Das Spiel des Windes

Gebiete der Orks und wilden Menschen, und die Gebiete der Clans westlich von Arcanis und Mérindar. » Ortsbeschreibung
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Adraéyu
Zaubersänger
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Re: das Spiel des Windes

Beitrag von Adraéyu » Sa, 20. Okt 2012 14:10

Bilds war früher Mittag, als Adraéyu wieder zu den Händlern ging. Er wollte den Weinhändler und Schnapsbrenner aufsuchen. Er hatte die letzten Tage nicht die Zeit gefunden, und wollte es nun nachholen, bevor sie abreisten. Der Weinhändler war zweifelsohne einer jener Händler, die nur die großen Sammelplätze für den Handel in den wilden Landen aufsuchten. Seine Waren waren einfach zu sperrig und zu schwer, um damit mit Packpferden und Maultieren durch das unwegsame Gelände zu reisen. Doch er verkaufte seine Waren auch so gut genug, und war auf das hausieren durch die Lande nicht angewiesen. Adraéyu hatte sich seinen roten Umhang angezogen, und dazu eine grüne Leinenhose. Der Alchemist trug ohnehin Augengläser, er würde ihn sicherlich nicht erkennen. Als Adraéyu sich bereits dem Wagen näherte, tönte die Stimme des beleibten Händlers an sein Ohr. »Wein! Bier! Ich habe das beste Bier des Landes! Stark, Würzig, Herb! Ein herrliches Aroma! Kostet nur!« Wie zum Beweis hielt er einen Humpen Bier in der Hand und bot ihn den Menschen an, welche vor seinem Stand verweilten. Ein großgewachsener Krieger nahm den Humpen an und tat einen kräftigen Schluck. Als er den Humpen von den Lippen absetzte nickte er dem Händler anerkennend zu. »Gutes Bier.«, brummte er zufrieden. »Wie viel?« »Nur zwei Heller!« Wenn man bedachte, dass ein Liter Bier in den Städten für gewöhnlich einen Heller kostete, war dies ein guter Preis. Doch der Krieger knurrte nur. Er hielt dem Händler einen Heller hin und einige gebrochene Kupferstücke. »Mehr zahle ich nicht.« Es war schon erstaunlich, dass er überhaupt Geld hatte. Er musste es von einem anderen Händler als Rückgeld erhalten haben. »Unmöglich. Zwei Heller und nicht weniger!«, feilschte der Händler. Doch der Krieger steckte die Münzen wieder in seinen Beutel. »Vergiss es.«, brummte er und ging weiter. »He! Lass uns doch wenigstens verhandeln!«, rief ihm der Händler nach, und so wandte sich der Krieger nochmals um. Er sah den Händler misstrauisch an, doch trat er wieder an den Stand heran. »Ich höre?« Der Händler zog den Korken aus dem Fass und schüttete etwas Bier in zwei große Humpen. »Nun wäre ich bereit, das Bier zu deinem Preis zu verkaufen.«, sagte er, als er den Korken wieder in das Fass stopfte und ihn mit einem kleinen Hammer etwas fester klopfte. Der Krieger starrte den Mann eine Weile eindringlich an, und dieser erwiderte den Blick. Es glich beinahe einem geistigen Kräftemessen. Nach einer Weile grunzte der Mann und nickte. »Einverstanden.« Der Händler lächelte zufrieden und schob dem Mann das Fass zu. »Hier, dein Geld.«, brummte der Mann, steckte ihm die Münzen in die offene Hand und stapfte sogleich mit seinem Fass von dannen. Adraéyu vermutete, dass der Krieger einfach nur froh war, das Geld los zu sein, denn sobald die Händler fort gegangen waren, war das Geld nichts mehr wert. Bis die Händler wieder kamen. Und von dem Bier hatte er letzten Endes mehr, als von den paar Münzen.

Der Händler indes verstaute das Geld in seinem Beutel und goss die zwei Krüge in ein angebrochenes Fass, welches er zum Verkosten nutzte. Während dessen trat Adraéyu an ihn heran und räusperte sich. »Verzeihung.« Der Mann sah ihn schief an und wandte sich schließlich dem Raéyun zu. Als er Adraéyus Augen erkannte, kniff er die seinen ein wenig misstrauisch zusammen. »Ich kenne dich.«, murmelte er. »Du bist ein Raéyun.« Adraéyu versuchte ein unschuldiges Lächeln aufzusetzen, doch es gelang ihm nicht so recht. »Dein Schweigen deute ich als Ja. Willst du etwas kaufen?« Adraéyu schüttelte langsam den Kopf. »Dachte ich mir.« »Ich habe eine Frage.« »Solange du sie nicht singst, oder plötzlich eine Flöte oder eine Fiedel unter deinem Umhang hervorzauberst, werde ich sie mir anhören.« Adraéyu hatte dieses Verhalten der Menschen nicht wirklich vermisst. Er war es gewohnt. Doch das hieß nicht, dass es ihm auch gefiel. Es tat auf eine gewisse Weise weh, mit solch‘ einer Ablehnung bedacht zu werden. »Keine Sorge.« Adraéyu hob beschwichtigend seine Hände, wie um zu beweisen, dass er nichts Böses im Schilde führte. Doch der Händler schien nicht sonderlich überzeugt zu sein. »Unter dem wandernden Volk, das uns begleitet, war auch einer von deiner Sorte. Er leierte den Händlern andauernd irgend etwas ab. Man konnte sich ihm kaum entziehen.« Adraéyu hob neugierig die Augenbraue. »Ach?« Er versuchte nicht zu neugierig zu wirken. »Aber die Söldner hatten den Auftrag ihn zu verprügeln, wenn er in unserer Gegenwart zu singen oder spielen begann.« Der beleibte Händler lachte boshaft. »Ich werde es mir merken.«, brummte Adraéyu. Zum Glück hatten sie sein gestriges Intermezzo mit dem Alchemisten nicht bemerkt. »Ist er noch hier?«, fragte Adraéyu neugierig. »Nein, er hat uns in den verlorenen Reichen verlassen.« Adraéyu seufzte. »Also? Du wolltest mich doch etwas fragen, oder?« »In der Tat. Ich bin ein neugieriger Mensch, daher verzeih‘ mir bitte die Frage. Man nennt dich Schnapsbrenner.« »Das ist richtig.« Adraéyu versuchte seine Frage so unverfänglich wie möglich zu stellen, damit der Händler nicht glauben würde, dass er ihm ein Geheimnis entlocken wollte. »Nennt man das so, weil der Schnaps beim Genuß so brennt?« Und ein wenig gespielter Naivität, war auch nie verkehrt. Der Händler lachte und ein wenig von seinem Misstrauen wich aus seinen Augen. »Nein. Nicht unbedingt.«, gab der Händler zu. »Anders als Bier, wird Schnaps nicht gebraut. Es wird in einem Apparat, den wir Brenner nennen, zubereitet.« Adraéyu stutzte. Womöglich war es einfach nur eine größere Version des Alambic. »In dem großen Kupferkessel werden vergorenes Obst oder gärige Nüsse sehr heiß gekocht. Darum heißt es brennen.« Mehr wollte der Händler aber nicht verraten, doch Adraéyu verstand. Man musste also nur einen Most oder etwas Ähnliches in dem Alambic verbrennen, und durch das dünne Rohr würde der gewonnene Schnaps herauslaufen, während der Rest in dem großen Kolben verblieb. Raffiniert. »Ich hörte, du verkaufst goldenen Wein?« Der Händler nickte. »Ja, aus Thasani. Möchtest du eine Kostprobe?« Adraéyu nickte und so zog der Händler ein kleines Holzfass aus seinem Wagen und goss ein wenig daraus in einen kleinen Becher. Er schwenkte den Inhalt und roch daran. »Man muss ihn etwas atmen lassen, bevor man ihn trinkt.« »Bist du auch Winzer?«, fragte Adraéyu und der Händler lachte. »Nein, Ich bin weder ein Schnapsbrenner, noch ein Winzer, noch ein Brauer. Auch wenn man mich den Schnapsbrenner nennt. Ich kaufe und verkaufe den Alkohol nur. Ich hätte gar keine Zeit das alles herzustellen.« Adraéyu nickte, während er den goldenen Wein kostete. »Vorzüglich!«, der Wein war süß und zugleich streichelte er sanft den Gaumen. »Dieser hier ist zwei Jahre alt. Relativ jung und gediegen. Wenn die goldenen langsam alt werden, verliert sich der fruchtige Geschmack und ihr wahres Aroma bildet sich aus. Diese Weine sind unbezahlbar und selten. Sie brauchen beinahe zwanzig Jahre um ihre Reife zu vollenden. Und wenn sie alt genug sind, dann bilden sich goldene Weinsteine am Grund der Flasche. Beinahe wie Bernsteine, oder wie dein Auge. Diese Steine sind wertvoll und werden als teurer Schmuck gehandelt.« »Was würde ein solcher Wein kosten?« »einen ganzen Coryn! Und keinen gebrochenen oder gefeilten.« Adraéyu stockte der Atem. Ein ganzer Coryn? Das war ein königlicher Wein. »Ich besitze keinen, falls das deine nächste Frage sein sollte. Aber ich verkaufe nicht nur Alkohol. Auch Essig. Hier habe ich einen der wurde aus Datteln gemacht! Er ist süß und sauer zugleich! Möchtest du kosten?« Dies machte Adraéyu in der Tat neugierig. Der Händler goss ihm einen kleinen Schuss in ein Schnapsglas ein und ließ Adraéyu kosten. »Wirklich lecker.«, murmelte Adraéyu. »Und gar nicht einmal teuer. Nur drei Heller für die ganze Flasche!«, preiste der Händler seinen Essig sogleich an. Doch Adraéyu konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wofür er einen solchen Essig brauchen konnte. »Nein danke. Der goldene Wein interessiert mich da schon mehr. Was würde eine Flasche davon kosten?« »Fünf Heller. Und hier wird nicht verhandelt.« In der Flasche war gerade ein halber Liter. Dieser Wein war sehr teuer. Adraéyu rechnete in seinem Kopf ein wenig und versuchte sich klar zu werden, wie viel fünf Heller eigentlich waren. Er hatte schon lange Zeit in den wilden Landen verbracht, da war ihm das Gefühl für Geld ein wenig abhanden gekommen. »Ich besitze keine fünf Heller.« Der Händler verzog das Gesicht. »Aber! Ich habe Salz« »Salz. Weißes Gold. Ihr Wilden hat erstaunlich viel Salz dieser Tage.«, brummte der Händler misstrauisch. Doch wusste er, dass Salz genauso wertvoll war wie Gold oder Edelsteine. »Wie viel Salz besitzt du? Raéyun.« Er sprach das letzte Wort ein wenig verächtlich aus. Und Adraéyu zog zwei kleine Salzwürfel aus seiner Tasche. Er war so besonnen gewesen, den großen Klumpen, welchen Benwick ihm geschenkt hatte in viele kleine Würfel zu zerschneiden. So musste er keinem Händler offenbaren, wie viel Salz er wirklich hatte und konnte besser feilschen. Diese zwei Würfel entsprachen jeder ungefähr einem Wert von zwanzig Hellern. Da dieses Salz aber noch veredelt werden musste, lag ihr gemeinsamer Wert ungefähr bei dreißig Hellern zusammen. Gierig warf der Händler seine Blicke auf die Salzwürfel. »Einverstanden. Für diese zwei Würfel sollst du den Wein haben.« »Hältst du mich für einen Narren?« Der Händler sah Adraéyu ein wenig feindselig an. »Nur für einen windigen Raéyun.«, brummte der Händler. »Für eine gute Flasche Eiswein und dem Goldenen, gebe ich dir einen Würfel.« Das Angebot war gut, das wusste der Händler und das wusste Adraéyu. Doch war der Händler nicht wirklich zufrieden. »Gib mir den größeren Würfel.«, verlangte er, und Adraéyu nickte zustimmend. Er warf ihn ihm zu und der Händler legte ihn auf seine Waage. Sogleich zog er unzählige, winzige Gewichte heraus. Und einen Lederbeutel, in welchem unzählige, winzige Eisenkügelchen waren. Jedes dieser Kügelchen wog nahezu einen Milligramm und er ließ schnell eines nach dem anderen auf die Waage fallen, bis sie sich mit dem Salz die Waage hielten. Es klang beinahe wie Regen, als die Kugeln auf die Schale klapperten. Er kniff die Augen zusammen und zählte die winzigen Eisenkügelchen. »Einverstanden.«, murmelte er, als er das Gewicht des Würfels ermittelt hatte. Er stand auf, zog eine Flasche Eiswein aus dem Regal und reichte sie ihm zusammen mit dem Goldenen aus Thasani. Adraéyu verstaute die Flaschen in seiner Ledertasche und dankend entfernte er sich schließlich von dem Händler. Er spürte noch einige Zeit die Blicke des Mannes in seinem Rücken, doch rief er kurze Zeit später wieder und pries seine Waren an.

Der nächste Stand unterschied sich von den anderen. Seine Packtiere waren weder Pferde, noch Maultiere. Drei fremdartige Tiere standen neben seinem Zelt, umringt von staunenden Kindern und wildländischen Männern und Frauen. Sie hatten diese Tiere noch nie gesehen. Adraéyu kannte sie unter dem Namen Kamel. Dieser Stand war exotischer und fremdartiger. Die anderen Händler schienen alle aus den Nordreichen zu stammen, doch dieser hier nicht. Als Adraéyu sich dem Stand näherte, sah er hinter dem Stand, vor dem Eingang des kleinen, aufgebauten Zeltes, einen Mann stehen, dessen Haut so schwarz wie Kohle war. Sein Hals war über und über mit Ketten behangen. Ketten aus Gold, Ketten aus Holzperlen. Dicke Lederbänder, welche beinahe an ein Joch erinnerten. An jeder dieser Ketten hing ein Schmuckstück, oder ein Idol seiner Götter. Auch trug er dicke Ringe aus Gold oder Knochen und er hatte Ohrringe aus Horn und Geweih in seine Haut gestochen. Als er seine Hand erhob, rutschte ihm die Tunika etwas herunter, und entblößte einen Arm, welcher mit Narben, Brandzeichen und schwarzen Verzierungen übersäht war. Dieser Mann war ein wandelndes Kunstwerk, so erschien es Adraéyu. Ein faszinierender Anblick dem man sich beinahe nicht entziehen konnte. Adraéyu ertappte sich dabei, wie er ihn beinahe glotzend anstarrte und von Kopf bis Fuß musterte. Seine schwarzen, krausen Haare waren zu dicken Strähnen aus Filzlocken zusammengebunden. In den einzelnen Strähnen, welche jede dicker als Adraéyus Daumen war, waren Perlen, Kupfer oder Eisenbänder oder ähnlicher Schmuck eingeflochten worden. Der Mann war gerade damit beschäftigt Rauch aus einer seltsamen Wasserpfeife zu blasen. Fasziniert begutachtete er die ausgelegten Waren. Exotische Früchte, Schnitzereien und duftende Seifen. Gewürze, Tabak und fremdländische Kräuter lagen ausgebreitet auf dem Tisch. Aber auch kunstvoll verzierte Schnitzereien aus weißem Horn oder Stoßzähnen und schwarzem Edelholz. Idole und kleine Götzen. Dieser Mann hatte seine Heimat mitgebracht.

Große Schalen aus Holz oder Messing oder gar Kupfer standen auf den Tischen verteilt. Darin befanden sich Berge an buntem Pulver. Rot, gelb, weiß, orange. Gewürze, die keiner in den wilden Landen je gerochen oder gar gekostet hatte. In einer Schüssel lagen unzählige rote Fäden. »Was ist das?«, fragte Adraéyu ohne wirklich sicher zu sein, ob der Mann ihn überhaupt verstehen würde. »Safran.« »Safran? Wofür wird das verwendet?« Der Mann lächelte ihn an. Und die weißen Zähne blitzten aus dem schwarzen Gesicht hervor, wie die Sonne. »Safran ist Gewurz. Kunigliches Gewurz.«
Adraéyu hob seinen Kopf über die Schale, schnüffelte und versuchte den Geruch des Safrans auf der Zunge zu schmecken. Doch empfand er den Safran nicht so besonders. »Woher stammst du?«, fragte er den Mann. Er war wirklich weit herum gekommen, doch einen Mann wie ihn hatte er noch nie gesehen. »Menainon.« Adraéyu hatte von diesem Land gehört. Es lag weit im Südwesten, umgeben von Meer, Dschungel und Bergen. »Was führt dich in den hohen Norden?« Der Mann lächelte wissend, als ob Adraéyus Frage rhetorischer Natur gewesen war. Er deutete mit den geöffneten Handflächen zum Himmel gerichtet auf den Tisch und ließ sie langsam über seine Waren wandern. »Handel.« »Und, ist der Handel lohnend?« Der Mann nickte und schwieg. Sein Blick musterte Adraéyu, wie dieser den Menai zuvor gemustert hatten. »Deine Augen. Wie Feuer und Gold.« Er deutete mit seinem Zeigefinger zuerst auf Adraéyus Augen, und dann auf die seinen. Adraéyu nickte. »Ich bin ein Raéyun.« Der Mann wiederholte das Wort. »Raaûn.« »Nein. Ra-éyun.«, betonte Adraéyu das Wort. Doch der Menai nickte nur. Sein Blick fiel auf eine der Flaschen, welche aus Adraéyus Tasche hervor lugten. Als Adraéyu den Blick bemerkte zog er sie kurz aus der Tasche heraus, und zeigte dem Mann, was es war. »Wein.« »Wilde Menschen kennen nur Bier und Wein. In unserem Land, Männer trinken das hier.« Bei diesen Worten zog er eine weiße Flasche aus einem Korb. Sie war mit unzähligen, blauen, filigranen Mustern und Verzierungen bemalt worden. Ein derartiges Material hatte Adraéyu noch nie gesehen. Es sah aus wie glatter, polierter Stein, der anschließend bemalt wurde. Er winkte Adraéyu zu sich, und deutete auf einige große Kissen, welche am Boden lagen. Adraéyu nahm Platz und der Mann tat es ihm gleich. Er öffnete die Flasche und goss den Inhalt in zwei kleine Becher, welche aus dem selben Material wie die Flasche zu bestehen schienen. Auch sie waren kunstvoll bemalt. Als Adraéyu daran roch biss ihm der Geruch brennend in die Nase und ein ihm unbekannter, süßlicher Geruch schwängerte die Note. »Starke Männer trinken das.« »Was ist das?«, fragte Adraéyu skeptisch, doch der Mann schwieg nur und nickte auf den Becher in Adraéyus Händen. »Kosten.« Er hob seinen Becher und hielt ihn vor sich. Er verharrte einen Augenblick, bis Adraéyu verstand was er wollte. Sogleich ließ er seinen Becher gegen den des schwarzen Menai schlagen und daraufhin verschüttete der Mann ein wenig von dem Getränk auf dem Boden »Für die Götter.«, murmelte er und Adraéyu tat es ihm gleich. Er fand diesen Brauch faszinierend, doch unglaublich verschwenderisch. Kurz darauf setzte der Menai den Becher an die Lippen und stürzte den Becher mit einem Schluck herunter. Als Adraéyu es ihm gleich tat, brannte der süßliche Alkohol unerbittlich in seiner Kehle und an seinem Gaumen. Tränen stiegen ihm in die Augen, doch er widerstand dem Drang zu würgen oder zu husten. Als der Schmerz nachgelassen hatte, nickte der Mann ihm anerkennend zu. »Guter Mann.« Er hatte nicht stark gesagt, doch immerhin hatte Adraéyu nicht gehustet oder es gar ausgespuckt. »Was ist das?«, flüsterte Adraéyu, da ihm die Stimme ein wenig versagte. »Rum.« Adraéyu hatte davon noch nie etwas gehört. »Zuckerseele.«, murmelte der Mann und erhob sich schließlich von seinem Kissen. »Er deutete auf die Flasche, doch Adraéyu winkte dankend ab. Der Nachgeschmack des Rums war wirklich gut, doch war er ihm deutlich zu stark, dieser Rum. »Wir haben Met. Der ist auch süß.« »Met?«, fragte der Menai neugierig. »Er wird am liebsten warm getrunken und aus Honig gewonnen.« Der Menai nickte verstehend. »Rum kann in Tee gegeben werden. Oder mit Honig im Kuchen.« Unter diesem Aspekt hatte Adraéyu das noch gar nicht betrachtet. Er grübelte eine Weile und schließlich fragte er nach dem Preis. »Wie viel?« Der Menai hob drei Finger in die Höhe »Silber« Doch Adraéyu schüttelte den Kopf. »Nimmst du auch Salz?«, fragte er den Menai, doch dieser winkte ab. »Nein. Salz bei euch teuer. Doch in meinem Land nicht.« Adraéyu verstand. »Dann muss ich leider Nein sagen. Ich besitze nicht so viel Silber.« Das stimmte zwar nicht, doch wollte Adraéyu nicht sein ganzes Geld für Alkohol ausgeben. »Wirklich Schade.«, sagte der Menai und verbeugte sich leicht. Adraéyu kam nicht umhin es ihm gleich zu tun. »Vielleicht im Herbst?« Und der Menai nickte.

Sie würden die wilden Lande auf den gängigen Pfaden durchqueren und dabei jeden Clan und die meisten der zugehörigen Dörfer besuchen, bevor sie am Anfang des Sommers wieder in den Süden ziehen würden. Viele Dörfer blieben unbesucht. Doch sandten die Händler meist einen Boten in die Dörfer, um sie von ihrer Anwesenheit zu unterrichten, und die Menschen besuchten die Händler dann an den Sammelplätzen, wo sie oft für eine oder zwei Wochen lagerten, um ihre Waren zu veräußern. Einige Händler kamen nur ein Mal im Jahr. Doch in der Regel kamen die Händler einmal im Frühjahr, und einmal im Herbst. Im Sommer arbeiteten die meisten auf den Feldern oder den Weinbergen, in Fabriken oder Brauereien, oder wo auch immer sie ihre Waren her bezogen. »Dann lade ich dich auf einen Met ein. Er ist nicht so stark wie dein Rum, aber schmeckt gut.« Der Menai hob die Hand und legte sie auf seine Brust. »Ich würde mich freuen.« Adraéyu bedachte den schwarzen Händler noch ein letztes Mal, bevor er sich dem letzten Karren zuwandte. Dieser gehörte zu einem der Händler der nur im Frühling kam. Im Herbst war seine Ware meist ausverkauft, und er musste weit reisen um neue zu beschaffen. Es war ein großer Wagen, doppelt so groß wie die anderen. Mit vier Pferden davor gespannt. Der Wagen stand etwas abseits. Es war eine große Ladefläche mit einem zwei Meter hohen Eisengitterkäfig darauf. Vor dem Wagen war ein umzäunter Bereich aufgestellt worden, welcher von einigen gelangweilten Wachen und grimmigen Söldnern bewacht wurden. Innerhalb dieses umzäunten Bereichs war eine große Bühne aufgebaut, und darauf stand ein Mann der lauthals seine Ware anpries. Sklaven. Der Sklavenhändler besuchte auch die abgeschiedeneren Dörfer. Hierfür ließ er den Wagen zurück, und band die Sklaven aneinander, und diese Kette dann an ein Pferd. Wie eine Kette mussten sie dem Pferd durch das unwegsame Gelände hinterher trotten, und viele kamen dabei oft zu Fall, und wurden mit Peitschenhieben dafür bestraft. Hinter dem Sklavenhändler standen zwei Frauen und drei Männer. Die meisten waren Menschen. Adraéyu wusste, dass es im Clan eine dieser aufsässigen Hörigen mit lilaner Haut und weißen Haaren gab. Doch sie war unbeugsam, ungehorsam und unbelehrbar. Sie wurde beinahe tagtäglich geschlagen. Ihrer Sippe, der sie gehörte, war es bisweilen noch nicht gelungen sie zu brechen. Doch Adraéyu wusste. Eines Tages war jeder Stolz und jeder Trotz und jede Auflehnung dahin. Diese Shiín, wie dieses Volk genannt wurde, wurde tagtäglich von den Männern der Sippe vergewaltigt, und sie ertrug es. In gewisser Weise bewundernswert, fand Adraéyu.

Sklavenhandel war ein hartes und skrupelloses Geschäft. Nicht jeder der Händler war damit einverstanden. Doch brachte der Sklavenhändler auch einen Haufen erfahrener und skrupelloser Söldner mit sich, welche die Sklaven bewachten und somit auch die Händler. Ohne den Sklavenhändler müssten sie die Söldner von ihrem eigenen Geld bezahlen. Doch auf diese Weise kamen sie weit günstiger weg, da sie dem Sklavenhändler nur einen Leibschutzobulus abtreten mussten. Und dafür schützten die Söldner sie vor etwaigen Übergriffen. Daher nahm man den Sklavenwagen in Kauf. In den wilden Landen störte sich niemand am Sklavenhandel. Hörige und Leibeigene lebten hier schließlich in beinahe gleicher Zahl wie freie Männer und Frauen. Und wer absolut nichts für die anderen Händler zu bieten hatte, der verkaufte einen gut erhaltenen hörigen Leibeigenen um vom Erlös die benötigten Waren zu erhalten. Alles war ein Geben und Nehmen.

Die Sklaven waren nur mit einem Lendenschurz bekleidet um möglichst viel von ihren Vorzügen zu zeigen. Und die beiden Frauen bedeckten beschämt ihren Busen. »Seht sie euch an! Ich habe heuer gute Ware dabei! Kräftige Männer, und hörige, willige Frauen!« Er zerrte eine von ihnen einen Schritt nach vorne und sie stolperte mit kurzen Schritten hinter ihm her. Sie hielt den Kopf gesenkt und versuchte das Gleichgewicht zu halten und ihre Brüste wippten zu den holprigen Schritten im Takt. Sie war deutlich elfischer Abstammung. Als er sie hervor zog spuckten einige der wilden Männer auf den Boden. Auf ihrem scheuen und verschreckten Blick zeichnete sich Furcht und Angst ab. Die Angst vor Züchtigung, oder gar mehr. »Diese hier hat ein gutes, gebärfreudiges Becken. Gut um Kinder zu zeugen!« Er schubste sie rüde in die Reihe zurück und sie fügte sich ohne zu beugen. »Ich höre Gebote ab zwanzig Hellern! Oder einem halben Pfund Salz!«, niemand regte sich. Entweder war sie zu teuer, oder keiner der Anwesenden hatte Interesse an ihr. »Ihr wisst, ich tausche auch gegen andere Sklaven. Der Süden ist immer fasziniert von den Hörigen des Nordens.« Einige Männer murmelten bei diesen Worten.

Der Sklavenhändler trat an die nächste Frau heran. Sie hatte blonde Haare und graue Augen. Sie wirkte ein wenig stolzer als die vorherige. Doch wich sie den Blicken der Sklavenhändler merklich aus. »Diese hier ist aus Arcanis! Stolzes Volk.« Er zwang sie sich vor den Männern zu drehen. Er kniff ihr in den Hintern, um zu zeigen wie stramm er war und als sie sich umgedreht hatte, zwang er ihre Hände von den Brüsten. Sie waren etwas üppiger als die der Elfe. Doch war sie weniger grazil. Sie glich mehr einer wilden Frau aus dem Norden, als einer aus dem Süden. Einer der Anwesenden pfiff durch die Zähne und manche nickten zufriedener. »Sie soll sich ausziehen!«, rief einer der Männer und der Sklavenhändler sah die Arcanierin auffordernd an. Doch als sie sich nicht bewegte da zog er ein Messer und schnitt ihr den Lendenschurz auf der Seite auf und riss ihn ihr herunter. Sogleich bedeckte sie ihre Scham, doch erntete sie dafür sogleich eine schallende Ohrfeige von dem Sklavenhändler. »Füge dich, oder du wirst es bereuen.«, zischte er ihr ins Ohr. Ihr blondes Haar gefiel den Männern, welche ein wenig unruhiger in der Menge wurden. »Ich höre Gebote ab dreißig Hellern! Oder das entsprechende Gewicht in Salz!«, rief der Händler und sogleich hob ein Mann seinen Salzbrocken in die Luft. »Hier!« Der Brocken war klein, doch entsprach er ungefähr der geforderten Menge. Ein anderer Krieger hob ebenfalls seinen Salzbrocken in die Luft, und dieser war etwas größer als der des ersten. »Ich habe sie zuerst gesehen!« »Und ich habe mehr zu bieten.«, knurrte der andere. Sie gerieten aneinander und schlugen sich. Sogleich schritten die Söldner ein und zogen die Beiden auseinander. »Nicht bei meinem Stand.«, sagte der Händler beschwichtigend. »Ihr vergrault mir ja die Kunden!« Bei diesen Worten setzte er ein überzogenes Lachen auf und die beiden stimmten zögerlich mit ein. »Ich biete drei Silberlinge.«, dröhnte eine bekannte Stimme an Adraéyus Ohr. Er sah sich um, doch er wusste längst wer es war. »Benwick!«, riefen einige der Anwesenden, und machten ihrem Fürsten Platz. Der Sklavenhändler schluckte ein wenig. Er war immer froh, wenn die Führer eines Dorfes seinen Stand nicht besuchten. Keiner wagte den Fürsten zu überbieten, und der Fürst ließ auch nur selten mit sich verhandeln. Wenn er die Ware nicht zu dem gebotenen Preis verkaufte, dann würde die anderen Sklaven wohl auch keiner mehr haben wollten. »Einverstanden.«, murmelte der Sklavenhändler und klatschte in die Hände. Sogleich schritten zwei Wachen von ihren Posten auf die Arcanierin zu und zerrten sie von der Bühne. Sie wehrte sich beherzt, doch nützte es nichts. Als Benwick dem Mann sein Geld gegeben hatte, gehörte sie ihm. Er packte sie am Arm und sah ihr tief in die Augen. Und das genügte auch schon um sie zu bändigen. Wortlos schritt sie, nackt wie sie war, hinter ihm her, als er sie in seine Halle brachte, um sie Asas Haushalt zu unterstellen.

Indes ging der Handel um die Sklaven weiter. Doch da keine Frauen mehr anwesend waren, die die Männer interessierten, blieben nur noch jene Interessenten übrig, die einen kräftigen Sklaven für die Feldarbeit oder ähnliches benötigten.

Adraéyu hatte kein Interesse an einem Hörigen. Wenn er einen besäße, dann würde er ihn mit Freuden verkaufen. »Würdest du die Elfe tauschen?«, vernahm Adraéyu eine Stimme, als er sich schon zum Gehen wenden wollte. »Das kommt darauf an, was du zu bieten hast.«, hakte der Sklavenhändler skeptisch nach. »Eine unbeugsame Frau mit weißen Haaren und violetter Haut!«, rief er. »Eine Shiín?« Seine Augen weiteten sich. Shiín, waren zweifellos wertvoll. Aber sie waren schwer zu halten. »Zeigt sie mir, und ich will es mir durch den Kopf gehen lassen!« Bei diesen Worten stob der Mann davon um zu seinem Haus zu eilen. Sie würden mehrere Männer benötigen um die lila Furie zum Platz zu bekommen, aber die meisten würden wohl froh sein, wenn das biestige Weib endlich fort sein würde. Die schüchterne Elfe war zwar minderer Dreck in den Augen der wilden Männer, aber besser als die Shiín. Adraéyu hatte kein Interesse an dem Rest der Veranstaltung und wandte sich von dem Stand ab. Und er wandte sich dem wandernden Volk zu. Er sah einige Gängler nahe der Wagen herum lungern, und hier und da tanzten und musizierten Männer und Frauen. Kinder tollten herum, und Lieder schwangen durch die Luft. Er gönnte sich eine kurze Pause von dem Trubel des Allmende. Er schwatzte mit den Zigeunern, sang bei bekannten Liedern mit und tanzte mit einer der liebreizenden Frauen. Die Zeit verging wie im Flug, und nach gefühlten zwei Stunden verabschiedete er sich von ihnen. Es war ihm stets eine Freude, dem fahrenden Volk zu begegnen. Sie hatten stets neue Geschichten zu erzählen, und Adraéyu hatte gespannt zu gehört. Es war nötig genau zu lauschen, um die Lügen und die feinen Ausschmückungen zwischen den Wahrheiten heraus zu hören, doch es lohnte sich stets.

Als er wieder in seinem Haus angekommen war, da wartete bereits Benwick auf der Bank, welche neben der Tür stand. »Arn, du lässt mich ganz schön lange hier warten.« »Ich wusste nicht, dass du mich besuchen willst.«, antwortete Adraéyu überrascht, während er die Tür öffnete und Benwick hereinbat. »Was führt dich zu mir?« »Ich bringe dir eine Gabe.« Benwick tätschelte auf seine Tasche, welche er sich umgehängt hatte. »Wofür?«, fragte Adraéyu verwundert. »Für deine guten Dienste an unserem Clan. Und außerdem glaube ich, dass du es dringend brauchen wirst.« Das hatte Adraéyu neugierig gemacht. »Hast du Durst? Ich habe Wein bei den Händlern gekauft.«, fragte Adraéyu, und war froh dass Benwick ablehnte. So musste er den teuren Wein wenigstens nicht noch am selben Tag köpfen. »Hat Asa die neue Sklavin gefallen?« Benwick lächelte ein wenig durchtrieben. »Wer weiß? Mir jedenfalls gefällt sie.« Er lachte und öffnete seine Tasche. Er zog ein Bündel heraus, welches in rotes Fuchsfell eingewickelt worden war. Sorgsam öffnete Adraéyu die Lederschnüre, welche das Bündel zusammen hielten und wickelte das Bündel aus. Darin war eine rote Maske eingepackt, die wie der Kopf eines Fuchses aussah. Sie war rot bemalt und über und über mit Runen versehen. Als er das Bündel gänzlich ausgepackt hatte, stellte er fest, dass das Fuchsfell, in welchem die Maske eingewickelt worden war, ebenfalls zu der Maske gehörte. Es war ein Kurzer Umhang, welcher Adraéyu wohl gerade bis zum Gesäß reichen würde. »Vielen Dank.«, sagte Adraéyu ehrlich. »Ich dachte mir, dass sie dir gefallen wird. Trage sie mit Stolz.« Adraéyu nickte. »Ach ja. Es ist durchaus üblich, außer dieser Maske nichts am Leib zu haben.«, bei diesen Worten grinste er Adraéyu schelmisch an und Adraéyu errötete ein wenig. »Wirklich?« Benwick nickte und legte ihm die Hand auf die Schulter. »Du hast doch nichts zu verstecken oder? Ha ha!« Er lachte dreckig und klopfte Adraéyu kräftig auf die Schulter, dass ihm kurz die Luft ausblieb. »Ich denke nicht«, murmelte Adraéyu spitzbübisch. Benwick öffnete die Tür und trat auf die Schwelle. Auf dieser wandte er sich noch einmal an Adraéyu um. »Ach ja. Es ist Brauch, dass die Männer sich den Bart abschneiden.« Bei diesen Worten fuhr sich Adraéyu geistesabwesend über das Kinn und bemerkte erst so richtig, wie üppig sein Bartwuchs inzwischen geworden war. »Warum?«, hakte er nach, doch Benwick zuckte die Achseln. »Frag mich nicht. Wohl, damit man die Männer trotz der Masken nicht erkennt.«, murmelte Benwick. »Wenn du mich fragst, haben das die Weiber eingefädelt. Damit sie bei dem Fest nicht dauernd Haare im Mund haben!«, Benwick lachte wieder und verließ dann Adraéyu.
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Als der Abend langsam dämmerte, packte er sich zusammen. Er wurde sich der Worte Benwicks gewahr, welcher gesagt hatte, dass man üblicherweise nackt zum Fest erschien. Doch das war Adraéyu dann doch etwas zu gewagt. Wenn man ihn nackt aus dem Haus gehen sah, dann wusste doch jeder wer er war und die Maske würde sinnlos sein. Er hatte unzählige Kerzen aufgestellt und sie rings um eine Schüssel Wasser verteilt und saß leicht gebeugt über dieser Schüssel. Er konnte sein Gesicht halbwegs gut im Wasser erkennen, und tauchte ein Stück Seife in das Wasser um seinen Bart ordentlich einzuschäumen. Anschließend nahm er sich sein scharfes Langmesser zur Hand und hielt es ein wenig unbeholfen an die Wange. Es war aber zu lang. Also nahm er es nicht am Griff, sondern stattdessen direkt an der Mitte der Klinge. Er musste aufpassen, dass er sich nicht an der Klinge die Finger aufschnitt, und hielt es daher vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger eingeklemmt. Langsam und behutsam schabte er dann seine schaumigen Wangen entlang und legte so mehr und mehr seiner Haut frei. Es ging recht zügig voran, denn die Klinge war sehr scharf. Lediglich am Hals und an der Oberlippe ging er besonders vorsichtig zu Werke, um sich nicht zu schneiden. Als er fertig war, wusch er sich in dem Wasser das Gesicht ab und trocknete sich mit einem Tuch ab. Da das Wasser nun zu verunreinigt war, um sich darin zu erkennen, brachte er die Schüssel hinter das Haus, und schüttete sie in die Sickergrube. Dann stellte er sie wieder auf den Tisch und goss ein wenig neues Wasser hinein. Als der Wasserspiegel sich wieder beruhigt hatte, besah er prüfend sein Gesicht und war zufrieden. Er hatte sich schon lange nicht mehr selbst gesehen. Spiegel waren äußerst selten und in den wilden Landen besaß niemand einen.

Er zog sich zuerst das Hemd aus, legte dies über die Stuhllehne und fuhr sich über die Brust. Er überlegte kurz sich die wenigen Brusthaare auch zu entfernen, doch entschied er sich dann dagegen. Benwick hatte nur vom Bart gesprochen. Und wenn er bei der Brust anfing, wo sollte es enden? Er nahm die Maske zur Hand und legte sie sich auf das Gesicht. Dann zog er die Lederriemen streng zusammen und knotete sie fest. Danach legte er sich den Fuchsmantel an und verknotete die Kordel, welche in das Fell eingearbeitet worden war. Die Hose ließ er an. Er würde sie erst auf dem Fest ausziehen. Sollte Benwick doch nackt auf dem Platz herumlaufen, wenn es ihm so gefiel.

Er nahm seine Laute zur Hand und ging zur Tür. Doch als er die Tür einen Spalt geöffnet hatte schüttelte er den Kopf. Wie töricht war das denn? Wenn er mit der Laute auf dem Fest aufkreuzen würde, dann brauchte er sich nicht verkleiden. Er stellte die Laute wieder ab und verließ das Haus. Es war das erste Mal, dass er ohne ein Musikinstrument das Haus verlassen hatte, seit er in den wilden Landen lebte. Er fühlte sich ein wenig nackt. Nackter als er ohnehin schon war.

Der gesamte Dorfplatz war mit Fackeln abgesteckt. Vor jedem Haus war eine in den Boden gerammt worden und erleuchtete den Platz mit dem schummrigen Licht der flackernden Feuer. Die Fackeln führten in einem geschwungenen Weg zum Tor, hinaus auf den Allmende. Es war keine Menschenseele zu sehen. Adraéyu war ein wenig zu spät los gegangen. »Verdammtes Rasieren.«, fluchte Adraéyu. Er beschleunigte seine Schritte und verließ schließlich das Dorf. Keine Wachen standen am Tor. Das Dorf war wie ausgestorben. Wenn diese Nacht ein Angriff durch Rache suchende Orks, oder einer Sippe, welche mit Benwicks Clan in Fehde stand, erfolgen würde, wäre das Unheil groß. Lediglich die Kinder lagen in ihren Betten, und die Ammen und Alten waren bei ihnen. Und natürlich die Hörigen, denen das Beiwohnen beim Beltane verboten war. Adraéyu fragte sich stets, warum sie solche Gelegenheiten nie zur Flucht nutzten.

Er sah das große Walpurgisfeuer am Waldrand lodern. Die Flammen gingen beinahe zehn Meter in den Himmel, bevor die Funken sich von den Flammen lösten und noch viel weiter in den dunklen Himmel erhoben und vom Wind davontragen ließen. Er sah Schatten und Schemen um das Feuer tanzen und überall auf dem Feld und im Wald loderten kleine Lichtpunkte, welche ebenfalls Fackeln waren, die in die Erde gesteckt worden waren. Nun begann Adraéyu zu rennen, um nicht gar die Weihungszeremonie zu versäumen. Als er dem Feuer immer näher kam, sah er dass die meisten Menschen sich am Waldrand versammelt hatten. Er sah unzählige verschiedene Masken. Eine ähnelte einem Bär, eine andere war ein echter Hirschkopf mit samt dem Geweih. Er fragte sich ob diese Maske nicht beim Liebesspiel stören würde? Viele trugen die Masken von Vögeln oder anderen Tieren. Doch manche Masken waren einfach nur eine lederne Haube oder ähnliches. Er sah auch eine Maske die einem Waldrapp glich, mit einem sehr langen Schnabel. Er trug einen Umhang welcher über mit Federn vernäht worden war. Dies musste einer von Benwicks Hersen sein. Nur die besonderen Masken, welche Benwick alljährlich zum Fest verschenkte wurden mit einem besonderen Umhang bedacht. Wie die seine, oder Rahelas Rabengewand.

»Möge die Fruchtbarkeit der Menschen, und das Leben dieses Opfers auf das Land übergehen.«, vernahm er die tönende Stimme Rahelas, in dem Stimmenmeer, welches vor sich hin murmelte. Er hatte den Beginn der Zeremonie verpasst, doch wenigstens sah er noch das Ende. Er drückte sich ein wenig durch die Menge und sah wie eine große Wildsau gerade zu Rahelas Füßen verblutete. Sie weihte einen großen Stein, welcher neben ihr auf dem waldigen Boden lag. [18]Und kurz darauf traten einige Frauen an den Brautstein heran. Sie entkleideten sich, sofern sie es nicht schon längst waren und begannen ihre Scham an dem Stein zu reiben. Unwillkürlich begann sich seine Männlichkeit in der Hose zu regen, als er dieses Geschehen beobachtete. Während die Frauen sich an dem Stein rieben und sich einen Liebsten oder ein Kind wünschten, begannen einige der Umstehenden ebenfalls ihre Gewänder abzulegen. Viele Männer waren sichtlich erregt, und andere halfen mit ihren Händen etwas nach.[/18] »Trinkt! Kostet vom Blut der Götter!«, rief Rahela und hob einen rötlichen Kelch aus Kupfer in die Höhe. Sie hatte ihn mit dem roten Bier aus einem mannshohen Fass gefüllt. Das Bier war rot, weil berauschende Kräuter und Essenzen in das Bier gemischt worden waren. Sie sollten die Hemmungen fallen lassen, und die Zügellosigkeit und die Lust fördern. Jeder trat an das Fass heran und füllte seinen Becher. Und die Wirkung des Trunks ließ auch nicht lange auf sich warten. Und als Rahela sich langsam von der Ritualstätte entfernte, begannen die Feierlichkeiten. Eher eine Orgie, wenn man genauer war. Manche legten gleich an Ort und Stelle los. Sie küssten sich innig und drückten sich gegenseitig auf den moosigen Waldboden. Ein Paar liebte sich direkt auf dem Brautstein. Adraéyu wusste nicht wie ihm geschah. Nichts und Niemand hätte ihn auf dieses Fest vorbereiten können. Von so viel ausschweifender Lust und Liebe konnte ein Mann sonst nur träumen.

