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Ein schwarzes Schaf in der Herde

Die Hauptstadt von Arcanis.
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Kimara
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Ein schwarzes Schaf in der Herde

Beitrag von Kimara » Do, 13. Sep 2012 15:32

>> Schänke: Zum Wolfsfang

Kimara gab dem Soldaten an, dass er sie zum Tempel bringen solle und so begann die Reise aufs Neue. Allerdings freute sich Kimara bereits darauf wieder heim zu kommen. Schien es ihr doch als wäre sie bereits Wochen fort. Kimara sah kurz hinter zu ihrem Begleiter, aber schnell betrachtete sie wieder den Weg, der vor ihnen lag. Zum Glück kannte der Soldat sich hier aus und nahm seine Aufgabe ernst.

Als sie am Tempel ankamen, stieg Kimara alleine von dem Planwagen und sah freundlich zu dem Soldaten. „Habt Dank für Euren Dienst. Ich wäre Euch sehr verbunden, wenn Ihr mir noch einen kleinen Gefallen erweisen könntet.“ Der Soldat schüttelte zuerst den Kopf, aber nickt dann grinsend. Vermutlich war sie ihm schon zu fordernd. Dennoch brauchte sie ihre Gepäck. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass sie nicht wollte, dass es in der Zitadelle lag. „Könntet Ihr dafür sorgen, dass mein Gepäck zurück in den Tempel gebracht wird? Anders als gedacht startet meine Mission erst übermorgen, so dass ich die Zeit auf gewohntem Boden verbringen kann.“ Entwaffnend lächelte sie ihn an. „Gerne“, erwiderte der Soldat, der durch diesen Gefallen vielleicht langweiligem Wachdienst entgangen war. Nachdem der Söldner auch abgestiegen war, lenkte der Soldat den Wagen zurück. Aus unerklärlichen Gründen vertraute Kimara ihm. Ob es daran lag, da er nicht versuchte jemand anderes zu sein?

Erst jetzt sah Kimara wieder zu Vincent. „Dies ist mein Heim, aber es gehört nicht mir alleine. Dort leben viele, die wie ich auf dem Pfad der Zwei wandeln und wir haben immer ein Bett frei. Zumindest war dem noch so als ich vorhin zu meinem großen Abenteuer aufbrach.“ Die junge Frau machte sich daran die Treppen zu erklimmen, denn immer betrat sie den Tempel durch seinen Haupteingang. Ihr wäre es nie in den Sinn gekommen 'hintenrum' zu gehen. "Warum verkauft jemand seine Dienste für Gold? Ist die Welt dort draußen so schlecht?", fragte Kimara leise und ebenso vorsichtig.

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Vincent
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Re: Ein schwarzes Schaf in der Herde

Beitrag von Vincent » Do, 13. Sep 2012 16:28

Vincent war froh aus der Taverne herausgekommen zu sein und glaubte freier atmen zu können. Die Luft in der Gaststätte war stickig und voller ekelhafter Gerüche gewesen, deren Ursprünge er nicht kennen wollte. Wie konnte man freiwillig seine Tage dort verbringen? Auch er hatte wenig Geld, was ihn nicht dazu veranlasste in Schänken wie dieser sein weniges Hab und Gut in billigen Fusel umzuwandeln. Er gehörte ohnehin nicht zu den Männern, die ihren Kummer in Alkohol ertränkten oder diesem aus anderen Gründen frönten. Es war ihm wichtig stets einen klaren Kopf zu behalten, zu wissen was er tat und sich nicht bis zur Besinnungslosigkeit zu betrinken. Das war nicht seine Art mit Problemen umzugehen.

Kimaras scheues Lächeln brachte ihn dazu es zu erwidern und kurz zu Boden zu sehen. In ihrem Blick lag soviel Wärme und Güte, dass er nicht wusste wie er sich ihr gegenüber verhalten sollte. Nie zuvor in seinem Leben war er jemandem wie ihr begegnet und er fühlte sich unsicher. „Danke. Wie kann ich mich nur jemals dafür bedanken?“, erwiderte er auf ihr Angebot hin und stieg auf den Wagen. Dabei achtet er darauf, dass seine Kapuze nicht verrutschte. Kaum hatte er sich gesetzt, fuhren sie auch schon los. Instinktiv hielt er sich an einer der Streben fest und nickte der Priesterin zu als sie einen kurzen Blick vom Kutschbock zu ihm nach hinten warf.

