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Gebiete der Orks und wilden Menschen, und die Gebiete der Clans westlich von Arcanis und Mérindar. » Ortsbeschreibung
Áluka
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Beitrag von Áluka » Do, 08. Nov 2007 21:45

Ein langer, quälender Blickwechsel fand statt, den Áluka nur mit Mühe aufrecht erhalten konnte. Er wusste nicht, wann er jemanden so lange und intensiv in die Augen gesehen hatte, aber er zweifelte daran, ob er es überhaupt jemals getan hatte. In seinem gesamten Leben war sein Kontakt zu Menschen so mager, dass er auch gar keine Gelegenheit dazu gehabt hätte.
Aber er hielt stand und als das 'Gefecht' überstanden war, konnte er ein kurzes Huschen über seine Lippen -eine Art erleichtertes, stilles Lachen- nicht verkneifen.
Obwohl sie durchaus nicht mehr so aggressiv wie zu Anfang wirkte, machte sie deutlich, dass sie durchaus nicht unachtsam oder unterlegen war.
Ihre ganze Haltung sprach für ihre Stärke.
Nachdem sich die Anspannung etwas verflüchtigt hatte, richtete sie sogar das Wort an ihn, was anscheinend dem Aufbau einer friedlichen Konversation glich. Er blinzelte einmal, dann lehnte er sich etwas zurück - soweit es ihm möglich war, denn er war in der Hocke, die Fußsohlen flach auf dem Boden, aber es schien ihn keineswegs zu stören oder unbequem zu sein. Seine Arme hingen nunmehr lässig über den Knien.

"Um ehrlich zu sein, habe ich seit mehreren Monden in keinem festen Bett mehr geschlafen und seit noch etlich mehr Mondumläufen keinen Wohnsitz gehabt, der länger als eine Nacht hielt."
Ob seine Ehrlichkeit hier richtig am Platz war? Aber was sollte er schon befürchten; er wusste, wie die Gesellschaft auf Wanderer -oder auch Landstreicher geanannt- reagierte und sollte sie ein Problem damit haben, ging er eben. Mehr Folgen würden seine Worten nicht haben. Da fiel ihm auf, dass auch sie nachts durch den Wald wanderte, aber er glaubte nicht, dass sie dauerhaft auf Wanderschaft war. Er wollte es nicht glauben, denn er hatte sich an den Gedanken gewöhnt... ein Außenseiter zu sein und die Tatsache, dass auch andere anscheinend ohne Sinn und Ziel durch die Länder streifen würden, hätte ihn arg verwirrt.
"Áluka," sagte er. Auch dies war ihm fremd; das sich jemand nach seinem Namen erkundigte. Etwas ratlos fuhr er sich mit der Hand durch das in alle Himmelsrichtungen stehende Haar.
"Und was treibt Euch nachts in die kalten Wälder?"
Meine Wälder!, knurrte es in seinem Inneren, aber der Kopf verdrängte die aggressiven Töne.

Shah'Nathwyen
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Beitrag von Shah'Nathwyen » Fr, 09. Nov 2007 10:34

Mit der Wahrheit ging Áluka sicherlich den sichersten Weg. Hätte Shah'Nathwyen im Laufe des Gesprächs mitbekommen, dass er sie angelogen hatte, dann hätte sie mit hoher Wahrscheinlichkeit an allem gezweifelt, was er ihr bis dahin erzählt hätte. Und die Shiín war eine sehr misstrauische Person und es war klug von ihm, ihr keine Gründe für zusätzliches Misstrauen zu liefern.
Er war also ein Wanderer, ein ruheloser Landstreicher. So dachte sie von ihm, als er geendet hatte. Er unterschied sich, jedenfalls in dieser Hinsicht, nicht viel von ihr. Sie hatte nie gezählt, wieviel Tage oder besser Nächte sie kein Bett gehabt hatte. Aber es waren sehr viele. Ruhelose Nächte in Wäldern wie diesen, einzig aus einem Grund. Ihre Schwester.
Sie bemerkte, wie ihre Gedanken abdriften zu drohten und versuchte sich wieder auf das Gespräch zu konzentrieren. Sie nickte kurz, als er sich vorstellte. Áluka also. Viel mehr von Belang war es auch irgendwie nicht. Aber Shah'Nathwyen wusste gerne, mit wem sie es zu tun hatte, wenn sie ihn schon duldete. Doch sie stellte sich ihrerseits nicht vor. Scheinbar wollte er es nicht wissen, sonst hätte er gefragt. Darüber machte sie sich auch keine weiteren Gedanken. Aber sich vorzustellen, obwohl es der andere nicht wissen wollte, hielt sie für unnötig, also schwieg sie.
Während er seine Hände immer wieder hob, um irdendetwas zu tun - Shah'Nathwyen empfand es als Genugtuung zu sehen, dass er sich nicht vollkommen sicher hier bei ihr fühlte - waren ihre vollkommen ruhig. Ihre Bewegungen schienen gut überlegt zu sein. Auch wenn sie noch so klein waren.
Doch als er sie fragte, was sie hier draußen mache, schien es für einen Moment so, als würde sie erstarren. Sie hielt kurz den Atem an und fixierte Áluka erneut mit den Augen, ehe ihr Blick nach einigen Momenten zu den Flammen wanderte.
"Ich bin auf der Reise", antwortete sie knapp. Sie versuchte ihm durch den Tonfall klar zu machen, dass sie darüber nicht weiter ausgefragt werden wollte, erwartete aber, dass er sich nicht daran halten würde. Was hinter dieser Reise steckte würde sie ihm jedenfalls nicht sagen, egal wie sehr er nachbohren würde, obwohl ihn die Shiín dann doch nicht so aufdringlich einschätzte. Sie überlegte das Gespräch auf andere Bahnen zu lenken. Doch ihr fiel nichts ein. Also schwieg sie, warf nur kurz einen Blick zu ihrem Pferd hinüber, das von Álukas Anwesenheit weniger angetan zu sein schien.

