Eine Reise ins Ungewisse

Die felsige und abweisende Heimat der Bergelfen.
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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Thirak » Mi, 02. Feb 2011 15:06

Ihr...sanfter?!... Tonfall irritierte Thirak. Und zwar gehörig. Er starrte sie kurz an, als hätte sie sich vor seinen Augen in einen Fisch verwandelt, dann blinzelte er kurz und widmete sich zur Ablenkung einem weiteren Bissen Fleisch. Was sie gesagt hatte - und vor allem wie sie es gesagt hatte - brachte ihn tatsächlich aus dem Konzept. Erst als sie ungefährlicher (für ihn zumindest) weitersprach, hob er den Blick wieder und sah sie an. Sie hatte eine weitere Information preisgegeben: Ihr Vater war ermordet worden. Thirak zweifelte nicht einen Augenblick daran, dass sie diese Drohung wahr machen würde. Die Mörder ihres Vaters würden nichts zu lachen haben. Fast konnten sie einem schon wieder leid tun. Thirak schluckte den Bissen herunter und setzte ein vages Lächeln auf. Er entgegnete besser nichts darauf. Vielleicht war es ein Versehen gewesen, dass sie ihm davon erzählt hatte, eine Unbedachtheit. Er fragte besser nicht nach den weiteren Umständen seines Todes, immerhin würde sie sonst nur weiterhin traurig sein, und im Grunde genommen ging es ihn auch gar nichts an, fand er.

Den Blick von ihrer Unterlippe loßreißend, spießte er ein weiteres Bratenstück auf und führte es zum Mund, wo es aber schwebend verweilte, weil Thirak auf Yastaras amüsiertes Funkeln mit einem ebenso breiten wie überraschten (er hatte erfolgreich abgelenkt!) Grinsen reagierte. Sie liebte also Spiele? Der Dunekelelf hatte nicht die leiseste Ahnung, woher der Gedanke kam, doch er dachte reflexartig an ein ganz besonderes Spiel, woraufhin er sich nun doch das Fleisch in den Mund schob und zu kauen begann. Blödsinnige Idee, Thirak. Absolut dämlich. Lag vermutlich nur an ihrer verträumten Geste mit der Unterlippe. Und oh, wie peinlich! Nach dem Auftritt vorhin sollte er daran nun wirklich nicht mehr denken. Wie praktisch, dass sie nun also von ihrer Tätowierung erzählte.

„Ich denke schon", erwiderte Thirak, als Yastara mit ihrer Erklärung fertig war. „Allerdings scheint mir der Schwur dann wichtiger zu sein als die Tätowierung selbst, oder? Und ich meine mich zu erinnern, dass ich bisher kein Zeichen zweimal gesehen habe. Allerdings kann ich mich da auch irren, allzu viele Shíin sind mir bisher nicht begegnet. Haben die Zeichen eine individuelle Bedeutung?" fragte Thirak und deutete hernach mit dem Kinn auf Yastara, um gleich im Anschluss eine weitere Frage anzuknüpfen. „Und was ist die Bedeutung Eures Zeichens?" Mit dem Spieß in der Hand betrachtete er sein Gegenüber, und abermals fielen ihm die grünen Augen auf, die in erheblichem Kontrast zur Hautfarbe Yastaras standen. Ob das wohl einzigartig war? Er hatte nie wirklich auf die Augen der paar Shíin geachtet, die er getroffen hatte. Die grünen Augen blitzen ihn aufgeweckt an, und dann war es Yastara, die eine Frage stellte. Thirak schmunzelte flüchtig und legte den Spieß neben die Platte, um sich besser auf das konzentrieren zu können, was er sagen wollte. „Eure Achtung ist berechtigt. Die Magie ist mindestens so tückisch, wie sie nützlich ist", sagte er. Thirak selbst hatte großen Respekt vor dem Fluss der Energie, und es gab viele, die seine eigenen Künste um ein Vielfaches übertrafen. „Wir können die Elemente beeinflussen", erklärte der Dunkelelf. „Ihr müsst es so sehen: Offenbart man die Art seiner Magie, macht man sich verletzlich. Vielleicht habt Ihr deswegen niemanden darüber reden hören. Allerdings", bemerkte er und grinste nun verhalten, „wäre ich nicht besonders dankbar, wenn ich Euch nun damit abspeisen und nicht weiter erzählen würde." Thiraks Brauen rutschten kurz amüsiert die Stirn hinauf. „Also..." Er sah sich kurz um. Ein Nebel im Schankraum wäre wohl zu verstörend, doch da gab es etwas anderes, das er tun konnte. „Raûmo." Er lächelte Yastara an. Nichts geschah, bis er unter dem Tisch eine knappe Geste aus dem Handgelenk heraus vollführte. Dann setzte ein leises Heulen ein, das als Ursache den Wind hat, der nun durchs Gebälk pfiff und um die Ecken des Gasthauses strich. Das ist mein Element", fügte er hinzu und lächelte immer noch. Das Heulen blieb nur kurz, verschwand recht schnell wieder. Thirak hatte kaum Energie darauf verwendet, immerhin verfolgte er keinen bestimmten Zweck, sondern wollte nur kurz etwas demonstrieren. „Allerdings bin ich kein besonders versierter Magier. Ich habe meinen Schwerpunkt für mich selbst auf den Waffentanz gelegt. Die sind durchaus verlässlicher, wenn Ihr mich fragt", sagte Thirak und deutete auf seine Katanas auf dem Stuhl schräg neben sich. „Welches Element würdet Ihr wählen, wenn Ihr könntet?" fragte er sich laut und damit auch Yastara, ehe er wieder zum Spieß griff und ein neues Fleischstück auswählte.
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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Yastara » Mo, 07. Feb 2011 18:35

Es war eine interessante Angelegenheit im Mienenspiel ihres Gegenübers zu lesen, fand Yastara, auch, wenn sie nicht immer verstand, was sie sah. “Hmmm... ich könnte nicht sagen, was wichtiger ist, denn die Tätowierung und der Schwur gehören untrennbar zusammen. Es gibt das eine ohne das andere nicht. Das Tattoo ist ein Zeichen für den abgelegten Schwur. Würde man einem Shíin ohne dieses Zeichen begegnen, müsste man misstrauisch werden. Es ist eine Frage der Ehre den Schwur ablegen zu dürfen. Damit binden wir uns an die Rache.” Wieder fuhr die Diebin mit den Fingerspitzen über die feinen schwarzen Linien in ihrem Gesicht. Sie konnte sich noch gut an den Tag erinnern, als sie den Schwur ablegen durfte, als wäre es gestern gewesen. Wie alle jungen Shíin war sie schon Tage vorher aufgeregt gewesen und hatte die Nächte über kaum ein Auge zugetan. Müdigkeit und Nervosität am “großen Tag” taten sich zusammen und bildeten einen sehr zuverlässigen Zeitbeschleuniger. Kaum hatte sie die Worte nachgesprochen, die sie endgültig zu einer vollwertigen Shíin machen würden, spürte sie auch schon den scharfen penetranten Schmerz, als man ihr die Haut aufritzte und den Farbstoff in die Schnitte gab. Es hatte ein paar Tage gedauert, bis die Schwellung verschwunden war und sie das endgültige Werk bewundern konnte. Yastara hatte schon Wochen vorher gegrübelt, wie das Tattoo aussehen würde. Es stimmte, man konnte keine Tätowierung zweimal sehen. Die feinen Linien ihrer Zeichnung waren deutlich geschwungener und graziler, als bei anderen Shíin und mit pflanzenähnlichen Ornamenten versehen. Die Bedeutung war etwas sehr persönliches. An den grazilen Linien konnte man erkennen, dass sie eine Frau war. Die Schnörkel und die geschwungenen Linien bedeuteten, dass sie nicht hauptsächlich Kriegerin, sondern Diebin war. Einige der Linien standen auch für ihre Familie. Die pflanzenähnlichen Ornamente waren ein Zeichen ihrer Schönheit. Doch all das konnte sie wohl kaum erzählen. Es war nur Shíin vorbehalten, in den Zeichnungen auf der Haut zu lesen. Also würde sie Thirak nur ein Stückchen der Wahrheit geben, immerhin hatte sie sich bewusst auf dieses Spiel eingelassen. Diese Überlegung hatte nicht mal zwei Sekunden gedauert. “Jede dieser Linien hat sozusagen eine eigene Bedeutung. Deswegen stimmt eure Beobachtung. Es gibt keine Tätowierung zweimal. Sie unterscheiden sich immer in irgendetwas. Mein Zeichen bedeutet, dass ich in meinem Volk eine Schönheit bin.” Wieder funkelte es in ihren Augen auf, wobei man nicht hätte sagen können, was es bedeutete. Die junge Shíin mochte es nicht, wenn man sie als “Schönheit” bezeichnete und noch viel weniger, sich selbst als solche zu bezeichnen. Allerdings war es nun mal eine Tatsache, dass sie es war.

