Eine Reise ins Ungewisse

Die felsige und abweisende Heimat der Bergelfen.
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Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Yastara » Mi, 05. Jan 2011 16:05

Dunkelheit. Ihr bester Freund und treuster Verbündeter. Solange Yastara die Wahl hatte, würde sie stets nur im Schutz der Dunkelheit reisen. Ihre Umhängetasche trug sie gut verborgen unter ihrem Kapuzenumhang. Beide Katana hingen sicher an der linken Seite ihres Gürtels und ihre linke Hand ruhte auf einem der Griffe. Ihr Aufbruch war für die anderen Shíin keine Überraschung. Vor allem ihr Lehrmeister hatte es geahnt, noch bevor sie etwas hatte verlauten lassen. Niemand hatte versucht, sie aufzuhalten, denn jeder im Dorf wusste, dass Yastara gehen musste. Es war ihre Aufgabe auf diese Reise zu gehen. Einzig ihre Tante hatte ein paar Tränen vergossen, denn schließlich verließ nun ihre einzige Verwandte das Dorf. Desinteressiert sah Yastara hinauf zum wolkenverhangenen Himmel. Bald würde wohl der Winter endgültig Einzug in das Land halten. Nun war sie schon seit drei unseligen Wochen unterwegs und bisher noch keinem anderen Wesen begegnet, was nicht unbedingt schlecht war. Doch so langsam sehnte sie sich nach anständiger Nahrung. Ihr Proviant war aufgebraucht. Zwar konnte sie sich verschiedene essbare Pflanzen suchen und kleine Tiere jagen, aber gegen ein anständiges Mahl hätte sie nichts einzuwenden. Auf einer kleinen Anhöhe blieb die Shíin stehen und sah sich in der Umgebung um. Dank der Tatsache, dass sie in der Dunkelheit besser sehen konnte, als es normal gewesen wäre, konnte sie sich ein gutes Bild von der Umgebung machen. Kurz überdachte sie die Lage und ihren Standort. Drei Tagesreisen nach Südwest würden sie mit Sicherheit zu einer kleinen Häuseransammlung führen, eigentlich zu klein, um sie wirklich Dorf zu nennen und doch war es wohl eines. Soweit Yastara wusste, lag es am Fuße des Gebirges das sie bereits seit mehreren Tagen in der Ferne vernahm und das mit jedem Reisetag näher kam. Dort würde es sicherlich einen Markt geben oder etwas ähnliches, wo sie ihren Proviant aufstocken und ein Gasthaus, in dem sie eine Nacht bleiben könnte.

Drei Tage später konnte hatte sie das Dorf erreicht. Es war tatsächlich so klein, wie sie gehört hatte. Inständig hoffte sie, dass sie hier nicht auf Menschen treffen würde. Yastara hatte, um die Wirkung des Anblicks einer Shíin in der Nacht wohl wissend, bewusst gewartet, bis es Tag war, bevor sie das Dorf betrat. Anscheinend hatte sie Glück. Sie entdeckte ein paar Marktstände, vermutlich würde es einer der letzten Märkte des Jahres sein. Tief hatte Yastara ihre Kapuze ins Gesicht gezogen, um nicht zu sehr aufzufallen. Dankbarerweise schien um diese Jahreszeit eher selten die Sonne, sodass ihre Augen kein Problem mit dem Tageslicht hatten. Nach kurzem umsehen fand sie schließlich eine etwas abgelegene Taverne. Sie sah schäbig aus, aber zumindest wäre es für eine Nacht ein Dach über dem Kopf. Ohne die Hand vom Griff ihres Katana zu nehmen, trat sie durch die niedrige Tür. Höflich zog sie sich die Kapuze vom Kopf, als sie eine Elfenmann wahrnahm, der offensichtlich der Wirt war. “Verzeiht werter Herr. Habt ihr zufällig noch ein Zimmer für diese Nacht frei? Ich würde euch einen angemessenen Preis für eine Unterkunft und ein abendliches Mahl zahlen.” Ein misstrauischer und abschätzender Blick musterte sie. “Solange ihr mir keinen Ärger macht, soll mir eure Anwesenheit recht sein. Hab zu selten Kundschaft.”, murrte der Wirt. Höflich nickte Yastara zum Zeichen, dass sie seine Warnung verstanden hatte. “Ich werde gewiss keinen Ärger machen. Nichts liegt mir ferner.” Nachdem der Wirt sie hinauf in ein kleines, schäbiges, aber immerhin halbwegs sauberes Zimmer geführt hatte, verließ sie es nach kurzem Umsehen wieder. Sie hatte nicht vor hier länger zu verweilen, als es der benötigte Schlaf verlangte. Neugierig sah sich die junge Shíin nun genauer im Dorf um.

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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Thirak » Mi, 05. Jan 2011 16:53

>>>

Der Abstieg hatte ihn einiges an Zeit gekostet. Seine Knie schmerzten, und als er wieder einmal eine kurze Rast eingelegt hatte, hatte er sich gefragt, welcher Esel sich den Spruch "Ein Bergelf kennt keinen Schmerz“ ausgedacht hatte. Doch am Abend des vierten Tages seit seines Aufbruchs sollten die Knie nicht das einzige bleiben, das Thirak Schmerzen bereitete.

Das erste Rot zog sich an der Ostwand des Gebirges entlang und kündigte den Aufgang der gleißenden Sonne an, die während der letzten Wochen dafür gesorgt hatte, dass auf dieser geringeren Höhe der Schnee nicht liegen geblieben war, und Thirak saß auf einem flachen Felsen und kaute den letzten Bissen seines Ziegenkäses zum Frühstück, als sein Blick auf den geöffneten Rucksack fiel. Das Holzkästchen lugte dort hervor, ja schien ihn geradezu neugierig zu beäugen. Thirak starrte es lange nachdenklich an, ehe er es aus dem Leder herauszog, auf seinen Beinen platzierte und den Deckel aufklappte. In einer Ecke der Schatulle lag das Amulett, das ihm sein Vater vermacht hatte. Unschuldig. Thirak schalt sich selbst einen Narren. Anhänger konnten wohl schlecht unschuldig sein. Nur hässlich, und das war das Teil definitiv. Also gut! Thirak seufzte tief, hob die Hand und berührte es mit den Fingerspitzen – fest erwartend, dass ihn erneut etwas beißen würde. Doch nichts geschah, auch nicht, als er das Amulett aus der Kiste nahm und nachdenklich zwischen den Fingern drehte. Misstrauisch inspizierte er es. Ein Medaillon war es ganz offensichtlich nicht. Scheinbar handelte es sich wirklich nur um ein abgrundtief hässliches Amulett. Er hatte etwas Besonders erwartet – irgendetwas! - denn warum sonst hätte Raan es ihm hinterlassen sollen? Doch mehr als ein wenig Kupfer war schlichtweg nicht dran an dem Ding.

Thirak schnaubte enttäuscht und schüttelte den Kopf. „Verwirrter alter Mann“, murrte er, ehe er sich das hässliche Ding mit dem Lederband über den Kopf zog und unter sein Hemd schob. Musste schließlich nicht jeder sehen, dass er damit herumlief. Abermals schüttelte er den Kopf, stopfte Kistchen und Lammfelle zurück in seinen Rucksack und machte sich dann auf, weiter hinabzusteigen. Wenn er sich nicht gänzlich irrte, gab es am Fuß des Gebirges auf dieser Höhe ein paar Häuser, wo er frisches Brot und neuen Käse kaufen und sich überlegen konnte, was er dann tat. Besser, er dachte nicht weiter über die Beweggründe nach, die Atakara gehabt hatte, ihn auf diese sinnlose Odyssee zu schicken. Jedoch, während er stetig abwärts marschierte und seine Knie bereits nach wenigen Schritten erneut gegen die unflätige Behandlung protestierten, dachte er trotzdem darüber nach. Vielleicht hatte sie ihn nur loswerden wollen. Doch das schien ihm äußerst absurd, denn schließlich hatte sie niemanden mehr außer ihm....gehabt, wenn er genauer darüber nachdachte. Schließlich war er jetzt ebenfalls fort. Nein, einen Reim konnte er sich darauf nicht machen.

Die Sonne stieg immer höher; und je höher sie gen Mittagshimmel stieg, je weiter Thirak dem schmalen Grat entlang nach Osten und unten folgte, desto schlechter wurde auch seine Laune. Ihn als mürrisch zu bezeichnen, war inzwischen eindeutig untertrieben. Er war in einer Verfassung, in der er jedwede Anstiftung zu einer Kneipenschlägerei mit Vergnügen ergriffen hätte, und er murrte leise vor sich hin, während er marschierte. Vielleicht vernahm er deswegen nicht das leise Grollen in der Ferne, vielleicht schrieb er selbiges aber auch fälschlicherweise einem herannahenden Gewitter zu. Fakt allerdings war, dass es rasch zunahm und bald auch für Thirak nicht mehr zu überhören war. Der Bergelf war inzwischen stehen geblieben und hatte die Hand über die Augen gehoben, um seinen Blick von der Sonne abzuschirmen und die Berghänge zu betrachten, die weiter oben in dichtem Nebel verschwanden. Mit seinen sechzig Jahren auf dieser Welt, in der er das Gebirge nur ausgesprochen selten verlassen hatte, hätte er das Grollen des Berges als Warnung verstehen und die Beine in die Hand nehmen sollen, doch Thirak stand nur und starrte. Auch, als der Nebel weit über ihm die ersten Steine ausspuckte.

