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Die Legende der Immer-Winter-Nacht

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Xarrbraxas
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Re: Die Legende der Immer-Winter-Nacht

Beitrag von Xarrbraxas » Di, 06. Aug 2019 16:53


Ratlos und reichlich besorgt schauten Xarr und Nim auf den leblos wirkenden Eo hinab. Achtsam watete der groß gewachsene Dämon durch das flache Wasser und ging auf die Knie, um nach dem Puls des Elvoin zu tasten.
„Er lebt noch….“, sagte er tonlos und blickte zu der Lyr. „Aber sein Puls ist ziemlich schwach.“, fügte er leise hinzu. Was sollten sie nun tun? Er blickte die von hier unten unüberwindbar wirkende Wand empor und seufzte leise. „In diesem Zustand, kann ich ihn unmöglich dort hinauf tragen. Wenn er sich nicht an mir festhalten kann…“, erklärte er seine Bedenken und zuckte hilflos zu mit den breiten Schultern. Dann plötzlich tauchte wie aus dem Nichts ein elegantes, hölzernes Boot auf und kam gar nicht unweit von ihnen entfernt zum Stillstand. Der Anblick der Elfe, die offenkundig eine Magierin war, erweckte ein merkwürdiges Unbehagen in dem Dämon. Er baute sich zu seiner vollen Größe auf und stellte sich zwischen die Fremde und seine Begleiter. Mochte diese Frau auch zierlich und freundlich wirken, die körperliche Größe sagte rein gar nichts über das Ausmaß der magischen Fähigkeiten aus. Doch als der Vorschlag kam, den bewusstlosen Eo in Sicherheit zu bringen, begann Xarrs abweisende Fassade zu bröckeln. Er blickte über die Schulter und schaute Nimue fragend an. „Was meinst du? Sollen wir mit ihr gehen?“, fragte er die Lyr und zog anschließend nachdenklich die Stirn kraus. Die Fremde Elfe beteuerte, dass sie nur das Beste für ihre Gäste im Sinn hätte, doch der Gedanke an die Falle, die sie erst in diese ausweglos Situation gebracht hatte, ließ Xarr an ihren Worten zweifeln.

Nach einer kurzen Zeit der Überlegung entschieden Xarr und Nimue der Fremden vorerst genügend Vertrauen entgegen zu bringen und so stimmten sie ihrem Vorschlag zu. Xarr ging in die Hocke, schob seine Arme unter den noch immer bewusstlosen Elvoin und trug ihn anschließend in das nahegelegene Boot. Das hölzerne Gefährt nahm schnell an Fahrt auf und zu Xarrbraxas Überraschung fuhren sie ohne Probleme gegen die Strömung. Ob dies eine Art Magie war, die die Elfe wirkte? Er stand am Bug und beobachtete die jung aussehende Frau aus den Augenwinkeln heraus. Es dauerte nicht lange und sie erreichten einen kleinen Steg. Dort angekommen kamen einige Arbeiter herbei und vertäuten das kleine Boot, dann durften sie das Gefährt verlassen. Xarr ließ es sich nicht nehmen selbst für das Wohl seines Freundes zu sorgen und so trug er Eo in einen kleinen, quadratischen Raum, in welchem ein einzelnes Bett stand. Doch was geschah nun? Er blickte sich in dem fensterlosen Zimmer um, hier war es dunkel und kühl. Weit entfernt meinte er immer noch das Rauschen des Wasserfalls zu vernehmen. Ein leises Rascheln hinter ihm ließ den Dämon erschrocken herum fahren. Es war erneut die Elfe, doch diesmal war sie in Gesellschaft eines alten Mannes. Dieser blickte den Dämon durch dicke, stark vergrößernd wirkende Gläser an.
„Du weißt, WAS er ist oder?“, fragte er an die Magierin gewandt, gerade so als wäre Xarr gar nicht wirklich anwesend. Dann trat er an dem Dämon vorbei und begann den Elvoin zu untersuchen.

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Re: Die Legende der Immer-Winter-Nacht

Beitrag von Xarrbraxas » Do, 06. Aug 2020 9:13


Plötzlich und vollkommen unerwartet spürte Xarrbraxas einen schmerzhaften Stich im Nacken und die Welt um ihn herum verschwamm vor seinen Augen.
„Was zur…“, begann er zu sprechen, als auch die Zunge ihm den Dienst verweigerte. Danach dauerte es nicht mehr lang, bis seine Beine ihn nicht mehr zu tragen vermochten und so kauerte der stolze Dämon hilflos wie ein kleines Kind auf dem Boden. Der Mann mit der dicken Brille wandte sich ihm zu und sprach zu jemanden der offensichtlich hinter ihm stand: „Ich war mir nicht sicher, ob es bei jemanden wie IHM überhaupt wirken würde. Ein Mensch wäre innerhalb weniger Augenblicke durch das Gift gestorben.“. Das war das Letzte was der mächtige Dämon hörte. Tiefe Finsternis und eine eisige Stille umgaben ihm. Es fühlte sich an, als hätte man ihm all seine Sinne entrissen. Die Magiepartikel in seinem Blut pulsierten und es schien als suchten sie nach einer Möglichkeit gegen das Gift zu kämpfen. Xarr stellte voller Genugtun fest, dass sein Körper bereits runter kühlte und bald würde es alle in seiner Nähe einfach dahin raffen. Dumpf spürte er noch, dass Hände nach ihm griffen und an ihm zerrten, dann verlor er das Bewusstsein. Es gab keine klaren Gedanken und auch keine wirren Träume mehr, denn vollkommene Leere erfüllte den Dämon. Ob das vielleicht doch das Ende war? Die mächtige Eisblüte jämmerlich dahin gerafft von einem Gift?

Das erste was Xarrbraxas wahr nahm war aufgeregtes Vogelgezwitscher und der vertraute Geruch nach Wald und Moos. Blinzelnd schlug der Dämon die eisblauen Augen auf und blickte empor zu den Baumkronen. Das satte Grün wurde hier und da von einem blauen, wolkenlosen Himmel durchbrochen. Sein Schädel pochte und schmerzte als hätte ihn jemand mit einem Amboss verwechselt und mit dem Hammer darauf eingeschlagen. Erschöpft und mit zittrigen Händen tastete Xarr nach seinem Nacken. Nur eine kleine, geschwollene Einstichstelle erinnerte noch daran, was ihm in dieser merkwürdigen Höhle passiert war. Wie lange er wohl weggetreten war? Ein paar Stunden oder gar mehrere Tage? Und wieso war er nicht von vertrautem Eis umgeben? Xarrbraxas fühlte sich schwach und ausgehungert. Doch war da war auch nagendes Gefühl in seiner Brust, dass er in dieser Höhle irgendetwas zurück gelassen haben muss. Er versuchte sich zu konzentrieren doch seine Erinnerungen lagen hinter einem dicken, undurchdringlichen Nebel verborgen. Der Dämon setzte sich unbeholfen auf und blickte sich um. Er war allein. Erschöpft lehnte er sich mit dem Rücken gegen einen Baumstamm und versuchte die Geschehnisse zu rekonstruieren, doch er konnte einfach keinen klaren Gedanken zu fassen bekommen. Frustriert krallten sich seine Finger in den Waldboden und hinterließen dort tiefe Furchen im Erdreich.

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Re: Die Legende der Immer-Winter-Nacht

Beitrag von She'sejia » So, 09. Aug 2020 20:57

She’sejia wusste, dass sie ihren Frust irgendwie loswerden und sich in den Griff bekommen musste, aber es fiel ihr schwer. Sie hatte, als sie Aysibrir verlassen hatte, in die Nordreiche reisen wollen. Seit die Steppenreiter sie, Kékulé und das Mädchen befreit und ihr wieder auf die Beine geholfen hatten, auch gut geklappt. Sie war schnell nach Norden gereist, schneller als sie dachte und auch von Itkkin nach Osten, über Brisangen nach Aymân. Ihr Coreonisch hatte sich verbessert, eigentlich war alles gut gelaufen. Doch in Aymân sprachen die Menschen dann vom Krieg mit Arcanis (wo Elfen wirklich nicht gern gesehen wurden) und ihr war das Geld ausgegangen. Sie hatte versucht wieder als Leibwächterin und Begleiterin bei einer Händlerkarawane zu arbeiten, aber niemand wollte sie nach Merridia mitnehmen. Sie würde die Gefahr vergrößern, meinten die Händler, da sie so offensichtlich Elfe war. Ihre Augen halfen auch nicht.
Schließlich gab sie Merridia auf. Und dann die Nordreiche. Als sie beinahe aufgegeben hatte, meinte ein Händler er könnte auf seiner Reise in die Elfenreiche im Süden Hilfe gebrauchen. Sie willigte ein und reiste wieder zurück. Als der Händler sie in Agheveer aus seinen Diensten entließ, wurde ihr bewusst, dass sie im Kreis gereist war, einmal um die Zuhandal-Kette. Sie hatte nun kein Ziel mehr, keine Ahnung, wohin sie wollte, also beschloss sie, in der Nähe Arbeit zu suchen.


