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Die Feuerpriesterin und der Wolf

Das nördliche Nachbarland Mérindars, schon seit Jahrhunderten in Feindschaft mit jenem Reich. » Ortsbeschreibung
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Aenaeris
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » Fr, 14. Sep 2012 1:39

Aenaeris war für einen Moment wie benommen. Théro hatte ihr in seiner unbändigen Wut die Kehle zugedrückt und sie musste einen Augenblick nach Luft ringen, als sie auf dem Bett lag. Das Bett, in dem sie vor kurzem noch vertraut und einander in Liebe zugeneigt lagen… Sie sprang auf weil sie es nicht ertrug und versuchte tief ein und auszuatmen, doch alles in ihr drohte zu zerbrechen und panisch schnappte sie nach Luft. Sie konnte nicht mehr ruhig atmen, und sie stieß heiser die Luft aus. Sie ging zum Fenster und riss es auf und ließ die kalte Luft in ihr Gesicht wehen. Sie fasste sich an die Wange und spürte heiß und kribbelnd immer noch wo er sie geschlagen hatte. Es machte ihr nicht aus, sie hatte es verdient, und noch mehr, und sie wünschte, er hätte sie weiterhin geschlagen, wenn er nur bei ihr geblieben wäre anstatt hinaus zu stürzen. Sie verzweifelte, als ihr gewahr wurde, dass sie ihn verloren hatte und sie ging aus dem Zimmer. Ihr Blick fiel auf den Kamin, in dem ein Feuer brannte und die Flammen loderten bedrohlich. Sie prallte zurück, als sie Tyn auf einem der Krankenbetten ausgestreckt sah. Das Bett am Kopfteil von Tyn war vollgesogen mit hellrotem Blut und es sickerte nur noch langsam und leise aus einer Stichverletzung in ihrem Hals. Aenaeris stürzte zu Tyn und presste geistesgegenwärtig einen Deckenzipfel gegen die Wunde, auch wenn sie wusste, dass es schmerzhaft und sinnlos war, dafür war der Blutverlust schon viel zu hoch. „Tyn…Tyn…!“ hauchte sie und ihr liefen heiße Tränen über die Wangen und sie ergriff die Hand der alten Frau… „Was hat er Dir nur angetan?“ flüsterte sie. Die Hexe röchelte, konnte nicht mehr sprechen. Mit letzter Kraft versuchte diese, sich ihren Weg in den Kopf der jungen Frau zu bahnen. Aenaeris ließ den blutgetränkten Deckenzipfel los, verzerrte schmerzhaft das Gesicht und presste sich beide Hände gegen den Kopf, hielt ihn umfasst, um die Schmerzen zu lindern, während ihr eine schauderhafte Kälte den Nacken hochkroch. „Was…was…passiert mit mir?“ keuchte sie atemlos. Dann hörte sie die Stimme der alten Frau in ihrem Kopf. „..Aenaeris…keine Zeit... finde ihn... bring ihn zur Vernunft… andernfalls töte ihn, und räche mich… zu diesem Zweck…lass mich… Dir ein….letztes Geschenk machen….“ Sie streckte zitternd ihre blutverschmierte Hand aus, als würde sie ihre letzten Kräfte sammeln. „…Komm näher…“ und als Aenaeris ihr nahe genug war, drückte sie ihr die Hand auf die Schläfe und sogleich durchfuhr sie ein stechender, klingender Schmerz. Keuchend warf sich Aenaeris zurück. „Was hast du mit mir gemacht?“ rief sie schmerzerfüllt und griff sich an die Schläfe. Die Alte gluckste röchelnd und lächelte. „Es wird…Dir… nicht helfen… ihn zu finden…oder zu töten… aber es könnte Dir helfen… ihn dir vom… Leib zu halten… wenn es soweit ist… wirst Du wissen was zu tun ist…“ Mit diesen letzten Worten starb sie und starrte sie aus leblosen Augen an.

Aenaeris zitterte. Sie stand auf, ballte die Fäuste und schrie all ihre Trauer, Wut und Verzweiflung raus. Ihre Welt war im Begriff zu zerbrechen, und es gab nichts mehr, was sie noch hatte. Sie schrie und weinte hysterisch und verzweifelt und die Flammen schossen plötzlich aus dem Kamin und loderten und leckten in den Raum. Sie wich einen Schritt zurück, doch sie hatte es nicht mehr unter Kontrolle, das Feuer hatte durch ihre Emotionen ein Eigenleben entwickelt. Die Flammen erfassten eines der Betten und fraßen sich ihren Weg durch das grobe Leintuch bis hin zu der Matratze aus Stroh, welche hell aufloderte. Bald brannten die Vorhänge an dem Fenster, und die kalte Luft die durch das immer noch offen stehende Fenster nach innen strömte, versorgte das Feuer und fachte es an und es fraß sich seinen Weg zu dem Bett auf dem die verstorbene Kräuterhexe lag. Geistesgegenwärtig schnappte sich Aenaeris ihren Wollmantel, er über einer Stuhllehne lag und stob aus dem Raum. Als sie die Tür öffnete und der Wind durch das offene Fenster und die Türe zog, entfachte es das Feuer umso heftiger und es loderte und leckte bereits aus dem Fenster. Sie flog beinahe über die Treppe und ihr erster Gedanke war Abari. Sie lief zu den Stallungen, sattelte und zäumte den Hengst mit zitternden Händen und führte ihn aus dem Stall. Das Adrenalin, das durch ihren Körper pumpte, hatte jeglichen Rausch vertrieben. Sie konnte nur an eines denken, sie musste Skarvo finden… sie hoffte und betete, dass er noch am Leben war, er war der einzige der ihr nun helfen konnte und nützlich war.

Sie preschte zum Hauptplatz vor und ließ das Pferd tänzeln, um sich rundherum umzuschauen. Sie stieß ein Gebet zu den Göttern als sie ihn tatsächlich unter den schwer bewaffneten Männern die mit Fackeln herumstanden, entdeckte. Sie galoppierte zu Skarvo. Sie rief ihm vom Pferd zu „Skarvo! Bitte steig auf!“ Er blickte sie verwundert an, doch den Göttern war‘s gedankt, dass er ihre Bitte einfach ausführte, anstatt Fragen zu stellen. Aenaeris lenkte das Pferd durch das geöffnete Tor zwischen den Holzpalisaden und galoppierte davon. Während Abari dahinpreschte, wandte sie den Kopf zu ihm und rief „Skarvo… du musst mir helfen… Du bist der einzige, der das jetzt noch kann… Du bist Doch auch ein Werwolf, nicht wahr? Du musst Théro für mich finden…“ Der alte Mann war ziemlich verdutzt. „Was, um alles in der Welt ist eigentlich passiert???“ „Ich kann es Dir jetzt nicht erklären, Skarvo…. Es tut mir leid… doch ich werde Dir alles erzählen…“

Als sie glaubte, in sicherer Entfernung zu stehen, hielt sie den Hengst kurz an. „Vielleicht solltest Du Abari führen… wenn du die Witterung erst einmal aufgenommen hast.“ meinte sie. Skarvo nickte und sah sie fragend an. Sie senkte den Kopf denn sie schämte sich so sehr. „Ich habe eine riesige Dummheit gemacht, Skarvo…“ sie sprach nicht weiter, sondern fing bitterlich zu weinen an. „Was hast Du getan?“ fragte er verständnislos. „Ich, ich war so betrunken… und Caldric war da… und dann haben wir... oh, bei den Göttern, wie konnte es nur so weit kommen? Was ist nur in mich gefahren?“ „Was habt ihr...?“ fragte er, doch als er ihr in die Augen sah, verstand er und pfiff leise aus. „Scheiße… deswegen ist er also so unkontrolliert ausgerastet…“ „Es ist alles meine Schuld, Skarvo… er hat Tyn getötet… Tyn… die alte Frau, was kann sie ihm schon getan haben?“ „Er hat noch mehr getötet. Insgesamt sechs Soldaten… unter Ihnen auch Caldric…“ erzählte er ihr. Aenaeris schloss die Augen für einen Moment. Es war alles ihre Schuld. Sie konnte auf ihrem Leichenberg sieben weitere Menschenleben verbuchen, die durch ihr zutun sterben mussten. „Skarvo, bitte, Du musst mir helfen, ihn zu finden… mehr verlange ich nicht von Dir… wenn wir ihn gefunden haben, dann meinetwegen nimm Abari und reite zurück zum Clan…oder reite nachhause, oder wohin auch immer Du willst… aber ich flehe Dich an, bring mich in seine Nähe!“ Er nickte. „Ob das eine gute Idee ist? Bist Du sicher, dass er Dich verschonen wird?“ Aenaeris zuckte die Schultern. Sie stiegen auf den Hengst, Skarvo voran und hinter ihm Aenaeris die sich an ihm festhielt. „Wenn er mich hätte töten wollen, hätte er es schon getan…“ knüpfte Aenaeris an das Gespräch von vorhin an, als sie dahinritten. „Ich habe ihn verloren, durch meine eigene Dummheit… ohne ihn bin ich nichts… doch ich muss ihn um Verzeihung bitten, und hoffen, dass er mir eines Tages vergibt…“ Skarvo ritt langsam aber dafür bedächtig und witterte, bis er eine Spur gefunden zu haben schien. Sie ritten die Spur eine Zeitlang entlang, bis Skarvo das Pferd schließlich anhielt.

„Hier kommen wir nicht mehr weiter mit dem Pferd. Aber er dürfte nicht allzu weit weg sein, vielleicht hat er uns auch schon gewittert…. Möglich, dass sie ihm auf den Fersen sind, es wäre also nicht gut, wenn wir den Hengst hier anbinden und zu Fuß weiterlaufen…Was willst Du nun tun?“ „Reite zurück Skarvo…reite zurück zum Clan und lass Dir irgendetwas einfallen…“ „Doch sie haben uns zusammen wegreiten sehen…“ „Dann sag ihnen, dass ich tot bin, sag ihnen, was Du weißt, warum er aus ausgerastet ist… und sag ihnen, dass er mich ebenso umgebracht hat….“ Sie nahm ihren Dolch, schnitt sich vom Unterkleid einen großen Fetzen raus. Dann zog sie den Dolch mit festem Druck und einer ruckartigen Bewegung durch ihre rechte Handfläche, bis das Blut herausströmte. Sie tränkte den Fetzen mit dem Blut und gab ihn Skarvo. „Vielleicht genügt ihnen das als Beweis…“ „Bist Du sicher, dass Du das durchziehen willst?“ fragte er sie. Sie lächelte ihn traurig an. „Mein Leben ist verwirkt… Kehre ich zum Clan zurück, hängen sie mich auf oder führen mich aufs Schafott, wenn Théro sich von mir abwendet, werde ich in der Wildnis sterben, oder Théro selbst wird mein Leben auslöschen… ohne Théro hätten mich die Arcanier schon vor einem Jahr gefunden und verbrannt… es war also nur geschenkte Zeit… „Und doch war es die schönste Zeit in meinem Leben…“ dachte sie traurig. „Leb wohl, Skarvo… man begegnet sich immer zweimal im Leben… vielleicht begegnen wir uns noch ein drittes Mal… schau eines Tages im Kastell vorbei, wegen Théro…“ Sie umarmte ihn und verabschiedete sich noch von Abari. Diesen letzten Freund zu verlieren, schmerzte sie tief. Doch es war nicht halb so schmerzhaft wie das Gefühl, Théro verloren zu haben. Sie wandte sich um, und lief ziellos in die Wildnis.
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Thėro Schattenmal » Fr, 14. Sep 2012 9:56

Das Fell des Werwolfs war voll von eingetrocknetem Blut. Ebenso hingen die kleinen Schneeflocken darin und färbten es in einer Mischung aus dunklem Rot und reinem weiß. Tief in seinem Inneren tobte noch immer ein Sturm, aber er wusste das er sich nun beeilen musste. Die Nacht würde nicht ewig anhalten und auch der wunderbare Körper der ihm von den Göttern geschenkt wurde, würde mit dem Anbruch des Tages wieder verschwinden. Seine Schulter schmerzte noch immer und aus den zwei langen, dünnen Schnitten troff das Blut in den Schnee. Die Kälte hatte aber auch etwas Gutes, denn als er an dem felsigen Untergrund endlich angekommen war, hatten die Wunden aufgehört zu bluten. Théro richtete sich gänzlich auf und trat aus dem Wald hinaus. Er sah die hohe Bergkette an, wusste nicht einmal genau wo er nun war und knurrte unwillig. Wahrscheinlich war er schon längst im Orkgebiet, aber das war ihm egal. Er würde diese Grünhäute zerfetzen und ihre Herzen fressen, würde ihre Kraft in sich aufnehmen und noch stärker werden. Der schmale Pfad war gut erkennbar, denn er hob sich an der Bergkette sichtbar ab. Aber er war schmal, man konnte ihn guten Gewissens als Grat bezeichnen. Théro setzte seine Füße darauf und die krallenbewehrten Pfoten klackten bei jedem Schritt. Er zog sich quer hinauf, bis zum oberen Ende der Berge und auch dahinter wieder herunter. Aber das war nicht sein Ziel. Die natürliche Intuitivität des Wolfs half ihm den Pfad entlangzubalancieren und er überwand ihn so schnell wie noch nie. Dann war er an dem kleinen Plateau angekommen. Von unten war es sichtbar, aber die dunkle Schwärze die sich dahinter erhob nicht. Es war eine große Höhle, ohne Tunnel oder sonstigem, einfach eben eine einzige Höhle. Théro ließ sich auf alle Viere nieder und wimmerte leise, wegen der Schulter. Dann humpelte er zu dem Vorsprung, um zu sehen ob ihm jemand gefolgt war oder die Soldaten in seine Richtung liefen.

Er sah über den Horizont und am Rande der Bergkette, hinter den finsteren Wäldern, leuchtete hellorang ein kleiner Punkt. Es war das brennende Lazarett, dessen Feuer langsam auf andere Häuser übergriff. Aber davon wusste Théro ja nichts. Der Wolf hielt die Nase in die Luft und schnupperte, witterte darin als ihm ein Geruch in die Nase stieg. Er wollte weitertöten, wollte weiterfressen. Dann schlug er die Krallen in den Steinernen Vorsprung und beugte den Kopf hinüber um nach unten zu sehen. So verharrte er einen Moment, bis er die Gestalt aus dem Wald kommen sah. Er traute weder seinen Augen, noch seinen restlichen Sinne und un bändige Wut stieg wieder in ihm auf. Wie konnte sie es wagen ihm nachzulaufen, ihm zu folgen, nach dem was sie getan hatte? Wie konnte sie ohne Proviant und Pferd versuchen ihm zu folgen, alleine in dem Wald herumirren? Es war ihr Todesurteil, das wusste er tief im Hinterkopf. Schlimmer war allerdings, das es ihm gleichgültig war. Dennoch war diese Begegnung wohl Schicksal, er hätte sie direkt töten sollen, dann hätte es vielleicht nicht so ein Chaos gegeben. Er rutschte etwas vor und landete auf einem kleineren Steinbrocken unter ihm. So ging es weiter, bis er schließlich mit einem lauten Knall auf dem Waldboden aufkam. Er hatte vergessen daran zu denken das seine Schulter noch immer schmerzhaft verletzt war und knickte zur Seite weg. Laut aufjaulend fiel er zur Seite und fletschte die Zähne. Er sah Aenaeris überraschten Gesichtsausdruck, als die Bestie so plötzlich vor ihm landete und richtete sich wimmernd wieder auf. Nach menschlicher Gewohnheit, legte er eine Pranke auf die schmerzende Schulter und funkelte sie aus mordlüsternden Augen an. Als er erneut leise wimmert, versuchte sie einen Schritt nach vorne zu machen um ihm zu helfen, oder ihn zu berühren. Er schnappte nach ihrer Hand und nur weil sie sie geistesgegenwärtig schnell zurückzog, blieben ihr wohl alle Finger erhalten. Dann fauchte und knurrte er sie an und blutiger Geifer troff wieder aus seinem Maul. Bedrohlich machte er einen Schritt weiter auf sie zu, dann noch einen und die blutige Wolfsschnauze kam bedrohlich und mit gefletschten Zähnen näher an sie heran.

Dann urplötzlich hob er witternd den Kopf und sah den Berg hinauf. Er drehte sich herum, hetzte auf die eisigen Felswände vor ihm zu und ließ Aenaeris einfach so dort stehen. Wahrscheinlich war es gut so, ansonsten hätte er sie wohl getötet und gefressen. Die Klauen schlugen sich in den Schnee, als er wieder den Berg hinaufkletterte und dabei den ziehenden Schmerz in seiner Schulter ignorierte. Dann rutschte er ab, fiel ein Stück hinunter und schaffte es gerade noch so wieder Halt zu finden. Er jaulte erneut auf, kletterte aber zielstrebig und wütend weiter und blutiger Schaum flog von seinem Maul nach unten. Dann schaffte er es schließlich und die Klauen klackten auf dem Plateau, als er sich hinaufzog und aus Aenaeris Sichtfeld verschwand. Er schnupperte in die Richtung der Höhle und fletschte laut knurrend die Zähne. Dann ließ er sich auf alle Viere nieder und trottete humpeln und langsam auf das schwarze Loch im Fels zu. Er hatte sich nicht getäuscht, er hatte braunes Fell gesehen und sein Instinkt hatte angeschlagen. Das hier war sein Zuhause, sein Versteck und sein Revier und das würde er nun verteidigen. Kurz bevor er die Höhle erreichte, erschien dort ein großer Schemen, der sich aufrichtete und laut anfing zu brüllen. Der Bär hob die mächtgen Pranken und Théro richtete sich ebenfalls wieder zu voller Größe auf und knurrte zurück. Das Ungetüm ließ sich wieder auf alle Viere nieder und schnappte brüllend nach ihm. Théro sprang zur Seite, landete auf allen vieren und machte einen Satz auf den Bären zu. Er fing sich einen kräftigen Schlag mit dessen Pranke und fiel im Sprung zu Boden. Jaulend und wimmernd schlitterte er über den eisigen Stein und über das Plateau hinaus. Gerade noch so schaffte er es sich festzuhalten und wieder hinaufzuziehen. Dann wurde er wütender und sprang wieder auf den Bären zu. Er duckte sich unter dem nächsten Schlag weg und ließ seine Zähne zuschnappen. Heißes Blut floss ihm wieder in den Mund, als er die Bärenpranke durchbohrte und mit den Klauen nach vorne Sprang. Er ließ die Bärenhaut wieder los, rammte seine Klauen in den Rücken des Ungetüms und sprang über ihn. Dann klammerte er sich an seinem Rücken fest, als der Bär sich aufrichtete und wieder anfing zu brüllen. Immer wieder ließ er sein Maul vorschnappen, zerris Fell, Sehnen, Muskeln und Haut unter seinen kräftigen Kiefer und schließlich auch die Halsschlagader.

