Eine Frage des Stolzes

Die Hauptstadt der Bergelfen mit Blick auf die Zhîraled-Seen. » Ortsbeschreibung
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Aeon
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Re: Eine Frage des Stolzes

Beitrag von Aeon » Sa, 11. Jun 2016 12:49

Es war eine durchaus interessante Sicht auf Menschen die er da schilderte. „Bliebe nur die Frage, warum sollte man das wollen? Aber die Tatsache dass du mich aufgrunddessen zu mögen scheinst, obwohl du mich überhaupt nicht kennst, bedeutet dann wohl, dass du jemanden suchst, der dir die Stirn zu bieten gewillt ist.“ Sein schmales Lächeln beantwortete sie mit einem schwachen Heben der Mundwinkel. Als er sich einen tiefen Schluck aus seinem Krug genehmigte, antwortete sie leise: „Was ich suche ist Ablenkung…“ Doch sie war sich nicht sicher ob er sie überhaupt gehört hatte.

Auf seine nüchterne Information, dass er sich seinen Lebensunterhalt als Assassine verdiene, reagierte sie nicht. Es war aus ihrer Sicht ein Beruf wie jeder andere auch, doch sie nahm sich vor ihn einmal bei Kämpfen zu beobachten… Denn sein Kampfstil dürfte mit Sicherheit interessant sein.
Sie merkte auf, als sich das Gespräch der Heimat zuwandte. „Mir scheint, du warst entweder sehr lange nicht mehr in der Heimat, oder du hast kein besonders ausgeprägtes Gedächtnis. Aber hast du mich die letzten zehn Jahre dort vielleicht gesehen?“ Aeon zuckte die Schultern, bevor sie entgegnete: „Nein, aber ich war die letzten 15 Jahre nicht dort. Von daher könntest du mir jetzt alles Mögliche erzählen.“ Sie musterte ihn aufmerksam. Bei seinen nächsten Worten schwang Schmerz in seinen Worten mit und seine Augen wurden wieder kalt. „Unser Volk, wie du es sagst, ist mir ebenso fremd wie du es bist. Ich bin keiner von euch. Und ich werde es auch niemals sein.“ Sie wählte ihre Worte mit Bedacht, ehe sie entgegnete: „Für mich sind die Shiín nicht mein Volk, weil ich dort aufgewachsen bin. Ich habe mich im späteren Verlauf meines Lebens dazu entschieden. Ich fühlte mich ihnen zugehörig, egal was sie davon halten… Weißt du, auch ich war nach meiner Jugendzeit sehr lange nicht in den Hügelländern und als ich nach jahrelanger Wanderung zurückkehrte, wurde ich mit einer Mischung aus Akzeptanz und Ablehnung empfangen. Man verbannte meinen Namen, weil ich einst von einem Tag auf den anderen ohne die kleinste Nachricht zu hinter lassen oder die Erlaubnis des Rates einzuholen verschwunden war. Für sie ist die Person die in Zeaihn aufgewachsen ist, in der Außenwelt verschollen und nie zurückgekehrt, das war meine Strafe. Sie zollten mir jedoch gleichzeitig Respekt für meine Fähigkeiten mit dem Schwert und meine Mithilfe in einer Auseinandersetzung. Sie akzeptierten mich als die, die ich nun bin.“, sie fuhr sich mit der Hand übers Gesicht ehe sie fortfuhr: „Ich muss nicht den Rest meines Daseins in den Hügelländern fristen. Wäre dies so, ich würde vermutlich verrückt werden, denn auch ich bin weit weniger eine Shiín als man es auf den ersten Blick vermuten würde. Mich hält es nie lange an ein und dem Selben Ort. Nenn es Glück oder von mir aus auch Zufall, dass sie mich so akzeptieren wie ich bin, doch lass mich dir eines sagen: Die Shiín sind ein stolzes Volk. Es ist nicht leicht ihren Respekt zu erringen, doch hast du ihn dir einmal verdient werden sie dir die Treue halten, komme was wolle.“ Damit war dieses Thema für sie beendet. Jeder sollte leben wie er es gern wollte und so blieb es allein Shínjï'ro überlassen was er aus ihren Worten las oder auch nicht.
Seine Vorstellungen von Moral und dergleichen amüsierten sie. Vermutlich war es in einem Beruf wie dem Seinen sehr praktisch die Dinge auf diese Weise zu sehen. Auf seine nüchterne Feststellung, dass man durchaus Furcht sähen sollte wenn man davon gut leben konnte, reagierte sie lediglich mit einem leichten Schmunzeln. Wo er Recht hat, hat er Recht.


