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Die Feuerpriesterin und der Wolf

Das nördliche Nachbarland Mérindars, schon seit Jahrhunderten in Feindschaft mit jenem Reich. » Ortsbeschreibung
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Aenaeris
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » Sa, 01. Sep 2012 13:13

Es war schon nach Mittag, als Aenaeris erwachte. Die Sonne stand schon und hoch und sie hatte Kopfschmerzen und ein flaues Gefühl im Bauch. Warum trank sie Schnaps, wenn sie diesen nicht vertrug? Er schmeckte eigentlich auch nicht, er brannte nur und sorgte dafür dass man sich schnell anders oder besser fühlte. Doch hinterher fühlte man sich nicht besser, im Gegenteil… Sie fuhr sich mit beiden Händen übers Gesicht und durch die Haare. Etwas umständlich rappelte sie sich unter ihrer Decke hervor, stand auf, zog sich ihr Kleid an, schnürte es zu und ging die steinerne Treppe nach unten und trat in den Innenhof. Das Sonnenlicht blendete Aenaeris schmerzhaft, was vermutlich an den Kopfschmerzen lag und sie legte sich schützend eine Hand vor die Augen. Dann wartete sie, bis sich ihre Augen an das Tageslicht gewöhnt hatten. Sie sah sich um, ob sie Théro irgendwo im Hof entdecken konnte, doch vermutlich war er irgendwo im Haus und sie hatte es nicht bemerkt…

Aenaeris ging zu Abari in die Stallung. Sie hatte sich am Vorabend vorgenommen, den Stall auszumisten, eigentlich wollte sie das schon am Morgen erledigen... Sie führte den Hengst aus dem Stall, stellte ihm einen Eimer Wasser hin, falls er Durst bekam und ließ ihn im Innenhof stehen. Sie lief zurück zum Stall, nahm die Mistgabel und piekte diese in das verdreckte Stroh, und hob eine Gabel voll Mist auf. Sie sah sich suchend um, lief mit der vollen Mistgabel umher, und entschied sich dann, einmal ums Eck zu laufen und den Mist hinter den Pferdestall zu werfen. Sollten ihn doch die Alten holen, es war ihr egal… Nach einiger Zeit schwitzte sie ganz ordentlich und ihre Hände brannten von der Anstrengung, doch der Mist war draußen. Sie wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn und lief zurück in den Innenhof, schöpfte einen Eimer Wasser aus dem Brunnen und ging damit zum Stall zurück. Sie schüttete den Eimer auf dem leeren Steinboden aus, und schrubbte ein wenig mit dem Reisigbesen über die Steinplatten und kehrte dann das schmutzige Wasser aus dem Stall. Sie machte eine kurze Pause. Sie musste Wasser trinken, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Je mehr sie arbeitete, desto besser fühlte sie sich wieder. Im Stall, oben am Heuboden, lagerten noch Strohballen. Sie fragte sich ernsthaft, woher dieses Stroh gekommen war. Hier musste es irgendwo in der Nähe ein Feld gegeben haben…sicherlich war es schon seit geraumer Zeit nicht mehr bestellt worden, doch der Grund musste da sein, und darauf könnte man aufbauen. Sie angelte sich mit der Mistgabel einen Strohballen herunter, dieser fiel mit einem dumpfen Aufschlag auf den Steinboden. Sicherlich gab es irgendwann mal eine Leiter, mit der man auf den Heuboden klettern konnte, doch nun gab es keine mehr. Vielleicht könnte Théro, wenn er einmal Zeit hatte… sie verwarf den Gedanken gleich wieder. Théro hatte mehr als reichlich zu tun. Sie fand, sie sollte sich eher überlegen, wie sie ihm besser behilflich sein konnte. Beim ausbessern des Dachstuhls zum Beispiel. Dies würde er alleine nicht schaffen, und sie war es auch Leid, immer zuschauen zu müssen. Vielleicht war sie eine Frau, und nicht besonders kräftig, aber bei den Alten, sie konnte auch zupacken, wenn es darauf ankam. Der Strohballen war mit einem dünnen Hanfseil verschnürt. Sie schnitt dieses Seil an allen Ecken und Enden auf, zupfte es heraus und verteilte dann das duftende Stroh auf dem Boden. Sie war zufrieden. Was hatte sie nicht alles gelernt und auf die Beine gestellt, seit sie aus dem Tempel geflohen war… Sie war gerade im Begriff, Abari zurück in seinen Stall zu stellen, als sie sich besann, ihn sattelte und sich schließlich auf das Pferd schwang. Sie wollte die Gegend durchstreifen und schauen, ob es nicht irgendwo eine Futterwiese gab, schließlich musste das ganze Heu ebenso wie das Stroh von irgendwo bekommen sein. Und Heu war das wichtigste überhaupt. Auch wenn Théro das behauptete, doch es war kompletter Unsinn, ein Pferd einen ganzen Winter lang nur von Äpfeln ernähren zu wollen. Abari würde Verdauungsprobleme und Koliken bekommen, und den Winter mit Sicherheit nicht überleben.

Sie wendete das Pferd und verließ das Kastell. Dieses Mal ritt sie in die entgegengesetzte Richtung, die sie sonst immer eingeschlagen hatte, nach Süden. Nach einiger Zeit, es mochten vielleicht zwei Stunden vergangen sein, kam sie an einem Gebirgsbächlein vorbei. Sie hielt Abari an und ließ führte ihn zum Bach. Bislang hatte sie noch nichts gefunden, weswegen sie losgeritten war. Sie war ein wenig frustriert. Hier im Norden waren Futterwiesen ohnehin ein Mangel, und wenn sie nicht bald etwas fanden, standen sie wirklich vor einem Problem… Einige Wolken waren vor die Sonne gezogen und warfen wilde Schatten auf die bewaldeten Berge. Der Wind wehte rau und Aenaeris fror ein wenig, da sie ihren Mantel nicht dabei hatte. Nach einer Weile war sie ein wenig verzagt. Immer wieder sagte sie sich, wenn sie nur noch ein Stück reiten würde, würde hinter dem nächsten Fuß am Berg sicherlich eine andere Vegetation kommen. Doch so weit sie auch ritt, da war nichts, und Aenaeris musste nun langsam aufgeben, da sie sonst die Orientierung verlieren und nicht mehr ins Kastell zurückfinden würde. Sie wendete den Hengst, und ritt zurück aus der Richtung, aus der sie gekommen war. Sie ritt vorbei an Hügelgräbern, diese waren Aenaeris vorher gar nicht aufgefallen… vielleicht der Friedhof eines früheren Clans, aber vielleicht waren hier auch einige Menschen gestorben, durch einen Kampf, oder andere widrige Umstände, und sie waren gleich hier an Ort und Stelle bestattet worden... Sie ritt über ein felsiges Plateau und wunderte sich immer mehr, dass es hier gänzlich anders aussah, als sie in Erinnerung hatte. Doch als sie dann den Berg umritten hatte, erinnerte sie sich wieder an vereinzelte markante Stellen und sie atmete erleichtert auf. Sie gab Abari fest die Flanke, sie wollte die verlorene Zeit ein wenig aufholen und trieb den Hengst schneller an, bis dieser schnaubte und schäumte.

Als die Dämmerung eingesetzt hatte, erreichte sie wieder das Kastell. Sie brachte Abari in die Stallung, rieb ihn trocken und gab ihm Heu und Wasser. Sie sah sich im Innenhof um, konnte Théro allerdings nicht entdecken. Im Burgfried sah die, so gut sie dies in der Dämmerung erkennen konnte, den jungen Wolfswelpen, der an etwas nagte… vielleicht ein Knochen, vielleicht aber auch ein Stück Holz. Sie zog es vor, sich ihm nicht zu nähern, die gestrige Begegnung hatte ihr genügt, und sie würde sich erst wieder mit ihm befassen, wenn Théro dabei war. Sie ging ins Haus, und stieg die Stufen hinauf und konnte den flackernden orangen Schein des Feuers sehen, welcher aus der Küche kam. Sie ging hinein und sah Théro am Boden sitzen. Er lächelte sie an und begrüßte sie, als er sie sah. „Ich bin erst erledigt…“ meinte sie… „Ich habe schon den ganzen Tag Kopfschmerzen, mittags habe ich den ganzen Stall von Abari ausgemistet… den Mist habe ich hinter den Stall gebracht, ich hoffe, Du hast nichts dagegen, andernfalls musst Du Dir einen anderen Ort überlegen, wo Du ihn hin haben willst…“ Sie nahm dankbar den Wasserschlauch an, den Théro ihr entgegenhielt und trank. Sie hatte ihren hier vergessen, sie wusste nicht, dass sie den ganzen Nachmittag unterwegs sein würde. „Dann war ich ausreiten. Ich war auf der Suche nach einer Futterwiese, ich bin stundenlang geritten, doch ich habe nichts gefunden“ meinte sie ein wenig verzagt. „Ich bin Richtung Süden geritten, bis ich bei großen Hügelgräbern vorbeigekommen bin… dann habe ich aufgegeben und habe gewendet und bin wieder zurückgekommen. Fast dachte ich, ich hätte die Orientierung verloren…“ Sie seufzte. „Ich bin als Späher denkbar ungeeignet, vielleicht solltest Du das übernehmen, oder wir beide…“ Sie betrachtete das knusprige Stück Fleisch und der Duft zog ihr in die Nase. „Das ist schön, jetzt etwas zu essen zu bekommen…“ Dankbar nahm sie seine Hand. „Natürlich kann ich Eintopf kochen“ meinte sie später, als sie vorsichtig in ein Stück Fleisch biss. „Doch daran wirst Du keine rechte Freude haben… wir haben außer Getreide doch nichts, was da hinein sollte… Vielleicht war es ein wenig übereilt, vor dem Winter hier her zu kommen…“
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Thėro Schattenmal
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Thėro Schattenmal » Sa, 01. Sep 2012 16:40

Der Nordmann zuckte leicht mit den Schultern und betrachtete sie eine Weile, "Es ist immer ungünstig... Wenn wir nach dem Winter gekommen wären, hätte das nicht viel geändert." Sein Blick streifte über den Raum und blieb am Feuer hängen. Die kleinen, flackernden Flammen bannten seinen Blick und seine Gedanken für einen Moment. Er war wieder in der Heimat, es war tiefster Winter und alle Pässe waren verschneit. So viel Schnee hatte es selten gegeben und die Nahrungsmittel wurden langsam knapp. Théro war mit ein paar Männern in der Wildnis, sie hatten gejagt und einen Bären erlegt. Aber die Jäger hatten das Riesenvieh nicht gepackt und so war er mit seinem kleinen Spähtrupp zufällig in der Nähe gewesen. Der Wind frischte auf und es schneite schon wieder, als sie fertig waren und den Bären in seine Einzelteile zerlegt hatten. Sie waren auf dem Rückweg zum Lager, als sie angriffen. Es waren nur eine Handvoll Orks, aber bei dieser Witterung und der schweren Ladung forderten sie Tribut... Der Hinterhalt ging blutig aus, aber die Nordmänner gewannen. Sie wurden im Dorf nicht nur für das Fleisch, sondern auch für die Orkköpfe gefeiert, aber es gab auch ein paar Opfer zu bedauern. Viel Alkohol war an diesem Tag geflossen und er hatte sich schlecht gefühlt, nicht einmal wegen seiner Verletzung oder den toten Orks. Nein es waren die Männer, die unter seiner Obhut ihr Leben gelassen hatten, ein ums andere mal. So oft schon, bei vielen Spähgängen oder Angriffen. Vielleicht wollte er auch nicht zurück weil er es nicht ertragen konnte noch mehr Männer zu verlieren. Vielleicht mochte er ein geborener Anführer sein, aber das wollte er gar nicht...
Abrupt riss er seine Gedanken wieder los und sah irritiert zu der Priesterin. Es dauerte einen Moment bis ihre Worte einen Sinn ergaben und er seufzte leise auf, "Ach es ist nichts... Ich bin müde, gehen wir schlafen." Er dachte noch einmal über ihre Worte nach, Hügelgräber hatte er hier noch nie gefunden. Anscheinend war sie ganz schön weit geritten, so eine Futterwiese müsste aber viel näher am Kastell liegen. Schulterzuckend fand er seinen Weg ins Bett und schmiegte sich müde an die junge Frau an. Er wollte einfach schlafen und das tat er dann auch.

Am nächsten Tag erwachte er erst später. Es war schon hell draussen, als er aufstand und sich anzog. Aenaeris war schon wach und munter irgendwo unterwegs, schätzte er. Gähnend streckte der Nordmann sich und sah durch das Fenster die Berge hinauf. Er hatte von heißem Wasser gehört, das direkt aus den Steinen kam und einem wundervollen Bad glichen. Ob es hier wohl auch so etwas gab? Schulterzuckend wischte er die Frage weg, selbst wenn würden sie so etwas sicher nicht finden. Seine Gedanken widmeten sich daher erst einmal einem groben Frühstück aus Fleisch und danach der restlichen Arbeit. So begann das Sägen und Hämmern auf ein neues. Es war schon weit nach Mittag, als er die selbstgebastelten Türen befestigte und die Angeln mit dicken Nägeln in den Stein schlug. Das Holz hatte nur mehr für zwei Türen gereicht, daher musste der Lagerraum offen bleiben, aber das machte nichts aus. An den Türrahmen waren noch eiserne Ringe befestigt, durch die man einen Balken schieben konnte um sie zu versperren und Théro hatte sich diese Eigenart zum Vorteil genutzt. Die Holztür der Küche schwang knarzend auf und wieder zu. Zufrieden nickte er und strich über sein Werk, nun musste er nur noch irgendwann den letzten Fensterladen befestigen und diese Arbeiten wären vorerst erledigt. Seine Finger fuhren durch seine blonden Haare, als er vor dem Lagerraum stand und sich den Brennholzvorrat betrachtete. Vielleicht sollte er den Rest des Tages nutzen um noch ein paar dünne Bäume zu schlagen, er würde sowieso mehr Balken für den Dachstuhl benötigen. Seine Schritte führten ihn nach unten und er holte die Holzfälleraxt aus dem Keller. Dann hielt er kurz am Brunnen an, füllte seinen Wasserschlauch auf und trank einen Schluck. Das Wasser schmeckte erdig und gut, er froh das der Brunnen noch funktionierte.

Die Axtschläge hallten mal um mal im Wald nieder. Es war sicher schon später Nachmittag, als er den letzten Baum fällte. Stabile und lange Bäume waren sein Ziel gewesen, aber er achtete darauf das sie nicht zu dick waren. Schließlich sollten sie nur als Balken dienen. Er hatte drei gefällt und begann nun damit sie vom Geäst zu befreien. Die Äste häufte er auf einen extra Haufen auf, sie würden sich gut als Feuerholz machen. Die Dunkelheit zog einher, als er mit dem letzten Baum anfing und seine Äste abschlug. Er hatte für heute sicher wieder seine Arbeit geleistet, aber er ließ gerne unfertige Dinge liegen. Also führten ihn seine Schritte zurück ins Kastell. Er nahm sich ein strammes Seil und führte Abari mit sich in den Wald. Dann band er dem Hengst die Baumstämme an und trieb ihn zurück. Er ließ die Stämme vor dem Herrenhaus liegen und machte noch eine letzte Fuhre um das Brennholz herzuschaffen. Das Ganze dauerte noch eine Weile länger, aber schließlich lagen die drei Stämme an der Hauswand und das Geäst in der Haupthalle. Auch der Hengst stand wieder im Stall und die Werkzeuge waren weggeräumt. Théro schleppte sich mehr oder weniger müde die Stufen hinauf und direkt ins Schlafzimmer. Aenaeris schlief schon, sodass er sich nur an sie schmiegte und auch kurz darauf einschlief.

Der nächste Morgen kam und in der Dämmerung zeichnete sich eine Gestalt im Innenhof ab. Théro streichelte über das Fell des kleinen Welpen. Er war wiedermal früher aufgewacht, getrieben von Instinkten und dem Drang sich zu verwandeln. Ein Grinsen breitet sich auf seinem Gesicht aus und er kraulte den Nacken des Kleinen. Dann gab er ihm den letzten Fleischbrocken und richtete sich wieder auf. Seine Schritte führten ihn zurück nach oben und er weckte Aenaeris auf. Dann ließ er sie sich anziehen und bereitete in der Zeit etwas Proviant und die Wasserschläuche vor. Als sie fertig war, umarmte er sie und küsste sie lang, "Ich bin heute für dich da, also lass uns ausreiten und die Dinge erledigen, die du noch erledigen wolltest..." Er zwinkerte leicht, "Und vielleicht noch etwas mehr." Dann küsste er sie erneut und leckte über ihre weichen Lippen. Er seufzte leise, riss sich schwerlich von ihr los. Dann machte er Abari fertig und packte den Proviant in die Taschen. Er hatte die Türen geschlossen, hob die junge Frau nun auf das Pferd und setzte sich hinter sie. Er schmunzelte ein wenig und umschlang ihren Bauch, schließlich war es nun ihr Pferd, also sollte sie es auch führen.
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ich meine Gefühle abschaff.
Unterdrück am Tag noch den Hass,
bis ich ihn am Morgen rauslass."
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » So, 02. Sep 2012 10:58

„…es ist nicht dasselbe wenn Du hinter mir sitzt…“ meinte Aenaeris. Sie war heute in Plauderlaune und die Worte sprudelten aus ihr hervor wie aus einem Springbrunnen. „Deine Arme wirken so verloren, wenn Du sie um mich schlingst…und es scheint mir, als ziehst Du Abaris Hinterteil ein wenig nach unten“ grinste sie „…Vielleicht hast Du es in letzter Zeit doch ein wenig übertrieben, mit dem Essen… Wollen wir nicht Plätze tauschen?“ Sie lachte, als er brummte. Sie musste zugeben, dass es einen Vorteil hatte, dass er hinter ihr saß, so wärmte er ihren Rücken. Das Wetter hatte seit einigen Tagen umgeschlagen. Es hatte zwar, sehr zu Théros Zufriedenheit, seit er die Mauer repariert hatte, nicht mehr geregnet, doch es war kühl und unbeständig. Ein kühler Wind wehte und trug von den Bergen den herben Duft von verwelktem Laun und Nadelgehölz und der Herbst ließ sich nun nicht mehr leugnen. Aenaeris hatte das Gefühl, dass sich die Jahreszeiten hier nicht fließend ablösten, sondern abrupt. Die beiden streiften einfach so durch die Gegend. Nachdem Aenaeris‘ Versuch, die Gegend nach einer Futterwiese zu durchstreifen nicht geglückt war, war sie ein wenig desillusioniert gewesen, so dass Théro sie schließlich dazu überredet hatte, gemeinsam loszuziehen. Sie fühlte sich einfach besser, wenn Théro dabei war, er kannte sie wilden Lande, er hatte die bessere Orientierung, er kannte sich in der Wildnis besser aus und konnte Spuren lesen, und er war einfach ein Mann und ein Kämpfer. Alles Fähigkeiten, die Aenaeris nicht vorweisen konnte.“ Du hast mir noch immer nicht erzählt, woher Du Abari hast…“ fiel Aenaeris ein während sie so dahinritten. Der Hengst trabte gemütlich dahin und Théro wies Aenaeris an, das Pferd einschlagen zu lassen in eine Wegbiegung. Nach kurzer Zeit erreichten sie eine Gebirgswiese, die in einer Talsohle lag. Die Gräser begannen schon allmählich zu verblühen, doch es war noch nicht zu spät, das meiste, teilweise hohe Gras war noch saftig. Aenaeris blickte verdutzt. Sie waren kaum eine halbe Stunde geritten… Sie wusste nicht, ob das ein Zufall war, oder ob er diesen Ort kannte. Wenn wirklich, war dies ein schlechter Scherz, dass sie Stunden lang geritten war, obwohl hier so in der Nähe genau das war, wonach sie gesucht hatte. Sie stiegen vom Pferd ab. Sie würden wohl mehrmals hierher kommen müssen, wenn sie genug für den Winter einlagern wollten. Théro hatte zwei Sicheln eingepackt und reichte eine davon Aenaeris. Nachdem sie unbeholfen das Gras eher abgesägt hatte, grinste er. Er kniete sich zu ihr, umfing sie von hinten und nahm ihre Hände, und führte ihre Hand mit der Sichel durchs Gras, so dass dieses abgeschnitten wurde. „So musst Du das machen“ erklärte er ihr ruhig. Nach einigem Üben verstand sie, wie sie die Klinge halten und führen musste. All das abgemähte Gras warfen sie auf ein großes Leinentuch, welches noch von den Händlern stammte. Sie hatten zwei davon. Als diese hohe Haufen Gras bargen, raffte Théro die Tücher zusammen, und band die beiden Bündel an den Zipfeln zusammen. Diese legte er über das Pferd, so dass links und rechts je ein Bündel hing. Er hob Aenaeris auf Abari und er selbst ging zu Fuß.

Im Kastell angekommen, breiteten sie das Gras am Heuboden aus. Im Stall selbst war es warm, das Heu würde, regelmäßig gewendet, bald getrocknet sein. Sie ritten noch zweimal zu der Wiese, mehr zu holen würde erst wieder Sinn machen, wenn das Gras getrocknet und am Heuboden aufgetürmt war. „Möchtest Du später noch zu dem See reiten?“ fragte sie ihn. Théro zuckte die Schultern. Er hatte ihr gesagt, sie würden heute machen, wonach ihr der Sinn stand, somit hatte sich die Frage erübrigt. Doch zunächst brauchte der Hengst eine Ruhepause. Aenaeris führte ihn in den Stall, rieb ihn trocken und versorgte ihn mit Heu und Wasser. Als sie den Stall verließ, sah sie sich im Innenhof um. Sie hatte Charr schon länger nicht mehr gesehen. Mied er sie, oder war es Zufall, dass sie sich nie begegneten? Sie zuckte mit den Schultern. Aller Anfang war schwer, und es hatte auch gedauert, bis sie Abari gemocht hatte, und nun betrachtete sie ihn beinahe wie einen Freund…er war allerdings ein wenig umgänglicher und bei ihm brauchte sie nicht zu befürchten, dass er sie angriff oder ernsthaft verletzte. Doch einstweilen war er noch ein Welpe und stellte noch keine Ernste Gefahr dar. Bis er erwachsen war, verging noch einige Zeit und bis dahin würden sich die beiden sicherlich akzeptieren. Aenaeris war hungrig. Doch heute würde sie lieber fasten, als wieder ein Stück Fleisch zu essen. Sie war sich gar nicht sicher, ob sie überhaupt noch Fleisch hatten… zumindest im Keller war nichts mehr, es gab nur Äpfel. Sie nahm ein paar mit, und ging nochmal zu Abari Sie hielt dem Hengst einen Apfel hin und dieser nahm ihn vorsichtig mit den Zähnen und fuhr ihr mit seinem weichen Maul über die flache Hand und stupste sie an. Aenaeris lächelte „Hier hast Du noch einen…“ meinte sie. Dann streichelte sie ihm über die Stirn und verließ die Stallungen. Sie ging zurück zu Théro ins Herrenhaus. „Kein Fleisch mehr da“ meinte sie, und hielt ihm einen Apfel hin. Er nahm ihn und biss ein wenig murrend hinein. Aenaeris konnte das überhaupt nicht nachvollziehen, diese Äpfel waren hocharomatisch, saftig und süß, in Arcanis hatte sie nie wohlschmeckendere Äpfel gegessen, diese waren meistens mehlig, weich und hatten lange keinen solchen Geschmack wie diese hier. Arcanis war aber auch lange nicht so fruchtbar wie die schweren erdigen Gebirgsböden. Aenaeris überlegte. Sie hatten soviel Getreide, damit ließ sich auch einiges anstellen. Mit schweren Steinen gequetscht, ließ sich mit Wasser und geschnittenen Äpfeln ein Getreidebrei machen, oder zu Mehl gemahlen, konnte man Fladen backen. Diese würden zwar eher hart sein, weil sie keine Hefe hatten, aber immerhin…

Nach dem Essen, so man dieses kärgliche Mahl so überhaupt nennen konnte, ritten sie noch mit leeren Satteltaschen zu dem Gebirgssee. Als sie das letzte Mal dort waren, waren Aenaeris nur die Apfelbäume aufgefallen, doch es gab noch mehr. Weiter hinten stand noch ein einsamer Zwetschkenbaum und zwischen den Apfelbäumen standen einige Quitten- und Birnenbäume. „Hier ist es wie im Paradies…“ meinte Aenaeris zufrieden während sie Abari an einen Baum band. „Das Kastell sollte eigentlich hier stehen, dann hätten wir alles, was wir uns nur wünschen können…“ Nachdem sie Stunden damit zugebracht hatte, die großen Satteltaschen mit dem Obst zu füllen, machten sie Pause. Aenaeris trank einen Schluck aus dem Wasserschlauch und aß einige frische Zwetschken. Sie setzten sich zu dem See, Thero saß lässig mit ausgestreckten Beinen da und Aenaeris saß mit angezogenen Beinen am Ufer und stützte sich mit den Händen hinten ab und betrachtete die Wasseroberfläche, die der Wind leicht kräuselte. Dann spürte sie Théros Hand in ihrem Nacken, die sie streichelte und sie bekam eine Gänsehaut. Als sie sich zu ihm wandte und ihm in die Augen blickte, konnte sie sein Verlangen sehen.