Áluka
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Beitrag von Áluka » Sa, 10. Nov 2007 13:31

Namen, was waren Namen schon? Da er nur wenige Menschen mit Namen kannte und auch zu denen keine engere Beziehung hatte, spielten Namen in seiner Welt keine Bedeutung. Er merkte sich andere Dinge, wie Gesten, Auftreten, Äußeres. Daher war es nicht verwunderlich, dass er -wenn man ihn mal nach jemanden fragte- eine Antwort wie 'Der Braunhaarige...' oder 'Diejenige, die mit den Fingern immer nervös durchs Haar fuhr' erhalten würde. Seine Wahrnehmung war im Allgemeinen sehr merkwürdig und anders, dazu kamen noch die ganz und gar komischen Eigenarten, die er während seiner Reisen erhielt - bewusst oder ungewollt, er war durch viele äußeren Einflüsse geprägt und nicht zuletzt durch die erzwungene Beschäftigung mit sich selbst.
Im Vornherein hatte er gewusst, dass sie auf seine Frage hin entweder sehr abweisend reagieren oder sie ganz ignorieren würde.
Sie tat Beides von dem und die Botschaft war eindeutig; Keine weiteren Fragen.
Gerne hätte Áluka den Grund ihrer 'Reise', wie sie es nannte, erfahren, aber damit wäre er wohl nur mit dem Kopf gegen eine Wand gerannt oder müsste mit Gegenfragen rechnen, die er genauso wenig beantworten wollte.
Es war ein Kompromiss, mit dem sich beide Parteien zufrieden geben konnten.

"Viele meinen, des nachts sollte man nicht reisen..."
Er folgte ihren Blick Richtung des Pferdes, das immer wieder mal schnaubte und ihm einen nervösen Blick zuwarf.
Natürliche Instinkte.
Wieso er diesen offenen Kommentar gerade von sich gegeben hat, wusste er selbst nicht, er hatte noch nicht einmal richtig realisiert, dass er die Worte laut ausgesprochen hatte. Normalerweise befand sich in seiner Umgebung niemand, der ihn hören konnte.
Oder wollte.

Shah'Nathwyen
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Beitrag von Shah'Nathwyen » So, 11. Nov 2007 22:03

Sehr gut. Er fragte nicht weiter nach. Ihre Botschaft, allein durch den Ton ihrer Stimme, schien angekommen zu sein. Und er schien sich, allein durchs Nichtweiternachfragen, einverstanden damit zu zeigen. Sie war auch niemand, der andere nach genaueren Gründen für ihre Reise fragte. Es war irgendwie eine Frage des Standards. Je länger man reiste, desto mehr Fremde traf man und diese Frage galt dann doch zu den Fragen, die irgendwie immer gestellt wurden. Doch nach näheren Gründen zu fragen, das lag auch Shah'Nathwyen nicht. Sie wollte nicht gefragt werden, also fragte sie selber nicht. Schon allein, um der Gegenfrage auszuweichen. So wie es Áluka eben jetzt getan hatte.
Stattdessen gab er etwas anderes von sich. Es ließ die Shiín kurz von dem Feuer aufsehen. Doch nachdenklich fixierte sie die Flammen danach auch schon wieder, um sich seine Worte durch den Kopf gehen zu lassen.

"Sollte man wohl auch nicht. Aber deshalb raste ich ja auch jetzt." Sie wusste nicht so recht, ob er sie mit diesen Worten gemeint hatte oder ob er sie nur so gesagt hatte. Doch ersteren Fall beantwortete sie so lieber gleich. Doch das war nicht alles, was sie sagte. "Nachts ist es zwar nicht unbedingt gefährlicher. Aber ich schätze, es lockt viel mehr potentielle... Täter hinaus", murmelte sie nachdenkend vor sich hin, ohne dies selbst ganz zu realisieren. "Außerdem ist es viel zu kalt zum Reisen. Auch wenn etwas Bewegung vielleicht gut tun würde." Sie sah sich um und griff nach ein paar trockene Äste, die sie dahin gelegt hatte, um sie den Flammen zum Fraß vorzuwerfen. Ihre Worte dabei klangen fast so, als wäre sie nun in Plauderlaune.