Drei Herzschläge später hatte auch er es realisiert: Eine Lawine war im Anmarsch. Ob reiner Felsschlag oder Schnee, gespickt mit Stein, vermochte er nicht zu sagen. Im Grunde allerdings war es auch gleich, denn beides war auf seine Art tödlich. Thirak fuhr um und rannte, suchte sich vor dem Steinschlag in Sicherheit zu finden. Doch kein Überhang war in Sicht, keine noch so kleine Spalte im Fels, die ihn hätte schützen können. Thirak rannte. Er rannte sich die Lunge aus dem Leib, und doch hatten ihn die ersten Steinchen bald überholt und kollerten vor ihm und neben ihm in die Tiefe. Fast schon sah er seinem Leben ein Ende gesetzt, als er an einen Abhang kam, der gute zehn Schritt tief war. Steine prasselten an ihm vorbei, trafen Hand und Bein und Rücken – es gab keine andere Möglichkeit, beim Aufprall würde er sich vermutlich alle Knochen im Leib brechen, doch solange eine geringe Chance bestand, der Lawine zu entkommen, würde er sie nutzen. Daran, Magie zu weben, dachte er nicht einen Augenblick.

Er sprang.
Und fiel.
.
..


Thirak ruderte wild mit den Armen, während er fiel, dem harten Steinboden entgegen. Spitze Felstürme ragten dort auf, große Brocken lagen, von früheren Lawinen ins Tal geschleudert, dort unten aufgetürmt wie von Riesenhand. Gleich, dachte Thirak. Gleich ist es vorbei. Er riss die Arme hoch, kniff die Augen zusammen und versuchte, sich auf den Aufprall vorzubereiten; er drehte sich im Fall und glitt elegant auf einer Bö dahin. Im Reflex schlug er mit den Flügeln und betrachtete fassungslos, wie Hemd und Hose aufgebauscht zwischen den Steinen landeten. Sein eigener Fall hatte sich verlangsamt. Er wandte sich um und erblickte entsetzt etwas weißes, dann sah er an sich herunter - - Federn! Ein Schrei entfuhr ihm, der sich anhörte wie ein heiseres Kreischen. Thirak ruderte erneut mit den Armen – Flügeln! - zwinkerte panisch...und stürzte dann, getragen vom Wind und halb fallend, halb über der Lawine trudelnd, die Seite des Berges hinunter. Er schlug sich den Eulenkopf an einem fallenden Stein – nicht mehr als ein Kiesel! - an, seine großen, gelben Augen klappten zu und dann spürte er nichts mehr. Nichts war mehr da, außer dem Rauschen des Windes, der an seinen Federn zerrte und ihn immer weiter dem Tal entgegen trieb...

Der Aufprall trieb ihm die Luft aus den Lungen. Thirak schnappte nach Atem, doch seine Lungen schmerzten. Er keuchte unter Schmerzen auf. Dann realisierte er, dass er atmete. Das war gut. Die Idee, die Augen aufzumachen, allerdings nicht. Gleißende Sonnenstrahlen fuhren ihm direkt ins Hirn (zumindest fühlte es sich so an) und entrissen seinen Lippen ein gemartertes Stöhnen. Dann drehte er sich auf die Seite. Allein das war ein weiteres Wunder: Er konnte Arme und Beine bewegen. Hatte er sich wirklich nichts gebrochen? Dann erst bemerkte er die Leute, die um ihn herumstanden – in sicherer Entfernung. Als er sich langsam aufrappelte und benommen hinsetzte – neben ihm prasselten immer noch kleinere Steinchen und Kiesel auf den Boden von der Lawine, die der Berg weiter oben abgefangen hatte – zog ein kleines Mädchen seine Aufmerksamkeit auf sich. Ihre Wangen waren gerötet, sie kicherte und versteckte sich am Rockzipfel ihrer Mutter. Er konnte sich keinen Reim darauf machen – was an sich auch kaum verwunderlich war, so sehr wie er sich den Kopf angeschlagen hatte. Dass sie kicherte, weil Thirak außer seinen ledernen Stiefeln und seinen Schwertgurten nur noch das Amulett trug und sonst nichts weiter, ging ihm nicht auf. Allerdings, dass eines seiner Katanas soeben neben ihm in den Staub purzelte, war schon irgendwie seltsam. Fand er.

Kurz darauf polterte auch der Rucksack neben ihn. Und Thirak saß da, staubbedeckt, und blinzelte mit schmerzendem Körper in die helle Sonne.
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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Yastara » Sa, 08. Jan 2011 13:36

Kaum war Yastara aus der kleinen Taverne getreten, riss die Wolkendecke auf und die Sonne schob sich hinter den Wolken hervor. Noch im Schatten des Eingangs stehend, sah sie sich um. Einige misstrauische Blicke trafen sie. In einiger Entfernung war ein Kind, dass eigentlich seiner Mutter folgen sollte, die schnellen Schritts über den Platz ging, stehen geblieben, als es Yastara entdeckt hatte. Der kleine Junge winkte ihr lachend zu. Ihr sonst so kaltes Herz erfuhr einen Stich. Er sah Yastur so unglaublich ähnlich. Aber vielleicht sah jeder Junge passenden Alters für sie ihrem Bruder ähnlich. Vielleicht spielten ihr ihre Sinne dahingehend auch nur einen Streich. Die Mutter des Jungen hatte sein Fehlen inzwischen bemerkt und eilte zu ihm zurück. Ein fragender Blick folgte seinen Augen, um zu sehen, wem er da zuwinkte. Ihr Blick wechselte in schneller Abfolge von fragend, über erschrocken, bis hin zu einem unsicheren Lächeln. Sie lächelte! Diese Reaktion hatte Yastara als letzte erwartet. Sie wusste zwar, dass alle Völker, bis auf die Menschen an und für sich keine Probleme mit den Shíin hatten, aber auch mit Vorsicht auf sie reagierten. Höflich nickte sie der Elfenfrau lächelnd zu. Schließlich trat sie aus dem Schatten des Gebäudes. Unangenehm brannte ihr das Sonnenlicht in den Augen. Reflexartig schloss sie ihre Lider und legte sich ihre Kapuze wieder über den Kopf, damit der dunkle Stoff ihren grünen Augen Schutz bot.

Neugierig erkundete sie die Umgebung, sah sich bei den wenigen Marktständen um und beobachtete heimlich die Bewohner. Eine kleiner Auflauf am Rande des Dorfes, nahe eines Steilhangs des Gebirges machte Yastara auf sich aufmerksam. Langsam mischte sie sich um die Umstehenden und schaute, was es zu sehen gab. Da saß doch tatsächlich ein männlicher Elf auf dem staubigen Boden und war gänzlich unbekleidet. Na gut, nicht gänzlich. Er trug noch Stiefel, einen Schwertgurt und eine hässliche Kette. Neben ihm lag ein Rucksack und ein Katana. Mit geübten Blick erkannte Yastara sofort, dass es ein sehr gutes, aber kein perfektes Katana war. Wahrscheinlich war der Griff ein oder zwei Gramm zu schwer, aber die Klinge sah gut geschmiedet aus. Mit einer hochgezogenen Augenbraue wanderte ihr Blick wieder zu dem Elfen, der etwas verwirrt in das Sonnenlicht blinzelte. Auch Yastara konnte sich ein leises Lachen nicht verkneifen. Bei dem Sonnenlicht würde sie ohne Schutz ihrer Augen sicherlich nicht besonders weit und auch nicht besonders gut sehen können. Trotzdem nahm sie mit einem Handgriff ihren Umhang ab, trat vor den Elf und warf ihm ihren Umhang zu. “Hier. Nehmt das. Wenn ihr eure Kleidung wieder gefunden habt, hätte ich meinen Umhang allerdings gerne zurück.” Yastaras Lippen zeigten ein kleines Lächeln, ihre Augen sprachen von ausgesuchter Höflichkeit.

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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Thirak » Mo, 10. Jan 2011 14:39

Währned Thirak also so da saß, wie die Göttern ihn erschaffen hatten, und darüber nachdachte, dass er doch enormes Glück gehabt hatte bei diesem Sturz, wurde das Getuschel um ihn herum ein wenig lauter und das Gelächter nahm zu. Einerseits froh, noch zu leben und unversehrt zu sein, ärgerte ihn dieses Verhalten durchaus. Gut, er war vom Himmel gefallen, gemeinsam mit einigen kleineren Steinchen und Kieseln, aber das war immerhin kein Grund, ihn auszulachen, oder nicht?

