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Die Feuerpriesterin und der Wolf

Das nördliche Nachbarland Mérindars, schon seit Jahrhunderten in Feindschaft mit jenem Reich. » Ortsbeschreibung
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Aenaeris
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » Mo, 01. Okt 2012 20:36

Aenaeris lief durch die dunklen Gässchen Shuridrons. Sie verspürte starke Übelkeit, doch sie konnte nichts dagegen tun. Der Medicus hatte ihr einige scharfe Wurzeln zum kauen gegeben. Sie schmeckten scharf und widerwärtig, und sie halfen nur bedingt, daher ließ sie es bleiben. Dass Théro immer noch nicht wieder aufgetaucht war, war ihr nun Bestätigung genug, dass es für ihn vorbei war. Er ließ sie in dieser Stadt alleine, er wusste doch, wie sie war, sie schlitterte doch immer in irgendwelche Schwierigkeiten, es gab kaum ein Unterfangen, wo er ihr nicht helfend zur Seite gestanden hatte, weil sie unbedacht Unsinn angestellt hatte. Und dennoch hatte er sie nun ihrem Schicksal überlassen und sie wusste nicht, wie das das noch retten konnte. Schließlich hatte sie resigniert. Sie trug zwar ein Kind unter ihrem Herzen, welches vermutlich seines war, doch was zählte das noch? Doch noch konnte sie sich jederzeit anders entscheiden, wenn sie das Gefühl hatte, sie würde es nicht alleine schaffen. Ein Besuch beim Medicus genügte, und die Sache war erledigt, danach wäre sie wieder unbeschwert und frei. Eigentlich konnte sie sich einen weiteren teuren Besuch beim Medicus sparen, sie wusste bestens Bescheid, sie konnte sich auch Kräuter besorgen … Er ließ sie im Stich? Schön! Sie konnte sich letztendlich immer noch als Dirne verdingen. Sie war jung, sie war schön, die besaß eine gewisse Anziehungskraft auf viele Männer … Es war bestimmt kein ehrenhaftes Unterfangen, und sicher kein lukratives, einfach verdientes Brot, doch sicherlich war es besser als am Hungertuch zu nagen. Doch bevor sie diesen Schritt ging, wollte sie erst in einer Schenke arbeiten. Vielleicht konnte sie auch hier in Shuridron ihr Glück finden. Wenn Théro alleine ins Kastell zurückging, und sie hier in Shuridron blieb, konnte er, sofern sie das Kind behielt, einmal in der Zeit vorbei kommen, und sein Kind besuchen, wenn es ihm beliebte. Es war keine Weltreise von den wilden Landen nach Shuridron. Vielleicht war dies ein annehmbarer Kompromiss. Er hatte ihr die Sache mit Caldric ohnehin nicht verziehen. Wo lag denn da die Zukunft für sie gemeinsam, wenn diese Sache immer zwischen Ihnen stehen würde? Sie musste Abstand davon nehmen, dass es Caldrics Kind sein könnte. Es war von Théro … ganz sicher … sie hatten nie aufgepasst, wenn sie es recht bedachte, manchmal hatte er sich vorher zurückgezogen, doch meistens hatten sie sich immer so geliebt, dass sie annehmen konnte, dass sie eines Tages schwanger werden könnte. Doch sie war töricht, sie glaubte nicht, dass ihr das passieren könnte. Eine Zeit lang hatte sie den Mondtee getrunken, doch irgendwann hatte sie auch damit aufgehört, und zwar, als der Winter vor der Tür stand und ihr die Kräuter ausgegangen waren. Vielleicht sollte sie doch zu der Schamanin gehen … doch wie sollte sie sie bezahlen? Sie hatte wohl kaum soviel Mitleid mit ihr, dass sie ihr umsonst half. Was war schon so teuer am Händeauflegen, dachte sie verächtlich bei sich.

Sie kam an eine Schenke. „Kupferkessel“ war auf einem, - nicht sehr originell, wie Aenaeris fand- kupfernen Schild eingehämmert, doch von außen wirkte dieSchenke ganz passabel, so dass sie sie diese betrat. Es roch hier wesentlich besser, als in all den anderen Dreckslöchern, und es wirkte deutlich gepflegter, und auch das Publikum bestand nicht nur aus Drecksäcken, auch einige höhergestellte waren hier. Schiffskapitäne, Offiziere, Soldaten, Kaufleute … die Böden waren sauber geschrubbt, leichte Rauchschwaden von Pfeifenkraut durchzogen die Luft, und die Männer tranken Bier oder Wein. Manche spielten vereinzelt Würfelspiele, der Kapitän saß über eine Karte gebeugt und studierte sie, und die Kaufleute diskutierten lautstark über Getreidepreise und über Wegelagerer die ihnen durch ihre Raubzüge schon ein beträchtliches Loch in den Geldbeutel gerissen hatten. Aenaeris ging an die Ausschank und lehnte sich daran an. Sie hatte gerade das Gefühl, als würden ihre Beine versagen, so sehr zitterten sie vor Schwäche. Sie hatte heute noch nichts gegessen, sie schaffte es nicht, die Übelkeit war unaufhörlich da und sie brachte keinen Bissen über die Lippen. „Na Süße, kann ich Dir weiterhelfen?“ meinte der Wirt. Er war groß und dunkelhaarig, die langen Haare trug er zusammengebunden, das Gesicht bartlos, und er hatte stahlblaue Augen, die zwar kalt aussahen, doch freundlich blitzten. Frauen waren hier wohl eher selten gesehen, und sie konnte die Blicke im Rücken förmlich spüren, die ihr von manchen Männern zugeworfen wurden. Irgendetwas in ihr war jedoch gerade zu stolz, um hier nach Arbeit zu fragen. „Hmm … ich glaube nicht …“ meinte Aenaeris unschlüssig und war im Begriff wieder zu gehen. „He, warte mal…“ meinte er. Er sah sie vielsagend an und schob ihr dann einen Bierkrug zu. „Hier, der geht auf mich … vielleicht hebt das Deine Laune ein wenig…“ meinte er. „Danke…“ murmelte sie und griff nach dem Krug. Sie trank einen kleinen Schluck und sah sich in der Schenke um. „Eine nette Stube…“ meinte sie schließlich. „Ganz anders, als die anderen dreckigen Schenken hier in Shuridron…“ „Es obliegt jedem Wirt, was er aus seinem Haus macht, nicht wahr?“ zwinkerte er ihr zu und Aenaeris entging es nicht, dass er, über die Ausschank gebeugt, ihren Körper von oben bis unten musterte. „Du bist nicht von hier oder?“ „Nein, ich komme…“ Woher eigentlich? Aus Arcanis? Aus den wilden Landen? „.. aus Arcanis …“ entschied sie sich schließlich, im Grunde entsprach es der Wahrheit. „Oh so ein Zufall, ich wurde auch in Arcanis geboren, in der Hauptstadt Irukhan.“ „Ich war noch nie in Irukhan…“ gestand sie. „Woher stammst Du dann?“ „Wynricea … ein kleines Städtchen, nahe bei Lanyamere…“ „Ich war auch noch nie in Wynricea…“ grinste er. Aenaeris musste lächeln. „Keine Weltstadt, muss man nicht kennen… doch in der Hauptstadt sollte man einmal gewesen sein … ich habe vor, dort hinzugehen … ich weiß es nur noch nicht genau, wann und wie …“ Er stützte sich auf den Tresen „Und was führt Dich nach Shuridron? Wenn du aus Arcanis stammst, und nach Irukhan willst, dann bist Du aber ziemlich in die falsche Richtung gegangen…“ feixte er. Aenaeris trank einen Schluck aus dem Krug. Was sollte sie nun sagen? Auf keinen Fall die ganze Wahrheit, soviel stand fest. „Wir lebten eine Zeit lang in den wilden Landen. Nun wollten wir nach Arcanis reisen, weil ich Lust darauf hatte.“ Sie hatte nicht bemerkt, dass sie „wir“ anstatt „ich“ benutzt hatte. „Wir?“ fragte der Wirt neugierig. „Ich und mein … mein … Mann?“ erwiderte sie fragend. „Ah. Und wo ist Dein Mann gerade?“ sah er sich um. „Ich weiß es nicht“ gestand sie. „Wir haben derzeit einige Schwierigkeiten miteinander…“ Er lehnte sich bequem auf den Tresen. „Ich habe Zeit…“ „Nein, tut mir leid, das kann ich nicht erzählen … ich kenne dich ja überhaupt nicht…“ „Nun, Du kannst mir ja Gelegenheit geben, Dich besser kennen zu lernen…“ grinste er. „Fangen wir gleich damit an, wie heißt Du?“ Sie verzog nachdenklich den Mund und kniff die Augen leicht zusammen. „Aenaeris…“ sagte sie schließlich. „Wunderbar … mein Name ist Gishar…“ Dann blickte er an ihr vorbei und meinte entnervt „Entschuldige mich bitte für einen Moment … hier ist grad einiges los und ich steh hier alleine herum …“ Aenaeris horchte auf, während er an einen Tisch ging. Sie trank den Bierkrug aus und wartete, dass er wieder kam. Er eilte hinter den Tresen, verschwand wieder mit zwei Humpen Bier und kam dann wieder an den Tresen geeilt. Verzeih…“ meinte er. Aenaeris räusperte sich und fragte beiläufig „Wo könnte man hier Arbeit finden?“ Er sah sie an und meinte „Suchst Du denn Arbeit?“ „Ja, irgendwie schon, denke ich…“ „Vielleicht kannst Du ja hier arbeiten…“ meinte er gönnerhaft. „Vielleicht?“ fragte sie ein wenig biestig. Schon hatte sie keine Lust mehr darauf. Er bemerkte ihren biestigen Blick und lenkte ein.„So wars ja nicht gemeint… Hast Du schon einmal in einer Schenke gearbeitet?“ „Ja...“ meinte sie. „Na dann, komm morgen wieder, zur Abenddämmerung, da ist noch nicht viel los und wir besprechen dann alles weitere…“ „In Ordnung…“ meinte sie und wandte sich zum gehen um. „Gute Nacht, Aenaeris…“ „Gute Nacht!“ meinte sie und hob die Hand. Dann verließ sie die Schenke.

Als sie auf der Straße stand, frohlockte sie. Es war nur ein Kieselstein, kein Meilenstein, dass sie Arbeit gefunden hatte, doch Aenaeris‘ Selbstwertgefühl war in diesem Moment etwas angeschlagen, so dass sie sich über diese überwundene Hürde freute. Langsam schlenderte sie durch die Straßen zurück in die Schenke, in der sie untergekommen waren. Morgen würde sie ihre Sachen nehmen und verschwinden. Vermutlich würde es Théro gar nicht interessieren. Ihr Verdacht bestätigte sich, als sie in ihrem Zimmer ankam, und alles genauso vorfand, wie sie es verlassen hatte. Er machte wirklich Ernst mit seiner Drohung. Sollte er doch, es kümmerte sie einen Scheiß in diesem Moment. Sie warf sich auf das Bett, versuchte ihre Übelkeit zu ignorieren, und schlief dann irgendwann ein.
"Ihre Natur ist Feuer und Blut..."

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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Thėro Schattenmal » Mo, 01. Okt 2012 21:41

Die Sonne schien durch das schmale Fenster und weckte ihn sanft. Brummend stand er von dem Boden auf und streckte sich. Ihm tat alles weh, von dem harten Holzboden, und seine aufgeschlagene Lippe schmerzte. Er fuhr sich durchs Gesicht und kratzte das eingetrocknete Blut aus seinem Bart und von seinem Kinn. Dann nahm er das Wams zur Hand um es anzuziehen. Er hielt kurz inne und sah nach draussen, die Sonne stand schon hoch am Zenit und es war sicher schon weit nach Mittag. Schulterzuckend sah er auf den roten Stoff hinab und strich mit seinen Fingern darüber. Aenaeris hatte dieses Wams für ihn genäht, weil sie ihm eine Freude machen wollte. Er schloss die Augen und atmete tief durch. Die Nacht war kalt und einsam gewesen und er wünschte sich sie wäre nun bei ihm. Leider hatte er genau das auch alleine in der Hand, denn sie wusste weder wo er war, noch ob er sie jemals wiedersehen wollte. Andererseits hatte er sich ziemlich klar ausgedrückt was das anging und er wollte nun nicht nachgeben und zu ihr zurückkehren. Sie sollte diese Tage bekommen, sollte sehen ob sie alleine besser zurecht kam und ob sie ihn überhaupt wollte. Insbesondere sollte sie sich darüber klar werden was sie mit dem Kind anstellen wollte und genau auf dieser Entscheidung würde er sich dann selbst entscheiden. Aber wollte er das Kind wirklich? Er konnte sich nie sicher sein ob es von ihm war, er würde niemals wissen ob es sein Spross war oder der von Caldric. Und er würde niemals akzeptieren das Kind eines anderen großzuziehen, er würde keinen Bastard ernähren der durch ihren Fehltritt entstanden war. Kopfschüttelnd streifte er das Wams über und stützte sich auf dem Fensterrahmen ab. Er sah nach draussen, sah auf das Dorf und das rege Treiben dort. Dann wandte er sich wieder um und verzog angewidert das Gesicht, der üble Gestank kam tatsächlich von der Matratze, er konnte förmlich sehen wie die Ratten sich darauf bewegten. Seufzend schob er die Messer an ihre Plätze zurück und befestigte die drei Lederbeutel an seinem Gürtel. Das war wohl nun vorerst sein Leben. Seufzend verließ er das Zimmer und auch die Schenke.

