legte die Hand auf die Tasche. „Er wird die kommende Nacht nicht überleben“ meinte der alte Mann. Aenaeris schwieg eine Weile. Dann sagte sie: „Ich war es nicht, Reyar. Ich weiß nicht, wieso sie solche Dinge behaupten… aber ich wüsste es doch, wenn ich keine reine Arcanierin wäre, nicht wahr?“ Der Bader legte seine Hand auf ihre und tätschelte sie. „Ich kenne Dich schon sehr lange, Aenaeris, und Du kennst mich, wir waren einander immer nahe, und Du weißt, ich meine es gut mit Dir… Du hast das Herz einer Arcanierin… jedoch… „ Sie unterbrach ihn „jedoch…?“ „…wer kein Narr ist, erkennt Dein Blut in Deinen Augen…“ Sie schwieg eine Weile, dann schüttelte sie heftig den Kopf und Tränen standen in ihren Augen. „Ich kann es nicht glauben, nein, ich will es nicht glauben…dann war mein ganzes Leben bisher vergeudet und verlogen!? Ich hätte niemals Priesterin werden dürfen, nicht mit diesem Blut… was soll ich denn jetzt tun?“ „Du warst eine gute Priesterin“ meite Reyar, Sie haben mir das Brandzeichen gesetzt, wozu, wenn ich doch ohnehin verbrannt werde?“ rief sie heftig und hob ihren Arm Richtung Reyar. Er sagte nichts, doch seine Augen zeigten Bedauern und Betroffenheit. „In meinem Körper fließt das Blut…“ sie hielt inne und korrigierte sich „…ich bin ein Elfenbastard… das niederste von niedersten…“ Reyar beschwichtigte sie. „Nanana, jetzt übertreibst Du aber… Du bist wie alt? Neunzehn? Neunzehn Jahre lang hast Du gut damit gelebt.“ „Aber die heutige Nacht werde ich nicht überleben…“ sagte sie mit Tränen in den Augen, dann nahm sie seine Hand und flehte „Hilf mir, diesem Schicksal zu entfliehen!“ Sein Mund und seine hängenden Backen verzogen sich zu einem Lächeln, während er vorsichtig seine Hand aus der ihren zog „Ich kann Dir nicht helfen, Kind, und das weißt Du!“ Aenaeris betrachtete Talos. „Er verdient es, zu sterben“ sagte sie bitter. „Er war kein aufrichtiger Priester, oft sah man noch halbe Kinder aus seinen Gemächern kommen. Was sind das für Götter, die die Augen vor solch schändlichen Taten ihres Dieners verschließen?" Reyar musterte sie wortlos durch traurige Augen und seufzte, sagte aber kein Wort.

Dann blickte sie Reyar hoffnungsvoll an „Was hat es mit diesem Feuer auf sich? Wie ist das passiert? Kannst Du mir erklären, wie es gemacht wird? Was muss ich tun?“ Reyar schüttelte den Kopf „Ich weiß es nicht, Aenaeris, ich bin alt, und habe schon viel im Leben gesehen und erlebt, jedoch mit Magie hab ich nichts zu schaffen… Du musst Deinen Weg selbst finden, wenn Du das willst. Das einzige, was ich im Moment für Dich tun kann, ist Dein Brandmal zu versorgen.“ Er bestrich das Brandmal mit Heilsalbe und wickelte einen Verband drum herum.

Dann schlurfte Reyar in ein kleines Nebenzimmer, das seine Kammer war. Er kam mit einer Eichentruhe zurück, deren Holz schon stark nachgedunkelt war und die mit Metallbeschlägen verziert war. Die Scharniere quietschten, als er sie öffnete. Er holte einen kleinen hölzernen Gegenstand hervor und reichte ihn ihr. Es war ein Abbild der Zwei. „Nimm dies, es soll dir Trost spenden in deiner bittersten Stunde. Und wenn die Götter es wollen, werden Sie dir helfen, ich kann es nicht.“ Wortlos nahm sie das Abbild entgegen und wog es in ihrer Hand. Es fühlte sich unerwartet kalt an. Dann holte er eine handflächengroße Dose aus Gold hervor. Der Deckel war mit kunstvollen Gravuren sowie mit kleinen Intarsien aus Rubinen verziert. Er schlurfte damit zum Kamin. Aenaeris sah ihm über die Schulter. „Ein wunderschönes Stück. Was ist das?“ „Eine Zunderbüchse“ murmelte er beiläufig, und öffnete sie , um ihr den Inhalt darin zu zeigen. Darin befand sich in verschiedenen Fächern allerlei Zeug zum Feuermachen, Zunder aus getrockneten Baumpilzen, die mit Petroleum getränkt waren, und zwei Feuersteine. „Oh“ sagte Aenaeris und beobachte ihn, wie er damit ein Feuer im Kamin entfachte. Dann schlurfte er zurück zu der Eichentruhe und legte die Zunderbüchse wieder hinein und schloss die Truhe. Er betrachtete Aenaeris wie sie da stand. Er überlegte kurz und fragte sie „Möchtest du noch einen Becher Wein mit mir trinken?“ „Ja, danke“ sagte sie und beobachtete, wie er zu einem Anrichtetisch ging, auf dem ein Tonkrug und Becher aus Messing standen. Mit einer schnellen Bewegung öffnete sie die Eichentruhe und nahm die Zunderbüchse an sich und verwahrte sie schnell in ihrer Tasche, während er Wein in zwei Becher goss. Sie ging zu ihm und nahm einen an sich. Er nahm einen kleinen Schluck und stellte den Becher auf den Tisch. Aenaeris nahm den Becher und leerte ihn in einem Zug. „Ich sollte jetzt gehen, Reyar. Ich danke Dir für alles…“ Sie umarmte ihn fest und wischte sich die feuchten Augen ab. „Leb wohl!“ sagte sie und ging. Sie wandte sich noch einmal um, betrachtete den alten Mann, und verließ dann den Raum.
Aenaeris schritt auf die große Flügeltür zu, die das Wohngebäude von dem langen Flur trennte, der zum Hauptausgang führte. Das Wohngebäude war wesentlich opulenter ausgestattet, als es in anderen Tempeln üblich war. Zwar waren die heiligen Hallen, wo die Gottesdienste abgehalten wurden, aus feinstem, reinsten Marmor gehauen, aber recht puristisch ausgestattet, damit man sich bei den Messen auf das wesentliche zu konzentrieren vermochte, doch hier im Wohngebäude war alles verschwenderisch möbliert. Auf den Boden lagen schwere kostbare Teppiche, an den Wänden waren kunstvolle Holzschnitzereien die die Geschwister in allen erdenklichen Weisen zeigten, auch gab es Wandteppiche mit eingewebten Götterszenarien. Anders als in den heiligen Hallen gab es hier wundervolle Böden und Wandvertäfelungen aus edlen Hölzern. Bevor Aenaeris den Flur betrat, blieb sie stehen und betrachtete die geschnitzten Abbildungen von Janus und Idalia, den göttlichen Geschwistern und hielt einen stummen Monolog >>Wie konntet ihr das zulassen? Ihr Götter, die ihr uns lehrt, das Elfenvolk zu verdammen… wieso habt ihr zugelassen, dass ein in Euren Augen unreines Geschöpf eine Eurer Dienerinnen wird? Seid ihr so edel, darüber hinweg zu sehen, oder seid ihr so grausam, dass ihr mich dennoch in die ewige Verdammnis geschickt hättet? Zum ersten Mal in ihrem Leben haderte sie mit Ihrem Glauben und stellte diesen in Frage.

Plötzlich durchfuhr es Aenaeris. Sie holte die Zunderbüchse aus der Tasche und betrachtete sie kurz. Dann öffnete sie diese und holte sie ein Stück Zunder hervor und die Feuersteine. Sie legte den Zunder auf einen der Teppiche und nahm die Feuersteine in die Hand. Sie schlug die Steine aneinander. Wieder und immer wieder, bis an den scharfen Kanten der Steine Funken tanzten und auf den Zunder fielen. Der Zunder gloste und er entzündete sich, und rasch griff die kleine Flamme auf den Teppich über, wo sie zuerst niedrig dahin schwelte, ausbreitete und sich dann erhob und zu erhabener Größe wuchs. Die Flammen leckten und züngelten in die Höhe und es dauerte nicht lang, bis sie die Wandteppiche erreichten und die geschnitzten Holzskulpturen der Göttergeschwister einhüllten. Das Feuer hatte sich mittlerweile auch durch den Holzboden einen Weg gebahnt und loderte unaufhaltsam. Bald hatte er die erste Tür der Quartiere erreicht. Mit tiefer Befriedigung stellte Aenaeris fest, dass es das das Schlafgemach von Bartarion dem Hohepriester war. Die Flammen schwelten erst sanft und flackernd an der Schwelle dahin, doch bald hatten sie die Tür entzündet. >>Ihr wolltet mich verbrennen… aber nun verbrenne ich Euch, ihr falschen Priester…und auch ihr falschen Lügengötter!<< dachte sie und drehte sich um und wandte ihren Blick auf die Holzschnitzereien, die bereits lichterloh brannten und im Feuer knackten. Nun musste sie lächeln. Der Rauch verdichtete sich nun rasch, und Aenaeris wandte sich zum gehen. Sie durchschritt die große Flügeltür, ergriff mit ausgebreiteten Armen beide Türen und tauchte die schweren Türen an, bis sie schließlich ins Schloss fiel und dumpf in ihren Ohren widerhallte. Hinter der Tür versteckt war der große hölzerne Riegel. Diesen legte sie vor und dann schritt sie den langen Flur entlang, zum Hauptausgang. An der Wand neben dem großen Haupttor stand eine Opferschale, worin einige Münzen lagen. Sie griff hinein und nahm alle Münzen an sich, und verließ dann den Tempel. Nach einer Weile der Wanderung wandte sie sich noch einmal dem Tempel zu. Die Flammen schossen aus den kleinen Fenstern der Quartiere und aus den großen Fenstern heraus und tauchten den Tempel und die unmittelbare Umgebung in oranges loderndes Licht. „Vergib mir, Reyar…“ flüsterte sie, dann bog sie in eine kleine Seitengasse und verschwand in der Dunkelheit…
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Re: Im Tempel von Lanyamere

Beitrag von Thėro Schattenmal » Do, 26. Jul 2012 16:07

Es war eine angenehm kühle Nacht und der Wind fuhr mit seinen langen unsichtbaren Fingern kühlend durch sein Fell. Angespannt und wie ein Wasserspeier hockte diese unmenschliche Gestalt auf der kleinen Bergspitze und ließ den trüben Blick über das Land unter ihm gleiten. Viel war passiert in der letzten Zeit, ebenso vieles zerstört und verlassen. Etwas wehmütig sah er zurück in die Richtung aus der er kam und in der das alte verfallene Kastell lag. Es war und blieb ein Traum. Dann glitten seine trägen Gedanken zu Yatsuna und er heulte laut auf und den Mond an. Die Nacht würde bald vorüber sein und er hatte sich nicht umsonst verwandelt. Seine Vorräte waren fast vollständig aufgebraucht und er hatte großen Hunger, wollte Fleisch, wollte töten und das warme Blut seiner Beute schmecken. So setzte sich der zottelige und unnatürlich Riese wieder in Bewegung und sprang von dem kleinen Vorsprung auf einen Baum unter sich, ehe er laut krachend auf dem Waldboden landete und sich auf zwei Beine erhob. Sein Fell glitzerte ein wenig von dem frischen Morgentau und er hob schnuppernd die wolfsartige Schnauze in den Wind.

Schattenmal. Das war es was er darstellte. Stark, übernatürlich, verachtet und gejagt. Er wurde gefürchtet und das meistens zu Unrecht. Verstoßen wurde er aus seiner Heimat, weil er anders war. Gerecht? Wer weiß. Er hatte jeden verloren den er mochte, aber sie hatten ihn verloren und damit einen Vorteil gegen die Orks. Widerliche Grünhäute.

Théro senkte den Kopf wieder als er etwas wahrnahm und folgte der Fährte schnell und auf vier Beinen, wie ein echter Wolf nunmal. Der Rest der Nacht verlief gleich mit seinen anderen Jagden. Er erlegte ein junges Reh, nagte es fast vollständig ab und verwandelte sich bei Morgengrauen wieder zurück in die mittlerweile noch wilder aussehende Gestalt eines Menschen. Er hatte vieles in der Ruine zurückgelassen, die Waffen und einige andere Dinge und hatte nur noch das dabei was er brauchte. Klägliche Reste der Vorräte, seine Waffen und seine Kleidung. Natürlich auch sein Pferd, das er doch sehr gern gewonnen hatte. Die Morgenluft fuhr wieder durch seine Haare, als er wenige Stunden später weiterritt. Es hatte etwas gedauert das Pferd an seine Natur zu gewöhnen und vor allem an seine andere Gestalt, aber es war ihm doch irgendwie gelungen. Er hatte ja auch einiges an Zeit gehabt. Ein Gähnen entrang sich seiner Kehle und er sprach ein wenig mit dem Pferd, lobte es und tätschelte seinen Hals. Irgendwie vermisste er nun doch ein wenig die Gesellschaft, die komische Art des grünen Kindes... Yatsuna... Schulterzuckend lenkte er seinen Wallach in die Richtung eines kleinen Bachlaufs, vielleicht war er einfach nicht geschaffen für ein Leben im Rudel. Vielleicht würde er besser mit Menschen auskommen. Natürlich war es schwierig mit zwei jungen Bestien, die sich weder erinnerten noch bereuten was sie taten. Dazu immer diese Gefühlsausbrüche. Er schüttelte den Kopf und gähnte erneut. Dann wusch er sich ausgiebig in dem klaren Wasser. Er schnitt seine langen Haare etwas schief wieder auf Normalmaß und band sie nach hinten, er er sich seinem Bart widmete. Auch dieser wurde wieder in seine ursprüngliche Gestalt verwandelt, wobei Théro ihn diesmal nach Art der Wilden flocht. Er hatte dies schon lange nicht mehr gemacht, weshalb er es ein paar mal probieren musste und sicherlich einigen Stunden ins Land gingen. Dann sah er sich wieder einmal um. Der Wind wurde stärker und er konnte die salzige Meerluft riechen und fast schmecken. Es war noch etwas entfernt, aber das war auch gut so, denn die salzige Luft kroch regelrecht in seine Lungen und brannte wie Feuer. Er atmete tief durch, zog sich das Kettenhemd über und gab seinem Pferd die Sporen. Er sah zwar immer noch merklich wie ein wilder aus, aber immerhin für seine Verhältnisse ziemlich zivilisierter.