Er hatte erst einen Augenblick so dagesessen, als eine der lachenden Herumstehenden sich ein Herz nahm und auf ihn zu schritt. Sie zog sich ihren Umhang von den Schultern und offenbarte damit nicht nur ihre Haut der Sonne, sondern gleichsam auch ihre Volkszgehörigkeit, denn abgesehen davon, dass Thirak ihre Schönheit bemerkte, fielen ihm auch die violette Färbung, die weißen Haare und die rituelle Zeichnung der Shíin auf. Sie kam näher, und er blickte zu ihr auf, seinen Oberkörper mit den Händen hinter sich abstützend. Er bemerkte ihren Blick - an ihm herab - folgte ihm und war... Nun, sagen wir, entsetzt trifft es vermutlich am ehesten. Um ein Haar wäre er rot geworden wie ein Schuljunge, doch das ließ sich gerade noch so vermeiden. Auch, als er realisierte, welchem Umstand genau das Gelächter und Gaffen der anderen gegolten hatte. Thirak ergriff den Umhang, dankbar, dass die Fremde die einzige gewesen war, die ihm aus der Patsche half. „Danke.“ Er zog eine Grimasse, fuhr sich durch das staubige Haar, rappelte sich auf und warf sich den Umhang um. Es machte ihm durchaus ein wenig aus, dass man - sie - ihn so gesehen hatte. Aber man musste nun einmal das Beste aus einer solchen Situation herausholen. Wenn er sich wenigstens daran hätte erinnern können, wo seine Sachen abgeblieben waren... Doch der Kopf war leer. Er entdeckte das Katana, hob es auf und behielt es des Umhangs wegen in der Hand, auch wenn er den Platz an seinem Rücken befühlte, wo das zweite stecken musste. Es war noch dort. Auch den Rucksack klaubte er vom Boden auf, und während er der Frau folgte, warf er grimmige Blicke in die Menge, die nun ihnen beiden hinterher gaffte.

„Uhm. Mir tut alles weh“, beklagte er sich, während sie in Richtung der Taverne gingen. „Ich danke Euch für Eure Hilfe eben. Sobald sich ein Paar Beinkleider für mich gefunden haben, bekommt Ihr Euren Umhang natürlich zurück.“ Sie passierten ein kleines Haus, mehr eine Hütte, und schritten hernach auf die Herberge zu. „Ich würde mich gern erkenntlich zeigen. Sagen wir...mit einem Becher Wein?“ Das war das Mindeste, fand er. Immerhin stand er in ihrer Schuld. Irgendwie. „Ich bin übrigens Thirak.“ Der Rest tat erstmal nichts zur Sache, und dass er ein Bergelf war, mochte sie so oder so erkennen oder erahnen, selbst wenn dieses Dorf keinen aus seinem Volk zu beherbergen schien. Zumindest hatte er bisher noch keinen Dunkelelfen hier zu Gesicht bekommen.
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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Yastara » Di, 11. Jan 2011 18:45

Unangenehm prickelten die Blicke der Umstehenden auf Yastaras´s Haut, als sie ihren Umhang abgenommen hatte. Sie wurde nicht feindselig betrachtet. Nein, das war nicht der Fall. Allerdings spürte sie, wie sich neugierige und fragende Blicke in ihren Rücken bohrten. Doch daraus machte sie sich nichts. Die Meinung anderer über sie interessierte sie nicht. Warum sie dem Elfen half, wusste sie selbst nicht so recht. Wahrscheinlich empfand sie einfach nur etwas, dass man wohl Mitleid nennen könnte, wenn sie dieses Gefühl einem Angehörigen eines anderen Volkes gegenüber kennen würde. Vielleicht war es auch einfach eine Impulshandlung oder eine Laune. Soweit das grelle Sonnenlicht es zu ließ und ihre geblendeten Augen sehen konnten, beobachtete die junge Shíin, wie der Elf sich aufrappelte und seine Sachen einsammelte. Ihre grünen Augen glitten kurz und unauffällig über seine klaren Gesichtszüge. Yastara dachte darüber nach, was wohl passiert war, dass er hier gänzlich unbekleidet unter dem Felsvorsprung saß. Fragend sah sie hinauf zu den schroffen Felsen. Gut, er könnte abgerutscht und gefallen sein, dann hatte er allerdings verdammt viel Glück gehabt, dass er sich nicht alle Knochen gebrochen hatte. Jedoch erklärte das noch nicht das Fehlen seiner Kleidung. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, drehte sie sich schließlich um und ging. An den Schritten, die sie hinter sich vernahm hörte sie, dass der Elf ihr folgte. Nach einigen Schritten hatte er aufgeholt und lief nun neben ihr.

Erst, als er seine Stimme erhob, blickte die Shíin ihn wieder an. “Man nennt mich Yastara. Kein Wunder, dass euch alles weh tut. So, wie es aussah, habt ihr einen ziemlich schweren Sturz hinter euch. Dankt euren Göttern dafür, dass ihr euch nicht alle Knochen gebrochen habt. Lasst euch Zeit mit dem Umhang. Ich werde erst heute Nacht oder morgen früh weiter reisen.” Sein Angebot musste sie kurz überdenken. Eigentlich hatte sie nicht vorgehabt, mehr Zeit als nötig mit anderen Leuten zu verbringen. Sie hatte einfach kein Interesse an dem, was man “zwischenmenschlichen Kontakt” nannte. Auf der anderen Seite wäre es grob unhöflich sein Angebot auszuschlagen und da Yastara immer um Höflichkeit bemüht war, zeigte sich ein kleines Lächeln auf ihren Lippen. “Ein Becher Wein? Hm... Ja, warum eigentlich nicht? Gerne.” Als sie die Taverne erreichten, trat sie fast schon erleichtert ein. Endlich entkam sie dem stechenden Sonnenlicht, dass ihren Augen nach den vielen Reisetagen bei Nacht besonders zusetzte. Der Wirt blickte sie überrascht an. “Ihr seid ja schon wieder da. Ich dachte, ihr würdet euch umsehen?” Die junge Frau musste sich zusammenreißen, um eine sarkastische Antwort herunter zu schlucken. Stattdessen brachte sie ein höfliches Lächeln zustande. “Hm, mir ist etwas interessantes vor die Füße gefallen, dass mich abgelenkt hat.” Mit erhobener rechter Augenbraue warf sie Thirak einen amüsierten Seitenblick zu.

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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Thirak » Mi, 12. Jan 2011 12:32

Yastara. Als die Shíin ihn anblickte, prägte sich Thirak ihr Antlitz ein. Sie war bei weitem nicht die erste ihrer Art, die er traf - immerhin trieb sein Volk Handel mit den fernen Verbündeten, seine eigenen Katanas samt ihren Scheiden und den überkreuzten Halterungen stammten von einem aus ihrem Volke - aber sie war von allen Shíin die schönste, die er bisher erblickt hatte. Ihre Augen standen in erheblichem Kontrast zum Violett ihrer Haut, das Gesicht war mit einer filigranen Tätowierung verziert, und ihr Haar war so schneeweiß wie das seine rabenschwarz war. Bevor Thirak Yastara nach ihren Worten anstarren konnte, wandte er den Blick in eine andere Richtung und ließ die Information über ihre geplante Abreise Revue passieren. „Nun, ich will hoffen, dass ich ein wenig eher etwas Passendes finde“, bemerkte er und warf ihr ein Schmunzeln zu. Es wäre ihm unangenehm, ihr den Umhang länger vorzuenthalten (und aus offen ersichtlichen Gründen auch darauf angewiesen zu sein). Und außerdem fühlte er sich nackt. Unter dem Umhang rieb er sich den rechten Ellbogen. Ganz offensichtlich war diese Stelle die einzige, an der er eine Abschürfung davongetragen hatte, was an sich schon ein Wunder war. Auch Yastara machte eine Bemerkung über das Glück, das er gehabt hatte, und rang Thirak damit ein kurzes, aufgesetzt-schiefes Lächeln ab - obgleich seine Mutter eine Priesterin war, hatte er keinen sonderlich gefestigten Glauben.