Als er endlich an dem Fass angekommen war, und das Bier kostete da schmeckte es süßlich und benebelte sehr schnell seine Zunge. Er fühlte sich gut und stark. Er war bereit es mit jedem aufzunehmen. Doch da ihm auch niemand gesagt hatte, wie man sich bei diesem Fest zu verhalten hatte, schritt er ein wenig unsicher zum Rand des Waldes. [18]Auf dem Weg sah er Liebende die sich innig umarmten, aber auch Männer und Frauen die sich wilden, ekstatischen Bewegungen ergaben. Die meisten Männer lagen auf den Frauen und beglückten sie mit ihrer Männlichkeit. Doch hier und da sah er auch Männer auf dem Rücken liegen und die Frau verwöhnte ihn mit ihrem Mund oder saß auf seiner strammen Männlichkeit und ritt ihn wie einen Hengst.
Er sah sogar Männer die von mehreren Frauen zugleich befriedigt wurden, oder gar zwei Männer die es miteinander trieben. Diese hatten wohl eindeutig zu viel von dem Bier getrunken und etwas angewidert wandte Adraéyu den Blick von ihnen ab. Vor ihm standen zwei Männer, welche gerade zugleich die selbe Frau bestiegen. Während der eine von hinten in ihr steckte und sich an ihren Brüsten festkrallte, hielt der andere ihre Schenkel in die Höhe und drang in ihre feuchte Lustgrotte ein. Sie stöhnte kehlig auf und genoss jeden einzelnen ihrer befriedigenden Stöße. Sie krallte sich in die Oberarme der Männer und hinterließ tiefe Kratzer und Furchen. Doch kein Wort drang über die Lippen der Anwesenden.[/18] Die lustvollen Laute der Männer und Frauen waren in Wald und Wiese und auf weiter Flur zu vernehmen, doch keine Stimme erschall. Es war wie ein großer Zauber, welcher sich über das Land legte. Und da kein Mensch ein Wort sprach, war es eine bezaubernde und knisternde Stille, welche die Liebenden in ein noch erotischeres Licht tauchte, als es der Mond und die Feuer ohnehin schon taten. [18]Adraéyu wurde von dieser Stimmung erfasst und sein Schwanz pulsierte fordernd in seiner Hose.[/18] Er hatte seine Hand an einen Baum gelegt und sah über die Männer und Frauen, welche – wie er – suchend herum streiften. Manche hatten es nicht so eilig. Sie genossen den Augenblick und lustwandelten durch die Menge. Andere erfreuten sich an dem Anblick, den andere ihnen boten und streichelten sich dabei sogar selbst.

[18]Plötzlich berührte Adraéyu eine zierliche Hand von hinten an der Brust. Sie krallte sich zunächst in die harten Muskeln, und ein wohliges Raunen erklang nahe an seinem Ohr. Für einen kurzen Moment erschrak er und sein Herzschlag beschleunigte sich. Doch er rührte sich nicht. Er wollte den Moment auskosten. Wann würde er jemals wieder so eine Gelegenheit erhalten? Die Hand glitt an seinem Oberkörper hinab, während die zweite Hand sich langsam dazu gesellte. Langsam und Bauchmuskel für Bauchmuskel, rutschte die Hand immer tiefer. Die Frau trat etwas näher an ihn heran und er spürte ihren warmen Körper am Rücken. Doch er wollte mehr spüren. Er zog an der Kordel, welche das Fell an seinem Hals zusammen hielt, und zog das Fell von seinem Schultern. Augenblicklich drückten sich zwei weiche und warme Brüste in seinen Rücken und die Frau legte ihren Kopf gegen seine Schulter. Er warf das Fell auf den Boden vor sich und währenddessen nestelte sie an seiner Hose. Sie zerrte an dem Knoten, doch bekam sie ihn nicht auf und so ging er ihr sanft zur Hand. Kaum war der Knoten offen, da zog sie ihm schon die Hose hinunter und sein Glied sprang förmlich aus der Hose heraus. Sie kicherte erregt, als sie es bemerkte und trat schließlich vor ihn. Sie war etwas kleiner als er. Blonde Haare lugten unter der Maske hervor und hingen lang hinab und bedeckten ihren Busen. Er strich ihr die Haare zur Seite und bewunderte ihre Rundungen. Sie schmiegte sich näher an ihn heran und drückte ihre Scham gegen die Seine und rieb sich lüstern daran, während ihre Lippen die seinen suchten. Er erwiderte ihren Kuss und streichelte mit seiner rechten Hand ihren Rücken, glitt hinab zu ihrem Hintern und zugleich suchte seine linke Hand ihren Busen. Ihre Küsse wurden fordernder und bald rangen ihre Zungen in ihren Mündern miteinander. Während sie küssten trat sie einen Schritt zurück, und zog Adraéyu an seinem Gemächt mit sich. Sie ließ sich langsam auf dem Fuchsfell nieder, und er folgte ihr, wie betört und willenlos. Als sie am Rücken lag begann er ihre Schenkel zu teilen und ihren Busen zu liebkosen. Und dann wollte er einfach nicht mehr länger warten. Er drang kurzerhand in sie ein und begann sogleich mit harten, schnellen Stößen seine Lust an ihr zu befriedigen. Und sie genoss jeden Einzelnen. Sie stöhnte und räkelte sich lustvoll. Immer wieder krallten sich ihre Hände in seinen Hintern oder in seine Brust. Nach einer gefühlten Ewigkeit erfüllte ihn langsam eine Welle der Lust, die sich bis zu einem gewaltigen Höhepunkt hinauf schraubten. Er hatte schon so lange bei keiner Frau gelegen, dass er drohte zu explodieren, und das Liebesspiel eigentlich schneller vorbei gewesen war, als es ihm vorgekommen war. Als er sich aus ihr zurück zog, da lief sein Samen aus ihr heraus und er legte sich ein wenig matt und mit bebender Brust neben sie. Doch sie schien noch nicht genug zu haben. Sie stand auf und suchte sich schon den Nächsten. Ein wenig irritiert blieb Adraéyu liegen und sah in den Himmel hinauf. Das Bier, welches Rahela das Blut der Götter genannt hatte, rauschte in seinem Blut und dieses in seinen Ohren. Auch er verspürte noch die Lust in seinen Gliedern. Auch er wollte mehr. Doch kam er gar nicht mehr dazu aufzustehen. Hände berührten seine Schenkel, und streichelten ihn sanft. Und zärtliche Küsse bedeckten seine Männlichkeit Die Küsse gingen in ein Lecken über und schließlich in ein Saugen. Er hob den Kopf und vor ihm war eine Frau auf den Knien und hatte seinen Schwanz in ihrem Mund. Er strich ihr durch das blonde Haar und sie löste ihre Lippen von ihm. Ihre Blicke trafen sich, durch die Masken hindurch. Doch erkannte er die Frau nicht. Sie krabbelte auf ihn zu und setzte sich auf seinen Schoß und begann ihn wollüstig zu reiten. Er schloss die Augen, packte ihren Busen und drückte fest zu. Und als er die Augen wieder öffnete, stand eine Frau über ihm. Sie hatte sich die Scham gänzlich abrasiert, und gestattete ihm einen tiefen Blick in ihr Allerheiligstes. Dieser Anblick erregte ihn noch viel mehr, und ohne zu zögern setzte sie sich auf sein Gesicht. Er begann sie zärtlich zu küssen und mit der Zunge zu liebkosen. Und er ließ von dem Busen der Frau, welche auf seinem Gemächt ritt ab, und krallte sich stattdessen in den Hintern der zweiten Frau ...[/18]
Zuletzt geändert von Adraéyu am So, 21. Okt 2012 0:35, insgesamt 3-mal geändert.
In den Weiden werden uns're Träume klingen,
und die Winde werden uns're Lieder singen.
Lasst uns mit den Funken übers Feuer springen,

in der Walpurgis Nacht.

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Re: das Spiel des Windes

Beitrag von Rahela » Sa, 20. Okt 2012 18:42

Das Fest war mitten im Gange. Auf dem Acker vergnügten sich bereits das eine oder andere Paar miteinander. Rahela hatte ihre Rabenmaskerade mittlerweile abgelegt und schritt in ihrem schlichten Kleid so gut wie unsichtbar durch die Menge und die Dunkelheit, die nur durch die Feuer erhellt wurden, auf der Suche nach Benwick. Er saß im Kreise der Hersen, an seiner Seite war Asa. Als er Rahela in der Ferne entdeckte, und sah, wie sie mit dem Kopf nach ihm nickte, murmelte er Asa schnell etwas ins Ohr. Sie nickte, legte ihm eine Hand auf die Schulter und er erhob sich dann und lief unauffällig Rahela hinterher, an den Waldrand, wo sie ungestört waren. Sie hatte einen Becher Wein in der Hand, und hielt ihn Benwick entgegen. Neben ihr stand eine Hörige, die einen glasigen Blick hatte. Er sah sie irritiert an und blickte dann fragend auf Rahela. „Sie ist mit einem Fluch belegt… Sie ist nicht mehr fähig zu sprechen und handelt in meinem Sinne… Ich brauche sie, damit sie meine Maskerade trägt… Hier ist der Wein, die Essenz ist bereits darin. Asa muss es bis auf den letzten Rest austrinken, es ist absolut geschmacksneutral, sie wird nichts davon bemerken, gib es ihr und komm dann gleich wieder zu mir, dann wechseln wir die Gewänder…“ Benwick tat, wie ihm geheißen, und Rahela fand es höchst amüsant, dass sie hier stand und dem Fürsten des Clans Anweisungen gab. Rahela bedeutete der Hörigen indes, ihre Rabenrobe anzulegen. Sie hatte ihre eindeutigen Anweisungen bekommen. Sie würde dem Fest beiwohnen, würde und durfte zu niemandem sprechen, und ganz wie Rahela oft war, ignorierend und abweisend sein. Sie würde stumm handeln wie eine Marionette. Nach kurzer Zeit kam Benwick zurück. „Hat sie den Trank getrunken?“ fragte sie ihn. Er nickte „Dann gib mir nun Deine Verkleidung“ meinte sie und hielt ihm eine andere Maske hin, auf die sie sich schon Tage zuvor geeinigt hatten. Nun legte er seine Kleidung ab und legte sich die Maske von Rahela an. Rahela ihrerseits legte Benwicks Maske und den Umhang über. „Die Wirkung des Trankes wird sich schnell einstellen. Beeil Dich, nimm Dir das Mädchen und komm bald wieder… Mir bleibt nicht so viel Zeit, ich habe heute noch etwas zu tun…“ wisperte sie. Benwick nickte, und verschwand, Rahela noch hinterher winkend. Rahela, in Benwicks Verkleidung, und die Hörige in Rahelas Rabengewand schritten durch die Menge. Viele Leute waren schon ziemlich betrunken, so dass Rahela kaum Sorge hatte, dass sie jemand enttarnte. Natürlich gab es immer jemanden, der den Fürsten behelligen wollte, selbst am Beltane, doch Rahela schritt erhaben und ignorierend durch die Menge, geradewegs hin zu Asa.

[18]Als Asa die Gestalt in der Berglöwenverkleidung sah, blickte sie verzückt drein. „Da bist Du ja, mein Liebster…“ gurrte sie. „Ich vermisse Dich schon zu lange…“ Rahela schmunzelte unter ihrer Maske, denn Asa war voll und ganz dem Trank verfallen, und ziemlich berauscht, vermutlich würde sie es nicht einmal bemerken, wenn Rahela sich nackt auszog, dass sie eine Frau war, und nicht ihr Mann. Doch die anderen würden es bemerken, und dies durfte nicht passieren. Irgend jemand würde sich merken, dass eine Frau in der Berglöwengewandung bei Asa gelegen war und es ihr nach dem Fest erzählen, und das würde auf jeden Fall für Fragen sorgen. Sie musste sie nur zehn Minuten hinhalten, vielleicht fünfzehn… Sie legte sich neben Asa und blickte dem Treiben zu. Doch Asa ließ sich durch Rahelas bestimmte abweisende Gesten nicht davon abhalten, sich an die verkleidete Rahela zu schmiegen. „Oh Benwick… Ich verzehre mich nach Dir…“ flötete sie… „Lass uns das Fruchtbarkeitsritual vollziehen, wie es sich für das erste Paar des Clans gehört...“ Asa nestelte an der Fibel, die den Umhang von Rahela zusammenhielt. Rahela hielt ihre Hände fest und wollte sie sanft wegdrücken. Doch Asa war Feuer und Flamme und wollte sich nicht vertrösten lassen. Rahela setzte sich auf und schnaufte. Asa kniete sich vor Rahela und wollte ihr den Umhang vom Leib reißen. Rahela wehrte sich und gab Asa einen Stoß, dass diese rücklings fiel und hart auf den Boden aufschlug. Einige der Hersen, die sich dezent zurückgezogen hatten, blickten auf und murmelten leise untereinander. Rahela entging dies ebenso wenig, wie Asas seltsamer verstörter Blick und fieberhaft überlegte Rahela in Bruchteil von Sekunden, was sie nun tun sollte. Dann kroch sie auf allen vieren auf Asa zu, und riss ihr den Umhang auf. Asas Blick klärte sich wieder und verzückt begann sie zu gurren. Die Hersen hatten sich nun wieder abgewandt. Asa hatte unter dem Umhang nichts an und Rahela betrachtete ihren schönen Körper. Es war kein Wunder, dass Benwick Asa so verfallen war. So musste der Körper einer Göttin aussehen. Asa erwartete nun eine Reaktion ihres Mannes, und wenn Rahela nicht wieder die Hersen auf sich aufmerksam machen wollte, musste sie nun etwas tun. Sie berührte Asas volle Brüste. Vorsichtig und sachte zunächst, so, als wären sie heiß. Doch nach kurzer Zeit wurde Rahela mutiger und sie knetete sie und Asa seufzte auf und schloss die Augen. Rahela ließ ihre Hände über Asas Bauch streichen und rutschte dabei bis in ihr rotblondes Nest zwischen den Beinen. Asa öffnete ihre Schenkel und gab den Blick direkt auf ihre Scham frei und Rahela starrte irritiert drauf und vernahm Asas seufzende auffordernde Worte „Küss mich, mein Liebster…“ Rahela schüttelte heftig den Kopf unter der Maske. Alles, nur das nicht! Das konnte niemand von ihr verlangen, auch nicht die Fürstin! Und auch dann nicht, wenn sie ihren Mann vor sich zu knien glaubte! Asas verklärter Blick wurde fordernder und sie wiederholte lauter „Küss mich zwischen den Beinen, mein Liebster!“, so dass es jetzt jeder gehört haben musste. Sie hatte keine Wahl. Jeder, der von dieser Situation mitbekommen hatte, würde sich morgen insgeheim über Benwick lustig machen. Es würde sich wie ein Lauffeuer durch den Clan verbreiten, dass Benwick sich in dieser Nacht vor seinen Hersen seiner Frau versagt hatte. Langsam beugte sich Rahela vor, und berührte mit ihren Fingern ihre Scham. Vielleichte reichte es, wenn sie ihre Finger benutzte. Es war nichts anderes, als wie eine Untersuchung einer Schwangeren, versuchte sie sich einzureden. Asa seufzte wohlig auf, als Rahela ihre Finger in Asa schob. Benwick musste jeden Moment zurückkommen... Und dann war sie erlöst! Doch Benwick kam und kam nicht und Asa wurde immer feuchter und rolliger unter Rahelas sanften aber widerwilligen Liebkosungen. „Wunderbar…“ hauchte Asa „Und nun nimm deine Zunge dazu…“ forderte sie sie auf. Rahela war ein wenig überrascht, wie gänzlich anders Asa war, wenn sie wollüstig in der Horizontalen lag. Sanft, und dennoch bestimmend. 'Augen zu, und durch', dachte Rahela, als sie näher kam und sie verfluchte sich, dass sie Benwick dieses Angebot gemacht hatte, und sich ihre Rache an Asa nun gänzlich anders als erwartet, gestaltete. Sie sog ihren Geruch auf, den ihre Scham verströmte. Sie empfand diesen Duft in ihrer Nase ein wenig unangenehm, ein wenig säuerlich… Anders, als ein Mann roch, und ein Mann würde diesen Geruch wohl anders aufnehmen als Rahela, die gänzlich anders und nicht auf Frauen gepolt war. Widerwillig drückte sie ihren Mund auf ihre Scham und küsste diese. Sie öffnete ihre Lippen leicht und begann ihre Zunge sanft kreisen zu lassen, während sich Asa unter ihr räkelte. Nun gab es kein Zurück mehr, sie würde es beenden müssen, und hoffte, dass Asa so willig war, dass es schnell vorbei sein würde. Vorsichtig schob sie erneut ihre Finger in sie und bewegte sie vor und zurück, und tastete sich in dem weichen Leib voran. Nichts fühlte sich vergleichbar an, wie ein warmer, feuchter Schoß. Sie saugte an ihrem Erdbeermund, sie leckte und küsste sie, während sie gleichzeitig ihre drei Finger in ihr bewegte und Asa stöhnte laut auf. „Oh Benwick, es ist so gut…“ schrie sie und krallte sich in das Laken, auf welchem sie lag und das auf der Wiese aufgebreitet war, während sie immer nasser wurde. Sie bäumte sich auf und ein merkbares Zucken durchfuhr ihren Körper, dann ließ sie sich atemlos und keuchend wieder auf das Laken nieder. Rahela zögerte nicht, sie sprang auf und verließ den engeren Kreis der Hersen. Als sie aus dem Feuerschein trat, und Richtung Wald eilte, fuhr sie sich angewidert mit der Hand über ihren feuchten Mund und das feuchte Kinn und stieß beinahe mit Benwick zusammen. Ein wenig wütend raunte sie ihm zu „Komm mit…“ und zog ihn zurück zum Waldrand, wo sie vorher Absprache gehalten hatten.[/18]

Der Waldrand wurde nur durch spärlichen Feuerschein erhellt, doch Rahela konnte Benwick grinsen sehen. „Wo warst Du nur solange? Ich habe gesagt, Du sollst Dich beeilen!“ schimpfte sie mit ihm. „Ich habe alles gesehen Rahela … Oh, am liebsten würde ich Dich hier und jetzt auch noch nehmen…“ lachte er dreckig, doch es war nur als Scherz gemeint. Zornig, zumindest so zornig wie sie auf ihren Fürsten nur sein konnte, und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass sie sich diese Suppe selbst eingebrockt hatte, rief sie „Du hast alles gesehen? Du geiler Bock hast zugesehen, anstatt mich von ihr zu erlösen? Mir hat das Ganze keinen Spaß gemacht, ich habe es nur getan damit morgen niemand über Dich redet! Ich möchte jetzt mich am liebsten übergeben!“ Benwick grinste immer noch gemein. „Oh, Du stehst so tief in meiner Schuld, Ruka…“ meinte sie, während sie errötete. Sie riss sich die Berglöwenmaske vom Gesicht, und zog sich den Umhang aus und warf ihm beides vor die Füße. Dann bückte sie sich und holte aus einem Busch das vorbereitete rote Bündel, das den Umhang und die Maske darstellte. Benwick zog sich an und grinste. „Nun gehe ich zu meiner Frau und gebe ihr den Rest…“ "Eine gute Idee…" brummte sie. Er nickte ihr noch zu und verschwand dann zurück zum Hersenkreis, wo Asa vermutlich auf ihn warten würde. Rahela zog sich ihre Kleider aus. Sie blickte an ihrem nackten Körper herunter und strich sich über ihre weiche glatte Scham. Sie hatte sich vorsorglich rasiert, sie wäre andernfalls wahrscheinlich sofort daran zu erkennen gewesen. Die anderen wilden Frauen hatten blondes Haar und waren wohl auch an dieser Stelle blond, daher hatte sie dieses ‚Opfer‘ gebracht. Sie strich sich ihre langen wilden Haare zurück verdrehte diese zu seinem flachen Knoten und befestigte diesen nahe am Kopf mit einigen Haarnadeln. Dann hob sie vorsichtig die Maske über ihren Kopf, und die weichen, blonden, leicht gelockten Haare von Asima fielen ihr über die Schultern. Sie band das Band der Maske über die blonden Haare über ihren Kopf. Dann zog sie den roten Umhang an, verschloss die Fibel und schlug sich vorsichtig die Kapuze darüber. Sie wusste immer noch nicht, wie Arn maskiert war und nun hing alles davon ab, ob Thargôn sie in dieser Dunkelheit fand und ihr Auskunft darüber geben konnte. Sie lief zurück zu dem Fest und setzte sich nahe an das große Walpurgisfeuer, welches hell brannte und alles in einen erkennbaren guten Schein tauchte. Während sie hier saß und wartete, kam immer wieder einer der willigen Männer an sie heran, doch sie stieß sie alle mit der Hand weg. Sie sah die Hörige, die in ihrer Rabengewandung nahe bei dem Hersenkreis saß. Es sah wahrhaftig so aus, als wäre sie in einem tranceähnlichen Zustand und würde weiterhin das Fest segnen, so dass sich niemand zu dieser wagte, um sie dabei zu stören. Zufrieden lächelte sie und plötzlich konnte sie ein Krächzen vernehmen. Thargôn! Er flatterte ein wenig nervös vor dem Feuerschein herum, vermutlich scheute er das Feuer. Er hatte sie an ihrem signalroten Umhang erkannt, das kluge Tier. Den ganzen vorherigen Tag war Rahela in ihrer Hütte damit herum gelaufen damit er sich die Farbe einprägen konnte und sie wiedererkennen würde. Er krächzte leise „Fuchs… Fuchs…“ Und Rahela lächelte zufrieden. „Ich danke Dir, Du Bester! Ich werde es Dir tausendmal vergelten!“ flüsterte sie. „Und nun flieg nachhause!“ Der Rabe stob auf und flog auf leisen Schwingen durch die Nacht davon…

Rahela erhob sich und streifte suchend und witternd, wie ein Reh, durch das Lager. Es gestaltete sich ein wenig schwierig, Arn zu finden, denn überall lagen Paare und sie sah Dinge, von denen sie nie gehofft hatte, sie zu sehen, wie etwa sogar zwei Männer, die allen Anschein nach zu viel von dem roten Bier getrunken hatten, und nun übereinander her gefallen waren. Sie lief durch das ganze Lager bis zum Waldrand und hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben. Vermutlich lag er gerade mit irgendeinem dieser jungen Dinger im Wald und sie verfluchte innerlich Benwick, dass er sie so viel Zeit gekostet hatte, während sie es seiner Frau besorgt hatte, was eigentlich seine Aufgabe gewesen war. Vielleicht war Arn auch gar nicht mehr da, vielleicht war er bereits wieder nachhause gegangen? Ihr Blick glitt über die Lichtung am Waldrand und dann sah sie einen rötlichen pelzigen Umhang am Boden liegen, der wie einer aus Fuchsfell aussah. ‚Ein Fuchs‘ schoss es ihr durch den Kopf und sie ging langsam zu dem Paar hin.

[18]Die Frau hatte sich eben erst auf ihn drauf gesetzt und damit begonnen, ihn wollüstig zu reiten. Rahela hoffte sehr, dass er es wirklich war. Obwohl, wenn sie es sich genau überlegte, und die Frau beobachtete, die ihn in ihrem Rausch zuritt, dann wäre es ihr beinahe lieber gewesen, er wäre es nicht… Sie trat an das Paar heran und konnte nun eindeutig den Fuchskopf erkennen. Sie blickte in seine Maske, sah durch die Sehschlitze auf der linken Seite einen leichten roten Schein und lächelte. Er hatte sich, wie alle anderen, seines Bartes entledigt und sie fand, dass in seinem Gesicht etwas fehlte, auch wenn sie davon nur die untere Hälfte zu sehen bekam. Sie wusste nicht, was sie tun sollte, sprechen durfte sie ja nicht. Geringschätzend betrachtete sie dieses dumme Weibsstück und wusste, wenn sie hier etwas erreichen wollen würde, durfte sie nicht schüchtern sein. Sie schlug entschlossen ihre Kapuze zurück. Sie öffnete ihre Fibel und ließ langsam den Umhang von ihren Schultern gleiten und stand dann vollkommen nackt vor den beiden. Trotz dem hier alle nackt herumliefen, kam sie sich ein wenig eigenartig vor. Sie überlegte kurz, wie sie sich in diese Situation drängen sollte. Dann warf sie ihre Hemmungen über den Haufen, obwohl sie nicht einen Schluck von dem berauschenden Bier getrunken hatte. Vielleicht hätte sie es tun sollen, aber das war nun auch nicht mehr zu ändern. Schließlich stellte sie sich über seine Gesicht und ging langsam in die Knie. Sie kniete rechts und links von seinem Gesicht über ihm, und setzte sich bestimmend auf sein Gesicht, während sie wohlig die Augen schloss und leise seufzte, als er sie packte und ihre Zunge über ihre Scham kreisen ließ. Sie dachte kurz an das Weib hinter ihr, die immer noch auf ihm saß, und dann gab sie ihr einen beherzten, aber kräftigen Stoß, dass sie rücklings von Arn fiel und in das Gras kullerte. Empört schimpfte diese, über solche Dreistigkeit, doch Rahela ignorierte sie, stand langsam auf und wandte sich dann wieder Arn zu. Sie nahm seine Hände und zog ihn langsam hoch. Sie ließ ihre Blicke über seinen schönen, männlichen Oberkörper gleiten. So hatte sie ihn ja schon einmal gesehen, in jener verhängnisvollen Winternacht, als sie ihn aus dem Schnee gezogen hatte. Sie ließ ihre Blicke weiter hinunter wandern, bis sie mit ihrem Blick schließlich unten hängen blieb. So hatte sie ihn noch nicht gesehen, und sie musste leise, jedoch anerkennend, schmunzeln. Sie legte ihre Hand auf seine rasierte Wange, beugte sich zu ihm, und gab ihm einen sanften, aber fordernden Kuss. Dann nahm sie seine Hand und zog ihn wortlos auffordernd mit sich. Ohne Widerwillen ging er mit ihr mit. Eigentlich hatte sie vorgehabt, mit ihm in den Wald zu gehen, doch als sie dort vorhin mit Benwick gestanden hatte, hatte sie einige Paare dort vernommen und sie suchte nun lieber einen anderen Ort. Sie wollte ungestört mit ihm sein und ihn ganz für sich alleine haben. Sie wollte auch nicht zu lange mit ihm durch die Gegend laufen, also zog sie ihn quer über die Futterwiese und blieb dann inmitten der Selbigen stehen. Es war dunkel, doch der Mond und die weiter entfernten Feuer schienen und das große Walpurgisfeuer erhellte die Gegend bis zum Waldrand. Es war ungefähr zwei Tage nach Vollmond und Feuer und Mond spendeten genug Licht, und ausreichend, um ihn schemenhaft zu erkennen… Es war eine seltsame Mischung von warmem und kaltem Licht.

Sie legte ihre Hände auf seine Schultern und drückte ihn sanft, aber bestimmend auf den Boden, in das kühle weiche Gras. Er war automatisch in den Schneidersitz gesunken, wie er es immer tat, wenn er sich in Benwicks Hallen zum Lautenspielen niederließ und Rahela musste über diese unbewusste Geste lächeln. Sie kam über ihn und setzte sich mit dem Gesäß sanft in die Mitte der verschränkten Beine, schlang ihre Beine um seine Hüften und legte ihre Hände auf seine Schultern. Sie zog ihn bestimmend an sich heran und legte ihre Lippen auf die seinen. Sie hatte alle Zeit der Welt, und wenn nicht alle Zeit der Welt, dann zumindest diese Nacht, und sie wollte diese genießen und in vollen Zügen auskosten. Sie öffnete leicht ihre Lippen und bedeckte seinen Mund, der ihr so unendlich weich erschien, mit zahllosen kleinen Küssen. Solange, bis auch er schließlich seine Lippen öffnete und sie ihre Zunge langsam und vorsichtig in seinen Mund schob, und sachte seine Zunge mit der ihren berührte. Sie fühlte sich wie verzaubert von seinem, ihr doch ein wenig vertrauten, Geschmack und spielte weich mit seiner Zunge, während sie ihre Hände an seine Lenden legte und sie sanft, aber bestimmt festhielt. Ihr Herz hämmerte wie wild und sie spürte seine Hände, die zuerst über ihre Arme glitten und dann knapp über dem Gesäß auf ihrem Rücken ruhten. Sie löste sich schwer von seinen Lippen, doch endlich war sie so kurz vor ihrem Ziel. Soweit war sie noch nicht gekommen, und sie wollte noch seinen restlichen Körper weiter erkunden. Sie wandte sich nun seinem Hals zu und küsste und saugte an ihm und sie konnte seinen Atem vernehmen, den er schwer keuchend ausstieß. Langsam drückte sie ihn hinunter in das Gras, bedeckte seine Brust über und über mit Küssen, ließ ihre Hände über seinen Bauch wandern und fuhr sanft über die harten Konturen seiner Bauchmuskeln. Rahela fuhr mit ihren Händen nach oben, strich über seine angespannten Sägemuskeln, die nicht bei jedem Mann so ausgeprägt waren, strich mit sanften Händen erneut über seinen Bauch und fuhr schließlich über seine Lendenmuskeln, dabei bewusst seine Leibesmitte zwischen den Beinen aussparend. Sie kniete sich neben ihm hin, und widmete sich nun seiner Männlichkeit. Sie fuhr zart mit der Fingerkuppe über die samtige Haut, umfasste ihn, beugte sich schließlich darüber und schloss ihren Mund darum. Arn stöhnte auf und sie lächelte innerlich. Sie begehrte ihn so rasend, doch sie nahm sich noch zurück. Noch! Sanft saugte und leckte sie an ihm, während er sich unter ihren Liebkosungen bog. Nach einer Weile schob sie seine Beine zusammen, setzte sich auf seine Oberschenkel und suchte erneut seine Lippen. Sie wollte sich nun nicht mehr zurückhalten und küsste ihn nun wild und herausfordernd. Sie rollte sich von ihm hinunter, in das weiche Gras und lächelte ihm aufreizend zu. Bei den Göttern, er war ein Mann, und er sollte sie sich nehmen, und sich nicht nehmen lassen, wie alle anderen auf diesem Fest. Sie hatte sich nun schon so lange nach ihm verzehrt, war ihm so lange nachgelaufen und nun wollte sie von ihm erobert werden! Er ließ sich auch nicht lange bitten.

Er suchte sich eilig seinen Weg in sie und Rahela stöhnte erleichtert, aber tonlos auf, als sie ihn endlich, endlich in sich spürte und genoss es, wie er sich in ihr auf und ab bewegte. ES fühlte sich so gut an, so richtig, und einfach perfekt! Sie zog sein Gesicht an ihres heran und küsste ihn eindringlich. Sie schloss die Augen, fuhr ihm sanft mit den Händen über seinen Rücken, ertastete dabei zwei dickere Wulste, vermutlich Narben, und fuhr mit den Fingern daran sachte und zärtlich entlang, bis sie ein wenig tiefer rutschte und über seinen Po fuhr. Sie kniff ihn sanft und umschloss seine Backen, kratzte leicht mit ihren Fingernägeln darüber und es schien ihm zu gefallen, denn er stöhnte auf und wie eine Welle durchfuhr es ihn, denn sie spürte, dass er seine Stöße beschleunigte. Sie saugte sich an seinem Hals fest, biss ihn ganz leicht dabei, und mit keinem Wort der Welt konnte Rahela beschreiben, was sie in diesem Moment fühlte, als sie sich gewahr wurde, das sie Arn endlich besaß, wenn auch nur für diese kurze Zeit. Nun wollte sie nicht mehr, dass er über ihr war. Sie drückte ein wenig ihr Becken nach unten und dabei glitt er aus ihr heraus. Sie schob ihn von sich und bedeutete ihm, sich in das Gras zu legen. Sie setzte sich auf ihn und begann ihre Hüften vor und zurück zu bewegen. Sie nahm seine Hände, und führte sie zu ihren Brüsten, ließ sie von ihm befühlen und kneten, und allmählich beschleunigte sie ihr Tempo auf ihm. Seine Hände glitten von ihrer Brust über ihre Arme, fuhren über ihre vernarbten Unterarme, worauf sie für einen Moment irritiert ruhten und mit den Fingern darüberstrichen. Dann wanderten sie weiter, über ihre Taille, und schließlich packte er ihren Po und umfasste ihn fest. Dies gab ihr einen zusätzlichen Reiz und schließlich fühlte sie, wie allmählich kleine Wellen von ihrem Schritt aus durch ihren Körper liefen. Diese steigerten sich schnell ins unermessliche und Rahela fühlte eine erschauernde Gänsehaut, die über ihren Rücken kroch, sie spürte die Taubheit, die in ihre Beine und Zehen und sogar bis in die Fingerspitzen kroch, spürte, wie die Wellen ihren Kopf lähmten. Auch er schien so weit zu sein, denn er stöhnte zuerst leise, und schließlich immer lauter und heftiger. Sie wimmerte leise und schließlich konnte sie nicht anders, als all das Glück, die Lust und die Erleichterung hinauszuschreien, als sie ihren Höhepunkt erreichten. Matt sank sie schließlich auf seine Brust, doch ein beklemmendes Gefühl, bemächtigte sich ihrer. Er musste sie doch an ihrer Stimme erkannt haben, oder etwa nicht? Sie keuchte leise, während sie auf seiner Brust ruhte und bevor sie sich erhob, um das Beltane zu verlassen, flüsterte sie noch „Ich liebe Dich, Arn…“[/18]
Zuletzt geändert von Rahela am So, 20. Jan 2013 15:02, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: das Spiel des Windes

Beitrag von Adraéyu » Sa, 20. Okt 2012 20:57

Bilddraéyu war wie berauscht. Er hatte schon gewisse Erwartungen an dieses Fest gestellt, doch wurden diese mehr als nur in den Schatten gestellt. Er hatte sich nicht im Entferntesten vorstellen können, dass dieser Abend derartig verlaufen würde. Und ein wenig Schwermut erfüllte ihn bei dem Gedanken, dass morgen alles vorbei sein würde, und alle ihrem Alltag nachgehen würden. Man sprach nicht über die Ereignisse des vergangenen Abends, und Kinder, welche aus jener Nacht hervorgingen, wurden stets ausnahmslos in die Sippe aufgenommen. Sie galten nie als Bastarde und wurden gerne als Geschenk der Götter angesehen. Wenn verheiratete Frauen an jenem Abend bei einem anderen Mann gelegen, und ein Kind empfangen hatten, wurde dieses Kind als das eigene betrachtet. Es gab keine Zwietracht und keinen Argwohn. Das war die Freizügigkeit der wilden Lande. Adraéyu erinnerte sich mit einem Mal unweigerlich an Finnas Worte. Es kam ihm wie eine halbe Ewigkeit vor, als sie sie ihm gesagt hatte. » So sind wir in den wilden Landen! Wild und ungezähmt. Vergiss das nie!«

Und da lag er nun, von Sinnen. [18]Auf ihm räkelte sich eine wunderschöne Frau. Und doch konnte er ihr Gesicht nicht sehen. Sie hatte einen schönen, festen Busen und langes, blondes Haar. Sie hatte sich die Scham rasiert und stöhnte lustvoll, während sie sich auf ihm bewegte.[/18] Er hatte an ihren Armen unzählige Schnitte bemerkt, doch taten diese ihrer Schönheit kaum einen Abbruch, so fand er. Er streichelte über die Narben auf den Unterarmen [18]und knetete ihren Busen. Er krallte sich in ihren Po und streichelte über ihren Rücken[/18]. Zufrieden bemerkte er, wie sie eine Gänsehaut durchfuhr, und sie auf ihm zitterte und bebte. [18]Sie war kurz davor, das konnte man deutlich spüren. Und alles in ihm schrie, ihr einfach die Maske herunter zu reißen, um zu sehen, welche Frau des Stammes ihm solche Lust bereitete. Doch immer wenn er seine Hände zu ihrem Kopf schob, streichelte oder mogelte, da schnappte sie seine Arme und drückte sie auf ihren Busen, oder auf ihren Hintern. Als ob sie gespürt hatte, was in ihm vorgegangen war. Sie war wundervoll. Sie liebten sich als ob es kein Morgen gäbe, und er fühlte die pure Lust und das Knistern der Ekstase in der Luft.[/18] Sie verstand es, dem Moment des Augenblicks ihren Zauber zu verleihen. [18]Anders als die beiden anderen, mit welchen er vor ihr seinen Spaß gehabt hatte. Sie war feuriger, sie war heißblütiger. Beinahe fühlte er ihre Lust und er spürte ihr unbändiges Verlangen. Sie war mit Leib und Seele dabei, und Adraéyu fühlte diese Hingabe und genoss jeden einzelnen Moment.[/18]Als ob sie nur auf ihn gewartet hätte. Adraéyu wischte diesen Gedanken fort. Er war töricht. Keiner wusste wer der andere war. Sie war nur eine von vielen, und hatte sicher nicht nur auf ihn gewartet. Doch liebte sie ihn mit einer Hingabe, wie keine Frau vor ihr.

Er zog sie nah an sich heran, [18]spürte ihren üppigen Busen auf seiner Brust und wie ihre verhärteten Brustwarzen sanft auf seiner Haut streiften[/18]. Er schmeckte ihre weichen Lippen und liebkoste ihre zierliche Zunge. Sie war rundum wohlschmeckend. Er sog den angenehmen Duft ihrer Haare in sich auf. Sie rochen nach einer exotischen Frucht, die er nicht kannte. Wie jene, welche er bei dem Stand des Menai gesehen hatte. Ihr Duft benebelte seine Sinne. Und ihre Haut schmeckte süß wie Honig und war weich wie Seide.

Seine Gefühle drehten sich im Kreis. Er hätte wohl tausend Sachen an ihr gefunden, die ihm gefielen und nichts an ihr war schlecht oder ungestalt. Selbst ihre Narben übten einen gewissen Reiz auf ihn aus. Sein Verstand glaubte sie schon einmal gesehen zu haben, doch spielten ihm die Bilder, welche die Frau ihm bot und seine Gedanken und Erinnerungen einen Streich. Er konnte sich nicht erinnern, wo er diese Schnitte gesehen hatte. Zuerst hatte er einen Verdacht gehabt, doch diese Frau war blond. Und er hatte das Rabengewand der Schamanin durch die Menge laufen sehen um ihre Segen zu wirken.

Während Adraéyu sich mit der fremden Frau im Gras wälzte kam ein lauer Wind auf. Die Etáín segneten diese Verbindung, so schien es ihm für einen Moment. Für den Bruchteil eines Herzschlages glaubte er eine süße, säuselnde Stimme vernommen zu haben. »Du hast sie gefunden.« Doch wurde diese Stimme jäh von einem wollüstigen Schrei unterbrochen. [18]Die Frau bebte auf ihm und krallte sich in seine Brust und ergab sich den lustvollen Zuckungen ihres Körpers. Und als ob ihre Körper und Seelen eins waren, durchfuhr auch ihn ein erlösendes Beben. Er ergoss sich mit rasendem Herzen in ihr und heiße Wellen der Lust durchströmten seinen Körper, bis sie sich erschöpft auf seinem Körper nieder legte.[/18] »Ich liebe dich, Arn.«, flüsterte die Frau. Jäh fuhr ihm der Schreck in die Glieder. Sie wusste wer er war? Für einen Moment glaubte er die Stimme zu kennen, doch das konnte nicht sein. Rahela? Nein. Rahela hatte schwarze Haare, doch diese Frau, welche auf ihm lag war blond. War dies einer ihrer Zauber? Instinktiv schnappte er die Frau mit seiner rechten Hand an den blonden Haaren und griff mit seiner linken Hand nach der Maske und bevor sie reagieren konnte hatte er schon die Maske von ihrem Gesicht gezogen. Und auch die blonden Haare hatte er in den Händen. »Nein!«, rief die Frau erschrocken, richtete sich auf Adraéyu auf und hielt sich die Hände vor das Gesicht. Ihre Narben schimmerten, wie auch ihre schwarzen Haare, matt im Mondschein und Adraéyu warf die Maske zur Seite und packte ihre Arme um sie vom Gesicht zu zerren. »Sieh mich nicht an.«, wimmerte die Frau.
Gefühle überschwemmten seinen Geist. Angst. Scham. Lust und auch aufrichtige Liebe schwappte in ihm über. Frust und Ärger. Ärger über sich selbst und Frust über Unfähigkeit. Adraéyu war überwältigt von diesen Gefühlen und lockerte seinen Griff um die Arme der Frau. Er umfing sie stattdessen um der Hüfte und hob sie von sich. [18]Langsam glitt er aus ihr heraus.[/18] Und dann ließ er sie sanft neben sich auf die Wiese gleiten. »Zeig mir dein Gesicht.« Ein sanfter, befehlender Ton schwang in seiner Stimme mit, und doch war er die Ruhe selbst. Und als sie langsam ihre Hände von ihrem Gesicht nahm, und er die Frau mit den schwarzen Haaren schließlich erkannte. Da fühlte er sich für einen Moment betrogen, ausgenutzt und hintergangen. »Was bedeutet das?«, fragte er Rahela ein wenig aufgebracht. Hatte sie all dies nur inszeniert, um ihn zu besitzen? War er nur eine Eroberung? Doch hatte sie nicht gesagt sie liebe ihn? Warum? »Warum dieses falsche Spiel?«, fragte er und hob den roten Umhang und die Maske vor ihr Gesicht. Er wartete auf ihre Erklärung, hörte sich ihre Ausflüchte an und schwieg. Er schwieg und wartete. Sie musste glauben er war von Zorn und Ablehnung erfüllt. Als sie fertig war sich zu erklären, da sah sie ihn ein wenig flehend an. »Du hasst mich jetzt sicher.« Er erhob seine geöffnete Hand und verharrte damit einen Augenblick neben seinem Kopf. Und als er ihr Gesicht berührte da zuckte sie beinahe unmerklich zusammen und schloss für einen Augenblick die Augen. »Eigentlich nicht.«, murmelte Adraéyu und strich ihr einige Haarsträhnen aus dem Gesicht, nur um sie besser küssen zu können. Sanft drückte er sie in das Gras herunter und gab ihr einen langen, sinnlichen, beinahe nie enden wollenden Kuss.
In den Weiden werden uns're Träume klingen,
und die Winde werden uns're Lieder singen.
Lasst uns mit den Funken übers Feuer springen,

in der Walpurgis Nacht.

