Der Shiín im Wolfspelz

Die Heimat der Shiín.
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Janek
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Re: Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Janek » Mi, 02. Mai 2012 10:26

Überlebt. Ja, das hatte er in der Tat. Nur was war es genau, das überlebt hatte? Es gab Tage, da kam sich Janek vor, als sei er nichts weiter als eine Hülle, hohl und ausgebrannt. Dann wiederum gab es Tage, an denen er sich wie eine Marionette fühlte, die nichts vom großen Plan des Schicksals ahnte, herumgewirbelt von seiner Vergangenheit, einer ungewissen Zukunft entgegen, von der er nicht wusste, ob er sie kennen wollte oder doch lieber nicht. Ja, er hatte überlebvt, doch ob das Leben, das er nun führte, lebenswert war, stellte er selbst in Frage. Düstere Gedanken waren das, die ihn plagten, und selbst der Gedanke an Kelia vermochte sie nur kurz zu vertreiben. Zu pessimistisch war er, sie überhaupt zu finden. Janek erwiderte nichts auf Cirdans Worte hin, seufzte nur leise und starrte in die Flammen. Für den Freund musste es ersichtlich sein, dass es Janek alles andere als gut ging, und doch hätte er das selbst nie eingestanden, denn das bedeutete Schwäche, und im Geheimen Zirkus lernte man schnell, jegliches Aufkommen von Schwäche zu verbergen.

Dass das Unwetter ein makaberer Scherz des Schicksals gewesen sein könnte, war auch Janek schon durch den Kopf gegangen. Er blickte auf und betrachtete Cirdan, dessen Mundwinkel sich kurz nach oben bogen, ein aufgesetztes Lächeln, das nicht die Augen erreichte. Schon setzte er zu einem neuen Satz an, den Janek kurz verinnerlichen musste. Wie lange mochte es her sein? Cirdan konnte ein Stirnrunzeln sehen, den Ansatz eines Grübelns, dann spiegelte sich Verwunderung auf Jankes Gesicht wieder. "Ich...weiß es nicht", hörte er seine erstaunte Stimme. Und er wusste es tatsächlich nicht, hatte die Tage und Nächte seit der Flucht nicht gezählt. Dennoch musste seitdem wohl einige Zeit vergangen sein. "Ich war zu Hause." Das Wort klang fremd, wie Hohn - wann hatte ein Mann wie er jemals ein Zuhause gehabt? "Es müssen Monate sein. Wie viele, weiß ich nicht. Vielleicht Jahre." Diese Feststellung erschütterte ihn selbst etwas. So lange Zeit war er allein gewesen, hatte er sich irgendwie durchgeschlagen. War er auf der Suche gewesen, ohne doch jemals nur einen Anhaltspunkt über Kelias Aufenthalt zu finden.

Glücklicherweise lenkte ihn Cirdan ab, indem er seine Geschichte erzählte. Vom Krieg zwischen Menschen und Shiín hatte Janek schon gehört, zuletzt von Yastara, doch hatte es ihn nie betroffen noch tangiert. Wenn die Leute vom Krieg sprachen, fand er meist weit weg statt und klang mehr wie eine Geschichte. Eine Geschichte, wie auch die, die Cirdan nun von seiner Familie und den vielen anderen seines Volkes erzählte. Janek verstand die Verbitterung des Freundes, hätte sein Beileid bekunden sollen. Doch er schwieg. Es gab nichts, das einen solchen Verlust lindern konnte, auch wenn er Jahre zurücklag. Ebenso wenig konnte er Cirdan nun Ratschläge erteilen, auch wenn er fand, dass sich die Schlinge immer weiter zuzog, wenn keine der beiden Seiten aufeinander zuging. Doch das Schlimmste war: Er wusste nicht, was er getan hätte, wenn Kelia... Ein Kloß bildete sich in seinem Hals, er musste fortschauen und unterbrach den Blickkontakt zu Cirdan. Die Fronten waren eindeutig festgefahren, und Janek und Cirdan hatten sich vielleicht zu weit voneinander entfernt, als dass er nun daran etwas würde ändern können. Dennoch sagte er: "Und geht es dir nun besser? Wenn du ehrlich zu dir selbst bist." Er sah Cirdan nun wieder an. "Du weißt, dass er deine Familie nicht umgebracht hat." Janek fixierte Cirdans Blick und suchte darin nach etwas, das den Shiín zweifeln, ihn seine Tat in Frage stellen ließ. "Ich habe wohl Glück, dass ich keiner von ihnen bin", fuhr er fort, und eine gewisse Melancholie schwang in seiner Stimme mit.

Das Gespräch driftete in eine ganz falsche Richtung ab. Janek fühlte sich unbehaglicher als zuvor. Doch daran würde er wohl nur schwerlich etwas ändern können. Es war ein matter Versuch, eine andere Variante hereinzubringen, aber es fiel ihm nichts anderes ein. "Du scheinst etwas Glück gefunden zu haben." Selbstverständlich spielte er damit auf Yastara an, die wohl mit den Augen gerollt hätte, wenn sie das gehört hätte. Ein wenig klang es wie ein Vorwurf oder gar Eifersucht, auch wenn das ganz sicher nicht Janeks Absicht gewesen war. Er merkte es und schob daher etwas nach. "Ich...ich suche auch." Herrje, wie sich das nun wieder anhörte! Als ob das Glück an der nächsten Wegkreuzung lag und er es nur aufzuheben brauchte! "Ich meine, ich suche...sie", präzisierte er ein wenig hilflos und mit kratziger Stimme. "Kelia."
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Re: Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Cirdan » Mi, 02. Mai 2012 18:48

Cirdan selbst hatte die Gefangenschaft im Kerker und auch die zahllosen Kämpfe innerhalb seiner Zeit im Geheimen Zirkus überlebt. Dabei hatte ihn immer nur ein Gedanke am Leben gehalten gehabt: Yastara. Zwar war es auch der Hass und der Zorn auf die Mörder seiner Familie, der ihn dazu gebracht hatte all die Qualen der Folter zu überleben, aber wenn er im Nachhinein gesehen wirklich ehrlich zu sich selbst war, so musste er sich seine Liebe zu der jungen Shiín eingestehen. Insofern war er für zu Hause angekommen. Er war bei ihr und sie bei ihm dank einer glücklichen Fügung des Schicksals.

„Zuhause? Du meinst in der Wüste?“, wiederholte Cirdan Janeks Worte und stellte sie zugleich in Frage. Sie beide hatten nie über Dinge wie Heimat gesprochen. Keiner wusste wirklich viel über den anderen und dennoch waren sie zumindest damals Freunde gewesen. Wie es jetzt, vier Jahre danach aussah, wusste er nicht zu sagen. Er tat sich schwer damit sich in andere hineinzuversetzen. Aus diesem Grund konnte er nur erahnen was in seinem einstigen Kampfgefährten vor sich ging, wie er sich fühlte und woran er dachte. Sie beide hatten sich grundlegend verändert seit ihrer allerersten Begegnung damals im Zelt. Daran waren einerseits die Bedingungen schuld unter denen sie hatten leben müssen zwischen den Kämpfen, aber auch die Kämpfe selbst. Cirdan vermochte nicht zu zählen wie vielen anderen Mitgefangenen, aber auch eigens dafür gefangenen Männern er das Leben genommen hatte. Wie viele von ihnen ihn angebettelt hatten sie leben zu lassen und die er um sein eigenes Leben zu retten dennoch getötet hatte. Er war hart geworden und irgendwann war der junge unbeschwerte Shiín einfach verschwunden gewesen.

Lange blickte er den anderen schweigend an. So unterschiedlich sie auch äußerlich sein mochten, so sehr ähnelten sie sich tief in ihrem Innern. Cirdans Haar hatte seinen einstigen Glanz verloren, die schwarzen Strähnen, jede einzelne stand für ein Leben das er genommen hatte, zogen sich unregelmäßig durch das Weiß und gaben ihm ein fremdartiges, für Shiín untypisches Aussehen. „Die Zeit... sie ist unberechenbar und nur schwer zu fassen. Mir kommt es so vor als wäre all das was wir zusammen erlebt haben erst wenige Monate her. Du musst zugeben, dass unser Plan genial gewesen ist. Schade, dass du nicht dabei gewesen bist als ich den beiden Totengräbern einen bösen Streich gespielt hatte und plötzlich von den Toten auferstanden bin. Geschrien haben sie wie die Weiber, doch das nutzte ihnen nichts. Ich erschlug sie beide mit ihren Schaufeln und lief dann um mein Leben.“ Gedanklich glitt er zu jenem Tag zurück während er sprach und sein Blick wurde für einen winzigen Augenblick glasig ehe er blinzelte um Janek wieder anzusehen.

Abwehrend hob er die Hände als dieser erneut darauf zu sprechen kam, dass der Mensch, den er auf so grausame Weise getötet hatte auch eine Familie gehabt haben könnte. „Hör auf damit. Du kannst es nicht mit Bestimmtheit sagen, also lass es. Er ist tot. Das ist das Einzige was für mich zählt. Allein dass er ein Mensch ist, ein Teil des Volkes, das mir auf solch entsetzliche Weise alles nahm was ich einst liebte und hatte, macht ihn zu einem Schuldigen. Verstehe es oder lasse es bleiben. Ich für meinen Teil habe schon vor langer Zeit beschlossen sie alle zu hassen und das werde ich bis zu meinem letzten Tag tun.“, entgegnete er und konnte nicht verhindern, dass seine Stimme lauter wurde als er es eigentlich beabsichtigte. Es waren die Erinnerungen, die in diesem Moment hochkochten und er ballte unwillkürlich die Hände zu Fäusten. Und nein, es ging ihm keinen Deut besser. Betreten senkte er den Blick und schüttelte leicht den Kopf. Wenn es noch Dinge zwischen ihnen gab, das sie miteinander verbanden, dann waren es Ehrlichkeit und Loyalität dem anderen gegenüber. Jedoch wagte er es nicht auszusprechen, sondern fing an in die tanzenden Flammen zu starren bis seine Augen anfingen zu tränen. „Nein... ich... wir sind Freunde... ich würde eher mein Leben für dich geben als dich zu töten.“, flüsterte er kaum hörbar und so leise, dass der Wind seine Worte zu übertönen drohte.