Neugierig lauschte Yastara den Worten des Dunkelelfs, als er begann ihre Frage zu beantworten. Elementmagie... Ja, davon hatte sie schon in Verbindung mit den befreundeten Bergelfen gehört. Als Antwort auf seine kleine “Vorführung” seiner Magie, musste die Shíin Lächeln. Sein Element war also die Luft. Sie mochte dieses Element, wobei sie eigentlich keine großen Unterschiede machte. Jedes Element für sich war schön und faszinierend. Doch in diesem Moment dachte sie nur daran, wie sie in ihrer Heimat auf einem Hügel stand und die starken Westwinde ihr ins Haar fuhren. Seine nächsten Worte zogen sie jedoch wieder in den Bann. Überrascht wanderte ihre rechte Augenbraue in die Höhe. Ein Elf der Waffen verlässlicher fand, als Magie und der dazu noch zwei sehr gute Katana besaß... und der obendrein noch kein Fettnäpfchen auszulassen schien.... Er wurde ihr mit jedem Satz sympathischer. ”Welches Element ich wählen würde? Nun, ich denke... keines. Feuer, Wasser, Luft, Erde - ich achte sie alle und würde keines beherrschen wollen, aus bloßem Respekt. Allerdings bin ich bereits mit der Finsternis verbrüdert. Deswegen würde mir auch keines der Elemente etwas nützen. Man sagt mir nach, ich wäre die Schwester der Nacht und die Tochter der Dunkelheit. Außerdem sehe ich es ähnlich, wie Ihr. Meine Katana und Dolche sind mir sicherer und verlässlicher, als alles andere. Wie seit ihr zu der Luftmagie gekommen? Habt Ihr sie selbst gewählt oder hat sie gar Euch erwählt?” Die schlanken Finger der jungen Frau kreisten langsam um die Öffnung des Weinbechers.

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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Thirak » Fr, 11. Feb 2011 14:40

Thirak betrachtete Yastara eine Weile nachdenklich. Die alten Geschichten über den Grund, aus dem die Shiin diesen Racheschwur ablegten, waren für ihn nicht mehr als eben dies: Geschichten. Die Menschen hatten sich den Hass eines ganzen Volkes zugezogen und dabei ganz offensichtlich nicht bedacht, dass dies eine Fehde sein würde, die noch über Jahrhunderte hinweg fortgeführt werden mochte. Und eines, so wurde Thirak nun klar, schienen alle Shíin gemein zu haben: Sie verziehen nicht leichtfertig. Thirak sparte sich daher, die Diskussion anzustoßen, ob es nicht irgendwann einmal genug der Rache, genug des Blutvergießens sein würde. Er wusste, dass Yastara ihm sonst gram wäre, dass die Wut dergestalt hochkochen mochte, wie es bei bisher allen Vertretern ihres Volkes gewesen war, die er getroffen und in diese Situation gebracht hatte. Sein Gespür für Fettnäpfe war dahingehend stets verlässlich gewesen, dachte er ironisch.

Als sie fortfuhr, wurde sein flüchtiges Lächeln ein wenig deutlicher. Er neigte den Kopf und erwiderte trocken: „Womit Ihr nun sozusagen schriftlich hättet, was man ohnehin schon mit dem bloßen Auge sehen kann." Damit, so glaubte Thirak, hatte er kein plumpes Kompliment verloren, sondern es ein wenig graziler verpackt. Und welche Frau schlug schon gern ein Kompliment aus? Jede Frau, die er kannte, mochte Komplimente. Manche aber versuchten, die Männerwelt damit zu narren, dass sie behauptete, keine Komplimente zu mögen. Das war der Trick daran, denn manche Männer verteilten dann umso mehr davon, vermeintlicherweise um die Damenwelt zu necken. So manches gesellschaftliches Gefüge war äußerst schwierig gestrickt, und hinwieder stolperte man innerhalb dieses Netzes über einen Fallstrick und strangulierte sich um ein Haar selbst damit. Thirak war das mit dieser Überlegung nur umso bewusster, dabei hatte Yastara ihm nicht einmal einen Grund gegeben, über die Auswirkungen seines leicht dahin gesagten Kompliments weiter nachzudenken. Oi. Der Wein war schon heftig. Thirak beschloss, seinen nächsten Becher mit Wasser zu verdünnen. Er spießte das letzte Stück Fleisch auf und seufzte zufrieden, als es den Weg hinab in seine Eingeweide gefunden hatte. Satt schob er die Bratenplatte beiseite.

Sie würde kein Element wählen, selbst wenn sie konnte? Thiraks rechte Braue rutschte die Stirn hinauf und entspannte sich wieder, als Yastara sich erklärte. Dennoch, mit ihrer Antwort warf sie nur weitere Fragen auf. „Wie meint Ihr das? Tochter der Dunkelheit... Das klingt mir fast danach, als wäret Ihr eine berüchtigte Giftmörderin oder gar eine...Assassine." Wobei man jene eher in der Cala an Darh vermuten würde und nicht in den östlichen Hügelländern, überlegte er. Nun, auf die Antwort war er ziemlich gespannt. Vermutlich allerdings würde sie nichts verraten, wenn es verrucht oder gar belastend wäre. Hätte er ja auch nicht getan.

„Naja", begann er auf ihre Frage, die ihn erneut grübeln ließ, ob es nun die Lyr oder die Shíin waren, die Gedanken lesen konnten, „sie hat mich gewählt. Sagen wir, es war eine brenzlige Situation, in der sich zwei Jungen befanden, und die einzige Lösung war die Modifikation der Luft. Insofern war es ebenso simpel wie effektiv." Er grinste schief. Der Wirt kam nun heran, räumte die Platte ab und erkundigte sich, ob sie noch etwas wünschten. Thirak schüttelte den Kopf, wandte den fragenden Blick aber dann Yastara zu. Für sie sprechen konnte er ja schlecht, auch wenn er vermutete, dass sie wieder keinen Wunsch ausdrücken würde. Eine genügsame Frau. Er schmunzelte.
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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Yastara » Mo, 14. Feb 2011 14:49