Es verging ein weiterer Tag und einige Stunden, mittlerweile ritt er auf einem breiteren Handelsweg und traf viele Menschen. Er hatte sich im Griff und die gelben Augen musterten ihre Gesichter. Welcher dieser Bauern und Händler würde schon wagen so einen Hühnen wie ihn anzugreifen? Besonders da die Wildländer nicht für ihre Zärtlichkeit bekannt waren... Trotzdem war es unangenehm für ihn, er hatte ein mulmiges Gefühl, wie immer in Stadtnähe. Der widerliche Geruch drang bereits durch all seine Poren und kam ihm aus den Ohren wieder raus. Er wandte den Blick etwas nach rechts und wie auf Befehl tauchte hinter den Bäumen Lanyamere auf, die Hafen- und Handelsstadt Arcanias. Théro spuckte unwirsch auf den Boden und ritt auf die Stallungen zu. Er ließ etwas Gold bei dem Stallmeister, damit sein Pferd gut versorgt wurde und begab sich dann in dieses widerliche stinkende Loch, das die Menschen eine Stadt nannten. Seine Sachen hatte er natürlich dabei und die Waffengurte spannten sich über sein Kettenhemd. Leise klirrte der Axtkopf bei jedem Schritt gegen seinen Rücken und er bog schließlich links ab und betrat ein dunkles und noch übler riechendes Haus. Das war der Vorteil in solch einer Stadt... Der Gestank nach Urin, Alkohol und sonstigen Ausscheidungen wurde in Schenken und Kneipen immer am stärksten. Lächelnd setzte er sich an einen kleinen Tisch in eine Ecke, sicherlich konnte er an dem Geruch die Gesellschaft in einer Schenke abschätzen. Es dauerte nicht lang und kostete dem Etablissement entsprechend ebenso wenig, bis er etwas hochprozentiges zu trinken und eine undefinierbar gebratene Sorte Fleisch vor sich stehen hatte.
"Ich mache nichts lieber als das,
ich meine Gefühle abschaff.
Unterdrück am Tag noch den Hass,
bis ich ihn am Morgen rauslass."
->K.-M. R. aka PerVerZ

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Re: Lanyamere - Neue Wege

Beitrag von Aenaeris » Fr, 27. Jul 2012 8:24

Aenaeris ging durch die leeren Gassen von Lanyamere, ohne zu wissen, wohin sie ging. Sie war auf der Suche nach einer Schenke. Ihr Kopf war voll von Gedanken die sich im Kreis drehten und sie fühlte sich wie in einem Rausch. „Ich bin frei…ich bin frei!“ flüsterte sie sich immer wieder zu „Das Feuer hat mich befreit!“ Sie hielt die Zunderbüchse immer noch wie einen Glücksbringer fest in der Hand... „Das Feuer hat mir geholfen, nicht verbrannt zu werden“ lachte sie glucksend. Vereinzelt brannten Öllaternen in den Gassen, die nur schwaches Licht spendeten, doch sie freute sich über jede, an der sie vorüberzog. Es begann zu regnen und Aenaeris packte die Zunderbüchse eilig in ihren Beutel und zog sich ihr Schultertuch ein wenig über den Kopf um nicht zu sehr nass zu werden. Die meisten Häuser waren dunkel, nur ab und zu konnte man durch die vom Schmutz blinden Fenster einen schwachen Schein erkennen, und in kleinen Regenpfützen spiegelte sich das Laternenlicht wie flüssiges Gold.

Plötzlich kamen aus einer etwas entfernten Seitengasse zwei Gestalten gelaufen. Es waren ein Mann und eine Frau. Die Frau kicherte und kreischte, und der Mann lief ihr mit einer obszönen Geste nach. Die beiden verschwanden in einem dunklen Torbogen eines etwas besser situierten Hauses und dann war von beiden nichts mehr zu hören oder zu sehen. Aenaeris ging weiter und konnte in der Gasse, aus der die beiden gelaufen kamen, am Ende ein Haus erkennen, das ganz offensichtlich eine Schenke war. >Endlich< dachte Aenaeris und je näher sie kam, desto schneller wurden ihre Schritte. Von außen sah die Schenke aus, wie eine jede andere. Es war ein Haus, gemauert aus massiven Steinbrocken, mit großen verglasten Fenstern, die einen einladenden Eindruck vermitteln sollten. Neben der Eingangstür an der Fassade brannte eine Fackel und aus der Schenke torkelte gerade ein angetrunkener Mann, der sich beherzt zur Seite drehte und sich dort erbrach. >Nett…< dachte Aenaeris sarkastisch und verzog angewidert das Gesicht. Doch da weit und breit nichts anderes zu finden war, ging sie trotzdem hinein.

Beim Betreten der Schenke schwall ihr Gestank, Pfeifenrauch und Musik entgegen. Im Kamin brannte Feuer, und die Schenke war gut besucht. Sie war ein Drecksloch, soviel stand fest. Es war dunkel, an jedem Tisch stand ein kleiner Tiegel, in dem Talg brannte. Es spendete nur wenig Licht, doch Aenaeris war dies nur Recht. An vielen Tischen saßen Männer und auch Frauen zusammen, viele lachten und schnatterten durcheinander, und tranken Bier oder Wein. An einem Tisch, umringt von einigen gröhlenden Zuschauern, würfelten Männer um ihr Glück. An einem anderen in einer hinteren Ecke lümmelte ein Mann auf einer Eckbank, im Arm hielt er eine Dirne, die ihm ins Ohr flüsterte und gekünstelt lachte. Gleich drauf standen beide auf und gingen über eine Treppe nach oben. Aenaeris schob ihr Tuch vom Kopf und nahm Platz an einem kleinen Tisch. Es tat gut, sich wieder auszuruhen. Sie musste einige Zeit warten, bis der Wirt an ihren Tisch kam. „Was wünscht ihr?“ „Ich hätte gerne etwas zu essen, was gibt die Küche her?“ Der Wirt kratzte sich den Bart. „Es ist schon spät, ich fürchte, heute nichts mehr. Aber ich kann einmal nachsehen, ob ich noch kalten Braten und einen Kanten Brot für Euch auftreiben kann. Was darfs zu trinken sein?“ „Am liebsten wäre mir Wasser…“ sagte Aenaeris. Der Wirt lachte „Wasser gibt’s hier nicht!“ „Was gibt es dann?“ „Weißwein, Rotwein und Bier“ „So bringt mir einen Becher Weißwein.“ Der Wirt nickte und verschwand. Aenaeris vertrieb sich die Wartezeit, in dem sie mit den Fingern auf die Tischplatte tippte, und in die Flamme der kleinen Talglampe, die am Tisch stand, starrte. Die Talglampe verströmte einen strengen Geruch, der aber inmitten von dem Pfeifenrauch, Biergeruch und Urin und Schweißgeruch fiel dies kaum auf.

Nach einer gefühlten Ewigkeit des Wartens eilte der Wirt, sichtlich überfordert, herbei. Er brachte zwei Scheiben kalten Braten, dazu ein wenig eingelegtes Sauergemüse und einen Kanten Brot, sowie einen Zinnbecher mit Weißwein. „Viel zu tun?“ fragte sie. „Na und ob!“ schimpfte der Wirt, als hätte er nur drauf gewartet, sich beschweren zu können. „Meine Magd hat sich mit irgendeinem dahergelaufenen Vagabunden dünne gemacht, einfach so…dieses Miststück! Gegessen und gesoffen hat sie auf meine Kosten wie eine trächtige Sau!“ Aenaeris Stimmung war durch den Wein aufgelockert und sie lachte. „Nehmt es mir nicht übel, werte Dame, aber ihr müsst die Zeche gleich bezahlen. In letzter Zeit häuften sich die Zechpreller und Gauner, ja, es sind wahrlich keine einfachen Zeiten für Wirtshäuser.“ „Was bin ich Euch schuldig?“ „Vier Heller!“ Aenaeris nestelte aus ihrer Tasche den Lederbeutel mit den Münzen hervor und händigte ihm die gewünschte Summe aus, aber sie schluckte heftig. In der Opferschale des Tempels befanden sich zehn Heller, die sie mitgenommen hatte. Aber mit solchen Luxusgütern wie Wein und Fleisch würde sie nicht lange über die Runden kommen. >Nicht heute< dachte Aenaeris. >Heute feiere ich den Tag meiner lang ersehnten wiedererlangten Freiheit. < und nahm einen kräftigen Schluck Wein. Das Fleisch hatte dicke Fettränder und war dennoch trocken, das Brot war hart und das Sauergemüse weich und matschig. Sie war vom Tempel wahrlich andere kulinarische Genüsse gewohnt. Dann musste sie an Reyar denken. Sie fragte sich, ob er wohl überlebt hatte… ob irgendjemand überlebt hatte… allein, die Priester wollten ihren Tod, und auch Reyar, von dem sie gedacht hatte, dass er ihr Rettungsanker war, war doch nur ein Strohhalm… weniger als das, er war eine herbe Enttäuschung… dabei hatte sie ihn immer geliebt, wie einen Großvater. Aenaeris schob ihre bitteren Gedanken beiseite und nahm einen Schluck Wein.

Sie schob das Essen, das nicht schmeckte zur Seite beinahe unangetastet beiseite, fasste sich ein Herz, und ging an die Ausschank, wo der Wirt stand und sich eine kurze Pause gönnte. „Verzeiht…ihr sagtet, Eure Magd hätte Euch sitzen gelassen. Ich muss zugeben, ich bin auf der Suche nach Arbeit und einer Bleibe…“ Der Wirt musterte sie. „ich weiß nicht, ich weiß nicht… habt ihr Euch schon einmal die Gäste angesehen? Rauhe Seeleute, Spieler, Betrüger, Diebe, Huren, und wer weiß welche üblen Gestalten sich noch hier aufhalten… ich bin nicht sicher, ob ihr dem gewachsen seid. Hübsch seid ihr ja anzuschauen, das bringt sicher viele zahlungswillige Gäste“ sagte er und rieb sich die Hände. „Aber ihr seid so zart… Lahonia, meine alte Magd, war doppelt so breit wie ihr, die konnte anpacken… und Himmel, war die drall…“ grinste er. „Schade um das Miststück… aber gut, gut, ich will es mit Euch versuchen! Aber in dieser Gewandung könnt ihr hier beim besten Willen nicht arbeiten. Habt ihr denn nichts passenderes?“ Aenaeris verneinte. „Ich muss zugeben, genügend Geld für ein neues Kleid besitze ich nicht“ errötete sie. Der Wirt überlegte kurz, dann sagte er: „Weibertand… darum soll sich meine Frau kümmern, die kann Euch sicher etwas beschaffen. Was die Bezahlung betrifft… so bezahle ich Euch einmal pro Woche. Aber mehr als einen Heller am Tag kann ich Dir nicht geben… beim besten Willen nicht…dafür kannst Du umsonst ein Zimmer beziehen, und essen und trinken darfst Du auch soviel Du magst.“

Dann schickte er sie in das Wirtschaftsgebäude, wo seine Frau war. Sie kramte aus Ihren Kleidertruhen ein rotes weitschwingendes Leinenkleid. „Das da könnte Euch passen, da hab ich mal reingepasst…oje…wie lange ist das nur her?“ hielt sie ihr es hin. Aenaeris schlüpfte in das Kleid, und es passte. Sie sah an sich herab. „Ist etwas nicht in Ordnung?“ fragte die Wirtin. „Doch, es ist schön, es ist nur ganz anders, als alle Kleidung die ich bisher getragen hatte.“ „Ja, das ganz offensichtlich, hier zeigen die Frauen, was sie haben!“ sagte die Wirtin und schnallte ihr noch einen braunen Ledergürtel um die Taille. Dann lächelte sie ihr aufmunternd zu und sie gingen zusammen in die Schenke zurück. Der Wirt nickte zufrieden „Viel besser. Deinen Rübensack, den Du vorher getragen hast, kannst Du meiner Frau geben, sie kann damit unsere Latrine putzen!“ lachte er. Seine Frau stieß ihm empört lachend in die Rippen. „Wie heißt Du überhaupt?“ fragte der Wirt. Sie dachte kurz nach „Ich heiße Nalea“ sagte sie. „Gut, Nalea. Ich bin Caldar, und meine Frau heißt Mijana, so sei herzlich willkommen hier.“ Dann brüllte er in den Schankraum „Hört mal alle her! Hier ist Nalea, meine neue Magd!“ Einige Männer hoben die Krüge, prosteten ihr zu und brüllten durcheinander. „Noch eine Kleinigkeit, Nalea… zu unseren Gästen musst Du immer nett sein, besonders zu den männlichen…! Wenn Du gerade nichts zu schaffen hast, gesell Dich zu Ihnen, ermuntere sie zum trinken, erzähl Ihnen, was sie hören wollen, spiel Deine Reize aus…
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Re: Lanyamere - Neue Wege

Beitrag von Thėro Schattenmal » Fr, 27. Jul 2012 10:58

So viele unterschiedliche Gerüche strömten auf ihn ein, er roch den lustschweiß eines Mannes der gerade mit einer Dirne verschwand. Roch wie sich ein Betrunker fast übergab, es aber tapfer mit einem großen schluck Wein wieder herunterzwingte. Hin und wieder lauschte er den belanglosen Gesprächen im Raum, wobei es ihm schwer fiel sich dabei auf ein einziges zu konzentrieren. Die Lautstärke in dem Raum war so schon laut genug, auch ohne ein empfindliches Wolfsgehör. Kopschüttelnd schob er den Teller von sich, gegessen hatte er das Fleisch, auch wenn es diese Bezeichnung nicht verdiente. Immerhin hatte er dafür bezahlt. Etwas nachdenklich trank er seinen Krug aus und beugte sich ein wenig vor. Dann wurde seine Aufmerksamkeit in die Mitte des Raumes gelenkt und das Gebrüll des Wirtes. Kurz beäugte er dann die neue Magd namens Nalea, ehe er den Kopf wieder senkte und versuchte ruhig zu bleiben. Das Grohlen und Gebrüll der Männer trieb ihn fast in den Wahnsinn, so laut war es. Naja ein gutes hatte es ja, nun wusste er zumindestens wieder warum er Städte mied...

Es vergingen ein paar Minuten, ehe er den Kopf wieder hob und in ein kantiges Gesicht blickte. Der Gestank dieses Fremden brachte ihn fast um. Théro wurde schon fast betrunken, nur von den Ausdünstungen des Mannes. "Los lasst unsch trinken! Hier ist noch wasch frei!" Tönte er lautstark und zog einen Stuhl zurück, während er zwei anderen zuwinkte herzukommen. Der Nordmann hatte die Schnauze voll und knurrte etwas leiser zurück, "Verschwindet, geht jemand anderem auf die Nerven..." Eindruck machte das bei der Menge Alkohol wohl nicht mehr, denn der Fremde ging gar nicht darauf ein und gröhlte schon wieder quer durch den Raum. Mit einem Griff hinter seinen Rücken zog Théro die Streitaxt und knallte sie laut auf den Tisch, während er halb aufstand und aussah... Nunja wie ein wilder, "Ich hab gesagt du sollst verschwinden! Ich werds kein zweites mal sagen..." Knurrte er diesmal lautstark und wesentlich aggressiver. Aus Gewohnheit bleckte er die Zähne und seine Augen funkelten bedrohlich. Nun wurde es langsam ruhiger in dem Raum und immer mehr Augen richteten sich auf den kleinen Ecktisch und die Männer darum.
Zumindestens war die kleine Gruppe noch nicht zu betrunken um seine Drohung zu ignorieren oder gar darauf einzugehen. Théro schob die Axt knurrend etwas mehr in ihre Richtung und die Männer wichen ein Stück zurück, "Schon gut, der Herr... Wir versch... Wi.. wi...winden ja schon..." Zufrieden nickte der Nordmann und setzte sich wieder hin, eine Hand noch an der Axt. Sein Blick schweifte kurz über die Anwesenden, die ihn anblickten und er grummelte leise vor sich hin.