„Mein Glück... gefunden? Ich verstehe nicht...“, und doch verstand er den Sinn in dem Moment als er widersprechen wollte. Leise lachte er und klopfte Janek auf die Schulter. „Du sprichst von Yastara und mir. Aber du irrst, ich bin ihr auch erst am heutigen Tag nach sieben Jahren der Trennung wieder begegnet. Uns verbindet nur eine Freundschaft, auch wenn ich mehr für sie empfinde und schon immer empfunden habe. Doch wir sind nur Freund, so wie wir, oder?“ Es fiel ihm schwer es als eine Feststellung zu sehen, daher hob er zum Ende hin seine Stimme leicht an um eine Frage aus seinen gesagten Worten zu machen. „Kelia... wer ist sie? Ist sie diejenige, die dich in all den Jahren vor dem Tod und dem Wahnsinn bewahrt hat? Beschreibe sie mir. Erzähle mir alles von ihr.“ Er bemühte sich darum aufmunternd zu lächeln und sah nun wieder zu dem Mann neben sich, suchte dessen Blick.

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Re: Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Janek » Mi, 09. Mai 2012 12:53

"Ja", erwiderte Janek schlicht. Es stimmte zwar, dass sie nie über vertraute Dinge wie die Heimat oder ihre Gefühle gesprochen hatten, doch Janek wusste, wo ein Shiín üblicherweise zu Hause war, und dasselbe galt für Cirdan auch. Sie schwiegen sich eine Weile an, musterten sich gegenseitig. Es mutete Janek seltsam an, dass sie nun, Jahre nach ihrem ersten Kennenlernen, Jahre nach Cirdans Flucht über solch vergleichsweise banalen Dinge sprachen wie die Heimat. Es war ein befremdliches Gefühl. Im Zirkus über solche Dinge zu reden, hieß seine Schwächen zu offenbaren und sich angreifbar zu machen. Viele hatten sich nicht an diese unausgesprochene Regel gehalten und waren mit spöttischen, abfälligen Bemerkungen über die Liebste während eines Kampfes dazu verleitet worden, kopflos zu reagieren. Der Lohn dafür war meistens der Tod, und so war es besser gewesen, weder über die Heimat noch über die Familie zu reden, um sich nicht reizen zu lassen und eine kleinere Angriffsfläche zu bieten. Nun, eine Zeitlang später, legte man alteingesessene Verhaltensweisen nicht einfach ab. Janek hatte sie beibehalten, denn sie hatten ihn damals geschützt und würden ihm diesen Dienst auch weiterhin erweisen. Es war also eine Art natürliches Haaresträuben, dass ihn befiel, wenn er nun von sich erzählte. Immer wieder musste er sich in Erinnerung rufen, dass die Informationen, die er nun freiwillig preisgab, niemand gegen ihn verwenden würde.

Als Cirdan zu sprechen begann, konnte Janek nicht umhin, sachte zu nicken. Ja, die Zeit war schwer zu erfassen. Seine Reise in die Heimat war ihm vorgekommen wie ein Traum, aus dem er jeden Augenblick zu erwachen drohte. Es hatte Tage gegeben, an denen er sich gewünscht hatte, dass jemand ihn aufrieb und es zu einem Kampf kam, da waren Tage gewesen, an denen er in seinem Unterschlupf liegen geblieben war und gehofft hatte, nie mehr aufstehen zu müssen. Die guten Tage waren selten gewesen, und selbst sie waren armselig im Vergleich zu der Zeit, die er mit Kelia gehabt hatte. Cirdan sprach von ihrem Plan, und obwohl Janek dabei gewesen war, als er seinen Anfang genommen hatte, kam ihm die ganze Sache fremd vor und Cirdans Worte brutal. Es hatte zu viel Gewalt gegeben in ihrer beider Leben, und wo Janek den größtmöglichen Abstand davon suchte, konzentrierte Cirdan seinen ganzen Hass nun auf einen Punkt, die Menschen. "Du hattest Glück", entgegnete Janek mit rauher Stimme. Wobei er, wenn er an den Hass in Cirdan dachte, wohl kaum von Glück sprechen konnte. Zweifelnd hörte er die weiteren Worte des Freundes. Mit jedem Wort vertiefte sich die Furche auf der Stirn des Wüstenelf. Cirdan klang beinahe fanatisch. "Es ist deine Entscheidung. Aber erwarte nicht von mir, dass ich sie verstehe." Kurz überlegte er, was er getan hätte, wenn der Mensch nicht bereits tot gewesen wäre. Er hätte wohl versucht, seines Weges zu ziehen, doch Janek bezweifelte, dass es ihm gelungen wäre, tatenlos abzuziehen. Er erinnerte sich an den armen Tropf, den die Wächter damals verprügelt hatten. Auch da hatte Janek nicht danebenstehen können, ohne einzugreifen. Und war das nicht auch ein Mensch gewesen? Er erinnerte sich nicht mehr. Es war sein Ehrgefühl, das das Wegsehen verhinderte, und es hatte seiner Meinung nach nichts ehrenhaftes, einen wehrlosen Mann einfach abzuschlachten - gleich ob Mensch oder Elvoin oder was auch immer. Doch er schluckte die Worte herunter, die ihm auf der Zunge lagen. Cirdans Worte waren zu deutlich, als dass er sich hätte umstimmen lassen, seine Meinung gebildet und unumstößlich. Dennoch erkannte Janek Cirdan kaum wieder. Schweigen breitete sich wie eine tiefe Kluft zwischen ihnen aus, mit jedem Atemzug unüberwindbarer. Cirdans Worte gingen im Prasseln des Feuers fast unter, doch Janek hörte sie trotzdem. Er seufzte lautlos, wandte den Blick seinerseits nur kurz von den Flammen ab und sah zu Cirdan hin. Er legte ihm wortlos die Hand auf den Unterarm, ließ sie einen Herzschlag lang dort und nahm sie hernach wieder fort. Eine Geste, die mehr sagte, als es Worte vermochten.

Was Cirdan dann jedoch sagte, verwunderte Janek. Seine Brauen rutschten der Stirn entgegen. "Es wirkte anders auf mich. Ihr schaut euch so vertraut an, dass ich..." Janek verstummte und endete in einem Schulterzucken. Irgendwann einmal hatte er gehört, dass Shiín Einzelgänger seien. Offenbar musste er diese Information überdenken. Cirdan bestätigte Janeks Vermutung bezüglich Yastara, und Janeks rechter Mundwinkel zuckte, was die Narbe unschön in den Vordergrund brachte. "Wenn sie das auch so sieht..." Sein Tonfall machte deutlich, dass er das anders einschätzte als Cirdan, doch das war seine Sache und er würde sich da nicht hereinhängen. Ein unglaublicher Zufall, dass Cirdan an einem Tag gleich zwei alte Freunde wiedergetroffen hatte. Manchmal spielte das Schicksal eben doch Streiche. Janek nickte auf Cirdans Frage hin, auch wenn er sich nicht recht sicher war, ob man die Beziehung Cirdan-Yastara mit der ihren vergleichen konnte - und sollte. Vermutlich, nein, mit Sicherheit, konnte Cirdan besser auf Janek verzichten als auf Yastara, doch solche Gedanken waren müßig, und so verschwendete Janek keine weitere Zeit daran. Und Cirdan half ihm dabei, da er nach Kelia fragte. Obwohl Janek diese Frage ja geradezu provoziert hatte, kam sie dennoch überraschend. Er sah den Shiín ein wenig konsterniert an und musste sich erst wieder daran erinnern, dass sie hier nicht mehr im Geheimen Zirkus waren, wo Augen und Ohren stets wachsam im Verborgenen lauerten. Und selbst dann begann er nur zögerlich zu erzählen, schaute oft in die Flammen und wieder zurück zu Cirdan, als wolle er sich vergewissern, dass dieser nicht aufsprang und sich als Wächter entpuppte, der ihn wegen seiner Gefühlsduselei aufzog und verhöhnte. "Ich...ja, sie..." Janek atmete tief durch, um sich zu beruhigen. "Sie ist...sie war meine Verlobte. Wir waren mit den Pferden unterwegs, damals. Dann kam ein Sandsturm, und wir haben uns verloren." Trotz des Feuers kroch die Kälte an Janek herauf und ergriff von ihm Besitz. In seinen Augen war nichts zu lesen, nur der Widerschein des Feuers. Doch seine Stimme verriet die innere Pein, denn er sprach leise und gequält. "Ich habe sie verloren. Es war überall Sand, es ist töricht von uns gewesen, überhaupt loszuziehen... Als sich der Sturm gelegt hatte, war Kelia nirgends zu sehen. Ich habe sie gesucht, bis ich nicht mehr konnte. Mein Pferd war tot, die Wüste hatte sich verändert. Der Sturm hat alles von unten nach oben gekehrt. Sie...sie haben mich gefunden, als ich fast tot war." Janek räusperte sich, um seiner Stimme wieder einen weniger gemarterten Klang zu geben. "Ich wusste nicht einmal, ob sie noch lebt. Die ganze Zeit über." Er erinnerte sich noch gut an die vielen widersprüchlichen Gedanken, die ihn seinerzeit heimgesucht hatten. Schuldgefühle, die Hoffnunfg, dass sie noch lebte, die Einsicht, dass sie tot sein musste. Immer wieder hatte sich all das im Kreis gedreht, wieder und wieder und wieder, bis er schließlich an ihren Tod geglaubt und versucht hatte, damit seinen inneren Friedenzu finden. Janek seufzte, schüttelte den Kopf und starrte wieder in die Flammen. "Sie war schwanger." Das war das vielleicht Bitterste daran gewesen. Er hatte sich nicht nur um Kelia nicht gekümmert, sondern auch ihr gemeinsames Kind im Stich gelassen.