Sein Magen knurrte erneut, aber er hatte trotzdem verzichtet in dem Wirtshaus etwas zu essen. Schließlich wollte er den morgigen Tag noch erleben. Seine Schritte führten ihn durch Gassen und auf den großen Marktplatz in der Mitte des Dorfes, auf dem er schonmal gewesen war. Er hielt sich am Rand und hielt nach dem Schmuckhändler Ausschau, bis er ihn schließlich etwas weiter hinten fand und ihm den Lederbeutel auf den selbstgezimmerten Stand fallen ließ. Dann öffnete er ihn, ließ die geschnitzten Anhänger und Figuren herausfallen und zog das Leder zurück. Er ließ den Händler die Sachen begutachten, versuchte etwas mehr dafür zu bekommen und ließ dann die paar Münzen in den leeren Lederbeutel gleiten. Er befestigte ihn wieder am Gürtel und hielt eine Hand bei den drei Lederbeuteln, von denen zwei prall gefüllt waren. Als nächstes fand er einen Schneider und auch einen Gerber, die Rüstungen und Kleidung verkauften. Er sprach erneut mit dem Händler, suchte sich neue Lederstiefel heraus und tauschte sie gegen seine alten ein. Dazu gab er ihm noch einige Münzen und verließ den Stand wieder. Er hatte noch ein paar andere Dinge hier zu erledigen, aber zunächst hielt er an einem Fleischstand an. Der Metzger zerhackte gerade ein Kuhbein und sah nur kurz zu ihm auf. Théro sah in den Lederbeutel, der mit den wenigen Münzen gefüllt war. Seine Schnitzereien hatten zwar ein wenig eingebracht, aber nach den Stiefel und einem großen saftigen Stück Fleisch blieb davon nicht viel übrig. Also ließ er den Lederbeutel bei einem anderen Händler und ließ die Münze dafür in einen der anderen Beutel gleiten. Die neuen Stiefel drückten fast genauso sehr wie die vielen Menschen, das Geschrei und der Gestank. Er brauchte eindeutig eine Pause und zog sich von dem Markt zurück, durch ein paar Gassen bis er eine schmale und etwas dunklere gefunden hatte. Dort lehnte er sich stöhnend an die kalte Steinwand und sank in die Hocke. Er fluchte leise auf die Menschen und riss mit bloßen Zähnen ein Stück aus dem Fleischbrocken. Erneut stöhnte er leise auf, das Fleisch schmeckte gut und füllte seinen leeren Bauch mit ein wenig Glück. Erneut schlug er die Zähne in das Fleisch und fraß immer schneller...

Die Sonne hing gerade noch so am Himmel, als er sich wieder aufraffte und zurück zum Markt ging. Es war deutlich weniger los und die meisten Stände waren auch fast leergefegt. Die Menschen hatten viel gekauft und die Händler sicher viel eingenommen. Der Wolf überquerte den Marktplatz und nahm Kurs auf die Schmiede am hinteren Ende. Dichter Qualm quoll noch daraus hervor und davor war ebenfalls ein Stand aufgebaut, mit Waffenständern und allerlei verschieden Klingen, Messern, Bögen und anderen Waffen. Théro blieb davor stehen und besah sich die Äxte. Die erste die er in die Hand nahm war ihm viel zu schwer, die zweite dagegen war zu kurz. Die Dritte war eine Doppelkopfaxt und brummend nahm er die vierte zur Hand. Es war eine Bartaxt mit einem spitzen Dorn am Ende und sie lag gut in der Hand, war wunderbar ausbalanciert und würde sich für ihn eignen. Er schwang sie probeweise etwas hin und her und spürte den erwartungsvollen Blick des Händlers auf sich. Schließlich legte er sie wieder zurück an ihren Platz und handelte den Preis aus. Die Axt war teuer, sehr teuer und würde seine gesamten Wetteinnahmen der vergangen Nacht auffressen. Nun nicht alles, aber viel würde nicht mehr übrig bleiben. Er konnte es sich nicht leisten das verdiente Geld derart wieder hinauszuwerfen und momentan brauchte er doch sowieso keine Klinge. Er kam gut mit seinen Fäusten und den Messern aus und notfalls hatte er immernoch seine Krallen. Schulterzuckend wandte er sich ab und sah noch einmal zu der Axt hin. Bei dem Preis würde sie sicher noch ein wenig hier liegen, es kamen sowieso nicht allzu viele Krieger hier vorbei. Seine Schritte hallten von den steinernen Wänden wieder, ab und an auch von Holz, bis er schließlich wieder in der Schenke war. Er ging direkt nach oben in sein Zimmer und zog die Stiefel aus. Das Leder war noch hart und schmerzte. Er musste sie erst eine Weile tragen, ehe er richtig und viel mit ihnen laufen konnte. Stöhnend ließ er sich auf den Hintern fallen und rieb über seine schmerzenden Zehen. Die Nacht zog erneut herauf und bald würde er nach unten gehen und erneut in der Arena kämpfen, soviel war sicher.

Er hatte nur wenig geschlafen in dieser Nacht und war bald wieder aufgewacht. Nun stand er hier, unten im Keller der Schenke und präsentierte seinen muskulösen vernarbten Körper der Öffentlichkeit. Er ließ den Blick über die Huren, Betrunkenen, Männer und Soldaten schweifen. Sah zu den wenigen reicheren Leuten und ihren Frauen und runzelte kurz den Stirn. Sie besaß goldene lange Locken und ein teuer aussehendes Kleid und lächelte ihm stetig zu. Théro ließ den Blick über ihren Körper schweifen und sie zwinkerte ihm zu. Er riss sich zusammen und schüttelte den Kopf. Nein. Weder jetzt noch irgendwann. Schließlich fixierte er den Mann vor sich wieder und sein Atem ging bereits schneller. Der Nordmann blutete aus einer Platzwunde über dem Auge und zwischen seinen Rippen bildete sich bereits ein Bluterguss. Der Kampf ging länger als alle vorherigen und sie machten bereits die zweite Pause. Sein Gegner war ein wahrer Hüne und er hatte ihn sich selbst ausgesucht. Anscheinend schien er der Beste hier unten zu sein und Théro war nicht nur übermütig geworden, nein die Wetteinsätze gegen ihn waren so hoch das er ein Vermögen machen könnte. Ein kleines nur, aber für seine momentanen Verhältnisse war es schon viel Geld. Vielleicht sogar mehr als sie in Lanyamere erbeutet hatten. Er atmete tief durch, fing den ersten Schlag mit gespannten Bauchmuskeln ab und packte mit beiden Händen jeweils eines seiner Ohren. Dann ließ er seinen Schädel gegen den des Hünen krachen und noch ein zweites mal, fester. Sie taumelten beide zurück und er hielt sich instinktiv mit einer Hand den Schädel. Blut troff über seine Augen und vernebelte seinen Blick mit einem roten Schleier. Aber er war vorbereitet gewesen, wankte nach vorne und legte alle seine Kraft in einen Schlag gegen die Schläfe seines Gegners. Er ging zu Boden und Théro wankte ihm durch den Schwung hinterher, schlug noch einmal auf ihn ein und dann noch einmal. Seine Schläge wurden schwächer, aber er hatte bereits gewonnen. Rasko zog ihn zurück und hielt seine Hand nach oben und ihn gleichzeitig auf den Beinen. Er hörte die jubelnde Menge und sah die goldenen Locken begeistert auf und ab hüpfen. Aber es war nicht mehr interessant für ihn, er wollte zu Aenaeris. Er wollte verdammt nochmal wissen wie sie sich nun entschieden hatte und ob es sich überhaupt noch lohnte in dieser stinkenden Stadt zu bleiben.

Nachdem er sich etwas von dem dreckigen Wasser ins Gesicht und sich gewaschen hatte, zog er sein Wams wieder an und schob seine Waffen an ihre Plätze. Er taumelte noch immer ein wenig und hielt sich an dem Zaun fest. Dann fing er sich wieder und wankte in die dunkle Ecke. Diesmal griffen die Leibwachen nicht ein und Théro stützte sich auf die Tischplatte. "Du hast wirklich gewonnen, Wolf..." ertönte es leise von dem feisten Mann, dessen Gesicht noch immer im Dunklen lag. Vor seinen Augen blitzte plötzlich ein Bild auf, er kannte diesen leicht spöttischen Unterton irgendwoher. "Nathaniel?" Die Gestalt bewegte sich und ein pausbäckiges Gesicht erschien in dem Licht der Kerze. Es grinste breit und zeigte eine Reihe scharfer, weißer Zähne. "Dachte du kommst nie drauf, alter Wilder..." "Du bist fett geworden, Nathaniel." "Kein Wunder, ohne den Kampf wird man fett und mit dem Alter faul." Ungläubig schüttelte er kurz den Kopf und schob ein paar Münzen zusammen. Es glitzerte golden und silbern, nicht wahrnehmbar für die Augen des Nordmanns. Dann füllte er drei Beutel, akribisch genau mit den verschiedenen Münzen. Ein kleiner mit den großen und zwei große mit den kleineren Münzen. "Du hast nicht verlernt zu kämpfen... Was ist aus Jakobo geworden?" Théro musste lachen, "Der blinde Händler? Nachdem du verletzt warst wurden wir nicht mehr angegriffen... Und es war kein weiter Weg mehr von dem kleinen Dorf aus nach Mérindar." "Ihr hättet mich nicht zurücklassen sollen, mir war drei Monate stinklangweilig..." "Du warst schwer verletzt, es blieb nichts anderes übrig. Es tut mir Leid, Nathaniel. So gerne ich um die alten Zeiten willen weiterplaudern würde, aber ich habe noch etwas vor..." Der Wettmeister schob pfeifend die Geldbeutel in seine Richtung, "Na das kann ich mir vorstellen, viel Spaß mit den Huren..." Der Wolf grinste breit und schnappte sich die Geldbeutel. Er war noch immer etwas schwach und trank einen großen Schluck aus Nathaniel´s Krug. Dann zwinkerte er ihm zu und sah sich noch einmal nach der blonden Schönheit um. Sie sah gerade weg und er nutzte die Gelegenheit um schnell zu verschwinden. Nicht das sie sich Hoffnungen machen und ihm noch nacheilen würde...

Es war Morgen, als er die altbekannte Schenke betrat und hinaufstieg. Er hatte sich beim Wirt etwas Fleisch gekauft und verschlang dieses auf dem Weg. Dann blieb er vor der Tür stehen und atmete tief durch. Er musste so oder so hierher kommen, denn seine Rüstung war noch immer hier, sowie seine restlichen Sachen. Leise öffnete er die Tür und schloss sie hinter sich. Aenaeris schlief noch und der Nordmann tappte leise durchs Zimmer und setzte sich auf einen der Stühle. Es war noch früh und er wollte sie nicht wecken, ausserdem wusste er doch gar nicht was er sagen sollte. Langsam löste er die drei Geldbeutel von seinem Gürtel und legte sie auf den Tisch neben sich. Das Zimmer schwankte ein wenig und sein Kopf dröhnte wie ein reißender Fluss. Blut lief noch immer an seiner Augenbraue entlang und hatte über seine Wange eine dünne Kruste gebildet. Die Lippe war ebenfalls verkrustet, aber sein gesamter Körper schmerzte. Der Hüne hatte ihm stark zugesetzt und ihn oft getroffen und am besten war es wohl wenn er einfach schlafen würde. Aber zwang sich mit der letzten Kraft wach zu bleiben. "Morgen." Sie war aufgewacht und er schloss kurz die Augen. Seine Stimme war müde und erschöpft, aber er musste nun wissen was Sache war. "Warst du bei dem Medicus? Wie hast du dich entschieden, Aenaeris?" Er machte eine Pause und schnaufte tief die Luft ein und aus, "Willst du dein Leben nun selbst in die Hand nehmen, ja?" Er wollte eigentlich noch mehr sagen, aber seine Stimme versagte kurz und er griff nach dem Krug Wasser auf dem Tisch um etwas daraus zu trinken.
"Ich mache nichts lieber als das,
ich meine Gefühle abschaff.
Unterdrück am Tag noch den Hass,
bis ich ihn am Morgen rauslass."
->K.-M. R. aka PerVerZ

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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » Di, 02. Okt 2012 10:31

Aenaeris hatte schlecht geschlafen. In der Nacht war sie immer wieder aufgewacht, kämpfte erfolglos gegen die Übelkeit an, und lag einfach hellwach da und konnte nicht wieder einschlafen. Erst in den frühen Morgenstunden, als sich am Horizont die Dämmerung bereits erahnen ließ, überfiel sie eine solche Müdigkeit, dass ihr die Augen zufielen und sie ein wenig Schlaf fand. Als sie am Morgen erwachte, fühlte sie sich wie gerädert. Sie öffnete die Augen und blinzelte, weil die Sonne hell in das Zimmer scheinte. Schemenhaft saß sie eine Gestalt am Stuhl sitzen. Sie wusste, dass es Théro war, doch sie war noch so schläfrig und sie brachte die Augen kaum auf, dass sie ihn im Gegenlicht nicht wirklich erkannte. „Morgen…“ brummte er. „Morgen…“ murmelte sie und schloss noch einmal die Augen, weil sie sie noch immer nicht richtig aufbekam. „Warst du bei dem Medicus? Wie hast du dich entschieden, Aenaeris?“ Nach einer kurzen Pause schnaufte er tief die Luft ein und aus und fügte noch hinzu „Willst du dein Leben nun selbst in die Hand nehmen, ja?“ Sie stöhnte leise. Sie war noch nicht einmal richtig munter, und er hatte nichts Besseres zu tun, als sie mit Fragen zu bombardieren. Er wusste doch, wie sehr sie es hasste, so früh am Morgen schon angesprochen zu werden, und die Tatsache, dass sie derart schlecht geschlafen hatte, gepaart mit der unerträglichen Übelkeit, die nun anscheinend Tag und Nacht ihr stetiger Begleiter war, taten ihr übriges dazu. Sie verspürte ein klein wenig Hunger, kein Wunder, sie hatte den letzten Tag nichts gegessen, doch wenn sie daran dachte, jetzt etwas zu essen, würde sie sich vermutlich übergeben müssen. Sie streckte ihre Hand nach dem Krug aus, den er gerade in den Händen hielt und er reichte ihn ihr. Sie trank einen kleinen Schluck, gerade genug, um Lippen damit zu benetzen und die Kehle zu befeuchten und stellte den Krug dann neben das Bett auf den Boden. Sie rieb sich den Schlaf aus den Augen und blickte ihn dann noch immer schweigend an.

