Der Shiín im Wolfspelz

Die Heimat der Shiín.
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Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Cirdan » Mo, 30. Jan 2012 16:21

Cirdan wusste nicht seit wie vielen Tagen er schon unterwegs war. Nach zwei Wochen hatte er es aufgegeben sich Gedanken darüber zu machen wie viel Zeit seit seinem Fortgang von dem kleinen Gehöft vergangen waren. Das war vergangen. Er hatte die Entscheidung für sich getroffen zu gehen. Es war nicht das Drängen des Ältesten gewesen, dass ihn dazu bewegt hatte. Auch wenn er gut zwei Jahre lang dort gelebt hatte, war er nie ganz ein Teil der Gesellschaft geworden. Freunde hatte er keine finden können und es war mehr ein sich gegenseitig dulden gewesen, das ihn mit den anderen Shiín verbunden hat. Lediglich dem Ältesten, der auch zeitgleich der Heiler in der kleinen Gemeinschaft gewesen war, hatte er vertraut gehabt. Aber auch das war vergangen und es galt nach vorn zu sehen und nicht mehr zurück. Diesen Teil seines Lebens hinter sich zu lassen, fiel ihm überraschend leicht. Anders verhielt es sich mit der Zeit davor. Den drei Jahren in der Gefangenschaft der Menschen, allem was er durch sie hatte erdulden müssen und den Verlust seiner Familie. Diese Erinnerungen hatten in ihm einen unauslöschbaren Hass auf alle Menschen ausgelöst, den er nie würde ablegen können. Er wollte Rache an jedem einzelnen dieses widerwärtigen Volks nehmen, kostete es auch sein eigenes Leben, so war es eben sein Schicksal. Tot war er ja schon seit er hatte mitansehen müssen wie seine Familie hingerichtet worden war. Zurück geblieben war eine Hülle, die nur noch funktionierte. Doch seit dem Fund dieses seltsamen Amuletts hatte sich sein Leben ein weiteres Mal geändert. Durch den in dem Schmuckstück innewohnenden Geist war der junge Mann mehr als nur ein Shiín sondern auch in der Lage die Gestalt eines Wolfes anzunehmen. Seit seiner allerersten Verwandlung hatte Cirdan begonnen nach und nach die Fähigkeiten des Tiers anzunehmen. So wohl die guten wie auch die schlechten. Seine Sinne hatten sich geschärft. Er sah in der Dunkelheit besser als zuvor, hatte ein feineres Gehör und konnte die feinsten Gerüche wahr nehmen. Allerdings hatte er auch einen Jagdtrieb entwickelt, der wenn er nicht befriedigt wurde zu einer unkontrollierbaren Wut ausartete bis hin zum Wahnsinn.

Seit einigen Tagen nun schon verspürte er wieder diesen Drang. Er hatte versucht ihn anfangs zu ignorieren, was ihm auch gelungen war. Doch die Natur ließ sich nicht austricksen, zumindest nicht lange. Cirdan wollte sich nicht verwandeln. Dieser Prozess war immer mit Schmerzen verbunden. Es war nicht so, dass er nicht wüsste wie sich Schmerzen anfühlten, hatten doch die letzten sieben Jahre nur aus welchen bestanden. Die Schmerzen waren mehr geistiger Natur, denn je öfter er sich verwandelte, desto größer wurde der Verlust seines shiínschen Verstands und er fing an wie ein Tier nur noch durch Instinkte zu funktionieren. Bei jeder Rückwandlung dauerte es länger bis er wieder zu einem Shiín wurde und sich die Instinkte von ihm lösten. Aber das hätte er nie irgendwem gegenüber offen zugegeben. Doch es gab niemanden in seinem Leben, der sich um ihn sorgte und somit erübrigte sich diese Frage von selbst.

Vor etwa zwei Nächten hatte Cirdan die ersten kleinen Wälder am Rande der Hügelländer von Harrhy'in erreicht, die die Wälder von Sieryan ankündigten. Die immer häufiger werdenden Schatten am Boden kamen ihm gelegen. Das helle Sonnenlicht schmerzte in seinen Augen und er hatte den Blick immer gesenkt halten müssen, wenn er lief. Es war Sommer. Daher waren die Bäume mit ihrem Schatten werfenden Laub eine Wohltat für ihn. In den lichten Wäldern kam er schneller voran als in den weiten offenen Flächen. Auch war hier die Chance größer Wild als etwaige Beute zu finden, denn lange konnte er den Drang zu jagen nicht mehr unterdrücken. Er brauchte eine ordentliche Hetzjagd, die erfolgreich war um wieder innere Ruhe zu finden. Also hielt er witternd die Nase in den Wind und schloss die Augen. All seine Sinne konzentrierten sich auf die Gerüche, die ihm entgegen wehten und in seinem Kopf entstand ein vollkommen neues und anderes Bild seiner Umgebung. Statt seine Umwelt zu sehen, nahm er sie nur durch die Gerüche war, die alle Dinge um ihn herum verströmten. Er nahm den würzigen Duft des Mooses an den Stämmen wahr, den süßlichen Geruch von Blumen und die herbe Note eines Rehs. Der Windrichtung nach zu urteilen, war es nördlich von ihm und ahnte nicht einmal im Geringsten, dass es sich in Gefahr befand. Was ihm nur zu Gute kam. Grinsend legte er seinen Rucksack ab und verstaute die Katana aus seiner Schärpe in den Schlaufen, die seitlich an der ledernen Tasche angenäht waren.

Seine Finger legten sich um das Amulett an seinem Hals und er schloss erneut die Augen. Er biss fest die Kiefer gegeneinander und ließ den Geist, der in dem Amulett frei. Die Verwandlung begann. Der junge Shiín sackte in die Knie. Fell bildete sich auf seiner lila Haut. Sein ganzer Körper veränderte sich und wurde zu dem eines Wolfes. Nach nicht einmal zwei Minuten war aus dem jungen Mann ein Graupelz geworden, der sich geschickt den Rucksack über die Schnauze und den Kopf schob um dann in Richtung seiner ausgemachten Beute zu traben.
Zuletzt geändert von Cirdan am Fr, 03. Feb 2012 23:29, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Der Shiín im Wolfpelz