In Form von Dampfwolken keuchte der Wolf seinen Atem hinaus in die Nacht und zog den Bären dann mit sich in die Höhle hinein. seine Klauen zerrissen ihn vom Hals bis zu den Beinen und Blut floss aus dem massigen Körper. Dann war es soweit und als die Sonne hervor kam, setzte die Rückverwandlung ein. Er wehrte sich dagegen mit aller Kraft, versuchte es hinauszuzögern oder komplett zu überwinden... Letztendlich war die Sonne aber stärker und zwang ihn dazu in seine menschliche Gestalt zurückzukehren. Eine dünne Wunde führte über seine rechte Seite und traf sich am Rücken mit dem langen Schnitt, der sich quer über die gesamte Wirbelsäule zog. Von der Verwandlung wieder aufgerissen quol nun Blut aus den Wunden hervor und Théro blieb erschöpft einen Moment liegen. Er lag in dem Warmen Blut und den Organen des Bären und sie waren schön warm. Seine Finger umschlossen einen der hervorstehenden Rippenknochen und er brach ihn mit Gewalt knackend ab. Dann setzte er sich zitternd auf und griff nach einem Stein. Er schlug den Knochen in Messerform und schärfte ihn an dem Stein so gut er konnte. Dann begann er damit dem Bären das komplette Fell abzuziehen. So wie die Götter ihn geschaffen hatten, saß er nun Nackt und mit blutrot besudelter Haut und Haaren vor dem Bären und zog ihm sein Fell ab. Nichts anderes interessierte nun mehr, denn der Überlebenstrieb hatte eingesetzt und er wusste das er sich beeilen musste, wenn er leben wollte. Dann war es geschafft und er wickelte sich eng in das riesige braune Fell ein, zog sich bis ans Ende der großen Höhle zurück und starrte einen Moment auf den Ausgang und den damit verbundenen Lichtpunkt ihm gegenüber. Dann zog er sich das Bärenfell auch über den Kopf, drängte sich enger gegen die Kalte wand und seinen Körper so eng zusammen, wie es nur ging. Er war erschöpft von den Wunden, der plötzlichen Kälte und der ganzen Anstrengung und schlief schneller ein, als gedacht...
"Ich mache nichts lieber als das,
ich meine Gefühle abschaff.
Unterdrück am Tag noch den Hass,
bis ich ihn am Morgen rauslass."
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » Fr, 14. Sep 2012 12:23

Aenaeris starrte der Bestie ins Antlitz und ihr Herz hämmerte, als sie gerade noch im letzten Moment reflexartig die Hand weggezogen hatte, als der Wolf nach der selbigen geschnappt hatte. Er knurrte sie an und kam immer näher, bis er bedrohlich nahe an ihrem Gesicht war. Sein Atem stob kleine Dampfwolken in die kalte Winterluft und aus seinem Maul troff blutiger Geifer. Aenaeris fragte sich für einen kurzen Moment wessen Blut es war. Vermutlich war es ein blutiges Gemisch von allen die ihm zum Opfer gefallen waren. Dann riss er den Kopf herum, witterte, stob davon und hetzte über einen schneebedeckten Felsabhang hinauf zu einem Bergplateau und dann war er aus ihrem Blickfeld verschwunden. Aenaeris versuchte ruhig zu atmen. Sie ärgerte sich über sich selbst… wie konnte sie auch so dumm sein, sich der Bestie gegenüber zu stellen. Hatte sie wirklich geglaubt, sie könnte etwas erreichen? Er war blind und rasend vor lauter Zorn auf sie, und völlig am durchdrehen, schon in menschlicher Gestalt hatte sie sich gefürchtet vor ihm, als sie seinem irren Blick standhalten musste, als er sie schüttelte und sie zwang ihm in die Augen zu sehen, und ihm nun als Bestie gegenüber zu stehen… sie hätte sich beinahe angepisst vor Angst… Sie zitterte. Ihr Atem stand in dicken Dampfwolken vor ihrem Gesicht und die Kälte biss sie förmlich in Ohren, Nase und Fingerspitzen. Die Kälte des Schnees in ihren Schuhen kroch ihren Körper hoch, nistete sich in ihren Gebeinen ein und sie zog sich enger ihren Wollmantel um den Leib. Ihre Lippen bebten und ihr ganzer Körper wurde aufgrund der Kälte durchgeschüttelt, und so sehr sie sich auch zusammenriss, sie konnte nichts dagegen tun… bestimmt hatte es Minusgrade und durch die sternenklare Nacht war es gleich noch kälter, als wenn der Himmel wolkenverhangen gewesen wäre. Dies hatte mit Astronomie zu tun, doch es war in keinster Weise ihr Fachgebiet, und im Grunde war es ihr scheißegal… wenn sie keinen Unterschlupf fand, würde sie erfrieren, ob mit oder ohne Wolken… Sie stapfte durch den Schnee und blickte sich suchend um. Sie wagte es in dieser Nacht nicht mehr, nach Théro zu suchen. Vermutlich war es sinnlos, er war fertig mit ihr… und sie bezweifelte stark, dass er ihr noch eine Chance gab. Sie fand schließlich einen großen Tannenbaum, dessen lange dichte schwere Äste bis an den Waldboden reichten. Sie bog die Äste auseinander und schlüpfte darunter. Immerhin lag hier kein Schnee. Sie lehnte sich an den dicken Stamm, kauerte sich zusammen, zog die Kapuze über den Kopf und zog sich den Wollmantel eng um den Leib. Was würde Théro tun? Bei Tagesanbruch würde er sich wieder in einen Menschen verwandeln, und er trug nichts bei sich… Es war ironisch. Würde Aenaeris hier ein wärmendes Feuer entfachen, das sie vor dem Erfrierungstod bewahren würde, würde man sie bald finden und aufgreifen. Dies war ebenso ihr sicherer Tod wie kein Feuer zu machen und in der Nacht erfrieren. Doch im Schlaf würde sie nichts davon bemerken, es war ein gnädigerer Tod, als erhängt zu werden oder den Kopf abgeschlagen zu bekommen…

Am nächsten Morgen erwachte Aenaeris, was sie doch ein wenig verwunderte. Ihr Körper war kalt und ein wenig versteift, die Finger leicht bläulich, ebenso wie ihre bläulichen Lippen, die aus dem bleichen Gesicht umso unheimlicher hervorstachen. Ihr erster Gedanke nach dem erwachen galt Théro, eigentlich so wie immer, seit sie ihn kannte, nur dieses Mal war es gänzlich anders. Verdammt, er war irgendwo hier draußen, und sie hatte jeden Nachteil auf ihrer Seite, sie konnte ihn nicht wittern, sie konnte nicht Spurenlesen, sie hatte kaum mehr Kraft, und verdammt noch eins, sie wollte ihm sagen, wie schwer sie diesen Fehler bereute… sie hoffte auf nichts mehr, doch sie wollte ihn zurück, sie wollte ihm sagen, wie sehr sie ihn liebte und brauchte, dass sie bereit war, ihm alles zu geben und zu tun was er nur wollte, wenn er nur bei ihr blieb und dass sie hier in der rauen Wildnis nicht sterben wollte, ohne ihn ein letztes Mal gesehen zu haben… Für den Anfang war es wohl das Beste, Bewegung zu machen, um ein wenig Wärme zu haben… sie steckte sich kleine Schneehäufchen in den Mund, die langsam in ihrem Mund zu Wasser schmolzen, welches sie runterschluckte. Es war sinnlos, hier herumzuirren, alles sah gleich alles, nur weiß, wohin sie auch blickte, und die einzigen Farbtupfer die es hier gab waren das graubraun vereinzelter Stämme, das dunkelgrün von Tannenzweigen die unter der Last des Schnees hervorlugten. Es war so sinnlos… Schließlich rief sie nach ihm. „Théro!!!“ schrie sie aus Leibeskräften, und das Echo hallte wieder. „Théro!!!“ und erneut hallte das Echo von den felsigen Bergen wieder. „Ich fordere dieselbe Chance von Dir, wie ich sie Dir gegeben habe…!“ Es war vielleicht ein wenig hochmütig, so zu fordern, doch was hatte sie jetzt noch zu verlieren?! Sie rief aus vollsten Leibeskräften ziellos in die Berge “Wir beide haben denselben Fehler begangen, wenn auch aus verschiedenen Beweggründen…Und wenn ich Dir noch etwas bedeute, dann komm raus und rede mit mir!“ Sie drehte sich im Kreis und lauschte ihrem Echo, das kalt und hohl wiederhallte. „Jetzt, sofort! Ich weiß nicht, wie viel Zeit mir noch bleibt, bevor ich hier in dieser verdammten Wildnis erfriere!“ Sie machte eine kurze Pause dann fügte sie noch hinzu „Und ich weiß, dass es Dir nicht anders ergeht… auch Du hast nichts, was Du der Kälte entgegen zu setzen hast, also komm raus, verdammt!“ Für das herumbrüllen hatte sie ihre letzten Kräfte mobilisiert, und bei den Alten, nun hatte sie genug… es war ihr einerlei, sie würde hier und jetzt ein Feuer entzünden… sollten sie sie doch finden…“ Sie sammelte trockenes Tannenreisig zusammen und einige trockene Äste, die sie unter dem Tannenbaum fand, unter dem sie die Nacht verbracht hatte und holte ihre Zunderbüchse hervor. Mit steifen Händen kramte sie ein wenig unbeholfen nach einem petroleumgetränkten Baumpilz und den Feuersteinen. Sie schlug die Steine aneinander, immer und immer wieder, bis diese Funken schlugen, und nach kurzer Zeit gloste der Baumpilz und entzündete sich. Sie legte ihn auf das trockene Tannenreisig, welches sich sogleich entfachte und legte einen trockenen Ast hinein. Als sie schon gar keine Hoffnung mehr hegte, dass der Ast Feuer fing, tat er es doch noch. Es war das erste Mal, dass sie wieder ein wenig Freude empfand, doch diese Freude war kaum der Rede wert. Sie hielt ihre eisigen Hände gegen das Feuer und starrte ausdruckslos und mit leerem Blick in die Flammen. Sie hatte nie verstanden, was Herzschmerz bedeuten sollte… er wurde besungen in zahlreichen Liedern, fand Erwähnung in unzähligen Dichtungen, und sie empfand dies immer als Unsinn… ein Herz konnte nicht schmerzen, wenn es keinen triftigen medizinischen Grund dafür gab. Und doch erkannte sie, dass sie sich gründlich getäuscht hatte. Denn der dumpfe schwere Druck in ihrem Inneren, als ob ein schwerer Stein auf ihrem Herzen lag, war in der Tat überaus schmerzhaft…

Sie vernahm plötzlich schwere Schritte, unter denen der Schnee knirschte. Sie wand ihren Kopf in die Richtung, aus der die Schritte zu kommen schienen. „Théro?“ flüsterte sie eher zu sich selbst. Doch es war nicht Théro… es war Skarvo. „Skarvo? Bist Du das?“ fragte sie ihn leise und ungläubig, als er vor ihr stand, und sie hatte schon Angst, sie würde bereits halluzinieren. „Bei den Alten… ich hätte Dich hier draußen nicht alleine lassen dürfen…“ meinte er zu ihr. „Wo ist Théro?“ „Ich weiß es nicht… ich habe ihn in der Nacht in seiner Wolfsgestalt getroffen… doch es war keine sehr schöne Begegnung…“ senkte sie den Kopf. „Ich habe einiges mitgebracht… Dein Hengst steht weiter hinten…“ Er blickte sich ein wenig unschlüssig um „Ich glaube nicht, dass sie heute nach Euch suchen werden, der Clan ist beinahe vollständig abgebrannt… die haben gerade andere Sorgen…“ Dann musterte er sie. „Bei den Alten, du sieht entsetzlich aus…“ Er zog eine kleine Flasche hervor. „Hier, trink das… damit Dir warm wird…“ „Oh bitte nicht… kein Schnaps, Skarvo… bitte nicht… ich will nie wieder so etwas trinken…“ „Du musst, Aenaeris, bitte!“ sagte er recht eindringlich und drängte ihr die Flasche förmlich auf. Angewidert roch sie an dem Flaschenhals, setzte die Flaschenöffnung aber dann doch an ihre Lippen und trank die brennende Flüssigkeit, die ihr heißbrennend die Kehle hinablief und ihr den Magen wohlig wärmte. Sie schüttelte sich und verzog das Gesicht. „Was nun?“ fragte sie Skarvo. Dieser zuckte die Schultern. „Zurück zum Clan können wir nicht… wir sind hier im Gebiet der Orks…“ Er schien zu wittern, und sie fragte sich, ob es mit der Erwähnung der Orks zu tun hatte oder ob er versuchte, Théros Spur aufzunehmen. „Ich habe eben nach ihm gerufen, Skarvo…“ „Das war nicht zu überhören, Kleine“ grinste er aufmunternd. „Ich möchte noch warten, ob er kommt…“ „Mach das, Kleine, ich gehe schnell zu dem Hengst und hole Dir eine Decke…“ Aenaeris fühlte sich eine kleine Spur besser. Das Feuer und der Schnaps hatten beide geholfen, dass ihr ein wenig wärmer war. Sie streckte ihre Hände gegen das Feuer aus und ließ suchend ihre Blicke schweifen. Er musste einfach kommen, er musste… sie wollte sich nicht damit abfinden dass dies das Ende sei…
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Thėro Schattenmal » Fr, 14. Sep 2012 13:45

Der Nordmann erwachte zitternd unter dem dicken Bärenfell und zog es wieder enger um sich. Seine Gedanken floßen in gerade Bahnen, unverwinkelt und ohne Emotionen. Es galt nun nur noch zu überleben und er hatte stark vor das zu tun. Die Höhle bot Schutz vor dem Schnee, war trocken und auch etwas wärmer und das Bärenfell verhüllte seinen Körper gut und wärmte ihn wie sein eigenes. Er faltete die Hände vor dem Gesicht und blies seine warme Atemluft hinein. Dann rieb er sie vor seinem Gesicht und wiederholte das solange bis er das Prickeln verdrängt hatte und seine Finger wieder ordentliches Gefühl aufwiesen. Dann kroch er auf allen vieren zu dem toten Bären und zuckte mehrmals vor Schmerz zusammen. Er erreicht ihn, griff nach dem Knochenmesser und legte es neben sich. Dann beugte er sich vor, riss etwas Fleisch aus dem Kadaver und schlang es hastig hinunter. Es war kalt und roh, aber das machte ihm nichts aus. Es gab ihm Kraft und so saß er lange dort und fraß sich wie ein Tier an dem Kadaver satt. Dann nahm er das Messer und zerschnitt die langen Sehnen des Bären. Anschließend zerschnitt er dessen Fell ein wenig, bastelte sich einen notdürftigen Lendenschurz daraus und verknotete ihn an der Hüfte mit einer der Sehnen als Gürtel. Dann nahm er die Reste, legte die langen Fellstücke die die Pranken des Bärens bedeckt hatten um seine Arme und band sie ebenfalls mit kleinen Sehnen zusammen. So hielten sie ihn warm und es war eine notdürftige Jacke. Aber es musste gehen, so und nicht anders. Die Wildnis war brutal, schlimmer als alles andere auf der Welt und er war gerade nur ein Häufchen Elend. Aber er hatte immerhin etwas zu essen und ein Fell das ihn warm hielt. Erneut hielt er inne und bließ sich in die Hände. Dann nahm er einen großen Stein und schlug damit knackend auf eine der Rippen ein, bis sie abbrach. Sie war schön spitz und er schabte den Knochen noch ein wenig mit dem Stein ab, damit er eine halbwegs scharfe gerade Klinge erhielt.