„Du siehst furchtbar aus … hast Du Dich geprügelt?“ fragte sie eher rhetorisch, denn aus Interesse. Sie winkte ab, sie wollte es gar nicht wissen. Dass er nicht gegen einen Laternenmast gelaufen war, war ganz offensichtlich. Er sah sie immer noch ganz erwartungsvoll an und wippte mit dem Fuß, was sie ein wenig nervös machte. „Ich war beim Medicus …“ begann sie dann schließlich leise. „Du denkst, ich hätte eine Dummheit gemacht, nicht wahr? So wie immer… Doch Du hast mich vorgestern missverstanden. Es lag nie in meiner Absicht, zum Medicus zu gehen um es wegmachen zu lassen … ich wollte in erster Linie Gewissheit haben, ob ich wirklich guter … schlechter…“ Sie korrigierte sich „ … guter Hoffnung bin …“ Seine Augen ruhten auf ihr. „Ja, ich bin es wahrhaftig. Es wird im Herbst zur Welt kommen … Meine Freude darüber hält sich in Grenzen … so wie auch Deine … aber ich habe mich entschieden, es zu behalten. Du sagst, ich soll erwachsen werden, und Verantwortung übernehmen. Das tue ich. Ich habe mir gestern Arbeit gesucht. Es ist zwar nur Arbeit als Schankhilfe, doch ich bin damit in der Lage meinen Unterhalt vorläufig alleine zu bestreiten und unabhängig zu sein, wenn ich es sein muss. Ich werde hier in Shuridron bleiben. Solange es mir derart dreckig geht, werde ich diese Stadt nicht verlassen. Der Medicus meint, es kann Monate dauern, bis die Übelkeit nachlässt.“ Nur allein der Gedanke daran ließ sie verzweifeln. „Was nach diesen Monaten ist, kann ich Dir nicht sagen, ich weiß ja nicht, was dann ist, ich kann mein Leben derzeit nicht wirklich vorausplanen. Doch wenn das Kind da ist, kommt bald der Winter und auch dann werde ich nicht durch die Lande ziehen wollen. Bis dahin möchte ich irgendwo einen Ort finden, den ich als Zuhause betrachten kann. Ich kann Dir auf jeden Fall sagen, dass ich nicht vorhabe, ins Kastell zurück zu gehen. Du meinst, wir haben dort alles, was wir brauchen. Doch was, wenn ich Hilfe von einer Hebamme oder einem Medicus brauche? Keinen von beiden könnten wir einfach ins Kastell holen lassen, das würde Monate dauern. Oder soll etwa Skarvo diese Aufgabe übernehmen?“ höhnte sie leicht sarkastisch. „Dazu kommt der entscheidende Punkt, dass ich Dir ansehe, dass Du Dich noch immer nicht damit angefreundet hast, dass ich ein Kind bekomme, weil Caldric noch immer im Spiel ist, und vermutlich immer sein wird. Ich möchte nicht, dass Du Dich zu meinem Leibwächter herab degradierst. Denn das ist momentan das einzige, dass Du mir sein möchtest, ist es nicht so? Du kannst mich nicht lieben und dabei das Kind ausschließen, denn es ist ein Teil von mir… und vermutlich auch ein Teil von Dir … Doch Du kannst es vorläufig nicht lieben, oder auch nur annehmen und akzeptieren … erst, wenn es da ist, und wenn es ein blondes oder ein dunkelhaariges Kind ist, dann könntest Du mir vielleicht vergeben und Dich dazu herablassen, es als Dein Kind anzunehmen. Und ob ich solange darauf warten kann, weiß ich nicht … “ Es kam ihr so falsch vor, zu behaupten, es wäre seines, weil sie wusste dass er ebenso daran zweifelte wie sie, und diese Unwissenheit quälte sie. Doch wenn sie ewig hin und her wiegelte, wessen Kind es war, würde sie verrückt werden. Es konnte nicht von Caldric sein … nein … es war von Théro … „Manchmal wünsche ich mir, Heran und Rackor hätten mich im Wald danach einfach umgebracht …“ flüsterte sie und Tränen standen in ihren Augen. „Denn mein Leben ist danach immer mehr den Bach herunter gegangen …“ ‚Genug der rührseligen Worte‘, dachte sie. „Vielleicht steht Herans Frau vor derselben Situation wie ich … vielleicht ist auch sie schwanger, und vielleicht fragt sie sich auch, welcher ihrer beiden Peiniger der Erzeuger ist …“ erwiderte sie mit einem Seitenhieb an ihn und blitzte ihn an. „Ich würde vermutlich auch nicht damit leben wollen, dass eine andere Frau von Dir ein Kind bekommt …“ Sie war vom eigentlichen Thema abgekommen. „Was ich nun tun werde… ob ich mein Leben selbst in die Hand nehmen werde …“ Sie überlegte. „Habe ich das nicht bereits getan? Ich frage mich, wo Du dabei sein wirst. Ich möchte, dass Du ganz ehrlich zu mir bist. Ich will alles wissen, bevor ich weitere Entscheidungen treffe. Was würdest Du tun, wenn ich mich doch dazu entscheide, dass es für uns besser ist, das Kind nicht zu behalten? Würdest Du Dir einreden, es war die beste Entscheidung da Du nie vor der Tatsache stehen wolltest, einen Bastard zu bekommen? Würdest Du mich dafür hassen, weil ich eventuell Dein Kind umgebracht habe? Wie stellst Du es Dir vor, wie die Zeit bis zur Geburt aussehen soll … wirst Du mich ehrlich und aus tiefstem Herzen lieben, oder wirst Du Dir immer meinen Fehler vor Augen halten, und damit Deinen Hass gegen mich schüren? Du musst Dir verinnerlichen, wie ich mich derzeit fühle. Du gibst mir das Gefühl, ich bin nur Deine geduldete Hure, die einen nicht geduldeten Bastard in sich trägt, der nur Schonfrist genießt, solange er nicht enttarnt ist. Du gibst mir nicht das Gefühl dass ich Dein Weib bin und Dein Kind unter dem Herzen trage, worauf Du stolz bist … Und ich will Dir die wichtigste Frage stellen, die mir auf dem Herzen brennt … Sie sah ihn scharf und herausfordernd an. „Was wirst Du tun, wenn das Kind schwarzhaarig ist …?“
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Thėro Schattenmal » Di, 02. Okt 2012 23:25

Er hatte auch nicht vorgehabt ihr zu erzählen, woher seine Verletzungen stammten und was er getrieben hatte. Sie musste nicht alles wissen. Seine Freude über ihre Worte hielt sich eindeutig in Grenzen und für eine Sekunde wäre am liebsten wieder aufgestanden und gegangen. Warum tat er das auch nicht einfach? Sie war eine Frau, nicht mehr und nicht weniger... Und Frauen hatten in seinem Leben noch nie viel zu sagen gehabt, wenn denn mal eine da war. "Ich werde weder dieses Dorf, noch irgendeine der Menschenstädte jemals als Zuhause oder Heimat betrachten. Sie bringen nur Ärger mit sich und du weißt genau das ich niemals dort leben will. Shruidron mag ein kleines Dorf sein und ist in meinen Augen annehmbar, aber ich werde nicht für immer hier bleiben." Wenn sie nicht vorhatte zurückzukehren, dann musste er seinen Standpunkt wohl deutlicher klarstellen. Es war nun auch egal, sie wollte die Wahrheit und sie sollte sie bekommen. Er hatte dieses Herrenhaus für sie wieder aufgebaut, hatte es als Zuflucht für sie repariert und versucht es für sie annehmbar und bewohnbar zu machen. Sie spuckte auf seine Arbeit mit ihren Worten und zog sie ins unnütze. Ärger wallte in ihm auf und ab, aber er zwang ihn ebenso hinunter wie die Müdigkeit. Es war in Ordnung wenn sie für das nächste Jahr hier blieben, dagegen sagte er nichts. Aber er würde nicht für immer in dieser Stadt sitzen und sich mit Mühe und Not über Wasser halten, damit sie in einer schäbigen Schenke gerade so am Leben blieben. "Ja du hast Recht. Ich kann dieses Kind weder lieben, noch annehmen, solange ich nicht weiß ob es das meine ist. Wir wissen beide das es nicht meins sein muss, also sprich nicht von Stolz den ich empfinden soll. Du bist mein Weib, aber das heißt nicht das du mein Kind in dir trägst und genau das ist der springende Punkt." Er schob ihre letzte Frage bis zum Schluss auf. Zuerst wollte er all die anderen Sachen klären und mit ihr reden. Sie giftete ihn an, zog Skarvo ins lächerliche und verspottete ihn mit Herans Weib. Es kratzte an seinem Ego, immerhin war er nun hier um ehrlich mit ihr zu reden und sie hatte nichts besseres zu tun als ihn anzugreifen. "Herans Frau ist mir egal, sie wird so schlau gewesen sein und etwas dagegen unternommen haben. Besonders da sie es nicht wollte, im Gegensatz zu dir." Er hoffte das dieser Satz gesessen hatte, schließlich war er kein kleiner höriger Mann, der sich alles gefallen ließ.

Der Nordmann stand auf und ging zu dem Fenster, sah hinaus auf die Stadt und schloss kurz die Augen. Er konnte weder etwas gegen seine Gefühle tun, noch gegen seine Vorstellungen und seine Zukunftwünsche. Er würde immer ein wildes Tier sein, würde die Städte und die Zivilisation hassen. Sie würden niemals so leben wie er es sich vorstellte und genau das versetzte ihm einen Stich ins Herz. Er hatte bereits so viel für diese Frau aufgegeben, hatte ihr in so vielen Punkten nachgegeben. Aber dieses mal würde es nicht so weit kommen. Wenn sie seinen Willen nicht akzeptieren konnte, dann sollte sie gehen und ihr Leben alleine leben. "Ich weiß nicht einmal ob ich in der Lage bin ein Kind zu zeugen. Die Bestie in mir hat einiges an meinem Körper verändern und genau deshalb bin ich so unsicher was das Kind angeht. Ich kann es nicht als meines ansehen, solange ich nicht Gewissheit habe. Es ist mir egal ob du darauf warten kannst oder nicht... Ich habe auch keine Lust hier zu sein und bin es dennoch. Man muss Opfer bringen, sonst würde das niemals funktionieren." Der Nordmann öffnete wieder die Augen und stützte sich auf dem Tisch ab. Seine gelblichen Augen fixierten die Arcanierin fest und er erwiderte ihren Blick. Es war so falsch zu behaupten das Kind war seines und er sollte stolz auf es sein und sich darauf freuen. Wie sollte er das alles jemals tun, wenn sich herausstellen könnte das es nicht seines ist? Wie konnte er ein Kind lieben, wenn es aus ihrem Fehltritt entstanden war? Niemals würde er das können. "Wo ich sein werde, wird sich zeigen. Ich bin gewillt bei dir zu bleiben und mit dir hier in Shruidron zu leben bis das Kind da ist. Aber ich werde nicht heucheln und sagen das ich das Kind lieben oder akzeptieren kann, solange ich nicht weiß ob es meines ist. Ich liebe dich, Aenaeris, und daran wird sich nichts ändern. Zumindestens nicht solange das Kind noch da ist. Ich bin nicht mehr so jung wie du und das hier ist vielleicht meine einzige Gelegenheit auf einen Sohn, oder eine Tochter. Wenn du es von dem Medicus wegmachen lässt, dann weiß ich nicht was ich noch hier soll... Wenn du gewillt bist ein Kind zu töten, das meines sein könnte, dann weiß ich nicht ob du mich wirklich liebst oder ob du es verdient hast, das ich dich liebe." Er meinte diese Worte ernst, auch wenn sie zweideutig waren. Es war so lächerlich von ihr zu verlangen das Kind auszutragen und gleichzeitig mit dem Gedanken zu spielen es zu töten, wenn es nicht seines sein sollte. Er wünschte sich, er wüsste jetzt wessen Kind es war, das würde die Entscheidung wesentlich einfacher machen. Es würde jeden Druck von seinen Schultern nehmen und er konnte sich endlich richtig entscheiden und nicht nur Andeutungen machen, was wäre wenn... Es nervte ihn unsäglich, das er nicht wusste was Sache war. Er wollte wissen ob dies nun sein Kind war, oder nicht. Er wollte ihr nicht immer die Schuld zuschieben, oder ihr den Fehler vorhalten, aber wenn sie es nicht getan hätte... Wären sie nun nicht in dieser verdammten Situation. Dann wäre es mit Sicherheit sein Kind, oder sie wäre einfach gar nicht schwanger geworden. Wut wallte erneut in ihm auf, ob des Betrugs und es ärgerte ihn mittlerweile wesentlich mehr das dieses Kind ein Produkt dessen sein könnte. Er würde dem Kind genau das sein Leben lang vorhalten und vorwerfen, würde es niemals lieben können und wollte erst recht nicht mit ihm zusammenleben und es großziehen. Seine Hände ballten sich auf dem Tisch zu Fäusten und er fletschte knurrend die Zähne, "Wenn es nicht mein Kind ist, dann werde ich es töten." Erneut schloss er die Augen und dachte kurz nach. Dann starrte er einen Moment auf seine Hände und grauenvolles Schweigen breitete sich aus. Er hob seine rechte Hand vors Gesicht und betrachtete die Finger, die Fingernägel und die Handknochen. Dann sah er wieder zu Aenaeris, "Oder ich werde es zu meinem Kind machen." Er kniff die Augen zusammen und sah ihren verwirrten Gesichtsausdruck. Kurz ballte sich die Wut zusammen und er wischte einen der Lederbeutel vom Tisch, das er gegen die Holzwand prallte und auf den Boden fiel, "Zu einem Werwesen, einem Wolf, einer Bestie wie ich es bin. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht für mich, Aenaeris. Ich werde keinen Bastard großziehen..." Als er endete hörte man ein leises rollen auf dem Holz. Dann klimperte es kurz, denn aus dem Lederbeutel war ein Goldstück gerollt und blieb nun schwankend auf einer Stelle stehen, bis es gänzlich umgefallen war. Théro beachtete es überhaupt nicht, es war unwichtig. Das ganze Geld war unwichtig. Sie brauchten es nur weil sie hier waren. Sie waren wegen Aenaeris hier und nicht wegen ihm. Je länger dieser Streit andauerte, desto eher kam er zu der Meinung das es vielleicht wirklich besser war. Alleine wären all diese Probleme wieder passé, sie wären Vergangenheit. Und so wie es momentan aussah, würde der Streit doch immer wieder neu aufflammen bis das Kind da war und dann würde es sich rapide verschlechtern, oder verbessern. Vorrausgesetzt sie hielten es beide solange durch... Zweifel breitete sich langsam in ihm aus, vielleicht war es besser sie würden es jetzt beenden, als irgendwann im Herbst...
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ich meine Gefühle abschaff.
Unterdrück am Tag noch den Hass,
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » Mi, 03. Okt 2012 8:45