So traf sie auf Faolan, Caen und Éirinn. Die drei waren… die passendste Beschreibung war wohl Kopfgeldjäger, aber sie spezialisierten sich auf besondere Ziele. Die Gerüchte von einem Dämon hatten sie nach Agheveer gelockt, und dort hatten sie, teilweise sehr zögerlich, She’sejia angeheuert. Es war Faolans Idee, sie aufzunehmen, denn der elfische Magier war der Meinung, dass die drei jemanden brauchten, der sich auf Nahkampf verstand. Caen, der der Bogenschütze und Spurensucher der Gruppe war, hatte nichts dagegen gehabt. Ihm schien das ziemlich Geleichgültig, wie das meiste, fand She’sejia schnell heraus. Éirinn jedoch hatte sich anfangs stark gegen sie ausgesprochen. „Du bist schon genug!“, hatte sie Faolan angefaucht, „warum noch ein Spitzohr?
Doch als sie ihre Götter befragt hatte und die anscheinend nichts gegen sie hatten, hatte Éirinn doch nachgegeben. Die Magie der Neeskia war She’sejia völlig fremd. Sie war ganz anders als die Feuermagie Faolans, die ihr beinahe vertraut war, doch als sie den Elfen danach fragte, konnte der ihr auch keine zufriedenstellende Antwort geben. „Es ist ein Wunder, dass sie weiß, was sie zu tun hat“, meinte er schulterzuckend, „ich glaube nicht, dass sie es versteht. Ihre Magie ist sehr ungenau, nicht wie unsere

Der Ursprung der Dämonen-Gerüchte war der Wirt einer Taverne am Rand von Agheveer. Er bot eine Belohnung für denjenigen an, der ihm seine Tochter zurückbrachte und ihren Entführer – den Dämon – umbrachte. She’sejias drei Begleiter stellten viele Fragen, zumindest Faolan tat das, während Caen desinteressiert dastand und Éirinn den Wirt mit ihren Blicken erdolchte. „Sind sie sich sicher, dass ihre Tochter entführt wurde und nicht weggelaufen ist?“, fragte der Magier. „Ja, bin ich“, brummte der Wirt unwirsch, über die Fragen offensichtlich nicht erfreut. „Und der Dämon von dem Sie erzählt haben war es der sie entführt hat? Woher wissen sie das?
Woher ich das weiß? Er ist verschwunden und sie war weg! Außerdem hat er sie schon zuvor belästigt. Wer sonst hätte es sein können? Und dann hat er auch noch Nimue…“, der Wirt sah ehrlich besorgt aus. „Nimue?“, hakte Faolan nach. „Ja eine Lyr, die auch mit ihm verschwunden ist. Sie war lange bei uns, ich will gar nicht darüber nachdenken was dieser Dämon ihr angetan hat.

Schließlich beschlossen sie, den Dämon zu verfolgen. Der Wirt (She’sejia ließ Anion bei ihm) hatte von zwei Begleitern gesprochen: der Lyr Nimue und dem Elvoin Eo. She’sejia wusste weder war eine Lyr noch was ein Elvoin war, doch viel seltsamer als Kékulé konnten sie ja nicht sein, oder?
Caen fand die Spur der drei und sie folgten ihr nach Osten. Nach kurzer Zeit jedoch führte sie in eine Klamm aus der man leise das Wispern eines Baches hörte. Sie wollten schon hinabsteigen, doch Éirinn hielt sie auf. „Ich hab‘ da ein mieses Gefühl, etwas stimmt mit dem Ort nicht“, meinte sie und niemand konnte sie umstimmen. So beschlossen sie, auf ihrer Höhe der Klamm zu folgen. Das stellte sich zwischendurch als etwas problematisch heraus, da es weder Pfad noch Spuren gab, denen sie folgen konnten. Gegen Abend schlugen sie ihr Lager auf Höhe eines Wasserfalls, der sich auf der anderen Seite der Klamm befinden musste (sie konnten ihn nur hören) auf. Éirinn war seit sie der Klamm folgten immer nervöser geworden und weigerte sich erst, zu schlafen, selbst als She’sejia ihre Wache ablöste.
Schließlich fiel Éirinn doch in einen unruhigen Schlaf und She’sejia war mit ihren Gedanken und ihrem Frust allein. Sie war sich nicht sicher ob es eine gute Entscheidung gewesen war, sich den dreien anzuschließen. Die Kopfgeldjäger waren offensichtlich auf Geld und eigenen Profit aus, nicht ob ihr Ziel wirklich schuldig war, das hatte sie bei Faolans Fragen erkannt. Sie waren gut, gründlich und detailbewusst, aber skrupellos. She’sejia aber wollte das Richtige tun. Was sollte sie also tun, wenn dieser Dämon die Wirtstocher nicht entführt hatte und Nimue nichts angetan hatte? Die meisten schienen überzeugt, dass er allein schon dafür den Tod verdient hatte, Dämon zu sein, aber She’sejia sah das nicht so. Er hatte auch keine Todesopfer oder ernsthaft Verletzte in Agheveer zurückgelassen. Sie fand sich unfähig, ihre Ideale auszuschalten, und dieses Dilemma frustrierte sie, wie es ihre Ziellosigkeit tat. Nicht einmal ihre Atemübungen oder Trainieren half. Sie fühlte sich angespannt wie eine Bogensehne und mehrere Male wären schon fast die Funken wieder hervorgebrochen. Als sie Caen für seine Wache weckte, brauchte sie lange, um endlich einzuschlafen.


She’sejia erwachte, als jemand nach ihren Händen griff. Aus Reflex drehte sie ihre Hände aus der Umklammerung und rollte zur Seite. Ein kleiner blasser Junge mit weißen Haaren saß dort, wo sie gerade noch gelegen hatten und sah sie aus großen, katzenhaften Augen an. Er wirkte erschrocken und blinkte sie nur an, ohne sich zu bewegen. Sie sprang auf und sah sich um. Es war hell, also musste es schon morgens sein und verschiedenste Personen waren da, sie fesselten ihre reglosen Begleiter. Ohne weiter Zeit zu verlieren drehte sie sich um, griff nach ihrem Beutel und rannte los, weg vom Lager. Nach ein paar Schritten stellte sich ihr ein rothaariger Mann in den Weg, doch bevor er nach ihr greifen konnte, schlug sie ihn in den Solarplexus, schlug einen Haken und rannte weiter.
Sie wusste nicht, wohin die rannte, wagte aber nicht anzuhalten. Sie versuchte zu verstehen, was geschehen war, doch die Erinnerung an ihr knappes Entkommen war schon jetzt sehr wirr. Es war alles so schnell gegangen. Sie hatte gesehen, dass sie hoffnungslos in der Unterzahl und zudem überrascht worden waren und hatte instinktiv die Beine in die Hand genommen. Sie lief weiter und weiter, unsicher, ob ihr noch gefolgt wurde. Sie änderte die Richtung, wich Bäumen und Dickichten aus und umklammerte das Wurfmesser, das sie aus ihrem Gürtel gezogen hatte. Ein Glück, dass sie mit Waffen schlief.