Lange dauerte es nicht bis der kleine Vorfall vergessen war und die gewohnte Lautstärke und Laune in der Schenke wiederhergestellt war. Fast wäre es ihm lieber gewesen dem wäre nicht so, aber er wollte nicht zu viel Aufsehen erregen und hielt sich deshalb lieber noch etwas zurück. Immernoch mürrisch hob er den Krug an die Lippen und fluchte dann leise auf, weil dieser leer war. Die gelb-blauen Augen richteten sich auf die neue Magd und fixierten sie mit etwas trübem Blick. Er warte bis sie zu ihm sah und hob dann den leeren Krug als Aufforderung zum nachfüllen. Sein Blick glitt kurz über ihren ansehnlichen und jungen Körper, ehe er sich wieder der schwarz-weißen Welt um ihn herum widmete. Es war zu lange her seit er bei einer Frau gelegen hatte und Yatsuna kam ihm kurz in den Sinn. Er mochte die Händlerin, aber sie war Vergangenheit und er hatte mit der Vergangenheit abgeschlossen, solange sie ihn nicht wieder einholte. Nachdenklich kratzte er mit seinen Fingernägeln etwas in den Holztisch, während er auf mehr Alkohol wartete um alles herunterzuspülen.
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Re: Lanyamere - Neue Wege

Beitrag von Aenaeris » Fr, 27. Jul 2012 21:31

Aenaeris fächelte sich mit der Hand Luft zu. Es war stickig in der Schenke, aber zumindest hatte sich ihre Nase an die vielen derben Gerüche gewöhnt, sodass sie diese überhaupt nicht wahr nahm. Die Arbeit in dieser Schenke war doch ein wenig anders, als die, die sie im Tempel verrichtet hatte. Es war laut und heiss, und sie war durstig, daher hatte sie sich selbst ein Bier eingeschenkt, und trank dieses schluckweise, wann immer sie an der Theke vorbeikam, während sie durch die Schenke huschte, hier Krüge abräumte, da frisch gefüllte brachte. Wein war viel zu teuer, er war den Gästen vorbehalten, und Met gab es nur einige wenige Flaschen, er war noch viel teurer als Wein, da Honig eine sehr beschränkte Handelsware war, teuer und selten verfügbar. Höchstens, wenn sich einmal ein gut betuchter in diese Schenke verirrte, oder wenn jemand Glück im Spiel hatte und ein Silberstück gewonnen hatte, was beides eher selten vorkam. Bier war billiger, Bier war immer verfügbar, und es floss in Strömen. Und wenn man viel über das lausige Essen sagen konnte, vom Bierbrauen verstanden die Wirtsleute etwas, und das Bier war ausgezeichnet. Erst gestern Abend hatte der Wirt ein frisches Fass angezapft, und heute Nacht war es schon fast leer.

An einem Tisch unterhielten sich einige Männer. „…und habt ihr gehört? Heute Abend ist der Tempel abgebrannt…“ Aenaeris horchte neugierig auf und näherte sich dem Tisch, um die gesellige Runde besser verstehen zu können. „… grauenhaft, das kann ich Dir sagen. Ich habs von Arlan, dem Drecksack, gehört… das Feuer scheint immer noch zu wüten, man ist völlig machtlos dagegen, immerhin, es ist windstill, und der Regen hilft, es ein wenig einzudämmen…“ „Was kümmerts mich…“ meinte ein anderer und leerte seinen Krug. „He, Mädchen, bring mir noch einen!“ winkte er Aenaeris zu und hielt er den Krug entgegen. Sie nahm und, und beim umdrehen, klatschte er beherzt auf den Hintern. Sie ignorierte es. Würde sie handeln, wie sie wollte, hätte sie ihm wohl eine schallende Ohrfeige verpasst, doch der Wirt hatte sie angewiesen, zu den Gästen höflich zu sein, auch wenn es Drecksäcke wie dieser waren, wenn nicht gar gerade zu solchen, denn diese an diesem Tisch tranken rauhe Mengen an Bier.

Sie stand gerade am Fass und zapfte frisches Bier, als plötzlich ein lauter Knall zu vernehmen war, als würde schweres Eisen auf Holz fallen. Aenaeris zuckte vor Schreck zusammen und verschüttete das Bier. Die Schenke war mit einem Mal leise, nur raunen und flüstern ging durch den Raum. In einer Ecke im hinteren Teil der Schenke hatte sich ein großer Mann erhoben. Er trug eine Lederrüstung und ein geschwärztes Kettenhemd. Er hatte seine Axt auf den Tisch geknallt, und ganz offensichtlich gab es dort Differenzen. Doch die Männer, die rundherum standen, zogen es vor, zu verschwinden, und der Mann nahm wieder Platz. Aenaeris zapfte frisches Bier für den Drecksack. Caldar, der Wirt kam angeeilt. „Nalea, bring dem Kerl da hinten einen Krug aufs Haus, wir wollen hier keinen Ärger.“ Aenaeris nickte. „Das fehlte gerade noch, dass der noch uns Ärger macht, oder gar die Schenke auseinandernimmt““ murmelte er, während er schon wieder ging. Aenaeris sah auf und starrte den Mann an. Dieser suchte ebenfalls ihren Blick und hob seinen Krug und sie nickte. Sie füllte noch einen weiteren Krug, nahm beide und marschierte los. Einen stellte sie dem Drecksack hin, dann ging sie nach hinten, und stellte ihm den schweren Krug hin.

„Hier, der geht aufs Haus. Wir wollen keinen Ärger, wenn ihr versteht, was ich meine?“ Sie nickte ihm zu, musterte ihn noch ein wenig von unten nach oben, dann drehte sie sich um, und ging wieder zur Theke, wo sie sich noch ein kleines Bier genehmigte. Ihr Füße schmerzten ein wenig. Caldar meinte zu Aenaeris: „Du kannst Pause machen, wenn Du möchtest, ich bin jetzt da.“ Sie nahm dankend an, und verließ die Schenke, um ein wenig frische Luft zu schnappen. Als sie sich vor der Schenke zwischen erbrochenem durchschlängelte, um sich ein wenig die Beine zu vertreten, kam ihr ein Gedanke… > Pereon…mein Bruder…i ch muss ihn suchen… ich muss zur Stadtwache…< Als drei üble Kerle um die Ecke bogen, beschloss sie, lieber wieder in die Schenke zu gehen, und beschloss, ihre Pause doch im sitzen zu verbringen. Sie holte sich Bier, setzte sich an einen Tisch, dessen Talglampe bereits erloschen war, schlug die Beine übereinander und rieb sich ihre schmerzenden Füße…
Zuletzt geändert von Aenaeris am Mo, 30. Jul 2012 10:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Lanyamere - Neue Wege

Beitrag von Thėro Schattenmal » Fr, 27. Jul 2012 22:18

Er hasste es, selbst hier drin in dieser Schenke mit Alkohol benebelt, zerrte die Bestie in seinem Inneren an ihren Ketten. Wollte frei sein für die Nacht, wollte töten und Blut vergießen. Es fiel ihm schwer die Männer einfach so ziehen zu lassen, aber er hatte sich im Griff. Er hatte gelernt das zu aktzeptieren was er war, was in ihm war und war daran gewachsen. Beherrschung war alles und das Wichtigste, nur so konnte er überleben und diesen Menschen keine Genugtuung schenken. Die Gedanken verließen ihn wieder, als er zu der Schankmaid hochsah und dann auf den Krug. Er nickte bloß kurz und sah ihr dann stirnrunzelnd nach. Seine Hände umschlossen den Krug und er leerte einen großen Teil des Inahlts in einem Zug. Gott er trank zu viel, aber das war ihm eigentlich egal. Sie wollten keinen Ärger, dachte er lächelnd, sah er nach Ärger aus? Wahrscheinlich. Ein Wilder mitten in Arcanis, diese intoleranten Menschen würde es wohl mehr schockieren wenn er ein Elf wäre. Zumindestens wenn man den Gerüchten glauben mochte. Schulterzuckend trank er noch einen Schluck, das war Politik. Etwas das ihn weder interessierte, noch etwas anging.

Er saß noch einige Zeit dort, hatte die Magd beim Verlassen der Schenke beobachtet und hing seinen Gedanken nach. Vielleicht trank er zu viel, aber irgendwie dachte er auch wirklich viel zu viel über alles nach. Sein leicht trüben Augen glitten wieder durch die Schenke, über die Gesichter und Tische, die Krüge, die Glücksspiele... Seine Nase und seine Ohren nahmen dabei so viel mehr wahr und es war fast wie eine Explosion. Er roch einen Hund draussen und fragte sich unwillkürlich wie diese eigentlich damit klar kamen. Vielleicht war es ja einfach gewöhnungssache, Anpassung an diese Gesellschaft? Er war unschlüssig, weder ob er hier leben wollte noch ob er sich den Menschen anpassen konnte. Er war mehr als sie, besser und das mit Recht. Sein Blick schweifte in die Ferne, zu dem Kastell, zu den Bergen und Wäldern seiner Heimat. Er wollte wieder Orks töten, wollte sein Leben im Dienst des Clans verbringen und ein Weib haben. Nichts davon würde wahr werden, schon allein weil er nie wieder zurückkonnte. Die Ehre und der Stolz verboten ihm es. Aber eines würde sich erfüllen, er würde im Kampf sterben und das war auch gut so. Nichts anderes war ihm lieber als solch ein Tod. Schmerzvoll zwar, aber ehrenhaft und einem Krieger würdig.

Sein Blick wurde wieder klarer und er merkte das er noch immer in dem Schankraum saß und mehr oder weniger zufällig wieder die Magd anstarrte, die mittlerweile an einem Tisch saß und Pause zu haben schien. Nachdenklich schnalzte er mit der Zunge und trank seinen Krug leer. Dann stand er langsam auf, schob die Axt zurück in die Halterung auf seinem Rücken und bewegte sich auf den Tisch zu. Seine Schritte waren fest und sicher und nach der Menge Alkohol merkte man eindeutig das er ziemlich viel vertrug. Sein Blick ging kurz zu dem Wirt, ehe er sich wieder auf Nalea richtete. Schließlich blieb er neben ihr stehen, zog einen Stuhl zurück und sah sie an, "Darf ich?" Ohne ihre Antwort abzuwarten setzte er sich hin und kratzte sich am Bart. Sein Blick war etwas forschend und er musterte sie erneut kurz. Dann nickte er zu ihren Füßen, "Ein anstrengender Tag, hm? Ich frage mich wie so jemand wie ihr... In so eine Schenke wie diese hier kommt... Und warum ihr hier arbeitet..." Er versuchte zu lächeln und bleckte die Zähne, während seine gelben Augen matt im Schein der Lampe schimmerten und ruhig auf ihr ruhten.
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Re: Lanyamere - Neue Wege

Beitrag von Aenaeris » Sa, 28. Jul 2012 2:30

Aenaeris saß am Tisch und stupste den erloschenen Talgtiegel an, sodass dieser zu kreiseln begann um dann immer langsamer kreiselnd zu Stillstand kam. In der Schenke saßen kaum mehr Leute. Sie hatte schon etwas zu viel Bier getrunken, was kein Wunder war, denn Alkohol war sie nicht gewöhnt. Im Tempel gab es nur zu besonderen Anlässen höchstens einen kleinen Becher, aber was sie an diesem Abend in der Schenke getrunken hatte, war mehr, als in ihrem bisherigen Leben, so schien es ihr. Während sie ihre Füße rieb, und ins Leere starrte, vernahm sie plötzlich schwere Schritte. Sie sah zuerst große Stiefel, dann blickte sie hoch. Sie erkannte den Mann als den, der in den Streit verwickelt war. Er zog einen Stuhl zurück, fragte: "Darf ich?“ und setzte sich hin, ohne eine Antwort abzuwarten. Dann saß er da, und Aenaeris sah ihn mit großen Augen an. "Ein anstrengender Tag, hm? Ich frage mich wie so jemand wie ihr in so eine Schenke wie diese hier kommt... Und warum ihr hier arbeitet..." Aenaeris sah ihn immer noch ganz verwundert an. „Bitte, nehmt doch Platz…“ meinte Aenaeris grinsend. „Ich freue mich immer über Gesellschaft, ich bin nicht gern allein…“ sagte sie höflich. Dann schwieg sie und betrachtete ihn mit leicht zugekniffenen Augen. Seine Augen fand sie ein wenig unheimlich, sie hatten etwas an sich, das sie nicht zuordnen konnte, doch sonst machte er einen durchaus sympathischen Eindruck.

Aenaeris stand auf, ging zur Theke und kam kurz darauf zurück mit zwei großen Krügen Bier. „Der geht auch aufs Haus“ meinte sie und schob ihm einen Krug zu. Es war gleichgültig, Caldar und seine Frau waren bereits schlafen gegangen, und ob sie, oder jemand anderer den Krug leerte, machte keinen Unterschied. Sie sah ihn an und fragte: „Wie nennt man Euch?“ „ Théro Schattenmal… “ erwiderte der Mann knapp: „Théro…“ wiederholte sie. „Der Tag war in der Tat sehr anstrengend, Théro, ihr könnt Euch nicht ausmalen, wie sehr…“ Sie nahm einen kräftigen Schluck aus ihrem Bierkrug, und deutete dann auf seine Waffen. „Ihr seht wahrlich nicht aus wie jemand, den gewaltige Geschichten erschüttern können.“ Sie deutete mit dem Kopf auf die Armbrust und meinte „Damit habt ihr sicherlich schon den einen oder anderen umgebracht, nicht wahr?“ Er brummte, und sie war nicht sicher, ob dies eine Zustimmung oder eine Verneinung war. Es spielte aber auch keine Rolle. „Wisst ihr, ich war einst Tempelpriesterin, im Tempel, hier, in Lanyamere. Meine Eltern haben mich da reingesteckt, wenn ihr so wollt… warum, tut hier nichts zu Sache. Ich wusste es auch nicht, bis gestern, aber nun weiß ich es, und dennoch spielt es keine Rolle, weil ich nichts dagegen tun kann, versteht ihr?“ Sie wusste, dass der Alkohol ihre Zunge schwer und ihren Kopf träge gemacht hatte, aber in ihrem jetzigen Zustand war ihr alles egal, sie wollte nur reden, reden, reden, und ein klein wenig auch vergessen… Wann hatte sie zuletzt jemanden gehabt, der ihr zugehört hatte, ob es ihn nun wirklich interessierte, oder nicht…? Es war schon zu lange her, wahrscheinlich war ihr Bruder Pereon der Letzte gewesen. Ihre Eltern zumindest waren es nicht, denn sie hatten ihr nicht zugehört, als sie darum bat, nicht Priesterin werden zu müssen.

„Und so diente ich jahrelang in diesem Tempel, beugsam, tugendhaft und demütig… und als ich eines Tages genug davon hatte, vor der Pädophilie die Augen zu verschließen, und beim Hohepriester vorsprach, hat dieser mir nicht geglaubt, schlimmer noch, er hat mir meinen schlimmsten Widersacher auf den Hals gehetzt, in dem er ihn davon sofort in Kenntnis gesetzt hat. Und dieser wollte es mir heimzahlen, in dem er mich…“ sie brauch kurz ab, nahm noch einen Schluck Bier, und suchte dann mit den Händen gestikulierend nach dem richtigen Wort „…ach, was solls, er wollte mir Gewalt antun. Als ich mich heftig wehrte, wurde er plötzlich von einem Feuer erfasst… es hat ihm seinen Kopf gekostet…“ kicherte sie über dieses Wortspiel. „Sein Gesicht und auch der restliche Kopf waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.“ Théro zog eine Augenbraue hoch, ob er sie nun für verrückt hielt, oder nicht, konnte sie beim besten Willen nicht sagen. „Doch obwohl ich beteuerte, dass ich damit nichts zu tun hatte, haben sie mich in Arrest gesteckt, behauptet ich sei eine Hexe…“ Sie löste den Salbenverband von Reyar und ihr Brandzeichen kam dabei zum Vorschein. „dann hat man mir das Brandzeichen gesetzt… es bedeutet, dass ich fortan geächtet sei und mich in keinem Tempel mehr blicken lassen darf… aber im Grunde war es rein sadistisch, mir dieses Brandzeichen zu setzen, denn man beschloss, mich ohnehin zu verbrennen…eigentlich hatte ich ja Glück, denn in der Folterkammer hätten sie auch ganz andere Dinge mit mir anstellen können.“ Sie warf einen Blick in den Bierkrug Théros, der schon wieder leer war. Sie zog eine Augenbraue hoch und meinte… „Ihr könnt ganz schön was vertragen… oder seid ihr so schweigsam, weil ihr sonst jeden Moment betrunken vom Stuhl kippen würdet?“ kicherte sie. Dann stand sie auf und füllte ihm den Krug erneut auf. „Aber das Euch das nicht zur liebgewonnen Gewohnheit wird, nicht wahr? Bier gibt es nur heute umsonst, sonst bin ich längstens hier Schankmaid gewesen…“ feixte sie.