Als sie zur Tür hinübersah, erblickte sie einen muskulösen Mann in schwerer Winterkleidung. Er machte sich gerade daran sich aus den Pelzen zu schälen, die seinen Körper zuvor noch vor Kälte geschützt hatten und ihn in der stickigen Wärme des Gastraumes mit Sicherheit schier um den Verstand bringen mussten, als hinter ihr lautes Gelächter erklang.
Ein Blick in die entsprechende Richtung zeigte den Betrunkenen, der Herzschläge zuvor unverrichteter Dinge von ihrem Tisch abgezogen war. Mit gesenktem Blick und hochrotem Kopf stand er an einem Tisch voller lachender Männer. Als er etwas murmelte, wurde aus dem Lachen ein ausgelassenes Wiehern. Einer seiner Kumpane kippte vor lauter Lachen von seinem Stuhl. Die anderen Männer schlugen sich auf die Schenkel oder auf den Tisch, sodass der Mann, soweit das überhaupt noch möglich war, einen noch dunkelroteren Farbton annahm. Wobei Aeon beim besten Willen nicht sagen konnte ob die Farbe vom übermäßigen Alkoholgenuss oder der Demütigung herrührte, die der Elf soeben erfahren hatte. Zufrieden wollte sie den Blick abwenden, als der Betrunkene unvermittelt in ihre Richtung sah. Zorn glitzerte in seinen Augen. Das veranlasste Aeon dazu seinen Blick einzufangen. Sie sah ihn mit unbewegter Miene so lange an, bis er den Blickkontakt abbrach. Zufrieden widmete sie sich wieder den Bändern auf dem Tisch vor sich.
Das Geräusch splitternden Glases ließ alle lauteren Geräusche im Raum verstummen. Den Freunden des Elfen blieb das Lachen im Halse stecken. Leises Gemurmel setzte ein. Aeon ließ eine Hand unter dem Tisch verschwinden, zog das Gestell für den Wasser-Tessen aus seiner Halterung an ihrem Gürtel. Während der Mann begann mit alkoholschwerer Zunge Drohungen auszustoßen, entzog sie der Raumluft das Wasser. Die Kombination aus der Körperwärme vieler Personen auf so engem Raum und dem großen Feuer in der Mitte der Wirtschaft, hatten die Temperatur im Raum auf ein unangenehmes Maß ansteigen lassen. Das dadurch ausgelöste strake Schwitzen der meisten Gäste im Raum und ihre Atmung hatte die Luftfeuchtigkeit so stark ansteigen lassen, dass es sie keine zwei Herzschläge kostete die Streben der Waffe in Wasser zu hüllen. Als das Gemurmel verstummte und schwere Schritte ertönten, öffnete sie den kleinen Behälter an ihrer Hüfte. Routiniert dirigierte sie die Wasserteilchen an ihren Platz. Die Schritte kamen auf sie zu, verstummten. Die Anspannung in dem schweigenden Gasthaus hatte ein bedrohliches Maß erreicht. Aeons ganzer Körper spannte sich, ihre Finger schlossen sich fest um den Fächer in ihrer Hand, schlossen ihn. „Und nun zu dir!“ Äußerlich fuhr sie ungerührt in ihrer Tätigkeit fort. Jede harmlos aussehende Bewegung ihrer freien Hand auf dem Tisch kostete sie enorme Willenskraft, doch sie beherrschte sich, in der Gewissheit das es viel mehr Spaß machen würde noch ein wenig zu warten. In ihrem Kopf sah es anders aus. Im Geiste befand sie sich bereits in einem Kampf. Ihre Sinne vermittelten ihr alle Eindrücke überdeutlich. Es fühlte sich an als verlangsame sich alles um sie herum.
Schwerer Atem, nah genug das sie ihn auf der Haut fühlen konnte. Der Geruch eines verschwitzten Mannes. Die Androhung von Gewalt lag in der Luft. Seine nächsten Worte drangen unnatürlich laut an ihre Ohren, seltsam verzerrt klangen sie. „Du hasscht mich vor meinen Freunden, und auch vor all den Fremden hier lächerlich gemacht!“ Seltsam wie sich die Stimme zum Ende hin höher schraubte. Ein weiterer schwerfälliger Schritt. Ein Schwall stinkenden Atems in ihrer Nase. „Diese Demütigung werde ich dir heimzahlen! Du miese ...“ Ihre Augen zuckten just in dem Moment hoch als der Mann verstummte und seinen Arm in Bewegung setzte. Zwei stechende frostklirrende Teiche des Zorns. Aeon bewegte sich.