[18]Sie erhob sich und setzte sich auf seine ausgestreckten Beine. Sie sah ihm lange in die Augen, dann schloss sie sie und küsste ihn. Sein Bart war ein wenig kratzig, doch daran hatte sie sich schon lange gewöhnt. Er erwiderte ihren Kuss mit einem leichten stöhnen und Aenaeris löste die Schnürung in ihrem Rücken, löste sich kurz von seinen Lippen, zog sich das Kleid über den Kopf und warf es in die Wiese. Dann küsste sie ihn wieder und nach einigen Augenblicken löste sie sich wieder von ihm und entledigte sich noch ihrem Unterkleid. Kaum, da sie nackt auf ihm saß, ließ er seine rauen Hände über ihren ganzen Körper wandern, legte seine Hand in ihren Rücken und schob sie mit sachtem aber entschlossenem Druck näher an ihn heran. Dann unterbrach sie ihn abrupt und stand auf. „Du willst mich haben?“ fragte sie ihn mit einem herausfordernden lächeln „Dann komm, und hol mich…“ sie wendete sich ab und sprang in den See und watete hinein. Der See war am Ufer zwar flach, doch nach zwei Metern bereits stark abfallend, so dass ihr schnell das Wasser bis zu den Schultern reichte. Das Wasser war eiskalt und sie bereute es noch in dieser Sekunde. „Bei den Alten, ist das kalt…!“ fluchte sie laut. Théro grinste und stand auf. Es schien ihm zu gefallen und doch ließ er sich alle Zeit der Welt, zog sich sein Wams über den Kopf, zog sich in aller Seelenruhe die Stiefel aus, warf diese hinter sich, öffnete langsam den Gürtel, ließ seine Hose zu Boden gleiten, entstieg dieser und beobachtete Aenaeris, die zitternd ihre Arme um den Körper schlang. Langsam stieg er in den See und näherte sich ihr. Ihm schien das kalte Wasser überhaupt nichts auszumachen, während sich Aenaeris schnell in seine Arme flüchtete, um sich zu wärmen. Sie seufzte wohlig auf, als sie seinen warmen Körper an ihrem spürte. „Komm, lass uns hier raus, ich friere mich hier zu Tode…“ Sie watete langsam aus dem Wasser, doch dann hielt er sie fest und drückte sie am flachen Ufer zu Boden. Er küsste sie stürmisch und auffordernd, küsste ihren Hals, saugte fest daran, bis sie rot-blaue Flecken am Hals hatte, wanderte weiter, küsste ihre Brüste, ihren Bauch. Aenaeris zog ihn wieder nach oben, suchte seine Lippen, und half ihm, seinen Weg in sie zu finden. Sie keuchte wohlig, als er in sie eindrang und hatte vergessen, wie kalt das Wasser eigentlich war. Sie spürte nur die wohlige Hitze, die sich in ihr breit machte, während sie ihm gänzlich erlegen war. Sie genoss es, wie er sie liebte. Sie krallte sich in seine Schultern, zog ihn an sich heran, fuhr mit ihren Nägeln über seinen Rücken und hinterließ acht blutrote Striemen. Théro fluchte leise auf, doch es schien ihn auch zu beflügeln. Nach einigen heftigen Stößen war es auch schon wieder vorbei. Aenaeris seufzte und keuchte und lag in dem flachen Ufer da, bis die Wellen die ihren Körper durchzogen hatten, verebbt waren.[/18]

Doch nach einigen Momenten begann sie heftig zu zittern. Sie sprang aus dem Wasser, sammelte ihre Kleider zusammen, zog sich, durch die nasse, gänsehautüberzogene Haut etwas umständlich und beschwerlich, wieder an, und hüllte sich in ihren Mantel, während sie trotzdem weiterhin unkontrolliert zitterte. Ihre Lippen waren leicht violett und die Male an ihrem Hals stachen auf der bleichen Haut heraus wie Blutergüsse an einer Toten. Sie zog ihre Kapuze über ihr nasses Haar und schlang die Arme um ihren Körper. Théro hatte sich mittlerweile auch wieder angekleidet und rückte nah an sie heran und umfing sie, um sie zu wärmen. Es war bereits später Nachmittag und Théro schlug vor, zurück zum Kastell zu reiten. Als sie dort ankamen, stürmte Aenaeris in die Küche um ein wärmendes Feuer zu entzünden. Als sie sich wieder aufgewärmt hatte, zog sie ihren Mantel aus und beschloss, einen Getreidebrei zu machen. Sie nahm zwei Handvoll Getreidekörner aus dem großen Leinensack, quetschte diese mit einem großen runden Stein in dem Kessel, welcher geräuschvoll sang, wenn der Stein auf das Eisen traf, und dann goss sie Wasser dazu. Als der Brei eingedickt war, schnippelte sie noch einige Äpfel und ein paar Trockenfrüchte dazu. Zugegeben, es war keine kulinarische Köstlichkeit, mit ein wenig Gewürzen oder Honig wäre es mit Sicherzeit wohlschmeckender gewesen, doch sie hatten nichts dergleichen. Théro würde es vermutlich nicht begeistern, doch er hatte die Wahl zwischen diesem und…Äpfeln oder Trockenfrüchten… Es war höchste Zeit, dass Théro auf die Jagd ging. Es war an der Zeit, selber Trockenfleisch herzustellen, Fleisch einzusalzen, und sich nun wirklich bewusst zu werden, dass der Winter mit großen Schritten nahte, und es bald gar nichts mehr gab. Aenaeris hatte vermutlich nicht einmal annähernd Ahnung davon, was dies in der Wildnis bedeutete. Woher sollte sie es auch wissen, sie war von klein auf stets behütet aufgewachsen, war stets umsorgt und mit Kleidung und Nahrung und Unterkunft versorgt worden. „Morgen Früh reite ich noch einmal zu dem See, vielleicht gehe ich auch noch Gras schneiden, eigentlich könnten wir das Gras ja auch quer im Kastell verteilen, so gewinnen wir etwas Zeit, und müssen nicht warten, bis es im Heuboden getrocknet ist…“ meinte sie. „Du kannst ja hier bleiben und Dich um die ausstehenden Arbeiten kümmern. Den Feuerkorb, der im Hof steht, könnten wir in ein Eck des Schlafzimmers stellen, was denkst Du? Es wird allmählich recht kalt des Nachts, und ein, zwei brennende Scheiter darin des Nachts stellen sicherlich keine Gefahr dar und sorgen für angenehme Wärme…“ Aenaeris mochte sich nicht ausmalen, wie kalt es erst war, wenn der Winter Einzug gehalten hatte. Sie erschauerte. Nach dem Essen schmiegte sie sich an Théro und schwieg, dachte nach, fieberhaft, was sie noch alles brauchen würden, doch irgendwie fiel ihr in dem Moment nichts ein. Sie war sehr müde, die Wärme des Feuers und das leise knistern und knacken wirkten einschläfernd und sie nickte bald darauf an seiner Schulter ein. Théro wollte sie nicht wecken und trug sie ins Schlafzimmer hinüber, legte sie auf das Lager, deckte sie zu und küsste sie auf die Stirn.
Zuletzt geändert von Aenaeris am Mo, 03. Sep 2012 11:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Thėro Schattenmal » So, 02. Sep 2012 19:10

Beim Morgengrauen war der Nordmann bereits auf den Beinen. Er war nicht besonders glücklich gewesen über den Getreidebrei, aber er hatte auch keine Lust gehabt jagen zu gehen. Also verlegte er dies auf die nächste Nacht und Verwandlung. Seine Schritte hatten ihn durch das Herrenhaus geführt, er hatte das Geäst nach oben in den Lagerraum geschafft bei das restliche Feuerholz und die Balken hatte er in die Halle gelegt, damit sie im Trockenen waren. Während er nun auf der Treppe stand und nachdenklich einen Apfel kaute, wanderte sein Blick über den Balken, der quer vor ihm lag. Als er fertig mit Essen war, drückte er mit seinem vollen Gewicht dagegen und bewegte ihn soweit, das er den zweiten Stock betreten konnte. Das heruntergestürzte Dach war noch zu dreiviertel erhalten und hatte fast den kompletten Stock zerstört, sodass er in gebückter Haltung hindurch gehen musste. Er seufzte leise und sah auf den Boden, als es leise unter seinen Schuhen knackte. Wie sollte er das alles hier nur wieder herrichten? Er konnte nicht den ganzen Dachstuhl auseinander nehmen und dann wieder neu aufbauen, das würde zu lange dauern. Vielleicht blieb ihm ja die Möglichkeit ihn einfach nur ausbessern, er musste schließlich nur das Stockwerk abdichten, viel aufbewahren würden sie hier oben sicherlich eh nicht. Vielleicht konnte er ihn auch stückweise mit ein paar der Baumstämme hochbocken, sodass man wenigstens normal stehen konnte.

Sein Blick hatte sich an das staubige Licht gewöhnt und nun sah er auch, worauf er getreten war. Es war ein Stück Knochen, ein Armknochen genauergesagt. Sein Blick folgte ihm und er fand auch bald das dazugehörige Skelett. Ein schwerer Stein lag genau im Brustkorb und somit war schnell klar warum er hier lag und das es nicht alle aus dem Gebäude geschafft hatten. Er hatte sich schon länger gefragt, warum das Kastell verlassen worden war. Ein Unwetter hatte es vielleicht zerstört, oder die Bewohner waren gestorben und weitergezogen... Das hier sah allerdings eher nach einem willkürlichen Angriff aus. Vielleicht war es ja angegriffen worden, aber er sah auch keinerlei Katapultgeschosse. Schulterzuckend beugte er sich hinunter und fuhr über die bleichen Knochen. Vielleicht war es aber auch verlassen gewesen und vor ihm lag ein Bettler, ein Bandit... Wer wusste das schon. Er zog die Leinenreste von dem Skelett ab und sah etwas unter seinem Kinn, das dort nicht hingehörte. Wäre er nicht farbenblind gewesen, hätte er sicher das verräterische goldene Glitzern wahrgenommen. Es war eine feingliedrige Kette, verstaubt und an mehrere Stellen aufgeplatzt durch die Wucht des Steinschlags. Seine Finger strichen den Staub von dem Medaillion und auf der Rückseite stand etwas geschrieben. Schulterzuckend drehte er es um und strich über das Wappen und dem daraufbefindlichen Keiler. Wahrscheinlich war es das Hauswappen gewesen und der Tote vielleicht sogar der Burgherr. Théro legte es zu den Leinenresten und zog ihm noch einen Siegelring vom Finger. Dann ging er etwas weiter, stöberte herum und sah was noch zu gebrauchen war. Viele der Schränke, die hier gestanden hatten, waren genauso zerstört und zerquetscht worden wie die Betten und Tische die es hier gegeben hatte. Aber in der Mitte, dort wo der höchste Punkt des Dachstuhls war, stand sogar noch ein Tisch, mit drei Stühlen. Daneben lagen zwei eiserne Teller und drei stumpfe Messer, sowie eine sehr staubige Flasche mit undefinerbarem dunklen Inhalt. Er packte auch das alles zusammen und trug es nach unten in die Küche. Dann breitete er alles auf der Kochanrichte aus und schaffte auch die Stühle und den kleinen Tisch nach unten. In der Küche war nicht genug Platz, weshalb er das alles in den freien Raum brachte. Aenaeris würde schon etwas damit anzufangen wissen und ihr Gesichtsaudruck war sicher interessant, wenn sie das goldene Amulett, samt dem goldenen Siegelring sehen würde.

Seine Schritte führten ihn wieder nach oben und er schleppte die kompletten Holzreste nach unten in den Lagerraum. Die faulen und morschen Bretter, Schrank und Tischreste, kleine Späne und dickere Balken. Der Lagerraum nahm mit der Zeit wesentlich zu an Fülle und bald war er sogar bis unter die Decke voll mit Holz. Auch das Geäst nahm viel Platz weg, weshalb er seine Arbeit kurzzeitig unterbrach und die großen Geäste in einzelne, kleinere und handliche Stöcke und Äste schlug. Er häufte sie säuberlich in einer Ecke auf und ging wieder nach oben. Sein Magen knurrte leicht, aber er verdrängte es. Die Nacht würde er wieder fressen und bis dahin sollte er sich beherrschen. So verging der Tag wesentlich schneller als geplant, denn das Holz und die Steinreste die er hinunter schaffte waren nicht gerade wenig und forderten somit Zeit und Tribut. Er war so damit beschäftigt, das er erst am Abend wieder Zeit für etwas anderes fand. Sein Blick streifte durch die Zimmer, aber er fand Aenaeris nicht. Also ging er ins Schlafzimmer und sah dort nach ihr. Sie lag bereits dort und es wurde ja auch schon Nacht. Théro schmiegt sich an sie und genehmigte sich noch ein, zwei Stunden Ruhe. Er würde seine Kräfte für die Nacht brauchen und wollte nicht nur arbeiten, weshalb er es einfach mal genoss. Da war diese wunderbare Stille, die Dunkelheit und nur der gleichmäßige Atem von Aenaeris unterbrach dies. Aber er war nicht sauer, denn er liebte alles an ihr und mochte es ihr beim Schlafen zu zusehen, oder zu hören...

Ein letzter Blick galt der schon schlafenden, jungen Frau, ehe er das Herrenhaus verließ. Er zog die Tür hinter sich zu und sah sich kurz um. Die Dunkelheit hatte sich auf das Kastell und die Berge gesenkt und er fiel in seinem Adamskostüm sowieso nicht weiter auf. Abgesehen davon war hier sowieso niemand der sich dafür interessieren würde. Die Klamotten hatte er in der Halle zurückgelassen und nun folgte das, was immer folgte. Der Mond schien am Himmel, beflügelte seine Verwandlung und ließ das Blut in ihm kochen. Diese Nacht ging die Verwandlung schneller, da sie weder erzwungen wurde, noch in den letzten Nächten vollzogen wurde. Die Bestie in ihm schien so schnell wie möglich losziehen zu wollen und diesen Wunsch erfüllte er ihr heute nur zu gerne. So dauerte es nicht lange, bis der große Werwolf sich auf seine Hinterläufe stellte und zu voller Größe aufrichtete. Er heulte laut den Mond an und schnupperte in der Luft. Dann ließ er sich auf alle Viere fallen und trottete aus dem Kastell. Charr hatte sich ihm angeschlossen, sicher konnte er im Kastell Mäuse und Vögel jagen, aber auch der Welpe brauchte den richtigen Jagdtrieb und die damit verbundene Beute. Diese Nacht würden sie viel vor sich haben, er wollte so viel Wild wie möglich erlegen, denn sie brauchten Fleisch und es war sicher nicht verkehrt etwas für den Winter einzulegen. Seine Klauen schleiften ein letzter mal über den Stein des Innenhofs, ehe er den Waldboden spürte und in die Nacht hinaushetzte.

Es dauerte nicht lange bis er eine Spur aufgenommen hatte, denn diese Nacht legte er es auf Geschwindigkeit an. Er wollte sehen wozu er alles in der Lage war, was er alles reißen konnte in einer Nacht. Die Bestie in ihm heulte über diese Herausforderung laut auf und er überließ ihr mehr oder weniger die Kontrolle. Seine Krallen schabten an der Rinde eines Baumes, als er hinaufstieg. Diese Form machte es ihm einfach zu klettern und da die Bäume hier sehr nahe standen, konnte er von den unteren dicken Ästen springen. Er überwand so die kurze restliche Wegstrecke zu seiner Beute und sah dann hinab auf den Waldboden. Es war eine ganze Gruppe, zwei Hirsche und bestimmt drei Rehe, die zusammengekauert am Waldboden und an Bäumen lagen. Einer der Hirsche hatte den Kopf gehoben und sah etwas irritiert hin und her. Es raschelte leise, als er etwas Blattwerk streifte und dann fielen ein paar Späne hinab, als er sich an der Rinde festkrallte und langsam herunterstieg. Er war genau über einem der Hirsche, wartete noch einen Moment ab und sprang dann. Seine Klauen bohrten sich in den weichen Körper, zerissen die Haut, das Fleisch und die Sehnen darunter. Dann baute er sich wieder auf, hetzte dem nächsten Reh nach und erlegte dieses mit einem Biss in die Kehle. Die restlichen Tiere waren schon längst panisch auf der Flucht und einem troff Schaum aus dem Maul. Théro folgte dem Hirsch und umkreiste ihn, ehe er zuschlug und seine Zähne in dessen Flanke rammte. Charr hatte sich etwas abgeguckt und erlegte ebenfalls eines der Rehe, indem er gleichzeitig mit seinem ersten Angriff auf dessen Rücken gesprungen war. Er fraß und leckte an dessen Kehle, knurrte ab und an leise und wedelte mit dem Schwanz. Der große Wolf dagegen ließ sich wieder auf alle Viere fallen und entzog der Bestie die Kontrolle. Das große Geweih des Hirsches hatte seine Seite aufgerissen und aus einer langen, aber schmalen Wunde quoll Blut hervor. Er wimmerte leise auf und etwas Geifer troff aus seinem Maul auf den feuchten Waldboden. Dann schüttelte er wild die Schnauze und verteilte seinen Sabber noch mehr. Er grub wütend die Klauen in die weiche Muttererde, jaulte noch einmal laut auf und riss sich dann zusammen.

Der Morgen graute schon, als Théro die zwei erlegten Hirsche in den Innenhof schleppte. Er legte sie bei die beiden Rehe, auf den umgegrabenen Garten neben dem Haus und knurrte leise. Noch immer lief etwas Blut an seiner Seite hinab und auch quer über den Innenhof zog sich eine Blutspur, die von ihm und am meisten von den Rehen stammte. Er knurrte Charr etwas tollwütig an und verscheuchte ihn zurück in den Burgfried, ehe er mit den Klauen die Holztür des Herrenhaus aufstieß und dabei ein paar kleinere Kratzer hinterließ. Die Wunde war nicht sehr tief, aber sie schmerzte umso mehr dafür. Sobald sie ordentlich verbunden wurde und er sich etwas ausgeruht hatte, würde es ihm schon wieder einigermaßen gut gehen. Das musste es auch, denn die erlegte Beute sollte am nächsten Tag verarbeitet und ausgeweidet werden... Er schnupperte kurz an seinen Klamotten, trottete etwas weiter in die Halle hinein und rollte sich vor einer der Wände zusammen. Dann wimmerte er leise, leckte sich über die Wunde und das Blut ab. Er war müde und erledigt, von der Jagd und dem Blutverlust und blieb einfach hier liegen. Sicherlich würde er sich sehr bald zurückverwandeln, aber selbst die Bestie in ihm hatte Ruhe gegeben, sodass er es sogar schaffte in dieser Gestalt einzuschlafen...
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ich meine Gefühle abschaff.
Unterdrück am Tag noch den Hass,
bis ich ihn am Morgen rauslass."
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » So, 02. Sep 2012 20:27

„Ich möchte das Skelett auf keinen Fall sehen, gib die Knochen Charr zu fressen, dann erledigt sich das Problem von selbst… früher oder später würde er ihn sowieso finden und anschleppen, oder anknabbern ...“ witzelte sie. Sie betrachtete die Gravur des Medaillons. „Ich kann das leider nicht lesen, es ist nicht coreonisch… tut mir leid, da kann ich Dir nicht helfen…“ entschuldigte sie sich. „Du kannst das Teil an einen Goldschmied verkaufen, es tut mir leid, aber ich trage bestimmt nichts, was an einem Skelett gehangen hat…“ sagte sie entsetzt und verzog das Gesicht. Sie besah sich seine Wunde und holte frisches Wasser, und ein Leintuch, um die Wunde auszuwaschen. Théro zog die Luft scharf ein, als sie darüber tupfte. Sie presste ein Stück zusammengefaltetes Tuch darauf und verband schließlich die Wunde. Sie wusste, dass er das letzte Mal an ihren Verbandskünsten gemäkelt hatte. Wenn es ihm nicht passte, sollte er es lieber selber machen… Es war bereits nach Mittag, und sie hatten ein Stück von dem Hirsch gebraten und verspeist. Aenaeris hatte ihn vorher mit Kräutern eingerieben, damit es nicht immer gleich schmeckte. Sie ruhten sich noch ein Weilchen aus, lagen einfach nebeneinander ohne etwas zu sagen, und irgendwann stand sie auf, um in den Stall zu gehen und Abari zu satteln. Der Himmel war wolkenverhangen und sie zweifelte für einen kurzen Moment, ob es wirklich klug war, heute noch einmal zu dem See zu reiten. Andererseits hatte sie keine anderen Pläne für heute und sollte sie wirklich in ein Unwetter geraten, konnte sie immer noch unter den Bäumen Schutz suchen. Sie holte sich die Satteltaschen und befestigte diese. Sie wusste nicht, was Théro heute zu tun hatte, vielleicht war es sowieso das Beste, wenn er blieb und sich ausruhte. Sie ging noch einmal zu Théro und gab ihm einen Kuss. „Ich bin sicher vor der Dämmerung wieder zuhause… ruh Dich aus…“ meinte sie zu ihm. Dann stieg sie auf den Hengst und trabte aus dem Innenhof. Als sie wenige Meter aus dem Anwesen geritten war, trieb sie den Hengst an und er beschleunigte sein Tempo. Mittlerweile kannte sie den Weg zu dem Tal mit dem See schon beinahe auswendig, und das, obwohl sie eine denkbare schlechte Orientierung besaß. Ein wenig langweilig war es allerdings schon, denselben Weg so oft zu reiten, doch es ließ sich leider nicht vermeiden. Sie hatten die letzten Tage zwar genug Gras gesammelt, doch ein großer Vorrat an Lebensmitteln war keinesfalls verkehrt.

Nach einiger Zeit kam sie dann in dem Tal an. Sie gebot Abari langsamer zu reiten, denn das letzte Stück des Tales war ein wenig abfallend und barg doch immer das Risiko, dass ein Pferd unglücklich stürzen und sich ein Bein brechen konnte. Zunächst ruhte sie sich aus. Sie massierte ein wenig ihre vernarbte rechte Hand. Manchmal spannte die Haut einfach, und sie hatte heute Morgen vergessen, sich ihre Salbe aufzutragen. Sie spielte ein wenig mit dem Ring an ihrem Finger, bedachte Théro mit einigen liebevollen Gedanken und ließ ihre Blicke durch das Tal schweifen. Am See blieben ihre Blicke dann stehen und schmunzelnd musste sie an den vorherigen Tag denken, als sie in dem See gestanden und gefroren hatte. Sie hatte fest damit gerechnet, sich zu verkühlen, doch überraschenderweise hatte sie bislang keine Anzeichen davon getragen. Vielleicht war sie durch das monatelange durchstreifen und übernachten in der Wildnis einfach ein wenig abgehärtet. Sie nahm einen Schluck aus ihrer Wasserflasche und aß einige Trockenfrüchte. Beinahe vermisste sie schon wieder das Trockenfleisch, seit sie nur mehr Trockenfrüchte aß. Oh, und sie vermisste soviel… wie gerne hätte sie jetzt eine einfache Speise, das nur aus Gemüse und Ei bestand, und wann hatte sie das letzte Mal ein Stück Brot und Käse gehabt? Nachdem sie einige Zeit ihren Gedanken nachgehangen hatte, raffte sie sich schließlich doch auf, um zu erledigen, weswegen sie hergekommen war. Äpfel und Quitten waren am schnellsten zusammengepflückt, und diese waren auch sowohl für Mensch als auch Pferd am zweckdienlichsten. Sie schnupperte an den Quitten und sog ihren betörenden Duft auf. Sie liebte den lieblich-süßen Duft von Quitten. Sie kam nicht umhin, den flaumigen pelzigen Belag von einigen dieser abzuwischen… sie tat dies einfach gern, das war so, wie ein Kratzer, von dem man nicht ablassen konnte, und so sehr man auch widerstand, früher oder später musste man daran kratzen und zupfen, bis die Kruste ab war… Sie warf einen sorgenvollen Blick in den Himmel. Über diesem zogen dicke dunkle Quellwolken, und wenn diese nicht weiterzogen, würde es bald ein vermutlich heftiges Gewitter geben. Sie beeilte sich mit dem einsammeln und bald waren die Taschen voll.

Schon bald hörte man in der Ferne ein Donnergrollen und Aenaeris spürte die Regentropfen niedergehen. Sie nahm Abari an den Zügeln und führte ihn ein Stück weit in den dichten Wald, wo die Baumkronen der Nadelbäume so dicht waren, dass sie kaum Regen durchließen. Sie ließ den Hengst im Wald stehen, ohne ihn anzubinden. Sie war ziemlich sicher, dass er nicht davonlaufen würde, dazu kannte sie ihn schon zu gut, und dann setzte sie sich und lehnte sich an den dicken Stamm einer uralten Kiefer. Sie würde hier verweilen, bis der Regen nachgelassen oder das Gewitter weitergezogen war. Sie fror ein wenig und beschloss, ein Feuer zu machen. Kleines Geäst gab es hier genug, und auch einige Steine waren bald gefunden. Sie holte die Zunderbüchse aus der Tasche, öffnete diese und holte sich ein Stück Zunder hervor und die Feuersteine. Sie legte den Zunder auf ein kleines Häufchen Reisig und nahm die Feuersteine in die Hand. Sie schlug die Steine aneinander. Wieder und immer wieder, bis an den scharfen Kanten der Steine Funken tanzten und auf den Zunder fielen. Der Zunder gloste und er entzündete sich und griff rasch auf das Reisighäufchen über, welches hell und rasch aufflammte. Sie legte ein Stück Holz dazu. Sie hatte vergessen, die Steine vorher auszubreiten, und legte diese nun kreisförmig um das kleine Feuerchen aus. Bald hatte das Feuer das Stück Holz für sich eingenommen und sie legte noch zwei weitere dazu. Aenaeris genoss das warme Feuer und sie hielt ihre kalten Hände gegen das Feuer und rieb diese aneinander. Sie lauschte dem Prasseln des Regens. Nach einer Weile begann sie sich zu langweilen. Sie hatte irgendwie den Eindruck, dass der Regen nicht so bald nachließ. Plötzlich überkam sie die Lust, zu meditieren und ein wenig mit dem Feuer zu spielen. Sie rückte in eine bequeme Position und schloss die Augen. Nach einiger Zeit hatte sie endlich die nötige Konzentration und Ruhe gefunden um in einen tieferen geistigen Ruhezustand zu kommen, den sie benötigte, um im Geiste eins mit dem Feuer zu werden. Sie behielt dieses Gefühl bei und konzentrierte sich auf das Feuer. Das Feuer tanzte und flackerte, es veränderte sein Aussehen und seine Art, als sei es lebendig. Das war jedes Mal so, wenn Aenaeris damit meditierte. Sie versuchte, dem Feuer mit geöffneten Augen zu begegnen, sie wollte zusehen, wie es unter ihrem Willen größer und kleiner wurde. Sie war in diesem Moment einfach nur glücklich, sie hatte all dies beinahe aus eigener Kraft geschafft, kaum einer hatte ihr dabei geholfen. Bis auf die Ratschläge von Menwe, die sie ohnehin anzweifelte, hatte nur Théro sie immer wieder dabei bestärkt, dass sie es schaffen konnte wenn sie nur wollte.

