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Die wilde Jagd

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Die wilde Jagd

Beitrag von Qimmiq » So, 08. Dez 2019 12:24

Nachdenklich hockte die alte Nanna über dem Kalenderstab, den sie ihrerseits von ihrer Nanna vor einem halben Lebensalter überreicht bekommen hatte. Da waren die Symbole der sieben am Firmament sich bewegenden Wandelsterne, nach denen die Tage der Woche benannt worden waren: Da war der Enaya-Tag, benannt nach der Sonne, dem hellsten, wie alles Leben spendenden Wandelstern und an dem alle den Göttern zu ehren ruhten. Da war der Schakals-Tag, benannt nach dessen rotem sich über den Sternenhimmel bewegendes stets waches Auge. Da war der Hundstag, der dem dem treuesten Wächter des Menschen geweihte Hundsstern huldigte. Da war der Tag des Bockshorns, der die Jäger daran gemahnte, die Beute zu ehren, welche die Familien das Jahr über mit dem lebensnotwendigen Fleisch versorgte und dessen Stern zu dieser so wichtigen Zeit das nahende Ende der Entbehrungen ankündigen sollte. Da war der Tag der Grauhenne, der jener zu allen Zeiten Fleisch wie Eier spendenden Versorgerin und Muttergestalt zu Ehren gleichfalls einem der Wandelsterne dessen Namen gab. Da war der Crainah-Tag, der dem Geweih tragendem Gott und Herrn der Tiere und Pflanze Ehre bezeugte. Und auch Einanras Tag fehlte nicht, , benannt nach dem Mond und treuen Gefährten Enayas der mit seiner Laterne allmonatlich über das Firmament zog, ehe er während dreier Tage das Öl darin nachfüllen musste, damit ihr Licht wieder langsam erstarken und erneut Leben spenden konnte. Da waren die 12 Monate, benannt nach dem Kreis der Götter. Da waren die namenlosen Tage zwischen den Jahren, die niemandem geweiht waren und der die Geister umgingen und all jene Unvorsichtige, die ihren Weg kreuzten mit sich zur ewigen Jagd fort rissen.

„Es fehlt nichts!“ wisperte Nanna die Ihren eigenen Kalenderstab mit jenem der Altvorderen verglich, der – eigentlich doch nur zur Nacht der Wintersonnenwende hervorgeholt und gezeigt wurde und den Rest des Jahres wie ein wertvoller Schatz vor aller Augen gehütet wurde. „Jara hätte gestern, zur Nacht des Bockshorns den Aufgang des Wintersternes über der östlichen Wetterspitze signalisieren müssen, spätestens heute aber. Eine der Frauen im Hintergrund brach ob dieser Feststellung in Trennen aus und zusammen. „Mein Sohn, mein Sohn! Was ist mit Jara, was?“ Die umstehenden Frauen trösteten die verzweifelte Mutter, die – wie alle – wusste, das niemand von seinem Blut ihm bei dieser seiner Mannbarkeitsprobe helfen durfte, sollte er nicht den Rest seines Lebens aus dem Kreis der Männer und Jäger ausgeschlossen werden.

„Der Aufgang des Wintersternes über der Wetterspitze versichert uns nur, des Beginns der namenlosen Tage. Es ist noch nichts verloren. Wenn Jara es bis zum Neujahrsfest zu uns zurück schafft, steht uns noch immer ein Jahr der Freue voraus.“ Doch der junge Mann und angehende Jäger war der vielversprechendste aus dem Kreis der jungen Männer. Darum war ihm die Ehre zugedacht, zum Aufgang des Wintersternes über der Wetterspitze in das alte Widderhorn zu blasen und der wilden Jagd trotzend, wieder heil und unversehrt in das Dorf zurückzukehren. „Und der Fremde? Der sich selbst Hund heißende Reisende, der auf der Suche nach Antworten die Weisheiten unserer Nanna und der Sterne, sowie den Rat der Götter sucht? Er ist nicht von unserem, nicht von Jaras Blut! Was, wenn im Zeichen des Sternes, dessen Namen er trägt gesandt wurde, was…“ – „Er ist blind, Frau! Was denkst du kann ein Blinder schon ausrichten?“, fiel eine der anderen Frauen dem verzweifelten Einwand der Mutter ins Wort. „Qimmiq ist blind wie eine Fledermaus zur Mittagsstunde!“ Wenn die Götter wollten, das wer einschritte, denkst du nicht, sie würden wen fähigeren schicken, als einen von Selbstmitleid zerfressenen blinden… was auch immer er ist?“
„Wenn mir das Antwort auf meine brennenden Fragen gibt, dann werde ich mich auch eurer Geisterjagd stellen und wenn ihr glaubt, das die Götter keinen Blinden schicken würden, dann seht her!“ Unbemerkt von den versammelten Frauen, hatte sich Qimmiq mit einem Stock vorsichtig voran getastet. Als er dann in der Hütte seinen Namen hatte rufen hören, war er eingetreten und stand nun vor dem Dorfrat. Die vormals glatten bräunlich schimmernden am Hals wie einer Wange sichtbaren Tätowierungen , Vernarbungen, oder was auch immer sie sonst darstellen mochten, waren nunmehr von unzähligen Rissen durchzogen und noch während Qimmiq sich vorsichtig weiter hin zu dem Kreis der Frauen vorwärts tastete, fielen hier und da Krumen dessen ab und zu Boden um darunter frisches glattes und feucht schimmerndes neues Gewebe erkennen zu lassen, derweil zugleich auch eine Art Wundflüssigkit aus den Rissen der Vernarbungen ihm in die Kleidung sickerte. Am Verstörendsten waren aber die milchig-weißen, von Kratzspuren übersäten blinden beiden Augäpfel, die wie lidlos ins Nichts hinein starrten. Gerade als sich mehrere der anwesenden Frauen beschweren wollten, was ein Mann im Kreis des Rates dieser Enshandri-Enklave verloren hätte, hob dieser, nun endgültig stehen bleibend, wie den Stock achtlos fallen lassend, seine beiden Hände zu Gesicht, um mit einem „Das wird jetzt gleich vermutlich ein wenig schmerzhaft werden!“ mit nach dem wie toten linken Auge zu greifen und es mit einem schmatzenden Geräusch – und einem lauten Schmerzensschrei – heraus zu reißen und vor sich auf den Boden zu werfen.