Die Flasche sauste auf ihr Gesicht zu. Bösartig gezackte Ränder glänzten matt im schummrigen Licht. Ihre freie Hand schloss sich um die Tischkante, stieß sie mitsamt dem Stuhl auf dem sie saß nach hinten ab. Die andere Hand fuhr aus ihrem Schoß hoch, öffnete den Fächer in der ruckartigen Aufwärtsbewegung. Die Flasche glitt, minimal gebremst, durch ihre Waffe. Wut verzerrte die elfischen Züge ihres Angreifers. Aeon schloss den Fächer, als der Flaschenhals das Wasser durchschnitt, und drehte dabei das Handgelenk. Sie bewegte sich dabei so schnell, dass der Mann zuerst gar nicht begriff das er nun ohne Waffe dastand. Sein Schwung ließ ihn ungebremst mit dem schweren Tisch kollidieren. Er faltete sich darum wie ein einstürzendes Kartenhaus. Aeons freie Hand fand die Wand hinter sich, stützte sich daran ab. Ihre Beine schwangen an den Seiten des Stuhles nach hinten. Während das Möbelstück unter ihr lautstark zu Boden krachte, stand sie schon wieder aufrecht. Sie wartete scheinbar gelassen drauf, dass der Mann wieder aufstand, während die Flasche mit einem Knall am Kamin zerschellte. Durch die rohe Kraft seines Angriffs hatte ihre Geschwindigkeit sie den halben Raum durchqueren lassen. Das Geräusch schreckte den Elf auf. Laut fluchend stieß er sich vom Tisch ab und fegte ihn in den Raum hinein. Im nächsten Moment bohrten sich die Spitzen von Aeons Waffe in die empfindliche Haut seines Halses. Ein Blutstrofen rann an ihm herab. Seine Augen weiteten sich im Augenblick des Verstehens. Aeons Gesicht schwebte unmittelbar vor seinem. Sie lächelte mit halb geöffnetem Mund. Der Ausdruck auf ihrem Gesicht glich dem eines ausgehungerten Wolfes oder Kampfhundes kurz vor dem tödlichen Biss. „Miese was? Komm schon Elf sprich dich aus… Gib mir einen Grund“, der freundliche Ton ihrer hellen Stimme brach den Bann. Es waren nur wenige Herzschläge seit dem Angriff vergangen, doch die Zuschauer hatten das rasante Schauspiel atemlos verfolgt. Jetzt erwachten sie aus dieser Starre.

Flüche wurden gebrüllt, die Freunde des Mannes stürzten in Richtung der Violetthäutigen und der Wirt versuchte sich einen Weg durch die Menge zu bahnen. Er hatte keine Chance. Jeder im Raum stand und versuchte einen guten Blick auf die Kontrahenten zu erhaschen.
Aber Aeon war zornig. Sie vermochte hinterher nicht zu sagen ob es eine bewusste Entscheidung, oder eine einfache Folge ihrer Wut war, die einige der Flaschen auf dem Tresen bersten ließ. Das Ergebnis bleib das Selbe. Das fliegende Glas traf einige der Umstehenden, die sich verständlicherweise angegriffen fühlten ohne zu wissen von wem. Einige der betrunkeneren unter ihnen griffen in Ermangelung eines Gegners einfach den nächststehenden Gast an. Innerhalb kürzester Zeit war eine wüte Schlägerei in Gange. Als die Freunde des Mannes Aeon erreichten, hielt sie ihnen ihr aufgefächertes zweites Tessen entgegen. „Nicht einmischen“, knurrte sie: „er hat sich das selbst zuzuschreiben, es sei denn ihr wollt sein Schicksal teilen.
Sie wollten…
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Re: Eine Frage des Stolzes