Ihr Glücksmoment wurde jäh unterbrochen, als sie plötzlich ein Gesicht sah, das neben ihr auftauchte. Sie zuckte erschrocken zusammen, und das Feuer flammte kurz auf und schrumpfte wieder auf seine ursprüngliche Größe zurück. Sie wandte sich dem Gesicht zu und konnte einen Mann erkennen. Er war blond, wie Théro, nur trug er sein Haar anders, und er hatte ebenso etwas Wildes an sich. Seine Augen waren tiefblau und sein Gesicht war von einem struppigen Vollbart bedeckt. In der Hand hielt er eine einfache Axt. Aenaeris sprang erschrocken auf und lief ein paar Schritte vom Feuer weg. „Na sieh mal einer an, wen haben wir denn hier? Eine Hexe? Bleib doch einmal stehen…“ Er pfiff leise und kurz darauf tauchte ein zweiter Mann auf, der ebenso blond war wie er. „Ich hab‘s Dir doch gesagt, Rackor“, meinte der zweite mit einem Grinsen, als er Aenaeris sah. „Kein Waldbrand, nur ein Lagerfeuerchen. Ist mal was ganz seltenes, dass sich jemand in die wilden Lande verirrt, hm?“ meinte er und betrachtete sie. Rackor, der Mann, der Aenaeris gefunden hatte, wandte sich wieder an sie. „Und Du? Was machst Du hier? Feuermagie, stimmts?“ meinte er und spuckte aus. „Ich bin jedenfalls keine Hexe, wenn ihr das denkt…“ sagte Aenaeris etwas unfreundlich. „Und was tust Du hier in den wilden Landen? So ganz allein? Oder ist noch jemand bei Dir?“ fragte er misstrauisch und blickte sich um. „Ich bin alleine hier“ blitzte sie ihn an, doch im selben Moment bereute sie diese Antwort und ihr Herz schlug ihr fast bis zum Hals, als er nahe an sie heran trat und ihr direkt in die Augen blickte. Sie senkte die Augen schnell. „Du bist jedenfalls nicht aus den wilden Landen, soviel steht fest…“ stellte er fest. „Wo kommst Du her?“ Sie erwiderte nichts darauf. Er fragte sie noch einmal „Wo… kommst Du her?“ Sie schwieg abermals und er schnalzte mit der Zunge. „Ach so… Du willst nicht mit uns reden…“ meinte er abfällig. „Du bist nicht in der besten Position, mit Deinem Verhalten… eine junge Frau, alleine in der Wildnis, zwei Männer, die es gar nicht leiden können, so einem biestigen Verhalten gegenüber zu stehen…“ Aenaeris sah ihn wütend an. Manchmal konnte sie nicht heraus, aus ihrer harschen Haut. Es wäre denkbar klüger, sich weniger kratzbürstig zu verhalten, doch die beiden reizten sie und stachelten ihre Wut an, so dass sie nicht anders konnte. Rackor wandte sich an den anderen. „He, Heran, hat sie irgendetwas Wertvolles bei sich?“ und nickte zu Abari herüber. Heran zuckte die Schultern. „Mal abgesehen von dem Pferd? Keine Ahnung…“ Er erhob sich und begann die Satteltaschen zu durchwühlen, doch bis auf die Früchte befand sich nichts darin. „Nur verdammtes Obst… kein Geld, kein Gold, gar nichts…“ Rackor grinste. „Nun, vielleicht trägt sie ihre Besitztümer an sich, oder in ihrer Kleidung versteckt…? Wir sollten sie mal durchsuchen, hm?“ „Wagt es nicht, mich anzufassen…“ fauchte sie ihn an. „…sonst…“ „Sonst was?“ blickte Rackor sie ernst an. Ja, was denn eigentlich? Sie wusste ohnehin, dass sie keine ernstzunehmende Gefahr gegen zwei kräftige und bewaffnete Männer darstellte. Vielleicht hatte sie gehofft, ihre Drohung würde helfen… helfen wobei? Heran war von Abari wieder zu ihnen gekommen. „Was nun? Was machen wir mit ihr?“ Rackor überlegte kurz. „Mitnehmen… was denn sonst?“ „Verdammt, die macht uns sicher nur Schwierigkeiten, Du hast doch gesehen, was sie mit dem Feuer gemacht hat…!“

Aenaeris überlegte fieberhaft. Das Feuer… das Feuer hatte sie bislang aus jeder brenzligen Situation geholfen, sie musste nur darauf vertrauen, dass es ihr auch dieses Mal helfen würde. Rackor trat an sie heran. „Nun, dann wollen wir mal… keine Halsketten, kein Schmuck an den Ohren… was hat sie an ihrem Gürtel? Keinen Geldbeutel… verdammt, dieses Weib ist völlig mittellos, was nützt sie uns schon? Lass sie laufen…! Dann löste er ihren Dolch vom Gürtel, zog den Dolch kurz aus der ledernen Scheide, betrachtete ihn und schob ihn wieder bis zum Anschlag hinein. „Guter Stahl, nettes kleines Messer…besser als nichts…aber hat Dir nichts genützt…“ grinste er und warf ihn Heran zu. Heran wies auf ihre rechte Hand. Rackor packte sie und zog unsanft den kleinen Ring vom Finger und betrachtete ihn im Feuerschein. „Kein besonders wertvolles Stück, aber immerhin… er ließ den Ring in seine Wamstasche gleiten und Aenaeris verfolgte diese Geste mit einem wütenden Blick. „Sie gehört Dir, wenn Du sie willst…“ meinte er gefällig und lehnte sich lässig an den Baum an dem Aenaeris vorhin noch gesessen hatte. Aenaeris versuchte die Situation schnell zu erfassen. Sie warf einen Blick auf die beiden. Abari war, den Göttern sei’s gedankt, nicht am Baum angebunden. Wenn sie ihn nun also schnell erreichte und aufsprang, konnte sie vermutlich den Überraschungsmoment für sich nutzen und die beiden Kerle niederreiten, sollten sie sich in den Weg stellen… sie lief auf Abari zu. Doch Rackor besaß mehr Geistesgegenwart, als sie vermutet hatte. Er sprang ihr hinterher, und erwischte sie noch im Nacken an den Haaren, bevor sie das Pferd erreichen konnte, und riss sie nach hinten, so dass sie hart auf den Boden knallte. Als sie am Rücken lag, blieb ihr durch den harten Aufprall kurz die Luft weg, was einen erneuten Fluchtversuch unmöglich machte.

[18]Heran grinste lüstern, und trat an sie heran. Zielsicher trat sie ihm zwischen die Beine und er sackte stöhnend und fluchend auf den Waldboden. Sie blickte suchend hinter sich, während sie am Boden lag, während sie immer noch keuchte. Das Feuer war nicht weit von ihr entfernt. In ihrer Not ergriff sie ein herausstehendes brennendes Holzscheit und schlug es Herlan ins Gesicht. Dieser schrie und jaulte auf, doch zu ihrem Bedauern hatte sie ihn nur gestreift. Er hatte zwar einen roten Striemen im Gesicht, doch das juckte ihn kaum. Wütend packte er sie an den Schultern und hob die Faust, doch Aenaeris trat erneut nach ihm und er konnte gerade noch, mit den Händen schützend vor seinem Gemächt, einen Rückzug machen. Rackor grinste kurz, schnalzte anerkennend mit der Zunge und rappelt sich dann auf. „Was für ein kleines Biest… Du bist ein Idiot… muss ich Dir erst zeigen, wie es geht? Er trat an Aenaeris heran und schlug ihr mit dem Handrücken ins Gesicht. „Bei mir brauchst Du so etwas gar nicht erst zu versuchen, hast Du mich verstanden, du dummes Weib…?“ Sie schrie auf, denn er hatte mit voller Wucht zugeschlagen, es schmerzte und sie schmeckte Blut auf ihren Lippen. Er nestelte an seinem Gürtel und ließ seine Hose ein Stück weit herunter. Man konnte sehen, wie erregt er war, was in Anbetracht der Tatsache, dass er vorher recht teilnahmslos wirkte, ein wenig verwundern konnte. Aenaeris versuchte sich dennoch auch gegen ihn zu wehren und fuhr ihm mit ihrer Hand ins Gesicht und hinterließ vier blutige tiefe Kratzer auf seiner Wange. Rackor schrie verärgert auf, schlug ihr ins Gesicht, packte dann ihre Hände, drückte sie zusammen über ihrem Kopf und hielt sie eisern mit einer Hand fest. Dann drückte er sie zu Boden, riss ihre Röcke hoch und schob sein Knie zwischen ihre Beine. Aenaeris wehrte sich heftig, doch sie war nicht stark genug. Heran hatte sich eingemischt und hielt ihr ihren eigenen Dolch an den Hals. „Ich schneide Dir die Kehle durch, mit deinem eigenen Dolch, wenn Du Dich noch einmal wehrst, oder noch einen Mucks machst!“ flüsterte ihr Heran in ihr Gesicht. Sie wusste, dass es keinen Sinn mehr hatte, sich zu wehren, und zu schreien wagte sie nicht, sie hatte keine Lust, noch einmal ins Gesicht geschlagen zu werden, oder gar die Kehle aufgeschlitzt zu bekommen. Mit diesen zwei Kerlen war keinesfalls zu spaßen, das hatte sie schnell begriffen.

Es schmerzte, als Rackor in sie eindrang und sich brutal in ihr vor und zurück bewegte, dass sie nicht anders konnte, als aufzuschreien. „Ich hab Dir gesagt, Du sollst den Mund halten!“ schrie der unbeteiligte Heran heiser und erregt gleichzeitig auf und schlug ihr ebenfalls ins Gesicht, und das Blut tropfte aus ihrer Nase, lief über die Lippen, vermischte sich mit dem Blut ihrer aufgesprungenen Lippe und lief in einem kleinen Rinnsal über ihre Wange und tropfte schließlich auf den Waldboden. Rackor schimpfte mit ihm. „Verschwinde, ich brauche Deine Einmischung nicht, Du siehst doch, dass ich hier beschäftigt bin! Hau ab, damit ich das hier hinbekomme…“ Heran hob abwehrend die Hände und setzte sich hin und sah ihm zu. Aenaeris schloss die Augen, während ihr die Tränen in die Augen stiegen, unaufhörlich rannen und sich auf ihrer Wange zusammen mit dem Blut vermischten und es teilweise wegschwemmten. Sie versuchte sich vorzustellen, es wäre Théro, um die Situation zumindest gedanklich zu verbessern, doch es gelang ihr nicht, so sehr sie sich auch bemühte. Théro roch ganz anders, sie sah ihn dabei immer an, und es war tausend und eins, er war immer zärtlich und vorsichtig und liebevoll gewesen und hatte Rücksicht genommen darauf, was ihr gefiel, und mit ihm war es einfach nur wunderschön… doch dieser Drecksack, der auf ihr lag, nahm sich nur, was er wollte, ohne Rücksicht oder Vorsicht. Glücklicherweise war Rackor schnell fertig. Er stöhnte Aenaeris ins Ohr und sie wandte ihren Kopf angewidert zur Seite. Dann ließ er von ihr ab. Sie besaß gerade noch die Geistesgegenwart, ihre Röcke hinunterzuschieben, doch Heran hielt ihr die Hände fest. „Halt… jetzt bin ich dran.“ Jede Gegenwehr in Aenaeris war erstorben und matt drehte sie den Kopf zur Seite. Sie bereute, dass sie ausgeritten war, doch es war einfach Pech gewesen. Hier in der Wildnis auf irgendjemanden zu treffen, war so unwahrscheinlich, dass sogar Théro, der von Natur aus vorsichtig war, sie jederzeit bedenkenlos hatte ausreiten lassen, ohne befürchten zu müssen, dass ihr etwas passierte. Sogar die Wahrscheinlichkeit, vom Pferd zu stürzen und sich das Genick zu brechen, war weitaus höher, als dies hier. Als Heran sich über sie beugte, flossen ihre Tränen wieder unaufhörlich und sie musste wieder an Théro denken. Sie ärgerte sich über sich, sie wollte in diesem Zusammenhang nicht an ihn denken, doch sie vermisste ihn so schmerzlich, und wünschte sich nichts mehr, als dass er jetzt hier war, und diesen beiden Drecksäcken gab, was sie verdienten, nämlich nichts anderes als einen langsamen qualvollen Tod…

Herlan stöhnte unwillig auf. „Ich kann sie nicht weinen sehen… dabei kann ich mich nicht konzentrieren….“ Wiederwillig drang er in sie ein. „Dann dreh sie doch um und nimm sie von hinten…“ grinste Rackor, während er seine Wange betastete und sich dann das Blut auf seinen Fingern besah. Herlan machte weiter, verlangsamte seine Stöße, hielt kurz ein, glitt aus ihr heraus, packte sie, drehte sie um und suchte sich dann seinen Weg wieder in sie. Er griff in ihr Haar während er sie nahm. „Viel besser…“ murmelte er. Seine Stöße wurden mit jedem Mal heftiger und schmerzender, bis er schließlich sogar vor Anstrengung keuchte. Als Herlan fertig war, ließ er von ihr ab und rollte sich ächzend zur Seite. Aenaeris schämte sich so unendlich, und sie bemerkte erst jetzt, dass sie dieses Mal keinen Gefühlsausbruch gehabt hatte, der ihr auch nur in irgendeiner Weise, das Feuer betreffend, dienlich gewesen war. Sie spürte, wie es ihr warm und klebrig zwischen den Beinen herablief und ins vertrocknete Nadelwerk des Waldbodens lief und sie hätte sich vor Ekel am liebsten übergeben.[/18]

Die beiden Männer berieten sich. „Was nun? Soll ich ihr die Kehle durchschneiden?“ „Nein, lass sie, wir nehmen sie mit in den Clan, sie ist jetzt unsere Leibeigene… außerdem hat sie ein Pferd, das nehmen wir auch mit, das ist unglaublich wertvoll, dann können wir jetzt beide zurückreiten und müssen uns nicht Deinen altersschwachen Gaul teilen… schneid nur die schwere Satteltasche runter, die hält uns nur auf. Herlan nickte, trat an Abari heran, der nervös hin und her tänzelte, zückte seinen Dolch, nahm den Riemen von der Satteltasche in die Hand und schnitt mit einer schnellen entschlossenen Bewegung die Tasche vom Sattel. Sie fiel mit einem dumpfen Aufschlag auf den Waldboden und ein paar Äpfel kullerten heraus. Er tat dies auch auf der anderen Seite, die Tasche fiel auf den Waldboden und er nickte zufrieden. Rackor hatte Aenaeris die Hände auf den Rücken gebunden, damit sie keine Schwierigkeiten mehr machte und hob sie unsanft auf Abari. Auch dies machte er wesentlich ungeschickter und brutaler als Théro. Es schmerzte sie und brannte zwischen den Beinen, als er sie auf den Rücken des Pferdes fallen ließ. Dann stieg er auf, umfasste mit einer Hand ihre Taille und mit der anderen den Zügel. Heran indessen hatte seinen Gaul geholt und sie trafen sich auf der Wiese. Dann nickten sie sich zu und preschten davon. Aenaeris war unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Es war ungewiss, wohin sie gebracht würde, was mit ihr passierte und wie lange es dauerte, bis es Théro seltsam vorkam, wenn sie nicht zurückkehrte. Sie hoffte inständig, dass die beiden Drecksäcke genug Spuren hinterlassen hatten, damit es reichte, ihre Verfolgung aufnehmen zu können und ihre Spur auch halten zu können…
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Thėro Schattenmal » So, 02. Sep 2012 22:21

Er ließ sie ziehen und lehnte sich seufzend zurück. Da war man einmal unvorsichtig und überließ der Bestie die Kontrolle und dann passierte so etwas. Der Nordmann döste vor sich hin, bis die Mittagszeit schon längst vorüber war und wachte dann wieder auf. Sein Magen knurrte und seine Kehle war trocken, aber immerhin drang durch den Verband nicht noch mehr Blut heraus. Mühselig stand er auf und zog etwas Wasser aus dem Brunnen herauf. Er trank einen Schluck, wusch sich halbwegs ordentlich und streckte sich dann ausgiebig. Seine Schritte führten ihn zurück in die Halle und er zog sich das Wams über. Dann ging er nach oben und sammelte die Überreste des Skeletts ein. Als er wieder unten war, bemerkte er das Charr schon wieder an einem der Rehe knabberte. Knurrend verscheuchte er ihn zurück in den Burgfried und legte ihm die Knochen hinein vor seinen Platz. Dann kraulte er den Welpen am Nacken und schmunzelte ein wenig. Als er wieder aufstand, zog es seine Seite entlang und er zischte leise. Dann stellte er sich aber wieder auf den dumpfen, pochenden Schmerz ein und ging durch den Innenhof. Er zückte das Ausweidemesser und begann den Rehen und Hirschen die Haut abzuziehen. Er ließ sich Zeit, wechselte öfters die Position wegen der Schmerzen, und machte eins nach dem anderen. Als er damit fertig war, wusch er die Felle noch einmal ordentlich mit Wasser aus dem Brunnen und legte sie zum trocknen im Innenhof aus. Dann ging er wieder zurück und weidete die Tiere komplett aus. Er stapelte das Fleisch neben sich auf, eine ganze Menge bei vier Wildtieren. Es dauerte noch länger bis er fertig war, besonders da er zwischendurch eine Pause einlegte und ein Stück rohes Fleisch verspeiste. Summend holte er sich dann seine Axt und brach mit einem lauten, knackenden Schlag die Geweihe der Hirsche heraus. Sie waren ein paar Münzen wert und würden ausserdem sicherlich gut als Werkzeuggriffe fungieren. Als er damit fertig war, trank er noch einen Schluck und säuberte die Werkzeuge, Geweihe und seine blutigen Hände. Es war eine dreckige Arbeit, aber er war sie gewöhnt und einer musste sie erledigen.

Nachdem er das Fleisch in den kühlen Keller gebracht hatte, die Felle daneben aufgestapelt und die Geweihe ebenfalls eingelagert hatte, trat er wieder hinaus auf den Innenhof. Er sollte es eigentlich noch salzen, braten und als Trockenfleisch vorbereiten, aber das war eher eine Aufgabe für Aenaeris. Er kannte sich damit nicht so gut aus und es würde sicher nicht ganz so schmackhaft werden, wie bei ihr. Sein Blick schweifte über den dunkler werdenden Innenhof und er runzelte die Stirn. Sie war spät dran, aber sie würde sicher schon wieder auftauchen. Ein dunkles Grollen und ein heller Blitz erschreckten ihn kurz und er sah hoch zu den Bergen. Dann wandte er sich schulterzuckend wieder ab und holte sich einen Besen aus dem Keller. Er ließ das Wasser eimerweise auf die Steine und den Garten fließen und schrubbte die Blutspruen weg. Sicherlich war das Kastell nicht das schönste, aber man musste es ja nicht unanständig behandeln. Ausserdem wurde es von Tag zu Tag bewohnbarer. Die Innereien sortierte er aus und zusammen mit ein paar der Knochen, legte er sie zu Charr in den Burgfried. Den Rest sammelte er zusammen, packte ihn in zwei Eimer und trug ihn dann nach draussen in den Wald. Er schüttete ihn in einen kleinen Quellbach, der direkt aus den Bergen floß und wiederholte das Ganze solange, bis alles weg war. Dann räumte er die restlichen Sachen wieder weg und lehnte sich an die kühle Hauswand. Sein Blick wanderte hinauf in den dunklen Nachthimmel und er fixierte den Mond eine Weile. Sie war eindeutig zu lange weg, er würde sie nun suchen gehen. Also verrammelte er das Kastell wieder, ließ seine Kleidung dort und schnallte sich den Waffengurt sehr locker um die Brust. Dann schob er die Axt und die Hose hinein und sah in den Himmel. Er wollte schon immer mal ausprobieren, ob es funktionierte wenn er den Waffengurt weit genug offen ließ.

Die Verwandlung erfolgte dieses mal zäher, langsamer und wegen der Wunde wesentlich schmerzhafter. Der Waffengurt spannte sich leicht, als die Brustmuskeln und der Brustkorb sich spannten und dicker wurden, aber er hielt. Etwas anderes hatte er allerdings nicht gedacht, denn der Verband war aufgeplatzt und klebte nur noch an den Blutresten zwischen seinen Haaren. Es war ihm egal, er achtete nicht mehr darauf, Aenaeris könnte etwas zugestoßen sein. Diesen Instinkt wurde er nicht los und irgendwie hatte er ein ungutes Gefühl in der Magengrube. Er schubste Charr weg, den Welpen konnte er dabei nicht gebrauchen und tappste über die Steinfließen. Es war immer ungewohnt, auf ihnen zu laufen, aber sobald er Waldboden unter den Füßen hatte, legte er einen Zahn zu und hielt Kurs auf das Tal. Zahlreiche Gerüche und Spuren von Wild stiegen ihm in die Nase, als er so durch den Wald rannte, aber er schaffte es dagegen anzukämpfen und sich nur auf seinen Rudelinstinkt zu verlassen. Aenaeris war nun sein Rudel und er würde sie nicht im Stich lassen. Im Hinterkopf wusste er natürlich das er sich viel zu viele Sorgen machte, wahrscheinlich war sie eingeschlafen oder wollte das Unwetter abwarten, aber das waren nun nicht mehr seine richtigen Gedanken. Der große Werwolf hetzte schnell durch den Wald, stoppte kurz und rannte etwas nach links, ehe er wieder zurückrannte und weiter in Richtung des Tals. Dort angekommen, schnupperte er in der Luft herum, scharrte leicht nervös in dem Boden und schlug seine Klauen in einen der Apfelbäume. Er roch sie nicht einmal mehr, sie musste schon lange weg sein. Vielleicht hatte sie ja wirklich Unterschlupf gesucht. Wütend richtete er sich zu voller Größe auf und stieß ein markerschütterndes Heulen aus.

Seine Klauen schlugen sich wieder in den Boden und rissen bei jedem Schritt Erde heraus, während er ein Stück weiter in den dichten Wald rannte. Dann, urplötzlich, stoppte er und hielt die Nase in die Luft. Er schnupperte, hielt sie an den Boden und sog tief den Geruch in seine Lungen. Ja, das war sie... Sein Tempo wurde noch schneller und er wetzte die Krallen regelrecht an dem Mutterboden, bis er schließlich vor ihrem Lager stand. Er war ein paar mal falsch abgebogen, ihre Spur war schon kalt, und es dauerte so ein wenig. Aber nun hatte er es gefunden. Seine Augen fixierten die noch glimmende Glut, an der ein paar Flammen hochzüngelten und er umkreiste das Lager kurz. Dann scharrte er in der Nähe des Feuers im Boden, schnupperte daran und zog die Nase kraus, als ihm der Gestank widerlicher Körpersäfte in die Nase stiegen. Er schlug seine Klauen in den Waldboden und stieß ein lautes, kehliges Knurren aus. Das konnte schließlich nur eins bedeuten, etwas sehr unangenehmes für Aenaeris. Aber vielleicht war es ja auch gar nicht ihr Lager... Diese Illusionen wurden regelrecht hinfortgeschwemmt, als er die Satteltaschen sah. Er schnupperte an ihnen und neben dem süßen Duft der Quitten und Äpfeln, hing noch etwas von Aenaeris Geruch an ihm. Nun schlug der Rudelinstinkt des Wolfes richtig Alarm und sein gesamtes Blut kochte vor Wallung. Hier waren die Satteltaschen, Blut und andere Dinge... Sie war auf Männer getroffen, unersättliche scheinbar. Etwas in ihm machte Klick, als sein Verstand das erfasste und er explodierte vor regelrechter Wut. Das was er mit diesen Männern anstellen würde, würde sich wohl niemand wünschen.

Er schnupperte wieder, scharrte ungeduldig in dem Waldboden, bis er Abaris Spur gefunden hatte. Dann folgte er seinen Instinkten und trieben, hetzte wie von einem Henker verfolgt der Spur nach und durch den Wald. Sie führte ihn immer tiefer und tiefer hinein, bis an den Rand der Berge. Tief in die Wilden Lande, und wenn sein Verstand noch funktionieren würde, wüsste er das es offensichtlich Clan-Mitglieder sein mussten. Die Dämmerung trat ein, obwohl er die gesamte Nacht durchgerannt war, hatte er sie nicht eingeholt. Das Pferd hatte ihnen einen zu großen Vorsprung verliehen, abgesehen davon das er sowieso viel zu spät gekommen war. Markerschütternd jaulte er noch einmal seine gesamte Wut heraus, verwandelte sich schreiend wieder zurück in den kümmerlichen Menschen und blieb eine zeitlang dort liegen wo er war. Irgendwann weckte ihn die Sonne dann aber wieder, die kurze Pause hatte er nötig gehabt, auch wenn er sie nicht wollte. Er richtete sich auf, atmete tief und aggressiv die Luft ein und aus und zog sich die Hose an. Dann schnallte er den Waffengurt wieder enger um seine Brust und folgte der Spur. Er hatte Glück das sie nicht zu den Clans gehörten, die direkt oben an den Bergen lebten und konnte den Pferdeabdrücken gut weiterfolgen. Die Zeit strich ins Land, während er fast ohne Pause durchrannte. Irgendwann konnte er nicht mehr, machte an einem Bach halt und trank einen Schluck. Er ließ sich vor das Gewässer fallen, tunkte den Kopf in das eiskalte Bergwasser und trank, bis er keine Luft mehr bekam. Dann rollte er sich auf den Rücken und sah in dem Himmel. Er war unvorsichtig und ungeplant gewesen, sollte der Winter ihn überraschen würde er hier draussen sterben, oder er musste versuchen bei einem der Clans Unterschlupf zu finden...