"Ich wollte sie vergessen. Ich dachte, wenn sie tot ist, wäre das wohl das Beste. Und selbst wenn nicht: Was hätte es ihr gebracht, hätte sie gewusst, wo ich bin?" Janek schüttelte den Kopf. "Als ich...nach dem Unwetter, da wollte ich nur weg. Ich wusste nicht, wohin, ich war überall und nirgends. Und dann stand ich plötzlich zu Hause. Ich habe ihre Eltern belauscht. Sie lebt", sagte Janek. "Niemand weiß, wo sie ist oder ob es ihr gut geht. Ich weiß nicht, ob sie mich sucht...oder mich längst vergessen hat." Schweigen folgte auf diese Offenbarung. Seltsamerweise tat es gut, mit jemandem darüber zu reden. Er hätte noch anfügen können, dass er sich vor dem Moment fürchtete, in dem er herausfinden würde, ob Kelia ihn vergessen hatte oder suchte, doch das brachte er einfach nicht über die Lippen. Er hatte schon genug von sich gezeigt, von seinem Inneren. Prüfend sah er zu Cirdan hin, fuhr sich mit der Hand durch das Haar und wartete auf dessen Urteil, so vernichtend es auch sein mochte.
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Re: Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Yastara » Fr, 11. Mai 2012 21:41

’Du sprichst von Yastara und mir. Aber du irrst, ich bin ihr auch erst am heutigen Tag nach sieben Jahren der Trennung wieder begegnet.’ Als sie ihren Namen hörte, hielt die Shíin inne. Eigentlich wollte sie direkt zu den Männern gehen, doch nun ging sie hinter den Büschen am Rande der Lichtung in Deckung und pirschte sich lautlos näher heran, um besser zu verstehen, was über sie geredet wurde. Eigentlich gehörte es sich ja nicht zu lauschen. Genauso wenig, wie über Abwesende zu sprechen. In ihren Augen legitimierte das schon wieder ihre Lauscherei. Im ersten Augenblick hatte sie das Gefühl, als würde Janek glauben, dass mehr zwischen Cirdan und ihr war, als sie zugaben. Hätte sie nicht leise sein müssen, hätte sie sicherlich geschnaubt. Wie kam er nur auf diese absurde Id... ’Uns verbindet nur eine Freundschaft, auch wenn ich mehr für sie empfinde und schon immer empfunden habe. Doch wir sind nur Freunde, so wie wir, oder?’ Zunächst nickte sie heftig, um seine Worte zu bestätigen. Nicht, dass es wichtig gewesen wäre, immerhin sah es niemand. Und doch war ihr diese Geste wichtig. Doch dann hielt sie mitten in der Bewegung inne und erstarrte. Cirdan empfand mehr für sie, als Freundschaft? Schon immer? War das sein ernst? Taras Augen weiteten sich und sie versuchte sich krampfhaft in Erinnerung zu rufen, ob es jemals Anzeichen dafür gegeben hatte, dass das von seiner Seite aus mehr war. Sie erinnerte sich an viele Übungskämpfe, an gemeinsames Lachen und Streiche aushecken, an große Pläne, die man gemeinsam für die Zukunft geschmiedet hatte, an größenwahnsinnige Wünsche und viele endlose Gespräche bis tief in die Nacht. Wieso hatte sie nie etwas bemerkt? War Cirdan einfach zu gut darin, seinen Gefühle zu verbergen? Jetzt schien er es zu sein, aber damals? Eigentlich hatte sie immer das Gefühl gehabt, in ihm lesen zu können, wie in einem offenen Buch. Früher jedenfalls. Damals hatte sie nichts gemerkt, oder war sie einfach blind gewesen? Es kam ihr eine bestimmte Szene in den Sinn. Damals war hatte sie kurz vor ihrer Weihe gestanden und glaubte wahnsinnig verliebt in einen ihrer Freunde zu sein. Immer, wenn sie Cirdan davon erzählte, war so ein seltsamer Schatten über sein Gesicht gehuscht und er wirkte ungewohnt verschlossen. War das vielleicht ein Anzeichen seiner wahren Gefühle und sie hatte es nicht bemerkt?
Bei allen heiligen Klingen! Wie hatte sie nur so blind sein können?
Umso erstaunlicher war es für sie, dass er noch immer so für sie empfand. Nach allem, was er durchgemacht hatte.
Als sie ihre Gedanken beiseite schob, bekam sie noch die letzten Worte von Janek mit. Er war also verlobt... Nun, damit kannte sie sich aus. Besser, als mit alten Jugendfreunden, die schon länger in einen verliebt waren und man es nur nicht mitbekommen hat. Yastara beschloss, dass es Zeit für ein bisschen weibliches Geschnatter wurde. Also richtete sie sich auf und trat auf die Lichtung, als wäre sie gerade eben aus dem Wald gekommen und hätte nicht erst noch gelauscht. “Na Männer. Also, während ihr nett geplauscht habt, habe ich für unser Abendessen gesorgt. Ist das Feuer bereit?” Sie gab sich betont freundlich. Wenn sie das aktuelle Gesprächsthema bedachte, konnte etwas aufheiternde Freundlichkeit wohl nicht schaden. Von wahrem Mitleid für Janek war sie zwar noch entfernt, aber er tat ihr leid. Nicht zu wissen, ob die eigene Verlobte noch lebte und an einen dachte, stellte sie sich schwierig vor. Aber sie kannte die Situation nicht, also fiel es ihr auch schwer, sich in die Situation einzufühlen.
Also setzte sie sich kurzerhand mit an das Feuer und bereitete das Fleisch aus ihrem Tuch für das Feuer vor. “Ich habe Eure letzten Worte gehört.”, bemerkte sie nebenbei an den Elf gerichtet. “Vor gar nicht allzu langer Zeit war ich auch verlobt. Er wurde von einem Menschen getötet. Ich wusste es, noch bevor sie den Leichnam in unser Dorf brachten. Obwohl die Ehe arrangiert gewesen wäre. Also, bin ich sicher, dass Ihr es wüsstet, wenn es Eurer Verlobten nicht gut gehen würde. Die Verbindung zwischen euch wird sicherlich stärker sein, als die zwischen mir und Zarak je hätte sein können.” Es war ein kläglicher Aufmunterungsversuch das wusste sie. Den Einzigen, den sie bisher immer hatte aufmuntern können, war ihr Bruder. Doch es war ihr wichtig, es wenigstens versucht zu haben.

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Re: Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Cirdan » Sa, 12. Mai 2012 14:14

Cirdan hatte seit seiner Gefangennahme vor sieben Jahren nicht mehr an seine Heimat gedacht. Zu schmerzlich waren die Erinnerungen daran was er durch die Menschen verloren hatte. Auch jetzt noch konnte er nicht an seine Kindheit und Jugend zurückdenken ohne die schrecklichen Bilder der Ermordung seiner Familie und all seiner Freunde vor Augen zu haben. Hass erfüllte ihn und er wollte noch mehr dieser grausamen Rundohren töten, deren Haut so bleich war, dass sie wie Schnee in der Sonne glänzte und jedem in der nahen Umgebung den Weg zu ihnen wies. Sie waren so selbstsicher, dass sie es nicht für nötig hielten sich zu verbergen. Genau das war ihr Fehler und machte die Jagd auf sie so einfach. Dieser Gedanke wiederum erfreute, ja erregte ihn sogar und ein diabolisches Lächeln zeigte sich auf seinen Lippen, das sich auch auf seine Augen übertrug und er vermied es in diesem Moment Janek anzusehen um ihn nicht noch mehr zu verunsichern. Er konnte spüren wie schwer es ihm fiel in ihm noch den Freund von damals zu sehen. Auch Cirdan fragte sich manches Mal wie viel noch von dem Shiín übrig war, der einst ein vollkommen normales Leben geführt hatte. Aber das hatten sie beide irgendwann einmal.

„Glück? Ich weiß nicht, ob man es so nennen kann...“, erwiderte er verbittert und ballte die Hände kurz unwillkürlich zu Fäusten. „Der Plan war gut, aber wir hätten beide fliehen sollen. Es war falsch von mir nur an mich zu denken... verdammt wir waren Freunde!“ Wut erfasste ihn und er schüttelte seufzend den Kopf so dass ihm Strähnen seines weißen Haares, aber auch die schwarz gefärbten Strähnen ihm ins Gesicht fielen. „Ich hätte zurück kommen sollen... aber ich war zu schwer verletzt und ich habe Wochen lang im Bett gelegen. Als ich wieder genesen war, war der Zirkus verschwunden. Weg. So als hätte es ihn nie gegeben. Ohne irgendein Anzeichen wohin er gezogen war.“, flüsterte er und biss sich schuldbewusst auf die Unterlippe. Seine grauen Augen schimmerten im Widerschein des Feuers, das leise vor sich hin prasselte und die eintretende Stille zwischen ihnen füllte. Der Wind frischte leicht auf und blies ihnen einen warmen Schwall in die Gesichter, vertrieb zumindest die äußerliche Kälte. „Ja, es ist meine Entscheidung und ich habe sie nicht leichtfertig getroffen. Ich weiß, dass es für dich schwer ist zu verstehen, aber...“ Er brach ab und starrte von Neuem verbissen in die tanzenden Flammen und schluckte den in seinem Hals entstehenden Kloß herunter. Er wollte nicht weinen. Nicht hier, nicht jetzt. Wer weinte, war schwach. Schwäche bedeutete den Tod. Das war ein Naturgesetz.

Er war froh darüber als das Thema sich in eine andere Richtung bewegte und er lächelte leicht verlegen. „Wir sind nur Freunde... mehr ist da nicht zwischen uns. Auch wenn ich es mir immer gewünscht hätte, aber du weißt am besten wie es mit Wünschen und Träumen ist. Sie gehen selten in Erfüllung, aber sie verleihen Kraft durchzuhalten.“, sagte er und sein Gesicht verlor für einen winzigen Augenblick all seine Härte und Verbitterung. Doch wie ein Schatten in der Dämmerung verschwand dieser Ausdruck rasch wieder und er wandte den Kopf seinem Freund zu. Der Punkt war nun einmal, dass er Yastaras Gefühle und Gedanken nicht kannte. Er vermochte sich nicht in sie hinein zu versetzen. Das hatte er noch nie gekonnt, bei niemanden. Deswegen zuckte er nur mit den Schultern.

