Des Schmiedes Paradies

Der fruchtbare Südosten Alvaranias, Einflussgebiet des Königspaares der Elfen.
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Selicia
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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Selicia » So, 04. Sep 2011 17:42

Beinahe fasziniert starrte Selicia auf die Wasseroberfläche, die nicht gleichmäßig glatt war, sondern wirbelte und gluckerte, sich seinen Weg bahnte, egal, was sich ihm in den Weg stellte. Der Fluss würde wohl noch hier sein, wenn sie schon lange zu Staub zerfallen war. Lange aus den Erinnerungen der Elfen und Menschen verschwunden. Dieser Fluss würde dann immer noch da sein, lustig seine Melodie gluckern und seine vorgeschriebenen Bahnen nehmen, außer es war zuviel Wasser für sein Bett, dann würde er sich zur Seite ausbreiten, aber sein Weg wäre immer noch der gleiche. Er würde bleiben, alles andere gehen. Auch die Bäume, die jetzt an seinen Ufern standen, würden nicht ewig leben. Irgendwann würden sie fallen und neue würden wachsen, ihren Platz einnehmen und dem Flussbett damit ein neues Gesicht geben. Und sie selbst wäre vergessener Staub. Das war etwas, was Selicia nicht gefiel. Ihr blieb nur so verdammt wenig Zeit im Vergleich zu einem Elfen und dann würde sie einfach spurlos verschwinden, als wenn es sie nie gegeben hätte. Selicia wollte nicht einfach spurlos verschwinden, nur welche Spuren sollte sie hinterlassen, damit man sich an sie erinnerte? Viele Möglichkeiten gab es da einfach nicht. Nach einiger Zeit kam Ibenir zu ihr und setzte sich neben sie, legte einen Arm um ihre Schulter, was Selicia dazu nutzte, um sich ein wenig an ihn anzulehnen. Auf seine Frage hin, ob sie auch einen Tee mochte, nickte die junge Söldnerin nur und stand dann auf, um mit Ibenir gemeinsam das Haus zu betreten. Selicia ging nach oben in ihr Zimmer und verharrte dort einen Moment. Es war seltsam, diesen Raum zu betreten, wieder zu betreten. Wie oft kam das schon vor? Wie oft war sie an dem selben Ort? Es fühlte sich merkwürdig an, als sie die Tür hinter sich schloß und ihre Tasche achtlos auf den Stuhl warf, um sich dann ihrer Kleidung zu entledigen und diese so hinzulegen, dass sie trocknen konnte. Ihr war kalt und schnell kramte sie trockene Sachen heraus, zog diese an und trat dann an das Fenster heran, blickte hinaus und versuchte mit diesem seltsamen Gefühl in ihrer Brust klar zu kommen. Immer noch in Gedanken versunken und nicht wirklich zu einem Gespräch aufgelegt kam Selicia wieder nach unten und setzte sich dort an den Tisch, beobachtete Ibenir, wie er die Klinge prüfte. Wohl wegen der Nässe. Ihre Handschuhe hatte sie einfach oben hingelegt, die kamen noch dran, aber jetzt nicht. Immer noch schweigend aßen die beiden zu Abend, sahen sich zwischendurch nur kurz an, mehr nicht. Der warme Tee tat ihr wirklich gut, wärmte er sie doch von innen auf und erst jetzt fiel ihr wirklich auf, wie durchgefroren sie eigentlich gewesen war. Nach dem Essen saßen sie immer noch schweigend da, Ibenir wirkte ziemlich müde und auch Selicia merkte die durchwachte Nacht und die beiden Märsche deutlich. Dazu die emotionale Erschöpfung machte es ihr von Minute zu Minute schwerer, die Augen offen zu halten und wach zu bleiben. Nach einiger Zeit wurde es wirklich so schlimm, dass ihr fast der Kopf nach vorne fiel. Müde sah sie Ibenir an und berührte ihn am Arm. "Ich geh zu Bett, kommst du auch?", fragte sie ihn blinzelnd. Heute Nacht mochte sie nicht alleine schlafen, aber Ibenir würde sich vermutlich wieder in sein Zimmer verziehen und das wollte sie heute nicht. Nach diesen Worten stand sie auf und streckte sich ein wenig, rieb sich wieder über das Gesicht und sah Ibenir fragend an.