Beitrag von Yastara » Di, 31. Jan 2012 17:19

Dunkelheit. Ihr bester Freund und treuster Verbündeter. Solange Yastara die Wahl hatte, würde sie stets nur im Schutz der Dunkelheit reisen. Deswegen hatte sie sich heute, bei dem strahlenden Sonnenschein des Tages für eine Pause entschieden.
Ihr Aufbruch war für die anderen Shíin keine Überraschung. Vor allem ihr Lehrmeister hatte es geahnt, noch bevor sie etwas hatte verlauten lassen. Niemand hatte versucht, sie aufzuhalten, denn jeder im Dorf wusste, dass Yastara gehen musste. Es war ihre Aufgabe auf diese Reise zu gehen. Einzig ihre Tante hatte ein paar Tränen vergossen, denn schließlich verließ nun ihre einzige Verwandte das Dorf.
Desinteressiert sah Yastara hinauf zu dem schützenden Blätterdach. Nun war sie schon seit drei unseligen Wochen unterwegs und bis heute noch keinem anderen Wesen begegnet, was nicht unbedingt schlecht war. Doch zwei unglückselige Wanderer - menschliche Wanderer - hatten heute ihren Weg gekreuzt. Einer der beiden lag in der Nähe eines kleines Flusses. Tot, versteht sich. Der ‘Arme’ hatte keinen leichten Tod gehabt. Wieso auch? Menschen waren es nicht wert, dass man sie gnädig und schnell tötet. Der andere Mann baumelte, mit einem Seil um den Fuß an einem dicken Ast des Baumes, auf dem es sich Yastara auf einem anderen Ast gemütlich gemacht hatte. Der Mann war allerdings eher tot, als lebendig. Zahlreiche Wunden und andere Verletzungen zierten seinen Körper. Sein Atem ging nur noch röchelnd. Nicht mehr lange und er wäre endgültig tot. Die hübsche Shíin lag halb auf einem dicken Ast, hatte gegen das Sonnenlicht ein schwarzes Tuch um den Kopf gewickelt, es so gezogen, dass es einen Schatten auf ihre grünen Augen warf und summte leise ein Lied vor sich hin, während sie döste.
Eine leichte Brise fuhr durch die Baumkrone und ließ die Blätter rascheln.
Ihre schwarze Umhängetasche hing an einem Ast, ihre Katana trug sie an der rechten Seite ihres Gürtels, damit die Linkshänderin ihre Waffen schnell ziehen konnte, falls es nötig würde. Ihre Kleidung war gänzlich untypisch für eine Shíin. Bereits im Alter von 15 Jahren bemerkte sie, dass sie nicht gut mit den weiten Stoffen zurecht kam. Yastara hatte immer Angst, irgendwo hängen zu bleiben. Also hatte sie sich für dünnes, schwarzes Leder entschieden. Es lag wie eine zweite Haut an ihrem lila Körper. Hose, ärmelloses Oberteil und die Stiefel mit nur dünner Sohle. Beim klettern und auch beim kämpfen störte die enge Kleidung sie überhaupt nicht. Sie hatte gelernt, damit umzugehen.
Der Mensch unter ihn stöhnte gequält auf. Yastara seufzte. Konnte er nicht wenigstens still leiden? Oder endlich sterben. Die Shíin dachte gerade darüber nach, ob sie ihm nicht einfach die Kehle durchschneiden sollte, damit es endlich vorbei wäre, als ihre Aufmerksamkeit von etwas anderem angezogen wurde. Unter ihr brach ein Reh durch die Büsche, verfing sich in einigen Ranken die auf dem Weg lagen und stürzte. Behände sprang Yastara von ihrem Ast und landete beinahe lautlos auf dem Waldboden. Während das Reh panisch versuchte sich zu befreien, fuhr sie sich durch das makellose weiße Haar und seufzte schließlich leise. “Je mehr du zappelst, desto mehr verfängst Du Dich.”, murmelte sie und überlegte, ob sie das Tier befreien oder es als Mahlzeit benutzen sollte. Immerhin präsentierte sich das Reh hier ja praktisch auf dem Silbertablett. Ohne ein weiteres Zögern griff sie nach einem von mehreren Dolchen, die im hinteren Teil ihres Waffengürtels steckten.
Doch sie kam nicht mehr dazu, den mittelgroßen Dolch zu ziehen. Hinter ihr raschelte etwas in den Büschen. Dieses Geräusch machte sie hellhörig. In einem Wald gab es zwar viele Tiere, die mal im Gebüsch umherwanderten, doch Vorsicht war immer besser, als Nachsicht. Blitzschnell wirbelte sie herum und zog dabei in einer fließenden Bewegung eines ihres beiden Katana.
Obwohl die Helligkeit des sonnigen Tages eigentlich den Reflex in ihr auslösten, die Augen zusammen zu kneifen, hielt die Shíin sie weiter offen und musterte die Umgebung genau.

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Re: Der Shiín im Wolfpelz

Beitrag von Cirdan » Di, 31. Jan 2012 23:43

Die Fährte des Rehs war überdeutlich. Er konnte sie zwar nicht sehen, aber seine Nase verriet ihm genau wo das Tier überall gewesen war. Sein Geruchssinn war so fein, dass sich in seinem Kopf ein völlig neues Bild seiner Umgebung ergab. Das war auch gut so, denn da er gegen die Sonne lief, war er halb blind und musste sich ganz auf die Witterungen konzentrieren, die er wahrnahm. So war er gezwungen sich ganz auf seine Nase und die Ohren zu verlassen. Diese lieferten ihm genügend Informationen über seine Umgebung, dass er genau wusste wohin sich seine Beute wandte, denn nicht nur er hatte eine Witterung aufgenommen. Das Reh hatte ihn auch gerochen und versuchte zu fliehen.

Rasch gewann Cirdan an Geschwindigkeit. Seine Pfoten berührten in immer schneller werdender Abfolge den Boden und er wirbelte das Laub auf. Er konnte das Reh förmlich auf der Zunge schmecken, so stark wurde der Geruch des Rehs je näher er ihm kam. Der Wolf hetzte durch den Wald, sprang über umgestürzte Bäume und niedrige Büsche, die sich ihm in den Weg stellten. Ihm wehte die Angst seiner Beute entgegen, die Panik, die es antrieb um um sein Leben zu rennen. Doch Cirdan kannte kein Erbarmen. Er würde das kleine Tier so lange jagen bis er es erlegt hatte. Entweder tötete er es, wenn es vor Erschöpfung einfach zu Boden fiel oder aber aus dem Lauf heraus. Das war eine Hetzjagd an deren Ende es nur einen Sieger geben konnte: Ihn.

Vor ihm raschelte es und er konnte deutlich riechen, dass seine Beute noch panischer wurde. Aber da mischten sich noch zwei andere Gerüche dazu. Einer davon gehörte eindeutig zu einem Menschen, einem der blutete und halbtot war. Und da war ein Shiín, eine Frau. Diese beiden neuen Witterungen irritierten ihn und er kam ins Straucheln, verlor an Geschwindigkeit und knurrte wütend über sich selbst. Er schüttelte kurz den Kopf und setzte seiner Beute weiter nach ohne auf die beiden anderen Gerüche zu achten.

Cirdan sprang dem Reh nach durchs Unterholz, er streckte sich für den finalen Sprung und sah wie das Tier voller Panik versuchte sich zu befreien. Neben dem Tier hockte eine junge Shiín. Die Frau, deren Witterung er aufgenommen hatte. es war schon zu spät um abzubremsen. Seine Vorderpfoten hoben ab, gefolgt von seinen Hinterpfoten. Von seinem Instinkt zu überleben, angetrieben, konnte sich das Reh befreien, sprang auf und rannte davon. Cirdans Pranken griffen in die Luft und er kam unsanft auf. Bei seiner Landung überschlug er sich mehrmals bis er zum Liegen kam. Während seines heftigen Sturzes löste sich eine seiner Klingen aus der Schlaufe und stach ihm in die Flanke. Aus seiner Kehle kam ein kurzes, aber schmerzerfülltes Jaulen und er versuchte sich den Rucksack mit den Pfoten abzustreifen.

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Re: Der Shiín im Wolfpelz

Beitrag von Yastara » Mi, 01. Feb 2012 19:49

Aus dem Gebüsch brach schließlich ein wunderschöner Wolf. Yastara hatte für diese Tiere viel übrig. Na gut, eigentlich hatte sie für alle Tiere viel übrig, die in der Dunkelheit besser sahen, als im Hellen, so wie sie. Die Shíin hielt es für eine Art Seelenverwandtschaft. Doch bei diesem Tier schien so einiges anders zu sein. Sie stand noch immer mit einem ihrer Katana in der linken Hand an dem Baum, auf dessen Ast sie eben gerade noch so schön gedöst hatte und zog ungläubig und skeptisch ihre rechte Augenbraue hoch. Hatte der Wolf ernsthaft einen Rucksack auf? Staunend zog sie das dunkle Tuch von ihrem Kopf - das eigentlich verhindern sollte, dass die Sonne sie blendete, was dank dem dichten Blätterdach kaum der Fall war - als sie dabei zusah, wie der Wolf ins Straucheln kam und fiel. Ein Wolf, der über seine eigenen Beine stolperte, wie ein Welpen? Der einen Rucksack und auch noch Katana bei sich trug?
Kurzerhand steckte sie ihre eigene Waffe wieder zurück in ihren Waffengürtel und verschränkte die Arme, während sie sich an den Baumstamm lehnte. “Echt jetzt? Ein Wolf mit einem Rucksack? Wo sind wir hier? Im Wunderland?” Kopfschüttelnd dachte sie darüber nach, ob sie vielleicht halluzinierte. Fata Morganas gab es nur in der Wüste und heute war es weder heiß, noch hatte sie zu wenig getrunken, was kurzzeitige Verwirrung als Erklärung zulassen würde.
Der männliche Mensch, der im Wind schaukelte, wie ein Blatt im Herbst - was nebenbei gesagt fast schon beschaulich wirkte - gab ein Stöhnen von sich. Gelangweilt schaute Tara zu ihm hinüber. “Ach, sei still.”, gab sie abschätzig und genervt in seine Richtung von sich.
Als sie wieder zu dem Wolf sah, hatte sich das Bild kein bisschen verändert. Neugierig ging sie einige Schritte zu ihm hinüber - Angst vor den Tieren des Waldes hatte sie schon lange nicht mehr - und hob eines der Katana auf. Fachmännisch, wie sie als Tochter eines Meisterschmieds nun mal war - wog sie die Waffe in der Hand und begutachtete sie. “Ein halbes Gramm zu schwer am Griff, aber eine gute Arbeit.”, kommentierte sie schließlich leise, eher für sich. Schließlich warf sie wieder einen Blick zu dem Wolf. “Wie kommst Du nur zu einer guten Waffe?”, murmelte sie, denn ihr war klar, dass sie von einem Tier keine Antwort zu erwarten hatte. Offenbar versuchte er, den Rucksack abzustreifen, also packte sie beherzt zu und befreite ihn von dem Gepäck. Innerlich fragte sie sich, wer so sadistisch sein konnte, einem Wolf einen Rucksack aufzusetzen. Sie hielt es für einen schlechten Scherz. Dass sie so etwas für sadistisch hielt, war vor dieser Szenerie - im Hintergrund hing ja noch der Mensch kopfüber an einem Ast - grotesk. Aber Shíin sahen schon immer viele Dinge anders.
Achtlos warf sie den Rucksack auf den Boden, während sie die Klinge daneben legte. Waffen waren ihr mehr wert, als das meiste andere. Kopfschütteln, ob dieser seltsamen Situation - wandte sie sich wieder ab und wollte etwas Holz für ein Feuer zusammensuchen. Es war bereits später Nachmittag. Bald würde die Nacht herein brechen. Zumindest für den Anfang der Nacht wollte sie ein wärmendes Feuer haben. Zum Schlafen verzog sie sich sowieso wieder auf einen Baum. Am Boden fühlte sie sich so allein nicht sicher genug.

