Des Schmiedes Paradies

Der fruchtbare Südosten Alvaranias, Einflussgebiet des Königspaares der Elfen.
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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Ibenir » Mo, 18. Jul 2011 13:25

Ibenir drehte sich um, blickte sie nun seinerseits wütend an und fragte sie: "Wenn du keine verhätschelte Adlige bist, warum quengelst du dann wie eine? Wenn du den Weg kennst, kannst du gerne vorausgehen, wenn nicht, dann läufst du einfach mit uns mit würde ich vorschlagen" Dann drehte er sich wieder um. Ihre Wutausbrüche waren sehr berüchtigt, nun war er mal derjenige, der sauer wurde, vielleicht half dass, sie zu beruhigen. Trotzdem zog er das Tempo etwas an, sodass die Söldnerin sich nicht langweilen konnte, da Elfen tatsächlich deutlich schneller marschierten als Menschen. Siltith grinste nur vor sich hin und betrachtete verzückt die Landschaft, er hatte einen völlig anderen Blick für die Pflanzen als Selicia. Schon bald hörte man ein leises schnaufen und keuchen, offenbar gefiel der Söldnerin das Tempo nun ebenfalls nicht, das war es auch was Ibenir bezwecken wollte. Ohne irgendeinen Kommentar und mit einem warnenden Blick zu Shaya drosselten sie das Tempo auf normales Maß und tatsächlich sagte die Schülerin nichts sondern blickte nur spöttisch vor sich hin. Der Schmied hasste solche Lektionen, aber sie konnte daraus nur lernen nicht immer zu aufmüpfig zu werden, egal wie gern er sie hatte, würde sie sich damit bei anderen nur selbst schaden. Elfen blieben normalerweise freundlich, manchmal erschien das für Außenstehende fast schon fadenscheinig, aber da sie länger lebten dauerten Streitigkeiten auch länger, deswegen verzichteten Elfen gewöhnlich auf so etwas und begnügten sich damit ihre Gedanken für sich zu behalten und sie dem Gegenüber in Gedanken an den Kopf zu werfen. Der Weg war sehr einfach, nirgends zugewuchert und führte direkt auf eine recht große Straße, wobei Straße eigentlich nach den Maßstäben der Menschen eher ein breiter Trampelpfad war, sehr eben aber nicht gepflastert, die Elfen versuchten das Bild des Waldes nicht zu sehr zu verändern, außerdem war Stein hier ein nicht sehr häufiges Baumaterial, da es im Wald fast gar keine Steinbrüche gab. Sklaven hielten die Elfen nicht, sodass keiner diese Arbeit machen wollte, außerdem bevorzugten die Elfen schlicht Holz für ihre Bauten. Nur wirklich große Bauwerke und Festungen waren mit Stein aufgebaut, ansonsten gab es hin und wieder auch Hybridbauwerke mit einer Mischung von Stein und Holz.

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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Selicia » Di, 19. Jul 2011 15:01

Das war keine sonderlich schlaue Wahl von Ibenir gewesen. Selicia war schon so dermaßen angespannt, wegen dem Ziel der Reise, der ständigen Streitereien mit Shaya und sie hatte immer noch mit ihrem Kulturschock zu kämpfen, da konnte sie es nicht wirklich gebrauchen, dass er sie anfuhr. Und ihr Stolz nahm ihm das verdammt übel. Plötzlich beschleunigten sie dann aber doch das Tempo, aber so erheblich, dass es Selicia schwer fiel, Schritt zu halten. Sie außer Atem geriet. Woraufhin die Elfen wieder das Tempo drosselten, ohne etwas zu sagen. Hätte sich jetzt einer von ihnen umgedreht, er hätte wohl das Weite gesucht. Aus den dunklen Augen war alles freundliche gewichen, eiskalt blitzte sie zwischen den Rücken der drei umher. Besonders Ibenir hatte es geschafft, sie richtig wütend zu machen. Er hatte sie vorgeführt und das war bei Selicia nie eine gute Idee. Entsprechend schloss sie auch nicht auf, sondern blieb auf Abstand. Sie fühlte sich, als wenn er ihr nur hätte beweisen wollen, wie unzulänglich sie im Vergleich zu Elfen war, welcher Unterschied zwischen ihnen herrschte. Falls das eine Lektion hatte sein sollen, dann hatte sie ihr Ziel gründlich verfehlt. Die ganze Aktion gab ihr eher das Gefühl, dass zwischen Elfen und Menschen Unterschiede herrschten, die man nicht überwinden konnte. Und Ibenir war ihr in ihren Augen gerade mehr oder weniger in den Rücken gefallen und hatte ihr damit leider nur eines bestätigt. Vertrauen lohnte sich nicht, man fiel damit immer irgendwann auf die Nase. Und wenn man Glück hatte, dann blutete man nur ein wenig, wenn man keines hatte, dann war man tot. Und irgendwie hatte Ibenir ihr auch gerade die Illusion genommen, dass sie hier vielleicht bleiben konnte. Das war lächerlich. Das konnte sie zwar vielleicht, aber dazu gehören würde sie nie. Vielleicht mochte es überzogen sein, wie sie empfand, aber diskutier lieber nicht mit einer Frau, die Selicias Temperament und Dickköpfigkeit hat. Besonders nicht, wenn sie so wütend ist wie jetzt gerade. Die Eiseskälte wich nach einiger Zeit wieder aus ihrem Blick, aber warm wurde er trotzdem nicht. Wie versteinert war ihre Mimik und sie blickte stur geradeaus. Erschöpft war sie noch lange nicht, aber sie fühlte sich fürchterlich hintergangen und in ihrem Stolz verletzt. Und im Endeffekt...was hatte sie denn außer ihrem Stolz? Die Hände tief in den Taschen vergraben marschierte sie mit mehreren Schritten Abstand hinter den Elfen her. Momentan wollte sie eigentlich nur weg von den dreien. Weg aus diesem verfluchten Wald. Einfach nur weg. Aber leider gab es nur den Weg geradeaus und den Weg zurück, den sie gerade gegangen waren. Nicht viel mehr. Ihr blieb also nicht einmal viel anderes übrig, als brav hinter drein zu trotten. Was sie schlussendlich auch tat, gab aber keinen Mucks mehr von sich und hätte einer von ihnen versucht mit ihr ein Gespräch anzufangen, sie hätte ihn solange ignoriert, bis er es aufgegeben hätte. Besonders Ibenir wollte sie momentan nicht zu nahe haben. Diese Aktion würde sie ihm nicht verzeihen, das war ihr ziemlich klar. Und so spielte sie die schweigende Reisebegleitung.

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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Ibenir » Sa, 23. Jul 2011 14:03

Den ganzen Tag über verhielt Selicia sich nun abweisend und zurückhaltend. Außerdem ignorierte sie Ibenir völlig, selbst wenn er ihr während einer Rast Wasser oder ähnliches gab. Irgendwann gab er dann entnervt auf und versuchte es gar nicht mehr. Dafür sprach sie nun mit Siltith, wenn es notwendig war, der sich hütete etwas über die momentane Situation zu sagen. Ibenir lief unterdessen in gemäßigtem Tempo vorwärts, nur noch darauf bedacht diese Reise endlich zu beenden und Siltith und Shaya loszuwerden. Die beiden hatten den ganzen Stress erst in Fahrt gebracht und der Schmied war es nun wirklich leid noch mehr Gesellschaft zu ertragen. Er war von Natur aus oft alleine umhergezogen, Selicia hatte diese Gewohnheit schon verändert, mehr Besuch brauchte der Schmied wirklich nicht. Er blickte sich öfters um, betrachtete teils verzückt, teils verwundert den Wuchs der Bäume und stellte wiederholt fest, wie anders es hier roch. Er konnte den Unterschied merken, da die Aufteilung der Bäume anders war. Folglich unterschieden sich auch bei so kurzer Distanz bereits die Gerüche durch Baumharze. Abends kamen sie in dem kleinen Dorf an, es war perfekt in die Bäume integriert und so mancher elf saß schweigend auf seiner Veranda oder seinem Balkon hoch oben in den Bäumen, je nachdem wie die Häuser gebaut waren. Manche waren acht Meter über der Erde, andere standen zwischen zwei Bäumen und hatten hochgelegene Terrassen und ähnliches. Es war erstaunlich wie sehr sich die Vorlieben der Elfen unterschieden und man sah Selicia an, dass sie überrascht war. Was genau es war wusste Ibenir nicht, vielleicht verwunderte es sie aber auch, dass die Elfen sie gar nicht anstarrten, sondern an ihr vorbeigingen, als sei der Anblick einer Menschenfrau hier ganz normal. Das war nur zum Teil wahr, es gab hier oft Menschen, welche hier handelten, Frauen waren jedoch selten zu Gast hier, trotzdem verbot es ihre Erziehung den Elfen zu gaffen. Im Gegenteil sie wurde genauso gegrüßt, wie Siltith, Ibenir und Shaya. Teils in elfischer (nicht alle Elfen konnten die Menschensprache) teils jedoch auch in der Sprache der Menschen. Sie selbst sagte selten etwas zurück, was ihr jedoch keiner übel nahm. Sie schien zu erschrocken ob der Fremdartigkeit, vielleicht gefiel ihr das Dorf auch mehr als sie gedacht hatte, Ibenir wusste es nicht und fragen wollte er sie nicht, da sie auf ihn ja sowieso schlecht zu sprechen war. Sie steuerten das Gasthaus an, was anders als manche Gaststätten der Menschen sehr schick möbeliert war. Es wirkte hell und freundlich, die Einrichtung bestand aus Buchen und Kiefernholz, was auch den Duft des Gastraumes erklärte.