Die letzten Gäste torkelten aus der Schenke, und Aenaeris nahm dies zum Anlass, den Schlüssel im Schloss der Tür umzudrehen, sodass sich nicht etwa noch jemand hier herein verirrte. Sie streckte sich herzhaft, holte ein noch brennendes Talglicht und stellte es auf den Tisch. Dann nahm sie wieder Platz und stieß einen Seufzer aus. „Ich glaube, ich bin ganz schön betrunken…“ Sie lümmelte sich in eine bequeme Haltung, in dem sie den Ellbogen auf den Tisch stützte, und den Kopf in ihre Handfläche legte. „Und wisst ihr was, Théro, das Beste kommt zum Schluss… denn am Ende hab ich sie alle abgefackelt!“ Sie musste lachen. „Bevor die mich verbrennen konnten, hab ich sie alle verbrannt… das ist ausgleichende Gerechtigkeit… Ich habe heute Abend meine verdiente Rache erhalten und meine Freiheit zurückerlangt. Das ist eigentlich nur gerecht.“ Aenaeris schob ihren Krug zur Seite. „Genug für heute…“ meinte sie.

„Ich war auf der Suche nach einer Bleibe, habe dieses Drecksloch gefunden, und nachdem ich beinah die Hälfte meiner Münzen für eine einzige ungenießbare Mahlzeit und einen Becher Wein ausgegeben habe, fand ich, dass diese Tatsache untragbar sei. Als der Wirt mir erzählte, dass seine Schankmaid mit irgendeinem Kerl durchgebrannt sei, hab ich einfach gefragt, ob er Arbeit für mich hat.“ Aenaeris beobachtete Théro, und sie bemerkte, dass er seine Blicke über ihren Körper wandern ließ. Sie lächelte, sie fand es auf eine seltsame Art und Weise unangenehm aber gleichzeitig auch reizvoll. Nie zuvor hatte sie ein Mann so angesehen, und Aenaeris fand es spannend. „Und ich hatte Glück, er hat mich aufgenommen, und das Glück war mir so hold, dass ich mich auch sofort meiner scheußlichen Priestertunika entledigen konnte, und dieses Kleid bekommen habe.“ Zeitgleich fuhr sie mit ihren Händen an ihrem Oberteil herunter, und berührte dabei subtil, aber beabsichtigt ihre Brüste. „Aber vielleicht hätte ich sie doch anbehalten sollen, vermutlich würden dann weniger Drecksäcke auf meine Brüste und auf meinen Hintern starren, oder sie gar berühren…“ zwinkerte sie und lachte.

„Soll ich Euch zum Schluss noch ein kleines Geheimnis verraten? Der Wirt meint, ich solle besonders nett zu unseren männlichen Gästen sein… Vielleicht sollte ich das wirklich tun, denn ein Heller pro Woche als Schankmaid hier ist zum Leben zu wenig, und zum Sterben zu viel, ich habe hier zwar mein eigenes Zimmer bekommen, und Essen und Trinken muss ich nicht bezahlen, aber das Essen ist hier wirklich nicht genießbar…aber wie soll ich das tun, als ehemalige Priesterin fehlt mir dazu nun wirklich die Erfahrung, aber das weiß der Wirt natürlich nicht…“ Sie nahm ihren Krug nun doch wieder auf, und trank den Rest, der sich noch darin befand. „Ich habe nun wirklich genug erzählt… vermutlich zu viel…“ murmelte sie. Aenaeris nahm eine andere Haltung ein, und stützte ihren Kopf in beide Hände und fixierte ihn. „Théro Schattenmal… nachdem ich mein Leben nun so in Eure Hände gelegt habe…was nun…?“
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Re: Lanyamere - Neue Wege

Beitrag von Thėro Schattenmal » Sa, 28. Jul 2012 13:48

Der Nordmann zuckte leicht mit den Schultern, natürlich hatte er schon viele Menschen getötet, das gehörte schließlich mit zu seinem Leben. Er lauschte ihrer Geschichte gleichermaßen interessiert und neugierig. Für ihre jungen Jahre hatte sie schon ganz schön viel erlebt, besonders in den letzten Tagen wie ihm schien. Er seufzte leise und nahm den neuen Krug dankend an, "Gewohnheit, hm? Schön wärs ja... Genug Geld um das hier täglich zu veranstalten hab ich sowieso nicht mehr..." Es war schon interessant was der Alkohol aus den Menschen machte. Hier saß sie und erzählte einem völlig Unbekannten das sie gerade einen Tempel samt Priestern angezündet hatte. Sein Blick war ein wenig undeutsam und er wusste nicht Recht was er davon halten sollte. Kurz hatte er am Abend eine Gesprächsfetzen darüber aufgeschnappt, das Feuer war wohl widerspenstig und nicht leicht zu löschen gewesen. Ausserdem schien es ein größeres Thema zu sein, "Nun... Ich kann nicht darüber richten was wem widerfahren sollte... Noch kann ich mirs erlauben dich dafür zu verurteilen. Gerade ich nicht..." Er grinste ein wenig schief und musterte sie erneut kurz, wie er es öfter die letzten paar Minuten getan hatte. Er bemerkte ihre Bewegung und wie sie über ihren Körper strich und folgte ihren Händen kurz mit seinem Blick.

Dann riss er sich zusammen und sah schmunzelnd wieder zu ihr hoch, ihr lachen war hell und er hatte lange nichts vergleichbares gehört. Ausserdem machte es ihm klar, das sie seinen Blick absichtlich auf ihren Körper gelenkt hatte, wobei ihre Worte das ganze noch deutlicher machten. Sein Grinsen wurde etwas breiter und er bleckte wieder seine Zähne, "Tja vielleicht hättest du das... Aber dann würden diese Dreckssäcke mit Sicherheit auch weniger Trinkgeld auf den Tisch legen." Er wollte das ganze noch ein wenig provokanter gestalten und wartete bis sie ihn wieder ansah, nur um seinen Blick langsamer über sie gleiten zu lassen. Natürlich zählte er sich nicht zu den Dreckssäcken, er war besser als das ganze Pack in dieser Stadt, schneller, stärker... Schließlich sah er ihr wieder in die Augen, irgendetwas kam ihm seltsam vor an diesen. Er konnte nicht genau definieren was, aber sie waren nicht normal, nicht so wie die anderer Menschen. Aufgrund seiner Farbenblindheit beließ er es aber vorerst bei dem Gedanken und fragte auch nicht weiter.

Er dachte noch einmal über ihre Worte nach, über ihre Geschichte. Der Mann war einfach verbrannt? Einfach so, weil sie sich gewehrt hatte? Kopfschüttelnd setzte er noch einmal zu einer Frage an, "Das mit dem Feuer... Dann bist du eine Zauberin?" Er zuckte mit den Schultern und rutschte etwas auf dem Stuhl herum um es sich bequemer zu machen. Magier waren ihm so unbekannt, ebenso wie die Tatsache das eigentlich nur Elfen sie beherrschten. Er mochte Unbekanntes eigentlich nicht besonders, aber trotzdem nahm er sie nicht als Gefahr wahr, dafür war sie zu sympathisch und reizvoll... Ausserdem war er ihr so nahe das er sie schnell zerreissen könnte. Sein Magen grummelte leise vor sich hin und die Bestie in ihm riss wieder einmal an ihren Ketten. Er hatte Hunger, wollte Jagen... Die Gedanken schieb er wieder zur Seite und sah zu Nalea, "Nun ein Heller ist wirklich nicht besonders viel... Und ein Nebenverdienst ist doch immer gut..." Théro legte einen Arm auf den Tisch und stützte sich etwas zu ihr vor, "Die Erfahrung... Hm... Eine unbefleckte Priesterin..." Er klappte den Mund wieder zu und schluckte den Rest des Satzes herunter. Als Söldner war er viel rumgekommen und hatte kurz auch mal bei einem Sklavenhändler angeheuert. So eine Priesterin war viel wert. Nachdenklich zuckte er mit den Schultern, Geld war zwar schwer aufzutreiben, aber seine Arbeit empfand er dennoch als leicht. Und leben konnte er auch ohne alles. Die Verlockung, die mittlerweile von dieser einfachen Magd ausging war schon interessant für ihn. Er hatte nicht damit gerechnet das so viel hinter ihr steckte und beugte sich noch etwas vor, bis er knapp vor ihrem Gesicht war, "Nun ich denke du hast zu viel getrunken, Nalea... Wie es sich für eine unerfahrene Priesterin gehört die gerade ihre Freiheit feiert." Leise kichernd musterte er erneut ihre Augen, "Aber durch Fehler lernt man und Erfahrung kommt mit der Zeit..." Er beugte sich noch etwas vor, bis seine Lippen nah an ihren waren und zog tief ihren Duft ein, prägte sich ihn ein. Jeder Geruch war anders, manche weich wie Samt, andere hart und kratzig wie Salz. Er hatte vielleicht keine perfekte Spürnase wie ein Hund, aber er war um einiges besser als jeder Mensch. Er grinste und war gespannt auf ihre Reaktion, ehe er sich langsam wieder zurücklehnte und ihr zuzwinkerte, "Ich halte also dein Leben in meinen Händen... Nun da würde mir so einiges einfallen..." Er hielt oft Leben in seiner Hand und meistens löschte er sie schnell und schmerzlos aus, aber das war belanglos im Moment. Seine Triebe waren ohnehin schon stark ausgeprägt, ohne die zusätzlichen durch das Wolfsblut in ihm, und gerade fixierten sie sich lediglich auf die junge Frau vor ihm.
"Ich mache nichts lieber als das,
ich meine Gefühle abschaff.
Unterdrück am Tag noch den Hass,
bis ich ihn am Morgen rauslass."
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Re: Lanyamere - Neue Wege

Beitrag von Aenaeris » Sa, 28. Jul 2012 22:08

"Soll Caldar doch sagen, was er will... ich habe nicht vor, mich an den Erstbesten zu verschwenden, der hier hereinkommt und denkt, er könne mich wie eine Dirne bezahlen und einfach nehmen" meinte sie geringschätzend und streckte ihren Körper, um danach wieder die Ellenbogen auf den Tisch zu stützen und den Kopf in ihren Händen ruhen zu lassen. Er beugte sich vor, bis er ganz nahe an ihrem Gesicht war. Aenaeris' Herz schlug schneller, als er ihr so nahe gekommen war, und sie hielt für einen kurzen Moment den Atem an, während sie seine Atem auf ihrem Gesicht spürte. Diese Geste hatte etwas animalisches an sich. Ein Zoll näher, und sein Bart hätte vermutlich ihr Kinn berührt. "Und was würde Euch so einfallen?" fragte sie ihn, während sie errötete, wagte aber nicht, sich zu bewegen. Théro verströmte den Duft von Bier, Schweiß, unwiderstehlicher Wildheit und da war noch etwas undefinierbares, das sie nicht einordnen konnte. Umso erleichterter war sie, als er sich wieder entspannte und zurücklehnte. Da sie ein wenig befangen war, stand sie auf, brachte ihm noch ein Bier und murmelte grinsend: „Das wird mir bald zur Angewohnheit…“ Dann strich sie ihren Rock glatt, setzte sie sich wieder an ihren Platz und meinte: „Ich bin keine Zauberin. Jedenfalls nicht in diesem Sinne. Aber ich kann Dir ja nicht jedes Geheimnis, das mich umgibt, preisgeben. Besonders, da Du ja selbst so geheimnisumwittert bist, zwar viel geredet, aber eigentlich nichts gesagt hast… Ausserdem muss ich selbst erst herausfinden, was es damit auf sich hat.“ Sie hatte es ihm gleich getan und hatte auf das vertrauliche "Du" gewechselt. Sie musste gähnen, hielt sich dabei die Hand vor den Mund und stand dann auf. Sie ging zur Tür und sperrte sie wieder auf. „Ich will nicht unhöflich sein, aber ich glaube, Du solltest allmählich gehen. Es ist schon spät, und ich hab hier noch einiges zu tun...“ Sie öffnete die Tür sperrangelweit, in der Hoffnung, die schlechte Luft würde hinausziehen, und begann, die Tische abzuräumen und die Stühle auf dieselbigen zu stellen. Théro leerte seinen Krug in einem Zug, und stand dann auf. Aenaeris sah ihn ein wenig unsicher an. „Behalte meine Geschichte bitte für Dich… im anderen Fall kannst Du mich gleich hier und jetzt mit Deiner Axt in Stücke hacken…“ meinte sie und zog eine leicht betretene Miene, denn erst durch die wiedererlangte Freiheit bemerkte sie, dass ihr Handeln auch Konsequenzen nach sich ziehen konnte. Er sah sie noch einmal an, und trat dann durch die Tür nach draußen. Sie rief ihm nach „Du kannst ja wieder einmal vorbeikommen, wenn Dir der Sinn nach einem Bier oder netter Gesellschaft steht… sofern Du bezahlen kannst…vielleicht verrate ich Dir dann auch meinen richtigen Namen...Théro Schattenmal...!" Sie musste lachen, doch erst, als er schon verschwunden war, bemerkte sie, wie einfältig zweideutig dieser Satz gewesen war und sie ärgerte sich über sich selbst. Er musste sie für eine Närrin halten!