Totenstille herrschte in dem, von einem in dessen Mitte brennenden Feuer beschienenen, Raum. Alle Blicke richteten sich auf das … Etwas, das vor Qimmiq Füßen kreiselnd langsam zur Ruhe kam und mitnichten eine Auge indes war. Nannas auserkorene Nachfolgerin wagte sich schließlich vor, beugte sich herunter und hob schließlich auf, was sie zu aller erst für ein Auge doch gehalten hatte, das sich jetzt aber als chitinige milchige Halbschale nur erwies. Als Qimmiq, die schlimmsten Schmerzen hinter sich hatte, senkte er die Hände. Wo vormals, anstelle eines linken Augen, nur jenes milchige lidlose Halbrund in Melandriels Hand blind in die Welt gestarrt hatte, sah man nun ein normales Auge, Tränen, Blut und ein kräftig blinzelndes Augenlid. „Es schmerzt weniger, wenn ich warte, bis es sich von selbst löst. Aber was ich hier gerade erzwungen habe, wird auch mit meinem anderen Auge geschehen.“ Angewidert schmiss Melandriel das Stück Chitin, das bis eben noch Qimmiqs Auge bedeckt hatte ins Feuer, aus welchem beinahe augenblicklich der Geruch verbrannten Haars aufstieg. „Ihr sagtet gerade das der Hundegott keinen blinden Namensvetter zur Rettung eines der Euren schicken würde? Sagt, wie steht es dann mit einem einäugigen Mann namens Hund?“
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Re: Die wilde Jagd

Beitrag von She'sejia » Mo, 09. Dez 2019 14:30

Schon mehrere Wochen war She’sejia unterwegs und langsam aber sicher begann sie an ihrer zugegeben etwas überstürzten Entscheidung, den fremden Steppenreiter zu verfolgen, zu zweifeln. Wobei der Steppenreiter, sollte ihre Vermutung richtig sein, keineswegs ein Fremder war. Doch der Gedanke, dass es ihre Fieberträume gewesen waren, die ihr Jerrans Gesicht vor Augen geführt hatten, wurde immer stärker.
Nachdem sie und Kékulé von den Steppenreitern gerettet wurden, war sie ein paar Tage kaum bei Bewusstsein gewesen. Ihre Wunde hatte sich entzündet und obwohl die Schamanin des Stammes sie hatte heilen können, hatte She’sejia mehrere Tage im Bett verbracht. Während dieser Tage meinte sie, in einem ihrer wenigen, verschwommenen wachen Momente, ein bekanntes Gesicht gesehen zu haben. Es hatte sich so stark in ihre Gedanken gebrannt, dass sie nach ihm suchte, sobald sie wach und wieder auf den Beinen war. Sie würde ihn immer erkennen, selbst mit Bart und Narben, die sie nicht kannte, und obwohl er als Mensch in den Jahren weit mehr gealtert war als sie.
Doch sie hatte ihn nicht gefunden und niemand kannte jemanden, der Jerran hieß. Es sei zwar vor mehreren Jahren ein Fremder zu ihnen gestoßen, doch vor ein paar Tagen habe er sie unerwartet verlassen und sei nach Westen gezogen. She’sejia, die sein Gesicht, anders und doch so vertraut, noch deutlich in Erinnerung hatte, war sich sicher, dass dies Jerran war. Sie verließ ihre neuen Gefährten und folgte Jerran nach Westen.


Die Steppenreiter hatten ihr all ihre Habseligkeiten – und wichtiger noch: Anion – wiedergegeben und so hetzte sie nach Westen. In Massaq, wo sie den Großen Strom überquerte, berichteten ihr die Menschen von einem Beraij in Steppenreiter-Kleidung, der ins Gebirge im Nordwesten gezogen war. Sie folgte ihm ins Sharzíkad-Gebirge und mit jedem kleinen Dorf, durch das sie ritt, kam sie ihm näher. Doch dann, als er ihr nur noch einen Tag voraus war, verlor sie seine Spur. Sie war nun im nordwestlichen Teil des Gebirges, der sehr dünn besiedelt war, und begann an ihrem Vorhaben zu zweifeln. Sie konnte es immer weniger verstehen, warum sie ihm gefolgt war und was sie tun wollte, wenn sie ihn tatsächlich einholte. Was, wenn es gar nicht Jerran war? Dann war sie ganz umsonst in diese Ecke der Welt gekommen. Und was, wenn er es tatsächlich war? Was wollte sie dann tun? Sich an ihm rächen? Sollte sie eine Kompensation oder Entschuldigung verlangen? Sich selbst beweisen, dass er sie nicht mehr so manipulieren und verführen konnte? Ihn töten? Nichts tun? Sie hatte Kékulé und Mira verlassen, um diesem Mann zu folgen. Obwohl sie wenig mit Kékulé gesprochen hatte und die beiden kaum kannte, hatte sie das Gefühl gehabt, dass sie vielleicht gute Freunde werden könnten. Sie hatte oft sich selbst in Kékulé gesehen und sie als Kriegerin respektiert. Wofür hatte sie die beiden nun verlassen?
Da saß sie nun, bemüht ihren Körper von der kalten Nacht zu erwärmen und unsicher, in welche Richtung sie sich wenden sollte. Sie musste aber spätestens zum Abend im nächsten Dorf sein. Einerseits, um sich wärmere Kleidung für die kalten Nächte (und Tage) des Gebirges zu besorgen und andererseits, weil ihr Proviant knapp wurde. So machte sie sich mit Anion auf und folgte dem Weg, den man ihr im letzten Dorf gezeigt hatte, weiter nach Nordwesten.