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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Selicia » Sa, 23. Jul 2011 18:04

Während des restlichen Weges verhielt auch Ibenir sich am Ende etwas abweisend, was aber wohl aus ihrem eigenen Verhalten resultierte und genau dem entsprach, was sie gerade wollte. Nämlich gar nichts von ihm. Siltith versuchte mehrmals mit ihr ein Gespräch zu beginnen oder erzählte ihr irgendetwas über eine Pflanze, die sie gerade passierten. Mehr als ein knappes "Hm." brachte aber auch er nicht aus der Söldnerin heraus, die das Gesagte quasi sofort wieder vergaß. Was interessierte sie dieses gottverdammte Grünzeug?! Das gab es im Norden entweder nicht oder sie konnte schon so nichts damit anfangen. Und Selicia war bei weitem nicht der Typ, der dann Interesse heuchelte. Man merkte eigentlich sofort, wenn sie kein Interesse hatte und irgendwann gab Siltith es dann auch auf. Selbst Shaya verhielt sich seltsam still und zurück haltend. Normalerweise hatte so etwas für Zündstoff gesorgt, aber im Moment schwiegen beide. Gifteten sich nicht einmal mit Blicken an. Genau genommen ignorierten sie einander und so war bald das einzige Gespräch das zwischen Siltith und Shaya, welches die beiden in elfischer Sprache führte. An sich ein lächerliches Gefühl, aber Selicia fühlte sich dadurch noch ausgegrenzter. Fast wie ein Fremdkörper. Am Abend erreichten sie endlich das Dorf und Selicia kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Einige der Gebäude waren in die Bäume gebaut und damit hoch oben über dem Erdboden, andere standen zwischen den Bäumen. Und überall Spitzohren. Ausnahmslos mit schwarzen Haaren. Fast verzweifelt suchte Selicia nach Farbtupfern, wie blond oder braun, rot nicht unbedingt, aber es gab keine anderen Farben. Hatten denn alle Elfen schwarze Haare? Wie konnte das denn, die in den Nordreichen hatten doch auch verschiedenfarbige Haare? Durch die vielen Eindrücke bedingt war Selicia mit der Situation ein wenig überfordert, besonders weil sie von manchen Elfen im Vorübergehen gegrüßt wurde. Längst nicht immer nickte sie zurück. Das war...so anders, so ungewohnt. Immer noch folgte sie den dreien mehr oder weniger nach zu dem Gasthaus, welches auch ziemlich ungewohnt war. Ganz anders als bei den Menschen und besonders ganz anders als das, was sie gewöhnt war. Schweigend setzte sie sich mit an den Tisch. Überhaupt bekam sie die Zähne nicht mehr auseinander. Das Dorf war schön, ohne Zweifel, aber ihr gleichzeitig so dermaßen fremd, als hätte man jemand aus der Eiswüste in die normale Wüste geschafft und umgekehrt. Während des ganzen Abends sagte sie nicht ein Wort, saß nur blass zwischen den anderen und blickte die meiste Zeit auf den Tisch, nur manchmal sah sie sich um, aber das waren nur kurze Momente. Man mochte diesen Zustand auf ihre Wunde und ihre Erschöpfung schieben und unter diesem Vorwand verkrümelte sie sich dann auch schließlich, aber im Endeffekt war es die Fremdartigkeit dieses Ortes, die ihr zu schaffen machte. Die Wunde sah gut aus, es gab keinerlei Probleme damit und sie war auch noch fit, aber die ganzen Eindrücke zu verarbeiten...damit war sie einfach überfordert. Entsprechend ging sie auch ziemlich früh nach oben, hatte kaum etwas gegessen und nur wenig getrunken. Oben in dem Zimmer verschloss sie die Tür und saß dann auf dem Bett. Auch diese Einrichtung war völlig ungewohnt. Hell und sauber und die Verzierungen erst. So etwas hatte sie noch nie gesehen. Lange saß sie nicht dort, dann trat sie an das Fenster und blickte hinaus, die Schulter an die Wand gelehnt.

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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Ibenir » Mi, 27. Jul 2011 8:40

Ibenir fühlte sich entgegen seiner Erwartungen ziemlich wohl in dem Gasthaus. Er kannte hier recht viele, die meisten waren seine Kunden oder selbst Händler, welche das Waldreich der Elfen vom Norden her mit Importen aus anderen Regionen belieferten. Nach einiger Zeit war Selicia verschwunden und Ibenir saß alleine mit Siltith und Shaya am Tisch, während die beiden ihren Bericht über die Werwölfe bei den Dorfbewohnern abgaben. Er selbst hielt sich aus dem Gerede raus, ihm war nicht wirklich nach Reden zumute und als die Fragen irgendwann überhandnahmen und man ihn auf Selicia ansprach, stand der Elf auf, entschuldigte sich höflich und ging aus dem Gasthaus auf die Straßen des Dorfes er betrachtete die Gebäude, und begab sich zu einer Lichtung, auf der die Elfen sonst ihre Feste feierten. In der Mitte der Lichtung stand ein sehr alter und sehr großer Baum. Ibenir hätte dreimal seine Arme um den Baum legen müssen, um ihn völlig zu umfassen und seine weit verzweigten Wurzeln boten eine gute Sitzgelegenheit. Es war ein Ahorn, nicht sehr hoch aber sehr breit gewachsen und die Bäume am Rande der Lichtung schienen fast schon vor Respekt zur Seite gewichen zu sein, als dieser Baum der Erde erwachsen war. Natürlich war das Unsinn, die umstehenden Bäume besaßen bei weitem nicht das Alter. Es gab eine Vielzahl solcher Bäume im Wald Sieryan, doch Ibenir hatte bislang diesen als schönsten auserkoren. Der Stamm war von einem lichten Netz aus Efeu bedeckt, das den Baum jedoch nicht völlig zu umranken schien. Es wirkte vielmehr wie eine Zier, die den Baum nur noch verschönerte, nicht wie eine Gefahr für den Baum selbst. Die Blätter waren zahlreich und von einem so saftigen grün, dass Ibenir sich immer wieder wunderte wie kränklich die anderen Bäume dagegen aussahen. Wenn er durch die Zweige des Baumes blickte, sah Ibenir die Sterne, es war wieder einmal eine kühle Sternenklare Nacht, perfekt für ihn zum Nachdenken. Und dazu hatte er mehr als genug Bedarf in den letzten Tagen bekommen. Was sich mit Selicia weiter entwickeln würde wusste er nicht, der Zauber der ersten Tage war nun jedenfalls erst mal verflogen und er fragte sich, ob ihre Distanzen überhaupt überbrückbar waren? Würde sie jemals verstehen, wieso er mit ihrer schroffen Art nicht klar kam? Oder interessierte sie sich gar nicht für seine Ansicht? Vielleicht hatte sie in ihm nur eine Abwechslung gesehen, mal etwas anderes probiert, was sie in ihren anderen Reisen noch nicht probieren konnte. Ibenir wusste es nicht und je mehr er darüber nachdachte, desto weniger wollte er davon wissen. Irgendwann setzte er sich direkt an den Stamm, legte den Hinterkopf an in und blickte nach oben, bis seine Augen zufielen. Er erwachte erst, als es schon anfing wieder Tag zu werden und die Dämmerung grade eingesetzt hatte. Schnell erhob er sich und flitzte zurück zum Gasthaus, begab sich in sein Zimmer und legte sich hier für die letzten Stunden Schlaf zur Ruhe.