Auch wenn es zunächst so aussah, als wäre die Shíin uneins mit sich selbst, was sein wahrhaftig nicht hintergründiges Angebot betraf, nahm sie nach kurzer Bedenkzeit doch an. Thirak nickte nur erfreut, in gewisser Weise auch froh darüber, sich keine Worte des Bedauerns ausdenken zu müssen. Sicherlich war er ohnehin schon die Nummer eins im Dorfgespräch, auch ohne dass er vollkommen nackt durch selbiges zur Taverne gelaufen war - was definitiv der Fall gewesen wäre, hätte Yastara ihm nicht seinen Umhang geborgt. Thirak ließ seiner Retterin den Vortritt, als sie am Gasthaus angelangten. Der Wirt bedachte zunächst sie mit einem überraschten, dann ihn mit einem langen, skeptischen Blick. Thirak lächelte einnehmend, warf jedoch einen ob des Amusements bliztenden Blick seitlich zu Yastara hin, als jene sich einen Scherz auf seine Kosten erlaubte. Ehe der Wirt antworten konnte, ergriff der Dunkelelf nach einem vernehmlichen Räuspern das Wort. „Tja, damit meint sie wohl mich. Ich hatte einen kleinen...hm, Unfall, nach dem ich nun auf Eure Hilfe angewiesen bin.“ Er ließ ein wenig nackte Brust zwischen den Falten des Umhangs aufblitzen und deutete selbstironisch mit dem Kinn an sich hinab. „Guter Mann, ich wär Euch sehr verbunden, wenn Ihr nicht nur eine Hose, sondern auch ein Hemd für mich finden könntet. Und dann hätten wir gern den ein oder anderen Becher Wein“, präzisierte Thirak seine Wünsche genauer und nahm den Rucksack von der Schulter, um in dessen ledernen Taschen nach etwas Überzeugungshilfe zu suchen. Die fand er auch relativ rasch, und so lag kurz darauf ein Silberstück vor dem Schankwirt. Umgehend zauberte dieser ein Lächeln auf seine feisten Züge, und ehe sich Yastara und Thirak versahen, war die Münze vom Tresen verschwunden. "Natürlich! Wollt Ihr mich vielleicht begleiten? Mein Sohn ähnelt Euch von Größe und Statur", verkündete er. Thirak nickte dankend und wandte sich zunächst an Yastara. „Es scheint so, als ob Ihr Euren Umhang doch früer als erwartet zurück bekommt. Möchtet Ihr solange hier warten? Es dürfte nicht allzu lange dauern.“ Der Wirt nickte bestätigend. "Es ist gleich nebenan. Setzt Euch doch schon, ich komme sogleich zu Euch", versprach er. Kurz darauf folgte Thirak dem Wirt aus dem Schankraum in die privaten Räume, während es Yastara frei stand, sich einen Tisch auszuwählen. Bis auf ein stilles Pärchen dicht an der Tür und einen Pfeife rauchende, alten Kauz am Tresen war der Raum um diese frühe Tageszeit leer, sie hatte also die Qual der Wahl.

Es dauerte kaum ein Viertel einer Stundenkerze, bis Thirak zurück in den Gastraum kam. Die Kleidung, die er trug, war ihm an Armen und Beinen um eine Handspanne zu kurz, doch immerhin verbarg sie alles wichtige. Gut, er würde sich bei Gelegenheit ganz gewiss nach etwas Passendem umschauen müssen, doch für den Moment sollte es genügen. Den Saum der Hose hatte er ohnehin in seine ledernen Stiefel gesteckt, die ihm seltsamerweise nicht abhanden gekommen waren. Den Umhang der Shíin trug er nun über dem Arm, und hinter seinem Rücken würde seine Begleitung im Näherkommen die beiden Kashira der überkreuzten Katanas aufragen sehen. Den Rucksack hatte er über die Schulter geworfen, stellte ihn jedoch ab, ehe er den Umhang über einen freien Stuhl legte und hernach Yastara gegenüber und hinter seinem Weinbecher Platz nahm. Er betrachtete sie kurz, begann dann, sich die Ärmel ein wenig hochzurollen, damit das zu kurz geratene Kleidungsstück nicht weiter auffiel. „Ich hoffe, es hat nicht zu lange gedauert?“ erkundigte er sich. Dann griff er nach seinem Becher und hielt ihn ihr entgegen. „Auf Euch. Und darauf, dass Ihr einen armen Tropf wie mich in Eurer Großmut mit Stoff versorgt habt.“ Er grinste schief und nahm einen tüchtigen Schluck Wein, seufzte dann erleichtert und lehnte sich ein wenig zurück. „Was für ein Tag.“ Und das war er wirklich. Gut, er hatte den Abstieg schneller geschafft als angenommen, auch, wenn er sich dabei gehörig den Kopf gestoßen haben musste. Denn Thirak hatte keine Ahnung, was nach der Lawine - oder währenddessen - eigentlich passiert war. Oder warum außer ihm nur ein wenig Geröll hier unten angekommen war. Oder weshalb die Shíin ihm geholfen hatte. Oder oder oder. „Entschuldigt, ich bin ein grausiger Gastgeber - habt Ihr Hunger? Ich lade Euch gern ein.“
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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Yastara » Mi, 12. Jan 2011 18:47

Während Thirak dem alten Elf folgte, sah Yastara sich kurz im Schankraum um. Der Alte am Tresen musterte sie mit unverhohlener Neugier, in der eine Spur Argwohn lag. Selbst, als sie seinen Blick erwiderte und stolz in seine Augen blickte, wandte er den Blick nicht ab. Mit einem letzten kühlen Blick drehte sie ihren Kopf Richtung des Pärchens nahe der Tür. Die beiden schienen mit sich beschäftigt und nichts mitzubekommen. Absichtlich wählte die Shíin einen kleinen Tisch weit ab der anderen, am anderen Ende des Raumes und einen Platz, auf dem sie mit dem Rücken zur Wand saß. So groß war ihr Vertrauen in die Fremden dann auch wieder nicht. Mit einer leichten Berührung ihres Gürtels, bei der ihre Finger das schwarze Leder kaum zu berühren schien, löste sie ihre beiden Katana aus ihrer Halterung. Behutsam lehnte sie ihre beiden Waffen an die Tischkante neben ihrem Stuhl. Langsam wanderte ihr nachdenklicher Blick zu der Theke und zu der Stelle, auf der vor nicht allzu langer Zeit eine silberne Münze gelegen hatte. Unterschwellig hatte Yastara nicht übel Lust, den Wirt wieder um diese Münze zu erleichtern. Aber eigentlich war er ja ganz nett und sie wusste nicht so recht, warum sie ihn bestehlen sollte. Es war einfach nur so, dass sie sich jetzt schon lange nicht mehr in ihrem geliebten Diebeshandwerk geübt hatte. Seufzend rückte sie mit einem schnellen Handgriff ihre Korsage zurecht und trommelte leise mit den Fingern ihrer linken Hand auf das harte Holz des Tisches. Ihre Finger brauchten dringend etwas zu tun. Der Wirt kam zurück und brachte ihr zwei mit Wein gefüllte Becher. Dankend nickte sie ihm zu und beobachtete, wie er wieder seinen Platz hinter der Theke einnahm.

Es dauerte nicht lange, bis Thirak ebenfalls wieder den Raum betrat. Sein Anblick amüsierte sie und ein feines Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie ihren Blick über die Kleidung gleiten ließ, die ihm nicht so recht zu passen schien. “Wie ich sehe, habt ihr etwas passendes gefunden. Ich musste ja nicht sonderlich lange warten.” Auch sie hob nun ihren Becher an die Lippen und ließ den Wein ihre Kehle benetzen. Er war etwas zu säuerlich für ihren Geschmack, aber er tat ihr gut. Als sie das Gefäß auf dem Tisch absetzte, spielten die schlanken Finger der Linkshänderin noch eine Weile mit der kreisrunden Öffnung des Bechers. “Nein, ich habe keinen Hunger, aber vielen Dank für die Einladung. Erst letzte Nacht war ich jagen.” Nach ein paar Sekundenbruchteilen des Nachdenkens, stellte sie die Frage, die sie schon die ganze Zeit beschäftigte. Verzeiht meine Neugier, aber was ist euch vorhin eigentlich passiert? Ihr werdet ja kaum einfach vom Himmel gefallen sein.” Ein Schmunzeln stahl sich auf ihr Gesicht. Ihr Blick blieb an seinen Katana hängen. Wieder überlegte sie, woher der Elf sie wohl hatte. Soweit sie wusste, gab es hier in der Gegend nur die Shíin, die solche Waffen fertigten, außerdem erkannte sie eine Waffe, die von ihrem Volk geschmiedet wurde, auf zehn Meter Entfernung. Von ihrem Vater waren diese beiden Stücke jedoch nicht. Im Dorf gab es jedoch noch einen anderen Schmied, der sich aber schon vor ein paar Jahren zur Ruhe gesetzt hatte. Die Qualität seiner Klingen war nicht schlecht gewesen, doch die von ihrem Vater waren perfekt und einzigartig. Vielleicht würde sie dies nur aus purem Familienstolz denken, aber sie hatte bereits mit den Waffen beider Schmiede gekämpft und trainiert, weswegen sie durchaus objektiv sein konnte. Doch sie würde Thirak jetzt nicht danach fragen, denn sie wollte nicht zu Neugierig wirken.