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Re: Der Shiín im Wolfpelz

Beitrag von Cirdan » Mi, 01. Feb 2012 23:50

Cirdan war noch immer benommen. Seine Flanke pochte heftig und er rieb sich mit den Pfoten über die Augen. Ein leises Knurren kam aus seiner Kehle und er hob leicht den Kopf. Dabei sah er wie sich die Shiín über ihn beugte und nach seinen Katana griff. Augenblicklich wurde sein Knurren lauter und er versuchte nach ihrer Hand zu schnappen. Er versuchte sich aufzusetzen, sank aber wieder zurück als er das linke Hinterbein belasten wollte. Zitternd legte er sich wieder hin und versuchte sich zurück zu verwandeln ehe sich diese Diebin mit seinen Waffen davon machte.

Er schloss die Augen und rollte sich zusammen. All seine Gedanken konzentrierten sich auf seine Gestalt als Shiín und ganz langsam veränderte sich der Wolf. Die Schnauze ging zurück, die Ohren wurden kleiner und der ganze Körper wurde größer und verlor an Fell. Darunter kam ein junger Mann mit lila Haut hervor, der in ein zerrissenes Hemd und eine abgewetzte Hose gekleidet war. Seine weißen Haare waren sorgsam zu einzelnen Zöpfen geflochten, die von schwarzen Strähnen durchzogen waren. An seinem Oberschenkel kurz unter der Hüfte prangte eine Schnittwunde, die heftig blutete. Um den Hals hatte der Shiín ein Amulett mit Federn hängen, das er umklammert hielt. Kaum war die Verwandlung abgeschlossen, packte er Yastaras Arm und versuchte ihr seine Waffen zu entreißen. Sein Blick suchte den ihren und darin war Entschlossenheit zu erkennen. Niemand nahm ihm sein Eigentum weg. Schon gar nicht, wenn es sich um das einzige handelte, das er besaß.

"Ich werde dich gleich ins Wunderland schicken, wenn du mir nicht meine Katana wieder gibst!", herrschte er sie an und verzog das Gesicht vor Wut. Der Mensch, der noch immer am Baum hing, registrierte er nur am Rande. Er würde schon seine Grunde haben warum er dort baumelte. Zunächst galt es diesem Weib klar zu machen, dass man ihn nicht beraubte. Mit all seinem Körpergewicht stemmte er sich aus dem Sitz heraus gegen sie und versuchte sie niederzuringen.

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Re: Der Shiín im Wolfpelz

Beitrag von Yastara » Fr, 03. Feb 2012 21:04

Als ihr Arm überraschend von hinten gepackt wurde, brauchte es keine Sekunde, ehe sie ihr Katana gezogen hatte und herumwirbelte. Dass sie schließlich einem Shíin ihre Klinge an die Kehle legte, überraschte sie dann aber doch. Dort, wo der Mann nun hockte, hatte doch gerade noch ein Wolf gelegen... Misstrauisch und verschlossen musterte Yastara ihren Gegenüber und ließ sich dabei nicht anmerken, dass sie große Probleme hatte, die Situation zu verstehen. Was sich hinter dieser harten Miene abspielte, blieb verborgen. Kurzerhand stellte sie diese Verwirrung in den Hintergrund.
Ärger wallte in ihr auf. Was bildete sich dieser Fatzke eigentlich ein, sie hier so anzugehen? Noch dazu ein Fatzke ihres eigenen Volkes! Ein Shíin stahl einem anderen Shíin niemals eine Waffe. Das galt als ehrlos und ging gegen jedes Prinzip. Man tat es einfach nicht. Dass sie hier nun bezichtigt wurde, eine Waffe stehlen zu wollen, war indirekt eine Infragestellung ihrer Ehre und kratzte gehörig an ihrem Stolz. “Ihr wagt es, meine Ehre zu beleidigen...?”, presste sie wütend und leise hervor. Sie merkte, dass er sie niederringen wollte, stemmte sich jedoch mit aller Macht dagegen. Sich in einem Zweikampf über den Boden zu wälzen, war nichts, worauf sie unbedingt erpicht war. Im waffenlosen Kampf war die schöne Shíin zu ihrem großen Leidwesen den männlichen Vertretern ihrer Rasse weit unterlegen. Nur mit dem Katana konnte sie sich gegen sie beweisen, was ihr schon viel Anerkennung eingebracht hatte.
“Wenn Ihr Eure Augen benutzen würdet, könntet Ihr sehen, dass Eure Katana neben Eurem Rucksack liegen. Und wenn Ihr mich nicht augenblicklich loslasst, könnt Ihr Euch über eine innige Bekanntschaft mit meinen Klingen freuen.” Ihre linke Hand griff fester um den Griff ihres Katana. Unter den Shíin war sie als Linkshänderin schon eine Seltenheit. Viele andere Krieger hatten oft nicht gegen sie kämpfen wollen, mit der Begründung, dass es schwieriger und unfair war, gegen eine Andershändige anzutreten. Es hatte in ihrer ganzen Ausbildung nur einen jungen Shíin gegeben, der sich nie um einen Trainingskampf mit ihr gedrückt hatte. Sie hatte ihn seit Jahren nicht gesehen... Wieso dachte sie gerade jetzt an ihn?
Erst jetzt nahm sie sich die Zeit, den Shíin vor ihr genauer zu betrachten. Diese Augen... irgendwo hatte sie diese grauen Augen schon mal gesehen. Allerdings war der Blick dieser Augen unbeschwerter gewesen, nicht ganz so schicksalsbehaftet, als Tara sie das letzte Mal gesehen hatte. Sie gehörten dem Jungen, mit dem sie so oft trainiert hatte. Wie hatte er nur gehießen?
Ihre Augen weiteten sich kaum merklich, als die Erkenntnis sie traf. So überrascht, wie sie war, passte sie einen Moment nicht auf und achtete nicht auf das Kräfteverhältnis zwischen ihnen. Einen Augenblick lang war der Vorteil auf seiner Seite und sie landete unsanft auf dem Rücken vor ihm. Die Narben auf ihrem Rücken protestierten schmerzhaft
Instinktiv hatte sie ihr Katana so bewegt, dass sie ihn nicht verletzte, die Klinge allerdings wieder die gleiche Position innehatte. Schön an seiner Kehle. Dort diente sie ihrer Sicherheit, obwohl sie sich nicht mehr sicher war, ob sie überhaupt in Gefahr war. Die Wut schien wie verpufft. “Cirdan?”, flüsterte sie ungläubig. Suchend schaute sie hinauf in das Gesicht, damit sie keine Regung verpasste. War er es tatsächlich?