Wieder verließ ein leises Lachen Yastaras Kehle. “War das etwa ein Kompliment?” , fragte sie rhetorisch. Seltsamerweise war sie besserer Laune, als die letzten Wochen. Aber eigentlich war das auch kein Wunder. Alleine unterwegs in Wäldern und auf Wiesen hatte sie zu viel Zeit über unliebsame Dinge nachzudenken. Sie war dankbar über die Ablenkung, die der Dunkelelf ihr im Moment brachte. Natürlich wusste die junge Frau, dass ihre Wege sich bald wieder trennen würde, aber das hier würde sie genießen. Während sie zu sah, wie er sein Mahl beendete, wanderten ihre Gedanken bereits zu dem morgigen Tag und zu den Dingen, die sie noch erledigen musste, bevor sie losziehen konnte.
Doch schon bald riss die Vermutung Thiraks sie aus den Gedanken. “Giftmörder? Assasine?” Ihr Lachen klang heiter, als sie über die Worte nachdachte. “Ihr wisst wirklich nicht viel über die Shíin, oder? Es wäre Ehrlos jemanden durch Gift zu töten. Wenn wir töten, dann von Angesicht zu Angesicht. Nein, aber man bringt uns bei, mit der Dunkelheit zu verschmelzen. Ich bin darin ziemlich talentiert. Wenn ich nicht will, dass man mich bei Nacht sieht, dann tut man es auch nicht.” Das wars. Sie würde nicht zugeben, dass sie viel lieber Diebin, als Kriegerin war. Sie würde nicht einmal zugeben, dass sie überhaupt eine Diebin war. Die meisten Leute umgaben sich schließlich nicht gern mit Dieben. Vielleicht wusste der Elf ja bereits, dass dies ebenfalls zu den Beschäftigungen eines Shíins gehörte. Auch davon, dass sie in der Dunkelheit besser sehen konnte, als normale Shíin würde sie nichts erzählen. Man sprach nicht von seinen Schwächen. Yastara musste an den Tag denken, an dem sie die Nacht zu lieben gelernt hatte. Gemocht hatte die Diebin sie schon seit ihrer Kindheit, seit sie bemerkt hatte, dass das Tageslicht ihren Augen nicht so gut bekam, wie die Dunkelheit. Aber die Liebe zu ihr hatte sie erst später entdeckt. Es war in einer ruhigen Nacht. Die einzige Lichtquelle wurde von den Sternen gebildet, die am wolkenlosen Himmel funkelnden. Der Wind strich sanft über die Wiesen der Hügelländer, als eine Shíin, mit verhüllten Haaren auf einer Anhöhe stand und es genoss, dass ihre Augen nicht vom grellen Sonnenlicht geblendet wurden. Allein strich sie über die Wiesen und durch die kleinen Wäldchen. Lautlos bewegte sie sich über den unebenen Erdboden. Nichts weiter. Es passierte nichts in dieser Nacht. Yastara fühlte sich frei, sicher und geborgen, als könnte ihr nichts geschehen. In dieser Nacht verstand sie, dass die Dunkelheit sie nie im Stich lassen würde und sie immer auf sie vertrauen konnte. Es war eine seltsame Verbindung, aber sie fühlte sich gut an und die junge Frau verstand, was eine untrennbare Bindung bedeutete.
Neugierig kam Tara zurück ins Hier und Jetzt und lauschte Thiraks Worten. “Ich wusste nicht, dass das Element einen aussuchen kann.” Ihre Verwunderung war ehrlich. Sie hatte zwar schon das Gefühl gehabt, dass die Finsternis sie auch erwählt hatte, jedoch wusste sie nicht, dass dies bei der Magie eine Möglichkeit der Elementfindung war.
Als der Wirt erneut an den Tisch trat und nach ihren Wünschen fragte, lehnte die Shíin wieder ab. Die einzigen Annehmlichkeiten, die sie hier annehmen würde, war der Wein und ein Bett. Vielleicht noch ein schmales Frühstück. “Nun, ich weiß nicht, was Ihr noch vorhabt. Ich werde meine Wegzehrung aufstocken und den kleinen Markt besuchen müssen, solange die Dörfler sich noch nicht in Angst vor mir hinein gesteigert haben, jetzt, wo sie wissen, dass eine Shíin hier ist.” Ein amüsiertes Funkeln trat in ihre Augen.

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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Thirak » Di, 22. Feb 2011 15:19

Thirak tat entsetzt, als sie lachend noch einmal nachhakte. „Niemals käme ich auf diesen Gedanken!" empörte er sich im Scherze und nahm seinen Worten sogleich die Schärfe, indem er grinste und Yastara mit einem Zwinkern bedachte. Allmählich wurde sein Grinsen zu einem Schmunzeln. Er war der Meinung, dass seine Retterin eine recht angenehme Zeitgenossin war, auch - oder gerade weil? - sie eine Shíin war. Sie wirkte inzwischen ein wenig nachdenklich, was sich jedoch schlagartig wieder änderte, als sie recht amüsiert ob seiner Überlegungen bezüglich ihrer Profession schien. Thirak wiegte den Kopf zur Erwiderung. „Ehrlos vielleicht, aber ganz bestimmt auch sicherer", gab er zu bedenken und blickte in Yastaras grüne Augen. Wie ein Elfenwald im Morgenlicht. Thirak blinzelte, innerlich entsetzt. So einen Blödsinn sollte er gar nicht erst denken, geschweige denn aussprechen! „Das klingt nach Magie", erwiderte er dann. „Wenn ich daran denke, was man mit einer solchen Fähigkeit alles anstellen könnte... Naja, vielleicht bietet sich mir mal die Gelegenheit, euch dennoch zu ertappen." Thiraks Augen sprühten abermals vor Amusement. Er konnte sich durchaus die ein oder andere Situation vorstellen, bei der er sie ertappen wollte und zugleich wunderte er sich schlichtweg über diese Gedanken. Es war nun nicht so, dass er noch nie bei einer Frau gelegen hatte. Vielmehr hatte er noch nie bei einer Shíin gelegen, und ein Teil seiner Selbst war durchaus interessiert daran, potentielle Unterschiede und Gemeinsamkeiten herauszufinden. Andererseits verboten sich dieserlei Gedanken von selbst. Immerhin hatte er noch so etwas wie Anstand im Leib! Andererseits... Was würde es schon ausmachen? In nur wenigen Stunden würden sie schließlich ihrer Wege gehen und - vielleicht - nichts mitnehmen als eine vage Erinnerung. Isofern war es doch eine ganz nette Idee, diese Erinnerung ein wenig einprägsamer zu gestalten?

Thirak blinzelte und sah fort, als er bemerkte, das sein Blick sich an Yastaras Lippen festgesaugt hatte. Er tat, als hätte er sich nicht eben gefragt, ob sie wohl überall so violett wie dort war, und schickte sich an, ihre Frage zu beantworten, indem er die Schultern hob. „Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, wie es üblicherweise ist. Allerdings muss man sich dem Element schon zugeneigt fühlen, sonst funktioniert die Magie nicht." Zumindest glaubte er das. Thirak fragte sich, wie die Initiation bei anderen Bergelfen gewesen war, doch entweder erinnerte er sich nicht oder er hatte nie danach gefragt. Vielleicht war es auch einfach so belanglos, dass es keiner Konversation darüber bedurfte? Thirak runzelte die Stirn und zuckte erneut mit den Schultern. „Ich denke nicht, dass es so etwas besonderes war. Man könnte meinen, ich wäre ein Luftikus." Abermals grinste er.

Yastara lenkte das Gespräch bald gen Ende zu, indem sie von ihrem morgigen Aufbruch sprach und damit die Trennung ins Spiel brachte. Thirak neigte den Kopf. „Ein wenig Proviant wäre nicht schlecht, allerdings bin ich noch nicht allzu lange unterwegs. Wie sieht es denn hier mit Siedlungen aus, angenommen, man ginge in Richtung Norden?" Thirak verspürte nämlich nur wenig Lust, sein Essen für die nächsten zehn Wochen mit sich herumzuschleppen. „Hm... Das heißt, Ihr wollt wirklich morgen früh schon aufbrechen? Dann, schlage ich vor", schlug er mit entsprechend positionierter, rhetorischer Pause vor, „sollten wir diesen Abend auf jeden Fall nutzen." Thirak schmunzelte verschmitzt und wackelte kurz mit den Augenbrauen. „Setzen wir unseren Übungskampf für in zwei Kerzen an?" Dann wäre es früher Abend. Sie beide würden besser sehen, es wäre etwas kühler und vor allem hätte er bis dahin den Braten verdaut. „Abgesehen davon....hatte ich bisher nicht den Eindruck, dass die Leute sich vor Euch ängstigen." Gut, er konnte sich täuschen, immerhin bezog sich seine Referenz auf gaffende Stumme und den münzliebenden Wirt. „Andererseits könntet Ihr sie gewiss das Fürchten lehren, sollte dies in Eurem Ermessen liegen." Nun war es Thirak, der amüsiert grinste.
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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Yastara » Di, 22. Feb 2011 20:59