Aenaeris starrte ihn entsetzt an. „Lieber sähe ich es tot, als dass Du es zu einem Werwolf machtest…“ flüsterte sie. „Das kannst Du nicht Ernst meinen…“ fügte sie ungläubig hinzu. Sie wollte ihn mit dieser Aussage nicht beleidigen … vielleicht ein wenig, weil er ihr diesen Seitenhieb versetzt hatte, dass Herans Frau sicher klüger gewesen war als sie … aber dass ein Werwesen zu sein nicht unbedingt erstrebenswert war und ein solches nur mit den allerbesten Vorzügen ausgestattet war, war nun einfach ihre Meinung. Dass er das anders sah, lag in der Natur der Sache und sie macht ihm daraus auch keinen Vorwurf. Er erwiderte nichts und sie schwiegen beide. Die Stimmung war nahezu erdrückend, genauso wie dieses Zimmer und Aenaeris wäre am liebsten aus dem Zimmer gelaufen, auf die Straßen, egal wohin, nur einfach weg… Dann fiel ihr Blick auf den dicken Geldbeutel, den er vom Tisch geschleudert hatte, und danach glitten ihre Augen hinüber zu dem glänzenden Goldstück. „Woher hast Du das viele Geld?“ fragte sie ihn. Sie erwartete nicht, dass er ihr Antwort darauf gab, er hatte ihr ja auch nicht gesagt, warum er so übel aussah. Sie stand auf, ging zu der Waschschüssel und tränkte den Lappen, der daneben lag mit dem kalten Wasser. Dann ging sie zu Théro, stützte seinen Kopf mit der linken Hand und begann vorsichtig, ihm mit der anderen das Blut über der Augenbraue wegzuwischen. Überraschenderweise schloss er die Augen und ließ sie gewähren, sie hatte damit gerechnet, dass er sie wegeschieben würde. Sie säuberte noch seinen Bart, schrubbte das verkrustete Blut heraus und dann warf sie den Lappen in die Waschschüssel zurück und das Wasser färbte sich leicht rötlich. Sie sah ihm in die Augen und gestand sich ein, dass sie ihm keinen Vorwurf machen konnte. Sie würde an seiner Stelle genauso denken, es war nur immer einfacher, auf der anderen Seite zu stehen. Ihr Blick fiel erneut auf die Goldmünze. Sie hob sie auf und umschloss für einen Moment das kühle Metallstück, welches sich in ihrer Faust schnell erwärmte. Dann stand sie auf, nahm seine Hand und zog ihn hoch. „Komm mit… wir werden die Sache hier und heute klären…“ meinte sie, und schob ihn dann aus dem Zimmer. Ein wenig widerwillig ließ er sich aus dem Zimmer schieben und folgte er dann als sie langsam die Treppe hinunterstieg. Als sie aus der Schenke traten, schlug ihr die kühle Morgenluft entgegen und sie atmete tief ein. Dann blickte sie sich unschlüssig um, und ging dann schließlich nach links, die Straße hinunter.

Sie liefen durch die halbe Stadt, immer nur gen Westen, bis sie schließlich am Ende dieser Straße, schon außerhalb Shuridrons an eine kleine Hütte kamen. Das musste das Haus sein, von dem die Wirtin ihr berichtet hatte. Théro blickte sie fragend an. „Das hier ist das Haus einer alten Schamanin…“ erklärte sie ihm. „Die Wirtin der Schenke hat mir erzählt, dass sie über einige außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt. Sie soll alleine durch das Auflegen ihrer Hände wissen, ob das Kind ein Junge oder ein Mädchen wird… vielleicht, wenn sie diese besondere Gabe besitzt, kann sie auch sagen, wessen Kind es ist, das ich da in mir trage… Théro sah sie zweifelnd an, erwiderte aber nichts. Sie traten näher an das Haus heran und blieben ein wenig zögerlich davor stehen. Als Aenaeris schließlich beherzt die Faust ballte und an die Türe klopfen wollte, öffnete diese sich einen Spalt und ein verhutzeltes altes Weib blickte durch den Türspalt. Hatte sie sie gehört? Eigentlich hatte Aenaeris recht leise gesprochen und die alte Frau sah nun wirklich nicht so aus, als würde sie noch besonders gut hören können. „Was wollt ihr?“ fragte die Alte forschend. Aenaeris erinnerte sie ein wenig an Tyn, nur dass Tyn weißhaarig und ein wenig größer gewesen war. Diese hier war klein, gebeugt und hatte graues Haar. „Ich habe gehört, dass ihr uns helfen könntet…“ meinte Aenaeris ein wenig unsicher. „Alle wollen meine Hilfe, die hierher kommen…“ meinte die Frau. „Aber wir brauchen besondere Fähigkeiten in einer besonderen Sache…“ meinte Aenaeris ein wenig schnippisch. „Habt ihr Geld?“ Aenaeris hielt die Goldmünze vor ihre Nase, die sie ganze Zeit in der Hand gehalten hatte. Die alte Frau schob die Türe einladend auf und meinte „Kommt herein…“ Ein wenig unsicher blickte Aenaeris zu Théro, doch seine Miene war ausdruckslos. Sie wusste genau was er dachte. Sie war hierher gekommen, es war ihre Sache, es interessierte ihn einen Scheiß, sie musste wissen, was sie hier tat. Es ärgerte sie manchmal, wenn er so war. Sie betrat die Hütte und Théro folgte ihr. Er betrachtete die alte Frau misstrauisch, vielleicht erinnerte sie ihn ebenfalls an Tyn, wer wusste das schon… Aenaeris sah sich in der Hütte um. Es war dunkel, nur der Schein der steinernen Feuerstelle erhellte den Raum. Eine weiße Katze lag neben der Feuerstelle und döste mit geschlossenen Augen und nahm keinerlei Notiz von den beiden. Überall standen Gläser, Tontöpfe, Schachteln herum, einige angestaubte Bücher lehnten auf einem Regal, es gab ein kleines Bett, und über der Feuerstelle simmerte etwas in dem gusseisernen Kessel. Das Gesicht der Alten war von tiefen Falten durchfurcht. Sie hatte langes graues Haar, welches ihr in einem dünnen Zopf über den Rücken bis zum Steißbein fiel. Sie trug ein schwarzes schlichtes Kleid und darüber einen roten verschlissenen Umhang. Sie ging leicht gebeugt und wirkte nicht ganz so vertrauensselig wie zum Beispiel Tyn, doch der erste Eindruck konnte täuschen, und sie waren ja nicht hier um in aller Freundschaft Tee mit ihr zu trinken, sondern weil Aenaeris etwas von ihr wollte.

„Und wie genau kann ich Euch nun helfen?“ fragte die Frau, während sie die beiden musterte. „Ich bin guter Hoffnung, und man sagte mir, ihr wäret allein durch auflegen Eurer Hände dazu in der Lage das Geschlecht zu bestimmen.“ Die Alte nickte. „Doch nur deswegen sind wir nicht hergekommen. Seid ihr auch in der Lage, mir zu sagen, ob es sein Kind ist?“ Aenaeris senkte die Augen, und die alte Frau grinste boshaft und dabei entblößte sie zwei Reihen brauner und vereinzelt auch fehlender Zähne. „Leg Dich auf das Bett und mache Deinen Bauch frei…“ meinte sie und schlurfte zu einer ihrer Truhen. Sie holte einen Dolch hervor. Aenaeris währenddessen legte sich auf das Bett und schob ihre Röcke hoch um den Bauch frei zu geben. „Zuerst das Geld…“ forderte sie mit aufgehaltener Hand. Aenaeris drückte ihr die Münze in die Hand und blickte dann ein wenig unsicher auf den Dolch in ihrer Hand. Instinktiv ging Théro an das Bett. „Reich mir Deine Hand, Wolfsmann…“ meinte diese und bedachte ihn mit einem wissenden Blick, der Théro sichtliches Unbehagen in sein Mienenspiel zauberte. Sie nahm den Dolch und schnitt ihn am Handgelenk auf. Er zog die Luft zischend zwischen den Zähnen ein und sie hielt seine Hand über Aenaeris Bauch, bis die Rinnsale aus der Wunde liefen und auf ihren Bauch tropften. Dann nahm sie Aenaeris‘ Hand und tat es gleich. Aenaeris fluchte leise auf, als die Alte ihr einen Schnitt versetzte. Auch ihr hellrotes Blut tropfte dabei auf den Bauch und vermischte sich mit Théros Blut. Die Alte zog einige Linien mit ihrem langen Fingernagel des Zeigefingers durch das Blut und murmelte dabei leise einige Beschwörungen. Dann nahm sie beide Hände, drückte diese sacht auf Aenaeris‘ Bauch und begann mit einem fremdartigen undefinierbaren Singsang. Théro trat ein wenig betreten von einem Bein aufs andere und Aenaeris schloss die Augen und ließ das Ritual über sich ergehen. Die Alte schien in einem tranceähnlichen Zustand zu sein. Als sie ihren Gesang beendet hatte, fuhr sie mit dem Finger noch einmal durch das Blut und steckte sich den Finger in den Mund und kostete. Dann stand sie auf, und holte einen Lappen aus einem Eimer der mit Wasser getränkt war. Sie wrang ihn aus und warf ihn Aenaeris zu. „Du kannst Dich säubern und wieder bedecken, das Ritual ist vollzogen. Während Aenaeris sich das Blut von ihrem Körper wischte, begann die Alte. „Es ist ein Sohn … es wird ein kräftiger Junge und er hat helles Haar …“ Sie warf dabei einen vielsagenden Blick zu Théro und sah dann zu Aenaeris, deren Blick sichtlich entspannter war, als noch vor wenigen Augenblicken. Aenaeris erhob sich, und bedankte sich bei der Alten. Dann verließen sie eilig die Hütte. Sie waren beide sichtlich erleichtert, als sie wieder draußen standen. Aenaeris hatte das Gefühl, als würden ihre Beine versagen, darum schlang sie ihre Arme um Théros Oberkörper und hielt sich an ihm fest. Sie flüsterte „Nun wird hoffentlich alles wieder gut …“
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Thėro Schattenmal » Mi, 03. Okt 2012 13:43