Auf der Fahrt in Richtung Tempel machte sich Vincent seine ganz eigenen Gedanken zu den bisherigen Geschehnissen. Er war einem Wahrheitsbringer über den Weg gelaufen und noch am Leben. Demnach war seine Tarnung besser als er es anfangs geglaubt hatte. Noch immer war er sich der Gefahr in der er sich befand nicht wirklich bewusst. Die Angst als Sklave enttarnt zu werden, war größer als dass die Arcanier herausfinden könnten, dass er kein Mensch war sondern ein verhasster Elf und er bewegte sich in diesem Moment ausgerechnet auf einen Tempel der Zwei zu. Vielmehr interessierte ihn die Frage wie er Kimara gegenüber zugeben sollte, dass er nicht lesen konnte ohne dass sie ihn auslachte oder für dumm hielt. Denn das war er nicht. Ganz und gar nicht.

Es dauerte nicht lange und die Kutsche hielt an. So schnell wie er auf den Wagen gestiegen war, sprang er auch wieder herunter und lief um diesen herum um der Priesterin vom Kutschbock zu helfen. Doch sie war zu schnell und schon allein herunter geklettert. Schweigend blieb er einige Schritte von ihr und dem Soldaten entfernt stehen bis diese die Dinge miteinander geklärt hatten, die sie miteinander klären mussten. Erst als der Mann mit der Kutsche weggefahren war, kam er auf sie zu und sah sie abwartend an. Als sie meinte die große Tempelanlage sei ihr Heim folgte er ihrem Blick und musterte mit einer gewissen Ehrfurcht das aus mannshohen Steinquadern gefertigte Gebäude. „Mir reicht auch ein einfaches Lager aus Stroh, wenn Ihr kein Bett mehr frei habt. Ich brauche nicht viel.“, antwortete er und strich sich seine Kleider glatt. Es war mehr eine Geste der Verlegenheit. So viel Güte war ihm unangenehm, aber auch ihre Frage überraschte ihn und er zuckte kurz zusammen. Hatte sie ihn etwa durchschaut oder war es nur Interesse an ihm und seinem Tun? „Ihr fragt mich warum ich ein Söldner geworden bin?“, wiederholte er ihre Worte und biss sich nachdenklich auf die Unterlippe. Er konnte schwer sagen, dass es unfreiwillig dazu gekommen und mehr einem Zufall zu verdanken war, dass er zu dem geworden war was er nun einmal war. „Ich ähm...“, begann er und kratzte sich im Nacken. „Von irgendetwas muss man doch leben und ich war froh überhaupt irgendeine Anstellung gefunden zu haben. Wisst Ihr, ich stamme nicht aus dieser Gegend und habe auch nie irgendeinen Beruf gelernt.“ Er musste nicht einmal lügen. Alles was er sagte, entsprach der Wahrheit, wenn auch in einem abgeänderten Kontext. Noch vertraute er ihr nicht als dass er ihr sein wahres Ich offenbarte.

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Re: Ein schwarzes Schaf in der Herde