“Was denn? Ihr würdet mir nie ein Kompliment machen? Na, da muss ich mir wohl mehr Mühe geben.”, entgegnete sie lachend. Dieses Spielchen begann Yastara ehrlich zu amüsieren. Kurz dachte sie über die nächsten Worte des Elfs nach. Ehrlosen Mord hielt er für sicherer. Darüber hatte sie tatsächlich nie nachgedacht. Warum auch? Man hatte sie mit dieser Überzeugung erzogen. Ihre Lehrmeister hatten es ihr noch einmal eingebläut. Somit begleitete sie dieser Grundsatz schon ihr ganzes Leben lang. Aber konnte er recht haben? Vielleicht... “Vielleicht ist es sicherer, aber Sicherheit wird niemals über der Ehre stehen. Nicht für die Shíin, die ich kenne. Ehre und Stolz gehören zu den Dingen, für die es sich zu sterben lohnt, zumindest, wenn man mein Volk fragt.” Für Yastara gab es sogar nur drei Dinge, für die es sich zu sterben lohnte. Ehre, Stolz und ihr Bruder Yastur. Von Händlern und Durchreisenden hatte sie gehört, dass es Völker gab, für die solch “edle” Dinge wie Liebe auch dazu gehörten. Wohl vor allem die Menschen hatten eine Schwäche für die Liebe. Die junge Shíin selbst wusste nicht mal, ob sie zur Liebe überhaupt fähig war, mal abgesehen von der Liebe zu ihrem Bruder. Bisher hatte sie noch nicht geliebt. Mehr, als die rein körperliche Liebe hatte sie nie erlebt, da sie die Zuneigung für ihren Bruder nicht dazu zählte. Es gab einen Unterschied zwischen dem, was man für seine Geschwister empfand und dem, was man für einen, in ihrem Falle, Mann empfinden konnte.
Amüsiert hörte Tara, wie Thirak ihre Fähigkeit mit Magie verglich und ein weiteres Lachen entkam ihrer Kehle, als sie seinen weiteren Worten folgte. “Was glaubt Ihr denn, könnte man mit dieser Fähigkeit so alles anstellen? Das würde mich nun ehrlich interessieren. Vielleicht sage ich Euch dann, was ich am liebsten damit anstelle.” Ein schelmischer Ausdruck trat in ihre Augen und sie beugte sich leicht über den Tisch. “Leider fürchte ich, dass Ihr niemals die Gelegenheit bekommt, mich dabei zu erwischen, es sei denn, ich will es so und warum sollte ich meine Deckung aufgeben wollen?” Ihr fielen da zwar schon ein, zwei Gelegenheiten ein, aber das würde sie für sich behalten.
Natürlich bemerkte sie die Blicke des Mannes und sie gefielen ihr. Die enge Bekleidung trug sie zwar in erster Linie, weil sie sich besser in Kleidung bewegen konnte, die sich wie eine zweite Haut anfühlten, jedoch war ein weiterer Nutzen, dass ihre männlichen Gegner sich doch ein ums andere Mal von ihren weiblichen Reizen ablenken ließen.
Als er die Worte zurück zum Proviant lenkte, lehnte sich die junge Frau entspannt auf ihrem Stuhl zurück, bevor sie über seine Frage nachdachte. “Siedlungen.... hm... Ich werde mich Richtung Norden bewegen und denke, dass ich ziemlich genau weiß, wo die größeren Dörfer liegen. Ich fürchte, ich habe keine guten Nachrichten. Es gibt das eine oder andere kleine Dorf auf dem Weg, jedoch sind dort vornehmlich Menschen angesiedelt und Menschen in so kleinen Verbänden sind wahnsinnig misstrauisch. Selten teilen sie das wenige, was sie haben mit Fremden. Es wäre besser, wenn Ihr Euch in der Jagd kleinerer Tiere versteht und nichts gegen den einen oder anderen Diebstahl habt. Dann kommt man ganz gut durch diese Gegend, ohne einen ganzen Karren Proviant mit sich führen zu müssen.” Zumindest reichte es für sie, die keine besonders gute Esserin war. “Ja, ich hab vor, morgen früh schon weiterzureisen. Wenn ich den Wirt ärgern möchte, dann schon vor Sonnenaufgang.” Wie verlockend dieser Gedanke doch war...
So, er wollte den Abend also nutzen? Diese Bemerkung rang ihr ein Schmunzeln ab, doch als sie sah, wie Thirak mit den Augenbrauen wackelte, was sehr komisch anmutete, musste sie dann doch wieder Lachen. “Ihr wollt es also wirklich wagen und eine Shíin herausfordern?” Oh ja, dieses Spielchen würde Tara noch mehr Spaß machen. Dass sich die Leute angeblich nicht ängstigten, glaubte sie Shíin nicht wirklich. Vielleicht zeigten sie es nicht offen, aber soweit sie wusste, eilte der Ruf ihres Volkes als Mörder, Diebe und Söldner ihnen weit voraus. Als sie das amüsierte Funkeln in den Augen ihres Gegenübers bemerkte, lehnte sie sich wieder verschwörerisch über den Tisch. “Wenn ich will, kann ich dafür sorgen, dass man jede Nacht von mir träumt und ich allein entscheide, welcher Art diese Träume sind. Den Meisten beschere ich die schrecklichsten Alpträume. Nur selten entscheide ich mich für die lieblichen und süßen Träume.” Ein fast lautloses Lachen entrann perlend ihren Lippen.
Einen letzten Blick ließ sie durch den Raum schweifen. “Nun, dann werde ich Euch jetzt vorerst verlassen. Ich freue mich schon auf den Kampf mit Euch. Ruht Euch gut aus, Ihr werdet Eure Kräfte brauchen.” , feixte Yastara, als sie sich erhob und in einer eleganten Bewegung ihrem Umhang um ihre Schultern legte.

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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Thirak » Fr, 04. Mär 2011 9:18

Zur Antwort auf die Komplimentsache grinste Thirak nur vielsagend. Das würde vielleicht noch recht lustig werden - zumindest für diesen Abend, da sie morgen schließlich aufbrechen wollte. Nun ja, man würde sehen. Die andere Geschichte war da schon etwas heikler. Dinge, für die es sich zu sterben lohnte... Natürlich, die gab es, auch für Thirak. Auch, wenn diese Dinge sich vielleicht grundlegend von jenen unterschieden, welche die Shíin im Allgemeinen oder Yastara im Besonderen als wert dafür zu sterben betrachteten. Thirak fuhr mit dem Zeigefinger um den Rand seines Weinbechers und sann darüber nach, für was es bereit war zu sterben. Seine Familie, ganz klar. Auch wenn seine Mutter sich wohl eher umbringen würde als ihren Sohn sterbend zu wissen, doch das stand auf einem gänzlich anderen Blatt. Für sein Volk... War Thirak wahrhaftig bereit, für sein Volk zu sterben? Seine Stirn legte sich in Falten, als er sich das fragte. Ein Mann sollte so viel Ehrgefühl haben, für sein Volk zu sterben. Doch wenn er ehrlich war, dann betraf diese Bereitschaft nur einige - sehr! - wenige seines Volkes. Freunde hatte er nie viele gehabt, doch wenn, dann waren dies tiefe Freundschaften gewesen die Freunde betrafen, für die er tatsächlich sterben würde. Und Ehre und Stolz? Thirak besaß beides in gewissem Maße, doch für ihn käme es wohl immer auch auf die Situation an, ob er sich opfern würde oder nicht. Für ihn wäre es nicht feige, vor einer Übermacht in Deckung zu gehen; im Gegenteil, es bewies Scharfsinn und Weitsicht, und später konnte man immer noch aus dem Verborgenen agieren und damit unter seinen Feinden zu wüten. Hier unterschieden sich die Dunkelelfen wohl von den Shíin. Thirak hob den Blick wieder und betrachtete Yastara, um diese kreiselnden Gedanken fortzuwischen und sich von eben jenen Gedanken abzulenken. Es gelang erstaunlich gut, zumal Yastara auf dasm tänzelnde Geplänkel einging, das er eingeleitet hatte. Thirak bleckte die Zähne zu einem kurzen Grinsen, bei dem er den Kopf in Schräglage brachte. „Arme. unschuldige Reisende überfallen, beispielsweise", entgegnete er zweideutig auf ihre Frage und blickte sie unverblümt an. Ein Herzschlag verstrich, dann löste er seinen Blick von ihrem und fuhr fort: „Nicht auszumalen, was dabei an Gewinn zusammenkommen könnte. Auch wenn ich mir denke, dass Ihr so etwas niemals tun würdet." Thiraks Lippen kräuselten sich zu einem feinen Schmunzeln. „Ah, so ist das. Verstehe. Dann bleibt mir natürlich nur die Frage, ob das mein Glück ist oder ob ich Pech habe." Er verbarg sein Grinsen hinter dem Weinbecher, trank den letzten Rest daraus und stellte ihn dann mit einem leisen Klacken zurück auf den Tisch.

