Irgendwo in Laethea

Der fruchtbare Südosten Alvaranias, Einflussgebiet des Königspaares der Elfen.
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Unvorhersehbares
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Re: Irgendwo in Laethea

Beitrag von Unvorhersehbares » Fr, 30. Jul 2010 18:38

Er war schon lange unterwegs. Allein, ruhig, ziellos. Der Mann mit dem bernsteinfarbenen Glanz in den Augen achtete aufmerksam auf seine Umgebung. Er hatte nicht mehr viel Gepäck dabei – die Vorräte gingen langsam zur Neige, und die Violine, die er in einem stabilen Kasten bei sich trug, wog nicht viel.
Plötzlich blieb der Mann stehen. Er hörte etwas… lauschend legte er den Kopf ein wenig schief. Hufe auf dem weichen Waldboden… doch der Reiter zog ein Stück entfernt vorbei, das Geräusch verschwand Richtung Norden. Aber er hörte nun etwas anderes. Stimmen, Poltern. Neugierig, doch keineswegs beunruhigt, vorsichtig, aber nicht ängstlich, setzte er sich wieder in Bewegung. Etwas entfernt vom Rand der Lichtung blieb er stehen. Durch die Bäume hindurch konnte er das Haus sehen, und eine Fensteröffnung gab den Blick auf die beiden Frauen frei. Gezische Worte, die der Beobachter nicht verstand, die jedoch mit Sicherheit nicht freundlich waren. Die Blonde, jünger wirkende gab in diesem Moment der Dunkelhaarigen einen Tritt, so dass diese gegen die Wand prallte. Dem Fremden wurde schnell klar, dass dies ein ernster Streit war, vielleicht gar ein Kampf auf Leben und Tod. Es war ihm im Grunde egal, um was diese beiden Frauen einen Kampf austrugen. Es kümmerte ihn nicht, wie er ausging. Doch die Macht, die er besaß, verführte ihn dazu, einzugreifen… ein ironischer Zug spielte um die Lippen des Mannes, als er sein Gepäck von der Schulter gleiten ließ.

Es dauerte vielleicht etwas, bis die schrillen, kratzigen Töne der Violine bis zu Leia und Cyriaca drangen, bis sie das ungewohnte Geräusch bemerkten. Schon bald änderte sich der Klang der Töne, die bis eben gerade kaum als Musik zu erkennen waren. Eine leise Melodie, langsam, doch nicht einschläfernd… und ob sie es nun wahr haben wollten oder nicht, diese einfache Tonfolge berührte die beiden kampfeslustigen Frauen in ihrem Innersten. Jede Wut, die sie bis eben noch verspürt haben mochten, war für den Augenblick verflogen… der einzige Wunsch, den sie nun hatten, ist der, dieser zauberhaften Musik für immer zu lauschen. Es schien ihnen, als würden sie die Melodie kennen, und beinahe wussten sie die Worte, die man dazu singt… doch nur beinahe. Immer wieder wiederholte sich ein einfacher Refrain, der ihnen nicht mehr aus dem Kopf ging…

Und als die Musik leiser wurde und mit einem zitternden Ton verklang, hatte sich etwas in ihnen verändert. Es gab keinen Zorn mehr, keinen Groll und keine Aggressivität. Stattdessen Liebe, Freundschaft? Nein, nicht ganz. Etwas in ihnen sträubte sich dagegen, wollte der anderen an die Gurgel, wollte töten. Etwas tobte gegen die Fesseln, die der Zauber des Mannes den beiden Frauen auferlegte. Wut und Rage flammten wieder auf, sobald sie sich von der anderen abwandten, doch kaum war der Entschluss zum Angriff gefasst, kaum berührte die Hand die Waffe, schien ihnen das Herz zu schmelzen. Von einem Augenblick auf den anderen war dann jeder zornige Gedanke abwegig und völlig falsch.

Die schwarze Violine und den Bogen in der linken Hand, das Gepäck über der rechten Schulter, drehte sich der Fremde um. Er warf keinen Blick zurück, als er sich von der Lichtung entfernte. Er ging langsam, schlenderte fast: Er wusste, dass ihn keine der Frauen bemerken würde, denn davor schützte ihn sein bloßer Wille und die Magie, die diesem innewohnte. Noch lag ein zufriedener, sarkastischer Zug um seinen Mund, schadenfroh belustigt funkelten seine goldenen Augen, doch bald schon würde er nicht mehr an die beiden Frauen denken. Es war ihm völlig gleichgültig, was mit ihnen nun geschieht. Wie oft gab er schon fremden Schicksalen eine unerwartete Wendung – egal, was die Opfer seiner Willkür darüber denken mochten…