Beitrag von Shínjï'ro » Mo, 01. Aug 2016 22:19

Gerade noch war Shínjï'ro im Begriff gewesen die Schenke zu verlassen, als mit einem Mal ein Tumult ausgebrochen war, der seine Aufmerksamkeit neuerlich auf das Geschehen in der Gaststube lenkte. Der Betrunkene Kerl, den Aeon zuvor abgewisen hatte, schien mit Abweisungen nicht allzu gut klarzukommen. Schließlich war er, mit einer zerbrochenen Flasche bewaffnet, zu ihr zurückgekehrt, um sein Recht, oder zumindest den verlorenen Respekt, wieder einzufordern. Shínjï'ros Muskeln spannten sich schlagartig an. Wie es stehts gewesen war, wenn Gefahr in der Luft hing. Seine Hände glitten unweigerlich zu den Griffen seiner Klingen, doch noch verblieben sie wo sie waren. Zunächst wollte er als stummer Beobachter zusehen, und nur dann eingreifen, wenn es nötig war. Er war kein Held in einer strahlenden Ritterrüstung, der holde Maiden vor bösen Schurken rettete. Zumindest nicht, wenn er nicht dafür bezahlt wurde. Und diese Frau war immerhin eine von seiner Art. Ein, von Klein an auf den Kampf gedrilltes Wesen. Es würde ihn schon sehr überraschen, wenn so ein dahergelaufener Tavernensäufer in der Lage wäre, sie zu übertölpeln.

Doch was er dann sah, hatte er nicht erwartet. Diese Schnelligkeit und diese Agilität hatte er bisher bei nur sehr wenigen Kämpfern gesehen. Er verengte seine Augen zu zwei Schlitzen und konzentrierte sich auf jede noch so kleine Bewegung dieser geheimnsivollen Frau, welche sich mit einem katzenhaften Sprung aus der Bedrängnis ihrers Angreifers befreit hatte. Und noch ehe der Kampf eigentlich begonnen hatte, da war er auch schon wieder vorbei. Sie hatte ihre Waffe an seinem Hals und er erstarrte, als er sich bewusst geworden war, wie ernst der Lage geworden war. Sie schien ihm etwas zuzuflüstern, und obwohl eine unheimliche und bedrückende Stille in den Raum eingekehrt war, hatte Shínjï'ro doch kein Wort davon verstanden. Aber vermutlich waren es irgendwelche Drohgebarden. Shínjï'ro kannte diese Floskeln der Shiîn nur allzu gut, und konnte sich bestens ausmalen, was sie wohl gesagt haben mochte. Doch bei dem Gedanken daran verzog er nicht einmal einen Augenblick den Mund. Weder zu einem Lächeln, noch zu einer Grimasse. Er stand einfach nur anteilnahmslos da und starrte auf das Geschehen, als wäre er eine leblose und emotionslose Statue. Diese Frau bedeutete ihm nichts. Genausowenig dieser Elf. Wenn einer von beiden sterben würde, täte ihn das nicht im geringsten interessieren. Allerdings war das Geheimnisumwobene, welches diese Frau umgab, noch immer vorhanden. Und vielleicht vermochte er ja etwas davon zu lüften, wenn es sich ergab.