Thiraks Brauen zogen sich ein wenig zusammen, während Yastara fortfuhr. Das, was sie umschrieb, klang nicht sehr rosig - zumal er mit seine zwei Katanas und einem Dolch wohl kaum gescheit etwas zu essen fangen konnte. Er fragte sich, wie Yastara das bewerkstelligte. Ob sie vielleicht einen Bogen hatte oder eine geschickte Fallenstellerin war? Mit letzterem konnte er so gar nicht dienen, und einen Bogen besaß er nicht. Einige Male hatte er zwar geschossen, aber wenn er ehrlich war, war es keine große Kunst gewesen, ein sich nicht bewegendes Ziel von der gefühlten Größe eines Wals zu treffen. Thiraks Gesichtsausdruck fiel darob etwas reserviert aus. Keine Dörfer bedeuteten kein Fleisch. Er hatte wenig Lust, sich über Wochen hinweg nur von Himbeeren und irgendwelchem Grünzeugs zu ernähren. „Klingt mies", bemerkte er. Diebstahl...er bezweifelte, dass er dafür geeignet war - und abgesehen davon, wen sollte er bestehlen, wenn es kaum Siedlungen gab? Thirak beschloss, sich darüber später Gedanken zu machen.

„Jawohl. Es wäre mir eine Ehre und Freude zugleich", erwiderte er grinsend auf ihre ungläubige Frage. „Wenn es Euch nicht vor ein unlösbares Hindernis stellt, heißt das", trug er ein wenig übertreibend auf und neigte den Kopf. Wie sich ihre Lippen amüsiert kräuselten, gefiel ihm. Später würden ihm vermutlich die Mundwinkel weh tun, weil er ein Dauergrinsen auf dem Gesicht zu haben schien. „Ah, ich verstehe. Wir sollten dann vielleicht einen Preis für den Gewinner aushandeln. Oder noch besser - der Gewinner darf im Nachgang seine Belohnung fordern, wie wäre es damit?" Thiraks Brauen wackelten herausfordernd. Yastara erhob sich indes, und auch Thirak stadnd auf. Anmutig schmiegte sich der Stoff des Umhangs nun wieder um ihre Schultern, nachdem er vormals ihm so gut gedient hatte. Thirak deutete eine Verbeugung an. „Das werde ich. Dann sehen wir uns heute Abend. Ich werde schon einmal überlegen, was ich forden könnte, wenn ich gewonnen habe." Thirak lächelte. „Yastara." Zum Abschied neigte er den Kopf, dann begab er sich zum Wirt, um nach einem Zimmer zu fragen.

Zwei gute Kerzen später war Thirak fertig mit den paar Dehnübungen, die er in seiner kargen Kammer absolviert hatte. Er fühlte sich ausgeruht und geschmeidig; und er hatte große Lust, sich mit Yastara zu messen. Zwar ahnte er, dass ein Sieg kein leichtes Unterfangen werden würde, doch ging er unvoreingenommen in diesen Waffengang. Mit seinen Katanas in den Händen stieg er die schmale Treppe in den Schankraum hinunter, sah sich kurz um und entdeckte keine Shíin. Also durchquerte er den Gastraum und trat hinaus in das Abendlicht. Einige wenige Blicke wandten sich ihm zu, doch nur wenige musterten ihn neugierig, die meisten sahen recht bald wieder fort. Yastara war nicht zu sehen, also beschloss Thirak, auf sie zu warten. Er legte die Schwerter auf den Boden und lehnte sich neben ihnen an die Hauswand, einen Fuß angewinkelt, die Arme locker verschränkt, und wartete.
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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Yastara » Mo, 07. Mär 2011 17:30

”Arme, unschuldige Reisende überfallen? Wie langweilig und einfallslos. Das könnte ich auch am Tag. Dafür brauche ich nicht den Schutz der Dunkelheit. Nein, es ist auch meist recht uninteressant für mich. Die einzige Ausnahme mache ich für etwas essbares, solange ich auf Reisen bin. Aber es macht sehr viel Spaß arme, unschuldige Reisende zu erschrecken. Vor allem, wenn es sich um Menschen handelt.” Ein Glitzern trat in Yastaras Augen das man deuten konnte, wie man wollte. Tatsächlich war sie auf ihrem Weg einer kleinen Reisegruppe begegnet. Die Menschen schienen zu wissen, wie gefährlich nahe sie am Hoheitsgebiet der Shíin waren, denn sie bewegten sich nur äußerst misstrauisch und ängstlich fort. In der Nacht kauerten sie um ein kleines Feuer und hielten abwechselnd Wache. Zwei Tage lang beobachtete sie die Gruppe, bis sie sich eines nachts an die eingeschlafene Wache anschlich. Es hatte irgendwie Spaß gemacht Nacht für Nacht die verschiedensten Dinge in Unordnung zu bringen und sich an der wachsenden Angst der Menschen zu erfreuen. An und für sich war die junge Shíin keine Sadistin, aber wenn es um dieses verhasste Volk ging, sah sie so manche Dinge anders. Doch irgendwann hatte auch dieser Spaß seinen Reiz verloren, also hatte die Reisenden in Ruhe gelassen. Natürlich nicht, ohne noch eine Abschlussvorstellung zu geben. Yastara hatte sich einfach des Nachts an das Lagerfeuer gesetzt, während die Wache mal wieder schlief. Mehr nicht. Als die Leute aufwachten gab es einen hübschen kleinen, panischen Aufruhr. Was für eine Erinnerung.

“Ein unlösbares Hindernis?” Sie konnte nicht anders, als zu lachen. “Oh ja, meine Knie schlottern jetzt schon bei dem Gedanken daran gegen Euch kämpfen zu müssen. Eigentlich kämpfe ich ja nicht für Belohnungen, aber vielleicht mache ich bei Euch mal eine Ausnahme. Ich brauche noch jemanden, der mir das Abendessen bezahlt.” Mit einem schiefen Lächeln im Gesicht verschwand sie.
Die Blicke mit denen man sie bedachte waren ziemlich unterschiedlich, doch immer sprachen sie von einer natürlichen Vorsicht. Yastara störte sich jedoch nicht daran. Hier und da erstand sie ein Laib Brot, Trockenfleisch und ein paar Früchte. Aus dem Augenwinkel bemerkte sie einen kleinen Jungen, der sie heimlich beobachtete. Mit einem leichten Lächeln in den Mundwinkeln verfolgte ihre Aufmerksamkeit immer das Kind. Als der Junge wieder mal die Verfolgung aufgenommen hatte und eifrig hinter ihr her lief, blieb die junge Frau unvermittelt stehen. Er lief geradewegs auf sie auf, prallte zurück und wäre fast mit dem Hosenboden im Staub gelandet, hätte sie nicht blitzschnell nach seinem Arm gegriffen. Mit großen Augen starrte er sie erschrocken an. Lachend stellte sie ihn auf die Füße und hockte sich vor ihm hin. “Na, Kleiner. Du solltest ein bisschen besser aufpassen.” Der Schreck verschwand aus den Augen des Kindes, nur Faszination blieb. Er traute sich nicht auch nur ein einziges Wort zu sprechen. Mit fragendem und neugierigem Blick musterte er sie eingehend. Schließlich hob er ganz langsam eine Hand und berührte vorsichtig ihre violette Haut. Zunächst war Tara von dieser Geste verwundert, bis sie endlich verstand. Das Kind hatte noch nie einen Shíin gesehen. Wäre sie an seiner Stelle gewesen, hätte sie wahrscheinlich das gleiche getan. Irgendwas rührte sie an dieser Berührung und sie wurde auf seltsame Weise an ihren Bruder erinnert. Ihr Herz wurde schwer, als sie daran denken musste, wie sehr sie ihn vermisste. Aber schließlich hatte sie sich auf diese Reise gemacht, um ihn wiederzufinden und sie war optimistisch, dass sie ihn finden würde.