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Re: Der Shiín im Wolfpelz

Beitrag von Cirdan » Fr, 03. Feb 2012 22:39

Die Einzelheiten dessen was genau geschehen war, konnte Cirdan nicht mehr wiedergeben. Vielleicht hatten seine Katana schon am Boden gelegen als er sich verwandelt hatte, vielleicht aber auch nicht. Der Prozess der Verwandlung und das Adrenalin in seinem Blut bedingt durch die Jagd hatten seine Wahrnehmung stark beeinflusst. Nur allmählich bekam er wieder einen klaren Kopf und einen klaren Blick. Erst jetzt bemerkte er, dass er die Frau nieder gerungen hatte und auch, dass sie ihm eine Klinge gegen die Kehle hielt. Der junge Shiín schwankte zwischen Wut und Verwirrung. Letztere überwog als ihn die Frau plötzlich mit seinem Namen ansprach. Nun war er es, der überrascht aus der Wäsche blickte und seine grauen Augen weiteten sich. Die Wut wich und er ließ sich keuchend zurück sinken. Instinktiv presste er seine Hände auf die blutende Wunde und versuchte seine Gedanken zu ordnen. Das Gesicht der Shiín kam ihm bekannt vor. Auch wie sie die Waffe hielt... es gab nicht viele in ihrem Volk, die mit der linken Hand ihre Waffe führten. Eigentlich hatte er in seinem ganzen Leben nur eine einzige Shiín kennen gelernt und auch sehr gemocht gehabt.

"Yastara?", erwiderte er heiser. In seinem Gesicht zeigte sich deutlich seine Verwirrung, aber auch Überraschung. Die Narben in seiner linken Schläfe zogen sich zusammen und wurden deutlicher erkennbar. "Ich... ich... wollte dich nicht kränken..., fuhr er fort und schüttelte immer wieder den Kopf, so als könne er nicht fassen wen er vor sich hatte. Sollte sie es wirklich sein? Seine beste Freundin aus längst vergangenen Kindertagen? Sollte sie den Angriff überlebt haben? In ihm rangen die Gefühle miteinander. Der Zweifel versuchte ihm einzureden, dass sie unmöglich lebend davon gekommen sein konnte, denn die Menschen hatten beinahe jeden umgebracht, der ihnen im Dorf begegnet war. Den Hof, seine Heimat hatten sie ganz zerstört. Die Vernunft jedoch versuchte ihm klar zu machen, dass es doch noch Dinge in der Welt gab, die gut waren und sich das Schicksal nicht gnadenlos gegen ihn gewandt hatte. Denn immerhin reichte es ihm gerade die Hand und hatte ihn direkt in die Arme seiner Freundin laufen lassen. Aber da war auch der Hass, der ihm zuflüsterte, dass sie ihn im Stich gelassen hatte als man ihn niedergeschlagen und fortgeschafft hatte...

Stöhnend griff er sich an den Kopf und schrie. Die Stimmen sollten endlich verschwinden! Ihn in Ruhe lassen. Doch sie taten ihm nicht diesen Gefallen. Sie würden nie schweigen, erwiderten sie einstimmig und verstummten. Für den Augenblick.

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Re: Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Yastara » Mo, 06. Feb 2012 12:43

Yastara war völlig überrascht. Niemals hätte sie geglaubt, hier in diesem Wald, auf dieser Reise ein so bekanntes Gesicht zu sehen. Hätte sie nicht so neben sich gestanden, hätte die Shíin ihre derzeitige Position - vor ihm auf dem Rücken liegen, wie ein unterwürfiges Tier - niemals länger, als eine Sekunde geduldet. Erst jetzt bemerkte sie, dass sich noch immer ihre Klinge unsanft gegen seine Kehle drückte. Kurzerhand legte sie ihr Katana beiseite und setzte sich auf. Zögerlich streckte sie eine Hand nach ihm aus, als wolle sie ihn berühren. Doch ihre Hand verharrte in der Luft und schließlich ließ Tara sie wieder sinken. Sie konnte nicht glauben, dass Cirdan hier lebend vor ihr saß. Es war ihr, als sähe sie einen Geist. Der Unglaube in ihren Augen wurde zu strahlender Freude. Das intensive Grün blitzte und funkelte nur so. “Du lebst! Bei allen Göttern, du lebst! Ich hatte all die Jahre geglaubt, dass du tot bist. So viele von uns starben damals. Als ich drei Tage nach dem Kampf zurück kam, waren so viele von uns tot. Niemand konnte mir sagen, wo du bist. Also hielten wir dich ebenfalls für getötet.”
Die junge Frau dachte ungern an die grausamen Tage zurück. Sie war nicht die einzige, die mit einem Schlag alles verloren hatte. Aber dieses Wiedersehen sah sie als ein gutes Omen. Cirdan war nicht tot, er lebte. Alles in ihr schrie danach, dass dies ein Zeichen dafür war, dass die Suche nach Yastur nicht vergebens war. Wenn Cirdan überlebt hatte, dann würde auch ihr Bruder überlebt haben. Ganz sicher.
Dass er sie nicht hatte kränken wollen, glaubte sie ihm sofort. Wenn er sie gleich erkannt hätte, dann hätte er es sich auch nicht gewagt. Tara war bekannt für ihren empfindlichen Stolz, den sie wie eine Raubkatze verteidigte.
Es gab einiges, was sie an dieser Situation nicht verstand. Verwirrt schüttelte sie den Kopf. “Was machst du hier? Wo warst du all die Jahre? Und was soll die Sache mit dem Wolf... oder... du weißt schon.” So viele Fragen. Doch sie hatte das Gefühl zu platzen, wenn sie sie nicht alle stellte.
Im Hintergrund stöhnte der Mann am Baum wieder auf. Genervt rollte Yastara mit den Augen. “Hey, wir unterhalten uns hier gerade. Es wäre höflicher, wenn du leise stirbst.”, rief sie zu ihm hinüber. Sie wollte es dem Menschen nicht einfach machen, in dem sie ihn schnell tötete, aber wenn er sie noch länger nervte, würde sie kurzen Prozess machen.
Plötzlich griff sich Cirdan an den Kopf und schrie. Fragen und erschrocken wirbelte ihr Kopf wieder zu ihm. Mit Sorge in den Augen wollte sie wieder nach ihm greifen, doch wieder traute sie sich nicht, ihn zu berühren. Es war, als wäre er ein Trugbild das durch ihre Berührung entlarvt werden würde, was sie nicht riskieren wollte. “Was ist los? Hast du Schmerzen?” Yastara war etwas hilflos, denn sie wusste nicht, wie sie ihm helfen konnte oder was los war.

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Re: Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Cirdan » Mo, 06. Feb 2012 19:03

Yastaras Fragen stürmten allesamt mit einem Mal auf den jungen Shiín ein und er hob die Hände um ihren aufkommenden Redeschwall zu stoppen. Den stöhnenden sterbenden Menschen im Hintergrund bekam er nicht wirklich mit. In seinen Augen sollten sie am besten alle so wie er enden. Nur leider gab es nicht genügend Bäume um jeden Einzelnen dieser dreckigen Kreaturen aufzuhängen. Sie hatten es verdient zu leiden, je mehr desto besser.

Keuchend und mit zusammengepressten Kiefern riss er sich ein Stück aus seinem ohnehin schon sehr zerfetztem Hemd. Er drehte das Bein so hin, dass er an die Wunde heran kam und wickelte das Stück Stoff so fest um den Schenkel, dass die Blutung stoppen konnte und er trotzdem noch laufen konnte. Der Schmerz war kurzzeitig unerträglich, doch Cirdan erhöhte den Druck so lange bis die Wunde aufhörte zu bluten. Später würde er sie wohl nähen müssen, doch für den Moment musste es so gehen.

"Ja, ich lebe. Mehr oder weniger.", antwortete er nur knapp und wischte sich mit dem Ärmel über die Stirn. Die Jagd und die Verwandlung hatten ihn sehr angestrengt. Sein Atem ging noch immer schnell und sein Herz raste, was aber auch an der vollkommen unerwarteten Begegnung mit Yastara liegen konnte. Denn so wie sie, hatte auch er geglaubt sie sei wie so viele andere an diesem Tag gestorben. Niedergemetzelt von diesen dreckigen rundohrigen Bastarden, die glaubten etwas Besseres zu sein. Allein bei diesem Gedanken bekam er nicht übel Lust diesem Kerl, der kopfüber von seinem Ast hing den Kopf von den Schultern zu schlagen oder ihn aber bei lebendigem Leibe wie ein Schwein auszuweiden! Nur schwer konnte er an sich halten und musste sich dazu zwingen nicht nach seinem Katana zu greifen, sondern sich wieder der jungen Shiín zuzuwenden.