Aufmerksam hörte er zu wie der Wüstenelf von der Zeit in seiner Heimat sprach und wie es dazu gekommen war, dass er in Gefangenschaft und schließlich zum Geheimen Zirkus geraten war. Er und seine Verlobte waren in einen Sandsturm geraten, sie wurden getrennt und den Rest der Geschichte kannte er nur zu gut. Immerhin war er es gewesen, der in dem Zelt gesessen hatte als man den vollkommen erschöpften jungen Mann gebracht und wie ein Stück Fleisch hatte liegen lassen. Auch wenn er ihn zu diesem Zeitpunkt noch nicht gekannt hatte, hatte er sich um ihn gekümmert, ihm die glühend heiße Stirn gekühlt gehabt und ihm Wasser gegeben bis dieser wieder halbwegs zu sich gekommen war. „Du warst also in deiner Heimat und hast erfahren, dass sie noch lebt. Wirst du nach ihr suchen oder versuchen sie vergessen?“, entgegnete er und versuchte sich eine Frau vorzustellen, die schwarzes Haar hatte so wie sein Freund. Doch es mochte ihm nicht wirklich gelingen und gerade als er ein ungefähres Bild vor Augen hatte, hörte er wie sich die Shiín näherte und sie beide ansprach.

„Wenn du öfters auf die Jagd gehst, könnte ich mich an diesen Zustand gewöhnen.“, scherzte er im ersten Moment noch und sah voller Neugier auf das Bündel, das sie mit sich führte. Seine feine Nase verriet ihm dessen blutigen, aber durchaus leckeren Inhalt und ihm begann das Wasser im Mund zusammen zu fließen. Er war bereits mehr Wolf als er es sich eingestehen wollte. Eine Sache, die er wohlweislich dem Elfen gegenüber verheimlichte, da ihn schon der unauslöschliche Hass auf die Menschen zutiefst verschreckt hatte. Seine Gedanken nahmen aber rasch eine andere, unerwartete Richtung ein, als die junge Frau davon sprach selbst einmal verlobt gewesen zu sein und dass der ihr zugesprochene Ehemann durch die Waffen der Menschen ums Leben gekommen war. Cirdan spürte förmlich wie ihm die Gesichtszüge entglitten und sein Mund sich ungläubig öffnete. Diese Tatsache erschreckte und überraschte ihn zugleich. Ihm krampfte sich der Magen zusammen und der Hunger verschwand mit einem Mal. Er schluckte schwer und wandte den Blick ab. Auch wenn es nur wenig gab, was ihn noch erschüttern konnte, so war diese Neuigkeit zu viel für ihn und er hatte Mühe nicht aufzuspringen um die Flucht zu ergreifen. Tief in ihm verspürte er den Drang seine Gestalt zu verändern und so lange und weit zu laufen bis er nicht mehr konnte oder die Enttäuschung in ihm aufhörte zu schmerzen. „Verstehe...“, brachte er nur leise hervor ohne den Blick zu heben.

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Re: Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Janek » Fr, 25. Mai 2012 10:49

Es ist, wie es ist. Wie oft hatte er seine Mutter diesen Satz hören sagen? Früher war ihm diese Aussage auf die Nerven gegangen, heute wusste er, welch wahrer Kern darin steckte. Es war wirklich, wie es war, und meistens konnte man daran nichts ändern. So verhielt es sich auch mit ihrer beider Vergangenheit. "Es hätte nicht funktioniert, wenn wir beide geflohen wären", erwiderte er, milde lächelnd. Und auch das stimmte. Vielleicht hätte es einen anderen Plan gegeben, der sie beide gerettet hätte, doch darüber nachzudenken, brachte nichts. Im Bett gelegen... Janek wusste kaum noch, wie ein solches aussah. "Mach dir keine Vorwürfe. Ich lebe noch." Er versuchte, es leichthin zu sagen, doch gelang ihm das nicht ganz. Untermauernd zuckte er mit den Schultern und gab vor, Cirdans Befinden nicht zu bemerken. Janek konnte nicht damit umgehen, deswegen übersah er es einfach und ging nicht darüber ein. Der Wind fachte das Feuer an, ließ die Flammen tanzen und wirbeln und trieb einen Schwall warme Luft in ihre Richtung.

Nachdenklich nickte der Wüstenelf bei Cirdans Worten. Träume und Wünsche hatten sie beide am Leben gehalten, so irrsinnig sie auch gewesen sein mochten. Janeks Wünsche hatten sich mit der Zeit gewandelt. Waren es zu Anfang noch die Flucht und das Wiedersehen mit Kelia gewesen, hatte er sich am Ende nur noch zu sterben gewünscht. Und doch hatte ihm etwas das Leben bewahrt. Er seufzte. Nun war er geflohen und hatte seine Freiheit zurück, auch wenn sie anders aussah als er es gehofft hatte. Doch dass er Kelia wiederfinden würde, bezweifelte er. Aber ein Mann braucht etwas, das ihn antreibt, und so hatte er es sich zur Aufgabe gemacht, Kelia zu finden. Das einzige, was ihm noch blieb, auch wenn er wusste, dass es aussichtslos war und er sie niemals finden würde. Alvarania war groß. Cirdan hingegen war vielleicht noch ärmer dran als er: Seine Liebe war ihm nach Jahren einfach wieder über den Weg gelaufen und wusste nichts von seinen Gefühlen. Cirdan würde es ihr wohl nicht sagen...nur warum, das wusste Janek nicht. "Wieso sagst du ihr nicht..." begann er, als er ein leises Knacken hinter sich hörte. Er fuhr herum und entdeckte Yastara, die soeben mit ihrer Beute aus dem Wald auf die Lichtung trat. Sie fragte nach dem Feuer und war sehr freundlich, und das machte Janek misstrauisch. Er betrachtete sie und Cirdan abwechselnd mit prüfendem Blick und wollte eben etwas Belangloses zum Feuer sagen, als Yastara sich setzte, das Fleisch auspackte und dabei offenbarte, die letzten gesprochenen Worte gehört zu haben. Augenblicklich furchte sich seine Stirn. Wie viel mochte sie tatsächlich mitbekommen haben? Sie wirkte unbeschwert, doch Janek war von Natur aus ein misstrauischer Wüstenelf, der meist die Dinge hinterfragte. Es war ihm mehr als unangenehm, dass sie seine eigenen Worte gehört hatte, wie er von Kelia und ihrer gemeinsamen Vergangenheit gesprochen und sich offenbart hatte - ihr, einer Fremden! Und nun erteilte sie ihm Ratschläge. Das war für Janek zu viel, er wollte ihr Mitleid nicht, auch wenn es tatsächlich Freundlichkeit war. Die Kehle hatte sich ihm zugeschnürt und er ging innerlich auf Abstand. Kein Wort würde er mehr über Kelia verlieren. Niemand konnte verstehen, wie ihn das innerlich zerriss, niemand außer vielleicht Cirdan. Janek würde hier nicht vor Yastara sein Innerstes ausbreiten - nicht mehr, als er das bereits getan hatte. Vom einen auf den anderen Moment wirkte er verschlossen und hatte sich wieder abgekapselt. Irgendeine arrangierte Ehe war mit ihm und Kelia nicht zu vergleichen. Und der Gedanke daran, dass die Bande vielleicht so schwach sein mochten, dass er es nicht mehr merkte, wenn es ihr schlecht ging, gab ihm fast den Rest. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war allerdings etwas anderes: Yastaras aufgesetzte Unbeschwertheit in Kombination mit Cirdans Ausdruckslosigkeit und dem müden, geflüsterten Wort. Janek sprang auf und musterte die beiden Sitzenden vor sich ungläubig. "Ich verstehe euch nicht", sagte er und schüttelte den Kopf. Er fühlte sich innerlich wund und aufgerieben, und diese Torheit dort vor sich konnte er nicht ertragen. Hitzig funkelte er die beiden vor sich an. "Ihr steht direkt voreinander und seht euch nicht! Macht die Augen auf!" Wütend wandte er sich ab und stapfte davon, um einerseits der Situation zu entfliehen, andererseits um sich abzureagieren. Das Gespräch über Kelia, die anschließenden Ratschläge einer Shiín, die ihn vor kurzem hatte töten wollen - das alles war zu viel für ihn. Er entfernte sich energischen Schrittes vom Feuer und schritt auf den Waldrand zu. Sollten die beiden sich endlich über das unterhalten, was wichtig war: Ihr Verhältnis zueinander. Er würde dem nicht im Weg stehen. Wütend war er deswegen - weil sie blind waren! Doch insgeheim floh er vor sich selbst, davor, noch größere Wunden geschlagen zu bekommen von gut gemeinten Worten und Ratschlägen, die alte Wunden aufrissen und Salz hineinstreuten.

Janek erreichte den Wald und tauchte ein in das kühlere Dickicht unter den Bäumen. Einige Schritte ging er noch weiter, dann stützte er sich an einem bemoosten Baustamm ab und beugte sich vornüber. Kelias Gesicht stand vor seinem inneren Auge, wie ihr Haar in sanfter Brise wehte und kleine Kringel in der lauen Luft bildete. Sie lächelte, und dabei zeigten sich die kleinen Grübchen, die er so sehr liebte. Was gäbe er darum, sie noch einmal ansehen zu dürfen! Und diese zwei Blinden saßen direkt voreinander und sahen sich nicht. Am liebsten hätte er ihre Köpfe aneinander gestoßen. Und doch...er sollte sich nicht einmischen. Er hatte sich bereits genug eingemischt. Vielleicht sollte er einfach gehen und die beiden ihr Leben leben lassen, ganz gleich, wie sie es auch führen wollten. Vielleicht war das das Beste.

