Eine lange Reise

Gebiete der Orks und wilden Menschen, und die Gebiete der Clans westlich von Arcanis und Mérindar. » Ortsbeschreibung
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Eleah
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Eine lange Reise

Beitrag von Eleah » Fr, 08. Apr 2016 10:56

Eine lange Reise lag vor ihnen. So sehr sie ihre Familie auch jetzt schon vermisste, tröstete sie Dubhs Anwesenheit über das aufsteigende Fernweh hinweg. Sie hätte sich nie erträumen lassen, dass sie einmal den besten Mann der Welt heiraten würde und nun, als müsste sie sich mit einem Seitenblick zu Dubh vergewissern, dass er wirklich da war, fuhr sie mit ihm in den Sonnenuntergang. Die ersten Tage der Reise waren sehr ungewohnt für sie. Die Schlafstatt in ihrem Wagen war zwar sehr bequem, aber es war etwas gänzlich anderes in einem Haus auf Rädern zu schlafen. Es würde wohl noch eine ganze Weile dauern, ehe sie sich daran gewöhnte, in dem im Dunkeln und oft abseits abgestellten Wagen zu schlafen, und nicht Angst bei dem Gedanken zu empfinden, dass sie ungebetenen Besuch in der Nacht bekamen. Ein wenig paranoid versicherte sie sich daher jeden Abend, dass die Tür verriegelt war. Trotzdem gefiel ihr dieses freie und ungezwungene Leben. In ihrem Elternhaus hatte sie viele Verpflichtungen gehabt und diese auch gerne erledigt, aber bei dieser Art des Lebens gab es kaum welche. Sie konnten sich so viel Zeit lassen, wie sie wollten, und mussten nur dafür sorgen, dass sie beide, Luzifer und Casper, ihr Pferd, nicht verhungerten. Den Kater, der sich inzwischen wieder bester Gesundheit erfreute, hatte sie schon bald in dem Wagen, eingekuschelt auf einer weichen Decke, gefunden und ihn ein wenig gekrault, bis sein Schnurren weniger wurde und er deutlich machte, dass es fürs Erste genug Zuneigung war.

Sie hatte auch Angst davor, was sie in Aymân erwartete, denn neben den Geschichten, die ihr häufig zu Ohren kamen, machte sie Dubhs ernster Hinweis noch nervöser. Die Stadt sah wirklich sehr beschaulich aus, wie er gesagt hatte, aber ohne das ständige mulmige Gefühl in der Bauchgegend wäre sie sicherlich beschaulicher gewesen. Immer wieder, vor allem am Abend in einem der Gasthäuser, das sie nach ihrer Ankunft in der Stadt aufsuchten, um sich aufzuwärmen und zu stärken, sah sich Eleah immer wieder bemüht unauffällig um, als würde sie damit rechnen, dass hinter jeder Ecke ein Meuchelmörder lauerte. Entsprechend angespannt und wortkarg war sie, da sie sich Dubhs Worte, nichts über sie beide zu erzählen, zu Herzen nahm und entsprechend danach handelte. Entgegen ihrer Erwartung wurden sie jedoch nicht von solchen Leuten behelligt, sondern nur von den aufgeschlossenen Menschen in belanglose Gespräche verwickelt, die ihnen auch in Fadrun hätten begegnen können. Trotzdem war Eleah froh, als sie die Stadt bereits am nächsten Tag hinter sich ließen. Die Flaschen Wein lagerten sicher auf dem Boden eines Schrankes im Inneren des Wagens, den Casper gemächlich gen Westen zog. Sie überquerten den Chabur auf einer alten Brücke und reisten an Ceroans Schild vorbei weiter nach Shuridron.

Eleah hatte in ihrem kurzen Leben schon sehr viele Geschichten gehört und in Situationen wie diesen kamen einem natürlich nur die gefährlicheren ins Gedächtnis, die in denen das Rad der Kutsche brach, weswegen sich in der Nähe befindliche Wegelagerer und Räuber dazu bewegt fühlten, aus dem Dickicht auftauchten, um einen auszurauben und dann nackt sich selbst zu überlassen. Glücklicherweise meinte es das Schicksal besser mit ihnen und ihre Begegnung mit den Räubern vor ein paar Monaten sollte auch vorerst die letzte bleiben. Mit großen Augen fuhren sie an Ceroans Feste vorbei, die in der Ferne erkennbar war, zogen es aber vor, in der Nähe kleinerer Siedlungen und Dörfern nahe der Reisestraße zu übernachten, während sie die längeren Pausen gerne in der Natur verbrachten. So kam es auch mehrmals vor, dass sie bei einer Rast auf einer einsamen Lichtung einschliefen und sich erst später am Tag wieder auf den Weg machten oder spontan bis zum nächsten Tag an dem Platz blieben. Eleah genoss das ungezwungene Reisen und konnte kaum erwarten, was sie fernab der Nordreiche erwartete.

Nach mehr als zweieinhalb Wochen zeichnete sich das Dorf Shuridron am Horizont ab. Eleah freute sich darüber, endlich wieder eine etwas größere Siedlung zu erreichen. Die Zeit mit Dubh verging zwar wie im Flug, aber Eleah war weit mehr Gesellschaft gewohnt als der Raéyun in seiner früheren Zeit. Wo sie sonst ständig von plappernden Durchreisenden umgeben war, wenn sie sich nicht gerade ausnahmsweise zurückzog, begleiteten sie auf dieser Reise lediglich das Geräusch von Caspers stetig vorwärts laufenden Schritte, Luzifers Schnurren sowie Dubhs fröhliche Lieder und verschiedenste Geschichten. Langsam aber sicher sehnte sie sich nach der Zivilisation, an die sich die Halbelfe über Jahre gewöhnt hatte. So schritt sie gut gelaunt in das Gasthaus, das sie am späten Nachmittag am Rande der Kleinstadt betraten, nachdem sie sicher gegangen waren, dass Casper gut versorgt wurde. Bekannte Gerüche und Geräusche umgaben sie sofort als sie den Schankraum betraten, der zwar nicht so gut ausgestattet war, wie die Goldene Brücke, aber seinen eigenen Charme besaß. Ihre Familien hatten ihnen eine großzügige Reisekasse zur Verfügung gestellt - sie sollten ihre Hochzeitsreise ja ordentlich genießen und nicht auf der Hälfte des Weges umkehren müssen -, sodass sie sich ein gutes Mahl gönnten, wie Eleah es von zuhause gewöhnt war. Sie vermisste schon jetzt ihre Eltern und auch Dubhs Familie, aber versuchte zuversichtlich in die Zukunft zu sehen. Schließlich war sie auf dem Weg zu ihrem Vater.

"Ihr seid der Barde, oder?" Der Wirt der Schenke war an ihren Tisch heran getreten, auf dem vor einigen Minuten seine Frau, so vermutete es Eleah, die bestellten Getränke und deftige Speisen abgestellt hatte. Die Stimme des Wirtes verriet seine gute Art und Neugierde. Der Barde. Das klang so, als eile Dubhs Ruf ihm voraus und als wäre er schon erwartet worden. Offenbar mussten sie nichts weiter sagen, denn der Wirt schien sich auch so sicher zu sein, dass er den Richtigen gefunden hatte und überreichte ihnen einen Brief - oder besser gesagt ihr. Eleah hatte sich eben noch eine der kleinen mit Feigen gefüllten Teigrollen gegriffen, in der Annahme, dass er mit Dubh reden wollte. Stattdessen wedelte er mit einem bedeutungsvollen Blick mit dem Brief vor ihrer Nase herum. Eleah wischte sich die fettigen Finger unüberlegt an der bequemen Reisehose ab, die sie trug, und griff neugierig danach. Dubhs Mine diesbezüglich konnte sie jedoch nicht deuten und als er sie aufforderte, ihn ruhig zu öffnen, glaubte sie dem nichtsahnenden Ton in seiner Stimme. Als sie die ersten Zeichen las, wurde ihr wieder bewusst, wie schlecht sie eigentlich im Lesen war. Unbewusst biss sie sich bei dieser Erkenntnis auf die Unterlippe und schaute für einen winzigen Moment über den Brief hinweg zu Dubh. Es war ihr aber unangenehm, dies ihm gegenüber einzustehen, sodass sie sich tapfer hielt und weiterlas. Übung machte schließlich schon immer den Meister.

Es brauchte nicht lange, bis sie die Bedeutung des Briefes erfasst hatte und als klar wurde, wer ihr diesen geschrieben hatte, quietschte sie begeistert auf. "Dubh!" Sie sprang auf und umarmte ihn glücklich, ungeachtet der Gäste, die ihre fragenden Blicke ob so viel Euphorie auf das äußerlich so ungleiche Paar warfen. "Versuche es gar nicht erst zu leugnen!", lachte sie und blickte ihn freudestrahlend an, ehe sie die übrigen Zeilen des Briefes verschlang.
Liebe Eleah,

wir vermissen dich und Dubh schon jetzt und hoffen, dass ihr wohlbehalten auf der Festung angekommen seid. Auch in der Goldenen Brücke fehlst du schon, die Durchreisenden fragen schon jetzt, wo du bist und wann du wiederkommst. Wir sollen euch herzlich von Jos und Jerg zu eurer Hochzeit gratulieren.

Ich gönne es dir von Herzen Kind, dass du die Welt bereisen kannst und die vielen schönen Orte zu Gesicht bekommst. Genieße diese Zeit und behalte sie dir in Erinnerung. Unsere Enkel werden eure Geschichten bestimmt sehr gerne hören. Wir wünschen euch eine ruhige Reise und viele neue Eindrücke. Bleibt auf den Wegen und fahrt vorsichtig.

Yieriell, Eve, Lillith, Bodrahn und Fangrul lassen euch grüßen und wünschen euch eine gute Weiterreise. Fangrul versucht sich nichts anmerken zu lassen, aber er ist oft hier und vergräbt sich in seinen Büchern.

In Liebe
Eure Familien
Offenbar hatten sie eine ursprüngliche Briefstation übersprungen, denn der eigentliche Plan war tatsächlich gewesen, auf Ceroans Schild zu übernachten. Da sie aber zu viel Zeit für den Weg zuvor gebraucht hatten, hatten sie sich kurzfristig entschlossen, sich den Umweg zu sparen und weiter auf dem bisherigen Weg gen Shuridron zu reisen. Eleah war beeindruckt und wirklich gerührt, was Dubh für sie in die Wege geleitet hatte. "Du bist der Beste!" Sie küsste ihn überglücklich und reichte ihm dann den Brief zum Lesen, ehe sie sich wieder, von einem Ohr zum anderen grinsend und sichtlich glücklicher als davor, zurück auf ihren Platz setzte. Als Dubh den Brief gelesen hatte, erklärte sie ihm, dass Jos und Jerg Brüder und Kaufleute waren, die das Gasthaus stets auf ihren regelmäßigen Reisen durch Fadrun aufsuchten und zu guten Freunden geworden waren. Das Thema Nachwuchs ließ sie aber schweigend unter den Tisch fallen, auch wenn sie darauf achtete, ob sich Dubh durch seine Mimik zu diesem Thema verriet, über das sie noch nie geredet hatten. Während des Lesens war sie kurzzeitig errötet und fast war sie froh, weiteren Anspielungen dieser Art mit ihrer Reise entgehen zu können.

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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Sqeulaiche Dubh » Sa, 09. Apr 2016 15:04

"Ihr seid der Barde, oder?" Im ersten Moment war Dubh ob dieser Eröffnung wie paralysiert, war er doch erst jüngst eben diese Route mit ihn später verfolgt habenden Händlern von der Eiswüste her hier entlang gekommen. Hatten sie Kunde von ihm und seinen vermeintlichen Gräueltaten verbreitet? Aber dann scholt er sich lächelnd einen Narren und nickte dem Wirt freundlich zu. Wären diese seine Verfolger noch immer hinter ihm her, so wäre er wohl eher der Kriegerbarde, verfluchte Raéyun oder etwas ähnlich Verwerfliches, aber mitnichten nur „der Barde“. Doch erst als der Wirt den Brief überreicht hatte, begriff Sqeulaiche Dubh. Selbstverständlich hatte er, wie versprochen, bereits zwei Briefe in aller Heimlichkeit verfasst, in welchen er Eleahs und seiner Familie kurz berichtet hatte, das alles gut lief und auch Eleahs Heimweh sich in Grenzen hielt, derweil er glaubte dieses sehr wohl an ihr nagen spüren zu können. Doch hatte er stets nur in unbemerkten Momenten schreiben können, weswegen die Briefe recht kurz nur waren, und auch die Übergabe an einen geeigneten Boten erwies sich als eher schwer. Doch jetzt endlich war diese Heimlichkeit nicht länger vonnöten. „Mach ihn ruhig auf.“ meinte Dubh bemüht teilnahmslos und schob sich eine Gabel voller in Butterschmalz gebratener Schwarzwurzelscheite in den Mund, um so das mit Brachialgewalt über sein Antlitz ziehen wollende Grinsen noch einen winzigen Augenblick kaschiert zu kriegen. Dann, das nicht mehr zurückhaltbare Lächeln hinter einem Glas Rotwein verbergend, mit welchem er den letzten Bissen hinunter spülte, beobachtete er Eleah hinter seinen dunklen Gläsern so genau wie nur irgends möglich, wagte er doch, seit er mit Eleah wieder unterwegs war, nicht länger die Gläser in der Öffentlichkeit abzunehmen.

Auf ihre freudenstrahlende Aufforderung seine Beteiligung hieran bloß nicht zu verleugnen, grinste Sqeulaiche nur, nun endlich befreit, offen und breit über das ganze Gesicht während Eleah den Brief in Ruhe zu Ende las. Als er darauf den Brief las, blickte er nur kurz mit einem nachdenklichen Lächelnd zu Eleah hinüber als er an die Stelle mit den Enkelkindern kam, schwieg aber erst einmal dazu, derweil auch er den Brief zu Ende nun las. Glücklich ihr mit dem Brief eine Freude bereitet zu haben, berichtete er ihr gerade von seinen vergangenen Bemühungen von ihr unbemerkt bereits Kunde nach Hause zu schicken, bezüglich ihrer bisherigen Etappe. Gerade war Dubh dabei zu erklären wie er beim Abschicken des ersten Briefes aus Aymân beinahe die Landkarte vergessen hatte, deretwegen er vorgegeben hatte Eleah kurz alleine zu lassen. Er hatte einen elfischen Händler in der Stadt getroffen, den er aus dem fernen Elminaén noch kannte und, trotzdem er eigentlich keine Spuren hier hatte hinterlassen wollen, diesem den Brief darum vertrauensvoll mit der Bitte übergeben ihn im Gasthaus zur goldenen Brücke in Fadrun zu übergeben. Doch gerade als Dubh Eleah berichtete wie er den Kartographen gerade noch abfangen konnte, ehe der zu seiner Familie in die wohlverdiente Abendruhe hin entschwand, diesem eine grobe Weltkarte mit den großen Handelsrouten Alvaranias abzuringen, wurde es plötzlich laut am Tresen der Wirtsstube.

„SCHER DICH ZU DEN FEUERDÄMONEN, DU ETÁÍN-VERDAMMTER THARGÔN ANBETENDER GÖTZENDIENER, ODER WILLST DU DEIN VERFLUCHTES UNGLÜCK ETWA AUF MICH ABSTREIFEN, HÄH?“ Eleah und Dubh, blickten beide erstaunt, zum Eingang hinüber, wo ein mittelalter schmutzigblonder Mann am Boden lag, einen zersprungenen Krug noch in seiner Rechten, derweil das Bier ihm von der Kleidung herab zu Boden rann. Doch damit offenbar noch nicht zufrieden gestellt, hob der den Ersten offenbar umgeworfen habende feiste Gast seinen Stiefel, dem Mann nachtretend das Gesicht so noch zu verunstalten, dass... „AU, VERDAMMT, RUNTER VON MIR, DU SCHEISS KATZENVIECH!“ Noch ehe Eleah oder Dubh hatten reagieren können, hatte der auf des Sqeulaiches Schoß bis eben noch ruhig zusammengekauert gelegen habende Luzifer sich mit drei gewaltigen Sätzen durch den Gastraum und mit ausgefahrenen Krallen auf den Rücken des feisten Mannes katapultiert. Doch noch ehe der von der schwarzen Katze Attackierte irgends reagieren konnte, war Luzifer schon von dessen Rücken hinab und auf die Brust des noch immer am Boden liegenden ersten Mannes gesprungen, wo er nun, dem Feisten zugewandt, böse faucht. Dubh war bereits auf halbem Wege zu dem Geschehen hin, als ein gewaltiger Gongschlag die ganze Taverne zu durchhallen schien. Der Wirt stand mit einer gewaltigen kupfernen Pfanne, die er eben lautstark auf den Hinterkopf des feisten Mannes hatte nieder fahren lassen inmitten des Gastraumes. „Keine Gewalt in meiner Gaststube. Ich glaube, ich sagte es schon.“ Der nun gleichfalls am Boden liegende feiste Kerl erhob sich schwankend wie liederlichst fluchend mühsam auf seine Beine und zog sich dann aber angesichts der erneut erhobenen schweren Pfanne doch recht kleinlaut werdend leise zurück und verschwand aus dem Gastraum. Während der Gastwirt dem Niedergestoßenen auf die Beine half, Luzifer streifte inzwischen wieder schnurrend um Dubhs Füße, war um sie herum überall leises Gemurre zu vernehmen, von wegen nach Meinung der meisten Gäste der feiste Kerl weit mehr im Recht war, denn dieser verfluchte Götzendiener.