Áluka
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Beitrag von Áluka » Mo, 12. Nov 2007 21:40

Aprubt sah er auf, als hätte die Shiín auf einmal etwas vollkommen Merkwürdiges von sich gegeben, dabei war er einfach nur erstaunt, dass sie auf seine dahingeworfenen Worte reagiert hatte. Er kratzte sich an der linken Augenbraue und rief sich wieder die Worte ins Gedächtnis, die ihm einfach so über die Lippen gekommen waren, ohn sie wirklich durchdacht zu haben.
Nun war jemand da, der seine Worte hörte und darauf sogar antwortete, er war nicht mehr allein. Diese Tatsache musste er erst einmal begreifen.
Zu allererst gab er nur ein "Mh" von sich, als müsse er darüber ernsthaft nachdenken, was die einschüchterne Frau von sich gegeben hatte. Kurz darauf folgten weitere Worte:
"Was denn für Täter? Ich reise schon lange allein und habe in der einsamen Natur bis jetzt niemanden getroffen, der mich irgendwie... bedrohte."
Nunja, wenn man den heutigen Vorfall ausließ, wo er einer ernstzunehmende Shiín mit gezogener Waffe gegenüberstand.
"Die wirklich unangenehmen Zwischenfällen geschehen in Dörfern und Städten. Wo viele Menschen sind, herrscht viel Übel."
Wie er das ausprach klang es eher wie eine Tatsache, als nach einer subjektiven Meinung. Seine Augenbrauen wölbten sich etwas nach unten, sodass seine Miene nun sehr ernst und nachdenklich wirkte. Er griff nach einem Ast und ließ ihn zwischen zwei Fingern hängen, während der Arm wieder über dem Knie baumelte. Im Fackelschein wirkte seine Haut eher rötlich, aber man konnte erahnen, dass er im Tageslicht wahrscheinlich einen etwas dunkleren Hauttyp hatte; Die Sorte Haut, die allen möglichen Arten von Witterungen ausgesetzt war, vor allem auch der Sonne. Die Finger waren für einen Mann eher sehnig, was auf seinen gesamten Körper zutraf, wobei dieser derzeit aber in einigen Lagen Kleidung gehüllt war und man nicht viel erkennen konnte.
"Ward Ihr schon in vielen Städten? Ich meide sie ja eher..."
Den letzten Satz wollte er eigentlich nicht hinzugefügt haben, aber wer an seinen Status als sogenannten 'Landstreicher' zurückdachte, könnte sich auch denken, dass er die überfüllten Städte eher mied.

Shah'Nathwyen
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Beitrag von Shah'Nathwyen » Di, 13. Nov 2007 13:30

Auch wenn sie scheinbar ins Feuer sah, suchten ihre Pupillen doch immer wieder den Blick zu dem Mann. Sie beobachtete ihn so unauffällig. So entging ihr auch nicht das abrupte Aufsehen. Was hatte sie gesagt? Sie dachte an ihre Worte zurück, fand jedoch keine Silbe, die ihrer Meinung nach so eine Reaktion hatte hervor rufen können. Wieso reagierte er dann so? Sie runzelte die Stirn und blickte einen Moment ganz auf, musterte ihn dann. Dann senkte sie jedoch wieder den Kopf. Wer weiß, was er hatte. Von seinen Gedanken ahnte sie ja nichts. Er gab nur einen Teil jener durch Worte preis, die aber nichts mit tieferen Gefühlen gemein hatten.
"Wo viele Menschen sind, gibt es viele, von denen man gesehen werden könnte." Das Wort Menschen sprach sie mit ein klein wenig Abneigung aus. Nur wenig, da sie sich beherrschte. Menschen... das waren Mörder, machtsüchtige Wesen, die am Liebsten alles für sich haben wollten.
"In der Nacht sind nicht viele unterwegs. Nur einzelne Leute. Die kann man ohne entdeckt zu werden... vernichten", sprach sie einfach weiter, ihre Meinung mit Argumenten versehend. Vielleicht geschahen in den Städten mehr Verbrechen, sogar sehr wahrscheinlich, aber es war schwer sie auszuführen, ohne gefangen zu werden. Einfangen war ja eine weitere Spezialität der Menschen. Bedrohen, fangen, in Ketten legen, versklaven und wenn man Glück hatte wurde man getötet, anstatt ein Leben als Sklave weiter zu führen.
Passend zu ihren Gedanken fragte er sie auf einmal, ob sie schon in vielen Städten gewesen war.
"Ob ich was?" Aber sie hatte richtig verstanden. Gut zu merken an ihrem abfälligen Schnauben.
"Städte. In Städten leben Menschen. Ich könnte in die meisten nicht mal einen Schritt unverhüllt in die dreckigen Straßen setzen, ohne dass sie sich wie wilde Tiere auf mich werfen würden." Sie machte keine Späße. Ihre Miene verdeutlichte, wie sehr sie es ernst meinte.
"Vielleicht wisst Ihr aber auch selbst wie Menschen Shiín gegenüber sind." Es war eine halbe Frage an ihn. Nicht nur eine Frage halber Interesse. Mit ihr konnte sie schließlich heraus finden, ob er genauso dachte wie all diese Menschen. Schließlich gehörte er auch zu diesem Volk. Jedenfalls deutete bisher alles darauf hin. Und er hatte Glück, dass sie ihr Katana weggesteckt hatte. Sie wusste, dass viele Shiín anders gehandelt hätten.
"Also, nein. Ich war noch nicht in sehr vielen Städten. Ich meide sie ebenso. Auch wenn es eher den Tod vieler Menschen als meinen eigenen bedeuten würde." Immer wieder bekräftigte sie, nicht wehrlos zu sein, aus guten und wahren Gründen. Menschen konnten nicht einmal halb so gut mit Waffen umgehen wie sie. Jahrelanges Training stand dahinter, ganz im Gegensatz zu den Menschen, die ihr halbes Leben mit unwichtigen Dingen vergeudeten.
Im Gegensatz zu vorhin antwortete sie jetzt relativ ausschweifend. Von Menschen schien sie zwar nicht gerade freundlich angetan zu sein, aber offensichtlich war sie in dieser Hinsicht redefreudiger.