Der Nordmann starrte missmutig auf das Haus der Schamanin, "Ich hasse diese alten Hexen..." murmelte er leise vor sich hin. Sie krochen immer in seinen Kopf, erkannten was er war und deckten sein Geheimnis auf. Er konnte sich so etwas einfach nicht erlauben, denn wenn diese Informationen nur in eine einzelne falsche Hand geraten würde, wäre er schon morgen tot. Gespickt mit Bolzen, Pfeilen und Silberbesteck. Er war nunmal ein Tier, eine Bestie, und wurde auch wie eben jene gejagt. Nirgends würde man einen Werwolf tolerieren und so blieb ihr einzigster Schutz Verborgen und im Geheimen unter den Menschen zu leben. Sie hatte keine Ahnung wie es war, wenn man sich sein Leben lang verstecken musste, seinen Instinkten niemals nachgeben durfte und ständig Gefahr lief entdeckt und gejagt zu werden. Das war wohl einer der Hauptgründe warum er nicht in einer Stadt leben wollte, es war einfach zu gefährlich und es stank furchtbar. Es war als würde man einen Wolf in ein Schlachthaus sperren und es vor dem vielen Fleisch anketten. Unwillig knurrend sah er nochmals auf das Haus und spürte dann Aenaeris Hände auf seinem Körper. Er spürte ihren an seinem und es tat gut sie so nah bei sich zu haben. Sein Blick fiel auf den Schnitt an seinem Handgelenk und urplötzlich überkam ihn eine große Müdigkeit und Schwäche. Er knickte leicht ein, hielt sich aber noch auf den Beinen und schob Aenaeris leicht von sich, "Bitte lass uns zurückgehen... Ich... Es war eine harte Nacht." Er hatte das Gefühl, als würde er gleich umfallen und ohne weiter auf ihren Blick zu achten, zog er sie unnachgiebig mit sich zurück zu der Schenke. Vor ihrem Zimmer lehnte er sich kurz gegen die Holzwand und verschnaufte ein wenig. Dieser verdammte Hüne... Er hatte das Gefühl als wären alle seine Knochen zertrümmert und er wollte nur noch schlafen. Also schloss er die Tür auf und betrat das Zimmer, ohne weitere Zeit zu verschwenden legte er sich so wie er war in das Bett und seufzte leise auf. Es war als fiele der gesamte Druck und all die Last von seinen Schultern. Er spürte Aenaeris fordernden Blick auf sich und schloss müde die Augen. Das Blut rauschte laut in seinen Ohren und sein Herz hämmerte unnachgiebig gegen seinen Brustkorb. Konnte er der Schamanin glauben? Er wusste was Tyn alles konnte, gekonnt hatte, sie war zu vielen Dingen in der Lage gewesen. Er hasste nichts so sehr wie Magie, aber die Schamanin hatte mit Sicherheit die Wahrheit gesagt. Sie hatte ein Ritual vollführt, wie Tyn es manchmal getan hatte... Dann fuhr es durch ihn durch, wie ein Messer durch zartes Fleisch. Er würde Vater werden. Aenaeris trug ein Kind in sich, sie trug sein Kind in sich... Sein Fleisch und Blut wuchs nun in ihr heran und in ein paar Jahren würde er einen stattlichen Sohn haben, er würde ihm das Jagen beibringen können, wie sein Vater ihm. Er würde ihm das Kämpfen beibringen, würde ihm zeigen was alles nötig war um zu überleben und wie man sich ein Weib nahm... Er seufzte erneut leise auf und streckte matt eine Hand nach Aenaeris aus. Als sie bei ihm war, zog er sie auf sich. Zumindestens spürte sie was er wollte, denn seine Kraft hatte ihn verlassen und er fühlte sich matt und schwach. Er brauchte unbedingt Schlaf, die letzten Tage waren zu anstrengend gewesen, selbst für seinen Körper. Er spürte sie auf sich, spürte ihre warme Nähe und schloss wieder die Augen. Dann spürte er ihre Lippen auf seiner Wange und legte eine Hand auf ihren Rücken. Eine kleine Träne rang über seine Wange, als er leise flüsterte, "Ich werde Vater... In dir wächst mein Sohn, Aenaeris." Dann fiel er ins Schattenreich der Träume und sein Körper erschlaffte.

Er schlief den kompletten Tag durch und ebenso die Nacht. Erst am nächsten Morgen wurde er wach und spürte Aenaeris neben sich. Ob sie weggewesen war wusste er nicht, nur das sie nun da war und ruhig neben ihm atmete. Sie schlief also noch... Gähnend und müde drehte der Nordmann den Kopf und ließ seinen Blick durch das Zimmer schweifen. Es gab immer noch ein paar Dinge, die sie klären mussten. Er wollte hier kein Kind aufziehen und erst recht nicht in einer noch größeren Stadt. Aber sie sollte auch ihren Schlaf bekommen und so schloss er erneut die Augen und döste noch ein wenig vor sich hin. Dann bemerkte er irgendwann eine Bewegung neben sich und öffnete müde die Augen. Er sah in Aenaeris Augen, sah auf ihre Haare und ihre Lippen und schmeckte sie kurz darauf auch, süß und weich wie eh und je. Als er sich von ihr löste strich er durch ihr Haar und über ihren Rücken, "Ich bin froh das du mein Kind in dir trägst, das erleichtert mich wirklich... Vor allem kann ich mich jetzt wirklich darauf freuen." Er lächelte sie an und küsste sie erneut, er hatte sie vermisst. Aber sie sollte niemals danach fragen was er in den paar Tagen getrieben hatte und was er auch weiterhin treiben würde. "Ich habe eine Möglichkeit Geld zu verdienen, wie du schon gemerkt hast. Ich will nicht das du arbeiten musst, weder als Schankmaid noch als sonst etwas... Ich werde für dich sorgen und du wirst alles bekommen was du willst. Aber ich bleibe dennoch dabei, Aenaeris... Ich kann nicht für immer in einer Stadt leben oder in diesem Dorf. Das wissen wir beide, ich brauche die Wälder und die Wildnis und ich will meinem Sohn das beibringen was mein Vater mir beigebracht hat..." Er schluckte schwer und presste die Lippen aufeinander. Seine Eltern würden ihren Enkel nun niemals kennenlernen... Aber das mussten sie auch nicht, es reichte ihm das er Aenaeris hatte und Skarvo. Ausserdem war es ein glücklicher Zufall das er Nathaniel wiedergetroffen hatte, so wusste er zumindestens das er in der Arena kämpfen konnte wann er wollte und bei seinen Wetten nicht beschissen wurde. "Wie gesagt, wir können hier bleiben... Meinetwegen auch noch über den Winter, aber dann will ich zurück. Ich komme dir entgegen und ich erwarte dasselbe von dir, Geliebte..." Er schob eine Hand zwischen sie und strich sacht über ihren Bauch. Dann schloss er die Augen und zog sie enger an sich. Mit der Gewissheit das es sein Kind war, kam auch erst der gesamte Schwall an Gefühlen richtig bei ihm an. Er fühlte das Glück über ein Kind, spürte die Sorge für es und Aenaeris und er wollte es in seinen Händen halten, wollte es aufziehen und ihm beim Aufwachsen zusehen. Er wollte ihm all diese Dinge beibringen, wollte zusehen wie es in die Welt hinauszog und er sein Glück suchte. Schließlich öffnete er wieder die Augen und sah Aenaeris an, "Wie willst du ihn nennen? Sollen wir in der Schenke hier bleiben?"
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Thėro Schattenmal » Fr, 05. Okt 2012 14:32

Plötzlich ruckte der Kopf der Nordmanns herum. Eisenstiefel dröhnten auf dem Holz der Treppe und Stimmen wurden laut auf dem Flur der Schenke. Théro schlüpfte aus dem Bett und starrte stirnrunzelnd zur Tür, die kurz darauf mit einem lauten Krachen aufflog. Die Stimmen und Schreie drangen ins Zimmer und mit ihnen kamen Soldaten und Wachen aus Shruidron. "Tötet die Bestie!" "Ja, spießt den Wolfsmenschen auf!" Einzelne Schreie und Sätze brachen aus dem Getümmel heraus, doch der Lärm nahm Überhand. Noch ehe er richtig reagieren konnte und das Messer aus seinem Gürtel glitt, richtete der erste Wachmann seine Armbrust auf ihn. Théro blieb mitten im Sprung stehen, keuchte leise und starrte auf seine Brust, aus der ein gefiederter Bolzen ragte. Er dachte an Aenaeris, dachte an seinen ungeborenen Sohn... Es lag in seiner Pflicht sie zu beschützen, er durfte nicht versagen. Der Nordmann knurrte wild und macht ein paar Schritte weiter. Schon war er bei dem ersten Wachmann und rammte ihm die Klinge in die Kehle. Er torkelte erneut zurück, wankte unter dem Aufprall eines zweiten Bolzens, der sich zu dem ersten gesellte. Es war zuviel, selbst für einen Werwolf, insbesondere da die Kräfte der Bestie erst bei Nacht wuchsen und ihm wirklich halfen. Théro sank in die Knie und drehte den Kopf zu Aenaeris. Seine Lippen bewegten sich und er hauchte leise, "Verzeih mir..." Als er sich wieder umdrehte blickte er zu einem brutal aussehenden Mann hinauf, der scheinbar einen hohen Rang in der Stadtwache inne hatte. Verzweiflung und Wut brachen in ihm aus und drangen in seinen Blick. Er hob erneut das Messer, aber ehe er zustechen konnte drang eine Klinge in seinen eigenen Hals ein. Das Silber fraß sich in seine Haut und vergiftete sein Blut und der süße Tod kam auf schnellen Schritten an.

Er wusste das es nun endgültig zuende war. Man sagte viele Dinge über den Tod, sagt das man seine Ahnen treffen würde, das man ein Licht sehen könnte. Man sagte das Leben würde an einem vorbeiziehen, es würde schmerzlos vorbeigehen... Nichts davon war der Fall, sein Brüllen verwandelte sich lediglich in ein lautes Gurgeln und der Schmerz explodierte in seinem Körper, nahm Überhand und füllte ihn komplett aus. Er konnte weder denken, noch reden oder sehen, alles bestand nur noch aus einer grellen Schmerzexplosion. Dann wurde es schwarz um ihn, das Messer glitt aus seiner Kehle und der leblose Körper des Nordmannes sackte zur Seite und fiel auf die hölzernen Dielen.
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » Sa, 06. Okt 2012 9:55

Aenaeris fuhr zusammen, als die Tür aufflog und polternd gegen die Zimmerwand schlug. Théro war instinktiv aufgesprungen und stand vor einigen bewaffneten Soldaten von Shuridron. Sie hatte kaum Gelegenheit, die Situation zu erfassen, es ging einfach alles zu schnell und sie wurde der Situation gewahr, dass die Soldaten ihn mit den Bolzen aus der auf ihn gerichteten Armbrust getroffen hatten. Sie war geschockt und ihr Herz hämmerte so stark, dass es ihr beinahe unmöglich war, zu atmen. In ihren Ohren widerhallten nur seine Worte „Verzeih mir“, als er leblos auf die harten Eichendielen aufschlug. Sie schrie verzweifelt auf und sie hatte das Gefühl, dass sich die Welt um sie herum in Schwärze tauchte. Wie in einem dichten Nebel vernahm sie die donnernden Worte eines Mannes der befahl „Nehmt sie fest! Das ist die gesuchte Arcanierin!“ Dann fühlte sie, wie sie grob an den Armen gepackt wurde und aus dem Zimmer gezerrt wurde. Das Blut rauschte in ihren Ohren und sie konnte nicht glauben, dass das alles eben wirklich passiert war. Um ihre Armgelenke schlossen sich klirrend eiserne kalte Handfesseln und sie wurde unsanft über die Treppe nach unten gestoßen und aus der Schenke gebracht. Überall standen Menschen, starrten und tuschelten und raunten. „Setzt sie auf eines der Pferde… Und dann reitet los… Kamiro, Du wirst persönlich mit Deinem Leben bürgen, dass sie auch in Ceroans Schild ankommt. Wenn sie flieht, oder stirbt, ist Dein Leben verwirkt.“ Dieser nickte und hob Aenaeris auf eines der großen Pferde, die vor der Schenke standen. „Was passiert mit ihr, wenn wir dort angekommen sind?“ erkundigte sich einer der Soldaten. „Sie wird dort vorläufig eingekerkert, es ist sicher als das Zuchthaus in Shuridron. Wir haben ein Abkommen mit Arcanis. Sie schicken Soldaten und diese holen sie dann und bringen sie nach Arcanis, wo ihr der Prozess gemacht wird.“ Aenaeris vernahm diese Worte. Sie wollte nach Arcanis zurück, ja… aber nicht so, und nicht unter den gegebenen Umständen…“ Einer der Soldaten ging mit schweren schritten auf das Pferd zu, auf dem Aenaeris saß und leuchtete mit der Fackel in ihr Gesicht. Er pfiff durch die Zähne aus und fragte den Hauptmann „Was hat sie verbrochen?“ „Oh, die Liste ihrer Vergehen ist beinahe endlos … sie soll den Tempel in Lanyamere sowie ihr Elternhaus in Arcanis angezündet haben. In Ayunvar haben sie arcanische Soldaten getötet. Ihr Begleiter war ein Werwolf …“ spuckte er aus „…hat in einer Schenke in Lanyamere einem hohen Herren den Schädel gespalten … “. „Doch das spielt jetzt keine Rolle mehr. Wir haben immerhin das Weib lebend gefangen genommen … eine solche Bestie lebend zu fangen wäre ein reichlich riskantes Unterfangen gewesen…“ „Ein Werwolf? Sind das nicht nur Ammenmärchen?“ hakte der Soldat nach. „Wären es welche, bräuchten wir keine Silberwaffen… Räumt und schließt die Schenke…“ befahl der Hauptmann. „Steigt auf, wir reiten los…“ Die Soldaten folgten seinem Befehl, stiegen auf die Pferde und galoppierten los.