Mit der Zeit wurde sie langsamer und merkte die Erschöpfung in ihren Gliedern, als das Adrenalin sie verließ. Sie zwang sich weiter, doch es wurde immer schwerer, den Bäumen in diesem Tempo auszuweichen. Plötzlich legte es sie der länge nach hin. Sie war über eine Wurzel gestolpert. Der Aufprall ließ sie innehalten und verscheuchte die Panik endgültig aus ihren Gedanken. Sie blieb liegen und lauschte, ob ihr jemand folgte, dann hörte sie ein Rascheln. Ruckartig hob sie den Kopf, begann sich aufzurichten und sah – einen Mann. Einige Meter von ihr saß ein Mann an einen Baum gelehnt. Er war so blass wie der Junge vorhin – vielleicht sogar blasser – aber viel größer. Der weißblonde Schopf drehte sich zu ihr, vielleicht weil er sie gehört hatte (sie hatte sich schließlich keine Mühe gemacht, still zu sein) und seine eisblauen Augen trafen ihre glühend rot-orangenen.
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Re: Die Legende der Immer-Winter-Nacht

Beitrag von Xarrbraxas » Mo, 10. Aug 2020 12:57


Ein unerwartetes Geräusch ließ den Eisdämonen aufhorchen. Ruckartig wandte er den Kopf in die entsprechende Richtung und wurde sofort mit stechenden Kopfschmerzen gestraft. Eine schlanke Gestalt – durch und durch weiblich – rannte gewissermaßen kopflos durch das Gestrüpp des Waldes und fiel reichlich unelegant der Länge nach in den Dreck. Die Situation entlockte Xarr ein spöttisches Grinsen, welches seine schneeweißen Zähne entblößte. Seine Anwesenheit unterdessen blieb nicht länger unentdeckt, als die Elfe sich halb aufrichtete und sich ihre Blicke trafen. Die eisigen Iriden des Dämons erforschten sein Gegenüber mit reichlich Interesse. Seine Instinkte mahnten ihn zur Vorsicht, doch er fühlte sich einfach zu schwach um körperlich irgendeine Reaktion zu zeigen. Also blieb er einfach regungslos sitzen und tat so als würde ihn das Auftauchen der Fremden nicht im geringsten beeindrucken.
„Hast du finden können, wonach du gesucht hast?“, fragte Xarrbraxas mit wohlklingender Stimme während er die Elfe fixierte. Dieser Wald steckte wahrlich voller Überraschungen. Mit der Linken strich Xarr sich das weißblonde Haar hinter das Ohr. In seiner Verfassung sah er alles andere als ehrfurchtgebietend aus. Dunkle Augenringe zeugten deutlich von seiner Erschöpfung, welche auch das freundlich, aufgesetzte Lächeln nicht zu überspielen vermochte. „Vor wem läufst du davon? Oder hattest du es nur eilig zu mir zu gelangen?“, fügte der Dämon noch hinzu, als ihm die Elfe vorerst eine Antwort schuldig blieb.

Während Xarrbraxas auf eine Antwort wartete lehnte er den Kopf erneut gegen den Baumstamm und schloss die Augen. Sein edles Gesicht wirkte angespannt und man könnte erahnen, dass er unter furchtbaren Qualen litt. Und wenn die Elfe nun geschickt worden war um ihn zu ermorden? Ging es dem Dämon voller Unbehagen durch den Kopf. Er fühlte sich im Augenblick nicht in der Lage Magie zu wirken und ans Fortlaufen war überhaupt nicht zu denken.
„Wenn du bekommen bist um mich zu ermorden, dann gebe ich dir den Ratschlag deinen Auftrag schnell zu erledigen.“, sagte Xarr emotionslos ohne sich der genauen Bedeutung seiner Worte im Klaren zu sein. Er wandelte nun schon so lange Zeit auf dieser Welt. Vielleicht war es einfach an der Zeit. Aus der Ferne erklangen Rufe und zeugten davon, dass die Elfe wohl nicht allein gekommen war. „Hört sich so an, als würden deine Freunde nach dir suchen.“, stellte der Eisdämon nüchtern fest und verschränkte die Arme vor der nackten Brust. Wie hoch wohl das Kopfgeld war, dass auf ihn ausgesetzt war? Xarrbraxas verhielt sich weiterhin ruhig, eine aufkeimende Panik konnte er nun wirklich ganz und gar nicht gebrauchen. Er begann sich unbeholfen aufzurichten und baute sich zu seiner vollen Größe auf, konnte jedoch ohne sich an dem Baumstamm abzustützen kaum aus eigener Kraft stehen. „Wenn ich schon sterben muss, dann wenigstens mit Würde und nicht während ich hilflos im Dreck hocke.“, murmelte er leise vor sich hin und biss die Zähne zusammen, als die Welt um ihn herum erneut begann sich unaufhörlich zu drehen.

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Re: Die Legende der Immer-Winter-Nacht

Beitrag von She'sejia » Di, 11. Aug 2020 13:14

Der Mann schien von ihrem plötzlichen Auftauchen nicht beeindruckt, sondern höchstens milde beeindruckt. „Hast du finden können, wonach du gesucht hast?“, fragte er, als würden solche Begegnungen ihm ständig passieren. Er reagierte davon abgesehen kaum auf sie. Er stand nicht auf und She‘sejia konnte nicht einmal erkennen, dass seine Muskeln sich anspannten und er sich bereitmachte, auf mögliche Gefahr zu reagieren. Zu überrascht, um ihm zu antworten erhob sie sich und näherte sich vorsichtig dem Fremden. Er lächelte und sah sie offen an, doch das hieß nicht, dass er ungefährlich war. Warum sonst konnte er in dieser Situation so entspannt sein? Er reagierte auf sie auf eine Art, die sie schwer einschätzen konnte, und das störte sie. Sie wusste nicht, wie sie auf ihn reagieren sollte. Er brachte sie beinahe aus der Fassung.
Dann sah sie, wie erschöpft der Mann war. Er hatte Augenringe und schien sich nur mit Schwierigkeiten aufrecht zu halten. Unwillkürlich entspannte sie sich und kam noch näher. „Vor wem läufst du davon? Oder hattest du es nur eilig zu mir zu gelangen?“, fragte er, als sie auf seine erste Frage nicht antwortete und lehnte sich mit geschlossenen Augen an den Baumstamm. Er wollte seine Erschöpfung überspielen, zumindest so gut es ging, erkannte sie und musste zugeben, dass sie wohl kaum anders handeln würde, wobei sie eher misstrauisch, still und zurückhaltend wäre. Sie konnte sehen, dass er Schmerzen haben musste und fragte sich, was ihm passiert war. Gab es eine weitere Bedrohung abgesehen von den Leuten, die sie hatten entführen wollen? Oder war er wie sie ihr Opfer?
Etwas verspätet beschloss sie ihm zu antworten: „Wer bist du, dass ich zu dir gelangen wollte?“ Auf ihre Verfolger wollte sie nicht eingehen, bevor sie etwas besser verstand, was hier vor sich ging. Und wenn sie sich sicher war, dass er keine Bedrohung war.

Als der blasse Mann sie wieder ansah, wirkte er nicht mehr so freundlich. Eher misstrauisch. Obwohl sie diese Stimmung besser verstand und von Anfang an mehr mit ihr gerechnet hatte, machte sie instinktiv einen Schritt zurück. „Wenn du bekommen bist um mich zu ermorden, dann gebe ich dir den Ratschlag deinen Auftrag schnell zu erledigen.“, sagte er mit einer seltsamen Ruhe. Verwirrt runzelte sie die Stirn. Warum sollte sie-?
Dann weiteten sich ihre Augen in Erkennen. Der Mann passte genau zu der Beschreibung des Wirtes: sehr blass, groß, weiße Haare und kalte, leuchtend blaue Augen. Das war der Dämon, den sie suchten! Ihre drei Begleiter hatten ihr, die noch nie einem Dämon begegnet war, viel von diesen Wesen berichtet. Davon, wie mächtig sie waren, wie gefährlich und grausam, sogar blutrünstig. Ein Gegner, der ihnen sogar wenn sie zu Dritt arbeiteten, überlegen sein konnte. Wenn man einen Dämon bekämpfte, hatte Faolan gesagt, musste man jeden seiner Vorteile ausspielen und dem Dämon keine lassen. Man brauchte eine Strategie und am besten bestimmte man von Anfang an den Kampf.
Zugegebenermaßen war der Dämon vor ihr nach all diesen Erzählungen beinahe endtäuschend. Was, wenn die Gerüchte nur das waren – Gerüchte? Nein. Sie durfte ein so mächtiges Wesen nicht unterschätzen. Selbst wenn er nur ein Fremder war, konnte er auch so ein tödlicher Fehler sein, ihn zu unterschätzen. „Du!“, stieß sie hervor und verengte misstrauisch die Augen. „Wo ist das Mädchen? Die Tochter des Wirts? Imerella?“, fragte sie. Wenn er sie tatsächlich entführt hatte, würde seine Reaktion es ihr vielleicht verraten, und dann konnte sie ihn töten, bevor er zur Gefahr wurde. Bevor er ihr antworten konnte, ertönten Rufe hinter ihr im Wald. Ihr Magen zog sich zusammen, sie hatte ihre Verfolger nicht abschütteln können.