Dann nahm er die notdürftige Waffe in die Hand und steckte das Messer zwischen Fell und Sehne. Er erhob sich mit zitternden und schmerzenden Glieder und merkte erst jetzt das seine Füße eiskalt waren. Er wollte keine Zehen verlieren, oder gar einen ganzen Fuß, als bückte er sich noch einmal nach den Fellresten und umwickelte seine Füße mit kleineren Stücken. Dann band er sie am Knöchel mit Sehnen zusammen und sah zu dem Bären. Er könnte aus den Rippen und Sehnen noch einen Bogen machen, aber er hatte keine Pfeile... Kopfschüttelnd stand er wieder auf, bewegte sich schwankend auf das Licht zu und trat aus der Höhle. Schnee setzte sich sofort in seinen verfilzten Bart und seine Haare, tauten dort auf zu Wasser und gefroren dann wieder zu Eis. Er bückte sich, nahm etwas von dem Schnee auf und drückte ihn stückchenweise in seinen Mund. Er schmolz und mit zitternden blauen Lippen trank er ihn und sah sich dann um. Er war an der Bergkette der Alten Wächter. Man erzählte sich das hier einmal riesige Wächter über das Land gewacht hätten und gleichermaßen Orks und Wilde beschützt hatten. Man erzählte sich auch das diese Wächter aus Stein waren, oder aber aus riesigen Tieren bestanden. Théro machte einen Schritt zurück in die Höhle und sah in den Himmel. War er nun einer dieser Wächter? Warum schenkten ihm die alten dann nicht wenigstens ein Leben als ganzer Werwolf, ohne diese jämmerliche Menschengestalt? Angewidert spuckte er aus und hätte sich am liebsten selbst von der Klippe heruntergestürzt. Er war so schwach, nur der Werwolf hielt ihn noch am Leben und machte ihn stark... Er musste auf ihn vertrauen und hatte sich sowieso schon längst auf ihn eingelassen. Es tat ihm kein bisschen Leid was er getan hatte. Caldric hatte es verdient, diese ganzen Nordmänner hatten es allesamt verdient das man sie umbrachte. Er dachte an Aenaeris, auch sie hatte es verdient, aber er konnte es nicht. Sein Blick fiel auf den Bären und er erinnerte sich an die Herzen der opfer, wie sie ihm Kraft gespendet hatten und das salzige heiße Blut durch seinen Mund geflossen war... Also bückte er sich erneut zu dem Kadaver, riss ihm das Herz aus der Brust und aß es mit drei Bissen. Er musste kurz würgen, aber der Wolf in ihm kannte keine Manieren oder Schamgefühle. Das Blut war kalt und schmeckte fast nur nach Salz, ausserdem war nur noch wenig in dem herz, aber es spendete ihm etwas Kraft. Vielleicht nur weil er daran glaubte, es war ihm egal...

Dann hörte er das Echo in den Bergen und ging wieder nach draussen auf das Plateau. Der eisige Wind empfing ihn und er zog das Fell enger um sich und verschränkte die Arme vor der Brust, um seine tauben Finger zu schützen. Er hörte seinen Namen in den Bergen widerhallen und sah hinauf zum Himmel. Was wollten die Götter nur von ihm? Hatte er nicht schon genug erdulden müssen in seinem kurzen Leben? Dann erkannte er, das es Aenaeris Stimme war die nach ihm rief und von ihm Vergebung forderte. Kurz war er überrascht das sie die Nacht überlebt hatte und hier war, dann jedoch überwanden Wut und Ärger wieder seinen Verstand und er knurrte wie ein wildes Tier. Denselben Fehler? Er hatte aus Vergeltung gehandelt, nichts dabei gefühlt und es getan, weil er es musste. Er hatte es getan, damit sie einmal von dem Clan aktzeptiert wurde... Und sie? Sie hatte ihn zurückgewiesen und noch mehr gedemütigt als er es ohnehin selbst getan hatte. Danach lag sie keine Stunde später bei Caldric und biederte sich ihm an... Diese beiden Dinge waren so grundverschieden wie sie nur sein konnten, sie hatte ihn betrogen... Nein nicht einfach nur betrogen mit irgendeinem. Sie hatte keinen anderen ausgewählt als seinen Waffenbruder, dem einzigen Menschen im gesamten Clan dem er wirklich vertraut hatte und der ihm von Anfang an zur Seite gestanden hatte. Nein es tat ihm kein bisschen Leid, Caldric hatte verdient was er bekommen hatte und sein Ende war nur so schnell gewesen, weil er ihn einmal als Freund betrachtet hatte. Eigentlich hatte sie das Gleiche verdient, aber er liebte sie und konnte es nicht tun. Nicht einmal besessen von Rache und Vergeltung, obwohl er es in der Nacht wohl getan hätte. Rasend von Schmerz und Wut, wie er gewesen war... Wo sollte er nun hin? Er konnte nirgends mehr hin in den wilden Landen, auch in Arcanis war er gesucht. Es blieb ihm nicht mehr viel Auswahl, aber er wollte nicht mit ihr reden. Sie hatte ihn verletzt, hatte sein Herz herausgerissen und es jemand anderem als Geschenk angeboten. Er war angewidert und zutiefst verletzt und bestürzt über all das. Trotzdem wollte er ihr antworten, wollte das sie wusste was er empfand. Aber was sollte er schon groß sagen? Ihm fehlten die Worte dafür und seine Kehle war zu trocken und salzig von dem Blut um laut zu schreien. Sein Rücken schmerzte und die Wunde fraß sich scheinbar tiefer in ihn hinein, bis in sein Herz und zerteilte es. Er war gebrochen, verletzt und tollwütig wie ein wildes Tier und brüllte nun einfach nur seinen gesamten Schmerz heraus. Das Echo hallte von den Bergen wieder und er brüllte noch einmal so laut er konnte. Dann wartete er und starrte in den Himmel, aber nichts passierte. Das Leben und der Tag zogen einfach weiter und er kroch müde wieder in die Höhle, drängte sich in die Nische und riss etwas Fleisch aus dem Kadaver. Dann schloss er kauend die Augen und war bald wieder eingeschlafen.
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » Fr, 14. Sep 2012 17:09

Am nächsten Morgen erwachte Aenaeris. Es war heute ein sonniger milder Wintertag und die Sonne wurde vom Schnee reflektiert so dass sie ihre Augen vor dem Sonnenlicht verbergen musste. Skarvos auftauchen hatte ihr Elend zumindest dahingehend gelindert, dass sie versorgt war mit dem nötigsten, doch es war nur eine Frage der Zeit, bis auch er wieder zurück zu dem Clan musste um zu sehen, was aus den Handelswagen und den anderen Händlern geworden war, immerhin war sein Leben ein anderes. Die Zukunft war nun ohnehin ungewiss. Zum einen war der halbe Clan niedergebrannt, was indirekt Aenaeris‘ Schuld gewesen war. Skarvo war, so hatte Aenaeris an dem Abend erfahren, eigentlich nur angereist, weil Théros Mutter ihn eingeladen hatte. Und zum anderen hatte sich das weitere Planen des Bundschließens ohnehin in Luft aufgelöst, als Aenaeris völlig betrunken eine hitzige Debatte mit seiner Mutter angefochten hatte, und nicht zuletzt wegen der Sache mit Caldric. Auch das war beides Aenaeris Schuld gewesen, auch wenn sie die Dinge aus einem anderen Blickwinkel sah. Aenaeris und Skarvo saßen gemeinsam am Fuß des Felshanges, über welchem sich die Höhle befand, in die Théro sich verkrochen hatte, und über dem Lagerfeuer simmerte ein Süppchen in einem kleinen Kupferkessel. Es gab nicht viel her, doch zumindest schwammen einige Rüben und Fleischbrocken darinnen, und das wichtigste war, es war heiß. Seit Skarvo sie drauf aufmerksam gemacht hatte, dass Théro in der Höhle war, warf sie öfters einen Blick nach oben. Er hatte auf ihre Bitte nicht reagiert und sie wusste nicht wirklich, was sie davon halten sollte. Als sie mit Skarvo das letzte Mal über Théro gesprochen hatte, war sie sich so sicher, dass er ihr niemals etwas antun würde, doch es war nur ihrer Geistesgegenwärtigkeit und Reaktionsfähigkeit zu verdanken gewesen, dass er sie nicht verletzt hatte. Was wäre dann gewesen? Genauso gut hätte er ihr gleich die Kehle herausreißen können, denn als Werwolf hätte sie nicht einmal mit Théro leben wollen… Aus diesem Grund scheute sie sich, ihn aufzusuchen, obgleich sie sich danach sehnte… „ genau ist eigentlich passiert?“ fragte er neugierig, als sie in der dampfenden Suppe rührte. Aenaeris errötete. „Nun ja… was in der Methalle passierte, hast Du ja erlebt… ich bin danach ins Lazarett gegangen, weil ich meine Ruhe haben wollte… mir war auch ziemlich schlecht, doch Théro lief mir nach und als ich ihn mit Tyn sprechen hörte, wollte ich nichts anderes, als ihn bei mir zu haben und zu spüren… er wollte das auch, doch dann…“ Sie errötete erneut „Konnte er nicht, verstehst Du?“ Er nickte. „Ich war so betrunken und meinte er wolle mich nicht und er liebe mich nicht und bin dann hinausgestürmt… ich wollte nur noch mehr trinken und vergessen und als ich auf dem großen Platz vor der Methalle saß, kam plötzlich Caldric daher… er meinte er wollte nach uns sehen… ich habe ihn gebeten etwas zu trinken zu holen und er kam dann mit einer Flasche Met zurück…Wir gingen ins Wachgebäude. Es war niemand da und wir haben miteinander gesprochen… ich musste an Théro denken und wie sehr ich ihn begehrt hatte… ich weiß auch nicht, nach drei Bechern Met war ich so betrunken, dass aus diesem Begehren eine seltsame Überleitung zu Caldric entstand… und so ist es dann passiert… ich habe ihn gefragt, ob er mich je begehrt hatte, und als er es dann zugab, aber gleichzeitig betonte, dass Théro sein Waffenbruder ist, habe ich ihn dann geküsst, und so ist das ganze passiert. Danach habe ich mich furchtbar gefühlt… ich lief sofort zu Théro, ich wollte ihn nicht belügen sondern ihm die Wahrheit sagen… bei den Alten, er hätte es ohnehin herausgefunden… ich glaube, Théro war zuerst sehr geschockt, dann wurde er rasend wütend, er hat mich geohrfeigt und mich am Hals gepackt und geschüttelt… ich hatte ihn noch nie so erlebt, ich wusste nicht, dass er zu so etwas fähig wäre…auch wenn ich es absolut verdient hatte, und mehr noch als das… oh ich wünschte er hätte mich gleich umgebracht…wie Caldric… dann wäre es gut und überstanden…“ Sie sah hinaus zu der Höhle. „ich glaube nicht, dass es sich wieder einrenkt… Oh Skarvo, er ist da oben ganz alleine… Er hat doch nichts anzuziehen, und nichts zu essen…Wie muss er frieren…!?“ Skarvo schwieg für einen Moment. „Ich habe mir so etwas schon gedacht… deswegen habe ich ihm Kleidung mitgebracht… es ist zwar nicht seine, aber immerhin… Aenaeris, das ist eine ganz furchtbare Geschichte…“ meinte er und kratzte sich den Bart… „Ich will nicht bestreiten dass ich im Suff nicht auch schon Dinge gemacht habe, die ich danach bitter bereut habe… doch nicht jeder akzeptiert so einen Grund…“ „Ich weiß…“ sagte sie und senkte die Augen. „Gib mir bitte die die Sachen… ich bringe sie ihm hinauf…“ meinte sie schließlich. „Wie Du willst… sie sind in der Satteltasche Deines Hengstes…“ Aenaeris stand auf und durchwühlte Abaris Satteltasche. Sie fand die Sachen und legte sie sich über den Arm. Sie nahm noch einen Weinschlauch, sie wusste nicht, was darin war, doch ob es Wein, Schnaps, Met oder Wasser war, war im Grunde unerheblich. Vermutlich würde es Schnaps sein… Sie schöpfte noch in einen großen Zinnbecher etwas von der heißen Suppe, auch wenn sie wusste, dass Théro sie nicht mögen würde. Skarvo nickte ihr aufmunternd zu und sie ging um den Fuß der Anhöhe. Da sie nicht einfach wie Théro die Felsklippe hochklettern konnte, musste sie den Weg rundherum nehmen. Als sie oben angelangt war, war ihr warm von der Anstrengung. Das war doch einmal ein gutes Gefühl, fand sie. Sie zauderte ein wenig, dann ging sie in die Höhle.

Es roch pelzig darin, und sie wunderte sich darüber. Er konnte sich doch tagsüber nicht verwandeln…? „Théro?“ fragte sie leise in die Dunkelheit. Er knurrte „Verschwinde…“ Zumindest war er in menschlicher Gestalt, der Geruch musste also von woanders herkommen… „Nein… hör mich an, was ich Dir zu sagen habe… bitte…“ erwiderte sie. Er murrte unwillig, aber es kamen keine Widerworte über seine Lippen. „Ich habe Dir etwas gebracht… ich weiß nicht ob Du es schon mitbekommen hast, vermutlich schon… aber Skarvo ist hier… er hat uns einige Dinge gebracht… darunter Kleidung und Stiefel für Dich… es sind nicht Deine Sachen, aber es ist sicher besser, als nackt herumzusitzen bei diesen Temperaturen…“ meinte sie ein wenig verlegen. „Und hier habe ich noch einen Weinschlauch und heiße Suppe für Dich…“ Sie stellte die Dinge vorsichtig am Boden ab. Sie war sich sicher, er würde all diese Dinge von ihr nicht haben wollen, deswegen meinte sie „Skarvo schickt sie Dir…“ Er schwieg. Aenaeris schwieg auch eine Zeit lang, dann begann sie. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll… es tut mir so unendlich Leid… Du weißt, wie betrunken ich war, und ich habe danach noch mehr getrunken… ich hatte mich so nach Dir verzehrt und mir wurde klar, dass ich Dir nicht verziehen hatte, was du mit Herans Frau gemacht hattest… es spielten so viele verschiedene Faktoren eine Rolle… ich war nicht ich selbst… Ich kann nicht ungeschehen machen, was passiert ist, aber ich wünsche mir sehr, dass du mir eines Tages verzeihen kannst… ich liebe Dich über alles, ich habe immer nur Dich geliebt und ich hoffe, Du wusstest das und weißt es auch jetzt und es tut mir aufrichtig leid… ich will bei Dir sein und bei Dir bleiben und mit Dir leben… mein Leben hat für mich keinen Sinn mehr ohne Dich… Wenn Du noch etwas für mich empfindest, dann lass es mich wissen, dass ich mir nicht umsonst Hoffnungen mache. Doch wenn Du sicher bist, dass Du keine gemeinsame Zukunft mehr für uns siehst, dann sag es mir. Wenn Du mich nicht mehr bei Dir haben willst, dann sage es mir… dann werde ich aus Deinem Leben verschwinden… doch das will ich nicht… ich gebe Dir die Zeit, die Du brauchst, um damit fertig zu werden, aber egal was auch passiert, bitte rede mit mir…“
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Thėro Schattenmal » Sa, 15. Sep 2012 0:44

Die Nacht war lang und eintönig gewesen. Er hatte einen Bogen um das Lager von Aenaeris und Skarvo gemacht und war hinter ihnen auf die Jagd gegangen. Wie zuvor witterte er erneut einen Bären, hatte aber keine Lust auf einen Kampf der seine Verfassung noch mehr verschlechterte und entschied sich daher erstmal weiterzusuchen. Immerhin riss er noch ein Reh in den Wäldern, fraß es komplett und fand dann irgendwie seinen Weg zurück zu der Höhle ohne den Menschen zu begegnen. Er kuschelte sich an der kalten Wand zusammen, lag auf dem Bärenfell und wurde von seinem eigenen gewärmt. So verbrachte er immerhin ein paar Stunden der Nacht in Wärme. Als er sich am Morgen zurückverwandelte, streifte er sich wieder die notdürftige Kleidung über und riss die letzten Fleischsstücke aus dem Bären. Es war schon wahnsinnig was sein Körper mittlerweile für einen Stoffwechsel hatte und was er alles in den letzten zwei Tagen gefressen hatte. Selbst ihm war mittlerweile der Appetit vergangen und er war so voll, das er platzen könnte. Knurrend bemerkte er Aenaeris Geruch und ihre Schritte und stellte sich innerlich darauf ein was sie ihm wohl sagen mochte.
Der Nordmann hatte sich verkrochen. Die Dunkelheit in der Höhle war so ausfüllend, das Aenaeris ihn nicht einmal erkannte, oder sah. Auch der massige Bärenkörper schien ihr verborgen zu bleiben, denn sie sah nicht einmal hin und sagte auch sonst nichts dazu. Die gelb-blauen Augen des Wolfs fixierten sie und er ließ sie ausreden, hörte sich ihre komplette Geschichte an, ihre Entschuldigung und auch ihre Ausflüchte. Anstalten sich zu bewegen machte er dabei nicht. Dachte sie wirklich das der Alkohol entschuldigte was sie getan hatte? Oder aber die Rache, weil sie ihm nicht verziehen hatte? Er stutzte und ließ den Kopf in seine Hände sinken. Dann seufzte er leise, er hatte nicht anders gehandelt. Aber es war dennoch eine andere sache... Zwar hatte auch er aus Vergeltung gehandelt, aber es ging schnell und brutal. Er wusste nicht was genau geschehen war, aber sicherlich lief es bei ihr wesentlich zärtlicher und anders ab. Die Wut und der Hass in ihm wurden noch immer angefacht von der Mordlust der Bestie und er versuchte klar zu denken, "Ich brauche deine Hilfe nicht... Oder die von Skarvo." erwiderte er dann knurrend und spuckte aus. Théro zog das Fell enger um sich und starrte die etwas verloren wirkende Frau vor ihm an, während sich unangenehme Stille breitmachte.

Schließlich stand er ruckartig auf und bewegte seine steifen Glieder. Dann riss er sich das Fell vom Körper und entblößte seine blutverschmierte und verkrustete Haut. Er entblößte die zwei langen Wunden anseinerb Seite und auf seinem Rücken und sah an Aenaeris vorbei in die Wildnis. Der Wolfgab sich einen Ruck und trat aus der Dunkelheit heraus ins Licht, damit sie ihn sehen konne. Dann blickte er ihr fest in die Augen, bis sie den Blick abwendete. Schließlich drehte er wieder seinen Kopf und sah hinunter in die Wälder. Er fröstelte und es war bitterkalt auf der Anhöhe. Eisiger Wind umfing seinen Körper, aber er schaffte es nicht zu zittern. Dann sah er wieder zu Aenaeris die seine Wunden bemerkte und eine Hand danach ausgestreckt hatte,. Er griff danach und hielt sie einen Moment lang fest, ehe er sie wieder los ließ, "Fass mich nicht an, ich brauche keine Hilfe." Knurrte er in ihre Richtung. Kopfschüttelnd griff er nach der Kleidung und zog sie an. Er zurrte den Gürtel fest, schnürte das Wams zu und band die Stiefel fest zu. Die Wunden sendeten kleine Schmerzwellen durch seinen Körper, als der Stoff über sie schabte und er sollte sie verbinden. Aber das war ihm momentan wirklich egal. Zum Schluss griff er nach dem Weinschlauch und trank ihn in drei Zügen komplett leer. Die Suppe dagegen ließ er demonstrativ stehen.