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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Ibenir » So, 11. Sep 2011 14:42

"Ja. Ich werd nur eben noch den Rest wegräumen, dann komm ich nach oben.", sagte der Schmied und schlurfte in die Bibliothek, wo der seine Waffen vollständig verstaute und danach räumte er die Küche auf. Selicia war schon nach oben gegangen, auch sie schien müde zu sein, aber scheinbar sollte der Schmied bei ihr schlafen, so brauchte er sich nicht fürchten, dass sie wieder gehen würde. Das beruhigte ihn enorm denn er war nicht gewillt sie gehen zu lassen, das er das nicht konnte, hatte der Tag ihm selbst eindrucksvoll gezeigt. Nun fast wieder gut gelaunt ging er nach oben in sein Zimmer, ordnete auch hier die Verhältnisse und ging dann in Selicias Zimmer. Hier war es nicht ganz so ordentlich aber das störte ihn wenig. Er ging zum Fenster und blickte hinaus, während Selicia sich trockene Klamotten zum schlafen anzog und sich dem unterdrückten zischen zu urteilen auch um die Wunde kümmerte. Dann gingen sie ins Bett, und Ibenir spürte, wie sich Selicia an ihn kuschelte. Lächeln legte er einen Arm um sie, und seinen Kopf an ihren. Versonnen streichelte er ihr Haar und wisperte: „Gute Nacht“, küsste ihr einmal auf die Stirn und blieb dann ruhig liegen. Sein Herz raste bei dem Gedanken, dass sie morgen vielleicht wieder weg sein könnte, doch sein Verstand wischte diese Zweifel beiseite und er beruhigte sich zusehends, bis er schließlich hörte, wie Selicias Atmung langsamer und ruhiger wurde. Er selber fühlte sich auf einmal wieder viel zu wach und so blickte er zum Fenster, betrachtete die Sterne, die draußen vorbeizogen und als er dann die Augen schloss konzentrierte er sich völlig auf die Geräusche, die der Wald durch den Wind hineinbrachte. Und hin und wieder hätte er schwören können leises Wolfsgeheul zu hören, aber bevor er sich darauf konzentrieren konnte das genau herauszufiltern, war er auch schon eingeschlafen.
Als er morgens aufwachte spürte er immer noch den warmen Körper von Selicia, der sich behaglich an ihn gekuschelt hatte. Lächelnd strich er durch ihr Haar und blinzelte im Raum umher. Dann kletterte er aus dem Bett. Er streckte sich gähnend und ging zum Fenster, wo er Augenreibend nach draußen blickte. Dann begab er sich in die Küche, wo er leise am Frühstück arbeitete, welches Er nach oben schleppte. Der Duft von Tee, Saft und Marmelade schien Selicia jedoch schon etwas früher geweckt zu haben als er beabsichtigt hatte, denn sie lächelte ihm bereits entgegen.

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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Selicia » Di, 13. Sep 2011 15:13

Selicia nickte nur und wandte sich dann zur Treppe, während Ibenir in seiner Bibliothek verschwand und dort wohl seine Waffen verstaute. Müde stapfte die Söldnerin die Treppenstufen hinauf und schlurfte dann fast mehr oder weniger in ihr Zimmer. Sie war so verdammt müde. In ihrem Zimmer angekommen setzte sie sich auf den Stuhl und löste dann die Zöpfe in ihren Haaren, griff nach der Haarbürste und kämmte sich die blonde Mähne noch einmal durch. Ihre ganzen Bewegungen wirkten mechanisch, als wäre Selicia gar nicht mehr richtig wach. Was wohl auch ziemlich passend beschrieben war, immerhin fielen ihr fast die Augen zu. Selbst als sie die Haarbürste weggelegt hatte blieb sie sitzen und starrte ein wenig blicklos auf ihr Spiegelbild. Erst als Ibenir ebenfalls die Treppe hinauf kam und dann in seinem Zimmer verschwand, merkte sie etwas auf, wurde mehr oder weniger wieder wach. Leicht schüttelte Selicia den Kopf und stand dann auf. Sie war so müde, dass ihr fast schwindelig wurde. Mit ein paar Schritten war sie am Bett angekommen und setzte sich hin, zog sich das Hemd über den Kopf und tastete mit den Fingerspitzen über die Wunde. Ibenir betrat ihr Zimmer und ging zum Fenster, wie um sich zu vergewissern, dass alles in Ordnung war. Nur kurz sah Selicia zu ihm, ehe sie an einem Stückchen Kruste zupfte und dann leise zischte, weil dieses immer noch ziemlich fest saß und es weh tat, daran zu ziehen. Daher ließ sie es einfach und zog sich ein anderes Hemd über den Kopf, ließ sich fast mehr oder weniger einfach zurück sinken und blieb einen Moment unbeweglich auf der Seite liegen, entspannte sich. Das war augenscheinlich so etwas wie eine Einladung für ihn, ebenfalls zu kommen. Gemeinsam kuschelten sie sich unter die Decke und Selicia schmiegte sich an Ibenir, die Augen bereits geschlossen. Seine Umarmung hatte etwas tröstliches, genau wie der Kuss auf die Stirn. Noch einmal öffnete Selicia die Augen und blinzelte ihn an und küsste ihn auf die Lippen. "Gute Nacht", flüsterte sie schon halb schlafend und schloß ihre Augen wieder, schmiegte sich an ihn. Atmete einmal tief durch, was fast wie ein leises Seufzen klang und rührte sich nicht mehr. Selbst ihre Gedanken schwiegen, so müde war sie. Nur wie das immer in so einem Moment war, man schlief nicht sofort ein. Es dauerte bei ihr zwar nicht sehr lange, aber noch ein paar Minuten war sie wach. Lauschte auf Ibenirs Herzschlag und Atmung, bis sie einfach hinüber glitt, regelmäßig atmete und tief und fest schlief.
Der nächste Morgen kam irgendwie viel zu schnell, hätte man Selicia gefragt und als wenn das nicht schon genug war, lag sie auch noch alleine im Bett. Seufzend kroch sie sich wieder etwas tiefer in die Decke. Ibenir war einfach ein übler Frühaufsteher, selbst nach so einem Tag. Und Selicia mochte sich noch gar nicht rühren, es war gerade so schön warm hier im Bett, dazu hatte sie noch seinen Duft in der Nase. Fehlte eigentlich nur der Elf selber, dann wäre dieser Morgen vollkommen gewesen. Ein anderer Duft mischte sich unter den Geruch des Elfen und ließ Selicia wieder schnuppern. Das roch nach Tee. Und da waren Schritte auf der Treppe und dem Flur. Ein bißchen widerwillig stemmte sich Selicia in eine sitzende Position, die Haare noch verwuschelt von der Nacht, das Hemd ziemlich verrutscht, sodass eine ihrer Schultern gut zu sehen war. Und wie sie fast erwartet hatte, kam Ibenir mit einem Tablett auf den Armen ins Zimmer hinein. Dieser Anblick ließ sie lächeln, während sie sich noch einmal über die Augen wischte. So richtig wach war sie dann doch noch nicht. Nachdem Ibenir das Tablett abgestellt und sich zu ihr auf das Bett gesetzt hatte, schlang sie die Arme um seinen Hals und küsste ihn zärtlich. "Guten Morgen", nuschelte sie noch ein wenig und kuschelte sich an ihn. Einfach nur um wieder seine Nähe zu fühlen. Den Kopf auf seiner Schulter liegend schloß sie die Augen und döste doch tatsächlich halb wieder weg und das im Sitzen. Gerade war sie ziemlich zufrieden.