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Re: Irgendwo in Laethea

Beitrag von Cyriaca » Di, 10. Aug 2010 13:37

Auch Cyriaca war es definitiv lieber, wenn sie es lediglich mit einem Gegenpart zu tun hatte, die bereits eine Ahnung von ihrer magischen Fähigkeit besaß. So musste sie nicht mehr ganz so stark darauf achten, ihre Maske zu wahren, sobald dieser Typ außer Reichweite war. Was sie auch vorhatte, diesen Umstand bis zu seinen Grenzen auszuschöpfen.
Wobei sie sich nicht sicher war, ob sie es instinktiv zugelassen hatte oder wirklich überrumpelt von der anderen wurde. Ihre Konzentration war auf ihre Kräfte ausgerichtet, nicht darauf, ob die andere sie davon abzuhalten versuchte oder nicht.
Dadurch machte sie auch keinen Versuch, sich umzudrehen, als die Arme plötzlich verschwanden, oder gar dem Tritt zu entgehen, der ihr Kreuz traf. Es war nicht so wichtig, Schmerzen wurden bedeutungslos und unerheblich, sie würde sich später darum kümmern.
Das Biest war darauf angewiesen, dass sie in ihrer direkten Nähe sich befand, um sie körperlich erreichen zu können. Bei der jungen Frau jedoch war es irrelevant, ihre Attacke konnte auch auf die Distanz erfolgen.
Somit erheiterte sie der Versuch, sie von einem Angriff abzuhalten, lediglich, sodass sie leise zu lachen begann. Selbst in diesem Laut konnte man schon heraus hören, dass sie zu weitaus irrer klingenden Lauten fähig war. Es kam ihr über die Lippen, noch ehe sie sich sonst gerührt hatte, sodass es wie eine Ankündigung zu weiterem klang, denn erst danach begann sie damit, sich umzudrehen. Dabei allerdings blieb sie auf dem Bauch liegen, wandte allein den Kopf in die Richtung der anderen.
Das Echo ihres Lachens lag noch deutlich in dem Ausdruck ihrer Augen sowie dem kalten Grinsen auf ihren Lippen. "So, du kennst mich?!", fauchte sie amüsiert und schickte eine Spur aus Eis wieder der anderen zu.
Wenngleich diese nichts anderes als ein Ablenkungsmanöver war und das Biest in jene Richtung lenken sollte, in welcher der eigentliche Angriff stattfinden sollte. Zumindest hatte sie das vor und eigentlich sollte es auch klappen, da die andere zwangsläufig von der ersten Spur abgelenkt sein würde.
Wäre nicht auf einmal etwas an ihre Ohren gedrungen, was sie bis ins Mark schmerzte. Instinktiv hielt sie sich mit gequältem Gesichtsausdruck die Ohren zu und krümmte sich sogar leicht, sodass jegliches Eis, das sie schon losgeschickt hatte, verschwand.
Was aber zu ihrem Glück nicht lange andauerte, sondern mit einem Mal viel lieblicher, schöner wurde, sodass ihre Hände wieder herab sanken. Ihre Züge entspannten sich, ihre Lider senkten sich bis zu einem winzigen Spalt und sie begann damit, mit Wohlgefallen zu lauschen. Wo auch immer das herkam oder was das sein sollte, war ihr dabei egal, solange es nur nicht aufhörte.
Alles andere war mit einem Schlag unwichtig geworden.
Plötzlich allerdings verklang die Melodie, sodass sie blinzelnd sich in eine sitzende Position aufrichtete.
Was war denn das gewesen?
Ihr Blick glitt langsam in die Richtung der anderen, während ihre Augenbraue sich wie von allein anhob.
Irgendetwas stimmte da nicht. Einerseits hatte sie das Bedürfnis, ihrem Gegenüber an die Kehle zu gehen, sie einzufrieren und dann kurzerhand zu zerschlagen, um sie auf diese Weise anfangs zu foltern und am Schluss auch zu töten. Jedoch andererseits... konnte sie keinen Finger rühren in der Hinsicht oder wollte es überhaupt versuchen.
Was sollte das? Was war auf einmal mit ihr los?! Kam die Melodie vielleicht noch mal?
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Re: Irgendwo in Laethea

Beitrag von Leia » So, 15. Aug 2010 10:44

Leia war ein wenigverwundert. Erst dieses Lachen, dieses unnatürliche Kichern. Und dann diese Frage, zwar noch etwas amüsiert, aber unverkennbar böse. Leia wollte antworten, doch sie kam nicht dazu. Sie sah, was die Dämonin vorhatte. Eis.
Sie hatte erneut eine Eisspur gelegt, und Leia wusste, sie könnte nicht ewig fliehen. Dazu war es schon zu spät. Doch plötzlich verschwand das Eis. Einen Sekundenbruchteil später verstand Leia auch, wieso: Musik, falls man das so nennen konnte, erklang. Es hörte sich an, wie ein ungeübter Geiger. Leia wandte sich zum Fenster um - ihre Gegnerin hatte sie völlig vergessen - um zu sehen, wer da spielte. Doch sofort veränderten sich die Töne. Eine wunderschöne Melodie. Leia war wie verzaubert. Ihr kam es vor, als kenne sie dieses Lied. Sie hatte es schon einmal gehört, irgendwo, irgendwann... vielleicht.
Etwas später, womöglich fünf Minuten, womöglich aber auch zwei Stunden, verklang die Musik. Aber in Leias Kopf spielte sie weiter. Dann wachte sie auf. Sie erblickte wieder die Dämonin, die verwundert zu ihr sah. Leias erster Gedanke war: Jetzt bringe ich sie um! Aber sie konnte es nicht. Sie verspürte noch etwas anderes. Freundschaft? Nein, das war es nicht. Aber eine Art... Hassliebe.
Leia verabscheute diese Frau, doch gleichzeitig mochte sie sie. Was war geschehen. Hing das mit der Musik zusammen? Leia sah nach draußen, doch nichts war zu sehen. Sie drehte sich um und fragte: "Was war das?"