„Ein neues Bier für diesen Mann.“ meinte Dubh nur lapidar und zog den Fremden ungefragt mit zu seinem und Eleahs Tisch. Alleine der Umstand, das er Ungerechtigkeiten nicht leiden konnte, hätte ihn diese Einladung wohl kaum aussprechen lassen. Aber Luzifers ungewöhnliches Verhalten einerseits, wie der Umstand, das der alte Glauben alleine, gerade hier in Cathrad, solche Reaktionen kaum erklärte bewogen zusammen gerechnet den Sqeulaiche zu der spontanen Einladung. Unsicher ob der feilgebotenen Freundlichkeit folgte der nach Bier stinkende Blondschopf Dubh indes zum Tisch, an dem er zusammen mit Eleah und Dubh zögerlich Platz nahm. „Geht aufs Haus und du kannst dich hinten kurz waschen, dass deine Frau beim Heimkommen nicht noch glaubt du hättest dich auf irgendwelche trunkenen Wirtshausschlägereien eingelassen.“ Zitternd nahm der Fremde einen großen Schluck aus dem Krug, stellte diesen halb leer wieder auf den Tisch und zog sich entschuldigend in die hinteren Räume des Gasthauses zurück, derweil der Wirt ungefragt dessen Platz einnahm und Dubh und Eleah mit einem neuen Blick betrachtete, der von beruflicher Gleichgültigkeit zu, war es Respekt?, gewechselt war. „Ihr hättet euch nicht einmischen sollen. Erik und seine Familie sind alteingesessene und ehrbare wie aber auch vom Unglück gezeichnete Bewohner Shuridrons. Ihr werdet es jetzt bei den meisten Anderen hier im Ort schwer haben, fürchtet man die Bewohner von Voruad-Haus doch beinahe mehr als Aussätzige noch.“ Doch war das dem Wirt scheinbar kein Grund nicht auch Dubhs und Eleahs Zeche zu übernehmen und Luzifer beim Erzählen all dessen versonnen hinter den Ohren zu kraulen.

Aber als der Fremde, Erik Voruada, mit einem zaghaften Lächeln und feuchten aber sauberen Kleidern wieder an den Tisch trat und der Wirt mit einem letzten Lächeln gen Eleah und Dubh dessen Platz wieder frei gab, bemerkte Dubh trotz seiner dunklen Gläser etwas: Ein, zwei der Gäste nickten ihm ob seines kurzen Rundumblicks freundschaftlich zu, doch die meisten behandelten Sqeulaiche und Eleah fortan so, wie Dubh es an sich nur gewohnt war, wenn seine Brille mal wieder unbeabsichtigt verrutschte und so des Raéyuns Natur versehentlich preis gab. „Ich danke euch, Sera, aber ihr hättet mir nicht helfen sollen. Nun wird man auch euch prellen.“ wiederholte Erik unwissentlich des Wirtes letzte Worte nochmals und stellte sich daraufhin vor. „Aber bei Tibur“, Erik nickte kurz gen den wieder hinter seinem Tresen thronenden Wirt. „werdet ihr trotzdem eine gute Unterkunft finden. Seine und meine Familie sind seit Generationen eng befreundet.“ In einem unbeobachteten Moment, Dubh hatte sich nach dem Tumult nun mit dem Rücken zum Schankraum hingesetzt, linste Dubh über seine Brille, derweil Eleah unbewusst oder möglicherweise ja auch in voller Absicht, den Fremden besorgt über dessen Zustand befragte und ob er sich ob des Sturzes nicht vielleicht verletzt hätte. Als Dubh die Brille wieder auf die Nase und mithin vor seine markanten Augen schob, schien er ausgesprochen nachdenklich und überließ es vielmehr Eleah, sich mit dem Mann zu unterhalten, der ihr von Anfeindungen durch die Nachbarn und unzähligen ihnen immer wieder widerfahrenden Unglücken in und um das Anwesen berichtete. „Wüsste ich es nicht besser, ich würde wohl auch vermuten das mein Haus den Etáín auf Übelste gefrevelt haben muss, ein solches Schicksal zu verdienen.“

„Doch habt dank, das Ihr mir beistandet.“ murmelte Erik verlegen, wie sich zum Abschied nun erhebend. „Und wie gesagt: Wenn ihr meinetwillen nun Ärger bekommen solltet, kann Tibur euch sicher da raus helfen und euch etwa zumindest doch gute Zimmer anbieten, wo andere euch die Türen nun – es tut mir leid, das verursacht zu haben – vor den Nasen wohl zuschlagen werden.“ Auch Dubh erhob sich und versuchte dabei Eleah einen ebenso bedeutungsschwangeren wie aber auch fragenden Blick zuzuwerfen. „Ach eigentlich,“ erwiderte Dubh lakonisch, „hatte ich gehofft, wir könnten vielleicht bei Euch für einige Tage unterkommen. – Wir haben einen eigenen Wagen und würden euch sicherlich nicht groß zur Last fallen, aber wenn wir hier schon nicht gut gelitten sein werden, warum dann nicht einfach euch ein wenig unterhalten, hm? Sagt, wann hattet ihr zum letzten Mal einen waschechten Geschichtenerzähler bei euch im Hause, hm?“ Ob des fassungslosen Anblicks Eriks, der nicht glauben mochte das irgendjemand nach dem soeben Erfahrenen auch nur noch den kleinen Zeh auf das Land seines Hauses zu setzen wagte, musste Dubh leise lachen und schob dabei, noch immer den Rücken der Gaststube und deren Besuchern zugewandt, die Brille eine Nuance nach unten, Erik nun direkt in dessen schockgeweitete Augen zu blicken. „Nun Erik Voruada, was meint Ihr? Mögt Ihr einem fremden Barden und seiner ihm angetraute Frau“, Dubh strahlte ob dieser Worte kurz glücklich zu Eleah hinüber, die Brille dabei wieder vor die Augen geschoben habend. Es hörte sich ungewohnt noch an, aber am liebsten hätte er diese letzten Worte immer und wieder wiederholt! „... das Gastrecht wohl gewähren?“

Erschrocken war Erik gegen den in seinem Rücken stehenden Tisch getaumelt, das einige der bis eben sie noch missmutig aus den Augenwinkeln nur betrachtet habenden Gäste in Erwartung einer neuen Auseinandersetzung wider den Unglücksbringer schon begeistert aufjohlten und der Wirt stirnrunzelnd zu ihnen herüber blickte. Doch nach ein, zwei tiefen Atemzügen trat Erik wieder auf Dubh und Eleah zu, entspannte sich der Wirt, wandten sich die Gäste wieder murrend ihren eigenen Angelegenheiten zu. „K-, könntet ihr mir - ich meine uns, unserem Hause hel-, helfen?“ Dubh zuckte nur mit den Schultern. „Also eigentlich hoffe ich zuallererst einmal nur auf einen sicheren Standplatz für unseren Wagen, das nicht irgendwelche Vandalen meinen uns nun auch den Garaus machen zu müssen, nur weil wir Euch nicht genauso verächtlich behandeln, wie sie es tun.“ Weitere drei, vier, fünf tiefe Atemzüge später nickte Erik zögerlich. „Doch, ja – ich meine, ich … ich meine: Seid doch bitte meine Gäste, aber bitte behaltet im Gedächtnis, das die steten Unglücksfälle von denen alle hier murren keine Märchen sind. Wenn ihr mich begleitet, will ich sicher sein, das ihr wisst, wirklich wisst, auf was ihr euch da einlasst. Denn mit den Etáín ist wirklich nicht zu spaßen!“ Dubh blickte erst zu dem zwischen Eriks Beinen entlang streifenden Luzifer hinab, dessen schwefelgelbe Augen Sqeulaiche Dubhs durch dessen Gläser verhüllten Blick nichtsdestotrotz unverwandt erwiderte. Dann blickte er zu Eleah. „Deine Entscheidung!“ meinte er darauf sanft an Eleah gewandt und der Klang seiner Worte machte ihr deutlich, das er hinter jeder ihrer Entscheidungen stehen würde, war er selbst doch gerade wie zwiegespalten. Zum Einen wollte er Eleah in keiner noch so geringen Gefahr wissen. Zum Anderen war da dieses Haus, dieses Geheimnis, dieses Unglück und Elend, das sie erkunden, ja gemeinsam vielleicht gar auflösen mochten…
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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Eleah » Di, 12. Apr 2016 18:21

"Du hast ihnen Briefe geschrieben?", hakte Eleah immer noch grinsend nach und konnte sich kaum vorstellen, wann er das angestellt hatte. Als er von entsprechenden Schwierigkeiten berichtete, die ihm das Schreiben und Weitergeben gekostet hatten, musste Eleah fröhlich lachen. Umso mehr zuckte sie im nächsten Moment zusammen, als sich ein lauter Streit am Tresen entbrannte. Aymân hatten sie unbeschadet hinter sich gelassen und nun sollten sie in der wirklich beschaulichen Stadt auf Ärger treffen? Eleah wandte sich um und sah im nächsten Moment schon erstaunt, wie sich Luzifer zwischen dem Angreifer und das Opfer stellte. Als sie fragend, wie auch darum bittend, dass er etwas tun sollte, aber möglichst ohne sich selbst einzumischen, war Dubh schon längst aufgestanden und auf dem Weg zu den beiden. Eleah rutschte das Herz ein ganzes Stück tiefer. Wenn sie in all den Jahren etwas über Gasthausschlägereien gelernt hatte, dann war es, sich nicht einzumischen. Denn das ging selten gut für denjenigen aus. Glücklicherweise schaltete sich der Wirt ein, ziemlich gewaltsam, aber auch sehr wirksam und bevor Dubh in Schlimmeres verwickelt werden konnte. Eleah registrierte mit einem mulmigen Gefühl die Reaktionen der anderen Gäste, als der Angreifer sich geschlagen gab und verschwand.

Unsicher, aber ihm gegenüber offen, lächelte sie den Blondschopf, den Dubh an ihren Tisch eingeladen hatte, aufmunternd an. Die Worte des Wirts über Erik und seine Familie, als dieser sich im hinteren Raum frisch machte, ließen nichts Gutes ahnen. Sollten sie sich durch diesen Vorfall die ganze Stadt zum Feind gemacht haben? Erik machte auf sie keinen unsympathischen noch bedrohlichen Eindruck. Wie konnte man zum Aussätzigen einer ganzen Kleinstadt werden? Eleah fühlte sich sichtlich unwohl, auch wenn sie versuchte, das zu überspielen. Trotzdem tat ihr Erik leid und da sie nicht nachvollziehen konnte, was die anderen gegen ihn hatten und sie sich generell immer erst ihre eigene Meinung bildete, sprach sie ganz unvoreingenommen mit ihm und wollte wissen, was das eben zu bedeuten hatte. Seiner Meinung nach schien er vom Pech verfolgt zu werden, doch vorstellen konnte sich die Taurrin das zunächst nicht, auch wenn es sie betrübte, dass dies scheinbar sehr viele so wahrnahmen und ihn deshalb mieden. Doch je mehr er erzählte, desto mehr beschlich Eleah der Gedanke, ob er wirklich wortwörtlich vom Unglück verfolgt wurde. Konnte das wirklich sein? Wenn sie an Fangruls gruselige Anekdoten dachte, die von naturmagischen Kräften handelten, mit denen nicht nur gute Dinge vollbracht wurden, klang dies hier fast nach einer Gruselgeschichte über Verfluchte. Doch Eleah konnte sich nicht vorstellen, dass dies ernsthaft möglich war, und hatte es immer für Geschichten gehalten, um kleinen Mädchen, wie sie damals eines gewesen war, Angst einzujagen.

Eleah schaute auf als sich Erik plötzlich erhob und verabschiedete. Sie war zwar ein guter Mensch, aber sie wollte auch sicher und unbeschadet im Norden ankommen, sodass sie ihn nicht aufhalten wollte. Doch als sich Dubh erhob, ahnte sie bereits, dass er anderes im Sinn hatte. Erst als er die Brille ein Stück senkte und sie die goldenen Augen sah, als wäre es das erste Mal, verstand sie, wieso er es tat. Er wollte helfen, soviel war klar, aber der Fremde vorhin hatte von den Etáín gesprochen, von Naturwesen soweit sie wusste. Vielleicht wollte Dubh nicht nur helfen, sondern konnte es tatsächlich auch. Die Unglücke, die Erik kurz umriss, beunruhigten sie nichtsdestotrotz, weshalb sie ein paar Augenblicke ernsthaft darüber nachdachte, ob sie mitgehen sollten. Doch hierzubleiben und im Wagen zu übernachten, umgeben von Leuten, von denen sie scheinbar ernstlich mit Anfeindungen zu rechnen hatten, beruhigte sie nun auch nicht wirklich. Seufzend erhob sich schließlich auch Eleah, lächelte kurz zu Dubh hinüber und blickte dann den Pechvogel an. "Ihr habt sie gesehen. Wenn nicht er Euch helfen kann, dann weiß ich auch nicht", sprach sie vielsagend, aber auch so leise, dass wirklich nur Erik es hören konnte. Dubh hatte seine Augen gezeigt, aber das war kein Anlass, es auch die anderen Leute wissen zu lassen, die nicht auf Eriks Seite standen. Sie wollte ihm nicht zu viele Hoffnungen machen und Dubh auch nicht in den Himmel loben, aber - angenommen das alles entsprach der Wahrheit und den Tatsachen - wer konnte besser mit den Naturgeistern reden als ein Raéyun?

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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Sqeulaiche Dubh » Mi, 13. Apr 2016 16:12

Sqeulaiche Dubh verzog leicht schmerzlich das Gesicht, als er Eleahs Worte an Erik mehr erahnte, denn hörte. Aber würde er ihre heilerischen Fähigkeiten, insbesondere nach dem zweiten Leben, welches sie seiner Schwester Eve geschenkt hatte, nicht gleichfalls maßlos wohl überbewerten? Und doch wünschte der Raéyun, er könnte in Eleahs Augen ebenso lesen, wie in denen all der Anderen. Doch wieder schob er, wie schon die vielen Male zuvor, die Frage fort, warum das wohl so sein mochte. Vielleicht blickte er Eleah darum noch einen Augenblick länger fragend an, so zumindest aus ihrer Mimik, Gestik et cetera noch zu lesen, inwieweit sie wirklich hinter ihrer Entscheidung stand. Aber sie war erwachsen und wusste selbst gut genug, was wollte. Leise verabschiedete der Wirt sich noch von Erik und als der ihm von dem Entschluss ihn zu begleiten berichtete, nahm Tibur die Beiden nochmals zu Seite. Er habe kein schlechtes Bild von Erik zeichnen wollen, doch die Geschichten um die Unglücke welche allen Bewohnern von Voruad-Haus zuteil würden, wären nichtsdestotrotz wahr und die Gefahr dort nicht zu unterschätzen. Annehmend, das Dubh und Eleah vielleicht nicht genug Geld hatten, obgleich beide beileibe nicht am Hungertuch zu nagen schienen, bot Tibur Ihnen sogar an auch die Übernachtung für beide zu übernehmen. „Erik und seine Familie sind wirklich voll in Ordnung!“ wisperte Tibur den beiden Gästen vor ihm zu. „ Aber – wollt ihr es euch nicht dennoch überlegen?“ ernsthafte Sorge sprach aus des Wirtes Worten, doch in diesem Falle hatte Dubh sich scheint's entschlossen. „Nur den… Bewohnern von Voruad-Haus droht Unheil?“ fragte der Sqeulaiche vielmehr interessiert nach und versicherte darauf, für diese Information dankend, das Gastrecht Eriks in Anspruch zu nehmen, aber nichtsdestotrotz im Wagen zu wohnen. „Vielleicht reicht das alleine ja schon, uns vor dem gröbsten Unbill zu schützen.“ Der Wirt blickte ihnen beim Verlassen seiner Wirtsstube zweifelnd nach, und Dubh mochte es ihm nicht verübeln. Aber je früher er wusste, inwieweit Eleah den Gefahren gegenüber gewappnet sein würde, welche die Geister der Berge wie des Windes ihm immer wieder in den Weg doch legten… Und immerhin konnte es um das Voruad-Haus so schlimm nicht bestellt sein, wenn dort immerhin und nichtsdestotrotz Menschen doch noch lebten, dachte der Sqeulaiche Dubh zu jenem Zeitpunkt noch naiv.

Aber schon im Stall, in welchem er und Eleah ihren Wagen abgestellt hatten, kam ihm die Einsicht, das sie sowieso keine andere Wahl hatten, denn mit Erik zu gehen, oder aber alleine weiter zu reisen und Letzteres, in einem Gebiet, in welchem Kleinfürsten jeden Reisenden als vermeintlichen Armaganen schikanierten oder gleich fest setzten, derweil unter dem Deckmäntelchen des Freiheitskampfes auch hier im Süden manche Banditen sich an der vermeintlich unterdrückerischen Herrschaftsschicht rächten – hier brauchte Dubh nur zu erinnern, was er von der Eiswüste kommend über das Schicksal Trithoban Vossuls von der nahen Feste Burg Kernok vernommen hatte… Nein, sie hatten gar keine andere Wahl, als mit Erik zu ziehen, wollten sie nicht das ihnen das Gleiche widerfuhr wie ihm. Und wie so etwas aussehen konnte, verkündete ein halb verzweifelter, halb wütender Schrei Eriks, als Dubh gerade dabei war Casper einzuspannen. „Warum ihr verdammten Hundesöhne, warum?“ Eleah war weit vor ihm schon dort, da Dubh die letzten Gurte noch zurecht zerren musste, doch dann sah auch er es. Im abgeschlossenen und gar von einem Stalljungen bewachten Innenraum des Stalls, hatte Eriks Wagen dennoch dem Zorn der Bewohner dieses Ortes nicht entgehen können. Vielmehr schien es, das irgendwer eine Schindel des Daches, direkt über Eriks Gespann entfernt und sich dort dann erleichtert hatte. Menschlicher Kot und Urin hatten einen teuren Sack Mehls verdorben, von der Erniedrigung ganz zu schweigen. Und doch wollte Erik keinen Ärger, entfernte die äußeren Verschmutzungen so weit möglich und lud den Sack „Als Viehfutter mag es immerhin noch taugen.“ mit tränennassem Gesicht wieder zuhinterst auf seinen Wagen.