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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Thirak » Do, 13. Jan 2011 15:39

Im Sitzen streckte sich Thirak nun ein wenig - die Knochen taten ihm immer noch weh - und bemerkte dabei, dass er seine Schultergurte noch trug. Er löste die Schnallen und streifte sie ab, legte sie mitsamt den Katanas neben sich auf die Sitzfläche desselben Stuhls, auf dessen Lehne Yastaras Umhang sich befand. Dann seufzte er leise. Auch Thirak ließ nun seinen Schlick schweifen. Den des Alten am Tresen ließ fing er kurz auf, bis jener sich ertappt wieder seinem Humpen zuwandte; die beiden Turteltauben an der Tür schienen vollauf mit sich selbst beschäftigt und nichts anderes um sie herum wahrzunehmen. Thirak indes nahm eines sehr wohl wahr, und das war sein Hunger. Insgheim hatte er gehofft, dass Yastara sich auch zum Essen einladen lassen würde, denn wenn er allein vor ihr saß und auf einem toten Tier herumkaute, war das nicht sonderlich... Nun ja, höflich. Trotzdem musste er verhalten schlucken, als sie die Jagd erwähnte. Was - oder wen? - auch immer sie gejagt hatte.

Auf Yastaras Bemerkung hin blickte Thirak jedoch erst einmal auf seine Ärmel und seine verhüllte Brust hinunter, ehe er mit den Schultern zuckte. „Sitzt etwas knapp, aber ich will damit ja keinen Preis gewinnen.“ Und den Zweck erfüllten Hemd und Hose allemal. Er legte die Finger locker um seinen tönernen Weinbecher und schob ihn hin und her, während er Yastara nun wieder direkt anblickte und ein vages Nicken andeutete. „Hm, wenn ich das wüsste, würde ich mich nicht dasselbe fragen“, erwiderte er. „Um ehrlich zu sein: Ich habe nicht die leiseste Ahnung. Weiter oben gab es eine Lawine. Ich bin gesprungen...dann weiß ich nichts mehr.“ Was Thirak ebenso wenig wusste: Er wusste es schon, doch sein Verstand weigerte sich, sich selbst mit den weißen Federn zu assoziieren. Insofern musste das eine Art Halluzination gewesen sein, die ein heftiger schlag auf den Kopf ausgelöst haben musste. Bei einer Steinlawine sicherlich nicht unplausibel. Und das war es auch, was Thirak darüber dachte - nur musste man einer schönen Frau schließlich nicht unbedingt von skurrilen Wahnvorstellungen berichten. Fand er zumindest. „Als ich wieder zu mir gekommen bin, habt Ihr mich sicherlich schon gesehen. Ich war derjenige, der nackt auf dem Dorfplatz saß.“ Thirak schmunzelte schräg und nahm einen weiteren Schluck Wein, ehe er Yastara abermals taxierte. „Insofern muss ich wohl annehmen, dass ich unverschämtes Glück hatte und tatsächlich vom Himmel gefallen bin. Direkt vor Eure Füße.“ Die daraufhin entstehenden Pause nutzte sein Magen, um sich vernehmlich über die gähnend Leere zu beschweren. Der Bergelf machte ein entschuldigendes Gesicht. „Ich kann Euch nicht doch vom Essen überzeugen? Es wäre mir unangenehm, würde ich Euch etwas vorkauen.“ Ob er ihr einfach etwas mitbestellen sollte? Die Hand war bereits erhoben, als er sie erneut fragte. Der Wirt stellte einen Bierkrug fort und warf sein feuchtes Trockentuch neben ein steinernes Spülbecken, dann kam er geschäftig an ihren Tisch. "Was kann ich Euch noch bringen?" fragte er freundlich. Nur kurz dachte Thirak darüber nach, was ein wenig silberne Freundlichkeit zu Beginn eines Tages doch bewirken konnte. „Bringt mir einen Braten, den besten, den Ihr habt. Und macht eine ordentliche Portion draus!“ Dann wandte sich Thirak seiner Begleiterin zu, blickte sie fragend an. Und der Wirt imitierte diesen Blick und blickte nicht minder gespannt.
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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Yastara » Sa, 15. Jan 2011 16:54

“Das klingt... nach einer ziemlich großen Erinnerungslücke.”, entgegnete Yastara. An dieser Stelle erschöpfte sich ihre Fähigkeit des seichten, höflichen Gesprächs. Ihre Gedanken schweiften ab, verließen die Taverne und flogen über das Gebirge. Sie kannte die Geschichten der Berge. Schon so mancher Wanderer war nicht zurück gekehrt, denn sie waren Opfer wilder Tiere, der unerwarteten Steinlawinen oder ihren Weg kreuzenden Felsspalten geworden. Erst, als sie einen eindringlich knurrenden Laut vernahm, kehrten ihre Gedanken zurück in die Taverne. "Nein, wirklich nicht. Vielen Dank." Ein eindringlicher Blick traf den Wirt und bedeutet ihm höflich, seiner Arbeit nach zu gehen. In diesem Moment hatte sie beschlossen, dass sie den Wirt nicht sonderlich mochte. Eine geringe Abneigung gegen ihn hatte sie schon gehegt, als dieser einen fast schon unverschämten Preis für ihre nächtliche Unterkunft verlangt hatte. Ihr musternder Blick folgte dem alten Elf. Vermutlich würde sie ihm die Summe Silbermünzen, die sie zahlen musste heute Nacht wieder abnehmen. Vielleicht, wenn ihr danach war. Ihr Blick wandte sich nun wieder Thirak zu, um ihn eine Erklärung für die Ablehnung zu liefern. ”Ich esse nicht sonderlich viel und mein letztes Mahl ist noch nicht lange her. Wahrscheinlich ist mir erst heute Abend wieder danach, etwas zu mir zu nehmen. Bis dahin,", ihre linke Hand hob leicht ihren Becher an. “Bis dahin bleibe ich beim Wein. Aber bitte, es muss euch nicht unangenehm sein. Esst ruhig.” Tatsächlich lag Yastara nicht viel an der Nahrungsaufnahme. Für sie war es immer nie mehr als eben das gewesen, eine bloße Notwendigkeit.

Diese Eigenschaft war ihr auf ihrer bisherigen Reise immer zugute gekommen. Wenn sie jagen wollte, kam sie auf ihrem Weg nicht voran. Je weniger Nahrung sie also brauchte, desto schneller kam sie voran. Es widerstrebte ihr schon diesen einen Tag hier in diesem Dorf zu verbringen. Doch letztendlich hatte sie sich eingestanden, dass es auf einen Tag mehr oder weniger auch nicht ankam. Allerdings wusste sie nicht so recht, wohin sie eigentlich wollte. Das eigentliche Ziel war es, Yastur zu finden, jedoch hatte die junge Shíin keine Ahnung, wo sie mit ihrer Suche beginnen oder wie sie ihre Suche anstellen sollte. Zunächst hatte sie einfach vorgehabt, sämtliche Siedlungen der Menschen nach jenen abzusuchen, die damals bei dem Überfall dabei gewesen waren. Sich des Nachts in alle Behausungen zu schleichen und nach jenen Gesichtszügen zu suchen, die sie wohl nie wieder vergessen würde. Doch dieses Vorhaben erschien ihr, mit klarem Verstand betrachtet, gänzlich unmöglich und zu gefährlich. Ein Mensch, der sie nachts in seinem Heim entdeckt würde reichen, um sie zu einer Verfolgten zu machen. Doch wusste Yastara keinen anderen Plan und so war sie einfach losgezogen, in der Hoffnung, dass ihr schon irgendwann etwas einfiel. Doch bisher waren ihre Gedanken wie Blei, was Ideen betraf und so würde sie einfach reisen, sich in die Siedlungen, Dörfer und Städte der Menschen wagen und inständig hoffen, dass sie einen Hinweis, irgendein Indiz auf den Verbleib ihres Bruders aufschnappen würde. Menschen waren unsäglich dumme Wesen. Oftmals betranken sie sich sinnlos und wurden so zu wahren Rednern.

Abwesend hatten ihr Finger während mit dem Griff eines ihrer Katana gespielt. Als die junge Elfin am Tisch des Pärchens spitz auflachte zuckte Yastara unmerklich zusammen und ließ von ihrer Beschäftigung ab. Langsam legte sie ihre Hand vor sich neben den Becher und wieder fiel ihr Blick auf die Waffen des Elfs. ”Wusstet ihr, dass eure Katana das Werk eines sehr guten Shíinschmieds sind? Ich kannte ihn gut. In den Klingen steckt das ganze Herzblut des Schmieds. Er hat nicht viele Katana geschmiedet. Dass macht sie zu etwas besonderem. Am liebsten arbeitete er an Dolchen und Messern. Vor kurzem verstarb er.”

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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Thirak » Di, 18. Jan 2011 11:25

„In der Tat.“ Es behagte Thirak ja selbst nicht, dass er sich nicht mehr erinnern konnte. Da war nur dieser seltsame Traum, in dessen Verlauf er irgendwie zum Fuße des Berges gepurzelt war. Und der konnte unmöglich real sein, nein, auf gar keinen Fall. Seine reizende Retterin indes schlug abermals seine Einladung zum Essen aus, so dass der Wirt mit den Schultern zuckte und davon ging, ohne eine zweite Bestellung aufgenommen zu haben. Allein beim Gedanken an einen riesigen Teller mit saftigem Bratenfleisch lief ihm das Wasser im Mund zusammen und er musste schlucken. Es hätte der Erklärung gar nicht bedurft, aber da sie sie totzdem gab, nickte Thirak verstehend - auch wenn er das etwas seltsam fand. Sicherlich, je mehr Zeit man auf einer Reise mit jagen oder essen verbrachte, desto langsamer kam man voran. Andererseits kam man gar nicht voran, wenn man Hunger litt und darob sogar krank wurde. Thirak allerdings interpretierte in ihre Worte - dass ihr erst am Abend wieder danach sein würde, etwas zu essen - etwas anderes hinein: Yastara hatte Sorgen. Nun, selbst wenn dem so war...er kannte sie nicht und sie kannte ihn nicht. Er würde sie nicht danach ausfragen, und sie hätte vermutlich ohnehin nicht geantwortet, selbst wenn er gefragt hätte.