Unerbittlich trieben sie die Pferde an, ritten die ganze Nacht durch und erreichten in den frühen Morgenstunden Ceroans Festung. Aenaeris war in der Nacht in einen gnädigen Schlaf gefallen. Als sie am Morgen unsanft vom Pferd gezogen wurde und erwachte, wurden ihr die Erlebnisse des gestrigen Abends gewahr und sie stellte schmerzlich fest, dass dies nicht nur ein schrecklicher Alptraum sondern die Realität gewesen war und sie begann bitterlich zu schluchzen. Ihr war entsetzlich übel und ihre Kehle war ganz ausgetrocknet. „Bringt sie in den Kerker, wenn sie in der Zelle ist könnt ihr ihr die Handfesseln abnehmen…“ Grob packte einer der Soldaten sie am Arm und führte sie durch den Innenhof in die Festung. Dabei berührte er das Brandmal. „Gebrandmarkt…“ murmelte er. Der Hauptmann hatte diese Bemerkung vernommen. „Das sicherste Indiz dafür, dass sie es ist, Brandmarkungen dieser Art wurden nur im Tempel von Lanyamere durchgeführt…“ Aenaeris wurde über unzählige Stufen nach unten ins Kellergewölbe gebracht. Es war sehr kühl und feucht und hin und wieder vernahm man ein leises rascheln und fiepen. „Ratten…“ dachte Aenaeris bei sich. Die Gefängniszelle wurde laut quietschend aufgezogen und der Soldat stieß sie rein, folgte ihr und nahm ihr dann die klirrenden Handfesseln ab. Dann stapfte er hinaus, stieß die Türe zu, die laut krachend ins Schloss fiel und dann hörte sie von außen wie der Schlüssel hineingesteckt und klackend im Schloss umgedreht wurde. Der Schlüsselbund klirrte dabei an der Holztür, wurde heraus gezogen und die schweren Schritte verhallten, bis sie immer leiser wurden und dann schließlich nach einer Weile verstummten. Es dauerte eine Weile bis sich Aenaeris‘ Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, doch selbst dann konnte man in der Finsternis nicht viel erkennen. Die Zelle an sich barg nichts, kein Bett, kein Stuhl, kein Tisch, keine Decke… es stank darin modrig, es war kalt und irgendwo in der Dunkelheit war das stete platschen zu hören von einem Tropfen, der irgendwo in ein Rinnsal tropfte. Aenaeris schlang die Arme um ihren Körper, barg ihren Kopf auf den Knien und wurde von einem heftigen Weinkrampf geschüttelt. Hier war sie nun… irgendwann würden die Arcanier kommen und sie holen, und sie würde nach Arcanis gebracht und direkt aufs Schafott wandern, sie würden nicht nur sie töten, sondern auch das ungeborene Kind in ihrem Leib, von dem niemand wusste außer ihr, und das ebenso wie sie keine Gnade zu erwarten hatte…
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » Mo, 08. Okt 2012 7:50

Aenaeris saß gegen die Wand gelehnt, in der Gefängniszelle und das einzige Geräusch, das sie hörte, waren die Wassertropfen, die irgendwo in diesem verfluchten Steinkeller in ein Rinnsal tropften, und sie allmählich in den Wahnsinn trieben. Sie hatte jegliches Zeitgefühl in diesen feuchten und kalten Gemäuern verloren. Wie lange war sie nun schon hier in diesem Loch? Hier war es zu jeder Zeit dunkel und sie schlief ein wenig, wenn sie ermüdete und wenn sie erwachte, nun, dann war sie eben wach. Generell schlief sie sehr schlecht. Immer wieder hörte sie das Fiepen von Ratten, die durch kleine Löcher in den Mauern durch das ganze Kellergewölbe huschten und ihr Schlaf war meistens nur sehr leicht, weil sie Angst hatte, irgendwann im Schlaf von den Ratten angenagt zu werden. Ihr Haar hing ihr in Strähnen herunter, ihr Kleid war verdreckt von dem Gefängnisboden und einen Abort gab es nicht. Sie konnte sich lediglich die Ecke aussuchen, in der sie ihre Notdurft verrichtete und sie hatte sich an all den Gestank schon lange gewöhnt, so dass sie diesen irgendwann überhaupt nicht mehr wahrnahm. Nur manchmal, wenn ein kalter Lufthauch durch irgendeine geöffnete Tür zog, nahm sie für einen Moment den Gestank von Fäkalien und Schweiß wahr. Sie hörte die Türe vorne am Eingang vom Kellergewölbe quietschen, und dann hallten Schritte durch den Gang. Es war der Gefängniswärter, der ihr Essen brachte. Er öffnete den Schieber des Guckloches der Türe, wie er das immer tat, bevor er die Türe öffnete, um zu sehen, was Aenaeris gerade machte und als er sie sah, öffnete er die Gefängniszelle, stellte den Krug hin, legte das Brot daneben in den Dreck und verließ dann rückwärts gehend, ohne den Blick von ihr abzuwenden, wieder die Zelle. Essen gab es einmal am Tag, meistens nur einen Kanten trockenes Brot, dazu einen kleinen Krug Wasser. Er kam immer um dieselbe Zeit, das war zumindest ein Richtpunkt, dass sie einmal am Tag für einen kurzen Moment um die ungefähre Tageszeit wusste.

In den wilden Landen noch hatte sie sich ein Stück Brot herbei gesehnt, als sie nichts anderes hatten als Wild oder Trockenfleisch, und nun wünschte sie sich genau dieses. Sie musste wieder an Théro denken, wie jeden Tag, und Tränen stiegen in ihre Augen. Niemals hätten sie das Kastell verlassen dürfen. Er hatte Recht gehabt, dort waren sie sicher gewesen, aber sie hatte ja unbedingt töricht ihren sturen Kopf durchsetzen müssen, und hatte ihn dazu bedrängt, Richtung Arcanis zu reisen. Und nun war Théro tot, und auch auf Aenaeris wartete das Schafott bereits in Arcanis, dessen war sie sich sicher. Sie hatte sich schon vor einiger Zeit eine Entzündung der Harnwege zugezogen. Da sie hier sehr wenig trank, und durch die hier stets vorherrschende Kälte und Feuchte war diese wohl in ihrem Leib hochgekrochen und hatte sich in eine Nierenbeckenentzündung gewandelt, nun hatte sie hohes Fieber bekommen und verspürte starke Schmerzen im Unterleib.
Das Fieber ließ sie manchmal fantasieren, das waren die Tage, an denen sie dachte, sie wäre im Kastell im Vorratskeller und alles wäre in Ordnung, vermutlich war sie nur gestürzt, und bald würde Théro kommen und ihr helfen... Doch wenn dieser Fieberschub verebbte, oder wenn der Gefängniswärter einmal am Tag kam um ihr Brot und Wasser zu bringen, wurde sich sich wieder gewahr, dass sie nicht mehr in den wilden Landen war, sondern irgendwo in einer Gefängniszelle vor sich hinvegetierte. Sie fuhr sich dann manchmal sorgenvoll über ihren Bauch, auf dem sich schon eine leichte Rundung erfühlen ließ. Es würde nicht mehr lange dauern, und sie lief Gefahr, das Kind zu verlieren. Und dennoch wagte sie es nicht, nach einem Medicus zu fragen. Hatte es einen Sinn? Spielte es eine Rolle? Nein... niemanden würde es hier interessieren, wenn sie krank war. Das Kind würde so oder so sterben, mit ihr zusammen am Schafott oder es würde hier still in der Gefängniszelle aus ihrem Leben verschwinden…


Im Vorraum des Kellergewölbes hatten sich arcanische Soldaten eingefunden. Der Hauptmann holte sich Auskunft beim Kerkermeister über die Gefangene, die nach Arcanis zu eskortieren sie befehligt wurden. „Ihr bleibt hier, ich gehe alleine rein…“ befahl er den Soldaten, und diese nickten. Zusammen mit dem Kerkermeister ging er in das Gewölbe und ließ sich die Türe aufsperren. „Lasst mich alleine mit ihr.“ Es war eher ein Befehl, als eine Bitte, auch wenn er hier in Shuridron über keinerlei Befehlsgewalt verfügte. Der Kerkermeister bedachte ihn mit einem seltsamen Blick. Der Hauptmann deutete auf sein Schwert, welches an einem Gurt über seinem Waffenrock mit dem arcanischen Wappen befestigt baumelte. „Ich bin bewaffnet, ich weiß mir im Falle eines Falles zu helfen, gegen ein elfisches Hexenweib…“ spuckte dieser aus. Er trat in die Gefängniszelle, doch weil diese so dunkel war, trat er erneut hinaus, ergriff er eine Fackel, die in einer Eisenhalterung an der Wand steckte, nahm diese mit und schloss die Türe hinter sich. Er hustete und würgte, als er den Gestank in der Zelle wahrnahm, der ihn umwaberte. Als er sich einigermaßen gefasst und an den Gestank gewöhnt hatte, hob er seine Fackel und leuchtete damit die Zelle aus. Er konnte Aenaeris entdecken, die sich in eine Ecke gekauert hatte, als sie den arcanischen Hauptmann mit seinem auffälligen und unverkennbaren weißen Waffenrock die Zelle hatte betreten sehen. Langsam und vorsichtig trat der Hauptmann an sie heran und hielt ihr die Fackel schließlich vors Gesicht.

„Aenaeris… Du bist es wirklich…“ entfuhr es ihm leise, halb entsetzt und halb wissend und seine Worte widerhallten an der dicken Steinmauer. Aenaeris blickte auf und schirmte mit der Hand ihr Gesicht ab gegen die ungewohnte Helligkeit des Feuers. „Wer seid ihr?“ murmelte sie, denn sie hatte ihn wahrhaftig nicht erkannt, auch nicht an seinr Stimme. „Ich bin es, Pereon…“ flüsterte er. Sie sah ihn an „Pereon?“ wiederholte sie und sprach dabei sehr matt und sehr langsam. Doch sie schien nicht zu verstehen. Er sah sie lange und eindringlich an. „Ja… Pereon... Dein Bruder… ich wollte es nicht glauben, als ich den Befehl bekommen habe, hierher zu reiten, um die Feuerpriesterin abzuholen und nach Arcanis zurückzubringen…“ Sie sah ihn aus glasigen Augen an und tat sich schwer, ihm zu folgen. „Aenaeris, stimmt etwas nicht?“ Er schalt sich im selben Moment für diese relativ dumme Frage. Sie war eingekerkert, natürlich stimmte etwas nicht, doch so hatte er es nicht gemeint… Er steckte die Fackel in die Wandhalterung der Gefängniszelle, um beide Hände frei zu halten, ging dann wieder zu ihr und kniete sich zu ihr hinunter. Er nahm ihren Kopf zwischen seine Hände und legte seine Stirn an die ihre, doch dann schrak er zurück und hatte vergessen, was er eigentlich sagen wollte. „Aenaeris, Du glühst ja… hast du Fieber?“ 'Noch so eine dumme Frage', dachte er bei sich... woher sollte sie es wissen, sie schien ihn ja nicht einmal mehr zu erkennen, ob sie dem Wahn verfallen war…? oder lag es schlichtweg nur am Fieber? Er überlegte einen Moment. Dann sagte er „Aenaeris, alles wird wieder gut… ich hole Dich hier heraus…“ Dann erhob er sich und schritt er zu der Gefängnistüre und hämmerte mit der Faust dagegen. So gleich kam der Gefängniswärter angelaufen und schloss die Türe auf. „Ja?“ steckte er den Kopf durch die Türe. „Seht sie Euch doch an, sie ist krank, sie hat hohes Fieber, so kann ich sie nicht nach Arcanis bringen, sie stirbt mir ja unterwegs. Was sage ich dann der heiligen Inquisition?“ fragte er ihn vorwurfsvoll. Der Kerkermeister zuckte die Schultern. „Ich müsste mich dann rechtfertigen… und dann müsste ich meinen Vorgesetzten sagen, dass der Kerkermeister sie hat verrecken lassen… Ich glaube nicht, dass das den hohen Herren gefallen wird…“ Der Kerkermeister bedachte ihn mit einem düstereren Blick. „Ich lasse ja schon nach dem Medicus schicken…“ brummte dieser schlecht gelaunt. „Wohl kaum… habt ihr schon einmal an ihr gerochen? So nehme ich sie nicht mit auf meinem Pferd… das ist ja ekelhaft… Ihr werdet sie erst einmal ein Bad nehmen lassen und danach wird sie ins Lazarett zum Medicus gebracht…“ Seine Stimme duldete keine Widerworte. Widerwillig spuckte der Kerkermeister aus. „Ist ja gut… ich habs begriffen…“ Pereon verließ die Zelle und der Kerkermeister versperrte sie wieder. Er schlurfte missmutig aus dem Kellergewölbe. Pereon folgte ihm und ging wieder zu seinen Soldaten. „Es wird wohl noch einige Tage dauern, bis wir Ceroans Schild verlassen werden…“ meinte er. Einer der Soldaten hob fragend die Augenbrauen. „Die Gefangene ist in einem denkbar schlechten Zustand… wenn wir sie so mitnehmen, wird sie die Reise nach Arcanis sicher nicht überleben… das kommt dann auf uns zurück…“ meinte er zerknirscht. „Erst soll sich ein Medicus ihrer annehmen und danach werden wir weiter entscheiden…“
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » Mi, 10. Okt 2012 23:49

Aenaeris wurde aus ihrer Gefängniszelle geholt und ihr wurden wieder die kalten, schmiedeeisernen Handfesseln angelegt deren Kette bei jeder kleinen Bewegung leise klirrte. Der Kerkermeister führte sie, dicht hinter ihr, und sie sorgsam im Auge behaltend, den langen dunklen Gang entlang, der nur von wenigen Fackeln, die in Halterungen an der Wand hingen, beleuchtet wurde. Am Ende des Ganges ging er vor, und stieß die verwitterte Holztür auf die im Scharnier langgezogen quietschte. Vor den Stufen blieb sie stehen und blickte nach oben, wohin sie führen mochten. Er gab ihr einen Stoß und sie strauchelte, da sie mit den am Rücken gefesselten Armen das Gleichgewicht schwerlich halten konnte, und ließ sich mit den Knien instinktiv auf die erste steinerne Stufe fallen. „Na los, steh wieder auf und geh weiter, sonst stehen wir morgen noch hier herum …“ murrte er und zog sie schließlich an einem Oberarm hoch, als sie nicht sofort reagierte. Langsam stieg sie Stufe für Stufe hoch. Sie hörte sein unwilliges murren, doch sie konnte einfach nicht schneller, ihr war übel, sie hatte starke Unterleibsschmerzen, und sie fühlte sich matt und schwach. Die offenen Haare hingen ihr ins Gesicht und ihr fiel zum ersten Mal auf, dass sie ihr neues Haarband wieder einmal verloren hatte. Die Haare störten und kitzelten sie, doch sie konnte sie nicht nach hinten wischen, und so versuchte sie, die störenden Strähnen aus dem Gesicht zu pusten, was ihr nach einigen Malen auch gelang. Oben angekommen führte er sie durch einen langen Gang, der sich nach einigen Metern nach links und rechts verzweigte. Er schob sie nach rechts und führte sie zur linken in einen Raum. Es war ein Lazarett, und der Medicus stand im Raum als schien er nur auf sie gewartet zu haben. „Der Zuber steht im Nebenraum“ meinte er und deutete mit seinem ausgebreiteten Arm auf eine offen stehende Türe die in einen kleinen Raum führte. Der Kerkermeister nickte und schob Aenaeris in den Raum.