Er rannte weiter, folgte den Spuren und merkte deutlich das er in der Nacht einen guten Teil des Vorsprungs wettgemacht hatte. Sie ritten nicht besonders schnell und er dagegen rannte wie vom Teufel verfolgt. Dann hielt er keuchend an, stützte sich an eine alte Eiche und sah geradeaus. Er atmete heiß in die kühle Luft heraus, stoßweise und schnell und versuchte zu Atem zu kommen. Vor ihm erhoben sich Palisaden, Speere auf denen Orkköpfe steckten, und Gebäude die an einem Berg gebaut waren. Teilweise reichten sie sogar ein Stück in ihn hinein. Er sah die Wachtürme, die Wachposten und die Männer die sich im Eingang tummelten. Der Clan lag nahe an dem Grenzgebiet der Orks und war gut gesichert. Théro grinste traurig und wütend zugleich, natürlich war er das. Aber er kannte jeden Winkel... Es hatte sich etwas verändert, aber das war nicht viel und die grundsätzlichen Züge waren gleich geblieben. Als er wieder genug Atem hatte, straffte er die Schultern durch, zog die Axt heraus und stapfte die restlichen Meter aus dem Wald heraus auf den Eingang zwischen den Palisaden zu. Die Rufe drangen an sein Ohr, Bögen wurden gespannt und auf ihn gerichtete und als er ankam, richteten sich ebenfalls zwei lange Speere auf ihn. Er blickte in die harten Gesichter der Nordmänner, sah jedem nacheinander in die Augen, "Wer bist du und was willst du hier? Antworte, bevor ich dich aufspießen lasse!" Théro hob die Axt, reckte sie wie eine Trophäe in die Luft damit sie jeder sehen konnte. Sie war gefertig in den Wilden Landen, in diesem Clan und das sah man, "Ich bin Théro Skjalfsson! Und jetzt lass mich in MEINEN Clan!" Er brüllte die Worte heraus, nur so vor Trotz und Wut strotzend und so das jeder in seiner Nähe sie hören konnte. Sie gewährten ihm Einlass und die Wache trat näher, "Théro... Ich bins Caldric! Du siehst ja schrecklich aus, komm iss etwas! Ich hätte nie gedacht das ich dich je..." Der Wolf brach mit einer Handbewegung abrupt die Worte des alten Kameraden ab, "Ich suche jemanden. Eine Frau, aus dem Osten, Arcanis... Ist sie hier? Natürlich ist sie hier, ich habe ihre Spuren verfolgt..." Die Wache wirkte einen Moment irritiert und antwortete ihm direkt, "Ja... sie sind in der Methalle..."

Unsanft stieß er sie zur Seite und seine Schritte führten ihn zu besagter Methalle. Caldric war an seiner Seite, er wusste das es besser war ihn nicht aus den Augen zu lassen wenn er so ein Temperament an den Tag legte. Ausserdem hatte er ihm in der Schlacht das Leben gerettet und er sah Théro als Vorbild an. Auch wenn selbigem das nicht bewusst war. Die scharfe Axt bohrte sich ein Stück in den Türrahmen, als er sie hineinrammte und die Methalle betrat. Waffen waren hier grundsätzlich nicht erlaubt. Es war Zeit für das Mittagsessen und das Gebet und fast der gesamte Clan hatte sich versammelt. Er hob die muskulösen und von Schweiß bedeckten Arme hoch in die Luft und zog mit einem Knurren die Aufmerksamkeit auf sich. Der Fürst sah ihn unwirsch an, sein Blick suchte kurz nach Aenaeris. Er sah sie nicht. Dafür sah ihn jemand, nämlich sein Vater. Er starrte ihn entgeistert an und zwischen den Bänken wurde leises Gemurmel laut, "Das ist Schattenmal..." "Der fleischgewordene Wolf..." "Verflucht von den Göttern!" "...er wurde verbannt..." Er knurrte erenut, trat vor den Fürsten und sank kurz auf die Knie um ihm die Ehre zu erweisen. Dann stand er wieder auf und drehte sich herum. Er sah die Gesichter in dem Saal an, sah wieder zu dem Fürsten, "Ich bin Théro, Sohn von Skjalf, Bezwinger des Werwolfs und Schlächter der Orks. Ich komme hierher, nur wegen eines Grundes." Sein Blick fuhr kurz nach rechts, er sah die Bediensteten, sah an manchen Ketten und Male der Schläge, "Ihr versklavt? IHR versklavt Menschen?!" Er wurde richtig wütend, und die Tatsache das Aenaeris nicht dabei war, schürte seine Wut noch mehr. Caldric stieß ihm in den Rücken und murmelte leise, "Heran und Rackor haben so eine gebracht... Das sind die Zwei bei den Jägern."

Théro rammte beide Arme polternd auf den Tisch, an dem die beiden saßen und blickte sie grimmig und mit gefletschten Zähnen an, "Ihr... Wo ist sie?!" Er sah ihre Blicke zu dem Fürsten, sah nun selbst hinauf, "Diese... Sklavin ist meine Frau! Ich fordere sie zurück und ich fordere Vergeltung!" Dann zischte Heran leise, "Vergeltung verdient man sich..." Die erstarrten Clanmitglieder erwachten zum Leben und rammten ihre Krüge auf die hölzernen Tische, "Kampf... Kampf... Kampf! KAMPF!" Dies war Brauch bei ihnen, bei jeder Art von Streit, und Théro würde sich mit Freuden daran halten. Er zog Heran von seinem Stuhl und Caldric übernahm den anderen. Dann stieß er ihn in die Mitte der Methalle und die Männer suchten ihre Schilde. Er riss seine Axt aus dem Holz und trat ihnen Gegenüber. Caldric legte eine Hand auf seine Schulter, "Ich bin dein Kampfbruder, wenn du willst." "Nein, das ist meine Angelegenheit." Die Männer schlossen den Schildkreis um sie und seine zwei Gegner bekamen Schwerter zugeworfen. Théro atmete tief ein und aus, seine Wunde blutete ein wenig von der Aufregung und fixierte die beiden. Dann griff der erste an, gott sie waren so selbstsicher. Nur weil er ein Fremder war und sie bereits in dem Rang eines Jägers. [18]Er lachte wild und knurrte tollwütig, als er den ersten Schwertstreich mit der Unterkante der Axt abfing. Dann drehte er die Waffe leicht und zog fest daran, sodass sich das Schwert verkantete und davonflog. Kurz darauf krachte seine Faust in Herans Gesicht und zertrümmerte ihm die Nase. Dieser taumelte nach hinten, prallte gegen den Schildkreis und wurde wieder nach vorne gestoßen. Das Axtblatt traf erneut auf den Stahl eines Schwertes, zwischte daran herab und zertrennte die Sehnen und Muskeln des führenden Handgelenkes. Dieser Kampf war lächerlich, eine reine Farce. Er hatte beide Gegner mit zwei Schlägen kampfunfähig gemacht. Der Schildkreis wurde etwas größer. Der vor Schmerz schreiende Rackor sank auf die Knie und Théro setzte ihm die Klinge an den Hals, "Hast du sie vergewaltigt?" flüsterte er ganz leise. Ohne auf die Antwort abzuwarten, rammte er seine Axt in die Körpermitte des Mannes, zerris seine Lenden und drehte die Axt gründlich herum. Er zog sie wieder heraus und Blut spritzte ihm entgegen. Das Grölen der Männer verstummte, aber Théro war noch nicht fertig. Er schlug noch einmal zu, kräftiger und dann noch einmal auf die Hand, solange bis nichts mehr von seinen Lenden übrig war und die Hand abgetrennt.

Er wollte sich gerade umdrehen, als Herans Schwert auf seinen Hals zuzischte. Er hatte ihn ausser Acht gelassen, ein tödlicher Fehler. Gerade noch so, konnte er den Kopf ducken, sodass die Klinge ihm nur die Wange aufschlitzte, dafür bis auf den Knochen. Wuterfüllt schrie er lauter auf und der Schmerz zuckte durch seinen Körper. Er schlug auf Heran ein, wuchtig und ohne Gnade und dieser parierte jeden Hieb mit zitterndem Schwert, bis seine Arme nachgaben und er es fallen ließ. Théro ließ die Axt ebenfalls fallen und schlug noch einmal zu. Er brach ihm die Nase noch einmal, drückte ihn zu Boden und schlug mit aller Kraft immer und immer wieder auf sein Gesicht ein. Dann zog er den Dolch aus seinem Gürtel, "Na? Hast du sie auch geschändet?" Er merkte nicht, das es Aenaeris Waffe war, und rammte sie zwischen seine Beine. Er drehte die Waffe, schnitt alles ab was einen Mann ausmachte und stand dann wieder auf. Knurrend zertrat er die Fleischreste auf dem Boden und spuckte auf den wimmdernden Heran. Blut lief ihm in Strömen an der Wange hinab und vermischte sich mit dem zahlreichen Blut der beiden Männer auf seinem Oberkörper. Er ließ den Dolch wieder fallen, hob die Axt hoch über den Kopf und schrie seine ganze Wut noch einmal heraus. Dann deutete er mit dem Axtblatt auf den Fürsten, "Ich verlange meine Frau!" Das Wolfsblut in ihm wallte noch immer in kochend heißem Grad und zusammen mit dem Adrenalin das durch seine Venen pumpte ergab das ganze einen Cocktail das ihn zur Besinnungslosigkeit antrieb. Er wollte weiter töten, wollte jedem hier die Kehle durchschlitzen, egal wem.[/18] Aber eigentlich konnte er wohl froh sein noch auf den Beinen zu stehen und das Ganze überlebt zu haben...
"Ich mache nichts lieber als das,
ich meine Gefühle abschaff.
Unterdrück am Tag noch den Hass,
bis ich ihn am Morgen rauslass."
->K.-M. R. aka PerVerZ

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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » Mo, 03. Sep 2012 1:47

Die beiden Nordmänner ritten bis spät in die Nacht. Der Mond stand hell über den wilden Landen, beleuchtete die Berggipfel und Baumwipfel und schaffte eine Kulisse wie ein Scherenschnittbild. Aenaeris war eingedöst in dem Arm des Nordmanns Rackor, der auf Abari saß. Doch es war ein unruhiger Schlaf und immer wieder schreckte sie hoch, bis sie sich gewahr wurde, dass dies alles kein böser Traum war. Rackor, der voran ritt, weil er das bessere Pferd hatte, hielt plötzlich unerwartet den Hengst an. „Lass uns rasten, ich habe keine Lust mehr, weiter zu reiten.“ Heran nickte zustimmend. Er hatte ohnedies den Eindruck, dass sein Gaul bald streiken würde, wenn er diesen noch weiter unbarmherzig antrieb. Die beiden stiegen von den Pferden ab. „Was ist mit der Frau?“ fragte Heran unschlüssig Rackor, als er auf die junge Fraue blickte, die leicht gebeugt noch auf Abari saß. „Pfff… was weiß denn ich… Du kannst sie Dir herunterholen… oder vielleicht lässt Du sie Dir einen herunterholen…“ er unterbrach sich und lachte leise über seinen Wortwitz. Heran murrte, und fasste sich vorsichtig an seine verbrannte Wange, die ein wenig glühte. Zumindest war sein Bart nicht versengt worden, das war schon viel wert. Er strich sich durch den langen Bart, der in kurzen regelmäßigen Abständen mit Lederbändern zusammengebunden war und fuhr sich dann mit den Händen durch seine langen strähnigen Haare. Doch er fand, dass er weitaus besser davongekommen war als Rackor, dessen Gesicht tiefe Kratzspuren zierten, in denen der Schweiß brannte. In seinem struppigen Vollbart klebten immer noch Blutreste. „Nein danke, kein Interesse… das Weibsstück ist ein richtiges Biest, ich habe keine Lust, dass sie mir nochmal einen Tritt in die Nüsse verpasst, oder mir so wie Dir, das Gesicht zerkratzt…“ Rackor lachte kehlig „Bei den Alten, Du bist vielleicht ein Weichei… aber Du warst schon immer so, darum ist Dir wahrscheinlich auch Dein Weib davongelaufen… hast ihr wohl nicht gezeigt, wer hier die Hosen an hat, hm?“ Heran grunzte unzufrieden. „Mein Weib lass da mal schön raus…“ Rackor lachte und schlug ihm entschuldigend auf die Schulter. „Komm, mein Freund, nimms mir nicht übel... lass uns was trinken…“ Er trat an den alten Gaul von Heran und holte aus der Satteltasche zwei Wasserschläuche, die zweifelsohne nicht mit Wasser gefüllt waren. Einen warf er Heran zu und dieser fing ihn geschickt auf. Heran nahm einen großen Schluck aus seinem Schlauch und verzog das Gesicht, als er die scharfe Flüssigkeit hinunterschluckte. „Aaah, das tut gut…“ Dann warf er einen Blick auf Aenaeris, die noch immer am Pferd saß. Er überlegte einen Moment und dann packte er sie am Arm und zog sie von Abari hinunter. Sie versuchte, auf einem Bein zu landen und stehen zu bleiben, doch erstens war es das linke Bein, auf dem sie nicht so geschickt war wie auf dem rechten Bein und zum anderen war es nicht einfach, mit am Rücken verbundenen Handgelenken die Balance zu finden und zu halten. Sie strauchelte und fiel auf den steinigen Boden und Heran zog sie unsanft am Arm hoch, bis sie auf wackeligen Beinen zu stehen kam. Sie konnte nicht viel erkennen im Mondlicht, doch sie erkannte schemenhaft die Silhouetten ihrer Peiniger und musterte diese mit all der Verachtung die sie noch hervorbrachte. Sie waren ohne jeden Zweifel Nordmänner. „Können wir es riskieren, ein Feuer zu machen, was meinst Du?“ fragte Heran ein wenig unsicher und bedachte Aenaeris mit einem vielsagenden Blick. „Klar doch...“ meinte Rackor selbstsicher und trat an Aenaeris heran. „Du weißt, was wir mit Dir machen, wenn Du versuchst, uns irgendwie zu verarschen, hm? Wir sind Dir allein schon zahlenmäßig überlegen, von den Kräften will ich erst gar anfangen… und wenn Du auch nur einen von uns beiden angreifst, oder irgendwelche linken Tricks versuchst, dann wird der andere Dir…“ er sprach nicht weiter, sondern führte seine Axt an ihrem Hals entlang, so dass das scharfe Axtblatt an ihrem Hals rieb. Er schob die Axt wieder zurück in ihre Halterung. Sie wagte keine aufrührerische Geste. Was konnte sie schon ausrichten, sie wollte nur leben... Leben mit der Hoffnung, dass sie irgendwann Théro wiedersah und alles wieder gut werden würde. Doch würde es das? Wer konnte schon sagen, was die Zukunft nach diesem Erlebnis brachte? Vielleicht würde sie Théro auch gar nicht finden, dann würde sie hier in den wilden Landen, in Begleitung dieser beiden Scheusale ihr Dasein fristen, und irgendwann, wenn sie sie leid waren, würden sie sie umbringen, und sie hier einfach liegen lassen, bis sie von wilden Tieren zerrissen wurde. Sie verzog bitter den Mund und senkte ihre Augen. Rackor musterte sie kurz, nickte dann zufrieden und drückte sie hinunter auf den Boden, dass sie halb kniend saß.

Heran indessen hatte Feuer gemacht und sie saßen lässig am Lagerfeuer, die Beine aufgestellt, mit ihren Weinschläuchen in der Hand und das Feuer warf tanzende Schatten in ihre aller Gesichter. Heran musterte Aenaeris im Feuerschein. „Bei den Alten, sie sieht furchtbar aus…“ meinte er. Und er hatte Recht. Ihr linkes Auge war dunkel blutunterlaufen und unter ihrer Nase und in den Nasenlöchern klebte verkrustetes Blut, was ihrer nasalen Atmung ein wenig hinderlich war. Sie störte sich an der Kruste, die sie spürte, sobald sie ihre Nase auch nur leicht kraus zog, was sie allerdings tunlichst vermied, weil ihr ganzes Gesicht ziemlich schmerzte und leicht angeschwollen war. Selbst wenn sie wollte, sie konnte sich die Verkrustungen nicht wegkratzen, da ihre Hände ja gefesselt waren. Die Fesseln selbst waren aus rauhem Hanfseil und schnürten sie stark ein, so dass ihre Hände beizeiten taub wurden, und die Seile scheuerten ihr die Haut blutig auf, bis es brannte und die Fesseln teilweise mit ihren Wunden verklebte. Ihre Lippe war aufgesprungen und sie kam nicht umhin, immer wieder mit der Zunge über die aufgeplatzte Stelle lecken. Die Lippen waren vom ständigen befeuchten schon spröde geworden und brannten leicht und auch an den Wangen sah man noch blutverkrustete Rinnsale. Ihr Haar war aufgelöst und zerzaust, und sie wusste nicht, wann und wo sie ihr Haarband verloren hatte. Allein, als Heran sie an den Haaren gepackt hatte und von hinten genommen hatte, glaubte sie sich zu erinnern, hatte sie es noch. Rackor trank einen großen Schluck Schnaps und zuckte verächtlich die Schultern. „Was kümmert‘s mich…“ „Nun ja, süß sah sie ja vorher schon aus…“ meinte Heran. „Joh… aber zu biestig für meinen Geschmack… aufmüpfig, von mir aus, aber nicht so… wenn ich mir ein Weib nehme, muss sie anerkennen, wer der Herr im Haus ist...“ grinste Rackor und schlug sich auf die Brust. „Wenn Du sie willst, dann nimm sie Dir, ich werd sie Dir nicht streitig machen…“ gab sich Rackor großmütig. Herlan überlegte einen Augenblick lang. „Heute nicht mehr… lass uns jetzt schlafen. Wer übernimmt die erste Wache?“ „Schlaf Du nur, ich bin nicht müde…“ meinte Rackor und trank noch einen Schluck aus de Schlauch. Herlan nickte zufrieden und legte sich hin, verschränkte die Arme unter seinem Kopf und schloss die Augen.

Rackor wartete, bis er sicher war, dass Herlan schlief, und stand dann auf und setzte sich zu Aenaeris. Diese würdigte ihm keines Blickes. „Na, was würdest Du jetzt tun, wenn ich Dir die Hände losbinden würde… würdest Du mir dann sofort wieder wie eine Wildkatze ins Gesicht fahren?“ Er rieb sich dabei seine Wange und grinste sie an. „Oder würdest Du das Spiel mitspielen?“ Aenaeris wusste nicht, ob sie etwas erwidern sollte. Sie durchschaute nicht dieses Spiel, ob es nur eine hypothetische Frage war, oder ob er tatsächlich eine Antwort wollte. „Du redest nicht viel, was?“ sprach er unbeirrt weiter. „Ich hab die Spuren an Deinem Hals gesehen… wer ist er? Wahrscheinlich irgend so ein Langweiler, der’s Dir nicht richtig besorgen konnte, hm? Bist Du deswegen fortgeritten? Sicher heult er gerade wie ein Kind, weil Du nicht zu ihm zurückgekommen bist…“ Er war sichtlich betrunken, und er war schon in nüchternem Zustand sehr gewaltbereit gewesen. Aenaeris wollte das Schicksal nicht noch mehr herausfordern. Doch seine Worte verletzten sie, mehr als es seine Taten getan hatten. Er rief ihr Théro wieder in Erinnerung, und das schmerzte sie momentan am meisten, es war, als fehlte in ihrer Brust ihr Herz, und es war unglaublich, doch so etwas wie Herzschmerz gab es wirklich. Sie hatte sich kaum mehr unter Kontrolle und die Tränen liefen unaufhörlich die Wangen herunter, als sie lautlos zu weinen begann. Er hob die Hand und sie zuckte instinktiv zurück. „Ich will Dich nicht schlagen…“ murmelte er und wischte mit seiner rauen Hand die Tränen von ihrem schmerzenden Gesicht. Irritiert ließ sie ihn gewähren, obgleich sie ohnehin keine andere Wahl hatte. [18]Er öffnete seinen Gürtel und holte seinen Schwanz heraus. Dann drückte er sie zu Boden, schob ihren Rock hoch und nahm sie, ohne dabei ihre Hände gelöst zu haben. Es brannte wie Feuer, sie war wundgescheuert, und ihre beider Körpersäfte brannten in diesen wunden Stellen. Nun war es anders, als vorhin im Wald. Er nahm sie nicht hart wie im Wald, sondern er war vorsichtig, beinahe als wäre er nur ihr Liebhaber und das bereitete Aenaeris noch mehr Abscheu und Abneigung, als es die anderen Male getan hatten. Er liebkoste ihren Hals, ließ seine Hände über ihren wehrlosen Körper wandern und sie wünschte, es wäre vorbei, oder er würde seine Richtung ändern. „Du bist unglaublich schlecht in dem, was Du gerade tust…“ flüsterte sie ihm ins Ohr, wohlwissend, wie es enden würde, doch sie setzte noch eins drauf „Er würde sich bepissen vor lachen, wenn er sähe wie Du Dich hier unbeholfen abrackerst…“ Rackor verzog sein Gesicht zu einer hasserfüllten Miene und schlug ihr hart ins Gesicht. Heiß brannte ihr Gesicht und sie versuchte tapfer, den Schmerz nicht hinauszuschreien. „Schweig… schweig… sonst bist Du tot…“ Er stieß ein paar mal hart zu und dann war es auch schon vorbei…“ Er ließ ab von ihr, schob ihr beinahe anstandshalber die Röcke wieder runter und ließ sie so liegen, wie sie war. Dann zog er sich die Hose hoch, schloss seinen Gürtel wieder und macht es sich am Lagerfeuer bequem.[/18] Sein Gesicht blieb steinern. Es war das letzte, was sie sah, und ihre letzten Gedanken galten nur dem einen Mann, Théro, bevor sie in einen tiefen, und den Göttern war es gedankt, traumlosen Schlaf fiel.

Aenaeris wurde unsanft geweckt. Sie dankte den Göttern, dass sie die letzten Stunden so tief geschlafen haben musste, dass sie nun nicht mehr wusste, wo sie war und was die letzten Stunden passiert war. Sie sah sich ein wenig verschlafen um. Sie stand in einer großen Halle, in der mehrere lange Holztafeln standen und dazu lange Sitzbänke. Sie hatte keinen Blick für die kunstvollen Schmiedearbeiten, die die Wände zierten, sie war kaum fähig, gerade auf den Beinen zu stehen. Sie senkte die Augen und sah niemanden an. „Bei den Alten, was habt ihr denn mit ihr angestellt?“ rief eine fassungslose Stimme. „Sie hat es uns, die Alten stehen uns bei, nicht leicht gemacht…“ meinte Heran, dessen Stimme sie erkannte. „Joh, die könnt ihr nicht einfach in Ketten legen und auf den Clan loslassen… die müsst ihr erst brechen…“ höhnte Rackors Stimme. „Nun denn, bringt sie in eine Zelle, aber, liebe Güte, gebt ihr etwas zu essen und zu trinken… verhungert und verdurstet nützt sie uns wenig…“ Dann wurde Aenaeris in eine kleine dunkle Zelle gebracht. Sie war kühl und feucht, doch immerhin war kein Stroh darin. Stroh bedeutete oft Ratten und Flöhe und anderes Ungeziefer. Jemand stellte ihr einen Kanten Brot und einen Becher Wasser hin und löste ihre Fesseln. Sie hatte kein Interesse daran, zu essen, oder zu trinken. Sie kauerte sich in eine Ecke und schloss die Augen, während sie vorsichtig erst ihre schmerzenden aufgescheuerten Handgelenke betastete, und dann ihre Hände über ihr Gesicht wandern ließ. Der Knochen unter ihrem Auge tat ziemlich weh, und sie spürte die Schwellung, obgleich sie ihr Gesicht nicht sehen konnte, ahnte sie, dass es unschön war. Sie tastete mit leicht zitternden Fingern über ihre Nase. Es fühlte sich nicht aussergewöhnlich an, sie war nicht gebrochen. Dann berührte sie die Verkrustungen, ribbelte diese mit zwei Fingern vorsichtig weg und kratzte an den Nasenlöchern, bis sie wieder besser atmen konnte. Sie dachte daran, dass es nicht das erste Mal war, dass sie in einer solchen Zelle hockte, und mit bitterer Ironie fand sie, dass ihr ihr Leben beizeiten viel zu aufregend war. Doch kaum war es in geordneten Bahnen, wurde es ihr zu langweilig... Vielleicht war ihr das Schicksal so gnädig, dass sie viel schlafen konnte. Das Schicksal meinte es gut, sie döste, an der kalten Steinmauer langsam weg. Irgendwann, Aenaeris hatte kein Zeitgefühl, es mochte Abend sein, oder auch erst Mittag, wurde die Zelle betreten. Ein Wachmann stand darin, und deutete hinaus. „Du…komm mit… aber mach keine Dummheiten, Kleine, es hat sowieso keinen Zweck…“ Er wartete, bis sie sich erhoben und die Zelle verlassen hatte, und folgte ihr dann. Aenaeris betete, dass sie nicht zu einen von den Drecksäcken Rackor oder Herlan gebracht wurde, dann konnte es eigentlich nicht so schlimm werden, vermutete, oder viel mehr, hoffte sie. Trotzdem schlug ihr Herz rasend vor Angst… Ihr Geist war träge, und etwas verlangsamt in seiner Funktion, sie hatte das Gefühl, als wäre sie ziemlich betrunken, nur ohne diesem flauen Übelkeitsgefühl, vielleicht war es eine Abwehrreaktion oder Schutzfunktion ihres Körpers, jedenfalls konnte sie sich nicht entsinnen, dass ihr irgendwas verabreicht worden war... und so hörte sie nur die widerhallenden Schritte der schweren Stiefel des Wachmannes, der ihr voran ging, nicht aber, was gesprochen wurde. Ein anderer, von der Seite kommend, schloss sich ihm an. "Das wird auch Zeit. Théro Skjalfson ist hier aufgetaucht... ich wollte es zunächst auch nicht glauben, der Kerl wurde schon vor vielen Jahren verbannt, ich dachte, er wäre längst tot... Mutig, dass er hier auftaucht..." "Was will er hier?" "Die Kleine da..." deutete er mit dem Kopf seitlich nach hinten. Der Wachmann nickte verblüfft. Der andere sagte: "Der Fürst hat befohlen, sie in die Halle zu bringen, bevor der Kerl uns die Halle auseinandernimmt, er scheint ziemlich wütend zu sein... seine Frau und so..." "Die da?" Der Wachmann pfiff durch die Zähne. "In deren Haut möchte ich jetzt nicht stecken..." "Das willst du ganz bestimmt nicht, einer der beiden ist tot, ich weiß nicht ob es Rackor oder Herlan ist, der andere jedenfalls hat sein Gemächt eingebüsst.. er hat keine fünf Minuten gebraucht, die beiden abzuschlachten..." meinte der andere. Sie erreichten die Halle und stießen mit einem dumpfen Aufschlag die Tore auf. Die beiden Männer ließen Aenaeris in der Halle stehen und traten zu dem Fürsten und gingen kurz in die Knie um ihm ihre Ehrerbietung zu beweisen. Aenaeris ließ ihre Blicke durch die Halle schweifen. Sie war vor einigen Stunden schon hier gewesen. Doch nun war die Halle voll. An den Tafeln saßen zahlreiche Männer und auch Frauen und Kinder, und sie hatte das Gefühl, als wären alle Augen auf sie gerichtet, doch sie verstand nicht, wieso. Sie drehte den Kopf weg, weil sie es nicht ertrug, anzusehen, wie alle sie fixierten. Dann sah sie zwei Männer, die auf dem Steinboden ausgestreckt in dunklen Blutlachen lagen. Der eine schien tot zu sein, bei dem anderen war sie nicht sicher. Sie versuchte, zu eruieren, was hier wohl vor sich gegangen war, doch im Grunde war es ihr egal. Für sie war es gerade nur wichtig, warum sie hier nun stand und was man von ihr wollte. Dann sah sie Théro. Ungläubig riss sie die Augen auf, sie war sich nicht einmal sicher, ob er es wirklich war, er war blutüberströmt an der Brust und auch von seiner Wange sickerte aus einem dunklen tiefen Schnitt das hellrote Blut. Doch an der Art und Weise, wie er sie ansah, erkannte sie ihn letztendlich doch. Sie hatte das Gefühl, als wankte sie und als würde der Boden unter ihren Füßen nachgeben, obgleich sie mit beiden Beinen fest auf ihm stand. Sie fühlte, wie ihr heisse Tränen in die Augen schossen, unaufhörlich perlten sie über ihr Gesicht und sie sank in die Knie, bevor dieselbigen nachgaben...
"Ihre Natur ist Feuer und Blut..."