Dann ging sie wieder hinein. Sie kehrte noch den Dreck zusammen, und fegte ihn aus der Schenke, hinaus, dann schüttete sie noch einen Eimer Wasser vor die Tür, um die in den Boden getretenen Reste des Erbrochenen wegzuschwemmen, welches ein Betrunkener hinterlassen hatte. Dann ging sie wieder in die Schenke, sperrte ab, löschte das Licht, und ging dann mit einer kleinen Öllampe nach oben, um ihr Zimmer zu suchen. Sie fand es am Ende der Treppe. Sie betrat das Zimmer, und als sie an der Öllampe drehte, um den Schein heller zu machen, bemerkte sie zunächst, dass die Tür nicht absperrbar war. Sie sah sich in dem kleinen, fensterlosen Raum um und schob dann den einzigen Stuhl unter die Türklinke. Die nächste Überraschung erlebte sie, als sie sich die Schlafstätte besah. Es war im Grunde nur eine Matratze, die am Boden lag. Sie war mit hartem Stroh gefüllt. Die Decke war ein dickes, einfach und grob gewebtes Leinentuch. Zumindest war es sauber und roch frisch. Auf dem kleinen Holztisch, der über und über mit Kerben versehen war, stand eine kleine Schüssel und daneben ein Krug mit kaltem Wasser. Als sie sich auszog und probeweise auf die Matratze setzte, stach das Stroh durch den Matratzenbezug. Sie hatte keine Lust auf eine kratzige Matratze, darum zog sie es vor, das Leinentuch auf die Matratze zu legen, und darauf zu schlafen. Es war nicht kalt draußen, und sie hatte ja noch ihre Leibwäsche an, das musste genügen. Sie streckte sich auf der Matratze aus, löschte das Licht, dachte noch, dass sie es eigentlich hätte schlechter treffen können und fiel alsbald in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Am nächsten Morgen erwachte sie recht früh von dem Krähen eines Hahns, der irgendwo im Hinterhof im Mist kratzte, begleitet von dem Gackern einiger Hühner. Ihr Rücken schmerzte von dem unbequemen Lager und sie hatte ein wenig Kopfschmerzen vom Vorabend. Im ersten Moment war sie verwirrt und musste sich erst orientieren. Aber sie erinnerte sich sehr rasch, wo sie war und warum. Sie stand auf, wusch sich und zog sich ihr Kleid über. Sie vermisste den Verband um den Arm. Sie dachte nach und erinnerte sich, dass sie diesen gestern Abend in einem törichten Moment abgenommen hatte, um Théro ihr Brandzeichen zu zeigen. Das Stück Stoff war dann irgendwie auf den Dielenboden gefallen und sie war zugegebenermaßen zu bequem und möglicherweise zu abgefüllt gewesen, um es wieder aufzuheben. Vermutlich hatte sie es auch mit samt dem ganzen Dreck aus der Schenke gekehrt… Sie legte sich ihr Tuch um Schultern und Arme, um das Brandzeichen zu verstecken. Es schmerzte noch ein wenig, aber die Rötung war weitestgehend abgeklungen, das letzte Andenken an Reyars Heilkunst. Ihren Beutel mit den wenigen Habseligkeiten schob sie unter die Matratze, nur den Geldbeutel nahm sie an sich. Er war mit einer Kordel versehen, die lang genug war, so dass sie den Geldbeutel um ihren Hals tragen, und den Beutel tief zwischen ihre Brüste schieben konnte, es war mit Gewissheit ein besserer Aufbewahrungsort, als ihn am Gürtel zu tragen. Aenaeris ging hinunter in die Wirtsstube.

Caldar und seine Frau waren bereits munter und werkelten geschäftig umher. Die Tür zum Hinterhof stand offen und Mijana saß auf einem Stuhl, ein Huhn auf ihrem Schoß, das sie gerade rupfte. Vor ihr stand eine Kiste, in der schon fertig gerupfte Hühner lagen und daneben ein Sack, in dem sie die weichen Federn sammelte. Als sie Aenaeris sah, nickte sie ihr zu und rief: „Heute stehen gebratene Hühner auf dem Speiseplan!“ Aenaeris lächelte, dann ging wie wieder hinein zu Caldar. Dieser nickte ihr ebenfalls zu und sagte: „Hast Deine Sache gut gemacht, Nalea, ich denke, wir werden Dich behalten!“ Aenaeris nickte. „Deinen Lohn bekommst Du immer am Sonnabend. Oder brauchst Du Deinen Lohn jetzt schon?“ Sie schüttelte den Kopf. Den Göttern sei dank besaß sie noch ein paar Heller, um über die Runden zu kommen. Caldar erklärte ihr: „Hier ist vor der Mittagsstunde kaum etwas los. Da brauchen wir Dich nicht. Im Kessel am Feuer ist noch heißer Getreidebrei, und aus der Speisekammer kannst Du Dir ein paar getrocknete Früchte holen. Der Wassereimer ist allerdings seltsamerweise leer, darum gibt es gerade keines. Wenn Du durstig bist, steht in der Speisekammer Dünnbier.“ Aenaeris nickte, verzichtete allerdings auf das Dünnbier und zog es vor, gar nichts zu trinken.

Nachdem sie gegessen hatte, beschloss sie, auf den Markt zu gehen. Sie wollte ein wenig in der Stadt umhergehen und sich einen Überblick zu verschaffen. Sie war fest entschlossen, ihren Bruder Pereon, der, soweit sie wusste, sich der Stadtwache angeschlossen hatte, zu suchen. „Er kann mir bestimmt weiterhelfen.“ dachte Aenaeris, und sie hoffte aus vollstem Herzen, ihn zu finden und in die Arme schließen zu können. Als sie durch die Straßen von Lanyamere bummelte, hielt sie, soweit es ging, die Augen gesenkt, um nur ja nicht aufzufallen. Sie ging Richtung Hafen, wo sich der Markt befinden sollte. Eine frische Meeresbrise umwehte sie und je näher sie dem Hafen kam, umso stärker roch es nach Fisch.

Am Markt herrschte geschäftiges Treiben. Unzählige Händler boten ihre Waren feil, da türmten sich Berge von frischen Früchten die von vielen Teilen Alvaranias kamen, verlockend in ihrer bunten ansprechenden Farbenpracht, andere boten Gemüse, oder backfrische Brote an, und dem Geruch nach zu schließen, gab es auch Fischstände. Aenaeris kam aus dem staunen nicht heraus, es gab soviel zu sehen und zu kaufen, wie sie es noch nie in ihrem Leben gesehen hatte. An einem Stand der Schmuck und anderen Tand anbot, blieb sie stehen. Ihr fiel ein besonders hübscher Armreif ins Auge. Er war massiv aus Kupfer gearbeitet, in der Mitte des Armreifs trafen verschnörkelte Verzierungen aufeinander, die Aenaeris stark an ein loderndes Feuer erinnerten. Sie sprach den Händler an. „Wieviel kostet dieses Stück?“ erkundigte sie sich. „Drei Heller, schöne Maid!“ schmeichelte er. Es war viel Geld, doch Aenaeris musste diesen Armreif haben. Sie dachte daran, ihr Brandmal damit zu überdecken. „Nun denn...!“ sagte sie und zog den Geldbeutel zwischen ihren Brüsten hervor. Er kam nicht umhin, in ihren Ausschnitt zu starren. Sie bemerkte dies. "Ist der Preis denn noch verhandelbar?" fragte sie unschuldig. Der Händler begann zu stottern... "Na-Natürlich... Euch gebe ich ihn für zwei Heller..!" Aenaeris ließ zwei silberglänzende Münzen aus dem Beutel in seine Hand gleiten. Nun besaß sie nur noch vier Heller. Derweil schob sie es auf ihren anderen Oberarm, um das Schicksal nicht herauszufordern. Sie erkundigte sich noch bei ihm, wo sich die Befestigungsanlage der Stadtwache befand. „Da müsst ihr ans ganz andere Ende der Stadt laufen, es ist ein ordentlicher Fußmarsch… ich schätze zwei Stunden werdet ihr schon unterwegs sein.“ "Ich danke Euch vielmals, ihr habt mir sehr geholfen" flötete sie, steckte den Geldbeutel wieder dahin wo sie ihn hervorgeholt hatte und ließ den um Fassung ringenden Händler stehen. Sie lief durch die Stadt, doch schnell hatte sie sich verlaufen. Die vielen kleinen verschlungenen Gässchen sahen sich alle etwas ähnlich und missmutig gab sie nach einer gefühlten Ewigkeit auf und erkundigte sich bei einer Magd nach dem Weg zur „Eisenfaust“, Caldars Schenke.

Kurz vor Mittag erreichte sie die Schenke. Caldar lief wie ein aufgescheuchtes Huhn herum. „Gut, dass Du wieder da bist!“ rief er ihr im vorbeilaufen zu. „Eile in die Küche, und sieh nach den gebratenen Hühnern! Ich muss vor die Schenke, eine Warenlieferung ist gekommen!“ Mijana stand hinter der Theke und goss Wein in Zinnbecher. Im vorbeilaufen nahm Aenaeris das Tablett mit den Bechern mit. Es war nur ein Tisch besetzt, von daher war es nicht allzu schwierig zu erraten, wer den Wein bekam. Dann lief sie in die Küche und nahm die gebratenen Hühner vom Feuer. Es war um die Mittagsstunde und wenn man Caldar glauben durfte, würde die Schenke bald voll sein.

Und so war es. Bald gab es keinen freien Tisch mehr und die Gäste saßen an den Tischen und aßen gebratene Hühner, und tranken Wein dazu. Die Gäste sahen nicht ganz so übel aus als jene, die Aenaeris gestern Abend gesehen hatte. Vielleicht kamen die zwielichtigen Gestalten und Trunkenbolde erst abends hervor. Bis zum frühen Nachmittag gab es geschäftiges Treiben, dann saßen nur mehr wenige Handelsleute bei einem Becher Wein und besprachen geschäftliche Angelegenheiten. Aenaeris hatte nun Pause. Erschöpft ging sie in ihr Zimmer. Das Wasser war offensichtlich frisch erneuert worden und auch zwei feine Leinentücher lagen fein säuberlich zusammengelegt am Tisch, und, was Aenaeris‘ Herz einen Freudensprung machen ließ, ein kleines Stück nach Blütenölen duftende Seife lag obendrauf. „Mijana, die Gute“ dachte sie. Freudig wusch sie sich mit dem Seifenstück, schob den erstandenen Kupferreif an die dafür vorgesehene Stelle und betrachtete diese zufrieden. Man konnte nichts von einem Brandzeichen erkennen. Zwar schmerzte es ein wenig, als sie den Armreif über die Wunde geschoben hatte, doch sie biss die Zähne zusammen und bald war der rasende Schmerz vergangen. Dann legte sich dann auf ihr Lager, um sich ein wenig auszuruhen und sich Erholung für die kommenden Abendstunden zu machen.

Am Abend ging sie in die Wirtstube. Es war noch nicht viel los, daher lehnte sie sich bequem an der Theke an und zapfte sich ein Bier. Eigentlich wollte sie nichts trinken, doch irgendwie fand sie, ein Becher Wasser passte nicht zur Wirtshausatmosphäre.
An einem Tisch saßen drei Kerle und winkten Aenaeris zu sich heran. „Was darfs denn sein, ihr edlen Männer?“ fragte sie gutgelaunt. „Bring uns eine Flasche Met, meine Schöne, und dazu vier Becher, denn ich hoffe, Du setzt Dich zu uns, und trinkst einen Becher mit uns!“ gab sich der Mann großzügig. Nun ja, zu einem Becher Met sagte sie nicht nein, und es war ausdrücklich Caldars Wunsch, dass sie liebreizend zu den Gästen war, und diese bestellten eine Flasche Met, was nicht oft vorkam, wie sie erfahren hatte, da er sehr teuer war. Aenaeris kam mit den gewünschten Dingen zurück, und setzte sich neben den Mann, der bestellt hatte, und sich als Rogar vorgestellt hatte. Die Männer hatten allerhand lustige Geschichten zu erzählen und Aenaeris unterhielt sich gut mit ihnen. Doch nach einiger Zeit dachte sie daran, das Wirtsleutepaar wieder zu unterstützen. „So, meine teuren Kameraden, ich danke Euch sehr für Eure Großzügigkeit, doch nun muss ich wieder meiner Arbeit nachgehen.“ erklärte sie. Rogar verzog den Mund zu einem gekünstelten schmollen. „Was? Du kannst uns noch nicht verlassen, wir haben doch gerade solchen Spaß!“ Aenaeris lächelte bedauernd und wollte sich erheben. Doch Rogar krallte sich in ihren Oberschenkel und drückte sie zurück auf die Bank. „Ich habe gesagt, Du kannst uns noch nicht verlassen, also bleibst Du noch!“ knurrte er nun nicht mehr ganz so liebenswürdig, wie er sich vorher gegeben hatte. Aenaeris war zu verdutzt, um etwas zu entgegnen, doch zugegebenermaßen besaß er auch einen Wesenszug an sich, der sie einschüchterte. Er ließ die Hand auf ihrem Oberschenkel ruhen, und fuhr mit der anderen unter ihr Kleid. Nun war Aenaeris schon ein wenig empört und fand ihre Fassung wieder, denn diese Angelegenheit gehörte ihrer Definition nach nicht zu den Dingen, die sie liebenswürdig abtat, wenn sie es nicht wünschte. „Nimm Deine dreckigen Hände weg und lass mich los!“ fauchte sie Rogar an und versuchte sich aus seinem eisernen Griff zu wenden. Doch dieser dachte nicht daran sondern fasste sie nur umso grober an, während die beiden anderen Trinkgesellen eher dümmlich und teilnahmslos dieses Schauspiel betrachteten. Plötzlich stand Caldar vor ihnen und verschränkte die Arme. „Gibt es hier ein Problem, meine Herren?“ fragte er. Er war zwar ein wenig stärker, doch als er sich so zu voller Größe aufrichtete, konnte er durchaus einschüchternd wirken. „Ich denke nicht, mein Herr!“ zischte Rogar rauh und zückte plötzlich ein Messer, das silbern aufblitzte und drückte die scharfe Klinge an Caldars Kehle…
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Re: Lanyamere - Neue Wege

Beitrag von Thėro Schattenmal » So, 29. Jul 2012 13:02

Er warf noch einen Blick zurück auf sie und richtete den Blick etwas träge und verschwommen wieder auf die Straße. Alles in allem war es eigentlich ein gelunger Abend gewesen, er hatte umsonst getrunken und nette Gesellschaft gehabt. Wohlig grinsend zog er ein wenig durch die Stadt und suchte nach einer Bleibe. In der Nacht war es doch relativ ruhig hier und der Gestank nahm auch ab. Théro gefiel das eindeutig besser, auch wenn ihm immer noch etwas schlecht wurde. Er stockte und sah nach oben und dann nach rechts, "Ach, verdammt." Seufzend dreht er um, instinktiv war er geradewegs nämlich wieder aus der Stadt gelaufen und nun bei den Stallungen angekommen. Schulterzuckend sah er nach seinem Pferd, wenn er sowieso schon hier war, und entschloss sich dann direkt hier zu bleiben. Er würde sowieso niemanden mehr finden der um diese Zeit Leute aufnahm, erst recht so welche wie ihn. Ausserdem war es so doch billiger für ihn und er war es gewohnt auf harter Unterlage zu schlafen. Er kicherte leise etwas benebelt, Schlaf bekam er ja sowieso selten. Aber das Wolfsblut in ihm schien das alles zu ersetzen, ihm so viel Kraft zu geben das er es schaffte. Ob man daraus wohl noch mehr machen konnte? Er gähnte und schlief schließlich murmelnd ein.

Grummelnd und mit schmerzendem Nacken setzte er sich wieder auf, der Tag war schon angebrochen und einige der Sonnenstunden vorbei. Etwas benommen rieb er sich die Augen und strich über die Flanke seines Pferds. Das Tier war eigentlich gar nicht so schlecht, es war treu und leicht zu führen und ausserdem war es ja auch einiges wert. Théro runzelte die Stirn, stand auf und streckte sich ausgiebig. Dann ließ er den Kopf kreisen und sein Genick knacken, bis die Schmerzen verschwunden waren und ging zu den Satteltaschen. Er kramte das Trockenfleisch heraus und aß es nachdenklich, während er dabei etwas abgestandenes Wasser trank. Auf jeden Fall würde er seine Vorräte füllen müssen. Seine Finger fuhren durch die Taschen, über die Ersatzbolzen für seine Armbrust und ein paar andere Dinge die er brauchte, wie etwa Feuersteine oder Wasserschläuche. Wirklich viel hatte er ja nicht mehr dabei, das meiste war versteckt in dem alten Kastell, aber was sollte er damit auch schon groß anfangen. Schulterzuckend schloss er die Satteltaschen wieder und aß in der Mittagssonne weiter. An den Stallungen herrschte bereits reger Betrieb, immerhin war die Hafenstadt nicht ganz so klein, aber das interessierte ihn eigentlich eher weniger. Er fragte sich, nicht zum ersten mal, ob er das Pferd behalten oder verkaufen sollte. Es würde sicher einiges an Geld bringen und eigentlich brauchte er es ja auch gar nicht. Schnell genug war er ja, auch ohne Pferd. Schulterzuckend tätschelte er noch einmal die Flanke des Wallach und zog den immer schmaler werdenden Gelbeutel aus seinem Gürtel. Er musste langsam zusehen das er etwas Geld verdiente. Gähnend besah er sich die Münzen und steckte ihn dann wieder weg, ehe er in Richtung Stadt ging.