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Re: das Spiel des Windes

Beitrag von Rahela » So, 21. Okt 2012 0:34

Rahela saß im Gras neben Arn, hatte die Arme um ihren Körper geschlungen und die Augen geschlossen. Sie schalt sich selbst eine Närrin. Sie hatte wochenlang auf dieses Fest hin gefiebert, hatte Vorbereitungen getroffen, hatte Thargôn darauf vorbereitet, hatte diese verdammte Maske gemacht, dann noch die Hörige mit einem Bann belegt, alles nur, damit alles hieb- und stichfest war, und dann verdarb sie sich alles, weil sie sich von ihrer Lust und ihren Gefühlen hatte überschwemmen lassen. Er erwartete nun eine Erklärung für das hier. Berechtigterweise. Was gab es hier denn noch zu erklären? Wusste er es wirklich nicht? Sie hatte ihm doch schon im Wald als sie gegen die Orks marschierten zarte Andeutungen gemacht, doch vielleicht hatte er sie nicht verstanden… und als sie ihn bei sich im Haus beim Abschied geküsst hatte, bevor sie ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen hatte… hielt er sie für derart töricht, dass er annahm, dass es ihr nichts bedeutet hatte, dass sie es einfach aus Jux und Tollerei getan hatte? „Es war kein falsches Spiel…“ meinte sie leise und sah ihm in sein vom Mond beschienenes Gesicht. Er hatte eine zweifelnde Miene aufgesetzt. „Nicht für mich…“ fügte sie hinzu. „Ich habe Dich vom ersten Augenblick an faszinierend gefunden. Du warst so anders als die anderen, und so dreist, Du hast mir jederzeit die Stirn geboten und hast Dir nie etwas gefallen lassen, ich fand das zunächst amüsant…“ Sie erinnerte sich an das Lied, das er nach ihrer ersten Unterhaltung zum Besten gegeben hatte, und sie musste lächeln. Sie hatte ihm an den Kopf geworfen, dass er nie ihren Bären bändigen würde, und sie nie auf seiner Flöte spielen würde, doch beides war heute passiert… „Als wir den Pilz geraucht haben, hast Du mich auf eine Art und Weise berührt, wie mich noch niemand berührte hatte… ich konnte mich nicht dagegen erwehren, und das war der Moment, wo ich begann, über Dich nachzudenken. Ich war so töricht, als ich Dir das Bittersalz gegeben hatte… aus purer Bosheit weil Du mich an diesem Abend so eiskalt hattest stehen lassen… wie tief bereut hatte ich es, als ich Dich blaugefroren aus dem Schnee gezogen hatte und wie erleichtert war ich, dass es doch gut ausgegangen war. Es war übrigens Thargôn, der bemerkt hatte, dass etwas nicht stimmte. Er krächzte immer wieder Deinen Namen, und war gänzlich aufgeregt und aus dem Häuschen, solange bis ich vor die Tür gegangen bin. Das war es, was ich meinte, als ich sagte ‚Bedank Dich bei dem Raben‘… Oh, Thargôn mag Dich so sehr… Ich habe wirklich versucht, Dir aus dem Weg zu gehen, und trotzdem sind wir uns immer und überall begegnet… Doch wirklich ausschlaggebend für diesen Plan hier waren diese Träume, die ich von Dir hatte… Als Du bei mir warst und ich diesen Blutzauber für Dich wirkte… du warst so weggetreten und ich wollte nicht, dass du in diesem Zustand nachhause gehst, daher habe ich Dich in mein Bett gebracht. Ich wollte allerdings nicht wieder am Tisch oder am Boden schlafen und habe mir nichts dabei gedacht, als ich mich neben Dich legte. Es war doch nichts dabei, wir waren beide sehr berauscht, aber trotzdem bekleidet, und es war ja auch nichts vorgefallen. Doch dann hatte ich diese Träume von der Tollkirsche… Du hattest mich im Traum berührt, mir mein Kleid hochgeschoben, mich zwischen den Beinen gestreichelt und berührt und geküsst… es fühlte sich so gut an, es war so real, und ich wollte mehr… Ich wusste nicht, woran ich bei Dir bin, du warst manchmal so abweisend, und manchmal wieder so herausfordernd. Ich fand auch, dass sich alles zusammengefügt hatte… vielleicht wollten es die Götter auch so… hättest Du im Orkclan nicht die entscheidende Wendung gebracht, den Sieg, den die Götter mir vorhergesagt hatten, hättest Du niemals am Beltane teilnehmen dürfen… Ich habe die blonden Haare von einer jungen Frau aus dem Nachbarclan bekommen… erst vor wenigen Tagen war ich dort, ich habe ihr ihr Kind aus dem Leib geschnitten, so konnten beide überleben. Ihr Haar war ihre Erkenntlichkeit für mein Wirken… Die Maske stammt vom Alchemisten aus dem Händlertrupp… für diese unverkäufliche Maske und ein paar Kräuter und Essenzen habe ich meinen ganzen Salzbrocken gegeben… es war Dein Salzbrocken… jener, den Du im Orkclan aus der Tasche gezogen und uns gezeigt hattest… eigentlich wollte ich ihn behalten, doch er war mir nichts wert im Vergleich dazu, wenn mein Plan aufgegangen wäre.“ „Und er hat funktioniert…“ Sie flüsterte „Und es war all den Aufwand und die Mühe wert…“ Sie sah ihn an „Du willst sicher noch wissen, wieso ich wusste, wer Du bist… Auch diesmal war Thargôn mit im Spiel…das kluge Tier hat Dich beobachtet, als Du Dein Haus verlassen hattest, und hat es mir dann am Fest gesagt… ‚Fuchs‘ schnarrte er und ich habe nach einem Fuchs gesucht und Dich gefunden lächelte sie. „Man kann ihn wahrlich gut und zweckdienlich abrichten…“ Dann setzte sie eine betretene Miene auf. „Es waren viele Tricks und Eingreifen von Nöten, das gebe ich zu, doch niemals habe ich einen Zauber gewirkt, um Dich hörig oder dergleichen zu machen… Ich bereue nichts, und was ich Dir vorher gesagt habe, meinte ich aus tiefstem Herzen…Vermutlich hasst Du mich jetzt… “ Als sie ihn ansah, hob er die Hand. Vielleicht wollte er sie schlagen. Sie schloss die Augen und wartete darauf. Die eine oder andere Ohrfeige hatte sie sicherlich verdient… mindestens eine für das Bittersalz… Sie verharrte, doch es passierte nichts, er schlug sie nicht, viel besser…„Eigentlich nicht…“ murmelte er, während er sie in das kühle weiche Gras drückte und sie dann küsste. Ungläubig ließ sie ihn gewähren und erwiderte den Kuss, während sie die Hände in seinen Nacken legte und ihn näher an sich heranzog. Es lag soviel Sinnlichkeit und Zärtlichkeit in diesem Kuss, dass Rahela nicht wusste, wie ihr geschah. Nach einer schier endlosen Zeit hatte schließlich keine Lust mehr, auf diesem Fest zu verweilen, die Nacht war kühl und allmählich kroch nebelartige Feuchtigkeit über die Wiesen und sie begann zu frieren. Als sie sich hörbar atmend von ihm löste meinte sie leise „Komm, lass uns gehen…“ Sie wusste zwar nicht genau, wohin, doch ihr war gerade alles Recht. Dieser Abend war zweifelsohne ein guter Abend gewesen, und so sollte er auch enden. Sie hob die Maske und den Umhang auf und zog sich beides über. Arn suchte sich ebenfalls seine Kleidungsstücke zusammen, die über eine weite Strecke im Lager verstreut lagen. Sie gingen zurück in den Clan, der still und friedlich im Dunklen lag und nur von vereinzelten wenigen Feuern erhellt wurde. „Kommst Du noch mit zu mir?“ fragte sie ihn „Vielleicht auf eine Pfeife?“ Er nickte und sie gingen zum Haus der Schamanin.


Thargôn saß in der Dunkelheit auf der Lehne der Bank die vor dem Haus stand. Rahela überlegte kurz, ob sie ihn hier draußen schlafen lassen sollte, oder ob sie ihn mit hinein nehmen sollte. Sie nahm ihn dann schließlich doch mit ins Haus. Drinnen angekommen, nahm sie ihre Maske ab und warf sie achtlos in eine Ecke. Den Umhang ließ sie noch an, sie hatte nur diesen an, nichts darunter. Ihre restliche Kleidung war noch irgendwo auf der Festwiese verstreut, sie würde sie morgen am Vormittag suchen und holen. Sie setzte den Raben auf seine Stuhllehne und entzündete die vielen Kerzen, die am Tisch standen. Als der Rabe das Kerzenlicht wahrnahm, erwachte er so richtig. „Arn…“ schnarrte er, als er ihn bemerkte. Rahela holte einen von Bodos Weinflaschen heraus und das Pfeifenkraut des Menai. Als sie die Pfeife stopfen wollte, wandte sie sich zu Arn und sah ihn lange an. Sie ließ ab von Wein und Pfeifenkraut, lächelte ihn an und ging langsam auf ihn zu. Sie beugte sich zu ihm hinauf und suchte seine Lippen mit den ihren. Sie hatte plötzlich keine Lust mehr auf Wein oder eine Pfeife, sie wollte nur ihn… Sie legte ihre Hände um seine Hüften und zog diese an sich heran, und sie spürte, dass auch er nicht abgeneigt war. Bestimmend drängte sie ihn Richtung Bett. Die nächsten Stunden brachten sie nur damit zu, sich immer und immer wieder zu lieben, bis schließlich der Morgen graute. Irgendwann schlief Rahela erschöpft aber zufrieden ein.


Am Vormittag, Rahela hatte nur wenige Stunden geschlafen, polterte es an der Türe. Sie fuhr im Bett hoch, sah sich irritiert um. Als sie Arn neben sich schlafen sah, lächelte sie. Es war kein Traum gewesen. Sie stand auf, zog sich den roten Umhang an, etwas anderes hatte sie nicht, musste sie feststellen … es lag alles noch irgendwo auf der Festwiese, wahrscheinlich in den Büschen am Waldesrand… Sie öffnete die Tür einen Spalt und lugte durch. Es war Benwick. „Oh… guten Morgen, Benwick…“ begrüßte sie ihn überrascht. „Es ist beinahe Mittag…“ Rahela nickte verstehend. Etwas irritiert wartete er, dass sie ihn hineinbat. „Willst Du mich nicht hereinlassen?“ „Oh… kannst Du später noch einmal kommen? Es ist gerade ein wenig unpassend…“ meinte sie. Eine dreiste Aussage gegenüber dem Fürsten des Clans… „Für seinen Fürsten ist es nie unpassend…“ meinte er und drückte schließlich leicht gegen die Türe. Rahela sah ein, dass es keinen Sinn hatte, er ließ sich nicht abwimmeln… sie zog den Umhang fester um ihren Körper und erließ den Widerstand gegen die Tür, so dass er sie aufdrücken und in Rahelas Haus treten konnte. „Was führt Dich zu mir, mein Ruka?“ fragte sie ihn, während sie sich ihr Haar glatt strich. Sie stellte sich vor ihn und hoffte, er würde nicht zum Bett sehen. Natürlich blickte er zum Bett. Fragend grinste er sie an „Wer ist das?“ „Ist doch egal…“ wich sie ihm aus. „Was führt Dich zu mir?“ Doch Benwicks unbändige Neugierde ließ ihn dennoch zum Bett gehen. Er hatte einen entscheidenden Vorteil. Er war der Fürst, er konnte sich alles heraus nehmen, ob es sich geziemte oder nicht… „Das ist Arn!“ stellte er überrascht fest und grinste sie an. „Ja… das ist Arn…“ widerholte sie ein wenig betreten… Noch immer überrascht meinte er „Ich erinnere mich an unser Gespräch im Lager, als wir gegen die Orks marschierten…“ meinte er. „Du hast Stein und Bein geschworen, ihr seid nur Freunde… Du hättest nur Mitleid mit ihm, sagtest Du… Hattest Du jetzt auch Mitleid mit ihm? Hat er gestern am Beltane kein Weib abbekommen?“ Benwick begann schallend zu lachen. So laut, dass Arn davon erwachte. Rahela bedachte Benwick mit einem seltsamen Blick, und versuchte zu ergründen, was an dieser Sache so komisch war. Die Sache war eher seltsam als komisch. Auch wenn es nicht ganz dasselbe war, doch es war auf irgendeine Art und Weise so, als wäre sie gleich mit Benwicks Bruder ins Bett gegangen… Arn war zwar nur der Barde, doch er genoss bei Benwick ein ähnlich hohes Ansehen und Respekt wie Benwicks Bruder … Sie ließ ihre Blicke durch den Raum wandern und blickte auf die Flasche Wein, die immer noch unangetastet am Tisch stand.


„Möchtest Du Wein, mein Ruka?“ fragte sie ihn, um ein wenig von der Situation abzulenken. Er lehnte dankend ab. Umso besser, der Wein war ohnehin nicht für ihn bestimmt gewesen… Wohl war er fürstlich, in Geschmack und Preis, doch sie hatte ihn nicht mit dem Gedanken gekauft, ihm auch dem Fürsten vorzusetzen… Rahela knurrte ein wenig der Magen. Sie ging zu ihrer Speisekammer und holte einige Dinge heraus. Ein saftiges Stück geräucherten Schinken, Brot, das noch durchaus als frisch zu betrachten war, ein Töpfchen süß eingelegter Beeren und ein Stück würziger Käse. Sie hatte diese Dinge von Asimas Sippe bekommen, dass Rahela ihr Haar bekomme hatte, wusste schließlich niemand außer Asima und ihrem Vater, so hatte sie zweifach davon profitiert. Käse war in den wilden Landen etwas besonderes, die Viehwirtschaft wurde hier nicht wirklich betrieben, da das Land zu karg war. Nur ganz im Westen gab es vereinzelte Bauernhöfe die einige Kühe ihr Eigen nennen konnten. „Möchtest Du mit uns essen?“ lud sie ihn ein, doch auch hier lehnte er dankend ab. „Du willst nichts trinken, Du willst nichts essen…“ stellte sie fest. „Warum bist Du zu mir gekommen? Nur um in mein Bett zu sehen?“ fragte sie ihn frech, während sie den Tisch deckte. „Nein…“ Er seufzte „Dein gestriger Plan war nicht ganz ausgereift… „Wieso?“ fragte sie ihn irritiert und zog sich den leicht verrutschten Mantel wieder enger um den Körper. Verflucht, sie brauchte ihre Kleider… Benwick sagte „Wieso musste es eine meiner Hörigen sein? Wieso nicht irgendeine andere?“ „Weil ich nicht einfach in irgendein Haus einer Sippe marschieren kann, um mir dort eine Hörige auszuleihen…“ entgegnete sie ein wenig schnippisch. „Sie hat doch nicht geredet oder? Das wäre reichlich seltsam, sie war an den Fluch gebunden, und müsste es immer noch sein…“ „Nein, sie hat natürlich nicht geredet, doch das dumme Ding ist in Deiner Rabenrobe zurück in meine Hallen marschiert… wen wundert es, dass Asa nun Fragen stellt?“ „Oh… ich habe gestern Abend nicht mehr an sie gedacht… ich war… ich hatte…“ Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. „Ja, ich weiß, Du hattest noch etwas zu tun…“ brummte er. „Es tut mir leid, mein Ruka…“ meinte sie ein wenig betreten. „Soll ich zu Asa gehen? Ich könnte ihr die Sache harmlos erklären… ich kann es ihr doch erklären, ich wollte ebenso an dem Beltane teilnehmen… sie bringt doch deswegen nichts mit Dir in Verbindung, das wäre doch wirklich absurd… von mir erfährt sie nichts, und außer Dir weiß es niemand…“ Sie blickte hinüber zum Bett. Arn hatte sich im Bett aufgesetzt und beobachtete interessiert das Gespräch zwischen Rahela und Benwick. Als sich ihre Blicke trafen, lächelte sie ihm zu. „Wahrscheinlich hast Du Recht…“ meinte Benwick schließlich.


Dann warf er Arn einen vielsagenden Blick zu und nickte mit dem Kopf. „Und ihr beide?“ fragte er schließlich. „Was meinst Du?“ fragte Rahela ihn leicht irritiert. „Nun, wenn wir drei schon einmal hier sind, dann lasst uns offen sprechen… War dies nun etwas Einmaliges?“ Rahela schwieg und warf Arn einen fragenden Blick zu. Sie wusste es nicht… Benwick fuhr fort „Oder geht das mit Euch nun schon länger? Ihr wisst, ich handle immer nur im Sinne des Clans. Wenn dies etwa Einmaliges war, dann können wir den Mantel des Schweigens darüber ausbreiten… Doch wenn nicht, dann solltet ihr Euch im Klaren sein, dass man früher oder später über Euch reden wird…“ „Das ist mir doch egal…“ hatte Rahela nun ihre Sprache wiedergefunden. „Aber mir ist nicht egal, wenn sich daraus Schwierigkeiten ergeben…“ meinte Benwick. Sie blickte ihn überrascht an. Dann fiel ihr ein, dass sie sich statt dem Umhang ihr Nachthemd anziehen könnte. Sie holte es vom Fußende des Bettes hervor wo es nun schon einige Zeit unbenutzt lag, ging damit in eine hintere Ecke des Hauses und zog es sich über. Das war schon viel besser. Nichts lag ihr ferner, als dass der Fürst einen Blick erhaschen konnte, wenn der Umhang verrutschte. „Wieso sollten sich Schwierigkeiten ergeben? Du selbst hast gesagt, ich bin eine freie Frau und kann tun, was immer mir beliebt…“ Er seufzte. „Ja, aber das wird Deine Sippe sicherlich anders sehen… Sie akzeptieren und respektieren es sicherlich, wenn Du dem Clan als Schamanin dienst und ein Leben als alleinstehende Frau führst. Doch wenn Du Dich wie eine Hure benimmst, werden sie das vermutlich nicht hinnehmen. Versteh mich nicht falsch, ich sage ja nicht, dass Du Dich wie eine Hure benimmst, aber ich weiß von Deinem Gespräch mit Deinem Vater, Du bewegst Dich im Ansehen Deiner Sippe momentan auf dünnem Eis…und wenn sie Dich verstoßen, dann muss ich mich mit meiner Sippe einmischen… “ Sie starrte ihn verblüfft an. Was wusste er eigentlich nicht? „Ich bleibe dabei, es muss niemand erfahren…“ „Du weißt, dass man so etwas niemals geheim halten kann…nie!“ meinte Benwick. Sie setzte sich auf die Ecke des Tisches und warf einen Blick zu Arn und sah ihn ein wenig erwartungsvoll an. Vielleicht wollte er sich auch einmal an dem Gespräch beteiligen…
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Re: das Spiel des Windes

Beitrag von Adraéyu » So, 21. Okt 2012 0:43

Bilddraéyu wurde von einem schallenden Lachen geweckt. Er schreckte hoch, doch bekam er nur schwer die Augen auf. Es musste sehr spät gewesen sein, als er endlich ins Reich der Träume hinabgesunken war. Und, obwohl der Morgen wohl schon graute, schien es ihm noch viel zu früh zum Aufstehen. Er vernahm Wortfetzen und erkannte Rahela und Benwicks Stimme. ›Benwick?‹, schoss es Adraéyu durch den Kopf. Er blinzelte und erkannte Rahela und Benwick vor dem Bett stehend. Rahela hatte nur ihren Umhang an, und Adraéyu erkannte, dass sie nichts drunter hatte. Und sie hatte ihren Rücken zu Benwick gewandt. Er erhaschte einen kurzen Blick auf ihre weiblichen Reize, bevor sie den Umhang vor ihm zusammenzurrte und sie an Benwick wandte. Ein diebisches Lächeln schlich sich auf Adraéyus Mimik, dessen er sich nicht erwehren konnte. Auf einmal fiel ihm der gestrige Abend ein, und all die wundervollen Stunden. Sein Kopf dröhnte ein wenig, wohl von dem roten Bier. Die Wortfetzen, welche von den beiden herdrangen wurden immer deutlicher. »Soll ich zu Asa gehen? Ich könnte ihr die Sache harmlos erklären …«, vernahm er Rahelas Stimme und wurde sogleich hellhöriger. »… von mir erfährt sie nichts, und außer Dir weiß es niemand…«

Er ließ ihre Worte kurz auf sich wirken, bevor er sich schließlich aufsetzte. Er sah Benwick und Rahela eindringlich an. Sie standen betreten voreinander, Benwick trat von einem Fuß auf den anderen und Rahela versuchte den Blick von ihm zu erwidern, und versuchte die ganze Zeit ihren Umhang zusammen zu ziehen. Misstrauisch zog er die Stirn kraus und beäugelte die Szenerie, welche die Beiden ihm boten, bis es ihm wie Schuppen von den Augen fiel. ›Sie hatten etwas am Beltane. Ein Geheimnis? Und Asa durfte davon nichts wissen! Ach du meine Güte! Hatten sie etwa…? Nein. Rahela würde doch nicht mit Benwick, dem Rukh faé Faernach, dem Fürsten des Clans, der große Bär des Nordens …« Doch hatte er Rahela doch auch im Wald mit diesem bemalten Krieger gesehen, und seine Lippen waren rot von Blut gewesen. Und Benwick hatte von dem roten Bier getrunken. Er hatte es selbst gesehen. Rahela hatte sicher auch davon getrunken, schließlich hatte sie den Kelch in den Händen erhoben gehabt. Adraéyu wurde gerade ein wenig seltsam zumute. Adraéyu konnte den Gedanken einfach nicht abschütteln. Vielmehr nagte es an ihm noch. ›Wäre sie, nachdem sie mit Benwick das Lager geteilt hatte, wirklich noch zu ihm?‹ Er versuchte Rahela diesbezüglich einzuschätzen, doch kannte er sie wirklich? Er wusste es nicht. Alles was er wusste, war, was sie ihm gesagt hatte. Steckte Benwick gar mit ihr unter einer Decke? Benwick hatte ihm den Fuchsumhang und die Maske geschenkt. Und Rahela hatte ihn gefunden, während er unter der fremden Frau gelegen hatte. Konnte Thargôn wirklich so schlau sein? »Was habt ihr beiden am Beltane gemacht?«, fragte er ungläubig und mit ein wenig Misstrauen in der Stimme. »Wovon darf Asa nichts wissen?« Benwick erwiderte Adraéyus Blick nicht, sondern wich ihm aus und Rahelas Blick konnte vieles bedeuten. Adraéyu war kurz davor ihre Gefühle zu lesen oder Benwicks. »Nichts.«, brummte Benwick, sichtlich berührt. Offensichtlich wollte Benwick darüber nicht sprechen, und schon gar nicht vor ihm. Rahela öffnete den Mund, wohl um etwas zu sagen, doch schien sie zu hadern und schloss kurz darauf wieder den Mund. Sie wirkte unsicher. Adraéyu konnte sich nun nicht mehr halten. Er schloss für einen Moment die Augen und ließ seine Gedanken kreisen. Er fühlte Zorn und Verrat. Waren das seine Gefühle? Scham und auch eine peinliche Berührtheit erfassten ihn. Rahela hatte also etwas zu sagen, doch schien es ihr peinlich zu sein, es zu sagen. Adraéyu konnte nicht ihre Gedanken lesen, doch reimte er sich langsam eins und eins zusammen. »Sei vernünftig.«, schoss ihm Fenris‘ Stimme durch den Kopf. ›Ich bin vernünftig!‹, herrschte Adraéyu ihn an, und wieder vernahm er ein tiefes, verhallendes Lachen weit in sich. ›Verdammte Scheiße.‹, brummte Adraéyu zornig.

»Es wäre besser, wenn wir das ein anderes Mal besprechen.«, sagte Rahela und Benwick brummte zustimmend. »Wahrscheinlich hast du Recht.«
»Und ihr Beide?«, fragte Benwick mit einem vielsagenden Blick. Wohl um von den Fragen Adraéyus abzulenken. »War das nur etwas Einmaliges?«, hakte Benwick nach und wieder zögerte Rahela. Sie biss sich auf die Unterlippe und schwieg nachdenklich. Adraéyus Gedanken kreisten wild in seinem Kopf und sein Geist tobte innerlich. ›Was wird hier gespielt?‹, Adraéyu verengte seine Augen zu zwei zornigen Schlitzen. ›War alles was sie ihm gesagt hatte nur eine Lüge gewesen? Hatte sie ihn nur besitzen wollen, wie all die anderen, und als sie aufgeflogen war ihn mit ihrem Balsam aus Worten beruhigen wollen? Er erinnerte sich an Finna, welche wie Rahela damals, ihn umgarnt hatte, und als sie seine Macht am Leib gespürt hatte, da hatte er ihre Furcht nicht nur in ihren Augen sehen können, sondern auch fühlen. Kannte Rahela Adraéyus Macht? Fürchtete sie sie? Finna hatte ihn letztendlich nur verführt, um ihre eigenen Ziele zu erreichen, doch hatte Adraéyu sie hintergangen. Welche Ziele konnte Rahela verfolgen? Adraéyu fühlte schwarze Gedanken, die seinen Geist umwaberten. Und er traute auf einmal weder Benwick noch Rahela. Was wurde hier gespielt?

Während Adraéyus Gedanken kreisten, hatten Rahela und Benwick unbehelligt weiter gesprochen. Sie nahmen Adraéyu gar nicht wahr, wie er da am Bett saß und sie anblickte. Also stand er auf und zog sich seine Tunika über. Er bemerkte dabei einige, brennende und schmerzende Kratzer am Rücken und auch an seinem Hintern. Stammten sie alle von Rahela? Oder auch von den anderen Frauen? War das nur die Lust gewesen? Bei diesem Gedanken musste er ein wenig selbstgefällig grinsen. Oder hatte sie ihn etwa gezeichnet?

Als Rahela sich auf einmal aus dem Gespräch zurück zog um in die hintere Ecke ihres Hauses zu gehen, da trat Benwick an ihn heran. Adraéyu konnte seinen Blick nicht von Rahela lassen und sah wie sie sich den Umhang ablegte. Ihr Körper lag im Zwielicht des spärlich beleuchteten Zimmers, und doch hob sich der dunkle Schatten in ihrem Schritt deutlich von der helleren Haut ab. Er musste bei diesem Anblick unweigerlich Lächeln. Und aus den Augenwinkeln bemerkte er Benwick, welcher seinem Blick gefolgt war, und auch er lächelte. »Arn.«, riss Benwick Adraéyu aus seinen abwesenden Gedanken. »Als ich sagte, dass du dir ein Weib suchen sollst, da habe ich alle gemeint. Nur nicht die Schamanin!«, er knuffte Adraéyu in die Seite, doch Adraéyu fiel es, gemessen an seinen Vermutungen, schwer die wahren Worte hinter Benwicks Worten zu ergründen. »Die Wege der Etáín sind unergründlich, mein Charaid.«, murmelte Adraéyu. »Viele im Dorf werden über euch reden.« Adraéyu zuckte mit den Schultern. Er zog es vor zu schweigen, denn er wollte Benwick nicht mit falsch gewählten Worten beleidigen. Er mochte ihn. Er mochte auch Rahela. Doch wurde er aus ihr einfach nicht schlau.

Als Rahela wieder an die Beiden herantrat, tauschten alle drei unfähige Blicke aus. »Wieso sollten sich Schwierigkeiten ergeben? Charaid, du selbst hast gesagt, ich bin eine freie Frau und kann tun, was immer mir beliebt …« Benwick seufzte. Er erklärte ihr, dass ihre Sippe ungehalten war. Wohl wegen einiger, vergangener Ereignisse und den Gerüchten die im Dorf kursierten. »Wenn deine Sippe dich verstößt, dann bin ich deine einzige Stütze. Ohne deine Sippe bist du nichts, Rahela! Vergiss das niemals!«, mahnte Benwick, doch Rahelas Blicke glühten vor Trotz. »Wenn es so weit kommt, dann muss ich für dich in die Bresche springen. Es wird von mir erwartet. Und Asa wird es nicht gefallen, dass ich es machen werde. Und wenn jemals heraus kommen sollte, dass die Schamanin sich versündigt hat, dann wird meine Sippe darunter leiden.« »Ich bleibe dabei, es muss niemand erfahren…« Adraéyu spürte bei diesen Worten einen kleinen Stich im Herzen. Wahrscheinlich bedeuteten ihre Worte nichts, und waren unbesonnen daher gesagt. Normalerweise würde es ihm nichts ausmachen. Doch vielleicht kratzte es ja auch an seinem Ego. Seine Bardenseele umwarb die Frauen, lockte sie ins Bett, und wenn der Wind nach ihm rief, so folgte er dem Ruf und ließ die Frau zurück. Betrogen, allein, verlassen. Er hatte es schon so oft getan. Und nun fühlte er sich ein wenig, als ob Rahela der Barde war, und er der Betrogene. In diesem Moment taten ihm die Frauen einen Augenblick leid. Aber nur einen Augenblick. Er bereute nichts. Im Grunde war es ihm auch recht, wenn keiner davon erfuhr. Wie Benwick gesagt hatte. Man würde über sie reden. Und wollte Adraéyu das wirklich? Sein mühevoll aufgebautes Ansehen könnte darunter leiden. Und doch. Seine Bardenseele schrie förmlich danach. Er hatte die Schamanin erobert. Alle sollten es wissen! Adraéyu schalt diese Gedanken Narren.

»Man kann so etwas nie geheim halten.«, warnte Benwick und wechselte kurz die Blicke mit ihr und Adraéyu. »So wie die Sache mit Asa, die ihr mir nicht verraten wollt?«, hakte Adraéyu nach. Augenblicklich verebbte das Gespräch. Rahela seufzte und Benwick war der Wind aus den Segeln genommen. »Asa ist kompliziert.«, begann Benwick. »Und ich bin ein Narr.«, brummte er. »Ich habe mich von meiner Lust und meiner Begierde zu einer Liebelei hinreißen lassen und nun droht der Lohn. Noch dazu habe ich heute von einem Boten schlechte Kunde erhalten.« Dies ließ Adraéyu und Rahela aufhorchen. »Was ist geschehen?«, fragte Adraéyu. »Bhelors Sippe hat ihren Tribut nicht abgeliefert. Ich habe einen Boten zu ihm geschickt, um ihn an seine Pflichten zu erinnern. Doch Bhelor hat nur seinen Kopf zurück geschickt.« Benwick brummte und schlug mit der Faust auf den Tisch. »Dies ist ein denkbar ungünstiger Moment. Ich muss mir der Loyalität aller Sippen in diesem Clan und in allen anderen sicher sein. Ich kann nicht gegen Bhelor ziehen, wenn in meiner eigenen Sippe die Wut gärt. Asas Zorn würde mich den Kopf kosten! Es würde den Clan spalten, und die Krieger würden sich zunächst auf meine Seite schlagen. Doch wenn sie erfahren, was am Beltane geschah‘ …« »Was war schon am Beltane?«, platzte Rahela heraus. »Jeder hat sich der Lust hingegeben. Viele Männer haben mit Frauen anderer Männer gehurt. Das rote Bier ließ alle Hemmungen fallen. Und alles was am Beltane geschieht, hat keine Bedeutung am nächsten Tag. Ist es nicht so?« »Keine Bedeutung am nächsten Tag.«, widerholte Adraéyu Rahelas Worte ein wenig monoton. War das wirklich so? Hatte es keine Bedeutung? »Du weißt genau, dass es nie so ist. Wenn eine verheiratete Frau am Beltane geschwängert wird, dann ist es ein Kind der Götter. Niemand wird sie verstoßen und niemand wird das Kind einen Bastard nennen. Und doch wird geredet. Der Beltane ist ein zweischneidiges Schwert. Und wenn der Fürst ein Kind mit einer anderen zeugt …« Benwick unterbrach sich für einen Moment und Adraéyu sah sogleich ihn und Rahela an. Er versuchte ihre Gedanken in ihrem Gesichtern zu lesen, denn ihre Gefühle waren zu verworren um sie zu verstehen. »Versprich mir also Rahela, dass du weise sein wirst! Du bist keine Eule, wie Catara. Das weiß ich. Aber auch ein Rabe kann weise sein.« Bei diesen Worten sahen alle auf Thargôn, als ob sie sich eine Bestätigung von ihm erwarteten, doch er legte nur den Kopf schief und krächzte. »Nuss.« Benwick seufzte und schüttelte den Kopf. »Asa erwartet dich in unserer Halle, Rahela. Geh zu ihr und hol‘ dein Rabengewand ab.« Benwick sah Rahela eindringlich an. Er bedeutete ihr, sich nicht zu viel Zeit zu lassen. »Und denk dir schon einmal eine gute Antwort auf ihre Frage aus.« »Welche Frage?«, hakte Rahela unsicher nach. »Die Frage, welche auch immer sie dir stellen wird.«, grunzte Benwick und wandte sich um.

Sie sahen sich noch einen Moment lang an, und dann verließ Benwick Rahelas Haus. Als Benwick die Tür hinter sich geschlossen hatte, sank Rahela für einen Moment auf ihre Hand und vergrub ihr Gesicht darin. »Die Götter sind oft grausam.«, murmelte sie. »Warum?«, fragte Adraéyu. »Bhelor. Er trägt den Fuchs als Wappentier.«, begann Rahela und Adraéyu verstand, Thargôn krächzte »Fuchs, Fuchs.«, und flatterte mit den Flügeln, als Rahela das Wort erwähnt hatte. »Deine Prophezeiung. Du hast diese Fehde vorausgesehen, damals in dem Kriegslager.« Sie sah ihn mit eindringlichen Augen an, während sie dem Raben über das Gefieder streichelte. »Nuss!«, forderte Thargôn nun ein wenig eindringlicher, als zuvor. Und Rahela stand sogleich vom Tisch auf. »Ach du hast ja heute noch gar nichts bekommen.«, sagte sie ein wenig bestürzt und zog sogleich einige Nüsse aus ihrem Beutel, welcher gut verknotet an einem Nagel hing, damit Thargôn sich nicht selbst bedienen konnte. Thargôn hüpfte vom Tisch herunter und landete auf den hölzernen Dielen. Er scharrte mit den Krallen und bettelte nach den Nüssen.

Adraéyu ließ indes seine Blicke über Rahela wandern. Ihr Nachthemd, ging ihr bis knapp über die Schenkel. Die Oberschenkel wie auch ihre Waden waren frei und als sie sich zu Thargôn hinab beugte, um ihm die Nüsse zu geben, da rutschte es ein wenig hinauf und gewährte ihm einen tiefen Blick auf ihr Allerheiligstes. Adraéyu hatte für einen Moment eine absolute Leere im Kopf, bevor er seine Gedanken erneut sammeln konnte. ›Macht sie das mit Absicht?‹, fragte er sich und trat einen Schritt an sie heran. »Ich sollte zu Asa gehen, damit sie keinen Groll gegen mich oder meine Sippe hegen kann.«, murmelte Rahela, doch Adraéyu ignorierte sie. »Der Beltane bedeutet nichts?«, fragte Adraéyu und Rahela sah ihn ein wenig verwirrt an. »Nein.« »Wirklich?«, hakte er nach und streifte ihr langsam das Nachthemd hoch und ließ sanft seine Hand an ihre Scham gleiten. Seine Finger spielten sanft mit der weichen Haut und Rahelas Blick verklärte sich ein wenig. Als ob ihr ein Licht aufgegangen war öffnete sie den Mund. »Nein. So war das nicht gemeint …«, murmelte sie und Adraéyu drückte ihr einen sanften Kuss auf. Zögerlich ließ sie ihn gewähren, doch schon kurz darauf entwand sie sich seinem Zugriff und sah Adraéyu entschuldigend an. »Asa wartet.«, murmelte sie. Hastig zog sie sich den Umhang über und trat aus der Tür und ließ Adraéyu allein, mit seinen kreisenden, dunklen Gedanken und dem stetigen Klopfen des Raben, wie er eine Nuss gegen die Wand warf, oder vom Dachgebälk auf den Boden fallen ließ, um sie zu brechen…
In den Weiden werden uns're Träume klingen,
und die Winde werden uns're Lieder singen.
Lasst uns mit den Funken übers Feuer springen,

in der Walpurgis Nacht.

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Re: das Spiel des Windes

Beitrag von Rahela » So, 21. Okt 2012 0:48

Rahela ging über die Festwiese, lief zu den Gebüschen am Waldrand, und wirklich, dort lagen noch säuberlich verwahrt ihre Kleider. Sie zog diese über und ging dann zu zurück zu Benwicks Halle. Auf dem Weg dahin wurden ihre Schritte immer langsamer und als sie an den Toren angekommen waren, legte sie zögerlich die Hand auf den großen geschnitzten Bärenschädel, der den Türknauf darstellte. „Sie kann mir nichts… sie weiß absolut nichts…“ flüsterte sie sich Mut zu und drückte schließlich die schwere Türe auf. Langsam lief sie durch die Halle und leise hallten ihre Schritte wider. Mit ein wenig Unbehagen stellte sie fest, dass die Halle menschenleer war. Dies war bedeutungsvoll, fand Rahela. Am Podest hinten in der Halle standen zwei große Stühle. Sie waren aus Wurzelholz geschnitzt, geölt und poliert. Es mussten einst zwei gewaltige Bäume gewesen sein. Auf einem der Stühle saß Asa. Sie saß steif da, aber erhaben, und ihr Blick wurde düster, als sie Rahela auf das Podest zukommen sah. Wie eine dunkle Königin... dachte Rahela bei sich. „Rukaja…“ sprach Rahela laut und ehrerbietend und sank in die Knie. „Schamanin…“ erwiderte Asa förmlich und knapp. Rahela sah sich um, von Benwick keine Spur. Innerlich grollte sie gegen ihn. Er steckte da genauso mit drin… er focht Schlachten aus, aber wenn es um Asa ging, um eine derartige Lappalie, dann zog er den Schwanz ein? „Bedeuten Dir die Geschenke Deines Rukas so wenig, Rahela?“ Rahela sah Asa verständnislos an. „Selbstverständlich bedeuten Sie mir etwas, meine Fürstin… es ist allerhöchste Ehre für mich…“ Asa sah sie forschend an „Warum vergisst Du dann Dein Gewand, Rahela…“ Rahela wollte etwas erwidern doch Asa unterbrach sie forsch „... an einer meiner Hörigen…? Lass mich ausreden…!“ giftete sie hinterher. „Ich hatte eine Unterredung mit einem der Hersen…“ Asa erhob sich, und schritt langsam die wenigen Stufen des Podests herunter. „und weißt Du, was dieser meint? Er ist sich ziemlich sicher, dass am gestrigen Abend Benwick nicht den ganzen Abend bei mir war…und weißt Du, was ich am interessantesten an dieser Mutmaßung finde? Er meinte weiter, dass jemand anderer unter dem Berglöwenkostüm verborgen gewesen sein musste… jemand, der weitaus kleiner war, und auch weitaus weniger muskulös oder stämmig… er würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass es nicht einmal ein Mann war, der darunter gesteckt hatte…“


Nun war sie bei Rahela angelangt und sah sie von oben herab an, sie war ein wenig größer als Rahela, was Rahela eher als Makel sah, sie mochte keine all zu großen Frauen… Benwick und Asa waren gleich groß, und das gefiel ihr nicht. Frauen sollten ein wenig kleiner sein… so wie bei Arn und ihr, das war nahezu perfekt… Sie musste beim Gedanken an Arn lächeln, als sie sich in Gedanken verloren hatte und ließ ihre Gedanken weiterschweifen und eine Hitze stieg in ihr hoch als sie daran dachte, wie Arn sie vorher berührt und geküsst hatte… „Was ist so lustig, Rahela?“ Sie schreckte aus ihren Gedanken auf und fand sich bei Asa wieder „Nichts, meine Fürstin…“ Sie hatte ihr nicht zugehört! Was hatte sie zuletzt gesagt? „Was hast Du dazu zu sagen?“ bohrte Asa nach. „Wozu, meine Fürstin?“ Asa blitzte sie an „Du hast ja doch nicht zugehört…“ „Ich war kurz in Gedanken verloren… Verzeih…“ gab Rahela demütig zu. „Dann wiederhole ich meine letzten Worte… ich sagte, er geht sogar soweit zu behaupten, dass es kein Mann gewesen war, der unter dem Gewand gesteckt hatte, sondern eine Frau…“ Rahela wurde blass. Sie hatte sie unterschätzt… Asa war keine Närrin… Sie war eine Schlange, eine gefährliche Schlange… „Eine Frau…? Welche Frau würde derart dreist sein, sich in die Gewänder des Fürsten zu kleiden?“ „Das frage ich mich auch, Rahela…“ Ihre Betonung lag dabei sehr auf ihrem Namen. Es gibt einige Ungereimtheiten, Rahela. Diese Behauptungen meines Hersen, und die Tatsache dass Du nicht in Deinem Rabenkostüm warst, lassen Dich gerade nicht in einem guten Licht da stehen… wo warst Du überhaupt? Was hast Du getan, wenn Du nicht unter den Menschen warst und weiterhin Deinen Segen verbreitet hast?“ Rahela überlegte fieberhaft. Sie saß in der Zwickmühle. Egal, was sie nun sagen würde, es würde ihr zum Nachteil gereichen. Würde sie die Wahrheit sagen, entsagte sie sich der Loyalität Benwicks, es würde Zwist zwischen Benwick und Asa geben, Asa würde erfahren dass Rahela das Kostüm getragen hatte, dann würde sie wissen dass Rahela es war die sich an ihr zu schaffen gemacht hatte, und das war ihr Untergang… Zu solch einer Schamanin würde keiner mehr aufsehen, sie würden es brühwarm an ihre Sippe herantragen, sie würde mit Schimpf und Schande aus der Sippe verstoßen werden und sie würde alleine da stehen… Nein, das ging auf keinen Fall! Doch sie würde auch nicht sagen können, dass sie das Rabenkostüm an eine Hörige abgetreten hatte, um sich mit Arn zu vergnügen… würde er zu ihr stehen und es zugeben? Oder würde er selbst darauf erpicht sein, seinen Kopf aus der Schlinge zu halten? Er war kein Clanmitglied, er konnte im Grunde tun, was er wollte… Doch wenn sie zugab, dass sie am Beltane herumgehurt hatte -und das war es, rein nüchtern betrachtet, auch wenn es Rahela mehr als das bedeutet hatte-, dann würde es ebenso an ihre Sippe herangetragen werden. Sie würde dann ebenso aus der Sippe verstoßen werden. Sie hatte nicht bedacht, dass dieses Beltane so weitreichende Folgen haben könnte! Was nun? Sie musste mit jemandem darüber reden, am besten, bevor sie irgendetwas dazu sagte… doch mit wem? Benwick wusste bestens Bescheid, doch er hielt es offensichtlich nicht für nötig, sich einzumischen. Vermutlich hatte er jetzt auch ganz andere Sorgen, die Blutfehde, die sich abzeichnete… Arn? Konnte sie Arn die Wahrheit sagen? Wie würde er reagieren wenn er erfuhr, dass sie Benwick die Stange gehalten hatte, damit er Asa betrügen konnte, und vor allem, was würde er dazu sagen, wenn er erfuhr, dass sie mit Asa, wenn auch unfreiwillig, intim geworden war? Er hätte sicherlich kein Verständnis dafür, wenn sie ihm erklärte, dass sie sich aus Loyalität gegenüber Benwick und nicht zuletzt aus einer gewissen Notlage heraus dazu entschlossen hatte, Asa zu befriedigen. Du liebe Güte, wenn Asa das herausfinden würde… sie würde sie in der Luft zerreißen! Und Rahela hatte nicht einmal einen Tropfen des roten Bieres getrunken, sie hatte dies alles im Besitz ihrer vollen geistigen Fähigkeiten getan, und dies war noch viel schlimmer! Und wenn sie behauptete, sie hätte zu viel rotes Bier getrunken und könne sich an nichts erinnern würde Asa sich ihre Geschichte zusammenreimen wie sie ihr am besten gefiel und diese ebenso zu Rahelas Nachteil nutzen. Rahela entschied sich in Bruchteil von Sekunden. Eisernes Schweigen. „Ich kann dazu nichts sagen, meine Fürstin…“ senkte sie den Kopf. Asa blickte sie vernichtend an. „Soso… nun gut Rahela… ich hoffe sehr für Dich, dass dies der beste Weg für Dich ist. Wenn Du nichts dazu sagen willst, ist es Deine Entscheidung. Aber überlege Dir gut, was es für Dich für Konsequenzen hat, wenn eines der beiden Gerüchte durch den Clan zieht…“ „Und welche Gerüchte wären das, meine Fürstin?“ erwiderte Rahela leicht bockig. „Nun… entweder dass Du am Beltane mit meinem Gemahl das Lager geteilt hast, oder dass Du bei Deiner Fürstin gelegen hast…“ blitzte sie Rahela herausfordernd an. Rahela hatte das Gefühl, sie würde schwanken. „Du kannst gehen, Rahela… und vergiss Deine Robe nicht mitzunehmen…“ Rahela ergriff die Maske und die Gewandung und ging erhobenen Hauptes aus Benwicks Hallen.