Beitrag von Kimara » Di, 09. Okt 2012 12:35

Kimara lächelte den Söldner freundlich an und erwiderte: „Dann müsstet Ihr wohl im Stall nächtigen, da wir sonst neigen Betten für die Nacht zu nutzen. Aber vielleicht findet sich ja eine Möglichkeit.“ Während sie sprach, wurde ihr Lächeln etwas verschmitzter. Nicht viel, da sie immernoch Haltung zu bewahren hatte. Hatte sie? Kimara empfand diese Mission jetzt schon als ermüdend. Es hieß neue Kontakte zu knüpfen und ihre Haltung aufrecht zu erhalten ohne jemanden zu haben, der sie unterstützen würde. Sie war auf sich alleine gestellt. Wieso hatte ihre Mutter sie nur entsandt? Ihre Unerfahrenheit im Umgang mit der Welt hätte doch ein Hindernis seien müssen oder hat die Liebe ihrer Mutter deren Blick getrübt? Kimara wollte nicht schlecht über ihre Mutter denken, aber sie war sich sicher, dass jemand mit mehr Erfahrung für die Mission von Vorteil wäre. Jemand, der mehr von der Welt gesehen hatte und geübter im Umgang mit anderen Menschen. Wie sollte sie die Lehren der Zwei in die Welt tragen, wenn sie sich so alleine fühlte wie noch nie in ihrem Leben? Vielleicht hatte sie sich einst als Säugling so gefühlt als die Frau, die sie geboren hatte, sie auf den Tempelstufen ausgesetzt hatte.

Sie lauschte aufmerksam seiner Antwort und erwiderte mit gedämpfter Stimme, da sie die geheiligten Hallen betraten: „Ich verstehe sehr gut, dass man eine Möglichkeit braucht um seinen Lebensunterhalt zu verdingen.“ Etwas leiser fügte sie hinzu um der Ehrlichkeit genüge zu tun: „Zumindest vermag ich es auf Grund der Erzählung einiger Kranken nachzuvollziehen.“
Nach einigen Schritten war Kimara langsamer geworden, damit ihr Begleiter Zeit bekam sich die große Halle genauer anzusehen. Die hohen Säulen, der leichte Duft nach Blumen und die Zierde, die den Raum auf dezente Weise schmückte. Das alles war Kimara so sehr vertraut, da sie als junge Adeptin wie viele andere vor ihr den Raum hatte säubern dürfen. Kein Staubkorn durfte sich mehr auf den Kerzenhaltern befinden.Wie viele nach ihr würden wohl noch diesem Dienst leisten? Kimara lächelte sanft, während sie selbst sich ebenso umsah. Das Bauwerk an sich war auch wunderschön. Sie wusste nicht genau wie man es geschafft hatte, aber auch wenn das Gewicht des Dachs wohl erdrückend war, so wirkte der Bau dennoch filigran. Ob es auch an der Zierde lag? Es wäre sicher interessant es zu ergründen, aber in Kimaras Kopf lauerten bereits andere Fragen: War ihr bewusst gewesen was sie hinter sich lassen würde? Hatten diese wenigen Momente schon gereicht um ihren Blick auf die Welt zu verändern? Zumindest um den Blick auf ihre kleine Welt zu verändern. Man hatte sie hier immer beschützt, aber wovor? Im Grunde doch vor allem was außerhalb des Tempels stattfand. Aber man hatte sie auch nie alleine gelassen und sie hatte gelernt, dass ihre Stärke in der Gruppe lag. Sie halfen einander durch düstere Zeiten – auch wenn jene im Tempel wohl nicht mit denen der Welt draußen zu vergleichen waren. Dennoch waren sie für einander da. War das nicht auch ein Problem bei der Mission? Ihre Einzigartigkeit als Priesterin?

„Dennoch ist es nie zu spät um einen Neuanfang zu wagen“
, fuhr Kimara fort um sich von ihren eigenen Gedanken abzulenken, „Noch habt Ihr Euer Leben vor Euch, so dass Ihr doch noch einen Beruf erlernen könntet um nicht mehr gezwungen zu sein Euch an jemanden zu verkaufen.“ Hätte sie auch die Möglichkeit ihr Leben zu ändern? Wollte sie das überhaupt? Die junge Frau schüttelte leicht den Kopf. Natürlich wollte sie das nicht. Sie liebte dieses Leben und glaubte. Nicht nur an die Zwei, sondern auch an das Gute im Menschen. Es war etwas, dass aus der Tiefe ihres Herzens kam und nichts, dass man ihr antrainiert hatte.

Sie führte Vincent zu einem Durchgang, den man vom Eingang her nicht sehen konnte. „Ich müsste kurz zu meiner Mutter um sie über mein Hiersein zu informieren, aber ich möchte Euch ungerne alleine lassen. Es wird wohl am Besten sein, wenn ich eine Adeptin suche, die sich Eurer annehmen kann“, erklärte Kimara ihre Planung.