Einige Momente später, als er sich wieder etwas beruhig hatte, richtete sich Janek auf und streifte langsam und ziellos durch den Wald. Er fragte sich, wo Yastara das Wasser gefunden hatte und den Wein, und halbherzig machte er sich auf, um nach dem Urpsung dieser Gaben zu suchen. Er hatte nicht vor, ohne Verabschiedung zu gehen - und doch war es ihm in diesem Moment nicht möglich, jetzt schon zurückzukehren. Erst brauchte er einen freieren Kopf und weniger Gedanken an Kelia darin.
Zuletzt geändert von Janek am Do, 10. Jan 2013 16:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Yastara » So, 27. Mai 2012 21:20

Die Shíin lachte leise, ob Cirdans Bemerkung. Er sollte sich mal nicht daran gewöhnen, dass sie die Nahrung besorgte.
Überrascht blickte Yastara von ihrer Tätigkeit das Feuer zu schüren auf, als Janek aufsprang. Sie verstand seine plötzliche Wut nicht. Seine Worte hatten keinen Sinn für sie. Jedenfalls nicht sofort. Verständnislos blickte sie dem Elf hinterher. Was hatte das alles zu bedeuten? Ihr Blick huschte zu Cirdan, dessen Miene jedoch unergründlich schien. So anders, als vor vielen Jahren. In diesem Moment und zum ersten Mal an diesem Tag, vermisste sie den alten Cirdan, wenn sie den Shíin ansah. Er wirkte so... teilnahmslos. Eigentlich wollte sie ihn sofort auf den Ausbruch ansprechen, ihn fragen, ob er es verstand. Doch sie schwieg. Stattdessen wandte sie sich dem Fleisch zu, um es auf lange Stöcke zu stecken, die sie dann schräg an das Feuer stellen wollte. Di junge Frau brauchte einen Moment, um ihre Gedanken zu ordnen und die Situation zu analysieren, wie sie es immer tat. Es war schon immer ihre Art gewesen, Szenen in Gedanken erneut abzuspielen und jedes Wort, jede Handlung, jede Bewegung und Regung genauestens auszuwerten, um so einen Sinn darin zu sehen oder sich eine objektive Meinung bilden zu können.
Das Schweigen auf der Lichtung hielt einige Minuten an. Endlich hob Tara wieder ihren Blick und suchte die Augen des Mannes. Sie konnte sich auch nach ausgiebiger Analyse keinen Reim auf Janeks Worte machen. ‘Ihr steht direkt voreinander und seht euch nicht! Macht die Augen auf!’ Was hatte er bloß damit gemeint? In dem leuchtenden Grün ihrer Augen funkelte es - ebenfalls wie immer -, als wären tausend Sterne darin eingeschlossen, doch diesmal wirkte dieses Funkeln unnachgiebig und bestimmt. “Verstehst Du, was Janek meinte? Ich komm einfach nicht dahinter.” Ein Umstand, der sehr unbefriedigend war. Die Shíin vermutete, dass der Ursprung seiner Aussage irgendwo im vorangegangenen Gespräch der Männer begründet lag. Einen Moment hielt sie inne. Sie erstarrte einfach und ihre Hand, die gerade nach einem neuen Stock greifen wollte, verharrte mitten in der Luft. In diesem Augenblick musste sie an das denken, was sie nur durch lauschen erfahren hatte. Cirdan hegte Gefühle für sie und zwar Gefühle, die eindeutig nicht mehr freundschaftlicher Natur waren. Hatten diese kryptischen Worte vielleicht damit zu tun? Forschend sah sie wieder zu ihm auf. “Jetzt mal im ernst. Was war das?” Langsam ließ sie ihre Hände in ihren Schoß sinken und wartete angespannt auf eine Antwort.

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Re: Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Cirdan » Mo, 28. Mai 2012 22:00

Es ihr sagen... Janek hatte gut reden, so dachte der junge Shiín und schüttelte erneut den Kopf. Wie sollte er Yastara seine Gefühle für sie mitteilen, wenn er sich selbst nicht einmal wirklich darüber im Klaren war!? In seinem Kopf drehte sich alles, wenn er nur an sie dachte geschweige denn vor ihr stand. Dann glaubte er, dass ihm das Herz aus der Brust sprang, so heftig fing es immer an zu schlagen. Die Knie wurden ihm weich und der Mund so trocken, dass er keinen einzigen Ton herausbringen konnte. Nein, er konnte ihr unmöglich sagen was er für sie empfand. Das war unmöglich. Sie hatten sich sieben Jahre lang nicht gesehen, hatten nicht gewusst ob der jeweils andere noch lebte. Er war sich nicht einmal selbst darüber im Klaren ob er sie liebte oder aber nur deswegen immerzu an sie hatte denken müssen, weil sie eine gute Freundin seiner einstmals intakten Kindheit gewesen war. Wann immer er an sie gedacht hatte, hatte er gehofft, dass sie noch lebte und es ihr gut ging. Nach seiner Flucht hatte er sich oft darüber Gedanken gemacht wie ihr Leben wohl verlaufen sein mochte. Ob sie verheiratet war, Kinder hatte und wie sie so lebte. Nie hatte er sich dabei an ihrer Seite gesehen oder davon geträumt gehabt anstelle irgendeines Shiín ihr Ehemann zu sein. Vermutlich mochte es daran liegen, dass er überhaupt froh darüber sein konnte noch zu leben. Da erschienen ihm derlei Überlegungen lachhaft.

Er lachte leise und starrte in die Flammen. „Nein. Das kann ich nicht tun. Ich bin mir nicht einmal sicher ob es Liebe ist oder einfach nur die Freude über unser Wiedersehen.“, erwiderte er nach einer Weile in der nur ein beinahe schon bedrückendes Schweigen zwischen ihnen geherrscht hatte und er hatte verbissen ins Feuer gesehen bis ihm die Tränen in die Augen gestiegen waren. Entschieden wischte er sich diese mit den Handrücken fort und sah zu Janek. In dem Moment hörte auch er das Knacken von Geäst und richtete sich halb auf. Einem Engel gleich kam Yastara aus dem Unterholz und gesellte sich zu ihnen. Anfangs konnte er noch lachen, machte gar einen Scherz bis plötzlich der Elf aufsprang und ihnen vorwarf, dass sie einander nicht sehen würden. Cirdan war verwirrt. Was meinte Janek damit, dass sie blind füreinander seien? Er konnt die Shiín deutlich vor sich stehen sehen und erkannte ihre Schönheit. Aber das konnte er kaum meinen, sonst wäre er nicht so erzürnt gewesen und hätte die Flucht ergriffen. Unschlüssig was er nun tun sollte, sah er zwischen Yastara und den noch schwankenden Blättern hin und her.

„Ich... ich weiß es nicht.“, meinte er schulterzuckend und erhob sich. In ihm wurde der Drang stärker sich zu verwandeln, einfach in den Wald hinein zu laufen bis er aufhörte zu denken. Unwillkürlich umklammerten seine Finger das Amulett um seinen Hals und er versuchte dem Blick der jungen Frau standzuhalten. „Wir haben nie wirklich über das gesprochen was gewesen ist. Bis heute wusste ich weder Etwas von Kelia noch seiner Liebe zu ihr.“ Oder meiner zu dir... Doch auch das behielt er für sich. Mit einem Mal fühlte er sich schrecklich unwohl in ihrer Gegenwart. Er konnte all die Signale, die sein Körper ihm sandte nicht zuordnen, wusste nicht dass es Anzeichen des Verliebtseins waren. Kleine Schweißperlen zeigten sich auf seiner Stirn, er zitterte leicht und sein Mund fühlte sich an als hätte er seit Tagen nichts mehr getrunken. Herz und Puls rasten, so als müssten sie ein Rennen gegeneinander gewinnen. Nervös biss er sich auf der Unterlippe herum bis sie blutig wurde und er konnte nicht länger dem inneren Drang widerstehen. „Tut mir leid.“, brachte er gerade noch heraus ehe er sich herum drehte und den Geist des Wildtiers gestattete sich mit seinem zu verbinden.

Vor den Augen der weißhaarigen Frau verwandelte er sich binnen weniger Sekunden in die Gestalt eines Wolfes. Als die Verwandlung vollendet war, blickte er nur noch einmal kurz zurück ehe er erst im leichten Trab und dann im gestreckten Lauf in Richtung Wald lief um Janek zu folgen. Es war befreiend endlich wieder zu laufen und den Wind im Gesicht zu spüren. Auch wenn er nicht gänzlich alle Gedanken hinter sich lassen konnte, so fühlte er sich für den Augenblick befreit.

Dank der feinen Sinne des Tieres war es ihm ein Leichtes den Wüstenelfen aufzuspüren und er folgte ihm mit der Nase dicht am Boden bis zu dem Dickicht hinter dem dieser sich verborgen hielt. Einige Meter bevor er ihn erreicht, verwandelte er sich wieder zurück um ihn nicht noch mehr zu verschrecken und näherte sich in der ihm vertrauten Gestalt. „Was hast du damit sagen wollen, dass wir einander gegenüber stehen, uns aber nicht sehen? Ich verstehe nicht was du damit sagen willst, denn ich sehe sie und ich bin froh darüber. Ebenso wie ich froh darüber bin zu wissen, dass du lebst. Also sag mir, warum bist du geflohen?“, fragte er und blieb seitlich von ihm im Halbschatten stehen. Er würde ihn nicht davon abhalten, wenn er wieder fortlief. Er würde seine Gründe dafür haben, so glaubte Cirdan. Nur wollte er diese gerne verstehen. So wie er seinen Freund verstehen wollte.

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Re: Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Yastara » Mo, 18. Jun 2012 21:54