Áluka
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Beitrag von Áluka » Fr, 16. Nov 2007 23:43

Während sie sprach, beobachtete er sie mit einer Mischung aus Neugierde und der allgegenwärtigen Vorsicht. Neugierde deshalb, weil es unendlich lange her war, dass er sich mal wieder mit jemanden über Dinge unterhielt, von denen er eigentlich nicht besonders viel wusste, aber gern mehr wissen würde.
Auch wenn er es nicht zugeben würde.
Jedes ihrer Worte wurde in seinem Gedächtnis abgespeichert und dem riesigen Sortiment an Eindrücken hinzugefügt, für die es keine Worte oder Bezeichnungen gab. Wie gesagt, vieles in seinem Inneren arbeitete unterbewusst und war nicht in Worte zu fassen, weil seine Instinkte zum großen Teil sein Handeln beeinflussten und es ihm auch nicht möglich war, über einige Dinge nachzudenken, weil sie für ihn... einfach da waren. Selbstverständlich.
Ihm entging nicht ihr abwertender Tonfall gegenüber den Menschen und ihm wurde klar, dass er nichts genaueres über die Herkunft seiner Gegenüber wusste. Nur, dass sie eine Shiín war, aber das hatte er sich mehr zusammengereimt, denn er hatte bisher weder eine gesehen, noch viel über sie gehört - aber etwas. Und mit diesem bisschen Wissen aus Erzählungen, hatte er seine Schlussfolgerung gezogen.
Sie verglich die Menschen sogar mit Tieren, was ihn etwas stutzig machte. Ihm lag schon eine Bemerkung auf der Lippen, die er sich gerade noch verkneifen konnte. Dann besann er sich aber wieder und schwieg. Menschen waren nicht wie Tiere. Ein Rudel Wölfe zerfleischt nicht die eigenen Mitglieder... nicht grundlos. Aber gab es in ihrem Fall einen Grund? Was erzählte man sich eigentlich über Shiín? Er hatte schon einmal über eine ähnliche Situation nachgedacht, doch eher auf seine Existenz bezogen. Er wusste aus einem unerklärlichen Instinkt -abstammend von seiner wölfischen Seite-, dass ein Rudel Schwache oder Absonderliche Mitglieder aus der Familie verstieß. Manche werden auch schon als Außenseiter geboren.
Wie er.
Nicht selten hatte er darüber nachgedacht, ob sich etwas in seinem Leben geändert hätte, wenn nicht diese eine Vollmondnacht gewesen wäre, wo er zu dem wurde, was er heute war. Er kam zu dem Entschluss; Nein. Er war für die Einsamkeit geboren. Ob als halbe Bestie oder Mensch, das spielte keine Rolle.
So hatte er nur einen Vorwand sich vor den Menschen zu verstecken.
Auf den fragenden Unterton der Shiín ging er erst ein, als er seine Gedanken -oder Gefühle- zuende gedacht hatte.

"Nein, ich weiß eigentlich nichts. Nur, dass Ihr eine Shiín seid, aber selbst da bin ich mir noch nicht einmal sicher."
Es wirkte etwas hilflos, wie er das sagte.

Shah'Nathwyen
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Beitrag von Shah'Nathwyen » Di, 20. Nov 2007 12:22

Sie bekam nicht sehr viel als Antwort. Jedenfalls nicht viel an Worten. Was hinter dem Gesagten steckte, verriet ihr schon mehr über diesen Mann. Er war scheinbar nicht wie die meisten Menschen. War er denn überhaupt einer? Fast hätte sie die Frage einfach so, frei heraus gestellt, konnte sich aber gerade noch zurück halten. Auch wenn sie diesbezüglich sehr neugierig war. Aber sie hielt sich zurück.
Dass er ganz sicher nicht wie die anderen Menschen war, zeigte auch, da er scheinbar nicht mal sicher war, ob sie wirklich zu dem Volk der Shiín gehörte. Sie hatte ihn schon längst als glaubwürdig eingestuft und glaubte auch jetzt nicht daran, dass er nur scheinheilig tat.
Angesichts der indirekten Frage, ob sie wirklich eine Shiín war, blockte Shah'Nathwyen nicht ab. Sie antwortete nicht abweisend oder erst gar nicht. Wer so stolz auf sein eigenes Volk war scheute auch nicht davor zurück, davon zu erzählen.

"Dann habt Ihr also noch keine Shiín getroffen?", schlussfolgerte sie und schmunzelte kurz. Sonst wäre er wahrscheinlich auch nicht einfach so zu ihr ans Feuer gekommen, sondern hätte gleich einen anderen Weg gewählt. Aber das störte sie inzwischen schon nicht mehr. Sie hatte endlich mal wieder einen Gesprächspartner und den wollte sie eigentlich nicht so schnell vergraulen. "Hm, kein Wunder", fuhr sie fort, bevor er geantwortet hatte, "die meisten bleiben lieber in unserer Heimat. Gut, manche ziehen auch aus, um unser eins zu rächen... oder wieder zu finden." Sie senkte den Blick. Vielleicht hatte sie nun doch zu viel erzählt? Sie hoffte darauf, dass er nicht von dem Finden auf ihre Reise schloss.