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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Thėro Schattenmal » Mo, 03. Sep 2012 15:29

Sein Blick folgte dem Boten, den der Fürst schickte, ehe er sich auf die Gesichter der anderen Männer richtete. Der Schildkreis hatte das Grölen schon lange sein gelassen und löste sich nun langsam auf. Die Axt klackte laut, als das metallene Axtblat auf den blutroten Stein traf und seine Knöchel sich so fest um den Stiel schlossen das sie weiß hervortraten. Er atmete noch immer schnell aus und ein und prügelte jeden Atemstoß regelrecht aus seinem Körper. Gott sei Dank hielten sie alle Abstand von ihm, hätte ihn einer angefasst hätte er ihm wahrscheinlich den Kopf abgeschlagen, so geladen war er. Dann flog die Tür auf und jeder Kopf in der Methalle wandte sich von Théro ab und sah zu der Frau hin, die der Grund für all dies sein zu schien. Die meisten erwarteten wohl eine gnadenlose Schönheit, was nun nicht mehr ganz der Fall war. Er sah ihre Verletzungen, die Schwellungen und noch einmal keimte Wut in ihm auf. Er hob die Axt leicht an und schlug mit der flachen Seite dem Überlebenden der beiden Männer fest ins Gesicht. Dies wurde mit einem lauten Knacken und leiser werdenden Stöhnen quittiert, aber er zwang sich zur Vernunft und hielt sich schwerlich zurück. Er wollte ihn nicht töten, es war wesentlich besser ein Leben mit dieser Schande und Mannlos zu verbringen. Sie wurde vor den Fürsten gebracht und dann trafen sich ihre Blicke. Er wusste nicht ob sie ihn direkt erkannte, aber dieser Blick reichte ihm völlig. Die ganze Last der letzten Zeit fiel von ihm ab und auch die Wut ließ nach und verpuffte im Nichts. Der Nachteil des Ganzen war allerdings, das das Adrenalin nachließ und sein Wolfsblut nicht mehr so wild kochte. Er hatte die Axt wieder auf den Boden gestellt und hielt sich daran fest. Es half nicht mehr viel, die Anstrengungen waren einfach zu viel gewesen und seine Wunden bluteten immer noch. Selbst aus der dünnen an seiner Seite quoll wieder dickes Blut hervor. Seine Hand rutschte an dem Griff herunter und er sank auf ein Knie. Dann spürte er eine kalte Hand auf seiner heißen Schulter und er senkte leicht den Kopf. Eine Träne rann über seine Wange und das Salz brannte in seiner Wunde, zog sich als dünner Schmerzfaden in seinen Kopf und explodierte dort. "Lass es gut sein, du hast gut gekämpft... Wir müssen deine Wunden verbinden, bevor du verblutest." Es war Caldrics Stimme und tief in seinem Inneren wusste er das sie Recht hatte. Ausserdem wusste er, wie viel der junge Soldat für ihn aufgegeben hätte, wenn er ihm zur Seite gestanden hätte. Er wusste das Caldric ihn mochte und loyal war, so seltsam ihm das auch vorkam. Kraftlos versuchte er dennoch die Hand abzuschütteln, er wollte keine Hilfe. Dann spürte er eine zweite Hand, auf seiner anderen Schulter. Es beugte sich jemand zu ihm herunter und legte die andere Hand an den Stiel der Axt. Fast vorsichtig fuhren die Finger darüber und es dauerte bis Théro das Gesicht einordnen konnte. Erst die Stimme des alten Kriegers weckte ihn auf, "Ich wusste das du zurückkommen würdest. Es ist gut dich zu sehen... Skjor hatte von dir erzählt, aber..." Der Blick des Wolfs hatte sich längst wieder auf Aenaeris gerichtet und er hörte die restlichen Worte nicht mehr, denn ihm wurde schwarz vor Augen...

Der alte Skjalf sah zu dem Fürsten hinauf und brauchte keine Worte um seine Fragen bestätigt zu wissen. Er war ein Leibwächter, Vertrauter, des Herrschers und hatte einige Freiheiten und Privilegien mehr. Er winkte leicht und an der Tafel erhob sich eine schöne, aber sehr vom Alter und der Sorge gezeichnete Frau. Sie ging zu Aenaeris, beugte sich zu ihr herunter und half ihr wieder auf. Es handelte sich um Neré, seine Mutter. Sie redete und flüsterte leise mit ihr und führte sie aus der Halle hinaus. Caldric und Skjalf hatten indess eine Trage geholt und legten Théro vorsichtig darauf. Dann trugen sie ihn ebenfalls aus der Halle und sobald sie fort waren brach in selbiger lautes Geschrei und Gemurmel auf. Natürlich, ein Verbannter kehrte heim und erschlug zwei seines Stammes, nunja oder eher eineinhalb. Das gab viel Stoff zum diskutieren und zusammen mit den Geschichten des fahrenden Händlers wusste es natürlich jeder besser als der andere. Neben der Methalle führte rechts und links ein Weg hinauf. Der eine direkt zu dem großen Anwesen des Fürsten, das mehr oder weniger aus einem riesigen Turm bestand und der andere zu den Quartieren der Adligen und Leibwächter. Neré war schon längst mit Aenaeris in dem Haus angekommen. Es war größer als ihr altes und hatte mehr Zimmer. Sie führte sie in das Schlafzimmer, setzte sie vorsichtig aufs Bett und holte dann Wasser und einen Lappen. Während sie Aenaeris Gesicht abtupfte und ihre Wunden versorgte, war sie zunächst ruhig. Nach ein paar Minuten jedoch, brachen die Worte nur so aus ihr heraus. Sie fragte die junge Frau aus, über ihren Sohn und wo sie lebten, ihre Vergangenheit, wer sie war, wie sie sich kennen gelernt hatten und eben all die Dinge die Mütter von ihren lange verlorenen Söhnen wissen wollen. Der Wolf dagegen wurde in das Haus daneben gebracht, ein mehr oder weniger kleines Lazarett. Es hatte Platz für mehrere Männer, würde in Kriegszeiten aber längst nicht aufreichen. In den Strohbetten lagen nur zwei Personen, eine kranke alte Frau die sicher bald sterben würde und ein verwundeter Jäger. Nebst Théro, der sich nun hinzugesellte, würde wahrscheinlich auch bald Heran hierherkommen. Vorrausgesetzt er sollte überleben... Und sie waren wirklich so naiv ihn hier heraufzubringen. Nein, er würde sicher ein anderes Quartier bekommen. Caldric half der alten Schamanin beim Stoßen der Kräuter, auswaschen der Wunden und vorbereiten der Heilsalben. Er hatte dies schon öfter getan und das merkte man. Skjalf dagegen ließ sich auf das Bett fallen und sah auf seinen Sohn. Er konnte immer noch nicht recht glauben das er nun hier war. Théro atmete mittlerweile wesentlich flacher und langsamer und es wurde allerhöchste Zeit das seine Wunden versorgt wurden.

Er schlief lange, den kompletten restlichen Tag, die darauffolgende Nacht und den nächsten Tag bis zur Mittagszeit. Die Anstrengungen der Verfolgung forderten nun seinen Tribut und er träumte schlecht. Die dunklen Gedanken in seinem Kopf gaben doch keine Ruhe, obwohl der Vergeltung genüge getan wurde.[18]Er sah sich schemenhaft auf dem Turm des Fürsten stehen, in einem Meer aus Blut und Feuer. Der gesamte Clan brannte unter seinen Füßen und vereinzelt liefen noch schreiende und brennende Menschen durch die Nacht. Er verwandelte sich in die Bestie, die ihm anheim wohnte und Kraft und Macht gab, und zerriss die restlichen Überlebenden mit seinen scharfen Klauen und Zähnen... Dann war es wieder vorbei und er saß mit Aenaeris auf einer grünen Wiese, vor dem kristallklaren Bergsee. Er sah zu ihr hinüber, sah ihre grenzenlose Schönheit und urplötzlich wurde sie aus seinen Armen gerissen. Das Blut floss in den Teich und färbte ihn purpur, als ihm alles genommen wurde was er liebte und Blut quoll aus seiner Kehle. Er versuchte es mit den Händen zu stoppen, wieder in sich zu drücken, doch es floss unaufhörlich weiter... Dann tauchte die Bestie wieder vor seinem Auge auf. Er sah wie sie wuchs und wuchs, sah wie die Speere der Soldaten in sie hineingerammt wurden und die Bolzen die sie bereits im Leib hatte. Schweiß lief ihm über die Stirn, so viele waren bereits tot, als er der Bestie gegenüber trat. Er hielt sie, mutig und kräftig, während die anderen ihr den Rest gaben. Er spürte wie sie ihre Fänge in seine Schulter schlug, sie zerriss und Knochen, Sehnen und das Fleisch zermalmte. Die Wahrheit war so viel unangenehmer gewesen... Er hatte sich fast bepinkelt vor Angst, als dieser riesige Wolf vor ihm stand und seine Leute zerfetzte. Es war nicht der Mut, der ihn getrieben hatte. Auch nicht der Selbsterhaltungstrieb, oder die Sorge um die anderen. Er hatte wie steinern dort gestanden, doch dann hatte er es getan. Er wusste bis heute nicht warum, vielleicht hate der Wolf ihn angezogen oder die alten Götter hatten ihn geführt, ihn zu dem gemacht was er werden sollte. Urplötzlich sah er sich selbst gegen den Werwolf kämpfen, alleine und ohne Waffen. Er verlor diesen kampf, zog den kürzeren gegen die gnadenlose Bestie und...[/18]
Heißer Schweiß stand auf seiner Stirn, als er sich ruckartig aufsetzte und brüllend wieder zurückfiel. Er hatte gefiebert, nur geträumte, versuchte er sich zu beruhigen und schloss die Augen wieder. Stöhnend schüttelte er den Kopf und öffnete sie wieder. Er spürte den festen Verband um seinen Bauch, den um seine Wange und roch die stinkende Heilsalbe darunter. Sie hatte die Blutung gestillt und würde seinem Wolfsblut helfen die Wunden noch schneller zu schließen. Leise fluchend sah er auf, in die Augen seines Vaters und murmelte leise etwas. Er spürte seine ruhige Hand auf sich und wusste die Worte, ohne das er sie hörte. 'Ein Krieger muss ruhen, sonst stirbt er vorzeitig...' Sein Kopf ruckte herum und seine Augen suchten etwas panisch den Raum ab. "Wo... ist sie?!" krächzte er leise. Seine Mutter saß neben ihm und strich ihm ein paar Haare aus dem Gesicht. Sicher würde sie bald kommen, seine Familie kümmerte sich um sich... Ungeachtet was geschehen sein mochte, oder noch passieren würde. Er wusste das er sich darauf verlassen konnte, selbst jetzt noch... Wo er als Verbannter kam und die Regeln brach.
"Ich mache nichts lieber als das,
ich meine Gefühle abschaff.
Unterdrück am Tag noch den Hass,
bis ich ihn am Morgen rauslass."
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » Di, 04. Sep 2012 11:18

Aenaeris saß in dem Haus auf einem Bett und ließ die alte Frau gewähren, die ihr mit viel Fingerspitzengefühl das Gesicht vom eingetrockneten Blut säuberte. Es war ihr ein wenig unangenehm, schließlich wusste die Frau, wer sie war, und was ihr widerfahren war. Und sie wusste ebenso, wer sie war. Sie war Théros Mutter und Aenaeris hatte sich gewünscht, sie hätte sie unter anderen Umständen als diesen kennengelernt. Sie hatte langes graumeliertes Haar, welches im Nacken zu einem dicken Knoten gebunden war und ein gütiges, wenn auch von Sorgenfalten gezeichnetes Gesicht. Ihre Gestalt war recht schlank und sie war ein wenig größer als Aenaeris. Aenaeris hatte eigentlich keine Lust zu reden, sie war müde und kraftlos und einfach nur… sie wusste nicht, was sie fühlte… doch sie wollte die alte Frau nicht vor den Kopf stoßen. Sicherlich hatte sie ihren Sohn seit vielen Jahren nicht gesehen und selten oder gar keine Nachricht von ihm halten, wen wunderte es da, dass sie eine Gelegenheit wie diese nicht auslassen wollte, auch wenn es, in Aenaeris Augen zumindest, ein wenig unpassend kam. Sie hätte ja ruhig schweigen und einige Tage warten können. Sie wusste auch nicht, wie sie beginnen sollte… sie konnte ja schlecht hier sitzen und der Mutter ihres…Mannes… erzählen, dass sie ihren eigenen Tempel angezündet hatte, danach mit ihrem Sohn aus einer Schenke geflüchtet war, weil er einem Mann den mit der Axt Schädel eingeschlagen hatte, um ihn schließlich mit einem unmoralischen Angebot zu ihrem Elternhaus zu locken, wo beide zusammen ihre Eltern samt Dienerschaft umgebracht hatten und danach nur noch mehr Dreck am Stecken angehäuft hatten. Darum war sie diplomatisch. Sie räusperte sich und bat Neré um einen Schluck Wasser. Es war eine bescheidene Bitte, denn etwas getrunken hatte sie das letzte Mal am See. Die alte Dame sprang sofort auf und goss ihr aus einem irdenen Krug etwas Wasser in einen Becher. So verschaffte sie sich einige Augenblicke, in denen sie fieberhaft überlegte, was sie sagen sollte. Neré kam mit dem Becher Wasser zurück und reichte ihn ihr. Aenaeris nahm den Becher dankend an und trank diesen langsam, aber gierig aus. Neré sah sie erwartungsvoll an. „Mein Name ist Aenaeris. Ich bin Arcanierin und eine ehemalige Tempelpriesterin. Ich wurde gebrandmarkt aus meinem Tempel verbannt weil ein wenig elfisches Blut in mir fließt. Ich konnte in einer Schenke Arbeit finden und habe dort Euren Sohn kennengelernt. Als es brenzlig wurde, hat Théro mir geholfen und weil die Arcanier wegen meinem Elfenblut hinter mir her waren, sind wir zusammen geflohen… wir sind durch halb Alvarania gereist und haben uns schließlich in den wilden Landen in einem alten leerstehenden Kastell niedergelassen…“ Das war eine schöne, harmlose Kurzfassung der Geschichte, und mehr brauchte sie ja nicht zu erfahren. Wenn sie noch Fragen hatte, konnte sie sie ihr ja stellen. Doch lieber ein anderes Mal, nicht heute, nicht hier, vielleicht, wenn Théro dabei war... „Geht es ihm gut?“ flüsterte sie. „Kann ich zu ihm?“ Neré legte ihr beschwichtigend die Hand auf die ihre. „Er muss sich erst einmal ausruhen… das ist wichtig, damit er wieder völlig gesund werden kann…“ Aenaeris nickte, doch sie war in einer derartig labilen Verfassung, dass ihr bald wieder die Tränen über die Wangen liefen. Beinahe mütterlich wischte die alte Frau sie mit ihren Daumen weg und Aenaeris hatte zum ersten Mal eine leise Ahnung, wie eine Mutter sich eigentlich verhielt, oder verhalten sollte. Dann fiel ihr ein. „Wo ist Abari?“ Die alte Frau schien nicht zu verstehen und blickte sie ein wenig verständnislos an. „Mein Pferd… Abari… was ist mit ihm? Théro hat es mir geschenkt… „ Sie fasste sich an die Hand „Théros Ring ist weg… sie haben ihn mir weggenommen…ich…“ Neré unterbrach sie „Ich werde mich um diese Dinge kümmern… ich werde fragen, wo Dein Pferd ist, und auch Deinen Ring sollst Du wiederbekommen…“ Sie nickte. „Du solltest ein wenig schlafen, Aenaeris…“ meinte sie. Aenaeris schien zu überlegen. Neré schien eine Frage zu erwarten „Ja?“ Aenaeris rang ein wenig mit sich, dann fragte sie leise „Besteht hier die Möglichkeit, ein Bad zu nehmen?“ Neré nickte. „Das ist gut…“ meinte Aenaeris. „Ich will mir dieses widerliche Gefühl abwaschen…“ flüsterte sie. „Es ist einige Türen weiter. Ich lasse Dich wissen, wenn es bereit steht.“ Dann verließ sie das Zimmer.

Als Neré das Zimmer verlassen hatte, warf sich Aenaeris bäuchlings auf das Bett. Sie wollte nicht schlafen, sie wollte einfach nur vergessen. Sie wollte zu Théro, doch das ging ja leider nicht. Manchmal glaubten die Menschen, wenn man krank war, oder verletzt, dass man einfach nur Ruhe brauchte, man sollte von niemandem gestört werden, doch Aenaeris glaubte, dass es gerade in solchen Situationen das Beste wäre, wenn man einfach bei einem geliebten Menschen war. Daraus konnte man wirklich Kraft schöpfen, anstatt seinen Gedanken ständig nachzuhängen und Kraft und Energie daran zu verschwenden, sich nach ihm zu verzehren. Sie wusste, oder vielmehr hoffte, dass Théro genauso dachte. Doch im Moment war ihr das wichtigste, zu baden. Und dann wollte sie, wann immer sich die Gelegenheit ergab, die Kräuterkundige des Clans aufsuchen. Aenaeris dachte bitter daran, als die Théro gebeten hatte, mit ihr zusammen zu seinem Clan zu reiten, und ihr seine Familie vorzustellen und Théro hatte heftig verneint und ihr diese Bitte verwehrt… und nun waren sie doch hier. Die Umstände waren ein wenig anders als sie sich die Situation früher ausgemalt hatte…und doch hatte es etwas unglaublich tröstliches, dass es Théros Mutter war, die bei ihr gewesen war, anstatt irgendeine Fremde… Sie musste wieder an das Tal denken und sie kämpfte gegen die Tränen. Dieses paradiesische Tal würde nun für immer mit diesen Erinnerungen verknüpft sein…

Wenige Zeit später erschien Neré und steckte ihren Kopf durch die Tür. „Der Badezuber steht bereit. Komm, ich bringe Dich runter.“ Sie wartete in der Türe, bis Aenaeris sich erhoben hatte. Neré warf einen Blick auf Aenaeris‘ Kleid, auf dessen Brust dunkle Blutflecken waren. „Ich habe Dir ein anderes Kleid zurechtgelegt… vielleicht möchtest Du es einstweilen anziehen, dann können wir Deines waschen lassen…“ Aenaeris nickte. Dann gingen sie zusammen herüber. „Ruf nach mir, wenn Du Hilfe brauchst, ich bin in der Nähe…“ sagte Neré und ließ sie dann alleine. Aenaeris sah sie in dem Raum um. Der Steinboden war kalt, als sie aus den Schuhen schlüpfte, und sie roch den würzigen Geruch des nachgedunkelten Kiefernholzes, aus dem die Vertäfelung an der Steinmauer des Baderaums bestand. Sie öffnete die Schnürung ihres Kleides und zog es sich dann über ihren Kopf und ließ es zu Boden fallen. Sie betrachtete ihr naturfarbenes dünnes Unterkleid auf dem die Blutstropfen durchgesickert waren und nun als braune Flecken wie Erinnerungsmale auf dem dünnen Stoff prangten. Sie zog auch das Unterkleid aus, es glitt zu dem roten Kleid. Aenaeris sah auf ihren nackten Körper herab. An ihm sah man keinerlei Spuren, die Drecksäcke hatten sich auf das wesentliche konzentriert, und das konnte man von außen nicht erkennen. Würde man zwischen ihren Beinen genau hinsehen, konnte man sicherlich Schürfungen erkennen, doch diese würden bald verheilt sein und dann blieben nur noch die Verletzungen auf der Seele zurück. Langsam stieg sie in das Badewasser. Es war ein wenig zu heiß, aber sie ertrug es, bis sie sich daran gewöhnt hatte. Als sie ein junges Mädchen war und von ihren religiös besessenen und überaus ehrgeizigen Eltern geschlagen wurde, konnte sie sich damals nicht vorstellen, dass sie damit je weiterleben konnte. Doch der menschliche Geist war ein wahrhaftes Wunder. Er konnte, so er gesund war, so vieles überdecken, vergessen, verblassen lassen, schöne Erinnerungen ebenso wie die unschönen. Man vergaß zwar einiges nicht, doch die Zeit half dabei, vieles als nicht mehr so schlimm zu erachten. Es würde einige Zeit brauchen, und vielleicht würde Aenaeris nie wieder dieselbe sein, das konnte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen, doch es würde besser werden, dies hatten sie ihre Erfahrungen gelehrt. Und sie hatte ja noch Théro. Ganz bestimmt würde er ihr darüber hinweg helfen, und wenn er nur da war… Aenaeris nahm die Seife und schrubbte sich den Körper ab… immer und immer wieder, bis sie das Gefühl hatte, sie war wieder sauber. Sie wusch sich noch das Haar und stieg dann aus dem Zuber. Sie trocknete sich mit einem Leinentuch ab und nahm dann das vorbereitete Kleid. Es war dunkelgrün und ärmellos, und bodenlang, und ganz im Stil der wilden Menschen. Ein naturfarbenes langärmeliges Unterkleid aus feinerem Leinen mit Zierborten an sämtlichen Säumen ergänzte das dunkelgrüne. Aenaeris sah in diesen Kleidern ungewohnt und zusammen mit dem offenen Haar ganz anders aus. Sie trat aus dem Baderaum und ging in ihren Raum. Das heiße Wasser hatte sie nun doch müde gemacht. Vielleicht war es ganz gut, jetzt einfach nur zu schlafen. Sie begegnete Neré auf dem Gang, und diese fragte sie, ob sie etwas essen wollte. Dankend schüttelte sie den Kopf. Sie wollte jetzt eigentlich nur ihre Ruhe haben und alleine sein, wenn sie schon nicht zu Théro durfte.