Seine Finger zitterten, als er sich den Mantel über die Schultern warf und am Hals eng zuband. Knurrend zog er das Fell enger um sich und starrte Aenaeris wieder an. Sie fühlte sich sichtlich unwohl und das unangenehme Schweigen, das er absichtlich provozierte schien ihr zu schaffen zu machen. Er kam wieder näher an sie heran, sah ihr in die Augen und tippte ihr auf die Brust. Eine wütende Atemwolke quoll aus seinem Mund und mit ihr der Gestank nach Blut, rohem Fleisch und dem Tod. "Du bist Schuld an allem... Wegen dir werde ich nun niemals wieder zurück zu meinem Clan können. Wegen dir wird meine Familie mich verachten und wegen dir ist die Bestie in mir so stark wie nie. Ich höre sie, wie sie in mir schreit und brennt... Wie sie gegen mich hämmert und mir Dinge einflüstert, die mein Leben gerettet haben und den Tod bedeuten..." Sie war vor ihm zurückgewichen, bis gegen die kalte Höhlenwand und nun presste er sie dagegen und sprach leise weiter, "Sie flüstert, das ich dich töten soll. Das würde ich gerne, diesem ganzen Mist ein Ende setzen." Er war ehrlich zu ihr und wendete sich dann wieder von ihr ab. Mit gestrafften Schultern sah er wieder nach draussen in die Wildnis, "Ich habe die Götter angefleht mir den gesamten Wolf zu schenken... Ich wollte nicht als schwacher Mensch draufgehen, sondern meiner Bestimmung als Werwolf folgen. Sieh mich an... Nicht einmal die Alten stehen noch auf meiner Seite." Er sah sie bei den Worten nicht an, sondern schloss die Augen und ballte die Hände zu Fäusten, "So viel Wut tobt in mir und trotzdem lebst du noch. Weil ich dich liebe und dich nicht töten kann. Aber genauso wenig kann ich so tun als wäre nichts geschehen, oder dir vergeben." Schließlich drehte er sich wieder zu ihr um und sah sie mit glasigen Augen an, "Hat es dir Spaß gemacht mit dem schönen Caldric? Ich hätte es ahnen müssen, als du davon angefangen hast..." Dann schüttelte er den Kopf und trat hinaus in die Sonne und den Schnee. Er presste sich an die kühle Steinwand und stieg den schmalen Grat nach unten in die Wälder hinab, "Sein Herz war lecker..." Murmelte er dabei noch leise vor sich hin und konnte sich nur mit Mühe davon abhalten ihr die Worte ins Gesicht zu sagen. Nach den ersten zwei Schritten blieb er wieder stehen und sah zurück nach oben, sah Aenaeris an die ihm folgte. Dann sah er nach unten, hinab in den felsigen Untergrund, der so tief und voller Steine und Schnee war. Er seufzte leise und gab sich erneut einen Ruck um ihr zumindestens ein kleines Zeichen darzubieten. Ein Zeichen der Annäherung, damit sie wusste das Théro sie noch nicht aufgegeben hatte, "Pass auf wo du hintrittst." meinte er zu ihr, versuchte schief zu lächeln, was ihm misslang und dann streckte er seine Hand nach ihr aus, damit sie sich an ihm festhalten konnte und er sie halten würde, sollte sie hinabstürzen.
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » Sa, 15. Sep 2012 14:26

Sie nahm seine Hand und sah ihm forschend ins Gesicht. Plötzlich musste sie unweigerlich an Tyns Geschenk denken und daran, dass sie es wissen würde, wenn es soweit ist. Sie wollte es wissen, und zwar jetzt sofort. Sie versuchte, etwas zu erspüren was Tyn da in ihren Kopf oder Körper eingepflanzt hatte… Sie konzentrierte sich über alle Maßen, starrte ihm ins Gesicht und plötzlich hörte sie Stimmen und Bilder… sie wusste nicht, was sie da sah, halluzinierte sie? Sie hatte das Gefühl, als wäre sie ihn Théros Kopf denn sie konnte seinen Hass und seine Liebe gleichermaßen stark spüren, und plötzlich fiel es ihr wie Schuppen von den Augen… diese Bilder die sie sah, waren keine Halluzinationen, sondern sie sah, was in der Nacht passierte, als er außer sich vor Zorn und Hass davongestürmt war, sich in den Werwolf verwandelt hatte und als erstes den Weg zu Caldric einschlug, ihn zerfleischte und… „Du hast sein Herz gefressen…“ flüsterte sie entsetzt, ließ seine Hand aber nicht los weil sie das Gefühl hatte zu schwanken und schloss die Augen. „Verzeih... verzeih… ich wollte nicht…ich wusste nicht, was dies für eine Gabe ist… ich wollte nicht in Deinen Gedanken wühlen“ und ließ seine Hand los und fuhr sich dann mit beiden Händen über das Gesicht „Du hast ihn zerfleischt und sein Herz gefressen… was bist Du nur für eine Kreatur…?“ Es ging ihr dabei nicht nur um Caldric… sicherlich, sie hatte ihn gern gemocht, doch im Grunde verachtete sie diesen Wesenszug der Blutrache, egal ob dies Brauchtum in den wilden Landen war oder nicht… man konnte nicht einfach aus Rache ein Menschenleben auslöschen… gleichzeitig lächelte sie bitter… sie war nicht besser… Théro starrte sie zunächst ungläubig und dann wütend an. Sie wusste, dass er eine Antwort wollte auf das, was da eben passierte. „Tyn hat mir ein letztes Geschenk vermacht, als sie in meinem Beisein starb… ich wusste nicht, was es war… bis jetzt…“ Sie ließ die Worte die er ihr vorher entgegengeschmettert hatte, noch einmal kurz auf sich einwirken, zusammen mit den Bildern die sie nun gesehen hatte, dann meinte sie „Ohne mich wärst Du nie wieder zurück in deinen Clan gegangen, vielleicht war es Zufall, oder aber auch Bestimmung, das wissen nur die Götter… Du alleine hast Dich in diese mordende und alles zerreissende Bestie verwandelt… Deine erneute Schande im Clan hast Du Dir selbst zuzuschreiben…Du hättest Dich nicht so gebärden müssen, also gib mir nicht die Schuld daran… Vielleicht suchst Du auch die Schuld bei Dir und Deiner Mutter, hätte sie mich nicht behandelt wie ein kleines Kind, während Du schweigend daneben gesessen bist, wäre alles vielleicht auch nicht so ausgeartet… sie hatte ebenso kein Recht mich vor allen bloßzustellen und zurechtzuweisen und mich zu behandeln, als wäre ein nur eine dumme kleine Hure. Wenn Du mich unbedingt töten musst, dann tu es… aber, bei den Alten, dann nimm Deine Axt dazu, und nicht Deine Werwolfsklauen… denn ich will nicht, dass dies das Letzte sein soll, das mich berührt…“ Sie wandte sich ab von ihm und dem Abgrund und schloss die Augen „Es lag nicht in meiner Absicht, mich mit Caldric einzulassen… wenn Du mir das nicht glaubst, bist Du ein Narr… Ob es mir Spaß gemacht hat...? Bereitet einer Hure nicht jeder Mann Vergnügen?“ Sie wandte sich wieder zu ihm und sah ihm fest in die Augen. „Ich glaube es hat keinen Sinn mehr, Dir hinterher zu laufen… Du kannst mir nicht vergeben… ich habe Deine Liebe gesehen… doch manchmal ist Liebe einfach nicht genug, nicht, bei Deinem Hass, den Du in Dir schürst… ich habe keine Lust darauf, mir den Rest meines Lebens Vorwürfe anhören zu müssen… ich bringe Skarvo noch zum Clan, oder zumindest so nahe heran wie nur möglich und danach verlasse ich die wilden Lande… die Götter allein wissen, wohin sie mich führen… vielleicht reite ich in die Dir so verhasste Wüste, vielleicht gehe ich nach Mérindar, wo mich niemand kennt und für das verurteilt was ich bin oder was ich getan habe… vielleicht aber reite ich auch zurück nach Arcanis, und nehme dort mein Schicksal an… Alvarania ist so groß… irgendwo wird es einen Platz für mich geben…“ Dann fügte sie noch leise hinzu … „wenn ich schon keinen mehr bei Dir habe…“ Aenaeris betrachtete ihn noch eine Weile, musterte ihn von oben bis unten, dachte an das letzte Jahr mit all seinen Höhen und Tiefen und musste sich eingestehen, dass dieser Höhepunkt in den wilden Landen sich zum absoluten Tiefpunkt entwickelt hatte. „Du musst Dich nun entscheiden, was Du wirklich willst… ungeachtet deines Zorns, deiner Wut und deines Stolzes…“

Dann wandte sie sich um und lief den Weg vom Plateau rund herum hinab, und zurück zu Skarvo. Dieser sah sie fragend an und Aenaeris schüttelte den Kopf. „Es hat keinen Sinn, er ist einfach zu stur…“ meinte sie mit einem düsteren Blick auf ihn. „Soll ich einmal mit ihm reden?“ schlug er vor. „Was soll das bringen, Skarvo? Im schlimmsten Fall wird Euer Verhältnis zueinander auch noch getrübt oder zerstört… ich habe schon genug zerstört… nicht auch das noch… ich möchte raus aus den wilden Landen… es ist eiskalt hier…“ dabei warf sie einen Blick auf Théro, der dort immer noch verharrte, wo sie ihn zurückgelassen hatte. „Ich glaube, wenn er kein Werwolf wäre, wäre es einfacher… Die Bestie hindert ihn daran, mir zu vergeben…“ Sie seufzte tief und starrte ins Feuer. Nun hatte sie diese Gabe von Tyn bekommen… brauchte sie da wirklich noch die Feuermagie? Sie würde nicht in die Wüste zu den Wüstenelfen gehen, sie würde nicht bitten und betteln nur damit sich jemand dazu herabließ, ihre winzig kleine Gabe anzuerkennen und mit ihr gemeinsam hervor zu kehren… Plötzlich, da die wilden Landen ihr so verleidet waren, was einzig allein an Théro lag, vermisste sie Arcanis plötzlich wieder. Doch sie konnte nicht zurückkehren… es war unmöglich… sie musste sich erst im Klaren darüber werden, was sie eigentlich wollte. Sie kam sich ein wenig dumm vor, doch sie lief zurück zu Théro. „Was mir noch eingefallen ist... Ich stehe noch in Deiner Schuld… Cerbor, der Halbelf... der mit ein wenig Glück immer noch im Chabûr treibt, Du erinnerst Dich? Ich gehe ungern ohne meine Schuld beglichen zu haben… ich warte noch diesen Tag und die Nacht ab, andernfalls bin ich morgen Früh weg… es liegt nun ganz allein an Dir…“
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Thėro Schattenmal » Sa, 15. Sep 2012 17:41

Die Worte hatten ihn noch mehr verletzt und vielleicht war es falsch es noch einmal mit ihr zu versuchen. Sie gab ihm die Schuld für alles, innerlich musste er traurig lachen und sah ihr schließlich nach als sie davonstürmte. Es war ihm ganz egal, er hatte es versucht und hatte ihr die Hand gereicht und im Gegenzug wühlte sie in seinem Kopf herum, wies ihm Schuld zu und ließ ihn einfach so stehen? Woran war er nun wirklich bei ihr? Kopfschüttelnd stieg er von dem Plateau herunter und war gerade unten angekommen, als sie wieder zu ihm zurück kam. "Es liegt an mir? Du sagst du gibst mir Zeit um mit all dem fertig zu werden und nun willst du nicht mehr wahrhaben das meine Liebe zu dir das alles noch retten kann? Entscheide dich erstmal ob DU uns noch eine Wahl lassen willst, oder einfach wegrennen. Du hast gesagt du willst mir Zeit lassen, damit ich dir vergeben kann und jetzt forderst du es von mir sofort? Das ist heuchlerisch." Wut stieg wieder in ihm hoch und er kam ihr näher, starrte sie an und schob sie ein Stück zurück, "Ja ich habe sein Herz gefressen, ich habe viele Herzen gefressen in dieser Nacht..." flüsterte er ihr leise zu und kam noch näher an ihr Gesicht, "Was ich für eine Kreatur bin, weißt du genau... Du wusstest es von Anfang an und hast dich darauf eingelassen? Denkst du es ist verdammt nochmal einfach mit einem blutrünstigen Wolf den Körper und die Gedanken zu teilen?! Denkst es ist verdammt nochmal einfach meine Gefühle von seinen zu trennen und sie zu unterscheiden?!" Er schüttelte den Kopf und hatte die Stimme laut erhoben, ja schrie sie sogar förmlich an, "Du weißt nichts! Gar nichts, davon wie es ist ein Werwolf zu sein und seinen verschissenen Körper nicht unter Kontrolle zu haben!" Wütend spuckte er aus und hielt sich mühsam davon ab sie erneut zu schlagen. Seine Gedanken spielten wieder verrückt und seine Seele wurde in Dunkelheit getaucht, erfüllt von der bestialischen Seele in ihm. Er starrte sie wieder an, mit kaltem Blick und senkte die Stimme, "Und weißt du was? Ich bereue nichts, das ich in dieser Nacht getan hab. Jeder einzelne hat verdient was er bekommen hat." Er schluckte den letzten Satz hinunter, nämlich das er es genossen hatte und es ihm gefallen hatte und wandte sich kurz ab. Dann hob er die Hände und strich sich durch die Haare, strich sie nach hinten und fuhr sich durch seinen Bart, "Es ist mir egal warum du es kannst, oder wie du es anstellst... Aber wage dich nie wieder in meinem Kopf herumzuwühlen." Er sprach mittlerweile wieder leise, aber so ernst und bedrohlich, das man die Warnung mehr als nur ernst nehmen sollte.

Unsanft schob er sie zur Seite und trat an ihr vorbei in die Wälder. Am ersten Baum blieb er stehen und legte eine Hand auf die Rinde, "Mit meiner Axt? Ich habe keine Axt mehr, ich habe nichts ausser meinen Instinkten. Ich habe sie nicht einmal verdient, sie gehört meiner Familie und keinem Mörder." Er drehte sich wieder zu ihr um und strich sich durchs Gesicht, "Ich werde dich niemals töten, das weißt du und das weiß ich." Er sah sie nun wieder an und anscheinend war von seinem Humor nicht mehr viel übrig, denn jedes seiner Worte klang ernst und wurde durch einen entsprechenden Gesichtsausdruck begleitet. Dann warf er zum ersten mal einen undeutbaren Blick zu Skarvo, wandte sich von ihnen ab und stapfte in den schneebehangenen Wald. Er brauchte einfach etwas Zeit um damit klarzukommen und mit sich und seinen Gedanken alleine zu sein. Es lag an ihm, sie war wirklich gut... Wenn sie gehen wollte, dann sollte sie sich aus seinem verdammten Leben verpissen, aber nicht erst so und dann so anfangen. Schließlich blieb er stehen und schlug seine Fäuste wütend gegen einen Baumstamm, schlug so lange, so oft und so hart zu, bis seine Knöchel blutig und voller Holzsplitter waren. Dann ballte er knurrend die schmerzenden Hände und sah dem Blut nach, das auf den Boden tropfte und den Schnee Rot färbte. Dann ließ er sich auf die Knie fallen, öffnete die Hände und betrachtete das Blut, welches über die Innenfläche lief und auf den Boden tropfte. War es nun wirklich schon so weit mit ihm gekommen? War er zur Bestie geworden, endgültig? Nein. Etwas hielt ihn immer noch an Aenaeris, aber sie konnte nichts von ihm erzwingen, das musste ihr doch klar sein. Er hob eine der Hände und leckte das warme Blut davon ab, rieb sich die eisigen Hände und zog den Mantel fester um sich. Dann neigte er den Kopf nach unten und sprach leise einige Worte und Formeln vor sich hin. Es war ein Gebet zu den Ahnen, beschworen mit geopfertem Blut und er saß einen Moment lang so da. Als er fertig war, öffnete er wieder die Augen und sah in den Himmel, der Tag zog an ihm vorüber und bald wurde es Nacht.