„Und wenn er nicht kommt?“„Er wird schon kommen. Er hat versprochen, das ihm nichts Ernsthaftes passieren wird.“„Wir hätten trotzdem nicht ohne ihn fahren sollen!“„Er hat darauf bestanden Eleah, das weist du so gut wie ich.“ Und so war es auch. Ob der Ereignisse im Stall des Gasthauses hatte Erik darauf bestanden getrennt den Ort zu verlassen, den Zorn der Bewohner so nicht noch stärker auf Eleah und Dubh auch zu lenken. „Ah, siehst du? Da kommt er ja schon.“ Und doch klang auch in des Raéyuns Stimme eine gewisse Erleichterung mit, den Wagen und dessen Lenker unbeschadet vor sich zu sehen. Weit über eine Stunde mussten sie noch gen Norden fahren. Doch die goldgelbe Sonne zu ihrer Linken und das nun immer deutlicher von Herbstfarben durchzogene Laubwerk eines kleinen Gehölzes zu ihrer Rechten machten die Fahrt zu einem mehr als angenehmen Erlebnis. Dann erschien vor ihnen schließlich, die Sonne war gerade untergegangen, ein schattendunkler Hügel voraus, darum eine hohe Dornenhecke hinter deren Ranken eine alte steinerne Mauer zu erahnen war. Und oben auf dem Hügel erblickten sie dann zuletzt ein düsteres zweigeschossiges Haus mit hohen Fenstern und Erkern aus denen aber verlockend warm der Schein von flackernden Kaminfeuern zu winken schien. „Brrrrrr – Haaaaaalt!“ bremste Dubh den Wagen aus und stieg dann vor dem schweren hölzernen Tor aus. Erik wollte erst einmal seine Leute warnen, da die Seinen bei Besuchern zuletzt leider immer von Ärger ausgehen mussten und die Ankündigung des Erscheinens eines Raéyun deren Alarmglocken wohl nur noch mehr zum Klingen bringen dürften. Dubh indes nahm die kleine Piccoloflöte und lief, Eleah bittend nicht das Tor zu durchschreiten ehe er wieder zurück wäre, flötespielend die Mauer erst westwärts und nach einigen Minuten zurückkehrend ostwärts ab.

Als Dubh wieder zum Wagen zurückkehrte erblickte er eine Schar von drei Männern und glaubte nun erstmals den Geschichten Eriks, das dessen Familie mit seinem Dienst als Söldner und Krieger sich seinen Besitz zusammen getragen hatte. Diesen um Kopfeslängen überragend umstanden zwei kräftig gebaute breitschultrige Männer mit vollen Bärten und einer Tracht, die Dubh eher in den wilden Landen vermutet hätte um den Wagen, auf dessen Kutschbock Eleah wohl Platz genommen hatte, so mit den Anderen auf Augenhöhe sprechen zu können. Und doch, trotz unter den Gewändern schimmernder Rüstungsteilen und Schwertern wie Hellebarden, war die Stimmung in keinster Weise bedrohlich, obgleich sich die Männer bei seinem Nahen doch merklich anspannten. „Stimmt es,was Erik sagte, das Ihr ein Kr-… heiliger Etáín! Dann ist es also wahr.“ Doch nach einem nur kurzen Zögern dann, in welchem Dubh seine Augen wieder hinter den dunklen Gläsern verbarg, lachte der Mann freudig auf und zwang den Raéyun in eine Umarmung, das der seine Rippen zu knirschen hören meinte. „Willkommen auf Haus Voruad.“ lachte der hünenhafte Riese, Eleah einen überraschend formvollendeten Handkuss schenkend. „Erik sagte, du könntest uns helfen?“ fragte der als Ciaran sich vorgestellt habende Hüne direkt. Dubh lächelte müde. „Ich bin auf meinen Reisen vielen verwunschenen Orten begegnet, an denen mein Volk seine Spuren hinterlassen hat. Doch dieser Ort zählt nicht dazu. Dennoch will ich noch immer bleiben um vielleicht zu finden, was euren Blicken bisher entging.“

Nein Eleah, das war wohl nichts mit dem Ritter in glänzender Rüstung. So etwa mochte das Lächeln Dubhs zu deuten sein, welches er ihr beim Aufsteigen schenkte, ehe sie ihren Wagen um das auf einer scheinbar alten steinernen Grundmauer errichtete hölzerne Bauwerk mit seinen vielen Spitzdächern umrundeten. Der Garten war wild und ungepflegt und das Haus von außen düster anzuschauen. Doch von der Gartenseite aus, Eleah machte Casper gerade an einem von dornigen Rosen umrankten alten Ziehbrunnen fest, neben dem Erik eine hölzerne Tränke und einen Haufen frisches Heus platziert hatte, öffnete sich eine zweiflüglige Tür zu einer gut drei Meter hohen hölzernen Halle, die trotz des dunklen Holzes allüberall – oder ja vielleicht ja auch gerade darum – und mit dem an der hinteren Wand lodernden Kaminfeuer einladend behaglich geradezu schien. Doch wieder bestand Dubh darum, das Eleah nicht ohne ihn das Haus betreten sollte und zog, dieses Mal mit seiner Balalaika bewaffnet und Eleah an seiner Seite, leise spielend um das Haus herum. Als er sich außer Hörweite der Bewohner des Hauses wähnte, begann er dazu noch leise in altcoreonischer Sprache zu singen, wobei Eleah zumindest ihren Namen mehrmals dabei heraus zu hören glaubte. „Ich bat die Geister darum dich vor dem Unglück zu bewahren, kleiner Geist und versprach zu richten, was dieses Übel hier möglicherweise verursachte, so es in meiner Macht denn liegt und dem Willen der Geister der Berge und des Windes denn entspricht. Ich weiß nicht ob es hilft, aber zumindest kann es bestimmt nicht schaden.“ erklärte er sich Eleah zwischendurch. Auch blieb er immer wieder stehen und besah sich sowohl die Grundmauern, als auch die späteren hölzernen Aufbauten.

Dann schließlich betraten Eleah und er das Innere des Hauses, wo ein großes Mahl sie erwartete. Das sie schon zu Abend gegessen hatte, und von der Reise müde waren, ließ man nicht gelten. Alle erwachsenen 27 Familienmitglieder und 13 Kinder wurden Ihnen vorgestellt und alle sprachen sie mit Dubh. „Hat einer von uns den Fluch auf sich geladen, und sei es auch unwissentlich?“ Dubh erkannte das selbst bei einer Bestätigung alle versuchen würden einander zu helfen. Einer besonders ängstlichen Frau teilte er deutlich mit, nur des Fluches wegen hier zu sein, fürchte sie doch zu Recht ihre heimliche Liebschaft mit ihrem Schwager kaum vor dem Raéyun verbergen zu können. Einem der Kinder indes riet er eindringlich davon ab dessen Schwester weiter zu schikanieren. und einem alten Mann teilte er im Zwiegespräch mit, dessen heimliche alchemistischen Forschungen sich anschauen zu müssen, obgleich diese vermutlich nichts mit dem Fluch zu tun haben dürften. Ebenso wollte er auch die okkulten Bemühungen der Ehefrau Eriks im Geheimen nochmals näher mit ihr besprechen, obgleich sie wohl eher damit zu verhindern versuchte, was hier geschah. Doch ab dieser und weiterer kleinerer Geheimnisse, ergaben die Gespräche mit den Familienmitgliedern keine weiteren Erkenntnisse. Aber während die Bewohner sich Dubh gegenüber mit der Zeit merklich entspannten, stellte er sie doch weder bloß, noch versuchte er sie irgends zu unter Druck zu setzen oder gar zu erpressen, und Eleah deren Herzen sowieso wie im Fluge zu erobern schien, bestand der Raéyun darauf draußen im Wagen, und vor dem Haus zu kampieren. „Manchmal braucht es den Blick von außen, eine Gefahr im Inneren zu erkennen.“

Erik, der – wie sie nun wussten – eben seiner schmächtigen Statur und seiner Abscheu vor Gewalt wegen, die notwendigen Fahrten nach Shuridron stets unternahm, die Situation so nicht noch mehr eskalieren zu lassen, begleitete Eleah und Dubh noch bis zum Wagen, in dessen Innerem der reichlich mitgenommene Luzifer ängstlich ihrer harrte. Die vielen scheuen Katzen, die den Abend über gleichfalls alle einzeln beim Sqeulaiche schnurrend Vorsprache gehalten zu haben schienen, wie selbst die Bewohner des Hauses erstaunt zur Kenntnis nahmen, hatten den Neuankömmling scheinbar in seine Grenzen verwiesen und die – wie es aussah – beschränkten sich offensichtlich auf eben diesen Wagen hier. Doch erst einmal hieß es, dem kaum mehr zu widerstehenden Schlafbedürfnis nachzukommen. Wieder spielte Dubh, um den Wagen, den Brunnen und Casper schreitend eine leise, wie eindringliche ja nahezu verzaubernde Melodie. Erst nach der dritten Umrundung ihres Rastplatzes griff er sich einen bereitgestellten Eimer samt des daran befestigten Seiles, schöpfte damit einen Eimer Wasser und gönnte sich, trotz der herbstlichen Frische, unter den funkelnd klaren Sternen des Nachthimmels eine gründliche Wäsche. Dann, als er und Eleah unter warmen Decken im Wagen hockten, derweil ein Kauz direkt vom Wagendach herab zu rufen schien, fragte er noch halb vom Schlaf übermannt: „Sag mal Eleah, schnarche ich eigentlich?“
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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Eleah » Mo, 25. Apr 2016 20:49

Das mulmige Gefühl, von Tiburs letzten Worten bestärkt, blieb als sie Erik hinaus folgten und sollte noch eine ganze Weile bleiben. Erik schien zwar genauso freundlich wie Tibur zu sein, aber sie zweifelte langsam ernsthaft, ob sie das Ganze nicht auf die leichte Schulter genommen hatte. Mehrmals hatten beide betont, dass mit den Unglücken um das Haus und ihrem Bewohner nicht zu spaßen war, auch deshalb machte sie sich Sorgen, ob Erik nicht auf der Fahrt aus dem Ort bis zu ihrem Treffpunkt schon etwas zugestoßen war, als er so lange auf sich warten ließ. Mehrmals überlegte sie auf der folgenden Fahrt zu den Voruads Dubh zu fragen, ob sie nicht doch lieber zurückfahren sollten. Aber er hatte sie gefragt, sie hatte zugestimmt und auch seine letzten Worte an Tibur ließen keine Zweifel an seiner Entscheidung. In guten wie in gruseligen Zeiten, dachte Eleah und konnte sich für eine ganze Weile erfolgreich mit dem Anblick der wunderschönen Landschaft um sie herum ablenken. Schließlich erblickten sie das Voruad-Haus auf dem Hügel, der langsam ins Dunkle der aufziehenden Nacht getaucht wurde. Bei dem Anblick stand der Taurrin der Mund offen und sie fühlte sich abermals an die eine oder andere Schauergeschichte erinnert. Als Dubh sie dann Flöte spielend die Mauer auf und ab schritt, sah sich Eleah immer wieder um, fast in der Erwartung, dass gleich hinter ihr ein Geist auftauchen könnte, obwohl das natürlich völliger Blödsinn war, und verschränkte fröstelnd die Arme, obwohl sie den warmen Wollumhang trug. Wenigstens machten die Bewohner des Hauses einen recht freundlichen Eindruck, auch wenn sie riesige Hünen waren, die sie teils um ein paar Köpfe überragten.

„Ich bin auf meinen Reisen vielen verwunschenen Orten begegnet, an denen mein Volk seine Spuren hinterlassen hat. Doch dieser Ort zählt nicht dazu. Dennoch will ich noch immer bleiben um vielleicht zu finden, was euren Blicken bisher entging.“ Verbunden mit der Interpretation seines für sie bestimmten Lächelns nahm er ihr einiges von der Hoffnung, diesen Ort schnell wieder verlassen zu können. Offenbar hatte sie sich getäuscht und zu viel von ihm verlangt oder erwartet. Wie um sich zu entschuldigen fasste sie kurz nach seiner Hand und lächelte schief, ehe er Casper samt Wagen Richtung Haus lenkte. Wenn man sich die Dunkelheit, die Laute der nachtaktiven Tiere in der Ferne und die Kälte wegdachte, würde das Haus in dem etwas fremd wirkenden Stil vermutlich sogar ziemlich hübsch aussehen. Aber die ihr völlig fremde Umgebung war in der dunklen Nacht doch etwas anderes. Still lief sie an Dubhs Seite, der auf der Balalaika um das Haus schritt, bevor sie in das Innere traten. Den Rat, das nicht ohne ihn zu tun, befolgte sie gerne.

Die Großfamilie - Eleah hatte noch niemals eine so große Familie kennengelernt - nahm sie freundlich auf. Während die Frauen sie zu sich in ihre Mitte einluden und ihr offen und herzlich begegneten, hatte sie das Gefühl, Dubh eher mit nachdenklich wirkenden und hilfesuchenden Gesprächspartnern sprechen zu sehen. Offenbar steckten sie wirklich all ihre verbliebene Hoffnung in den Raéyun. Von innen wirkte das Haus sehr viel gemütlicher als von außen. Am Anfang schaute sich Eleah noch in unbeobachteten Moment unwohl um und zuckte bei lauten Geräuschen zusammen - so wie es der Fall war als eines der Kinder aus Versehen einen Teller zu Boden warf - in Erwartung einer Heimsuchung des Fluchs, doch die Gespräche mit den Frauen, Männern und Kindern um sie herum, schafften zunehmend eine entspannte Atmosphäre. Vor allem letztere lauschten begeistert den Erzählungen der Taurrin über Fadrun, das Gasthaus und den Wäldern von Sieryan, sodass es sich bald fast wie ein ganz normaler Abend anfühlte. Der größte Teil der Anspannung fiel jedoch von Eleah ab, als sie zur Nachtruhe ihren Wagen aufsuchten. Seufzend ließ sie sich auf dem weichen Bett nieder und kuschelte sich in die warme Decke, während sich Dubh in der kalten Nacht noch erfrischte. Bald schon legte sich Luzifer an ihre Beine und später gesellte sich auch Dubh dazu, den sie müde zulächelte als er den Wagen betrat.

Trotz der Müdigkeit konnte sie lange nicht einschlafen. Ihre Gedanken kreisten um Erik, um seine große Familie und natürlich um den Fluch. Die Gespräche und gastfreundliche Atmosphäre hatten sie abgelenkt, aber nun in der schläfrigen Stille kehrten sie samt möglicher Alptraumszenarien zurück. Daher musste Dubh auch nicht lange auf eine Antwort warten, als er sie fragte, ob er schnarchte. "Was?" Schmunzelnd drehte sie sich zu ihm herum und blickte in schlaftrunkene goldene Augen, die in dem durch den einfallenden Mondschein leicht erhellten Wagen zu erahnen waren. "Natürlich nicht. Dann müssten wir doch in getrennten Zimmern schlafen und das wäre ziemlich unpraktisch. Wir hätten ja kaum einen zweiten Wagen verlangen können", erwiderte sie flüsternd und kuschelte sich dann nah an ihn an. Noch verlief ihre Hochzeitsreise zwar nicht unbedingt so, wie sie es erwartet hatte, aber seine Nähe ließ sie das und ihre düsteren Überlegungen zuvor schnell vergessen. Ihre Zweisamkeit in dem Wagen bot dafür einige sehr schöne Annehmlichkeiten um auf andere Gedanken zu kommen.

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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Sqeulaiche Dubh » Di, 26. Apr 2016 12:00

„Hey, ich will auch rein. Mach schon auf! Mir ist echt kalt. Hallo?“ schlaftrunken öffnete Dubh die Augen und stahl sich ohne Eleah zu wecken aus der gemeinsamen Schlafstatt. Einen trockenen Holzscheit in die Glut des bronzeverkleidetet Ofens legend, das die Wärme so bis zum Morgen noch behaglicher zwischen den Wänden des Wagens gefangen blieb, trat er dann aber, wie er war, an die Tür des Wagens. „Casper?“ Erstaunt trat er an dem Pferd vorbei, um zu sehen wer ihn da mit so harschem Gepoche wie -rufe aus dem Schlaf gerissen hatte. „Ist das weil ich kein Fleisch esse? Ich meine, sogar Luzifer darf bei euch im Wagen schlafen. Nur ich muss mir hier draußen den Arsch abfrieren.“ Erschrocken wandte Dubh sich der Stimme in seinem Rücken zu. Doch außer dem Pferd war da niemand. Wer aber hatte dann... „Ich meine, wenn es nur das ist, ich kann auch Fleisch essen, wenn du mich dafür nur endlich auch ins Warme lässt?“ Fassungslos blickte er zu Casper, der auf einem sich windenden kleinen Hasenbaby herumkauend und mit bluttriefendem Maul ...zu ihm sprach?! „Nein verdammt, du kannst nicht im Wagen schlafen und was fällt dir ein?“ Nun ernstlich wütend werdend schnappte der Raéyun sich das kleine Häschen und fragte sich ob Eleah dem Tier mit ihrer Heilkraft wohl noch zu helfen vermöchte. „Du bist einfach zu groß, du dummes Pferd! Du...“ Ein leises Knirschen ließ Dubh den Blick von dem verletzten Hasenbaby und zu Casper hin wenden. doch dort, wo eben noch das Pferd gestanden hatte, fand sich nun vielmehr eine lebensechte steinerne Nachbildung des Tieres, wobei die bildhauerische Arbeit statisch wohl schlecht durchdacht schien, zog doch ein immer breiter werdender Riss sich knirschend durch die Statue. „Casper?“ Doch ein plötzliches Poltern ließ Dubh erneut zusammen fahren. Zum Wagen hastend, wie nach Eleah rufend, stolperte Dubh plötzlich über etwas im hohen Gras und legte sich der Länge nach in das taunasse Grün. Mit schreckgeweiteten Augen blickte Dubh auf die aus schwarzem Basalt gefertigte Statue einer mit gesträubtem Fell und Buckel dargestellten kleinen Katze.