Die Stimmung in dem Dorf hatte etwas Bedrücktes. Irgendetwas musste geschehen sein, oder etwas verunsicherte oder verängstigte die Bewohner, doch She’sejia fragte nicht danach, zumindest noch nicht. Sie fragte Bitala, die Frau, die sich ihrer angenommen hatte, nach Proviant und Kleidung. Wenn sie zahlen könne, würde sie beides bekommen, versicherte die Frau, die Augen nicht von ihren Säbeln lassend. Sie war misstrauisch, so viel war klar, aber zumindest nicht ängstlich oder feindselig. She’sejia bezweifelte stark, dass das wenige Geld, das sie bei sich hatte, eine Währung war, mit der hier gehandelt wurde. Die Münzen stammten aus den Nordreichen und der Cala an Darh. Geld aus Kamîrush hätte vielleicht funktioniert, aber nichts, das sie anzubieten hatte.

„Ist in der letzten Zeit ein Fremder in euer Dorf gekommen?“, fragte sie also und hoffte, dass ihr Besuch nicht vollkommen umsonst war. „Ein Mann? Es ist einer bei uns, ja. Er wird aber bald aufbrechen, vielleicht ist er aber schon fort.“, berichtete Bitala mit einem Schulterzucken.
„Wirklich?“, stieß She’sejia in plötzlicher Aufregung hervor. Nach der wochenlangen Suche und Jagd erschien es ihr unwirklich, ihr Ziel endlich zu erreichen. „Wie heißt er? Wo ist er? Können Sie mich zu ihm bringen?“, sagte sie, lauter diesmal, aber noch immer offensichtlich aufgeregt. Bitala hob eine Augenbraue und zuckte dann mit den Schultern. „Er nennt sich Hund. Folge mir“, sagte sie knapp und ging der Elfe voraus durchs Dorf. She’sejia runzelte die Stirn. Es passte gar nicht zu dem Jerran, den sie kannte, sich Hund zu nennen, obwohl es ein wirklich passender Name war, dachte sie und spürte wie der alte Groll sich in ihr regte. Andererseits hatte sie ihn nie wirklich gekannt.
Die Frau verschwand schließlich in einer, verglichen mit den umstehenden Hütten, etwas größeren Hütte und hielt She’sejia die Tür offen. „Er ist noch da. Sieh!“, sagte Bitala und deutete auf einen Mann in der Mitte des Raumes, der von mehreren Frauen umgeben war. Er hatte einen Stock in der Hand und war blass. Er hatte einen kahlen Kopf und ihr fielen braune Formen an seinem Hals auf. Es hätte deutlicher nicht sein können, dass dies nicht Jerran war. Es war mit ziemlicher Sicherheit nicht einmal der Steppenreiter (oder Beraij), dem sie die letzten Wochen gefolgt war. Sie war endtäuscht und, seltsamerweise, erleichtert zugleich. „Das, ah… Das ist nicht der Fremde, den ich suche…“, raunte sie Bitala zu. Trotzdem verstummten die Frauen und sahen sich nach den Neuankömmlingen um. „Wer ist das?“, fragte eine der Frauen – die wohl Älteste von ihnen – Bitala.

„Sie ist vor kurzem angekommen. Sie ist eine Reisende.“, erklärte Bitala mit einer gewissen Ehrfurcht. Ein Raunen ging durch die Frauen, die die Elfe alle wie Bitala mit mehr oder weniger starkem Misstrauen musterten. „Sie ist eine Kriegerin! Sieh ihre Waffen!“, sagte eine und eine andere zeigte sogar auf sie: „Ihre Ohren, was sind das für Ohren?“, eine andere flüsterte: „Und ihre Augen! Rote Augen…“
Mit einem Blick der Frau, die Bitala nach She’sejia gefragt hatte, verstummte das Raunen. „Und ihr Name? Was will sie hier?“, fragte sie Bitala. „Sie sagte Elyria und sie hat nach Kleidung und Proviant gefragt und… ob ein Fremder im Dorf sei also habe ich sie hergebracht.“, berichtete Bitala.
„Elyria“, sprach die alte Frau nun She’sejia an. Es war seltsam wieder mit ihren Geburtsnamen angesprochen zu werden, doch weil Jerran den Namen nicht kannte, hatte sie sich die letzten Wochen damit vorgestellt. „Sie suchen nach einem Fremden? Es kommen nur wenige Fremde hierher… Ist dies der Mann den Sie suchen?“, damit deutete sie auf den Mann mit dem Stab. She’sejia schüttelte den Kopf. „Nein… der Mann den ich suche ist ein Beraij aus der Wüste im Süden, jenseits des Großen Stroms. Ein Mann mit dunklerer Haut, schwarzen Haaren und braunen Augen.“, antwortete sie, „Er muss… er ist wohl irgendwo anders hingegangen…“. „Können Sie kämpfen?“, fragte die Frau weiter. She’sejia nickte. „jagen?“, fragte die Frau weiter. She’sejia schüttelte verneinend den Kopf. „Eine Kriegerin, tatsächlich…“, murmelte die Alte daraufhin und verfiel kurz in ein nachdenkliches Schweigen. „Sie kann doch-“, hob eine der Frauen an, doch die Alte unterbrach sie: „Wir könnten Ihnen Kleidung, Proviant und einen Platz für die Nacht anbieten, aber was können Sie uns im Gegenzug geben?“
„Ich glaube nicht dass ich etwas bei mir habe, das für euch von Wert wäre, das ich euch geben könnte.“, gab sie zu, aber die Frau machte den Eindruck, als habe sie mit dieser Antwort gerechnet. „Es gäbe da etwas, dass sie für uns tun könnten...“
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Re: Die wilde Jagd