Kurz vor der Dämmerung, wandte er sich wieder zurück in die Richtung der Berge und atmete tief die kalte Luft ein. Er bewegte sich, versuchte die eisige Starre aus seinen Gliedern zu bekommen und sich aufzuwärmen. Das Blut auf seinen Händen war schon lange verkrustet und nur der Schmerz war geblieben, abgesehen von den gefrorenen Bluttropfen auf seiner Hand. Er trug nun so viel Schmerz, Hass und Wut in seinem Körper und es hatte gut getan noch einmal ein wenig davon rauszulassen. Kurz schmunzelte er, wer verstand schon die Frauen? Noch immer war er unschlüssig, was das alles anging und seufzte leise vor sich hin. Trübsal blasen brachte ihn ja auch nicht weiter, genausowenig wie sinnlose Zerstörung oder Blutvergießen. Aber manchmal taten diese Sachen eben doch gut und es war befreiend gewesen, in der blutigen Nacht diese Männer zu töten. Es hatte ihn so sehr befriedigt, das es ihm schon fast Angst machte. Er hatte vergessen, über die lange Zeit, was er in sich trug und war der Meinung er hätte sich voll unter Kontrolle. Aber das war nicht so und würde niemals so sein, wenn seine Gefühle verrückt spielten und er starkes empfand, würde er der Bestie immer unterlegen sein. Schließlich schob er einen Tannenast zur Seite und betrat die kleine windgeschützte Lichtung vor dem Plateau. Skarvo und Aenaeris saßen um ein Feuer herum und auch den Hengst konnte er wittern. Wortlos, ließ er sich etwas abseits des Feuers an der Wand hinabgleiten und lehnte seinen Kopf dagegen. Der Wolf in ihm hungerte schon wieder, wollte zum Leben erwachen und in die Nacht hinausziehen um zu töten und Blut zu kosten. Mühsam kämpfte er das starke Verlangen wieder einmal nieder, wie er es schon so oft in seinem Leben getan hatte und schloss die Augen. Er wusste nicht was er sagen sollte, wie er es sagen sollte und ob es überhaupt noch einen Sinn ergab dies alles fortzuführen. Vielleicht war ihm einfach ein Leben in Wildnis bestimmt, ein Leben mit dem Tod. Schließlich drehte er den Kopf und starrte Aenaeris solange an, bis sie es bemerkte und zurücksah. "Wenn du glaubst das es keinen Sinn mehr hat, dann geh. Geh in deine ach so schöne Wüste oder sonst wo hin, aber dann bedenke dabei das du damit alles hinter dir lässt und beendest. Du willst von mir eine Entscheidung? Ich bin hier, oder nicht? Glaubst du ich hätte überhaupt jemals mit dir geredet oder dir Zeit zum reden gelassen, wenn ich dich... uns... aufgegeben habe?" Er knurrte leise, ging in die Hocke und schabte mit seinen blutigen händen etwas Schnee vom Boden auf. Er presste ihn in seiner Hand zusammen und ließ ihn darin schmelzen, wobei er etwas Blut mitnahm und rot langsam wieder zu Boden tropfte, "Ich kann dir nicht vergeben, so etwas kann nur die Zeit bewerkstelligen. Du hast gesagt du lässt mir die Zeit um damit fertig zu werden und all das zu überwinden... Wenn du das wirklich ernst gemeint hast, dann belass es dabei. Andernfalls geh und verschwinde. Ich kann dir nicht vergeben, nicht jetzt und nicht morgen. Aber ich bin hier, um es wenigstens zu versuchen. Es liegt an dir ob du mit einer... blutrünstigen Kreatur wie mir überhaupt noch etwas zu tun haben willst, du musst wissen ob du noch eine Zukunft für uns siehst oder nicht."

Mittlerweile hatte er die Augen geschlossen und der Schnee war geschmolzen. Erneut betrachtete er seine Hände und fasste sich an die Brust. Noch immer baumelte der geschnitzte Wolfskopf vor seiner Brust, gehalten von der Silberkette. Er hatte all diese Dinge unbeschadet überstanden, jede Verwandlung und auch die Flucht und die Verfolgung. Es war schon ironisch, das das einzigste was er von seinem alten Leben und seiner Vergangenheit nun noch besaß ein Wolfsanhänger war. Man mochte sagen, was man wollte, aber der Wolf würde ihn niemals verlassen und ihn auch niemals im Stich lassen. Vielleicht sollte er ihm im Gegenzug entgegenkommen und sich mehr auf seine Instinkte und Triebe verlassen. Vielleicht war es seine Bestimmung. Dann sah er wieder auf und drehte den Kopf zu Aenaeris. Er sah ihr in die Augen, wünschte sich das alles wäre niemals geschehen und sie würden sich jetzt lieben, wie sie es so oft getan hatten. Caldrics Gesicht blitzte vor seinem Gesicht auf und er musste fast würgen, bei dem Gedanken das er sie dort geküsst hatte, wo er sie auch immer küsste. Ihm wurde regelrecht schlecht bei dem Gedanken daran und er wandte den Kopf wieder ab und starrte das blutige Eis vor seinen Füßen an. Sie hatte Recht mit dem was sie gesagt hatte, er hasste sie dafür was sie getan hatte. Er hasste sie dafür, das sie das Ganze mit seinen Taten verglich und er hasste sie dafür das sie und seiner Mutter die Schuld dafür gab. Hätte sie nur ein Wort gesagt, hätte er das alles ändern können, aber nein sie musste sich betrinken und mit seinem Bruder ins Bett springen. Er spuckte wieder aus und schloss die Augen, es lag an ihr was sie tun würde. So wie es an ihm lag, ihr zu vergeben. Er sagte das nicht, sprach es nicht aus, aber er war sich nichtmal sicher ob er es jemals tun könnte. Ob er sie je wieder küssen könnte, ohne an Caldric zu denken, oder an den Clan...
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ich meine Gefühle abschaff.
Unterdrück am Tag noch den Hass,
bis ich ihn am Morgen rauslass."
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » Sa, 15. Sep 2012 23:56

Skarvo saß am Feuer, lümmelte lässig da, den Ellbogen auf seinem Knie aufgestützt und die Hand vor den Mund gepresst und lauschte der Debatte zwischen Théro und Aenaeris. Sie wusste nicht mehr, was sie denken sollte… eine Zeit lang hatte sie sich so im Recht gefühlt, doch je mehr sie darüber nachdachte, desto mehr wurde ihr klar, dass, egal wie man es auch drehte und wendete, sie im absoluten Unrecht war. Es war unerheblich, ob sie davor unbefriedigt gewesen war, ob sie betrunken war, oder rachsüchtig, sie hätte es niemals tun dürfen und es gab keine Entschuldigung dafür. Als er sie ansah, erkannte sie, wie verletzt er war und wie sehr sie ihm Unrecht getan hatte. Sie starrte wieder ins Feuer, denn sie konnte ihn nicht ansehen. Sie dachte angestrengt darüber nach, was sie nun tun sollte… und eigentlich gab es nur eine Antwort. Sie stand auf, ging zu Théro der noch an der Felswand lehnend da saß und kniete sich vor ihn. Sie wollte ihn nicht vor den Kopf stoßen oder ihn beleidigen in dem sie ihn berührte, auch wenn sie dies so gern getan hätte. Sie wartete bis er sie ansah und dann sagte sie „Lass uns morgen zurück zum Kastell reiten… Nachhause… Ich gebe Dir alle Zeit, die Du brauchst…“ Sie konnte in seinem Gesicht nichts ablesen, keinerlei Regung war darin zu erkennen. Hatte er ihr überhaupt zugehört? Sie presste die Lippen aufeinander und stand dann wieder auf und ging zu ihrem Platz zurück. Sie zog sich ihren Mantel fest um den Körper, hüllte sich noch in eine von Skarvos Decken und rollte sich dann zusammen, um zu schlafen. Wie gern wäre sie jetzt bei Théro gelegen, einfach nur so, um seine Anwesenheit zu spüren, nicht mehr… „Gute Nacht, Skarvo…“ murmelte sie. Es war tröstlich, dass er noch da war, auch wenn nur noch bis morgen Früh. Es tat ihr ein wenig leid, dass Théro und Skarvo kaum miteinander sprachen… sie hatten sich nur die wenigen Stunden am fest unterhalten, und seitdem er hier war, was schon den ganzen Tag der Fall war, hatte Théro keine Notiz von ihm genommen. Zumindest war es warm nahe am Feuer. Zusammen mit der Wärme die Mantel und Decke spendeten, ergab dies eine wohlige Wärme, die sie recht bald einschlafen ließ. Sie schlief die Nacht dennoch schlecht, wachte immer wieder auf und war dann des Morgens unausgeschlafen, müde und ein wenig schlecht gelaunt.

Sie ging als allererstes zu Abari. In dem Topf in dem sie Suppe gekocht hatten, hatte sie über der Glut Schnee zu Wasser schmelzen lassen, um ihr zu tränken. Zu fressen für ihn gab es kaum etwas, wenn man den Schnee umgrub um an den gefrorenen Boden zu kommen, wuchsen da nur gefrorene Flechten und ein wenig Moos… Das Kastell lag etwa zwei Tagesritte entfernt. Aenaeris war ein wenig verunsichert, ob sie gemeinsam auf Abari den Heimweg bewältigen würden. Doch in der verschneiten Landschaft hatte sie kaum Orientierung, es sah alles so gleich aus und außerdem kannte sie den Weg nicht, wenn er also wollte, dass sie im Kastell ankommen würde, hatte er vermutlich keine andere Wahl. Skarvo hatte ihnen ein wenig Proviant eingepackt, ein wenig Trockenfleisch, ein wenig Brot und ein großer Schlauch, vermutlich wieder mit Schnaps gefüllt, gedacht als eine Art Notfallmedizin, doch Aenaeris wusste, dass sie keinen Tropfen trinken wollte, es war ihr mehr als gründlich vergangen. Théro würde sich dem Schnaps zur rechten Zeit sicherlich annehmen. Als es Zeit war, los zu reiten, verabschiedete sich Aenaeris von Skarvo. „Möchtest Du sicher nicht mitkommen? Théro hatte Dich eingeladen, als ihr auf dem Weg zu den Clans wart...“ Skarvo winkte ab „Ich muss zu den anderen Händlern zurück, wir werden weiterreisen… jetzt, wo der Clan zur Hälfte so gut wie nicht mehr existiert…“ Aenaeris schlug beschämt die Augen nieder „Alles nur wegen mir…“ Er legte ihr aufmunternd die Hand auf den Arm und drückte ihn. „vielleicht kommen wir, wenn im Frühjahr die Schneeschmelze eingesetzt hat… solange ist es ja nicht mehr, bis dahin… und vielleicht seid ihr dann miteinander wieder im reinen.“ Aenaeris warf einen Blick zurück auf Théro und sah dann wieder Skarvo an. „Ich hoffe es… und ich würde mich sehr freuen, Euch alle bald wieder zu sehen…“ Skarvo nickte und ging dann dennoch zu Théro. Die beiden Männer wechselten einige Worte, drückten sich, wie es unter Männern üblich war, und dann lief Skarvo durch den Wald zurück Richtung Clan. Er hatte darauf verzichtet, sich auf dem Pferd hinbringen zu lassen, dafür war er vermutlich doch zu stolz…

Als Skarvo weg war, meinte Aenaeris „Ich kenne den Weg nicht… führe Du bitte Abari…“ Er nickte knapp und stieg dann auf. Tröstlicher Weise hielt er ihr eine Hand hin, um ihr beim Aufstieg zu helfen. Sie nahm die Hand und zog sich dann aufs Pferd. Ein wenig zögerlich umfasste sie ihn um sich festzuhalten, doch sie freute sich ein wenig, ihm zumindest für die wenigen Stunden die sie ritten ein wenig nahe zu sein. Am ersten Tag ritten sie beinahe durch und der Hengst schnaubte und keuchte und kämpfte sich mühsam über die verschneiten Pässe. Am Abend hielten sie auf einer windgeschützten Waldlichtung. Aenaeris entfachte ein Feuer Auch hier gab es kaum Futter für den Hengst. Seine Glieder fühlten sich kalt an. Sorgenvoll schmolz Aenaeris Schnee in dem Topf, den Skarvo ihnen überlassen hatte. Es war zu wenig Wasser, das wusste sie… sie hatte das Gefühl, sie brachte Stunden zu, einfach nur Schnee in den Topf zu häufeln und diesen am Feuer zu erwärmen, dass sie selbst nicht daran dachte, zu trinken oder zu essen. Nachts deckte Aenaeris den Hengst mit der Decke zu, die sie selbst gebraucht hätte, doch Abari ging vor. Sie fror diese Nacht ein wenig. Das Feuer war ausgegangen, hier gab es kaum geeignetes Feuerholz und die Glut, die noch gloste, spendete in der kalten Winternacht weitaus weniger Wärme. Doch auch diese Nacht ging vorbei und am Morgen hielten sie sich kaum auf sondern ritten weiter. Man konnte förmlich spüren, dass keiner von beiden es erwarten konnte, endlich das Kastell zu erreichen, um ein wenig Distanz vom anderen zu bekommen… mit ein wenig Glück würden sie es vor Einbruch der Dämmerung erreicht haben.

Gegen Mittag, kurz bevor sie eine Rast einlegen wollten, verlangsamte der Hengst sein Tempo immer mehr. Théro trieb ihn ein wenig mehr an, doch der Hengst ließ es nicht zu sondern schritt noch langsamer, bis er schließlich stehen blieb. Théro stutzte kurz und stieg schließlich ab. „Er scheint völlig übermüdet, wir rasten hier…“ meinte er und Aenaeris ließ sich ebenfalls von dem Pferd gleiten. Als sie von Abari rutschte, glitt ihre Hand über sein Fell welches schweißnass und kalt war. „Irgendetwas stimmt nicht mit ihm…“ meinte Aenaeris beunruhigt, während sie ihre flache Hand über seinen Körper gleiten ließ. Sie trat zu ihm an den Kopf und strich ihm über Hals und Kopf. Seine Augenlider waren ebenso wie seine Lefzen bläulich verfärbt und seine Atmung ging schnell und flach. War er vorher noch unruhig gewesen, schlug diese Stimmung recht rasch in Teilnahmslosigkeit um. Ratlos wanderten ihre Blicke über Abari bis hin zu Théro, welcher ebenso die Schultern zuckte. Sie verstanden beide nicht soviel von Pferden, dass sie sagen konnten, was nicht stimmte. Aenaeris sattelte ihn ab und breitete die Decke über seinen Rücken aus. Sie entfachten ein Feuer und Aenaeris begann wieder die mühselige Arbeit, Schnee zu Wasser zu schmelzen. Ihre Finger waren bereits rot gefroren und schmerzten und als sie Abari dann das Wasser anbot, lehnte dieser es ab. Als ein wenig Zeit vergangen war, ging der Hengst in die Knie und kurze Zeit später fiel er auf die Seite in den Schnee. Nach einiger Zeit starrte der Hengst aus leblosen Augen in den wolkenverhangenen grauen Himmel. Die letzten Tage in den wilden Landen hatte er zu wenig Flüssigkeit bekommen, der Ritt war zu anstrengend, sein Körper hatte versagt und nach einem Schock war er verstorben. Ungläubig kniete sie sich zu ihm, weil sie es nicht wahrhaben wollte. „Nein…Abari…bitte nicht… “ flüsterte Aenaeris. Sie konnte nicht glauben, dass der Hengst verschieden war. Sie spürte, wie ihre Kehle austrocknete und sich wie zugeschnürt anfühlte. Matt erhob sie sich und sie setzte sich und lehnte sich an den knorrigen dicken Stamm einer Kiefer und heiße Tränen stiegen in ihre Augen. Sie fragte sich, ob es noch schlimmer werden konnte…
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Thėro Schattenmal » So, 16. Sep 2012 10:05

Der Nordmann hatte Abari abgesattelt und auch die Taschen abgenommen, während Aenaeris das Wasser am schmelzen war. Dann hatte er alles neben dem Feuer abgelegt und sich selbst vor die Flammen gekniet. Er wusste noch immer nicht wie es nun weitergehen sollte. Er wusste ja nichtmal was er bei ihren Berührungen fühlen sollte... Als sie geritten waren, den ganzen Tag, hatte er immer wieder geschwankt. Auf der einen Seite tat es gut ihre Nähe zu spüren, auf der anderen hätte er sie am liebsten vom Pferd gewchubst und wäre alleine weitergeritten. Sie hatte ja recht gehabt das er sich entscheiden musste, aber das konnte er nicht so einfach... Und erst recht nicht so schnell. Warum ritt er überhaupt mit ihr? Es lag wahrscheinlich daran das er nicht wollte das ihr noch einmal etwas passierte. Er wollte nicht, das sie verletzt -oder schlimmer- wurde, nur weil er zu stolz war um mit ihr zu reiten. Sein Blick schweifte über die Satteltaschen und er schloss die Augen. Jede einzelne seiner Wunden prickelte in der Kälte, schmerzte still vor sich hin und trieb ihn in den Wahnsinn. Aber er hatte sie noch immer nicht verbunden, in dem Punkt wollte er nicht nachgeben, denn er konnte sie alleine nicht verbinden und wollte ihre Hilfe nicht.

Théro zog den Mantel enger um sich und starrte weiter in die Flammen. Kalt war ihm nicht wirklich, denn er trug noch das Bärenfell unter seiner Kleidung. Es war einfach zu praktisch gewesen um es dort zurück zu lassen. Er war sowieso mittlerweile so von Dreck und Blut überzogen, da machte das Fell auch keinen Unterschied mehr. Er nahm auch keine Gelegenheit wahr sich zu waschen oder sauber zu machen. Dafür war es einfach zu kalt und zu tödlich. Sein Blick fiel nun endlich auf Aenaeris, wenn sie ihn sauber haben wollte würde sie ihm im Kastell schon ein heißes Bad einlassen. Sie hätten noch einen Zuber gebrauchen können, aber der war auch schnell gezimmert und stellte kein Problem dar. Théro unterbrach seine Gedanken und sah stirnrunzelnd zu der junge Arcanierin hin. Als er ihre Tränen bemerkte, fiel sein Blick auf den Hengst und es war unschwer zu erkennen das dieser wohl nicht mehr aufstehen würde. Dann wandte er den Kopf wieder ab und trat das Feuer aus. Er packte alles zusammen und schulterte dann den Kessel, mitsamt dem Sattel. Dann ging er zu Aenaeris, kniete sich vor ihr hin und sah ihr in die Augen, "Nimm die Taschen und komm. Wir müssen uns beeilen, oder willst du hier erfrieren?" Er wusste das sie ihn nun eigentlich brauchte, das sie tröstende Worte von ihm erwartete oder mehr. Kopfschüttelnd starrte er sie noch einen Moment an und hob dann eine Hand. Er strich vorsichtig und ganz leicht über ihre Wangen und nahm dabei ihre Tränen mit fort. Während seine Fingerspitzen über ihre weiche Haut strichen, beugte er sich vor um sie zu küssen. Dann zuckte er jedoch unmerklich zusammen, stand plötzlich auf und drehte sich herum, "Beeil dich, sonst wird das eine harte Nacht."