Áluka
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Beitrag von Áluka » Mi, 21. Nov 2007 22:37

Er wusste nicht, ob er sich seiner Unwissenheit schämen sollte oder nicht; daher glitt sein Blick mal zu den Flammen, dann wieder zu der Shiín, während er auf eine aufschlussreiche Antwort ihrerseits wartete. Er hätte nicht gedacht, dass aus der anfänglichen Abwehr solch... nunja, man könnte schon 'entspannte' Atmosphäre sagen, werden würde.
Wie grausam die Welt doch war, dass die Wesen dazu gezwungen sind zu jedem Fremden so abweisend und misstrauisch zu sein.
Dann, endlich, antwortete sie ihm beflissen ohne ihn für sein Unwissen lächerlich zu machen. Nein, es schien ihm, als sei sie froh darüber, dass er nichts über die Shiín wusste. Welchen Grund mochte das wohl haben?
Mit leicht angehobener Augenbraue beobachtete er, wie sie auf einmal den Blick senkte. Schnell zählte er eins und eins zusammen und erahnte den Grund ihrer sogenannten Reise. Sie suchte jemanden, vielleicht um Rache zu nehmen. Schnell ergänzten sich die weiteren Bilder, die unaufgefordert einen Weg in seinen Verstand bahnten; Sie war ausgesprochen selbstsicher und furcheinflößend, sie konnte mit Waffen gut umgehen und war auf der Suche nach jemanden.
Nicht nur an seinem Schweigen konnte man erkennen, dass er gerade seine Gedanken ordnete, sondern auch an der steilen Falte, die sich zwischen seinen Augenbrauen gebildet hatte. Sicherlich war es das, was die meisten Menschen zu Gesicht bekamen; feindliche, kämpferische Wesen, die nicht zögerten, jemanden Schaden zuzufügen.
Plötzlich rebellierte die Bestie in ihm wieder auf, als sei sie wütend darüber, dass sie die ganze Zeit vernachlässigt wurde. Ja, das Gespräch hatte Áluka auf andere Gedanken gebracht und ihm dabei geholfen, die 'Gitterstäbe' fester zu machen. Nun tobte es wieder in seinem Inneren, sodass der Mann gezwungen war, für einen Moment die Augen zu schließen und sich zu konzentrieren.
Es gibt keinen Grund unruhig zu werden. Ich bin Herr meiner Selbst.
Unbewusst biss er die Zähne so fest aufeinander, dass die Kiefer deutlich hervor traten. Er schlug die Augen wieder auf und ließ den Blick einmal sehr schnell über die Umgebung schweifen. Dann -etwas beruhigter- sah er wieder seine Gegenüber an, seine Augen flackerten etwas unruhiger als zuvor, ansonsten schien er wieder seiner selbst zu sein.

"Wenn ich," er schluckte einmal um den nicht vorhanden Kloß im Hals runterzuspühlen, "nun darüber nachdenke, ist es sicherlich die Furcht, die die Menschen so abweisend zu euch werden lässt. Wenn alle Shiín so sind wie Ihr, hätten die Menschen guten Grund Euch zu meiden."
Ein Grinsen stahl sich auf seine Lippen, was angesichts seiner Inneren Anspannung doch erstaunlich leicht über seine Gesichtszüge glitt. Ihm war nicht klar, dass er von den Menschen soeben in dritter Person gesprochen hatte, sich nicht dazu gezählt hatte. Wobei es wieder persönliche Auslegung war, immerhin hätte er auch ihren Wortlaut übernehmen können.

Shah'Nathwyen
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Beitrag von Shah'Nathwyen » Fr, 23. Nov 2007 11:41

Sie hob den Blick. Fast vorsichtig. Áluka schien nachzudenken, deutlich erkennbar an seiner Haltung, seiner Miene. Verdammt, dachte sie und ihre Gesichtszüge zogen sich ins Ärgerliche. Ihm war leicht anzusehen, dass er eins und eins zusammen gezählt hatte. Und es schien ihn zu beschäftigen, sonst hätte er doch längst schon etwas gesagt.
Am Liebsten hätte sie ihn in diesem Moment irgendwelche scharfen Worte an den Kopf geworfen. Damit er aufhörte über ihre Worte nachzudenken, über ihre Reise...
Doch dann schloss er plötzlich die Augen. Wie gebannt beobachtete Shah'Nathwyen den Mann am Feuer. Er schien sich zu konzentrieren, als müsste er sich um Beherrschung bemühen. Sie versuchte den Grund dafür zu erkennen, war jedoch erfolglos. So plötzlich wie es gekommen war, so schnell schlug er aber auch wieder die Augen auf. Die Shiín fühlte sich in gewisser Weise ertappt, nahm jedoch nicht den Blick von ihm, sondern erwiderte ihn fest. Dann hob sich eine der geschwungenen weißen Augenbrauen, passend zu den glänzenden Haaren, ein Stück, als er zu sprechen begann. Er sprach von Menschen. Nicht in der Ich-Form. Sie hätte es vielleicht nicht weiter seltsam gefunden, wenn er die Menschen nicht noch einmal so erwähnt hätte. In der dritten Form. Er zählte sich nicht dazu. Und er hatte bestimmt nicht so geantwortet, weil sie so erzählt hatte.
Ein durchdringender Blick folgte. Die silbernen Augen bohrten sich in die flackender, als würde in ihnen ein eigenes Feuer brennen.