Während er auf sein Essen wartete, spielte er mit seinem Becher herum. Yastara schien nachdenklich zu sein; auch ihre Finger befassten sich gedankenlos mit etwas, auch wenn es nicht das Gefäß in ihren Händen, sondern vielmehr der Griff eines Katanas war. Thirak überlegte fieberhaft, wie er die Situation ein wenig lockern könnte. Ihm lagen einige Fragen auf der Zunge, und auch das ein oder andere Kompliment, aber letzteres erschien ihm zu gekünstelt, während ersteres nach Verhör klang. Einfach war das nicht. Endlich schien er etwas Unverfängliches gefunden zu haben - er wollte sie zu ihrem Katana befragen -, da sprach sie selbiges von selbst an. Er schwieg, im ersten Moment überrascht, dass sie an dasselbe gedacht hatten; kurz überlegte er gar, ob sie irgendwie die Gabe der blauen Wasserwesen aufgeschnappt haben konnte. Doch dann fokussierte sich sein Erstaunen auf die Tatsache, dass sie mit einem Blick die Arbeit eines Schmiedes bestimmen konnte. Das war umso interessanter, da sich seine Katanas schließlich in ihren Scheiden befanden. Immerhin hatte er keine Lust, sich versehentlich zu schneiden, wenn er sie auf dem Rücken trug. Und nur am Griff den Schmied zu erkennen - dazu gehörte schon was! Dass Yastara allerdings selbst Schmiedin war, schloss er aus. Dazu fehlte ihr die wucht in der Erscheinung. „Ich bin beeindruckt“, gestand er, und da fiel ihm ein, dass sein Schwert ja klappernd neben ihm im Staub gelandet war, als er nackt auf dem...in Ordnung, diesen Teil der Geschichte sollte er besser vergessen. Sie hatte die Klinge also gesehen. Dennoch blieb die Fähigkeit ihres Auges damit beeindruckend. „Ich habe diese Katanas seit gut vierzig Jahren. Und Ihr habt recht, sie sind nicht nur aus Meisterhand, sondern stammen von einem Schmied Eures Volkes. Ich erinnere mich nicht an seinen Namen, aber mein Volk hat viele Waffen von ihm bezogen. Viele Waffen von den Shíin im Allgemeinen. Es gibt nirgends bessere Katanas, wir wissen das zu schätzen.“ Immerhin bestand zwischen den Dunkelelfen und dem violetten Volk eine Verbindung, und die war nicht nur auf den Handel beschränkt. Den Tod des Schmiedes kommentierte er nicht weiter, er hatte ihn schließlich ohnehin nicht gekannt, sah man von ein paar Begebenheiten ab, bei denen sie sich aus der Ferne gesehen hatten. Seltsamerweise fühlte sich Thirak, als säße er nun als Vertreter der Bergelfen an diesem Tisch. Das war kurios, immerhin hatte er bisher nicht das Amt eines Richters ausgeübt und war darob auch gar nicht befugt, in Verhandlungen zu treten oder überhaupt die Elfen zu repräsentieren. Und das hier war ein normales Gespräch, nicht mehr.

Thirak deutete auf den Griff des Katanas, mit dem Yastara zuvor noch gespielt hatte. „Eures macht mir auch einen guten Eindruck.“ Er hatte vom Waffenschmieden nicht viel Ahnung, kannte sich aber mit der Feinschmiedekunst dafür sehr gut aus. Es drohte, eine neue Pause zu entstehen, und Thirak füllte sie nun rasch mit einer Frage, die ihm ungefährlich schien. „Was führt Euch denn her?“ fragte er die Shíin höflich und blickte sie über seinen Weinbecher hinweg an. „Ihr kommt aus dem Osten, nicht?“ Soweit er wusste, lebten die Shíin dort. An der Theke erhob sich der Mann, ließ zwei Kupferstücke auf dem nicht besetzten Tresen liegen und verließ mit schlurfendem Schritt das Gasthaus. Thirak beachtete ihn nicht weiter.
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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Yastara » Fr, 21. Jan 2011 15:03

“Da ist nichts beeindruckend dran. Mein Vater war selbst Schmied. Einst war er der Lehrling des alten Schmieds. Doch irgendwann übertraf der Schüler den Meister. Ich habe meinem Vater oft beim schmieden zugesehen. Er brachte mir alles bei, was es von Waffen vom Rohmaterial bis hin zum fertigen Stück zu wissen gibt. Meine Katana wurden von meinem Vater gefertigt. Ich hüte sie, wie meinen Augapfel. Tatsächlich sind es zwei hervorragende Klingen.” Yastara musste an dem Tag denken, an dem sie ihrem Vater in der Schmiede zugesehen hatte, ohne zu wissen, dass die beiden Katana, die er schmiedete bald ihr gehören würden. Sie hatte auf einem Amboss in der Ecke gesessen, während das knisternde Feuer ganz in der Nähe ihres Sitzplatzes loderte. Wenn sie nicht gerade den beruhigenden, metallischen Gleichklang des Hammers lauschte, erzählte ihr Vater ihr von den vergangenen Schlachten ihres Volkes und von alten Legenden.

Gerade noch vernahm sie die Worte des Elfen und stand vor einer Frage, vor der sie sich gefürchtet hätte, wenn ihr dieses Gefühl vertraut wäre. Furcht und Angst waren ihr in ihren einundzwanzig Jahren nur einmal untergekommen. Als die Menschen ihren Bruder entführt hatten. Yastara hatte noch nicht darüber nachgedacht, was sie auf die Frage nach dem Grund ihrer Reise antworten sollte. Das war ein Fehler, denn es war doch wahrscheinlich, dass ihr diese Frage auf ihrem Weg des öfteren begegnen würde. Vor allem die Menschen waren gerne mal misstrauisch und würden der jungen Shíin eine schlechte Lüge wohl kaum abnehmen, vielleicht nicht mal eine gute Lüge. Yastara war schon Menschen begegnet, die einer Shíin nicht einmal glauben würde, wenn sie behaupten würde, sie sei eine Shíin. Vorsichtig tastete sie sich auf dem Weg zwischen Wahrheit und Lüge voran. “Ja, ich komme aus den Hügelländern von Harrhy'in, etwas östlich von hier. Das Dorf hier ist nur eine Zwischenstation, um meinen Proviant aufzustocken und eine Nacht unter einem Dach zu verbringen. Was eine nette Abwechslung zu meinen Schlafstätten im Wald darstellt.” Die junge Diebin warf einen beiläufigen Blick zur Theke, an der sich gerade der alte Elf erhoben hatte. “Über kurz oder lang bin ich auf dem Weg Richtung Norden, mit dem einen oder anderen Zwischenstopp in den verschiedensten Dörfern und Städten. Ich habe gehört, dass es dort Händler und andere Leute gibt, die verschiedene Aufträge zu vergeben haben. Vielleicht habe ich Glück und finde dort einen Auftraggeber, der kein Mensch ist. Das verspricht eine Menge Spaß.” Aus der Küche vernahm Yastara ein lautes Rumpeln. "Was ist mit euch? Was treibt euch in diese Gegend?”

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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Thirak » Fr, 21. Jan 2011 16:19

Hm. Angesichts ihrer Erklärung klang es tatsächlich kaum mehr der Rede wert, dass sie sowohl Schmied als auch Qualität seiner Waffen so detailliert bestimmen konnte. Doch Thirak wusste es besser. Er selbst konnte die Güte eines Edelsteines recht schnell bestimmen oder die Feinschmiedekunst eines anderen beurteilen. Doch das konnte er nur, weil er jahrelang darauf konditioniert worden war und selbst kaum eine Gelegenheit ausgelassen hatte, um sein dahingehendes Gespür unter Beweis zu stellen. Es mochte also für sie nicht der Rede wert sein, für Thirak blieb es nach wie vor beeindruckend. Interessant indes war, wie sie von ihrem Vater sprach. Es klang nicht danach, als würde er nach wie vor auf dieser Welt wandeln. Thirak betrachtete sie genau, während sie erzählte, und als sie von ihren hervorragenden Klingen sprach, glaubte er ein sehnsüchtiges Glitzern in ihren Augen zu erkennen. Er schwieg dazu. Es wäre besser, sie nicht daraf anzusprechen - das zumindest riet ihm sein Taktgefühl ganz im Vertrauen. Und Thirak hatte sich für einen Tag bereits zur Genüge blamiert, wie er fand. So entschloss er sich für einen weniger taktlosen Kommentar und lobte ihre Klingen. „Das glaube ich gern. Ich würde sie gern einmal in der Hand halten - vielleicht später?“ Dass er damit indirekt einen Übungskampf vorschlug, war ihm ebenso wenig bewusst wie der Umstand, dass er jenen dann mit vollem Magen würde bestreiten müssen.