Beitrag von Qimmiq » Mo, 09. Dez 2019 23:50

Auf Qimmiqs Worte hin herrschte betretenes Schweigen. Nach einigen Augenblicken der Reglosigkeit wandten sich mehr und Mehr Augen der Mutter Jaras zu. Alle erwarteten wohl, das Sie sich für den fremden Gast einsetzte, ihn weiterhin als Gesandten der Götter pries, als den vorbestimmten Erretter ihres Sohnes, doch Anèke konnte nichts Anderes tun, denn entsetzt auf nunmehr nur von einem blinden Auge entstellte Gesicht zu blicken. Spöttisch verzog sich der Mundwinkel jener anderen Frau, die zuvor schon Qimmiq als unfähigen Blinden bezeichnet hatte. Qimmiq musste nicht wissen, das der Sohn jener anderen Frau, von Jara ausgestochen wurde, und infolgedessen nur den Zweiten Platz in jenem langen Wettstreit errungen hatte, dessen Sieger alleine die große Ehre zuteil den Aufgang des Wintersternes über der Wetterspitze und mithin die längste Nacht des Jahres dem Dorf gegenüber zu verkünden. Nein, es war offensichtlich, wie sehr sich diese Frau am Versagen Jaras ergötzte. Doch Qimmiq, der eben seinen Stab wieder vom Boden aufgehoben hatte und eigentlich die gehässige Stimme jener ihn zuvor schon verspottet habenden Frau zu hören, hörte vielmehr eine Stimme in seinem Rücken. „Er ist noch da. Sieh!“ Nun war es an Qimmiq innerlich zu vereisen. Wenn jemand in den vergangenen Monden nach ihm gesucht hatte, war es selten gewesen, ihm zu helfen. Vielmehr war der Kretin, um eines der weniger schlimmen Beschreibungen seiner selbst zu verwenden meist als Quell irgendwelchen Unglücks, als vermeintlicher Dämon, als Aussätziger und vieles andere mehr gejagt worden. Wieso sollte also gerade jetzt und hier ihn wer gesucht und schließlich gefunden haben, der ihm nicht auch böses nur wollte. Doch während sich die gesamte Gestalt des ehemaligen Gestaltwandlers anspannte, die den auch als Waffe tauglichen Stab umspannende Hand so fest zupackte, dass seine Knöchel weiß hervortraten, erklangen auch schon die erlösenden Worte: „Das ist nicht der Fremde, den ich suche…“

Reglos aber nunmehr weit weniger angespannt lauschte Qimmiq, den Frauen. Seltsame Ohren, Waffen, rote Augen? Eine Elfin oder eine Dämonin? Langsam drehte Qimmiq sich nun doch um, das die Fremde sein normales linke Auge einerseits, wie den von einem getrübten Chittinpanzer überwölbten und mithin momentan noch blinden wie lidlos scheinendem rechten Auge erkennen, er so aber nun auch sie mustern konnte. Wüstenelfen hatte Qimmiq, auf seiner nun schon etliche Monate andauernden Suche nach einer Möglichkeit, sich vom Gestaltwandlerfluch zu heilen, getroffen, doch die roten Augen? Qimmiq zwang seinen, über ihre wohlansehliche Gestalt huschen wollenden einäugigen Blick, zurück auf ihre Augen, konnte ein gelegentliches Abirren seines Blickes hin zu ihrer über dem Auge befindlichen Narbe nicht ganz unterdrücke. Beherrsche dich Qimmiq! gemahnte sich der ehemalige Bewohner der Eiswüste stumm. Provoziere nicht, wen du noch nicht kennst, hast du doch auch so schon genug Feinde bereits angesammelt. Stumm nickt Qimmiq, dessen Züge teilnahmslos wirken, der Fremden zu, ehe er die Stimme Nannas ihn wieder zum umwenden zwingt. „Können Sie kämpfen?“„Sie kann doch-“ Jaras Mutter, offensichtlich das Vertrauen in Qimmiq verloren habend, greift nach dem einzigen verbliebenem Strohhalm, wird von Nanna aber unterbrochen. „Es gäbe da etwas, dass sie für uns tun könnten… und auch du Qimmiq, wenn du noch immer unsere Seherin aufzusuchen und eine Lösung deiner … Probleme von den Götter oder Sternen dir erhoffst!“ „Es gibt keine Götter Qimmiq, nur mich, und –“ Unwirsch schüttelte Qimmig den Kopf, der nur ihm hörbar gewesen seienden Stimme ein zorniges „Schweig“ im Idiom der Völker der nördlichen Eiswüste entgegen zischte. Nanna runzelte die Stirn, hatte aber von des Fremden gelegentliche Selbstgespräche durch die anderen Frauen schon gehört und überging diese ihr offenbar nicht gegolten habende Respektlosigkeit darum geflissentlich.

„Du Qimmiq, wenn du noch immer wünschst, das unsere Seherin für dich die Sterne befragt und Sie Elyria, wenn Sie Proviant, Kleidung und Schutz vor der Kälte der Nacht wünscht; Ihr könnt Eure Wünsche erfüllt bekommen, wenn…“„Nein, die Kriegerin kann es sicherlich auch allei–, ...leine“. Ob des Blickes aus Qimmiqs einem sehenden Auge senkte die Mutter Jaras beschämt den Blick. Vielleicht aber war es auch eher der tadelnde Blick der alten Nanna in Qimmiqs Rücken, vielleicht auch beides, das die Frau stockend zum Verstummen brachte, auf das die alte Nanna ihre Rede fortsetzen konnte. „Einer unser Jünglinge sollte als Initiationsprüfung und Mannbarkeitsbeweis zum Erkel, einer Bergspitze am Ende des Schattentales ziehen und uns mit einem Signal aus dem Widderhorn verkünden, das der Winterstern direkt über der Wetterspitze, einem weiteren Berg aufgegangen und also die Wintersonnenwende erfolgt ist. Doch wir haben keine Nachricht von ihm und laut unseren Kalenderstäben liegt die Wintersonnenwende schon hinter uns. Wir Frauen müssen nun aber in den kommenden Tagen das Neujahrsfest vorbereiten und den Männern ist es von Alters her verboten in den Namenlosen Tagen zwischen den Jahren das Dorf zu verlassen, sich dem Wild auch nur zu nahen, wenn sich nicht Hunger für das kommende Jahr hinaufbeschwören wollen. Also kann niemand von uns nach dem Jungen Jaras suchen, ohne großes Unglück über unsere Gemeinschaft heraufzubeschwören. Ihr aber seid nicht von unserem Blut. Ihr könntet nach dem Jungen suchen und ihm beistehen, seine Queste – nichtsdestotrotz aus eigenen Kräften – so ja vielleicht doch noch zu bestehen. Doch seid gewarnt: Die Geister gehen um und die Wilde Jagd reißt allzu unvorsichtige Seelen in diesen Tagen – und insbesondere Nächten – allzu leicht mit sich, und wer immer sich ihnen anschließt ist zur ewigen Jagd verdammt.“