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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Ibenir » Mo, 19. Sep 2011 19:26

Ibenir blieb still sitzen und kuschelte einige Minuten mit Selicia, dann ermunterte er sie langsam sich dem Frühstück zu widmen. Für seine Maßstäbe war Selicia eine s Langschläferin, was ihn verblüffte. Für eine so kurze Lebenserwartung wie sie die Menschen normalerweise hatten, ließen sie sich in vielen Dingen so viel Zeit. Andere Dinge jedoch erledigten sie im Eiltempo, das waren meist exakt die Dinge, die Elfen gewissenhaft taten oder für die sie sich mehr Zeit ließen. Der Elf verspeiste sein Frühstück gedankenverloren, während er hin und wieder zu Selicia blickte und ihr ein Lächeln zuwarf, dass sie fast schon strahlend erwiderte und als sie sich schließlich nach einigem hin und her doch entschied aufzustehen, begab sich der Schmied wieder nach unten um in der Küche herum zu werkeln. Eigentlich würde er heute jagen müssen, denn die Speisekammer war was Fleisch anging nichtmehr allzu gut gefüllt. Und er hatte keine Ahnung, wann er Wie lange sie eventuell noch in einer Art Belagerungszustand ausharren mussten, da die Werwölfe ganz offensichtlich immer noch nicht vollständig vernichtet waren. Er ging nach draußen auf den Hof und entsorgte den Müll, dann begab er sich in seine Schmiede und begutachtete die Gegenstände im inneren. Versonnen strich er mit der Hand über die rohe Oberfläche des Ambosses. Er wusste immer noch nicht, ob er das alles aufgeben sollte oder es wie sein Vater auch weiterführen sollte. Auf der anderen Seite, war seine Mutter eine Kriegerin gewesen, etwas Talent sollte er also eigentlich von Natur aus besitzen. Und Falls nicht konnte er immer noch Gebrauchsgegenstände schmieden, mit denen die Menschen einem nicht schaden konnten. So wäre sein Leben schon einmal sichergestellt. Aber seine Freunde hierlassen wollte er auf der andere Seite auch nicht. Er begab sich wieder aus dem Schuppen, ging an den Rand des Felsens und blickte hinunter in das Gewühl des Flusses, bis er aus den Augenwinkeln einen Schatten unter den Bäumen ausmachte. Als er seinen Kopf ruckartig in die Richtung bewegte, erblickte er wieder ein Huschen zwischen den Blättern, doch es war verschwunden, bevor er das etwas zwischen den Baumstämmen identifizieren konnte. Der Schmied runzelte die Stirn und ging langsam die Hängebrücke zum Ufer entlang, während sein Blick auf den Punkt zwischen den Bäumen blieb. Entweder hatte er sich die Bewegung nur eingebildet, oder dieses etwas wollte nicht gesehen werden, was beunruhigend war. Doch je länger er darüber nachdachte, desto weniger fiel ihm ein, was sich vor ihm verbergen sollte und so schob er seine Beobachtung mehr auf ein wildes Tier. Er schlenderte durch die Bäume, sah sich hin und wieder um, und begab sich dann zurück zum Haus. Drinnen sah er , dass Selicia im Lesezimemr umherwanderte und sich die Schriftrollen und Waffen besah, die dort hingen.