Die Sonne sank langsam gen Horizont. Es wurde Zeit in die Taverne zurück zukehren. Sicherlich würde Thirak bald auf sie warten. Und richtig, als sie in Sichtweite kam brauchte sie nicht lange zu suchen, bis sie den Dunkelelfen fand. Im Gegenteil, man konnte ihn gar nicht verfehlen. Mit gespielter Verwunderung sah sich Yastara um, als sie sich ihm näherte. “Was denn, Ihr habt Euch noch kein Grab geschaufelt? Muss ich dann davon ausgehen, dass Ihr kneift? Oder seit Ihr bereit zu verlieren?” Provokant dicht vor ihm blieb sie stehen und entledigte sich ihres Umhangs.

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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Thirak » Do, 10. Mär 2011 11:28

Während Thirak so dastand und an der Wand lehnte, dachte er an die Worte, die Yastara zuvor geäußert hatte. Tjaja, er würde ganz gern mal ihre Knie sehen, ob sie nun schlottern würden oder nicht. Thirak grinste versonnen, als er sich die Shíin im kurzen Rock vorstellte - als jene auch schon um die Ecke kam. Bedauerlicherweise ohne Rock. Er stieß sich von der Wand ab und grinste sie breit an. „Ich habe das Eure hinter dem Haus geschaufelt", erwiderte er äußerst galant und mit einer angedeuteten Verbeugung. „Hattet Ihr einen angenehmen Nachmittag?" erkundigte er sich freundlich, während er sie musterte. Die bald untergehende Sonne ließ ihr helles Haar wie von einer Corona umgeben strahlen; um ein Haar wäre sie als eine jener unnahbaren Lyr durchgegangen, die weit im Westen lebten und von deren leuchtender Schönheit allenthalben berichtet wurde. Thirka indes sparte sich ein weiteres Kompliment und behielt es für sich. Stattdessen hob er lediglich die Katanas etwas an und veränderte deren Winkel, sodass sie ihn kampfbereit erschienen ließen. „Ich würde sagen, wir beginnen? Sonst zieht sich die Entscheidung zu meinen Gunsten womöglich bis Mitternacht hin. Es wäre doch schade, wenn Ihr mir so spät mein Abendessen ausgeben müsstet, wo Ihr doch frühmorgens von dannen ziehen wollt." Thiraks Blick funkelte verschmitzt, als er sie ansah und dabei ein paar Schritt zur Seite ging. Es würde einiges an Beherrschung des Geistes erfordern, schnell genug die Klingen so zu drehen, dass sie Yastara nicht verletzten, sondern mit der Breitseite trafen. Thirak war sich dessen bewusst.

„Beginnen wir also, Yastara Schattenschritt!" forderte er sie auf. Langsam und lauernd setzte er einen Fuß über den anderen, bewegte er sich seitwärts und suchte eine gute Gelegenheit abzupassen, vorzustoßen. Sie ergab sich albsbald, und Thirak deutete eine beidhändige rechte Finte an, um die linke Schwerthand im letzten Augenblick herumzureißen und die breite Seite seines Katanas auf Yastaras wohlproportioniertes Gesäß schnalzen zu lassen. Er hatte damit gerechnet, dass ihm das nicht gelingen würde, doch es klatschte verhalten, als das Metall auf ihre Kleidung traf. „Hah!" Thirak brachte dieser erste - einfache! - Treffer für den Bruchteil einer Sekunde derart aus der Reihe, dass er irritiert blinzelte und Yastara damit eine Gelegenheit zum Kontern gab. Schnell duckte er sich und wollte sich mit Ausfallschritt und einer geschwinden Schulterdrehung nach rechts aus der Reichweite ihrer Katanas bringen, da piekte ihn etwas in den linken Oberschenkel, und als er an sich hinunter sah, erkannte er, dass das Pieksen von der Spitze eines Katanas herrührte. „Verflixt", bemerkte er, nicht ohne eine gewisse Anerkennung in der Stimme. Dann löste er sich mit einigen Rückwärtsschritten und taxierte Yastara erneut...
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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Yastara » Do, 10. Mär 2011 16:14

“Das meine? Wie schade, dass die ganze Arbeit völlig umsonst gewesen ist. Vielleicht habe ich ja Glück und Ihr passt hinein, wenn ich mit Euch fertig bin.” Yastara mochte die überhebliche Art des Dunkelelfen und sie mochte auch das kleine Wortgefecht zwischen ihnen. “Mein Nachmittag war bei weitem nicht so angenehm, wie es mein Abend sein wird, wenn Ihr erstmal besiegt seit.” Leise lachte sie, weil er glaubte, die Nachtstunden wären ein Vorteil für ihn. Sie persönlich hätte nichts gegen einen Kampf in der Dunkelheit, denn so würde sie um einiges besser sehen können, als mit der tief stehenden Sonne in ihrem Gesicht. Die Shíin konnte den Kampf gar nicht mehr erwarten. Die Neugier grub sich in ihr Herz. Äußerlich waren sie beide so verschieden. Seine Haut hell, ihre dunkel. Seine Augen strahlend blau, ihre strahlend grün. Sein Haar tiefschwarz, ihres leuchtend weiß. Wie sehr würde sich wohl ihr Kampfstil voneinander unterscheiden?
Hätte die junge Frau gewusst, dass sich Thirak Gedanken darum machte, sie nicht zu verletzen, hätte sie sicherlich gelacht. Das einzige, worauf sie achten würde war, ihn nicht zu töten oder schwerer zu verletzen. Kleinere Schnittwunden und Kratzer gehörten für sie mit zu einem Übungskampf dazu.
Langsam löste sie ihre Katana von ihrem Gürtel und wandte sich nach Thirak um, der einige Schritte zur Seite gemacht hatte. Ehe sie richtig bereit war, griff der Elf auch schon an. Dass sie sich besser konzentrieren sollte, merkte sie deutlich, als sie sein Katana auf ihrem Hinterteil spürte. Das war deutlich. Ein leises Knurren entrann ihrer Kehle. Zum Glück schien sein Treffer Thirak abzulenken, weswegen sie kontern konnte. Sein Ausweichmanöver konnte ihn nicht retten. Nach einer leichten Rechtsdrehung fand die Spitze ihres Katana sein Bein. Sofort sprang sie außer Reichweite und war bereit einen Konter seinerseits abzufangen. Doch er kam erstmal nicht. Also griff sie an. Ein Scheinangriff von links, nur um im letzten Moment mit einem Sprung von rechts mit beiden Katana auf seine Schulter zu zielen. Die volle Wucht ihres Angriffs wurde jedoch von einem seiner Katana gestoppt. Einen Moment lächelte sie ihn bösartig an, bevor sie wieder zurück sprang. Ohne zu zögern griff sie gleich wieder an. Diesmal von links. Yastara bremste erst ab, als die Schneide weniger als einen Fingerbreit von seiner Kehle entfernt war. Anscheinend hatte sie ihn unterschätzt, denn sein Katana befand sich in derselben Position vor ihrer Kehle. “Na gut, Ihr seit besser, als ich dachte. Dann werde ich andere Saiten aufziehen müssen. Bis jetzt habe ich nur gespielt.” Etwas böses blitzte in ihren Augen auf, gemischt mit einer Menge Freude. Der nächste Stoß folgte direkt und sie setzte die Spitze ihrer Waffe auf die Stelle über seinem Herzen, nur um von einem Konter in die Passivität gedrängt zu werden. Die Shíin wehrte einen Schlag von rechts ab, doch von links kam ein unerwarteter Schlag, dem sich nur knapp ausweichen konnte. Eine kleine Schnittwunde zeichnete nun ihren linken Unterarm.
Lauernd ging sie auf Abstand zu Thirak.

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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Thirak » Fr, 11. Mär 2011 14:58

Kurz war vor Thiraks Innerem Auge ein Bild entstanden, bei dem er mit verdrehten und angewinkelten Glieder in ein Loch im Boden gepresst wurde. Gerade noch so konnte er ein Grinsen unterdrücken und erwiderte - bis auf das kurze Heben seiner Brauen - nichts. Der Tag kam vor dem Abend! Dass es schon Abend war, ließ er dabei getrost außer acht.