Qimmiq nickt stumm, ehe er seine Antwort an die Mutter des Vermissten, statt an die Älteste selbst, aber richtet: „Ich verspreche alles in meiner Macht stehende zu unternehmen, deinen Sohn heil zurückzubringen, wenn DU das wünschst!“[/i] Schaudernd blickt die Mutter zu Qimmiq auf, nur mit größter Willensanstrengung ihre Verzweiflung hinter einer bebenden aber undeutbaren Mimik zu verbergen. Zögernd nur, und nach einem langen Blick in des Menschen eines sehende Auge, nickt die Mutter schließlich, was der alten Nanna ein stummes aber zufriedenes Lächeln entrang. „Und Sie, Elyria? Sind sie bereit einer Mutter ihren Sohn oder zumindest aber doch Gewissheit über dessen Schicksal zu bringen, im Tausch gegen das von Euch erbetene Vertrauen und – unsere darüber hinaus reichende Dankbarkeit?“ Bei diesen Worten wandte sich Qimmiq erneut zu der Elfin um, ihre Reaktion genau zu beobachten – oder so genau wie dieses mit einem gereizten tränenden und einem blinden Auge möglich doch war.
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Re: Die wilde Jagd

Beitrag von She'sejia » Mi, 11. Dez 2019 20:07

Als sich die Aufmerksamkeit der Frauen im Raum auf sie wandte, drehte sich auch der Mann um und She’sejia musste einen Schauder unterdrücken, als sie seine Augen sah. Eines blind, milchig und lidlos, das Andere offensichtlich stark gereizt, tränend – blutend? Dieser ungleiche Blick war verunsichernd der zustand seiner Augen beinahe abstoßend, wie es kranke, arme oder durch Wunden verunstaltete Menschen manchmal waren. Er nickte ihr knapp zu, eine Geste, die sie erwiderte, und sagte sonst nichts, sondern richtete seine Aufmerksamkeit auf die alte Frau, als diese She’sejia befragte.


Es gäbe da etwas, dass sie für uns tun könnten… und auch du Qimmiq, wenn du noch immer unsere Seherin aufzusuchen und eine Lösung deiner … Probleme von den Göttern oder Sternen dir erhoffst!“, sagte die Alte, doch ehe sie weitersprechen konnte, ruckte der Mann, Qimmiq, mit dem Kopf und zischte: „Schweig!“. Das überraschte She’sejia, denn bisher hatte jeder der alten Frau nichts als ehrfürchtigen Respekt entgegengebracht und obwohl er sich ein paar üble, unwirsche Blicke einheimste, schien niemand geschockt oder überrascht. Qimmiq hatte auch nicht den Kopf gewandt, sondern einfach in den Raum gesprochen.

„Du Qimmiq“, hob die Alte wieder an, „wenn du noch immer wünschst, das unsere Seherin für dich die Sterne befragt und Sie Elyria, wenn Sie Proviant, Kleidung und Schutz vor der Kälte der Nacht wünscht; Ihr könnt Eure Wünsche erfüllt bekommen, wenn…“. In diesem Moment hob eine der Frauen das Wort, kam mit ihrem Vorschlag, She’sejia alleine gehen zu lassen, aber nicht weit. Gleich zwei Blicke brachten sie zum Schweigen: Der Tadelnde der Alten und der Qimmiqs, der bei dem Zustand seiner Augen sicherlich beinahe furchteinflößend sein konnte. Nach kurzer, teilweise etwas betretener, Stille fuhr die Alte fort und beantwortete die Frage, die sich She’sejia mit wachsender Neugierde gestellt hatte: Um was es genau ging, wo sie hingehen sollte. Im ersten Moment schien ihr diese Aufgabe nicht weiter schwer, da es vor allem Tradition und Glaube waren, die die Menschen im Dorf davon abhielten, selbst zu gehen. Doch dann erzählte die Frau von dieser Jagd. Die Stimmung im Raum und die Worte der Alten machten deutlich, dass diese wilde Jagd gefürchtet war. Dennoch wirkte es fast schon wie ein Märchen, nichts, dass irgendwer von ihnen je gesehen hätte – Wobei in der Wüste auf diese Art auch von den Geistern der Wüste gesprochen wurde. Die hatte auch kaum einer gesehen, der noch lebte…

„Ich verspreche alles in meiner Macht stehende zu unternehmen, deinen Sohn heil zurückzubringen, wenn DU das wünschst!“, unterbrach Qimmiq den Gedankengang der Elfe. Er war entschlossen und hatte, soweit sie das sagen konnte, keine Angst. Die Art, wie er die Frau anschprach, die ihn wohl nicht hatte schicken wollen, war sehr direkt, gar provokativ und erst ein zögerliches Nicken machte der plötzlichen Spannung im Raum ein Ende. Mit einem leichten Lächeln wandte die Alte sich an She’sejia: „Und Sie, Elyria? Sind sie bereit einer Mutter ihren Sohn oder zumindest aber doch Gewissheit über dessen Schicksal zu bringen, im Tausch gegen das von Euch erbetene Vertrauen und – unsere darüber hinaus reichende Dankbarkeit?“
Es war erst in diesem letzten Moment, dass sie ihre Entscheidung fällte und knapp nickte: „Ich werde mein Möglichstes tun, mit Q-qimmiq Jaras zurückzubringen.“ Beim Namen Qimmiqs, der ihr ungewohnt und fremd war (und die Frage auslöste, wo er wohl herkam), hatte sie kurz Probleme, aber sonst gelang es ihr, ihren Worten Entschlossenheit zu geben.