Eigentlich hätte er den Gaul gehäutet und ausgeweidet, denn Pferdeleder war eines der strapazierfähigsten und Pferdefleisch an manch Orten eine Delikatesse, so sagt man. Aber sie hatten Proviant genug und das Gerberhandwerk beherrschte er ebensowenig wie das eines Lederers. Er musterte Abari noch eine Zet lang, bis Aenaeris endlich fertig war mit allem und sie weiterziehen konnten. Trotzdem war es schade drum, er hätte aus dem Fell sicher einen schönen Bezug für den Badezuber machen können und Fleisch konnten sie immer gebrauchen. Sein Blick wanderte zwischen dem toten Pferd und Aenaeris hinterher und schließlich ging er kopfschüttelnd weiter. Es war töricht das ganze schöne Fleisch und das Leder liegen zu lassen nur damit es wilde Tiere fraßen konnten, aber er wusste wie viel Abari ihr bedeutet hatte und das es sich auf irgendeine Weise nicht schickte solch ein Tier dann auszuweiden und zu fressen. Er seufzte leise auf und schob den Mantel etwas enger zusammen. Der Kessel und der Sattel allein waren schon schwer genug, trotzdem hatte er noch etwas von dem verkohlten und unverkohlten Feuerholz in den Eisentopf gepackt, damit sie etwas hatten, sollten sie bis zur Nacht nicht im Kastell sein. Er würde sich Abari eines Nachts holen, wenn sie es nicht merkte, und würde ihm die Haut abziehen. Aber dann würde er sie nirgendswo benutzen können, ohne das sie es merkte...

Grummelnd stapfte er weiter. So waren nunmal Frauen... Oder lag es eher daran das sie Arcanierin war und andere Sitten kannte? Er wusste es nicht genau. Aber eines wusste er nun mit Sicherheit, verschiedene Völker verstanden sich nie gut, nicht einmal die wilden und die Arcanier. Es hatte nur böses Blut gegeben, bis dann etwas passiert war und die Konsequenzen ihn wieder einholten. Er sah über die Schulter zu Aenaeris, die stur geradeaus starrte und kämpferisch versuchte mit ihm Schritt zu halten und durch den Schnee zu stapfen. Der Nordmann sah wieder geradeaus und schmunzelte ganz kurz. Sie waren wirklich lange durchgelaufen, seit der Mittagszeit, und nun neigte sich der Tag bereits dem Ende zu. Er hätte ihr niemals zugetraut, das sie es so lange durchhalten würde, geschweige denn ihm so nah auf den Fersen zu bleiben und war wieder einmal überrascht von der jungen Frau. Noch ein Stück ließ er sie kämpfen, ehe sie langsamer wurde und etwas zurückfiel. Dann hielt auch er an und wartete bis sie neben ihm war. Er sah hinauf in den Himmel, sah die Berge am Horizont hinter denen die Sonne längst verschwunden war und strich sich durch seine Haare. Er fröstelte leicht und schätzte die Entfernung bis zu den Bergen ab, es waren noch ein paar Kilometer zu laufen. Sie hatten die Strecke bisher immer mit dem Pferd oder als Wolf überwunden, zu Fuß und gerade noch im Schnee, war das alles wesentlich anstrengender.

Schließlich zeigte er mit dem Finger etwas nach rechts. Sie befanden sich noch immer im Wald und dort standen ein paar riesige Nadelbäume die ihnen Schutz bieten würden. Zumindestens vor dem Wind und dem Schnee. Sie hatten nicht viel geredet, während dem langen Marsch und er stellte den Kessel ab, damit sie ein Feuer entzünden konnte, mit dem restlichen Holz und der Kohle. Dann stapfte er weg von ihr, in den Wald hinein, und begann damit so viel Holz zu sammeln wie er nur finden und tragen konnte. Als er wiederkam brannte bereits ein Feuer und sie hielt ihre Hände an die warmen Flammen. Der Nordmann legte das teilweise noch gefrorene und nasse Holz in den Kessel und hängte ihn wieder übers Feuer, damit es trocknen konnte und es später besser brannte. Dann schabte er den Schnee vom Boden, so das genug Platz für sie beide am Feuer war und ging zu ihr hin. Er zog sie wortlos mit sich, wartete bis sie sich erschöpft nahe ans Feuer legte und nahm dann die zwei Decken die an dem Sattel festgebunden waren. Dann zögerte er einen Moment. Es war eigentlich nicht die richtige Situation dafür, aber die Nächte wurden kälter und auch der Wind frischte auf. Er sah förmlich wie ihre Lippen zitterten und gab sich einen Ruck. Er kniete sich hinter sie, strich über ihre Schulter und legte sich dann hin. Er breitete beide Decken über sich und Aenaeris aus, schloss kurz die Augen und rutschte enger an sie heran. Dann umschloss er ihre Taille mit beiden Armen und genoss einen Moment ihre Nähe und ihre Körperwärme, ehe er die verhassten Gedanken anfing zu bekämpfen und vor sich hin brummelte. Er wusste nicht, ob er die Nacht schlafen konnte, aber das war so oder so unwichtig, jemand musste schließlich das Feuer am Leben halten.
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » Mo, 17. Sep 2012 9:25

Aenaeris hatte die Nacht relativ gut geschlafen. Zwar war die Kälte des gefrorenen Waldbodens ein wenig durch die Schichten ihrer Kleidung an ihren Körper gekrochen, doch dass Théro sich zu ihr gelegt hatte war das Beste was ihr in dieser eiskalten Einöde hatte passieren können. Es war zunächst ein wenig seltsam gewesen, ihn so nahe an sich zu spüren, und ihr Herz klopfte unruhig, doch sie schwieg und ließ ihn gewähren. Seit sie im Clan waren, hatte sie Seiten an Théro entdeckt, die sie vorher nicht gekannt hatte und sie fürchtete ein wenig seine harsche und unberechenbare Art. Sie hatte keine Angst vor ihm, doch sie hasste diese Konfrontationen mit ihm, die meistens nur in Streit, bösem Blut oder anderen Katastrophen endeten, weil sie beide gleich stur und hitzköpfig waren. Doch am Morgen war ihr erster Gedanke der an Abari. Aenaeris hatte mit Tyn oft viele Gespräche über den alten Glauben geführt. Tyn hatte ihr die Etáin näher gebracht, und dass es jene waren, die die Natur und deren Verlauf bestimmten, und nicht die Götter. So gesehen musste man dankbar sein, dass es nur das Pferd gewesen war, das die unbezähmbare Wildnis nicht überstanden hatte, und nicht Aenaeris oder Théro. Sie vermisste Tyn, sie war ihr eine gute Freundin geworden und Théro hatte sie ihr genommen. Sie wusste nicht, ob es schmerzlicher gewesen wäre, im Bewusstsein zu leben, dass sie die Frau nie wieder besuchen hätte können durch die Verbannung, oder aber zu wissen, dass sie sie ohnehin nie wieder sehen würde weil sie tot war. Was hatte sie Théro nur getan, dass er sie umgebracht hatte? Sie wagte es nicht, ihm Fragen zu stellen. Obgleich sie gerne über alles mit ihm gesprochen hätte, einfach über alles, sie wollte nichts aufwühlen oder wieder seinen Zorn oder Hass schüren. Doch durch den Verlust von Abari fiel ein großes Stück an Bequemlichkeit und Erleichterung weg. Sie mussten nun alles selbst tragen und die Distanzen zu Fuß überwinden. Sie kannte Théro, er wäre mit ziemlicher Sicherheit lieber des Nachts als Werwolf umhergestrichen, und doch tat er es nicht. Sie konnte es nur vermuten, warum dies so war. Tröstlich war, dass es, wenn sie durchliefen, nur noch wenige Stunden sein würden, bis sie das Kastell erreichten. Sie packten ihre Habseligkeiten zusammen und ohne große Worte zu wechseln lief sie Théro hinter her. Es war ein milder sonniger Wintertag, der Wind war verebbt und ab und an konnte man sogar einige Vögel zwitschern hören, die hier in den wilden Laden dem Winter trotzten und hier blieben anstatt in den Süden zu ziehen. Die Sonne wärmte ein wenig und Aenaeris konnte sich kaum mehr vorstellen dass sie vergangene Nacht und auch die letzten Tage hier so gefroren hatte, dass sie gedacht hatte, sie würde es nicht überleben.

Nach Mittag erreichten sie das Kastell. Jetzt erst nach diesem Marsch war Aenaeris bewusst, wie wenige Tagesmärsche das Kastell eigentlich am Clan lag… und doch spielte dies keine Rolle mehr… nie wieder würden sie dorthin zurückkommen können ... Aenaeris hätte sich sehr gewunschen, dass die Dinge anders gekommen wären. Wie würden Théros Eltern ihn in Erinnerung bewahren, als Lügner und Verräter, oder behielten sie ihn in guter Erinnerung, und dass er trotz allem oder gerade mit dem Fluch sein Leben so gut im Griff hatte … wenn man von dem letzten Gemetzel absah … Was Neré über sie dachte, nun, das war ungewiss … und es hatte keine Bedeutung mehr… alles war ihnen künftig den Clan betreffend, verwehrt. Sie schritten durch die Tore der Mauer und standen im Innenhof. Man konnte nicht viel erkennen, es war alles zugeschneit. Aenaeris erster Blick fiel auf den Brunnen und sie hoffte, dass dieser nicht zugefroren war. Im Innenhof nahe des Burgfrieds sah sie kleinere Pfotenspuren, sie verstand zwar nichts vom Spurenlesen, doch dass diese keine drei Tage alt waren, konnte auch ein Narr erkennen. Sie musste schmunzeln. Charr war immer noch hier. Er würde jetzt nach ein paar Monaten bestimmt kein Welpe mehr sein, doch er hatte Théro sicherlich nicht vergessen, sonst wäre er bestimmt schon weitergezogen. Aenaeris erster Weg war der ins Kellergewölbe. Sie musste sich vergewissern, was mit den Vorräten passiert war, die sie eingelagert hatten. Es war recht kalt im Keller. Sie betastete die Äpfel und sie waren steinhart … und gefroren … es war im Grunde egal, man konnte sie immer noch essen, als Mus gekocht … ihr Blick fiel auf den Feuerkorb, der herumstand. Er hatte nur auf den Winter gewartet um seiner Bestimmung zugeführt zu werden. Sie nahm das schwere eiskalte Eisengeschmiede, packte einige Äpfel hinein und trug es aus dem Keller. In der Küche würden sie es nicht brauchen, da gab es ja eine Feuerstelle, aber im Schlafraum würde es nützlich sein. Sie ging die Stufen hinauf und betrat die Küche. Aenaeris fegte die kalte Asche in der Feuerstelle zusammen und schüttete sie aus dem Fenster, wo sie als graue Aschewolke niederging und den Schnee grau und schwarz färbte wo sie sich auf den Schnee setzte. Dann entzündete sie neues Feuer. Sie hatte dies nun schon so oft getan, dass es ihr ganz leicht von der Hand ging. Sie genoss die wohlige Wärme, die von dem Feuer ausging. Sie wärmte sich eine Zeit lang auf, legte dann einige Holzscheite nach und bald war es so warm, dass sie ihren Mantel ausziehen konnte ohne zu frieren. Sie brauchte Wasser ...

Sie lief hinunter in den Innenhof, doch der Brunnen war gefroren. Sie war ein wenig ratlos. Sie blickte sich um, konnte Théro aber nirgends entdecken. Sie zuckte die Schultern. Fürs erste war das egal, solange Schnee lag, konnte sie diesen zumindest schmelzen. Es war zwar kein Vergleich zu dem Brunnenwasser aber es war besser als nichts. Sie füllte den Eimer der am Brunnen stand mit Schnee, drückte diesen fest hinein, so gut es nur ging. Wenn der Schnee erst geschmolzen war, würde nicht einmal ein Drittel des Inhalts der vorher Schnee war, übrig bleiben. Danach lief sie zurück in das Herrenhaus und in die Küche. Sie schüttete den Schnee in den Kessel und man konnte zusehen wie der Schnee in dem heißen Eisenkessel schmolz. Sie nahm zwei gute Handvoll Getreidekörner und warf diese dazu. Getreidebrei … das war nun in den nächsten Monaten wohl ihr Hauptnahrungsmittel. Théro würde es anders halten, doch das war seine Sache. Momentan würde er damit Vorlieb nehmen müssen, Fleisch gab es keines mehr, selbst wenn es welches gegeben hätte, wäre es vermutlich längst verfault und verrottet, solange wie sie nicht hier gewesen waren. Im Winter gab es auch nicht so viel Wild wie im Herbst … viele Tiere hielten Winterschlaf, oder zogen in die milderen Gefilde um Nahrung zu finden. Die Äpfel die nahe beim Feuer lagen und schon ein wenig angetaut waren, schnitt sie mit ihrem scharfen Dolch in Stücke, befreite sie von Stiel und Kerngehäuse und warf diese dazu. Nach einiger Zeit verströmte der Getreidebrei, wenn man solchen mochte, einen angenehmen Duft und Théro erschien in der Tür, betrat die Küche und setzte sich zum Feuer um sich aufzuwärmen. Aenaeris bedachte ihn mit einem forschenden Blick. Woran er wohl gerade dachte? Aenaeris rührte den Brei noch einmal kräftig durch und nahm ihn dann vom Feuer. Sie nahm sich eine Portion, dann richtete sie das Wort an Théro. „Möchtest Du auch etwas davon? Ich glaube jeder, der einmal von Tyns Wurzelbrei…“ sie unterbrach sich, in dem sie Hand vor den Mund schlug und schwieg. Sie schloss die Augen und ihr wurde übel. Sie konnte dieses Schweigen und dieses Totschweigen, diese ständige Vorsicht vor dem was sie aussprach und besser nicht aussprach nicht mehr ertragen. Sie fuhr sich mit den Händen übers Gesicht und strich sich die Haare zurück. „Lass uns endlich über alles in Ruhe reden, Théro… ich halte das nicht mehr aus… ich möchte alles, was mir auf der Seele liegt, aussprechen ... über den Clan ... über deine Mutter ... über Tyn ... über Caldric ... ja ... ganz besonders über Caldric ... meine Wut ... meine Verzweiflung ... wie soll alles besser werden, wenn wir es nicht besprechen und bereinigen? Ich möchte, dass alles so wird wie früher ... bevor ich in das Tal geritten bin ... bitte sag mir endlich, was Dich beschäftigt und ich werde das auch tun ..."
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Thėro Schattenmal » Mo, 17. Sep 2012 17:40

Als sie endlich das Kastell erreichten, sah der Nordmann sich unruhig um. Aber es waren keine Spuren zu erkennen, bis auf die von Charr, sodass er beruhigt in den Innenhof ging. Schulterzuckend ging er Aenaeris hinterher und stellte den Eisenkessel in die Haupthalle. Er sah sich kurz um, zumindestens waren sie hier vor Wind und Schnee geschützt und sie hatten es ja auch irgendwie geschafft durch den verschneiten Pass wieder herzufinden. Der Preis dafür war allerdings hoch gewesen und die Reise hatte Abaris Tod bedeutet. Schulterzuckend ging er wieder in den Innenhof und zum Stall. Er legte den Sattel auf einen der Holzbalken und sah sich dann um. Eigentlich brauchten sie das ganze Holzgebäude nun gar nicht mehr und vielleicht konnte er aus dem Holz noch etwas nützliches machen. Man musste schließlich aus jeder Situation einen Nutzen ziehen und Abari war für ihn nicht mehr gewesen als ein Transportmittel. Das mochte sich vielleicht hart anhören, aber er hatte das Pferd sowieso nur behalten weil er Aenaeris damit ein Geschenk gemacht hatte. Seufzend senkte er den Kopf und zog seinen Mantel enger um sich, ehe er aus dem Stall hinaustrat und in den Burgfried hinüber ging. Er steckte den Kopf hinein und roch das frische Blut sofort. Auch schmeckte er förmlich den rohen Hasen, der vor ihm lag und schon von anderen Reißzähnen bearbeitet wurde. Théro musterte Charr, er war ganz schön gewachsen und mittlerweile so groß wie ein Hund. Anscheinend jagte er auch wahrlich gut, denn überall in dem großen Wehrturm waren Überreste und Knochen verteilt. Der Wolf knurrte leise, als er ihn bemerkte und der Nordmann knurrte zurück. Dann ließ er sich in die Hocke sinken, legte den Kopf schief und starrte ihn einen Moment lang an. Der junge Wolf kam etwas näher, schnupperte an seiner blutigen Hand und leckte darüber. Dann schmiegte er seinen großen Kopf in seine Handfläche und Théro kraulte ihn schmunzelnd. Er hatte ihn zumindestens nicht vergessen, aber kurz blitzte Sorge auf. Der Wolf musste sich an Aenaeris gewöhnen und sie akzeptieren. Aber dafür war auch noch später Zeit...