„Dubh!“ hörte er indes einen panischen Ruf aus dem Wagen und vergaß darum augenblicklich die skurrile Statue zu seinen Füßen, wie etwa auch deren frappante Ähnlichkeit mit dem Kater Luzifer. Doch noch ehe er auch nur die erste Sprosse der Treppe zum Eingang in das Wageninnere betreten hatte fiel Eleah ihm regelrecht entgegen und warf ihn, von einem erneuten seltsam unheimlichen Knirschen begleitet , zu Boden. „Dubh, was pas- siert mit ... m-“ Rasend schnell zog ein steinernes Aschschgrau über Eleahs Züge, Körper, Haare und mit jedem Augenblick schien sie schwerer und schwerer zu werden, bis... „Eleah? Eleah?! ELEAH!!!“ Doch sie konnte nicht mehr hören. Mit einem letzten leisen, fast knisternd anmutendem Knirschen, zog das Grau auch über Eleahs Augen und eine nunmehr leblose steinerne Statue, ein Ding ohne Seele keilte den panisch schreienden Dubh am Boden fest. „Du hättest nicht kommen sollen, Raéyun! Deine Götter werden dir hier nicht helfen können, du Narr!“ Süß klangen ihm die Worte der Frau entgegen, die ihm nackt aus dem Wageninneren entgegen trat. Ein wahr gewordener Männertraum… wäre sie wohl gewesen, würden sich nicht zischelnd und schlängelnd, schleimigem Gewürme gleich, unzählige kleine Schlangenleiber auf ihrem Haupte winden, wo die Haare sich doch eigentlich hätten finden müssen. Und erst ihre Augen, ihre Augen, ihre wunder-, wunder-, wunderv- Ein leises Knirschen begleitete einen seiner rasenden Herzschläge. Danach, eine Ewigkeit später wie es ihm schien, ein zweites Pochen, ein heftigeres Knirschen in seiner Brust und ein ziehender Schmerz in seiner rechten Schulter! Eben noch hatte er verzweifelt versucht sich von dem leblosen Abbild Eleahs zu befreien, welches ihn so gnadenlos zu Boden drückte, als er seinen Arm plötzlich nicht mehr zu bewegen vermochte. Mit einem lauten Knacken stieß der eben noch emporgehobene Leib der versteinerten Eleah gegen seine nun gleichfalls versteinerte Hand. Der ausgestreckte Daumen seiner Hand brach ab. Doch anstelle von Blut rieselte ihm vielmehr feiner Staub nurmehr ins Gesicht. „Bleibe wo du bist Liebling, und du bist mein!“ versprach die erregend schöne Gestalt vor ihm lasziv mit einer bei diesen Worten vorschnellenden wie gespaltenen Zunge. „Oder aber du fliehst mich, solange du noch kannst.“ Sich zu ihm herab beugend, der er nun auch seine Beine nicht mehr spürte, näherte die Gestalt ihr Lippen verheißend den Seinen, schob sich ihre Zunge zwischen seine nurmehr widerwillig wie knirschend nachgebenden spröden Lippen und...

„NEIIIIIIIIIN!!!“ Mit einem panisch gellendem Schrei stob Dubh von seiner Schlafstatt auf und alles um ihn her ignorierend, nackt wie er war, stürmte er aus dem Wageninneren. „Dubh, was, Dubh? Du hast geträumt, Dubh, so warte doch!“ Doch schien es, als hätte er Eleah nicht einmal gehört. Wohl noch nie zuvor hatte er Casper so schnell, oder auch so schlampig, vor den Wagen eingespannt. Immer noch panisch das Tier und den Wagen fort zerrend, prellte er dem Tier ob der hastig nur übergeworfenen Gurte wohl so machen Wirbel, Muskel und Knochen. Ein Riemen, falsch angelegt, riss mit einem berstenden Knallen und Eleah, von seiner schieren Panik inzwischen mitgerissen, hätte darob fast, nicht nur das immer lauter werdende Knirschen überhört habend, auch das tosende Gepolter gar noch ignoriert. Doch während Dubh nur panisch ein Ziel zu kennen schien, das Tor zur Grundstücksgrenze hin, sah Eleah wie der Grund und Boden auf welchem der Wage samt ihnen, Luzifer und Casper eben noch so friedlich geruht hatte, einbrach und laut polternd im Erdreich verschwand. Dem Tosen nach schienen tonnenschwere Felsen auf ebensolch harten Untergrund niederzugehen. Auch der Brunnen neigte sich hinter ihnen immer mehr dem Loche neben sich zu, stürzte schließlich in sich zusammen und jagte eine meterhohe Gischtfontäne gen sternendunklem Nachthimmel. Erst hinter dem Tor und außerhalb der Grundstücksgrenzen ließ Dubh den bockenden wie gleichfalls panischen Casper innehalten. Stimmen waren um ihn. Irgendwer legte ihm eine Decke um. Ein heißes Getränk, Tee vermutlich, benetzte seine Lippen, doch seine Augen, fieberblind, schienen niemand außer Eleah fixieren zu können und selbst von ihr schweifte sein Blick immer wieder zu einem Punkt hinter ihr ab. Doch so sehr sie und die Anderen auch gleichfalls dorthin blicken mochten, so sahen sie doch nichts, als einen Busch, aus dem aufgeschreckt einige junge Hasen flohen, als schließlich wer dort näher nach dem Rechten schaute. Dubh aber blickte unverwandt dort hinüber, nickte schließlich und lächelte gar, Eleahs Hand dabei fest umschlossen haltend.

Es hatte sich gezeigt, das die ausgedehnten alten Kellergewölbe scheinbar auch bis unter den hinteren Garten gereicht hatte. „Ich schwöre, so etwas ist noch nie passiert und wir haben in früheren Jahren ganze Wagenburgen dort aufgestellt.“ Die Sonne war just in dem Moment aufgegangen, als der letzte Stein polternd in die neu entstandene Sinkgrube gestürzt war und das leise Rauschen fließenden Wassers von dort untern herauf klang, derweil der aufgewirbelte Staub sich noch beinahe den ganzen restlichen Morgen in der Luft halten sollte. Man wolle ein Frühstück rasch bereiten. „Wenn ihr nun fort wollt, wir verstehen das! Aber bitte, bleibt zumindest doch noch bis zum Frühstück, ja?“ Die Bewohner brauchten wahre Engelszungen Eleah zum Bleiben noch zu bewegen. Doch da Dubh eh noch wie in einem Fieberwahn gefangen schien und zu kaum etwa zu gebrauchen war und auch die schiere Verzweiflung in den Augen ihrer Gastgeber, ob des nun wohl ebenfalls fort ziehen werdenden letzten Hoffnungsschimmers in Gestalt des Raéyuns, ihr Herz wohl erweichte, willigte diese schließlich ein. „Eleah, höre mir zu!“ Kaum das die Anderen alle fort waren, wandte Dubh sich Eleah zu und berichtete ihr von seinem Traum, dessen Anfang wohl abstruse Alltagsbewältigung bloß war, geleitet etwa von der Frage ob und wie Casper mit der nördlichen Kälte wohl klar käme, und aber auch der schlangenhäuptigen Etáín. „Vielleicht habe ich im Schlaf das erste leise Knirschen gehört, aber ich schwöre dir. Ohne diesen Heidenschrecken, den sie mir eingejagt hatte, wäre ich niemals so schnell...“ Er berichtete Eleah von allem, von dem ganzen Traum, bis hin zu der verführerischen wie zugleich aber auch erschreckenden Verheißung jener unheimlichen Schlangengestalt. „Ich bin mir sicher, sie wollte uns warnen. Die Etáín sind mit uns, hörst du? Ich, ich…“ Sanft nahm er Eleahs Hände in die Seinen. „Ich muss, ich muss einfach bleiben und helfen. Verstehst du das? Und auch wenn ich nun sicher bin, kleiner Geist, das die Etáín ihre schützenden Hände über uns halten. Wenn du lieber im Wirtshaus auf mich warten willst?“ Ein stummes Flehen lag in seinen Augen, ihn nicht zu verlassen, nicht ins Gasthaus zu gehen und dort seiner zu harren. Doch eingedenk des jüngst ihnen beiden beinahe zuteil gewordenen grausamen Todes. „Ich bin mir so sicher wie selten in meinem Leben zuvor, so sicher wie ich mir meiner Liebe dir gegenüber gewiss bin, dass die Etáín dir kein Leid gegenüber zulassen werden!“ Doch drängte Dubh nicht auf eine rasche Antwort, sondern bestand gar darauf, das Eleah es sich erst einmal in aller Ruhe noch durch den Kopf gehen lassen sollte.

Und dann waren auch schon alle Bewohner des Hauses vor dem Tore. Dick eingewickelt in warme Decken und Felle, hatte man sich entschlossen vor dem Tore ein gemeinsames Picknick zu veranstalten. So kam es, das sie alle gemeinsam am Fuße der heckenüberwucherten Mauer und oberhalb eines schlohweißen Nebelmeeres jenseits der Hügelkuppe zähneklappernd, wie frierend eine bemühte aber nicht gekonnte ausgelassene Stimmung an den Tag legten. Dubh misslang die Zurschaustellung von Ausgelassenheit, weil er wider seiner vorherigen Worte, sehr wohl wusste, das er Eleah niemals würde alleine ziehen lassen können. Wenn sie entschied zu gehen, dann würde auch er nicht länger bleiben und er fühlte sich regelrecht entzwei gerissen, ob dieser Befürchtung. Und die restlichen Hausbewohner? Sie froren sich hier draußen, an diesem kalten Herbstmorgen nur darum halb zu Tode, weil sie wussten, wie sehr des Raéyuns Entschluss zu bleiben auf Messers Schneide doch stand. Und doch war er, das erkannten sie allesamt - vom greisesten Kriegsveteran bis hin zur grade ihren Windeln entwachsenen kleinen Papett, wohl ihre letzte Hoffnung auf eine baldige Befreiung vom ihnen allen drohenden Fluch. Also machten sie alle gute Miene zum bösen Spiel und verabschiedeten sich schließlich nach dem Essen wieder ins Haus, die Eingangspforte verheißungsvoll weit auf stehen lassend. Dann schließlich, als der gerissene Riemen am Wagen ersetzt, Casper wieder soweit beruhigt und auch verarztet war, das er sich wieder würde einspannen lassend, löschte Dubh das zurückgebliebene Lagerfeuer, wohl wissend, dass neugierige Augen aus nahen Fenstern die davon nun aufsteigende Dampfsäule ängstlich beäugten. „Nun, was meinst du? Wollen wir auf den auch zukünftig verheißenen Beistand der Etáín vertrauend diesen Menschen weiter beistehen?“ Nein, das war eine böse Formulierung. „Verzeih, nein. Ich will dir kein Leid zumuten. Lasse dich darum auch nicht von meinen Worten manipulieren, kleiner Geist, sondern entscheide selbst. Willst du lieber gehen und die Reise fortsetzen, wegen derer wir überhaupt doch nur aus Fadrun aufbrachen?“ Lächelnd wartet er Eleahs Antwort ab und war sich nun sicher auch eine Fortsetzung ihrer gemeinsamen Reise ohne inneren Groll antreten zu können. Und hatte nicht die Schlangenfrau in seinem Traume selbst auch verkündet, sie möchten besser fliehen, solange sie denn noch konnten, selbst wenn sie nichtsdestotrotz ihre schützende Hand über ihrer beider Schicksal doch gehalten hatte?
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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Eleah » So, 29. Mai 2016 20:03

Es dauerte sehr lange bis Eleah nicht mehr zitterte. Weder der Tee noch die Decke oder das Feuer konnten sie wärmen oder beruhigen. Allein durch den Gedanken an das, was vor wenigen Minuten geschehen war, keimte neue Panik in ihr auf. Sie brauchte eine ganze Weile um das Geschehene wirklich begreifen zu können. Dass so etwas bisher noch nicht passiert war, sondern erst jetzt - also seit sie da waren - trug ebenfalls nicht zu ihrer Beruhigung bei. Am liebsten wäre sie auf das Pferd gestiegen und davon geritten, doch das war natürlich nicht einfach so machbar. Nachdem sie sich selbst soweit im Griff hatte, den Blick nach vorne zu richten und einen klaren Gedanken zu fassen, merkte sie, dass Dubh mitgenommener als sie selbst war und auch wenn sich alles in ihr dagegen sträubte, stimmte sie zu, doch noch zum Essen zu bleiben. Nes, mit der sie schon beim Abendessen ein paar Worte gewechselt hatte, gab sich besonders Mühe sie zum Bleiben zu bewegen. Es brachte nichts panisch und kopflos das Weite zu suchen, da musste Eleah ihr Recht geben.

"Eleah, höre mir zu!" Sie zuckte leicht zusammen ob seiner plötzlichen und so eindringlichen Worte. Stumm und mit zusammen gepressten Lippen hörte sie ihm und den Schilderungen seines Traumes zu. Der Traum einer verheißungsvollen Etaín trieb ihn also dazu, sie so sehr anzuflehen hier zu bleiben? Eleahs Nerven waren zum Zerreißen gespannt und unter normalen Umständen hätte sie ihn damit wohl noch geneckt. Doch das hier waren keine normalen Umstände. Sie unterbrach den Blickkontakt, da sie das Flehen in seinen Augen plötzlich nicht mehr sehen konnte und war froh, dass er nicht jetzt eine Antwort von ihr erwartete. Sie wusste, dass es im Grunde lächerlich war. Unter besagten anderen Umständen hätte sie wohl mehr auf den restlichen Inhalt des Traumes gegeben, doch wenn ihm diese Naturgeister nun schon so und so realistisch erschienen.. Eleah tat sich wirklich schwer damit unbeschwert damit umzugehen, was wohl daran lag, dass sie nicht viel über diese Etaín wusste, die aber im Moment Dubhs gänzliches Handeln zu bestimmen schienen.

Sie war froh als die anderen wiederkamen und die plötzlich unangenehme Stillen zwischen ihnen unterbrachen. Wo sie sich vorhin noch sicher in ihrer Entscheidung gewesen war, brauchte sie nun wirklich Zeit zum Nachdenken. Die aufgesetzte Fröhlichkeit aller war deutlich zu spüren, genauso wie ihre Bemühungen, sie beide hier zu behalten. Eleah beobachtete Nes und ihre Familie, und Dubh, der ziemlich verzweifelt aussah. Er hatte ihr angeboten, alleine zu Tiburs Gasthaus zurück zu kehren, doch das wollte sie nicht. Sie hatten sich etwas versprochen und das würde sie halten. Sie wusste, dass sie immer zu ihm halten würde, egal ob es sie selbst glücklich machte oder nicht. Auch wenn es ihr nicht gefiel, wie die Etaín schon in seinen Träumen erschienen, musste sie einsehen, dass die Raéyun fest mit ihnen verbunden waren - und konnte nur hoffen, dass nicht auch hinter seinem Traum irgendein böser Zauber steckte. Er hatte deutlich gemacht, dass er bleiben würde und als er ihr nach dem Frühstück anbot, die Reise gen Norden doch noch und gemeinsam anzutreten, ging sie davon aus, dass er es nur tat, um sie zu beruhigen. Doch ihre Entscheidung war gefallen - obwohl sie einen Moment wackelte als er die Etaín erneut erwähnte, was deutlich in ihrer Mine erkennbar war. "Schon gut." Sie lächelte, aber auch ohne seine Gabe sah er, dass es nicht vom Herzen kam. "Lass uns bleiben und den Leuten helfen." Ihre Worte waren ernst gemeint und ehrlich engagiert, auch wenn sie nicht gerade vor Freude sprühten. Damit wandte sie sich wieder Casper zu und würde alle Versuche seinerseits, erneut über Alternativen zu reden, abblocken. Sie kam sich fast ein bisschen unfair vor ob ihrer plötzlich unterkühlten Art, aber ändern ließen sich ihre Gefühle im Moment nicht.

Bis auf dieses eine mal ließ sie sich nicht anmerken, wie es ihr wirklich damit ging hier zu bleiben. Sie hatte nie eine der Frauen werden wollen, die ihren Männern sagten, was sie zu tun oder zu lassen hatten. Genauso stand sie hinter ihrer eigenen Entscheidung, die sie ja nun mal - wenn auch zähneknirschend - getroffen hatte. Und sie wollte den Menschen hier wirklich helfen und wenn die einzige Hoffnung Dubh war, würde sie ihn erst recht nicht zum Gehen zwingen. Also biss sie die Zähne zusammen und versuchte das Beste daraus zu machen, indem sie so wenig wie möglich über den Fluch und seine möglichen Auswirkungen nachdachte und es den anderen Familienmitgliedern gleich machte, die versuchten einen normalen Tagesablauf zu führen, während sie sich innerlich schon auf das nächste Unglück vorbereiteten. Doch nichts dergleichen sollte an diesem Tage noch geschehen. Jedenfalls bemerkte Eleah nichts, die ihre Kräuterkenntnisse mit den Bewohnern des Hauses teilte. Einige der Frauen hatten mit Schlafstörungen zu kämpfen, die die Taurrin ihnen vor allem unter den gegebenen Umständen nicht verübeln konnte. So entfloh sie mit drei von ihnen und Nes, die ihr kaum mehr von der Seite wich, am Nachmittag den alten Gemäuern um im nahen Wald ein paar Kräuter zu suchen, die sie später zu einem Tee aufkochten, der am besten vor dem Schlaf getrunken den Körper entspannte, sodass nicht mal mehr die quälenden Gedanken etwas gegen die bleiernde Müdigkeit tun konnten. Auch Eleah trank an diesem Abend von dem Tee, da sie schon den gesamten Nachmittag über die Frage gequält hatte, ob die folgende Nacht wohl so verlaufen würde wie die letzte. Sie war sich sicher, kein Auge zumachen zu können, wenn sie sich nicht etwas beruhigte. Die Gespräche mit den anderen Frauen hatten sie nicht nur abgelenkt, sondern auch ihr Gemüt wieder beruhigt. Ihr war schon am Morgen bewusst gewesen, dass ihre Reaktion Dubh gegenüber übertrieben und ihre abweisende Art unfair gewesen war. Trotzdem war die Ablenkung und der Abstand von all dem nötig gewesen und hatte seine Wirkung nicht verfehlt. Am Abend kehrte sie mit zunächst zurück gehaltener guter Laune und schuldbewusstem Lächeln zurück zu Dubh, um sich mit ihm zu versöhnen. Die Nacht verbrachten sie vor den Toren des Grundstücks in ihrem Wagen. Durch den Tee beruhigt fiel es Eleah leichter in einen tiefen und traumlosen Schlaf zu fallen, aus dem sie dieses mal nicht panisch geweckt wurde.