Die Antwort auf seine Frage nach ihrer Reiseintention allerdings ließ en wenig auf sich warten. Yastara zögerte gerade lange genug, dass in Thirak die Ahnung aufkeimte, sie würde ihm ohnehin keinen reinen Wein einschenken. Als sie schließlich antwortete, klang sie absolut glaubhaft - ganz so, wie er selbst vermutlich auch geklungen hätte, wäre es seine Absicht gewesen, nicht preiszugeben, was er eigentlich vor hatte. Thirak indes sollte sich selbst schneller in genau derselben Situation wiederfinden, in der Yastara sich gerade befand. „Das klingt, als hättet Ihr ein Ziel....und eine Abneigung gegen Menschen“, stellte Thirak fest und endete in einem amüsierten Schmunzeln. „Eine Abneigung, die mir gut bekannt ist.“ Er selbst hatte noch nicht genug mit den Menschen zu tun gehabt, als dass er sich tatsächlich eine Meinung über sie hätte bilden können, doch schnappte man eben selbst in den Bergen das ein oder andere auf. Thirak griff erneut ihre Worte auf, während ein weiterer Gast eintrat und sich langsamen Schrittes einen Tisch suchte, von dem er alles und jeden gut im Blick hatte. „Norden klingt gut“, sagte er. Es schepperte in der Küche, und dann kam sie, die Gegenfrage, die ihn in dieselbe Situation beförderte. Ihr zu sagen, dass er auf der Suche nach sich selbst war, würde sie wohl dazu veranlassen, sich augenblicklich zu erheben und ihn allein zu lassen. Nein, so etwas Dämliches konnte er ihr unmöglich erzählen! Genauso gut hätte er verraten können, dass seine Mutter ihn geschickt hatte - ihn, der sechszig Winter zählte! Das ging auf gar keinen Fall, schließlich war er kein Muttersöhnchen. Nur das zu erklären, würde wohl nicht mehr klappen, wenn sie aufgestanden und gegangen war. „Um ehrlich zu sein“, begann er daher und war nur zur Hälfte ehrlich, „habe ich kein Ziel. Ich hatte überlegt, vielleicht die Hügelländer aufzusuchen, doch erscheint mir das nun nicht mehr sinnvoll, nachdem ich Euch hier traf.“ Das klang wie in einem kitschigen Theaterstück und war in keinster Weise so gemeint! Thirak ärgerte sich über die Zweideutigkeit und wollte rasch korrigieren. „Das heißt, Euch: eine Shíin. Mein Volk und das Eure sind verbrüdert, und doch weiß ich nur wenig über die Shíin.“ Hoffentlich hatte ihm das nun den Hals gerettet. Nicht, dass sie dachte, er wollte seine Reisepläne ihretwegen umkrempeln. Es war nur so... Er hatte keinen Plan!

Thirak räusperte sich und kippte schnell den Rest seines Weines hinunter. Was für eine Blamage, und das nach den ersten wenigen Sätzen! Der Dunkelelf blickte Yastara über den Tisch hinweg an. Einem plötzlichen Impuls folgend, sagte er: „Es tut mir leid wegen Eures Vaters.“ Das war ernst gemeint, und Thirak konnte wohl tatsächlich nachvollziehen, wie es seinem Gegenüber ergangen sein mochte oder noch ging. Er blickte sie unverwandt an und hätte das wohl noch eine weitere Weile getan, wäre nicht in jenem Moment ein köstlicher Duft von der Küche direkt an ihren Tisch geweht, im Schlepptau den Wirt mit einer silbernen Platte. Das Fleisch auf dem Teller sah köstlich aus, und das Brot im geflochtenen Weidenkorb duftete frisch gebacken und war noch warm. Der Wirt platzierte beides auf ihrem Tisch und füllte auch die Becher nochmals nach, dann ließ er das ungleiche Pärchen wieder allein. Thirak lief das Wasser im Mund zusammen und er begann zu essen, nachdem er Yastara noch einmal angeschaut hatte. „Eure letzte Gelegenheit“, gab er ihr grinsend zu bedenken. Und noch war er bereit, mit ihr zu teilen.
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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Yastara » So, 23. Jan 2011 17:53

Yastara entfuhr ein leises Lachen. “Man kommt nur unter drei Umständen an die Klinge eines Shíin. Entweder der Shíin ist tot, man besiegt ihn im Kampf oder er erkennt einen als ebenbürtig an.” Die Sache mit der Ebenbürtigkeit war allerdings ziemlich verzwickt, denn an und für sich erkannten die Shíin kein Volk als gut genug oder sogar gleichgestellt an. Allerdings hatte sie hier offensichtlich einen Bergelfen vor sich, was die Sache ein wenig anders aussehen ließ. Yastara selbst hatte die Dunkelelfen, die sie kennen lernen durfte, immer gemocht. Die Vertreter dieses Volks waren ihr stets sympathisch. Mit einem letzten Blick auf die Waffen von Thirak überlegte sich die junge Shíin, dass sie es spannend finden würde, probeweise die Klingen mit ihm zu kreuzen. Sie war zwar selbst, am Maßstab ihres Volkes gemessen, nicht perfekt im Schwertkampf, aber sie gehörte noch immer zu den guten Schwertkämpfern. Da sie wusste, dass sie den Menschen so noch immer weit überlegen war, war sie neugierig, wie es sich in einer Begegnung mit einem Bergelfen verhielt.
”Ich habe zwar ein Ziel, aber kein bestimmtes. Dieses Ziel ist ziemlich weit gefasst. Abneigung ist das falsche Wort. Der Hass auf die Menschen ist meinem Volk in die Wiege gelegt und dieses Gefühl wird über die Jahre verstärkt.” Woher ihr eigener Hass auf die Menschen rührte, verschwieg sie. Das war etwas sehr persönliches, privates für Tara. Bei den nächsten Worten des Elfen konnte die junge Diebin dieses kleine, leise Lachen wieder nicht unterdrücken. “Schade. Und ich dachte, Ihr wolltet diesen weiten Weg nur wegen mir auf euch nehmen. Dann hätte ich mir etwas darauf einbilden können. Dunkelelfen sind uns immer willkommen. Wir hatten länger keinen andauernden Besuch eines Angehörigen eures Volks, was ich sehr schade finde. Es verspricht etwas Abwechslung. Nun, wenn Ihr euch für die Shíin interessiert, dann habt Ihr in mir anscheinend die einmalige Gelegenheit, alles fragen zu können, was Euer Herz begehrt. Ich habe heute einen guten Tag." Mit einem Lächeln auf den Lippen hob sie ihren Becher an und nahm einen Schluck Wein, um anschließend wieder mit dem Rand des Gefäß´s zu spielen. Als Thirak ihren Vater erwähnte, verschwand das Lächeln aus ihrem Gesicht, als hätte man es weg gewischt. Eisige Kälte durchfuhr ihre Adern und erfüllte ihr Herz. Yastara wurde nicht gern daran erinnert, was mit ihrem Vater und damit auch mit ihrem Bruder geschehen war. Der Hass auf die Menschen überspülte kurz alle anderen Gefühle, so, dass die Shíin sich zu vergessen drohte. Jede Faser ihres Seins saugte den schwarzen Hass auf.

Der Wirt unterbrach ihre finster zu werdenden Gedanken. Während er das köstlich duftende Mahl vor Thirak abstellte, ließ sie ihn nicht aus den Augen und spielte abwesend mit ihrer Unterlippe. Dieser sehr reale Moment half Yastara ihre Gefühle und den inneren Aufruhr wieder zu erliegen zu bringen. Äußerlich hätte man ihr davon wohl nichts angemerkt, hätte man den Schmerz in ihren Augen nicht bemerkt, der kurz in ihren Augen aufgeflackert war. Doch ansonsten hatte sie ihre Mimik sehr gut unter Kontrolle. Sogar ein charmantes Lächeln brachte sie zustande. ”Nein, ich möchte wirklich nichts. Vielen Dank. Wohl bekomms.”

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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Thirak » Fr, 28. Jan 2011 10:02

Der Klang ihres Lachens war angenehm. Thirak fiel zwar nicht mit ein, grinste aber breit. Auch er hatte schon davon gehört - und auch war ihm bekannt, dass es erhebliches Geschick bedurfte, um von einem Shíin als gleichwertig im Kampf betrachtet zu werden. Nun ja, der schlechtesten einer war er nicht, und vielleicht hatte er Glück, wenn sie später vielleicht die Klingen kreuzten. Auch wenn er selbst nicht recht daran glauben mochte. Die Shíin galten nicht umsonst als die Meister des Katanas, und das betraf sowohl Herstellung als auch Umgang.