"Die Menschen haben gute Gründe, uns zu meiden. So soll es sein. Wir legen sicher keinen Wert darauf, sie unbedingt kennen zu lernen." Ein kurzes Schweigen folgte. "Aber das könnt Ihr nicht wirklich beurteilen, nicht wahr?" Ein Mundwinkel hob sich, zu einem gehässigen Grinsen. Sie hatte kaum mehr Zweifel daran, dass er kein Mensch war. Und mit diesen Worten gedachte sie, ihn genau das offenbaren zu lassen. Und falls das nicht half, musste es eben der direkte Weg sein: "Los, was seid Ihr?" Die Worten fuhren nur so heraus. Wirkte sie eben noch recht aushaltbar, klangen die Worte so, als hätte sie die ganze Zeit auf diese Antwort gewartet, als würde sie gleich platzen vor Ungeduld, weil er es immer noch nicht ausgesprochen hatte. Ihre Haltung wirkte nun auch wieder viel bedrohlicher. Dabei hätte man vor wenigen Augenblicken noch meinen können, sie würde völlig ruhig reagieren, wenn man ihr sagte, dass man kein Mensch war - eine nebenbei gesagt ziemlich positive Eigenschaft eigentlich.

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Beitrag von Áluka » So, 25. Nov 2007 21:16

Ihm gefiel dieser durchdringende Blick nicht.
Ganz und gar nicht.
Was hatte er nur gesagt, dass sie ihn auf einmal so durchdringend musterte? Dass er ihr vielleicht auf die Schliche gekommen war, indem er den Grund ihrer Reise vermutete, konnte ja wohl nicht dazu führen, dass.... ein ungutes Gefühl breitete sich in ihm aus. In diesem Moment wirkte er mehr wie ein gehetztes Tier, welches seinem Jäger ausgeliefert war, als ein Mann, der einer Frau gegenübersaß und -sollte es darauf ankommen- sich sicherlich zu verteidigen wusste. Ihre Lippen sprachen endlich das aus, was er in ihrem itensiven Blick schon erkannt hatte. Sein Herz schlug ihm gegen die Brust, aber er versuchte einen kühlen Kopf zu bewahren, indem er... es eben nicht tat.
In einer fließenden Bewegung, die man ihm gar nicht zugetraut hätte, wenn man daran dachte, dass er schon eine ganze Weile in der Hocke war, stand er auf und während er noch bemüht war die vielen, verwirrenden Gefühle in sich zu kontrollieren, sprudelten die Worte schon aus ihm, als müsse er sie schon lange loswerden.

"Ich habe allen Grund dazu diese Menschen zu verachten, dazu muss ich keiner anderer Rasse angehören! Mein ganzes Leben in dieser grausamen Gesellschaft war ich nicht mehr wert als ein Sklave, auf den man drauftreten kann, wenn es einem gefällt, oder den man wegsperren kann wie ein Tier! Nur außerhalb dieser Gesetze aus Lügen, Verrat und Tod kann man wirklich frei sein."
Beim Sprechen hatte er die Hände zu Fäusten geballt, auf denen man heraustretene Adern erkennen konnte. Seine Augen glühten jetzt nicht nur, sie schienen alles in seiner Umgebung verbrennen zu vollen; sie waren der Ausdruck seiner inneren Gefühlswelt. Er brauchte einen Moment um sich nach diesem Ausbruch wieder soweit zu fassen, dass er noch weitere Worte sagen konnte: "Meine Abneigung gegen diese Unmenschen rührt nicht aus einem Rassenunterschied her, sondern aus Erfahrung."
Wann war ihm das letzte Mal solch ein Ausdruck innerer Gefühle passiert? Nun, sicherlich war ein Grund, weswegen es ihm schwer fiel sich daran zu erinnern, dass er danach nicht mehr er selbst war, und auch jetzt waren die Grenzen zwischen Mensch und Bestie so schmal, dass er ein Zittern vor innerer Anstrengung nur schwer vermeiden konnte. Während die Bestie vor Freude in ihm aufheulte, wollte sich Áluka am liebsten irgendwo einsperren. Aber die Bedinungen waren äußerst schlecht dafür.
Er wollte eigentlich noch etwas sagen, aber ihm kam kein weiteres Wort über die Lippen, da drehte er sich abrupt um und stapfte in die Dunkelheit außerhalb des Feuerscheins.
Es war besser zu verschwinden, sonst konnte er für nichts mehr garantieren.

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Beitrag von Shah'Nathwyen » So, 25. Nov 2007 22:01