In Ihrem Zimmer warf sie sich auf das Bett und schloss die Augen und versuchte an nichts zu denken. Und doch tauchten die Bilder immer wieder in ihrem Kopf auf, bis sie eingeschlafen war. Sie schlief tief und fest und traumlos… und das war gut so. Als sie wieder erwachte, war es bereits nach Mittag, sie hatte vom späten Nachmittag des Vorabends bis jetzt geschlafen. Doch sie fühlte sich nicht erholt, im Gegenteil, je länger sie oft schlief, desto müder und ausgelaugter fühlte sie sich. Sie stand auf und verließ das Zimmer. Sie hatte genug. Sie wollte zu Théro, und das sofort. Sie suchte die alte Frau und fand sie schließlich auch. “Ich möchte bitte zu Théro. Jetzt.“ Sie nickte und wies sie an, mitzukommen. Sie verließen das Haus und gingen in das Haus nebenan, das ein Lazarett zu sein schien. Es erinnerte sie ein wenig an das Lazarett im Tempel, nur dass es hier keinen Bader namens Reyar gab. Jedenfalls war der Geruch der hier vorherrschte, nicht viel anders. Ihr Herz klopfte, als sie das eigentliche Krankenzimmer betraten. Théros Kopf hatte sich schon zur Türe gedreht, als diese geöffnet wurde und so trafen sich ihre Blicke für einen Moment. Sie wusste nicht, wie sie reagieren sollte, und so tat sie, was sie immer tat, was ihr schon von Klein auf eingebläut wurde, im Zweifelsfall sollte sie die Augen senken. Hinter ihr schob sich Neré in das Zimmer und so standen die zwei Frauen für einen Moment schweigend da, während Théro sie fixierte. Es war ein höchst unangenehmes Schweigen und Aenaeris rührte sich keinen Zoll und stand mit gesenktem Blick einfach nur da. Neré räusperte sich. „Ihr wollt sicher einen Moment alleine sein…“ meinte sie, warf ihrem Sohn noch einen vielsagenden Blick zu und schob sich dann wieder aus der Türe und schloss diese sachte. Aenaeris ging langsam zu Théros Bett und kniete sich zu ihm. Sie sah ihn an, ließ ihre Blicke über den Verband an der Wange huschen, hinüber zu seinem blonden Haar, das vor Blut verklebt und strähnig war, ihr Blick glitt weiter zu dem Verband um seinen Bauch, unter dem sich die Verletzung durch den Hirsch verbarg, doch sie konnte ihm nicht in die Augen sehen. Er wusste genau, was passiert war, und sie fühlte sich elend und furchtbar, weil er es wusste, und sie schämte sich so sehr, selbst vor ihm…Sie schob lediglich ihre Hand in die seine und drückte sie. Sie war so vertraut warm und groß und schwer, es tat so gut sie zu halten. Aenaeris überlegte fieberhaft, was sie sagen sollte… doch es gab nichts, was sie sagen wollte, ihr fiel einfach nichts ein, was in diesem Moment passend wäre. Doch nach einigen Momenten des Schweigens ließ sie ihrem Herzen einfach freien Lauf, manchmal musste man nicht darüber grübeln, was man sagen sollte, sondern sollte einfach aussprechen, was einem ohnehin auf der Zunge lag. „Es tut so gut, Dich zu sehen… geht es Dir gut…?“ Sie sah ihm für einen Moment doch in die Augen, die allerdings so vielsagend blickten, dass sie es nicht ertrug und den Blick wieder senkte.
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Thėro Schattenmal » Di, 04. Sep 2012 17:12

Der Nordmann zerbrach innerlich, als er sah wie geknickt und beschämt sie hereinkam. Sein Blick kreuzte kurz den seiner Mutter und er nickte leicht, ehe er sich wieder auf Aenaeris richtete. Er musste fast würgen, bei dem Gedanken was diese Scheißkerle mit ihr angestellt hatten und erneut keimte Wut in ihm auf. Er würde sie am liebsten noch einmal töten, sie so grausam verstümmeln das ihr restliches Leben nur noch von Schmerzen verfolgt war. Er wollte sie zerreissen, bei lebendig Leib verbrennen sehen, wollte ihr Leben derart grausam... Die Gedanken verschwanden schlagartig, als er ihre sanfte Hand auf der seinen spürte und merkte das sie neben ihm kniete. Vergebens suchte er einen Moment nach ihrem Blick, es war so demütigend für sie. Seufzend schloss er die Augen und lehnte den Kopf etwas zurück. Er wusste was sie mit ihr angestellt hatten, wusste das es nicht ihre Schuld war. Trotzdem richtete sich Ekel und Wut wieder in ihm auf und hämmerte an seinen Kopf. Was sollte er nur tun, jetzt wo er sie wiederhatte? Er war unbesonnen gewesen, einfach direkt in seinen Clan gerannt... Getrieben von Rache, Wut und Verzweiflung. Aber nun waren diese Gefühle ziellos, er hatte nichts mehr auf das er sie richten konnte und so wandte sich ein kleiner Teil gegen Aenaeris. Wie konnte ihr nur so etwas passieren, sie war doch sonst so vorsichtig und klug gewesen und warum hatte sie nicht das Feuer genutzt? Er schluckte laut und öffnete wieder die Augen, ihm fehlten die richtigen Worte und das unangenehme Schweigen nahm kein Ende. Es dauerte gefühlte Stunden, bis er sich dazu aufraffte ihr zu antworten. Er räusperte sich heise und versuchte die gefühle aus der sowieso kraftlosen Stimme auszusperren, "Nur ein.. Kratzer." Seine Finger schlossen sich fester um ihre Hand und es kam Bewegung in seinen Körper. Schmerzhaft zischend richtete er sich etwas auf und lehnte den Kopf gegen die kühle Wand hinter sich. Dann zog er die Priesterin hoch und aufs Bett. Vergebens suchte er erneut nach ihrem Blick, löste sich von ihrer Hand und strich vorsichtig über ihre Wange. Er strich über ihren Hals und unterdrückte das bösartige kleine Flüstern, welches ihm riet einfach zuzudrücken. Was wenn sie nun ein Kind bekommen würde... Er wüsste nicht ob er sie jemals wieder ansehen könnte. Seine Hand glitt sanft an ihrer Seite entlang und er versuchte zu lächeln, "Es... wird alles wieder gut... Ich bin jetzt hier und werde dich nicht mehr aus den Augen lassen, Kleine."

Die alte Schamanin kam herein und kümmerte sich um den Jäger. Sie wechselte den Verband und plauderte ungeachtet ihrer Gegenwart einfach munter drauf los. Théro war froh, das das Schweigen somit wenigstens gebrochen war und sah Aenaeris an. Er sah ihren Zustand, auch wenn sie ihn nicht so sehr zeigen wollte und sie tat ihm auf einmal unendlich Leid. Nicht im geringsten konnte er erahnen, was sie durchgemacht haben muss. Eigentlich würde er sie am liebsten in den Arm nehmen und küssen, wollte das es so war wie immer... Aber das war es nun nicht mehr. Es würde Zeit brauchen bis diese Sache verheilt und vergessen war. Seine Augen strichen matt an ihren Körper herab und sein Blick senkte sich auf den Boden. Kurz fielen ihm die Augen zu, ehe er sich leicht schüttelte, "Tyn... Ich wollte doch etwas zu essen..." Die alte Frau drehte sich etwas überrascht zu ihm herum und winkte dann mit dem Finger, "Nein es gibt kein Fleisch für dich... Du schläfst erst noch einmal bis morgen durch und vielleicht kriegst du dann etwas von meinem Brei." Etwas gewohnheitsmäßig guckte der Nordmann erst leicht geschockt und verdrehte dann angewidert die Augen. Er mochte nicht viel ohne Fleisch, aber Tyn's berühmter Wurzelbrei war da eine ganz besondere Sache. Er schmeckte schlichtweg einfach überhaupt nicht, höchstens nach Holz. Sein Blick richtete sich wieder auf die junge Frau vor ihm und er legte seine Hand auf ihre Wange, "Nun sind wir doch hier... Ich wünschte es wäre nicht so." Diesmal ging es ihm aber nicht um den Clan, sondern darum was sie hierher geführt hatte. Sein Daumen strich vorsichtig über ihre Lippen und er zog sie zu sich herunter. Dann hauchte er ihr leise ins Ohr, "Niemand hier darf wissen was ich bin... Sie wissen was ich geworden bin, aber wenn dich jemand fragt... Habe ich den Fluch gebrochen." Seine Stimme wandelte sich ins todernste und man hörte heraus das es hier nicht nur um eine einfache Lüge ging. Davon hing seine Zukunft ab, wenn bekannt wurde das er als Verbannter kam und als Besudelter... Als der Träger des Schattenmals und der Bestie, würden sie ihn aufs Schafott bringen und Aenaeris wahrscheinlich gleich mit. Nicht einmal sein Vater würde dann helfen können. Er blinzelte müde mit den Augen und drehte ihr Gesicht leicht, sodass sich ihre Blicke endlich kreuzten. Dann gab er ihr einen kleinen Kuss und ließ sich wieder zurücksinken. Mehr brachte er einfach nicht über sich und ihm wurde leicht übel, wenn er daran dachte das Heran sie vielleicht auch geküsst hatte. "Du solltest gehen... Ich brauche etwas Ruhe, ich bin tagelang durchgerannt um dich einzuholen..." Er ließ keine Gegenworte zu und sah ihr dann seufzend nach.

Erneut plagten ihn Alpträume, aber nicht ganz so schlimme. Womit hatte er all das verdient? Weil er etwas Glück haben wollte... Er hatte eine Heimat gehabt, eine wunderbare Frau und natürlich musste so etwas passieren. Seine Gedanken wanderten zu den Göttern und er fragte sich nun doch eindeutig ob dies alles ihr Plan sein sollte. Wollten sie damit bezwecken das er sich wieder unter die Herrschaft der Bestie stellte? Wollten sie, das er zu dem wurde was er so sehr unterdrückte und bekämpfte? Vielleicht war das ja sein Schicksal, eine mordende Bestie zu sein die nur Tod übers Land brachte. Er erwachte schweißgebadet am späten Abend und wälzte sich leicht herum. Seine Wunden schmerzten und zogen sich durch seinen gesamten Körper, sodass er sich schließlich wieder zwang still zu liegen. Dann sah er das jemand neben seinem Bett stand und blickte etwas höher in das Gesicht des jungen Wachmanns. "Du bist wach... Es gibt schlechte Neuigkeiten." Théro legte den Kopf etwas schief und sah ihn fragend an, "Was ist los Caldric?" Der Lederpanzer mit dem dünnen Kettengeflecht klirrte und knirschte leise, als selbiger sich unruhig bewegte und etwas herumdruckste, "Naja... Heran und Rackor hatten Familie... Brüder, Väter. Du verstehst, das sie dir Blutrache geschworen haben. Sie haben eine Fehde mit deiner Familie angefangen. Keine Angst, die Regeln verbieten es das sie dich innerhalb des Clans angreifen. Aber ihr solltet draussen vorsichtig sein, besonders deine Kleine..." Der Nordmann schloss kurz die Augen und seufzte auf, "Kümmere dich um sie... Zeig ihr den Clan, erklär ihr die Tradition, Rituale und alles was sie wissen will. Beschütz ihr Leben, sie ist alles was ich habe." Etwas Stolz blitzte in den Augen des jungen Wachmanns auf. Er hatte seinen Wachdienst fürs erste unterbrochen, die Schichten getauscht nur ihm helfen zu können. Sicherlich gab es noch ein, oder zwei mehr aus dem Trupp der unter ihm gedient hatte. Vielleicht hatten sie von ihm gehört, zogen es aber vor sich zurückzuhalten bis er genesen war. Vielleicht wussten sie aber auch von der Fehde. Er war ihr Anführer gewesen und was er ihnen eingebläut hatte, war das nichts stärker war als ein überraschender Verbündeter. Eine Gegebenheit die niemand erwartete, oder sonst etwas. Die Schritte wurden leiser und die Tür öffnete sich, "Caldric?" "Ja?" "Danke... Für all das." Er bemerkte das stumme Lächeln nicht mehr, sondern schloss müde wieder die Augen.

Sein Schlaf wurde von Stunde zu Stunde ruhiger. Sein Blut regenerierte ihn und seine angeschlagene Verfassung und gleichzeitig spülte es ein paar der zu starken Gefühle weg. Mit Sicherheit war es um Vollmond gewesen, oder die Sorge um Aenaeris hatte etwas ähnliches in ihm ausgelöst. Es war Mittagszeit und er verdrückte, mit sehr unglücklichem Gesicht, gerade die vierte Portion von Tyn's Wurzelbrei. Die Tür öffnete sich und sein Vater kam mit Aenaeris herein. Bevor sie sich schloss, erhaschte er einen Blick auf Caldric und musste schmunzeln. Er war lange nicht da gewesen, aber bei den Alten, der Junge verstand etwas vom bewachen. Sein Blick richtete sich kauend auf seinen Vater und er nickte ihm leicht zu, "Du hast es schon gehört?" Théro schluckte herunter und nickte langsam, "Ja. Sollen sie kommen, ich werde sie alle bluten lassen für ihre Dämlichkeit." Dann legte sich sein Blick etwas unruhig auf die Arcanierin und er griff nach ihrer Hand, drückte sie leicht. Er hoffte das sie etwas abgelenkt war, vielleicht sogar besser gelaunt, und versuchte ein wenig zu lächeln. Sein Vater schmunzelte kurz, als er sich in ihm wiedererkannte. Auch er hatte diesen Blick gehabt, als er Neré zum ersten Mal gesehen hatte. Still zog er sich zurück und ließ die beiden wieder alleine. "Red mit mir... Ich will dir helfen." murmelte er leise und strich über ihren Arm.
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ich meine Gefühle abschaff.
Unterdrück am Tag noch den Hass,
bis ich ihn am Morgen rauslass."
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » Di, 04. Sep 2012 21:54

Aenaeris spürte instinktiv, was Théro dachte, und sie hatte das Gefühl, dass sie laut aufschreien und ihrer ganzen Verzweiflung Ausdruck verleihen wollte. Wie er sie ansah, wie er distanziert mit ihr sprach…wenn er überhaupt etwas sprach… dieses Schweigen war lähmend... es war doch irgendwie an ihm, dieses Schweigen zu brechen, und er tat es nicht. Schlimmer noch, sie hatte das untrügliche Gefühl, als würde es ihn ekeln. Sie ekelte sich schon selbst vor sich, doch es war etwas gänzlich anderes, wenn Théro dies tat. Für sie hatte es beinahe den Anschein, als tat er, als wäre es ihre Schuld, als hätte sie sich diesen Männern an den Hals geworfen. Sie war tief traurig, als er sie wegschickte, doch gleichzeitig war sie auch erleichtert. Vielleicht war es noch zu früh, sich so zu begegnen… Sie verließ das Lazarett und blieb vor der geschlossenen Tür kurz stehen und überlegte kurz, was sie nun tun sollte. Dann ging sie entschlossen zu der Kräuterfrau… Tyn… oder wie sie hieß…. Aenaeris wusste nicht wie sie beginnen sollte, deswegen sprach sie gerade heraus. „Ich brauche Eure Hilfe, gute Frau…“ begann sie und biss sich auf die Lippe, als die Alte sie erwartungsvoll ansah. „Habt ihr Mutterkorn oder dergleichen?“ Aenaeris wusste nicht, wie der alte Glauben dies vereinbarte, war es in Arcanis doch eine Todsünde. Die Kräuterfrau blickte sie ernst an. „Ich weiß nicht, ob ich Euch richtig verstehe…“ „Ich denke schon, dass ihr mich versteht…“ erwiderte Aenaeris, vielleicht ein wenig trotziger als sie vorhatte. „Wir haben hier mit solchen Angelegenheiten eher weniger zu tun, denn hier wird jedes entstehende Leben geschätzt…“ Aenaeris stieg innerlich der Zorn hoch. Sie wusste doch auch, was passiert war, vermutlich jeder im Clan wusste es, wieso war sie nur so eigenartig? „Ihr wisst, was mir widerfahren ist, und ich muss jedes Risiko ausschließen. Ich selbst war eine Tempelpriesterin in Arcanis, und mir sind die Lehren bekannt, dass auch ungeborenes Leben Leben ist. Und doch besaßen wir die Güte, jenen Frauen zu helfen, die bei uns um Hilfe angesucht haben, die schon alleine nicht überleben konnten, geschweige denn mit einem Säugling, besonders dann wenn ihnen Gewalt angetan wurde. Und wenn ihr mir nicht helfen wollt, dann finde ich andere Wege… “ Die Kräuterfrau schwieg. Aenaeris sah sie flehend an „Bitte… ich verliere ihn, wenn ich nun in anderen Umständen bin…“ Tyn seufzte. „Es ist Dein Glauben mit dem Du das vereinbaren musst, nicht meiner… und es ist Dein Leben…“ Sie deutete Aenaeris, mit ihr mitzukommen in ihr Kräuterkämmerlein. Als sie die Kräuterstube betraten, schwall Aenaeris der Duft von vielen verschiedenen Substanzen entgegen. Sie waren hier nicht so gut ausgestattet wie in der Kräuterstube im ehemaligen Tempel von Arcanis, doch hier in den wilden Landen war es mit Sicherheit schwerer, an diverse Kräuter, Mixturen und Essenzen zu kommen. Tyn schlurfte an eine verschlossene Truhe. Sie holte einen Schlüssel hervor, der an einer Kette unter ihrem Kleid baumelte und schloss die Truhe auf. Es war nicht viel darin, doch der Inhalt durfte vielsagend sein. „Was bewahrt ihr hier drin auf?“ fragte Aenaeris neugierig. „Das sind die hochgiftigen und gefährlichen Substanzen… schwere Opiate, Rauschmittel, Gifte… und das hier… das ist für Dich…“ Dabei hielt sie ein kleines Glas mit schwarzen Körnern vor Aenaeris‘ Gesicht. Sie nahm ihren Mörser, schüttete nach Gefühl eine kleine Menge hinein und stampfte diese mit dem Stößel, bis es ein feines Pulver ergab. „Die Menge müsste ausreichen. Doch ich warne Dich… ich bin ausdrücklich dagegen… Du bist so ein zartes Geschöpf, wenn es zu viel der Dosis ist, kann es für Dich schwerwiegende Folgen haben, wenn nicht gar den Tod…“ Aenaeris blickte düster drein „Ich habe nichts zu verlieren…“ Tyn zuckte die Schultern. Sie nahm ein kleines Stückchen Pergamentpapier, schüttete das Pulver darauf und faltete das Papier zu einem kleinen verschlossenen Briefchen zusammen. „Du kannst es Dir ins Essen mischen, oder in ein Glas Wasser mischen. „Ich danke Euch Tyn… ich schulde Euch was…“ Die alte Frau winkte ab. „Bedanke Dich, wenn Du morgen noch am Leben bist!“ Aenaeris nickte und verließ die Kräuterstube.

Beim verlassen des Flügels stieß sie beinahe mit Caldric, dem jungen Wachmann zusammen. Es ließ sich schwer einschätzen, wie alt er war, möglicherweise war er so alt wie Aenaeris. „Kommt ihr mit mir mit?“ fragte er und verneigte sich leicht. „Ich habe Anweisung, auf Euch achtzugeben“ sagte er mit ein wenig Stolz in der Stimme. Aenaeris wich ihm aus. „Ich weiß das zu schätzen… doch ich habe noch schnell eine dringende Angelegenheit zu erledigen… wartet doch vor meinem Zimmer…“ Caldric nickte und folgte ihr, als sie im Eilschritt zu ihrem Zimmer lief. Dort angekommen, zog sie das Papierbriefchen hervor, schüttete den grauen Inhalt in einen Becher und goss ihn mit Wasser auf. Dann rührte sie um, schickte ein eiliges Stoßgebet zu den Göttern und leerte den Becher in einem Zug. Es schmeckte leicht mehlig, doch sonst war es geschmacksneutral. Sie wischte sich mit dem Handrücken den Mund ab, und trat dann vor die Türe. „Gibt es irgendetwas, das ihr wissen oder sehen möchtet?“ „Ich würde gerne auf „Du“ wechseln, es ist mir ein wenig unangenehm, mit „Ihr“ angesprochen zu werden“ gab Aenaeris zu und eine leichte Röte huschte über ihr Gesicht und Caldric grinste. „Du könntest mir den Clan zeigen, und was es so darüber zu wissen gibt.“ Sie gingen durch das Dorf spazieren, und er zeigte ihr einfach alles, angefangen von dem Brunnen der in der Mitte stand, die Verteidigungsanlagen, die Holzpalisaden, wer sie errichtet hatte, aus welchem Holz sie bestanden, dann zeigte er ihr die Häuser, und erzählte wer darin wohnte, zählte den Stammbaum der Fürsten auf, erklärte ihr Brauchtümer, Rituale und alles über die alten Götter. „Ich mag die wilden Lande“ meinte Aenaeris zu ihm. „Alles ist hier so ehrlich, gerade heraus, und unkompliziert. In Arcanis ist alles verlogen, jeder denkt nur an sich und unsere Gottheiten und deren Lehren werden von den Machthabern verdreht, wie sie es gerade brauchen und interpretieren…ich war einst eine überzeugte und demütige Dienerin der Geschwister. Doch sie haben mich schwer enttäuscht, so bin ich von diesem Glauben abgefallen… Théro hat mir viel vom alten Glauben erzählt, und ich finde, er ist wesentlich authentischer und besser als viele anderen Gottheiten, die verehrt werden…“ Ihr fiel auf, dass sie schon lange nicht mehr Stolz im Herzen empfand, wenn sie von Arcanis sprach, und dass die Geschwister schon lange nicht mehr ihre Götter waren, und sie Arcanis schon längst nicht mehr als Heimat betrachtete Sie hatte überhaupt kein Interesse mehr, jemals wieder zurück zu kehren. Die Wilden Lande waren nun ihr zuhause. Es war so, wie die Caldric erzählt hatte. Die Zeit verging wie im Flug und dank Caldrics munteren Erzählungen empfand Aenaeris in diesen wenigen Stunden so etwas wie Freude und Unbeschwertheit. Es hatte schon gedämmert, und sie hatten zusammen in der Methalle ein kleines Nachtmahl eingenommen, als Aenaeris plötzlich ein seltsames Gefühl empfand. Es waren leichte, krampfartige Schmerzen, die mit einem leichten ziehen im Rücken begannen und sich schnell bis in den Bauchraum ausweiteten. Sie wurde blass und sprang auf. „Es tut mir Leid, Caldric, ich muss gehen…“ Dann lief sie leicht gebeugt aus der Methalle, Caldrics Proteste ignorierend und den Weg hinauf zu den Quartieren.

Als sie am Haus angekommen war, stützte sie sich mit einer Hand an der Hauswand ab, weil sie nicht mehr konnte. Sie rang um Atem und keuchte, die Krämpfe machten es ihr mittlerweile unmöglich, aufrecht zu stehen oder frei zu atmen. Mühsam schleppte sie sich in ihr Zimmer und sie war froh, dass sie niemandem begegnet war. Sie stützte sich am Waschtisch ab, und versuchte ruhig zu atmen, doch die Schmerzen ließen sie immer wieder zusammensacken. Dann spürte sie, wie es schwallartig und warm zwischen und an ihren Beinen hinunterlief. Sie raffte mühsam mit einer Hand ihre Röcke hoch und sah das dunkelrote Blut, während sie geschockt versuchte, ruhig weiter zu atmen. Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Sich aufs Bett zu legen, so gerne sie dies getan hätte, schien ihr undenkbar, sie hätte alles mit dem Blut besudelt, deswegen ließ sie sich auf den Steinboden nieder, auch wenn dieser kalt war, so ohne Röcke. Ihr wurde rasend heiß und ihre Augen flackerten und kurz darauf wurde ihr schwarz vor Augen und sie verlor das Bewusstsein. Als sie wieder erwachte, lag der Clan in tiefem Schlaf, und es musste mitten in der Nacht sein. Sie spürte keine Schmerzen mehr, also schlussfolgerte sie, dass es vorbei sein musste. Sie fror und ihre Beine waren so kalt wie der Steinboden. Mit einem Tuch, das sie in der Waschschüssel tränkte, säuberte sie sich vom Blut und machte sich dann daran, den Boden aufzuwischen. Den blutigen Fetzen warf sie in den Kamin. Nach einem kurzen Anflug der Verzweiflung, wann dieser Wahnsinn sich endlich zum besseren wenden würde, beruhigte sie sich wieder, schwor sich, dass sich nun alles allmählich wieder in Wohlgefallen wenden würde und dann legte sie sich schließlich auf das Bett, kauerte sich unter der Decke zusammen, und schlief bald wieder ein.

Am nächsten Tag schlief sie lange. Es war kurz vor Mittag, als sie aufstand. Sie wusch sich in der Waschschüssel und war froh, dass sie ihr Gesicht nicht sehen konnte. Geblutet hatte sie nicht mehr und sie war zufrieden und ein wenig guter Dinge. Sie würde nie erfahren, ob sie schwanger gewesen wäre, oder nicht, dieses Problem hatte sich in Wohlgefallen aufgelöst. Als sie die Tür öffnete, erschrak sie. Natürlich stand Caldric davor und insgeheim tat es ihr Leid um ihn, dass sie solange geschlafen hatte. Sie wusste ja nicht, wie lange er schon vor der Türe stand. Er wollte sie zu Théro bringen. Als sie zu dem anderen Haus gingen, schloss sich ihnen Théros Vater an. In so einem Clan war man wahrlich selten alleine, hatte sie den Eindruck. Als sie das Krankenzimmer im Lazarett betraten, beschlich sie wieder ein beklommenes Gefühl. Warum konnte sie bei anderen Menschen unbeschwerter sein, als bei Théro? Sein Vater zog sich nach einigen Worten die er mit Théro gewechselt hatte, bald zurück und dann waren die beiden allein… wenn man den verletzten Jäger nicht mit einbezog… Théro nahm ihre Hand, zog sie ans Bett und sie setzte sich zu ihm. „Rede mit mir… ich will Dir helfen…“ meinte er und strich ihr dabei über ihren Arm. Aenaeris blickte ihm in die Augen und sagte leise „Du glaubst, es ist meine Schuld, nicht wahr? Du denkst, ich habe mich nicht gewehrt, und ich hätte es verhindern können oder? Ich kann es in Deinen Augen erkennen…“ Théro schwieg und das war ihr Antwort genug. „Du sollst erfahren, was sich zugetragen hat…“ Sie atmete tief ein und aus und begann dann.