Ihre Schritte wurden immer schneller, während sie durch den Clan lief, zurück zu ihrem Haus. Sie riss die Tür auf. „Arn?“ rief sie, doch er war nicht mehr da. Sie schmiss die Robe und die Maske auf den Boden und lief wieder aus dem Haus, ignorierte dabei Thargôns krächzen, als sie die Tür zuschlug. Dann besann sie sich. Der arme Kerl war die letzten Tage wahrlich oft genug allein gewesen… er konnte am allerwenigsten dafür… Sie öffnete die Tür wieder und schnappte ihn. Sie drückte im einen sanften Kuss auf sein Gefieder und setzte ihn auf ihre Schulter. Sie lief den kleinen Hügel hinab zum Dorfplatz und zu Fenris‘ Haus, welches nun Arn gehörte. Damit hatte er sich eigentlich einen festen Platz im Clan gesichert, was hatte Benwick nur? Auf eine verschrobene Art und Weise war Arn auch nun ein Clanmitglied. Keiner aus den wilden Landen, und doch dem Clan zugehörig… Sie riss die Türe auf und stieß mit Arn zusammen, der grade im Begriff war, das Haus zu verlassen, mit seinem Langbogen und dem Köcher mit den schwarzgefiederten Pfeilen. Thargôn flatterte erschreckt auf und ließ sich dann wieder auf ihrer Schulter nieder. Dabei fiel ihr wieder ein, dass sie ihn ja nach dem Pfeil fragen wollte, den er ihr abgenommen hatte, mit der Bemerkung, es sei sein Pfeil gewesen. Doch der Pfeil konnte warten, sie schob den Gedanken daran beiseite. „Arn…“ begann sie „Ich habe einen schweren Fehler gemacht… und egal, wie ich es auch drehe und wende, es wird mir zum Verhängnis werden…“ Er sah sie verwundert und verständnislos an. Sie umfing ihn mit den Armen und sog seinen Duft ein… er roch so gut… sie wollte jetzt nicht reden… „Arn… ich brauche Dich, lass uns da weiter machen, wo wir vorher aufgehört haben…“ murmelte sie als sie ihren Kopf an seinen Hals barg und begann ihn dort küssen. Er legte eine Hand in ihren Rücken und schloss mit der anderen freien Hand die Haustüre und ging einige Schritte rückwärts, ohne sie dabei los zu lassen, bis er an den Tisch stieß. Er verscheuchte den Raben mit einer Handbewegung und dieser krächzte empört auf und flatterte dann schließlich auf eine der Stuhllehnen. Arn hob sie hoch, wandte sich dabei um und setzte sie auf den Tisch. Sie suchte seine Lippen und küsste ihn fordernd und umschlang mit ihren Beinen die Seinen. Sie seufzte wohlig auf, und ein ganzes Gebirge fiel ihr in dem Moment vom Herzen. Es war unwichtig, was Asa dachte, es war ihr in dem Moment egal, was der Clan und die Sippe dachte… nur er zählte! [18]Sie nestelte, während sie ihn küsste, mit zittrigen Fingern an seiner Bundhose, öffnete den Gürtel und die Hose fiel zu Boden. Umständlich schob er ihre Röcke hoch. Dann besann er sich, zog sie vom Tisch, drehte sie um, schob ihre Röcke wieder hoch und glitt von hinten in sie hinein. Sie stöhnte auf, und er begann sich vor und zurück zu schieben. Sie hielt sich an den Tischkanten fest, während er ihre Hüften hielt. Doch es war leider schneller vorbei als ihr lieb war. Keuchend blieb sie für eine kurze Weile am Tisch liegen, dann erhob sie sich und ließ ihre Röcke wieder hinunterfallen, während er seine Hose wieder hochzog.[/18]


Sie zog sich einen Stuhl heran und ließ sich darauf nieder, während sie sich über das Gesicht fuhr und danach ihre Haare glatt strich. Nervös tippte sie mit den Fingern auf der Tischplatte. All die verdrängten Gedanken hatten nun wieder Einzug in ihren Kopf gehalten. Arn bemerkte ihre Nervosität und sah sie fragend an. Sie erwiderte seinen Blick und überlegt kurz. Früher oder später würde alles rauskommen. Oder es würden die wildesten Gerüchte kursieren die vielleicht noch schlimmer als die Wahrheit waren. Sie räusperte sich und begann. „Ich war vor einigen Tagen in Benwicks Hallen… ich hatte ihm Bericht darüber erstattet weil ich doch in einem Clan war wegen einer Geburt… im Zuge dieses Gespräches hatte sich ergeben dass er ständig einer jungen Frau hinter her glotzte die sich in den Hallen aufhielt. Irgendwann habe ich ihn darauf angesprochen. Ich meinte der Beltane sei die Gelegenheit, sie sich zu nehmen, ohne dass Asa davon erfahren würde… ich weiß nicht wieso ich auf die Idee gekommen bin, vermutlich weil Asa mich nicht leiden kann und mich immer von oben herab behandelt… Benwick war von der Idee gleich Feuer und Flamme und wir haben die Sache geplant. Am Beltane habe ich ihm einen Becher Wein mit einer berauschenden Essenz für Asa gegeben, weil sie das rote Bier nicht trinken wollte. Dann habe ich eine Hörige die unter meinem Fluch stand in meine Rabenrobe gehüllt, Benwick hat mir sein Berglöwenkostüm gegeben und ist dann mit einer anderen Maske zu der jungen Frau gegangen. Ich habe ihm gesagt er solle sich beeilen, und ging derweil zu Asa. Ich meinte, ich würde sie lange genug hinhalten können, doch Benwick kam und kam nicht… Asa war bereits so willig, dass sie sich beinahe auf mich gestürzt hätte. Sie wusste es ja nicht besser und dachte, es sei Benwick den sie vor sich hatte. Sie forderte mich vor der ganzen Hersenschaft auf, es ihr zu besorgen und ich dachte, wenn ich mich weigere, dann würde Benwick am nächsten Tag vor dem ganzen Clan bloß dastehen…“ Sie setzte kurz auf und überlegte, wie sie am besten fortfahren sollte. „Was soll‘s, irgendwie findest Du es ja sowieso raus, dann ist es am besten Du erfährst es direkt von mir, wie es sich wirklich zugetragen hat… ich wollte es nicht… ich wollte mich am liebsten dabei übergeben und wäre lieber davongelaufen, doch ich habe es ihr mit dem Mund gemacht… und mit den Fingern… ich wollte es wirklich nicht tun, und ich habe an diesem Abend nicht einmal einen Tropfen von dem Bier angerührt… Erst als ich fertig war ist Benwick wieder aufgetaucht und wir haben wieder die Rollen getauscht…“ Sie sah ihn verlegen an. „Jetzt habe ich von Asa erfahren dass es natürlich einem Hersen aufgefallen ist, dass meine Statur unmöglich auf die von Benwick passte… ich hätte es selbst wissen müssen, doch ich dachte, alle würden an diesem Fest so betrunken und berauscht sein, dass niemand etwas bemerken würde… Auf die Hörige habe ich dann auch vergessen, ich wollte nur noch zu Dir an dem Abend… und diese ist dann nach dem Fest in meiner Rabenrobe direkt in Benwicks Halle marschiert, was bei Asa natürlich für Fragen gesorgt hat… Ich habe eisern geschwiegen und ihr nicht gesagt was an dem Abend passiert war, denn egal was ich gesagt hätte, ich wäre in den größten Schwierigkeiten, egal ob sie weiß dass ich es war die in Benwicks Kostüm steckte, oder ob ich gesagt hätte die Hörige hätte meine Gewandung angehabt damit ich auf dem Fest herumhuren kann, egal wie ich es auch drehe und wende, ich werde die Konsequenzen tragen müssen, und das ist wohl der Verstoß aus meiner Sippe… ich werde völlig alleine im Clan sein… mein ganzes Leben im Clan steht nun auf Messers Schneide…“


Dann schlug sie mit der Handfläche auf den Tisch. „Ich muss die Situation wenden, Arn, ich muss irgendetwas unternehmen! Ich muss mit Benwick sprechen! Benwick muss sich dessen bewusst werden, dass er der Fürst ist. Er, und nicht Asa! Sie unterliegt ihm! Die verheiratete Frau untersteht immer dem Manne! Er muss ihr zeigen, wer der Herr im Hause ist, und dass sie nach seiner Pfeife zu tanzen hat und nicht er nach ihrer! Er muss ihr klar machen, dass sie mit ihrer herrischen Art und ihrer jetzigen Torheit drauf und dran ist, den ganzen Clan zu spalten! Er könnte es vehement abstreiten! Asa erinnert sich nicht an diesen Abend! Sie stützt ihre Vermutungen nur auf die Aussage eines Hersen, und auf diese absurde Sache mit der Hörigen und meiner Robe… bei den Göttern, dann war es eben so, dass ich unter den Leuten gewandelt bin. Daraus kann mir niemand einen Strick drehen! Niemand hat mich gesehen, niemand hat mich erkannt… ich war nur mit Dir zusammen, nur Du weißt davon… Du würdest mich doch nicht verraten oder? Es könnte wirklich passieren, dass die Blutfehde zusammen mit dieser Sache Benwick stürzt. Was dann? Dann ist auch sie nichts, ohne Benwick ist sie nichts! Auch wir sind ohne Benwick nichts, nie hat es einen besseren Fürsten gegeben als ihn… Und dieser Herse, dieser verräterische Bastard… er hat seinem Fürsten die Treue geschworen und hintergeht ihn so… er muss ebenso dafür bezahlen und verschwinden… Ich habe den Karren in den Dreck gezogen… doch ich werde ihn da auch wieder herausholen…“ Sie überlegte einen Moment, dann murmelte sie „Ein Blutzauber… eine Lenkung… irgendwas…“
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Re: das Spiel des Windes

Beitrag von Adraéyu » So, 21. Okt 2012 2:53

Bildnsicher sah Rahela Adraéyu an. »Du würdest mich doch nicht verraten, oder?«, fragte Rahela ein wenig verunsichert. »Nein.« Der Raéyun war eher still gewesen, während Rahela ihre Geschichte erzählt hatte. Aus einem erwiesenen Freundschaftsdienst, würde sich womöglich eine Fehde innerhalb des Clans entwickeln. Adraéyu wusste aus Geschichten, wie solche Dinge endeten. Die Sippe und das Dorf wurden gespalten. Bruder kämpfte gegen Schwester. Der Faernach-Clan würde zerbrechen, und Benwicks Sippe untergehen. Nun da Bhelor den Bären herausforderte, war dies nur eine Frage der Zeit, wenn Asa und Rahela ihren Streit nicht beilegen würden. Und auf Benwicks Schultern lastete dieser Zwist. »Ich verstehe deine Sorgen. Doch verstehst du hoffentlich auch, dass du mich da mit hineingezogen hast.« Er sah sie mit einem Blick an, der alles und nichts bedeutete, nur um ihr keinen Raum für Interpretationen zu gewähren. »Aber ein Blutzauber wird dir nicht helfen. Im Gegenteil. Es wird nur schlimmer. Ein Thing würde einberufen werden müssen. Und wenn du dieses Mal schuldig gesprochen würdest, wäre das nicht nur deine Verbannung. Nein es wäre dein Tod. Und deiner Sippe würdest du Schande bereiten.« Rahela schnaubte verächtlich, doch war es nur die Wahrheit.

»Wer außer Benwick und dir wissen von dieser Sache?« Er musterte Rahela, und versuchte sich im Geiste vorzustellen, wie sie und Asa zusammen auf dem Beltane beisammen gelegen haben. Ein gewisses Wohlgefallen machte sich auf seinem Gesicht breit. Er konnte es sich aber absolut nicht vorstellen, wie die reservierte und kühle Asa auf eine solche Weise agierte. Der Wein musste ungewöhnlich stark gewesen sein. »Niemand.«, murmelte Rahela. »Wie kommt Asa dann auf die Idee, es wäre so?« »Der Herse kann nichts gesehen haben. Er stellt nur Vermutungen an.« »Vermutungen die bei Asa fruchtbaren Boden fallen. Du bist ihr ein Dorn im Auge, da Benwick dich mag. Asa ist sehr besitzergreifend. Und doch liebt Benwick sie.« Es führte nichts daran vorbei. Rahela musste mit Benwick sprechen. »Würdest du mir eine Nuss geben?«, fragte Adraéyu Rahela und sie sah ihn verwundert an. »Wozu?«, hakte sie nach. »Würdest du einfach, oder nicht?«, antwortete der Raéyun kurz angebunden und Rahela griff in ihre Tasche und förderte eine Nuss zu Tage. Als Thargôn die Nuss erblickte flatterte er aufgeregt mit den Flügeln »Nuss … Nuss …« »Nein, die ist nicht für dich«, murrte Rahela und reichte die Nuss an Adraéyu. Dieser legte sich die Nuss sogleich auf die Schulter und hielt sie zwischen Daumen und Zeigefinger. »Komm.« Er sah den Raben direkt in die Augen und widerholte seinen Befehl. »Komm, Thargôn. Hol dir die Nuss.« Als der Rabe zu ihm auf die Schulter geflogen war, sah ihn Rahela ein wenig skeptisch an. »Was hast du vor?«, wollte sie von ihm wissen. »Lass das mal meine Sorge sein. Rede du lieber mit Benwick.« Mit diesen Worten wandte er sich von Rahela ab und ging seines Weges. Unterwegs tratschte er mit dem Vogel und brach für ihn die Nuss, damit er sich damit nicht so plagen musste. Er knackte die Schale an, doch ließ er den Vogel den Rest erledigen, damit ihm nicht allzu schnell langweilig wurde. »Thargôn.«, sprach er den Vogel an und wartete auf eine Reaktion, welche prompt folgte. Er legte den Kopf schief und krächzte. Er kam sich ein wenig blöd dabei vor mit dem Vogel zu reden, als wäre er ein Mensch. »Sag einmal Fuchs.« Der Rabe sah ihn schief an und hackte auf die Nuss. »So viel zu deiner Nützlichkeit«, brummte Adraéyu. Und als ob der Rabe seine Worte verstanden hätte hob er kurz den Kopf und schnarrte. »Arn …« Adraéyu musste lächeln. Ob er je seinen wahren Namen aussprechen könnte? Er glaubte es nicht. ›Jammerschade.‹, seufzte Adraéyu innerlich.

»Wir müssen üben.«, begann Adraéyu und nahm dem Vogel die Nuss weg. Er protestierte und schlug mit den Flügeln aus, doch blieb er auf Adraéyus Schulter sitzen. »Sag Fuchs.«, verlangte Adraéyu, doch der Rabe schwieg. Adraéyu runzelte die Stirn. Rahela hatte doch gesagt er könne es. Hatte der Vogel keine Lust? Oder sah er nur keine Veranlassung?

Adraéyu wollte etwas anderes probieren. »Sag einmal Bär«, und der Vogel schnarrte es ihm sogleich nach. »Bär …«, zufrieden grinste Adraéyu. »Sehr gut.« Adraéyu ging mit dem Raben zu seinem Haus und holte die Laute. Als er sich den Lautenkasten über die Schulter warf, erhob sich Thargôn kurz von Adraéyus Schulter, nur um sich sogleich auf den, mit Hirschleder bespannten, Kasten nieder zu lassen. »Aber zerkratz mir nicht das Leder, verstanden?«, murrte Adraéyu. »Und scheiß mir ja nicht auf meinem Lautenkasten! Sonst rupfe ich dich!«, warnte er den Raben. Adraéyu schlug zunächst die Richtung zu dem Baumstumpf ein, auf welchem er sonst immer saß, wenn er den Etáín ein Lied vorspielte. Doch schnell besann er sich eines Besseren. Für sein Unterfangen musste er dafür sorgen, dass ihn keiner beobachtete. Und so verließ er das Dorf durch das Tor. Am Tor standen zwei kräftige Burschen, kaum dem Mannesalter entwachsen und in der Blüte ihrer jungen Jahre. »Zaubersänger.«, nickte einer von ihnen Adraéyu zu. Der andere starrte nur müde ins Leere. »Wohin des Wegs?«, fragte der Erste und sah misstrauisch auf den Raben. »Ich will den Etáín ein Lied singen, wie ich es jeden Mittag mache.«, begann Adraéyu. »Und der Rabe?« »Der gehört nicht mir. Doch ich werde ihn einfach nicht los«, um dies zu demonstrieren schüttelte Adraéyu ein wenig den Lautenkasten, doch Thargôn krallte sich fest, flatterte mit den Flügeln, und protestierte lauthals. Der Krieger schmunzelte. »Ist das nicht der Rabe der Neeskia?«, fragte der andere Krieger. Adraéyu rollte mit den Augen. »Ich hoffe ihn am Waldrand loszuwerden, wenn ich spiele. Ich war so dumm und habe ihm eine Nuss gegeben, und nun werde ihn nicht mehr los.« »Ha!«, der Krieger lachte und klopfte Adraéyu auf die Schulter. Ob dieser schnellen Bewegung, schreckte Thargôn hoch und stob davon. »Problem gelöst.«, grunzte der Krieger zufrieden und verschränkte die Arme vor der Brust. »Mein ewiger Dank gebührt dir.« Adraéyu deutete eine knappe Verbeugung an und wandte dem Krieger schließlich den Rücken zu. ›Verdammt‹, fluchte Adraéyu innerlich. Er ging weiter zum Waldrand, und hoffte Thargôn würde zu ihm zurück kommen. Doch der Vogel kam nicht. Niedergeschlagen setzte Adraéyu sich am Waldrand auf die Wiese. Hier erinnerte nichts mehr an das große Fest. Nichts, mit Ausnahme des großen, schwarzen Brandflecks, welcher auf dem Acker zurück geblieben war, als das Walpurgisfeuer abgebrannt war. Sein Blick wanderte in den Wald hinein, zu dem Brautstein. Er lag einsam und verlassen da, und wirkte so unscheinbar. Es war kaum vorstellbar, was dort gestern getrieben wurde.

Er ließ die Verschlüsse von dem Lautenkasten aufschnappen, und holte sogleich seine Laute aus dem gefütterten Kasten heraus. Er legte sie sich in den Schoß und begann einige Akkorde anzuschlagen. Einige Saiten klangen verstimmt und dann zog er den Schlüssel für den Wirbelkasten heraus und begann die Laute zu stimmen. Als er die Laute schließlich nach seinen Wünschen eingestellt hatte, legte er den Schlüssel beiseite und schlug erneut einen harten Akkord an. Zufrieden lächelte Adraéyu, und nahm sich die Laute sogleich zur Hand. Er begann eine einfache Weise, zum Gedenken an die Etáín. Bald wandelte sich das Lied zu einer regelrechten Ballade und Adraéyu sang aus tiefer Kehle ein trauriges Lied. Der Wind wehte durch die Blätter des nahen Waldes, und schien zusammen mit dem Raéyun auf seine Weise zu singen. Eine tiefe Zufriedenheit erfüllte schließlich sein Herz und er schloss die Augen. Er summte und wankte ein wenig hin und her, wie ein schwerer Ast in einem Wind. »Arn …«, krächzte es und Adraéyu öffnete sogleich die Augen. Jäh endete sein Lied und der letzte, abrupte Ton verhallte im Rauschen der Blätter, welche sich an den Wind schmiegten. »Thargôn.«, er nickte dem Vogel zu und sah ihn eindringlich an. Er reduzierte sein Lautenspiel auf ein einfaches, leises Geklimper und sprach mit dem Vogel. »Ich habe einen Plan.«, offenbarte er dem Vogel. »Doch dieser Plan ist ohne dich nutzlos.« Thargôn legte seinen Kopf schief und krächzte. Wir werden später in die Halle gehen. Dort werden Rahela sein, und auch Benwick und seine Frau Asa. Und ich werde ihnen ein Laienspiel vorführen. Eine Scharade, wenn man so will. Und du wirst mir dabei helfen. Lass uns nicht im Stich. Denn Rahelas Ruf hängt am seidenen Faden.« Während er so mit dem Vogel sprach, war er irgendwie froh, dass es keiner sehen konnte. Er würde sich reichlich peinlich vorkommen. Zusammen mit dem Vogel studierte er seinen wahnwitzigen Plan ein. Immer wieder und wieder schlug er gewisse Töne an, und er erwartete dafür, dass der Vogel eine gewisse Sache tat, wenn dieser Ton erklang, oder ein gewisses Wort sagte. Es ging nur schleppend voran. Und Adraéyu ging zwischendurch mit dem Raben in den Wald um einige Eicheln oder Bucheckern zu finden. Sie fanden sogar einen Kirschbaum, an welchem einige wilde, schwarze Kirschen hangen. Gemeinsam plünderten sie die tiefer hängenden Äste und setzten sich anschließend wieder beim Waldrand auf die Wiese. Immer wenn Thargôn eine Aufgabe richtig gelöst hatte, dann warf er ihm eine Kirsche zu, oder einen Buchecker. Die Eicheln verschmähte der Rabe aber bald, und so machte Adraéyu ein Spiel daraus. Wenn der Rabe die Aufgabe nicht richtig löste, warf er eine Eichel nach ihm. Es trug sehr schnell Früchte, denn der Vogel war wild auf die Kirschen. Und schon zu Beginn der Dämmerung hatten sie sein Spielchen halbwegs im Griff. Es würde einige raéyun'schen Kniffe erfordern, damit der Rabe immer das machen würde, was Adraéyu wollte. Doch es musste reichen. »Flieg zu Benwicks Halle und warte dort.«, sagte Adraéyu und warf den Raben in die Luft. Er sah dem schwarzen Vogel nach, wie er immer kleiner wurde und er folgte ihm zum Tor.

Als Adraéyu die Halle betrat flatterte Thargôn hinauf zum Dachgebälk. Rahela und Asa standen gerade neben Benwick und stritten miteinander. Zufrieden stellte Adraéyu fest, dass alle acht Hersen zugegen waren. Die Hersen waren vergleichbar mit dem Adel. Sie waren die acht geadelten Krieger, welche Benwick in seine Reihen geholt hatte. Jeder von ihnen stammte aus einer der neun Familien der Sippe Benwicks. Walder entstammte Benwicks Sippe, das wusste Adraéyu. Einer der Hersen war beim Angriff auf die Siedlung der Orks gefallen, und Benwick hatte noch keinen Nachfolger bestimmt. Nun kam alles auf Asa und Thargôn an. Keiner wusste, welcher der Hersen es war, welcher Asa Rahelas Geheimnis verraten hatte. Und jeder stand stumm und steif da, und wachte über die Halle. »Arn!«, rief Benwick, als er den Barden entdeckte. Er hoffte wohl dass der Raéyun ihn irgendwie aus den Fängen dieser Furien befreien würde. Am liebsten hätte er gelacht, über diese Situation. Benwick, der große Bär des Nordens. »Kann ich dir helfen, Voruad?« Benwick grinste, als Adraéyu ihn bei diesem Ehrennamen nannte. »Kannst du ein Lied spielen, dass sie beide sich versöhnen?« Benwick sah Adraéyu und dieser erwiderte die Frage mit einem verschwörerischen Blick. »Ich könnte noch viel mehr. Doch würdest du es auch wollen?« Benwick verengte die Augen für einen Moment und sah Adraéyu argwöhnisch an. »Was meinst du damit?« »Ich könnte Asa dazu bringen den Streit zu vergessen. Ich könnte sie wohl auch dazu bringen, vor all den Leuten hier sich ihrer Kleider zu entledigen.«, er lächelte bei diesen Worten, doch Benwick sah ihn nur fragend an. »Doch würdest du das auch wirklich wollen? Das Problem auf diese Weise lösen?«, hakte Adraéyu nach und Benwick erwiderte nichts. »Das Problem ist ein Mann.«, begann Adraéyu und Benwicks Miene verfinsterte sich. »Der Herse …« »Weißt du wer von ihnen, es ihr gesagt hat?«, fragte Adraéyu hoffnungsvoll, doch Benwick schüttelte nur den Kopf. »Vertraust du mir?«, fragte er nun direkt heraus. Und Benwick nickte zögerlich. »So, wie du Rahela vertraust?« Benwick sah kurz zur Schamanin und sah dann wieder Adraéyu an. »Die Neeskia spricht zu den Göttern. Sie sieht Dinge, und kann die Ahnen hören. Natürlich vertraue ich ihr. Doch du bist nur ein Skalde. Ein begabter, ohne Frage und ein hochgeschätzter Freund, mein Charaid.« Das genügte Adraéyu. »Wirst du mir helfen den Streit beizulegen?« Benwick sah Adraéyu misstrauisch an. »Was hast du vor?« »Du wirst es sehen. Doch es wird Blut fließen. Und dieses Blut wird dich in der kommenden Fehde stärken.« Benwick nickte vorsichtig und legte Adraéyu schließlich die Hand auf die Schulter. »Ich vertraue dir. Und damit auch meine Sippe. Doch wenn du mein Vertrauen missbrauchst, dann gnaden dir die Etáín, und alle Macht der Fünf.« Er hatte seinen Standpunkt unmissverständlich ausgedrückt. Doch Adraéyu war sich seiner Sache sicher.

Er trat an Rahela heran und sie sah ihn verwundert an. »Wo warst du?«, flüsterte sie. Asa beäugte Adraéyu mit wachsendem Interesse. »Spiel einfach mit.«, zischte er ihr zu und wandte sich an Asa. »Rukaja.«, bei diesen Worten verbeugte er sich leicht. »Wenn ich sprechen dürfte?« Asa nickte ihm großmütig zu und Adraéyu fuhr fort. »Ich habe heute am Waldrand den Etáín ein Lied gespielt …«, begann Adraéyu in der Hoffnung, dass der alte Glauben genug Gewicht in dieser Sache hatte. »Sie sangen mir ein Lied und ich hatte eine Offenbarung.« Er flunkerte hier und log dort. Er bog sich die Geschichte so zurecht, wie sie ihm am besten Nutzen konnte. »Und? Was haben sie gesagt, die Etáín?«, fragte Asa neugierig, aber mit einer gewissen Skepsis und auch ein wenig Sarkasmus in der Stimme. Sie war noch nicht überzeugt. Doch Adraéyu ließ sich nicht entmutigen. »Wenn du gestattest, würde ich es dir gerne in einem Vers vortragen.« Wieder nickte Asa erhaben und Adraéyu kam nicht umhin genau das an ihr sehr anziehend zu finden.
Er zog den Lautenkasten von den Schultern und nahm die Laute heraus und begann sogleich das einstudierte Lied. »Ich singe von dem Wind.«, tönte Adraéyus Stimme. »Und ich singe von dem Blut. Blut bedeutet Leben, Blut ist Leben. Königliches Blut. Erhabene Macht.« Er schlug einen Akkord an und sogleich flatterte Thargôn von dem Dachbalken hernieder und setzte sich auf den Rand von Benwicks Schild, welcher über seinem mächtigen Stuhl hing. Sie sah den Vogel verwirrt und auch ein wenig verunsichert an. Thargôn sah Asa an und Adraéyu schlug einen anderen Akkord an. Er fügte sich so wunderbar und unscheinbar in das Lied, dass es niemandem aufgefallen war. Niemandem, außer dem Raben. Er krächzte und legte den Kopf schief. »Bär« und scharrte mit den Füßen an der Lehne von Benwicks Schild. Dann senkte er seinen Kopf und hämmerte einige Male mit dem Schnabel gegen die rote Seite des Schilds. Eben jene Seite, auf welcher der Bär abgebildet war. Jeder betrachtete gebannt den Vogel und trat näher an Asa und den Raéyun. Und Asa nickte, als der Vogel den Schild mit dem Schnabel anpickte. »Ein kluger Vogel.«, gestand sie ein. Als sie diese Worte gesagt hatte, hob der Rabe seinen Kopf und sah Asa mit seinen schwarzen Augen an. Er legte seinen Kopf ein wenig schief und schnarrte. »Die Etáín erzählten von Blut und Betrug. Von List und Tücke.«, bei diesen Worten wandte Asa ihren Blick auf Rahela. Adraéyu hatte gezielt diese Worte eingesetzt, Asas Blick auf Rahela zu lenken. »Ehre und Treue. Blut und Schwur.«, sang Adraéyu schließlich weiter und Thargôn krächzte. Er legte den Kopf schief und sah Rahela an. »Nuss …« Benwick lachte als er diese Worte vernahm. Rahela trat sogleich einen Schritt vor, und warf dem Vogel eine Nuss zu, und erntete dafür einen finsteren Blick von Adraéyu. Nun würde es weit schwerer werden, den Vogel zu lenken, wo er eine Ablenkung hatte. Thargôn hackte mit seinem Schnabel auf die Schale ein, doch bekam er die Nuss nicht auf. So schwang er sich in die Luft und warf die Nuss auf den Boden. Sie kullerte durch die Füße der Anwesenden und rollte schließlich unter Asas Rock. Der Vogel landete vor ihr auf dem Boden und starrte sie lange und eindringlich an. Doch an die Nuss kam er nicht. Und so erhob er sich schließlich wieder in die Luft, und während Adraéyu spielte, und den Vogel ein wenig lenken musste, setzte dieser sich schließlich und endlich auf den Speer eines Hersen. »Blutschwur und Ehre. Des Mannes Lohn …«, sang Adraéyu, und erneut erschall Thargôns Stimme durch die Halle »Bär.«, und er pickte gegen die Lanze des Hersen. Dieser schwenkte die Waffe so lange, bis der Rabe sich trollte. Er flatterte sogleich zum nächsten Hersen, und Adraéyu suchte den Blick Asas. Sie saß gespannt auf ihrem Stuhl. Doch hin und wieder huschten ihre Blicke zu Rahela, oder Benwick. Er wartete nur auf den Augenblick. Er legte ein wenig Argwohn und Verunsicherung in das Lied. Er wollte Asa mit seiner Musik lenken, und es gelang ihm, wenn auch nur sehr schwer.

Und während Adraéyu von Ehre und Treue sang, und der Rabe immer wieder »Bär» schnarrte, bemerkte Adraéyu wie Asa auch einige Hersen ansah. Doch einen sah sie immer öfter an. Das musste er sein! Nicht umsonst wurde der Rabe, der Bote der Götter genannt. Benwick stand nur da und musterte den schwarzen Vogel. Keiner konnte sich einen Reim machen.

Schließlich lenkte Adraéyu die Aufmerksamkeit Asas auf sich. Sie sollte seiner Stimme verfallen, und ihm wie gebannt an den Lippen hängen. Er sang von den Geistern der Winde, den Etáín, wie sie ihm erzählt hatten, dass Verrat in der Luft hing. Und das Blut den Boden tränkte. Und die List die Sippe spaltete. Rahela sah ihn nach jedem Wort nur noch finsterer an. Und auch Benwick verzog seine Augenbrauen ungläubig. Doch Adraéyu grinste nur spitzbübisch. ›Sie werden sich noch wundern‹, lachte er innerlich. Und da lenkte er Thargôn auf den Schild jenes Hersen, dessen Blick Asa immer wieder gesucht hatte, wenn er davon gesungen hatte, dass das reine Blut beschützt werden musste, oder dass das blaue Blut durch die loyale Ehre vor dem Verrat gewarnt wurde. Nach jeder Anspielung hatte sie diesen Mann angesehen. Er musste ihr jenes Geheimnis, welches Rahela und Benwick vor Asa hatten, verraten haben. Und er hob seine Stimme an. »Der Verräter in unserer Mitte, er wird büßen. Die Götter werden ihn strafen und sein Lohn wird der Tod. Wer das Blut verrät, verliert die Ehre …« Und als Adraéyu den einstudierten Akkord, welchen er Thargôn immer wieder und wieder eingeschärft hatte anschlug, da ließ ihn der Vogel nicht im Stich. »Fuchs.«, krähte der schwarze Vogel und alle im Raum verstummten und starrten den Hersen an. Er schüttelte den Schild und vertrieb Thargôn, doch war das Unheil, aus seiner Sicht, bereits angerichtet.
Während Adraéyu sein Lied verklingen ließ, erhob sich Asa von ihrem Platz und Benwick hatte die Fäuste geballt.
In den Weiden werden uns're Träume klingen,
und die Winde werden uns're Lieder singen.
Lasst uns mit den Funken übers Feuer springen,

in der Walpurgis Nacht.

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Re: das Spiel des Windes

Beitrag von Rahela » So, 21. Okt 2012 9:51

Rahela sah Arn irritiert nach, als er ging. ‚Was hat er nur mit Thargôn vor?‘ dachte sie bei sich und ein unbehagliches Gefühl machte sich in ihr breit. Sie liebte diesen Vogel über alles. Sie empfand auch viel für Arn, doch vertraute sie ihm so weit, dass sie ihn mit diesem Tier von dannen ziehen ließ? Betreten zuckte sie die Schultern und verzog schmollend den Mund. Es blieb ihr kaum etwas anderes übrig. Doch wenn der Rabe auch nur eine Feder lassen musste, würde sie ihn zur Rechenschaft ziehen… Sie verließ Arns Haus und lief durch den Clan, auf der Suche nach Benwick. Sie fand ihn nicht, daher setzte sie sich in der Mitte des Platzes auf den Runenstein, und wartete. Irgendwann musste er zurück in seine Hallen und dann würde sie ihn abfangen können. Es dauerte nicht lang, bis sie ihn schließlich kommen sah. „Ruka!“ rief sie ihm zu und winkte ihm. Dann sprang sie vom Runenstein auf und lief zu ihm. „Wo können wir ungestört reden, ohne weitere Gerüchte anzuschüren?“ fragte sie gerade heraus. Benwick zuckte die Schultern. „Dann sicher nicht in Deinem Haus… oder Arns… oder in meinen Hallen…“ „Aber auch nicht im Wald?“ neckte sie ihn. „Dann lass uns hier bleiben…“ meinte sie und ging wieder zu dem Runenstein. Sie stand nicht gerne herum, lieber saß sie oder lehnte sich irgendwo bequem gegen. „Ich möchte offen sprechen, Benwick… ohne mir Deinen Unmut zuziehen zu wollen… darf ich?“ fragte sie ihn. Benwick machte eine einladende Geste. „Es wäre mir eine Ehre, Neeskia…“ grinste er. „Ich hoffe es…“ meinte Rahela. Sie atmete hörbar aus und dann begann sie. „Ich war bei Asa… es war kein Spaziergang, das kannst Du mir glauben…Es war eher ein Spießrutenlauf! Und es gibt einen Verräter in Deinen Reihen…“ Benwick sah sie irritiert an. „Asa meinte, sie hatte eine Unterredung mit einer ihrer Hersen. Sie sagte, dieser vermutet, dass nicht Du in der Berglöwengewandung gesteckt hattest. Weil die Statur und Größe nicht gestimmt hatte. Aber darum geht es nicht primär, es geht darum, dass Du Dir nicht der Treue aller Deiner Hersen sicher sein kannst, wie es scheint. Vielleicht steckt er sogar mit Bhelor zusammen, wer weiß das schon! Du hast in Deinen engsten Reihen einen Mann, der Dinge an Asa heranträgt ohne dabei an Dich zu denken. Er vermutet sogar, dass es eine Frau war, die in deinem Kostüm gesteckt hatte. Und nach Asas Verhalten nach zu urteilen denkt sie hierbei an mich. Ich konnte ihr nichts sagen, ich konnte es einfach nicht, egal, was ich gesagt hätte, irgendjemandem wäre das auf den Kopf gefallen. Ich habe geschwiegen und mir dabei ihren Unmut zugezogen. Ich habe es für Dich getan. Dir allein gilt meine Treue. Dir und dem Clan, doch nicht Deiner Frau…“ Sie legte ihm für einen kurzen Moment ihre Hand auf die Schulter. „Benwick, mein Charaid… Es tut mir so leid, dass ich es nicht anders sehen und halten kann… ich wollte Dir damit nicht schaden. Ich wollte Asa indirekt damit eins auswischen, weil sie mich immer so von oben herab behandelt. Warum tut sie das? Weil wir beide uns gut verstehen? Reicht ihr Deine Liebe nicht? Der Clan und die Götter wissen, wie sehr Du Deine Frau anbetest… Und ich wollte Dir einen Gefallen damit tun, als ich sah, wie begehrlich Du diese junge Frau angeblickt hattest. Ich dachte, am Beltane wäre das die beste Gelegenheit, weil nichts davon wirklich zählt und weil alle herumhuren. Ich dachte, alle würden so berauscht und betrunken sein, dass niemand davon etwas bemerken würde. Und in Wahrheit hätte Asa auch nichts erfahren wenn Du keinen Verräter in Deinen Reihen hättest. Aber es ist nun einmal so, und ich möchte mich bei Dir dafür entschuldigen…“ Er nickte. „Es gibt nichts zu vergeben, Rahela… ich hätte auch ‚Nein‘ sagen können…“ „Es ist gut, dass Du es so siehst…“ meinte sie. „Versprich mir, dass niemals jemand erfährt, was Du gesehen hast, was ich bei Asa gemacht habe. Ich habe es für Dich getan, und im besten Fall bedeutet es für mich nur den Verstoß aus meiner Sippe. Ich habe Dir im Lager versprochen, dass ich mich zurücknehme und dem Clan keine Schande bereite, oder Dinge tue, die die Clanmitglieder fürchten oder mich ihren Respekt kostet. Ersteres habe ich bereits versaut… und wenn ich fürchte, dass jemand Dich oder mich in die Ecke drängt, dann fürchte ich, würde ich nicht davor zurückschrecken, Dinge zu tun, die jemand fürchten könnte… also bitte lass nicht zu, dass es soweit kommt. Ich denke, ich kann mich auf meine Sippe nicht mehr verlassen, ich kann mich nur noch auf Dich verlassen, mein Charaid…“ meinte sie ein wenig bitter. Dann grinste sie und fragte ihn „War es den Ärger wenigstens wert?“ Benwick grinste zurück „Keine Frau ist solchen Ärger wert, wenn es nicht die eigene Frau ist… aber ja, es war annehmbar… Und Du?“ Rahela blickte ihn verwirrt an „Was meinst Du?“ „Du und Arn… ist er auch diesen Ärger wert?“ Sie überlegte einen Moment, dann sagte sie „Ich weiß es ehrlich gesagt nicht… noch nicht… ich hoffe, die Zeit wird es zeigen…“ Dann begann sie noch. „Ich habe Asa eisern angeschwiegen, von mir hat sie nichts erfahren. Sie meinte, es würden bald zwei Gerüchte im Clan kursieren… dass ich mit Dir das Lager geteilt habe, was völlig an den Haaren herbei gezogen ist oder dass ich bei meiner Fürstin gelegen habe… was irgendwie den Tatsachen entspricht. Doch beides schadet mir gleichermaßen. Sie will mir schaden…“ flüsterte sie. „Doch sie hat keine Beweise für den gestrigen Abend. Ihre Vermutungen sind alleine auf die Aussage des einen Hersen begründet. Sie war so berauscht von dem Wein, sie kann sich an nichts mehr erinnern! Du könntest trotzdem alles abstreiten… wer würde es schon wagen, Dich Lügen zu strafen? Wieso hat Asa solche Macht über Dich? Wieso zeigst Du ihr nicht, wer der Herr im Hause ist? Sie würde es schaffen mit ihrer törichten Art den Clan zu spalten. Das alleine kann Dich schon vieles kosten… und zusammen mit der Blutfehde, die ich Dir vorausgesagt habe, kann Dich das alles kosten. Deinen Platz als ‚Ruka tu Nemia Faernach‘, oder wenn Bhelor Schwierigkeiten macht, vielleicht sogar Deinen Kopf. Und damit schadet sie doch auch sich selbst. Nur scheint ihr das auf ihrem hohen Ross nicht bewusst zu sein! Du musst sie zur Vernunft bringen! Wir Frauen des Nordens sind ein wenig anders und freier, ja, und das ist auch gut so. Aber so sollte es nicht sein, es darf nicht sein, dass die Frau den Mann beherrscht! Du musst diesen verräterischen Bastard bluten lassen! Statuiere ein Exempel an ihm, jeder soll wissen, was mit Verrätern passiert, die dem Clan schaden wollen!“ Er sah sie an, nickte und meinte „Lass uns ins die Halle gehen und die Sache aus der Welt schaffen…“


In der Halle angekommen, sah Rahela, dass neben Asa auch alle Hersen anwesend waren. Asa winke Benwick und Rahela zu sich, denn offensichtlich wünschte sie eine Unterredung. Kurz darauf betrat Arn die Halle, zusammen mit Thargôn. Rahela war froh die Beiden zu sehen, und als Arn sein Lied über die Etáín begann, war für einen Moment wenigstens die bedrückende Spannung zwischen ihr und Asa verstummt.