Sie blieb stehen und sah sich um. Es war ein spärlich ausgestatteter Raum. Es stand nur ein großer Badezuber darinnen, eine Feuerstelle mit einem großen Kessel und ein Tisch mit einigem Zubehör wie Seife, Bürsten und Tücher. Neben dem Zuber standen zwei Frauen, Mägde, ihren Stand nach zu beurteilen, und sahen Aenaeris neugierig an. Diese musterte die beiden, doch sie deutete weder eine Geste an noch sprach sie ein Wort mit ihnen. Ihr wurden die Fesseln abgenommen. Sie kam sich vor wie eine gefährliche Schwerverbrecherin. Der Kerkermeister verließ den Raum, schloss die Türe und blieb davor stehen. Aenaeris legte ihre Kleidung ab und stieg in den Zuber. Das Wasser war schon ein wenig ausgekühlt, und doch tat es wohl. Sie nahm die Seife und die Bürste und begann sich damit einzuseifen und gründlich abzuschrubben. Währenddessen hob eine der Mägde, die jüngere der Beiden, ihre Kleider auf und rümpfte die Nase. „Ob das noch sauber wird?“ meinte sie zweifelnd. „Wir kochen es mit Soda aus, das wird schon wieder …“ meinte die Ältere zuversichtlich. Sie hatte eben mehr Erfahrung in solchen Belangen. Als Aenaeris fertig war, reichte sie ihr ein großes Tuch, um sich damit abtrocknen zu können. Neugierig beobachtete die jüngere Aenaeris dabei und starrte sie unverhohlen an. Als Aenaeris sich in das Tuch gehüllt hatte, schob sie Alte sie in den anderen Raum hinüber. „Der Medicus wartet bereits …“ erwiderte sie knapp. Als sie Aenaeris zum Medicus gebracht hatte und wieder in den Baderaum gegangen war, um dort sauber zu machen, flüsterte die jüngere ihr aufgebracht zu „Hast Du gesehen? Sie ist schwanger …“ Die Alte zuckte die Schultern. „Und wenn schon, was kümmert es mich … diese Umstände sind so alt wie die Welt selbst …“

Der Medicus war ein alter Mann, und er erinnerte sie an Reyar den Bader. Er deutete Aenaeris, sich auf das Bett zu legen. Er legte seine Hand auf ihre Stirn. Sie war kühl und angenehm. Er nickte und fragte sie schließlich „Habt ihr Schmerzen?“ Aenaeris nickte matt. „Wo?“ Sie hob eine Hand und legte diese im Rücken auf ihre Hüfte und ließ diese darauf ruhen und glitt damit schließlich nach vorne. „Hier, überall …“ murmelte sie leise. Er nickte. Dann nahm er ihre Hand und fühlte den Puls. „Sehr hoch …“ murmelte er und nickte wieder. Als der Medicus auf ihren Bauch sah und sie fragend anblickte, nickte sie leise. „Hm ... hm ... hm … das ist ein Problem … ihr braucht starke Medikamente … doch ich kann Euch diese nicht geben, ohne dabei das Leben des Kindes zu gefährden… doch wenn ich Euch keine gebe, gefährde ich Euer Leben …“ Aenaeris sah ihn an. „Welche Rolle spielt das jetzt noch? Behandelt mich ohne Medikamente … ich werde ohnehin sterben … wenn nicht jetzt, dann bald am Schafott… doch ich möchte nicht die Ursache für den Tod meines Kindes sein …“ Es war ironisch, denn am Schafott würde sie dennoch Ursache dafür sein … „Ich habe einen Eid geschworen, dass ich alles Leben schütze …“ meinte der Medicus. „Dann beschützt das Leben meines ungeborenen Kindes… ich kann auf mich alleine aufpassen …“ erwiderte sie ein wenig schnippisch. Der Medicus seufzte. „Wie ihr meint … auf jeden Fall müsst ihr ein paar Tage hier bleiben. Ich verhänge eine strenge Bettruhe… und ihr müsst viel und noch mehr trinken … und beten …“ meinte er und wandte sich ab. Er suchte aus seinen Regalen eine Flasche aus dunklem Glas. Er goss davon etwas in einen Becher und reichte ihn Aenaeris. „Was ist das?“ fragte sie ihn. „Saft von Beeren, die in den wilden Landen wachsen … Moosbeeren …“ Der Saft war sehr sauer und sehr herb, was Aenaeris im Zusammenhang mit den Erinnerungen, die sie von den wilden Landen hatte, mehr als passend fand … Der Medicus stellte ihr die Flasche auf das kleine Beistelltischchen neben eines der Betten. Er holte ihr noch eine weiße Leinentunika heraus, die recht weit und bequem geschnitten war. „Zieht das an …“ Sie tat wie ihr geheißen, und ließ danach das feuchte Leintuch auf den Boden gleiten. Er reichte ihr noch einen Becher in dem sich ein Schluck Mohnblumensaft befand. „Hier, gegen die Schmerzen…“ meinte er. „Ihr werdet davon auch schlafen…“ erklärte ihr. Es war ihr Recht. Sie hatte die letzte Zeit, egal, wie lange es auch war, sehr wenig geschlafen und sie fühlte sich nur noch müde und ausgebrannt. Sie sehnte sich nach tiefem traumlosen Schlaf, der nicht begleitet war von der Angst vor den großen Ratten, der Kälte und Feuchte der Gefängniszelle und vor allen Dingen diesen entsetzlich grausamen Fieberträumen …
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » Sa, 13. Okt 2012 14:14

Aenaeris war seit einigen Tagen schon im Lazarett und es ging ihr nun deutlich besser. Sie hatte keine Schmerzen und kein Fieber mehr, die entsetzlichen Fieberträume hatten aufgehört. Doch noch immer war sie matt, was mehr an ihrem Gemütszustand lag. Es war wohl schon einige Wochen her, als sie verhaftet worden war, doch die Erlebnisse schmerzten sie immer noch tief. Oft lag sie des Tages oder auch des Nachts wach und dann liefen lautlos und unaufhörlich die Tränen über ihr Gesicht. Heute hatte sie einen besseren Tag als sonst. Sie strich über ihren Bauch, der immer noch leicht gewölbt war, und es schien, als hätte sie das Kind nicht verloren, seit der Medicus mit seiner Therapie begonnen hatte. Sie schickte ein Dankgebet zu den Göttern und sah sich um. Neben ihrem Bett auf dem Tischchen stand ein Krug Wasser und ein Becher aus Ton. Sie goss sich Wasser ein und trank. Sie beobachtete den Medicus, der geschäftig hin und her schlurfte. Als er bemerkte, dass sie wach war, nickte er ihr aufmunternd zu. „Guten Morgen…“ Für ihn war es einerlei, ob er einen Mörder, einen Betrüger, Soldat oder Herrscher, Frau oder Mann behandelte. Für ihn waren sie alle nur kranke oder verletzte Menschen, die seiner Hilfe bedurften. Aenaeris blickte ihn an und fragte ihn dann „Ich bin schon am Weg der Besserung. Doch wie geht es nun weiter? Stecken sie mich wieder in diese Zelle?“ Für sie war es absolut unlogisch, wieso sie hierher gebracht, gewaschen und medizinisch versorgt worden war, wenn sie dann erst wieder in der Zelle verrotten sollte. Wieso war sie überhaupt hier? „Warum bin ich hier?“ fragte sie ihn. Der Medicus sah sie an „In der Festung?“ „Nein, ich meine hier im Lazarett. Wieso hat man mich zuerst in die Zelle geworfen, um mich danach hierher zu bringen? Was wird nun weiter geschehen?“ Der Medicus zuckte die Schultern. „Ich weiß es nicht genau, ehrlich gesagt…“ „Aber was wisst ihr?“ bohrte sie nach. Der Medicus rührte weiter in einem Tiegel, der über einem kleinen Feuer hing. „Die Arcanier sind seit Tagen hier. Ich glaube, auf ihr Geheiß hin wurdet ihr hierher gebracht. Sie warten darauf, dass ihr eskortierfähig seid und dann nehmen sie Euch mit.“ Aenaeris starrte den Medicus ungläubig an. Die Arcanier waren hier? Wer? Soldaten? Wahrheitsbringer? Welch grausames Spiel spielten sie mit ihr? Wieso ließen sie Aenaeris aufpäppeln? Damit sie gesund und munter und hoch erhobenen Hauptes zum Schafott marschieren konnte? Angst blitzte aus ihren Augen und Angst schwang in ihrer Stimme mit als sie ungläubig flüsterte „Die Arcanier sind bereits hier?“

Wie auf Kommando schwang die Tür auf und ein Mann in weißem Waffenrock und heller Rüstung trat ein. Er trug das Wappen Arcanis‘ auf seinem Waffenrock und hatte seine Kapuze tief ins Gesicht gezogen. „Lasst uns allein…“ befahl er dem Medicus „Und sorgt dafür dass wir nicht gestört werden, ich muss das Hexenweib verhören…“ Aenaeris‘ Augen weiteten sich, als der Medicus nickend das Lazarett verließ und die Türe fest hinter sich schloss. Arcanis war für seine Verhöre berühmt und berüchtigt. Der Mann trat an ihr Bett und lüftete die Kapuze. „Pereon…“ entfuhr es ihr, und all die Angst und Unsicherheit fielen von ihr ab. „Wie kommst Du hierher?“ fragte sie erleichtert. „Ich war schon vor einigen Tagen bei Dir, in der Gefängniszelle… erinnerst du Dich nicht?“ hakte er nach. Aenaeris überlegte kurz, doch sie konnte sich nicht daran erinnern. Es musste am Fieberwahn gelegen haben… sie war an diesem Punkt wohl wahrhaft am schmalen Grat zwischen Leben und Tod… „Nein, ich erinnere mich nicht…“ gestand sie. „Bist Du gekommen, um mich nach Arcanis zu bringen?“ flüsterte sie. Er nickte. „Als mich die Nachricht erreichte, dass sie Dich und Deinen Gefährten aufgegriffen hatten, habe ich Tag und Nacht zu den Geschwistern gebetet, dass man mich als Hauptmann zu Dir entsendet… ich habe alles Menschenmögliche getan, und bin beinahe zu Kreuze gekrochen, um den Auftrag zu bekommen und hier stehe ich nun. Bei unserer letzten Begegnung habe ich Dir gesagt, wenn wir uns noch einmal begegnen, oder wenn sie Dich kriegen, kann Dir niemand mehr helfen, dann kann ich Dir nicht mehr helfen… und doch stehe ich nun hier…“ „Und doch stehst Du nun hier…“ wiederholte Aenaeris murmelnd. „Und was wirst Du tun?“. „Ich werde Dir natürlich helfen, Du bist meine Schwester… ich werde Dir zur Flucht verhelfen…“