Er hatte lange herumgetollt und die Zeit totgeschlagen, mit Charr, ehe er sich ins Herrenhaus begab und nach oben stieg. Er hatte den zweiten Kessel mitgenommen und ihn ins leere Zimmer gestellt, ehe er in die Küche zu Aenaeris ging. Es roch nach Brei, kein angenehmes essen besonders für einen Wolf, aber ihm blieb wohl kaum eine Wahl. Er setzte sich wortlos neben sie und starrte in die Flammen. Bei ihren Worten zogen sich seine Augenbrauen zusammen und er starrte sie stirnrunzelnd an. Was erwartete sie nun von ihm, worüber wollte sie denn noch reden? War nicht längst alles gesagt worden und... "Hast du nicht schon alles in meinen Erinnerungen gesehen, wodrüber willst du denn noch reden?" Sprach er leise grummelnd seine Gedanken aus und starrte wieder in die Flammen. Er hatte keine Vorstellung davon, was sie nun von ihm erwartete, oder wodrüber sie reden wollte. Schulterzuckend aß er seinen Brei und schwieg eine Zeit lang. Dann sah er sie wieder an, "Warum ich Tyn umgebracht habe? Weil die Hexe in meinen Kopf kriechen wollte und mich manipulieren... Sie wusste das ich ein Werwolf bin und sie wusste was ich bereit war zu tun. Also wollte sie mich stoppen, vielleicht sogar umbringen, was weiß ich... Ich habe nach reinem Instinkt gehandelt, abgesehen davon das ich unvorstellbar wütend war, und ihr ein Messer in die Kehle gerammt. Ich hasse es wenn Menschen in meinen Kopf wollen, ich kann Magie so oder so nicht wirklich leiden und ich wollte überleben..." Er schluckte etwas von dem Brei herunter und sah Aenaeris nur kurz an, ehe er den Blick aufs Feuer richtete, "... Überleben um zu töten, um Vergeltung zu üben für den begangenen Verrat. Was mich beschäftigt? Du hast mich verraten, zusammen mit dem einzigen Menschen dem ich im Clan wirklich vertraut habe. Du hast mich betrogen und verletzt und der Schmerz hat mich rasend gemacht und tut es noch immer." Der Wolf hatte seine Schüssel leer gegessen und stellte sie neben sich ab. Dann stand er langsam auf und sah sie noch einmal lange und schweigend an, "Vielleicht wird es einmal so wie früher, aber das kann nur die Zeit bringen. Ich denke das reicht für heute. Es liegt noch viel Arbeit herum und ich will nicht weiter darüber reden... Zumindest heute nicht mehr." Schließlich ging er um sie herum, ließ sie in der Küche sitzen und schloss die Tür wieder hinter sich, damit die Wärme drinnen blieb. Dann lehnte er sich gegen das Holz und starrte an die Decke. Konnte sie es nicht einfach darauf beruhen passen? Er wusste nicht recht ob es gut war über diese Dinge zu reden, aber es wühlte ihn innerlich auf und er brauchte jetzt unbedingt Ablenkung. Ansonsten würde er vielleicht noch etwas tun, was er bereuen könnte.

Der Nordmann hatte die Bretterreste vom Dachboden mitgenommen und ein paar aus dem Stall herausgerissen. Grummelnd hatte er einen großen runden Boden gezimmert und fing nun damit an eine Wand zu fertigen. Er hatte einen dehnbaren, stabilen Ast um die Bretter geschlungen und zwei Eisenreifen von zerstörten Fässern. Jetzt hämmerte und sägte er schon eine ganze Weile daran herum. Es gab wirklich wichtigeres zu tun, als das hier, aber er brauchte ein wenig Ablenkung und mit Holzarbeiten schaffte er das immer am besten. Er murrte leise vor sich hin und nagelte ein letztes Brett fest, ehe er aufstand und sich sein Werk ansah. Er befand sich in dem vierten, leeren Zimmer im ersten Stock des Herrenhauses und hatte nun auch einen Nutzen dafür gefunden. Théro prüfte nochmal den hölzernen Badezuber vor sich und nickte dann zufrieden. Er ging in den Keller, holte sich zwei dünne und zerschlissene Rehfelle und breitete sie in dem Zuber aus, damit man besser darin saß und er auf jeden Fall dicht hielt. Dann nagelte er sie oben am Rand und unten in den Ecken fest, darauf bedacht das man sich an den Nägeln nicht schneiden würde und nickte erneut. Schließlich schob er ihn an die Wand und begann mit dem zweiten Teil seiner Arbeit. Aus Steinen fertigte er eine große Feuerstelle an und mit etwas Eisen und Angeln darüber eine Aufhängung für den großen Kessel. So würde man nur den Kessel füllen und erhitzen müssen und konnte ihn direkt in den Zuber gießen. Es war auch noch relativ kalt in dem Raum, da er den letzten Fensterladen noch nicht befestigt hatte, aber zumindestens die neue Tür hielt die Kälte davon ab durchs gesamte Haus zu kriechen. Den Laden wollte er auch unbedingt heute noch anbringen, was zusätzliche Zeit und Geduld einfordern würde. Aber immerhin hielt seine Mauer den Unwettern der letzten Monde stand und war nicht wieder zusammengefallen. Théro würde wohl noch bis zum Abend damit beschäftigt sein und war ausserordentlich froh darüber. Er wollte nicht andauernd mit Aenaeris zusammen sein, wollte nicht das sie andauernd aufeinander hockten. Das würde schlussendlich doch nur zu Streit führen und er brauchte diese Distanz vorerst wirklich. Sehnsüchtig sah er zu dem Badezuber, so komisch es auch klingen mochte, aber er freute sich bereits darauf morgen ein heißes Bad nehmen zu können, sich den ganzen Schmutz und das Blut endlich vom Körper zu schrubben und seine Wunden zu säubern. Es war wirklich allerhöchste Zeit dafür, er stank schon schlimmer als der Burgfried, samt Tierkadavern und dem nassen Wolf...
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » Di, 18. Sep 2012 8:39

Aenaeris schluckte ob seiner harten Worte. „Deswegen bin ich nicht wirklich bereit für die Feuermagie … ich weiß, dass Du Magie nicht leiden kannst … doch Tyn hätte Dich mit Sicherheit nicht umgebracht, das weiß ich … das hätte sie mir nie angetan … Hexe hin oder her, sie war Dir körperlich so unterlegen, es war unnötig, so weit zu gehen … Du hättest sie auch anders außer Gefecht setzen können …“ Théro zuckte die Schultern. Aenaeris erkannte, dass er sich im Recht fühlte und meinte, richtig gehandelt zu haben. „Du hast mich doch zuerst betrogen…“ sagte sie leise. „Ich weiß, Du siehst es nach wie vor als Vergeltung und Rache an, doch Du hattest, als Du das Urteil des Fürsten anerkannt hattest, auf Caldric gedeutet. Du hast mir kein Wort gesagt von dem, was Du vorhattest … Für alle hat es so ausgesehen, als würde Caldric an Deiner Statt das Urteil vollziehen… und dennoch wissen wir, was am Ende geschehen ist … Caldric hatte mir erzählt, dass er sie zuerst geschlagen und danach genommen hatte … warum musstest Du sie danach noch aufsuchen? Du hast danach meine Anwesenheit gemieden und bist lieber zu Deinen Saufkumpanen gegangen, weil Du wusstest, dass Du mir nicht in die Augen sehen kannst … und wenn ich Herans Frau danach nicht im Lazarett gesehen hätte, und bei Tyn nachgeforscht hätte, ich hätte es wohl nie erfahren… Tyn hat im Übrigen kein Wort verloren, wer es getan hatte … sie mochte Dich sehr und wollte nicht zwischen den Fronten stehen … ich konnte es mir selbst zusammenreimen, warum sie nichts gesagt hatte … ich will nicht sagen, dass ich besser bin, noch will ich den Betrug abstreiten. Ich war ziemlich betrunken, verletzt, enttäuscht und leider ziemlich lüstern, nachdem bei Dir nichts mehr ging, doch zumindest hatte ich noch soviel Anstand im Leib dass ich danach sofort zu Dir gegangen bin, um es Dir zu beichten. Ich habe mir einen schweren Fehltritt geleistet, und doch ich habe mich nicht gescheut Dir sofort die Wahrheit zu sagen…“ Sie schwieg einen Moment, dann sprach sie weiter. „Wenn er Dir wirklich soviel bedeutet hatte, dann hättest Du ihn nicht einfach umgebracht… Du hättest ihn zuerst fragen können, nach dem Warum… Was, wenn ich in meiner Trunkenheit irgendwelchen Unsinn gesprochen hätte? Ist Dein Geruchsinn so untrüglich, dass Du an meinen Worten keinerlei Zweifel gehegt hast? Caldric gab mir seinen Mantel weil ich fror, und er war davor mit der Schankmaid verschwunden, auch das wäre eine Möglichkeit gewesen, weswegen sein Geruch und andere an mir hafteten… Ich will damit einfach sagen, Du hast völlig überzogen reagiert, besonders, weil Du Dir denselben schweren Fehltritt geleistet hast… Doch lebe damit, dass Du Deinen Bruder umgebracht hast… ich wünschte mir, Du hättest mich an seiner Statt zerfetzt… Wenn Du alles von ihm auslöschen wolltest, müsstest Du auch noch mein Herz aus der Brust reißen und verspeisen, denn er hat immer noch seinen Platz in meinem Herzen. Nicht den, den Du darin hast, aber dennoch mochte ich ihn gern…“ Sie schwieg. Vermutlich verstand er ohnehin nicht, was sie ihm damit eigentlich sagen wollte, und schlimmer noch, er würde es falsch verstehen und ihr daraus einen Strick drehen. „Ja, ich wünsche mir dass es wird wie früher. Doch wozu brauchst Du mich dann an Deiner Seite, um Zeit vergehen zu lassen? Warum stellst Du mir ein Ultimatum, dass ich hier im Kastell mit Dir hocken muss, anstatt Dir die Zeit zu geben die Du brauchst, um all das zu verarbeiten? Viel sinnvoller wäre es gewesen, ich wäre nicht bei Dir, damit Du erkennen kannst, ob Du mich wirklich so sehr brauchst, dass Du mir vergeben kannst … Stattdessen schweigen wir uns an und schüren böses Blut zwischen uns …und es hat meinem geliebten Abari das Leben gekostet … aber gut, es ist Deine Entscheidung und ich habe sie akzeptiert und angenommen …“ Théro stand auf. Für ihn war diese Diskussion beendet und er schloss die Türe hinter sich. Wütend warf sie die schmiedeeiserne Kelle gegen die Tür.


Als sie sich ein wenig beruhigt hatte, stand sie auf und lief die Stufen hinunter und hinaus in den Innenhof. Sie ging in die Stallung und sie wünschte sich, Abari wäre noch hier. Sie sah, dass Théro bereits den halben Stall wieder auseinandergenommen hatte, bei den Alten, was tat er nur mit dem Holz? Er hämmerte bereits seit Stunden im Herrenhaus, und Aenaeris dachte eigentlich, dass es im Winter nichts mehr zu tun gab… doch dass es die Bretter aus dem Stall waren, versetzte ihr schon einen Stich im Herzen. Männer waren da ganz anders als Frauen, sie dachten wirklich nur praktisch und mit dem Kopf, so nüchtern und gefühllos … Am nächsten Morgen sah sie es, was aus dem halben Stall geworden war, ein Badezuber und dazu eine recht praktische Vorkehrung, die es einem ersparte wie eine niedere Dienstmagd oder ein Knecht Eimerweise heißes Wasser zu schleppen. Allein, das auffüllen des Kessels blieb einem dennoch nicht erspart, aber es war schon etwas anderes, ob einem heißes Wasser über die Füße schwappte oder kaltes… Noch vor wenigen Monden hätte sie der Badezuber schwer begeistert. Sie anerkannte die Leistung, die Théro hier vollbracht hatte, doch es war einfach so viel passiert in letzter Zeit, dass sie der Gedanke an ein Bad auch nicht mehr froh machte.

Sie hatte keine Lust zu baden, viel lieber blieb sie einfach nur liegen, dachte nach und hing ihren Gedanken nach. Immer öfter blieb Aenaeris im Schlafzimmer, schlief bis spät vormittags, stand manchmal den ganzen Tag nicht auf, zwang sich Abends früh einzuschlafen und war beinahe erstaunt, wie viel Willenskraft gegen den eigenen Körper bewirken konnte, so dass man praktisch den ganzen Tag dösen und die ganze Nacht trotzdem schlafen konnte. Irgendwann bemerkte sie, dass sie einiges an Körpergewicht verloren hatte. Théro würde es nicht bemerken, wie auch? Das Essen schmeckte ihr nicht mehr, sie aß kein Fleisch mehr, sie hatte es so satt, sie hasste es und es verursachte ihr Brechreiz und der Getreidebrei und die Äpfel hingen ihr ebenso zum Hals heraus. Sie langweilte sich und fühlte sich einsam. Sie war einfach nicht auf Dauer für die Einöde und Einsamkeit geschaffen, eine Zeitlang dachte sie, sie würde Arcanis und die Zivilisation nicht vermissen, doch seit sich alles verändert hatte, musste sie erkennen dass dem nicht so wahr. Eine Zeit lang hatte sie sogar gehofft für immer im Clan zu bleiben. Die Tatsache, dass Winter war, und man überhaupt nichts tun konnte, machte die Angelegenheit nicht besser. Sie hoffte so sehr, dass sich bald, so sie denn Gelegenheit und Lust hatten, Skarvo und die Händler blicken ließen. Er hatte ihr versprochen, dass sie am Rückweg am Kastell vorbeischauen würden, und darauf setzte Aenaeris ihre ganze Hoffnung. Théro hatte immerhin Charr zu seiner Gesellschaft. Die beiden streiften vermutlich viele Nächte zusammen durch die wilden Lande, wie zwei ungleiche Brüder. Abari, mit dem sie oft ausgeritten war, wenn es sie nach Zerstreuung oder Beschäftigung gesucht hatte, war tot und mit dem Wolf, bei dem sie ohnehin das Gefühl hatte, sie würden sich nicht aneinander gewöhnen, fing sie nicht wirklich viel an. Es waren mittlerweile einige Wochen vergangen, und verändert hatte sich kaum etwas, nur Aenaeris …
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Thėro Schattenmal » Di, 18. Sep 2012 18:33

Die letzten Wochen waren einfacher gewesen für ihn. Er arbeitete meistens draussen in den Wäldern, schlug Stämme und Bäume zurecht für den Dachstuhl und jagte auch oft. Es gab nicht viel Wild im Winter und daher jagte er sowohl tagsüber, als auch Nachts. Ausserdem konnte er so wunderbar nachdenken und es herrschte Abstand zwischen ihm und der jungen Arcanierin. Sie blieb viel ihm Schlafgemach und hatte noch nicht einmal gebadet. Er war etwas enttäuscht darüber, denn eigentlich hatte er erwartet das sie sich zumindestens ein wenig über den Zuber freuen würde. Warum das so sehr an ihm nagte, wusste er auch nicht ganz, denn eigentlich hatte er ihn ja nicht für sie gebaut... Oder vielleicht gerade für sie, um sie etwas glücklicher zu stimmen. Die ganze Stimmung lag ihm schwer im Magen und nach dem einen Gespräch hatte er sie gemieden. Natürlich klappte das nicht immer so ganz, aber zumindestens hatte sie das Thema nicht mehr aufgegriffen und auch er hatte es nicht mehr angesprochen. Die Zeit in der Wildnis brachte ihm wieder einiges nahe, die Natur und die die Besonnenheit der Menschen. Er brauchte Geduld, etwas das die Bestie in ihm nicht besaß, und er nutzte die Zeit dafür sich darüber klar zu werden, was er überhaupt wollte. Er hatte gegrübelt über ihre Worte, darüber das Tyn und Caldric ihn gemocht und ihm nie etwas angetan hätten und auch darüber warum er sie getötet hatte. Es war notwendig und unausweichlich gewesen, denn er war rasend und blind vor Wut gewesen und musste dem Luft machen. Genauso gut hätte auch sein Vater versuchen können ihn aufzuhalten und er wäre vermutlich anstatt Tyn gestorben. Er spürte keine Reue, auch nach all diesen Überlegungen, ihren Worten und der Zeit nicht. Er hatte gelernt nicht mehr zurück zu blicken, oder seine Entscheidungen und Taten infrage zu stellen. Es war richtig so gewesen, es war wichtig gewesen für ihn und notwendig in der Situation. Ansonsten hätte er Aenaeris vermutlich weh getan, oder sie gar getötet, wenn niemand in der Nähe gewesen wäre. Ein Rabe krächzte laut in dem dunklen Wald auf und nach einem unmittelbar einhergehenden leisen Zischen stand der Nordmann auf und fluchte laut vor sich. Er ging den restlichen Weg zu der Lichtung, spuckte aus als er die Fußspuren des Rehs sah und sammelte seinen Bolzen wieder ein. Der verfluchte Rabe hatte ihn abgelenkt und sein Schuss war daneben gegangen.

Théro trug immer noch die Kleidung, die er von Skarvo bekommen hatte. Er hatte noch Aenaeris Wams im Kastell liegen, aber er wusste nicht ob er es anziehen sollte. Seine feine Nase zog den Geruch des Fellmantels ein, während er sich umdrehte und durch die verschneiten Bäume starrte. Er hatte seine Axt noch nicht ersetzt, wann auch, sie waren ja weder bei einem Schmied noch bei einem Händler gewesen. Zumindestens seine Armbrust besaß er noch und die Rüstung, die er im Kastell zurückgelassen hatte. Laut zog er etwas Schleim in der Nase hoch, spuckte ihn aus und wandte sich wieder um, zurück zu den Bergen. Es war dunkel, schließlich war es Nacht, aber kein Mond hing am Himmel. Es war die Neumondnacht, in der er sich nie verwandelte. Während er ging, führte er seine Gedanken wieder weiter aus, er wollte noch einmal alles zusammenfassen was er erkannt hatte. Schließlich musste er sich bald entscheiden, was er tun wollte. Sie hatte Recht, auf ihre Weise, das hatte er ebenso erkannt. Sie war nicht eingeweiht in die nordischen Bräuche, hatte sein Recht der Vergeltung nicht verstanden und hätte vermutlich wirklich nie davon erfahren was er mit Herlans Frau getan hatte. Er hatte das nicht gewusst, nicht bemerkt oder absichtlich verdrängt. Natürlich hätte er es ihr ansonsten gesagt, aber was konnte er schon ahnen... Wusste er was in ihr vorging? Dennoch blieb er bei seiner Meinung. Es war sehr wohl ein Unterschied darin, allein schon in der Wahl des Bettes und in der gesamten Situation. Aber was wollte er nun tun? Es ihr ein Leben lang vorwerfen? Sich eine Hure nehmen, damit sie endgültig quitt waren? So etwas konnte man nicht vergleichen. Er war einfach anders als sie, er war eine Bestie und wenn er überreizt war und sich lange nicht verwandelt hatte, dann passierte eben ein Unglück. Das hatte sie gewusst, als sie sich auf ihn eingelassen hatte. Sie hatte es gewusst, weil er es ihr gesagt hatte, weil er ihr vertraute. Dennoch war sie bei ihm geblieben, dies nutzte er nicht aus um ihr die Schuld daran zu geben, aber er selbst war sich ebenfalls keiner Schuld bewusst und fühlte sich auch nicht so. Der Nordmann blieb stehen und kniete nieder. Seine Hände strichen über den Schnee, fegten ihn ein Stück zur Seite und er strich über den blanken Stein darunter. Dann sah er hinauf zu dem schwarzen Herrenhaus, das sich nur wenig von den Bergen abhob und schloss die Augen. Bald würde die Nacht vorbei sein und der Tag würde anbrechen.