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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Selicia » Sa, 06. Aug 2011 15:34

Für die Elfen auf der Straße unsichtbar lehnte Selicia an der Wand und blickte hinaus. Sie fühlte sich so dermaßen unwohl wie noch nie in ihrem Leben. Ohne es zu bemerken fing sie an, an den Wundrändern zu knibbeln und den Schorf abzulösen. An den Rändern hatte sich zwar schon neue Haut gebildet, aber weiter innen noch nicht. Entsprechend hatte sie bald rote Fingerspitzen, was ihr im ersten Moment nicht wirklich auffiel. Dann schürzte sie die Lippen und trat vom Fenster zurück, zog sich das Hemd über den Kopf und untersuchte die Wunden. Es blutete nur leicht, würde also von selbst aufhören. Selicia legte sich seufzend auf das Bett, ohne die Decke zurück zu schlagen. Was machte sie hier? Warum zum Henker hatte sie sich auf all das eingelassen? Was hatte ihr Vater ihr während des Trainings immer gesagt? "Verlass dich nie auf andere, Selicia. Wenn es hart auf hart kommt, steht dir niemand mehr zur Seite, dann ist sich jeder selbst der Nächste. Sei immer in der Lage, dich selbst zu verteidigen, wenn du wirklich jemandem vertrauen willst, dann behalte immer einen Teil Mißtrauen im Herzen, dann fällst du nicht so tief, sollte dich dieser Jemand enttäuschen. Wir sind Söldner, wir kämpfen für den, der bezahlt. Und das kann heißen, dass wir im nächsten Kampf gegen Freunde kämpfen, mit denen wir zusammen gelacht, getrunken und gefeiert haben. Dann dürfen wir trotzdem nicht zögern, so gern wir diesen Menschen auch haben. Entweder töten wir ihn oder er uns, in diesem Augenblick sind wir Feinde, mehr nicht. Du bist eine Frau, Selicia, du musst stark sein, stark genug, in dieser Welt zu überleben. Und zwar allein. Ich werde nicht ewig da sein, irgendwann bist du allein. Und dann musst du es alleine schaffen, ohne jegliche Hilfe. Sei stark, meine Tochter, schnell und unnachgiebig." Das hatte er ihr so oft gesagt, wenn sie trainiert hatten und jetzt? Sie hatte kein Mißtrauen übrig behalten, sie hatte Ibenir voll und ganz vertraut und das war die Quittung dafür. Er führte sie vor. Was sah er denn in ihr? Eine menschliche Frau, die nach seinen Altersmaßstäben noch ein Kind war, was er maßregeln konnte? Sie hatte ihn akzeptiert, respektiert und verdammt ja, sie liebte ihn selbst jetzt noch, aber das war zu viel des Guten gewesen. Sie war eine Söldnerin, kein kleines Mädchen oder dergleichen. Wenn er irgendwas mit Anmut haben wollte oder was brav kuschte, dann sollte er sich eine Elfin suchen, nicht eine Söldnerin wie Selicia. So jemand hatte nun einmal Ecken und Kanten, die es nicht gerade einfach machten. Selicia setzte sich auf. Es ging ihr nicht gut, innerlich. Sie fühlte sich immer noch, als wenn er ihr mit voller Wucht den Dolch in den Rücken gerammt hatte. Das sollte sie sich vielleicht als Lektion für die Zukunft merken. Mittlerweile war es Nacht, aber Selicia war nicht wirklich müde. Die ganze Nacht saß sie still da und versuchte nachzudenken, zu verstehen. Vielleicht auch seinen Standpunkt, aber das war ihr einfach nicht möglich. Sie war eine Söldnerin aus den Nordreichen, er ein Schmied der Waldelfen. Konnte es größere Unterschiede geben? Waren sie überhaupt überbrückbar? Selicia fuhr sich mit der Hand durch die Haare. Momentan sah sie keinerlei Möglichkeit, sich jemals so weit an die Waldelfen anzunähern, dass man dem Chancen hätte einräumen können. Es tat ziemlich weh, diese Erkenntnis für sich selbst zu treffen. Aber was half es denn? Allein die Unterschiede zwischen Ibenirs Ansichten und ihren eigenen gingen himmelweit auseinander. Wie sollte man so etwas überbrücken, ohne sich selbst zu verlieren? Selicia seufzte leise und drehte eine Strähne um den Finger. Sie war hier fehl am Platz. Das war einfach nicht zu leugnen und vielleicht mochten die Elfen es anders sehen, aber das änderte nichts für Selicia. Am Himmel zeigte sich die erste Morgenröte und tauchte das Zimmer in einen leichten Rotschimmer. Selicia starrte zum Fenster und war immer noch keinen Schritt weiter, fühlte sich sogar noch verlorener und hilfloser als am Abend und beides waren Empfindungen, die sie nicht mochte. Mit einer kraftlosen Bewegung zog sie sich das Hemd über den Kopf und kämmte sich dann die Haare, flocht die für sie üblichen Zöpfe hinein und warf sich dann ihre Tasche über. Es mochte eine Flucht sein, aber sie wusste sich gerade keinen anderen Ausweg. Es war noch so früh, dass nicht einmal die ersten Vögel sangen, als Selicia das Gasthaus verließ und die Straße betrat und sich umblickte. Dann wandte sie sich in die Richtung, aus der sie am Vortag gekommen waren und marschierte los. Gerade als sie um eine Ecke gebogen und damit außer Sichtweite war, kam Ibenir zum Gasthaus zurück und betrat es. Sie hatten sich nur kurz verpasst. Den Kopf leicht gesenkt lief Selicia durch das Dorf und kam dann auf den Weg. Lange ausgreifende Schritte, ihr eigenes Tempo bestimmend, wanderte sie diesen entlang. Langsam blieb hinter ihr das Dorf zurück, verschwand zwischen den Bäumen. Die junge Söldnerin hatte die Hände in die Taschen gesteckt und ihre Schultern hielt sie nicht so gerade wie sonst, das schaffte sie heute morgen einfach nicht.

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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Ibenir » Fr, 12. Aug 2011 20:00