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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Selicia » Sa, 24. Sep 2011 0:59

Hätte Ibenir sie nicht angetippt, wäre Selicia wohl noch um einiges länger einfach so sitzen geblieben. Frühstück erschien ihr im Moment längst nicht so wichtig, wie die Nähe zu dem Elfen. Und diese genoss sie sichtlich, fragte sich, warum sie überhaupt gegangen war. Es war der Ärger gewesen, der sie fort getrieben hatte. Leandrins Worte gingen ihr wieder durch den Kopf. Kein Leben währt ewig, willst du eine deiner wenigen Chancen vertun? Vielleicht sogar deine einzige? Daher erwiderte sie sein Lächeln, wenn er sie ansah. Eine ihrer wenigen Chancen...vielleicht sogar ihre einzige. Und was war so schlimm daran? Sie hatte nichts zu verlieren. Es gab nichts, was sie zurück zog. Allerhöchstens die Andersartigkeit der Elfen trieb sie fort. Nachdem sie dann ihren Hunger gestillt hatte, stand sie schlußendlich doch auf um sich umzuziehen. Ibenir verschwand währenddessen nach unten und wohl auch nach draußen, denn als Selicia barfuß in sauberer Kleidung nach unten kam, war er nicht da. Etwas unschlüssig stand sie da und wusste nicht, was sie so recht tun sollte. Mit ihrer Zeit wusste sie hier einfach nichts anzufangen, dazu fehlten ihr die Aufgaben oder dergleichen. Daher ging sich nach kurzer Überlegung einfach in seine kleine Bibliothek, um sich dort ein wenig um zusehen. Immerhin war sie noch nicht wirklich häufig in diesem Raum gewesen. Die Hände hinter dem Rücken verschränkt stand sie vor den Büchern und Pergamenten. Die Schrift konnte sie nicht lesen, von keinem einzigen Buch. Aber die Buchstaben der Elfen sahen wirklich schön aus, ganz anders als die klare Schrift in den Nordreichen, viel schöner irgendwie, geschwungener. Und absolut fremdartig. Ob sie die lernen könnte? Sie hatte sich schon mit der Schrift in den Nordreichen herumgequält, da wäre das vermutlich hier nicht besser. Ibenir hatte seine Waffen hier gelagert, nachdenklich blickte sie diese an, ohne sie zu berühren. Die Waffen eines anderen Söldners hätte sie ohne schlechtes Gewissen an sich genommen und sie betrachtet, aber bei diesen wagte sie es nicht. Das Schwert war immerhin sehr wichtig für ihn und der Bogen...nun, es war ein Bogen. Und damit ging Selicia generell um diesen ein wenig herum. Sie mochte keine Bögen. Und das würde sich so schnell wohl auch nicht ändern. Als Ibenir hinein kam, drehte sie sich zu ihm um und lächelte ihn an. "Ihr Elfen habt wirklich eine schöne Schrift. Viel hübscher als das, was wir in den Nordreichen benutzen, aber für solche Zwecke wohl auch genauso unpraktisch. So eine Schrift auf einem Steckbrief, da kann einem der Schreiber fast leid tun." Mit den Fingerspitzen strich sie über ein paar der Buchrücken. "Kannst du die Schrift der Nordreiche, Ibenir?", fragte sie dann, ohne ihn anzusehen. Dann blieb sie stehen und nahm die Hand wieder herunter, trat einen Schritt von den Büchern zurück. Nachdenklich blickte sie sich um. Er lebte hier, hatte sich eingerichtet, für ein Leben auf Dauer. Nur wenn sie hier bleiben sollte, dann brauchte sie eine Aufgabe. Und mehr als kämpfen konnte sie nicht. Dann sah sie ihn wieder an und trat zu ihm, umarmte ihn. "Wenn ich hier bleibe, dann brauche ich eine Aufgabe, Ibenir. Sonst gehe ich ein vor Langeweile", murmelte sie direkt neben seinem Ohr.

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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Ibenir » Sa, 24. Sep 2011 14:20