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Re: Ein schwarzes Schaf in der Herde

Beitrag von Vincent » Di, 09. Okt 2012 13:47

Die Aussicht in einem Stall zu nächtigen, erschreckte Vincent nicht. Ein Lager aus Stroh war mehr als er je in den letzten Jahren gehabt hatte und es kam ihm jetzt schon wie Luxus vor. Es dauerte eine Weile ehe er ihre Worte verstand und lächelte. „Natürlich, ein Bett ziehe ich dem Stall allemal vor.“, erwiderte er und senkte verlegen den Blick. Er mochte nicht darüber nachdenken was sie nun über ihn dachte, weil er angegeben hatte lieber im Stroh zwischen den Tieren als zwischen den Menschen schlafen zu wollen. Das war ihm noch im Nachhinein zutiefst unangenehm und er wagte es nicht sie anzusehen bis sie den Eingang zum Tempel erreichten.

Seine eigene Unerfahrenheit war ihm wieder einmal durch dieses kleine Missverständnis bewusst geworden und er fragte sich wie es dort draußen erst sein mochte, wenn er mit den anderen Soldaten zusammen reiste. Gewiss würden sie nicht so nachsichtig mit ihm sein wie die Priesterin. Männer waren da anders. Sie waren rücksichtslos und kalt. Das hatte er am eigenen Leib erfahren, sein Leben lang. Genau aus diesem Grund bemühte er sich alles perfekt zu machen, keinerlei Angriffsflächen zu bieten oder gar Schwäche zu zeigen. Es war schwer abzuschätzen, was auf der Mission alles auf sie zukommen mochte, aber allein Beremars Verschwinden, der Einzige, dem er er wirklich vertraut hatte, verunsicherte ihn. Seinem Adjutanten traute er nicht. Nicht weil er ihn nicht für vertrauenswürdig hielt, sondern weil er fürchtete, dass er überfordert war mit der ganzen Situation und das obwohl sie noch ganz am Anfang standen.

Auch in ihm keimten die ersten Zweifel auf. War es richtig gewesen sich zu melden? Was mochte auf ihn zukommen? Wie lange würde es ihm gelingen seine Maskerade aufrecht zu erhalten und was mochte geschehen, wenn man ihn während der Reise enttarnte? Angst ergriff ihn und er schluckte sichtbar, nahm kaum Etwas von seiner Umgebung wahr. Die Säulen und die hohe Halle erkannte er nur wie durch einen dichten Nebel hindurch, Kimaras Stimme klang wie aus weiter Ferne in seinen Ohren. „Ich kann nicht...“, flüsterte er. „Ich kann nicht von vorn beginnen... das geht nicht. Niemand nimmt einen Lehrling wie mich bei sich auf.“, brachte er unter großen Anstrengungen hervor und seine Hände verkrampften sich zu Fäusten. Verkauft hatte man ihn schon vor seiner Geburt, also machte es keinen Unterschied ob er es nun wissentlich tat oder nicht. Immerhin bekam nun er das Geld und nicht die, die ihn wie Ware handelten. Dazu kam, dass er nicht einmal lesen konnte, geschweige denn schreiben. Wie sollte er so je eine Ausbildung machen können? Außerdem nahm wohl kein Lehrmeister einen entflohenen Sklaven auf...

Er ließ sich zurückfallen und blieb auf der obersten Stufe stehen, sah in das Innere der heiligen Hallen. Irgendwie kam es ihm falsch vor sie zu betreten. Er war ein Ungläubiger, ein Mann ohne jeden Glauben und dazu noch ein Feind der Kirche. Sein Herz pochte heftig, fast schon schmerzhaft schnell in seiner Brust und er schüttelte den Kopf. „Nein ich... Ihr müsst mir keine Adeptin zur Seite stellen. Ich warte einfach hier draußen... holt mich, wenn Eure Unterredung beendet ist, denn ich will Niemandem zur Last fallen.“, sagte er und suchte den Blick der jungen Frau, auch wenn es ihm unendlich schwer fiel.