„Wann planst du – äh, Sie? – aufzubrechen? Ich habe ein Pferd, aber in diesem Gelände ist man glaube ich besser zu Fuß unterwegs…“, sprach She’sejia Qimmiq an (obwohl sie die Frage auch halb an die Alte, die in diesem Dorf die höchste Autorität zu haben schien, stellte) und versuchte dabei nicht zu sehr auf sein blindes rechtes Auge zu starren. „Ich bräuchte zumindest noch passende Kleidung. Ich bin es nicht gewohnt, dass die Kälte so lange bleibt und selbst die Sonne sie kaum mindert.“, damit wandte sie sich wieder an die Alte: „Hätten sie etwas warme Kleidung für mich? Ein Mantel wäre schon genug!“
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Re: Die wilde Jagd

Beitrag von Qimmiq » Mi, 11. Dez 2019 21:36

„Wann planst du – äh, Sie? – aufzubrechen? Ich habe ein Pferd, aber in diesem Gelände ist man glaube ich besser zu Fuß unterwegs…“ Qimmiq lächelte, was seinem momentan so besonders entstellten Antlitz eine fast schon unerwartete Wärme schenkte. „Ich bin ein einfacher Mann von keinem besonderen Stand. Ein Du reicht darum vollkommen aus. Aber Sie haben Recht! Mit dem Pferd werden wir hier kaum weiter kommen, ab dessen ich eh keines habe.“ Fragend wandte Qimmiq den Blick bei diesen Worten zu der alten Nanna, die bekräftigend nickte, ehe sie weiter erklärte ihnen beiden alles an benötigter Ausrüstung zukommen zu lassen. „Du Qimmiq wirst um der erbetenen Sternenschau schon wieder zurück kommen. Sie, Elyria, da Sie Ihr Pferd hier bei uns wohl versorgt wissen, werden alleine des Tieres wegen wiederkommen, dessen Wert, wie ich vermute deutlich über dem von Warmer Kleidung Proviant und sonstiger Ausrüstung wohl liegt?“ Bitala, die die Wüstenelfe in diese Behausung geführt hatte und noch immer nahe des Einganges stand, nickte auf einen fragenden Blick Nannas, was wohl soviel heißen sollte, wie dass der Elfin Reittier kein klappriges dem Tod längs geweihtes Reittier vermutlich war.

Der Rest indes ging rasch. Qimmiq, der ob Elyrias Klage bezüglich der kalten Nächte hier droben nur sanft, aber wieder alles andere als herablassend oder überheblich gar, gelächelt hatte, schien mit seiner Kleidung wie sie war überaus zufrieden war, erbat sich indes zwei je fünfzehn Schritte lange Taue, nebst Wurfanker, Steigeisen und zwei Laternen nebst genug Öl für zwei Nächte. Und auch Elyria bekam ihren Wunsch nach wärmerer Kleidung, nicht nur in Form eines warmen Mantels, sondern auch noch in Form von – wenn sie denn Wünschte – warmen Fäustlingen, einer Pelzjacke und einem Paar gebrauchter, wie ihr aber gut passenden Stiefeln, die gleichermaßen wärmer, wie aber auch schwerer waren und über mit Nägeln beschlagenen Sohlen verfügten. Außerdem erhielten beide Proviant für zwei Tage, auch wenn der Berg Erkel, Jaras und also nun auch ihrer beider Ziel, laut Aussage der Frauen keine halbe Tagesreise nur entfernt war. „Wenn Ihr Jaras erst noch suchen müsst, oder die Rückreise mit ihm als zusätzlichem Esser länger dauert“ oder der Rücktransport des Leichnams euer Vorwärtskommen verzögern sollte… Nanna sprach diese letzten Worte nicht im Beisein der Besorgten Mutter Jaras aus, doch auch so war allen klar, was hier gerade unausgesprochen als Möglichkeit noch mit schwang. „Sollten Sie in 6 Tagen von Heute an, nicht zurückgekehrt sein, das Neujahrsfest also nicht mit uns gemeinsam feiern können, werden wir unsere Jäger und alle Fähigen Frauen hinaus schicken, Sie und Jaras zu suchen. Bis dahin sind Sie beide auf sich alleine gestellt!“

Danach, mit einer ausführlichen Wegbeschreibung und beinahe schon festlichem Proviant, wie etwa süßem Honigkuchen, aber auch herzhaften Pastinaken, Ziegenbutter, gedörrtem Ziegenfleisch, getrockneten Pfifferlingen und zwei prallen Schläuchen Ziegenmilch versehen (Qimmiq hatte, sehr zur Belustigung einiger der Frauen, eine Eisenpfanne und weiteres Kochgeschirr außen an seinem Rucksack befestigt. Waren Sie aufgebrochen. Einzig als man ihnen zwei Zelte anbot hatte Qimmiq mit einem nachdenklichen Blick gen Elyria erwidert, das sie – „Bei allem Respekt Euch Elyria gegenüber!“ es wärmer haben würde, wenn sie in nur einem Zelt schliefen. Doch da er beinahe zwangsläufig davon ausgehen durfte, das diese rein pragmatische, wie aus seiner Zeit in der Eiswüste stammende, Erkenntnis in diesem Winkel der Welt beinahe zwangsläufig falsch verstanden werden würde, hatte er hier nicht weiter insistiert, sich eines der schweren beiden Zelte gegriffen und es der Elfin selbst überlassen, ob Sie es Nächtens lieber warm haben wollte und das zweite Zelt also zurück ließ, oder aber lieber auf Nummer sicher ging. Auf Drängen der Mutter, auf jeden Fall, brachen die Reisenden, nach einem hastigen aber üppigen Mahl sofort schon auf. „Bis zur Brücke an der Schattenklamm führt ein Pfad und auf der anderen Seite der Schlucht findet sich linkerhand eine geschützte Höhle, auf das Sie die restliche pfadlose Strecke im Morgengrauen gleich antreten können.“ hatte Nanna ihnen noch mit auf den Weg gegeben und sämtliche Gottheiten der Enschandri angerufen ihnen beiden beizustehen.