"Die Menschen haben mich damals gefangen genommen und drei Jahre lang eingekerkert. Sie haben mich gefoltert und wie einen Sklaven gehalten. Nach meiner Flucht lebte ich bei einer Gruppe Widerständler auf einem versteckten Hof und führte gegen die Menschen Krieg.", beantwortete er ihre erste und wohl drängendste Frage. Die Einzelheiten ließ er aus. Es war der falsche Zeitpunkt und auch der falsche Ort dafür. Als sie ihn wegen der Verwandlung fragte, griff er sich unwillkürlich an die Brust und umklammerte das Amulett. Er spürte deutlich die Linien des Brandmals auf seiner Haut und seine Lippen wurden schmal. "Es gehörte einem Menschenweib. Ich habe es ihr geraubt ohne zu wissen welch Fluch auf ihm liegt. Das ist etwa ein Jahr her.", sagte er mit leiserer und verbitterter Stimme. Dieses Ding hatte sein Leben nicht unbedingt bereichert, dennoch wollte er es nicht mehr hergeben. Als Wolf konnte er schneller und ungesehener reisen. Das mochte sich noch zu einem Vorteil entwickeln in seinem Plan Rache zu nehmen.

Sacht schüttelte er den Kopf. "Schon gut. Ich bin... nur müde." Das war er seit Jahren schon: müde. Doch diese Müdigkeit wollte nicht wirklich weichen, egal wie viel er schlief und wie lang er rastete. Die Stimmen in seinem Kopf verstummten nie. Sie waren immer da und quälten ihn. Aber auch das behielt er für sich. So sehr er sich auch freute Yastara wieder gefunden zu haben, so konnte er es nicht auf dieselbe Weise zeigen wie sie. Er war innerlich abgestumpft.

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Re: Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Yastara » Fr, 10. Feb 2012 18:20

Natürlich sah Yastara die Narben. Doch sie alle hatten von diesem oder jenem Kampf Narben davon getragen. Um zu erkennen, dass Cirdans Narben anders waren, ungewöhnlich, musste man nicht zweimal hinsehen. Doch es gehörte zur allgemeinen Höflichkeit, dass man nicht nach dem Grund solcher Male fragte, wenn der Träger nicht von sich aus davon sprach.
Als er kurz schilderte, was damals geschehen war, als die Menschen das Dorf angriffen, war ihr eigentlich schon klar, woher die Narben stammten. Folter wurde selten mit Federn und Blumen durchgeführt. Glühende Klingen und dornenbesetzte Peitschen waren da schon eher an der Tagesordnung. Verächtlich schnaubend schüttelte sie den Kopf. “Widerliche Missgeburten...”, murmelte sie. Wie konnten es die Menschen wagen, so mit einem Shíin umzugehen? Dieses erbärmliche Volk gehörte ausgerottet. Die hübsche Shíin hatte Mitleid mit ihrem ehemaligen Jugendfreund. Vor vielen Jahren hatten sie einiges miteinander geteilt... sowas konnte man nicht vergessen. Doch er, wie die meisten, auch den Stolz dieses Volkes in sich. Mitleid wäre hier demnach fehl am Platz, also ließ sie es sich nicht anmerken. Er würde es nicht hören wollen. Wenn sie ihn richtig einschätzte, wollte er Rache. In ihren grünen Augen funkelte stattdessen Missachtung für dieses bleiche Volk.
Doch plötzlich drängte sich ihr ein Gedanke auf. Ein Gedanke, von dem sie noch nicht wusste, wie willkommen er ihr war. Doch sie würde sich an jeden Strohhalm klammern, den man ihr bot. Der Ausdruck in ihrem Blick änderte sich. Nun war dort Hoffnung zu sehen. Unendliche Hoffnung. “Waren Kinder bei euch? An jenem Tag entführten die Menschen drei unserer Kinder. Ich folgte ihnen - entgegen der Anweisungen der Ältesten - in eine kleine Stadt. Dort verlor ich ihre Spur.” Den Hinterhalt und den Stolz, den es sie gekostet hatte, von ein paar dummen Menschen in eine Falle gelockt worden zu sein, verschwieg sie zunächst. Viel wichtiger war es ihr in diesem Moment, ob Cirdan ihren Bruder gesehen hatte. Ob er vielleicht wusste, wo er war.
Die Sache mit dem Amulett verwirrte Yastara noch ein wenig. So ganz konnte sie es nicht verstehen. Welche Magie wohnte in diesem Anhänger? “Es verwandelt Dich in einen Wolf? Wann? Und, wie?” Mit Magie hatten Shíin von Haus aus wenig am Hut. Ebenso fehlte ihnen meistens das Verständnis dafür. Jedenfalls ging es ihr so. Es war schwer vorstellbar, das manche Dinge einfach so passieren konnten, nur, weil man irgendeine Begabung hatte.

Er war nur müde? Deswegen schrie er so? Die junge Frau glaubte Cirdan kein Wort. Doch sie kommentierte seine Worte nur mit einem Kopfschütteln. Es würde schon seinen Grund haben, weswegen er ihr diese platte Lüge auftischte. In ihrem Leben hatte sie bereits einiges gelernt. Eine von diesen Lektionen war, niemals zu neugierig zu sein. Wenn die Leute etwas erzählen wollten, dann taten sie es auch. Man musste Geduld haben und warten.
“Ich wollte gerade Holz für ein kleines Feuer zusammen suchen. Hier werde ich wohl die Nacht verbringen. Der Bach ist in der Nähe und der Ort ist ganz gut geschützt. Bleib doch hier. Ich schätze zwar, dass Deine Müdigkeit nichts mit körperlicher Erschöpfung zu tun hat, aber ein ruhiger Abend und eine entspannte Nacht dürften trotzdem nicht schaden.” Yastara stand auf und ging zu ihrem hängenden ‘Gast’. Als sie neben ihm stand, war sein Kopf auf ihrer Augenhöhe. Beinahe schon zärtlich strich sie ihm über die Wange und jede Faser ihres Körpers, ihr Blick und ihre Aura strahlten mit einem Mal eine derartige Leidenschaft aus, wie nur eine Frau sie innehaben konnte. “Derweil kannst Du Dich gerne ein wenig mit meinem kleinen Spielzeug hier beschäftigen. Wir beide hatten bereits unseren Spaß. Nicht wahr, Süßer?” Ihre Stimme klang sanft und weich, wie die Stimme einer Frau nur klingen sollte, wenn sie Liebesschwüre von sich gab. Doch diese Frau hatte eben ein spezielles Verhältnis zu Menschen, die sie langsam und qualvoll töten konnte. “Am Bach liegt sein Gefährte. Aber ich fürchte, mit dem kann man keinen Spaß mehr haben.” Leichtes Bedauern schwang in ihrer Stimme mit.

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Re: Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Cirdan » Fr, 10. Feb 2012 22:09

Rache. Diese eine Gedanke hatte ihn über all die Jahre hinweg am Leben gehalten. Je mehr sie ihn gefoltert hatten, je mehr sie ihn dazu gepeitscht hatten in dieser Arena zu kämpfen und auf ihn hinab gespuckt hatten, war der Hass in ihm so groß geworden, dass er jedes andere Gefühl verdrängt hatte. Cirdan hatte es verlernt Mitgefühl für andere zu haben. Freundschaft war ihm ebenso fremd geworden wie die Liebe. In seinem Innern brannte ein Zorn, der unauslöschbar war und wohl nur dann zur Ruhe kommen würde, wenn alle Menschen oder er selbst den Tod fand. Vorher würde er keine Ruhe finden. Der Kerl, der da am Baum hing und vollkommen wehrlos war, würde einen hervorragenden Anfang bieten. Dazumal er während der Zeit seiner eigenen Folterungen selbst oftmals so hilf- und wehrlos gewesen war.