Er hatte den Clan für immer verloren, ebenso wie seine Familie und alles aus seiner Vergangenheit. Eines war ihm ebenso klar geworden, als er auf die Berge geklettert war und nach unten gestarrt hatte. Er hatte einen Sonnentag dafür genutzt, einen klaren und sehr kalten Tag. Dann war sein Blick über die Lande und das Kastell geschweift und er hatte sich ausgeruht. Es war ihm egal. Er hatte seiner Familie in Wahrheit nie vergeben das sie ihn verstoßen hatten, er hatte nie wirklich die Lust oder den Willen gehabt jemals wieder zurückzukehren. Ohne sie wäre er auch nie wieder zurückgegangen. Seine Vergangenheit lag zurück und war verblasst und deshalb war es ihm gleich, wer ihn hasste oder verachtete. Er hatte lange das Kastell angestarrt, bis ihm zu kalt wurde und er wieder nach unten geklettert war. Seine Zukunft war ungewiss. Vielleicht lag sie ja wirklich in diesem Kastell, aber bei den Göttern, er glaubt nicht wirklich daran. Er war ein Tier und Aenaeris war viel zu unruhig um hier zu leben. Auch wenn er das nicht genau wusste, so war ihm doch klar geworden das die ehemalige Priesterin nun seine Familie war. Sie war der Grund warum er das Kastell aufbaute. Sie war der Grund warum er hier war, warum er in den Wilden Landen war und warum er überall gewesen war, wo sie hin wollte. Er hatte alles für sie getan, weil er sie liebte. Selbst nachdem er sie so betrogen hatte und er rasend vor Wut gewesen war, seine Verletzungen tiefer waren als jede Wunde gehen konnte und er sie überhaupt nicht ansehen konnte... Selbst da hatte er sie dazu gebracht zu bleiben. Sie hatte ihn gefragt warum sie unbedingt hier bei ihm bleiben sollte. Es war einfach, er wollte sie um sich herum haben, er brauchte sie in seiner Nähe. Ohne sie wäre er zu dem geworden, was in den Wäldern Jagd machte. Er wäre ein Mörder geworden, eine Bestie die nur tötete um Blut zu vergießen. Seltsamerweise brachte gerade ein Mensch wie sie ihn dazu bei Verstand zu bleiben und sie schaffte es ihm ins Gewissen zu reden. Théro hatte sich die Sätze gut zurecht gelegt. Es lag noch immer Schnee, aber er hatte den Brunnen ein paar mal mit einem schweren Holzbalken aufgebrochen. Daher holte er sich nun zwei Eimer und zog in der dunklen Morgendämmerung das Wasser noch oben. Er war schon wieder zugefroren gewesen, aber nach ein paar Hieben war das Eis gebrochen, es wurde nicht mehr so dick wie am Anfang wenn man es jeden Tag zerbrach. Er öffnete die Tür, trug beide Eimer nach oben und bemühte sich leise zu sein. Das wiederholte er solange, bis er schwitzend vor dem vollen Kessel stand und sich durch die Haare fuhr. Er hatte alle Türen hinter sich geschlossen, damit die wenige Wärme im Haus blieb und auch die Fensterläden waren geschlossen. Neben dem Kessel standen noch zwei volle Eimer, des eisigen Wasser. Er bückte sich unter den Kessel und schob die Kohlestücke und etwas neues Holz zurecht. Dann entzündete er darunter ein Feuer. Er fluchte leise und oft und es dauerte bis er es schaffte die Flammen entglimmen zu lassen. Aenaeris hätte das wesentlich schneller hinbekommen, dachte er sich etwas mürrisch.

Er schluckte merklich, tauchte seine Hände in das kalte Wasser und zog sich seinen Mantel aus. Auch den Waffengurt und den Gürtel, samt Bolzen und Armbrust legte er ab und streckte sich in dem warmen Zimmer. Wasserdampf breitete sich bereits darin aus und erhitzte die Luft darin deutlich. Théro zog sich sein Wams aus und strich über seinen Körper. Die Wunden waren verheilt und verschwunden, nichts erinnerte mehr an sein Blutbad im Clan. Dann nahm er das Wams und wickelte es um seine Hände, damit er den heißen Kessel nicht anfassen musste, und schüttete das kochende Wasser in den Badezuber. Kurz darauf schüttete er die zwei Eimer mit dem etwas kälteren Wasser hinein. Es war trotzdem noch ganz schön heiß, aber das würde sich mit der Zeit legen. Nur noch in seiner Hose schlüpfte er aus dem Zimmer in den kalten Flur und dann ins Schlafzimmer. Der Himmel hatte sich bereits orange gefärbt, aber davon bekam man im Herrenhaus sowieso nichts mit. Die Kälte kroch sofort wieder in seine Adern und über seine Haut und seine Härchen stellten sich auf. Im Zimmer glimmten zwar noch zwei Holzscheite vor sich hin, aber es war dennoch kalt. Aenaeris schlief noch immer, oder schon wieder. Sie schlief oft in letzter Zeit. Er wickelte sie aus den Decken und hob sie hoch. Als sie aufwachte, trug er sie hinüber ins andere Zimmer und stellte sie auf dem Boden ab. Dann schloss er die Tür hinter sich, nahm ihr Handgelenk und drehte sie zu sich um. Der Dampf hing noch immer zwischen den kalten Steinwänden und es war regelrecht heiß in dem Raum. Théro sah in ihre verschlafenen Augen, ließ seine Finger an ihrer Seite entlang streichen und öffnete ihre Schnürung. Dann räusperte er sich leise und beugte sich zu ihr vor, "Ich will das wir nie wieder darüber reden. Ich will das wir es vergessen und neu anfangen. Ich will dich, nur dich... Alles andere ist mir egal, du bist als einzige wichtig in meinem Leben und meine Zukunft. Du bist bei mir geblieben, obwohl ich dir nichts als Wut entgegengebracht habe. Du bist meine Frau, egal ob nach alten Bräuchen, Zeremonien oder sonst was... Ich will dir hier vor den alten Göttern schwören, das ich dich liebe und für immer lieben werde. Ich will schwören, das ich dich glücklich mache und immer für dich da bin." Er holte kurz Luft, senkte den Kopf und musterte sie langsam von unten nach oben. Dann sah er wieder in ihre Augen, zog ihr Kleid aus und nahm ihre Hände, "Ausserdem siehst du schön aus, wenn du verschlafen bist und auch wenn du voller Freude und Glück bist... Du bist immer schön und ich habe dich nicht verdient, weder jetzt noch vorher, oder in Zukunft." Er lächelte etwas zaghaft und legte eine Hand auf ihre Wange. Dann sah er ihr noch einmal ernst in die Augen, "Aber tu so etwas nie wieder, niemals... Oder ich werde dich wirklich töten. Ich räume dir das gleiche Recht ein, wenn ich so etwas dummes noch einmal tun sollte... Aber das werde ich nicht, nie wieder. Ich will nur dich und niemand anderen... Nicht einmal wenn ich mir eine Frau aussuchen könnte, aus ganz Alvarania." Unnachgiebig zog er auch ihre Unterkleid aus und seine Hose. Dann strich er über ihren nackten Rücken, zog sie eng an sich und sah zu dem Badezuber, "Ich habe dir ein heißes Bad eingelassen, das wird dir sicher gut tun und du hast dich immer so sehr darüber gefreut... Wenn du mir all das verzeihst und wir es hinter uns lassen... Wenn du wirklich noch bei mir bleiben willst und mich liebst, dann küss mich, Aenaeris Feuerblume." Er lächelte kurz, der Name war bewusst gewählt und er hatte lange darüber nachgedacht. Sie war wunderschön wie eine Blume, aber eben auch heiß und verzehrend wie Feuer, er passte einfach zu ihr... Ihrem Charakter und ihrem ganzen Wesen, fand zumindestens Théro.
"Ich mache nichts lieber als das,
ich meine Gefühle abschaff.
Unterdrück am Tag noch den Hass,
bis ich ihn am Morgen rauslass."
->K.-M. R. aka PerVerZ

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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » Do, 20. Sep 2012 21:26

„… dann droh mir nie wieder, dass Du mich umbringen wirst, egal, was ich auch tue… und ich vergesse alles …“ meinte sie und legte ihre Lippen auf die seinen. Es tat wohl, dass sich nach diesen Wochen des Schweigens, des Kummers und des Grolls endlich wieder alles zum Besseren wandelte. In Wahrheit würde sie ihn wohl nie verstehen können, aber sie war des Streitens einfach müde und sie war froh, dass sich nun hoffentlich alles wieder zum Besten wandeln würde. Sie stieg langsam mit einem Fuß in den Zuber. Das Wasser war ziemlich heiß, doch es dauerte nur wenige Augenblicke, bis sie sich daran gewöhnt hatte und dann stieg sie mit dem zweiten Fuß hinein. Nach einigen Momenten ließ sie sich langsam in das heiße Wasser gleiten und atmete hörbar ein… sie badete zwar gerne heiß, doch das war selbst für Aenaeris ein wenig zu gut gemeint. Dies erinnerte sie daran, als sie mit Théro ihre Eltern besucht hatte... er hatte nach dem Besuch im Badehaus überhaupt nicht mehr zu meckern aufgehört, wie man nur so heiß baden konnte … doch nach einigen Städten, in denen sie ihn immer wieder ins hiesige Badehaus gezerrt hatte, hatte er sich schließlich auch daran gewöhnt… „Hol bitte noch einen Eimer kaltes Wasser, ich ertrag es nicht, so heiß ist es“ meinte sie und fächelte sich Luft in ihr überhitztes Gesicht. „Und bring ein Stück Seife mit!“ rief sie ihm noch hinterher. Sie lehnte sich mit dem Kopf an die Wand des Zubers und lächelte glücklich. Doch kaum war sie in dem heißen Wasser abgetaucht, musste sie sich wieder aufsetzen, es war schlicht weg unangenehm. Sie hatte Théro nicht gehört, als er plötzlich wieder hinter ihr stand und den Eimer eiskalten Brunnenwassers über ihren Körper goss und dabei gemein lachte. Sie kreischte und sprang auf und rang nach Atem, während das Wasser aus dem Zuber überschwappte. „Bist Du verrückt?“ fuhr sie ihn an und schlang zitternd ihre Arme um den Körper, dann setzte sie sich wieder hinein. „Komm lieber rein …“ brummte sie nach einer Weile und er ließ sich nicht lange bitten. Ihre Stimmung hellte sich wieder auf, als er seine Hände um ihre Taille legte und sie zu sich heran zog. „Das ist ziemlich lange her …“ murmelte sie und küsste ihn. Doch dann drückte sie ihm das Stück Seife in die Hand und wendete ihm den Rücken zu. „Mach Dich lieber nützlich …“ meinte sie zwinkernd. Er nahm das Seifenstück und rieb ihr damit sacht über den Rücken, während Aenaeris wohlig seufzte. Es war schon ziemlich lange her, seit sie das letzte Mal gebadet hatte, und an das letzte Mal zusammen mit Théro konnte sie sich schon gar nicht mehr erinnern… „Aenaeris Feuerblume… das ist hübsch...“ lächelte sie.

Am nächsten Morgen erwachten sie recht spät, sie hatten in der Nacht auch ziemlich wenig geschlafen… Aenaeris schürte die erkaltete Glut in der Küche, niemand von ihnen beiden hatte gestern daran gedacht, Feuerholz nachzulegen, nun war es eiskalt in der Küche. Sie fröstelte ein wenig, als sie mit kalten Fingern mit ihrer Zunderbüchse hantierte und sie ärgerte sich, warum sie nicht im warmen Bett geblieben war. Doch leider konnte man nicht den ganzen Tag im Bett bleiben… Sie war erleichtert, als das Feuer endlich brannte. Die letzten Tage hatte sie viel nachgedacht. Manchmal war sie drauf und dran gewesen, diese Gedanken alleine in die Tat umzusetzen, doch nun, da sie sich wieder mit Théro verstand, würde sie ihn einweihen. Sie kochte Getreidebrei mit Äpfeln und starrte in die Flammen, während sie hin und wieder umrührte. Théro erschien in der Tür und seinem Blick nach zu urteilen, stand ihm nicht der Sinn nach dem Brei. Doch da sie sich nicht entsann, dass er jagen war, geschweige denn etwas erlegt hatte, blieb ihm wohl nichts anderes übrig. Aenaeris hatte den Brei mit kleingeschnittenen Trockenfrüchten ergänzt, damit es nicht immer gleich schmeckte. Sie lächelte ihm zu als er sich zu ihr ans Feuer setzte. „Ich habe die letzten Tage viel nachgedacht“ meinte sie. „Und vermutlich hältst Du mich für verrückt, doch ich würde gerne wieder nach Arcanis … Die Zeit in den wilden Landen, die wir in Deinem Clan verbracht haben, haben mir verdeutlicht, wie wenig ich in die Wildnis passe …“ sie knabberte ein wenig verlegen an ihrer Unterlippe und wartete auf seine Reaktion. „Natürlich ist es ein weiter weg bis dorthin, und ohne Pferd erst recht… aber wir können ja warten, ob Skarvo und die anderen Händler hier vorbeikommen, vielleicht würden sie uns mitnehmen…“ Sie rührte den Brei noch einmal um und nahm ihn dann vom Feuer. „Zumindest ein Stück weit. Wenn wir es mit ihnen bis nach Shuridron schaffen, könnten wir uns dort Pferde besorgen und dann weiterreiten.“ Sie füllte zwei Schüsseln mit dem dampfenden Brei und reichte Théro eine davon. Mit den Fingern zupfte sie eine getrocknete Weinbeere aus dem Brei und aß sie mit den Fingern. Seit sie in den wilden Landen waren, hatten sich einige ihrer zuerst ziemlich gespreizten arcanischen Manieren ein wenig verflüchtigt. Sie redete von der Sache, als wäre es bereits beschlossene Sache. Théro war ganz sicherlich nicht begeistert, besonders, da sie nicht wussten, ob sie in Arcanis weiterhin gesucht waren, doch Aenaeris‘ Reiselust war ungebremst, sie hielt es nicht lange an einem Ort aus. „Wir müssen ja nicht nach Lanyamere, wir könnten auch einmal in die Hauptstadt, Irukhan, ich bin ja für ziemlich alles offen…“ meinte sie, während sie Théro erwartungsvoll anblickte. Als sie gegessen hatten meinte sie „Ich habe eine Überraschung für Dich, zieh Dich an, wir gehen in den Innenhof…“ Théro wirkte ein wenig überrascht. Aenaeris zog sich ihren Mantel an, Théro tat es ihr gleich und folgte ihr in den Innenhof.

Es hatte die letzten Tage und auch in den Nächten nicht geschneit und die Oberfläche des Schnees war ein wenig fester und gesetzt. Perfekte Voraussetzungen für ihr Vorhaben. Sie nahm einen dünnen langen Ast, nahm Thero bei der Hand und drückte ihm den Stock in die Hand. Dann stellte sie sich nahe an seine Seite, nahm behutsam seine Hand und führte den Stock zusammen mit seiner Hand durch den Schnee. Sie zog einige Striche und Linien und als sie fertig war, fragte sie ihn „Was denkst Du, was das ist?“ fragte sie ihn. Théro betrachtete die Linien und zuckte die Schultern. „Es ist Dein Name…‘Théro‘… “ lächelte sie ihn an. „natürlich kann ich Dir im Schnee nicht lesen und schreiben beibringen, dafür ist zu wenig Platz, und uns fehlt es hier leider an Papier und Tinte. Doch dennoch… es ist immer ganz praktisch, wenn man seinen Namen schreiben und vor allem lesen kann. Denk Dir, wenn Du in Arcanis einen Steckbrief siehst und darauf Deinen Namen liest, dann weisst Du sogleich, Du musst Dich in Vorsicht üben…“ feixte sie und lachte. „Und nun sieh mal…“ Dann zog sie mit seiner Hand noch mehr Linien durch den Schnee und sagte dann „Nun hast Du meinen Namen geschrieben… hier steht ‚Aenaeris‘… auch ziemlich wichtig, vielleicht kennen Sie ja Deinen Namen nicht, was ziemlich wahrscheinlich ist und suchen lediglich mich…“ zwinkerte sie „Also wenn Du meinen Namen wo geschrieben findest, musst Du mich vorwarnen… Für das nächste Wort brauchen wir etwas mehr Platz…“ Sie lief ein wenig weiter und er folgte ihr. Erneut nahm sie seine Hand mit dem Stock und führte sie, während der Stock durch den Schnee glitt. „Hier hast Du ‚Schattenmal‘ geschrieben…“ erklärte sie. „Wenn wir erst in Shuridron sind, kaufen wir Papier und Tinte, dann zeige ich dir mehr… schreiben und lesen können birgt sehr viele Vorteile... Wissen macht unabhängig...“ Dann nahm sie ihm den Stock aus der Hand und lief an eine Stelle, wo der Schnee noch frisch und unberührt war. Sie zog den Stock emsig durch den Schnee und winkte ihn an sich heran. „Möchtest Du wissen, was ich hier geschrieben habe?“ Er nickte. Sie beugte sich zu ihm, küsste ihn und sagte „Hier steht ‚Ich liebe Dich‘…“
"Ihre Natur ist Feuer und Blut..."

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