Nur wenige Stunden später erwachte der Schmied in seinem Zimmer und streckte sich gemütlich aus. Dann ließ er die Schultern kreisen und begann, sich für den Tag herzurichten. Er zog sich um und war damit grade fertig geworden, als Siltith an seiner Tür klopfte und eintrat. "Guten Morgen", meinte der Meister und sah ihn lächelnd an. "Ich habe mir erlaubt das Frühstück zu bestellen, Shaya und ich warten dann unten." Ibenir nickte und wunderte sich, dass der Meister nicht schon fort war. Vermutlich wollten er und Shaya sich erst verabschieden und dann ihrer Wege gehen. Ibenir war das gleich, er musste sich wohl oder übel erst mit Selicia vertragen. Langsam ging er hinaus auf den Gang und klopfte an ihre Tür. Sie normalerweise ein Frühaufsteher, es wunderte ihn also ein wenig, dass sie noch gar nicht wach war. Er wartete auf ein "Herein"-vergeblich. Selbst nach dreimaligem Klopfen tat sich nichts. Beunruhigt öffnete er die Tür und blickte ins Zimmer., welches zu seinem Entsetzen leer war. Und zwar nicht einfach verlassen, sondern sogar ihre Sachen waren weg. So schnell es möglich war stürzte er runter in die Stube, eilte zum Tisch und rief: "Selicia ist weg. das Zimmer ist völlig leer!" Dem Meister blieb die Gabel auf halben Weg zum Mund stehen und verweilte vor diesem, seiner Schülerin fiel gar die Kinnlade herunter und beide blickte ihn verwirrt an. Siltith runzelte die Stirn, legte sein essen wieder auf den Teller und stieg selbst nach oben, nach einigen Minuten kam er wieder herunter, trat aus dem Haus und verschwand. Ibenir selbst sackte auf dem Stuhl zusammen und stierte auf den leeren Sitzplatz, wo eigentlich Selicia gesessen hatte. Entführt war unmöglich, sie musste selbst gegangen sein und zwar absichtlich. Nach allem was Ibenir für sie empfunden hatte war das ein Schlag, der den Schmied mehr traf als er es je für möglich gehalten hätte. Shaya saß schweigend vor ihm und blickte ihn an. "Tut mir leid, vielleicht ist sie ja auch nur kurz unterwegs um sich abzureagieren" Der Schmied blickte sie ungläubig an und sie sah weg. Dann kam Siltith wieder: "Also so wie es aussieht ist hat sie das Dorf auf dem Weg verlassen, den wir gekommen sind und zwar in sehr langen Schritten und mit Gepäck. Offenbar wollte sie nicht weiter bei uns bleiben", schloss er mit einem fast schon traurigen Tonfall und setzte sich wieder. Der Schmied ersparte sich eine Antwort und stützte das Kinn auf seine linke Hand. Die beiden Waldläufer blickten sich an und Siltith machte einen vielsagenden Blick zu Shaya, die daraufhin aus dem Haus ging. "Ich will mich nicht mehr einmischen als gut wäre, aber vielleicht magst du mir trotzdem einen Moment zuhören Ibenir.", sagte der Meister behutsam und nahm einen Schluck Saft aus seinem Krug. "Es ist immer schwierig, wenn sich Elf und Mensch treffen, aber eine Beziehung zwischen Mensch und Elf ist obgleich wundervoll eine so komplexe Sache, dass sie seltener funktioniert, als es vielleicht wünschenswert wäre. Wir sind zwei Rassen, die sich in vielem ähneln und vielem unterscheiden, Selicia ist jedoch selbst unter den Menschen etwas besonderes, sie kann unsere Liebe zum Wald kaum verstehen, ich habe es in ihren Augen gesehen und sie zweifelte an etwas. An was sie zweifelte kann ich dir nicht sagen, vielleicht an ihrer Entscheidung bei dir geblieben zu sein, sich in dich verliebt zu haben oder vielleicht an sich selbst. Ihr sind all diese Unterschiede ganz offenbar sehr bewusst gewesen, sonst hätte sie dich bestimmt nicht verlassen. Aber du hast sie mit deinem Verhalten auch verletzt. Du hast sie vor Shaya und mir angefahren, und ihr dabei bewiesen, dass sie gegen Shaya", er schmunzelte und stoppte einen Moment, "keine Unterstützung hat, sie fühlte sich hier alleine und unverstanden und sie ist eine so stolze Persönlichkeit, dass die Ereignisse sie einfach überfordert haben. Aber sie liebt dich, da bin ich so sicher wie es nur geht. Ich kenne euch beide nur sehr kurz, verglichen mit den Leuten denen ich sonst begegne, allerdings schon sehr lange. Ich muss mir in Minuten ein Urteil über Leute bilden können, bei euch hatte ich Tage Zeit und immer wenn Selicia dich angesehen hat, wurde ihr stolzer und berechnender Blick weich. Sie wird dich schon bald vermissen und ich bin mir sicher sie kommt zurück. Du kannst ihr auch hinterherlaufen, aber ich fürchte dann wird sie selbst mit sich nicht ins reine kommen. Also lass ihr Zeit sonst....." Er verstummte,denn im selben Moment flog die Tür auf und Shaya kam hereingeflogen. "Meister ich habe Spuren gefunden", sagte sie mit entsetztem Gesichtsausdruck. "Das ist doch gut, es zeigt dass du bei mir immerhin ein paar Dinge gelernt hast, auch wenn sich zu zügeln nicht darunter fiel", meinte der Meister mit erhobener Augenbraue. "Verzeiht, Meister, ich war nicht geschockt weil ich Spuren fand, sondern weile es Wolfsspuren waren, die um das Dorf führen", stieß sie hervor. Nun war es Siltith, die Kontrolle über seine Mimik zu verlieren, auch wenn sie ihm nur eine Sekunde entfiel. "Wie alt sind sie?", fragte er und stand auf. Ibenir unterdessen war aufgesprungen und stand mit entsetztem Ausdruck neben den beiden. "Sie sind frisch, die sind niemals von den Wölfen die wir getötet haben", sagte Shaya. Alle drei gingen mit eiligen Schritten zusammen zum Rand des Dorfes, wo sie im Unterholz ganz deutlich die Pfotenabdrücke von einem sehr großen Werwolf fanden. Siltith betrachtete die Spuren. "Sie sind ein paar Stunden alt und größer als mir lieb ist. Und ich hatte schon gehofft wir hätten alle beisammen gehabt." Über den Baumwipfeln hatte es sich bewölkt und es schien regnen zu wollen. Ibenir dachte blitzschnell nach. "Meister ich werde Selicia suchen, der Wolf ist eure Aufgabe, ich bin nur Schmied und suche jetzt meine Gefährtin", sagte er und drehte sich um, dann rannte er los zur Schänke. "Ibenir", hörte er den Meister rufen, doch er hörte nicht und Siltith machte auch keine weiteren Versuche ihn aufzuhalten. Binnen Minuten war der elf fertig zur Abreise, bezahlte den Schmied und als er raustrat regnete es bereits leicht. Das war übel, denn der Regen ließ das Gras sich aufrichten, was die Spuren verwischte, so dass Ibenir befürchtete Selicia nicht zu finden, falls sie vom Weg abkommen würde. Mit langen Schritten rannte der Schmied den Weg entlang den sie am Vortag gekommen waren.

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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Selicia » Mi, 17. Aug 2011 14:22