Abschätzend leckte sich der junge Shiín über die Lippen und schüttelte den Kopf. Zum Einen weil er die Gedanken an seine Gefangenschaft abschütteln wollte, aber auch um die Frage nach ihrem Bruder zu beantworten. Wenn auch nicht so wie sie es sich erhofft hatte. "Nein. Keine Kinder. Nur Männer. Ich war der Jüngste.", gab er als Antwort zurück und sah die Hoffnung in ihren Augen und wie er diese enttäuschen würde mit seinen Worten. Doch er wollte sie auch nicht anlügen. Das brachte nichts und sie waren Freunde. Er rechnete es ihr auch hoch an, dass sie ihn nicht wegen seiner Narben fragte. Es würde die Zeit kommen um ausführlicher über das zu sprechen, was seit ihrer Trennung geschehen war. Nun galt es erst einmal zu begreifen, dass man sich nach all den Jahren wieder gefunden hatte.

Auf ihr Angebot hier mit ihr zusammen zu rasten heute Nacht nahm er nur zu gern an. Er hätte sich sonst allein irgendwo ein Plätzchen gesucht, doch nun musste er nicht allein weiter reisen. Auch wenn sie ihm eine gemeinsame Reise noch nicht angeboten hatte, so war es wohl klar, dass sie sich jetzt nicht mehr so leicht trennten. Sieben Jahre waren vergangen in denen die Freunde voneinander geglaubt hatten der andere sei tot. Es gab so vieles was ihnen beiden widerfahren war und was sie beide entscheidend geprägt hatte. "Ich danke dir. Was dieses Amulett angeht so verschmelzen mein Geist und der des in ihm lebenden Spirits eines Wolfes miteinander, wenn ich mich verwandel. Es ist... ein Teil von mir geworden.", erklärte er und zuckte mit den Schultern. Für ihn war selbstverständlich geworden so wie das Atmen. An Magie dachte er dabei nicht und selbst wenn es solche war, so scherte er sich nicht darum.

Umständlich erhob er sich und kam humpelnd auf die Beine. In der selben Bewegung nahm er seine Katana auf. Nicht ein Laut des Schmerzes kam über seine Lippen, auch wenn ein heftiges Stechen vons einem Oberschenkel durch seinen ganzen Körper schoss. Wankend kam er auf Yastara und den kopfüber hängenden Mann zu."Ich werde gut auf ihn Acht geben... deinen Freund. Wir werden schon unseren Spaß haben.", sagte er mit einem diabolischen Grinsen und beobachtete mit einem ebensolchen Vergnügen wie sie ihn scheinbar umgarnte und ihn in einer trügerischen Sicherheit zu wiegen. Er kannte das Vorgehen, machte er es doch nicht anders. Wenn auch nicht ganz so defizil.

Er packte den Kerl fest an der Kehle und drückte ihm seine Fingernägel in die Haut bis Blut floss. Der Hass stieg wieder in dem jungen Mann auf und er wollte dem Kerl am liebsten den Kopf abschlagen. Aber das wäre zu einfach gewesen. Nein, er würde ihn langsam, sehr langsam sterben lassen. Noch langsamer als er es ohnehin schon tat. Doch erst, wenn Yastara weg war. Sie sollte nicht sehen wie er sich in seiner Wut verlor.

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Re: Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Yastara » Mi, 15. Feb 2012 19:45

Keine Kinder... Ein Schatten lief über Yastaras Gesicht. Sie konnte nicht sagen, ob sie erleichtert war, dass Yastur das Grauen das Cirdan erleben musste erspart geblieben war oder, ob sie niedergeschlagen war, weil sie noch immer keine Spur von ihrem Bruder gefunden hatte. Auf der anderen Seite hieß die Tatsache, dass er nicht bei ihrem alten Jugendfreund gewesen war ja nicht, dass er nicht ein ebensolches Grauen an anderer Stelle erleben konnte. Nein! Es ging ihm gut! Das versuchte sie sich nun schon seit Jahren einzureden, denn nur so konnte sie den Gedanken an ihren gefangenen Bruder irgendwie ertragen. Yastur war ein starker Junge, der sich schon irgendwie durchbeißen würde. Die unbequeme und weniger rosige Wahrheit schob sie weit von sich. Es würde ihr zielorientiertes Denken nur stören und behindern. Die junge Shíin wollte nicht daran denken, was man ihrem Bruder in diesem Moment wohl alles antat. Es würde sie nur rasend machen und damit wäre Yastur auch nicht geholfen.
Während sie auf die Antwort gewartet hatte, hatte sie sich immer weiter vorlehnt. Resigniert wippte sie nun auf die Fersen zurück. “Nun, das ist gleichermaßen beruhigend, wie schade. Mein Bruder war unter den entführten Kindern.”, gestand sie schließlich. “Deswegen verließ ich nun, nach Jahren intensiven Trainings das Dorf, um die alte Spur wieder aufzunehmen und nach ihm zu suchen. Ich weiß, dass er noch lebt und ich werde ihn auch finden. Für die Menschen, die unsere Kinder entführt haben, habe ich mir etwas ganz besonderes ausgedacht. Ich werde sie ausbluten, ihnen die Zunge herausschneiden, jeden Finger und jede Zehe einzeln vom Körper trennen. Langsam, mit einer stumpfen Klinge. Ich will, dass ihr Herz bis zuletzt schlägt. Dass sie jeden unglückseligen Moment mitbekommen.” Während sie davon sprach, wie sie die elenden Menschen quälen wollte, glühte ihr Blick vor Lust. Ihre Stimme war sanft, fast schon liebevoll und ein entrücktes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen.

Mit einem leichten Kopfschütteln verscheuchte sie die Gedanken und konzentrierte sich wieder auf Cirdans Worte. Doch das war nicht ganz so einfach, denn anscheinend handelte es sich bei dem Amulett um ein Ding das zu verstehen sie nicht gemacht wurde. Sie nahm also einfach hin, dass sich Cirdan mit diesem Amulett in einen Wolf verwandeln konnte und das diese Tiergestalt nun auch ein Teil von ihm war. Auf jeden Fall wäre diese Sache noch etwas, von dem sie mehr erfahren wollte. Aber jetzt wäre nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Später, am Feuer vielleicht. Jetzt musste sie erstmal allerlei verarbeiten. Allein das unerwartete Wiedersehen musste sie aufarbeiten. Deshalb schwieg sie und nickte stattdessen nur leicht.

Wiede funkelte in ihren Augen Leidenschaft auf, als sie sah, wie Cirdan mit dem Menschen umging. Sie spürte seine Wut und den Hass. Doch, er ließ seinen Emotionen momentan keinen freien Lauf, warum auch immer. Aber sie spürte all das, was unter der Oberfläche brodelte und sie mochte, was sie dort sah.
Erneut strich sie dem Mann liebevoll über die Wange. “Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich Dich vermissen werde. Aber es war schön mit Dir. Ich habe jede Sekunde genossen.”, raunte sie ihm ins Ohr. Schließlich wandte sie sich an Cirdan. Langsam trat sie neben ihn, um schließlich halb hinter ihm zu stehen. Freundschaftlich legte sie ihm eine Hand auf die Schulter. “Tu Dir keinen Zwang an. Lass alles raus. Unterdrück es nicht länger. Ich würde Dich ja bitten, mein Spielzeug nicht kaputt zu machen, aber das wäre unehrlich. Viel Vergnügen.” Ihre Stimme war bei den letzten beiden Worten ein freudiger Singsang.
Lächelnd verschwand sie zwischen den Bäumen. Yastara würde nun Holz für das Feuer suchen gehen. Das würde nicht lange dauern und wenn sie Glück hatte, dürfte sie das Ende des Menschen noch mit ansehen dürfen.