Rahela beobachtete argwöhnisch dieses Spiel, das Arn mit dem Raben zelebrierte. Sie versuchte es zu ergründen, zu durchschauen, doch sie konnte es nicht. Was hatte er nur mit dem Raben angestellt? Was war auf dieser Lichtung passiert? Hatte er wirklich, zusammen mit Thargôn, eine Eingebung der Etaín erhalten? Raben waren Göttervögel, das wollte sie nicht ausschließen, und doch benahm sich Thargôn gerade seltsam… doch sie musste Arn vertrauen… so schwer das in diesem Moment auch war. Plötzlich flatterte der Vogel auf einen der Hersen und schnarrte ihn an „Fuchs!“ Alle im Raum verstummten und starrten auf den Hersen und den Vogel. „Fuchs…“ widerholte dieser und Rahela murmelte „Die Prophezeiung… der Fuchs gegen den Bären…“ Asa erhob sich und starrte ungläubig auf den Hersen, aber auch auf Rahela. Benwick ballte wütend die Fäuste und grollte „Verräter!“ Der Herse blickte sich panisch um, als alle Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet war und stammelte „Nein… nein, so ist das nicht…“ „Schweig!“ schnitt ihm Benwick barsch das Wort ab. „Die Götter haben durch den Raben gesprochen! Ich würde ein Thing einberufen, was mit solchen Verrätern geschehen soll. Doch das ist nicht von Nöten. Es wird Zeit, dass der Fürst zeigt, was mit Sippenverrätern passiert… Alle blickten ihn erwartungsvoll an. „Dies erfordert Vergeltung. Der Stumme …“ stieß er grollend hervor. Rahela dachte mit Grauen an die letzte, rituelle Strafe die vollzogen wurde. Dann wandte er sich an Asa. „Und Du…“ sah er sie vielsagend an. „Hüte Dich, bevor Du erneut versuchst, gegen die Neeskia aufzuwiegeln. Besonders wenn Du keine Erinnerung an die Geschehnisse hast. Sie ist das Götterweib… ohne sie ist der Clan nichts… sie hat sich schon mehrmals bewiesen… sie hat uns den Sieg gegen die Orks vorhergesagt… sie hat die Blutfehde vorausgesagt, die sich nun deutlich abzeichnet, und ihr Rabe, dieser kluge Götterbote, hat den Verräter in unserer eigenen Sippe enttarnt… Der Clan kann eher auf Dich verzichten als auf die Schamanin… Wenn Du Dich langweilst, kümmere Dich mehr um Deine häuslichen Pflichten… Du hast acht Bälger zu versorgen, reicht Dir das nicht? Besorge das Haus oder mache mit den Frauen der Hersen nützliche Dinge… webe, stricke, nähe….“ Es war bedeutungsvoll, dass der Fürst so offen vor den Anwesenden mit Asa sprach, und dass er vor allen gegen sie und für Rahela Partei ergriff. Doch er machte dies sehr geschickt. Mit keinem Wort erwähnte er die vergangene Nacht, und was nun genau in dieser vorgefallen war, er gab nichts zu aber er stritt auch nichts ab. Der Fokus war nun auf den verräterischen Hersen, wie sein Verrat auch immer aussah, ob er tatsächlich ein Fuchs war, oder ob sein Verrat nur gegen den Fürsten in dieser Sache galt, auf Asa, die diesem blind geglaubt und Rahela danach angekreidet hatte, gerichtet. Er sah Asa immer noch an und deutete mit der Hand dann auf Rahela. „Entschuldige Dich bei der Neeskia…“ forderte er Asa auf. Rahela musste innerlich schmunzeln. Es war durchaus nicht üblich in den Clans, dass eine Schamanin ein derart hohes Ansehen genoss und den Fürsten auf ihrer Seite hatte. Meist doch waren die Schamanen eher geduldet, im besten Fall geachtet, doch führten sie eher ein abgeschiedenes Leben, und wurden keinesfalls so hofiert wie das bei Rahela der Fall war. Es war ihr Moment, und sie kostete diesen aus, wenn auch nur still für sich in ihrem Inneren. Asa blickte ihren Gemahl überrascht an, doch erkannte sie an seinem Blick, dass er kein Aufbegehren und keinen Widerspruch duldete. Man konnte Asa förmlich ansehen, dass es ihr gegen den Strich ging, und doch verneigte sie sich leicht vor Rahela, blickte ihr dabei in die Augen und sagte „Vergib mir, Neeskia…“ Triumphierend blitzten Rahelas Augen auf, und doch senkte sie bescheiden den Kopf und erwiderte „Es gibt nichts zu vergeben, meine Rukaja…“ Benwick nickte zufrieden. „Und ihr alle…“ damit ließ er seine Blicke durch die Umherstehenden wandern und hob die Hand zur Warnung „lasst Euch gesagt sein… wer die Schamanin angreift, greift damit die Götter an… und mich… Ich kenne die Gerüchte, die im Clan kursieren… und ich dulde sie nicht, welcher Natur sie auch immer sein mögen.“ Damit ging er zu Asa und reichte ihr die Hand. „Ich liebe meine Frau, und nur sie… und ich habe keine Liebelei mit der Schamanin und auch mit keiner anderen Frau im Clan.“ Dies war, genau betrachtet, beinahe die Wahrheit. Was am Beltane passiert war, hatte kaum Bedeutung, es war üblich, es war Tradition, es war indirekt im Sinne des Clans… „Und wer das Gegenteil behauptet, muss mir Rede und Antwort stehen und die Konsequenzen tragen…Und ich dulde auch kein Gerede über die Neeskia… sie ist eine freie Frau und all ihr Tun und Bestreben gilt dem Wohle des Clans… Was sie darüber hinaus macht, solange es dem Clan nicht schadet, ist alleine ihre Angelegenheit!“ Damit war alles gesagt. Dann wandte er sich an den verräterischen Hersen. „Und nun zu Dir…“


Plötzlich wurden die Tore von Benwicks Hallen aufgestoßen und Asmund, einer von Rahelas Vettern, kam herbeigeeilt. „Wo ist die Neeskia?“ rief er. Rahela blickte verwirrt um sich. Was mochte nur geschehen sein? Als der Vetter Rahela erblickte, ging er schnurstracks auf sie zu. In Anwesenheit des Fürsten und der anderen verneigte er sich, vor Rahela, und allgemein, und sagte zu Rahela: „Dein Vater ist gestorben…“ Rahela blickte auf und sah sich um. Aus ihrem Gesicht war keine Regung zu lesen. Doch sie verneigte sich vor Benwick und sagte „Entschuldigst Du mich, mein Ruka?“ Er nickte. „Geh nur, Rahela…“ Sie erhob sich, rief Thargôn zu sich, der aufflatterte und sich auf ihren ihm dargebotenen Arm setzte und sie eilte zusammen mit Asmund aus den Hallen. Sie war erleichtert, dass sie dem Stummen, der nun direkt in Benwicks Hallen vollzogen werden würde, nicht beiwohnen musste…


Im Hause ihres Vaters angekommen, fand bereits eine Totenwache statt. Eine Totenkerze brannte, und der Tote war in seinem Bett aufgebahrt. Rahela runzelte die Augenbrauen. Wie lange war er schon tot? Er konnte wohl kaum erst vor einer Stunde verschieden sein… Sie blickte sich um. Sie fand Malta auf einem Stuhl kauernd, das Gesicht in den Händen vergraben, und bitterlich weinend. Asmund und Kolgrim, ihre beiden Vettern waren anwesend, deren Frauen und Kinder sah sie nicht. Magnus‘ Bruder Valbrand, ihr Onkel, war ebenso mit seiner Frau zugegen, sonst war niemand da. Rahela trat an das Bett heran und sah auf ihn herab. Sie fühlte nichts. Sie hatte all die Jahre kaum etwas für ihn empfunden. Sie hatte mehr Zeit ihres Lebens bei anderen Frauen des Clans, und schließlich bei Morach und vor allen Dingen Catara verbracht. Diese beiden Frauen waren ihr erheblich näher gestanden als ihr eigen Fleisch und Blut. Bei Morachs Tod hatte sie einige Tränen vergossen. Doch eher, weil sie Schuld an ihrem Tod getragen hatte… und bei Catara hatte sie ebenso wenig Trauer empfunden. Sie konnte es sich nicht erklären, doch Sippe und Familie bedeutete ihr nichts… sie konnte die Menschen aus dem Clan, die sie mochte, die sie wirklich mochte, an einer Hand abzählen… Arn, Benwick, Runjar und ihre beiden Vettern Asmund und Kolgrim. Mit Magnus‘ Tod war sie nun die Letzte ihrer direkten Familie. In den Adern ihres Onkels floss zwar dasselbe Blut wie in denen ihres Vaters, und doch war es für Rahela nicht dasselbe. Was nun? Was würde nun weiter passieren? Ihr Vater war nie direkt auf ihrer Seite gewesen, sein Bestreben galt immer der Sippe und nicht dem Einzelnen. Durch seinen Tod würde sich nichts verändern, es sei denn, die Sippe hatte bislang Magnus zuliebe geschwiegen und nicht gehandelt. Malta war versorgt, die Sippe würde sich ihrer annehmen. Malta war ihr ohnedies egal… sie war lediglich die zweite Frau ihres Vaters, für Rahela völlig fremdes Blut… Nach einer Weile verließ sie das Haus und ging nach Hause. Trotz des warmen Wetters fröstelte sie ein wenig. Sie entzündete ein Feuer in der Feuerstelle, setzte Wasser auf und überbrühte sich einen Kräutertee. Nachdenklich umschloss sie vorsichtig den heißen Tonbecher mit den Händen. Im Grunde war diese Sache nun vom Tisch. Doch wie ging es nun weiter? Was war mit Bhelors Sippe? Sie wandte sich an Thargôn. „Du hast Deine Sache heute sehr gut gemacht…“ lobte sie ihn, wenn gleich sie auch nicht genau wusste, was nun ausschlaggebend gewesen war. Arn hatte seine Finger im Spiel, doch inwiefern, wusste sie auch nicht. Im Grunde war es egal… wahrscheinlich hatte er damit auch ihren Hals aus der Schlinge gezogen. Ohne Thargôns Interagieren wäre Benwick sich seiner Sache vielleicht auch nicht so sicher gewesen. Der Hintergedanke an die Götter hatte ihn letztendlich wohl überzeugt. Rahela suchte Zerstreuung und ging den Bestand ihrer Kräuter und Essenzen durch. Es fehlte einiges und sie nahm sich vor, den Clan einige Tage zu verlassen, um Kräuter sammeln zu gehen. Vermutlich war es nicht das Schlechteste, die nächsten Tage abwesend zu sein, damit sich die allgemeine Lage ein wenig beruhigen konnte. Sie würde ins Hochmoor gehen, ihr fehlte unter anderem Sonnentau, und dieser wuchs nur im Moor… Sie war schon lange nicht mehr dort gewesen und sie freute sich darauf. Sie war schon als Kind gerne alleine ins Moor gezogen. Sie stand entschlossen auf. Sie würde sofort packen und noch heute losziehen. Wenn sie noch in dieser Stunde ging, würde sie am Abend das Moor erreichen. Sie würde dort übernachten und morgen Früh frisch zu Werke gehen. Sie holte ihre Tasche und packte allerlei Dinge ein, den Wasserschlauch, Trockenfleisch und Trockenfrüchte, etliche Leinenbeutel, ihre Zunderbüchse, und Nüsse für Thargôn. Sie rief den Raben und dieser kam angeflattert und setzte sich auf ihre Schulter. Sie löschte das Feuer in der Feuerstelle, sah sich im Haus um und nickte zufrieden. Es war alles ordentlich. Sie hasste nichts mehr als wenn sie im Hause Unordnung oder Unfertiges zurückließ, wenn sie ging. Ob es nun für Stunden war oder für Tage. Am Platz des Clans lief ihr Jodis über den Weg. Sie runzelte die Augenbrauen. Sie hatte das alte Weib schon lange nicht mehr gesehen. Sie hatte sie kein Stück weit vermisst, geschweige denn war es ihr aufgefallen. „Wohin gehst Du?“ fragte Jodis neugierig. „Was geht’s Dich an?“ murrte Rahela unfreundlich und wollte weiter gehen. Dann fiel ihr ein, sie sollte zumindest Benwick Bescheid geben, wohin sie ging. „Du kannst dem Fürsten eine Nachricht von mir überbringen…“ meinte sie schließlich. „Sage ihm, ich gehe für einige Tage ins Moor… ich brauche bestimmte Kräuter…“ Jodis sah sie herablassend an. „Ich bin nicht Dein Laufbursche, Schamanin, geh doch selbst zu ihm und sage es ihm…“ Rahela runzelte die Augenbrauen. Sie hatte keine Lust, jetzt in Benwicks Halle zu gehen, vermutlich wurde der Stumme gerade vollzogen, oder er war bereits vorbei. Sie musste an Arn denken. Die letzte Hinrichtung hatte er am Thing verpasst, doch dieser würde er beiwohnen müssen. Er konnte nicht einfach gehen und Benwick damit brüskieren. Doch irgend jemand musste Benwick Bescheid geben, sie konnte nicht einfach gehen und Benwick im Unklaren über ihr Fernbleiben lassen. Jodis überlegte einen Moment und meinte schließlich „Ich komme mit Dir mit…“ „Nein!“ rief Rahela. Das fehlte noch, dass die alte Giftspritze Tag und Nacht bei Dir verweilte. „Oh doch, ich komme mit. Seit Du uns aus Deinem Haus geworfen hast, habe ich dem Clan keinen Nutzen mehr erwiesen. Ich komme mit und helfe Dir beim Kräutersammeln. Und ich möchte mich auf die Suche nach Myrun machen…“ fügte sie leise hinzu. Rahela seufzte. „Meinetwegen… doch geh zu Benwick und sage es ihm!“ Jodis nickte. „Warte hier, ich gehe schnell einige Dinge holen.“ Rahela setzte sich auf den Runenstein und wartete. Jodis brauchte eine halbe Ewigkeit, bis sie aus ihrer Hütte und schließlich aus Benwick Halle zurückkam. „Es ist alles in Ordnung, lass uns gehen…“ meinte Jodis. Rahela nickte ein wenig unbehaglich. Sie hatte gehofft, sie würde ein paar Tage Zerstreuung finden… sich darüber klar werden, wie alles weiterging im Clan, vielleicht auch wie es mit ihr und Arn nun stand, und nun musste sie sich mit diesem alten Weib herumschlagen müssen. Im Moor gab es kaum Raum zum ausweichen. Man musste aufeinander hocken und aufeinander aufpassen. Das Hochmoor war keine Spielwiese…
Zuletzt geändert von Rahela am Do, 01. Nov 2012 16:36, insgesamt 1-mal geändert.
Sie ist eine Frau! Und alle Frauen sind böse...!

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Re: das Spiel des Windes

Beitrag von Adraéyu » So, 21. Okt 2012 11:07

Bildenwicks Männer bildeten einen Kreis. Außer den Hersen hatte keiner eine Waffe bei sich und diese schlugen ihre Waffen auf die Schilde und feuerten ihren Ruka mit stummen Ehrbezeugungen an. Die anderen Krieger schlugen sich die rechte Faust, im Takt zu dem Klirren der Waffen, auf die linke Brust. Bei jedem Schlag ertönte ein stetig lauter werdendes »Uh!« Dieser Kampf würde Richtspruch und Gottesurteil in einem werden. Sollte dem Hersen der Sieg gelingen, so war er frei. Doch Benwick war nicht umsonst all die Jahre der Ruka des gesamten Faernach-Clans gewesen.

Asa schnippte mit den Fingern ihrer Hand, welche sie leicht erhoben hatte, und sogleich eilten die Hörigen aus, um ihre Kinder in den hinteren Raum zu geleiten. Sie wollte nicht, dass ihre Kinder diese Kämpfe sahen, wenn sie in den Hallen ihres Mannes ausgetragen wurden. Die anderen Familien, führten auch keine Kämpfe auf Leben und Tod in ihren Häusern auf. Doch Benwicks Halle war mehr als nur ein Heim für Weib und Kinder. Es war der Hof des Clans. Hier war jeder Willkommen, manche mehr andere weniger. Aus den Augenwinkeln sah Adraéyu, dass sie ihm einen finsteren Blick zu warf. Diese Geschichte war noch nicht vorbei, sie würde erst beginnen. Asa würde sich das nicht gefallen lassen. Sie war stolz und edel und von hoher Geburt. Niemand sprach so mit ihr. Adraéyu zweifelte nicht daran, dass sie Rachepläne schmiedete, doch würde sie Benwick wohl vergeben. Doch konnte sie Rahela und ihrem Vogel vergeben? Konnte sie dem Zaubersänger vergeben?

Man konnte förmlich dabei zusehen, wie die Halle sich füllte. Immer mehr Männer strömten hinein. Jeder wollte den Kampf sehen. Die Hörigen drängten sich in die Ecken, während die Männer einen Kreis um Benwick und den Hersen, namens Théon bildeten. Die Stimmen erhoben sich und sie trugen den Kampf bis hinaus vor die Halle des Ruka. Bald musste es das ganze Dorf wissen, was in den Hallen Benwicks vor sich ging. Als der Kreis sich geschlossen hatte, erhob Benwick die Hand und gebot um Ruhe. »Mein Name ist Benwick, Sohn des Taru. Ruka tu Nemia Faernach. Man nennt mich Voruad â Nôrya, der Bär des Nordens.«, die Männer johlten als Benwick geendet hatte. Es war Tradition. Man stellte sich der Menge und dem Clan vor, auch wenn jeder Mann und jede Frau und jeder Hörige im Reich des Faernach wusste, wer Benwick war. Benwick der Bär. »Mein Name ist Théon, Sohn des Dolf. Rukh Deyôa â Voruad. Ich diene Benwick, Ruka tu Nemia Faernach. Treu ergeben bis in den Tod.« Er senkte vor Benwick sein Haupt und zog daraufhin seine Axt aus dem Gürtel und umfasste seinen Schild ein wenig fester. Benwick zog sich ebenfalls seine Axt aus dem Waffenregal und ließ sich seinen Schild von seinem Thron reichen. »Mögen die Götter dem Rechtschaffenen den Sieg schenken.«, murmelte Benwick und sandte ein kurzes Stoßgebet gen Himmel. Théon, tat es ihm gleich. Adraéyu bewunderte in diesem Augenblick diesen Mann. Er wusste, dass dieser Kampf auf Leben und Tod ging, um sein Leben. Und selbst in diesem Moment bezeugte er Benwick die Treue. Er machte seinem Namen und seiner Sippe alle Ehre, und wenn er heute fallen sollte, wäre ihm ein Platz unter den Einherjern sicher. Er würde die Pfade zum Götterberg bewachen, und nicht zu den Sternen aufsteigen.
Ein mulmiges Gefühl machte sich in Adraéyu breit. Er war wohl der einzige, welcher die Wahrheit wusste. Thargôn war darauf abgerichtet gewesen, bei diesem Mann Fuchs zu sagen. Es war keine göttliche Fügung, und schon gar kein göttlicher Urteilsspruch gewesen. Adraéyu wusste, dass dieser Mann nicht nur zu Benwick, sondern auch zu Asa stand. Doch nun erkannte Adraéyu, dass dieser Mann seinem Ruka treu ergeben war. Wohl hegte er nur eine schwärmende aber niemals erwiderte Leidenschaft für seine Rukaja und hatte ihr deshalb berichtet, was er sah. Und wen verwunderte es? Asa war schön. Begehrenswert schön. Jeder Mann im Clan würde sterben, um sie besitzen zu dürfen. Doch sie war die verbotene Frucht. Die Frau des Ruka, die Rukaja. Niemand konnte sie besitzen. Niemand außer Benwick.

Doch half es nichts. Adraéyu hatte das Todesurteil über diesen Mann verhängt. Zum Wohl des Clans, zum Wohl der Sippe Benwicks, und wohl auch zum Wohl von Benwicks Kopf. Aber auch um Rahelas Kopf aus Asas Schlinge zu ziehen. Im Nachhinein betrachtet, wurde ihm klar, dass Rahela ihm den Kopf verdrehte. Sie war so launenhaft und unberechenbar wie der Wind.

Wenn Théon sterben würde, dann war es seine Schuld. Er wusste, dass der überraschte und panische Blick dieses Mannes ihn lange Zeit verfolgen würde. Doch musste es getan werden. Um Wohl des Clans, hatte jemand sterben müssen. Asa hätte den Clan sonst gespalten, in ihrer blinden Wut. Und Bhelor hätte davon profitiert. Stünde keine Fehde an, hätte man es zweifellos lösen können. Doch nun musste Théon auf dem Stein geopfert werden. Zum Wohl des Clans.

Nach diesen Worten begann der Kampf. Die Axt des Hersen schlug eine tiefe Kerbe in den Schild Benwicks. Er würde es ihm nicht leicht machen, das sah man. Benwick drängte Théon zur Seite und drehte den Schild nach außen. Er öffnete so seine Deckung, doch zwang er Théon ebenfalls auf die Seite. Er zerrte die Axt aus dem Schild, und ließ währenddessen seinen Schild gegen Benwicks Kopf vorschnellen. Benwick warf seinen Kopf nach hinten und entging dem harten Holz. Er drehte sich geduckt, und fing den wuchtigen Schlag Théons mit dem Schild ab, welchen er sich über den Kopf gehalten hatte. Kaum hatte Théon seine Axt erneut in den Schild Benwicks getrieben, da holte Benwick schon zu einem weiten Schwinger aus. Aus der gebeugten Haltung hinaus, schraubte er sich hinauf, und riss so Théon die Axt aus der Hand. Er warf den Schild, in welchem die Axt stak von sich und nahm seine Axt sogleich in beide Hände. Sein Schwung galt dem Hals des Hersen, und Théon konnte gerade noch seinen Schild erheben, um dem Schlag zu entgehen. Das scharfe Axtblatt von Benwicks Waffe drang tief in das Holz ein, und spaltete es. Der Schild donnerte und vibrierte unter der mächtigen Wucht von Benwicks Hieb. So sehr, dass Théons Arm von einer schwachen Taubheit kribbelte. Benwicks Axt war ein Meisterwerk an Schmiedekunst. Er hatte es vom Skerôingur-Clan erhalten, und hielt die Waffe stets gepflegt und in Ehren. Er riss die Axt aus dem Schild, und warf sich mit seinem ganzen Gewicht ein zweites Mal gegen Théon. Dieses Mal barst der Schild, und vereinzelte Splitter flogen davon. Doch Théon duckte sich unter dem Schlag hinweg, ließ im selben Moment den Schild los, und tauchte unter die Deckung Benwicks. Als der Schild zersplitterte, hatte er Benwicks Axtarm bereits unterlaufen und mit seiner rechten Hand Benwick am Hals gepackt, während er mit der linken Hand Benwicks Axtgriff eisern umschloss. Benwick knurrte und versuchte den Griff um seinen Hals zu lockern, doch es gelang ihm nur schwer. Zugleich zog er an der Axt, um sie aus Théons Griff zu winden. Sie standen für eine Weile eng umschlungen, zuckten umher und jeder versuchte das Beste aus der Situation zu machen. Würde einem von beiden die Axt entgleiten, hätte der andere einen enormen Vorteil. Théon drückte seine Hand um Benwicks Hals, und quetschte zu, während Benwicks Fingernägel sich in Théons Unterarm bohrten, um ihn dazu zu zwingen, den Griff um seinen Hals zu lockern. Keiner wich zurück. Benwicks Atem ging langsamer. Er musste sich etwas überlegen, sonst würde Théon ihn erdrosseln. Doch er würde beide Hände dafür brauchen. So ließ er seine Axt los. Théon, welcher damit nicht gerechnet hatte, lockerte überrascht seinen Griff.

Nun ging alles sehr schnell. Während Théon den Arm erhob, um mit der Axt zuzuschlagen, hakte Benwick seinen Arm um Théons erhobenen Arm, hebelte ihn herunter und fädelte seine Hand unter Théons Arm hindurch und packte ihn mit beiden Händen am Hals. Théon war unfähig die Axt zu nutzen, denn Benwick hatte den Arm geschickt in der Mangel. Und als Benwick begann, mit beiden Händen den Hals des Hersen zusammen zu drücken, da lockerte Théon seinen Griff um Benwicks Hals, um sich aus dieser Lage befreien zu können. Doch Benwick ließ ihm dazu keine Gelegenheit. Mit beiden Daumen drückte er in den Hals des Mannes. Der linke Daumen grub sich in die Halsgrube, direkt über dem Schlüsselbein, während der rechte Daumen sich unerbittlich auf den Kehlkopf drückte. Seine Finger krallten sich in den Hals, und das Blut trat aus den einzelnen Wunden hervor. Sie gruben sich in den Nacken und in den Hals, während Benwick immer fester presste. Théon röchelte, da Benwick ihm die Luft abschnürte, er verkrampfte sich und kurz darauf hielt er sich die freie Hand an den Hals, um Benwicks Finger heraus zu hebeln. Die Axt glitt ihm auf den Boden und er zerrte und kämpfte um den gefangenen Arm frei zu bekommen. Als der dumpfe Schlag davon zeugte, dass die Axt auf den Boden gefallen war, löste Benwick seinen Daumen aus der Halsgrube und drückte auch diesen gegen den Kehlkopf. Der Kehlkopf knackte und rutschte aus dem Knorpel. Théon japste nach Luft, und röchelte als Benwick ihn kurz darauf los ließ. Der Herse fiel auf die Knie und hatte beide Hände um seinen Hals gelegt. Er schnappte nach Luft und versuchte den Kehlkopf zu massieren. »Messer«, knurrte Benwick, während er Théons Todeskampf beobachtete und streckte seine rechte Hand nach der Menge aus. Als ihm sogleich eine kühle Klinge in die offene Handfläche gelegt wurde, schlossen sich seine Finger eisern um den Griff des Messers. Er drückte so fest zu, dass das Weiße bei seinen Knöcheln hervortrat. Dann packte er Théon am Schopf und riss den Kopf zurück. Er entblößte so den Hals des Mannes und sah ihm in die Augen. Théon dämmerte bereits leicht. Sein Blick war verworren und seine Hände hingen ihm schlaff herunter. Sein rotes Gesicht färbte sich bereits ins Blaue und er röchelte und würgte, doch nichts half. »Du hast tapfer und ehrenvoll gekämpft. Mögen die Ahnen dich auf die andere Seite geleiten.« [18]Mit diesen Worten trieb Benwick die Klinge in den Hals des Hersen. Ein präziser Schnitt und das Blut ergoß sich aus dem offenen Hals über Benwicks Hand, und auch Théons Gewand, sowie dem Boden. Schnell griff Benwick in die Wunde hinein, packte die Zunge am Ansatz und riss sie mit einem kräftigen Ruck heraus. Ein Schwall Blut folgte sogleich, und Théon sackte leblos zu Boden. »Er wird die Pfade stumm bewachen, denn seine Zunge habe ich.« Mit diesen Worten warf er die Zunge den Hunden vor, und schritt über Théon hinweg.[/18] Das Götterurteil war gesprochen und vollstreckt worden. »Schafft ihn hinaus!«, herrschte Asa und sogleich huschten einige Hörige herbei, die den Leichnam aus der Halle trugen. »Verbrennt ihn.«, befahl Benwick.

Und sie schichteten rasch Holz auf und legten den noch warmen Leichnam Théons darauf, und entzündeten den Scheiterhaufen. Die Männer lösten langsam den Kreis auf und verließen die Halle, um Théon die letzte Ehre zu erweisen. Auch Benwick verließ die Halle. Und zurück blieben nur Asa, die Hörigen und Adraéyu. Er stand da und starrte dem Tross nach. Sein Blick viel auf das viele Blut, welches den Boden der Halle besudelte und er fühlte sich schlecht und schuldig. »Was habe ich getan?«, flüsterte er. Während er auf das Blut starrte, trat Asa an ihn heran. Sie wirkte weniger edel und weniger erhaben, als noch vor wenigen Augenblicken. Bevor Thargôn Théon als Fuchs bezeichnete. Sie sah Adraéyu in die Augen und er erkannte einen kalten Zorn. »Mich beschleicht das Gefühl, dass du deine Finger in diesem Spiel hast.«, murmelte sie und starrte ihm tief in die Augen. »Die Etáín haben zu dir gesprochen?«, fragte sie ihn und sah an ihm herab. »Die Etáín können manchmal grausame Furien sein.« Ihre grauen Augen loderten im Feuerschein und Adraéyu kam nicht umhin den Zorn darin lodern zu sehen. Er erwiderte nichts. Asa war keine Frau, die leicht zu täuschen war. Sie war gerissen wie ein Fuchs, oder eine Schlange. Beide Tiere schienen in diesem Moment so passend und zugleich so bedeutungsvoll zu sein. Der Fuchs trug die Schlange im Maul. Dies war das Wappen Bhelors. Théon wurde als Fuchs benannt, und Asa war die Schlange.

»Ich hörte von deiner Macht, Zaubersänger. Man sagt du kannst Menschen nach deiner Laute tanzen lassen.«, sie sah ihn an und hoffte anhand seiner Reaktion eine Bestätigung für ihre Behauptung zu sehen. Doch war Adraéyu ein Mime und Barde. Ihm konnte man nicht so leicht etwas entlocken. Er setzte ein herausforderndes Lächeln auf. »Nein, Rukaja. Das sagen die Leute, doch so ist es nicht.« »Und dennoch reden die Menschen so. Ich fürchte dein Ruf eilt dir voraus.« Adraéyu runzelte die Stirn. »Ich habe keine Macht über die Menschen.« Er wollte nicht, dass Asa glaubte er könne Menschen bezaubern. Womöglich würde sie noch glauben, er hätte Benwick unter einer Art Bann. Oder gar Rahela. Nicht auszudenken, wenn die Männer anfingen zu zweifeln, ob der Rabe wirklich im Namen der Götter gesprochen hatte. »Aber du hast dem Tod ein Leben abgerungen.«, hakte Asa nach und Adraéyu nickte. »Das ist richtig. Doch der Tod ist kein Mensch.« Asa verengte ihre Augen misstrauisch und hob zweifelnd eine Augenbraue. Sie wandte sich von Adraéyu ab und ging zurück zu ihrem Thron. Einige Frauen, Hörige und Leibeigene, standen betreten daneben und warteten auf Befehle und sie flüsterte ihnen ins Ohr. »Wenn ich rufe, dann eilt hinaus um Benwick zu holen.«, wisperte sie und die Hörige nickte und verbeugte sich. »Zaubersänger!«, rief Asa durch die leere Halle, und der Schall verlieh ihren Worten einen mächtigen Unterton. »Spiel ein Lied für mich, Zaubersänger. Spiel ein Lied für die Rukaja.«, sie setzte ihre Worte geschickt ein, das fiel Adraéyu unweigerlich auf. Ein wenig misstrauisch beäugte er sie. Sie schien sein Zögern zu bemerken. »Worauf wartest du?« »Verzeih, Rukaja. Aber mir steht nicht der Sinn nach Musik.« Er ließ seinen Blick zu der großen Blutlache schweifen. »Es wurde Gerechtigkeit gesprochen. Die Götter haben entschieden. Singe ein Lied für mich. Für die Götter und für Benwick. Um die Götter zu ehren.«, forderte sie ihn auf. Adraéyu sollte für Asa spielen. Auf was hinauf? Außerdem war niemand da, der sein Lied hätte hören können, niemand außer ihr. Was ging hier vor?

»Bin ich so furchtbar, dass du mir nicht einmal ein kleines Lied spielen willst?« Adraéyu schluckte hart. »Nein, Rukaja. Du bist edel und erhaben.« Sie wirkte nicht sehr überzeugt. »Dann spiel doch ein Lied. Ich bin betrübt, dass ich von Théon, dem Verräter hintergangen wurde. Ich habe meinen Gemahl brüskiert und Schande über meine Sippe gebracht. Alles was ich mir wünsche ist ein kleines Lied um meine Gedanken zu beruhigen, und mich von dem Blut und dem Tod ein wenig ablenken zu lassen. Ist diese Bitte zu viel verlangt, Zaubersänger?« Ihre Stimme bebte. Nur sehr schwach, doch genug, dass es Adraéyu aufgefallen war. In ihrem Augenwinkel glitzerte eine nasse Perle. Eine Träne. Elegant wischte sie sie weg, bevor sie ihre Wangen hinunter laufen konnte.

»Sing ein Lied über meine Schönheit.«, befahl sie mit einem leichten, flehenden Unterton. Und als Adraéyu noch immer nicht seine Laute vom Rücken schulterte da schürzte sie für einen Moment die Lippen. »Du findest mich doch schön, oder Arn?« Dies war das erste Mal, dass sie ihn bei seinem Namen nannte, welchen er in den wilden Landen trug. Und diese Frage war so tückisch. Egal was er tat, er lief Gefahr sie zu beleidigen. Nichts zu sagen, konnte ebenso fatal sein, wie es zu verneinen, oder zu bestätigen. Doch letzteres war im Grunde das, was sie hören wollte. »Natürlich, Rukaja. Du bist wunderschön, und edel …« Sie lächelte zufrieden. »Und gefalle ich auch dir?« Adraéyu gefiel die Richtung, die dieses Gespräch einnahm nicht. Unsicher huschte sein Blick zur Seite, um zu sehen, ob die Männer bereits zurück kehrten, um sich geschickt aus der Affäre zu ziehen. Doch niemand war da. Nur Asa und die Hörigen. Er verfluchte sich. Sich und sein Gewissen. ›Warum hast du mich nicht gewarnt? Hier wäre es angebracht gewesen.‹, zischt er innerlich.

Als Adraéyu mit der Antwort auf sich warten ließ, da sah er Asas Unmut. Nichts war gefährlicher als einer Frau zu zeigen, dass sie nicht aufregend oder schön, oder liebreizend war. Doch Asa wusste um ihre Schönheit. Sie wusste, dass ihr viele Männer verfallen waren und sie genoss ihren Status als unberührbare, verbotene Frucht. Adraéyu zog es vor, die Laute zur Hand zu nehmen, und hoffte sie würde nach dem Lied zufrieden sein und ihn gehen lassen.

Als Adraéyu zu Spielen begann, da trat sie von ihrem Thron einen Schritt auf Adraéyu zu. Er spielte eine einfache Weise, und hoffte sie würde Asa genügen. »Sing.«, forderte sie ihn auf und blickte ihn mit ihren grauen Augen eindringlich an. Ihre Brust hob und senkte sich langsam zu ihrem ruhigen Atem und ihr kupfernes Haar umspielte sanft ihre edlen Züge. Adraéyu hob zögerlich die Stimme und sang von der Edlen und dem Barden. Eine umschmeichelnde Ballade, welche Asa sicher gefallen musste. Immerhin handelte es von einer schönen, jungen Maid.
Vor dem Brunnen stand die Maid.
Tief in den Traum versunken.
Noch vor allzu kurzer Zeit,
wär' ihr Herz wohl leicht ertrunken.
In dem Brunnen seiner Blicke,
strahlend, wie des Mondes Schein.
Und mit leichtestem Geschicke,
nannt' das Herz der Maid er sein.

Lautenspieler, sing mein Lied!
Verzeih mir, wenn ich weine.
Und doch weinen werd' ich nit.
Falls eines Tages du verlernst die Melodie,
wird' ich sie einsam summen.
Denn vergessen werd' ich nie.

Zur frühsten Stund' des Abends schon,
zupfte er leise Sait' für Sait'.
Für den bunten Blumenlohn,
vor dem Fenster seiner Maid.
Als die Lieder die Maid riefen,
wartete sie jede Nacht.
Als die Eltern endlich schliefen,
hat sie sich dann aufgemacht

Lautenspieler, sing mein Lied!
Verzeih mir, wenn ich weine.
Und doch weinen werd' ich nit.
Falls eines Tages du verlernst die Melodie,
wird' ich sie einsam summen.
Denn vergessen werd' ich nie.

Als der Sommer dem Wind des Herbstes wich,
da packte er die Laute
und ließ seine Maid im Stich',
noch als sie dem Lied vertraute.
Doch dem Spielmann traue nicht,
denn ist des Liedes Klang vorbei,
ist er mit deinem Herz entwischt.
Und dir bleibt nur die Melodey
Lautenspieler, sing mein Lied!
Verzeih mir, wenn …
Weiter kam Adraéyu mit seinem Lied nicht. Denn Asa war an ihn heran getreten, und hatte die Schnürung ihres Kleides gelockert. Wie Blut, welches einen weißen Stein herunterlief, entglitt sie ihrem weinroten Kleid und es rutschte an ihrem makellosen und hellen Körper hinunter.
Ihre kupferroten, offenen und langen Haare umspielten neckisch ihre Brust und verdeckten ihre Scham. Sie war atemberaubend schön, und nun erkannte Adraéyu warum Benwick ihr so verfallen war.

Sie hatte einen wohlgeformten Leib. Runde Brüste, und eine schön geschwungene Hüfte. Mit einem eleganten Schritt trat sie näher an Adraéyu heran. »Du hast meine Frage nicht beantwortet, Zaubersänger.« Adraéyu sah sie in einem Augenblick verwirrt an. »Gefalle ich dir nun besser?« Adraéyu tobten die Gedanken durch den Geist. Ihm wurde etwas offenbart, was verboten war. Er wollte Asa berühren, doch gebot ihm die Vernunft es nicht zu tun. Er sollte gehen. Doch er stand wie gelähmt vor ihr und konnte seine Blicke nicht von ihren weiblichen Reizen abwenden. »Ja, du bist wahrlich begehrenswert.«, murmelte Adraéyu und Asa kicherte verspielt. »Und du weißt das ganz genau.« Sie hatte ihn völlig um den Verstand gebracht, und das ohne ein Lied zu spielen. Sie legte ihre Hand auf seine Brust und strich sanft durch die Schnürung, welche das Hemd zusammen hielt. Neckisch zupfte sie daran und Adraéyu konnte nicht verleugnen dass er sie wollte. Sein Körper wollte, doch sein Verstand riet ihm sofort zu gehen.

Als sie sich ihm näherte, um ihn zu küssen, da zog er sich vor ihr zurück. »Das geht nicht Asa. Du gehörst Benwick.«, sofort biss er sich auf die Zunge, ob dieser falschen Wortwahl. »Ich gehöre niemanden.«, fauchte sie erbost. »Ich bin eine freie Frau, wie deine Hure von Neeskia.« Bei diesen Worten drängte sich Rahela förmlich zwischen die Beiden. »Rahela ist keine Hure.«, flüsterte Adraéyu und versuchte sich aus dem Griff Asas zu befreien. »Und ich auch nicht.«, hauchte sie ihm ins Ohr. [18]Sie nahm seine Hand und legte sie auf ihre Scham. Dabei seufzte sie wohlig und zwang Adraéyu einen feuchten Kuss auf. Seine Männlichkeit regte sich in der Hose, und da sie so nah an ihm stand, spürte sie es und lächelte ihn sogleich wissend an.[/18] »Du hast wahrlich begabte Hände.«, sagte Asa lauter als es nötig war. Adraéyu zog seine Hand von ihr zurück. »Was hast du vor?« Doch im selben Moment hatte er seine Antwort. Eine der Hörigen rannte aus der Halle und als die Tür aufging, und die Stimmen der Männer hereindrangen, welche vor den Toren Benwicks dem Leichnam Théons die letzte Ehre erwiesen, da erhob Asa ihre Stimme und sah Adraéyu aus einem wissenden und boshaften Blick an. »Er hat mich mit seiner Musik verhext!«, rief sie und die Stimme schall der Menge entgegen.
In den Weiden werden uns're Träume klingen,
und die Winde werden uns're Lieder singen.
Lasst uns mit den Funken übers Feuer springen,

in der Walpurgis Nacht.

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Re: das Spiel des Windes

Beitrag von Rahela » So, 21. Okt 2012 16:41

Rahela und Jodis stapften durch die Wege des Hochmoores. „Bist Du sicher, dass Du weißt, wohin Du gehst?“ murrte Jodis. Sie war schließlich nicht mehr die Jüngste und keuchte schwer, um mit Rahelas Schritttempo mithalten zu können. „Natürlich, ich kenne das Moor so gut wie mein eigenes Haus… ich bin als Kind schon oft hier gewesen…“ „Ich erinnere mich…“ meinte Jodis. „Schon damals warst Du ein verschrobenes Ding…“ Rahela warf ihr einen giftigen Blick zu. Jodis ignorierte diesen Blick und meinte „Findest du es etwa normal, wenn ein Kind ins Hochmoor geht anstatt mit seinesgleichen zu spielen?“ Rahela zuckte die Schultern „Für mich war es normal…“ Jodis bedachte sie mit einem seltsamen Blick „Für eine Hexe, ja…“ Rahela fuhr sie an „Nenn mich nicht so… ich bin eine Schamanin und keine Hexe!“ Thargôn vernahm dies ihm wohlvertraute Wort und schnarrte begeistert „Hexe… Hexe!“ „Ha! Da siehst Du es, sogar der Vogel weiß es!“ Rahela bedachte den Raben mit einem finsteren Blick. Er war wirklich ein Meister darin, sich zu den unpassendsten Gelegenheiten einzumischen… Jodis erwiderte „Doch Deine Eltern waren beide blond… und soweit ich mich erinnere, die Eltern beider auch… woher also kommen Deine schwarzen Haare?“ Rahela zuckte die Schultern. „Woher soll ich das wissen?“ „Also… entweder Du bist eine Hexe… oder deine Mutter war bei einem anderen Mann gelegen… vielleicht bei einem dieser unsäglichen Raéyun…einer aus dem wandernden Volk, welche immer mit den Händlern kommen?“ blitzte die böse Alte hinterlistig. Rahela verstand die Andeutungen dahinter, doch wusste sie nicht ob sie sich mehr über die Anschuldigungen ihre Mutter betreffend ärgern sollte, oder dass Jodis auf Arn anspielte. „Du hinterhältiges böses Weib…“ giftete Rahela sie an. „Meine Mutter lag bestimmt nicht bei einem Raéyun…“ „…so wie Du?“ lächelte sie arglistig. „Ich liege nicht bei dem Barden…“ log sie und versuchte sie das Thema zu wechseln. „Wäre meine Mutter bei einem Raéyun gelegen, so hätte ich doch bernsteinfarbene Augen, oder nicht?“ meinte sie ungeduldig. „Du irrst Dich, diese Augenfarbe ist nicht so häufig, wie Du vielleicht glaubst… sie kommt nur bei einer geringen Anzahl an Raéyun vor… die anderen haben alle normale Augenfarben… braun oder blau…grün…“ sie betonte das letzte Wort unterschwellig. „Hör auf damit! Ich bin eine reinrassige Frau aus den wilden Landen! Hör auf, meine Mutter in den Dreck zu ziehen, bevor ich eine Fehde mit Deiner Sippe in Erwägung ziehe!“ „Glaubst Du wirklich, Deine Sippe ist auf Deiner Seite? Was man so spricht, war Dein Vater vor seinem Tod nicht gerade gut auf Dich zu sprechen… und vor seiner Todesstunde habt ihr Euch nicht im Guten getrennt…“ Rahela war sprachlos. Woher wusste diese Vettel all diese Dinge? Wusste sie vielleicht sogar mehr? War sie wirklich ein Bastard aus einer Raéyun Liebelei? Rahela schob diesen Gedanken von sich, es war völlig ausgeschlossen… ihr Vater hatte immer mit soviel Liebe von seiner Frau gesprochen, es passte nicht zusammen mit Jodis‘ giftigen Mutmaßungen. Sie sollte sie bestimmt nur ärgern, und es war ihr leider gelungen… „Ich lasse es darauf ankommen…“ meinte sie beiläufig und siegessicher fügte sie hinzu „Außerdem habe ich noch Benwicks Sippe auf meiner Seite. Er steht zu mir, wenn es darauf ankommt…“ Auch dies war ein gefundenes Fressen für Jodis. „Womit wir zum nächsten Gerücht kommen, meine Liebe…“ grinste sie schief. „Oh wage es nicht Jodis… sprich nicht aus, was Du denkst… ich hege für Benwick tiefsten Respekt, und ich lasse es nicht zu dass Du Deine giftige Zunge dazu benutzt, diesen in den Dreck zu ziehen!“ Sie blickte sich um. „Wir sind da…“