Yastara verstand gar nichts mehr. Cirdan wirkte unkonzentriert und wusste auch keine Antwort auf die Reaktion seines alten Freundes. Ihr Blick folgte seiner Geste hinab zu dem Amulett in seiner Hand und nicht zum ersten Mal fragte sie sich, welche Art Magie darin lebte. Auch, wenn er sich in den vergangenen Jahren sehr verändert hatte, entdeckte sie hin und wieder den jungen Shíin in ihm, den sie einmal gekannt hatte. So sah sie in seinem Blick deutlich, dass er sich in einem Zwiespalt befand und nicht so recht wusste, was er wollte. Sie hingegen wusste es sehr genau. Gewissheit. Diese ganze hin und her ging ihr gehörig auf die Nerven. Damit konnte sie noch nie gut umgehen. Jetzt hatte sie schon beschlossen, die Nacht hier zu verbringen, statt, wie geplant, weiter zu reisen. Dann wollte sie wenigstens auch einen ruhigen Abend am Feuer verbringen, frisches Fleisch essen und sich vielleicht auch noch ein wenig unterhalten. War das denn zu viel verlangt? Die ganze Melodram-Nummer gefiel ihr nicht. Aufspringen, weg rennen, kryptische Bemerkungen... Nein, das war so gar nicht ihr Ding.
Mit unergründlicher Miene sah sie zu, wie Cirdan sich wieder in einen Wolf verwandelte. Ein seltsamer Vorgang. Seine Entschuldigung brauchte sie nicht, denn sie war bedient für heute. Ehe sie sich versah, saß sie allein am Feuer. Resigniert seufzte sie auf. Versteh einer die Männer!
Kurzerhand spießte sie auch das restliche Fleisch auf Stöcke und stellte diese an das Feuer. Bis das Fleisch verzehrfertig wäre, würde es noch einige Zeit bedürfen. Ehe sie hier sinnlos herum saß, beschloss sie, hinüber zum See zu gehen, um sich zu waschen. Das doppelte Blutbad hatte Spuren auf ihrem Körper hinterlassen und sie sehnte sich nach einem Bad. Dank dem Feuer würden die Wildtiere auch Abstand von ihrem Abendessen halten. Ihr Reisegepäck war immer noch sicher verstaut auf einem der Bäume. Von dort holte sie sich ein sauberes Tuch und Kleidung zum Wechseln.
Ein letztes Mal sah sie sich auf der Lichtung um. Sie wirkte so verlassen und einsam... Die Dämmerung hatte bereits eingesetzt. Ihre liebste Tageszeit. Endlich sah sie wieder richtig, ohne gegen das helle Licht anblinzeln zu müssen. Das Licht, der Duft, die Ruhe, die sich über alles legte. Das erlebt man nur zu dieser ganz bestimmten Zeit. Langsam begab sie sich auf den Weg zum See. Tara hatte schließlich Zeit. Ob Cirdan oder Janek noch mal zurück kommen würden, wusste sie nicht. Im ersten Moment störte sie das. Doch dann kam sie zu dem Schluss, dass es ihr egal sein musste. Sie war nicht zum Spaß auf dieser Reise, sie hatte ein Ziel und dies durfte sie nicht aus den Augen verlieren. Wenn die Männer also nicht wieder auf die Lichtung kamen, würde sie ebenso weiter ziehen, wie wenn sie es taten. Es war nicht von Bedeutung.
Die Wasseroberfläche des Sees spiegelte das besondere Licht dieser Tageszeit wider und die umstehenden Bäume und Büsche begannen tiefe Schatten zu werfen. Die Umgebung wirkte beruhigend auf sie, denn sie strahlte einen tiefen Frieden aus. Hinter einem Busch entledigte sie sich flink ihrer Kleidung und zog stattdessen eine volktypische weite Hose aus dünnem Stoff an und band sich um die Brust einen breiten Streifen Stoff. So war sie zumindest notdürftig verhüllt, falls sie einen ungewollten Beobachter hatte. Ohne zu zögern watete sie in den zunächst flachen See, bis ihr das Wasser bis zur Taille reichte. Dort ging sie schnell in die Hocke und tauchte einmal komplett unter. Das Wasser war kalt. Kein Wunder, wenn man die Jahreszeit bedachte. Aber sie hatte nun mal keine Wahl und die Shíin war schon immer hart im Nehmen gewesen zu sein. Einen Augenblick lang verharrte sie unter Wasser. Ihre Lungen füllten sich mit verbrauchter Luft und begannen zu protestieren. Der Drang nach frischer, sauerstoffreicher Luft begann ins unermessliche zu steigen. Obwohl sie das Gefühl hatte, ihre Lungen würden jeden Moment platzen, hielt sie noch einen Moment aus. Die Stille unter Wasser war herrlich. Schließlich tauchte sie schwungvoll wieder auf. Das Wasser spritzte und sie warf ihr nasses Haar nach hinten auf den Rücken. Hin und wieder brauchte sie solche Grenzerfahrungen, um sich zu erden. Manchmal musste sie die Grenze zum Tod sehen, um sich in Erinnerung zu rufen, dass sie noch lebte.
Auch jetzt verharrte sie wieder, im Wasser stehend. Ihre Hände berührten die Wasseroberfläche, doch bis auf ihren Atem, der ihren Brustkorb regelmäßig hob und senkte, stand sie dort völlig regungslos im See. Der zarte Abendwind trieb ihr Schauer über die feuchte Haut.
Dort stand sie also und genoss die kommende Nacht. Tara mochte das Wasser schon immer. Irgendwie passte das, denn ihr Vater hatte immer gesagt, dass ihr Charakter eine absurde Mischung zwischen Feuer und Wasser war. Scheinbar unvereinbar, doch als Schmied wusste er es besser.
In der Ferne hörte man einen Vogel rufen. Die ganze Szene musste für Beobachter etwas idyllisches haben.

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Re: Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Cirdan » Mi, 20. Jun 2012 15:41

Noch immer außer Atem blinzelte Cirdan mehrere Male als ihn statt der erhofften Antwort auf seine Fragen nur Stille von Seiten des Wüstenelfen empfing. Verwirrung machte sich in ihm breit und er ging langsamen Schrittes auf die Stelle zu an der er seinen Freund vermutete. Hatte ihm seine Nase einen Streich gespielt? War er durch die Gedanken an Yastara so sehr abgelenkt gewesen, dass er nicht gemerkt hatte, dass er einer falschen Witterung nachgejagt war? Entschlossen schüttelte er den Kopf und rieb sich mit Daumen und Zeigefinger über die Augen. Aber der Schatten blieb nur ein Schatten. Janek war verschwunden. So als wäre er nie da gewesen. Cirdan schloss die Augen und konzentrierte sich ganz auf seine neu erworbenen wölfischen Sinne. Er nahm jeden noch so kleinen Geruch wahr und versuchte ihm eine Richtung zuzuordnen. Da war der schwere Duft weißer Blüten, die in einer Hecke nicht weit von ihm entfernt wuchsen. Dann der liebliche Duft der Lindenblüten hoch über ihm und der würzige Duft eines Fuchses, der sich angstvoll in seinem Bau versteckt hielt. Der junge Shiín nahm so viel wahr, aber die Spur des Wüstenelfen war verschwunden. Verblasst. Seufzend öffnete er wieder die Augen und sah sich um. Das war es also. Niemand wusste zu sagen ob sie sich jemals wiedersehen würden. Es war genauso wie damals, als er geflohen war und Janek hatte zurück bleiben müssen. Wieder war da diese Ungewissheit, das Gefühl der Schuld und die Reue.

Langsamen Schrittes ging er den Weg zurück, den er gekommen war. Ihm war nicht länger danach als Wolf durch den Wald zu laufen. Bleierne Schwere erfüllte ihn von innen und er fühlte sich schlecht. Hatte er etwas Falsches gesagt oder getan, dass sein Freund die Flucht ergriffen hat? War es seine Schuld gewesen, dass er so wütend geworden war? Cirdan wusste keine Antwort und das belastete ihn sehr. So wie es ihn auch vor knapp drei Jahren gewesen war als er frei gewesen war und Janek noch immer ein Gefangener der Menschen. Damals wie heute hatte er sich selbst schwere Vorwürfe gemacht.

Schniefend wischte er sich mit dem Ärmel seines Hemdes übers Gesicht und versuchte seine Gedanken in eine andere Richtung zu verlagern. Es war müßig darüber nachzudenken warum der Elf ohne irgendein Wort des Abschieds verschwunden war. Vielleicht tauchte er irgendwann wieder auf, wenn man gar nicht damit rechnete oder er blieb für immer verschwunden. Cirdan wusste es nicht. Dennoch erfüllte ihn der Gedanke seinen Freund abermals verloren zu haben mit Wehmut.

Ohne sein wirkliches Zutun brachten ihn seine Füße an das Ufer eines kleinen Sees. Er war so sehr in seine Gedanken vertieft gewesen, dass er nicht wirklich gemerkt hatte wann er vom Weg zurück ins Lager abgekommen war. Ein wenig verwundert blickte er sich schon um und sprang zurück als eine kleine Welle drohte über seine Stiefel hinweg zu rollen. Nasse Füße waren das Letzte was er in diesem Moment gebrauchen konnte. Nachdem er einige Schritte am sandigen Ufer entlang gegangen war, fielen ihm Kleidungsstücke auf, die über den niedrig hängenden Ästen eines Baumes nicht weit von ihm entfernt lagen. Es waren Yastaras Sachen. Im ersten Augenblick konnte er keinen rechten Zusammenhang zwischen ihrer zurück gelassenen Kleidung und ihrem Fehlen finden bis ihm ein Plätschern auf die Sprünge half. Einer Meerjungfrau gleich glitt sie aus dem Wasser und schien ihn nicht zu bemerken. Dennoch duckte er sich rasch hinter den dichten Teppich aus Schilf, der vom flachen Wasser bis zu seinen Füßen hin wuchs. Aus seinem Versteck heraus beobachtete er sie bei ihrem Bad und spürte wieder dieses Kribbeln in seiner Magengegend. Nie zuvor hatte er eine Frau so wenig bekleidet gesehen. Nicht einmal seine Mutter oder Schwester hatte sich ihm je so gezeigt. Es ziemte sich für einen Mann nicht eine Frau unbekleidet zu sehen. Er war gewillt wegzusehen, sie nicht anzustarren und ihren makellosen Körper zu bewundern. Aber er konnte es nicht. Seine Augen blickten wie gebannt auf ihre wunderschönen Rundungen, den knappen Stoff, der ihre Brüste gerade einmal so bedeckte und er stellte sich vor wie sie wohl ohne diesen aussehen mochte.

Diese Gedanken blieben nicht ohne Folgen und er spürte wie sich seine Lenden zu regen begannen. Erschrocken keuchte er auf und wusste nicht wie ihm geschah. Sicher hatte er schon das ein oder andere Mal erlebt wie sich des Nachts ohne sein eigenes Zutun dieser Teil seines Körpers geregt hatte. Aber noch nie war es bei dem Anblick einer Frau geschehen. Schon gar nicht in Yastaras Nähe. Verbissen presste er die Kiefer aufeinander bis ein stechender Schmerz durch seinen Kopf jagte und das Ziehen zumindest für den Moment verstummen ließ.