Auf dem Weg bis zur besagten Brücke über die Schattenklamm geschah nichts weiter, als das Qimmiq nach etwa zwei Stunden Wegstrecke kurz stehen blieb und im Licht der Laterne für Elyria gut sichtbar etwas an seinem blinden Auge zu betasten schien, um nur wenig später das trübe milchige Halbrund, das Sein nun tränendes, wie blinzelndes rechte Auge gerade noch bedeckt hatte, knurrend fortzuschleudern. „Keine Sorge, ich bin nicht ansteckend.“ erwiderte Qimmiq, der bis dahin recht schweigsam nur neben Elyria durch die beginnende Nacht gestapft war. Nun blickte ihr Qimmiq aus zwei Augen entgegen, wobei Elyria bemerken mochte, das nun sein linkes Auge lidlos und ohne zu blinzeln unter einer – in diesem Falle aber gänzlich transparent dünnen Kuppe zu stecken schien. Doch noch ehe Elyria darauf reagieren konnte, blickte Qimmiq erschrocken über ihre Schulter und den Weg voraus. „Verdammt!“ Im Hintergrund war die Klamm und schwach sogar die Brückenkonstruktion dort zu erkennen. Doch zwischen dem und ihnen, offenbar hatte sich ein Wildbach unglücklich aufgestaut, breitete sich eine in alle Richtungen mindestens gut hundert Schritt ausbreitende Wasserfläche aus. „Sie können nicht zufällig auf dem Wasser wandeln, Elyria?“ denn ob der eisigen Temperaturen verbot sich die Frage ob sie Schwimmen könne, ganz von alleine.
‘Grandson,’ she said, ‘look upon me. I am patient. I watch and I wait. Then all things come to me. If your people learn this, they will be strong indeed.’

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Re: Die wilde Jagd

Beitrag von She'sejia » Do, 12. Dez 2019 21:37

Die Großzügigkeit, mit der die Menschen hier sie behandelten, ihr neben einem Mantel auch Fäustling, eine Pelzjacke und Stiefel, anboten (die sie alle dankend annahm), ihnen reichlich Proviant gaben und versicherten, sich um ihren Hengst zu kümmern, rührte She’sejia und weckte Erinnerungen an Zeiten, zu denen die Nomaden der Wüste sie ähnlich behandelt hatten. Sie versuchte nicht zu sehr bei diesen bittersüßen Erinnerungen zu verweilen und konzentrierte sich auf die Worte der Alten, die ihr und Qimmiq die Situation genauer schilderte und den Weg zu dem Berg, von dem der Jüngling nicht zurückgekehrt war, beschrieb. Es sollte so bald als möglich losgehen, wurde beschlossen und so packten sie ihre Rucksäcke (She’sejia hatte ihre Tasche gegen einen geliehenen Rucksack getauscht und alle Habseligkeiten die sie nicht brauchte – ihre Wüstenkleidung etwa – mit Anion in die Obhut der Frauen gegeben). Als Qimmiq noch Kochgeschirr mitnahm und damit bei den Frauen Belustigung, vielleicht aber auch Faszination über diesen seltsamen Mann, auslöste, konnte sich She’sejia selbst kaum ein Grinsen ihrerseits verkneifen. Jetzt, wo sie den Anblick seiner Augen kurz etwas verarbeitet hatte begann er ihr tatsächlich, sympathisch zu sein. Er hatte ihr das du angeboten, was ihr lieber war, obwohl sie noch nicht dazu gekommen war, diese Geste zu erwidern, und wirkte ruhig und sanft – angenehm, gar – ohne herablassend oder arrogant zu erscheinen. Zudem schien er Eigen, und versuchte nicht, anderen zu gefallen. Spätestens seit Jerran hatte sie das zu schätzen gelernt.

Dieser zaghaften Sympathie wegen entschloss sie sich, Qimmiqs Angebot, sich ein Zelt zu teilen, anzunehmen und lehnte das zweite Zelt dankend ab. Sie aßen daraufhin in relativer Eile ein karges Mal und wurden dann von vielen der Frauen bis zur Grenze des Dorfes begleitet. Neugierig lauschte die Elfe, wie sie ihre Götter um Beistand und Hilfe baten.
„Bis zur Brücke an der Schattenklamm führt ein Pfad und auf der anderen Seite der Schlucht findet sich linkerhand eine geschützte Höhle, auf das Sie die restliche pfadlose Strecke im Morgengrauen gleich antreten können.“, verabschiedete die Alte sie zuletzt, dann waren Qimmiq und She’sejia allein.


Stumm gingen sie nebeneinander her und gerade als die Elfe ihn endlich fragen wollte, welche Probleme es waren, die ihn hierherbrachten, wegen derer er die Hilfe der Enshandri suchte, nachdem sie den ganzen Weg damit gerungen hatte, blieb Qimmiq stehen. Mit einer seltsamen Mischung aus instinktiver Abstoßung und einer gewissen Faszination beobachtete sie, wie er sich ans Auge (das rechte, blinde Auge) griff und etwas von dort in den Schnee warf. „Keine Sorge, ich bin nicht ansteckend.“, knurrte er und sah sie an. Als er ihr das Gesicht zuwandte, sah sie, weshalb er sein Auge betastet hatte. Sein rechtes Auge, das zuvor noch milchig und trüb gewesen war, war jetzt klarer und ebenso eisgrau wie das Linke. Aber, wie sie im nächsten Moment feststellte, es war immer noch lidlos und bevor sie mehr erkennen konnte, glitt sein Blick, plötzlich erschrocken, von ihrem Gesicht auf etwas hinter ihr. Sie wandte sich um, um zu sehen, was er entdeckt haben wollte, während sich ihr nur noch mehr Fragen stellten. Sie hatte noch nie Augen wie die Qimmiqs gesehen. Wie war das möglich? Warum hatte er solche Augen? War er damit geboren worden oder hatte ihn jemand verstümmelt?