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Re: Ein schwarzes Schaf in der Herde

Beitrag von Kimara » Sa, 13. Okt 2012 23:49

Kimara fühlte sich unwohl ob seiner Reaktion. Hatte sie ihm mit ihrem kleinen Spaß ein Gefühl von Unwohlsein beschert? Die Priesterin hatte eben dies mit Sicherheit nicht vorgehabt, da es ihrem Wesen von grundauf widersprach. Sollte sie doch Fröhlichkeit und gute Gefühle in die Welt tragen. Keine Dunkelheit. Innerlich seufzte Kimara ob dieses Fehlers, den sie begangen hatte.
Alles was sie danach von sich gab, schien ihn ebenso nach unten zu drücken. Aber hatte sie nicht geplant ihn zu ermutigen? Wie aber sollte man Hoffnung zu den Hoffungslosen bringen? Wie ein Licht in die Dunkelheit? Kimara fühlte sich wieder in ihrer Unwissenheit bestätigt. Wusste sie doch im Grunde nichts über das Leben außerhalb des Tempels...oder gar die Menschen. Er war im Vergleich zu den anderen anders gewesen. Auf eine ganz besondere Art. Da war sich Kimara sicher, aber dennoch wusste sie nicht, wie sie ihn erreichen konnte. Denn die wenigen Schritte, die sie nun miteinander gewagt hatten, schienen ihm bereits zugesetzt zu haben. Wieso hatte sie nicht besonnener gesprochen? Nicht erst nachgedacht? Lag es an ihrem eigenen Alter? Kimara biss sich leicht auf die Unterlippe während sie überlegte wie sie ihm antworten sollte. Sie würde ihm nicht widersprechen, wenn er hier warten wollte, dann würde sie ihm das gestatten. War sie wirklich in der Lage ihm etwas zu gestatten? Der Stellvertreter des Wahrheitsbringers hatte doch betont, dass die Mission noch nicht gestartet war und so war er noch nicht ihr Leibwächter. Er war nur ein Fremder, der dieselbe Aufgabe vor sich hatte. Außerdem hatte er Interesse daran gezeigt mehr Wissen anzuhäufen. Das sprach wirklich für ihn. Ein Lächeln huschte über ihre Lippen.

„Wie ihr wünscht“, erwiderte Kimara sanft, „Ich werde versuchen mich zu beeilen, aber ich vermag nicht zu versprechen, dass meine Mutter mich schnell gehen lässt. Aber ich werde an diesen Ort zurückkehren sobald ich mit ihr gesprochen habe.“

Kimara musterte ihn nochmals kurz und lief dann los. Nach wenigen Schritten sah sie nochmals zurück zu dem Fremden im Durchgang. Ob er wirklich bleiben würde? Plötzlich regte sich dieser leise Zweifel im Sein der Priesterin. Was würde sie tun, wenn er es vorzog zu gehen? Würde sie sich auf die Suche nach ihm begeben oder davon ausgehen, dass sie sich bei den Soldaten wiedertreffen würden? Hatte sie Verantwortung dadurch auf sich geladen, dass sie den jungen Mann mit hierher genommen hatte? Kimara zwang sich den Gedanken zur Seite zu schieben.