Selicia marschierte einfach geradeaus. Sah nicht nach links und nicht nach rechts. Die letzten Tage, alles, erschien ihr auf einmal völlig unwirklich. Sie musste nur die Hand heben und ihre Seite abtasten, um zu wissen, dass es Wirklichkeit war. Aber sie tat es nicht. Es war, als wenn ihr dafür irgendwie die Kraft fehlte. Nicht, die Wunde zu prüfen, sondern sich der Wirklichkeit zu stellen. Die nun einmal so aussah, dass sie hoffnungslos in einen Elfen verliebt war, den sie niemals verstehen würde. Genauso wenig wie sein Volk. Es mochte irrational sein, aber Selicia empfand das Ganze als einfach unfair. Fühlte sich vom Schicksal gebeutelt. Sie hatte den Hieb eines Werwolfs überstanden, ohne selbst einer zu werden und wofür? Für eine arrogante kleine Waldelfe, die zur Waldläuferin ausgebildet wurde. Gehabt hatte sie nichts davon, außer Ärger. Mit Ibenir alleine, das war immer irgendwie gegangen, weil er ihr durch seine Arbeit als Schmied nicht so fremdartig vorgekommen war, wie Siltith und Shaya. Aber er hatte ihr ja deutlich genug vor Augen geführt, dass er genau wie sie ein Waldelf war. Nicht mehr und nicht weniger. Hätte man es in Worten ausdrücken sollen, die Selicia vertraut waren: Er hatte die Seiten gewechselt und Selicia zurück gelassen. Sei es Bezahlung oder Überzeugung, ein Söldner konnte wankelmütig sein. Und sich dann im nächsten Kampf gegen die stellen, mit denen er vorher gestritten hatte. Einfach, weil ihm die Bezahlung besser passte. Genau das hatte sie Ibenir nicht zugetraut und genau das hatte er getan. Sie hatte ihn immer auf ihrer Seite gesehen und dann plötzlich so etwas wie am Vortag. Selicia schnaubte und schüttelte leicht den Kopf, wie um diese Erinnerung loszuwerden. Aber sie hatte sich festgesetzt und wie es häufig so war, man erinnerte sich nur an die schlechten Dinge, nicht an die guten. Während sie dort in ihrem eigenen Tempo den Weg entlang marschierte, schneller als gestern das langsame Gehen, aber langsamer als das Tempo, was dann Ibenir angeschlagen hatte, achtete sie nicht wirklich auf ihre Umgebung. Wozu auch? War doch alles angeblich so toll bewacht von den Waldläufern und einem Pfeil, abgeschossen aus einem Hinterhalt, konnte sie eh nicht ausweichen. Der würde sowieso treffen. Wie viel Weg sie bereits gut gemacht hatte, wurde ihr gar nicht bewusst. Langsam zog sich der Himmel etwas zu, als wenn es anfangen wollte zu regnen. Selicia blickte nicht nach oben, sie marschierte einfach weiter, ignorierte die Anzeichen des sich ankündigenden Regengusses. Zumindest solange, bis etwas ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Sie mochte vielleicht ein Mensch sein, der bei weitem nicht so feine Sinne wie ein Elf hatte, aber sie war eine Kämpferin, eine Söldnerin. Wenn ihre Sinne mies waren, würde sie nicht lange leben. Und einer Sache war sie sich ganz sicher, da schlich irgendetwas durch das Unterholz. Und hatte gerade verräterisch geraschelt. Ohne sich etwas anmerken zu lassen ging Selicia weiter, hielt sich genau wie vorher etwas vornübergebeugt. Nur ein Blick in ihre Augen hätte verraten, dass ihr Verstand auf Hochtouren lief. Ein Tier? Wohl eher weniger. Aber was dann? Oder wurde sie jetzt endgültig paranoid? Vermutlich eher das. "He du!", rief plötzlich jemand hinter ihr. Selicia hielt inne und drehte sich um. Die Stimme kannte sie nicht. Den etwas verwahrlosten Elfen noch weniger. Seine Kleidung war mehr als zerschlissen, seine Haare ungekämmt und voll mit Blättern und Tannennadeln. Im Grunde nichts, vor dem man ihrer Ansicht nach Angst haben musste. Wäre da nicht dieser seltsame Ausdruck in seinen Augen, der Selicia zur Vorsicht gemahnte. Der sah vielleicht völlig abgerissen aus, aber das musste nichts heißen. Er stand mehrere Schritt hinter ihr, mitten auf dem Weg. Mochte ein etwas seltsames Bild abgeben, wie sich da die blonde Söldnerin und der zerrupfte Elf gegenüber standen. Selicia spannte die Muskulatur an. Das war zu merkwürdig, diese Begegnung. Wer sagte ihr, dass ihr Gegenüber nicht irgendetwas im Schilde führte? "Wer bist du und du was willst du?", versuchte sie die Initiative zu ergreifen. Der Elf erwiderte nichts, musterte sie nur. Sein Blick blieb an ihrer Taille hängen, dort, wo die Wunden von dem Werwolf geschlagen worden waren. "Du wurdest von einem Werwolf verletzt, ohne selber einer zu werden. Warum? ", entrüstete er sich fast. Selicias Augen wurden schmal. Was war das für ein Typ? Und woher wusste er von der Wunde? Hatten die Elfen gestern im Dorf etwa davon erzählt? Aber diesen Elfen hatte sie dort nicht gesehen. Plötzlich hob er das zerrissene Hemd etwas an, darunter wurden...Narben sichtbar. Die ihrer verdammt ähnlich sahen. "Du hast verdammtes Glück gehabt, Mensch." Dann schwieg er, ließ den Stoff wieder sinken. Selicia spürte deutlich ihren Herzschlag und unbewusst ging sie in eine etwas gebeugtere Haltung, wie um auszuweichen oder anzugreifen. "Na schön, du hast auch einen Angriff überlebt, aber was willst du jetzt von mir, hm? Ich hatte vermutlich einfach nur Glück." Der Elf nickte kräftig mit dem Kopf. "Ja, das hattest du, anders kann es gar nicht sein. Ansonsten wären schon lange Symptome zu sehen gewesen und die anderen Waldläufer hätten dich getötet. Ich hatte nur...gehofft..." Er brach ab, starrte zu Boden und sagte nichts mehr. Und erst jetzt begriff Selicia. "Du...bist ein Werwolf. Einer aus diesem Rudel!" Sie musste schlucken. Ganz schlechte Situation. Alleine auf weiter Flur mit einem Werwolf und kein anständiges Schwert zur Hand. Nur ihre Handschuhe und die zwei Dolche. Selicias Puls stieg leicht an. Der Elf nickte, immer noch mit gesenktem Kopf. "Ja...das bin ich. Der letzte. Die Waldläufer waren gründlich. Nur ich, ich bin ihnen entkommen. Ich habe dich aufgesucht...nun, um ehrlich zu sein, ich hatte gehofft, dass dich der Fluch auch ereilt. Dass ich nicht ganz alleine bin. Aber das war wohl vergebens. Mensch!" Seine Worte waren traurig, anders konnte man das nicht nennen und Selicia empfand tatsächlich so etwas wie Mitleid für ihn. Immerhin hatte sie beinahe das gleiche Schicksal erlitten wie er. Und freiwillig war er bestimmt kein Werwolf geworden. Genau wie die Anderen wohl nicht. Als er sie dann mit Mensch ansprach, damit sie ihm wohl volle Aufmerksamkeit schenkte, wurden Selicias Züge schmal und doch recht patzig erwiderte sie "Mein Name ist Selicia, nicht Mensch!" Der Elf stutzte kurz und lächelte dann. "Selicia", wiederholte er ihren Namen, "ich bin Leandrin, ehemals ein Waldläufer und jetzt Verstoßener und Gejagter. Selicia...ich beobachte euch schon eine Weile. Warum bist du alleine unterwegs?" Selicia wandte den Kopf zur Seite, einen kurzen Moment war Schmerz auf ihren Zügen zu sehen. Leandrin nickte. "Ich verstehe. Selicia. Als ich zum Werwolf wurde, habe ich alles verloren. Meine Familie, meine Freunde, meine Hoffnung. Das Rudel konnte nichts davon ersetzen. Also denk lieber noch einmal darüber nach, ob du jetzt wirklich gehen willst. Kein Leben währt ewig, willst du eine deiner wenigen Chancen vertun? Vielleicht sogar deine einzige? Du bist eine Kriegerin der Menschen, ich weiß genug über dein Volk um zu wissen, wie ungewöhnlich das ist. Du musst den Wald nicht verstehen, um in ihm zu leben. Und du solltest nichts wegwerfen, wenn es dir so schwer fällt. Gib auf dich Acht, Selicia. Ich hoffe, dass wir uns niemals wiedersehen, denn vielleicht bin ich das nächste Mal nicht so klar. Aber sollte es doch der Fall sein, dann hoffe ich, es ist Tag und du nicht auf der Jagd." Mit diesen Worten wandte er sich ab und tauchte wieder in den Wald ein. Als wenn sie wieder gemaßregelt worden war, blickte Selicia ihm nach. Nur leise kam eine Erwiderung. "Leb wohl, Leandrin." Er war ein Werwolf und er hatte ihr gerade eine wertvolle Lektion erteilt. Vermutlich weil er sich einfach besser in sie hatte hinein versetzen können, als sonst jemand. Als wäre dieser Abschied ein Zeichen für den Himmel gewesen, öffnete dieser seine Schleusen und es begann zu regnen. Erst stand Selicia noch mitten auf dem Weg, starrte dem Elf nach und versuchte irgendwie Klarheit in ihre Gedanken zu bringen. Doch dann entschied sie sich, unter einer großen Eiche am Wegesrand Schutz zu suchen. Den Rücken an den Stamm gelehnt saß sie da und starrte auf den Weg, der von den grauen Bindfäden des Regens etwas verschleiert wurde. Leandrin hatte gehofft, noch jemanden zu finden, der so war wie er. Und war enttäuscht worden. Was erwartete sie denn in den Nordreichen? Es gab niemanden, der so war wie sie. Zumindest hatte sie ihn noch nicht getroffen. Ibenir und sie unterschieden sich in so vielen Dingen und doch hatten sie sich ineinander verliebt. Waren diese Unterschiede denn wirklich so wichtig? Oder hatte das Schicksal seine Finger im Spiel, damit sie in den Süden ging und dort etwas fand, was sie in den Nordreichen nie gefunden hätte? Mit einem Mal vermisste sie den Schmied fürchterlich und ihr liefen heiße Tränen über die Wangen, drückten ihr den Hals zu und nahmen ihr den Atem. Was tat sie hier nur? Da fand sie doch tatsächlich jemanden, der sie liebte und sie kehrte ihm den Rücken zu. Warum hatte sie nicht einfach mit ihm geredet? Ihm gesagt, wie sehr sie diese Aktion am Vortag verletzt hatte. Wie sehr sie ihm eigentlich schon vertraute. Still saß Selicia dort, die Beine leicht an den Körper gezogen, die Arme auf ihnen abgestützt und das Gesicht geborgen, damit niemand ihre Tränen sah.