Sie waren auf eine Lichtung gekommen. Diese war in sumpfiges Wasser getaucht und an wilder Schönheit kaum zu überbieten. Der blaue Himmel spiegelte sich in dem Wasserspiegel wieder und überall wuchsen perfekt runde Graspolster und Moospolster, aus dem Wasser, die im Frühjahr blühten. Es gab eine Vielzahl an wilden Gräsern und seltsamen Moorpflanzen. Hier und da flogen Libellen über das Wasser. Das Moor war trügerisch. Die satten grünen Wiesen luden förmlich dazu ein, darüber zu wandeln, und an den dicht bewachsenen Stellen sah man das Wasser kaum durchschimmern, doch würde man darüber waten, würde man einsinken und es bald aus eigener Kraft nicht mehr heraus schaffen. Nicht überall war das Moor so offensichtlich gefährlich, wo man gleich sah, wo der todbringende Schlamm sich befand. „Bleib immer hinter mir, Jodis… das Moor ist trügerisch…“ meinte Rahela. „Dort hinten wächst Sonnentau… achte beim pflücken darauf, dass Du die Wurzel nicht mit hinaus reißt… der Sonnentau ist sehr wertvoll… wenn Du die Wurzel mitnimmst, wächst an dieser Stelle keiner mehr…“ wies Rahela die Alte darauf hin. Rahela war sehr naturverbunden und schätzte und respektierte das Zusammenspiel der Natur. Man durfte sich der Natur nicht bedienen, wenn es dieser schadete. Rahela holte aus ihrer Tasche die Leinenbeutel und legte sie auf den festen Weg. „Hier kannst Du die Pflanzen hineingeben… aber immer nur eine Sorte pro Säckchen…“ „Ich bin doch nicht blöd“ murrte Jodis. Während Jodis Sonnentau sammelte, ließ Rahela Thargôn, der bislang ruhig auf ihrer Schulter gesessen hatte, fliegen. „Komm zur Dämmerung zurück!“ murmelte sie ihm zu, bevor er sich in die Lüfte erhob. Dann streifte Rahela umher, auf der Suche nach allerlei Nützlichem. Am Rande der sumpfigen Wege wuchsen viele Moorkolben. Rahela nahm sich vor, diese ebenso zu schneiden. Man konnte die getrockneten flockigen Schilfkolben zum Füllen von Kissen, Matratzen und Decken verwenden. Doch sie würde viel davon brauchen, um es nutzbringend zu verwenden, daher verwarf Rahela diese Idee gleich wieder. Es würde das Moor beeinträchtigen, wenn alles an Schilfrohr abgeschnitten würde… Sie fand Lungenenzian. Dieser war eine wichtige Pflanze bei allen Lungenkrankheiten. Sie sammelte einiges davon und band es gleich sträußchenweise zusammen und steckte es in einen Leinenbeutel. Allmählich kroch die Dämmerung über das Moor. Rahela fand einige abgetrocknete Torfbrocken, die vom Torfstechen, welches der Clan vor einigen Wochen gemacht hatte, liegen geblieben war. Dies war praktisch, es ersparte ihr das sammeln von Feuerholz. Der Torf war schon gut abgetrocknet und würde ein vorzügliches Lagerfeuer ergeben. Sie suchte eine geeignete Stelle für das Nachtlager. Sie hörte Thargôn krächzen, der das Lagerfeuer entdeckt hatte und auf Rahela zugeflogen kam. Jodis war mittlerweile auch zu Rahela gekommen und hatte sich ans Lagerfeuer gesetzt. Missbilligend beobachtete sie Rahela, als diese den Raben freudig liebkoste und ihm durchs Gefieder strich. „Kein Wunder, dass Dich kein Mann will…“ murmelte sie. Rahela überging ihre Spitze und kramte in ihrer Tasche nach einem Stück Trockenfleisch für Thargôn. Während der Vogel das Stück Fleisch bearbeitete, erwähnte Rahela beiläufig. „Wie ist es bei Dir? Du hast auch keinen Mann, soweit ich weiß. Bist Du immer so mit Deiner Schwester ausgelastet gewesen, dass Du keine Zeit hattest, Dich nach einem Manne umzusehen?“ Jodis fuhr verärgert auf. „Das ist albernes Gerede!“ „Und doch weißt Du sofort wovon ich spreche, Jodis?“ und Rahelas Augen blitzten auf. „Vielleicht ist an dem Gerede im Clan doch mehr dran…?“ kniff sie ihre Augen zusammen und funkelte sie an. „Nun, Du bist ja auch nicht unbedingt ansehnlich, Jodis… und so viele blinde Männer haben wir nicht im Clan… welcher Mann wäre also so närrisch, sich mit Dir einzulassen, da Du doch außer Deiner Scharfzüngigkeit nichts vorzuweisen hast? So eine scharfe Zunge würde sich da am ehesten bei einer Frau anbieten, und da nur Deine Schwester wissen mag, warum Du vielleicht auf Deine Art und Weise liebenswert bist…“ sie lächelte boshaft und triumphierend, während sich Jodis Gesicht dunkel vor Zorn verfärbte. Rahela setzte noch eines drauf. „Du sagst, Du willst Deine tote Schwester hier im Moor suchen, nicht wahr? Hast Du nun Gefallen an Nekrophilie gefunden? Bist Du wirklich schon so verzweifelt? Ich kann Dir gerne einen Liebeszauber wirken, irgendeinen Narren werden wir schon finden, der sich beschwören lässt…“ Jodis schnellte vor und packte Rahela am Arm und schüttelte sie. „Ich warne Dich! Wage es nicht, so mit mir zu reden, Du Hexe, sonst werde ich…“ Plötzlich flog Thargôn krächzend auf und krallte sich in Jodis‘ Gesicht und diese ließ erschrocken von Rahela ab. „Thargôn!“ rief Rahela und der Rabe ließ von dem alten Weib ab. Ihr Gesicht war von dicken tiefen Kratzspuren durchzogen und das Blut lief in dünnen Rinnsalen aus den Wunden. Jodis spuckte aus. „Sei Du lieber gewarnt…“ funkelte Rahela Jodis an. Jodis erwiderte „Immerhin habe ich zu meiner Schwester ein inniges Verhältnis gehabt… sieh Dich an, Hexe, Du hattest in Deinem Leben noch keine Liebe… wie vertrocknet und ausgezehrt musst Du erst sein?“ „Oh in meinem Leben gab es genug Männer, Jodis, ich bin keineswegs vertrocknet und verzehrt dass ich mich in meiner eigenen Sippe nach einer Bettgespielin umsehen muss, nicht wahr?“ „Also doch… die ehrwürdige Schamanin, die Hure des Clans…“ „Nein… ich habe niemanden aus unserem Clan besessen, ich bin keine Hure oder derart abscheulich wie Du, Jodis…“ Jodis funkelte sie böse an „Und Du hegst wirklichkeinerlei Interesse am Zaubersänger? Das soll ich Dir glauben? Du bist doch wie eine läufige Hündin, wo er ist, da tauchst auch Du auf, Du hast keinerlei Ehrgefühl im Leib!“ „Hör auf!“ rief Rahela wütend. Jodis fuhr fort „Denkst Du wirklich, er hat ehrliches Interesse an Dir? Er ist ein Blatt im Wind, das wissen doch alle!“ „Rede nicht so, Jodis!“ funkelte Rahela wütend. Doch Jodis war jetzt in Fahrt. „Vielleicht wärmt er Dir ein paar Nächte das Bett, doch am Morgen, wenn der Wind ruft, ist er wieder weg…. Und es treibt ihn an andere Orte und ins nächste Bett der nächsten Hure…“ „Jodis! Hör auf!“ schrie sie. „Und hier haben wir den Beweis, Rahela, wieso regst Du Dich so auf, wenn Du nichts mit ihm zu schaffen hast? Alle wissen es… oh wenn Du wüsstest, was man hinter vorgehaltener Hand alles über Dich spricht… und was man alles über den Barden spricht…“ „Was spricht man über ihn?“ fragte Rahela plötzlich ruhig und gerade heraus. Jodis lächelte und schwieg. „Von mir erfährst Du nichts, Hexe… es ist viel schöner, Dich zappeln zu sehen…“ Rahela biss sich auf die Lippen. „Ich habe Dir geholfen Jodis… ich habe die Runen befragt, damit Du Gewissheit über Deine Schwester erhältst…“ Jodis lächelte. „Oh, ich habe mich noch gar nicht dafür bedankt… dafür sollst Du etwas wissen, was man dem Zaubersänger anlastet... Es gab ein Mädchen im Faernach Clan… lange vor Deiner Zeit hier… eine wunderschöne Maid… jung und gerade erst zur Frau erblüht, wundervolles langes üppiges blondes Haar… und drall war sie, nicht so dürr und dunkel wie Du…“ Rahela bebte vor Zorn, dunkel war sie, aber nicht dürr.... „Sie war schwanger… vielleicht sogar von ihm? … Er hat sie mit seinen dunklen Melodien umwoben, und beinahe hätte sie deswegen das Kind verloren. Danach hat man sie weggeschickt… warum wohl, frage ich mich?“ Rahelas Augen flackerten böse auf. „Nein! So etwas würde er niemals tun!“ Würde er nicht? Hatte er nicht selbst gesagt, er besäße eine dunkle Seite? Vielleicht sprach Jodis ausnahmsweise die Wahrheit…? „Sogar Fenris, der Runenmeister höchstpersönlich hat in dieser Sache danach seine Hände im Spiel gehabt… vielleicht um Schadensbegrenzung zu üben?“ „Du kannst mich nicht verunsichern Jodis… du lügst, wenn Du nur den Mund öffnest! Du bist ein durch und durch giftiges Weib! Arn ist ein guter Mensch… er wäre nicht so unehrenhaft und würde solche Dinge tun… niemals!“ Jodis lachte. „Lass es nur drauf ankommen, Rahela… Neeskia… und warte ab, was passiert, um Dich wird es mir bestimmt nicht schade… “


[18]Eine unbändige Wut bemächtigte sich Rahelas und sie schrie wütend auf. Sie zog ihren Dolch und stieß ihn der Alten in den Bauch. Wieder und wieder stieß sie den Dolch bis zum Heft, in den Bauch, in die Brust Jodis‘, der Dolch prallte wetzend am Brustbein ab und immer wieder stach Rahela zu in ihrem ohnmächtigen Zorn, bis der Leib der alten über und über mit Stichwunden übersät war, wie ein Stück Käse. Das Blut spritzte Rahela ins Gesicht und auf ihren schwarzen Mantel. Jodis hatte die Augen erschrocken geweitet und war keuchend rücklings auf den Boden gefallen, und tat ihre letzten Atemzüge, während Rahela immer noch blind vor Zorn auf sie einstach. Als Rahelas Arm nach einer Weile ermüdete, ließ sie von der Toten ab. Thargôn krächzte und flatterte aufgeregt mit den Flügeln auf und ab.

Rahela keuchte und versuchte sich durch bewusstes und langsames Amen wieder zu beruhigen. Sie nahm den Dolch, schnitt Jodis das Oberteil ihres Kleides auf und entblößte ihren grausam entstellten toten Leib. Tief stach sie in den Brustkorb und schnitt diesen mit dem scharfen Dolch auf. Sie nahm ihre Hände zur Hilfe und grub diese tief ins Fleisch und weitete Haut, Fleisch, Gewebe und Knochen, bis sie das tote Herz der Alten entblößte. Sie warf einen liebevollen Blick auf den Raben, während sie sich das Blut aus dem Gesicht zu wischen versuchte und flüsterte. „Ich habe Dir versprochen, Dir ihr Herz zum Fraß vorzuwerfen… hier, nimm es Dir, und friss Dich daran satt!“[/18]
Sie ist eine Frau! Und alle Frauen sind böse...!

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Re: das Spiel des Windes

Beitrag von Adraéyu » So, 21. Okt 2012 18:11

Bilddraéyu schubste Asa von sich weg. Sie stolperte unbeholfen zurück und fiel schließlich vor ihrem Thron zu Boden. »Das wirst du mir büßen!«, zischte Adraéyu ihr zu und sein rotes Auge glühte bedrohlich in seiner Augenhöhle auf. »Du hast keine Ahnung. Du verstehst gar nichts, Asa.« Adraéyu zog bei diesen Worten seine Laute an seinen Körper und legte seine Hände auf die Saiten. Er schlug einen harten Akkord an. Und sein Geist färbte sich zunehmend dunkler. Der Raéyun funkelte die Hörige, welche die Tür soeben geöffnet hatte aus seinem goldenen Auge an. »Schließ die Tür!«, befahl er ihr. Und sie gehorchte, auch wenn Asa ihre Herrin war. Adraéyus schwarze Seele hatte von ihm Besitz ergriffen. Er konnte nicht mehr rational denken. Alles war zählte, war die Macht. Die unsagbar große Macht, die in seiner Laute lauerte. Hatten die lachenden und scherzenden Männer vor den Toren des Fürstenhofs Asas Ruf gehört? »Verriegel' die Tür!«, befahl Adraéyu und schlug einige harte Akkorde an. Die Hörige weinte und hielt sich sogleich die Ohren zu. »Na los!«, schrie Adraéyu und sie gehorchte. Sie zog den schweren Riegel in die Halterung. Die Tore waren nun versperrt. Niemand würde in das Haus kommen. »Und nun zu dir, Weibsbild.« Adraéyus Stimme war düster und verzerrt. Sein rotes Auge glühte und tauchte Asas Gesicht in einen roten Schimmer. Adraéyu spielte eine Weise, wie schon lange nicht mehr. Er legte all seinen Zorn und seine Wut in das Lied, und es traf Asa mit voller Wucht. Sie lag am Boden und rutschte vor Adraéyu davon. Und auch die Hörigen huschten verängstigt in eine Ecke. Adraéyu vergaß in diesem Moment, dass die Kinder Asas und Benwicks, mit den übrigen Hörigen im Nebenzimmer saßen, und darauf warteten, dass sie wieder herausgelassen wurden. Doch die Tür war geschlossen, und was auch immer die Kinder hören würden, die Hörigen, welche sich in dem Raum befanden, ließen sie nie heraus. Sie fürchteten Asa und ihren Zorn, denn Asa ließ ihre Dienerinnen schlagen oder mit Brandeisen bestrafen, wenn sie nicht gehorchten.

Drei Hörige waren neben Asa anwesend, auch jene, welche Benwick erst vor dem Beltane bei dem fahrenden Sklavenhändler gekauft hatte. Sie war es auch gewesen, welche Rahelas Rabengewand getragen hatte, und ihr Gesicht zeigte blaue Flecken von den Prügeln, die sie deswegen erlitten hatte. Asa hatte ihr auch den Busen mit einem glühenden Brandeisen entstellen lassen. Die Arcanierin war schön gewesen, und Benwick hatte ihr immer wieder nachgesehen. Dies hatte Asa missfallen, und sie hatte die Geschichte mit dem Rabengewand zum Anlass genommen, um sie zu entstellen, damit sie für Benwick weniger interessant wurde. Sie würde niemals Kinder stillen können, so sie welche bekommen würde.

Doch all diese Dinge wusste Adraéyu natürlich nicht. Er fühlte Asas unfähige Wut, aber auch die Furcht, welche sie langsam beschlich. Sie zog ihr Gewand an sich und bedeckte sich notdürftig. »Warum so verschämt? Vor wenigen Augenblicken, wolltest du mich noch besteigen.«, knurrte Adraéyu ungehalten. »Deine Worte sind wie Gift. Der Rabe hätte auf deinem Kopf sitzen sollen, als er Fuchs gerufen hatte.« Asa erwiderte Adraéyus Blick trotzig und über ihre Augen huschte ein boshafter Schleier. »Wage es nicht mich anzusehen, oder zu berühren.«, zischte Asa, wie eine Schlange, welche in die Enge gedrängt wurde. »Ich bin die Rukaja. Und Charaid hin oder her, Benwick wird dich häuten, wenn du mich entweihst!« »Du sprichst von dir, als wärst du ein heiliger Tempel. Ich werde dich nicht entweihen. Ich werde dich schänden!«

Adraéyus schwarze Seele interessierte sich nicht für Benwick. Sie gab keinen Deut auf die Freundschaft, welche Benwick zu seinem anderen Ich hegte. Er war besser als diese Wilden, selbst besser als Asa, welche noch die edelste unter ihnen war. Sie sollten die Knie vor ihm beugen. Vor ihm und seiner Macht. Einzig Rahela war würdig, doch auch sie war schwach! Sie war eine Wilde, wie sie. Sie ließ sich von ihnen beherrschen. Von Benwick und auch Asa. Obwohl sie Rahela so gering schätzte. Und selbst Asa war eine Wilde. Eine gebildete, edle und hochmütige Wilde. Begehrenswert schön und mit einem makellosen Körper gesegnet. Man mochte kaum glauben, dass sie bereits acht Kinder zur Welt gebracht hatte. Und während sie verzweifelt versuchte ihr Gewand wieder anzuziehen, begann Adraéyu finster zu singen.
Ein König fern in seinem Reich,
liebt seine Töchter beide gleich.

Die Jüngre' strahlt wie Morgenlicht.
Ihr Antlitz hehr wie ein Gedicht.

Die Ältre' dunkel wie die Nacht,
die niemals fröhlich oder lacht.

Die Schöne schaut verträumt aufs Meer
und sehnt den Hochzeitstag sich her.

Da lächelt die Böse unsagbar fein
und stößt sie in die Flut hinein.

Ach Schwester gib mir deine Hand!
Und zieh mich an das feste Land.

Ach Schwester lass das Leben mir!
Mein Hab und Gut geb' ich dafür!

Nein, gehst du in die Fluten ein,
so ist dein Liebster ewig mein.

Zuerst noch schwimmt sie, gleich sie sinkt.
Und in der kalten Flut ertrinkt.

An einem entfernten Strand,
spült die Brandung sie an Land.

Zwei Harfner, die das Mädchen sehn,
sahen nie ein Wesen gar so schön.

Aus ihrem Brustbein wohlgestalt,
schnitzen sie eine Harfe bald.

Ihr langes Haar so golden und weich,
spinnen sie zu Saiten sogleich.

Sie schwingen sich geschwind aufs Ross
und reiten zu des Königs Schloss.

Sie stellen sie dort auf einen Stein.
Und hört! Die Harfe spielt allein!

Als sie der erste Ton erreicht,
die dunkle Schwester jäh erbleicht.

Sie blutet aus dem Unterleib,
verliert ihr Kind das böse Weib.

Dann, als der letzte Ton verklingt,
bestraft und tot zu Boden sie sinkt.
Asa krümmte sich vor Schmerzen. »Schwarzer Zaubersänger«, spuckte sie keuchend aus. Doch Adraéyu berührte ihr Fluch nicht. Er grinste sie nur boshaft an und trat näher an sie heran. »Du tanzt ja gar nicht.« Asa sah ihn verwirrt an. »Tanzen nicht die Leute nach meiner Laute?« Er lächelte sie wissend an. »Doch kriechst du vor mir, wie Getier. Nicht sehr edel oder hochgeboren, Rukaja.« Das letzte Wort spie er aus.

Er nahm sie sanft am Kinn und zog sie ein wenig zu sich hoch. »Du willst dass Benwick uns miteinander sieht? Dass alle glauben ich hätte dich unter einen Bann gestellt? Du willst, dass seine Hersen mich häuten?« Er zog ihr Gesicht ganz nah vor das seine und blickte ihr tief in die Augen. Das glühende Rot seiner Augen blendete ihr vor Furcht geweitetes Auge. Doch sie wagte kein Wort. [18]»Du willst mich ficken? Du willst meinen Schwanz?«[/18] Er schlug ihr mit dem Handrücken ins Gesicht, dass sie zu Boden stürzte. Dann drückte er sie am Hals nieder und zerrte sie am Hals durch den Raum bis nah an die Feuerstelle. Er hielt ihren Kopf über die Glut und er wartete. Er wollte sie um ihr Leben betteln hören. Er wollte sie erniedrigen, sie sollte büßen. Doch sie gönnte ihm diesen Gefallen nicht. »Dafür wirst du sterben, Raéyun.«, zischte Asa. Zorn umwölkte seinen Verstand und er griff in die Glut und zog ein glühendes Stück Kohle heraus. Dann riss er Asa an den Haaren, bis sie aufschrie und stopfte ihr die glühende Kohle in den Mund und presste diesen sogleich zusammen. Er beugte sich ganz nah an sie heran und flüsterte in ihr Ohr. »Du wirst sterben[18], Hure[/18].« [18]Er riss ihr das Unterkleid hoch und öffnete seine Hose. Währenddessen schrie sie und spuckte das glühende Kohlestück aus. Ihre Lippen und auch ihre Zunge warfen Brandblasen auf und sie war unfähig zu sprechen. Tränen rannen ihr die Wangen herunter und sie schrie verzweifelt, doch entkam kaum ein Laut ihrem Mund. Ihre Stimme versagte ihr. [18]Dann drang er hart und brutal von hinten in sie ein. Immer wieder und wieder stieß er fest zu und drückte sie damit immer näher an die Glut heran. Bis er sich schließlich in ihr ergoss.[/18] Er wurde von dröhnenden Schlägen verschreckt. Die Männer schlugen mit einem schweren Stamm gegen die Tore der Halle. Der Riegel würde nicht ewig halten!

Er ließ von ihr ab, und sie sank entkräftet zu Boden. Schmerzen durchfuhren ihren Unterleib und nur wenig später liefen ihr Unmengen von Blut aus dem Unterleib. Der ganze Boden war blutgetränkt, und dickes, klumpiges Blut vermischte sich mit ihren Tränen und durchtränkte ihr Kleid. Sie hatte ein Kind von Benwick unter dem Herzen getragen, und es nun verloren. Doch Adraéyu kümmerte sich nicht darum. Er nahm erneut seine Laute auf und spielte ein neues Lied. Noch düsterer, als jenes zuvor. Er wandte sich an die drei Hörigen, welche unfähig waren sich zu bewegen. »Ihr werdet Benwick doch nicht erzählen, was ihr gesehen habt?«, fragte er sie, während er ein schauriges Lied aus der Laute zauberte. Und im Takt zu den dumpfen, hölzernen Schlägen spielte er eine dröhnende Melodie. »Nein, nein Herr. Niemals.« Sie sprachen abwechselnd und wagten kaum ihn dabei anzusehen. »Warum glaube ich euch nicht?« [18]Er zog sein Langmesser hervor und stieß es einer der Hörigen direkt in den Hals. Ihre Augen weiteten sich vor Schreck und ihr Blut besudelte die Klinge.[/18] Adraéyu zog seine Hand zurück und spielte weiter. Er wob einvernehmende Töne und Klänge, und die panischen Schreie der beiden Frauen verebbten. »Nimm das Messer.«, gebot er der arcanischen Hörigen. Sie war noch nicht gebrochen. Unterwürfig, ja. Doch loderte noch das fanatische Feuer ihres Volkes tief in ihr. [18]Wie willenlos, zog sie die blutige Klinge aus dem Leib der toten Hörigen und hielt es ein wenig unsicher vor sich. »Koste.«, forderte er sie auf und sein Spiel wurde schneller und fordernder. Wie auch die Schläge, welche in immer kürzeren Abständen auf das Tor schlugen. Und sie gehorchte. Und als ihr Mund von Blut besudelt war, und ihr Blick immer glasiger wurde da wandte er sich der anderen Hörigen zu. »Töte sie.«, sang er mehr, als dass er sprach und ohne zu zögern, stieß sie der Frau die Klinge bis zum Heft in die Brust. Wieder und wieder, rammte sie die Klinge in die bald leblose Frau, bis Adraéyu sie zur Besinnung rief. »Halt!« Sie verharrte. Wie eine Marionette sah sie ihn ausdruckslos an und dann lachte Adraéyu. »Verletze mich. Am Bauch.« Und sie stieß ihm das Messer in den Leib.[/18] Der Stich war schmerzhaft und Adraéyu schrie für einen Moment auf. Er hielt in seinem Spiel inne. Und für einen Moment war die Hörige verwirrt. Sie sah das Messer in ihrer Hand und starrte auf die Toten, welche sie umgaben. »T…töte Asa.«, zischte Adraéyu zwischen den Lippen hervor.
Und als sie vor Asa trat, da brach der Riegel mit einem lauten Krachen. Männer stürmten in die Halle und die Hörige hatte das Messer erhoben »Für Bhelor …«, flüsterte Adraéyu benommen und die Hörige schrie laut. »Für Bhelor!« und ließ die Klinge niederfahren.
In den Weiden werden uns're Träume klingen,
und die Winde werden uns're Lieder singen.
Lasst uns mit den Funken übers Feuer springen,

in der Walpurgis Nacht.

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Re: das Spiel des Windes

Beitrag von Rahela » So, 21. Okt 2012 20:06

[18]Am nächsten Morgen erwachte Rahela. Ihr Blick fiel als erstes auf Jodis. Thargôn saß auf ihrem Gesicht und pickte in ihren Augen, oder viel mehr, was davon noch übrig geblieben war, denn es hingen nur mehr einige kleine Hautfetzen aus den leeren Augenhöhlen. Angewidert drehte Rahela den Kopf beiseite. Das Herz hatte Thargôn nur ein wenig angerissen und angepickt. Es stimmte also nicht, was man sich erzählte, dass ein Rabe sich das Wissen und die Geheimnisse der Menschen aneignete, dessen Herz er fraß. Ganz offensichtlich mochten Raben dieses nicht einmal.[/18] Rahela hatte nicht besonders gut geschlafen auf dem Moorboden. Sie hatte sich in ihren Mantel gehüllt, doch sie war das Übernachten in der Wildnis nicht mehr gewohnt, sie schlief seit vielen Monaten nur noch in ihrem Bett. Sie streckte sich, um ihren schmerzenden Rücken zu entspannen und überlegte dann, was sie mit der Leiche von Jodis machen sollte. Am besten war es, sie ins Moor zu werfen. Doch bis zu dem schlammigen, alles verschlingenden Morast war ein ordentliches Stück, und Jodis war zwar nicht groß, doch die Leiche war vermutlich nicht mehr in der Leichenstarre und dadurch wesentlich schwerer, daher war es wahrscheinlich ein Ding der Unmöglichkeit, sie dorthin zu tragen. Zuerst schürte Rahela die Glut auf. Sie hatte Glück und tief unter der Asche gloste noch ein wenig Glut. Sie legte ein Stück Torf darauf und blies vorsichtig, bis sich die Glut schließlich in den Torf gefressen hatte. Sie schalt sich, sie hatte keinen Topf mitgenommen, somit musste sie Vorlieb nehmen mit den Dingen die sie bei sich trug, und das waren der Wasserschlauch und das Trockenfleisch und einige Trockenfrüchte. Es waren jene Trockenfrüchte, die sie bei Asis, dem Menai gekauft hatte. Als sie in eine der exotischen süßen Früchte biss, musste sie mit einem schmunzelnd an den Händler denken.


Dann schweiften ihre Gedanken zu Arn. Wieso hatte sie ihn nicht gefragt, ob er nicht mitkommen wollte? Da war sie ernsthaft mit Jodis, ihrer größten Feindin, neben Asa, ins Moor gegangen. Und wie es nun geendet hatte, hatte man ja gesehen. Wäre er an ihrer statt oder auch mit beiden mitgegangen, würde es mit Sicherheit ganz anders aussehen. Sie wagte es allerdings zu bezweifeln, ob sich Jodis in Arns Anwesenheit genauso zurück genommen hätte. Vermutlich nicht, doch vielleicht hätte Arn Rahela gebremst, und es wäre nicht so weit gekommen dass sie sie umgebracht hätte. Und wenn doch, hätte sie jetzt vermutlich mit seiner Hilfe rechnen können, die Tote zum Morast rüber zu tragen. Immerhin hatte sie es für ihn getan, oder viel mehr um seine Ehre zu verteidigen, was eigentlich dasselbe war. Wie konnte sie nur solch infame Lügen verbreiten? Doch nun war es egal, sie würde nie wieder mit ihrer giftigen Zunge die Unwahrheit sprechen. Arn hatte mit Sicherheit keine Frau des Clans geschwängert. Mit heißem Herz dachte sie an den Barden… an die Berührungen seiner Hände, die ein wenig rau und doch so unsagbar geschickt waren… Dass er sich rasiert hatte, stand ihm gut. Den meisten Nordmännern fehlte ohne Bart etwas. Vielleicht lag es an den blonden Haaren… die meisten Frauen des Clans waren froh, wenn die Bärte nach dem Beltane wieder einigermaßen nachgewachsen waren, doch bei Arn war dies anders, er sah erst richtig gut aus ohne diesen schwarzen Busch im Gesicht…

Als sie gegessen hatte, erhob sie sich. „So, Thargôn, wir müssen uns um dieses tote Weib kümmern… Sie stand auf, und ging zu Jodis. Sie starrte sie aus leeren Augenhöhlen an und Rahela lief die Gänsehaut den Rücken hinunter. Sie ergriff ihre kalte schlaffe Hand und zog ihren Arm hoch. Schlaff erhob sich der Oberkörper, der Kopf fiel dabei in den Nacken. Doch sie war zu schwer. Sie zog fester, doch der schwere schlaffe Körper sank immer wieder zurück. Mit einem zornigen Ruck riss sie an dem arm und sie hörte ein knacken im Schultergelenk, und der Oberkörper fiel nach vorn und die Tote saß plötzlich unnatürlich und grotesk da, mit auseinandergespreizten Beinen, zwischen dem der Oberkörper aufgerichtet nach vorne hing. Rahela fluchte. „Verdammt, Thargôn, was nun? Sie muss verschwinden und zwar sofort!“ Rahela überlegte, und zog schließlich ihren Dolch heraus. [18]Es half nichts, sie musste sie zerstückeln. Doch auch dies gestaltete sich in der Praxis schwerer als in der Theorie. Sie musste nur den Oberkörper durchtrennen, dann konnte sie die beiden Körperhälften leichter tragen. Doch der Dolch scheiterte kläglich. Zwar konnte sie den Dolch bis zum Heft in den toten Körper rammen, doch danach tat sich nichts mehr.[/18] So scharf war der Dolch nicht. Sie würde schon ihre Säge brauchen, die sie für Amputationen benutzte. Doch diese lag im Faernach Clan in ihrer Truhe. Rahela war wütend. Was nun? Sie stand ein wenig ratlos da und überlegte. Dann hatte sie den rettenden Einfall. Sie würde die die paar hundert Meter zum Morast rollen. Seufzend beugte sie sich nach vor, zog die Tote nach hinten und brauchte sie in die gerade Position. Dann begann sie sie zu rollen. Immer nach etwa zwanzig Metern machte sie eine Verschnaufpause. Als sie nach Thargôn blickte, beobachtete dieser sie, als ob er sie auslachen würde. Sie ignorierte das Vieh und rollte Jodis weiter. Nach einer ihr endlos vorkommenden Zeit hatte sie endlich den Morast erreicht. Sie zog die Tote hinauf und stieg dabei versehentlich selbst hinein und versank sogleich mit einem Knie darin. Fluchend und mit großer Anstrengung zog sie das Bein wieder hinaus und beobachtete sie zufrieden, wie sie langsam im Moor versank. Das letzte, was sie von Jodis sah bevor diese endgültig hinabsank war ihr bleiches, wächsernes Gesicht mit den ausgepickten Augen. Rahela atmete erleichtert auf, als Jodis im Morast verschwunden war. Rahela hielt nun nichts mehr im Moor. Sie wollte nachhause. Sie packte ihre Sachen zusammen und marschierte sofort los. Der kürzeste Weg führte nun nicht mehr über den Weg, den sie gekommen war, sondern über den Geldren-Clan, sie würde es allerdings heute nicht mehr in den Faernach Clan schaffen. Sie hoffte, dort im Geldren Clan willkommen geheißen zu werden.


Am nächsten Tag erreichte sie den Clan. Sie lief nach alter Gewohnheit zum Dorfältesten. Sie hoffte, ihr Ruf, der gleichzeitig gut wie schlecht war, würde ihr nicht vorauseilen. Als dieser die Tür öffnete, sah er sie überrascht an. „Sei gegrüßt. Mein Name ist Rahela Norrsken, ich bin die Schamanin des Faernach-Clan. Ich weiß, wir haben wenig miteinander zu schaffen, Euer und unser Clan. Doch ich komme direkt aus dem Hochmoor und werde heute nicht mehr den Faernach Clan erreichen können. „Die Götter sind gnädig…“ verneigte er sich leicht. Wir brauchen in der Tat gerade eine Schamamin, der Sippenführer wird erfreut sein!“ Sie war verwundert, dass es so einfach war. Er führte Rahela in die Halle des Sippenführers. Sie war nicht einmal annähernd so groß wie Benwicks Hallen. Sie verneigte sich vor dem Sippenführer. „Es ist mir eine große Ehre, die Schamanin des Faernach Clans kennen zu lernen. Sei uns willkommen! begrüßte er sie. „Ich bin Rokkar“ stellte er sich vor. Sie nickte mit dem Kopf. „Man nennt mich Rahela…“ sagte sie demütig. „Rahela, Dich schicken wahrlich die Götter! Wir haben schon mehrmals nach einer Schamanin in unseren Nachbarclans geschickt, doch bislang ist niemand gekommen. Jetzt, wo Du gekommen bist, hoffen wir, dass Du uns helfen wirst.“ Sprach er gerade heraus. „Ich habe nicht viel an Essenzen und dergleichen mit, doch ich will es gerne versuchen…“ „Wunderbar… lass uns gleich gehen!“


Er führte sie zu einem Haus in der eine Frau lebte, die schwanger war. „Sie hat noch kein Kind lebend geboren, diese waren zwar immer recht groß und kräftig, doch alle waren tot als sie aus ihrem Leib kamen…“ meinte ihr Mann. Rahela runzelte die Augenbrauen. „Wie lange ist sie schon schwanger?“ erkundigte sie sich. „Sie müsste ungefähr in der Mitte sein, wir haben fünf Monde gezählt.“ Rahela nickte und ließ ihren Blick über den Bauch der Schwangeren schweifen. Der Bauch sah nicht aus wie nach fünf Monden üblich war. Er war deutlich größer. Rahela betastete vorsichtig und ausgiebig den Bauch der Frau. Soweit sie dies beurteilen konnte, befand sich lediglich ein Kind darinnen. „ich brauche etwas von ihrem Urin…“ meinte Rahela. Es war keine ihrer Lieblingsuntersuchungen, doch es würde sich nicht vermeiden lassen, um Gewissheit zu erlangen. Nach einiger Zeit brachten sie Rahela die gewünschte Probe. Rahela tauchte den Finger in den Urin und kostete von diesem. Er war süßlich. ‚Wie ich es mir gedacht habe…‘ dachte sie bei sich. „Deine Frau leidet unter einer Krankheit, die in dieser Form nur in einer Schwangerschaft auftritt… „ meinte Rahela. „ Sie hat die gravide Zuckerkrankheit.“ Der Mann sah sie unbeholfen an. „Sie wird die restliche Schwangerschaft jegliche Süßspeisen meiden müssen, weitestgehend auch Mehl, doch viel Gemüse und Fleisch und Fisch. Und dann könnt ihr zu den Göttern beten, dass sie Euch das Kind nicht auch nehmen. Doch ihr habt eine große Wahrscheinlichkeit, das Kind diesmal nicht zu verlieren, wenn ihr meine Ratschläge befolgt. Der Mann nickte dankbar. Dann wurde Rahela noch zu einem anderen Mann geführt. Er hatte eine seltene Krankheit, die sich in Form von häufigen Schüttel- und Krampfanfällen äußerte. Seine Frau war ein junges hübsches Ding. Sie hatte, soweit man dies erkennen konnte, einen schönen und wohlgeformten Körper. Sie hatte langes blondes Haar und ein hübsches Gesicht. Wie alt mochte sie sein? Vermutlich halb so alt wie er. Rahela bedauerte sie, ihr Leben mit so einem Schwachkopf teilen zu müssen. Ihre Blicke glitten über ihren Bauch. Er wölbte sich stark nach vorne. Und schwanger war sie auch noch von ihm… hoffentlich trug das Kind nicht sein verheerendes Erbe in sich… Als ob er Rahelas Gedanken gelesen hätte, begann er plötzlich erneut zu krampfen und sich im Bett zu schütteln. Er biss sich dabei auf die Zunge, das Blut lief ihm aus dem Mund und Rahela schob ihm geistesgegenwärtig ein Holzstück zwischen die Zähne damit er sich nicht die Zunge abbiss in solch einem Krampfanfall. Rahela nahm ihre Hand und drückte ihm mit zwei Fingern lange und fest auf den Brustkorb, und plötzlich erschlaffte der Körper und der Krampfanfall vorbei. Sie hatte diese Pressurtechniken von Catara gelernt und sie hatte bislang nie einen Grund gehabt, diese anwenden zu müssen. Ein wenig stolz und froh war Rahela schon darüber. „Du bist wahrlich nicht zu beneiden, Mädchen…“ flüsterte Rahela ihr zu, doch es war nicht böse gemeint, sondern mitfühlend. Das Mädchen bedachte sie mit einem nicht deutbaren Blick. Rahela flößte dem Mann noch ein leichtes Schlafmittel ein. „Er wird nun schlafen…“ meinte Rahela. Für sie gab es hier heute nichts mehr zu tun. Als Rahela im Begriff war, zu gehen, meinte die junge Frau „Möchtest Du noch etwas mit mir trinken?“ Erfreut nahm Rahela an. Die beiden Frauen saßen bei Tisch und Rahela schwenkte ihren Weinbecher. „Wie heißt Du, Mädchen?“ „Finna…“ erwiderte diese. „Mein Name ist Rahela.“ „Ich wollte auch schon immer Schamanin werden…“ meinte Finna. „Ein harter Beruf… und man muss eine Begabung dafür haben… nur wenigen Frauen ist es vorbestimmt, diesen Weg einzuschlagen, und es dauert viele, viele Jahre. Ich selbst habe sechzehn Jahre gelernt, bis ich soweit war…“ Finna starrte sie ungläubig an. „So lange?“ Rahela nickte. „Und die ersten Jahre verbringt man nur damit, alles über Kräuter zu lernen. Man muss sich erst würdig erweisen… Doch ohne die Begabung ist alles nichts. Man kann dann höchstens ein Kräuterweib werden. In Kreisen der Schamanen keine sonderlich wichtige Tätigkeit… denn man ist mit seinem Wissen bald am Ende.“ Finna nickte verstehend. „Es ist nicht leicht, mit so einem Manne den Bund geschlossen zu haben, hm?“ fragte Rahela gerade heraus. Finna schüttelte den Kopf. „Es ist furchtbar… es hätte alles ganz anders können…“ erwiderte soie verbittert. Rahela sah sie unverständlich an. „Wurdest Du schon jemals untersucht, Finna?“ meinte sie, mit einem Blick auf ihren Bauch. Finna schüttelte den Kopf. Rahela nickte. „Wenn du möchtest, kann ich das morgen tun. Es wäre schön, zu wissen, wie das Kind liegt, und ob die Geburt bald losgeht. Lange kann es ja nicht mehr dauern, nicht wahr?“ Finna zuckte mit den Schultern. Woher sollte sie es schließlich auch wissen? Rahela erhob sich. „Danke für den Wein, Finna…“ Sie legte ihr im vorbeigehen die Hand auf die Schulter und drückte diese aufmunternd. Sie fand das Mädchen sympathisch. Sie verließ das Haus und ging in die Halle des Sippenführers, wo man ihr einen Schlafplatz gerichtet hatte.


Am nächsten Morgen hatte Rahela noch einige Gänge im Clan zu erledigen. Als letztens ging sie zu Finna. Der Mann war nun wieder klar bei Verstand. Rahela brauchte keine zwei Minuten, um einschätzen zu können, dass dieser Mann ein wahrhaftiges Ekel war. Er war unfreundlich zu ihr, sie konnte es ihm nicht recht machen und hin und wieder gab er ihr einen unsanften Stoß. „Raus hier…“ befahl Rahela dem Mann. „Ich untersuche Deine Frau jetzt, das ist Weibersache…“ Unwillig murrend verließ er das Haus. Finna sah sie überrascht an, dass er ihrer Aufforderung wirklich Folge geleistet hatte. Rahela tastete ihren Bauch ab und untersuchte mit zwei Fingern vorsichtig den Muttermund. Er war noch fest verschlossen. „Noch hast Du Zeit, Finna, aber es kann natürlich täglich so weit sein. Es scheint alles in Ordnung zu sein. Das Kind liegt in der besten Geburtslage, und Dein Becken ist recht breit, Du wirst vermutlich keine großen Schwierigkeiten haben.“ „Wird es ein Sohn sein?“ fragte sie Rahela unsicher. „Das kann man nicht sagen...“ Finna warf einen unsicheren Blick zur Tür. Rahela konnte sich denken, was sie dachte. „Es ist wegen ihm oder? Du hoffst, dass es ein Junge wird…?“ Finna nickte. Rahela empfand Mitleid für Finna. Am liebsten hätte sie sie einfach mitgenommen von diesem Scheusal von Mann. Doch das Bündnis war Rechtens, sie erwartete ein Kind von ihm und so war nun einmal das Leben. Der Mann, Webbar, betrat wieder das Haus. „Seid ihr nun fertig?“ murrte er. „Es ist beinahe Mittag, Finna, wieso hast Du noch nicht gekocht?“ herrschte er sie unwirsch an. „Ich schaffe es kaum mehr, Webbar…“ sagte sie leise zu ihm. „Das ist aber Deine verdammte Pflicht, Weib!“ herrschte er sie an. „Glaubst du, ich lasse mir von meiner Sippe sahen, welch unfähiges Weib ich mir genommen habe? Schön anzuschauen, nur gut dazu, die Beine breit zu machen, doch zu sonstigem taugt sie nicht!“ meinte er zu Rahela. Sie senkte den Blick und meinte „Es steht mir nicht zu, mir darüber ein Urteil zu bilden…“ Webbar grummelte wütend. Als Finna immer noch auf dem Stuhl saß, anstatt seiner Aufforderung nachzukommen, sah er plötzlich rot. Er packte Finna am Arm, riss sie hoch und stieß sie Richtung Feuerstelle. „Na los, du dummes Weibsstück, mach Dich nützlich!“ In diesem Moment spürte Rahela eine unfassbar starke Aura, die Finna umgab. Doch diese flammte nur kurz auf und war sogleich verebbt, als sie hart am Boden aufschlug, nur wenige Zoll vor den glühenden Kohlen. Rahela erschrak und war mit einem Satz bei Webbar. Sie stieß ihm mit den Fingern in den Nacken und augenblicklich sackte er zusammen. Sie wollte ihn damit außer Gefecht setzen. Es gelang ihr auch, doch er fiel unglücklich und stieß mit dem Kopf hart an die Tischkante an. Reglos blieb er liegen und eine Blutlache bildete sich unter seinem Kopf. Rahela kümmerte sich zunächst nicht um den Mann. Sie lief zu Finna und half ihr auf. „Finna… was war das eben?“ fragte sie sie. Finna war ein wenig benommen und murmelte „Das ist Alltag, er ist immer so…“ Rahela schüttelte den Kopf. „Das meine ich nicht… ich meine diese Kraft, die ich da eben gespürt habe, sie ging ganz eindeutig von Dir aus. Hast Du so etwas schon öfters gehabt?“ Finna sah sie verständnislos an. Rahela überlegte kurz. Konnte es sein, dass dieses Mädchen über naturmagische Fähigkeiten verfügte? Sie brannte darauf, es herauszufinden. Sie wandte sich zu Webbar um, der immer noch reglos am Boden lag. Rahela ging auf ihn zu und besah ihn sich. „Er ist tot…“ murmelte sie, ein wenig fassungslos. Finnas Gesicht hellte sich auf. „Wahrhaftig? Oh… das ist wunderbar…!“ Rahela sah sie ein wenig seltsam an, doch eigentlich war es nicht verwunderlich. Die Szene die sie da eben miterlebt hatte, war vermutlich nur das kleinste Übel. Immerhin scheute er sich nicht, auch vor Fremden Gewalt gegen seine Frau anzuwenden. „Doch was nun?“ flüsterte Finna unsicher. Rahelas Gesicht verriet keine Miene. „Was schon? Er hatte einen Krampfanfall, ist dabei unglücklich gestürzt und starb… die Götter wollten es so…“ Ihr Mund umspielte dabei ein subtiles lächeln. Doch Finnas Freude wich plötzlich. Seine Sippe… bei den Göttern… Du hast keinen Begriff, welch rohe Leute das sind… sie sind noch schlimmer als er, er war zumindest durch die Krankheit eingeschränkt… was wird nun aus mir?“ klagte sie. Rahela überlegte einen Moment. „Du kommst mit mir, Finna, ich nehme Dich in meinen Clan mit und ich werde Dich ausbilden, zuerst zur Kräuterfrau, und wenn sich mein Verdacht, Deine Fähigkeiten betreffend, bestätigt, dann mach ich Dich zur Schamanin…!“

Rahela sprach bei Rokkar vor. Die Tatsache, dass Webbar am Vorabend verstorben war, hatte kaum jemanden verwundert. Er war anscheinend schon öfters in einem Krampfanfall gestürzt, und es war offenbar nur eine Frage der Zeit gewesen, dass jemand einen solchen Vorfall erwartet hatte. Sie verneigte sich demütig vor ihm. „Ruka… ich spreche bei Euch vor, weil ich Finna mit mir in den Faernach Clan nehmen möchte.“ Finna sah sie überrascht an und fiel ihr ins Wort. „Der Faernach Clan? Das ist mein alter Heimatclan… ich wurde von dort weggeschickt… ich kann dorthin nicht zurückkehren…“ Rahela runzelte die Stirn, sie hätten sich vorher besser absprechen sollen, bevor sie nun hier vor dem Sippenführer zu diskutieren begannen. „Und wieso nicht?“ Finna schwieg, dann erwiderte sie „Meine Sippe wäre bestimmt nicht einverstanden damit, ich habe ihr Schande bereitet…“ Rahele nickte verstehend. Es war immer dasselbe, die jungen hübschen Mädchen wurden in anderen Clans geschickt weil irgendetwas vorgefallen war. Meistens drehten sich die Geschichten um einen Mann… Sie betrachtete ihren Bauch. Vielleicht war das Kind gar nicht von Webbar… dies würde zumindest erklären, warum diese wunderschöne junge und gesunde Frau einem derartigen Schwachkopf zur Frau gegeben ward. Die Zeit würde es möglicherweise offenbaren. Doch das war jetzt nur eine unwichtige Nebensache. Viel wichtiger war es nun, Rokkar zu überzeugen, sie ihr mitzugeben. „Ruka…“ wandte sie sich wieder an ihn, der diese peinliche Diskussion schweigend mitverfolgt hatte. „Dieses Mädchen verfügt möglicherweise über naturmagische Fähigkeiten. Ich möchte sie, da ihr Mann nun unglücklicherweise verstorben ist, in den Faernach Clan mitnehmen und sie ausbilden. Diese Gabe ist ein Geschenk und man darf dieses Geschenk, welches ihr zweifelsohne von den Göttern geschenkt wurde, nicht zurückweisen. Ich werde sie zum Kräuterweib ausbilden, und wenn sie sich würdig erweist, sie danach im Schamanentum unterweisen.“ Rokkar runzelte die Stirn. „Doch sie ist hochschwanger, sie erwartet in Bälde ihr Kind… ihre Sippe im Geldren-Clan wird damit nicht einverstanden sein, wenn ihr sie mit dem Kind mitnehmt…“ Rahela hatte sich so etwas schon gedacht. „Und doch, ich bleibe dabei, es kann kein Zufall sein, dass sich ihre Fähigkeiten offenbart haben. Dies ist ein Zeichen der Götter und ich darf es nicht ignorieren. Ich bin sicher, dass Benwick, der Ruka tu Nemia Faernach, ihre Sippe fürstlich entschädigen wird, dafür, dass wir Finna in unseren Clan zurückholen. Sie wird ihrer alten Sippe Ehre erweisen mit dieser Aufgabe die ihr zuteil wird, und sie werden sie mit Freuden wieder aufnehmen. Damit ist auch ihr Kind versorgt! Die wilden Lande brauchen Schamanen. Mehr, als wir haben!“ Der Sippenführer überlegt einen Moment. Dann sprach er „So soll es also sein. Nimm Finna mit in den Faernach Clan…unter einer Bedingung!“ Rahela verengte die Augen in Erwartung was nun folgen würde. „Welche wäre das?“ „Wenn Finna ihre Ausbildung beendet hat, dann wird sie dem Geldren-Clan als Schamanin dienen.“ Rahela verzog ihre Mundwinkel. Welchen Sinn hatte die Ausbildung, zu ihrer Nachfolgerin, wenn sie nicht ihren Platz einnehmen würde. Doch die Ausbildung würde lange dauern. Länger als Rokkar leben würde. Niemand würde sich erinnern und so stimmte sie zu. „Eine sehr weise Entscheidung, Ruka…“ verneigte sich Rahela dankbar vor ihm. Dann erhob sie sich, und warf Finna einen aufmunternden Blick zu. „Wir wollen so bald als möglich aufbrechen. Wir werden langsamer gehen müssen…“ meinte sie und ließ ihre Blicke über Finnas Bauch huschen.