Entsprechend entspannt war der darauf folgende Morgen und auch den Bewohnern des Hauses schien ein Stein vom Herzen zu fallen, als sie sahen, dass der Raéyun noch immer da war und mit seiner Frau zum Frühstück ins Haus kam. Die beiden wurden gastfreundlich versorgt und jeder schien ein Blick darauf zu haben, dass es ihnen an nichts fehlte. Eleah nutzte den Tag, um den anderen beim Pflegen und Ernten des selbst angelegten Gartens und Gemüses zur Hand zu gehen. Nach dem großzügigen und kräftigenden Mittagessen wurde sie jedoch schon bald von Nes zu Seite gezogen. Eleah hatte schon am Tag zuvor erfahren, dass das Mädchen ein paar Jahre jünger war und die große Schwester von vier Brüdern. Daher vermutete sie, dass sie nun so etwas wie eine große Ersatzschwester in ihr sah. Neugierig folgte Eleah der blonden und großgewachsenen Nes in das Innere des Hauses. Nes wollte ihr unbedingt etwas zeigte und tat so geheimnisvoll, dass Eleah schon ganz unruhig vor Spannung wurde. Schließlich standen sie in einem Erker, der mit einem schweren Vorhang verhangen war. Dahinter offenbarte sich ein großes Bücherregal sowie zwei bequeme Sessel. Offenbar war dies hier ein Rückzugsort für jene, die gerne ein Buch in die Hand nahmen. Interessiert schritt Eleah auf die Bücher zu und streckte die Hand danach aus, doch Nes hielt sie zurück. "Lass' doch die Bücher. Die sind völlig uninteressant", meinte sie keck zu Eleah, griff nach ihrer Hand und führte sie zu der linken Ecke des Raumes wo einer der Sessel stand. Eleah runzelte die Stirn und überlegte, ob sich die Jüngere einen Scherz mit ihr erlaubte. Doch diese zwängte sich zielsicher zwischen der Lehne des Sessels und der Wand vorbei, griff hinter das Regal, tastete einen Augenblick nach etwas, ehe ein leises, aber in der Stille deutlich vernehmbares Klick ertönte. Nes' Augen leuchteten auf und sie bedeutete Eleah mit einer Kopfbewegung näher zu kommen. Dann bückte sie sich hinter den Sessel und war verschwunden. "Wie.. was.." "Komm schon, Eleah!", war die Antwort auf ihr erstauntes Gestammel und nun, da sie sich über den Sessel beugte, konnte sie die Lücke in der Wand erkennen, die geradewegs hinter die Wand führte. Eleah ließ sich nicht zweimal bitten und machte es Nes nach. Sie musste auf allen Vieren durch die Öffnung kriechen, doch dahinter kam ein Gang zum Vorschein, in dem die Hünen unter den Bewohnern zwar nicht würden stehen können, doch für Personen in ihrer Größe war dies möglich. Erstaunt blickte sich Eleah zwischen den kahlen Steinwänden um, die einen langen Gang bildeten, der nur vereinzelt von Lichtern erhellt wurde, das zwischen den Steinen im Gemäuer fiel. Nes zog sie kichernd weiter und Eleah folgte ihr begeistert. Die Gänge waren verschlungen und sie passierten ein paar kreuzende Wege. An manchen Stellen war der Gang nur so hoch wie der versteckte Eingang oder so schmal, dass sie sich drehen mussten, um den Weg zu passieren. "Rufus hat mir den Gang mal gezeigt. Er hat ihn beim Versteckspiel gefunden", erwähnte Nes nebenbei, eine Bemerkung am Rande, die für Eleah keine Bedeutung besaß. In der Familie gab es so viele Personen, da ging sie davon aus, dass Nes einen ihrer Verwandten meinte. Sie erklärte ihr auch, dass die Wege weit verzweigt waren und sie nur selten die Zeit und Gelegenheit fand, unbemerkt hier her zu kommen, weshalb sie bisher vermutlich nur einen kleinen Teil erkundet hatte. Vor allem jetzt, da sich weitere Gänge auf dem Grundstück in ihrer ersten Nacht offenbart hatten, lag diese Vermutung nahe. Bevor der Gang einen Knick nach rechts machte, legte Nes einen Finger auf ihre Lippen, um ihr zu bedeuten, still zu sein. Auch die Taurrin hatte etwas auf der anderen Seite der Wand vernommen. Leise schlichen sie weiter und als Eleah ein kleines Loch in den Steinen bemerkte, schaute sie durch dieses hindurch wie sie es schon ein paar mal zuvor getan hatte. Als Nes dies mitbekam, schlich sie schnell zurück zu Eleah und zog die errötete Taurrin an der Hand weiter. Sie hatte nur ein paar Augenblicke auf die Szene sehen können, doch was sich zwischen eine der Bewohnerinnen und dem bei ihm liegenden Bewohner abgespielt hatte, war schnell zu erfassen gewesen. Bald schon hörten sie Geräusche in den Gängen, die sie selbst nicht zuordnen konnten. Vielleicht waren es nur Ratten.. oder ein Verwandter von Nes, der ihnen auf die Schliche kommen könnte. Vor allem Nes wollte keinerlei Risiko eingehen, entdeckt zu werden und so beschloss sie, dass es besser war, umzukehren.

Eleah wusste nicht, wieviel Zeit vergangen war, als sie endlich wieder in dem kleinen Leseraum angekommen waren. Nes kam nach ihr durch die Öffnung, betätigte offenbar denselben versteckten Schalter, wodurch ein erneutes Klick ertönte und nichts mehr hinter dem Sessel auf den Geheimgang schließen ließ. Nachdem sie sich begeistert und flüsternd über den Gang ausgetauscht hatten, wurde ihre neue Freundin plötzlich wieder ernst. "Das, was du da vorhin gesehen hast.. versprich' mir, dass du es niemanden erzählst! Es scheint niemand zu wissen und wenn herauskommt, dass sie mit dem Bruder ihres Mannes.." Nes schüttelte nur den Kopf und machte ein unmissverständliches Zeichen mit dem Finger, den sie über die Kehle strich. Eleah bekam eine Gänsehaut und versprach ihr, dass sie es für sich behalten würde. Sie hatte sich vorhin also nicht getäuscht, als sie ernsthaft überlegt hatte, ob sie nicht immer einen anderen Mann neben dieser Frau gesehen hatte. Diese Tatsache, die ihr Nes nun bestätigte, hatte sie mehr schockiert als das Gesehene an sich.

Beim gemeinsamen Abendessen war es offensichtlich, dass der Mann neben der Ehebrecherin nicht der Mann war, mit dem Eleah sie hinter der Wand gesehen hatte. Sie fühlte sich unwohl in ihrer Haut und rutschte nervös auf ihrem Stuhl herum. Nes, die bald ihren nervösen Blick einfing, schüttelte ernst den Kopf, ehe sie sich wieder ihrem Essen zu wandte. Eleah war froh, als das Essen beendet war und sich die meisten zur Bettruhe legten. Offenbar entging auch Dubh nicht ihr Unwohlsein und als er sie auf dem Weg zu ihrem Wagen darauf ansprach, war Eleah froh, sich alles von der Seele reden zu können. Sie würde es niemanden aus der Familie erzählen, aber Dubh konnte sie alles erzählen. Also zog sie ihn in ihre eigenen vier Wände, verschloss die Tür, setzte sich zu ihm aufs Bett und erzählte ihm von dem Nachmittag mit Nes. Sie erzählte ausführlich von dem Geheimgang, den einmal Rufus entdeckt hatte - eigentlich erwähnte sie seinen Namen nur, da sie immer noch davon ausging, dass er einer der Bewohner war und Dubh ihn damit in Zusammenhang bringen konnte. Sie ließ kaum ein Detail aus und ihr war deutlich ihre Begeisterung anzuhören. Sie hatte sich noch nie in einem Geheimgang bewegt und das war ziemlich aufregend für sie gewesen. Und dann war da noch die Sache.. zuerst druckste Eleah herum, doch schließlich erzählte sie ihm von der Frau und ihrem Schwager. Sie hatte ja keine Ahnung, dass Dubh dies schon längst durch seine raéyunische Fähigkeit wusste. Umso eindringlicher bat sie ihn darum, niemanden ein Sterbenswörtchen zu erzählen, wenn sie den Hausfrieden nicht vollends zerstören wollten.

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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Sqeulaiche Dubh » Fr, 03. Jun 2016 19:10

Zum Nachmittag rauchte Sqeulaiche Dubh regelrecht der Kopf und das dazu noch das verletzte Knie seit seinem überhasteten Aufbruch in der vergangenen Nacht ununterbrochen schmerzte, verbesserte seine Stimmung auch nicht grad. Stunden über Stunden hatte er über den Chroniken dieses Hauses gebrütet, beraten von dem alten Doran, der die letzte – zur Hälfte bereits vollgeschriebene – Chronik beinahe gänzlich selbst verfasst und die anderen fünf Bände indes verwaltet und studiert hatte. Neben den gut 40 Namen der heutigen Hausbewohnern rauschten nun hunderte weiterer Namen der Ahnen und Vorväter, unehelicher Kinder und Liebschaften, Verbündeter, Feinde und Nachbarn ihm durch den Kopf und was hatte all das ihm gebracht, also außer hämmernden Kopfschmerzen jetzt? Nichts, was den Fluch ihm erklären könnte. Wohl wusste er nun, das die Vorfahren der Bewohner dieses Hauses aus den wilden Landen hergezogen waren. Irgendeine Weisung der Mächtigen von jenseits des Meeres, der alten Götter mit anderen Worten, hatte die Familie damals aus den wilden Landen und genau hierher verschlagen. Doch was dieser Grund war, hier quasi einen religiösen Außenposten des alten Glaubens zu errichten, darüber verloren die Chroniken nichts weiter denn nutzlose Andeutungen. Statt dessen hatte man sich vielmehr recht früh auch dem Handel mit den damals noch bestanden habenden Reichen Córalay und Cathard verschrieben und es so zu beträchtlichem Wohlstand doch gebracht. Viele Neider gab es und gar eine lange zurück liegende Episode mit einem Rache geschworen habenden orkischen Schamanen. Doch Rache wofür? Darüber schwiegen sich die Chroniken ebenso aus, wie über die Frage ob der Ork seine Rache denn noch gefunden hatte, war der doch nur eine kleine Anekdote in einem Nebensatz zu den Ereignissen um die Beerdigung Werdriks des Lohen (dessen Haar so rot war, wie eine lohende Flamme) gewesen.

Wie gesagt: Namen über Namen und Geschichtsfragmente, die – zu Sqeulaiche Dubhs großen Bedauern – trocken und dröge nur zu Papier nur gebracht worden waren, schwirrten ihm durch den Kopf. Doch eine Spur zu dem Fluch? Nein-nein-nein, aber sowas doch nicht! Noch eine Anekdote zu Pjotrr des Hässlichen und seiner Schacherei um 40 herrenlose Schweine, nein? Dann vielleicht Plivriks ruchlose Ermordung seiner Ehefrau, so Platz für die neue Mätresse Madame Di Conte Floy aus den fernen Arcanis, die fortan als Geist hier – nein auch nicht? Dann wäre da noch... Stunden über Stunden brütete Sqeulaiche über den Chroniken, den so apathisch stoischen Doran an seiner Seite, das Dubh sich kurz davor wähnte diesen einfach am Revers zu packen und durchzuschütteln, bis dem die möglichen wie unmöglichen weiteren vorstellbaren Ursachen für den Fluch ausgingen. „Dann hätten wir auch noch den Fall des dunklen Ditbart im vierten Teil, Abschnitt 23 der zweiten Chronik – aber über ihn reden wir eigentlich nicht, hier im Hause.“ „Dann“, unterbrach Dubh düster, und vollendete dabei die Flache Hand auf den Schreibtisch schmetternd, das der Staub darauf funkelnd in der durch das Fenster einfallenden Abendsonne wölkte, „schweigen auch wir besser dazu.“ Auf Dorans fragenden Gesichtsausdruck hin schüttelte Dubh nur müde das Haupt. „Genug für heute, mir raucht der Schädel.“ Und wie zur Bestätigung seiner Worte läutete es just in jenem Moment zum Abendessen. „Morgen dann weiter?“ fragte Doran stoisch, die Chroniken wieder an sich nehmend, die fortzuschließen. „Morgen, ja...“ Eine Geschichte über einen Mann, der sich in ein Buch verwandelt, oder auch ein Buch, das sich in einen Menschen verwandelt zu verfassen kam Dubh in den Sinn, als der alte Doran mit dem letzten Folianten gebeugt aus der Schreibzimmer schlurfte, wirkte der schier durch nichts aus der Ruhe zu bringende Doran doch genau so. Dubh wusste das der alte Mann erst seit er seine beiden Söhne in einer Schlacht verloren hatte, so geworden war, wusste das der den Schmerz des Verlustes nicht länger ertragen könnend irgendwie seine gesamten Emotionen verdrängt hatte, nicht begreifend seiner Frau so nicht nur die beiden Söhne sondern dazu auch noch ihren bis dahin geliebten Mann geraubt zu haben. Nein, solange es den Chroniken gut ging, konnte den alten Doran nichts mehr schrecken, noch locken.

Erst am Abend, nach dem gemeinsamen Essen, mit Eleah und Luzifer in den eigenen vier Wänden lebte Dubh wieder auf. Das Knie schmerzte, doch die Verletzung selbst war nicht mehr zu heilen, schon zu alt. Doch machte Eleah ihm einen leichten Wickel, der etwas Linderung immerhin doch bot und erzählte derweil von ihren Erlebnissen, während Dubh ihr indes von den Seinen berichtete und wie sehr Dorans Ruhe ihn inzwischen innerlich zur Weißglut trieb und wie er dazu übergegangen war, die Geschichte von dem Buch zu ersinnen, das unbedingt ein Mensch werden wollte, sich durch glückliche Umstände tatsächlich dann zu einen Solchen wurde, darob erkannte das es als Buch doch glücklicher gewesen war und... „Naja, ich muss noch dran arbeiten. Aber da Doran mich morgen wieder bei sich haben will, werd' ich wohl viel Muße haben. – ‘Aber wir haben doch noch nicht einmal an der Oberfläche gekratzt, junger Raéyun. Da sind noch sooo viele Geschichten zu durchforsten.’ imitierte er zuletzt noch gekonnt des alten Dorans leiernden Tonfall. Nein, da waren Eleahs Erlebnisse weit spannender, lebendiger – ja, lebendiger. Mit dem Alten zwischen den staubigen Chroniken zu forschen, das war gewesen, als säße man in einer Gruft. Dubh schmunzelte und als Eleah irritiert nachfragte, berichtete er von einer Erinnerung mit ihm und seinem Vater, also Bodrahn jetzt, in der der dem Jungen Geschichte hatte nahe bringen wollen. „Geschichten Vater, nicht Geschichte will ich lernen!“ hatte der Junge Dubh sich beschwert und das zuvor gehörte einfach noch mal erzählt, aber nicht so trocken wie sein Vater, sondern lebendiger – als wäre er dabei gewesen. Und Bodrahn hatte gelauscht. Die Zahlen, die Fakten, sie alle stimmten, und doch, wenn der Junge sie erzählte... Man roch regelrecht den Rauch der Feuer in den nebelverhangenen Morgenstunden vor der Schlacht um Agheveer. „Geschichten, nicht Geschichte!“ schloss Dubh seine kurzen Ausführungen. „Das sollte ich vielleicht auch Doran morgen mal nahe bringen.“ Doch der alte Mann würde sich wider alles verwehren, was an seinem verdrängten Schmerz zu rühren vermöchte und der Sqeulaiche wusste nur zu gut, das ‘Geschichten statt Geschichte!’ von diesem eben dazu wohl auch gezählt werden würde.