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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Ibenir » Fr, 19. Aug 2011 16:20

Zum ersten Mal in seinem Leben hatte Ibenir richtig Angst um jemand anderen. Er hatte generell kaum Angst, dafür war sein Leben als Schmied zu ruhig, doch dass er sich so um jemand anderen sorgte war neu. Mal wieder! Er würde sich später damit ausinandersetzen müssen, wie verwundbar man sein konnte, wenn man jemanden wirklich liebte. Seine Eltern waren nie in Gefahr gewesen, Selicia schien die Gefahr aber fast schon anzuziehen. Der Schmied legte ein fast schon mörderisches Tempo an den Tag und rannte den Weg entlang, so schnell und leise er nur konnte. Der Regen hatte bereits angefangen das Gras aufzurichten und die Abdrücke von Selicia verschwanden nach und nach. Und irgendwie weckte dies in ihm das Gefühl, dass auch Selicia sich immer weiter entfernte und irgendwann verschwinden würde aus seinem Leben, obwohl er eigentlich hätte wissen müssen, dass sie ihm niemals davonlaufen konnte. Aber die drohende Gefahr durch einen Werwolf war omnipräsent und ließ ihn erschauern, wenn sich manchmal das Bild eines blutigen Körpers am Wegesrand in sein Bewusstsein drängte.Nach einiger Zeit war er bereits ziemlich außer Atem, doch nichtsdestotrotz waren ihre Spuren nun verschwunden, doch sie führten zielsicher zurück und er war zuversichtlich, dass sie sich nicht verlaufen hatte. Sie war Söldnerin, da musste sie es gewohnt sein in der Wildnis zu leben und Werwölfe konnten ihr am Tag nichts antun, da war er sich ziemlich sicher. Dennoch minderte er das Tempo nicht und als er um eine Biegung lief, hörte er ein Schluchzen. Kurz darauf entdeckte er einen Körper am Wegesrand und für einen grausigen Moment bildete er sich ein, Blut zu sehen. Dann blinzelte er und das Bild war verschunden, Selicia war jedoch noch da und saß gegen einen Baum gelehnt am Wegesrand. Nun endlich atmete er auf und wurde langsamer, während er grübelte, was er jetzt sagen sollte. Er konnte ja schwer grinsend hinmarschieren und "Hallo" sagen, Vorwürfe und Fragen wolte er aber auch nicht sagen. Also lud er seien Sachen ab, setzte sich neben sie und blickte den Wald auf der anderen Seite des Weges an. Nervös fummelte er an seinem Wasserschlauch herum und wartete, bis sie Lust hatte mit ihm zu Reden. Trotzdem riss ihm nach einigen Sekunden der Geduldsfaden und er flüsterte: „Es tut mir Leid, ich wollte dich nicht bloßstellen ich war einfach zu voreilig mit meinem Mund.Verzeih mir bitte, ich möchte nicht dass du gehst" Er blickte sie diesmal an und versuchte ihr in die Augen zu gucken, was ihm sehr schwerfiel, weil er sich mehr schämte als ihm bislang bewusst gewesen war. Er hatte noch nie so rüde die Geduld verloren und jemanden derartig gemaßregelt.

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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Selicia » Fr, 19. Aug 2011 19:57

Wie lange sie dort gesessen hatte...Selicia wusste es nicht. In ihrem Kopf herrschte ein fürchterliches Durcheinander und sie kam einfach zu keinem klaren Gedanken. Weiter gehen konnte sie nicht, das entfernte sie immer weiter von Ibenir und das wollte sie nicht. Zurück gehen verbot ihr ihr Stolz. Sie war hier an diesem Punkt zwischen diesen beiden Möglichkeiten gefangen und wusste nicht mehr weiter. In diesem Moment wünschte sie sich, dass Ibenir da wäre. Damit sie nicht alleine war. Sie war nicht einmal mehr im Ansatz wütend auf ihn. Nur wie es weiter gehen sollte, das war ihr schleierhaft. Die Unterschiede würden nie verschwinden und wenn sie jetzt schon so massiv auffielen...würde es dann irgendwann besser werden? Und was sollte sie jetzt tun? Sollte sie zurück gehen? Oder weiter? Weil hier sitzen bleiben konnte sie nicht. Nur wenn sie zurück ging, dann blamierte sie sich vermutlich noch mehr. Und weiter ging nicht, weil sie dann Ibenir aus den Augen verlieren würde. Wieso war das alles nur so kompliziert? Und wieso machte es solche Kopfschmerzen? Selicia wusste einfach nicht, was sie tun sollte, fühlte sich mut- und hoffnungslos. Sie vermisste den Elfen mit einer Intensität, dass es schon schmerzte. Nur wie sie das wieder hinbiegen sollte...das war ihr ein Rätsel. Und das wurde ihr abgenommen. Erst als er fast neben ihr war, hörte sie den Elfen, hob leicht den Kopf und erkannte ihn aus dem Augenwinkel. So sehr sie ihn gerade auch vermisst hatte, ihm jetzt entgegen zu kommen...das konnte sie dann auch wieder nicht. Er setzte sich zu ihr und es fehlte nicht viel, dass sich Selicia bei ihm angelehnt hätte. Er schwieg. Nur warum? Warum sagte er nichts? Und dann platzte es mehr oder weniger aus ihm heraus. Selicia hob leicht den Kopf und starrte auf den Weg. Die Tränenspuren waren noch deutlich zu sehen auf ihren Wangen, ihre Augen waren gerötet und sie schniefte immer noch ein wenig. "Ich will auch nicht weg von dir. Aber es war, als wenn du mir einen Dolch in den Rücken gerammt hättest. Ibenir, ich...ich vertraue dir so, wie ich noch nie jemandem vertraut habe, nicht einmal meinem Vater. Ich hab dich auf meiner Seite gesehen und dann machst du sowas... Verdammt, ich weiß ja, dass ich stolz bin und nicht gerade leicht zu ertragen, aber ich bin halt keine Elfe. Ich bin eine Söldnerin aus den Nordreichen, ein Mensch. Ich bin unter Söldnern aufgewachsen, das ist nun mal ein ziemlich rauer Menschenschlag, das färbt ab. Ich kann einfach nicht aus meiner Haut heraus." Ihr Tonfall war etwas heftiger geworden, als sie eigentlich wollte und sie versuchte erst einmal tief durch zu atmen, wischte sich einmal mit dem Ärmel über die Augen. "Das hat halt verdammt weh getan gestern. Und dann dieses Dorf und nur noch Elfen, wohin das Auge blickt... Es ist alles so verdammt fremd da, damit komme ich nicht klar." Sie sprach mehr aus, als sie es bisher jemals getan hatte. Und sie mochte es nicht. Aber es brannte ihr auf der Seele und musste raus. Selicia atmete tief durch, um wieder ein wenig zur Ruhe zu kommen, dann drehte sie sich halb um und legte den Kopf auf Ibenirs Schulter, schloß die Augen. "Es ist alles so verdammt schwer...", flüsterte sie leise, "alles ist so anders hier. Ich verstehe so vieles nicht. Es ist, als wenn auch zwischen uns beiden eine Mauer steht, die ich nicht übewinden kann. Ich kann sie nicht überwinden und zu dir kommen. Weil ich so vieles einfach nicht verstehen oder nachvollziehen kann. Ich bin halt ein Mensch", schloß sie etwas mutlos. Sie war einfach nicht der Naturtyp, wie ein Jäger oder sowas, der mit der Mentalität der Elfen vielleicht etwas hätte anfangen können. Sie war eine Söldnerin, der am meisten bezahlte, dem stellte sie ihren Schwertarm zur Verfügung. Dazu gehörte eine gewisse Skrupellosigkeit, mit der sie nun einmal aufgewachsen war. Und Elfen, die waren halt komplett anders von der Mentalität. Alleine im Vergeich zu Menschen, aber wohl besonders im Vergleich zu Söldnern, die halt nicht wirklich viel Feinsinnigkeit ihr eigen nannten.