Die silbernen Augen funkelten. Der Körper mit all seinen Muskeln hatte sich angespannt. Sie versuchte zu ergründen, was er war. Ganz offensichtlich. Sie war der Meinung, dass er plötzlich verunsichert wirkte. Wie in eine Gasse getrieben, aus der es nun keinen Ausweg mehr gab. Außer einem plötzlichen Angriff, einem Ausbruch von Gewalt.
Bei Áluka gestaltete sich dieser Ausbruch jedoch als keiner der Gewalt. Nur als einer eines gewaltigen Schwall Worte, der vor Rechtfertigung nur so strotzte. Und vor Vergangenes, vor Geschichte, seiner Geschichte. Die Shiín war verblüfft, war sogar kurz zusammen gezuckt, als die Worte auf einmal nur so heraus gesprudelt kamen. Aber vor allem verblüffte sie, dass er etwas über sich erzählte. Und in diesem rechtfertigenden Ton. Er ballte die Hände zu Fäuste und Shah'Nathwyen hätte es nicht wirklich verwundert, wenn er jetzt mit irgendetwas außer Worte um sich geworfen hätte. Aber glücklicherweise gab es hier nichts, außer das brennende Holz, das er glücklicherweise in Ruhe ließ.
Dann verstummte er. Etwas sprachlos sah die Frau ihn einfach nur an. Auch noch als er sich plötzlich herum drehte und zwischen den Bäumen verschwand. Sie zog die Augenbrauen hoch und musste dann schmunzeln. Jetzt war sie zwar nicht viel schlauer, ob er jetzt ein Mensch war oder nicht, aber dafür umso reicher an Wissen, das er ihr sicherlich ungewollt, so wie es aus ihm heraus gebrochen war, gegeben hatte.
Still saß sie da und blickte zu der Stelle, an der er zwischen den Bäumen verschwunden war. Und nun? Sie war niemand, der anderen hinter her lief. Seine Worte hatten auch kein Mitleid erregt. Und auch nicht Interesse. Jedenfalls nicht wirklich. Aber spannend schien dieser Mann zu sein.
Sie saß noch einige Momente tatenlos da, dann stand sie auf.
"Ist ja gut. Dass ihr Menschen hasst macht Euch schonmal sympatisch." Sie musste kurz grinsen. Sie hatte nicht sonderlich laut gesprochen, also auch nicht geschrien, deshalb wusste sie nicht, ob er ihre Worte überhaupt vernommen hatte. Wenn nicht, dann war er eben fort. Sie würde ihm nicht nachlaufen, um ihn zurück zum Feuer zu holen. Sie kannten sich nicht. Es war nette Gesellschaft, aber keine Unverzichtbare.
Dennoch versuchte sie, ihn mit den Worten zuück zu holen - keineswegs bewusst. Aber jetzt war die Frage um seine Rassenangehörigkeit nicht mehr allzu wichtig. Er mochte diese Menschen nicht, er verachtete sie gar. Das reiche aus.

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Beitrag von Áluka » So, 25. Nov 2007 22:28

Wäre ihm bei seiner ruckartigen Umkehr irgendetwas in den Weg gekommen - er hätte es umgelaufen oder wahrscheinlich irgendwie anders zugrunde gemacht, Hauptsache er hätte freie Bahn.
Aber es stellte sich ihm niemand in den Weg, weder Mensch noch Baum.
Er war schon zwischen einigen Gebüschen durchgegangen, da hörte er noch ihre Worte, auch wenn die Shiín nicht laut gesprochen hatte. Sein gutes Gehör konnte er nicht verleugnen, deshalb vernahm er auch jede einzelne Silbe. Mit allem hätte er gerechnet, nur nicht damit. Es klang beinahe, als wolle sie sich irgendwie entschuldigen oder ihn zumindest wieder soweit besänftigen, dass er stehen blieb.
Und der tat es auch.
Das plötzliche Fehlen von Wärme und die innere Aufruhr veranlassten ihn zu einem leichten Zittern, welches er nun nicht mehr verbergen konnte. Ihre Worte klangen in seinem Kopf nach... sympathisch... er hatte dieses Wort noch nie auf sich bezogen vernommen, daher dachte er erst, sie würde sich über ihn lustig machen. Langsam drehte er sich um und sah zurück zur Feuerstelle, wo nach wie vor die Silberhaarige harrte. Die plötzliche Flut von Gefühlen ebbte langsam ab und hinterließ eine unangenehme Leere, wie er sie immer verspürte, wenn er dem Leben -damit meinte er sein vermeintliches Leben, was er vielleicht gehabt hätte, wäre er zu einer anderen Zeit oder an einem anderen Ort geboren worden- den Rücken zuwandte.
Es gab eine Reihe von Kräften, die gerade an ihm zerrten; Zumal war da immer noch die Bestie, die in der Nähe der Shiín bleiben wollte um diese in einem unachtsamen Moment zu überfallen. Dann war da die Angst, die Sorge, dass eben genau dies geschehen konnte und diese sagte ihm, dass er gehen solle. Leider war da aber noch ein unbestimmtes Gefühl, welches ihn wieder zum Feuer zurück zog.
Das Kräftemessen war entschieden.
Es stand zwei gegen eins.
Mit langsamen Schritten näherte er sich wieder der Wärme, als sei er noch unsicher, ob er ihre Andeutung richtig verstanden hätte. Sollte er sich entschuldigen? Oder solle er so tun, als wäre nichts geschehen?
Kurz vor Ankunft hörte man irgendwo in der Ferne einen Wolf einsam heulen. Dieser Ton fraß sich in Álukas Herz und war so unerträglich, dass er die letzten Meter schneller zurück legte.

"Ihr musst nicht- Ich meine, es war eine berechtigte Frage."
Er sah sie nicht direkt an, sondern ließ den Blick mal über den geschmolzenen Schnee um das Feuer, mal direkt in die Flammen wandern.
[color=darkred]Lächeln ist die eleganteste Art einem Gegner die Zähne zu zeigen![/color]

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Beitrag von Shah'Nathwyen » Mi, 28. Nov 2007 10:45