Hört sich so an, als würden deine Freunde nach dir suchen.“, sagte der Dämon und verschränkte die Arme vor der Brust und in ihren Ohren klang es nach Spott. Sie konnte nicht verhindern, wie sich ihr Mund kurz zornig verzog. Sie war frustriert, wurde verfolgt und jetzt war da auch noch der Dämon. Kurz war sie versucht einfach weiter zu laufen, doch der Dämon würde sie verraten. Wahrscheinlich. Wenn er nicht auch Opfer ihrer Verfolger war (der Gedanke, dass sie einen Dämon derart seiner Kraft berauben könnten, war alles andere als beruhigend). Sie wagte es, ihn kurz aus den Augen zu lassen und sich nach den Rufen umzudrehen. Noch war niemand zu erkennen. Als sie wieder den Dämon ansah, war er dabei sich aufzurichten. Ich könnte ihnen vielleicht noch etwas davonrennen, dachte sie, als er sich am Baumstamm festhielt, aber er hat kaum eine Chance.
Wenn ich schon sterben muss, dann wenigstens mit Würde und nicht während ich hilflos im Dreck hocke.“, murmelte er, was seine Worte wenig beeindruckend wirken ließ. Das er leicht schwankte, half auch nicht. Sie musste sich entscheiden. „Antworte mir!“, fauchte sie fast, da die Dringlichkeit der Situation ihr die Ruhe nahm, mit ihm Geduldig zu sein. „Hast du sie entführt? Ihr etwas angetan? Und was ist mit dieser Lyr… Nimue? Wo sind deine Begleiter?“, wenn er schuldig war, konnte sie ihn töten und sich davonmachen, wenn nicht… Das war etwas schwieriger. Sie würde ihn nicht töten, nicht ohne Provokation, aber konnte sie ihn hierlassen? Er nannte die Verfolger ihre Freunde, also kannte er sie nicht?

Wieder drehte sie sich um. Noch niemand zu sehen, aber die Stimmen waren näher, lauter. Mit drei großen Schritten war sie bei dem Dämon. Jegliche berechtigte Vorsicht ignorierend zog sie ihn an deiner Fellweste näher und streifte dabei seine kühle Haut. Sie hielt ihm mit der anderen Hand ihr Wurfmesser an den Hals. Sie spürte, wie nah sie an einem Ausbruch war, es war als wären die Funken direkt unter ihrer Haut, doch sie zwang sich zur Beherrschung. „Weißt du, wer das ist der mich verfolgt? Es waren mehrere, sie haben mich“, sie beschloss, ihm ihre Begleiter vorerst zu verschweigen, „-im Schlaf überrascht. Ein Überfall. Wie bist du hier gelandet, wer hat dich so zugerichtet und bist. Du. Unschuldig?“, kurz sah sie ihn an, um Fassung ringend. Ihre Gesichter waren sich so nahe, dass sie seinen kühlen Atem spürte. Im Vergleich zu der Hitze in ihr war er fast angenehm.

Es waren nur ein paar Augenblicke verstrichen, als ein Knacken sie herumfahren ließ. Da stand der Junge, der sie geweckt hatte. Er war wirklich sehr klein und hatte spitze Zähne und katzenhafte Augen. Mehr aus Reflex ließ sie das Wurfmesser auf ihn zufliegen. Es versenkte sich in seinem Hals und er schien darüber nicht weniger erschrocken als sie. Ihr wurde schlecht. Sie merkte kaum wie sie zu dem Jungen rannte, als wolle sie ihn auffangen. Von nahem konnte sie den Todeskampf in seinen Augen sehen. Seine von Schmerz verzerrten Gesichtszüge wirkten gar nicht so jung wie sie gedacht hatte, mehr wie die eines Erwachsenen… Aber er war so klein. Und sie hatte es sich geschworen, nie Kinder zu töten. Sie zog ihm das Messer gegen besseres Wissen aus dem Hals und Blut ergoss sich über ihre Hände. Sie zitterte und schaffte es kaum eine Hand auf die Wunde zu pressen, doch als sie aufsah, war der Junge tot. Sie zuckte zurück, kam stolpernd auf die Beine und drehte sich zu dem Dämon um. „Weg“, krächzte sie, plötzlich sehr blass. „Wir müssen weg. Schnell!“ Sie stolperte ein paar Schritte weiter und wischte sich die Hände an ihrer Hose ab. Sie atmete tief durch, rang um Fassung. Krieg dich ein! Schalt sie sich in Gedanken. Das ist wie deine Prüfung bei den Banu. Weitermachen, lass dich nicht von deinen Gefühlen kontrollieren, lass sie dich nicht lähmen.
Entschlossen hob sie den Kopf und funkelte den Dämon an. „Kannst du laufen?
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Re: Die Legende der Immer-Winter-Nacht

Beitrag von Xarrbraxas » Mi, 12. Aug 2020 10:58


Gerade als der Dämon zu einer zynischen Antwort auf die Frage – wer er denn sei – ansetzen wollte, schien es der jungen Frau bereits zu dämmern, wen sie hier tatsächlich vor sich hatte. Ein schiefes Grinsen legte sich auf seine Lippen als er die Augen wieder aufschlug und sie düster anblickte. Da war diese Erkenntnis in ihrem Blick und vielleicht schwang auch ein wenig Abscheu in ihren Worten mit. Doch es blieb dem Dämon keine Zeit sich an dieser Emotion zu laben oder gar über ihre merkwürdigen Fragen nachzudenken, denn die Stimmen und Rufe kamen immer näher. Das Verhalten der Elfe war mehr als merkwürdig. Xarr stützte sich schwer atmend an dem Baumstamm ab und kämpfte darum dem Schwindel nicht erneut zu erliegen. Die Fremde könnte einfach ihre Gefährten holen oder aber ihm die Kehle durchschneiden. Doch sie tat weder das eine noch das andere. Vielleicht handelte es sich auch gar nicht um ihre Gefährten und sie war ganz allein gekommen? Vermutlich war sie selbst auf der Flucht. Dies würde auch erklären, wieso sie zuvor zu kopflos durch den Wald gerannt war.
„Ich weiß nichts von einer Imerella oder einer Nimue, Weib!“, fauchte der Dämon auf eine gefährliche Art und Weise. Er versuchte sich zu erinnern, doch es gelang ihm einfach nicht. In seinem Kopf herrschte eine unheimliche Leere. War dies noch immer die Folge von dem Gift? Er fasste sich an die Stirn und massierte diese sanft. Dieser elende Kopfschmerz trieb ihn noch in den Wahnsinn…

Plötzlich verlor die Elfe die Geduld und wagte es doch tatsächlich Xarrbraxas am Kragen zu packen und ihm eine Klinge an die Kehle zu halten.
„Da hat es aber jemand sehr eilig, wie es mir scheint.“, feixte der Dämon und wirkte nicht im Geringsten beeindruckt. Er sah ihr fest in die leuchtenden Augen während die Seinen glänzten wie kristallklares Eis in der Mittagssonne. Auch wenn er äußerlich unberührt und unnahbar wirkte, in seinem Inneren rumorte bereits sein Überlebensinstinkt. Dort, wo die Schneide des Messers seine Haut berührte, begann sich auf dem Metall eine zarte Raureifschicht zu bilden und kroch unaufhaltsam immer weiter. „Ich weiß nicht, wer diese Leute sind Kleines, aber mich haben sie wieder gehen lassen. Aber was würden sie wohl mit so einer kleinen Elfe wie dir anstellen? Vermutlich wirst du weniger Glück haben als ich.“, sprach er leise und mit einer Stimme, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen konnte. Ein Knacken zog die Aufmerksamkeit der Fremden auf sich und sie wandte sich von ihm ab. Ihre Reaktion kam schnell wie der Blitz und Xarrbraxas zog überrascht eine Augenbraue hoch. Vorerst schweigend beobachtete er die Geschehnisse. Dann runzelte der Dämon nachdenklich die Stirn, als er die Panik in den Augen der Elfe sah. „Krieg dich wieder ein!“, trafen seine Worte die junge Frau wie eine schallende Ohrfeige. Der Dämon trat interessiert und mit aller Ruhe an den vermeintlichen Leichnam des Kindes heran. „Dies ist nur ein Katzenelf. Nicht besonders gefährlich, aber das sind zähe kleine Biester.“, klärte er die Elfe auf und blickte teilnahmslos auf die tote Gestalt.