Die Reaktionen der anderen Gäste ließ nicht lange auf sich warten. Zuerst wurde geflucht und gebrüllt, doch dann stürzten sich die anderen fünf Kameraden jenes Betrunkenen, der gerade im Würgegriff Aeons stand, auf diese hinzu. Der Wirt hingegen versuchte ebenso zum Ort des Geschehens vorzudringen, aber wohl nur, um Schäden an seinem Mobiliar zu verhindern. Und als schließlich ein Glas in die Menge der Schaulustigen flog, war die, bis zum zerreissen aufgebaute Spannung, mit einem Schlag, wie ein gewaltiger Donner, entladen. Die Männer gingen wahllos aufeinander los und prügelten aufeinander ein. Manche nahmen eine Flasche, andere einen Krug. Einer nahm sogar einen herrenlosen Stuhl, um ihm einem anderen über den Rücken zu hauen. Geschrei, Gezänk und wüste Schimpftiraden erfüllten den Raum und inmitten dieses Tumultes, umringten die fünf Kameraden nun Aeon, welche sich diese mit ihrer zweiten Waffe auf Abstand hielt, während sie weiterhin den Betrunkenen bedrohte. »Nicht einmischen! Er hat sich das selbst zuzuschreiben, es sei denn ihr wollt sein Schicksal teilen!« Die Kameraden spuckten auf den Boden. »Du bist alleine. Und wir sind zu sechst. Du kannst uns nicht alle niederringen. Und selbst wenn. Es ist verboten in der Stadt zu töten. Die Wache wird dich am nächsten Baum aufknüpfen, wenn du auch nur einem von uns das Licht ausbläst.« Brummte einer von ihnen, und ein zweiter stimmte mit ein. »Ja. Wenn du schlau bist, verpisst du dich ganz schnell von hier, bevor noch richtiger Ärger auf dich zukommt, du fremdländische Hure!« Shínjï'ro grinste. Egal wohin man ging. Es war immer dieselbe Leier. Floss zuviel Alkohol, wurden gestandene Männer zu Rüpeln und Rassisten. Wobei letzteres bei den Bergelfen ohnehin kein großes Geheimnis war. Sie mieden und misstrauten ohnehin jedem, der keine fahle Haut und spitze Ohren hatte. Da kam ihnen diese Shiín gerade recht, um ihrem Groll freien Lauf zu lassen.

Shínjï'ro hingegen stand noch immer an der Türschwelle und beobachtete das Ganze Theater. Vielleicht hätte er sich einmsichen sollen. Doch was hatte er davon? Nicht sehr viel...Die Männer schienen es anders zu sehen. Sie wollten nicht mehr warten und stürmten auf Aeon hinzu. Und Shínjï'ros Klingen glitten aus den Scheiden in seine Hände, während er sich durch die tobende Menge schlängelte, als wäre er Nebel der duch enge Gassen dahinglitt. Niemand schien Notiz von ihm zu nehmen und keine herrenlose Faus, die durch die Luft sauste, schien ihn zu treffen. Nach einigen Schritten, war er inmitten des Tumultes angekommen, seine Klinge glitt wie ein Fisch durch das Wasser und fuhr einem der Männer unter der Deckung, die er sich vor Aeon aufgebaut hatte, hindurch an den Hals. Die zweite Klinge weckte kurz darauf die Aufmerksamkeit jenes Mannes, welcher Aeon eine Hure genannt hatte. Und als der kalte Stahl seinen Hals berührte fuhr er zusammen und blickte mit geweiteten Augen zuerst auf die Klinge, und dann auf den Mann er sie trug. »Du solltest gehen.«, brummte Shínjï'ro und nickte auffordernd in jene Richtung, in welcher sich die Tür befand.
Valar Morghulis: ♦♦♦♦♦ ♦