Sie stand da. Sie sah den Wald an. Sie schwieg.
Nichts regte sich. Sie hörte nur leise, ganz leise, wie sich Áluka immer weiter weg von der kleinen Lichtung bewegte. Doch so fein wie sein Gehör war ihres dann auch nicht, so dass er bald aus ihrer Hörweite verschwunden war. Dass er angehalten hatte und mit sich selbst kämpfte, bemerkte sie dadurch nicht.
Einige Augenblicke stand sie so da. Dann seufzte sie, hob kurz die Schultern und wandte sich ab. Sie ging wieder zu dem Feuer und setzte sich an die wärmenden Flammen. Außerhalb derer war es nun noch kälter als vorhin. Kein Wunder, der Abend war zur Nacht geworden. Ihr fiel wieder einmal auf, wie müde sie war. Eigentlich hatte sie schon längst schlafen wollen.
Sie schloss die Augen. Das Gefühl der Müdigkeit wurde so nur noch stärker, drohte sie fast gänzlich einzunehmen. Sie versuchte ein Gähnen zu unterdrücken. Sie vesuchte keinen weiteren Gedanken mehr an den Mann zu verschwenden. Doch so ganz gelang es ihr nicht. Das Gespräch war nett gewesen, aber das Ende war doch etwas plötzlich und unerwartet gekommen.
Schon nach kurzer Zeit mischten sich jedoch unter das Knistern des Feuers noch andere Geräusche. Sie öffnete die Augen und sah leicht auf. Am Waldrand sah sie die Füße Álukas farblich vom Schnee abheben. Dann war er doch zurück gekommen. Nun sah sie gänzlich auf. Er vermied es jedoch, sie direkt anzusehen. Sie wusste nicht so recht, was sie sagen sollte und ihm schien es genauso zu ergehen. Er begann einen Satz, brach aber wieder ab.
Sie nickte nur knapp. Da er zurück gekommen war, wollte sie ihm auch nicht mit Unfreundlichkeit entgegen kommen. Das Gespräch war interessant gewesen und sie hatte gemerkt, wie kalt es außerhalb des Feuerkreises war.

"Ich wusste ja nicht, dass ihr so überreagiert." Es klang nicht so abweisend, wie es von einer Shiín hätte kommen können. Sie schmunzelte sogar ein wenig. Dann griff sie neben sich zu ihrem Beutel und brachte Fleisch, Brot und ein wenig Käse zu Tage. Viel war es nicht mehr, das rief förmlich nach einem einsamen Händler. Eine Stadt kam zum Einkaufen nicht in Frage. Gleich morgen würde sie sich wohl auf 'die Lauer legen müssen'.
"Ausbrüche verlangen nach Energie. Und Essen liefert welche." Sie griff nach etwas Fleisch, um es selbst zu essen. Das, das sie vorhin gegessen hatte, hatte ihr Magen schon wieder vergessen. "Esst etwas." Sie hielt ihm das Tuch mit dem Essen darin entgegen.
Inzwischen begann sie sich langsam etwas über sich selbst zu wundern. Dieses Verhalten ensprach nicht so dem der sonstigen Shah'Nathwyen. Auch wenn ihre Stimmung allgemein dazu neigte, von einer zur anderen Sekunde umzuschlagen, war sie doch nie so... hilfsbereit und anbietend. Abwartend blickten ihm die silbernen Augen entgegen.


(Großes Sorry, hab im Moment nicht so sehr viel Zeit und andere Probleme (Job usw.). Ich hoffe, der etwas längere Post ist eine gute Entschuldigung =)

Áluka
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Beitrag von Áluka » Sa, 01. Dez 2007 22:40

((Ich muss mich entschuldigen, ich mach erst so nen Druck und finde dann selbst keine Zeit zum Antworten. Habe selbst grad enorm viel Stress...))

Zuerst reagierte sie kaum, ja er glaubte fast, sie schliefe oder dergleichen, aber dann -als er fast wieder bei ihr angekommen war- erhob sie unerwartet doch wieder das Wort. Ein drängendes Gefühl zerrte an ihm und vereitelte jeden Versuch, sich irgendwie zu entspannen. Etwas verdutzt starrte er auf das Essen, was sie auspackte und ihm sogar anbot. Er sah aus wie jemand, dem man gerade unerwartet eine schallende Ohrfeige gegeben hatte. Ruckartig und hastig schüttelte er den Kopf.
"Nein danke, ich..." ,beschaffe mir mein Essen selbst, fügte er in Gedanken hinzu, sprach es aber nicht aus. Ob sie ihr Essen wohl auf ehrliche Weise verdiente? Irgendwie zweifelte er daran. Wahrscheinlich fing sie einsame Händler auf Wegen ab, drohte ihnen und bediente sich dann einfach. Nun, er handhabte es etwas anders. Meistens beschaffte er sich seine Mahlzeit mit einer Jagd und die war immerzu verbunden mit einer Verwandlung. Es war zum einen der Hunger durch die enorme Anstrengung, die vom Körper erwartet wurde, zum Anderen einfach nur die bl0ße Freude daran, Blut und Fleisch zu schmecken.
Der Name 'Bestie' existierte nicht umsonst.
Wenn er wieder mal ganz wagemutig war, ging er in die Städte und stahl. Jetzt war ein Teil von aber doch lieber auf eine Jagd aus und der bloße Geruch des Essens entfachte diesen Willen nur umso stärker. Demzufolge war es umso wichtiger, dass er ihm wiederstand.

"Ich hatte heute schon."
Er zwang sich zu einem Lächeln und vergrub die Hände in die schützenden Manteltaschen. Seine Finger ertasteten eine stumpfte, rostige Messerklinge ohne Griff. Nutzloses Teil. Außerdem spürte er noch ein Blatt und etwas Stroh, Brotkrümel. Mehr nicht.
"Seid Ihr es nicht Leid, solange alleine zu reisen? Es gibt für Euch doch sicherlich noch eine andere Welt, oder nicht?"
Wo er zuvor doch ihren Blick gemieden hatte, suchte er ihn nun. Seine plötzliche Wankelmütigkeit war sicherlich keine Eigenschaft, mit der man leicht umgehen konnte. Aber war diesen Shiín denn anders?
[color=darkred]Lächeln ist die eleganteste Art einem Gegner die Zähne zu zeigen![/color]

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