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Re: Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Yastara » Mo, 25. Jun 2012 21:22

Dieses Bad half Tara ungemein dabei, ihre Gedanken zu ordnen und sich darüber klar zu werden, was am heutigen Tag alles passiert war. Eigentlich war es zu viel, um in wenigen Minuten damit klar zu kommen. Das unerwartete Wiedersehen hatte all ihre Pläne durcheinander gebracht und Fragen aufgeworfen. Langsam nahm sie ihre nassen Haare nach vor, um nachdenklich mit den Fingern hindurch zu fahren und die feuchten Strähnen zu entwirren. Die Narben auf ihrem Rücken hatten den ganzen Tag gespannt, doch jetzt linderte das hinab perlende Wasser die Schmerzen ein wenig. Ein wohliger Seufzer kam über ihre Lippen. Vielleicht stand ein Wetterumschwung bevor, manchmal fühlte sie es in ihren Narben. Mit einiger Mühe schaffte sie es, nicht an die Herkunft der Verletzungen zu denken, die jene unschönen weißen Linien auf ihrem Rücken hinterlassen hatten. Irgendwie kam es ihr auch falsch vor, angesichts der Qualen, die Cirdan anscheinend erleiden musste. Ihr Martyrium hatte einen Tag und eine Nacht gedauert. Auch, wenn sie zwischenzeitlich das Gefühl hatte, sterben zu müssen und irgendwie auch zu wollen, war das nichts im Vergleich zu den Jahren, in denen er leiden musste. Mitleid war nichts, was Shíin wollten, weswegen ihre Gefühle anderer Art waren. All die Sorgen um ihn, die sie sich nicht gemacht hatte, weil sie immer davon ausgegangen war, dass er wie all die anderen gestorben war, entluden sich nun. Auf der einen Seite war der jungen Shíin eine große Last von den Schultern gefallen, immerhin lebte er doch noch. Irgendwie jedenfalls. Auf der anderen Seite hatte er sich verändert. Nichts schien mehr so zu sein, wie früher. Wie sie damit umgehen sollte, wusste sie noch nicht. Ebenso wenig, wie sie mit der neuen Tatsache umzugehen wusste, dass Cirdan offenbar schon längere Zeit in sie verliebt war. Was war das nur immer mit den Männern?
Ihr empfindsamen Ohren nahmen ein leises Knacken am Ufer wahr. Augenblicklich wirbelte sie herum und ihre Augen suchten das Schilf ab. Endlich konnte sie wieder normal sehen, der Dunkelheit sei dank. Daher dauerte es nicht lange, ehe sie eine Silhouette wahrnahm. Ihre Katana hatte sie vorsorglich besser versteckt, als ihre Kleider und eines der Messer, die an ihrem Waffengürtel hingen, hatte sie an der Stoffhose befestigt, die nun wie eine zweite Haut an ihren Beinen klebte. Langsam zog sie dieses Messer und ging ebenso langsam dem Ufer entgegen. Dass ihr Brustband durch das Wasser durchscheinend geworden war, interessierte sie in diesem Moment nicht. Da lungerte jemand hinter dem Schilf und sie hatte keine Ahnung, ob es Freund oder Feind war.
Das Wasser schlug leichte Wellen durch ihre Bewegung. Ihre Augen funkelten entschlossen. Doch schon nach wenigen Schritten erkannte sie eindeutig violette Haut zwischen dem Schilf hindurch schimmern. Fragend legte sie den Kopf schief und blieb im seichten Wasser stehen. “Cirdan? Bist Du das? Was tust Du hier? Ich dachte, Du folgst Janek.” In ihrer Stimme schwang keinerlei Vorwurf mit, sondern lediglich leichte Verwirrung. Mit ihm hatte sie an diesem See so gar nicht gerechnet. Langsam setzte sie sich in Bewegung und trat nun gänzlich ans Ufer. In der gleichen Bewegung steckte sie ihr Messer wieder weg. Ihre Augen suchten die Umgebung nach dem Elfen ab. Vielleicht war er ja hier irgendwo in der Nähe, wenn der Shíin auch da war.
Endlich trat sie durch das Schilf hindurch auf ihren Jungendfreund zu. Irgendwie schien er ziemlich durcheinander zu sein. Weil sie sich ausschließlich auf sein Gesicht und seine Augen - jene Augen, die für sie immer wie ein Fenster zu seiner Seele gewesen waren - konzentrierte, konnte sie sich darauf keinen Reim machen. “Ist alles in Ordnung mit Dir?”, fragte sie deshalb leise.

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Re: Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Cirdan » Mi, 27. Jun 2012 23:05

Anders als Yastara konnte Cirdan so gar nicht entspannen. Das Kribbeln wurde immer heftiger und er glaubte, dass zu dem einen Schwarm Schmetterlinge sich noch ein zweiter und dritter dazu gesellt hatten. Auch das Ziehen in seinen Lenden wollte nicht wirklich verschwinden. Es wurde gar noch schlimmer als ihm bewusst wurde, dass der Stoff, den sie um ihre Brust trug durch das Wasser durchsichtig geworden war. Er schluckte schwer und sank noch tiefer hinter das Schilf um sich nicht zu verraten. Wie schön sie doch war. Das fiel ihm heute wie damals auf und er spürte einmal mehr wie viel er für sie empfand. Aus dem Mädchen, mit der er sich einst gebalgt hatte, war eine schöne junge Frau geworden, deren Anblick in ihm bisher ungekannte Gefühle und Empfindungen weckte. In all den Jahren seiner Gefangenschaft und der Zeit danach hatte er immer wieder an sie denken müssen und dennoch war ihm erst heute bewusst geworden was er wirklich für sie empfand. Er liebte sie. Schon allein bei diesem Gedanken spürte er wie sein Herz schneller zu schlagen begann und ihm der Schweiß auf die Stirn trat. Noch nie zuvor hatte sein Körper derartige Reaktionen gezeigt und er war schlichtweg überfordert damit.

Es lenkte ihn aber auch so sehr ab, dass er nicht mitbekam wie die junge Shiín sich langsam aus dem Wasser in seine Richtung begab. In seine Verwirrung musste er alle Vorsicht fahren lassen haben und das hatte ihn verraten. Zu spät registrierte er wie sie mit gezogenem Messer auf ihn zukam. Hastig versuchte er noch vom Ufer weg zu gelangen, stolperte aber über eine im Gras verborgene Wurzel und fiel der Länge nach hin. Noch in derselben Bewegung drehte er sich um und starrte sie von unten her an. Sein Körper spielte vollends verrückt und er brachte nur ein leises Krächzen heraus. Trotz der Stoffhosen konnte er jede Einzelheit ihres perfekten Körpers erkennen und er schluckte schwer bei diesem Anblick.

„Ich... er... ist fort... weg...“, stammelte er und der Schweiß perlte ihm nicht nur auf der Stirn. Auch auf seiner Brust und den Armen lag ein leichter Schweißfilm. Nervös sah er zum Waldrand hin aus dem er gekommen war und dann wieder zu der Shiín. Sein Herz schlug nun so schnell, dass er glaubte es würde ihm jeden Moment aus der Brust springen. Da kam ihm die Frage nach seinem Befinden beinahe lächerlich vor.

Immer wieder musste er schlucken, weil sich sein Mund so trocken anfühlte, dass er am liebsten den ganzen See leer getrunken hätte. Doch er wagte es nicht einmal seinen Blick in Richtung des Wassers zu wenden. Stattdessen starrte er ihr wie gebannt auf die sich unter dem nassen Stoff abzeichnenden Brüste. Er öffnete den Mund nur um ihn wieder zu schließen ohne dass ihm ein Ton über die Lippen kam, die sich wie Pergament anfühlten.

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Re: Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Yastara » Do, 19. Jul 2012 21:32

Cirdans Reaktion verwirrte Yastara ehrlich. Verwirrt blieb sie kurz stehen und musterte ihn nachdenklich. Hastig schien er sich zurück ziehen zu wollen, wobei er zu Boden stürzte. Die Shíin musste sich ehrlich ein Schmunzeln verkneifen. Aha, er fühlte sich doch nicht etwa ertappt? Erst jetzt fiel ihr auf, bei was er sie beobachtet haben musste. Nun ja, eigentlich störte es sie nicht. Zum einen kannten sie sich schon eine halbe Ewigkeit und zum anderen war sie tatsächlich alles andere als prüde oder gar zimperlich. Außerdem mochte sie ihren durchtrainierten und wohlgeformten Körper. Wieso sollte sie sich jetzt also peinlich berührt und entrüstet verkriechen? Er war eben auch nur ein Mann. Der in diesem Moment zugegebenermaßen wahnsinnig verwirrt wirkte... Wenn sie es recht bedachte, konnte es durchaus sein, dass er gerade mehr von einem weiblichen Körper sah, als in seinem bisherigen Leben. Wo sollte er denn auch schon Gelegenheit dazu gehabt haben? Andersrum war sie ansonsten ja auch nicht gerade verhüllt bekleidet, auch, wenn es nicht der volkstypischen Kleidung entsprach, was sie überwiegend trug. Vor allem mit ihrem Vater hatte es viele Diskussionen darum gegeben, als sie begonnen hatte, die engen Ledersachen zu bevorzugen. Es hatte ihm so gar nicht behagt, dass seine Tochter damit auf gewisse Weise auch ihren Körper zur Schau stellte, auch, wenn er ihre Sicht der Dinge verstand. Irgendwie. Aber so war das nun mal mit Vätern und Töchtern. Auch unter den anderen Dorfbewohnern hatte ihr neuer Kleidungsstil für Aufruhr gesorgt, doch sobald alle sicher waren, dass Tara nicht die Ehemänner damit verführen wollte, waren alle beruhigt und urteilten nicht mehr darüber. Bei der geringen Zahl an Shíin war es immer besser zusammen zu halten, anstatt sich wegen Kleinigkeiten zu bekriegen.
Einen Moment überlegte die junge Frau, ob ihr Jugendfreund sie zuvor schon mal in ihrer schwarzen Hose aus dünnem Leder und der ebenso schwarzen Corsage gesehen hatte. Sie kam zu dem Schluss, dass sie sich kurz vorher aus den Augen verloren hatten und er somit noch nicht in den Genuss dieses Anblicks gekommen sein konnte.
Eines war klar: an Selbstbewusstsein mangelte es ihr nicht.
Mit einigem Interesse beobachtete sie, wie er in Schweiß ausbrach und anscheinend seine Sprache verloren hatte. Nun gut, sie musste es ihm ja nicht schwerer machen, als es offenbar für ihn war. Natürlich war sie sich bewusst, dass sein Blick an ihren perfekten Brüsten hing. Das würde selbst ein Blinder erkennen. Wenn sie heute allerdings noch ein paar vernünftige Worte mit ihm wechseln wollte, war es wohl besser, wenn sie sich wieder anzog. Also trat sie hinter einen nahen Busch, neben dem ihre Kleider sorgfältig gefaltet lagen, ehe sie die Konversation wieder aufnahm. “Was soll heißen, er ist weg? Ist er einfach so gegangen? Das überrascht mich.” Ihre Worte klangen aufrichtig und waren auch so gemeint. Eigentlich hatte sie gedacht, dass der Elf seinen alten Freund und Leidensgenossen nicht einfach im Stich lassen würde. Vor allem nicht mit einer Verletzung. Von ihren Heilkünsten und ihrem Können in der Versorgung von Verletzten hatte Janek ja anscheinend nicht viel gehalten. Nun, vielleicht brauchte er nach all dieser Aufregung - die sie keineswegs verstanden hatte - auch einfach ein wenig Abstand, um einen kühlen Kopf zu bekommen.
“Sag, verwandelst Du Dich eigentlich oft in einen Wolf?” Um ehrlich zu sein fand sie die Tatsache, dass er es überhaupt konnte noch immer etwas befremdlich. Sie fragte sie, wie lange es wohl dauern würde, ehe sich das änderte. Das Thema war bewusst neutral gewählt. Immerhin musste sie Cirdan ein wenig davon ablenken, was er soeben gesehen hatte. Nebenbei trocknete sie sich mit einem Stück sauberen Tuchs ab und kleidete sich an. Als sie wieder hinter dem Gestrüpp hervor trat, erinnerten nur noch ihre feuchten Haare an das Bad. Der Shíin hatte sich unterdes nicht bewegt. Mit einem leisen Lächeln auf den Lippen ging sie zu ihm hinüber und bot ihm die Hand, um ihm aufzuhelfen. “Ist es nicht fürchterlich unbequem da unten zu sitzen?”, fragte sie keck.