”D
u kannst ihnen nicht einfach davon laufen.“, sagte der Eisdämon dann ruhig. Er brauchte dringend Ruhe und Panik brachte sie hier auch nicht weiter. Er wandte der Elfe den Rücken zu und es wäre ihr ein Leichtes gewesen, ihm einfach eines ihrer Messer in den Rücken zu stoßen. Doch mit einem kleinen Messerchen konnte man einen Dämonen nicht so einfach umbringen, also nahm Xarr das Ganze beängstigend gelassen. Er spitzte seine Ohren und seine empfindliche Nase nahm die Witterung ihrer Verfolger auf. Sie hatten wahrlich Glück, dass der Wind ihnen gewogen schien. Er schloss die Augen und verließ sich voll und ganz auf seine übrigen Sinne. „Wir gehen dort entlang!“, beschloss er und marschierte in aller Seelenruhe los, ohne sich nach Elfe noch einmal umzusehen. Im Grunde war es ihm doch egal, ob sie ihm folgte oder nicht. Was kümmerte es ihn schließlich, was mit ihr geschah? Der Dämon fühlte sich immer noch schwach und so kam er nur langsam voran. Als er auf einen kleinen Pfad stieß, dachte er einen Augenblick nach und entschied sich, diesem Pfad einfach zu folgen. Ihm war klar, dass er im Wald Spuren hinterließ und einem geübten Fährtenleser war es ohne Probleme möglich ihm zu folgen. Doch seine Spuren auf diesem Trampelpfad würden einfach mit den restlichen Fußabdrücken verschmelzen. Der Wald an sich war groß und sie konnten schließlich nicht jeden einzelnen Stein umdrehen um ihn zu suchen. Nach einer gefühlten Ewigkeit, der Atem des Dämons ging bereits rasselnd und unregelmäßig, hielt Xarrbraxas inne und das erste Mal seitdem er los gegangen war, blickte er sich nach der Elfe um. „Also wer bist du und was willst du von mir?“, sagte er ohne dabei einen besonderen Tonfall anzuschlagen.

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Re: Die Legende der Immer-Winter-Nacht

Beitrag von She'sejia » Mi, 12. Aug 2020 16:08

Die geblafften Worte des Dämons brachten She’sejia endgültig dazu, wieder einigermaßen zu Sinnen zu kommen. Sie war ihm dafür beinahe etwas dankbar und vergaß fast, über seinen Tonfall entrüstet zu sein. Als er den Leichnam abschätzig kommentierte, löste sich sogar etwas in ihr. Also kein Kind? Kurz wagte sie es, sich dem - wie der Dämon ihn nannte – Katzenelf zu nähern. Er sah, abgesehen von seiner Größe, tatsächlich nicht aus, wie ein Kind.
Dann wandte sich der Dämon wieder an sie und sein nüchterner Tonfall ließen sie sich ihrer Situation wieder bewusst werden. Ihre Wangen brannten vor Scham in Gedanken an ihren Ausbruch. Wie sie sich aufgeführt hatte! Schwäche gezeigt, vor dem Dämon, den sie töten sollte! Sie war froh, dass er sich umwandte und ihre Reaktion so nicht sehen konnte. Mit jeder ihrer Fragen, und vor allem seit sie ihn bedroht hatte, war jegliche Freundlichkeit aus seiner Stimme gewichen. Erst hatte er es ihr gleichgetan und sie wütend angefaucht, dann war er spöttisch und herablassend geworden und schließlich war sein Tonfall kühl und beinahe beiläufig. Sie beobachtete kurz wie er still dastand, fast als würde er nach etwas horchen oder etwas erspüren. Er schien sich etwas gefangen zu haben und Kraft gesammelt zu haben, denn er schwankte nicht mehr. Oder gab der Zorn über sie ihm Kraft? Der Überlebensinstinkt, als sie ihn bedroht hatte? Bevor sie weiter darüber nachdenken konnte, straffte der Dämon die Schultern und marschierte mit den Worten „Wir gehen dort entlang!“ los, ohne sich nach ihr umzudrehen. Kurz war sie versucht, ihn laufen zu lassen und aus Prinzip in die entgegengelegene Richtung zu laufen. Aber erstens würde sie das gefährlich in die Nähe ihrer Verfolger bringen und andererseits wusste sie, dass dieser Trotz von ihrem verletzten Stolz kam und sie ihn ignorieren musste. Er schien zu wissen, wo es langging und so folgte sie ihm.

Sie starrte auf den Rücken des Dämons, lauschte auf verdächtige Geräusche und dachte über seine Antworten auf ihre Fragen nach. Seine Verwirrung über Imerella und Nimue war ihr ehrlich vorgekommen und wenn er die Wahrheit gesagt hatte, konnte sie seine Entrüstung über ihre Anschuldigungen sogar verstehen. Hieß das also, er war unschuldig? Sie fragte sich erneut wie sie dann mit der Situation umgehen sollte. Es kam ihr falsch vor, ihn einfach so zu töten. Andererseits konnte sie mehr und mehr sehen, was ihre drei Begleiter gemeint hatten, wenn sie über Dämonen sprachen. Er machte nicht wirklich einen rechtschaffenden Eindruck, aber das taten die Wenigsten. Wenn er allerdings wieder bei Kräften war, und beschloss, sich an ihr zu rächen oder sie ganz einfach loszuwerden, hätte sie ein echtes Problem. Was für eine Chance hatte sie gegen einen Dämon.
Vielleicht sollte sie verschwinden, sobald sich ihr die Gelegenheit bot, ohne dass sie direkt in die Hände dieser Leute lief. Sie bezweifelte nämlich, dass sie es schaffen konnte, den Dämon umzustimmen, wenn er beschlossen hatte, sie anzugreifen. Sie war einfach nicht charmant.
Er hatte gesagt er kenne ihre Verfolger nicht, aber angedeutet, von ihnen Gefangen worden zu sein. Irgendetwas musste er dann ja wissen, oder überspielte er irgendetwas? Vielleicht konnte sie herausfinden, was geschehen war, seit er Agheveer verlassen hatte.

Mehr und mehr machte der blasse Dämon den Eindruck, als würde die Erschöpfung in seine Glieder zurückkehren, und auch She’sejia merkte, wie ihr die Erschöpfung zusetzte. Sie hatte in ihrer Ausbildung zwar gelernt, noch weit über diesen Punkt hinauszulaufen, doch erpicht war sie darauf nicht. Als er stehenblieb, wäre sie dennoch beinahe in ihn hineingerannt. Rechtzeitig blieb sie stehen und versuchte, sich nichts anmerken zu lassen.
Also wer bist du und was willst du von mir?“, fragte er, weder misstrauisch noch gelangweilt. Kurz überlegte sie, ob sie ihm antworten sollte, dann fiel ihr ein, dass sie ja wusste, wer er war. Oder eher, was. Es war nur fair, entschloss sie. „She’sejia“, meinte sie, und erlaubte sich eine kurze Pause, um nachzudenken. Es wäre unklug ihm zu verraten, dass sie ihn gesucht hatte, um ihn zu ermorden, vor allem da sie dass eigentlich gar nicht mehr vorhatte. Vorerst. „Ich... suche ein Mädchen, das verschwunden ist. Eine Elfe, Imerella. Ihr Vater meint, du hättest sie entführt.“, sie zuckte die Schultern. „Aber das scheint nicht der Wahrheit zu entsprechen. Du bist hier und sie nicht. Ich frage mich nur, warum er dich beschuldigt und warum ihr Name dir nichts sagt. Laut der Erzählung des Wirtes hast du sie zumindest schon ein Mal getroffen…“, letzteres sagte sie mehr zu sich selbst und runzelte kurz verwirrt die Stirn. Ihr zusammentreffen mit diesem Dämon war ganz anders verlaufen als sie gedacht hatte. Langsam bekam sie das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmte.
Wo wir schon dabei sind, hast du einen Namen oder soll ich dich einfach Dämon nennen?“, fragte sie schließlich und hob den Kopf in der Hoffnung, einen selbstbewussten Eindruck zu machen, der nicht verriet, dass sie zwar nicht Angst aber zumindest ehrlichen Respekt vor ihm empfand. Er wirkte einfach so ruhig, als könne sie ihm nichts tun und sie wusste nicht, ob sie entrüstet oder besorgt sein sollte.
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Re: Die Legende der Immer-Winter-Nacht