Und doch tat es gut mit Eleah zu scherzen und zu lachen, auch mal ernst zu sein, aber eben auch zu – ja, zu ‘leben’! Auch tat es gut Eleah, als sie von der Entdeckung Rufus berichtete, herumdrucksen zu sehen. Es tat einfach gut so offensichtlich wen um Worte ringen zu sehen ohne bereits mit einem zufälligen Blick zu ergründen, worum es ging. Rufus, Rufus… War das nicht der kleine freche Blondschopf mit den Sommersprossen, der ihm heute Mittag eine Apfelpastete hatte bringen sollen, aber nur mit einem Apfel und noch fettigen Fingern dann schließlich bei ihm aufgeschlagen war? „… aber nicht mit ihrem Mann, sondern seinen Bruder, kannst du dir das vorstellen?“ Als Eleah ihn dann bat, kein Wort darüber zu verlieren, lachte Dubh leise. „Du bist fast so besorgt wie sie es war. Sie hat wohl an meiner Reaktion erkannt, das ich es wusste. Ich habe ihr, ohne es direkt anzusprechen, bereits versprochen zu schweigen.“ beruhigte er Eleah. „Ich könnte sowas nicht.“ stellte Dubh, eher sich selbst gegenüber leise fest als er von der fortgesetzten Untreue Sials hörte. „Nein, ich könnte sowas wirklich nicht.“ Eleah einen leichten Kuss auf deren Nasenspitze versetzend, erhob Dubh sich und schickte sich an, sich für die Nacht vorzubereiten. „Erzähle mir noch mal von den Gängen.“, bat er Eleah eine halbe Stunde später schmunzelnd, als sie unter warmen Decken lagen, ein nahes Fenster geöffnet habend und Luzifer auf der Decke vor ihnen zusammengerollt, derweil der Ofen bullerte und der unheimliche Ruf eines nächtlichen Waldkautz von draußen zu Ihnen hereindrang.
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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Eleah » Sa, 11. Jun 2016 21:27

Eleah kicherte bei der Schilderung seiner staubigen Erlebnisse mit Doran und der getroffenen Imitation seiner Stimme. Sie kannte den Alten bisher nur von den gemeinsamen Essen mit der Familie, aber seine leiernde Stimme stach dabei immer heraus. Sie dachte an all die Geschichten, die in den Büchern gebannt waren und konnte die Neugierde darüber nicht leugnen. Allerdings war ihr das Lesen ganzer Bücher viel zu anstrengend, selbst die kurzen, die Fangrul ihr immer zum Lesen gegeben hatte, hatten sie einiges an Zeit und damit auch Nerven gekostet. Allerdings hatte sie das Glück, mit einem Geschichtenerzähler verheiratet zu sein. "Wenn du eine spannende Geschichte dabei entdeckst, bin ich gerne gewillt, mir diese von dir erzählen zu lassen, wenn du mal eine kleine Pause brauchst", bot sie Dubh deshalb eigennützig und frech schmunzelnd an.
Als er ihr sagte, dass er von dem Betrug der Frau schon wusste, kommentierte sie das mit einem "War ja klar" und streckte ihm die Zunge heraus. Oft vergaß sie, was er war oder vielmehr wie sehr ihn dies im Leben beeinflussen musste. Dinge in den Augen anderer zu sehen, die man oft wahrscheinlich gar nicht wissen wollte. "Ich könnte sowas nicht." "Nein, ich auch nicht", erwiderte sie nachdenklich. "Niemals."
Als sie im warmen weichen Bett lagen, erzählte sie ihm noch einmal von den Gängen, die sie mit Nes erkundet hatte. So detailreich wie möglich, sogar darum versucht einen Spannungsbogen aufzubauen, ganz der Ehefrau eines Geschichtenerzählers würdig, den sie jedoch noch nicht auflösen konnte. Schließlich hatten Nes und sie das Rätsel nicht lösen können. "Es war ungewiss, welche Geheimnisse sich noch in dem dunklen Labyrinth verbargen", beendete sie schließlich die Geschichte, gefolgt von einem herzhaften Gähnen. Es war schon spät geworden und die abenteuerlichen Geschehnisse des Tages hatten sie müde gemacht. Daher schlief sie auch schon bald an Dubhs Seite gekuschelt ein.

Der Traum war genauso wirr wie die verzweigten Gänge unter dem Grundstück. Abermals war sie mit Nes hinter den Wänden, nur dieses Mal war die Atmosphäre anders, düster und kalt. In den Gängen war es dunkel wie in einer mondlosen Nacht und kalt wie im vergangenen Winter. Nes schien so gute Augen wie die Taurrin zu haben, weshalb sie sich problemlos zu bewegen wussten. Es wirkte als wären die Gänge planlos angelegt worden, oft führten Wege in Sackgassen oder beschrieben Kreise, sodass sie mehrmals an denselben Stellen vorbei kamen. Gespenstisch veränderten sich die Wege, während sie sie entlang schritten. Wände bewegten sich und ordneten sich neu, sodass es unmöglich war, die Orientierung zu behalten. Nach langer Zeit des Herumirrens kamen sie an eine Stelle, die Eleah nur allzu vertraut war. Das Loch in der Wand. Eleah wusste, dass sie nicht hindurch sehen sollte. Was hinter den Wänden geschah, blieb lieber auch dort. Verborgen und vergessen. Und dennoch drängte sie etwas in ihrem Inneren dazu, als gäbe es nichts Wichtigeres als durch dieses Loch zu sehen. Als sie es tat, stockte ihr der Atem. Sie sah eine wunderschöne Frau auf dem Bett, wie sie sich dort wohl jeder Mann wünschen würde. Sie war attraktiv, schlank und wusste sich grazil zu bewegen. Doch als Eleahs Blick auf ihre Haare fiel.. hundert kleine Schlangen wanden sich auf ihrem Kopf. Dieser Anblick allein reichte, um zu wissen, wer unter der Etaín lag. Die Schlangen begannen wild zu zischeln und eine nach der anderen drehte sich herum, um ihr mit stechenden Augen entgegen zu starren. "Er gehört mir." Das gefährliche Flüstern drang an ihre Ohren als würde die andere direkt neben ihr stehen. "Verschwinde. Raus aus dem Labyrinth!" Eleah schreckte bei dem lauten Fauchen wortwörtlich zurück. Panisch sah sie sich nach Nes um, doch diese war verschwunden. Und mit ihr alle Wände, die eben noch da gewesen waren. Da war nur noch der kahle Steinboden unter ihr. Mit schmerzendem Herzen rannte Eleah einfach los, direkt in die schwarze Dunkelheit hinein. Sie sah nicht, wohin sie trat und bald drang ein lautes Knirschen an ihre Ohren. Der Weg hinter ihr löste sich auf, ein Stein nach dem anderen fiel hinab in die Dunkelheit unter ihr. Das Krachen kam näher und näher, bis sich auch die Steine unter ihren Füßen lösten, sie den Halt verlor und schreiend in den Abgrund fiel..

Nach Luft schnappend schreckte Eleah aus dem Albtraum hoch. Mit vor Schreck geweiteten Augen und wach, als wäre das eben gerade wirklich passiert, saß sie in dem Bett und atmete aufgebracht. Was hatte das zu bedeuten? Sollte es wirklich nur die unterbewusste Verarbeitung aller Geschehnisse gewesen sein, die ihr solch einen Traum bescherte. Oder gab es diese Etaín tatsächlich, die ihren Dubh verzaubern und für sich behalten wollte? Sie starrte zu dem Fenster hinauf, das Licht dahinter kündigte bereits den Tag an. Nein, das war nicht möglich. Sie sollte aufhören, über solchen Unsinn überhaupt nachzudenken. Es war nur ein Traum, redete sie sich ein, immer wieder. Nur ein Traum, über den sie bestimmt nicht mit Dubh reden würde.

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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Sqeulaiche Dubh » Sa, 18. Jun 2016 18:22

Sqeulaiche Dubh genoss den Abend mit Eleah und erst langsam dämmerte ihm, wieso er die Zeit mit Eleah mehr genießen konnte, als die mit einem jeden anderen Menschen. Warum er in ihrer Gegenwart sich so unendlich frei fühlte, während ihm die Gegenwart Anderer immer recht rasch zu viel doch wurden. Es war als Eleah ihm mit einem "War ja klar" die Zunge heraus streckte und er an ihrem Mimik zu erahnen wagte das sie das Dilemma derer erahnte, die mehr in den Augen Anderer sahen, als selbst Ihnen lieb sein konnte. Einerseits war Dubh erfreut Eleah immer besser kennen zu lernen, wie auch sie ihn immer besser kennen lernte. Doch war dies nur ein vager Verdacht. Weder konnte Dubh mehr in ihren Augen lesen, denn jeder Andere auch, noch fühlte er sich darum von all ihren kleinen Geheimnissen, Lastern, Wünschen, Sehnsüchten, Ängsten, Hoffnungen und dergleichen mehr gleich überrannt. Naja, und das sie wohl das netteste Ding auf Erden war, kam wohl noch hinzu. Schmunzelnd hörte Dubh Eleahs Bericht darauf zu. Sie hatte sich sogar einiges an Erzähltechniken von ihm abgeschaut schien es ihm und als sie beide schließlich schliefen, träumte er vermutlich ebendrum von seinen leiblichen Eltern. Sie hatten auch immer gemeinsam musiziert, und ihre Zuhörer unterhalten. Eve hatte damals sogar gelegentlich dazu getanzt. Es waren Erinnerungen, die Dubh wohl seit seiner Kindhet nicht mehr wachgerufen hatte und dann aber luden ihn seine Eltern freudenstrahlend ein, ihn und Eleah und gemeinsam freute man sich des jungen Glücks und feierte bis in den Morgen das freudige Ereignis.

Es wahr nur ein Traum, und doch erwachte Dubh so beschwingt, wie Eleah nachdenklich in den Tag zu starten schien, was der Raéyun aber nicht bemerkte. Vergnügt kümmerte er sich um das Frühstück und kredenzte es der an diesem Morgen eher schweigsam anmutenden Eleah. Selbst herzhaft in ein mit Marmelade bestrichenes Brot beißend schlug Dubh vor sich doch an diesem Tag doch zwischendrin mal zu treffen. „Wir könnten ja vielleicht sogar gemeinsam mal ein wenig die Umgebung hier dann erkunden, hm? Vielleicht finden wir ja sogar wieder eine alte Mühle voller Straßenräuber.“ scherzte Dubh, worauf Eleah indes nur mit einer abwesend klingenden Zustimmung reagierte. „Eleah, ist alles in Ordnung?“ Und da war es wieder, das bezauberde Lächeln. „Aber ja doch, Dubh…“, und Dubh glaubte ihr, tat ihre augenscheinliche Zerstreutheit als ein Resultat etwaigen Heimwehs ab. So war es dann auch nicht weiter erstaunlich, das Dubh dem alten Doran berichtete diesen Mittag eine Pause nehmen zu wollen, Eleah so ein wenig von ihrem Heimweh abzulenken und mit ihr ein wenig die Umgebung also zu erkunden. Das der alte Doran tatsächlich noch kichernd zu erröten vermochte, Dubh hätte es kaum für möglich gehalten. „Dann junger Sqeulaiche,“ krächzte der Alte dessen Stimme anstelle der leiernden Monotonie nun einen Hauch von Abenteuerlust innewohnte; „…dann habe ich genau die Richtige Lösung für euch zwei frisch Verliebte!“ und vergnügt und mit noch immer glühenden Augen berichtete der Alte von einem geheimen Fluchtweg aus diesem Hause, von dem er mal gehört hatte, der unterirdisch bis zu einem unzugänglich scheinenden Wasserfall führte, hinter dem indes in den Fels gehauene Stufen indes bis zum Rande des Tals führten. „Aber das Tal selbst, zur Mittagsstunde, wenn die Sonne über den Rand auf die Haselsträucher scheint...“ Kichernd berichtete der Alte von seinem ersten heimlichen Tête-à-Tête mit seiner späteren Frau und wie er sie mit der Exkursion erfolgreich zu beeindrucken versucht hatte.

Und Dubh bohrte nach, fragte Doran vordergründig um des Nachmittags mit Eleah wegen nach. Doch ging es ihm in der Tat eher darum den Funken der Erinnerung in dem Alten am Leben zu erhalten zu verstärken und in eine, wenngleich zuerst nur zarte neu entflammende Leidenschaft zu wandeln. Und tatsächlich war es schließlich der alte Dorian, der Dubh drängte loszugehen, den Sonnenaufgang über den hohen Wänden des geheimen Tales mit Eleah nicht zu verpassen. Dubh war es froh in den Augen des Alten Mannes das Bild dessen Frau, wie er sie sah, also um Jahrzehnte Jünger, zu erblicken. Jetzt lag es nur mehr an Yolanda, diese zarte Flamme des in das Herz ihres Mannes zurück gekehrten Lebens zu hegen und ein neues Feuer aus dieser Glut heraus zu entfachen. Dubh indes suchte Eleah und fand mit einigem Fragen schließlich auch zu ihr hin. Gemeinsam und mit einem vollen Picknick-Korb verabschiedeten sich die beiden, wobei Dubh nur noch schnell in den Wenkeller wollte, eine Flasche nicht zu guten Weines zu holen. Der alte Dorian erwarte die Beiden schon dort, seine freudenstrahlende Gemahlin an seiner Seite. Während der Alte mit einem gar nicht mehr leiernd monotonen „Husch-husch!“ die beiden frisch Vermählten zu einem der hinteren Weinregale scheuchte, einen Stein mit viel Kraft und Mühe in das kompakt scheinende Mauerwerk drückte und so einen Mechanismus in Gang setzte, der einen Teil des Mauerwerkes zurückgleiten und einen bis dahin verborgenen weiteren Geheimgang offenlegte, ergriff die alte Frau Dubhs dessen Stock umfassenden Arm, hielt ihn mit gleichsam erstaunlicher Kraft fest, blickte ihn fest an und sprach nur ein Wort: „Danke!“ Dubh nickte nur verstehend. „Es war nur Glück, eine zufällige Fügung, ein kleiner Schubs in die richtige Richtung. Es war immer in ihm, niemals fort.“ Dubh mochte es nicht, wen andere glaubten ihm Dank schulden zu müssen, doch diesmal waren es die Augen der alten Frau, die ihn zu durchschauen schienen, statt umgekehrt. Sie war immer da gewesen, die Liebe Dorans zu Yolanda. Aber ohne des Sqeulaiches über Stunden hinweg erfolgt seienden Bemühens, dem Alten Doran das auch wieder in Erinnerung zu rufen, wäre wohl kaum neu entflammt, was Dubh in der beiden Alten Augen erahnte.

Und auch Eleah war nun wieder von Abenteuerlust erfüllt und vergessen schien ihr, wie Dubh fälschlich annahm, morgendliches Heimweh. Sie kämpften sich mit zwei Fackeln durch einen bestimmt seit Dorans und Yolandas letztem Tête à Tête nicht mehr benutzen gemauerten Gang. An manchen Stellen mussten sie sich mit den Fackeln regelrecht einen Weg durch schier undurchdringliche Vorhänge aus Spinnenweben brennen, an anderen Stellen mussten sie durch knöcheltiefen Staub treppauf, wie treppab kämpfen, durch irgendwie unangenehm nachgiebige Moosteppiche stapfen oder sich mühsam zwischen die Gangdecke durchstoßen habende Wurzelgeflechte zwängen, ehe sie... „Wow!“ brach es ganz unziemlich aus Dubh hervor. „Einfach nur – wow!“ und auch Eleah konnte sich dem Anblick des Tales vor ihnen nicht entziehen. Zu ihrer Linken führten schlüpfrig glatte Stufen unterhalb des Wasserfalles empor. Doch schien es ausgesprochenen Wagemut zu erfordern, dort hinauf zu steigen, obgleich gleichfalls in den Felsen gehauene Griffstellen es wohl leichter machten, als es aussah. Dennoch, wenn man hier etwa fehl trat oder den Griff lockerte... Dubh sah schaudernd zu dem noch gut zehn Fuß unter ihrem jetzigen Standort liegenden flachen Becken hinab. Aber sie wollten ja auch gar nicht hinauf, zumindest noch nicht. Vielmehr gab es rechter hand einen breiten Vorsprung, über den man trockenen Fußes bis zum Talgrund steigen können sollte und dort zwischen den von alten Birken überschatteten vorzeitlichen Steinkreis, „wenn's die Bäume denn überhaupt noch gibt,“ hatte der alte Doran kichernd berichtet, „gibt es den phantastischsten Blick über das gesamte weite Tal.“ wiederholte Dubh des alten Mannes Worte nun Eleah gegenüber, derweil sie beide sich auf den Weg hinab machten und dabei an mehreren Haselnusssträuchern Halt machten, sich mit mit weiterem Proviant zu versorgen. Und der alte Doran sollte Recht behalten: Der Blick über das sich vor ihnen beiden noch weiter hinab senkende wie noch leicht nebelerfüllte Tal, war schlicht, man konnte es nicht anders beschreiben… phantastisch!

„Hab ich dir eigentlich mal die Geschichte vom vergessenen Drachenhort und dem Alepoúri erzählt?“, strahlte Dubh Eleah an, derweil er, auf seinen Stock gestützt, die Picknickdecke nahe des zwischen drei behauenen Menhiren hindurch sprudelnden Baches auf einem trockenen Flecken der noch immer von Birken weiträumig umstandenen Wiese ausbreitete.
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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Eleah » So, 04. Sep 2016 20:20

Eleahs Appetit stellte sich auch nicht über den Mittag ein. Immer wieder kreisten ihre Gedanken um den befremdlichen Traum in der letzten Nacht, sodass sie sich Arbeit suchte, bei der sie sich nicht zu sehr konzentrieren musste, um nichts falsch zu machen, und dennoch etwas Sinnvolles beitragen konnte. Der Tag half ihr nicht wirklich über die Gedanken hinweg, die sich doch nur stets im Kreis drehten. Was gab es da auch zu sortieren. Es war nur ein Traum.. oder? Sie beschloss, dass sie nichts tun konnte, außer genau das zu hoffen, und sich nicht weiter damit zu beschäftigen. Das war natürlich einfacher gedacht als getan. Daher war sie froh als Dubh sie überraschend abholte, um etwas mit ihr zu unternehmen. Sie vermutete, dass er bemerkt hatte, dass sie etwas bedrückte und er sie davon ablenken wollte. Sie würde sich also um bessere Laune bemühen, nahm sie sich fest vor. Nicht wie am Morgen als sie mit einem Lächeln über ihre trüben Gedanken hinweg gelacht hatte, sondern ehrlich, auch um ihrer selbst willen.