„Ich wurde vom Unwetter überrascht, bestimmt hast Du es auch bemerkt… ich ging dann mit Abari in den Wald, und habe ein Feuer angemacht. Das Unwetter wollte und wollte nicht enden und so habe ich begonnen mich zu langweilen. Ich habe dann meditiert, wollte ein wenig üben… als ich mitten in der Meditation war, stand plötzlich einer der beiden vor mir. Sie waren wohl gerade in der Nähe und haben den Rauch des Feuers bemerkt und sind hergekommen. Sie beschimpften mich als Hexe und haben dann begonnen die Satteltaschen nach wertvollem zu durchsuchen. Als sie nichts fanden, haben sie mir meinen Dolch und den... deinen Ring…abgenommen. Ich hatte Abari nicht angebunden und dachte, wenn ich nur schnell genug bei ihm wäre und auf ihn spränge, könnte ich ihnen davonpreschen.“ Sie senkte ihren Kopf „Das hat leider nicht funktioniert, Rackor sprang mir nach und riss mich zurück, dass ich stürzte und am Rücken lag. Als Heran auf mich zukam, habe ich ihn getreten, zwischen seine Beine… ich konnte noch ein brennendes Holzscheit aus dem Feuer ziehen, leider hab ich ihn damit im Gesicht kaum erwischt… er zog sich zurück und dann kam Rackor. Er schlug mir ins Gesicht, warnte mich, dass ich mich erst gar nicht zu wehren brauche, dann zog er mir die Röcke hoch und er seine Hose herunter. Dann habe ich ihm sein Gesicht zerkratzt, er schlug mich erneut und hielt meine Hände eisern fest. Dann kam noch Heran und hielt mir einen Dolch an den Hals. Er meinte wenn ich noch einen Mucks mache oder eine Dummheit, würde er mir die Kehle durchschneiden. Dann drang Rackor in mich ein. Es schmerzte furchtbar und ich hab geschrien, dann schlug mich Herlan erneut… als Rackor fertig war, kam noch Herlan an die Reihe… Dann haben sie mir die Hände am Rücken gefesselt und mich mitgenommen. Unterwegs, als sie pausierten, hat Rackor mich noch einmal genommen…“ Sie ersparte ihm die Details, dass er sich widerwärtig benommen hatte in seiner Trunkenheit, als wäre er ihr Liebhaber und dass sie ihn absichtlich provozierte, um ihn in seinem Stolz zu treffen, damit er damit aufhörte… er war tot und Théro hatte nichts mehr von diesem Wissen… Sie sah wieder hoch zu ihm und sah ihm ruhig in die Augen. „Das ist alles, was ich Dir darüber erzählen kann. Du brauchst keine Befürchtung haben, dass ich von einem der beiden schwanger werden könnte… ich habe schon etwas vorsichtshalber dagegen unternommen…“ Sie schloss die Augen und dachte kurz an die Schmerzen von gestern Abend, doch gleichzeitig war sie froh, dass es vorbei war. Dann öffnete sie wieder die Augen und sagte „Ich habe den Entschluss gefasst, dass ich nicht mehr darüber reden möchte. Ich werde nicht mehr deswegen weinen und ich werde mich zusammenreißen und stark sein. Ich will nur, dass Du anerkennst, dass es nicht meine Schuld war, dass Du mir ein wenig Zeit gibst, dass sich nichts zwischen uns ändern wird und dass Du für mich da bist und mich nicht mehr wegschickst, wenn ich Dich brauche, denn das tue ich, mehr als alles andere auf der Welt…“
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Thėro Schattenmal » Mi, 05. Sep 2012 18:32

Der Nordmann zuckte leicht zusammen und erwidert nur kurz, am Anfang ihrer Geschichte, den Blick. Dann senkte er die Augen und stellte die leere Holzschele neben sich auf den kleinen Tisch. Er schluckte leicht, eigentlich wollte er das alles gar nicht hören. Er könnte sich dafür schlagen das er nachgefragt hatte, bisher hatte er keine Details erkannt und nun legte sie ihm genau offen wie alles geschehen war. Er schluckte laut und starrte die Felldecke mit glasigen Augen an, während sie erzählte wie die beiden sie vergewaltigt hatten. Die Wut, die in ihm aufkeimte wurde direkt wieder zunichte gemacht als er daran dachte das er die Männer bereits bestraft hatte. Trotzdem schwelte sie weiter, aber als sich ihre Blicke kurz kreuzten und sie so seltsam ruhig wirkte in Anbetracht der geschehenen Dinge... Wurde sie hinfort geschwemmt von Scham, Trauer und auch Schmerz. Er war einfach zu dumm gewesen, er hätte sie gar nicht erst alleine fortziehen lassen sollen. Sie konnte sich ja nicht einmal gegen jemanden wehren, sie konnte weder eine Waffe benutzen noch richtig zaubern. Vielleicht hätte er sie damals im Wald beißen sollen... Dann wäre sie nun wie er und hätte diese beiden Schweine einfach unter ihren Klauen zerissen und zerfetzt. All dies hier wäre niemals geschehen und sie wären nun nicht hier, mitten in seinem Clan. Théro kaute unruhig auf seiner Unterlippe herum und starrte wieder auf die Decke. Sie hatte also etwas gegen die Schwangerschaft genommen, vielleicht war es besser so. Immerhin war so eine Sorge verschwunden, auch wenn noch viele übrig blieben. Er hustete rau und sah ihr dann doch wieder in die Augen, "Ich gebe dir keine Schuld... Ich... Es ist nur so schwierig für mich... Ich hab so viele Gefühle in mir, ich wünschte ich könnte Herlan und Rackor noch einmal töten. Langsamer und qualvoller, es ging viel zu schnell... Ich brauche einfach etwas Zeit um damit zurechtzukommen." Insgeheim fragte er sich warum die Götter ihn immer und immer wieder so sehr bestraften oder antrieben. Es schien ihm fast als stand ihre Beziehung unter keinem guten Stern. Traurig lächelte er Aenaeris an, "Wenn überhaupt war es meine Schuld... Ich weiß doch das du immer in irgendwas reingerätst, wenn ich dich alleine lasse. Es tut mir Leid, so sehr... Ich wünschte ich wäre früher da gewesen, oder mitgekommen."

Seine Hand umschloss die ihre fester und er zog sie neben sich in das Bett. Er zögerte kurz, ehe er sie in den Arm nahm und ihr sacht durchs Haar fuhr. Es tat so unendlich gut sie neben sich zu spüren, ihren Körper an seinem, und ihre Wärme und Nähe zu genießen. Aber trotzdem nagte es gleichzeitig an ihm, was ihr angetan wurde und sein Hass keimte kurz wieder auf, sodass er sie am liebsten vom Bett gestoßen hätte. Er hatte die Augen geschlossen, sie sollte es nicht wieder sehen, und öffnete sie erst als die dunklen Gedanken vorbeigezogen waren. Leicht zuckte er zusammen, als er ihren Kopf an seiner Schulter spürte und sah an sich herab. Er war wirklich am Ende gewesen, hatte sich viel zu sehr angestrengt und gekämpft wie ein Bär. Trotz all dieser Anstrengung war er zu spät gekommen, viel zu spät, nach drei Malen. Seine Hand strich das Haar entlang und über ihren Rücken. Vielleicht war es ganz gut, das sie etwas gegen die Schwangerschaft getan hat. Er war sich ziemlich sicher, das sie in nächster Zeit erstmal nicht mehr das Bett teilen würden. Leider musste er sich genauso eingestehen, das er froh darüber war. Théro wusste nicht wie er darauf reagieren würde, es war alles noch viel zu früh und frisch und er musste immer an diese Drecksäcke denken, wenn er sie ansah. Sein Blick folgte kurz Tyn, als sie an ihm vorbeiging, und er seufzte leise auf. Mit mäßigem Erfolg versuchte er all das auszublenden und sich einfach nur auf die junge Frau zu konzentrieren. Dann strich seine Hand über ihr Kinn, hob ihren Kopf ein wenig an und seine Lippen legten sich auf ihre. Es fühlte sich gut an, es war so lange her das er ihre Lippen richtig geschmeckt hatte und er küsste sie liebevoll. Es lenkte ihn ab und so genoss er die Zeit, die sie neben ihm lag und er sie küssen konnte. Er war schon wieder müde, unendlich müde. Vor allem aber viel zu Müde, für seine Verfassung. Er wendete sich kurz ab und sah zu der Schüssel mit dem Wurzelbrei. Leise fluchte er dann vor sich hin, die Alte mischte ihren schlimmsten Patienten doch immer etwas Schlafwurz oder Traumstab in den Brei. Sein Blick ging wieder zu Aenaeris und er küsste sie noch einmal schläfrig, ehe sein Kopf leicht zur Seite sackte und sein Atem sich beruhigte und gleichmäßiger ging.

Es war bereits der nächste Morgen, als er wieder aufwachte und sein Kopf leicht donnerte, wie bei einem viel zu starken Alkoholrausch. Fluchend drehte er sich hin und her und merkte das Aenaeris nicht mehr da war. Er zog die Stirn kraus und setzte sich, immer noch müde und gähnend auf. Vielleicht war sie bis gerade eben bei ihm gewesen und hatte sich nun etwas zu essen geholt. Vielleicht war sie aber auch schon am Abend gegangen, das wusste er nicht und das Wissen brachte ihm auch nichts. Sie sollte sich nicht um ihn kümmern oder sorgen, seine Verletzungen waren halb so schlimm. Instinktiv berührte er den Verband um die Wange und zog zischend die Luft ein. Im wurde bewusste was er für wahnsinniges Glück gehabt hatte. Der Schnitt ging bis auf den Knochen, etwas tiefer und seine Kehle wäre durchtrennt gewesen. Dann bemerkte er neben sich die Schüssel mit dem Wasser und tunkte seinen Kopf hinein. Wie erwartet war es eiskalt, aber trotzdem explodierte sein Kopf in der frostigen Umgebung und nach Luft prustend zog er ihn wieder heraus. Seine Lippen zitterten leicht, als er die Hände hob und seine Haare nach hinten strich. Aber das war nötig gewesen, nun war er wenigstens richtig wach. Er trocknete sich das Gesicht ab und sah sich in dem Lazarett um. Sein Vater sprach mit der Kräuterhexe und als er sah das Théro wach war, kam er zu ihm und setzte sich neben ihn ans Bett. "Du hast lange geschlafen... Und du warst noch länger fort. Ich habe mit ihr gesprochen, du darfst mitkommen in die Methalle, wir essen etwas ordentliches." Skjalf umarmte ihn und er erwiderte die Geste etwas matt, "Ausserdem müssen wir noch mit dem Fürsten reden..." "Ich werde nicht bleiben. Meine Heimat liegt woanders... Ich bringe diese Fehde zuende und dann werde ich wieder gehen, Vater." Mühselig kämpfte er sich aus dem Bett hoch und sah an sich herab. Dann nahm er ein neues rotes Wams vom Tisch, das offensichtlich für ihn zurecht gelegt worden war und zog es sich über. Er zog die Schnur stramm und verknotete sie, damit das Wams ordentlich saß und sah wieder zu seinem Vater, "Du wirst bleiben, auch wenn du nicht willst. Der Winter wird bald kommen und ihr werdet es vielleicht nicht rechtzeitig zurückschaffen, also überleg dir das gut..." Der Wolf zuckte leicht mit den Schultern und verließ mit Skjalf das Lazarett.

Als sie in der Halle ankamen, waren die meisten schon Anwesend und am essen. Es gab nicht besonders viel, etwas Fleisch mit Brei und ein paar Kanten Brot. Théro folgte seinem Vater an die linke Seite des Fürsten und spürte alle Blicke auf sich. Er ignorierte sie geflissentlich, setzte sich neben ihn und bemerkte das Aenaeris ebenfalls an der Tafel saß, an seiner Seite. Nachdem er sich etwas Fleisch und Brot genommen hatte, starrte er in die andere Richtung der Halle, in der noch immer Sklaven als Bedienstete herumliefen. Er fragte sich was hier in den Jahren nur geschehen sein mochte, jetzt versklavten sie also schon Menschen. Der neue Fürst schien eine grundlegend andere Einstellung zu haben, was die Menschen anging. Dann glitt sein Blick über die harten Gesichter hier im Raum und erkannte direkt wer ihm alles die Fehde geschworen hatte. Das ganze war auch kein besonderes Kunststück, bei den bösartigen Blicken und Gesichtern die ihm entgegenstarrten. Er erwiderte sie einen Moment und legte dann unter dem Tisch eine Hand auf Aenaeris Oberschenkel. Sacht strich er darüber und senkte seinen Kopf um ein kurzes Gebet zu den alten Göttern mitzumurmeln, das sein Vater angestimmt hatte. Er hoffte das Aenaeris es ihm gleich tun würde, denn nichts signalisierte Zusammenhalt öffentlich mehr als ein gemeinsames Gebet und Essen. Dann sah er kurz zu ihr hin und riss das Brot in zwei Stücke. Eines legte er auf ihren Teller und widmete sich seinem Fleisch. Allerdings genoss das Essen diesmal ausnahmsweise nicht seine ganze Aufmerksamkeit. Sein Blick flog immer wieder durch den Raum, auf der Suche nach einer Bedrohung, die er mit Freuden zerreissen würde...
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » Do, 06. Sep 2012 9:47

Am nächsten Morgen sah Aenaeris schon wesentlich besser aus. Die Salbenumschläge von Tyn halfen recht gut, sie verstand wirklich etwas von ihrem Handwerk. Das blauunterlaufene Auge nahm allmählich eine grünlich gelbe Färbung an, die aufgeplatzte Lippe war nahezu verheilt und die Schwellungen waren zurückgegangen. Es würde wahrscheinlich nur mehr wenige Tage dauern, bis auch die allerletzten Spuren nicht mehr sichtbar waren. Seltsamerweise empfand Aenaeris, jetzt im Nachhinein betrachtet, die Vergewaltigung nicht mehr als ganz so schlimm, als die Stimmung zwischen ihr und Théro. Er war so kühl und beherrscht, dass sie beinahe das Gefühl hatte, seine Liebe wäre dahin, daran konnten die kleinen Gesten, die er ihr ab und zu hinstreute, wie etwa ein Kuss oder eine leise Berührung, auch nichts ändern. Sie ersann sich, wenn sie alleine in ihrem Zimmer lag, die wildesten Ideen, etwa den Clan sofort zu verlassen, und zum Beispiel in die Wüste zu reiten, vielleicht gehörte sie doch nicht in die wilden Lande, die sie so in ihr Herz geschlossen und zu ihrer neuen Heimat gemacht hatte, vielleicht auch nicht nach Arcanis, das vermutlich nie ihre Heimat war und in das sie sowieso nie wieder zurückkehren konnte, es sei denn, sie würde nach Pereon, ihrem Bruder, suchen, sondern vielleicht gehörte sie, dem wenigen Elfenblut wegen, das in ihren Adern floss, doch zu den Wüstenelfen, vielleicht war all das notwendig gewesen, um einen sauberen Strich ziehen zu können und einen Neuanfang zu machen? Sie hatte Abari, er war ein Geschenk gewesen und wenn Théro sich von ihr abwandte und zumindest noch seine Ehre im Leib hatte, würde das Pferd auch in ihrem Besitz bleiben und sie konnte reiten, wohin sie wollte. Doch sie verwarf diese unsinnige Idee gleich wieder, sie würde ohne Théro zu Grunde gehen. Aber so, wie es derzeit mit ihm war, würde sie auch zugrunde gehen, wenn es weiterhin anhielt. Vielleicht war es ein Fehler gewesen, sich so rasch an ihn zu binden. Sie war doch immer so zurückhaltend gewesen, hatte kaum jemanden ihr Vertrauen geschenkt, und dann hatte sie ihn kennengelernt und all die Prinzipien gingen den Bach runter. Sie hatte wirklich gedacht, nach allem, was sie miteinander erlebt und durchgemacht hatten, würde er sie nach diesem Erlebnis auffangen und einfach für sie da sein. Er, den sie doch immer als Fels betrachtet hatte, war doch momentan eher ein Kieselsteinchen. Auch wenn es Caldrics zugedachte Aufgabe war, sie zu beschützen und ihr die Zeit zu vertreiben, so war er es, der ihr Trost spendete. Und, bei den Göttern, so sollte es wirklich nicht sein. Vielleicht lag es ja auch daran, dass er verletzt war, wer wusste das schon… sie erinnerte sich an das eiserne Schweigen, als er von den arcanischen Gesandten von einem Bolzen verletzt wurde… danach war er auch einige Tage schlecht gelaunt gewesen und sie musste diese Launen ertragen… und trotzdem ward sie das Gefühl nicht los, es wäre dieses Mal anders…

Aenaeris stand aus dem Bett auf. Sie wäre gestern, als Théro eingeschlafen war, gerne bei ihm geblieben, doch sie konnte es nicht…zumal es sich sowieso nicht gehörte, in einem Lazarett gemeinsam in einem Krankenbett zu schlafen. Sie wusch sich mit dem kalten Wasser das Gesicht. Ihr Kleid hatte sie am Vorabend gar nicht erst ausgezogen. Hier war es deutlich kühler, und die Nächte waren schon richtig kalt, und es war ja auch niemand da, der ihr das Bett wärmte, dachte sie mit leichter Verbitterung. Aenaeris hatte die letzten Tage wenig bis kaum gegessen, sie hatte anfänglich keinen Hunger verspürt, und mittlerweile hatte sie sich an das Gefühl gewöhnt, so dass sie es vorzog, nur wenige Bissen zu essen. Darum suchte sie gar nicht erst die Methalle auf, sondern ging zu Tyn in die Kräuterstube, in Begleitung von Caldric. Er wich ihr wahrlich kaum von der Seite. Aenaeris musste schmunzeln. Nur noch besser auf sie achten hätte er nur können, wenn er zu ihr ins Bett gekrochen wäre… Als sie die Kräuterstube betraten, war Tyn gerade damit beschäftigt, diverse Kräuter im Mörser zu Pulver zu zerreiben. Sie blickte auf und als sie Aenaeris sah, nickte sie ihr aufmunternd zu. „Lässt Du dich also doch noch blicken.“ Sie ließ ihren Blick zu Caldric schweifen, der ein wenig unschlüssig herum stand. „Geh was essen, wir brauchen Dich hier nicht… oder hast Du Lust auf Weibergeschwätz?“ blaffte sie ihn an. Caldric warf einen fragenden Blick zu Aenaeris. Diese lächelte ihn an und deutete mit einem Kopfnicken an, dass es in Ordnung war. „Ich komme später nach…“ meinte sie. Sichtlich erleichtert verließ er die Kräuterstube. „Hast Du das Pulver genommen?“ fragte Tyn Aenaeris. Diese nickte, während sie den Stuhl zurückzog und sich zu Tyn an den Tisch setzte. „Es war grauenhaft, Tyn, das kann ich Dir sagen…“ „Ich habe auch nicht behauptet, es würde leicht sein…“ sagte Tyn und sah Aenaeris rechthaberisch an. „Ja, ich weiß, doch ich dachte, ich müsste sterben… meine Güte, soviel Blut… doch nun ist es überstanden…“ Tyn nickte. „So etwas soll eine einmalige Sache bleiben. Ich hoffe, Du hast das verstanden“ Aenaeris bejahte und seufzte. Tyn sah sie ein wenig milder an „Es wird alles wieder gut werden, Du wirst schon sehen…“ Aenaeris blickte sie zweifelnd an und stützte den Kopf in ihre Hände. „Wenn Du ein Kraut kennst, das hilft, die Liebe zurück ins Herz zu bringen, dann verrat es mir… ich jedenfalls kenne keines…“ Tyn blickte sie fragend an „Nana, so schlimm ist es doch nicht?“ „Ich fürchte, es ist noch schlimmer… ich glaube, was er sagt und was er in Wahrheit denkt, sind zwei völlig konträre Dinge… er sagt, er braucht Zeit… doch wofür, frage ich Dich?“ „Vielleicht solltest Du das ihn fragen und nicht mich…“ meinte Tyn mit einem Schulterzucken. Aenaeris murrte und winkte ab. Tyn stemmte die Hände in die Hüften. „Er kann froh sein, dass er keinen Wurzelbrei mehr bekommt, sonst hätte ich ihm noch eine ordentliche Prise Bittersalz hineingemischt. Das ist es, was ich von all dem halte…“ Aenaeris lachte auf. „Ich werde einmal in die Methalle gehen, bevor Caldric nervös wird…“ meinte sie schließlich und sprang auf. Es tat gut, dass das Leben seinen gewohnten Ablauf wieder aufgenommen hatte, und sie in Tyn eine Vertraue gefunden hatte. Die alte Frau war zwar sehr resch, doch herzensgut und weise.

Als sie die Methalle betrat, war ihr ein wenig unbehaglich zumute. Sie hatte immer das Gefühl, von irgendwelchen Augen beobachtet zu werden. Sie war erleichtert, als sie Caldric sah, der ihr zuwinkte. Es gab warmen Getreidebrei und Dünnbier. Aenaeris schob die Schüssel mit dem Getreidebrei von sich und nahm nur den Krug Dünnbier zur Hand. Plötzlich trat Neré an Aenaeris heran. Sie nahm ihre Hand und ließ etwas hineingleiten. Es war der Ring. Aenaeris Augen leuchteten auf. „Danke…“ flüsterte sie und streifte ihn wieder an. Dann legte Neré noch den Dolch auf den Tisch und sie ging wieder. Aenaeris zog den Dolch aus der Scheide, er war noch immer blutverklebt. Wenn die Gerüchte stimmten, die sie hier aufgeschnappt hatte, war es Herans Blut, das daran klebte. Angewidert schob sie schnell die Klinge zurück in die Scheide. „Caldric… was ist mit Heran passiert? Wo liegt er, lebt er noch?“ flüsterte sie. Caldric nickte. „Er liegt auch im Haus wo das Lazarett ist, doch in einem abgesonderten Raum, Du kannst Dir ja vorstellen, was passieren würde, wenn er und Théro im selben Raum lägen...“ „Kannst Du mich zu ihm bringen?“ Er sah sie ein wenig bestürzt an „Was hast Du vor? Hat Théro ihm nicht schon genug Schaden zugefügt?“ „Ja, aber wo bleibt meine Rache? Ich habe schon Leute für weniger Vergehen umgebracht… es ist nichts, worauf ich stolz bin, doch in diesem Fall wäre es mehr als recht und billig…“ „Ich weiß nicht, ob ich das gutheißen kann… Du weißt doch, wie der Brauch ist… für Blut kann nur mit Blut bezahlt werden…“ „Wer sagt, dass ich Blut fordere?“ flüsterte sie. „Niemand wird davon etwas erfahren, dass es ein eingreifen gab, ich bin doch nicht dumm, dass ich meinen Dolch in seiner Brust stecken lasse…“ „Ich lasse es mir durch den Kopf gehen, das ist viel, was Du da von mir verlangst...“ meinte Caldric. Als er aufgegessen hatte, wollte Aenaeris nach Abari sehen. Die Stallungen lagen nahe an den Palisaden und es war ein kleiner Fußmarsch durch das Dorf. Als Abari Aenaeris erblickte, schnaubte er leise. Sie öffnete das Gatter, ging hinein und umarmte seinen Hals. Sie hatten wenigstens ihn gut behandelt, das lag wohl daran, dass ein Pferd, im Gegensatz zu einer Frau, besonders einer, die nicht aus den wilden Landen stammte, deutlich mehr wert mehr war…

Am Abend wurde sie von Neré in die Methalle geführt. Aenaeris folgte der alten Frau und nahm auf dem ihr zugedachten Stuhl Platz. Sie saßen am Tisch des Fürsten und Aenaeris fragte sich, ob dies etwas zu bedeuten hatte, dass ihnen diese Ehre zuteil wurde. Dass Skjalf zur linken des Fürsten saß, als sein Vertrauter und Berater, war auf jeden Fall nachzuvollziehen. Dass Théro neben ihm Platz fand war, davon abgesehen dass er sein Sohn war, schon etwas schwerer nachzuvollziehen, so, wie er hier erschienen war und was er schließlich getan hatte. Caldric hatte Aenaeris alle Einzelheiten erzählt, wie Théro in die Methalle gepoltert war, und wie er den einen Drecksack regelrecht ausgeweidet, und den anderen kastriert und beinahe besinnungslos geschlagen hatte. Aenaeris wäre zu gerne dabei gewesen… Doch sie saßen nun hier und schließlich erschienen noch Skjalf und Théro. Er setzte sich neben Aenaeris und ließ seine Blicke durch die Halle schweifen. Aenaeris bemerkte die vielen finsteren Blicke, die ihnen, vor allem ihm, zugeworfen wurden und es machte sie nervös.. Er legte seine Hand auf ihren Oberschenkel und strich vorsichtig darüber. Aenaeris schloss für einen kurzen Moment die Augen, genoss seine Geste und legte ihre Hand auf die seine und drückte sie. Es tat so gut, auch wenn diese Momente derzeit so selten waren. Absurderweise begehrte sie ihn in diesem Moment so sehr, dass sie ihn am liebsten an der Hand aus der Halle gezogen hätte und mit ihm irgendwo hingegangen wäre… Théro nahm unbekümmert ein Stück Fleisch und ein Stück Brot, brach das Brot und legte Aenaeris die eine Hälfte auf ihren Teller, die andere auf seinen. Sie schielte zu Théro Wenn er nervös war, so konnte er es zumindest gut verstecken. Aenaeris wusste nicht, was hier von ihr verlangt war. Sie beobachtete die Menschen und orientierte sich an Théro, der seinen Kopf senkte und ein Gebet zu den alten Göttern sprach und sie tat es ihm gleich. Das Essen verlief recht schweigsam, es wurde nur begleitet von leisem Stimmengemurmel der Leute, die sich leise unterhielten. Aenaeris krümelte mit ihrem Brot herum, schob sich hin und wieder ein Stück in den Mund und spülte dieses mit dem Bier herunter, welches es zu dem einfachen Mahl gab. Nach dem Essen war die Stimmung zum zerreißen gespannt. Plötzlich stand ein Mann auf, hob anklagend seine Hand und deutete auf Théro. „Mein Sohn Heran ist heute den Folgen seiner schweren Verletzungen erlegen!“ Ein allgemeines Raunen schwoll an und Caldric warf einen kleinen fragenden Blick auf Aenaeris. Als diese seinen Blick bemerkte, schüttelte sie fast unmerklich den Kopf. Damit hatte sie nichts zu tun, doch somit hatte sich ihre Rache dann auch erledigt. Théro starrte Herans Vater nur finster an, doch er erwiderte nichts. Dieser schien es als stumme Provokation zu deuten und sprach weiter „Nun sehe ich keine Veranlassung mehr, Waffenstillstand beizubehalten… ich fordere Dich heraus, Théro Skjalfson…“ Aenaeris legte ihre Hand auf seinen Oberschenkel und drückte diesen. Es war aber auch zu ärgerlich. Gerade erst hatte er sich von seinen Verletzungen erholt und nun sollte er wieder kämpfen? Das konnte nicht sein, und sie wollte es auf keinen Fall zulassen, doch was sollte sie schon tun? Sie kannte die Bräuche und Rituale so gut wie gar nicht, und als nicht wirklich Angehörige dieses Clans und als Frau hatte sie noch weniger Rechte als Théro, der sich gerade erst seinen Platz im Clan, den er im Grunde ohnehin nicht wollte, mit einer Lüge zurückerobert hatte. Schließlich standen noch andere Männer auf, die zu Herans Familie zu gehören schienen, möglicherweise Brüder, und Brüder seines Vaters, und plötzlich entstand ein allgemeiner Tumult, alle schrien, redeten und gestikulierten wild durcheinander. Der Fürst ließ donnernd seine Faust auf den Tisch niedergehen, so dass die Becher und Teller erzitterten. „Bei den Alten, schweigt still!“ polterte er und plötzlich war alles ruhig, kein Gemurmel, kein Flüstern, alle Augen waren auf ihn gerichtet. „Blut für Blut… so ist es bei uns seit jeher Brauch! Théro hat Rackor Mann gegen Mann im Zweikampf besiegt, und nun auch Heran. Damit ist die Sache für mich klar. Rackor hatte kein Weib, doch Heran hatte eines.“ Dann warf er Herans Vater einen Blick zu. „Ihr wollt Rache und Gleiches mit Gleichem vergelten? Ihr wollt diese Fehde unbedingt? Gut, ich werde Euch nicht daran hindern… doch bevor ihr Euch gegenseitig die Köpfe einschlagt, müsst ihr Théro dasselbe Privileg einräumen. Er soll Herans Weib dieselbe Behandlung zuteil werden lassen, wie es zuvor Herlan mit seinem Weib getan hat.“ Jäh wandte Aenaeris ihren Kopf zu Théro und ein allgemeines Gemurmel ging abermals durch den Raum. Sah so Rechtsprechung in den wilden Landen aus? Oder war dieser Fürst einfach nur verrückt…?
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Thėro Schattenmal
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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Thėro Schattenmal » Fr, 07. Sep 2012 14:23

Er senkte seinen Kopf, als der Fürst anfing zu sprechen und legte seine Hand auf Aenaeris. Dann drückte er ihre leicht und schob sie von seinem Oberschenkel, er hatte geahnt was der Fürst verfügen würde. Blut um Blut, Zahn um Zahn, Auge um Auge... Und Frau um Frau. Gleiches wurde seit jeher mit gleichem vergolten und so wollte es der Brauch. Théro stand auf, mit grimmigem Gesicht und ließ den Blick über die Männer schweifen die ihm gegenüber standen. Sein Vater und Cladric standen bereits, als der Nordmann an ihnen vorbeiging und an dem langen Tisch vorbei. Er konnte Aenaeris nicht ansehen, wollte erst gar nicht wissen was sie davon halten würde und was sie davon dachte. Am Ende angekommen, stützte er sich auf die Holzplatte und sah hinter sich. Caldric stand hinter ihm, egal ob er sich die Frau nehmen würde. Zum Kampf würde es so oder so kommen und diesmal war er nicht wild und benebelt genug um es alleine zu machen. Schließlich ging er schweigend weiter, in die Mitte der Halle und genau zwischen die beiden langen Banketttische. Es war genug Platz dazwischen, für Kämpfe, Schauspiele oder Gaukler gelassen wurden. Schließlich kniete er vor dem Fürsten nieder und Caldric tat es ihm gleich. Es standen noch zwei weitere Männer, sowie sein Vater, auf und knieten hinter ihm. Erik und Darn, wenn er sich richtig an ihre Namen erinnerte. Dann hob er schließlich den Kopf und sah den Fürsten an. Er war noch immer zwiegespalten was er nun tun sollte. Würde er diese Gelegenheit fortwerfen, würde er auch einen Teil seiner Rache fortwerfen. Andererseits würde das Herlans Familie sicher nur noch mehr erzürnen und er wagte gar nicht erst daran zu denken was Aenaeris dann von ihm halten mochte. Er musste sich entscheiden, wollte er auf seinen gesunden Menschenverstand hören, oder auf die von Rache getriebene Bestie die die Hälfte seines Lebens bestimmte?