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Re: Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Cirdan » Mi, 15. Feb 2012 21:05

Cirdan entging durchaus nicht die Regung in Yastaras Gesicht, doch er wusste nichts zu sagen. Wie sollte er ihr Trost spenden, wenn er selbst nicht einmal in der Lage war Gefühle für sich selbst zu entwickeln. Er fühlte nur Hass und Wut. Kein Selbstmitleid, kein Gewissen. Nicht einmal Trauer trug er in sich. Die Sehnsucht nach Rache hatte alles andere verschlungen. Stumm lauschte er ihren Worten und sah erst auf als sie davon sprach was sie mit denjenigen tun würde, die ihren Bruder und die anderen Kinder entführt hatten. "Wenn ich die Mörder meiner Familie zu fassen bekomme, werde ich sie bei lebendigem Leibe von oben nach unten aufschlitzen, ihnen die Haut von den Muskeln schälen und ihnen diese Sehne für Sehne abziehen. Sie sollen leiden! Leiden wie sie mich haben leiden lassen in den letzten drei Jahren!", erwiderte er und wurde immer lauter, redete sich in Rage und schlug dem Menschen seine geballte Faust ins Gesicht. Dabei schrie er seine Wut heraus. Man konnte deutlich Knochen brechen hören und Blut spritzte aus der Nase des Mannes begleitet von einem schmerzerfüllten Stöhnen.

Ein Zittern ging durch den Körper des jungen Shiín und er hielt sich die Faust. Am liebsten hätte er noch weiter auf ihn eingedroschen, doch er wollte nicht, dass Yastara ihn sah, wie er voller Hass auf einen wehrlosen Mann einschlug. Wobei es Cirdan egal war ob er sich wehren konnte oder nicht. Als sie ihn gefoltert hatten, war er auch wehrlos gewesen und sie hatten ihm die Seele aus dem Leib heraus gebrannt mit ihren glühenden Eisen. Schade nur, dass er gerade keines zur Hand hatte.

"Keine Sorge, er wird leiden... so wie ich habe leiden müssen in den Jahren meiner Gefangenschaft. In einen Zirkus hatten sie mich gesteckt und ich musste töten um selbst zu überleben. Nein, diese Menschen haben den Tod verdient, aber es wäre zu einfach ihnen einfach die Kehlen durchzuschneiden." Er spuckte dem Kerl ins Gesicht und trat ihm ins Gesicht um ihm denn mit der Faust in die Magengrube zu schlagen. Noch mehr Blut floss und der Mann stöhnte lauter. Schwer atmend wartete der Shiín bis Yastara fort war um dann richtig loszulegen.

[18]Voller Hass starrte er den kopfüber hängenden Mann an, packte ihn an den Haaren und zwang ihn so ihm in die Augen zu sehen. Wieder spuckte er ihn an und packte seinen Arm. Mit einem kräftigen Ruck drehte er ihn und brach ihn in der selben Bewegung. Der Mann schrie und Cirdan quittierte diese Lautäußerung mit einer gellenden Ohrfeige. "Hör auf wie ein Weib zu schreien, dich hört eh niemand!", schrie er ihn an und nahm seine Hand in die seine. Einen Finger nach dem anderen brach er ihm. Dasselbe tat er mit seinem anderen Arm. Das Wimmern war Musik in seinen Ohren. Hass flammte in den grauen Augen des Shiín und er hob seinen Katana. Mit gezielten Schlägen schlug er ihm zunächst den Daumen, dann jeden weiteren Finger ab. Blut spritzte und der Sterbende wimmerte, flehte aufzuhören. Doch Cirdan war taub auf diesem Ohr. Zum einen verstand er nicht was der Mensch sagte und es interessierte ihn auch nicht. Er wollte ihn quälen, langsam sterben lassen. Nachdem er ihm auch den letzten Finger abgeschlagen hatte, hieb er ihm die Arme ab und drückte ihm die Klinge an die Kehle. Der Mann war durch die vorherigen Verletzungen schon halbtot gewesen und der hohe Blutverlust ließ ihn bewusstlos werden. "Bleib wach, du Mistkerl!", schrie er ihn an und schlug immer wieder mit der stumpfen Seite seiner Waffe auf ihn ein.[/18]

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Re: Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Janek » Do, 16. Feb 2012 9:50

Stunden reihten sich an Stunden, Tage wurden zu Wochen und Wochen zu Monaten. Janeks Tagesablauf war simpel, doch Kräfte zehrend. Jeden zweiten oder dritten Tag jagte er, mehr oder minder erfolgreich. Einmal stahl er von einem Feld einen Armvoll Kartoffeln und entkam knapp dem großen, zotteligen Hund, den der Bauer ihm hinterdrein jagte, indem er einen Baum hinauf jagte und dort hocken blieb, bis das Vieh wieder abzog. Als er fort war, sammelte er die zuvor fallen gelassenen Töften auf und zog seiner Wege. Ein anderes Mal entwendete er einen kleinen Kürbis, nur um festzustellen, dass er Kürbisfleisch nicht ausstehen konnte. An jenem Abend musste Janek hungern, da er weder etwas fing, noch etwas anderes fand.

Er zog ostwärts. Das Gebiet der Steppenreiter war karg und ungemütlich, nun im frühen Herbst. Heftige Stürme peitschten die langen Gräser, und Janek begriff, warum man diesen Ort auch das Grasmeer nannte. Er fing hier nur selten etwas, zu weit war die Fläche und zu schnell und wendig die Tiere, die hier lebten. Es gab kaum einen Baum, und weit und breit war nichts zu sehen außer dem lebendig wirkenden Gras, das sich bis zum Horizont erstreckte. Janek litt Hunger. Es war so schlimm, dass er sogar das holzige Gras zu essen versuchte, nur um sich zu erbrechen, da sein Magen nicht für diese Art Nahrung geschaffen war. Seine tägliche Wegstrecke wurde immer kürzer, und dann wurde Janek krank. Er schleppte sich dennoch weiter, geplagt von Hunger und Schüttelfrost. Eines Morgens blieb er einfach liegen, wo er lag. Das Fieber hielt ihn fest in seinem Griff, bescherte ihm seltsame Träume und trieb seinen Körper an den äußersten Rand seiner Kräfte.

Wie lange er dort gelegen hatte, inmitten des Grasmeeres, konnte er nicht sagen. Irgendwann jedoch nahm er seine Umgebung wieder wahr. Blitze zuckten über den graublauen Himmel und in der Ferne grollte tiefer Donner, doch es regnete nicht. Janek wälzte sich herum, spürte die dunkle Erde unter seinen Fingerspitzen und dankte für sein Leben, ohne den Dank an jemand Bestimmten zu richten. Es mochte nun nicht sprunghaft bergauf gehen, doch es ging ihm deutlich besser. Er hatte das Glück, eine Grasmaus zu erwischen, und in seinem Hunger aß er sie roh. Er nahm seine Wanderung wieder auf, grub nach Wurzeln und fing kleine Nager, und ganz langsam kam er wieder zu Kräften und konnte weitere Strecken zurücklegen. Einmal zog in der Nähe eine Kentaurenherde an ihm vorüber, doch sie sahen ihn nicht, da er sich tief ins gelbe Gras duckte.

Später, als er den Rand der Steppe erreichte, das hüfthohe, gelbe Gras allmählich kurzem, hartem wich, fand er eine Siedlung. Es mochten nicht viele der einfachen Häuser sein, die er erblickte, und doch sank Janek auf die Knie, erstickt keuchend, denn zu weinen vermochte er nicht. Er hatte sich noch nie zuvor so erleichtert gefühlt, selbst dann nicht, als ihm die Flucht gelungen war. Janek blieb dennoch nur ein paar Tage, stahl ein fettes Huhn und Kleidung und tat sich nachts an den unbewachten Feldern gütlich. Ein kleiner, harter Kuchen, den man zum Erkalten vor ein offenes Fenster gestellt hatte, war ein Festmahl für ihn. Er wollte nicht gesehen werden, und niemand sah ihn.