Dubh schien schon einen besonderen Ort für ihr Picknick im Sinn zu haben und Eleah hoffte im Geheimen, dass dieser ein Stück entfernt von dem Haus lag, damit sie nicht doch noch auf den ein oder anderen Gedanken kam, der die Stimmung drücken würde. Nichtsahnend folgte sie Dubh in den Weinkeller und erblickte zu ihrer Überraschung Dorian und Yolanda. Dubhs Worte an Yolanda vernehmend, während Dorian sie schon ungewohnt fröhlich in den erschienenen Gang scheuchte, nahm sie an, dass Dubh nicht ganz unschuldig an Dorians plötzlich so sprühende Lebensfreude war, was natürlich auch Yolandas fröhliche Mine erklärte, auf der sich sonst eher Sorgen abzeichneten.

Das stimme die Taurrin gleich noch etwas fröhlicher. Mit einem abenteuerlustigen Lächeln wartete sie auf Dubh, bis dieser zu ihr aufgeschlossen hatte. "Da bin ich ja mal gespannt, was ihr beide ausgeheckt habt." Sie nahm eine der Fackeln und leuchtete in den finsteren Gang, der beängstigende Ähnlichkeiten mit den Gängen aus ihrem Traum hatte. Dubh lief bald voran und konzentrierte sich auf den Weg sowie den krabbelnden und klebenden Hindernissen, die dort lauerten, sodass er ihren verunsicherten Gesichtsausdruck nicht bemerkte. Der Plan, sich von dem Traum abzulenken, hatte also bisher mäßig funktioniert.. fast erwartete sie hinter jeder Ecke die Etaín stehen zu sehen oder ein Loch in der Mauer zu entdecken. Doch bis auf den kalten Stein war nichts so wie in ihrem Traum. Sie atmete erleichtert aus als sie endlich Licht am Ende erblickten. Nichtsdestotrotz war sie neugierig, wohin dieser Gang sie geführt hatte und was der alte Dorian für geheimnisvolle Orte kannte.

Als sich das Tal vor ihnen erhob, konnte auch Eleah nicht anders als ihrer Begeisterung mit verschiedenen Lauten Ausdruck zu geben. Sie hatte noch nie etwas Vergleichbares gesehen, das so spektakulär und gleichzeitig so unwirklich aussah. Mit großen Augen betrachtete sie staunend die Landschaft um sie herum, in der sie die einzigen beiden Menschen zu sein schienen. Ihre kalten Hände wurden schon bald von der warmen Nachmittagssonne gewärmt und auch die Wangen waren bald schon gerötet und verliehen dem zuvor blass erscheinenden Gesicht neues Leben, je weiter sie sich von den Gängen entfernten und dem gemütlichen Plätzchen zwischen den Steinen näherten. Seufzend und den Traum nun angesichts der Schönheit um sie herum tatsächlich vergessend habend, legte sich Eleah auf die Decke, verschränkte die Arme hinter den Kopf und ließ sich für ein paar Minuten einfach nur die Sonne auf den Körper scheinen. Während Dubh ihr von dem Drachenhort und dem Alepoúri erzählte, ließen sie es sich mit dem süßen Wein und den leckeren Kleinigkeiten aus der Küche der Voruadas gutgehen.

Der Wein sorgte zusätzlich für eine lockere Stimmung und bald schon dachte Eleah nicht mehr im Entferntesten an die Etaín. Irgendwann sah sie sich verstohlen um, ehe sie mit einem schelmischen Grinsen zu Dubh sah. Dann sprang sie auf und hielt ihrem Mann die Hand hin. "Komm'", sagte sie nur ohne sich weiter zu erklären, zog ihn hoch und schweigend, aber grinsend mit sich. Die Sonne hatte an diesem Tag eine große Kraft und obwohl es schon Nachmittag war, war es immer noch sehr warm. Weit und breit schien es keine weitere Menschenseele zu geben, sodass sie Dubh geradewegs zu dem Becken unterhalb des Wasserfalls führte, der sie gleich von Beginn an angezogen hatte. Und wieso sollten sie einen so schönen Spätsommernachmittg nicht für ein kleines ungestörtes Bad zu zweit nutzen. Nach einem letzten prüfenden Blick, um sich zu vergewissern, dass sie wirklich alleine waren, entledigte sie sich kurzerhand ihrer Kleidung, warf Dubh einen kecken Blick zu und suchte sich dann eine am Ufer flache Stelle, von der aus sie immer tiefer in das Wasserbecken laufen konnte. Das Wasser war zwar überraschend kalt, aber das Becken nicht allzu groß, sodass es um einiges wärmer als der stets fließende Aras war. Sie machte es Dubh nicht gerade einfacher, ihrem Beispiel zu folgen, da sie ihn kichernd mit Wasser bespritzte als er ihr nachkam, auch wenn sie dies schon kurz darauf mit gleicher Münze zurück zahlen musste.

Kichernd näherte sie sich ihm schließlich und legte ihre Arme um seinen Hals. Es war ein beschaulicher, versteckter Ort, der nicht besser dafür geeignet sein konnte, um alles um sich herum zu vergessen und ihre Zweisamkeit in vollen Zügen zu genießen. Doch neben dem Austausch von innigen Zärtlichkeiten, kam Eleah immer wieder in Versuchung, mit Dubh herum zu albern. Bei dem Versuch, vor einem seiner Kitzelangriffe zu fliehen, schwamm sie lachend und nach Luft japsend hinter den Wasserfall, um dort Schutz zu suchen. Als Dubh ihr schließlich nachfolgte, tauchte sie unter und setzte ihre Flucht unter Wasser fort in dem sie gen Boden des Beckens schwamm. Sie tauchte mit geöffneten Augen, so wie sie es immer aus Reflex tat, auch wenn ihre Sehkraft unter Wasser noch weniger stark ausgeprägt war als im Tageslicht. Als ihr plötzlich etwas ins Auge fiel, das so gar nicht zu dem sonst braunen, schlammigen und steinigen Grund des Beckens passte, da es durch seine helle Farbe aus den anderen gedeckten Farben hinaus stach, tauchte sie näher und nahm es in die Hand. Als sie jedoch erkannte, was es war, ließ sie es augenblicklich los als hätte sie sich daran verbrannt. Bluberblasen stiegen von ihrem begleiteten Aufschrei auf. Hektisch paddelte sie zurück an die Wasseroberfläche, wo der eben noch lachende Dubh in ein entsetztes Gesicht blickte. "Dubh.." Eleah brauchte ein paar Momente, bis der Husten aufhörte, da sie sich bei ihrem Schrei an dem Wasser verschluckt hatte, und um wieder zu Atem zu kommen, da sie durch die Neugierde länger als gewohnt unter Wasser geblieben war. "Ich glaube.. ich glaube, hier ist jemand.. gestorben." Es lief ihr eiskalt den Rücken hinunter, als sie an den langen Knochen dachte, den sie gerade in der Hand gehalten hatte, da sie es für einen spannenden Gegenstand, aber sicher nicht für menschliche Überreste gehalten hatte.

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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Sqeulaiche Dubh » Mi, 07. Sep 2016 23:07

Im Augenblick eines einzigen Liedschlages war das Lachen aus Dubhs Antlitz gewichen und zum ersten mal mochte es Eleah scheinen, als blickten jene bernsteinernen Augen bis auf den Grund ihrer Seele, doch würde dieser mögliche Eindruck trügen, vermochte er doch nicht mehr in ihren Augen zu lesen, denn jeder ihr vertraute Mensch erkennen mochte. Nein, Eleah scherzte nicht, noch log sie oder sponn irgendeinen Schabernack. Ein kurzer Griff seiner Linken zu ihrer Schulter hin versichrte ihm das es ihr ab des Schreckens gut zu gehen schien und so war der Raéyun nur einen Atemzuzug später untergetaucht. Dubh war kein eleganter Schwimmer und die Behinderung seines rechten Beines zeigte sich auch beim Schwimmen mehr als deutlich. Doch er wusste sich in diesem Becken bisher leidlich über Wasser zu halten und bewies allem Anschein nach auch dem Tauchgang in die Tiefe gewappnet zu sein. Wobei Tiefe wohl ein wenig übertrieben war. Kaum zwei Meter unter der Wasseroberfläche fand er was Eleah in ihrem Schrecken fallen gelassen hatte und keine Handbreit daneben schimmerte weiteres Weiß durch den Schlammigen Untergrund, so das Dubh wenig später langsam der Wasseroberfläche entgegen schwamm. Da er sich nur unbeholfen mit seinem gesunden Bein hatte anstoßen können, war er bereits nahe an der Grenze seiner Lungenkapazität, als er prustend die Wasseroberfläche durchstieß, in der Linken einen Knochen, der auch dem Lauf irgend eines anderen denn humanoiden Geschöpfes gehört haben mochte, derweil der Beckenknochen eindeutig und unzweifelhaft menschlich oder zumindest doch menschenähnlich war.

Doch anders als Eleah hatte er die blanken und weißen Gebeine nicht wieder fallen lassen, sondern paddelte nunmehr eher wie ein ertrinkender Hund, nun da er auch seine Arme nicht mehr zum Schwimmen benutzen konnte gen Ufer, das Eleah ihm zuletzt noch und trotzt der Gebeine in seinen Händen entgegeneilte und in das flachere Wasser zog. Doch statt sich diese miserable Schwimmleistung zu Herzen zu nehmen und die Knochen fallen zu lassen oder das Wasser gar ganz zu verlassen, paddelte Dubh zurück ans Beckenrand, legte die beiden Fundstücke ab und watete zu Eleah und ins tiefere Wasser zurück. „Wir müssen die Gebeine bergen und sie begraben, Eleah. Das ist das Mindeste was wir für diese arme Kreatur noch tun können. Niemand sollte so, so...“ Diesmal schien es Eleah, als wollte er sie seine Gedanken, sein Innerstes sehen lassen. Doch wenn es an dem denn war, klappte es wohl ganz offensichtlich nicht. Und doch erkannte Eleah jenen alten Schmerz in seinen Augen, den er immer wenn dieser ihn übermannte vor ihr zu verbergen suchte. War es der Gedanke, das seine leiblichen Eltern und Geschwister, von Eve abgesehen, ebenfalls wo inmitten irgend einer Wildnis verstreut herum lagen oder gar von hungrigen Hunden ausgegraben und verschleppt worden waren? Oder erkannte Eleah nicht gar jenen tiefen und verstörenden Schrecken an ihm, den sie auch in seinen Augen erblickt hatte, als er von seinen Reisen berichtet und nur höchst widerwillig von den ihn in den Rurna-Wäldern südlich der an die Eisklippen angrenzende Eiswüste befallen habenden Wahnsinn berichtet hatte. Irgend etwas hatte ihn dort zutiefst... erschüttert und eben das, was Eleah bei dem Bericht in seinen Augen gelesen zu haben glaubte und das sie aus sorge um ihn von weiteren Nachfragen abgehalten hatte, glomm nun auch in seinem Blick wieder auf. Eine Schmerz, eine Traurigkeit, die er um ihretwillen von ihr und aber auch allen Anderen fernzuhalten versuchte. Es war, als habe er dort etwas gesehen, oder erlebt, was kein gesunder Geist unbeschadet zu ertragen vermochte und eben das ließ ihn den Gedanken, die Gebeine dort unten in den Tiefen des Wassers zu belassen offenbar kaum ertragen.

Eher widerwillig nur ließ Eleah ihn darum nur gewähren, erkennend wie wichtig es ihrem Geliebten war, jene Überrete angemessen zu bestatten, und half schließlich gar auch dabei des Verstorbenen Überreste wieder zu Tage zu befördern, da Dubh sich abseits der Bereich, in denen er noch halbwegs stehen konnte tatsächlich alles Andere denn geschickt anstellte. Es war schließlich der erste Schrecken nur gewesen und auch wenn sie die Gebeine vielleicht lieber am Grund dieses Becken belassen und mit Dubh zusammen das Wasser besser jetzt als gleich verlassen hätte, hatte sie wohl Schlimmeres schon gesehen, waren außer blanken Knochen und einzelnen Schnallen von Schuhen Gürtel und weiterem Schmuck und Münzen nichts weiter mehr zurück geblieben. Es brauchte gut anderthalb Stunden, die Eleah und Dubh vermutlich lieber anders zugebracht hätten, ehe sie sicher waren alle Überreste des Toten zusammen getragen zu haben. Es war, glaubten Dubh und Eleah zu erkennen, die Überreste eines menschlichen Mannes, den teils gravierten Schmuckstücken nach zu urteilen, die neben dem Geld und den Schnallen nach zu urteilen einer vom Volk der wilden Menschen. Zumindest glaubte Dubh einzelne Symbole an einer goldenen Schmuckscheibe dahingehend zuordnen zu können. Neben dem Becken legten Sie die Gebeine mit allem Schmuck, den im Schlamm gefundenen Münzen und den Schnallen und Spangen in eine flache unter einem Haselstrauch ausgehobenen Grube, von wo der Tote, wie Dubh sich ausdrückte, einen schönen Blick über das weite Tal haben würde und, aufgrund dessen der Tote seinem Besitz nach zu den wilden Menschen wohl gezählt hatte, rief Dubh in einer kurzen Rede am Grab der soeben bestatteten Gebeine die alten Götter, wie auch die Etáín auf, der Seele des soeben Bestatten zur ewigen Ruhe zu verhelfen, als eine kleine Ringelnatter zwischen den Zweigen des Haselstrauches hervor kroch, es sich auf den auf das Grab gelegten von der Sonne beschienen flachen Stein gemütlich zu machen.

„Komm, lass zum Steinkreis zurück gehen!“ meinte Eleah seltsam unterkühlt, wie die Ringelnatter nicht aus dem Blick lassend und Dubh, durch die Schlange nur zu deutlich an den Traum mit der medusenhaften Etáín erinnert, war es plötzlich selbst merklich kalt hier unten am Wasser. Doch bevor sie von hier wieder aufbrachen mussten sie sich beide erst einmal von den vergangenen Anstrengungen erholen. Hungrig machten Eleah und er sich darum über den am Steinkreis zurück gelassenen Essenskorb her, ehe sie beide schließlich in einen gemeinsamen leichten nachmittäglichen Schlummer verfielen.
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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Eleah » Fr, 09. Sep 2016 19:20

Ein Zischeln neben ihrem Ohr ließ Eleah aus dem Schlaf hochschrecken. Beinahe panisch sah sie sich um, ehe sie eine einzelne Ringelnatter neben sich erblickte und nicht, wie zuerst befürchtet, einen Haarschopf voll davon. Die Schlange blickte sie für einen Moment an, streckte zischelnd ihre Zunge heraus und verschwand dann. Die Taurrin blickte dem Tier argwöhnisch hinter her und fragte sich, wieso ausgerechnet dieses hier erscheinen musste, wo es doch so viele andere Tiere gab. Die untergehende Sonne tauchte das Tal in ein tiefes Gold und es war merklich kühler geworden. Eleah spürte die Anstrengung des Bergen und Begraben des Toten in ihren Gliedern. Dubhs Reaktion, seine inständige Bitte um ein Begräbnis, hatte sie zuerst beschämt, da sie die menschlichen Überreste sofort hatte fallen lassen als wären sie giftig gewesen. Folgend hatte sie versucht, dies wieder gut zu machen, indem sie sich, zwar widerwillig und sich ekelnd, Dubh tatkräftig bei der Kräfte zehrenden Aufgabe unterstützte. Weiter wollte sie nicht an das Geschehene zurück denken, sodass sie sanft Dubh weckte, der ebenfalls eingeschlafen war und neben ihr schlummerte.

Die Stimmung war etwas gedrückt, jeder hing seinen Gedanken nach. Schnell hatten sie die wenigen Reste vom Essen eingepackt und die Decke zusammengelegt und machten sich mit der untergehenden Sonne im Rücken auf den Rückweg. Die Aussicht von der oberen Plattform war genauso atemberaubend wie Stunden zuvor. Nun wurde das Tal in einen dunklen Farbton getaucht, und es sah fast so aus, als würde die Erde von einem flimmernden Feuer bedeckt werden. Schweigsam und ohne weitere Zwischenfälle kehrten sie schließlich in ihren Wagen vor dem Haus der Voruadas zurück. Beiden war nicht so recht nach der Gesellschaft der Großfamilie zu mute, sodass sie beschlossen, den Abend ruhig und allein ausklingen zu lassen. In den letzten Tagen hatte sich Eleah viele Freundinnen gemacht, darunter auch die Köchin. Und so war es einfach für sie, ein leichtes Abendessen für Dubh und sich zu organisieren, das sie später im Wagen essen konnten. Außerdem brachte sie Honigbier mit, das besonders beliebt unter der Familie war und ihr von der rundlichen Frau empfohlen worden war. Als sie den Wagen betrat, schaute sie nachdenklich zu Dubh hinüber. Sie erinnerte sich an den Nachmittag und hätte gerne gewusst, was ihm in der Eiswüste zugestoßen war. Doch sie traute sich noch immer nicht, ihn direkt danach zu fragen, schließlich hatte auch er vorhin alles weitere unausgesprochen gelassen. Sie hatte Angst, alte Wunden aufzureißen. Und so schwieg sie dazu und stattdessen sprachen sie über belanglose Dinge, sofern er nicht von selbst das Thema wechselte.