Leicht füßig lief sie durch die Gänge und durchquerte einen der kleinen Gärten. Dann trat sie bereits in den Flur, der zu den Gemächern ihrer Mutter führte. Sie klopfte vorsichtig an. Nach einem kurzem Moment betrat sie den Raum. Leichtfüßig. Fröhlich. Lächelnd. Zumindest bis zu dem Augenblick als sie sich der Anwesenden im Raum bewusst wurde. Seelia lag in ihrem Bett und an ihrer Seite saß Amabella, die gerade ein feuchtes Tuch auf die Stirn der älteren Priesterin legte. Das Lächeln verblasste. „Was ist geschehen?“, fragte Kimara sanft. Amabella sah leicht erschrocken zu Kimara, während Seelia sanftmütig lächelte. „Sei mir nicht böse, mein Kind. Es war mehr als es den Schein hatte...aber ich wollte dich nicht verängstigen. Dein ganzes Leben liegt noch vor dir. Ich wollte nicht, dass du deine Reise mit Kummer beginnst...“, erklärte ihre Mutter sanft. In ihrer Stimme schwang eine gewisse Müdigkeit mit, aber dennoch behielt Seelia ihre Haltung. „Habt Ihr Euch am Fuß verletzt?“, fragte Kimara, die sich der Situation nicht unbedingt vollkommen gewachsen fühlte. Seelia schüttelte sanft den Kopf. „Es war nur eine kleine Lüge, mein Schatz. Sei mir bitte nicht böse, aber ich wusste nicht, wie ich es dir sonst sagen sollte. Ich bin schon eine Weile krank...aber nur Amabella weiß davon. Behalt es also bitte für dich.“ Kimara lauschte den Worten ihrer Mutter, aber doch verstand sie nicht ganz worum sie ihre Mutter bat. War es nur eine Lüge? Kimara ging langsam auf das Bett zu und ließ sich von Amabella das letzte Stück ziehen. Vorsichtig setzte sich die junge Frau auf das Bett ihrer Mutter, den Blick erwartungsvoll auf sie gerichtet.

„Mara, schau nicht so“, gab Seelia sanft von sich, „Ich weiß, dass du dich nicht der Lüge hingeben möchtest, aber ich wollte niemanden beunruhigen. Harte Zeiten kommen auf uns alle zu...und ich wollte niemandem einen Grund geben zu wanken.“ Die junge Frau legte ihren Kopf leicht auf die Seite, während sie die Worte ihrer Mutter auf sich wirken ließ. Verabschiedete Seelia sich gerade? War es ein Geheimnis, dass sie starb? War sie deshalb in den letzten Wochen so streng gewesen? Kimara schob die Gedanken beiseite und sah ihre Mutter an. Ja, sie sah gebrechlicher aus. Sie wirkte älter. Wieso nur hatte sie es nicht bemerkt? Hatte sie es etwa nicht sehen wollen? Sie spürte Amabellas Hand auf ihrer Schulter. Hilfreich und doch...es schwang noch etwas anderes in dieser Berührung mit, das Kimara nicht benennen konnte.

Es war nicht einmal die Hälfte einer Stunde, die Kimara an dieser Stelle verweilte. Gerne wäre sie länger geblieben, aber doch wartete eine Aufgabe auf sie und sie wusste, dass ihre Mutter es nicht schätzte, wenn sie ihre Aufgaben vernachlässigte. Sie hatten über die Krankheit gesprochen. Für mehr war keine Zeit gewesen obgleich Kimara gerne über ihre ersten Eindrücke der Welt gesprochen hätte. Doch war es unwichtig im Vergleich zu der Möglichkeit, dass ihre Mutter vielleicht bald schon nicht mehr da sein würde. Wenn man sie mit einer Pflanze verglich, so wusste Kimara nur zu gut, dass ihre Mutter durch die Wurzeln symbolisiert werden würde.

Ihr inneres Gleichgewicht wieder suchend, trat sie zurück in den Durchgang um sich um ihren neuen Gefährten zu kümmern, falls er noch da war. Sie würde einen Schlafplatz für ihn finden müssen und dann natürlich mit der Arbeit beginnen. Vielleicht sollte sie sich auch um sein leibliches Wohl bemühen? Aber all dies waren Dinge, derer sie sich später annehmen konnte.

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Re: Ein schwarzes Schaf in der Herde

Beitrag von Vincent » Do, 18. Okt 2012 17:43

Vincent war sich der Wirkung seiner Worte nicht bewusst und dachte auch nicht weiter darüber nach. Er war es nicht gewohnt, dass man sich um ihn und sein Wohlergehen sorgte. Daher wusste er auch nicht recht damit umzugehen. Im Grunde hatte sich sein ganzes bisheriges Leben niemand um ihn gekümmert oder gefragt wie es ihm geht. Einen Fehler hatte Kimara keineswegs begangen, sie konnte nicht ahnen wie es Vincent ergangen war und warum er sich so gab wie er es nun einmal tat. Seine Stimmung war seit dem Tod seines besten Freundes gedrückt. Es gab Nichts was ihn seitdem aufgemuntert hatte oder Jemanden, der auch nur den Versuch unternommen hatte ihn ermutigen zu wollen nach vorn zu blicken. Er war allein und fühlte sich anders als die junge Priesterin einsam und verlassen. Aufgrund seiner Herkunft und Vergangenheit konnte er sich niemandem in der Stadt ohne Weiteres anvertrauen. Das lag zum Einen daran, dass er sehr misstrauisch war, aber auch weil er Angst vor den unweigerlichen Folgen hatte.