Beitrag von Xarrbraxas » Do, 13. Aug 2020 9:43


Der Dämon lauschte den Worten der Elfe und zeigte auch währenddessen keinerlei Emotion.
„Vielleicht habe ich sie getroffen, doch nicht jedes Elflein ist es Wert, dass man sich daran erinnert.“, sagte er teilnahmslos und zuckte mit den Schultern. „Wie du bereits selbst festgestellt hast, ist sie offensichtlich nicht hier. Also hast den ganzen weiten Weg umsonst auf dich genommen.“, fügte er hinzu und lachte dann leise. „Wieso sollte ich auch eine nichtsnutzige Elfe entführen? Vielleicht ist hat sie mir auch einfach die Geduld geraubt und ich habe ihr das Genick gebrochen…“, fügte er mit einem geheimnisvollen Leuchten in den Augen hinzu um She’sejia zu provozieren. „Aber sei beruhigt… In diesem Fall könnte ich mich vermutlich an sie erinnern.“, entschärfte er seine Aussage sofort und sah der Elfe direkt in die Augen um ihre Reaktion zu erforschen. Doch anstatt sich an ihrer Angst laben zu können, ließ She’sejia den Dämon stutzen. Woher wusste sie, dass er ein Dämon war? Und wieso war sie dennoch so dumm allein mit ihm durch den Wald zu spazieren? Xarr schürzte nachdenklich die Lippen und sagte dann trocken: „Du weißt also WAS ich bin, aber nicht WER ich bin.“. Er haderte mich sich selbst, ob er ihr seinen Namen verraten sollte. Doch wieso eigentlich nicht? Was machte es letzten Endes für einen Unterschied? Wäre sie gekommen um ihn zu meucheln, so hatte sie ihre beste Gelegenheit bereits verstreichen lassen. Doch sie hatte gezögert und somit vermeintlich ihr Schicksal besiegelt.

Xarr richtete sich ob seiner Schwäche zu seiner vollen Größe auf und blickte auf die Elfe hinab.
„Man nennt mich Xarrbraxas und ich bin die Eisblüte der Wüste aus dem ewigen Eis.“, sagte er voller Stolz und Arroganz. Der Ausdruck in seinem Gesicht veränderte sich und er wirkte plötzlich ganz und gar unnahbar. „Aber du kannst mich nennen wie immer es dir beliebt kleine Elfe…“, fügte er hinzu und so etwas wie ein zartes Lächeln legte sich auf seine Züge. Trotz alledem konnte der Eisdämon seine Erschöpfung nicht einfach abschütteln. Er war hungrig und zu Tode erschöpft. Alles was er wollte, war einfach seine Ruhe. Doch dieses Weib lief ihm hinterher wie ein streunendes Kätzchen das sein Mitleid erregen wollte. „Und was hast du nun vor?“, fragte der Dämon die Elfe ganz gerade heraus und ohne weitere Umschweife. „Wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich nicht noch einmal versuchen mir ein Messer an die Kehle zu halten. Das wäre absolut eine riesige Dummheit.“, sprach Xarr und deutete so an, dass sie sich glücklich schätzen konnte, dass sie mit ihrem erbärmlichen Leben noch einmal davon gekommen ist. Unterdessen überlegte Xarr wie er sich etwas Essbares organisieren konnte. Er fühlte sich einfach nicht stark genug für eine Jagd, was ihn wirklich sehr missmutig stimmte. Für einen kurzen unachtsamen Augenblickt flackerte seine dämonische Fratze an seinem Hinterkopf auf. „Nein, jetzt nicht!“, blaffte der Dämon vor sich hin, der noch nicht dazu bereit war eine Verwandlung als letzten Ausweg anzusehen.

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Re: Die Legende der Immer-Winter-Nacht

Beitrag von She'sejia » Do, 13. Aug 2020 12:47

Obwohl es She‘sejia ungemein irritierte, wie der Dämon mal kühl und dann wieder neckisch provozierend mit ihr sprach, hatte er sie nun fast überzeugt, nichts mit dem Verschwinden der Wirtstochter zu tun zu haben. Andererseits schien ihn der Gedanke, eine Elfe zu töten, nur weil sie ihn nervte, nahezu zu amüsieren. Vielleicht war es besser, ihn doch jetzt noch zu töten. So wie er davon sprach, war sie sich fast sicher, dass er schon gemordet haben musste. Wahrscheinlich mehr als einmal und ohne Rechtfertigung. Doch konnte sie ihn ohne Beweise schuldig sprechen? Und da blieb noch die Frage, wo seine Begleiter geblieben waren. Hatte der Wirt gelogen? Oder warum erinnerte sich der Dämon nicht an sie?
Als er sich ihr vorstellte und sich dabei aufrichtete, wurde ihr erneut bewusst, wie groß er war. Er überragte sie um mehr als einen Kopf. Außerdem konnte sie nicht umhin, es ein wenig eitel zu finden, wie er sich ‚Eisblüte‘ nannte – die leise Stimme in ihren Hinterkopf, die meinte, dass er tatsächlich alles andere als unattraktiv war, beschloss sie zu ignorieren. Xarrbraxas… ein seltsamer Name. Schon in Gedanken hatte sie Schwierigkeiten ihn auszusprechen. Wahrscheinlich würde ihr Versuch, das zu tun ihn noch mehr reizen. Als er ‚Wüste‘ sagte, horchte sie auf, doch er sprach nicht von der Cala an Darh, sondern einem Ort der sich am anderen Ende des Kontinents befand. Sie wollte ihn gerade neugierig nach jenem Ort fragen, als er wieder sanfter wurde und sogar leicht lächelte, als er ihr sagte, sie könne ihn nennen, wie sie wolle.
Ich finde ‚Dämon‘ klingt ein wenig…“, nachdenklich legte sie den Kopf schräg. In ihren Ohren hatte es abwertend geklungen, wie die drei Kopfgeldjägern von Dämonen gesprochen hatten als wären es wilde Biester, die es zu erlegen galt. „…abschätzig?“, versuchte sie schließlich unsicher und beobachtete Xarrbraxas, falls dieser fand, dass er sie dieser Äußerung wegen loswerden wollte. „Ich nenne dich lieber Xarrbra-, äh, Xarr-bra-xas?“, sie schüttelte, über sich selbst verärgert den Kopf. „Xarr.“, beschloss sie dann und sah den Dämon fragend an. Dieser jedoch fragte nach ihren Plänen. Eigentlich eine gute Frage.
Dann, als sie gerade zu einer Antwort anhob, bedrohte Xarrbraxas sie, zumindest war sie sich sicher, dass es so zu verstehen war. Und er nannte sie dumm! Sie konnte den Zorn darüber, dass er sie wie ein dummes kleines Elfchen behandelte, nicht aufhalten, obwohl sie ihn selbst nicht besser behandelt hatte. Sich ihrerseits aufrichtend (was neben dem großen Dämon wohl jegliche beabsichtigte Wirkung verlor) wollte sie ihm schon ebenso arrogant etwas an den Kopf werfen, als sie sich im letzten Moment fing.
Ich muss das Mädchen finden, schließlich ist es mein Auftrag. Aber ohne die anderen werde ich sie wohl kaum finden…“, sagte sie erst schnippisch und dann nachdenklich, ohne zu bemerken, dass sie gerade indirekt ihre Begleiter verraten hatte.