Während sie über ihr Ziel sprach, nippte Thirak an dem nachgeschenkten Wein. Anschließend schmunzelte er. „Das klingt allzu verlockend. Ich hätte sogar eine ganz Menge fragen, aber ich fürchte, die meisten davon wären unangemessen.“ Thirak grinste nun breit. Yastara war schlagfertig und er mochte das. Es machte eine Unterhaltung erst so richtig interessant. „Was haltet Ihr davon, wenn ich Euch jede Antwort ebenfals mit einer Antwort vergelte?“ Ob Yastara viel über die Bergelfen wusste - oder ob es sie überhaupt interessierte - war ihm nicht bewusst, aber einen Versuch war es allemal wert. Thiraks Grinsen allerdings wurde zu einem vagen Lächeln und verschwand dann ganz, als ihm bewusst wurde, dass Yastaras Lächeln abrupt verschwunden war. Er ging gedanklich ein, zwei Sätze zurück, ehe es ihm wie Schuppen von den Augen fiel. Die Bemerkung über ihren Vater. Nun, dachte er sarkastisch, damit war es das dann wohl gewesen mit dem guten Tag. Offenbar hatte er ein ganz besonderes Talent dafür, andere Individuen zu vergraulen oder vor den Kopf zu stoßen. Thirak seufzte lautlos und machte ein bedauerndes Gesicht. Der eben ankommende Braten verbesserte sein schlechtes Gewissen nur wenig; irgendwie erschien es ihm unpassend, nun mit dem Essen zu beginnen. So verließ der Wirt den Tisch und ließ die Bratenplatte vor Thirak stehen, der jedoch davor saß und abwechselnd vom zart rosafarbenen Fleisch zu Yastara und wieder zurück sah. In jenem Moment bemitleidete er sich auch ein wenig selbst, dass er einfach ständig so ein Pech mit den Leuten hatte. Wieder einmal war er der Meinung, dass Gesellschaft schlichtweg nichts für ihn war, sah man von seinem besten Freund einmal ab, der diese Mentalität teilte.

Yastara lächelte zwar nun wieder, aber etwas war anders. Sie wünschte ihm einen guten Appetit, doch ohne den Schalk von eben in ihren Augen. Thirak selbst hatte sich zumeist soweit abgeschottet, dass kaum einer erfolgreich in seinem Gesicht lesen konnte, wenn er es nicht zuließ. Das war auch jetzt der Fall; er blickte sie bedauernd an, und mehr würde sie nicht erahnen können. Doch wieder einmal bewis Thirak sein unglückliches Händchen im Umgang mit anderen, und statt es dabei zu belassen, sagte er folgendes, während er ein Stück Fleisch mit dem schmiedeeisernen Spieß aufspießte: „Ich habe meinen Vater ebenfalls verloren, wisst Ihr.“ Dann schob er sich den Bissen in den Mund und kaute ein wenig lustlos darauf herum. Die Stimmung schien gedrückt, und Thirak wusste, dass das sein Verschulden war. Indes musste man ihm zugute halten, dass er nach einem Gesprächsthema suchte. Nach einem dritten Bissen fiel ihm auch eine Frage ein, mit der er vielleicht würde ablenken können. „Nun gut, also.... Dann werde ich Euch jetzt ausfragen. Mich hat schon immer interessiert, was es bei den Shíin mit den Tätowierungen auf sich hat.“ Thirak hob die Brauen und sah Yastara über seine Fleischplatte hinweg an. Er hoffte, sie mochte auf das Thema eingehen, doch er hätte es ebenso gut nachvollziehen können, hätte sie ihre Sachen gerafft und wäre verschwunden.
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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Yastara » Mo, 31. Jan 2011 20:27

Irgendwie brachte es dieser Dunkelelf fertig, gleichzeitig in ein Fettnäpfchen zu treten und es gekonnt zu überspielen. Yastara fand diese Eigenschaft sehr interessant. Normalerweise war sie es gewohnt, dass Jene, die öfter mal in Fettnäpfchen traten, sich mit jedem Satz weiter hinein ritten. Erneut hob sie ihren Becher und ließ den Wein ihre Lippen benetzen. Ihr Gesichtsausdruck wurde sanft, als sie hörte, dass Thirak und sie ein ähnliches Schicksal verband. “Dann gibt es also etwas, dass uns verbindet.” , sagte sie sanft und meinte jedes ihrer Worte ernst. “Es tut mir leid, dass wir diesen Verlust teilen.” Ein gefährlicher Ausdruck in ihren Augen mischte sich auf interessante Weise mit ihrer weichen Mimik. “Irgendwann werde ich die Mörder meines Vaters aufsuchen und der Inbegriff ihrer schlimmsten Albträume werden.” Die Shíin wusste nicht, warum das gesagt hatte, warum sie ihrem Gegenüber diesen innigen Gedanken anvertraut hatte. Eigentlich hatte sie sich fest versprochen auf ihrer Reise nicht von ihrer Familie zu sprechen und hatte sie sich versprochen, niemals vor Anderen von diesem Vorhaben zu reden. Die anderen Shíin wussten natürlich, dass sie diesen Gedanken irgendwann in die Tat umsetzen und sich rächen würde. Das lag in der Natur ihres Volkes. Wieso hatte sie dies also einem völlig Fremden anvertraut? Nachdenklich spielte sie mit ihrer Unterlippe, während sie sich seine vorhergehenden Worte ins Gedächtnis rief.
“Ein Fragespiel?” Ein amüsiertes Funkeln trat in Yastaras Augen und sie vergaß für den Moment die Frage in ihrem Kopf. “Ich liebe Spiele.” Zwar fiel ihr in gerade keine Frage ein, die sie im Gegenzug hätte stellen können, aber der Beschluss, darauf einzugehen war schnell gefasst. Tatsächlich mochte die junge Diebin das Volk der Bergelfen sehr gerne und war immer froh über einen Besuch eines Vertreters gewesen. Sie liebte die alten Geschichten und Sagen dieses Volkes und zwar nicht nur, weil es die einzigen Geschichten, außer jener der Shíin waren, die sie zu hören bekam. Vielleicht würde sie sich ihre Frage auch für später aufheben oder es ergab sich spontan eine.
Mit einem Schmunzeln lauschte sie seiner Frage. Vor allem der genaue Wortlaut der Vorrede amüsierte sie und die Shíin rief ihn sich nochmal in Erinnerung. ´Nun gut, also.... Dann werde ich Euch jetzt ausfragen.´ Einen ähnlichen Satz hatte sie schon einmal von einem Mann gehört. Allerdings hatte dieser Mann statt ´ausfragen´ das Wort ´küssen´ benutzt und der Mann, war eher noch ein Junge gewesen, waren sie beide doch gerade zwölf Jahre alt gewesen. Bevor sie antwortete strich sie sich die schneeweißen Haare aus dem Gesicht und ihre Fingerspitzen berührten zart einige Linien ihres Tattoos. “Es ist eine Art Ritual. Das Tattoo bekommen wir in unserem fünfzehnten Lebensjahr. Gleichzeitig legen wir einen Schwur ab. Den genauen Wortlaut kann ich Euch nicht verraten, aber geht es um die Rache an den Menschen für die vergangenen Kriege, die Vertreibung unseres Volkes und unsere getöteten Vorfahren. Außerdem besagt der Schwur, dass wir für unsere Ahnen in jeden der nächsten Kriege ziehen werden. Damit werden wir sozusagen zu einem vollwertigen Mitglied des Volkes. Meistens folgt das Tattoo auf den ersten Kampf gegen die Menschen, was allerdings keine Voraussetzung dafür ist. Aber die jungen Shíin sehen das gerne so. Quasi, als müssten sie sich erst im Kampf bewähren, bevor ihnen die Ehre zuteil wird ein vollwertiger Shíin zu sein. Es gibt keinen lebenden Shíin ohne dieses Tattoo.” Innerlich hoffte sie jedoch, dass es einen Shíin ohne gab. Yastur war noch jung gewesen und stand noch vor dem Schwur. Allerdings dachte sie gerade nicht an diesen Umstand, denn trübe Gedanken wollte sie gerade nicht haben. “Habe ich damit Eure Frage beantwortet?” Ja, sie mochte dieses Spiel, was sich in einem faszinierendem Funkeln in ihren grünen Augen ausdrückte. “Nun, mich hat schon immer die Magie Eures Volkes interessiert. Wisst ihr, mein Volk kann keine Magie wirken, aber ich habe höchste Achtung vor jenen, die es können, sofern es sich dabei nicht um Menschen handelt.” Bei der letzten Bemerkung konnte sie sich ein hintergründiges Lächeln nicht verkneifen. “Komischerweise haben jene Dunkelelfen, die uns mit ihrer Anwesenheit beehrt haben, nie ein Wort darüber verloren. Welcher Art ist Eure Magie?”

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