Schmunzelnd umarmte der Schmied sie. "Ja ich kann eure Schrift, aber ich finde sie sehr eckig und schwer zu schreiben, die Schrift der Elfen geht mit einfach leichter aus dem Handgelenk. Aber ich denke du solltest dir eher mal die Kaligraphie meiner Mutter ansehen, das ist sehr viel schöner als alles, was ich je zustande bringen könnte." , erklärte er. Dann wurde er wieder ernster und blickte sie an. "Was kannst du denn außer kämpfen noch gut? Irgendetwas muss es geben was du noch gerne machst, im Prinzip kannst du sogar kämpfen lehren, aber ich denke die wirklichen elfischen Lehrmeister sind da zu überlegen, als das du wirklich Unterricht geben könntest." Es tat ihm weh ihr das sagen zu müssen, aber die Geschwindigkeit der Elfen war einfach zu groß für einen Menschen und die richtigen Lehrmeister ließen augenscheinlich auch Selicia weit hinter sich. Aber es gab durchaus auch arbeiten, die Menschen tun konnten, ohne dass ihnen die Elfen überlegen waren. "Wie wäre es denn, wenn du mir erst mal den Norden zeigst, und wir danach überlegen, was wir im Wald machen? Wie du schon sagtest, ich kann im Norden besser überleben als du im Süden, und langweilig wird mir selten", schlug er vor. Es behagte ihm zwar nicht, ohne Aussicht auf eine Rückkehr in den Norden zu ziehen, aber er würde Selicia folgen, wo immer es sie hinzog. Selicia blickte ihn skeptisch an und Ibenir versuchte sein Gesicht so neutral wie möglich zu halten. Trotzdem schien sie zu bemerken, dass ihm der Gedanke fremd war, denn sie schien unentschlossen und zuckte bloß mit den Schultern. Um ihr nicht ins Gesicht sehen zu müssen, ging Ibenir zum Bücherregal und holte ein Buch von oben, was seine Mutter damals geschrieben hatte. Es war aus Ibenirs Kindheit und enthielt Geschichten der Elfen, alle fein säuberlich aufgeschrieben und mit ihrer Kaligraphie verziert. „Das ist von meiner Mutter. Ich weiß nicht wie ihr es mit solchen Büchern haltet, aber ich fand es schon immer sehr schön“ Die Buchstaben waren reich verziert mit vielen Farben und Ibenirs Blick blieb an einem D hängen, aus dessen Form ein Drachenkopf herauswuchs. Überall waren kleine Rankenmuster an den Rändern der Seiten, mal stellte es Efeu da, mal etwas anderes. Versonnen betrachtete er das Buch. Seine Mutter hatte gesagt er würde es später seinen Kindern vererben, doch er hatte nie einen Gedanken an eine Familie verschwendet. Bis jetzt hatte er sich selbst immer als viel zu jung angesehen, doch nun wo er neben Selicia stand, fühlte er sich viel älter als sie. Es versetzte ihm einen leichten Stich, wenn er darüber nachdachte, wie viel schneller ihr die Zeit im Vergleich zu ihm weglief. Kein Wunder, dass sie beschäftig sein wollte und das Reisen liebte. Sie wollte so viel wie möglich von der Welt sehen, bevor die Zeit des Reisens für sie um war. Er ließ leicht den Kopf hängen, als er seinen Entschluss fasste. Er würde mit ihr gen Norden ziehen, wenn sie das wünschte.

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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Selicia » Di, 27. Sep 2011 15:54

"Wirklich? Ich fände eure verdammt schwer. Dieses geschwungene liegt mir nicht, auch wenn sie echt schön aussieht. Ich hab mich schon genug mit unserer Schrift abgequält, damit ich die anständig beherrsche. An der elfischen würde ich wohl einfach nur scheitern", sinnierte Selicia ein wenig vor sich hin, während sie seine Umarmung genoss. Was als nächstes kam, machte ihr nicht gerade viel Hoffnung, hier je eine Aufgabe zu finden. Leise seufzte sie und senkte leicht deprimiert ein wenig den Kopf. "Kämpfen ist alles, was mein Vater mir beigebracht hat. Er hat mich zwar in jeder Stadt zu Lehrmeistern geschickt, aber die haben mir nur lesen, schreiben und rechnen beigebracht, ein wenig Geschichte, solche Sachen eben. Und entsprechend kann ich nichts anderes als kämpfen wirklich gut", schloss sie leise. Damit hielten sich die möglichen Aufgaben wohl arg in Grenzen und wirklichen Nutzen konnte sie aus ihrer Kampferfahrung hier auch nicht ziehen, immerhin hatten die Elfen wohl wesentlich bessere Lehrmeister und waren da nicht auf einen Menschen angewiesen. Als Ibenir dann von sich aus vorschlug, dass sie erst einmal in den Norden reisen und sie ihm dort alles zeigen sollte, sah sie ihn skeptisch an. Warum, war wohl klar. Er hatte oft genug mehr als deutlich gemacht, wie wohl er sich hier fühlte dass das hier sein Zuhause war. Und daraus wollte sie ihn nicht heraus reißen. Entsprechend ein wenig hilflos zuckte sie mit den Schultern. Diese Lage war einfach zu verzwickt. Sie war eine Wanderin, hielt es einfach nicht lange an einem Ort aus und er war so bodenständig, hatte für sich eigentlich schon den Ort gefunden, an dem er leben wollte. Und entsprechend nicht sonderlich angenehm war dieses Gespräch. Ibenir löste sich von ihr und trat an das Regal, zog ein Buch heraus, welches er ihr zeigte. Die Schrift darin war wirklich wunderschön. Mit der Fingerspitze des Zeigefingers strich sie über das Bild des Drachenkopfes. "Deine Mutter kann wirklich wunderschön zeichnen", murmelte sie leise. So etwas hatte sie selber noch nie ausprobiert, wozu auch? Unweigerlich kam dabei der Gedanke in Selicia auf, wie es wohl war, überhaupt eine Mutter zu haben. Während sie so da neben Ibenir stand und mit dem Finger die Zeichnungen entlang fuhr, fühlte sie sich irgendwie seltsam. Als wenn etwas fehlen würde. "Ibenir", kam es leise von ihr, "wie ist das? Eine Mutter zu haben, immer an einem Ort zu leben und nicht alle paar Monate weiter zu wandern? Wie ist es, wenn man eine vollständige Familie hat?" Auch wenn sie es nicht zugegeben hätte, diese Frage hatte sie über die Jahre hinweg doch immer wieder mal beschäftigt. Selicia kannte nur die Variante, mit dem Vater durch die Lande zu ziehen, ohne Mutter. Die einzige Familie ungehobelte Söldner.