Es blieben ihm eigentlich nicht viele Möglichkeiten, entweder er würde wieder den Jäger spielen und Fleisch, Felle und Trophäen verkaufen... Oder aber er musste irgendwo als Söldner anheuern, Händler beschützen und Leute umbringen. Er gähnte und blinzelte kurz in die Sonne, es war ihm einerlei er war für das eine geboren und für das andere geschaffen worden. Es lag beides in seiner Natur, jagen und töten. Nachdenklich schlenderte er so weiter durch die Gassen der Stadt, hielt sich am Rand, und überprüfte den Sitz seines Kettenhemdes und den der Waffengurte. Seine rauen Finger fuhren nacheinander über die Spitzen der Pflöcke und er blieb kurz stehen um die Armbrust abzuschnallen und sich genauer anzusehen. Dann schaute er sich kurz um, schnüffelte ein wenig und drückte sich in eine etwas ruhigere Ecke an eine Hauswand. Er strich über die Sehne, das Holz und nahm etwas von dem Fett heraus um die Sehne damit einzuschmieren. Dann spannte er sie ein ums andere mal bis er der Meinung war es war genug. Schon seltsam, alltäglich war das sicher nicht was er da trieb, aber es nahm auch keiner wirklich Notiz von ihm. Also nutzte er die Zeit und zog kurz danach auch seine Axt heraus um sie zu schärfen. So saß er also ein paar Stunden an der Hauswand, schärfte und reinigte seine Waffen.

Schließlich stand er wieder auf, einen ekelhaften Gestank in der Nase und schlenderte weiter durch die Stadt. Es schien als gewöhnten sich seine Sinne langsam an die Umgebung und diese Masse an Eindrücken. Er hoffte das sie sich nicht darauf einstellten und wieder schlechter wurden immerhin brauchte er sie. Er gähnte und streckte sich und fand sich schließlich auf dem Marktplatz wieder, es war schon spät am Tag aber einige der Händler machten immer noch gut Umsatz. Théro ging ein wenig herum, bis er einen Händler gefunden hatte der Schmuck verkaufte. Es dauerte nicht lange und die beiden kamen ins Geschäft, denn der Nordmann hatte nicht viel anzubieten ausser ein paar geschnitzten Anhängern, kleinen Statuen und einer bronzenen Kette. So füllte sich sein Beutel doch nochmal mit ein paar Hellern und er ging zufrieden noch ein wenig weiter. Seine Hand strich über seinen Hals, über die silberne Kette und den aus Holz geschnitzten Wolfskopf der auf seiner Brust lag, unter dem Kettenhemd. Die Gedanken glitten kurz fort, aber er hatte sich wieder im Griff und hielt kurz an um sich etwas Dörrfleisch zu kaufen. Das Fleisch war zäh und schmeckte nicht gerade so wie Fleisch schmecken sollte, aber er hatte schon wieder Hunger und ging stark kauend weiter.

Er schalt sich selbst für seine Unvorsichtigkeit, er war in letzter Zeit zu viel in Gedanken verstrickt und achtete zu wenig auf sein Umfeld. Schon wieder hatte er sich in dieser dummen Stadt verlaufen. Grummelnd und knurrend fragte er sich durch, bis er dann schließlich wieder vor der Eisenfaust stand und grollend hineinstapfte. Städte waren so groß und unwirklich angelegt. Im Wald war Orientierung etwas anderes, da konnte man riechen, hören, die Dinge fühlen... Hier roch es höchstens nach Scheiße, Urin und Schweiß. Er setzte sich wie gewohnt an einen der etwas dunkleren Ecktischen und ließ den Blick schweifen, es war einiges los aber lang nicht so viel wie gestern. Sein Blick glitt über den Wirt und seine Frau und er suchte nach Nalea, oder wie auch immer sie heißen mochte, und schließlich entdeckte er sie lachend bei einer Männerrunde. Schulterzuckend bestellte er sich einen Krug Bier und hing seinen Gedanken nach. Er schnupperte und betrachtete die einzelnen Menschen hier. Recht erfolgslos versuchte er dann dem einen oder anderen Gespräch zu zuhören, die meisten drehten sich um Belanglosigkeiten oder uninteressante Geschichten. Er gähnte, die Nacht war schon etwas tiefer hereingebrochen, aber sie war noch jung und die Bestie in ihm schlief noch. Bald, so bald würde sie wieder erwachen, an ihren Ketten reißen und versuchen auszubrechen. So würde der Kampf wieder von vorne beginnen und er würde siegen, so wie jede Nacht.

Sein Kopf ruckte hoch und sein Blick fixierte einen der drei Männer bei der Priesterin. Die Stimmen um sie herum waren abgeklungen und einige schauten zu dem kleinen Tumult. Es dauerte einen Moment bis er die kleine graue Klinge an dem Hals des Wirtes erkannte und sein Blick fiel auf Nalea die sich wohl etwas zu lange an dem Tisch aufgehalten hatte. Er wog die Möglichkeiten ab, die ihm übrig blieben und entschied sich eigentlich dazu sein Bier zu trinken und sitzen zu bleiben. Die gelblichen Augen schimmerten auf und sein Blick ruhte noch einen Moment auf der Situation, ehe er knurrend aufstand und den Raum durchquerte. Die Proteste der Männer die er unwirsch zur Seite schob ignorierte er geflissentlich und packte die Axt auf seinem Rücken. Gewohnt und leise glitt sie aus dem Waffengurt und lag gut in seiner Hand. Er fletschte die Zähne. Noch drei Meter. Ein dumpfes Knurren war von ihm zu hören, die Bestie zog an ihren Ketten und machte ihn nur wütender. Noch ein Meter, "Du. Waffe weg." grollte der Nordmann dumpf und legte die Axt auf seine Schulter. Der Metallkopf berührte das Kettenhemd und es rasselte leise. Er machte noch einen Schritt, offenbar zu viel für Rogar, denn er die drückte die Klinge tiefer in den Hals des Wirts bis Blut floss, "Komm nicht näher!" Théro lachte leise und machte einen Satz nach vorne. Der Knauf der Axt traf knackend auf den Nasenknochen eines seiner Begleiter und schleuderte ihn vom Stuhl. Dann wirbelte er herum und ließ die Axt mit vollem Schwung auf Rogar niedergehen. [18]Es knackte und knirschte als er mittig den Schädel traf, ihn ein Stückweit spaltete und das Gehirn darunter traf. Sein Blick ging zu dem Wirt, der mittlerweile kläglich röchelnd am Boden lag, während das Blut seine Lungen füllte. Dann glitt er wieder zu dem zuckenden Mann vor ihm und er zog ruckartig an seiner Axt, während er ihm gleichzeitig in den Bauch trat. Mit einem ekelhaft schmatzenden Geräusch glitt die blutige Axt wieder aus ihm heraus und Théro knurrte nur noch wilder, während er den Blick auf den dritten richtete.[/18]Von dem zuckenden Nervenbündel hatte er wohl nichts mehr zu erwarten. Sein Gemüt kühlte sich langsam ab und er spuckte auf den Boden, "Scheiße." Etwas Blut tropfte von der Axt auf den Boden und Théro sah zu Nalea hin, "Alles in Ordnung?" 'Ich sollte verschwinden... Und zwar schnell' dachte er dann kurz darauf und blickte sich kurz um. Er schnupperte in der Luft, der Geruch von dem frischen Blut hing in der Luft, kroch in seinen Kopf und in seinen Magen... Er schüttelte den Kopf und die Gedanken damit ab und packte mit der freien Hand den Arm der jungen Frau. Ohne ihre Antwort abzuwarten zog er sie unnachgiebig hinter sich her, keiner stellte sich ihnen in den Weg. Er schob sie aus dem Wirtshaus, sah sie kurz an und ob sie verletzt war, aber Nalea schien nur etwas Blut abbekommen zu haben von den mittlerweile Toten. Erneut nahm er sie, diesmal bei der Hand und zog sie etwas weiter in eine kleinere dunkle Gasse. Er drückte sie in die Schatten, keuchte leise und kämpfte einige Sekunden gegen den Werwolf in ihm, "Wir sollten weg hier... Das Ganze wird am Ende sonst sicher nicht gut ausgehen..." Er dachte an das Schafott, den Galgen... Nein darauf hatte er keine wirkliche Lust heute abend.
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Re: Lanyamere - Neue Wege

Beitrag von Aenaeris » So, 29. Jul 2012 16:56

Aenaeris starrte fassungslos auf das Gemetzel, ihre Blicke glitten von Rogar, der in einer riesigen Blutlache lag, aus dessen gespaltenem Schädel etwas Hirnmasse trat und noch lautlos Blut sickerte, auf Théro, bis hin zu Caldar, der aufgehört hatte zu röcheln und aus leblosen Augen an die Decke starrte… Es war totenstill in der Schenke, nur die Wirtin, die hysterisch zu kreischen begonnen hatte, war zu vernehmen. „Alles in Ordnung?“ richtete er die Worte an Aenaeris, diese allerdings war zu keiner Antwort fähig. Plötzlich spürte sie einen harten Griff an ihrem Arm, und willenlos ließ sie sich von Théro aus der Schenke ziehen.

Er blieb draussen kurz stehen, vergewisserte sich, ob sie verletzt war, aber als dem nicht so war, schnappte er sie an der Hand und lief mit ihr weg, in die nächste dunkle Seitengasse, die weit weg genug von der „Eisenfaust“ war, in der keine Straßenlaterne mehr brannte und drückte sie in den Schatten einer Brunnennische. Es war stockdunkel, und sie konnte nichts erkennen, nur das leise stete Tropfen des Wasserhahns und das Platschen, wenn die Tropfen in das Wasser des Beckens trafen, und Théros Keuchen. Sie tastete sich im dunklen voran, versuchte sich zu orientieren, sie tastete sich am Becken entlang, bis sie die raue Steinmauer ertastete, dort glitt sie mit dem Rücken an die Wand gelehnt, auf den Boden… Ihr Herz klopfte wie rasend und sie schluckte. Sie versuchte, sich zu beruhigen, versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen, aber die Gedanken überschlugen sich in ihrem Kopf, und so schwieg sie, während sie versuchte, ruhig zu atmen.

Als einige Minuten, die ihr schier wie eine Ewigkeit vorgekommen waren, verstrichen waren, und auch Théro keine Silbe gesagt hatte, flüsterte sie: „Sie werden uns jagen… sie werden uns jagen, bis sie uns haben… und wir werden beide am Galgen enden… Dich werden sie in jedem Fall suchen… wenn Sie Dich finden, finden Sie auch mich… sie werden Fragen stellen, wieso ich nicht bei dem Tempelbrand umgekommen bin, und es wird sie auch gar nicht interessieren, sie werden eins und eins zusammenzählen… ! Im besten Fall baumeln wir beide am Galgen, denn sie werden glauben, wir gehören zusammen… Nun ist es einerlei, ob sie mich wegen Brandstifterei oder der Tatsache, dass sie elfisches Blut in mir habe, belangen… sie wissen, dass ich bei Dir bin, sie wissen, wie ich aussehe, nun ist alles aus!“ Die Tränen perlten unaufhörlich über ihre Wangen, sie konnte nichts dagegen tun, und sie wollte auch nichts dagegen tun. Als die Tränen nach einigen Minuten versiegten, rappelte sie sich in der Dunkelheit auf, schöpfte mit beiden Händen das kühle Wasser aus dem Brunnen und bespritzte damit ihr Gesicht, das war Aufregung glühte.

Dann ging sie wieder in die Hocke und begann erneut im Flüsterton zu erzählen „Ich habe Dir nicht alles erzählt… ich wollte mein letztes Geheimnis für mich bewahren, doch nun ist es einerlei… Als es zu diesem Zwischenfall im Tempel kam, war ich es wohl, die das Feuer entfesselte. Sie befragten mich und behaupteten, ich habe elfisches Blut in mir… deswegen wollten Sie mich verbrennen…“ Sie lachte ein wenig gehässig auf und flüsterte weiter: „Ich bin eine geborene Arcanierin, und habe elfisches Blut in mir, weißt Du, was das bedeutet? Es bedeutet, ich bin mein eigener Feind…! Ich wusste nichts davon, meine Eltern haben es mir verheimlicht und mich in dieses verheerende Schicksal einer Tempelpriesterin gedrängt… Nun habe ich alles verloren… Ich Närrin habe geglaubt, ich könnte in dieser Schenke ein neues Leben bekommen… aber das war falsch… sie hätten mich früher oder später gefunden… denn meine Augen sind die unserer Feinde, sie sind verräterisch.“ Théro schwieg. Was sollte er auch dazu sagen? „Ich bin Aenaeris Ardere… die Arcanierin mit dem Elfenblut… doch wer bist Du? Ich habe Dich in der Schenke gesehen, Du warst wie eine entfesselte Bestie…ich meine nicht, weil Du den Mann getötet hast…sondern die Tatsache wie… das war wenig menschliches, das Dich umgab… und Deine Augen… sie sind von einem gelben Ring umgeben...Bist Du ein Dämon? Wer bist Du? Und wieso bist Du in die Schenke zurückgekommen?“„Keine Zeit!“ meinte er knapp, packte sie zielsicher am Armgelenk, zog sie hoch, als ob er sie im Dunkeln sehr gut sehen konnte „Wir müssen raus dieser Stadt. Noch heute Nacht.“ Dann zog er sie weiter, schien zu wittern, wie ein wildes Tier, sie blieben in den stockdunklen Schatten der Häuserfassaden, liefen durch enge Gässchen, blieben stehen, lauschten, ob Ihnen denn niemand auf den Fersen war, liefen weiter und immer weiter, bis sie nach Stunden an die Stadtmauer kamen.