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Re: Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Cirdan » So, 22. Jul 2012 18:12

Cirdans Gesichtsfarbe nahm einen noch dunkleren Ton an und er blickte scheu zu Boden als ihm sein eigenes Starren bewusst wurde. Es mochte für Yastara normal sein, dass sie sich den anderen jungen Männern so zeigte, er jedoch hatte sie das letzte Mal vor sieben Jahren gesehen und da war sie noch ein junges Mädchen gewesen. Sie nun als voll entwickelte Frau vor sich zu sehen und dann noch halbnackt, verwirrte ihn vollends und er konnte weder seine Gefühle noch die Reaktionen seines Körpers einordnen oder gar beherrschen. Auch wer war kein Junge mehr sondern ein Mann und als solcher fühlte er gerade. Ihm war sein Verhalten zutiefst peinlich und das musste etwas heißen, denn sonst schämte er sich nie irgendeiner Sache. Er zitterte am ganzen Leib und der Schweiß ließ dunkle Flecken auf seinem Hemd entstehen und auf seiner Stirn bildeten sich kleine Perlen. Für sie mochte es normal sein, dass sie sich auf diese Weise kleidete und vielleicht war es auch schon damals so als sie beide noch Kinder gewesen waren. Aber daran konnte oder mochte er sich in diesem Augenblick nicht denken. Daran hinderte ihn allein schon das Ziehen in seinen Lenden und er bedeckte instinktiv seinen Schritt mit beiden Händen. Erst als die junge Shiín hinter den Büschen verschwand um sich umzuziehen, versuchte er umständlich aufzustehen.

Zuerst drehte er sich auf die Seite um sich auf den Knien und Händen abgestützt langsam nach oben zu stemmen. Während dieser Bewegung zuckte ein stechender Schmerz durch seinen Schenkel und er keuchte als das Bein unter seinem Gewicht weg sackte. Mit schmerzverzerrtem Gesicht sank er wieder zurück ins Gras und wischte sich mit dem Ärmel den Schweiß fort. Den Blick hob er erst als er hörte wie sich seine Freundin aus Jugendtagen sich ihm näherte. Nur schwer konnte er zu ihr hinauf sehen. Viel mehr hatte sie nun auch nicht wirklich an, aber zumindest konnte er nun nicht mehr durch ihren Stoff hindurch sehen. Seine Fantasie jedoch brauchte derlei Hilfen nicht und er fragte sich erneut was mit ihm los war. Solche Gedanken hatte er bisher nie gehabt wenn er mit ihr zusammen gewesen war. Was war nur los mit ihm? Wieso sah er sie mit einem Mal auf diese Weise? Cirdan wusste es nicht zu sagen. So verhielt er sich sonst nie, strotzte nur so vor Selbstbewusstsein. Nur war davon gerade wenig zu sehen.

Ihre Frage bekam er erst so wirklich mit als sie schon wieder vor ihm stand. „Er... ich weiß nicht wieso er weg ist. Wir hatten über seine Verlobte gesprochen... vielleicht fühlte er sich durch dich an sie erinnert.“, entgegnete er und zuckte mit den Schultern. Es überraschte ihn selbst wie wenig ihn Janeks plötzliches Verschwinden berührte, aber im Augenblick war das sein geringstes Problem. Ebenso wie seine Wunde und deren Versorgung. Er vertraute Yastara. Das hatte er schon immer getan. In jeder Beziehung. Aber zugegeben hätte er das nie.

Unwillkürlich wanderte seine Hand zu dem Amulett auf seiner Brust als sie ihn danach fragte ob er sich eigentlich oft in einen Wolf verwandelte und er schüttelte den Kopf nur um dann doch zu nicken. Er musste einen Moment ernsthaft überlegen ehe er antwortete. „Ja und nein. Meist reise ich in Wolfsgestalt um schneller voran zu kommen. Ich liebe es einem Reh hinterher zu jagen oder einfach nur zu laufen. Dann fühle ich mich frei und kann alles vergessen.“, erwiderte er und seine Augen begannen zu leuchten. Man konnte ihm seine Leidenschaft und Begeisterung ansehen, jedoch verschwieg er ihr die Konsequenzen des Gestaltwandels. Dass je öfter er sich verwandelte mehr und mehr selbst zu einem Wolf wurde und es bereits begonnen hatte.

Mit einem dankenden Nicken nahm er ihre Hand an und ließ sich mit ihrer Hilfe auf seine Füße ziehen. Abermals schoss diese stechende Schmerz durch sein Bein und er sackte kurz in die Knie. „Danke.“, brummte er und fühlte sich in ihrer Gegenwart noch immer nicht ganz wohl. Prüfend blickte er an sich herab ob ihn etwas verriet, doch zum Glück hatte sich dieser Teil seines Körpers nicht gegen ihn verschworen. Unbeholfen klopfte er seine Hosen ab um den Blick an sich hinab zu rechtfertigen.

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Re: Der Shiín im Wolfspelz

Beitrag von Yastara » Do, 06. Sep 2012 13:55

Natürlich bemerkte Yastara auch, dass seine Wunde ihm erneut Schmerzen bereitete. Besorgt ging sie vor ihm in die Hocke und legte ihm sanft eine Hand auf die Schulter. “Belaste Dein Bein nur behutsam. Nicht, dass Du mir noch ohnmächtig wirst.”, murmelte sie. Warum sie so leise war, wusste sie eigentlich selbst nicht so recht. Vielleicht wollte sie sich nicht wirklich eingestehen, dass sie sich um ihn sorgte. Es lag nun mal nicht in der Natur der Shíin derartige Gefühle leichtfertig zu offenbaren. Selbst innige Liebesschwüre zwischen zwei verheirateten Shíin hörte man nie, denn sowas kam ihnen nur über die Lippen, wenn sie wirklich unter sich waren. Tiefe Gefühle machten verletzlich, weswegen man sie besser für sich behielt.
Dass Cirdan auch nicht so recht wusste, was mit Janek los war, trug nicht gerade zu ihrer Beruhigung bei. Auf der einen Seite war der Elf ein erfahrener Mann, der zu wissen schien, wie er überlebte und doch hasste sie das schale Gefühl, vielleicht schuld daran zu sein, wenn er sich Hals über Kopf durch den Wald schlug, nicht darauf achtete, was rechts und links von ihm geschah und ihm etwas passierte. Wenn sie einen Fehler gemacht hatte, dann wollte sie ihn auch wieder korrigieren. So war sie schon immer gewesen. Ein leises Seufzen kam über ihre Lippen. “Ich soll ihn an seine Verlobte erinnert haben? Wie denn? Immerhin hat er doch zuerst von ihr gesprochen. Naja, vielleicht kriegt er sich ja wieder ein und er kommt zurück. Vielleicht auch nicht. Er ist ein erwachsener Mann. Ich denke, er wird schon wissen, was er tut.” Ihre Stimme klang resigniert, aber auch endgültig. Damit war das Thema für sie abgeschlossen.
Viel mehr interessierte es die Kriegerin, was Cirdan über sein Wolfs-Ich erzählte. Es war für sie schwer vorstellbar, wie es sich anfühlen musste und doch klangen seine Worte fast schon traumhaft. Sich frei fühlen... Yastara wusste nicht, wie lange es her war, dass sie sich so gefühlt hatte. War das überhaupt jemals der Fall gewesen? Es freute sie, dass ihr Jugendfreund nach all den Jahren der grausamen Gefangenschaft nun endlich ein Gefühl von Freiheit haben konnte. Ihm gönnte sie es mehr, als irgend jemanden sonst auf dieser Welt. Wenn man von ihrem Bruder absah.
Ein leises Seufzen kam über ihre Lippen. Sie hätte nicht zulassen dürfen, dass ihre Gedanken zu Yastur abschweiften. Das Herz wurde ihr jedesmal schwer, wenn sie an ihn dachte. Nun durfte sie nur nicht zulassen, dass sie sich mal wieder ausmalte, was die widerlichen Menschen ihm in diesem Moment antaten.
Sie zwang sich ein Lächeln auf und es war ihr egal, ob man es bemerkte oder nicht. “Lass uns zurück zum Feuer gehen. Das Fleisch dürfte inzwischen gar sein. Ich weiß ja nicht, wie es Dir geht, aber ich könnte dringend etwas zu essen gebrauchen.”, bemerkte sie nur und legte locker den Arm um ihn, damit sie ihn beim gehen stützen konnte.

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