”Eleah!? Bist du wach, Eleah? ELEAH?!” Am nächsten Morgen wurden sie durch lautes Rufen und Klopfen an der Tür geweckt. Nachdem die Taurrin erst einmal aus dem Schlaf gehämmert worden war und realisierte, dass man sie dringlich rief, war sie hellwach. Sie griff nach ihrem warmen Wollmantel, warf ihn sich über und eilte zur Tür. Dahinter warteten gleich drei Personen, die alle gleichzeitig auf Eleah einredeten, sodass diese Mühe hatte, ihr Anliegen zu verstehen. Immer wieder fielen die Worte Nes, Keller, Bein, Heilerin und Helfen. Schließlich schnitt Eleah den drei das Wort ab und befahl ihnen, sie einfach zu Nes zu führen. Dubh vergaß sie dabei völlig und ließ ihn einfach stehen, falls er sich der Gruppe nicht von selbst anschloss.
Wenig später stand sie in dem Erdgeschoss des Hauses in einem Raum, der voller Kräuter, Gefäße, die mehr Kräuter, diverse Flüssigkeiten und Pasten enthielten sowie kleinere Gerätschaften war. Es war der Raum der Heilerin, die im Moment auf ihrem morgendlichen Rundgang durch die naheliegende Umgebung auf der Suche nach Pflanzen war. Und so war es an Eleah, sich um Nes zu kümmern, die wimmernd auf einer Liege im Raum lag und schmerzerfüllt sowie hilfesuchend zu Eleah blickte, als die Tür geräuschvoll hinter ihr ins Schloss fiel. Offenbar stand Nes noch unter Schock, da sie nicht imstande war, ihr zu erklären, was passiert war. Die anderen erzählten ihr, dass sie einen Schrei aus dem Keller vernommen hatten und Nes halb unter einem dort gelagerten Weinfass begraben gefunden hatten. In ihren Augen hatte das blonde Mädchen Glück gehabt. Ein Bein war unversehrt geblieben, das andere war jedoch gebrochen. Wenigstens war es kein offener und schwerer Bruch, stellte Eleah fest. Sie untersuchte das Bein, ehe sie eine Schiene anfertigte und das gebrochene Bein samt Schiene verband, sodass das Gebilde möglichst fest war und das Bein fixieren und stützen würde. Dann scheuchte sie alle anderen aus dem Raum, damit Nes sich in Ruhe ausruhen konnte. Das war zwar auch ein Grund, aber vielmehr ging es ihr um etwas anderes. Zuerst verabreichte sie der Verletzten ein schmerzstillendes Gemisch, damit sie tatsächlich zur Ruhe kommen konnte. Doch dann setzte sie sich neben sie und griff nach ihrer Hand. Nes schien noch immer nicht ganz im Hier und Jetzt zu sein und Eleah tat das Mädchen sehr leid. Die Wirkung des Tranks konnte noch auf sich warten lassen, doch die Naturmagie könnte ihr sofort helfen. Und so konzentrierte sich die Taurrin auf eben jene, um Nes’ Schmerz zu lindern. Wenig später sah sie tatsächlich etwas gesünder und munterer aus.
"Eleah.." Der Blick der Angesprochenen, der bis eben nachdenklich auf der Wiese vor dem Fenster gelegen hatte, wandte sich Nes zu. "Ich wollte.. nur.. der Geheimgang..", wisperte sie schwach, aber es war ihr offenbar wichtig, dass Eleah davon erfuhr. "Bei den Fässern gibt es auch eine geheime Tür.. nur dieses mal.." Nes brauchte nicht zu Ende sprechen und Eleah drückte ihre Hand. Ein kalter Schauder hatte die Taurrin bei Nes’ Worten erfasst. "Verschwinde. Raus aus dem Labyrinth!" Sie musste unwillkürlich an die drohenden Worte denken, mit der die Etaín sie - wirklich nur sie?! - vor dem Betreten der Gänge gewarnt hatten. Oder war dies alles wirklich nur ein unglücklicher Unfall?

Sie wusste nicht, wie viele Stunden vergangen waren, seit man sie so unsanft geweckt hatte. Daher machte sich Eleah zuerst auf den Weg zum Wagen, um sich frisch zu machen und richtige Kleider anzuziehen. Sie hatte jemand anderen bei Nes gelassen, um auf sie aufzupassen, doch Eleah vermutete, dass sie nun eine ganze Weile schlafen würde. Und so hatte sie selbst genug Zeit, sich um sich zu kümmern.
Zuletzt geändert von Eleah am Sa, 10. Sep 2016 14:40, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Sqeulaiche Dubh » Sa, 10. Sep 2016 0:56

Beide waren sie in ihren eigenen Gedanken versunken, als sie zurück zum Haus gingen. Weder Eleah noch er sprachen viel miteinander. Und seltsamerweise machten sie sich beide keine großen Gedanken darüber was die vom Fluch so sehr mitgenommenen Bewohner vom Voruad-Haus sich denken mochten, als Eleah darum bat, sie doch bitte heute zu entschuldigen, wollten sie doch heute den Tag lieber un ihrem Wagen zurückgezogen verbringen. Doch nun, nach dem privaten Abendessen und dem Met, welches man ihnen beiden vielmehr sogar heraus zu ihrem Wagen gebracht hatte, legten sich beide – weit mitgenommener als sie beide in den auffällig harmlosen Gesprächen hernach zu erkennen gaben, von dem, was der Nachmittag ihnen bereitet hatte – zum Schlafen nieder. Doch war es… wie verhext! Ein zu großes Stück an Ruhen schien niemandem in oder nahe dem Voruad-Haus gerum vergönnt zu sein! Und so kam es, das in den frühen Morgenstunden, als selbst Luzifer schlaftrunken sich zwischen Eleah und Dubh auf der gesteppten Decke räkelte… ”Eleah!? Bist du wach, Eleah? ELEAH?!” In dem daraufhin hereinbrechenden Tumult bemerkte niemand das Dubh sich Ihnen nicht angeschlossen hatte. Nes war verunfallt, schien verwirrt, brauchte Hilfe und da die Heilerin des Hauses im Wald unterwegs war, gab es nur mehr Eleah Schlimmeres zu verhindern. So kam es, dass Eleah erst, als sie Stunden später wieder zum Wagen zurückkehrte und Dubh dort noch immer im Betten liegen vorfand wie er am Abend zuvor neben ihr eingeschlafen war, erkannte das etwas nicht stimmen konnte. „Dubh?“ fragte sie leise und dann etwas lauter, derweil ihr das Unglaubliche, das Unmögliche langsam dämmerte: „Dubh!“ Doch auch alle weiteren Rufe verhallten von ihm ungehört, weckten keine noch so leise Regung in ihm. Sie nutzte ihr heilerisches Wissen, doch vergebens. Dann, immer verzweifelter, nutzte sie ihre naturmagischen Kräfte, doch außer das sie sich dabei weit über ihre eigenen Grenzen hinaus verausgabte, brachte auch das absolut nichts. Wäre Muriel, die Heilerin, nicht gut eine weitere Stunde später zu ihnen beiden heraus gekommen, sich für Eleahs beherztes Eingreifen bei der inzwischen ruhig und tief schlafenden Nes zu bedanken, sie wäre wohl zu spät gekommen, Eleah noch vor dem Tod zu bewahren.

Doch brauchte es Stunden Eleah von der Schwelle des Todes zurück zu rufen, derweil Dubh wie tot, aber stabil mit einem kaum wahrnehmbaren Puls und minimalster Atmung in einem ebenso unerklärlichen, wie aber auch unkritischerem Zustand, denn Eleah schien. Irgendetwas hatte die Taurin scheinbar über alle Maße ausgelaugt, ihr schier alle Kraft geraubt. Mehrfach musste die Taurin von Muriel beatmet werden, zwei Mal setzte ihr Herzschlag gar aus und mit mehr Glück als Verstand überstand Eleah die anschließend notwendigen Herzdruckmassagen ohne Rippenbrüche, auch wenn sie schließlich – Stunden später – mit heftigsten Prellungen in einem Gästezimmer nahe dem Muriels wieder zu sich kam, wohin man sie und den Sqeulaiche auf Drängen Muriels hin gebracht hatte, sie beide so besser unter Beobachtung halten zu können.Muriel musste Eleah ein starkes Beruhigungsmittel verabreichen, als diese erwachend nach Dubh rief und diesen auf dem Lager neben sich und » i m « verfluchten Voruad-Haus gar noch, reglos liegen fand. „Er lebt Kindchen und ist stabil! Du bist es, um die ich mir Sorgen mache und wenn du dich nicht augenblicklich beruhigst Kindchen…“ Nun, Eleah hatte sich nicht beruhigt, aber der ölige und überaus bittere Trunk, den Muriel ihr daraufhin unerbittlich einflößte, hatte das mit der Beruhigung an Eleahs statt recht nachhaltig dann doch noch erwirkt.

Wie im Traum berichtete Eleah mit monotoner matter Stimme was geschehen war, nachdem sie Nes verlassen hatte, sich kurz zu erfrischen; berichtete davon Dubh reglos und wie tot dort liegen gesehen zu haben, berichtete davon nach Anzeichen einer Vergiftung, nach einem Schlangenbiss oder dergleichen gesucht zu haben, nach irgend etwas, das seinen Zustand erklären mochte. „Warum gerade nach Schlangenbissen?“ fragte Muriel erstaunt, doch da sie Eleah nur einen Beruhigungstrunk und nicht etwa ein magisches Wahrheitselixier verabreicht hatte, erhielt sie darauf keine Antwort von Eleah, die monoton weiter berichtet, wie sie ihm Riechsalz – vergeblich – unter die Nase gehalten hatte und – als sie immer noch keine Ursache für seinen totenähnlichen Zustand finden konnte ihn auf Verdacht eine schwarze Tollkirsche zwischen den Zähnen zerpresste, von der sie wusste, das sie Lähmungen zu überwinden vermochte. „Und dann, als ich erkannte, das auch das ihm nicht half und das Gift ihm darum nur noch mehr schaden würde...“ Eleah stockte, griff nach dem neben ihr liegenden Dubh und Muriel, erkennend das der Taurin nunmehr schier die Worte zu fehlen schienen, vollendete ihren Satz für sie: „… bist du endgültig zusammengebrochen, nicht wahr Kindchen?“ Doch was des Sqeulaiches und nach ihrem Zusammenbruch offenbar auch Eleahs Lebensgeister daraufhin angegriffen zu haben schien, ihre sogar in noch weit lebensgefährlicherem Maße denn seine, das wusste scheinbar auch Eleah nicht zu beantworten. So blieb Muriel die Nacht über wachend bei ihren beiden Patienten und konnte doch nichts weiter tun, denn der Zeit und ihren selbstheilerischen Kräfte zu vertrauen. Eleah, von dem Trunk schließlich in das Land der Träume geschickt, erwachte am nächsten Morgen leidlich erholt und bestand umgehend darauf, mit Dubh sofort diese verfluchte Stätte zu verlassen und obgleich niemand damit gerechnet hatte, das dieses auch nur den geringsten Erfolg haben würde hob sich Dubhs Brust mit einem tiefen Seufzer, gerade als Erik den Wagen um einen der bewaldeten Hänge lenkte und das Voruad-Haus hinter dem von Fichten und Buchen bewaldeter Hang endgültig sich ihren Blicken entzog. Sqeulaiche Dubh öffnete die Augen wie im Fieber, obgleich seine Temperatur zu keiner Zeit erhöht gewesen war, wie Muriel hätte bezeugen können, und sprach matt in ihr unverständlichen Zungen, wobei manches ihr entfernt orkisch klang und anderes wieder altcoreonische Brocken wohl enthielt, welches Muriel aber nur bruchstückhaft beherrschte.

Doch das was sie vernahm, jagte ihr einen um den anderen Schauder über den Rücken. Irgendwas von Frevel, Fluch, den großen Alten, einem Heiligtum und einem wässrigen Sturz in den Tod brabbelte der Raéyun und etwas vom sicheren Tod der voraus läge und zumindest doch dem Hauch von Hoffnung rückwärts. Nachdem Muriel, von unbeschreiblicher Furcht gezeichnet, wie dem regelrecht funkensprühenden irren Blick des Sqeulaiche ausweichend, übersetzt hatte was sie von seinem Gebrabbel denn verstanden glaubte, konnte selbst Eleah Erik nicht mehr davon abhalten den Wagen panisch herum zu reißen und das arme Pferd mit der Peitsche in einem schier irre machenden Tempo wieder zum Gut zurück zu treiben, dass das Tier mit blutigem Rücken und Schaum vor dem Mund schließlich mit bebenden Flanken wieder auf dem Grund vor dem Voruad-Haus hielt. Muriel schimpfte Erik aus, was seine Frau fortsetzte als sie heraus laufend das arme geschundene Tier im Hof und die noch blutige Peitsche in ihres Mannes Hand erblickte. Muriel derweil kümmerte sich gleichermaßen um das Tier, als auch Eleah ,als auch Dubh. Letzterer kam immer mehr zu sich und erinnerte sich an nichts, nach dem gestrigen Abend, so also auch nicht an seine letzten unheimlichen Prophezeiungen. Gedankenverloren streckte er eine Hand nach dem bei Eleah sitzenden Luzifer aus, ihn trostsuchend sich auf den Schoß zu holen. Doch ein wildes Fauchen später starrte er auf die fünf schmerzhaften Striemen auf seinem linken Handrücken, wo Luzifers Krallen ihn gezeichnet hatten, ehe das Tier mit gesträubtem Fell und vom Wagen herunter jagend wenig später verschwand. Das Eleah ihm im nächsten Moment mit dem Eingeständnis der Befürchtung ihn schon verloren gewähnt zu haben um den Hals fiel, war zwar angenehmer als Luzifers Reaktion, aber nicht minder – verwirrend! „Was“, fragte er, Eleahs Umarmung dabei erwidernd, den Blick fest auf die Heilerin gerichtet, Muriel darum „…ist hier los?“
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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Eleah » Mo, 31. Okt 2016 14:58

Die Welt war im Chaos versunken. Farblose Schatten und dunkle Schemen hielten sie gefangen. Nichts anderes als das war präsent. Wann war es so kalt geworden? Doch abgesehen davon verspürte Eleah nichts.. nicht mal Angst, einfach nichts. Sie fühlte sich nur mit einem mal so matt, erschöpft und ausgelaugt. Plötzlich war es so einfach, einfach nichts zu tun und sich von den dunklen Schwaden tragen zu lassen. Sie nahmen ihr alles ab, jegliches Körpergefühl, jegliches Denken. Es war schön so. Schön ruhig und einsam. Eleah glitt dahin, dem Tod geradewegs in die Arme. Doch plötzlich blitzten helle Lichter auf und hoben sie aus der resignierenden Starre. Die Taurrin wusste später nicht mehr, wie sie erwacht war, nach Dubh gerufen hatte, mit Muriel geredet hatte und schließlich in einen heilsamen Schlaf gefallen war, der mit seinen Farben die zuvor herrschende kalte Schattenwelt aufhellte und vertrieb. Ihr Körper gab schließlich den Kampf gegen die Lichter auf und realisierte, dass es ihm nicht vergönnt war, still mit den Schatten zu gehen. Nicht jetzt und nicht heute.

Am nächsten Morgen wurde sie allein von der Sorge um Dubh wachgehalten. Sie fühlte sich noch immer schwach, sodass Muriel ihr hatte in den Wagen helfen müssen. Doch sie wollte und konnte einfach nicht länger hier bleiben. Ihr war klar, dass sie nur knapp dem Tod entgangen war. So wie letzte Nacht hatte sie sich bisher nur einmal gefühlt - und das auch nur annähernd - und da war es der alte Fangrul gewesen, der sie wieder auf die Beine gebracht hatte. Wenn der Fluch nun nach Dubhs Leben griff und die Naturmagie nach ihrem - dann wollte sie ganz sicher nicht auf diesem Grundstück sterben!
Als hätte genau das Dubhs Körper vorgehabt, kam er wie von Geisterhand wieder zu Bewusstsein, als sie den Grund und Boden der Familie erst einmal verlassen hatten. Eleah griff nach seiner Hand und hielt sie fest. Sie umklammerte sie unbewusst so stark als wäre Dubhs Hand ihr einziger Halt in diesem Leben. Als er begann zu sprechen, war sie zunächst froh, doch die sorgenvollen Falten kehrten schnell zurück auf ihr Gesicht. Sie konnte Coreonisch, daher verstand sie einige Worte, doch im Zusammenhang mit den anderen Lauten - sie vermutete Orkisch - entging ihr der Sinn seiner Worte, sodass sie fragend zu Muriel schaute. Als diese ihr Dubhs fremdsprachlichiges Gemurmel übersetzte, wurde auch Eleah ganz anders. Sie wurde kreidebleich. Als sie bemerkte, dass Erik den Wagen umlenkte, zurück zum Voruad-Haus, begann sie zu zittern. Vor Angst, vor Hilflosigkeit und Tatenlosigkeit. Sie wusste nicht, was sie tun sollte und konnte. Sie wusste nur, dass sie nicht zurück zu diesem Haus wollte. Doch wenn vor ihnen der Tod lag - es war schon merkwürdig, wie viel Bedeutung dem Gerede eines Halbbewusstlosen beigemessen wurde - dann war Umkehren das einzig Sinnvolle.

Resigniert und vor allem besorgt saß sie neben Dubh auf dem Bett und versuchte sich um ihn zu kümmern, wobei dies eher noch an Muriel war, die im Gegensatz zu ihr im Besitz all ihrer Kräfte und Lebensgeister war. Schließlich schien Dubh immer mehr zu sich zu kommen und Eleah fiel ein riesiger Stein vom Herzen als er sie zwar verwirrt, aber mit klarer Stimme fragte, was los sei. Sie versuchte ihm so gut es ging, alles zu erklären - dass sie fortgegangen war, um Nes zu helfen und schließlich erst sehr viel später bemerkt hatte, dass er am Morgen regungslos liegen geblieben war und schon dem Tod sehr nahe war, als sie zurück in den Wagen gekehrt war. Ihre Augen glitzerten und offenbarten ihm all ihren empfundenen Schmerz und ihre Stimme brach, sodass Muriel für Eleah einsprang und die nächsten Ereignisse erzählte. Von Eleahs Zusammenbruch vor Sorge - Dubh kannte sie gut genug, um die wahre Bedeutung ihrer Worte in Eleahs Blick zu erkennen - bis zu seinen fremdsprachigen Prophezeiungen, die sie letztlich zur Rückkehr hier her bewegt hatten.

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