Der Anblick, der sich ihr bot, schob diese Gedanken in den Hintergrund. „Verdammt!“ war ihrer Meinung nach eine passende Beschreibung für die Situation, in der sie steckten. Eine aufgestaute Wasserfläche versperrte ihnen den Weg zur Schattenklamm, und somit zu ihrem geplanten Nachtlager. „Sie können nicht zufällig auf dem Wasser wandeln, Elyria?“, fragte Qimmiq und entlockte ihr ein schwaches, leises Lachen. Sie drehte sich wieder zu ihm. „Ich fürchte nicht, du?“, antwortete sie mehr als Spaß und sah sich um. „Wir müssen wohl irgendwie drumherum, wobei ich mich hier leider gar nicht auskenne und es wohl keine gute Idee ist, zu weit vom Pfad abzuweichen.“
Sie dachte an die wilde Jagd, vor der man sie gewarnt hatte und daran, wie fremd ihr diese Umgebung war. Sie wusste nicht, was hier typische Gefahren der Natur waren und wie man diese erkennen und vorbeugen konnte. Sie musste sich auf ihren Instinkt und auf Qimmiq verlassen. Daher sah sie sich die Umgebung genauer an. Die felsige Landschaft lud nicht dazu ein, Querfeldein zu reisen, doch Qimmiq hatte nach allerlei Ausrüstung gefragt. Vielleicht konnte ihnen davon etwas behilflich sein. „Wir könnten einen anderen Weg suchen oder sehen, ob uns deine Ausrüstung behilflich sein kann, dieses Hindernis zu umrunden.“, schlug sie vor und fügte kurz danach noch hinzu: „Übrigens kannst du gerne auch du sagen. Ich glaube nicht, dass diese Formalitäten nötig sind zwischen uns. Ich bin schließlich auch nur eine einfache Elfe, die hier, wenn überhaupt, noch fremder ist als du.“ Und versuchte sich an einem ermutigendem Lächeln.
Nicht alles, was Gold ist, funkelt,
Nicht jeder, der wandert, verlorn

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Re: Die wilde Jagd

Beitrag von Qimmiq » Sa, 14. Dez 2019 17:45

Qimmiq lächelte, als die Elfin ihm das "du" anbot und nickte stumm dazu. Er schlug vor, die Ufer links und rechts des Weges abzusuchen. „Soweit wir in Rufweite bleiben, wird schon nichts passieren.“ spielte er lächelnd auf die wilde Jagd an und reichte der Elfin die Laterne, konnte er sich doch inzwischen auch gut mit seinem Stab, sowie tastend in der Welt orientieren, wo er doch nun schon so lange jeden Monat einmal sein Augenlicht verlor, während die Chitinkappen über seinen Augen sich ablösten, neuen solchen Platz zu machen. Und wir mögen es doch sowieso lieber dunkel, uns alleine auf die Vibrationen des Netzes lauschend, nicht war? Qimmiq ignorierte sie, schwieg lieber, denn zuzugeben, dass inzwischen auch dieses ihn eher mit Spinnen, denn Menschen verband.

Doch ihre Suche brachte nichts. Links und rechts des Weges fanden sich bald steil aufragende Felsen, die eher von der Brückenkonstruktion fort, denn auf diese zu führten. Des Weiteren schien die Schlucht, über die die Brücke hinweg reichte, sich nach links und rechts eher zu verbreiten, sodass diese Stelle die einzig geeignete schien. Allerdings erblickte She’sejia beim Zufluss zum aufgestauten See einen verkeilten schweren Baumstamm, der, wenn er gelöst werden könnte, vermutlich alles frei rammen würde, was den Bach gerade aufstaute … wenn der Stamm nicht die Brücke erwischte und den Weg noch unpassierbarer nur machte. Qimmiq indes fand gut zwanzig Schritt über ihnen einen weiteren umgestürzten Baum, der auf auf beiden Seiten der sich dort oben entgegen neigenden Schluchtwände reichte und eine Querung der Klamm ermöglichte ohne die Wasserfläche vor ihnen passieren zu müssen. Einzig dort hinauf zu gelangen und dann auch noch heil über den umgestürzten Baum dort oben zu steigen, dürfte selbst mit Seilen und Kletterhaken alles andere als einfach oder gar ungefährlich sein.

Gut eine halbe Stunde später fanden beide am Weg wieder zusammen. „Wenn wir den Baumstamm im Zufluss lösen und die Brücke erwischen können wir immer noch zu klettern versuchen. Allerdings könnten wir auch mit einem verletzten Jara dann schlimmstenfalls die Brücke nicht mehr benutzen, wenn der Stamm sie einreist, statt den Abfluss freizurammen. Ich denke aber, wir sollten das dennoch als erstes versuchen, da wir sonst auf dem Rückweg wieder das Problem mit diesem … See hier sonst hätten, selbst wenn wir die Brücke heil überquerten. Andererseits gibt es von der anderen Seite, von der Brücke her, eine Möglichkeit, das Wasser problemlos ablaufen zu lassen. Dann wäre es natürlich besser jetzt zu klettern und so nicht zu riskieren die Brücke zu zerstören. Großmutter Spinne schlägt vor zu klettern, aber entscheide am Besten du.“

Qimmiqs Augen, die nun beide wieder lidlos schienen (Qimmiq besaß jederzeit Augenlieder. Doch wurden sie, nach dem Abwerfen der alten Augenschalen, von den rasch aushärtenden neuen Chitinkappen unnachgiebig zurück gedrängt, bis sein Blick wieder vollkommen lidlos erschien.). Wen er indes mit Großmutter Spinne meinte, mochte sich der Elfin vermutlich eher nicht so einfach erschließen. Doch war Qimmiq die beständige Anwesenheit des Totemgeistes, oder was er dafür hielt, inzwischen so vertraut, so allgegenwärtig, das ihm nicht einmal in den Sinn kam, dass die Elfin mit der Information über die Einschätzung des Totemgeistes ohne zugehörige Erklärung gerade möglicherweise nichts würde anfangen können. „Was also schlägst du vor?“
‘Grandson,’ she said, ‘look upon me. I am patient. I watch and I wait. Then all things come to me. If your people learn this, they will be strong indeed.’

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