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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Ibenir » So, 21. Aug 2011 11:21

Ibenir schluckte und nickte langsam. Er hatte schon befürchtet, dass sie sich verraten gefühlt hatte, dabei war er von ihrer Sturheit nur genervt gewesen, mehr nicht. Dass es sie so erschüttern könnte hatte er gar nicht in Betracht gezogen. Er musste ihr irgendwie helfen sich zu Recht zu finden, doch er wusste nicht wie. "Wenn du die Mauer nicht überwinden kannst, warumwir es nicht zusammen? ", fragte er mit heiserer Stimme. "Die einzige Elfe, die dich so auf aufgeregt hat, war Shaya, die Elfen im Dorf haben dich doch allesamt höflich behandelt. Und ich verlange gar nicht von dir, dass du deinen Stolz ablegst, aber versuch doch zumindest nicht alle Elfen über einen Haufen zu werfen. Versuch doch einfach in uns Menschen zu sehen, ich bin überzeugt, dass es bei euch auch Menschen gibt die naturverbunden sind. Außerdem glaube ich selbst wenn ich mit dir in den Norden ziehen würde, zu den Menschen wären wir dort fremd. Frauen die so selbstständig sind, sind was Seltenes bei euch habe ich recht? Und ich wäre auch fremd dort, also wären wir fast doppelt verloren. Die Elfen hier akzeptieren deine Eigenständigkeit und sie werden dich nie beleidigen weil du eine Frau bist, das ist doch etwas, was du in den Menschenregionen häufiger finden würdest als hier oder? Du selbst hast mir erzählt, was für ein Leben du nach dem Unfall deines Vaters geführt hast, ich denke nicht, dass es das wert ist es hiergegen einzutauschen. Nur ist deine schroffe Art halt auch gewöhnungsbedürftig für uns, das kannst du uns wohl kaum verübeln. Ich werde dir helfen dich hier zu Recht zu finden und wenn du das möchtest helfe ich dir auch den Wald zu verstehen, wenn nicht lasse ich es. Aber lass es uns zumindest nochmal probieren. Und ich möchte dich auch gar nicht zurück zum Dorf führen, es würde dich eh nur langweilen.“, meinte er. Er war überzeugt Selicia würde sich hier zurechtfinden, wenn sie es nur wollte. Das Problem war, dass sie noch immer glaubte alle wollten ihr etwas böses, und die Begegnung mit den Waldläufern war leider das unglücklichste Beispiel gewesen, sodass Ibenir nur hoffen konnte, dass sie sich doch noch entscheiden würde hier zu bleiben. Zumal ihre Aussichten im Nordreich verglichen mit dem Wald und den Elfen nicht grade die Bessere Wahl sein würden. Doch was hatte seine Mutter ihm früher gesagt. Der Menschen Wille ist ihr Himmelreich. Und langsam wusste er auch wie sie das gemeint hatte. Er blickte Selicia prüfend an und stand auf. Dann drehte er sich um und wartete auf ihre Entscheidung. Er hatte sich so gestellt, dass sie wählen konnte. Er stand links, und der Weg zurück lag rechts. Er hatte ein mulmiges Gefühl, aber diese Wahl musste er ihr schlicht lassen, wenn sie sich nicht wieder bedrängt fühlen sollte. Er wusste, dass es jedem schwerfiel etwas neues anzunehmen, dass er nicht gewohnt war, doch war Selicia eine Söldnerin, an Mut mangelte es ihr nicht. Und intelligent genug war sie in jedem Fall um zu lernen und zu verstehen. Und er war überzeugt, dass nicht nur er lehren würde. Sie war so anders, dass sie ihn vom ersten Tag schon begonnen hatte zu verändern und er hatte nichts dagegen herauszufinden, was er noch alles lernen würde, wenn sie blieb. Man sagte dem Elfen oft eine fast schon kindliche Neugier nach, aber im Moment fand Ibenir überhaupt nicht, dass sie ein Nachteil war. Sie schien es ihm im Gegenteil leichter zu machen sich auf Neues einzulassen.

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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Selicia » Di, 23. Aug 2011 10:45

Selicia schüttelte leicht den Kopf. "Du hast es nicht verstanden", murmelte sie leise und atmete einmal tief durch, ehe sie noch einmal ansetzte, etwas zu sagen, was ihr auf der Seele lag, etwas, was sie zuvor noch nie geteilt hatte. "Es ist nicht die Art, wie die Elfen mich behandeln, absolut nicht. Es ist nicht die Art, wie sie mit mir umgehen. Es ist ist die Art, wie sie mit ihrer Umgebung umgehen, mit der Natur, überhaupt mit allem. Ihr lebt viel länger als wir Menschen, ihr habt eine ganz andere Einstellung. Sieh es mal so, ich werde vielleicht siebzig Jahre alt, wenn ich mich schlau anstelle, du wirst viel älter. Alleine dadurch haben wir eine ganz andere Sicht auf manche Dinge. Man, ich weiß nicht mal, wie alt du bist. Vermutlich nen ganzen Teil älter als ich. Aber verstehst du? Ich habe nicht so viel Zeit wie ein Elf und ich weiß das, genau wie alle anderen Menschen. Entsprechend ist mir eure Natur völlig fremd und unverständlich, wie wohl auch umgekehrt. Eure...eure ganze Mentalität. Ich konnte noch nie viel mit dem Wald anfangen, für mich ist das einfach nur eine Ansammlung von Bäumen, für euch ist das viel mehr. Und da fängt es schon an. Dann bin ich nach euren Altersmaßstäben vermutlich noch ne Jugendliche oder sowas, während andere Frauen in meinem Alter schon zwei oder drei Kinder haben. Das ist mein Problem. Das alles hier ist wie eine komplett fremde Welt für mich. In den Nordreichen werde ich vielleicht immer etwas komisch angesehen, aber auch mit Respekt und dort versteht man meine Handlungsweise eher, hier habe ich das Gefühl, ist das nicht der Fall." Selicia schwieg. Sie hatte angefangen zu reden und hatte gar nicht wieder aufgehört. Aber jetzt ging es ihr irgendwie etwas besser. Als wenn mit den Worten ein Teil der Last auf ihrer Seele gewichen war. "Du würdest in den Nordreichen weniger auffallen, als du meinst. Dort gibt es auch jede Menge Elfen, auch viele naturverbundene. Auch dort wärst du einer von vielen oder zumindest anderen. Aber ich stehe hier alleine. Es ist niemand so wie ich, niemand kann auch wohl nur im Ansatz verstehen, wie ich denke oder warum ich so handle. Sie meinen zwar, dass sie es tun, aber ob sie es wirklich können? Du scheinst es auch nur im Ansatz zu begreifen, habe ich das Gefühl, vielleicht besser als andere Elfen, aber du verstehst es nicht ganz." Selicia seufzte. Wie sollte er es auch verstehen? Sie verstand ja auch ihn nicht. Mit einer Hand fuhr sie sich übers Gesicht und sah ihn dann an. Es regnete immer noch. Und er stand da mitten im Regen auf dem Weg, ließ ihr die Wahl. Es war im Grunde ganz einfach. Entweder sie blieb oder sie ging. Nur was das Richtige wäre, das wusste sie nicht. Was hatte Leandrin gesagt? Willst du eine deiner wenigen Chancen vertun, vielleicht sogar deine einzige? Nein, das wollte sie nicht. Und bei Ibenir fiel es ihr nicht so gravierend auf wie bei anderen Elfen. Hatte es also vielleicht doch eine Chance? Selicia beschloß, es darauf ankommen zu lassen. Sie trat gerade auf den Weg hinaus, in den Regen und drehte sich dann zu ihm, ging zu ihm, schlang die Arme um seine Taille und drückte ihr Gesicht gegen seine Schulter. Der Stoff seines Hemdes war nass, aber das interessierte sie herzlich wenig. Sein Körper darunter strahlte genug Wärme aus. Nach einem Moment hob sie den Kopf und sah ihn an, sagte aber nichts.

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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Ibenir » Sa, 27. Aug 2011 15:48