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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Ibenir » Mo, 03. Okt 2011 12:30

Der Schmied stockte kurz, bevor er antwortete. "An einem Ort zu leben kann Segen und Fluch zugleich sein. Meine Mutter war in der Garde des Königs, daher habe ich sie selten gesehen. Und wenn sie dann mal da war, haben wir so viel unternommen wie es nur ging. Den Hauptteil meiner Erziehung habe ich daher von meinem Vater bekommen, meine Mutter war eher so der Teil, der mich mehr verwöhnt hat." Er lächelte einen Moment in sich hinein, kurz in Erinnerungen versunken. "Mein Vater hatte sich früher dafür entschieden an einem Ort zu leben und es ständig bereut. Ich möchte nicht den gleichen Fehler machen wie er, wenn ich vor der Wahl stehe. Er ist zweifellos der beste Waffenschmied hier, aber an der Spitze zu stehen ist oft auch sehr einsam. Und ich denke er ist erst wieder richtig glücklich, wenn meine Mutter ihren Dienst in der Garde quittiert." Er selber war sich zwar nicht sicher, ob er fürs Reisen zu gebrauchen war, aber er wollte nicht denselben Fehler machen wie sein Vater, da war er sich sicher. Er stellte das Buch wieder zurück und kramte in seinem Schriftenregal nach einer unscheinbar aussehenden Rolle. „Das hier ist von mir. Es ist ein Liedtext, den ich geschrieben habe.“ Unverkennbar war das Rankenmuster an den Seitenrändern, die er von seiner Mutter gelernt hatte. Der Text des Liedes drehte sich jedoch darum, wie ein Meister versuchte ein meisterhaftes Schwert zu schmieden und stets scheiterte, bis er versuchte es nichtmehr perfekt zu machen. So zierte das Abbild eines silbernen Langschwertes die Kopfzeile der Rolle, welches leicht in der Sonne zu schimmernd schien wenn man die Rolle im Licht drehte. Er hatte eine Farbe genommen, die mehr wie Honig war, darin enthalten waren winzige Metallspäne, die nun im Licht schimmerten und das Schwert relativ echt erschienen ließen. „Zeichnungen und Texte haben mich immer schon fasziniert, ich habe früher stundelang in den alten Werken meines Vaters gelesen, wo alte Schmiedemeister ihre Reisen und Entdeckungen festgehalten haben. Und ich kann dir sagen, die Kaligraphie früher war schwerer zu lesen als heute, weil noch viel verschnörkelter war. Manches ist auch uns Elfen verloren gegangen mit der Zeit.“ Selicia schien ein wenig gefesselt von dem Abbild zu sein und besah sich die Klinge aus unterschiedlichen Lichtwinkeln. Lächeln sah Ibenir ihr dabei zu, bis sie die Rolle behutsam wieder ins Regal räumte. Dann blickte der Schmied ihr mit einem ernsten Gesichtsausdruck ins Gesicht. „Wir können nicht ewig hierbleiben. Dieser Ort ist noch nichts für dich und ich habe keine Ahnung von dir, ich wüsste nicht was du hier machen sollst. Die Menschen die wir lieben kennen wir oft am wenigsten, hat meine Mutter mal gesagt.“ Er drehte sich um und blickte das Schwert an, was an der Wand in der scheide ruhte. Es war nicht dafür gemacht in die Jahre zu kommen und an der Wand zu verrotten, es war zum Kampf bestimmt. Und irgendwas in Ibenir war überzeugt, sein Vater hatte ihm das Schwert genau aus diesem Grund gegeben, damit Ibenir sich nicht in seiner Schmiede verbarrikadierte, in der Hoffnung, dass irgendwann einmal die Welt zu ihm kommen würde.