Rahela und Finna waren nun bereits zwei Tage unterwegs. Finna erwies sich trotz ihrer weit fortgeschrittenen Schwangerschaft als zäh heraus. Sie klagte kaum, biss sich tapfer durch die Wildnis und das gefiel Rahela. Nach Stunden, die sie marschiert waren, machten sie Rast. Rahela hatte bemerkt, dass Finna schon erschöpft war. Sie packte etwas von der Wegzehrung aus, die sie vom Geldren-Clan erhalten hatten und gab es Finna. Finna hatte kaum etwa mit, nur eine Wollstola und eine Tasche mit wenigen Habseligkeiten. „Geht es Dir gut?“ erkundigte sich Rahela bei der Hochschwangeren. Finna nickte, während sie ein Stück Brot aß. Rahela sah sie forschend an, und begann dann „Wenn Du Dich von mir unterweisen lassen willst, erwarte ich von dir absolute Ehrlichkeit… also sag mir, warum wurdest Du von Deiner Sippe fortgeschickt?“ Finna sah sie ein wenig zögerlich an und schwieg. Rahela setzte nach „Sollte es eines Tages Schwierigkeiten geben, sind mir die Hände gebunden, wenn ich nicht weiß, was passiert ist…“ Finna begann nun doch zu erzählen. „Ich war einem Krieger im Faernach Clan versprochen… Vebjorn…“ Rahela nickte anerkennend. „Ich kenne ihn, ein ansehnlicher Mann… er ist nun mit Roslin den Bund eingegangen. Hübsches Ding… doch nicht so hübsch wie Du… was ist dann passiert?“ „Ich bin bei einem anderen Mann gelegen… wurde schwanger… doch ich wusste nichts davon, erst als der Barde mich zu Fenris, dem Runenmeister brachte, kam dieser darauf. Ich weiß nicht, wie er es herausgefunden hatte, und doch hatte er Recht behalten.“ Rahela sah sie überrascht an. „Der Barde? Etwa Arn?“ Finna nickte. „Erzähl weiter, Mädchen…“ forderte sie Rahela auf. „Der Erilar ging zu meiner Sippe, zu meinem Vater. Ich weiß nicht, was sie besprochen hatten, doch im Zuge des Gespräches kam heraus, dass ich nicht mehr unberührt war. Vebjorn wurde rasend wütend und hat das Versprechen aufgelöst und sich von mir abgewandt…“ sagte Finna bitter. „Danach hat mich mein Vater mich diesem Bastard von einem Schwachkopf förmlich aufgedrängt… ich hatte der Sippe Schande bereitet und er schickte mich in den Geldren-Clan.“ Rahela schwieg und plötzlich drängte sich Jodis‘ Geschichte in ihrem Kopf auf und vermischte sich mit der von Finna. Es waren zu viele Ähnlichkeiten. Sie hatte Jodis kein Wort geglaubt, sie dafür noch umgebracht, dass sie solche infamen Lügen über Arn verbreitet hatte… waren dies keine Lügen gewesen? Rahela bereute nun ein wenig, dass sie Jodis umgebracht hatte, sie hätte ihr bestimmt noch etwas darüber erzählen können. Doch nun war es zu spät. Sie betrachtete Finna. Sie war wirklich eine wunderschöne junge Frau. Bestimmt konnte sie die Männer reihenweise um den Verstand bringen, wenn sie wollte. Konnte sie auch Arn um den Verstand gebracht haben, dass er sie genommen hatte obwohl sie einem anderen versprochen war? Nein, das konnte sie sich nicht vorstellen. Doch warum waren er und der Erilar in diese seltsame Geschichte verwickelt? Sie konnte sich keinen Reim darauf machen… Es war wirklich jammerschade, dass sich Vebjorn durch ihr törichtes Verhalten von ihr abgewandt hatte. Nach einer Weile sagte sie „Komm, Finna, wir müssen weiter. Wir sollten noch vor Anbruch der Dunkelheit das Moor verlassen haben. Es ist nicht mehr weit… bald haben wir die Grenze des Gebietes, in dem der Faernach Clan liegt, erreicht. Morgen Nachmittag sind wir da!“

Am nächsten Tag, ein wenig früher, als erwartet, erreichten die beiden Frauen den Faernach Clan. Vor den Palisaden stand ein dicker knorriger Apfelbaum, der allerdings nur selten bis gar nie Früchte trug. Er war stark verwildert und meistens kletterten und spielten die Kinder darauf, weil seine breit ausladenden, dicken Äste förmlich dazu einluden. An dem Baum hing eine Leiche, die durch einen Windhauch leicht hin und her schwang und von Krähen umflattert wurde. Sie pickten an der Leiche, vornehmlich im Gesicht und manch eine von ihnen hatte sich am Bauch eingekrallt und zupften und zerrten an scheinbaren Bändern. Rahela erschrak und lief zu dem Baum. Die Krähen stoben empört und krächzend auseinander und ließen sich oben in der Baumkrone im Geäst nieder. Thargôn blieb überraschenderweise auf Rahelas Schulter sitzen. Die Bauchdecke war aufgeschlitzt und die Gedärme hingen heraus. Bei näherer Betrachtung bemerkte Rahela, soweit dies der Zustand des aschfahlen Gesichtes noch zuließ, dass es sich um eine Hörige handelte, nämlich jene Arcanierin, die Benwick erst kürzlich bei einem der fahrenden Händler gekauft hatte. Warum hing sie hier? Wahrscheinlich war irgendetwas vorgefallen, vielleicht hatte sie aufbegehrt, oder einen Mann abgewiesen… vielleicht sogar Benwick und Asa hatte sie am Baum aufknüpfen lassen… sie traute Asa alles zu… Ein wenig beklommen suchte Finna Rahelas Blick, und diese zuckte die Schultern. Es wirkte wie ein etwas seltsamer Willkommensgruß, aber so war das manchmal in den wilden Landen. „Komm mit mir, Finna, ich bringe Dich zuerst einmal zu Benwick, dem Ruka tu Nemia Faernach vor. Er wird sicher erfreut sein, Dich wieder zu sehen.“ versuchte sie, ihr Mut zu machen. Sie schritten durch das Tor der Palisaden. Rahelas Blick streifte wie immer über die verrottenden Orkköpfe, die immer wieder dort auf den Palisadenspitzen aufgespießt waren, deren verfilzte Haare im Wind wehten und die abschreckend wirken sollten. Die Tore wurden geöffnet. Ihr Blick fiel auf Angus, den Wachmann und sie nickte ihm schmunzelnd zu. Er wirkte recht gelangweilt auf seinem Wachposten da oben. Er war im Clan weitläufig als Schwerenöter und [18]Hurenbock[/18] bekannt. Sie wusste daher, was ihm vermutlich gerade durch den Kopf ging, als er so betreten da lehnte und sie deutete ihm eine obszöne Geste an. Angus grinste dreckig und hob die Hand zum Gruß. „He, Neeskia, Deine Anwesenheit im Clan wird dringend erwartet!“ rief er ihr zu und seine Blicke wanderten über die schöne Finna. Doch als er ihren dicken schwangeren Bauch sah, verzog er das Gesicht und wandte sich ab. Rahela verstand nur die Hälfte seiner Worte und zuckte ratlos die Schultern. Schnurstracks gingen sie durch den Clan, zu Benwicks Hallen.

Als sie die Halle betraten, stand im inneren Torbereich der schweigsame Walder. Sie nickte ihm zu, als sie ihn sah und er tat es ihr gleich. Sie hatte es sich schon abgewöhnt, ihn anzusprechen, er gab ohnehin nie eine Antwort, so dass sie sich ihm angepasst hatte und auch stumm und mit Gesten mit ihm kommunizierte, was ohnehin recht selten der Fall war. Sie liefen geradewegs nach vorne zum Podest, die beiden Stühle waren leer, doch an dem Tisch davor saß Benwick und trank einen großen Humpen Bier. Einige seiner Kinder liefen durch die Hallen, hatten sich unter Bärenfellen versteckt und flitzten damit kichernd und lachend herum, doch Benwicks Blick starrte ins Leere und er nahm seine Kinder, die er sonst immer lachend oder schmunzelnd beobachtete, nicht wahr. Als er Rahela kommen sah, sprang er auf. „Rahela! Den Göttern sei Dank, Du bist wieder da!“ Rahela beschlich allmählich ein ungutes Gefühl. Die Halle war ziemlich leer, was sonst nie der Fall war und es war, bis auf den Kinderlärm, still in den Hallen. Sie verneigte sich tief vor ihm. „Ruka tu Nemia Faernach…“ begann sie, doch Benwick war mit einem Satz zu ihr gesprungen und zog sie ungestüm am Arm wieder hoch. „Genug der Förmlichkeiten! Komm mit mir mit!“ Sie bedachte Finna mit einer Geste, die ausdrücken sollte, dass sie an Ort und Stelle warten sollte. Er zog sie in die hinteren Hallen, welche die Privatgemächer der Familie darstellten. „Was ist denn los?“ fragte Rahela, vor Neugier schier platzend.

Er zog sie zu dem Ehebett, in dem Asa lag und aussah als würde sie tief schlafen. Die Haut unter ihrer Lippe war stark verkrustet, beinahe sah sie aus, wie verbrannt und auf den Verkrustungen glänzte eine dicke Schicht Salbe. „Erwartet sie wieder ein Kind?“ fragte sie und warf einen Blick auf Gudrun, die Hebamme, die an ihrem Bett saß. „Leider nicht… nicht mehr…“ meinte die Hebamme. Rahela versuchte, eine betroffene Miene aufzusetzen. Mitleid für Asa hielt sich bei ihr in Grenzen, doch es tat ihr für Benwick leid. „Die Götter alleine wissen, was genau passiert ist.“ meinte Benwick als er die Decke zurückschlug und Asas verbundenen Unterleib entblößte. Er war schlecht verbunden und unter den Leinenbändern schimmerte ein dunkler, großer Fleck durch. „Was ist passiert?“ fragte Rahela und sie sah Benwick an. „Bhelor…“ meinte Benwick und sein Gesicht verzog sich schmerzerfüllt als er seine Frau so da liegen sah. „Die Blutfehde?“ fragte Rahela. „Die Hörige, die Arcanierin… die Halle war verriegelt, und als wir die Türe endlich aufbrachen, sahen wir sie nur mehr, wie sie Asa einen Dolch in den Bauch rammte und ‚Für Bhelor‘ schrie. Rahela blickte betroffen und verstehend gleichzeitig drein. „Deswegen baumelt sie am Apfelbaum vor den Palisaden…“ nickte sie. „Aber warum Asa?“ „Nicht nur Asa… zwei weitere Hörige sind tot, und Arn…“ „Arn ist tot?“ rief Rahela erschrocken und sie hatte das Gefühl als würde ihr schwarz vor Augen werden. „Nein, den Göttern sei es gedankt, er lebt, doch er wurde ähnlich schwer wie Asa verletzt…“ „Wo ist er? Kann ich zu ihm?“ fragte Rahela und sie fühlte, wie ihre Energie zurückkam. „ Er liegt im Nebenzimmer… doch erst kümmerst Du Dich um Asa.“ „Sie ist doch bereits versorgt?“ meinte Rahela ein wenig verlegen. Sie wollte Benwick auf keinen Fall brüskieren, doch nicht Asas Wohl lag ihr am Herzen und sie wollte zu Arn…Doch sie wusste, es hatte keinen Sinn, Asa war die Fürstin und Benwicks Frau. Natürlich musste sie sich zuerst um sie kümmern. „Was genau ist passiert?“ fragte Rahela. Sie wollte sich zuerst einen Überblick verschaffen, danach erst konnte sie handeln. Nun mischte sich die Hebamme ein. Sie räusperte sich und sagte „Also wie bereits erwähnt, hat die Rukaja einen Bauchstich erlitten… ich verstehe nicht viel davon, ich bin nur Hebamme, doch ihr Zustand hat sich seit dem sie in einen Tiefschlaf gefallen ist, nicht mehr verändert.“ Rahela nickte. „In ihren Mund solltest Du noch einen Blick werfen...“ Sie klappte Asas Kinn herunter und Rahela prallte schockiert zurück. „Bei den Alten, was ist geschehen? Ihre Mundhöhle… sie sieht aus wie verbrannt!“ „So scheint es. Wir waren wie gesagt nicht dabei, wir wissen nicht, was passierte, noch unter Folter hat die Arcanierin nicht gesprochen…“ Asas Zunge war zu einem formlosen Klumpen verschrumpelt, der Gaumen und die seitlichen Wangentaschen waren ebenso klumpig zerfurcht. Rahela hatte so eine Verletzung in abgeschwächter Form vor vielen Jahren schon einmal gesehen, bei einem Gaukler, der meinte, ungeübt und unwissend Feuerschlucken zu wollen. Doch das hier stellte es gründlich in den Schatten. Beinahe wirkte es auf Rahela als sei dies eine Götterstrafe für ihre böse und giftige Zunge, doch sie vermied es tunlichst, diesen Gedanken auszusprechen. „Oh Benwick, mein Charaid… ich weiß nicht, was ich da tun sollte… ich könnte ihr eine Salbe auftragen, doch es wird ihr nicht helfen…“ flüsterte sie und sah Benwick mitleidig an. Sie nahm ihren gesamten Mut zusammen und fuhr fort „Ich glaube nicht, dass sie je wieder sprechen kann… und sie wird nicht mehr essen können wie bisher…“ Du liebe Güte, diese Frau würde ihre Zunge nicht mehr benutzen können… wenn überhaupt würde sie damit höchstens lallen können, wie jemand, dem man seine Zunge herausgeschnitten hatte, und das wollte bestimmt niemand hören, es war wahrlich nicht schön… sie würde nicht mehr schmecken können, was vermutlich egal war, denn Essen würde sie auch nicht mehr können… höchstens Flüssigkeiten, dünne Breie, Fruchtsäfte, rohe verquirlte Eier… und nie wieder würde sie Benwick innig küssen können… das wäre für Rahela wohl die Bitterste dieser drei Einschränkungen gewesen… „Das einzige, was ich momentan für sie tun kann, ist mich ihrer Stichverletzung zu widmen… es tut mir so leid, Benwick…“ meinte sie, und legte ihm tröstend die Hand auf die Schulter. Er nickte und verließ den Raum. Rahela schnitt den Verband auf und legte die Wunde frei. Die Stichwunde war neben dem Venushügel. Im denkbar schlechtesten Fall war Gedärm verletzt. Wenn dieses sich entzündete, würde Asa daran sterben. Oder vielleicht waren die inneren Geschlechtsorgane verletzt, vielleicht einer der Eierstöcke… wer konnte das schon sagen… Asa und Benwick hatten schon acht Kinder, brauchten Sie wirklich noch mehr davon? Vermutlich nicht. Die Wunde sah gut aus, die Hebamme, so wenig sie davon verstand, hatte ihre Sache gut gemacht. Rahela säuberte die Wunde und beschloss es dabei zu belassen. Sie war schon stark verkrustet und Rahela fand es unnötig, diese noch zu verbinden. So würde sie besser abheilen, wenn Luft daran kam. „Sie hat auch ein Kind verloren, vermute ich… sie hat stark geblutet und sie blutet heute noch, was ein untrügliches Zeichen ist…“ meinte Gudrun zu Rahela. Sie nickte und stand auf. Mit Asa war sie fertig. Nun hielt sie nichts mehr bei dieser Schlange. Es war ihr egal ob sie ein Kind verloren hatte.

Sie ging in den Nebenraum, wo Arn auf einem einfachen Bett lag. Sein Atem ging flach aber unregelmäßig und er war in demselben schlafenden Zustand wie Asa. Sie schloss die Türe, um Gudruns neugierige Blicke fernzuhalten. „Oh Arn… was ist nur passiert?“ flüsterte sie fassungslos. Sie setzte sich an sein Bett und strich ihm sein Haar aus dem Gesicht. Sie schlug die Decke zurück. Er hatte einen ebenso schlampigen Verband um den Bauch gewickelt und Rahela runzelte die Augenbrauen. Sie sollte wirklich einmal Gudrun intensiv unterweisen. Außer Bälgern auf die Welt zu helfen konnte sie kaum etwas… Rahela schnitt den Verband auf um sich die Wunde anzusehen. Sie sah nicht so gut aus wie von Asa, die Wundränder waren gerötet und seine Haut fühlte sich heiß an und war von einem zarten Schweißfilm bedeckt… Er würde Besseres brauchen als Gudrun ihm vermutlich gegeben hatte, falls sie überhaupt etwas verabreicht hatte. Rahela stand auf und öffnete die Türe. „Was hat er bekommen?“ fragte sie Gudrun. „Ich habe ihm nichts gegeben… ich habe die Wunde nur verbunden… sein Zustand ist seit zwei Tagen so…“ „Närrin…“ fauchte sie. „Hol mir ein paar Hörige. Sie sollen ihn in mein Haus bringen, ich kann nicht mit all meinen Dingen hier her kommen, ich muss oft spontan entscheiden was ich verabreiche. Asa geht es den Umständen entsprechend gut, sie ist am Weg der Besserung. Wir müssen warten, bis sie wieder erwacht.“ Gudrun stand da und blickte sie an. „Na los, geh schon!“ scheuchte Rahela sie auf. Gudrun lief davon und kam einige Zeit später wieder mit den Hörigen. Rahela indes lief an Finna vorbei, die sich mittlerweile an den Tisch gesetzt hatte. Es lief denkbar dumm in diesem Moment. Eigentlich wollte sie Benwick erklären, wer Finna war und warum sie sie mitgebracht hatte, doch nun war das unwichtig geworden. „Geh zu Deinem Haus, zu Deiner Sippe, Finna und erklär Ihnen alles… ich komme die Tage vorbei und werde es dann auch nochmals tun…“ rief sie im Vorbeigehen und wirbelte aus Benwicks Hallen.

Sie lief zu ihrem Haus und bereitete alles vor, sie entzündete ein Feuer, setzte Wasser auf, schlug die Laken ihres Bettes zurück, suchte alle möglichen in Frage kommenden Essenzen und Kräuter auf und wartete, dass der Barde zu ihr gebracht wurde. Nach einer Weile brachten drei Hörige ihn und Rahela wies sie an, ihn auf das Bett zu legen. Danach verscheuchte sie diese wieder und wandte sich an ihn. Als das Wasser heiß war, wusch sie seine Wunde und bestrich sie mit einer starken Kräutersalbe. Doch was sollte sie gegen diesen Tiefschlaf nur unternehmen? Sie beschloss, es mit einem Blutzauber zu versuchen, etwas anderes fiel ihr ohnehin nicht ein. Sie seufzte. Sie hatte eigentlich keine Lust, ihren Körper schon wieder unter Drogen zu setzen, und wer sagte schon, dass der Zauber helfen würde? Sie verriegelte ihre Türe. Sie wollte nun auf keinen Fall mehr gestört werden. Es durfte ja auch niemand sehen. Sie holte dieses Mal nur zwei Tollkirschen heraus und aß diese. Dann holte sie ihren Ritualdolch aus ihrer Truhe und schnitt sich die linke Pulsader auf. Sie wählte mit Bedacht die Ader der linken Seite, war es doch jene, die zum Herzen führte… Während sich ihr Blick verschleierte und sie die Wirkung der Tollkirschen spürte, begann sie mit ihrem monotonen Singsang und murmelte die Beschwörungsformeln und die Gebete an die Götter und Ahnen, und all die Geistwesen und ließ das Blut, das aus ihren Adern sickerte, tropfenartig auf seinen entblößten Oberkörper niedergehen. Als Rahela mit ihrer Magie begann, leuchtete auf einmal das linke Augenlid des Raéyun, als ob sein gläsernes Auge wild aufleuchten würde. Sie hob neugierig das Augenlid etwas an und das rote Leuchten erhellte kurz den Raum. Doch war ihr Geist bereits zu benebelt um dies wirklich wahrzunehmen.„Ihr Götter, bringt ihn zu mir zurück…“ murmelte sie flehend, und dann schloss sich der Kreis und Rahela tauchte tief in die halluzinogene Welt in ihrem Geist hinab. Das Letzte, an das sie sich erinnerte, war, dass sie sich gegen das Bett lehnte und dann fiel sie in den tiefen nur allzu bekannten Zustand, in dem sie sich wilden und realen Träumen, Visionen und Abgründe ihrer Seele ergeben musste…
Zuletzt geändert von Rahela am Mo, 22. Okt 2012 13:57, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: das Spiel des Windes

Beitrag von Adraéyu » So, 21. Okt 2012 20:57

Bildunkelheit umgab Adraéyu. Finsternis und tiefste Schwärze. Lediglich ein schwaches, rotes Glimmen erhellte die fahle Düsternis, die ihn umgab. Sein leuchtendes, rotes Glasauge. Er sah keine Wände und auch keinen Boden. Er hing einfach im Nichts. »Wo bin ich hier?«, hallte seine Stimme durch die Finsternis. »Du bist in meinem Reich.«, zischte eine bedrohliche, schwarze Stimme. »Wer bist du?« hallte Adraéyus verklingende Stimme durch das Nichts. Doch erhielt er nur sein Echo als Antwort. Schweigen und Stille herrschte, und drückte Adraéyu aufs Gemüt. »Ich bin du.«, grollte die Stimme in der Finsternis nach einer halben Ewigkeit. »Ich bin du …«, widerholte Adraéyu die Worte geistesabwesend. »Nein. Du bist nicht wie ich. Ich bin Besser und Stärker. Du bist schwach! Du bist nur nutzloser Unrat.«, spie ihm die Stimme entgegen. Sie schien von überall und gleichzeitig von nirgendwo zu kommen. »Was wird hier gespielt?«, fragte Adraéyu, dem diese Szenerie unheimlich und unangenehm erschien. Er wollte dieser beklemmenden Finsternis und dieser boshaften Stimme entrinnen, doch wohin? Und wie? »Du liegst im Sterben. Weil du zu schwach bist.«, murrte die schwarze Stimme. »Ich hatte alles wunderbar im Griff. Alles war perfekt. Doch musstest du es unbedingt ruinieren!« Adraéyu verstand nicht, wovon diese, ihm gar auf unheimliche Weise bekannte und zugleich fremde, Stimme sprach. »Wovon sprichst du?« Doch die Stimme ging gar nicht darauf ein. Es schien Adraéyu beinahe, als ob sie mehr mit sich selbst reden würde, als mit ihm. »Du bist schwach. Und ein Narr … einfältiger Narr … Schwächling! Du musstest dir ja unbedingt ein Messer in den Bauch rammen lassen.« In der Stimme lag Hohn und Zorn. Und Adraéyu hielt sich bei diesen Worten unweigerlich den Bauch. Er fühlte eine warme Feuchte. Und als er sich die Hände vor sein Gesicht hielt waren sie blutrot besudelt. »Ich hätte alle bluten lassen. Sie wären vor mir auf die Knie gefallen und ich würde herrschen! Wie es uns gebührt! … Nein, wie es mir gebührt.« »Was bist du?«, fragte Adraéyu nochmals – flüsternd und unsicher - und verengte die Augen zu zwei Schlitzen, in der Hoffnung in der Finsternis etwas erkennen zu können. »Ein Raéyun.«, antwortete die Stimme gelangweilt. »Quäle mich nicht mit deinen dummen Fragen. Du weißt wer ich bin!«, zischte die Stimme daraufhin.

Adraéyu weitete für einen Moment seine Augen. »Du bist mein böser Geist. Die schwarze Seele.« Adraéyus Erkenntnis wurde von einem hallenden und gehässigen Lachen beantwortet, welches sich zu einem schrillen Kichern hinaufschraubte. »Und nun, da ich dich hier habe, werde ich dich nicht mehr gehen lassen.« Adraéyu trat unweigerlich einen Schritt vor dem Schatten zurück. »Du kannst nicht entkommen. Ich bin überall. Dies ist mein Reich!«, lachte die Stimme und ein kalter Schauer lief Adraéyu im wahrsten Sinne des Wortes den Nacken herunter. »Endlich.« Die Stimme hallte wider in dem endlosen Raum und schien aus allen Richtungen auf Adraéyu einzudringen. »Nun werde ich dich vernichten.« »Nein.«, stammelte Adraéyu und instinktiv griff er über seine Schulter nach seiner Laute. Doch er griff ins Leere. »Ha! Du Narr. Verstehst du es nicht?« Adraéyu war verwirrt. Sein Körper lag im Koma. Doch seinem Geist erschien es so wahrhaftig Real und unerbittlich Wirklich. Er war nicht wirklich an diesem finsteren Ort. Nur sein Geist. Und er war zusammen mit seiner anderen, dunklen, bösen Persönlichkeit eingesperrt. Dies war das erste Mal, dass er ihr so direkt konfrontiert und ausgesetzt war. Und in diesem Moment wünschte er sich, dass dies ihm erspart worden wäre. Sie würde sich seiner bemächtigen und ihn verdrängen, und auf immer seinen Körper übernehmen. Nichts Gutes würde von Adraéyus anderem Ich erhalten bleiben, und er würde seinem Zorn in der Welt freien Lauf lassen, bis er alle seine Feinde besiegt hat, oder selbst fallen würde.

»Ich liege im Sterben?«, hakte Adraéyu nach, als ihm endlich die volle Tragweite des bösen Geistes bewusst wurde. Wieder lachte der Geist gehässig. »Und wenn dein Körper am Scheideweg zwischen Tod und Leben steht, dann naht meine Stunde. Du wirst für immer hier eingesperrt sein, und ich werde frei sein.« Adraéyu schluckte, ob dieser Worte, hart. »Und du wirst langsam vergehen und sterben. Niemand wird sich deiner erinnern. Niemand …« Adraéyu fühlte einen kalten Stich im Herzen, welcher ihn frösteln ließ.

Was konnte er nur machen? Wie konnte er diesem Schicksal entgehen? Doch er schloss niedergeschlagen die Augen. Es hatte Recht. Es gab kein Entrinnen. Dies war sein Reich. Denn Adraéyus Geist war stets frei. Und diese schwarze Seele hier, stets gefangen. Nur in Adraéyus schwachen Momenten hatte sie kurz den Wind der Freiheit auf dem Gesicht fühlen dürfen, nur um kurz darauf wieder in seinem dunklen Verließ eingesperrt zu werden.

Er musste verhindern, dass dies geschehen würde. Nicht nur um seiner Selbst willen, auch um Rahelas Willen, und Benwick und Walder und ja, selbst Asa. »Nein!«, brüllte Adraéyu, doch sein Schrei verhallte im Nichts. »Du besitzt hier keine Macht.«, lachte sein dunkler Feind. »Und bin ich erst frei, wird die Welt erfahren, welch' wahre Macht in dir ruhte. Macht die du zu unfähig oder unwissend, oder gar skrupellos warst, um sie zu gebrauchen.«

Da war ein Schatten. Oder eine Präsenz. Adraéyu streckte die Hand danach aus und griff ins Leere. Er war überall und nirgendwo. »Du warst ein Narr, als du Forél vertraut hattest. Und du warst ein Narr, als du Fenris vertraut hattest!«, zischte der schwarze Geist. »Nur ein Narr gibt Macht auf. Und nur ein noch viel größerer Narr lässt sie sich rauben! Und du hast beides zugelassen!« Adraéyu fühlte wie ihm förmlich ein stechender Finger auf die Brust gesetzt wurde, und dennoch konnte er nichts erkennen. »Du hast dich von der Schamanin wie einen Narren vorführen lassen. Wieder und wieder. Sie hat dich nur benutzt!«, fuhr der Geist fort, doch Adraéyu begehrte dagegen auf. »Nein!«, schrie er. Doch sein zweites Ich ignorierte ihn. »Sie wollte nur ihre Lust an dir stillen. Und nun, da sie dich hatte, wird sie merken, wie langweilig und schwach du bist.« Diese Worte schmerzten Adraéyu im Herzen. Er wusste nicht, ob es an den Worten an sich lag, oder dem Gewicht, welches sie bargen. Was wenn sie wahr waren? Wenn sein dunkles Ich Recht behalten würde?

»Auch Asa hat dich benutzt. Und sie wollte dir schaden.« ›Asa‹, schoss es Adraéyu durch den Kopf. Irgend etwas stimmte nicht. »Niemand benutzt mich.«, zischte die schwarze Stimme. Eine Stimme, die Adraéyus Stimme war, nur boshafter, verdorbener, verbitterter, verlorener und tiefer, als die Seine. »Was hast du getan?«, fragte Adraéyu doch sein Gegenüber schwieg. Adraéyu wartete, doch nichts passierte. Nach einer Weile wandte er sich um, doch egal wohin er auch blickte, umfing ihn dunkelste Schwärze. Doch plötzlich brach ein Stern aus dem schwarzen Tuch, welches Adraéyu umhüllte. Er war winzig und leuchtete schwach. »Arn?«, drang eine liebliche Stimme daraus hervor. »Arn, wo bist du?« Adraéyu erkannte die Stimme, als Rahelas Stimme. Er wollte »Hier« rufen, doch fühlte er sich, als ob ihm Rauch und Schatten den Mund füllten, wie heiße Asche aus einem brennenden Berg. Er würgte und hustete. »Sie kann dich nicht retten. Und sie wird untergehen, wie Asa, und auch wie du!«, fauchte die schwarze Seele und drückte ihm unerbittlich auf die Brust. Adraéyu wurde langsam schwarz vor Augen. Doch der Stern kam immer näher, und näher und wurde größer und heller. Bis Adraéyus schwarze Seele vom Licht zurückweichen musste. »Arn! So antworte doch.« »Hier …«, hustete Adraéyu. Doch sie hatte es gehört. Wie ein Magnet, wurde er mit einem Mal zu dem leuchtenden Stern gezogen, und ein verhallender Schrei begleitete ihn. »Nein!«, schrie die schwarze Seele, und versuchte ihn zu packen. Doch Rahelas Stern war stärker. »Ich werde mich deiner Worte erinnern.«, flüsterte Adraéyu. »Ich werde dich vernichten!«, rief er der schwarzen Seele zu, doch wurde er mit einem Mal in weißes Licht getaucht, bevor alles um ihn herum sich begann zu drehen und er panisch die Augen aufriss.

»Verdammt!«, schrie Adraéyu und richtete sich in seinem Bett auf. Doch er wurde sogleich von einem unangenehmen Stich in der Magengrube zurück in die Felle und Laken geworfen. Schweißgebadet und mit rasendem Herzen tastete er sich an den Rand des Bettes und blickte über den Rand hinweg. Und da lag Rahela am Boden. Sie röchelte und zuckte mit ihren Armen und Beinen. Weißer Schaum lief ihr aus dem Mund, und in ihren Augen staute sich ein wenig Blut. »Rahela!«, entkam es Adraéyu und er warf sich aus dem Bett, nur um erneut von einem brennenden Stich bestraft zu werden. Sogleich wurde es warm an seinem Bauch und als er an sich herunter sah, da färbte sich sein Verband sehr schnell rot, doch er rutschte auf dem Boden zu Rahela. »Rahela!«, rief er erneut, doch sie reagierte nicht. »Neeskia!« Ein wenig Verzweiflung mischte sich in seine Stimme. Er schüttelte sie und gab ihr eine halbwegs kräftige Ohrfeige. Doch nichts half. Ihr Gesicht lief bereits rot an, und sie würgte. Adraéyu wusste nicht wie er ihr helfen sollte, doch er erinnerte sich an jenes Ritual, als sie die Ahnen angerufen hatten. Sie hatte Tollkirschen gegessen, um sich in Trance zu versetzen. Womöglich hatte sie es auch dieses Mal so gemacht. Er packte ihr Kinn und zerrte ihre Kiefer auseinander. Es war sehr schwer, denn sie verkrampfte sich und der Schaum lief ihr quellend aus dem Mund. Er zog sich den Silberring vom Finger und klemmte ihn ihr zwischen die Zähne, damit sie ihm nicht die Finger abbeißen konnte und fuhr ihr sogleich mit seinen Fingern so tief in die Kehle wie er konnte. Sie würgte und kurz darauf gebärdete sie sich aufbäumend. Erschrocken zog Adraéyu seine Hand aus ihr zurück, doch den Ring bekam er nicht mehr zu Fassen. Sie erbrach sich auf dem Boden, förderte die zerkauten Tollkirschen zu Tage und Tränen liefen ihr aus den geschwollenen Augen. Adraéyu seufzte erleichtert auf. Doch kurz darauf übermannte ihn der Schmerz. Seine Wunde hatte noch nicht aufgehört zu bluten, und sein Blut tränkte bereits sein Gewand, das er trug, sowie die Holzdielen des Bodens auf dem er lag.

Benommen und verwirrt tauchte er ins Reich der Träume und faselte vor sich hin. »Asa«, murmelte er und »Rahela« und »Ich habe ihr Blut an meinen Händen.«, murmelte er, und seine Zunge wurde immer schwerer und seine Stimme immer schwächer.
In den Weiden werden uns're Träume klingen,
und die Winde werden uns're Lieder singen.
Lasst uns mit den Funken übers Feuer springen,

in der Walpurgis Nacht.

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Re: das Spiel des Windes

Beitrag von Rahela » Mo, 22. Okt 2012 11:44

Verwirrt richtete sich Rahela um und blickte um sich, während sie versuchte, die Situation zu erfassen, sie hatte wieder diese schrecklichen Träume und Visionen gehabt, von denen sie nie wusste, welche real waren und welche sich nur in ihrem Kopf abspielten. Sie war am Boden gelegen, hatte um Atem gerungen, hatte gespürt wie ihr jemand hart ins Gesicht geschlagen hatte, sie hatte etwas in ihrem Mund gespürt und schließlich musste sie sich heftig erbrechen und war nun wieder hellwach gewesen. Ihre Augen blieben an Arn haften, der am Boden lag. War er aus dem Bett gefallen? Neben ihm hatte sich eine kleine dunkelrote Blutlache gebildet die aus dem Verband gesickert war und die Eichendielen verfärbte. Er murmelte zusammenhanglose Wörter. Er nannte Asas Namen, dann hörte sie, wie er Rahelas Namen murmelte und dann sagte mit schwacher Stimme „Ich habe ihr Blut an meinen Händen…“ dann schloss er die Augen. Besorgt betrachtete sie das Blut, das aus seiner Wunde gesickert war. Sie musste eine andere Salbe versuchen… Ein wenig benommen rappelte sie sich auf. Sie spürte die Wirkung der Tollkirschen noch stark, doch bei den Alten, sie musste sich zusammenreißen! Sie räusperte sich stark da ich Mund so trocken war, doch sie vermied es, jetzt etwas zu trinken. Sie ging zu ihren Kräuter und suchte einige Kräuter heraus… Blutwurz und Eichenrinde… Sie nahm je einen kleinen Holzlöffel davon, gab es in den Mörser, verrieb es zu ganz feinem Pulver, kleckste einen kleinen Löffel Schmalz dazu und als alles eine glatte Paste war, schmierte sie es auf ein Stück Leinen, holte aus einer Lade ein Stück hauchfeinen Batist, durchdringend genug, dass die heilenden Wirkstoffe in die Wunde übergingen, fein genug, um die Wunde damit nicht zu belasten… Mühsam und vorsichtig zog sie ihn auf das Bett zurück und schnitt ihm den Verband vom Leib. Sie reinigte vorsichtig die Wunde und legte den Salbenverband darauf. „Alles wird wieder gut…“ flüsterte sie ihm zu, doch war es mehr eine flehende Bitte zu den Göttern, denn eine Feststellung oder ein Versprechen. Sie fasste sich an den Kopf… sie war so müde… so erschöpft… so übel… sie musste schlafen… warten bis die Wirkung der Drogen vergangen war… Sie lehnte sich gegen das Bett, legte den Kopf auf die Felle die als Matratzen dienten und schlummerte bald dahin…

Als Rahela wieder erwachte, war es Morgen. Die Luft in dem Haus war schwer und abgestanden und es roch ekelhaft. Sie stand auf und öffnete zunächst das Fenster. Begierig sog sie die frische Luft ein, die in den Raum strömte. Sie öffnete noch die Türe, damit es anständig durchzog. Als das Licht durch die Türe fiel, sah sie erst das Chaos und die Sauerei, die vergangene Nacht entstanden war und ihr blieb der Mund offen stehen. „Bei den Alten… nie wieder Tollkirschen…“ murmelte sie. Sie hatte es in letzter Zeit damit gehörig übertrieben, sie würde sich auf Dauer damit schaden, wenn sie nicht damit aufhörte. Sie griff nach einem Eimer, er neben der Türe stand, lief zum Dorfbrunnen und schöpfte Wasser hinein. Sie trug ihn zurück zu ihrem Haus und stellte den Eimer auf die Eichendielen. Ein wenig fassungslos starrte sie auf das Erbrochene. Als sie die Tollkirschenstücke dazwischen entdeckte, war sie zwar immer noch angewidert, doch es war ihr Erbrochenes, davor ekelte sie sich nicht gar so sehr. Dazwischen fingerte sie einen Ring heraus. Es war Arns Ring. Irritiert betrachtete sie ihn. Wie um alles in der Welt kam er dahin? Waren das doch keine Träume gewesen? Nun setzte sich alles bruchstückhaft zu einem kleinen erkennbaren Bild zusammen… Sie hatte wohl zu heftig auf die Tollkirschen reagiert und davon starke Vergiftungserscheinungen bekommen. Noch immer fühlte sich ihre Haut heiß an. Er war nicht aus dem Bett gefallen, er war zu ihr gekrochen, und das obwohl er heftige Schmerzen haben musste. Er war es gewesen, der ihr ins Gesicht geschlagen hatte, er musste versucht haben, sie wieder zurückzuholen… es war seine Hand gewesen, seine Finger, die sie in ihrer Kehle gespürt hatte, bevor sie sich erbrochen hatte. Er hatte ihr Leben gerettet! Bei diesem überraschenden Gedanken musste sie wieder an den schwarzgefiederten Pfeil denken, der Götterpfeil, den er mitgenommen und von dem er behauptet hatte, es wäre seiner. Sie hatte ihn immer noch nicht darauf angesprochen, doch wenn er wirklich sein Pfeil gewesen war, so war dies bereits das zweite Mal, dass er ihr Leben gerettet hatte. Liebevoll drehte sie seinen Ring zwischen den Fingern und legte ihn auf den Tisch, sie würde ihn später säubern, erst wollte sie diese Sauerei hier beseitigen. Sie schaufelte das Erbrochene mit einer Schaufel zusammen, überlegte kurz und lief damit hinter ihr Haus und warf es ins Gras. Beim nächsten Regen würde es wieder weggespült, dachte sie unbekümmert. Sie entzündete ein Feuer in der Feuerstelle und setzte Wasser im Kessel auf. Danach begann sie den Boden mit einer Bürste zu bearbeiten, doch das Blut war eingetrocknet und hatte sich in die Ritzen festgesetzt. Es ließ sich kaum mehr entfernen, doch wenigstens das Erbrochene ließ sich rückstandlos entfernen. Als sie damit fertig war, schloss sie die Türe wieder. Sie legte in ihre Räucherschale ein Stück Kohle aus der Feuerstelle und streute ein wenig Harz darauf, um die Räume zu reinigen. Zischend und harzig-holzig duftend vergloste es langsam. Rahela brühte sich einen Tee auf und setzte sich an den Tisch. Dabei ließ sie Arn, der noch tief schlief, nicht aus den Augen. Thargôn war inzwischen auch erwacht und krächzte. Rahela holte ihm ein schönes Stück Schinken aus der Vorratskammer. Er verzog sich damit auf den Dachbalken und begann sich aus der Scheibe Stücke zu zupfen. Dann wanderten ihre Gedanken wieder zu Arn. Er hatte gestern gesagt, er hätte Asas Blut an seinen Händen. Was meinte er nur damit? Benwick hatte gesagt, es wäre die Hörige gewesen, die alle niedergemetzelt hatte. Für Bhelor… und dennoch stimmte an der Geschichte etwas nicht. Wieso sollte diese für Bhelor gewesen sein? Sie war eine Hörige, die erst kürzlich an Benwicks Hof gekommen war, sie stammte aus dem Sklavenhandel der fahrenden Händler und Benwick höchstpersönlich hatte sie ausgewählt für Asa und gekauft. Die Hörige kannte Bhelor überhaupt nicht! Irgendjemand in Benwicks Hallen musste ein Verräter sein und sie gefügig gemacht haben, dass sie diese schändlichen Taten ausgeführt hatte. Oh, wäre sie doch nie in das verdammte Hochmoor gegangen… Nachdenklich trank sie einen Schluck von ihrem Kräutertee. Eins wusste sie… es würde wieder Krieg geben, Benwick würde gegen Bhelors Sippe ziehen. Asa war schwer verwundet und wie es momentan schien, war dies Bhelor zuzuschreiben. Arn bewegte sich. Rahela sprang auf und ging zu ihrem Bett. Sie setzte sich an den Rand und nahm seine Hand. „He, Zaubersänger…“ sagte sie leise zu ihm, als er die Augen aufschlug. „He, Hexe…“ murmelte er matt und versuchte, seinen Mund zu einem Grinsen zu verziehen, was ihm nur schwer gelang. „Hexe, Hexe…“ schnarrte Thargôn vom Dachbalken herunter. Dann flatterte er herunter und setzte sich auf den Bettpfosten. „Arn…“ krächzte er, legte seinen Kopf schief und beobachtete ihn aus seinen klugen, dunklen Knopfaugen. Rahela verscheuchte ihn. „Verschwinde… lass Arn in Ruhe…“ Sie stand auf und ging zur Türe und öffnete sie. „Flieg ein wenig durch die Gegend…“ forderte sie ihn auf. Er kam ihrer Aufforderung nach und flog sogleich aus der Türe. Rahela warf die Türe wieder zu und setzte sich wieder zu Arn. „Lass mich mal sehen…“ murmelte sie, schlug die Decke zurück und lüftete den Salbenumschlag. Sie nickte zufrieden. „Sieht schon viel besser aus… Sie nahm den Umschlag von der Wunde um ein wenig Luft daran zu lassen. Dann sah sie ihn an „Was ist nur passiert? Ich grüble die ganze Zeit, doch ich kann mir nicht erklären, was in Benwicks Hallen passiert ist… es passt einfach nichts zusammen… Erinnerst Du Dich an gar nichts..?“ fragte Rahela ihn ein wenig verzagt. „ Nur an Schatten und Schemen…“ „Und...?“ bohrte sie ungeduldig nach. „Ich glaube, ich habe Asa verletzt…“ Rahela bedachte ihn mit einem seltsamen Blick „Was redest Du da? Alle haben es gesehen, dass es die hörige Arcanierin war… als sie auf Asa eingestochen hat, lagst auch Du bereits am Boden, so sagen die Männer…“ Sie legte ihm die Hand auf die Stirn. Fantasierte er? Er hatte kein Fieber mehr, seine Stirn war kühl… aber es konnte sicher nicht schaden, wenn er erst einmal etwas trank. Sie reichte ihm einen Becher Wasser. „Hier trink…“ Er nahm den Becher und trank. „Du hast mir das Leben gerettet, Arn… ich danke Dir…“ meinte sie leise und starrte dabei auf seinen Umschlag. „Und nicht zum ersten Mal… wenn es wirklich Dein Pfeil war, der Ciran getroffen hat… ich habe es nicht vergessen, ich habe es nur immer versäumt, Dich danach zu fragen… Es ist zwar schade, dass es doch kein Götterpfeil war, aber dass er von Dir war ist fast genauso gut…“ grinste sie.