Am Stadttor waren zwei Wachen, und bewachten das Stadttor. Eine Fackel, die in einer Halterung an der Mauer steckte, gab ausreichend Licht, dass sie nicht unbemerkt passieren konnten, der eine war an seiner Lanze eingenickt, doch der andere war hellwach… „Scheiße…“ murmelte Théro. Einer der Wachposten wurde auf die beiden aufmerksam. Er legte die Hand an sein Schwert und rief ihnen zu: „Hey ihr, wer seid ihr? Und was wollt ihr so spät nachts noch außerhalb der Stadtmauern?“ Aenaeris glaubte, dass Théro die Hand an seine Axt führen wollte, und hielt deswegen seinen Arm fest. Dann umarmte sie Théro und flötete honigsüß zu dem Wachmann: „Die Nacht ist jung, mein Freund. Wir wollen zu dem See, und darin baden, wenn ihr versteht, was ich meine… vielleicht habt ihr Lust, Euch uns anzuschließen? Euer Wachbruder hier wird Euer Verschwinden vermutlich gar nicht bemerken. Ich könnte Euch sicher den einen oder anderen Wunsch erfüllen? Aber zu dritt macht er vermutlich mehr Spaß, doch ich warne Euch, mein Freund hier wird ab und an etwas grob mit seinem Speer…“ Angewidert trat der Wachposten zurück… „Das ist ja ekelhaft! Na los, verschwindet!“ Damit ließ er sie passieren und die beiden liefen durch das Stadttor, das sich mit einem lauten Schmettern wieder hinter ihnen schloss. Es war keine Zeit für eine Verschnaufpause, obwohl Aenaeris, die das lange laufen nicht gewohnt war, schon am Ende ihrer Kräfte war…

Sie liefen in der Dunkelheit immer weiter entlang, bis sie ein kleines Waldstück erreichten. Als sie weit genug hineingelaufen waren, blieb Aenaeris stehen und keuchte: „Bitte, lass uns ein Weilchen ausruhen… ich kann keinen Schritt mehr laufen!“ Théro schien einen Augenblick nachzudenken, und nickte schließlich. Erschöpft ließ sie sich zu Boden gleiten, wo sie stehen geblieben war. Die heruntergefallenen trockenen Nadeln der Kiefern stachen in Ihre Haut, und ihre Lungen brannten von der Anstrengung, beim Versuch, die würzige Waldluft einzuatmen. Die Muskeln in ihren Beinen zitterten heftig. Doch das alles war in diesem Moment unwichtig. Sie waren entkommen. Doch nun umfing Aenaeris ein beklommenes Gefühl… Sie war auf der Flucht mit einem Mann, der vor wenigen Stunden ohne mit der Wimper zu zucken einem Mann mit seiner Axt den Schädel gespalten hatte…
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Re: Lanyamere - Neue Wege

Beitrag von Thėro Schattenmal » So, 29. Jul 2012 18:09

Kopfschüttelnd über sich selbst ging er auf und ab und grummelte und knurrte vor sich hin, während Aenaeries sich ausruhte. Die Nacht wurde dunkler und langsam kam der Mon hinter ein paar Wolken zum Vorschein. Wieso hatte er das getan? Gott sie war doch nichts anderes als irgendeine Magd, eine elfische auch noch. Es war ihm gleich welche Rasse sie war, aber in Arcanis galt das ja schon fast als Höchststrafe. Er knurrte laut und kehlig und schlug fest gegen einen Baumstamm, sodass ihm die Knöchel ein wenig aufrissen. Er sah kurz zu der Arcanierin und ihre Blicke kreuzten sich für einen Moment, ehe er von einer erneuten Welle erfasst wurde. Stöhnend viel er auf die Knie und sah noch oben zum Mond, auch noch Vollmond oder zumindestens fast. Seine Hände gruben sich in den Boden und sein Rücken wölbte sich, wuchs ein wenig an und schwoll dann wieder ab während er gegen die Bestie in seinem Inneren kämpfte und sie wieder in Ketten legte. Zu viel Blut war geflossen und zu viele Gefühle aufgekommen, er musste verdammt nochmal vorsichtiger sein. Er keuchte noch und verharrte einige Sekunden in dieser Position, ehe er sich aufrichtete und wieder zu der jungen Frau sah. Er sah ihren Blick und schüttelte den Kopf, "Frag nicht... Ich erzähls dir wenn wir hier weg sind. Warte hier, ich bin gleich wieder da." Er machte ein paar Schritte zurück in Richtung Stadt und drehte sich dann noch einmal zu ihr um. Seine Augen blitzten ein wenig mahnend auf, damit sie auch wirklich hier blieb und nicht weglaufen würde.

Er ließ sich ein wenig mehr Zeit auf dem Rückweg um nichts zu riskieren, ausserdem wollte er sich nicht gänzlich aus der Puste bringen falls er doch noch auf jemanden treffen sollte. Aber das Glück schien ihm ausnahmsweise mal etwas hold zu sein und er kam tatsächlich bis an die Stallungen ohne auf jemanden zu treffen. Es dauerte nicht lange bis er sein Pferd gefunden, losgebunden und gesattelt hatte. Das ganze war tägliche Arbeit für ihn und so ging es leicht von der Hand. Er lenkte das Pferd wieder in die Richtung des Wäldchens und ritt im galopp wieder zu der Priesterin zurück. Das Ganze hatte zwar seine Zeit gedauert, aber so waren sie schneller und vor allem konnten sie länger ohne Pause reiten. Théro warf einen Blick über den Rücken zu der Stadt zurück und sah wieder kurz auf den Mond, ehe er das Pferd langsam neben Aenaeris traben ließ. Er hielt ihr seine Hand hin, wartete bis sie sie annahm und zog sie dann hinter sich auf den Wallach. Er hatte schon öfter zwei Personen getragen und diesmal sollte es wohl auch klappen. Ausserdem war er den Wald gewöhnt was die ganze Sache um einiges vereinfachte. Der Nordmann wartete noch einen Moment bis sie richtig saß und legte ihre Hand um seinen Bauch, "Halt dich besser gut fest..." brummte er ihr dann zu und sah sie kurz über den Rücken an, um sich zu vergewissern ob sie das gehört hatte. Er war sich nicht ganz sicher inwiefern sie das Gemetzel nun überwunden hatte, oder nicht, aber bei dem Wachmann war sie ihm schon klarer vorgekommen.

Er zuckte innerlich mit den Schultern und drückte in die Flanken seines Pferdes, bis es in schnellem Galopp wieder losritt. Zunächst folgten sie einem kleineren Trampelpfad und es ging schnell vorran. Dann jedoch mussten sie wohl oder übel in den dichteren Wald, sodass der Gaul in ein etwas langsameres Tempo verfiel und über das eine oder andere Hindernis sprang. Sie ritten die gesamte restliche Nacht durch und das schnelle Tempo machte es schwierig sich zu unterhalten, aber dafür war momentan sowieso keine Zeit. Er ließ das Pferd hauptsächlich den Weg bestimmen und dieses nahm einen ihm bekannten, nämlich genau den den Théro zuvor gekommen war. Die Morgendämmerung klarte den Himmel schon auf und die Sonne tauchte gerade über ihnen auf, als sie an dem kleinen Bach vorbeikamen. Er zügelte das Pferd, schließlich konnten sie es nicht zu Tode schinden und ausserdem hatten sie ein gutes Stück zurückgelegt. Dann stieg er vorsichtig ab, machte ein paar Schritte und hob Aenaeris dann ebenfalls aus dem Sattel. Der lange Ritt schien sie ziemlich mitgenommen und erschöpft zu haben und so ließ er ihr ein wenig Zeit sich auszuruhen. Er führte das Pferd zu dem Bach, band es an einen Baum, sodass es fressen und trinken konnte und tätschelte seine Flanke. Dann betrachtete er seine Hände, die Fingernägel und sah zu der Sonne, zunächst waren sie sicher, man würde sehen ob es so bleibt. Er legte die Waffengurte neben sich und setzte sich an einen Baum um es der Priesterin gleich zu tun und etwas zu schlafen. Erst am späten Mittag wachte er wieder auf. Nachdem er sich etwas gestreckt hatte, füllte er die Wasserflaschen an dem Bach und kramte die letzten Reste des Trockenfleischs hervor das er auf dem Markt gekauft hatte. Viel war es nicht mehr, er nahm sich ein kleines Stück und biss hungrig darauf herum, ehe er zu Aenaeris ging und sich neben sie kniete. Sie schien noch zu schlafen, also rüttelte er vorsichtig an ihr und hielt ihr das Fleisch unter die Nase, "Wach auf... Du hast genug geschlafen, iss etwas. Wir müssen bald weiter." Kurz schloss er die Augen und fuhr sich durchs blonde Haar, ehe sie wieder ansah und noch einmal musterte. Sein Blick fiel auf die Blutspritzer auf ihr, aber er kam auch nicht umhin ihren Körper zu betrachten. Schließlich sah er ihr wieder in die Augen, die ihm immer noch seltsam vorkamen, "Ich bin das Schattenmal, Kleine. Kein Dämon, kein Magier..." Er zuckte mit den Schultern und wusste nicht ob er das nun wirklich erzählen sollte, aber andererseits war sie auf ihn angewiesen und wohin sollte sie auch fliehen? Also konnte er ihr wohl ruhig erzählen was er war, "Ich bin ein Wolf, eine Bestie... Das Blut pumpt in meinen Adern, gibt mir Kraft, Ausdauer und die Sinne eines Wolfs. Aber auch das Gemüt, die Aggressivität, der Hunger... Den Jagdinstinkt..." Seine gelben Augen blitzten auf und er kaute an dem Trockenfleisch, am liebsten hätte er ein schönes Stück Reh... Vielleicht die Nacht, irgendwo mussten sie ja essen herbekommen. "Aber du brauchst keine Angst zu haben, ich habe gelernt es zu kontrollieren... Kann damit umgehen und es nutzen. Ich komme aus den Wilden Landen, den Bergen wo die Menschen gegen die Grünhäute kämpfen, bin viel herumgezogen und komme wohl am ehesten dem Söldnerberuf nahe."

Er ließ ihr einen Augenblick zeit und fuhr sich nachdenklich durchs Gesicht. Warum er das alles getan hatte wusste er selbst nicht so genau, aber es war ja nicht unbedingt schlecht ausgegangen, also zumindestens für ihn, "Tut mir Leid wegen... Naja du weißt schon... Aber anders wären mehr Leute gestorben." Er biss sich kurz auf die Unterlippe und sah an ihrem Körper herunter, "Oder du hättest deine Erfahrung auf die harte Tour gesammelt, Aenaeris Ardere." Seine Knie schmerzten und so setzte er sich bequemer hin und ließ den Kopf in den Nacken fallen um in den Himmel zu sehen, "Wir haben nicht mehr so viel Zeit, bald reiten wir weiter. Wenn du also noch etwas fragen... oder tun willst, solltest du es jetzt machen." Seine Stimme war wie immer selbstsicher und es schien als würde ihn nichts davon aus der Fassung bringen. Warum auch? Er hatte schon viele Menschen getötet und das sie eine Arcanierin mit Elfenblut war interessierte ihn einen Scheiß, das war nicht seine Angelegenheit.
"Ich mache nichts lieber als das,
ich meine Gefühle abschaff.
Unterdrück am Tag noch den Hass,
bis ich ihn am Morgen rauslass."
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Re: Lanyamere - Neue Wege

Beitrag von Aenaeris » Mo, 30. Jul 2012 0:42

Ein Mann stand vor der "Eisenfaust", und betrachtete die Schenke von außen. Er war ein hochgewachsener, dünner Mann, mit grauem, kurzgeschnittenem Haar, stahlblauen, wässrigen Augen, und durchdringendem Blick. Er trug eine prächtige Gewandung aus weinrotem Samt, und darüber einen schweren schwarzen Dreiviertelkreismantel, verschwenderisch aus feinstem Wollstoff gearbeitet, und nur dazu zweckdienlich, seinen Reichtum, seine Macht und seinen Stand zu demonstrieren. Er hatte einen dicken Lederband, aus dem einige lose Blätter lugten. Er klappte das Lederbuch auf und studierte seine Notizen. Dann nickte er, klappte das Buch wieder zu und betrat die Schenke.

Seine schweren Schritte hallten in der vorübergehend geschlossenen und gänzlich leeren Schenke wider. Er rümpfte die Nase. Er war diesen bürgerlich-bäuerlichen Geruch dieses Dreckloches nicht gewohnt. Noch immer hing hartnäckig der Geruch von Schweiß, Urin, Pfeifenrauch und auch Blut in der Luft. Er blickte sich in dem großen Schankraum um und warf einen Blick auf die Wirtin der Schenke, welche ihn mit rotgeäderten und verschwollenen Augen anstarrte. Er ging schnellen Schrittes auf die Witwe zu, und verneigte sich knapp vor ihr. „Mein Name ist Vilerion, unterwegs im Dienste seiner Majestät, des Königs und den Wahrheitsbringern." Die Witwe glotzte ihn mit großen Augen an, und knickste unbeholfen. "Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass die Spur so oder so in diese Eure Schenke führt. Diese Magd, wie hieß sie noch gleich…" er blätterte in seinem Lederbuch, welches die bereits von der Stadtwache aufgenommenen Aussagen enthielt, doch Mijana half ihm auf die Sprünge „Meint ihr Nalea?“ „In meinen Aufzeichnungen steht, sie heißt Aenaeris Ardere, und wenn es wirklich sie ist, müsste sie die einzige Überlebende sein, als der Tempel abbrannte und das geht nicht mit rechten Dingen zu… besonders, da wir rekonstruieren konnten, dass eigentlich niemand den Tempel hätte verlassen können, und wir alle Leichen finden und identifizieren konnten, nur ihre nicht“

Mijana zuckte unbeholfen mit den Schultern „Davon weiß ich nichts, sie hat sich uns als Nalea vorgestellt.“ „Ein kläglicher Täuschungsversuch“ meinte Vilerion… "Sie besitzt elfisches Blut...unfassbar, dass sie jahrelang unseren heiligen Tempel durch ihre Anwesenheit beschmutzt hat und es niemandem aufgefallen ist... und dann war da noch ein Mann, groß, blond, lange Haare, wild... in Kettenhemd und schwer bewaffnet, laut meinen Aufzeichnungen… der Unsägliche, der Rogar umgebracht hat….Rogar gehörte dem Hochadel an... eine schändliche Tat… der König hat um Aufklärung befohlen. Was genau ist an jenem Abend passiert?“ Mijana versuchte, den Abend zu rekonstruieren… „Also, ich war nicht den ganzen Abend dabei, denn ich hatte ja auch im Wirtschaftsgebäude zu tun… aber Nalea saß bei jenen Herren und trank mit Ihnen. Irgendwann gab es plötzlich eine Auseinandersetzung zwischen diesen Herren und Nalea, ich weiß es nicht genau, aber Caldar, mein Mann", bei diesen Worten verlor sich ihre Stimme in einem weinerlichen Schluchzen. Der Wahrheitsbringer starrte sie indes nur wartend an und zeigte keinerlei Regung. Sei es Mitgefühl oder Ärger. "...mein Mann versuchte, diese Zwistigkeiten zu schlichten… dann zückte dieser Rogar plötzlich ein Messer. Danach bin ich in Ohnmacht gefallen, ich weiß beim besten Willen nicht mehr, was danach passiert ist…“ Vilerion blätterte in seinen Aufzeichnungen… „Danach kam dieser Wilde, von dem niemand einen Namen oder dergleichen weiß, und hat ihm ohne jegliche Vorwarnung den Schädel mit einer Axt gespalten… Noch kann er sich verstecken… aber zumindest wissen wir, dass sie das südliche Stadttor passiert haben. Es ist nur eine Frage der Zeit bis wir sie finden…“

Aenaeris kaute angewidert an dem Trockenfleisch. Es war hart und sehnig, und weitaus schlimmer als das Essen in der Eisenfaust, und das hatte sie schon für ungenießbar gehalten. Sie hörte sich seine Erzählung an. Ungläubig lauschte sie, als er ihr erzählte, dass er ein Wolf sei. Aber warum auch nicht? Auf Alvarania wandelten weitaus schlimmere Gestalten, als ein Werwolf. Außerdem hatte er ihr versichert, es gut unter Kontrolle zu haben. Aenaeris hatte das Gefühl, dass sie ihm glaube, ja ihm vertrauen konnte, darüber hinaus hatte sie sowieso keine andere Wahl. Wenn er grundsätzlich unberechenbar wäre, hätte er wohl längst die Gelegenheit gehabt, als sie allein in der Schenke waren und Aenaeris mehr als reichlich getrunken hatte. Also würde er jetzt wohl weder über sie herfallen, noch sie zerfleischen. Aenaeris gab sich einen Ruck, um ihre Bedenken zu zerstreuen.