Kimaras Versuche sich ihm annähern zu wollen, sah er noch als Bedrohung an. Es würde lange dauern ehe er seine Scheu und sein Misstrauen ablegte. Das hatte nichts mit ihr zu tun, sondern war einfach seine Art. Auf diese Weise machten sie sich beide ihre eigenen Gedanken, jeder aus einem anderen Anlass heraus.

Er lächelte leicht als sie ihm versicherte sich beeilen zu wollen. „Ich werde hier auf Euch warten. Nehmt Euch so viel Zeit wie Ihr braucht.“, erwiderte er und wartete an den Torbogen gelehnt bis sie außer Sichtweite war. Dann stieg er die Treppenstufen wieder hinab und ließ sich auf einer der steinernen Bänke nieder, die in mehreren Reihen angelegt waren. Ihm war ihre kurze Musterung nicht entgangen und diese brachte ihn ins Grübeln. Hatte sie seine Maskerade durchschaut? Hatte er sich durch irgendetwas verraten? Fieberhaft dachte er nach, ging jedes seiner Worte und jede noch so kleine Geste noch einmal in seinem Kopf durch und fand doch keine Antwort. Resignierend seufzte er und schloss die Augen. Müde rieb er sich mit beiden Händen über sein Gesicht und lauschte auf die ihm umgebenen Geräusche. Der Wind rauschte leise durch die Blätter, von weiter weg wehten Fetzen eines Gespräches zu ihm heran und irgendwo zwitscherte ein kleiner Vogel.

Langsam öffnete er wieder die Augen und blickte sich in dem Hof um. Viel zu sehen gab es nicht. Alles war sehr karg gehalten und folgte unsichtbaren Linien. Die Natur war in Formen gezwungen worden, der sie sich notgedrungen fügte. Das war alles so vollkommen anders als das was er kannte und dennoch konnte er Parallelen erkennen. Es war alles ebenso künstlich erschaffen wie in und um die Minen herum. Die hohen Mauern verstärkten diesen Eindruck noch. Unbehagen begann sich in ihm breit zu machen.

Vincent war erleichtert als nach einiger Zeit die Priesterin wieder herauskam. Seine Freude schwand jedoch rasch als er ihr ins Gesicht blickte. Es brauchte nicht viel Menschenkenntnis um zu sehen, dass mit ihr Etwas nicht stimmte. Allem Anschein nach war das Gespräch mit ihrer Mutter nicht so verlaufen wie sie es sich vorgestellt hatte. Die Frage war nur was geschehen war. Hatte sie sich doch gegen die Teilnahme ihrer Tochter an der Mission ausgesprochen obwohl sie erst ihre Zustimmung gegeben hatte? Leicht verengte er die Augen und kam zu dem Schluss, dass es etwas anderes sein musste. Dennoch wollte er nicht direkt nachfragen aus Respekt ihr gegenüber und ihren Gefühlen.

Der junge Elf erhob sich und trat auf Kimara zu. Es fiel ihm schwer dem Drang nicht nachzugehen sie in die Arme zu nehmen. Stattdessen versuchte er zu lächeln. „Wie ich es sagte, bin ich noch hier.“, sagte er und sah ihr in die Augen um darin erkennen zu können was sie bewegte. „Was habt Ihr nun vor? Wollen wir die Bibliothek aufsuchen oder wollt Ihr mir zunächst mein Lager für die kommende Nacht zeigen?“ Er gab sich große Mühe ein möglichst unverfängliches Thema zu wählen ohne dabei empfindliche Dinge zu streifen oder anzusprechen.

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