Im Übungskampf selbst war Thirak konzentriert. Er fühlte sich leicht und locker, und es machte zudem noch Spaß, sich spielerisch mit Yastara zu messen. Thirak war kein schlechter Kämpfer; er weilte schließlich seit sechzig Jahren auf dieser Welt und hatte sich früh für das Katana entschieden. Dementsprechend waren seine Bewegungen geschmeidig, seine Finten raffiniert und seine Vorstöße gut platziert. Er wähnte sich allein schon aufgrund seiner Jahre im Vorteil, musste jedoch schnell einsehen, dass Yastara den Waffentanz nicht minder präzise beherrschte. Darüber hinaus gelang es ihr, sich äußerst anmutig zu bewegen. Thriak zollte ihr unwillkürlich Respekt und fragte sich zum ersten Mal, seitdem sie miteinander Bekanntschaft gemacht hatten, wie alt die Shíin wohl sein mochte.

Yastara zog sich zurück und nahm tatsächlich einen winzigen Tropfen Blut mit sich. Thirak blickte an sich hinab und entdeckte den feinen Riss in der geschenkten Hose, den Yastaras Katana hinterlassen hatte. „Ein Jammer", bemerkte er trocken und schnaufte gespielt verstimmt. Dann rollte er seine Schultern, während Yastara gewandt zurück sprang und ihn erneut taxierte. Sie schwieg, sah man von dem Knurren einmal ab, das zuvor aus ihrer Kehle gedrungen war. Thirak grinste sie an und trat zwei Schritte zurück. Diesmal würde er warten, bis sie angriff. Eben hatte sie schließlich nur auf seinen Angriff gekontert, nun wollte er einmal sehen, wie sie ihren Angriff einleitete. Der Dunkelelf musste nicht lange warten. Er hatte nicht ganz drei Seitwärtsschritte getan, da stürzte sie ihm regelrecht mit wirbelnden Klingen entgegen. Thirak riss den Arm hoch und keuchte leise auf, als dicht vor ihm um ein Haar Funken gesprungen wären. Yastara stand ihm ganz nah. Um ein Haar hätte er die Gelgenheit ohne zu denken genutzt, ihr eine Hand in den Rücken gelegt und sie dicht an sich heran gezogen - er war eben auch nur ein Mann. Doch erneut war die Shíin schneller. Sie funkelte ihn räuberisch an, unterbrach den Kontakt zwischen ihren Klingen und wirbelte herum. Wenn Thirak nicht aufgepasst und dieses Spiel blutiger Ernst gewesen wäre, hätte sie ihn töten können. So aber riss er erneut sehr spät den - anderen - Arm nach oben und schlug ihr Katana mit dem seinen beiseite. Gleichzeitig setzte er ihr nach; der Bergelf legte Kraft in einen Stoß, der Yastara einen Ausfallschritt machen ließ, um sich zu fangen. Dann hieb er mit rechts nach, ohne zu treffen, und setzte daher linksseitig sofort nach. Die Spitze der Klinge ritzte die violette Haut der Shíin und Thirak grinste wölfisch. „Ein Spiel, das Spaß macht", bemerkte er und griff damit ihre vorangegangene Aussage wieder auf.

Yastara zog sich nun etwas zurück, und auch Thirak vergrößerte den Abstand. Erst jetzt riskierte er einen Blick, um die Umgebung warhzunehmen. Der ein oder andere Dorfbewohner war stehen geblieben um zu glotzen, und dort drüben am Brunnen tummelte sich eine kleine Schar schmutzstarrender Kinder, die gebannt zusahen. „Ihr seid schnell", räumte Thirak seiner Kontrahentin kopfneigend ein. Dann griff er abermals an. Er machte drei Schritte, die Yastara genügend Zeit zur Reaktion ließen, täuschte einen Stich zur rechten Schulter hin und schwang gleichzeitig das linke Katana in einer Aufwärtsbewegung hin zu ihrer Kniekehle. Sollte der Angriff nicht gelingen und er sie rechtsseitig genügend ablenken können, würde er sie vielleicht in der linken Kniekehle etwas kitzeln können, und wenn auch das nicht gelang, wollte er versuchen, ihr gemeinerweise einen Fuß dergestalt hinter ihren zu platzieren, dass sie womöglich zu Fall kommen mochte.
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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Yastara » Fr, 11. Mär 2011 23:22

Es machte ihm also Spaß... Nun gut, sollte er seinen Spaß bekommen. Yastara hatte nicht in den letzten Jahren so verbissen trainiert, um sich jetzt von einem Elf besiegen zu lassen. Das ließ ihr Stolz nicht zu. Der einzige, von dem es keine Schande sein würde zu verlieren, wäre ein Shíin, der älter war, als sie. Und es war lange her, dass man sie besiegt hatte. Einzig ihr Lehrmeister hatte es lange geschafft, im Kampf zu triumphieren. So hatte die junge Frau lernen müssen, dass Wut in einem Schwertkampf nichts zu suchen hatte. “Oh ja, ich bin schnell und besser als Ihr.” Es gab Männer, die sich durch kleine Neckereien entscheidend ablenken ließen. Einen Versuch war es immer wert. Langsam versank die Sonne am Horizont. Ein Ereignis das ihr sehr zu gute kam. Im Zwielicht konnte sie endlich wieder besser sehen. Eine Wohltat für die Augen. Ihre Sinne schärften sich allmählich und ihre Augen nahmen alles schärfer und genauer wahr. Ein Nachteil für Thirak, denn so erkannte sie seinen Plan genau. Es war, als würde sie alles viel langsamer wahrnehmen. Wie in Zeitlupe. Und ja, sie sah auch seinen Fuß. Um dem Katana auszuweichen das sich den Weg Richtung ihrer Kniekehle suchte, sprang sie blitzschnell mit angezogenen Beinen einen Satz zurück und parierte gleichzeitig das Katana welches sie vermutlich ablenken sollte. “Uh, das war hinterhältig.”, zischte Tara mit einem bösartigen Lächeln.
Die Leute, die den Kampf - teilweise misstrauisch - beobachteten, hatte sie schon von Anfang bemerkt. Aber sie kümmerte sich nicht darum. Warum auch? Mit einem schnellen Aufwärtsstreich schnitt sie dem Dunkelelfen quer über der Brust das Hemd auf. Die scharfe Klinge hinterließ eine hübsche rote Linie auf seiner Haut. “Ihr vernachlässigt Eure Deckung. Leider ist das hübsche Hemd nun hin.” Zufrieden, aber höchst aufmerksam wich sie ein Stück zurück und umrundete ihn lauernd. Es musste doch noch eine weitere Lücke in der Deckung geben. Geschickt ließ sie eines ihrer Katana in ihren Hand kreisen, bevor sie plötzlich vorpreschte. Die flache Seite ihres Katana traf garantiert schmerzhaft auf sein rechtes Handgelenk. Leider musste sie sich dabei seinem anderen Katana ausliefern. Der kleine Schnitt auf ihrer Schulter interessierte sie allerdings nicht. Als sie abbremste, stand sie bereits hinter ihm und wirbelte herum, um sich ihm nicht schutzlos auszuliefern. Die junge Shíin war gespannt, was Thirak nun tun würde. Er war gut, das musste sie ihm einräumen. Sie wusste nicht, wie alt er war, doch sie wusste, dass Elfen älter wurden, als ihr Volk. So konnte es gut sein, dass er um einiges älter sein könnte, als sie selbst. Dann hätte er einige Zeit mehr zum Training gehabt, falls er sich früh für die Katana entschieden hätte.

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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Thirak » Mi, 06. Apr 2011 11:34

Graziös sprang sie zurück und entging damit problemlos seiner - wie er geglaubt hatte - perfekten Irritation. Thirak zog eine Grimasse der Enttäuschung, zollte Yastara jedoch auch seinen Respekt. Sie schlug sein Katana zur Seite, und nun war es Thirak, der für einen kurzen Moment ungeschützt direkt vor ihr stand. Sie würde nur einen Streich platzieren müssen, der nicht einmal besonders genau gezielt sein würde, und... Tja. Ehe er seinerseits einen Satz zurück machen konnte, vollführte ihr Katana seinen Bogen und durchtrennte den Stoff seines geliehenen Hemdes, als sei es Pudding. Thirak sog zischen die Luft zwischen den Zähnen ein und ruckte zumindest noch mit dem Kopf zurück. Dann verzog er das Gesicht zu einer grimmigen Grimasse und sagte „Autsch." Gewandt brachte er sich vorerst außer Reichweite ihrer Katanas und rümpfte die Nase, als er an sich hinunter sah und einen geröteten Kratzer zwischen den Hemdteilen erspähte. „Ihr seid unmöglich", fand er im Anschluss, als er seine Schwerter abermals hob. Der Kratzer tat nicht besonders weh, genau genommen spürte er ihn derzeit nicht einmal.