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Re: Irgendwo in Laethea

Beitrag von Cyriaca » Sa, 21. Aug 2010 0:09

Als sich die Melodie gelegt hatte, war es nun an Cyriaca selbst, verwundert zu sein. Obwohl... verwundert war wohl das falsche Wort, sie war schlichtweg irritiert und zugegeben, sogar ein klein wenig ratlos. Es entzog sich schlichtweg ihrem Verständnis, was mit ihr geschehen war, warum sie sich so anders und doch irgendwie auch gleich fühlte, ohne den Grund dafür fassen zu können.
Solange sie nicht direkt die andere ansah, kam es ihr so vor, als könne sie einen Gedanken, ihr eigentliches Vorhaben von gerade eben wieder fassen, sich erneut ins Bewusstsein rufen. Allerdings kaum, dass sie ihr Gegenüber auch nur im Augenwinkel wahrnahm, war es wie weggewischt und sie war einfach nicht mehr fähig dazu, einen Finger zu rühren, in negativer Absicht.
Selbst ihr Eis wollte sich nicht mehr bilden, solange sie auf den Hauch der Idee kam, es in die Richtung Fenster zu schicken. Trotzdem konnte sie nicht sagen, was sie davon abhielt, sich zu erinnern, genauso wie ihre Gefühle für die anderen, die sie nicht benennen konnte.
Solange sie nicht hinsah, waren sie zweifelsohne von kaltem, angriffslustigem Charakter. Jedoch kaum wurde sie erneut auf diese aufmerksam, waren sie wie weggewischt und sie hatte die irritierende Empfindung, dass sie dem Wesen niemals freiwillig etwas tun wollen könnte.
Als sie die schlichte Frage hörte, die sie sich ihrerseits unentwegt ebenfalls stellte, blinzelte sie und hatte erneut das Gefühl, als erwache sie, da es ihre Gedanken von bisher wieder wegwischte.
So sah sie erneut bewusster zu ihrem Gegenüber und hob langsam ihre Schultern ein wenig an, um sie kurz darauf wieder fallen zu lassen. "Musik... aber es ist merkwürdig, dass jemand seinen Weg in unsere Nähe gefunden hätte, um sein Instrument zu spielen.", gestand sie ihre Zweifel, ob da alles mit rechten Dingen zugegangen war.
Etwas, was vor wenigen Momenten noch vollkommen undenkbar für sie gewesen wäre.
Warum eigentlich? Warum hatten sie sich überhaupt so derart zerstritten, wo sie doch im Prinzip gut auskommen konnten miteinander?
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Re: Irgendwo in Laethea

Beitrag von Leia » Mo, 06. Sep 2010 9:35

Unsicher lächelte Leia. Sobald sie die Frau sah, verstand sie sich gut mit ihr. Aber als sie sich noch einmal zum Fenster umdrehte, war dieses Gefühl wie weggewischt. Was dachte sie sich nur dabei? Sie redete hier mit ihrer größten Feindin, in aller Seelenruhe, wo sie doch gerade jetzt die beste Gelegemheit hatte, sie zu töten!
Blitzschnell und wütend drehte sie sich um. Doch als sie ihren Gegenüber wieder sah... war sie wie gelähmt. Es ging nicht. So sehr Leia sich auch dazu zwang, diese Frau zu hassen, so sehr mochte sie sie. Irgendwann gab sie auf.
Aber, wer auch immer diese Musik gespielt hatte, er konnte noch nicht all zu weit sein. Leia wollte aus dem Fenster springen, doch dann wollte sie wieder die Frau umbringen, und dann wollte sie es wieder nicht. Konnte sie denn nichts tun? Sollten sie hier für immer kämpfen und sich mögen?
Leia, reiß dich zusammen! Es musste doch möglich sein, etwas anderes zu tun, als nur hier zu stehen! Leia hatte eine Idee. Sie sah den Dämon an und kletterte rückwärts aus dem Fenster. Dabei dachte sie ununterbrochen, Es ist für sie, es ist gut für sie, ich bin ihre Freundin! Und es funktionierte. Rückwärts lief sie an den Rand der Lichtung. Als die Schatten der ersten Bäume auf sie fielen, drehte sie sich um und rannte, sprang von Baum zu Baum wie ein Euchhörnchen, nur doppelt so schnell. Erst, als Leia bemerkte, dass Nut nicht mehr da war, blieb sie stehen. Sie wartete en wenig und dann kam er. Zusammen liefen sie weiter, nirgendwohin, nur weg von dieser Lichtung.
Leia wollte nie wieder zurück.

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