Er musterte sie eingehend, „Du bist guter Hoffnung, Aenaeris?“ Sie nickte stumm. „Wo ist er?“ Sie senkte den Kopf. „Er ist tot… sie haben ihn umgebracht…“ „Du sprichst von dem Werwolf?“ fragte er ungläubig nach, um nichts zu missverstehen. Erneut nickte sie. „Aenaeris… bist Du von allen guten Geistern verlassen?? Du treibst Unzucht mit einer solchen Kreatur??“ Er ist doch nur in Vollmondnächten ein Werwolf gewesen… des Tages war er ein ganz normaler Mann…“ erklärte sie ihm atemlos. „Sag mir, wann hast Du Dich von den Geschwistern abgewandt, um Dich zu solchen Taten hinreißen lassen?“ „Schon bevor ich ihn kennenlernte… und erst, als die Geschwister sich von mir abgewandt haben…“ Ist er derselbe von dem Du mit bei unserer letzten Begegnung erzählt hattest? „Derselbe...“ bestätigte Aenaeris. Pereon wurde wütend. „Wenn ich gewusst hätte, was er ist, dann hätte ich Dich nicht gehen lassen, bei den Geschwistern, dann hätte ich meine Soldaten ausgeschickt bis sie ihn gefunden hätten…“ „Hättest Du nicht… es gab keinen Grund dazu… er war immer gut zu mir…“ funkelte sie ihn an. „Genau genommen könnten wir Hand in Hand aufs Schafott wandern… Du bist nicht besser als ich, Du trägst dasselbe Blut in Dir wie ich, und mich jagen sie dafür…“ fügte sie trotzig hinzu. „In erster Linie jagen sie sich für Deine begangenen Taten… Mord, Brandstiftung, Unzucht mit einer Bestie, von denen die meisten glauben, sie sei nur ein abergläubisches Märchen…“ "Es war keine Unzucht... schließlich und endlich waren wir vor den Göttern einander versprochen..." Pereon lachte rau auf. "Vor welchen Göttern?" "Vor den alten Göttern der wilden Lande..." funkelte sie ihn an. "Diese Götter existieren in Arcanis nicht, wie Du weisst, vor den Geschwistern ist dieses Versprechen nichtig und ungültig... das weisst Du genau, Aenaeris! Also ist es Unzucht!" Er fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. „Und nun, bist Du schwanger von ihm… er ist tot… weißt Du überhaupt, was Du da in Dir trägst?“ „Sein Kind, was sonst?“ erwiderte sie widerspenstig. „Und weißt Du, ob es nicht auch das Wolfsblut in sich hat? Wird es sich bei Vollmond auch in eine unkontrollierbare, gefährliche Bestie verwandeln? Weißt Du das?“ „Nein, das weiß ich nicht...“ gab sie zu. „Dann weißt Du, was Du zu tun hast…“ Sie hob die Augenbrauen. „Was meinst Du damit, Pereon?“ „Ich meine damit, Du wirst den Medicus damit beauftragen, dass es verschwindet, Schwester…“ legte er ihr eindringlich nahe. „Das kann nicht Dein Ernst sein…“ flüsterte sie. „Und wie es mein Ernst ist, Aenaeris. Du hast schon genug Schande über unsere Familie gebracht, unsere Familie, die nicht mehr existiert, weil Du Vater und Mutter umgebracht hast… bei den Geschwistern, Aenaeris… reiß Dich gefälligst zusammen! Du hast durch diesen Wilden vergessen, wer Du bist! Du bist eine stolze Arcanierin! Wir vermischen unser Blut nicht! Ich weiß, auch in unserer Familie gibt es einen solchen dunklen Fleck, doch genau aus diesem Grund darfst Du nicht denselben Fehler begehen! Du übergibst die Sache dem Medicus, oder…“ „Oder was?“ fiel sie ihm ins Wort. „Oder ich schneide Dir das Kind höchstpersönlich aus dem Leib…“ drohte er ihr hart an. „Das kannst Du nicht so meinen, wie Du es sagst…“ sagte sie bitter, und doch wusste sie, wie Ernst es ihm war. „Wir brechen morgen Früh auf. Bis dahin ist das Kind Vergangenheit…“ sagte er ihr. Gehe gleich zum Medicus damit er sich der Sache annehmen kann und ruhe Dich dann in der Nacht gut aus. Mehr Zeit bekommst Du nicht…“ Aenaeris sah ihn flehend an, doch er hatte den Blick bereits abgewandt und schritt mit seinen schweren Stiefeln aus dem Lazarett. Als der Medicus wieder hineinkam, sah sie ihn resigniert an. „Das Kind muss verschwinden… allerhöchste Anweisung aus Arcanis…“
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » So, 14. Okt 2012 11:26

Der Medicus sah sie traurig an. „Ich habe einen Eid geschworen… ich achte und schütze das Leben… ich kann und werde es niemandem nehmen… erst Recht keinem unschuldigen und ungeborenen Kind…“ „Ihr müsst…“ forderte Aenaeris ihn auf. „Wenn ihr es nicht tut, werden die Arcanier es tun… und sie werden dabei sicher nicht vorsichtig zur Sache gehen…“ Der Medicus seufzte. „Es tut mir leid, ich kann und werde es nicht tun…“ „Damit besiegelt ihr mein Schicksal…“ flüstere Aenaeris. Der Medicus sah sie zweifelnd an. „Werdet ihr nicht nach Arcanis gebracht, um dort Eurer Strafe zugeführt zu werden? Euer Schicksal ist somit längst besiegelt, und ich werde kein Blut an meinen Händen haben…“ „Aber was soll ich denn jetzt tun?“ fragte sie ihn. Der Medicus zuckte die Schultern. Er schien sie wahrhaftig nicht verstehen, oder es war ihm egal. Aenaeris überlegte einen Moment. Der Bauch war noch klein, vielleicht könnte sie ihn mit Bandagen abbinden… Pereon wollte ihr doch zur Flucht verhelfen, oder nicht? Früher oder später würden ihre Wege sich trennen, sie musste nur hoffen, dass die Zeit auf ihrer Seite war, und es unbemerkt blieb. „Dann helft mir zumindest, es zu vertuschen…“ meinte sie zu dem Medicus. Er nickte. „Mögen die Götter Euch beistehen…“ meinte er.
Am frühen Morgen band Aenaeris ihren Bauch ab. Er war noch klein, und es war eine Leichtigkeit. Eine Magd brachte ihr das gesäuberte Kleid und sie zog es an. Der Stoff glitt über ihren Körper und legte sich an den flachen Bauch an. Zufrieden betrachtete sie sich. Sie legte noch ihren Mantel an und wartete dann im Lazarett. Nach einer Weile kam ihr Bruder herein und sie stand auf. Er seine Blicke über ihren Körper wandern und nickte zufrieden. „Es ist besser so, glaub mir…“ meinte er, als er ihren Blick sah. „Komm, wir reiten los…“ Als sie das Lazarett verließen und den Gang entlang gingen, fragte sie „Wohin wirst Du mich bringen, Pereon?“ „Wir reiten erst einmal eine Weile Richtung Arcanis. Meine Soldaten dürfen nicht den geringsten Zweifel an der Sache haben. Wir reiten zunächst die Straße entlang nach Cadron. Von dort kannst Du dann ein Schiff besteigen und den Aras hinunterfahren, bis in die Wälder von Sieryan. Vielleicht bist Du bei Elfen besser aufgehoben…“ meinte ein wenig abfällig. Sie betraten den Burghof, wo die Soldaten und die Pferde schon auf sie zu warten schienen. „Hauptmann…“ nickte er Pereon zu. „Wo soll die Hexe aufsteigen?“ „Ich nehme sie auf mein Pferd…“ Der Soldat nickte. „Braucht sie keine Handfesseln?“ Pereon schüttelte den Kopf. „Das wäre beim reiten nur hinderlich, ich habe sie schon im Griff.“ Sie stiegen auf und ritten los. Nach vielen Stunden erreichten Sie Cadron.
Sie zogen es vor, ein Lager vor einem Wäldchen vor Cadron auf zu schlagen und nicht in die Stadt selbst zu reiten. Es gab dort einfach zu viele Elfen, und die Arcanier hatten keine Lust, sich unter diesen aufzuhalten, mitunter war es auch ein wenig gefährlich, arcanische Soldaten hatten in elfischen Städten einfach nichts zu suchen. Es war schon spätnachts, und die Soldaten schliefen schon. Pereon hatte die erste Wache übernommen. Nervös wippte er mit dem Fuß, während er am Lagerfeuer saß und sie betrachtete. „Geht es Dir gut?“ fragte er sie. Aenaeris nickte, auch wenn es nicht der Wahrheit entsprach. Sie erhob sich. „Wohin gehst Du?“ fragte er sie. Sie verzog ihren Mund und sagte „Willst Du das wirklich wissen? Oder willst Du mir dabei zusehen?“ Nach einer Weile kam sie zurück. Er war aufgestanden und blickte in den schwarzen sternenklaren Himmel. Als er sie sah, betrachtete er sie lange im Feuerschein. „Komm her zu mir, Aenaeris…“ Sie zögerte. „Nun komm her zu mir!“ Sie ging langsam zu ihm und als sie ihm gegenüber stand musterte er sie. „Es tut mir leid, Aenaeris…“ Er umarmte sie. „Ich hätte Dir ein besserer Bruder sein sollen, schon viel früher… ich wusste nicht, was Du bei unseren Eltern alles durchmachen musstest. Doch sie haben es nur für Doch getan, und für die Geschwister…“ Seine Hände fuhren den Rücken hinunter bis zur Taille. Dabei ertastete er die Bandagen und er fuhr daran entlang, rundherum. „Was bei Geschwistern… Aenaeris! Was ist das?“ fuhr er sie an und schien bereits zu ahnen, was sie ihm verheimlichte. Ungerührt schob er ihre Röcke hoch, entblößte sie dabei und warf einen Blick auf die Bandagen die um ihren Bauch geschlungen waren. „Du hast mich belogen und betrogen!“ begann er wütend zu raunen, darauf bedacht, die Soldaten nicht aufzuwecken. Er griff mit einer Hand an seinen Gürtel und zog den Dolch heraus. Mit einer schnellen Bewegung schnitt er an der Seite den Verband auf und die losen Bandagen fielen zu Boden. Der kleine Bauch wölbte sich wieder heraus und nur einige wenige rote Abdrücke von den Bandagen waren darauf zu sehen. „Also doch! Du willst mich zum Narren halten!“ Eine ohnmächtige Wut bemächtigte sich seiner und er ballte die Faust. Außer sich vor Zorn schlug er ihr mit aller Gewalt die Faust in den Bauch, immer und immer wieder, bis sie keuchend zu Boden sackte. Als sie am Boden lag, trat er noch einige Male mit den Stiefeln nach ihr und sie rollte sich schützend zusammen. „Ich habe Dir gesagt, wenn Du Dich nicht darum kümmerst, dann werde ich es tun!“ „Pereon, hör auf… der Medicus wollte mir nicht helfen!“ wimmerte sie und die Tränen liefen über ihr Gesicht. „Wie kann ich Dir noch glauben, Aenaeris?“ Du hättest es mir auch sagen können. Doch hast Du? Nein!“ Er wandte sich kurz ab. „Ich kenne Dich nicht mehr… Du bist eine verdorbene, schamlose Hexe…“ Aenaeris wurde wütend, als sie diese Worte vernahm. „Du bist eine Hure, ich schäme mich nur für Dich…“ sprach er weiter und wandte sich ihr wieder zu. „Du bist es nicht würdig, dass ich Dir helfe… Du verdienst nichts als den Tod… ich bringe Dich nach Arcanis… sie sollen Dich nicht aufs Schafott bringen… nein, wird werden Dich dem Scheiterhaufen übergeben… Du sollst brennen, wie einer Hexe es gebührt!“ „Nein!“ rief Aenaeris und ihre Augen weiteten sich, während ihr Unterleib schmerzte, von seinen Schlägen und Tritten. „Steh auf!“ herrschte er sie an. Sie erhob sich mühsam und blieb auf wackeligen Beinen stehen. „Sieh mich an!“ rief er, doch sie starrte trotzig zu Boden. Sie wollte ihn nicht ansehen, sie konnte ihn nicht ansehen. Dies war nicht ihr all die Jahre so geliebter Bruder, er hatte sich in eine arcanische fanatische Bestie verwandelt… „Sieh mich an!“ schrie er sie an und schlug ihr mit dem Handrücken ins Gesicht. Eine ohnmächtige Wut erfasste sie, als sie den heißen Schmerz auf ihrer Wange fühlte. Sie fühlte, wie die allzu bekannte und unkontrollierbare Hitze in ihr aufstieg… Das Lagerfeuer loderte bedrohlich auf und wuchs an und schien um sich greifen zu wollen. Pereon wandte sich um und starrte ungläubig darauf.

Aenaeris nutzte diese Gelegenheit und lief zu den Pferden. Sie humpelte vielmehr, doch ging es nun um ihr Leben. Sie stieg in den Steigbügel und schwang sich in den Sattel. Ein Schmerz durchfuhr sie, als sie im Sattel zu sitzen kam, doch sie ignorierte ihn und trat dem Pferd heftig in die Flanken. Es wieherte auf und preschte in die Dunkelheit davon. Im Rücken hörte sie ihren Bruder schreien. Er schien die Wachen aufzuwecken. Sie ritt am Fluss entlang. Der Mond spiegelte sich in dem großen Strom und bot zumindest auf diesem Weg ein wenig Orientierung. Als sie eine ihr endlos vorkommende Zeit geritten war, lenkte sie das Pferd hart nach links, Richtung Norden. Sie ritt durch einen Wald und ritt immer weiter. Unbarmherzig trieb sie das Pferd an, galoppierte scheinbar viele Stunden, bis das Pferd vor Erschöpfung einhielt und seine Schritte verlangsamte, obgleich Aenaeris es weiterhin antrieb. Es hatte keinen Sinn mehr, das Pferd war am Ende. Am Horizont erschien allmählich ein heller Streifen und es dämmerte. Das Pferd lief noch einige Schritte und blieb dann stehen. Aenaeris ließ sich vom Pferd gleiten. Sie führte das Pferd zu dem nahen Fluss, und tränkte es. Sie band es an einen kleinen Baum und ließ sich dann darunter zu Boden gleiten. Sie rollte sich in ihren Mantel zusammen und schloss die Augen. Ihr war nun alles egal, sollten sie sie doch aufgreifen, es war ihr egal… Ihr Körper schmerzte von Pereon Schlägen und Tritten. Sie schloss die Augen und fiel in einen tiefen traumlosen Schlaf…

[Die Zeit des Feuers]
"Ihre Natur ist Feuer und Blut..."

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