Yastara hatte vorerst von ihm abgelassen, setzte nun aber einen Fuß über den anderen und umrundete ihn federnden Schrittes. Die Muskeln ihres Armes spannten sich, als sie die Klinge drohend kreisen ließ. Unverhofft - Thirak wollte soeben seinerseits losstürmen - machte sie einen Vorstoß in seine Richtung. Der Dunkelelf riss die Hand hoch. Was ein Fehler war, denn wo Klinge sonst auf Klinge getroffen wäre, prellte sie ihm nun sein Katana aus der Rechten. Thirak schüttelte die Hand mit verzogener Miene aus, vollführte jedoch gleichzeitig einen entsprechenden Gegenangriff: Quid pro quo! Blöderweise erwischte er sie nur noch an der Schulter und vergolt damit den Schnitt, den sie ihm zuvor zugefügt hatte. Yastara stürmte regelrecht außer Reichweite, und Thirak drehte sich eine Spur zu schwerfällig um seine eigene Achse. Dabei wechselte er das Katana von links nach rechts und duckte sich, da er einen augenblicklichen Angriff ihrerseits erwartete, doch der blieb aus und er büßte damit seinen sicheren Stand ein. Das ärgerte ihn, da sie die Gelegenheit sogleich ausnutzte. Doch Thirak gab auch jetzt nicht kampflos auf und tat ihr den Gefallen, nach dem Schubser zu Boden zu gehen wie ein nasser Mehlsack. Noch im Fall hakelte er seinen Fuß an ihrer Ferse ein und griff mit der Linken nach ihrem Oberteil. Sein Gewicht tat das Übrige, und, begleitet von einem höhnischen Ratschen ihres Stoffes, gingen sie beide zu Boden. Yastara traf schwer auf Thirak auf, dem zunächst ächzend die Luft aus den Lungen gepresst wurde, ehe er den Atem fand, etwas zu sagen. „Nicht - so stür - misch", presste er feixend hervor. Und dann, deutlich schadenfroh: „Meinen Glückwunsch." Der Kampf war vorüber. Ob Yastara nun gesiegt hatte oder keiner von ihnen beiden, blieb dahingestellt. Thirak jedenfalls, leicht verschwitzt und erhitzt, wie er war, genoss das Ende des Kampfes jedenfalls. Es hätte auch schlimmer für ihn ausgehen können.
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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Yastara » Mi, 06. Apr 2011 14:48

Der Kampf war vorbei, noch lange bevor sie es bemerkte. Yastara spürte einen leichten Druck in ihrer Ferse und einen Zug an dem Leder ihrer Korsage, woraufhin die Nähte bedrohlich krachten. Ehe sie sich versah, lag sie schon auf Thirak. Eine sehr verfängliche Position. Schwer atmend stützte sie sich links und rechts von ihm ab, ohne, dass sie ihre Katana losgelassen hätte. Die Shíin war sich nicht sicher, ob es nun ein Sieg oder eine Niederlage für sie gewesen war. Der Elf hatte sich immerhin selbst in diese Lage gebracht. “Ich und stürmisch? Das ist doch Euer Gebiet Herr der Winde.” Wie beiläufig wanderte ihre Hand nach hinten zu einem ihrer Dolche. Blitzschnell zog sie es aus der Scheide und hielt es Thirak an die Kehle. “Ihr habt Euch in eine sehr gefährliche Situation gebracht, Elf. Unterschätzt niemals die Bewaffnung einer Shíin.” Tara wartete, bis er sie losließ und richtete sich langsam auf. Seufzend sah sie hinab auf ihren Gegner und steckte den Dolch wieder weg, griff aber gleich danach wieder nach ihren Katana, um gänzlich aufzustehen. Schief lächelnd steckte sie ihre Waffen zurück in den Gürtel und hielt Thirak, um ihm aufzuhelfen.
“Nun, das war doch mal sehr interessant. Wer muss jetzt wen zum Abendessen einladen?” Misstrauisch sah sie sich in der Umgebung um. Ihr kleiner Übungskampf hatte wohl letztendlich doch einige Zuschauer angezogen. Verwirrt, ängstlich und auch ziemlich neugierig wurden sie angestarrt. Mit einer erhobenen Augenbraue sah die Shíin in die Runde. Sofort senkten sich die Blicke und die Leute wandten sich ab. Nebenbei hob sie ihren Umhang auf und klopfte den Staub aus dem Stoff. “Ich weiß ja nicht, wie es Euch geht. Aber ich könnte jetzt durchaus etwas von dem sauren Zeug vertragen das der Wirt als Wein bezeichnet.” Mit einem fragenden Blick über die Schulter sah sie zu dem Dunkelelfen hinter sich.

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Re: Eine Reise ins Ungewisse

Beitrag von Thirak » Fr, 15. Apr 2011 12:32

Thirak lachte auf, als sie auf seine Kenntnisse in der Luftmagie anspielte. Auf ihre Hand hatte er dabei nicht geachtet. Kaum, dass sie jene mit einem Dolch an seiner Kehle platzierte, verklang sein Lachen und er grinste sie nur noch belustigt an. Etwas klopfte gegen ihren Innenschenkel. „Und Ihr nicht die Entschlossenheit eines Bergelfen", erwiderte er und ließ Yastara Zeit zu realisieren, dass er sein kleines Alltagsmesser gezogen hatte, denn dessen Schneide war es gewesen, die gegen ihren Schenkel geklopft hatte. Thirak hatte sie derweil losgelassen, und Yastara richtete sich - nach Thiraks Geschmack - zu hastig auf. Sie verstaute ihren Dolch und griff, auf den Knien hockend, nach ihren Katanas. Thirak ließ den Moment verstreichen, betrachtete sie bei der Sortierung ihrer Waffen und Beäugte die Kratzer, die er ihr zugefügt hatte. Dann hielt sie ihm die Hand hin, und er ergriff sie. Schmunzelnd wandte er sich dann ihr zu. „Ich würde nun schrecklich gern 'Ihr' sagen, fürchte aber, dass ich damit nicht ganz durchkommen werde", entgegnete er ihr zur Essensfrage und zeigte die Zähne in einem räuberischen Grinsen. Suchend blickte er sich um, entdeckte seine Schwerter und nahm sie auf. Kurz musterte er sie, stellte jedoch keine Beschädigungen fest und schob sie beiläufig zurück in ihre Halterungen, während er sich bereits wieder Yastara zugewandt hatte. „Also...jeder seins?" schlug er vor, um Yastara nicht vor den Kopf zu stoßen.

Thirak folgte dem Blick der Shíin und wurde nun auch der Leute gewahr, die sich bemühten, sich unter Yastaras Blick rasch zu zerstreuen. Thirak seufzte zufrieden, fuhr sich unbewusst über den flachen Schnitt auf seiner teils entblößten Brust und zuckte dann mit den Schultern. „Was haltet Ihr davon, wenn wir hier draußen bleiben?" fragte er und wandte sich wieder Yastara zu, die ihn über die Schulter hinweg ansah. „Es wird ein recht lauer Abend, schätze ich. Vermutlich der letzte, ehe der Winter kommt." Zwar war es bereits später Herbst, doch Thirak gefiel die Vorstellung, nicht zwischen misstrauischen Einheimischen in einer nun gut gefüllten Taverne sitzen zu müssen. Der Dunkelelf musterte die violetthäutige Shíin. „Ihr kämpft gut", erkannte er an. In kurzer Entfernung schlüpften einige Männer in die Gaststube des kleinen Hofes. Die Dämmerung war nun vollends hereingebrochen, das letzte Licht der Sonne nicht mehr als ein schwaches Glimmen hinter dem Horizont. Ein fast runder Mond lugte hinter Wolkenfetzen hervor.
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