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Re: Eine Frage des Stolzes

Beitrag von Aeon » Mo, 09. Jan 2017 17:34

Aeons Augen schimmerten wie zwei flache Gebirgsseen, hellblau und frostig. Doch auf ihren Lippen lag der Anflug eines amüsierten Lächelns während sie den Beschimpfungen des Elfen vor ihr scheinbar ruhig lauschte: „Du bist alleine. Und wir sind zu sechst. Du kannst uns nicht alle niederringen. Und selbst wenn. Es ist verboten in der Stadt zu töten. Die Wache wird dich am nächsten Baum aufknüpfen, wenn du auch nur einem von uns das Licht ausbläst.“ Sie wollte gerade etwas erwidern als ein weiterer Kumpane ihres Angreifers das Wort ergriff: „Ja. Wenn du schlau bist, verpisst du dich ganz schnell von hier, bevor noch richtiger Ärger auf dich zukommt, du fremdländische Hure!“
Nett, wie sie versuchen dir zu drohen. Sie haben wohl den Ernst der Lage nicht erkannt. Ich dachte immer nur Menschen wären so dumm… Elfen hätte ich eigentlich mehr Verstand zugetraut. Wollen wir nicht Alvarania einen Dienst erweisen und es von ihrer erbärmlichen Existenz befreien? Aeon legte die Stirn in Falten und schien angestrengt nachzudenken, als sie erwiderte: Nun, wie es scheint lernt man nie aus. Ich hielt mich eigentlich für recht bewandert im Umgang mit Elfen, aber meine letzte Kneipenschlägerei ist auch schon ein paar Jahre her. Dann glättete sich ihre Stirn wieder und sie grinste die Männer an: „Wer sagt etwas von umbringen? Wo bliebe denn da der Spaß? Schließlich hättet ihr dann später gar nichts mehr an dem ihr euch erfreuen könnt.“ Nun sahen die Männer wahrlich verwirrt aus: „Versuchst du uns jetzt zu Tode zu labern Weib? Du scheinst dir deiner Lage nicht bewusst zu sein!“ Er wandte sich an seine Kumpane: „Kommt Männer, was soll so ein Shiín-Bastard mit zwei Fächern schon ausrichten können?“ Sie rückten näher an Aeon heran. Diese senkte den Kopf und fragte leise: „Kennt ihr denn die Eure?
Dann begann es. Ihr Kopf ruckte hoch, der halb geöffnete Mund zu einem wahrhaft dämonischen Grinsen verzogen, das ihre spitzen Zähne im schummrigen Licht des Gastraumes unnatürlich weiß aufblitzen ließ. Zwei der Männer zuckten instinktgetrieben zurück, während die anderen nur kurz innehielten, ehe sich alle sechs auf die schlanke Shiín stürzten. Aeon stand halb von ihren Angreifern abgewandt. Auf ihrer einen Seite, den benommen Betrunkenen, auf der anderen seine angriffslustigen Freunde, musste sie sich rasch in eine bessere Position bringen. Sie ließ die Arme mit den Tessen sinken, dreht sich halb um ihre eigene Achse und traf den Betrunkenen mit dem Absatz ihres ledernen Stiefels in die Brust. Der Tritt war nicht einmal besonders kräftig ausgeführt. Einzig der Schwung ihrer beinahe nachlässig anmutenden Drehung verlieh ihm Kraft, es war jedoch die Zielgenauigkeit jahrelanger Übung, die sie jenen weichen Punkt im oberen Bauchbereich, direkt unterhalb der Rippen treffen ließ. Und dieser Treffer ließ den Mann bewusstlos in sich zusammensacken. Dummerweise befand sie sich nun noch dichter an der Wand und die Männer konnten sie problemlos einkreisen.

Sie wich ihren Angriffen so gut aus wie sie konnte, bog sich wie ein Grashalm im Wind unter diesem und jenem Schlag weg, schlug auf sie zufliegende Fäuste beiseite und duckte sich unter Tritten hindurch. Einer der Männer stach mit einem Messer nach ihr. Sie sah die kleine Klinge gerade noch rechtzeitig um sie mit einem Tessen abzufangen, während das andere dem Mann unter die Deckung fuhr und blutige Striemen auf dem Arm hinterließ, den er im letzten Moment noch schützend hochgerissen hatte. Er taumelte mit einem schmerzerfüllten Aufschrei rückwärts. Für Triumph blieb dem Mischblut jedoch keine Zeit, denn die anderen drangen nun umso ärger auf sie ein. Ein Faustschlag traf sie an der Schulter und warf sie herum. Dem folgenden Tritt konnte sie nur ausweichen, indem sie einen Schritt zurückwich. Nun war die Wand bedenklich nah, doch der nächste Angreifer beging einen folgenschweren Fehler. Er stürzte sich brüllend auf sie, wie ein weitwundes Tier. Blindwütig rasend versuchte er mit vorgereckten Armen nach ihr zu greifen. Sie packte ihn bei den Armen, stieß sich mit aller Kraft mit beiden Füßen von seiner Brust ab und ließ ihn dabei wieder los. Während sie mit Wucht gegen die Wand in ihrem Rücken knallte, flog der Mann rückwärts in die Menge der Kämpfenden. Ihr Hinterkopf prallte gegen die Wand und sie sah Sterne.
Lyuns Stimme verschmolz mit den Hintergrundgeräuschen und für einen kurzen Moment herrschte Stille in ihren Gedanken. Diese Stille ermöglichte ihr einen klaren Blick auf die Szenerie vor ihr. Eben war sie sich noch sicher gewesen, diesen Augenblick der Schwäche mit einigen Schmerzen bezahlen zu müssen, doch die erwarteten Angriffe blieben aus. Die Männer hatten sie umringt, mit teils wachsamen, teils zornigen Blicken standen sie vor ihr. Ein jeder von ihnen achtete nun peinlich genau auf seine Deckung und keiner schien den ersten Schritt machen zu wollen. Just in dem Moment als Aeon ihre Tessen wieder anhob und in Verteidigungshaltung ging, tauchte mit einem Mal Shínjï'ro zwischen ihr und den verbleibenden vier Elfen auf. Er bewegte sich geschmeidig mit gleitenden Bewegungen, die sein Eingreifen mühelos aussehen ließen. Noch im Ankommen hatte er seine langen fremdartigen Klingen so postiert, dass sie das Leben zweier der Männer bedrohten.
Als er einen der Männer dann noch zum Gehen aufforderte und dieser stammelnd nickte, bevor er aus dem Gasthaus floh, schienen die drei Verbleibenden weit weniger erpicht auf einen Kampf als zuvor.