„Es wäre mir am liebsten, wenn Du vorläufig hier bleibst…“ meinte Rahela zu ihm. „Ich kann Dich ja schwer in Dein Haus zurückschicken, solange Du so beisammen bist…“ Sie musterte ihn. Sie hatte ihm am Vorabend sein blutbesudeltes Gewand ausgezogen und es schwamm bereits in Seifenlauge. Sein Oberkörper war vom Blutritual noch ziemlich blutverschmiert, und auch sein eigenes klebte an ihm und war ihm bis unter und auf die Bundhose gelaufen. Der metallische Blutgeruch hatte sich mit dem Schweißgeruch vermischt und Arn roch ein wenig streng. Rahela stand auf, goss heißes Wasser in eine Schüssel und holte dazu ein Stück Seife und einige frische Leinentücher. Dann hockte sie sich vor ihn ans Bett und strich ihm vorsichtig eine verirrte Strähne aus dem Gesicht. „Ich habe keinen Badezuber… doch baden darfst Du ohnehin noch nicht… aber möchtest Du Dich ein wenig waschen? Soll ich Dir helfen? “ fragte sie ihn ein wenig unsicher. „Hast Du Hunger?“ Sie hatte noch ein wenig Zeit, bevor sie am Vormittag Finna aufsuchen würde, die Arme war sicher nicht wenig verstört von diesem seltsamen Empfang… Und es würde sich auch nicht vermeiden lassen, dass sie erneut Asa aufsuchen musste. Bislang hatte sie noch keine Kunde darüber erhalten, dass sie erwacht war, was Rahela sehr Recht war.

„Ich habe aus dem Geldren-Clan eine junge Frau mitgebracht…“ erzählte sie Arn nebenbei, während sie in die Speisekammer lief und einige Dinge herausholte. „Ein junges und sehr hübsches Ding, sehr nett…“ Rahela ließ dabei ihre Vermutung aus, dass Arn und Finna sich bereits kennen müssten. „ Ich habe bei ihr vielversprechende Fähigkeiten erkannt… ich wird sie zunächst in der Kräuterkunde ausbilden… und wenn sie fähig ist und sich als würdig erweist, werde ich sie zu einer Schamanin ausbilden… die wilden Lande brauchen mehr Schamanen… Sie ist übrigens hochschwanger… ich vermute, sie wird ihr Kind in den nächsten Tagen bekommen… genau weiß man es nie, aber sie ist schon über der Zeit… ihr Mann ist gestorben…“ Sie brachte ihm einen Teller auf den sie einige Dinge gehäuft hatte, ein Stück Käse von Asima war noch da, ein Stück geräucherter Speck, Brot, ein wenig Butter, dazu ein wenig salzig eingelegtes Gemüse und Apfelkompott. Sie immer froh, wenn sie Besuch hatte, den sie ein wenig bewirten konnte. Meistens hatte sie zu viel in ihrer Speisekammer, wesentlich mehr als Rahela vertilgen konnte, und so hielt sie sich meistens an die verderblichen Dinge, weswegen sie meist Brot und Schinken und dergleichen aß. Sie kochte auch meist nicht für sich alleine, es machte mehr Arbeit und Mühe, als es die Sache wert war…

Rahela beobachtete Arn, während er aß. Sie selbst verspürte noch Übelkeit von den Tollkirschen, daher ließ sie das Essen aus. Dann stand sie auf und packte ihre Tasche für den Besuch bei Asa. Am liebsten hätte sie gleich den Ritualdolch eingepackt. Eine Fürstin, die nicht mehr imstande war, edel und erhaben zu sprechen, konnte man genauso gut gleich… Sie führte den Gedanken nicht wieter aus… „Ich fürchte, ich habe den Tod ihres Mannes ein wenig verschuldet…“ grinste sie. „Egal, er war ein Drecksack. Er hat sie durch den Raum gestoßen, und ich habe ihm auf einen Punkt in den Nacken gedrückt… weißt Du, es gibt bestimmte Punkt am Körper, wenn man auf diese drückt, dann versagen bestimmte Funktionen, meist verlieren die Menschen das Bewusstsein oder die Muskulatur erschlafft. Es gibt aber auch solche mit denen man einen Menschen töten kann, wenn man weiß wie… er ist dann zusammengesackt, ganz gewollt von mir, doch er ist dabei an die Tischkante gefallen, und ist nicht mehr aufgewacht…“ kicherte sie ein wenig verlegen. Arn sah sie mit einem Blick an, den sie nicht deuten konnte. Sie scheute, ihm in die Augen zu sehen und widmete sich wieder den Essenzen. „Sieh mich nicht so an, es war doch nicht mit Absicht… er war ein Drecksack und ein Idiot… niemand braucht seine hochschwangere Frau durchs Haus stoßen, nur weil das Essen nicht am Tisch steht. Außerdem hatte er eine schwere Krankheit, Schüttelkrämpfe… ganz übel… das Kind wird nicht davon betroffen sein, ihr Glück, denn es ist nicht von ihm…“ meinte sie und warf ihm dabei einen vielsagenden Blick zu und sie musste wieder mit einem unguten Gefühl daran denken, was Arn und der Erilar mit Finna nur zu schaffen hatten… sie war schon jetzt gespannt auf ihre erste Begegnung, im Beisein von Arn. Es würde sich zeigen, ob Jodis‘ und Finnas Geschichten sich deckten. Sie betete zu den Göttern, dass alles ein Missverständnis war, dass Jodis‘ Zunge nur Gift und Galle und Unwahrheiten erzählt hatte… dass sich alles in Wohlgefallen auflösen würde. Rahela selbst wollte niemals Kinder haben, und auch jetzt nicht, niemals… doch wenn Arn der Vater von Finnas Kind war, dann wüsste sie nicht, ob sie ihm noch in die Augen schauen konnte… Sie hatte eigentlich keine Lust, jetzt zu gehen, doch sie musste… je eher sie diesen Besuch hinter sich brachte, desto besser. „Ich muss leider gehen… Ruh Dich aus, und steh ja nicht auf wenn es sich vermeiden lässt… und lass niemanden herein…“ zwinkerte sie ihm zu. Dann erhob sie sich und verließ ihr Haus…
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Re: das Spiel des Windes

Beitrag von Adraéyu » Mo, 22. Okt 2012 14:19

Bildohle Schwärze umfing Adraéyus Geist. Er sank hinab in dunkle Träume. Doch Rahela hatte ihn gerettet. Sie hatte seinen Geist aus dem schwarzen Gefängnis in ihm befreit, bevor die schwarze Seele seinen Platz hatte einnehmen können. Dieses Erlebnis ruhte noch tief in den Knochen und Eingeweiden Adraéyus. Er war sich zum ersten Mal überhaupt seinem dunklen Ich bewusst geworden. Er hatte schon lange gewusst, dass etwas düsteres Schwarzes und bedrohliches Dunkles in ihm lauerte, das stets darauf wartete sich Adraéyus Körper zu bemächtigen. Doch war er diesem Unheil nie direkt konfrontiert gewesen. Er ahnte, dass sein schwarzer Geist dunkle Taten vollbrachte, wenn er seinen Körper lenkte, doch hatte er nur schemenhafte Erinnerungen und verschleierte Bilder davon in seinem Geist bewahrt. Was tat dieser schattenhafte Adraéyu in ihm? Was tat er mit seinem Körper, wenn er sich seiner bemächtigt hatte? Aus vergangenen Tagen wusste Adraéyu, dass er zu wahrhaft düsteren Greul fähig war. Seine Träume wandelten sich. Vor ihm erschien das Antlitz Foréls. Sein Zorn wuchs und sein dunkles Ich frohlockte, als der Hass in Adraéyu anschwoll. Zeigte er ihm diese Bilder? Oder warum gedachte er ausgerechnet Foréls? Als Adraéyu sein Auge verloren hatte, da hatte sich sein Geist für lange Zeit in sich zurück gezogen. Adraéyu hatte bis heute nur schemenhafte und verschwommene Erinnerung an jene Tage. Wie lange war er damals weg gewesen? Tage? Wochen? Jahre? Adraéyu erinnerte sich nicht mehr. Für ihn hatte es sich stets angefühlt, als ob es nur wenige Stunden gewesen waren, als ob er geschlafen hätte. Und doch. Etwas in ihm wusste, dass da mehr gewesen war. Nun hatte er einen kleinen Einblick in sein tiefstes Ich erhalten. Eine zweifelhafte Erkenntnis über sein wahres Ich. Und er fürchtete sich vor sich selbst. Als er damals die Erkenntnis hatte wie Forél sich seiner Gabe bedient, und sein Geist den Weg zurück ans Licht gefunden hatte, da war ihm, als hätte er für einen Moment gewusst, was er getan hatte. Doch hatte er es schnell wieder vergessen. Die weiße Elfe, die das Element Luft beherrscht hatte und deren Namen er nach all den Jahren noch immer nicht wusste - oder hatte sie ihn ihm genannt und er konnte sich nur nicht mehr erinnern? Sie hatte ihm geraten die Stadt, nein sogar das Land zu verlassen. Sie hatte es getan. Ob er sie wohl jemals wieder sehen würde? Sie hatte gesagt, er würde am Galgen baumeln, wenn er Merridia nicht verlassen würde, oder es je wagen sollte, wieder einen Fuß in die Stadt zu setzen. Doch es war schon so lange her.

Die Bilder wandelten sich. Vor Adraéyu erschien eine junge Frau mit roten Haaren. Sie hatte ihm den Rücken zugewandt und war unbekleidet. »Asa?«, flüsterte sein Geist und er streckte die Hand nach ihr aus und legte diese ihr auf die Schulter. Doch als sie sich umwandte, da erkannte er dass es nicht Asa war, die vor ihm stand. »Maéve'ja«, entfuhr es Adraéyu erschrocken. Er hatte diese Frau schon lange Zeit verdrängt. Ihre goldenen Augen sahen ihn anklagend an, und ihre roten Haare umspielten ihr mattes und helles Gesicht, wie ein brennender Rahmen. Ihre Augen loderten und flirrten, wie geschmolzenes Gold und ihre Haare wehten leicht im Wind, als ob die einzelnen Strähnen in Flammen stehen würden. Sie hatte den Mund geschlossen und starrte ihn lediglich an. Ihr Atem hob und senkte sanft ihre Brust und sie schlug die Augen nieder und öffnete diese sehr lange nicht. Adraéyu wollte sie schon berühren um zu sehen ob sie nicht nur ein Trugbild war, doch schließlich riss sie plötzlich die Lider auf und starrte ihn mit leicht geweiteten Augen an. Ihre goldenen Iriden hatten sich kupferrot verfärbt, und das Weiß war völlig aus ihren Augen gewichen, als ob sich ihre Augäpfel mit Blut gefüllt hatten. Dicke, rote Tränen liefen ihr die Wangen hinab und färbten die weiße, makellose Haut mit ihrem Rinnsal als ob schimmernde Linien in ihre Haut gestochen worden waren. Schließlich erreichten die dicken Tränen ihr Kinn, liefen bis zur Spitze und trafen dort, sich vereinend, zusammen, bevor sie gemeinsam als Eine ihren tiefen, heillosen Sturz zu Boden antraten. Wie, als ob die Zeit quälend verlangsamt wurde, fiel der Tropfen, bis er schließlich in alle Richtungen auseinander stob, als er auf dem Boden traf.

»Du hast mich verraten, Alassar.« Sie streckte ihre Hand nach ihm aus und richtete ihren Finger auf seine Brust. Adraéyu wich instinktiv vor ihr zurück. Warum erschien ihm ausgerechnet Maéve'ja? Ihm war, als ob er ein tiefes, grollendes Lachen vernahm, welches tief in ihm widerhallte. »Du hast mich verlassen!«, klagte Maéve'ja Adraéyu an. »Wo warst du, als ich dich gebraucht habe?« Adraéyu schloss die Augen. »Ich musste gehen.«, flüsterte Adraéyu. So viele Jahre hatte er nicht an sie gedacht. Sein Puls beschleunigte sich unmerklich und sein Hals trocknete etwas aus, so dass ihm das Schlucken schwerer fiel. »Ich habe auf dich gewartet. Und du bist nicht gekommen.« »Warum zeigst du mir diese Bilder?«, zischte Adraéyu seinem schwarzen, bösen Ich zu, welches in seinem finsteren Kerker lachte. »Du bist schwach.«, war die einzige Antwort, die er erhielt. »Wen kümmert die kleine Drachenerbin, Raéyun!« »Mich …«, seufzte Adraéyu und richtete seinen Blick wieder auf Maéve'ja. Ihre goldenen Iriden wirbelten in ihren von Blut unterlaufenen Augen und mit einem Mal lief das geschmolzene Gold aus ihren Augäpfeln heraus. Wie nach einem Paukenschlag fühlte sich Adraéyu an jenen schicksalshaften Tag erinnert, als ihm sein linkes Auge genommen wurde. »Was ist mit ihr geschehen?«, fragte er erschrocken nach. »Was denkst du?«, höhnte die schwarze Stimme in ihm. »Sie wurde auf den Schafott geführt und brannte, wie es einem Drachenerben gebührt.« Die dunkle Stimme lachte hasserfüllt. »Und deine Seele wird auch brennen! Sie wird brennen, und ich werde das Feuer verzehren!« Die Worte hallten durch Adraéyus Geist und quälten ihn. »Nein.« Das war alles was Adraéyu dazu entkam. Doch er schüttelte die Worte seines finsteren Ichs beiseite. Woher wollte er schon wissen, was mit ihr geschehen war? Er war doch nicht dabei gewesen. Und er war an seinen Körper gebunden. Er konnte nicht wissen was mit Maéve'ja geschehen war. »Bist du dir da absolut sicher?«, hakte die schwarze Stimme bohrend und nach. »Du kannst dich doch an gar nichts mehr erinnern, du schwächlicher Narr.« Adraéyu hielt sich die Ohren zu. Er war ein Lügner und ein Wahrheitsverdreher. Er wollte ihn nur quälen.

Ihre Augen waren geschmolzen. All das Licht war aus ihren Augen gelaufen, wie einst bei dem Seinen. Schließlich ging Maéve'ja gänzlich in Flammen auf und durch den Rauch trat, mit roten, glühenden Augen Forél aus den Schatten. »Du Bastard.« Sofort ging Adraéyu auf den verhassten Elfen los und wollte seine Hände um seinen Hals legen. Doch Forél ging einfach in Flammen auf und lachte höhnend. »Du bist schwach, Raéyun.« Foréls Stimme brannte in Adraéyus Ohren und er wich von den Flammen zurück. Doch es war nicht Foréls Stimme gewesen, welche da aus den Flammen getönt hatte. Es war seine eigene, verzerrte, wie brennende Stimme gewesen. Doch als Forél die Flammen löschte, trat er einen überraschenden Schritt nach vorne und ließ seine Hand hervorschnelle, wie eine zustoßende Schlange. Seine Finger bohrten sich in seinen Schädel und rissen ihm das gläserne Auge aus der Augenhöhle. Der Schmerz, welchen Adraéyu erlitt war unbarmherzig und qualvoll. »Aaah!«, schrie Adraéyu und hielt sich das verletzte Auge, welches inzwischen in den dünnen Fingern Foréls freudig aufzulodern schien. »Besinne dich Adraéyu! Dies ist nur ein Traum!«, ertönte mit einem Mal Fenris' Stimme und bewahrte Adraéyus Verstand vor dem Wahnsinn. Er schloss die Augen und atmete tief durch. »Du hast die Macht. Es ist dein Traum!« Und als Adraéyu die Augen wieder öffnete, hatte Forél das Auge nicht mehr in der Hand. Es befand sich wieder in seiner Augenhöhle und Forél stand einfach nur da, sah ihn finster an und schließlich erhob auch er, wie Maéve'ja zuvor seine Hand und richtete seinen Zeigefinger auf ihn. »Mörder.«, dröhnte seine elfische Stimme in Adraéyus Ohren. »Frauengreifer!«, spöttelte er. »Niemals«, begehrte Adraéyu auf. »Wie würdest du es denn nennen, Frauen mit raéyun'scher Hexenmusik zu betören?« Diese Worte trafen Adraéyu wie ein Schlag ins Gesicht und er ballte die Fäuste vor brodelndem Zorn.

Foréls Worte waren wie Gift. Er war der Mörder. Doch Adraéyu belog sich doch nur selbst. Auch er hatte tiefe Narben auf dem Kerbholz. Bilder von toten, gehäuteten und kopfüber gehängten Menschen schossen ihm durch den Kopf. Ersäufte Säuglinge und erdolchte Mütter. Schließlich war es Adraéyu zu viel. Er ließ beide Fäuste in das Gesicht des Elfen schnellen. Immer wieder und wieder, und bald verschwand der Elf und auch die Bilder. »Ich werde dich finden. Und dann werde ich dich töten.«, knurrte Adraéyu wütend. Doch die schwarze Stimme in ihm lachte nur verächtlich. »Du? Etwa mit deiner Musik? Du bist schwach! Ich könnte dir helfen Forél zu schlagen.« »Nein. Du willst nur dir selbst helfen.«, zischte Adraéyu nur. Er hatte genug von diesem Traum. »Rahela …«, murmelte er. Sie würde ihm helfen. Sie hatte Macht. Sie konnte über das Blut gebieten, sie konnte über die Seele gebieten. Sie würde ihm helfen Forél zu vernichten. »Sie ist ebenso schwach wie du.«, knurrte die schwarze Stimme, ob dieser Gedanken. »Sie wird dir niemals helfen. Sie wird sich von dir abwenden, und du wirst alleine sein. Du warst immer alleine!«

»Arn?«, hallte eine bekannte Stimme in der Finsternis. »Arn? Geht es dir gut?« Die Stimme nahm an Kraft zu. Er fühlte, wie ihm ein kühles Tuch auf die Stirn gelegt wurde. »Du kommst zurück gekrochen, denn tief in deinem Innern weißt du: Du bist schwach. Nur ich kann dir Stärke geben ...«, brummte die Stimme verhallend. Doch Adraéyus Geist stieg bereits auf. »Nein.«, antwortete er der sanften Stimme Rahelas. »Ich habe Blut an meinen Händen …« »Das sagt er schon seit Tagen. Immer wieder.«, vernahm er Rahelas Stimme. »Er fiebert und fantasiert.«, erklang eine andere, weibliche Stimme. Sie kam Adraéyu auf eine unangenehme Weise sehr bekannt vor. »Wird er sterben?«, donnerte die tiefe Stimme Benwicks und Adraéyu schrak für einen Moment hoch, denn er hatte ihn als letztes in seinen Träumen erwartet. Doch niemand antwortete ihm. »Ich habe nach dem Ru'Naak geschickt. Der Rabe wird ihn wohl morgen erreichen.« »Ru'Naak?«, widerholte Adraéyu das Wort monoton. »Ist er wach?«, erklang die erschrockene und zugleich hoffnungsvolle Stimme Benwicks. Adraéyu spürte wie ihm eine kühle, zierliche und sanfte Hand auf die Stirn gelegt wurde. An seinem Augenlid wurde gezogen, doch er sah kein Licht. »Nein. Doch sein Geist scheint uns zu hören.« »Wach auf Arn!«, forderte Benwick ihn auf. »Das hilft nichts.«, ermahnte Rahela ihn. »Vielleicht braucht sein Geist Führung?«, hakte die fremde, weibliche und auch leicht hohe Stimme nach. Wer war diese Frau? Ihre Stimme kam Adraéyu so bekannt vor. Es lag ihm förmlich auf der Zunge. »Erklär' ihm wer der Ru'Naak ist.«, schlug sie Benwick vor. Adraéyu konnte förmlich spüren, wie Benwick sie skeptisch und zugleich unsicher ansah. Er sollte mit dem schlafenden Arn reden, als ob er vor ihm stünde? Benwick schüttelte nur den Kopf. »Der Ru'Naak, ist der Totenhorcher.«, erklärte Rahela seufzend. »Ich habe von ihm gehört, als ich noch im Skerôingur-Clan gelebt hatte.« »Totenhorcher?« Das Wort entwich Adraéyus trockenen Lippen, wie aus einem eben solchen Toten. »Er kann die Ahnen rufen. Nicht so wie ich. Er kann ihre Seele, ihren Geist zu sich rufen. Und mit ihnen reden. Und Ihre Geheimnisse und Wünsche und Gedanken erfahren.« In Rahelas Stimme schwang so viel Ehrfurcht mit, dass Adraéyu an keinem ihrer Worte zweifelte. »Wenn er kommen wird, dann wird er die Toten befragen. Die Hörige und auch Asa und dich, Arn, wenn ihr bis dahin noch nicht erwacht seid.« »Er ist doch nicht tot.«, hakte die fremde, Stimme nach. »Nein, aber der Totenhorcher kann die Geister der Lebenden und der Toten rufen. Er wird die Rätsel lösen, vor welchen wir stehen.«, erklärte Benwick. Wenn dieser Totenhorcher wirklich diese Dinge vermochte, dann würde er die Wahrheit finden. Die wirkliche Wahrheit. Adraéyu hatte das Blut dieser Hörigen und auch, das von Asa und ihrem toten, ungeborenen Kind an den Händen. Benwicks Kind. Das Kind seines Charaids. Er würde rasen vor Zorn. Er würde vergessen, was Adraéyu für den Clan und auch für ihn geleistet hatte. Er würde die Blutschuld vergessen, welche Adraéyu und Benwick und auch seinen Bruder Yoren verband. Er würde ihn bei lebendigem Leib häuten und an den Totenbaum vor dem Dorf nageln, wo sie auch die Leiche der Arcanierin aufgeknüpft hatten. »Ich habe Blut an meinen Händen …«, das war alles was er sagen konnte. »Was bedeutet das?«, fragte Benwick neugierig. »Das sagt er schon seit Tagen.«, antwortete Rahela schulterzuckend. »Ich kann es dir nicht sagen. Doch ich vermute sein Geist versucht das Erlebte zu verarbeiten.« Benwick murmelte etwas Unverständliches und schließlich ließen sie Adraéyu alleine auf Rahelas Bett zurück. Benwick verließ den Raum und Rahela begleitete ihn. Er vernahm ihre Schritte, wie sie sich von ihm entfernten.

Schwärze umfing ihn erneut, und die quälende, erdrückende Stille. Stille … Immer noch besser als die hallenden Worte seiner schwarzen Seele, welche ihn so gerne quälte. Stille … beruhigende und erlösende Stille …

Doch er war nicht allein. Eine Hand berührte ihn. Lippen küssten ihn. Atem hauchte ihm ins Gesicht. »Ich bin wieder …«, flüsterte eine allzu bekannte Stimme, doch Adraéyu erkannte sie nicht.

Die Schwärze umfing ihn, und kam und ging. Adraéyu wusste nicht, ob er hier seit Stunden oder Wochen lag. Doch jeden Tag wurden die Träume weniger verstörend und Rahelas Stimme hielt ihn bei Verstand. Bis er eines Tages die Augen öffnete. Er war allein und nur Thargôn saß neben ihm auf dem Bettpfosten und hatte den Kopf in seinem Gefieder vergraben. Adraéyu reckte sich und gähnte, und weckte dadurch den Vogel aus seinem Schlaf auf. »Arn …«, krähte der schwarze Rabe ein wenig verschlafen, so schien es Adraéyu. »Hallo.«, brummte Adraéyu verspannt. »Wie lange war ich wohl weg?«, murmelte Adraéyu vor sich hin, ohne auf eine Antwort des Rabens zu warten. Dieser schnarrte nur und legte den Kopf ein wenig schief. Schließlich schlug Adraéyu die Decken und Laken zur Seite, unter welchen er begraben war und richtete sich in eine sitzende Position auf. Unterbewusst strich er sich über den Verband um seinen Bauch. Es schmerzte ihn nicht mehr. Geistesabwesend löste er den Verband und legte die Narbe, welche sich darunter gebildet hatte frei. Sie war mit einer grünlichen Salbe bestrichen und Adraéyu wischte sie sich mit dem Leinenverband ab. Als die Narbe schließlich sauber war, strich er sich mit dem Finger über das vernarbte, harte Fleisch. »Und wieder eine mehr.«, murmelte Adraéyu, als ob sein Körper bereits von unzähligen Narben verunstaltet wäre. Dabei war es erst die vierte insgesamt. Sein Kopf schmerzte ein wenig und das lag wohl nicht nur an der stickigen Luft, welche in dem Raum herrschte. Er zog seine Beine aus dem Bett und stellte fest, dass er unbekleidet war. »Wo ist mein Gewand?«, fragte Adraéyu verwirrt. Doch Thargôn sah ihn nur an »Arn …« »Na du bist mir vielleicht eine große Hilfe.

Durch das Fenster in Rahelas Haus fiel ein langer Lichtstrahl, in welchem Myriaden Staubteilchen tanzten. Er spendete dem Raum gerade genug Licht, so dass Adraéyu seine Hose vom Dachbalken hängen sah. Ebenso seine Tunika. Seine Socken und auch seine Stiefel standen vor dem Bett. Und so zog Adraéyu sich langsam an und schlurfte schließlich zum Tisch um sich auf den Stuhl zu setzen. Er war zwar nicht müde, doch hatte ihn das lange Liegen im Bett wohl ziemlich mitgenommen. Er erinnerte sich kaum an die Träume, die er gehabt hatte, und auch nicht an die Geschehnisse, vor seinem Koma. »Thargôn, wo ist Rahela?« »Hexe …«, schnarrte der Vogel fröhlich. »Ja, wo ist sie?« »Ruka …«, krächzte der scharfsinnige Rabe und Adraéyu nickte beiläufig. »Ich habe Hunger, wie steht es mit dir?«, fragte Adraéyu Thargôn und dieser krächzte aufgeregt und flatterte mit den Flügeln. »Nuss …«, verlangte er. Adraéyu stand auf und durchsuchte den Tisch sowie den Schrank Rahelas. »Wo waren noch gleich die Nüsse?« Schließlich fand er einen Leinenbeutel, in welchem sich einige Walnüsse befanden. »Ah.« Er fischte sich einige heraus und warf sie auf den Tisch. Die meisten blieben zwar auf der Tischplatte liegen, doch einige purzelten klackernd herunter. Thargôn stob davon um sich eine der Nüsse zu schnappen. Und sogleich warf er die Nuss vom Dachgebälk auf den Boden, oder gegen die Wand. Es dauerte so eine gewisse Zeit, bis er seine Nüsse geknackt hatte. Da sammelte Adraéyu die verstreuten Nüsse ein und legte sie auf einem Haufen zusammen. Dann nahm er sich einen großen Holzscheit aus dem Stoß und knackte damit die Nüsse. Kaum waren die ersten Nüsse offen, da kam Thargôn schon angeflattert um sich an dem Inhalt zu vergreifen. Indes suchte Adraéyu sich auch etwas zu essen. Doch er hatte keine Ahnung wo Rahela ihre Speisen aufbewahrte. Er fand nur eine Flasche dieses »Ruwin« Weines. »Besser als nichts.« Er zuckte mit den Achseln und fischte für sich selbst auch einige Nüsse aus dem Sack, legte sie auf den Tisch und knackte sie mit dem Holzscheit. Den Wein trank er direkt aus der Flasche. Wenn es Rahela stören sollte, dass er ihren Wein trank, dann würde er ihr einfach den Eiswein schenken, welchen er von dem fahrenden Weinhändler erworben hatte. Wie war noch sein Name gewesen? Adraéyu dachte angestrengt nach, doch wollte ihm der Name einfach nicht einfallen.

Schnell wurde Adraéyu langweilig, doch wusste er nicht so recht, ob er schon vor die Tür gehen wollte. Also entschied er sich dem Vogel wieder eine kleine Schandtat bei zu bringen. »Thargôn.«, rief er, doch der Vogel kam nicht. «He! Komm her!«, maulte Adraéyu. Doch der Rabe war stur und fraß lieber die Nüsse. Da nahm Adraéyu die verbliebenen Nüsse und versteckte es in seiner Hand. »Thargôn.« Adraéyu lockte den Vogel an, indem er einige Walnussstücke in die offene Hand legte und sie ihm zeigte. Und dieses Mal hatte es funktioniert. Neugierig kam der Vogel an gehüpft und hatte seinen Blick auf die offene Hand gerichtet.

»Wir spielen ein kleines Spiel. Es heißt der Rabe und der Bettler.« Den Titel hatte sich Adraéyu einfach soeben ausgedacht. »Schau her.« Adraéyu nahm eine kleine Schale zur Hand und stellte sie auf den Boden. Dann kramte er in seiner Tasche und fand sogar die Münzen darin. Es waren jene Münzen, welche er im Frühjahr bei den Leichen der, von ihm getöteten, Orks gefleddert hatte. Er warf zwei Münzen in die Schale und setzte sich dann im Schneidersitz vor die Schale. »He Thargôn« Er öffnete die Hand um dem Raben die Nussstücke zu zeigen. »Schnapp dir die Münzen!«, forderte er den Vogel auf. Doch Thargôn sah ihn nur mit einem schiefen Blick an. »Nuss …«, forderte er von Adraéyu. »Ja, wenn du die Münzen aus der Schale nimmst.«, sagte Adraéyu und deutete auf die Münzen. Doch der Vogel ließ sich bitten. Adraéyu lehnte sich gegen den tragenden Stamm, welcher den Dachbalken abstützte und seufzte. »Bist du sicher, dass du ein Rabe bist? Mir scheint eher, du bist eine Krähe« Thargôn krächzte protestierend auf und flatterte kurz mit den Flügeln, doch machte er keinerlei Anstalten sich die Münzen zu schnappen. »Ach vergiss es.« Er warf die Nüsse auf den Boden und nahm sich die Münzen aus der Schale. Dann erhob er sich aus dem Schneidersitz und Thargôn hüpfte sogleich zu den aufgebrochenen Nüssen, und pickte den wohlschmeckenden Inhalt heraus.

Nun entschloss sich Adraéyu doch das Haus zu verlassen. Er wandte sich zum Gehen und schritt zur Tür. Als er diese schließlich öffnete, da landete der Rabe auf einmal auf seiner Schulter. Adraéyu erschrak für einen Moment, bevor er sich nach dem Vogel umdrehte. »Willst du mit?« Doch seine Frage wurde nur von einem einfachen Schnarren beantwortet. »Wie du willst.« Er öffnete die Tür und trat auf den Weg, welcher zum Dorfplatz führte. Als erstes atmete er einmal tief ein und sog die frische Luft in seine Lungen. Es tat gut wieder unter den Lebenden zu wandeln. »Wir sollten zu Benwick gehen.«, murmelte Adraéyu und so setzte er sich in Bewegung.

Als er schließlich in der Halle angekommen war, da herrschte dort geschäftiges Treiben. Männer und Frauen räumten Dinge herum, Obst und Fleisch wurde angerichtet und Bierfässer heran gerollt. Als Adraéyu schließlich die Halle richtete Walder das Wort an ihn. »Du bist aufgewacht.« Aus seiner Stimme war keine Regung zu hören. Man konnte nicht sagen ob er sich darüber freute, oder amüsierte, oder ob es ihn gar betrübte. Es war eine monotone Feststellung. »Ja. Möchtest du ein Bier?«, fragte Adraéyu mit einem spitzbübischen Lächeln auf dem Gesicht. Er fragte ihn diese Frage jedes Mal, und jedes Mal winkte Walder ab. »Ja. Gerne.« Doch nicht dieses Mal. Adraéyu sah Walder verdutzt an. Er hätte nie geglaubt, dass er Walder je zu einem Bier verleiten könnte. Er fragte gar nicht erst, warum und ging mit Walder zum großen Tisch. Dort stand, wie immer, ein großes Bierfass und er füllte zwei große Humpen. Einen davon reichte er Walder, den anderen behielt er für sich selbst. »Auf dich Walder. Rukh Nôrya.« Walder nickte dankend und stieß seinen Krug mit Adraéyus Krug zusammen. »Auf dich, Zaubersänger.«, prostete Walder und leerte seinen Krug mit wenigen Zügen, bevor er sich wieder seinem Posten zuwandte.

»Arn!«, rief eine überraschte Stimme. »Arn, du bist wach!« Benwick winkte Adraéyu zu sich. Rahela stand ebenfalls bei ihm, und auch ein Mann, der Adraéyu irgendwie bekannt vorkam. »Arn! Schön dass du erwacht bist.« Rahela war an Adraéyu herangetreten und musterte ihn ausgiebig. Dann fiel ihr Blick auf Thargôn und ihr Blick verfinsterte sich. »Und wie ich sehe, hast du meinen Raben dabei.« Adraéyu hob seinen Arm und Thargôn lief auf dem Arm entlang bis zu seiner Hand und sprang über die Kluft zwischen Adraéyus Hand und Rahelas Schulter. »Arn …«, schnarrte der Vogel und bereitete Adraéyu damit noch mehr Unbehagen. Rahela verzog den Mund ein wenig unwirsch. »Wir haben verstanden dass du den Barden magst. Du undankbarer Vogel.« »Wie geht es dir?«, fragte Benwick, um der Situation die Spannung zu nehmen. »Ganz gut eigentlich.«, antwortete Adraéyu und trank den letzten Schluck aus seinem Bierkrug. »Arn, erinnerst du dich an Yoren?«, mischte sich Benwick ein und deutete auf den Mann, welcher neben Benwick stand. Er musterte den Mann. Er war Benwick sehr ähnlich. Und da erkannte er ihn. Der Mann, wen er von den Toten zurück gesungen hatte. »Ja, natürlich.« Er reichte Yoren die Hand. »Es ist mir eine Freude, dich wieder zu treffen.« »Die Freude ist auf meiner Seite, Zaubersänger« Adraéyu war dieses Wort langsam leid. Doch war er Arn schon genauso leid. Und doch wollte er ihnen nicht seinen wahren Namen nennen. »Wo warst du so lange?« »Im Süden.«, antwortete Benwicks Bruder, doch ging er ansonsten nicht näher auf Adraéyus Frage ein. Benwick räusperte sich ein wenig unverhohlen und wandte sich an Adraéyu. »Arn. Kannst du dich an irgend etwas aus jener Nacht erinnern?« Er blickte Adraéyu eindringlich an und er erkannte, dass er sich eine zufriedenstellende Antwort erhoffte. Doch konnte Adraéyu sie ihm nicht bieten. »Leider nicht, mein Charaid.« Benwicks Miene verfinsterte sich enttäuscht. »Gar nichts?« »Nur Schatten und Schemen. Alles ist wie … wie weg gewischt. Ich weiß nur dass ich verletzt wurde. Und ich habe Anara mit meinem Dolch über Asa stehen sehen.« Er wurde sich seiner Worte bewusst. »Mein Dolch! Asa! Ist sie wohlauf?«, hakte er sogleich nach und Benwick verzog seinen Mund ein wenig Schmerzerfüllt. »Sie lebt.«, brummte er. Doch Adraéyu merkte, dass da mehr war. »Sie hatte ein Kind unter dem Herzen getragen.«, begann Rahela. »Und sie hat viel Blut verloren.«, murmelte Yoren. »Es ist der Gnade der Götter zu verdanken, dass sie noch lebt.«, sagte Benwick schließlich. »Doch sie ist noch nicht erwacht. Ihre Verletzungen waren schwerer als die deinen.« Benwick wandte sich schließlich enttäuscht ab und goss sich einen starken Schnaps aus seinem privaten Vorrat ein. »Er trinkt seit jener Nacht sehr viel.«, murmelte Yoren. »Er hatte sich so sehr eine Antwort von dir erhofft. Doch der Ru'Naak wird bald eintreffen. Er wird das Rätsel sicherlich lösen.«

›Der Ru'Naak.‹, schoss es Adraéyu durch den Kopf und plötzlicher, kalter Schweiß stand ihm auf der Stirn. Er erinnerte sich, was dieses Wort bedeutete. »Wann wird er da sein?«, fragte er so beiläufig wie möglich. »In zwei Tagen. Er hat uns bereits einen Raben vorgeschickt.«, antwortete Rahela. »Und dieses Fest …«, begann Adraéyu doch erhielt er schnell seine Antwort, als ihn Yoren unterbrach. »Der Ru'Naak ist ein gefürchteter Mann. Er hat Einfluss und ist mächtig. Und er dient dem Skerôingur-Clan. Benwick will das Bündnis zu diesem Clan nicht zu sehr strapazieren.« »Und darum kriecht ihr dem Mann in den Arsch?«, hakte Adraéyu unverblümt nach. »So würde ich das nicht nennen. Aber ja.« Yoren lächelte verschmitzt. »Man sagt der Ru'Naak besitzt keine Ehre. Und wenn er sterben wird, dann wird er vergessen werden.«, flüsterte Rahela in voller Ehrfurcht. »Und darum redet er mit den Toten, damit diese ihn nicht vergessen oder wie?«, hakte Adraéyu nach und Rahela starrte ihn ungläubig an. »Du verstehst.«, murmelte Yoren. »Also erzürne ihn nicht. Denn wenn du tot bist, dann wird er dich quälen, bis an sein Lebensende.« »Ich werde es mir merken.« Yoren nickte zufrieden. »Außerdem werden nicht nur der Ru'Naak kommen, sondern acht der Rukh Nemia'tor.« Dieses Mal war es an Yoren, ehrfürchtig zu sprechen. »Nemia'tor? Nemia bedeutet Clan …«, begann Adraéyu. »Sprich nicht weiter. Diese Berserker sind berüchtigt. Es gilt nicht nur den Ru'Naak zu ehren, sondern auch diese acht Krieger. Wenn nur einer von ihnen sich von einem von uns beleidigt fühlen sollte, dann wird Hjegdan den Bund brechen. Hjegdan ist ein sehr traditioneller Mann. Es darf keine Zwischenfälle geben, die das Einberufen des Ältestenrates zur Folge haben würden. Denn Benwick hat diesen Rat, Zeit seiner Führerschaft, noch nie einberufen. Und er wäre gezwungen es das erste Mal zu tun.« Adraéyu nickte verstehend. »Sollte ich dann nicht auch am Besten keinem von ihnen unter die Augen treten.« Yoren lachte, wegen Adraéyus Worten. »Nein. Du bist zwar ein Fremder, aber kein Fremder. Verstehst du?« Adraéyu nickte, aber er verstand es nicht wirklich. »Gut.«, mit diesen Worten nickte Yoren Rahela zu »Neeskia.«, und wandte sich am, um sich zu Benwick zu gesellen. Doch da schnarrte Thargôn, welcher noch immer auf Rahelas Schulter saß. »Hexe …« Yoren erstarrte und drehte sich augenblicklich wieder um. »Was hat der Vogel da gesagt?« »Beachte ihn nicht. Arn hat ihm dieses unsägliche Wort beigebracht. »Neeskia. Ich würde dir dringend anraten, den Vogel nicht in die Nähe des Ru'Naak zu lassen.« Er blickte Rahela eindringlich an und wand sich dann schließlich doch von ihnen ab. Als Yoren außer Hörweite war, da wandte er sich Rahela zu. »Was heißt das alles?« »Harte Tage.«, murmelte Rahela. »Warum hat Benwick dann überhaupt den Ru'Naak gerufen, wenn er nur Ärger bereitet?« »Benwick will Klarheit. Außerdem will er Hjegdan zu einem Bündnis gegen Bhelor kaufen.« »Bhelor? Er führt nur eine Sippe.«, murmelte Adraéyu fassungslos. »Wie kann Benwick ihn fürchten? Er hat den ganzen Clan hinter sich.« »Es gibt Gerüchte. Bhelor soll sich mit Elfen verbrüdert haben. Sie gebieten über Feuer und Erde.« Adraéyu runzelte nachdenklich die Stirn. »Außerdem glaubt Benwick, dass Bhelor einen Verbündeten haben muss. Vielleicht sogar im Faernach-Clan. Benwick ist misstrauisch und abergläubisch geworden. Seit dem Angriff auf Asa und dich noch mehr. Er glaubt nicht, dass Bhelor so dumm ist, dass er Streit mit Benwick sucht, ohne sich auf der Seite der Sieger zu sehen.« »Das leuchtet mir ein.« Adraéyu beobachtete Rahela. Sie wirkte ein wenig ungehalten und abwesend. »Alles in Ordnung?«, fragte er doch sie winkte nur ab. »Ja. Die letzten Tage waren sehr anstrengend. Ich bin nur müde.« »Sicher?« Adraéyu sah Rahela eindringlich an und versuchte ihre Gefühle zu lesen. Doch er empfand nur Verschlossenheit. »Du verbirgst etwas.«, murmelte er. »Hör auf in meinem Kopf herumzuwühlen!«, zischte sie ihn verärgert an. »Es ist nichts.« Sie wandte sich von ihm ab und ging in die hinteren Räume um nach Asa zu sehen. »Sie ist wütend.«, murmelte Yoren, der die Szenerie bemerkt hatte. »Warum?« »Benwick hat ihr verboten, auf eigene Faust die Götter anzurufen oder Rituale zu sprechen.« »Wegen dem Totenhorcher?« »Nenn ihn bloß nicht so in seiner Gegenwart.«, mahnte Yoren eindringlich. Er war wieder an Adraéyu und Rahela herangetreten, als er einige Wortfetzen ihres Gesprächs mitbekommen hatte. »Aber ja. Der Ru'Naak genießt hohes Ansehen bei Hjegdan. Und sind Verfechter der alten Traditionen und Wege.« Adraéyu erinnerte sich mit einem Mal an den Streit, welchen Männer aus Bhelors Sippe am Lagerfeuer vor der Siedlung der Orks begonnen hatten. Auch sie waren Jünger der alten Wege gewesen. »Rahela wird sich nichts befehlen lassen.«, murmelte Adraéyu und Yoren seufzte. »Ja. Benwick sagte so etwas. Vielleicht kannst du mit ihr reden?«, fragte Yoren ein wenig hoffnungsvoll, doch Adraéyu lächelte nur verlegen. »Ich denke der Ru'Naak wird sich damit abfinden müssen, dass Rahela eine Neeskia ist, und kein einfaches Kräuterweib oder eine Hebamme.« Yoren lächelte verwegen. »Wir werden sehen.«
Zuletzt geändert von Adraéyu am Fr, 11. Jan 2013 7:47, insgesamt 3-mal geändert.
In den Weiden werden uns're Träume klingen,
und die Winde werden uns're Lieder singen.
Lasst uns mit den Funken übers Feuer springen,

in der Walpurgis Nacht.

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