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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Selicia » Fr, 07. Okt 2011 20:31

Ein unbestimmtes Gefühl von Eifersucht befiel Selicia. Was Ibenir da erzählte...gut, seine Mutter mochte nicht so häufig da gewesen sein, aber er hatte zumindest eine gehabt. An diesem Gefühl änderte nicht einmal seine Erzählung, dass sein Vater wohl oft einsam wäre, weil er an einem Ort lebte und dort geblieben war, etwas. Es hatte wohl alles seine Vor- und Nachteile. Der eine beneidete den anderen. Während Ibenir das Buch zurück stellte, blickte Selicia aus dem Fenster. Im Moment wusste sie einfach nicht, was sie mit sich anfangen sollte. Nicht nur in diesem Augenblick, sondern generell. Weiter als Söldnerin durch die Lande ziehen? Aber ob das das Richtige für Ibenir wäre? Nur was sollte sie sonst tun? Sie konnte doch nur kämpfen und für immer an diesem Ort bleiben...was sollte sie hier tun? Selicia war das Reisen in Fleisch und Blut übergegangen, aber war das auf Dauer auch das Richtige? Mit einem Mal fühlte sie sich fürchterlich entwurzelt, als würde sie nirgendwo hingehören. Weder hierher noch in die Nordreiche. Es gab keinen Grund, an einem Ort zu bleiben, sie war keine Handwerkerin, die sich niederlassen konnte, sie war eine Kämpferin, lebte von der Hand in den Mund und war weit davon entfernt, ihren Sinn im Leben gefunden zu haben. Als Ibenir ihr die Schriftrolle zeigte, musste sie sich quasi von dem Blick aus dem Fenster losreißen. Ganz leise seufzte sie und besah sich dann die Zeichnung. Diese sah unheimlich echt aus, als wäre das eine echte Klinge auf dem Bild. Wie er das wohl hinbekommen hatte? Das glitzerte ja regelrecht im Licht, als wenn sich die Sonnenstrahlen auf dem Metall einer echten Klinge brechen würden. Selicia hätte wohl noch eine ganze Weile gerätselt, aber das unterband Ibenir, indem er die Schriftrolle wieder beiseite räumte. Was er dann sagte, wog ziemlich schwer und hing im Raum, wie ein schlechter Geruch. Während er sich umwandte und sein Schwert betrachtete, setzte sie sich auf den Stuhl am Tisch und sah nachdenklich zu Boden. "Und was ist dann mit deiner Schmiede? Ich meine, du hast so etwas wie eine Verantwortung hier. Auf mich wartet nichts, keine Familie, keine Aufgabe. Selbst wenn wir jetzt zusammen reisen sollten, wie stellst du dir das vor? Ich bin eine Söldnerin und weiß im Moment nicht einmal, ob ich überhaupt noch als solche arbeiten kann. Die Söldnergilde macht es uns freischaffenden Söldnern immer schwerer, an Arbeit zu kommen. Und im Moment weiß ich nicht einmal, was ich mit mir selber anfangen soll...", schloss sie flüsternd. Ihre Worte klangen recht bitter, waren aber die reine Wahrheit. "Im Endeffekt weiß ich also weder, was ich hier tun könnte, noch was ich in den Nordreichen weiterhin soll. Ich weiß auch nicht, wie es dir dort gehen wird. Wenn du plötzlich wieder fort willst, weil es dir nicht gefällt oder dergleichen...ich glaube, ich wüsste nicht, ob ich dann da bleiben oder mit dir gehen will. Moment ist alles so...so..." Selicia machte eine Geste mit den Händen, die ihre Verwirrung zeigen sollte und sanken schließlich wieder herab. Sie seufzte leise. "Alles in meinem Kopf dreht sich und ich weiß gar nichts mehr", murmelte sie leise und starrte auf den Boden.