Das Gebirge durchquerte er nördlich der Zhîraled-Seen, deren Namen er nicht wusste. Er war hier bereits einmal vorbeigekommen und kannte den Weg und gute Lagerplätze. Er kam nun wieder besser voran, nicht zuletzt, weil Klima und Lebensraum es ihm leichter machten, Nahrung zu finden. Wasser war selbst in der Steppe kein großes Problem gewesen. Als die ersten größeren Baumgruppen in Sicht kamen, wandte er sich nach Nordosten, in der Hoffnung, dem Gebiet der Shíin fernzubleiben und nicht Gefahr zu laufen, ihnen in die Finger zu geraten. Zwar war er kein Mensch, doch wusste er von einem alten Freund, wie skrupellos die Shíin sein konnten, und wie wenig bereit sie waren, zuzuhören. So ging er einer Konfrontation lieber von vornherein aus dem Weg. Nun begegneten ihm hin und wieder andere. Meistens verbarg sich Janek vor ihnen, doch manchmal war das nicht möglich. Sie warfen ihm seltsame Blicke zu und verzichteten auf eine Konversation, und als Janek eines frühen Abends einen kleinen Weiher passierte und sich entschloss, hier die Nacht zu verbringen, erfuhr er auch, warum. Sein Spiegelbild war ein Unbekannter für ihn; tief in den Höhlen liegende Augen über einem mehrere Wochen alten Bart blickten ihn trübe an. Seine Kleidung war als solche kaum mehr zu bezeichnen, einzig Stiefel und Umhang waren noch von nennenswertem Zustand. Der Rest war löchrig, fleckig, durchgescheuert und stank. An jenem Abend nutzte Janek das kaum mehr scharfe Messerchen, mit dem er sonst seine Nahrung tötete und ausnahm, um sich zu rasieren. Wahrhaftig besser machte er seine Erscheinung damit nicht, denn nun waren es die hohen Wangenknochen und seine Narbe an der Lippe, die deutlich in den Vordergrund traten und ihn ausgemergelt und gezeichnet von den Entbehrungen der letzten Zeit. Er hatte keine andere Kleidung, doch gegen den Geruch säuberte er sich in dem kleinen Tümpel, soweit das möglich war. Am nächsten Morgen zog er weiter.

Es war sonnig, als er Tage später ein seichtes Tal durchquerte. Er war ein wenig von seinem Weg abgekommen und wanderte nun eher gen Osten, was in wieder in die Nähe des Shíin-Gebietes brachte. Hier gab es überall kleinere und größere Wäldchen, manchmal mäanderte ein glitzernder Bach durch bunte Blumenwiesen. Janeks Schritte führten ihn eben am sonnenbeschienenen Rand einer größeren Ansammlung von Laubbäumen vorüber, deren Laub sich bereits in den ersten bunten Farben präsentierte, als er ferne Stimmen vernahm und augenblicklich im Schritt verharrte. Er lauschte mit gutem Gehör, gewahrte eine tiefere und eine Frauenstimme. Und da war noch etwas, das sich anhörte, als litt jemand große Schmerzen. Plötzlich war da nurmehr Stille. Janek lenkte seine Schritte seitlich ins Dickicht des Waldes, lautlos und schnell. Er rang mit sich, einen Umweg in Kauf zu nehmen oder aber zu warten, bis die Fremden mit Sicherheit fort waren, und er entschied sich für den Umweg. Leise suchte er den Wald südlich zu durchqueren, um dann in weitem Bogen wieder zurückzuschwenken. Nach den ersten hundert Schritten indes ließ ihn ein erstickter Schmerzensschrei inne halten. Die Erinnerung traf ihn wie ein Hammerschlag, und augenblicklich durchflutete ihn eine Kälte, die ihn schier lähmte. Wider besseren Wissens schob er sich näher heran. Es war weder Neugier noch Mitleid mit dem Gepeinigten, das ihn trieb, es war vielmehr ein innerer Drang, dem er nicht widerstehen konnte. Verborgen in einem Stechginsterbusch spähte er kurz darauf still auf die Szene, die sich ihm bot. Dort war ein Shíin, und er hatte offenbar seine Freude daran, jemanden auszuweiden. Janek konnte seinen Blick nicht abwenden. Er starrte nur wie gebannt. Und er bemerkte nicht, dass die Person, zu der die weibliche Stimme gehörte, gar nicht anwesend war.
Besser, ich wär verrückt. Dann wär mein Geist getrennt von meinem Gram, und Schmerz in eiteln Phantasien verlöre Bewußtsein seiner selbst. (Shakespeare)

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Re: Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Yastara » Sa, 18. Feb 2012 20:40

Yastara hatte augenblicklich keine Lust, sich von Cirdan und dem Menschen zu entfernen. Viel lieber wollte sie ihm dabei zusehen, wie das elende Etwas grausam tötete. Manchmal fragte sie sich, ob es noch normal war, so etwas wie Lust und glühende Leidenschaft beim quälen und töten von Menschen zu empfinden. Oder auch nur, wenn sie dabei zusah. Normalerweise sollte man solche Gefühle doch nur einem männlichen Shíin gegenüber haben. Vielleicht war sie wirklich nicht mehr ganz normal. Tatsächlich hatte sie sich bereits einem Mann hingegeben. Er hieß Lanar. Man hatte beschlossen, dass die beiden heiraten sollten. Daraufhin entschieden die beiden jungen Shíin, dass es wenig Sinn machte, bis zur Hochzeit mit dem Beischlaf zu warten, wenn es ohnehin beschlossene Sache war. Außerdem lebte man als Angehöriger dieses Volkes ohnehin immer gefährlich. Wer wusste schon, ob der nächste Tag nicht den Tod brachte? Letztendlich hatte Tara diese Entscheidung nicht bereut. Als die Menschen das Dorf überfielen, wurde Lanar getötet. Sie konnte also durchaus beurteilen, dass es fast das gleiche Lustgefühl war. Nur war sie älter geworden und diese Gefühle waren um einiges intensiver geworden.
Seitdem ihr Bruder verschwunden war, hatte sie sich um nichts anderes mehr gekümmert, als um ihre Rache. Sicherlich hatte es Heiratsangebote gegeben. Richtig. Angebote. Nicht Anträge. Mit Liebe oder Zuneigung hatte das meist nichts zu tun. Sie gehörte einfach zu den schönen Frauen ihres Volkes, was meist der Grund für diese Angebote war. Tja, auch Shíin konnten oberflächlich sein. An die Liebe glaubte sie unterdessen nicht mehr. So hatte sie sich in den letzten Jahren zwar hin und wieder für eine Nacht zu einem Mann gelegt, maß diesen Nächten aber nie größere Bedeutung zu.
Ja, es war eindeutig nicht ganz normal ähnliche Gefühle auch beim qualvollen Tod eines Menschen zu haben.
Aber Yastara kümmerte diese Erkenntnis nicht weiter. Wieso hatte sie eigentlich darüber nachgedacht? Ach, richtig. Cirdan - man konnte ihn ruhig einen ehemaligen besten Freund nennen - beschäftigte sich gerade mit ihrem kleinen Spielzeug. Wenn sie sich beim Holzsammeln beeilte, würde sie vielleicht noch einen Teil des Schauspiels zu sehen bekommen. Es steckte so viel Wut in ihm. Kein Wunder. Sie konnte sich zwar nur ungefähr ausmalen, was er in den letzten Jahren hatte durchmachen müssen, doch es reichte ihr. Die schöne Shíin hatte gespürt, dass er sich über ihr Wiedersehen gefreut hatte, doch fiel es ihm schwer, dies auch zu zeigen. Die Menschen hatten ihn verroht. Es war unglaublich, was diese widerlichen Missgeburten ihrem Volk immer und immer wieder antaten. Ausgerottet gehörten sie! Allesamt.
Und Yastara würde bei diesem Unternehmen nur zu gerne die Klinge führen. Auf ihre Art trug sie bereits ihren Teil dazu bei, in dem sie einfach jeden Menschen tötete, der ihr über den Weg lief.
Die junge Frau nahm sich vor, Cirdan anzubieten, sie eine Weile zu begleiten. Vielleicht konnte sie ihm ein wenig helfen, die Dämonen seiner Vergangenheit zu bändigen. Einen Versuch wäre es wert. Mit einem Lächeln auf den Lippen musste sie daran denken, wie sie in ihrer Jugend so manchen Trainingskampf ausgefochten hatten. Mal hatte er gewonnen, mal sie. Sie waren einander immer ebenbürtig gewesen.

Endlich hatte sie genügend Holz für ein Feuer beisammen das eine Weile brennen würde. Genussvoll nahm sie die Schreie des Menschen wahr, als sie sich wieder ihrem Lagerplatz näherte. Im Anschleichen war sie schon immer eine der Besten gewesen, weswegen sie sich unbemerkt einen Platz hinter den Büschen suchen konnte, um die Szene noch ein wenig zu genießen. Cirdan hatte sich zurück gehalten, als sie noch anwesend gewesen war. Das musste einen Grund haben. Vielleicht würde sie ihn später danach fragen. Jetzt genoss sie jedoch erstmal das Szenario das sich ihr bot.

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