Aeon trat an seine Seite und sah den Rädelsführer, der vor ihr auf den Boden gespuckt hatte, direkt in die Augen. Er schien unter ihrem eisigen Blick zusammen zu schrumpfen. „Sag Elf“, fragte sie mit neutraler Stimme: „möchtest du das hier fortsetzen? Jetzt steht es drei gegen zwei, oder auch zwei gegen zwei wenn ich meinen Volksgenossen hier richtig einschätze. Überleg es dir…“ Sein Blick glitt über den Bewusstlosen hinter der der weiß gekleideten Shiín, seinen Freund den Shínjï'ro noch immer mit einer fremdartigen Klinge bedrohte und blieb zuletzt an ihren erhobenen Tessen hängen. Auf der gewöhnlichen Waffe war noch immer das Blut seines anderen Freundes zu erkennen. Er schluckte und ließ die geballten Fäuste sinken, doch sein Blick war mörderisch. Er mochte erkennen das er verloren hatte, doch akzeptiert hatte er die Niederlage nicht. Es war ihm trotz der Hilfe von fünfen seiner Freunde nicht gelungen eine kleine, augenscheinlich junge Shiín-Frau zu besiegen. Das nagte an ihm, Aeon sah es deutlich, während er und seine verbliebenen zwei Freunde, den Bewusstlosen zu sich heranzogen um sich anschließend mit ihm zu entfernen. Sie ließ ihre Waffen sinken und wandte sich an Shínjï'ro: „Du bist ziemlich schnell, soetwas sieht man selten. Danke für dein Eingreifen.“ Sie warf einen prüfenden Blick durch den Raum ehe sie fortfuhr: „Die Schlägerei scheint fast vorüber zu sein. Der Wirt wird den Rest des Tages wohl mit Aufräumen verbringen müssen und ich bin ziemlich sicher die letzte, die er dabei sehen will. Ich werde mich auf meine Zimmer zurückziehen, schließlich habe ich dafür bezahlt, bevor noch einem von denen da“, sie deutete mit dem nun zusammengeklappten Wasser-Tessen auf die letzten Kämpfenden: „einfällt das sie noch nie versucht haben sich mit einer Shiín zu schlagen. Was wirst du jetzt tun?

Der Raum bot einen desaströsen Anblick. Zerschlagenes Geschirr zierte den Boden, es stank nach vergossenem Alkohol und überall lagen demolierte Möbel. Die hartnäckigsten Kämpfer balgten noch immer auf dem Boden oder zwischen den Trümmern, doch es waren nicht mehr viele. Morgen sollten wir dieses Haus früh und möglichst leise verlassen… Die weiß gekleidete Kriegerin erhielt keine Antwort auf diesen Gedanken, doch das hatte sie auch nicht erwartet. Ihre Schwester war verärgert, weil es keine Toten gegeben hatte und hüllte sich in beleidigtes Schweigen. Sie stieg die Treppe zu ihrem Zimmer hinauf und bereits nach wenigen Schritten versperrte der Absatz ihr die Sicht auf die Verwüstung. Jene Verwüstung die mit einem Betrunkenen und etwas harmlosem Geplänkel ihren Anfang genommen hatte.
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