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Re: Des Schmiedes Paradies

Beitrag von Ibenir » Mo, 20. Feb 2012 15:02

Zeitsprung: +7 Monate
Langsam trottete der Schmied den langen gewunden Pfad entlang, der an seinem geliebten Fluss entlangführte. Er erinnerte sich noch sehr genau an den Tag, an dem er mit Selicia aufgebrochen war, als sie den Fluss überqueren wollten und ein Baumstamm alle Pläne durchkreuzt hatte. Was danach geschehen war hatte er in den vergangenen Monaten nicht herausfinden können, nur Erzählungen des Händlers, der ihn gefunden hatte zeugten von seinem weiteren Schicksal. Offenbar hatte sich der fast ertrunkene Elf an den Baumstamm geklammert und war ohnmächtig geworden. Nur mit Schaudern erinnerte sich der Schmied an den Tag zurück, an dem er wieder aufgewacht war. Seine Blasse Haut war übersät gewesen mit Wunden, Schrammen und Prellungen, es hatte Wochen gedauert, bis er wieder vernünftig laufen konnte, obwohl ein Heiler sich rührend um ihn gekümmert hatte. Das Wasser hatte ihn eine sehr weite Strecke mitgerissen und nach seiner Genesung war er so schnell er konnte an den Ort des Unfalls zurückgekehrt, hatte die Dörfer in der Gegend abgesucht nach seiner Selicia und festgestellt, dass sie fort war. Wie alle anderen auch war sie davon ausgegangen, dass der Schmied getötet worden war, das Pferd hatte man gefunden, ihn jedoch nicht. Danach hatte er sich aufgemacht und den Wald nach der trauernden Söldnerin abgesucht, doch ohne Erfolg. Das war jetzt 7 Monate her und seine gebrochenen Rippen und Wunden waren verheilt. Doch die Wunde in seinem Herzen war es nicht, er vermisste die Frau, die innerhalb so kurzer Zeit so viel in ihm verändert hatte. Seine Abgewetzten und zerrissenen Kleider ähnelten mittlerweile fast ihrem Zustand, als er sie bei sich zu Gast gehabt hatte. Das war auch der Grund weshalb er sie noch trug, abgesehen davon, dass der Schmied kein Geld mitgenommen hatte um sie zu finden. Das was er für die Reise eingeplant hatte, war zusammen mit dem Pferd verloren gegangen ebenso wie sein alter Jagdbogen. Durch Arbeit und Verhandeln hatte er einen neuen sehr schönen bekommen, der dem alten entsprach, auch wenn das Muster der Verzierungen anders war und der Bogen nicht dieselben Erinnerungen auslöste wie der Alte. Jetzt jedoch war er wieder zu Hause, um seine Sachen erneut zusammenzuraffen, etwas Geld zu holen und Selicia zu suchen- diesmal außerhalb des Elfenreiches. Bislang hatte er das vermieden, da er sich dort nicht auskannte und gehofft hatte, dass Selicia weiterhin die Nähe zu den Elfen suchen würde. Aber er konnte auch verstehen, dass dies nicht ihre Welt war und jede Erinnerungen an den totgeglaubten Elfen musste wehgetan haben. Selicia hatte schon einmal alles verloren, und nun musste die denken, dass es mit Ibenir ähnlich wäre.
Im Haus angekommen drehte sich Ibenir erst einmal um seine eigene Achse und sah sich um. Er war nicht oft zuhause gewesen seit dem Unfall, aber jedes Mal aufs neue freute er sich allen Umständen zum Trotz hier zu sein. Seine kleine Oase war der letzte Zufluchtsort der Geborgenheit, den er hatte das würde sich wohl nie ändern. Er ging die Treppe nach oben ins ein Schlafzimmer, vermied sorgfältig jeden Kontakt mit Selicias´ altem Zimmer und schnappte sich so schnell wie möglich einige Klamotten, die er in einen Sack stopfte. Er hielt kurz ein, besah sich den Ausblick, den er vom Fenster her hatte und prägte sich die Detail genau ein, er wusste nicht wann er sie jemals wiedersehen würde. Anschließend begab er sich in die Bibliothek, schnappte sich sein Langschwert und legte die Rüstung an, die er für die Suche nicht benötigt hatte. danach hüllte er sich wieder in den dunklen Elfenmantel, der ihn seit dem Unfall begleitete und die funkelnde Rüstung verhüllen sollte. Köcher und Bogen auf dem Rücken und das Schwert am Gürtel, so macht er sich wieder auf um seine Selicia zu finden.
Etwas weiter den Fluss hinab stand sein Pferd angebunden und wartend. Es war eine braune,sehr schön gewachsene Stute, Mithilia war ihr Name. Ibenir wusste gar nicht, wie viele Schwerter er innerhalb der kurzen Zeit geschmiedet hatte. Er war wirklich immer besser geworden, so wie seine Kampfkünste durch Selicias´ Training und hatte jetzt so viel Geld zusammen, um ohne Sorgen die Reise anzutreten. Langsam und sorgfältig befestigte er den Beutel mit seinen Habseligkeiten am Sattel und machte sich auf die womöglich lange Reise. Von einem Händler hatte er erfahren, dass dieser Selicia am Waldrand in Richtung Norden gesehen hatte. Das war nun auch sein Ziel, er wusste er musste nach Norden reiten und vorsichtig sein, überall schien es immer gefährlicher zu werden, selbst im sonst so friedlichen Wald häuften sich Gerüchte von mordenden Wesen, so sehr die Waldläufer auch Banditen und Räuber zur Strecke brachten. Leise sang er auf elfisch ein trauriges Lied, welches vom Abschied handelte und dem Verlust der Heimat, doch irgendwann verstummte er. Es war nicht angemessen, sich noch trauriger zu stimmen, als er ohnehin schon war und so setzte er stumm seinen Weg fort in Richtung Norden. Den Fluss überquerte er an einer sehr flachen Furt, zu groß war seine Angst im tieferen Gewässer mit Pferd erneut überrascht zu werden. Auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses war ebenfalls ein schmaler gewundener Pfad, auf dem er seinen Weg fortsetzte immer in Richtung Nordosten seiner Geliebten entgegen- zumindest hoffte er das mit jeder Faser seiner Existenz. Leise klappterte das Langschwert seines Vaters in einer schlichten schwarzen Lederscheide gegen sein Bein immer im Takt des Ganges.

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