Théro sagte: "Tut mir Leid wegen... Naja du weißt schon... Aber anders wären mehr Leute gestorben. Oder du hättest deine Erfahrung auf die harte Tour gesammelt, Aenaeris Ardere. Wir haben nicht mehr so viel Zeit, bald reiten wir weiter. Wenn du also noch etwas fragen... oder tun willst, solltest du es jetzt machen."Aenaeris sah ihm in die Augen. „Ich wollte sagen…Danke… es hat noch nie jemand für mich einen umgebracht… nicht dass es bislang nötig gewesen wäre… aber dennoch…danke... und es gibt nichts wofür Du Dich entschuldigen müsstest…ich hätte genauso gehandelt…“ Sie lächelte, und schob ihm das Stück Trockenfleisch zu. „Hier, nimm, ich kann das nicht essen, es verursacht mir Brechreiz…“ grinste sie, dann wechselte sie das Thema. „“Wohin werden wir reiten?“ Théro zuckte mit den Schultern. „Ich wüsste wohin ich gehen würde…“ meinte Aenaeris nachdenklich. Théro wirkte neugierig. „Ich würde nach Wynricea reiten“ meinte sie… „ich würde meine Eltern besuchen… allerdings wäre es nicht der Wiedersehensbesuch, den Eltern sich erträumen… eher die Art von Besuch, die meiner Meinung nach angebracht wäre…“ Théro hob eine Augenbraue, er schien nicht ganz zu verstehen… Aenaeris stocherte mit einem trockenen Ast in der Glut des Feuers. Leider gab es keine Beute, die darüber briet, auch wenn das gerade Aenaeris sehnlichster Wunsch gewesen wäre. „Du kannst es nicht verstehen, Du hast vermutlich nicht erlebt, was ich erlebt habe. Erst jetzt lüftet es sich wie ein Schleier vor meinen Augen, das alles damit zu tun gehabt haben muss, dass ich Elfenblut in mir trage. Ich wurde oft von meinen Eltern wie eine Aussätzige behandelt… ich kann mich nicht erinnern, jemals mit anderen Leuten zu tun gehabt zu haben… ich war immer am beten…knien und wieder beten… wenn ich nicht durchgehalten habe, wurde ich gezüchtigt… mit der Rute, mit der Peitsche, mit der Hand, mit einem Stock, was gerade verfügbar war… ich habe das Gefühl, meine Eltern haben mich nicht wirklich geliebt, sonst hätte sie mir so etwas nie angetan… mein Bruder Pereon durfte den lieben langen Tag machen, was er wollte… er war immer der Stolz der Familie… und ich wurde immer zurückhalten… warum, frage ich mich… ihn ihm fließt dasselbe Blut wie meines… er muss auch Elfenblut besitzen….“ Sie schüttelte den Kopf… „Meine Eltern haben mir nie etwas bedeutet… sie haben mich mit vierzehn in den Tempel geschickt… seit über fünf Jahren habe ich keinen Kontakt mehr zu Ihnen oder meinem Bruder gehabt… ich war eigentlich immer allein… sie versprachen mir, mich zu besuchen, aber sie sind nie gekommen. Ich glaube, sie konnten es einfach nur nicht erwarten, mich loszuwerden.“ Sie erhob sich aus der Hocke und lief wütend auf und ab… „Seit ich den Tempel angezündet habe, kann ich nur mehr an Rache denken… ich wünschte, sie würden so leiden, wie ich es musste…“ grollte sie.

Nach kurzer Zeit löschten sie das Feuer und packten ihre wenigen Habseligkeiten zusammen. Aenaeris hatte nur ihren Geldbeutel bei sich, der immer noch tief in ihrem Ausschnitt steckte, sowie ihre Zunderbüchse. Sie war heilfroh, dass sie diese bei sich getragen hatte, als Théro sie übereilt zur Flucht getrieben hatte. Alles andere, der Dolch, das Wolltuch, der Ölschlauch, der Wasserschlauch waren in der Schenke geblieben... doch war es nichts, was nicht ersetzbar wäre…Théro schwang sich auf sein Pferd und half Aenaeris, aufzusteigen. Sie schlang ihre Arme um Théros Oberkörper um sich fest zu halten und als er seinem Pferd die Flanke gab, preschte es los. Wohin sie sie ritten, war einerlei, nur eines war bedeutend: sie mussten Arcanis verlassen…

Sie ritten den ganzen Tag, machten dazwischen nur unbedeutende Pausen, gerade lange genug, um das Pferd zu tränken und grasen zu lassen, und um ihm die nötige Ruhe zu geben, wieder für Stunden reiten zu können. Aenaeris hatte noch nie auf einem Pferd gesessen. Sie fand es wunderbar zu reiten, besonders, weil es ihr den schwierigen Fussmarsch ersparte, allerdings waren ihre Innenseiten der Oberschenkel bald wundgescheuert, und nach einem halben Tagesritt konnte sie kaum sitzen, so sehr schmerzte sie ihr Gesäß, so dass sie reiten bald nicht mehr als ein unvermeidliches Übel empfand. Am Abend hielten sie an und schlugen ihr Lager an einem Bach auf. Das Pferd konnte sich am nahegelegenen Bach versorgen, aber der Vorrat an Trockenfleisch war aufgebraucht und das Lagerfeuer knisterte vor sich hin, ohne etwas zu rösten. Aenaeris lag mit hinter dem Kopf verschränkten Armen neben Théro, der eher nutzlos mit seinem Schnitzmesser einen Holzstock anspitzte und betrachtete ihn von der Seite. Es war Vollmond und er wirkte ein wenig unruhig, sie sagte aber nichts, sondern hing ihren Gedanken nach. Dann begann sie: „Ich habe nachgedacht… wir wissen doch beide nicht, wohin wir gehen sollen, nicht wahr…? So lass uns nach Wynricea reiten. Da wurde ich geboren und dort leben meine Eltern. Ich würde zu gerne ihre dummen Gesichter sehen, wenn ihre Tochter zurückkehrt.“ Sie war plötzlich Feuer und Flamme von ihrer Idee und ihre Augen blitzten im Feuerschein auf. Sie setzte sich auf, so dass sie geradewegs vor ihm kniete und ergriff seine Hände. „Du sagtest doch, Du bist ein Wolf…eine Bestie… ein Söldner… hilf mir bei meiner Rache, und stille Deinen Durst nach Blut, und Deinen Hunger auf Fleisch… und meinen Durst nach Rache…ich kann Dich nicht mit Gold bezahlen, wie es sich für einen Söldner geziemt, doch ich werde Dir dafür geben, von dem ich denke, dass es Dir danach verlangt… Théro war sichtlich irritiert… „Und was wäre das?“ Sie beugte sich zu ihm und blickte ihm scheu, aber bestimmt in die Augen. [18]Dann legte sie seine Hände um ihre Taille und flüsterte sie ihm zu, so, als ob es sonst niemand hören durfte:„…meinen Körper, meine Jungfräulichkeit…“[/18]
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Re: Lanyamere - Neue Wege

Beitrag von Thėro Schattenmal » Mo, 30. Jul 2012 15:20

Es war interessant für ihn die Geschichte der jungen Frau zu hören die er mehr oder weniger gerettet hatte und die ja nun seine Begleiterin war. Abgesehen von seiner natürlichen Neugier, war ihre Vergangenheit auch nicht gerade langweilig. Der nächste Tag verging schnell, wie oft wenn man es eilig hatte und nur die Flucht im Kopf hatte. Er genoss es auf irgendeine Weise sie die ganze Zeit so nah an sich zu haben und als er einmal kurz zurücksah wusste er genau was die junge Frau in dem Moment bedrückte. Allerdings verkniff er es sich gewissenhaft nach ihren Oberschenkeln zu fragen, sie würde schon sagen wenn sie nicht mehr konnte.

Der Abend dagegen war unangenehmer. Die Dämmerung hielt zwar erst kurz an, aber bereits jetzt spürte er die Anziehungskraft des Vollmondes und wie die Bestie in ihm erwachte. Wie so oft lenkte er die Gedanken ab, indem er sich aufs schnitzen konzentrierte, auch wenn er das ganz ohne ziel tat und einfach nur irgendetwas schnitzte. Sein Magen knurrte, schon zum hundertsten mal heute, er hatte den ganzen Tag nichts gegessen, sowie die letzte Nacht. Der Hunger machte ihn schwach und die Bestie somit stärker was ihm immer mehr zur last viel. Sein Blick fiel auf den aufgeschürften Knöchel, der bereits heilte und von Schorf bedeckt war. Er heilte zwar immer noch wesentlich schneller als bei jedem Menschen, aber dennoch langsamer als er es gewohnt war. Er gähnte matt vor sich hin, heute würde er jagen gehen. Sie brauchten essen und er musste sich verwandeln, unbedingt. Er sah auf und zu Aenaeris hin. Warum eigentlich nicht? Sie wollte Rache, er konnte das durchaus verstehen... Aber warum sollte er sich da einmischen, es ging ihn nichts an und so sehr lag es ihm am töten nun auch wieder nicht. Er legte den Stock weg und schob das Messer wieder in den Stiefel, während er ihr beim aufstehen zusah. Etwas überrascht war er als sie sich direkt vor ihn kniete und seine Hände nahm. Er erwiderte ihren Blick und genoss die plötzliche Nähe durchaus, "Deine Jungfräulichkeit... Die Rache scheint dir einiges Wert zu sein, hm?" Etwas gedankenverloren ließ er seine Hände von ihrer Taille höher wandern, über ihren Rücken und beugte sich ebenfalls vor um seine Lippen auf ihre zu legen. Es war nur ein kurzer Kuss und das Tier in ihm rebellierte, jaulte und knurrte und wollte sie am liebsten jetzt und mit Haut und Haaren haben, aber er beherrschte sich... noch, "Ich nehme das Angebot an..." Er löste sich von ihr, stand auf und ging ein paar Schritte, "Ich glaube in der Satteltasche ist noch eine Karte, du kannst schonmal den Weg bestimmen." Er ging noch einen Schritt bis er vor dem Pferd stand, löste seine Waffengurte und hängte die Armbrust, sowie die Axt über den Sattel. Dann löste er den Sattel selbst und nahm ihm dem schnaubenden Pferd ab. Schließlich öffnete er den etwas größeren Sack, zog sein Kettenhemd und den Gürtel aus und legte beides hinein, ehe er ihn wieder verschnürte. Dann zog er wieder den Dolch aus dem Stiefel, zog seine Stiefel aus und legte beides neben den Sattel. Er warf einen Blick über die Schulter zu der Priesterin und spitzte belustigt die Lippen als er ihren Blick sah, wahrscheinlich dachte sie er würde seine Belohnung sofort einfordern. Unbeirrt zog er sich das etwas dickere Wams aus und legte es auf die Stiefel ehe er sich zu ihr umdrehte. Die Narben funkelten im Feuerschein, alte und nur wenige Narben, aber am auffälligsten war wohl die große Bisswunde auf seiner linken Schulter, die wulstig vernarbt und sonderbar aussah.
Dann nahm er einen der Bolzen aus dem Waffengurt und legte ihn auf die gespannte Armbrust, "Einfach nur zielen, abdrücken und gut festhalten... Wenn etwas passiert. Ich werde jetzt... jagen gehen..." Die Erklärung war wohl mehr oder weniger dürftig, insbesondere da sie wahrscheinlich nicht viel über seine Art wusste. Und wer ging schon nur in einer Leinenhose auf die Jagd? Er zwinkerte ihr noch einmal zu, legte die Armbrust zurück und spannte die Muskeln an, ehe er in der dunklen Nacht verschwand.

Er lief nicht allzu weit, aber weit genug hoffte er. Nachdem er sich noch seiner Hose entledigt und sie unter etwas Laub versteckt hatte, lies er die Bestie frei, sprengte die Ketten. Bald darauf war der stille Wald von Schmerzenschreien und anschließendem Jaulen durchzogen, während er die Verwandlung vollzog und die Knochen sich verformten brachen und dehnten, bis sie eine neue Gestalt annahmen. Der Werwolf hob schnuppernd den Kopf und seine Gedanken drehten sich nur um Beute, einfache und schnelle Beute und schon bald hatte er die erste Fährte gefunden. Er war der perfekte Jäger, geschaffen wahrscheinlich durch einen verrückten Magier, gestärkt durch sein Blut und seine Instinkte. Es dauerte nicht lange bis er einen prächtigen Hirsch verfolgte und ihn zum Spaß etwas hin und her hetzte, ehe er ihn erwischte und mit einem kräftigen Biss das Genick brach. Er schüttelte ihn noch etwas, ehe er sich daran machte das Tier komplett zu zerreissen. Er hatte großen Hunger und nagte ihn fast bis auf die Knochen ab, sodass kein Fleisch mehr übrig blieb. Dann kam ihm Aenaeris wieder in den Sinn und er suchte nach einer weiteren Fährte, einem kleineren Rehkitz das zuvor bei dem Hirsch gewesen war. Es dauerte ein wenig länger und er schnupperte und witterte öfter falsch da die Spur schon etwas erkaltet war, aber im Endeffekt bekam er ihn doch noch zu fassen. Mit einem Sprung und einem kräftigen Biss erlegte er auch dieses Wildtier und packte es sich dann auf die Schulter. Es sah bestimmt interessant aus, wie ein riesiger Wolfsmensch ein kleines Reh auf den Schultern trug, wie ein Jäger. Aber die Gedanken kamen ihm nicht, denn die Nacht neigte sich dem Ende zu und er wollte es bis zurück schaffen. Zumindestens fast klappte das sogar. In der Morgendämmerung und irgendwo in dem Wald verwandelte er sich schmerzvoll wieder zurück und blieb einen Moment keuchend auf dem Boden liegen.

Fast wäre er eingeschlafen, aber die Sonnenstrahlen weckten ihn wieder. So machte er sich auf, zurück zu seiner Hose und zog das Rehkitz hinter sich her. Nachdem er wieder halbwegs angezogen war, schleifte er es zurück in das Lager und an das heruntergebrannte Feuer. Er ruhte sich noch ein wenig aus und betrachtete die noch schlafende Frau, ehe er sich schließlich aufraffte und wieder komplett anzog. Dann nahm er sein Messer zur Hand und begann damit dem Reh das Fell abzuziehen, die Innereien herauszunehmen und das Fleisch zu filettieren. Er gab sich Mühe und versank bald in seine Arbeit, sodass noch einige der Morgenstunden ins Land gingen bis er fertig war. Die Innereien legte er neben den Bach und wusch sich darin die Hände und das Messer. So würde sie früher oder später ein Wolf finden und sich darüber freuen... Als er wieder zurückkam, war Aenaeris gerade aufgewacht und Théro schmunzelte sie kurz an, "Hunger? Es ist ganz frisch..." Er lies genug Fleisch für sie neben dem Feuer liegen und verpackte die restlichen rohen Stücke in Teile die er aus dem Fell geschnitten hatte. Dann verstaute er alles in den Satteltaschen und strich seinem Pferd über die Flanke, "Guter Kerl..." Das Pferd sah ihn mit einem Auge an, schnaubte leise und graste dann seelenruhig weiter. Théro grinste, langsam liefen die Dinge doch wieder besser, und drehte sich zu der Priesterin um. "Mit leerem Magen flieht sich schlecht... Hast du dir das Ganze genau überlegt?" Schließlich setzte er sich doch wieder vor das Feuer, legte etwas nach und heizte es wieder an. Das Fleisch würde sie wohl selber braten können, "Ich weiß nicht ob dir gefällt was ich wirklich bin..."
"Ich mache nichts lieber als das,
ich meine Gefühle abschaff.
Unterdrück am Tag noch den Hass,
bis ich ihn am Morgen rauslass."
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