Er rang noch eine Weile mit sich selbst und das unangenehme Schweigen breitete sich aus. Dann kam ihm noch eine Idee und er sah zu Caldric, "Hast du ein Weib?" flüsterte er leise und erntete ein Kopfschütteln als Antwort. Sein Kopf wanderte nach rechts und er musterte die finstren Gesichter, bis er dazwischen ein etwas blasses und erschrockenes wahrnahm. Es war nicht schwer zu erraten, das es sich hierbei um Herlans Weib handelte. Geschmack hatte er wohl, das musste man ihm lassen. Einen Moment versuchte er sich krampfhaft an ihren Namen zu erinnern, aber die blonden Haaren und die schlanke Figur gaben ihm dabei nicht wirklich Hilfe. Er knurrte leise, das war sowieso unwichtig. Schließlich stand er auf und sah wieder den Fürsten an, "Ich nehme die Herausforderung an und aktzeptiere den Rechtsspruch. Unter der Bedingung das ihr das Gleiche zuteil wird, wie meinem Weib." Mit einer Hand deutete er auf Caldric, der etwas überrascht dreinblickte, und sah weiter den Fürsten an. Der Fürst verstand was Théro damit sagen wollte und nickte, "So soll es sein." Der Nordmann nickte leicht und drehte sich um. Er sah die Männer hinter ihm an und nickte leicht, "Erik, Darn... Bereitet alles vor, schärft die Waffen und die Rüstungen. Vater... Das ist meine Angelegenheit, ich werde das alleine regeln... Du musst dich für mich um sie kümmern, erkläre es ihr..." Er sprach so leise, das Aenaeris nichts davon mitbekommen sollte und auch sonst niemand. Dann schlug er in Caldrics ausgestreckte Hand ein und nickte leicht, "Ists schwer getan, wärs beste es ist schnell getan. Komm, Bruder." So wie sich die kleine Gruppe wieder zerstreute, die Krieger in Richtung des Waffenhauses, Théro und Caldric in Richtung des Familiensitzes von Herlan und Skjalf zurück an den Tisch, neben Aenaeris... So zerstreute sich ebenfalls Herlans Familie. Die alte Frau, vermutlich seine Mutter, brachte die schluchzende Frau hinter ihnen her und sein Vater, sowie der Vater von Rackor und zwei Brüder verschwanden in einer anderen Richtung. Es galt vier zu vier, denn mehr hatten sich nicht für ihn ausgesprochen und daran mussten sie sich halten. Ein Kampf den er sicher mit leichtigkeit gewinnen würde, auch wenn er noch angeschlagen war. Zumindestens gab ihm das Urteil einen Tag zusätzliche Zeit, in der er sich ausruhen konnte.

Leise knarrten die Bohlen, als er in das relativ kleine Haus eintrat und kurz stehen blieb. Das zeigte, welchen Stand Herans Familie in dem Clan hatte, nämlich keinen besonderen des Ranges wegen. Vielleicht hatten sie viel Zuspruch aus der restlichen Bevölkerung, wer wusste das schon und es war so oder so egal. Caldric schob sich an ihm vorbei und lieferte sich kurz ein Blickduell mit einem der Brüder und einer Leibwache des Fürsten. Es passierte öfters das bei so etwas vorher Blut floß und das schien der Fürst vermeiden zu wollen. Théro ging weiter und blieb im Türrahmen zum Schlafzimmer stehen. Er sah kurz in das entsetzte Gesicht der Frau und drehte sich dann zu Caldric um. Dessen Gesicht war hart geworden und man sah, das er so einiges durchgemacht hatte. "Schaffst du das? Wenn du..." "Nein, ich stehe zu dir. Ist kein Problem..." Er seufzte leise und trat zur Seite. Er überließ ihm nur allzu gern den Vortritt, die Frau zu brechen... Er hatte dafür nicht den Willen. Krachend zog er die Tür zu und stellte sich davor. Sein Blick fixierte den Bruder, der beim ersten Schrei und dem darauffolgendem Schlag aufsprang und zusammenzuckte. Théro hatte sich keinen Zentimeter bewegt, die Fürstenwache dagegen legte Hand an und setzte ihn grob wieder hin. Er wollte dabei sein, also sollte er es auch ertragen. Kurz schloss er die Augen und versuchte das alles zu verstehen. Er wusste selbst nicht, warum er das hier nun tat, aber so war die Rechtsprechung und er musste sich fügen. Was Schwachsinn war, er hätte auch den Kampf wählen und sie alle umbringen können. Sie hatten nicht viel davon geredet, aber er wusste das Aenaeris unbedingt hierher wollte und dazu vielleicht sogar bleiben wollte. Vielleicht tat er es ja dafür, denn wenn er des Fürsten Erlässe nicht einhielt, stieg sein sowieso geringes Ansehen auch nicht gerade hoch hinaus. Kopfschüttelnd machte er einen Schritt von der Tür weg, um nicht alles mitzuhören. Es waren alles nur Ausflüchte. Der einzigste Grund warum er nun hier stand war Rache, Vergeltung und die Hoffnung das er Aenaeris danach vielleicht wieder ohne Ekel oder anderen Gefühlen anblicken konnte, so wie früher...

[18]Dann erwiderte er kurz Caldrics Blick, als dieser wieder herauskam und er schloss langsam die Tür hinter sich. Sein Blick schweifte über das Zimmer, das Bett und die darinliegende Frau. Er hatte ihr die Nase gebrochen und Blut, gemischt mit Tränen, flossen über ihre Wange auf das Laken. Ihr Kleid war zerrissen, denn sie sollte denselben Schaden erhalten wie Aenaeris. Interessant das er es schaffte das alles so nüchtern zu erledigen... Leise knurrend wischte er den Gedanken an Caldric weg und zog gleichzeitig die Aufmerksamkeit der Frau auf sich, "Bitte..." Er zuckte leicht mit den Schultern und kam sich etwas Fehl am Platz vor. Wollte er das nun wirklich tun? Ein trauriges Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, nun gab es wohl weder eine Wahl, noch einen Weg zurück. Sein Blick wanderte über ihren Körper, denn der Stoff des Kleids war etwas zur Seite gerutscht und entblößte ihre weichen Brüste. Bei den Alten, er war kein verdammtes Weichei und würde das jetzt durchziehen wie der Mann zu dem er erzogen wurde. Von seinem Vater, der Wildnis, dem Clan, den Kämpfen und den verfluchten Göttern. Mit der flachen Hand gab er ihr eine Backpfeife, damit sie still war und zog seine Hose herunter. Dann krallten sich seine Hände in ihre Oberschenkel und er zog sie etwas zu sich, öffnete sie und sah ihr ins Gesicht. Er drang in sie ein und ignorierte ihr Aufschreien. Dann legte er eine Hand an ihre Kehle und drückte leicht zu, damit sie sich nicht wehrte und still blieb. Er war nicht wirklich vorsichtig, vielleicht lag es an der Bestie in ihm, die sich nun zum ersten Mal wirklich das nehmen konnte was sie wollte und wie sie es wollte. Bisher hatte er ihr immer nur den Jagdtrieb und den Selbsterhaltungstrieb gegönnt, vielleicht war es gar nicht so verkehrt ihr auch einmal den Fortpflanzungstrieb einzugestehen. Théro schwitzte leicht, als er sie nahm und versuchte ihr Schreie, oder ihr dumpfes Stöhnen auszublenden. Es war schnell vorbei. So war es am besten, er wollte ihr nicht die Zeit zuteil werden lassen, die er für Aenaeris opferte und ebensowenig die Liebe oder Zärtlichkeit. Hier ging es um einen reinen Racheakt und dieser war erledigt, als er in gekommen war.[/18]

Er hatte sich wieder angezogen, noch einen angewiderten Blick auf die Frau von Herlan geworfen und war hinausgegangen. Nun lief er schweigend neben Caldric her, zurück ins Lazarett. Es war ihm klar, das er nicht sie angewidert angesehen hatte, sondern sich selbst. Er wollte nicht nach Hause, daher ging er zurück ins Lazarett. Er konnte Aenaeris nicht unter die Augen treten, nicht nachdem was er nun getan hatte. Er setzte sich murrend aufs Bett und ließ Caldric alles erklären. Tyn schüttelte widerwillig den Kopf und meinte nur leise, das er am Morgen noch einmal zu ihr kommen solle damit sie die Verbände wechseln konnte. Er wusste was die alte Frau von solch einer Rechtssprechung hielt und war wesentlich froher, als er die Hütte wieder verließ. Sein Blick glitt über den Clan, der vorerst sein Leben weiterlebte und sich wahrscheinlich auf den morgigen Kampf freute. Ein paar Kinder versteckten sich in ihrer Nähe und zeigten auf sie, lachend und auch ängstlich. Caldric stupste ihn an und zog ihn mit sich weiter. Sie gingen in die kleine Wachstube am Haupttor und setzten sich hin. Erik und Darn schärften bereits ihre Waffen, eine Axt und ein Schwert, während Caldric etwas starken Schnaps raussuchte und ihnen in Becher eingoß. Seine Axt lehnte an einer Wand und er war froh, das er wenigstens sie mitgenommen hatte. Sie hatten ihm eine Rüstung rausgesucht, nichts besonderes, für gewöhnlich. In den Wilden Landen dagegen war die Kettenpanzerung viel Wert und zeigte Stand und Ehre, auch wenn sie nur für seine Brust gedacht war. Der Alkohol lockerte seine Zunge und die Stimmung, sodass der Abend in Gelächter und dem Austausch von Geschichten endete. So sollte seine Heimkehr ja auch eigentlich aussehen und nicht überschattet von solch einem Ereignis... Er würde die Nacht hier unten verbringen und nächsten Tag seine Verbände wechseln lassen. Dann stand ein karges Frühstück an und es würde der Kampf folgen. Er hoffte das Aenaeris nicht nachfragte wo er war und zu ihm kam. Eigentlich wollte er sie bei sich haben, ihre Nähe spüren und ihre Stimme hören... Aber gleichzeitig würde er ihr nicht in die Augen sehen können. Er hatte Schuldgefühle wegen dem was er getan hatte und bereute es, aber in den wilden Landen mussten nun einmal schwere Entscheidungen getroffen werden, Tag für Tag.
"Ich mache nichts lieber als das,
ich meine Gefühle abschaff.
Unterdrück am Tag noch den Hass,
bis ich ihn am Morgen rauslass."
->K.-M. R. aka PerVerZ

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Re: Die Feuerpriesterin und der Wolf

Beitrag von Aenaeris » Sa, 08. Sep 2012 9:27

Théro trat vor zu dem Fürsten. Er akzeptierte die Bedingungen die dieser gestellt hatte und deutete dabei auf Caldric. Aenaeris schien zu verstehen. Caldric hatte sich als Waffenbruder an Théros Seite gestellt und würde ihn in dieser Sache beistehen. Für Aenaeris bedeutete dies, was immer er an Herans Weib zu rächen hatte, es würde Caldric übernehmen. Aenaeris verstand zwar nicht ganz dieses „Aug um Aug“ Prinzip, doch wenn es so Brauchtum war in den wilden Landen, konnte sie ja schwer aufstehen und dagegen aufbegehren. Skjalf hatte sich wieder zu ihr gesetzt und wollte ihr erklären, was nun passieren würde, doch Aenaeris winkte ab. Sie hatte es verstanden. Caldric würde nun an Stelle von Théro den Racheakt vollziehen und damit würde der Gerechtigkeit genüge getan. Théro, Caldric und die anderen gingen davon. Aenaeris blieb noch eine Weile mit den andern sitzen, sie unterhielt sich mit Skjalf, und der Fürst richtete ebenso ein paar Worte an sie und Aenaeris beantwortete diese geduldig und demütig. Als das Mahl endlich beendet war, und das war es immer erst dann, wenn der Fürst fertig war, erhob sich Aenaeris, Théro dürfte wohl noch einige Zeit beschäftigt sein, sich für den morgigen Kampf vorzubereiten. Es war ein seltsames Gefühl, ohne Caldric unterwegs zu sein, schmunzelte sie. In den letzten zwei Tagen war er wie ihr Schatten gewesen. Sie ging in ihr Zimmer. Auf dem Bett lag ihr rotes Kleid, frisch gewaschen und wieder ganz wie vorher. Das konnte nur Neré bewerkstelligt haben. Sie war wirklich eine nette Frau. Aenaeris nahm dies zum Anlass, zog sich aus, wusch sich und zog dann ihr Kleid an. Sie fühlte sich darin etwas wohler, es war vertrauter. Sie setzte sich aufs Bett und sah sich etwas unschlüssig in dem Raum um. Was sollte sie nun tun? Sie war noch nicht müde und sie rechnete nicht damit, dass Théro zu ihr kam.

Sie beschloss, zu Tyn zu gehen. Für die Nacht würde sie sowieso noch etwas von ihrer Kräuterpaste benötigen und es war immer nett, sich mit der alten Frau zu unterhalten… sie war ein wenig wie Reyar, der Bader, doch durch die Tatsache, dass Tyn eine Frau war, war es doch ein wenig anders. Sie lief hinüber zum Lazarett, in die Kräuterstube. Tyn bereitete gerade Verbände vor und kochte Wasser. Als Tyn Aenaeris sah, nickte sie ihr zu. „Ich bin beschäftigt, Kleine, was brauchst Du?“ „Oh, ich wollte nur etwas von Deiner Kräutersalbe für die Nacht holen… und ein wenig mit Dir reden…“ „Du weißt ja, wo die Kräutersalbe steht, nimm Dir davon, was Du brauchst.“ Sie goss etwas von dem Kessel mit dem heißen Wasser in eine Schüssel, nahm die Verbände, und ging zum Lazarett hinüber. Aenaeris folgte ihr und hielt ihr die Türe zum Lazarett auf. „Du solltest da nicht hineingehen, Aenaeris…“ murmelte die alte Frau, nachdem sie im Lazarett stand und Aenaeris ihr folgen wollte. Im hinteren Teil des Lazaretts lag eine Frau. Sie war die einzige im Lazarett. Der verletzte Jäger war ebenso wie Théro bereits wieder auf den Beinen, und die alte Frau war gestern verstorben. Aenaeris kniff die Augen zusammen. „Tyn, das ist Herans Frau, oder?“ fragte sie bestürzt. Tyn nickte und seufzte, während sie zu de Bett schlurfte. Aenaeris folgte ihr und prallte zurück, als sie die Frau auf dem Krankenbett liegen sah. Sie war übel zugerichtet, die Nasenknochen waren leicht schief, die Nase war ganz offensichtlich gebrochen worden und dicke Blutkrusten klebten unter den Nasenlöchern. Die Haut unter einem Auge war aufgeplatzt und klaffte ob der Gesichtsschwellungen auf, und leichte Gewebsflüssigkeit hatte sich auf der Wunde abgesetzt. Sie hatte die Augen geschlossen, doch hin und wieder regten sich ihre Finger oder Zehen, sodass sie vermutlich wach war. „Bei den Göttern…Tyn…wer hat das getan?“ Tyn seufzte. „Du weißt doch, Liebes, Blut für Blut…“ murmelte sie. Aenaeris war sichtlich bestürzt. „Das wurde ihr meinetwegen angetan…? Sie kann doch nichts dafür, was ihr Mann getan hatte… außerdem hat ihr Mann seine Strafe erhalten, und mehr als das, er ist tot… das muss doch genügen…“ Tyn schüttelte den Kopf. „Nicht in den wilden Landen…erst, wenn alle Schuld beglichen ist, und noch ist es nicht vorbei…“ „Lass mich Dir helfen, Tyn, bitte… ich möchte helfen, sie zu behandeln… was soll ich tun?“ Die alte Frau ging zu der Truhe mit den Opiaten und holte ein Fläschchen hervor. Sie träufelte davon ein wenig auf einen Löffel und ließ die Flüssigkeit in den Mund der Verletzten gleiten. Diese schluckte und räusperte sich und benetzte ihre Lippen. „Sie wird nun schlafen“ erklärte Tyn. „Die aufgeplatzte Haut muss genäht werden, und auch unten muss sie genäht werden…“ „Unten…?“ fragte Aenaeris verständnislos. „Selbstverständlich, was denkst Du? Dass sie nur verprügelt wurde? Blut für Blut…“ erwiderte Tyn ein wenig herablassend. Aenaeris schluckte. Das Schlafmittel schien angeschlagen zu haben. Herans Frau atmete langsam und gleichmäßig. „Du kannst sie unten versorgen und säubern…“ meinte sie zu Aenaeris und drückte ihr einen sauberen Lappen in die Hand. Tyn säuberte und versorgte ihre Wunden im Gesicht, nahm dann eine spitze kleine leicht gebogene Nadel und nähte die Wunde mit wenigen geschickten Stichen zusammen. Aenaeris indessen spreizte die Beine der Frau leicht und war entsetzt was sie sah. Sie konnte keine Worte finden für das und vorsichtig tupfte sie kleine Blutspuren weg, säuberte die Hautschürfungen und betrachtete mitleidig und die aufgerissene Haut und das eingerissene Fleisch, wo der Riss bis nach hinten zum Damm reichte. Tyn nähte auch diese Wunde zusammen und bestrich sie noch mit einer Heilsalbe. Als sie fertig waren, nahm Tyn Aenaeris mit in die Kräuterstube und goss ihr ein wenig Wein in einen Becher und stellte ihn ihr an den Tisch. Aenaeris setzte sich zu Tyn an den Tisch und nahm einen Schluck. „Der Winter kommt bald, er ist dieses Jahr sehr früh dran… ich spüre es in meinem Rücken… immer wenn es bald zu schneien beginnt, kommt dieses ziehen…“ meinte sie und fasste sich hinten an Lendenwirbel. Aenaeris schwieg und dachte nach. „Was ist dies für eine Rechtsprechung, Tyn?“ fragte Aenaeris nach einer Weile. Tyn zuckte die Schultern. „Du bist Arcanierin, nicht wahr?“ Sie nickte. „Und ist es Recht, was Arcanier mit Elfen anstellen?“ Aenaeris schüttelte den Kopf, sie hatte ja auch noch nie gesehen, was mit Elfen alles passierte, die verfolgt wurde, sie kannte nur die Geschichten darüber. Der Weg zum Schafott war vermutlich noch einer der humansten. „Siehst Du, jedes Volk hat seine Schattenseiten…“ Aenaeris nickte und schwieg dann eine Weile. „Du weißt, wer es getan hat?“ Tyn sah sie überrascht an, sagte aber nichts. „Tyn, sag es mir bitte… ich muss es wissen…“ Sie konnte nicht glauben, dass Caldric so brutal sein konnte, doch Théro war wirklich der allerletzte, dem sie so etwas zutraute. „Tyn…?“ „Du musst die Antwort selbst finden, Aenaeris…“ Sie schluckte. Tyn hatte nichts und gleichzeitig alles gesagt. Sie trank den Becher in einem Zug aus und stürzte aus dem Raum.

Sie wollte Théro suchen, ihn fragen, wie es wirklich gewesen war. Sie lief durch das ganze Dorf, doch sie konnte ihn nicht finden. Sie begegnete einem Mann auf dem Dorfplatz. „Wo sind die Krieger, die sich für den morgigen Kampf vorbereiten?“ fragte sie ihn. Er wies zu dem Haupttor. Sie lief hin und konnte schon von weitem das Gelächter und Gegröle der Männer hören. Sie ging durch die offene Tür und blieb im Türrahmen stehen und beobachtete das Geschehen. Sie konnte Caldric und Théro und einige andere Männer sehen, die Schnaps tranken und alle sichtlich angeheitert oder ziemlich betrunken. Théro schien zu den letzteren zu gehören, ebenso wie Caldric, doch alle waren sie gut gelaunt und ausgelassen. Vermutlich war es nicht die beste Gelegenheit, ein vernünftiges Gespräch mit Théro zu suchen, doch sie musste die Wahrheit erfahren, und zwar noch heute. Sie blieb noch eine Weile im Torbogen stehen, bis einer der Männer sie bemerkte und Théro in die Seite stieß. Er wandte sich um und sah Aenaeris an. Sie sah ihm in die Augen und glaubte, für einen kleinen Moment Schuldgefühle aufblitzen zu sehen, doch dann machte er einige wenige Schritte und hatte sie erreicht, und fasste sie um die Taille und gab ihr einen überschwenglichen Kuss. Sie erwiderte diesen nicht. „Kann ich mit Dir reden?“ fragte sie ihn, während sie sich von ihm löste. „Nicht hier…“ meinte sie und ließ ihre Blicke über die Männerrunde schweifen. Er nickte und sie gingen hinaus. Aenaeris fiel es schwer, die richtigen Worte zu finden. „Ich komme gerade von Tyn aus dem Lazarett… ich habe Herans Frau gesehen… sie ist in einem furchtbaren Zustand… wer hat das getan…?“ Théro ließ seine Blicke kurz über ihren Körper wandern. „Du hast mir gefehlt…“ erwiderte er ausweichend und umfasste sie an der Taille. Sie sah ihm in die Augen. „Hast Du es getan?“ fragte sie ihn gerade heraus. Théro wich ihrem Blick aus und erwiderte nichts. Aenaeris lief es heiß und kalt den Rücken hinunter. Sie fragte ihn noch einmal, diesmal mit Nachdruck. „Hast Du es getan, Théro?“ Er umfasste sie stärker und zog sie an sich heran. „Es ist nur Vergeltung… es hatte nichts zu bedeuten…“ murmelte er, und hielt seinen Blick gesenkt. Aenaeris schossen die Tränen in die Augen. Sie löste sich aus seiner Umfassung und stieß ihn mit beiden Händen hart von sich. Noch nie zuvor war sie so zornig und fassungslos gewesen. „Für mich hat es Bedeutung. Weißt Du, was Du da sagst?“ flüsterte sie, während die heißen Tränen unaufhörlich hinab perlten. „Du… Du bist nicht besser als diese beiden Drecksäcke… du bist genauso ein Schwein…!“ schrie sie ihn an. „Ich hätte mein Leben darauf verwettet, dass Du diese Vergeltung ablehnen würdest… als Du dieses Rechtsspruch angenommen hast, hast du dabei auf Caldric gedeutet… ich dachte, er würde es für Dich erledigen…!“ Ein Wind kam auf und einige Schneeflocken begannen vom Himmel zu fallen. Sie zog sich ihren Mantel enger um den Körper und blickte in den wolkenverhangenen Himmel. Zwischen einigen Wolkenfetzen lugte der Mond heraus und es begann nun heftig zu schneien. „Ich denke, damit wären wir ausgeglichen… obwohl es nicht dasselbe ist… Du hast nun kein Recht mehr, mich mit einer derartigen Verachtung anzusehen, wie Du es die letzten Tage getan hast…“ Er nahm ihre Hand, doch sie entriss sie ihm wieder. „Fass mich nicht an, hörst Du? Ich bin fertig mit Dir…“
"Ihre Natur ist Feuer und Blut..."

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