Das Problem auf welches sie gestoßen war, vertrieb aber jeden Gedanken daran aus ihrem Kopf. Ohne die Kopfgeldjäger oder irgendwen anderes, der sich hier auskannte, würde sie Schwierigkeiten haben, sich zu orientieren. Sie wusste, dass sie sich irgendwo östlich von Agheveer befand, doch während sie sich in der Wüste ohne Schwierigkeit am Stand der Sonne, den Sternen und ähnlichem orientieren konnte machten die Bäume das hier etwas schwerer. Und ein verschwundenes Mädchen hier zu finden, in einem Terrain an das sie sich immer noch nicht ganz gewöhnt hatte, war beinahe aussichtslos. Was also tun? Zurück nach Agheveer? Oder zurück zu ihrem Nachtlager und hoffen, dass sie die Kopfgeldjäger fand? Und was sollte sie dann mit Xarrbraxas tun? Ihn einfach verlassen und den Kopfgeldjägern nie von ihm erzählen? Wobei, Xarrbraxas… Xarrbraxas schien zu wissen, wo es langging. Sie musste ihn nur dazu bringen, ihr zu helfen…

Ich habe einen Vorschlag.“, wandte She’sejia sich entschlossen an Xarr, konnte sich ein überraschtes Zucken aber nicht unterdrücken, als er „Nein, jetzt nicht!“ blaffte. Missmutig verengte sie die Augen. Mal war er herablassend, mal freundlich, mal gleichgültig und jetzt wieder zornig. Konnte er sich nicht entscheiden? Er irritierte sie und das war ihrem Frust nicht zuträglich. Dass er offensichtlich nicht besser gelaunt war als sie machte es nur noch schlimmer. „Jetzt nicht?“, fauchte sie. „Hör es dir doch wenigstens an! Und entscheide dich mal, was DU willst! Mich in Stücke reißen? Mir helfen? In Ruhe gelassen werden?“, irgendwo in ihrem Unterbewusstsein merkte sie, wie dumm sie sich verhielt, aber es tat so gut den Frust und Zorn an ihm auszulassen. „Du kannst froh sein, dass ich es war, die dir begegnet ist denn glaub mir, in diesem Wald sind genug, die dich sofort getötet hätten. Denen ist es egal, ob du das Mädchen entführt hast oder nicht. Sie würden dich töten für das was du bist, nicht das was du getan hast. Außerdem sehe ich doch wie geschwächt du bist! Gerade kannst du mich ohnehin nicht umbringen!“, schwer atmend verstummte sie, und merkte erst jetzt, wie warm die Luft um sie war. Es wirkte aber eher wie ein Vorgeschmack ohne Funken statt eine vollkommener Ausbruch. „Aber“, hob sie erneut an, jetzt deutlich ruhiger. „Du scheinst dich hier auszukennen. Wenn du mir hilfst, mich zurechtzufinden, mich vielleicht zurück nach Agheveer bringst, werde ich mein Proviant und Wasser mit dir teilen.“, mit diesen Worten griff sie nach dem Beutel um ihre Hüfte. „Danach werde ich dich wieder sobald es mir möglich ist in Ruhe lassen und wir beide gehen unserer Wege. Einverstanden?
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Re: Die Legende der Immer-Winter-Nacht

Beitrag von Xarrbraxas » Fr, 14. Aug 2020 10:52


Der plötzliche Wutausbruch der Elfe irritierte den Dämon kurzzeitig. Er bemühte sich jedoch unbeeindruckt zu wirken und verschränkte erneut die Arme vor der Brust während er weiterhin auf sie hinab blickte. Er wartete einfach ab bis die Welle des Zorns über ihn hinweg gebrandet war, bevor er selbst erneut zu einer Antwort ansetzte:
„Ich habe nicht mit dir gesprochen!“. Er ließ seine Worte erst einmal wirken bevor er weiter sprach: „Es ist mir egal, wer gekommen ist um mich zu töten. Sollen sie doch kommen und ihr Glück versuchen! Du sagst du weißt, dass ich ein Dämon bin. Doch du hast nicht die geringste Ahnung auf welch dünnem Eis du dich gerade bewegst, kleines Elflein. Du verhältst dich wie ein bockiges, unwissendes Kind!“. Die Stimme des Dämons war zunehmend immer dunkler geworden. Wenn man ihm tief in die Augen schaute, mochte man erkennen welche Anstrengung es ihn kostete, nicht die Beherrschung zu verlieren. Xarrbraxas biss die Zähne fest zusammen und dunkelblaue Adern traten deutlich sichtbar an seinem Hals hervor. Gewiss, er war geschwächt und war nicht im vollen Besitz seiner Kräfte, doch sein aufkommender Zorn ließ die Magiepartikel in seinem Blut geradezu vibrieren. Ein wohliger Schauer kroch über seinen Rücken während die Luft um ihn herum immer weiter hinunter kühlte. Xarrbraxas stieß einen frustrierten Seufzer aus. Er durfte nicht die Kontrolle verlieren! Der Dämon wandte sich von der Elfe ab und entfernte sich ein paar Schritte. Vielleicht war es unterbewusst eine Flucht vor der Hitze, welche die Fremde ausstrahlte.

Es war der Vorschlag der Elfe, der Xarr erneut innehalten ließ. Er blickte sie an und schien einen Augenblick lang ihr Angebot tatsächlich abzuwiegen. Doch dann begann er plötzlich zu lachen.
„Nichts, was du in deinem kleinen Beutelchen haben könntest, ist von Interesse für mich kleine Elfe.“, sagte er herablassend. Er wollte keinen Kanten Brot, er wollte keinen Käse oder getrocknete Wurst. Er wollte Fleisch! Rohes, blutiges Fleisch von einem frisch geschlagenen Tier! Bei dem Gedanken lief ihm das Wasser im Mund zusammen. „Außerdem liegt Agheveer in der falschen Richtung und ganz und gar nicht auf meinem Weg.“, stellte der Dämon klar. Sollte die Elfe ihn doch bloß endlich in Ruhe lassen! Er hatte kein Interesse an ihrer Gesellschaft und dann war da noch diese furchtbare Eigenart ihn als hilfsbedürftig darzustellen, die dem Eisdämon ganz und gar nicht gefiel. „Wie wäre es, wenn du mich einfach jetzt gleich in Frieden lässt?“, schlug Xarr ein passendes Gegenangebot vor und setzte sich wieder in Bewegung. Er ging Schritt für Schritt immer tiefer in den Wald hinein. Es war der schwache Geruch nach Wasser, der den Weg des Dämons bestimmte und nach einiger Zeit erreichte er einen kleinen, aber lebendig plätschernden Bach. Allein der Anblick entlockte Xarrbraxas ein triumphierendes Lächeln. „Na wer sagt es denn.“, murmelte er leise zu sich selbst und setzte sich an das flache, steinige Ufer. Er war zwar ein Eisdämon, doch Wasser war der Nährboden seiner Magie. An einem Ort wo Wasser war, fiel es ihm stets leichter Magie zu wirken.

Mit beiden Händen schöpfte er Wasser und schlug sich das kühlende Nass ins Gesicht. Wasser, Quell des Lebens, Quell seiner Macht. Die Kopfschmerzen waren in der Zwischenzeit zu einer beinahe unerträglichen Qual angeschwollen und pochten wie wild in seinen Schläfen. Mit schmerzverzerrtem Gesicht beugte der Dämon sich vor und löschte gierig seinen Durst. Im Anschluss fühlte er sich bereits ein klein wenig besser, da zumindest eines seiner Grundbedürfnisse gestillt war. Doch der Hunger war ihm geblieben. Der Dämon beobachtete aufmerksam den Bachlauf und schon bald entdeckte er ein paar kleine Fische, die mühsam gegen den Strom schwammen, vermutlich um zu ihren Laichplätzen zu gelangen. Schwerfällig erhob sich Xarrbraxas und trat mit seinen nackten Füßen in den Bach. Xarr suchte nach einer passenden Stelle für sein Vorhaben und wurde alsbald fündig. Er ließ sich auf einem Felsen nieder und streckte die Rechte in den Bach, um dort eine kleine Eiswand zu erzeugen, die den Fischen den Weg versperrte. Es war ihm nun ein Leichtes die Fische einfach zu packen und ihnen mit einem kräftigen Schlag gegen den Felsen das Leben auszuhauchen. Die Art und Weise, wie er den rohen Fisch im Anschluss hinunter schlang, erinnerte an ein wildes Tier, dass seit Tagen nichts mehr zu fressen gehabt haben musste. Satt und zufrieden setzte sich der Dämon in den Schatten eines Baumes und schloss die Augen. Er fühlte genau, dass er die ganze Zeit beobachtet wurde, doch sein Zorn war gemeinsam mit seinem Hunger verflogen.
„Ich weiß, dass du immer noch da bist. Du darfst dich ruhig zu mir gesellen.“, sagte er auffallend freundlich als ihm bewusst wurde, dass es nur mehr ein Bedürfnis übrig geblieben war, das befriedigt werden wollte.