Lächelnd umarmte er Selicia und drückte sie an sich, während er mit der linken durch ihr Haar strich. "Ich kann meine Waffen nicht für Menschen schmieden", stellte er fest. "Das habe ich meinem Vater versprochen. Du weißt was für Waffen ich mache, wenn die Menschen sie gegen uns einsetzen, wäre das zu schrecklich. Und außerdem weiß ich nicht, wieso du meinst nicht lernen zu können. Denkst du ich war immer so ein waldvernarrter Elf? Außerdem, du meinst wir verstehen dich nicht, aber wie könnten wir auch wenn du uns keine Chance dazu gibst. Alles braucht Zeit" Er schüttelte lächelnd den Kopf. Vor kurzem hatte sie ihn noch gefragt, ob sie nicht auch Waldläufer werden könne. Und jetzt wollte sie am liebsten wieder aus diesem Wald fliehen. Ibenir fragte sich, ob sie das wirklich wollte, denn wenn sie wieder im Land der Menschen waren, dann würde ihr Alltag wieder aus kämpfen und überleben bestehen, mehr als es hier der Fall wäre. Aber wenn sie das wirklich vermisste, dann würde er ihr nicht folgen können. Schiede brauchten Werkstätten, die man nicht einfach mitnehmen konnte und Waffen würde er niemals für die Menschen herstellen, Selicia vertraute er, aber Krieger und Söldner und Könige würden ihn nicht dazu bringen können ihnen Schwerter nach dem Rezept seines Vaters zu machen. Sie waren dazu gedacht die Elfen zu schützen, nicht die Menschen, die sich zu schnell in ihren Meinungen änderten. Und selbst wenn er nicht schmieden würde, so wäre er als Kämpfer kaum von Wert, ihm fehlte die Erfahrung und er würde wohl eher sterben als dort zu überleben und Selicia damit nur noch mehr schaden. Er legte seinen Arm über ihre Schulter und zusammen gingen sie den Pfad weiter runter zurück in Richtung zu Hause. Als es wieder in Sicht kam wurde Ibenir noch ein Grund klar weshalb er kaum weg konnte. Dies hier war sein zu Hause, er hatte nicht vor es zurückzulassen und vielleicht nie wieder zu sehen. Auch war er für das Dorf kaum ersetzbar, wenn er ginge würde ein anderer Schmied irgendwann seinen Platz einnehmen und bei seiner Rückkehr würde er sich eine neue Existenz aufbauen müssen. Aber was würde er machen wenn Selicia wegwollte? Konnte er sie ziehen lassen? Nein, das wusste er ohne groß nachdenken zu müssen. Und war er nicht trotz seiner für Elfen kümmerlichen Fähigkeiten nicht trotzdem ein im Vergleich zu Menschen guten Kämpfer? Er hatte gehört, dass viele verarmte Bauern zu Söldnern wurden, mit denen würde er es zweifellos aufnehmen können. Und dass er im Dunkeln besser sehen konnte als Menschen würde ihm wohl auch nicht von Nachteil sein. Je länger er darüber nachdachte, desto mehr packte ihn das Reisefieber und Neugier auf der einen und Pflichtbewusstsein und Bodenständigkeit auf der anderen Seite rangen miteinander um die Vorherrschaft. So kam es, dass Ibenir sich nichtmehr sicher war, ob sich das hierbleiben lohnte, oder ob es für ihn nicht besser war die Welt zumindest etwas zu besichtigen. Der Regen hatte inzwischen aufgehört und Ibenirs Kapuzenmantel hatte ihn vor der gröbsten Nässe geschützt, nur sein Hemd war nass und fühlte sich unangenehm kühl an.

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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Selicia » Di, 30. Aug 2011 15:38

Selicia antworte ihm nicht. Was hätte sie denn auch sagen sollen? Sie war nie lange irgendwo geblieben, was jetzt von ihr verlangt wurde, hatte sie noch nie gemusst. Überhaupt die ganze Situation war befremdlich für sie. Sie hatte sich nie Zeit für irgendetwas nehmen müssen. Er wollte seine Waffen nicht für Menschen schmieden, aber das wollte sie doch auch gar nicht von ihm. Worauf spielte er da überhaupt an? Selicia mochte sich einfach nicht mehr den Kopf zerbrechen. Zumindest gingen sie jetzt in Richtung der Schmiede, Ibenir hatte seinen Arm um ihre Schultern gelegt und sie ihre Hand auf seine, wie um seinen Arm dort zu halten, wo er war. Die Bedrohung durch die Werwölfe war in weite Ferne gerückt und Selicia dachte nur kurz an Leandrin und sein Schicksal. Es hatte nicht viel gefehlt und sie hätte es wohl geteilt. Oder hatte sie es nicht schon davor geteilt? Es bereitete ihr Kopfschmerzen, darüber nachzudenken, daher ließ sie es einfach. Für Leandrin konnte sie nichts tun, der war seines eigenes Schicksals Herr. Für sie war wichtiger, was jetzt im Moment in ihrem Leben passierte. Der Regen hörte nicht auf, wurde aber auch nicht stärker. So war er mehr ein Ärgernis, denn ein richtiges Problem. Erst als sie sich Ibenirs Schmiede näherten, hörte es langsam auf. Selicia wusste nicht, ob sie sich über die Ankunft freuen sollte oder nicht. Einerseits war es vertrautes Gebiet, andererseits war es auch das Ende einer kleinen Reise. Und das reisen war Selicia mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen. Ob sie jemals davon loskam? Denn unter anderen Umständen wäre ein Zusammenleben mit Ibenir wohl eher weniger möglich. Er brauchte einen Standort, wegen seiner Schmiede, aber konnte sie sich damit abfinden? Für immer an einen Ort gebunden...was für andere normal war, war ihr fremd. Aber vielleicht...mit der Zeit? Wieso spielte diese nur so einen großen Faktor? Während Ibenir die Brücken wieder begehbar machte, stand Selicia oben und wartete. Ihr war kalt und sie zitterte leicht. Besonders kühl fühlten sich die Stellen an, an denen Ibenir sie zuvor berührt hatte. Als die Brücke wieder hing, ging sie hinüber zu ihm und küsste ihn, strich ihm über die Wange. "Du solltest dir etwas trockenes anziehen", sagte sie leise und sah ihm nach, wie er im Haus verschwand. Blickte zur Seite, den Wasserlauf hinab und seufzte leise. Dann trat sie auf die Hängebrücke und setzte sich dorthin, ließ die Beine über den Rand baumeln und sah hinab ins Wasser. Wieso war das alles nur so verwirrend, kompliziert und anstrengend?

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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Ibenir » Sa, 03. Sep 2011 19:29

Der Schmied lächelte sie an und machte sich dann auf dem Weg zum Haus, wo er seine Waffen erst einmal achtlos auf den Tisch der Küche warf und seine pitschnassen Klamotten oben angekommen gegen neue wechselte. Er entzündete danach den Ofen, um sich und Selicia Tee zu machen, denn das Laufen in der Nässe, hatte den Elf ziemlich frieren lassen und auch Selicia würde garantiert nicht nein sagen zu einem ordentlichen heißen Getränk. Er lief in der Zwischenzeit wieder nach oben, richtete ihr Zimmer wieder her und verstaute alle Dinge, die er mitgenommen hatte an ihren angestammten Plätzen, kümmerte sich wieder um den Tee und deckte den Tisch zum Abendbrot. Dann lief hinaus zur Brücke und hockte sich neben Selicia, legte einen Arm um sie und sagte einige Zeit nichts, bis er flüsterte: "Möchtest du auch einen Tee?" Sie nickte nur und zusammen gingen sie zurück zum Haus, wo sich Selicia oben umzog und Ibenir sich darum kümmerte, seinen Bogen und die Pfeile trocken zu bekommen. Nässe tat der Sehne nicht gut, daher wachste er sie regelmäßig ein und war zeitgleich mit Selicia fertig. Das Schwert zog er kurz aus der Scheide, betrachtete die im Licht funkelnde Klinge sorgfältig und steckte sie dann wieder zurück. Er stellte es an die Tür zur Bibliothek und setzte sich wortlos zu Selicia an den Tisch, die ihn beobachtet hatte, immer noch ziemlich in Gedanken versunken. Auch der Schmied war immer noch etwas nachdenklich und schweigend aßen sie sich hin und wieder ansehend ihr Abendessen, was diesmal nur aus Brot und Aufstrich bestand, begleitet von dem Früchtetee. Er schmeckte nach Kirsche, Hibiskus und einem Hauch Vanille, was Ibenir schon als Kind immer gemocht hatte. Anschließend räumte Ibenir den Tisch ab, setzte sich wieder hin, legte das Kinn auf die Hände und blickte sich schwerfällig blinzelnd im Raum um. Der Tag hatte Kraft gekostet, der Schrecken und die Sorge um Selicia hatten diesen Effekt noch verstärkt, sodass der Schmied sich jetzt schon auf sein Bett freute. Nur die Angst morgen aufzuwachen und festzustellen, das Selicia wieder weg war nagte etwas an ihm. Auf der anderen Seite, würde er ihre Entschlüsse dann respektieren müssen, er konnte sie nicht hier festhalten. Und irgendwie hielt er es auch für unwahrscheinlich, dass sie wirklich gehen wollte, sie hatte die Wahrheit gesagt, als sie vorhin mit ihm gesprochen hatte, sie konnte vermutlich ebenso wenig ohne ihn wie er ohne sie. Und doch mussten sie irgendwann nochmal darüber reden, was sie zusammen tun konnten. Die Konstellation die sie jetzt hatten war keine Dauerlösung, so gerne der Elf das auch hätte. Und ein Teil tief in seinem inneren wusste das bereits, zusammen mit der notwendigen, wenn auch schmerzhaften Lösung.

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