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Re: Die Legende der Immer-Winter-Nacht

Beitrag von She'sejia » Fr, 14. Aug 2020 18:58

She’sejias Wutausbruch hatte dem Dämon wohl gar nicht gefallen, doch wo sie sich hitzig und aufbrausend ihrem Zorn hingab, war er kalt und beherrschter. Mehr denn je konnte sie die Gefahr, die er nun beinahe ausstrahlte, deutlich spüren. Es war lächerlich leichtsinnig gewesen, ihn so zu behandeln, von Anfang an. Als sie in seine Augen sah, zuckte sie beinahe zurück, denn es war als wäre dort ein Sturm tief in ihm, der kurz davor war, auszubrechen. Ein derart geschwächter Mann sollte nicht so gefährlich und… respekteinflößend aussehen, aber er tat es. Einen kurzen Moment hatte sie ihn noch fragen wollen, mit wem er so sprach, wenn nicht ihr, aber stattdessen beobachtete sie, wie sich dunkle Adern unter der blassen Haut ihres Gegenübers abzeichneten.
Unwillkürlich machte sie einen Schritt zurück und als sie ihm ihr Angebot unterbreitet hatte, glitt ihre Hand von ihrem Beutel zu den Messern. Doch statt den Sturm auf sie loszulassen, wirkte Xarrbraxas wirklich nachdenklich. Bevor sie sich jedoch ernsthaft Hoffnungen machen konnte, legte er den Kopf zurück und lachte. She’sejia war zu erleichtert, dass sich die blauen Adern nicht mehr ganz so deutlich auf seiner Haut abzeichneten, um sich darüber zu ärgern. Was nicht hieß, dass sein Tonfall oder seine Wortwahl ihr gefielen. Sie schwieg und konzentrierte sich, ruhig zu werden, als er ihr sagte, dass Agheveer nicht sein Ziel war. Das erstaunte sie. Wohin führte sein Weg ihn dann? Doch sie fragte ihn nicht danach. Seit sie den Sturm in seinen Augen gesehen hatte, hatte sie sich entschlossen, weit vorsichtiger zu sein. Sie war von den drei Kopfgeldjägern darüber gewarnt worden, wie mächtig Dämonen waren, doch erst jetzt glaubte sie, eine vage Vorstellung davon zu haben, was sie damit gemeint hatten. Sie kam sich selbst so leichtsinnig und dumm vor, dass sie Xarrbraxas dieser Äußerungen wegen nicht mehr sauer sein konnte. Vielmehr war sie zornig über sich selbst. Darin war sie noch nie gut gewesen. Es war einfacher, die Schuld auf jemand anderen zu schieben.

Wie wäre es, wenn du mich einfach jetzt gleich in Frieden lässt?“, meinte der Dämon, drehte sich um und lief in den Wald. Sie sah ihm nach, wie er sich langsam entfernte. Er lief bestimmt, aber nicht so, als habe er es besonders eilig. Er lief so, als habe er nichts im gesamten Wald zu fürchten. Für sie jedoch gab es viele Gefahren. Ihre Verfolger beispielsweise. Oder die Natur selbst, die ihr so fremd war (wobei weit weniger Unwirtlich als ihre Heimat). Vielleicht sogar ihre Begleiter, zumindest war sie sich sicher, dass den Dämon lebend davonkommen zu lassen genau der Grund war, auf den Éirinn gewartet hatte, um sie loszuwerden. Und dann war da noch dieser Dämon. „Verdammt!“, fluchte sie auf Wüsten-Emenisch. Er war wohl die einzige Person in diesem Wald, der sie nicht entführen wollte und sich einigermaßen auszukennen schien.
Langsam begann sie zu laufen. Ihr Stolz würde ihr hier nur Schwierigkeiten bereiten. Sie würde ihn herunterschlucken müssen, wenn sie nicht von Xarrbraxas‘ Sturm zerstört werden wollte. Aber sie brauchte seine Hilfe, wie sollte sie die bekommen? Sie konnte ihn nicht bedrohen oder erpressen, sie konnte auch keinen Handel mit ihm eingehen, da sie offensichtlich nichts hatte, was sie ihm anbieten konnte und sie glaubte nicht, dass sie charmant genug war, ihn auf irgendeine Art zu verführen. Vor allem, da er ihr ganz und gar nicht gewogen schien. Ihr blieb eigentlich nur übrig, ihn zu fragen und zu hoffen, dass er ihr irgendwie half. Einfach so. Er wirkte nicht wie jemand, der so etwas tat.

Es dauerte eine Weile, bis sie ihn wieder eingeholt hatte. Sie hatte schon fast befürchtet, ihn verloren zu haben, doch als sie ihn bei einem Bach knien sah, verlangsamten sich ihre Schritte unwillkürlich. Er hatte ihr deutlich zu verstehen gegeben, dass sie ihn in Ruhe lassen sollte und so zögerte sie. Wie sollte sie sich zu erkennen geben, ihn ansprechen, ohne ihn noch weiter zu provozieren. Es war fast Gewohnheit, sich ihm unbemerkt noch ein kleines Stück zu nähern. Sie hatte genug Zeit in diesem Gelände verbracht um eine ungefähre Ahnung zu haben, wie sie ihre Fähigkeiten im Schleichen, Verstecken und Observieren hier anzuwenden hatte. Sie hinterließ zwar noch Spuren und brauchte zum Orientieren und Überleben vielleicht etwas Hilfe, aber sie war jahrelang darin ausgebildet worden, unentdeckt zu bleiben.
She’sejia folgte dem Dämon, als er suchend am Bach entlangging und beobachtete, wie er Fische fing. Sie dachte fast, er würde sie auf irgendeine Weise zubereiten, doch er verschlang sie auf eine Weise die so abstoßend (vielleicht auch ein kleines bisschen furchteinflößend) war, dass sie sich kurz abwandte. Jetzt da er getrunken und gegessen hatte, wirkte er viel erholter und ihr wurde klar, dass jegliche Chance, ihn zu töten, verstrichen war. Missmutig beobachtete sie, wie er besser gelaunt denn je an einem Baum lehnte – nicht unähnlich der Position, in der sie ihn das erste Mal angetroffen hatte – und war kurz davor, aufzugeben. Sie würde zurücklaufen, dachte sie sich. Einen Baum hinaufklettern, Westen finden und sich nach Agheveer durchschlagen.
Ich weiß, dass du immer noch da bist. Du darfst dich ruhig zu mir gesellen.“, riss sie die Stimme des Dämons aus den Gedanken. Sie zuckte erschrocken zusammen. Sprach er mit ihr? Seit wann wusste er, dass sie da war? Was sollte sie tun? Es kam ihr dumm vor, jetzt davonzurennen, doch seine Worte konnten auch eine Falle sein. Er klang wieder freundlich und sah nicht mehr zornig aus, doch seit sie gesehen hatte, wie schnell sich seine Stimmung wandeln konnte, konnte sie dem nicht trauen.
Schließlich erhob sie sich und trat in mehr gespielter als wahrhaftiger Ruhe aus dem Wald. „Stört es dich nicht, dass ich noch hier bin?“, fragte sie beinahe zaghaft. Langsam ging sie zu dem Bach, bedacht weder zu nah bei ihm noch zu weit von ihm zu sein. Sie hockte sich neben das Wasser und sah ihn weiter an. „Ich wollte eigentlich gehen aber…“, sie sah kurz auf das Wasser, jedoch nicht ohne all ihre anderen Sinne weiter auf ihn zu richten, und sammelte nach Kraft für ihre nächsten Worte. „Ich komme auch aus der Wüste. Nur aus der im Süden, dem Meer ohne Wasser.“, sie sah ihn wieder an und ihr Blick wirkte fast resigniert. „Ich brauche deine Hilfe. Dies ist nicht meine Heimat, ich weiß nicht, wie man sich hier orientiert, wie man Wasser und Nahrung findet, Stürme überlebt… zumindest nicht richtig. Ich… wenn es irgendetwas gibt, das ich dir anbieten könnte, oder du mir zumindest sagen könntest, wie ich nach Agheveer komme…“, sie seufzte. „Ich weiß, dass du mir nichts schuldig bist. Ich bin zu stolz, dich anzuflehen Xarr, deshalb sei einfach ehrlich wie bisher.
Unfähig ihm weiter in die Augen zu sehen wandte sie sich wieder dem Bach zu. Ihre Aufmerksamkeit blieb aber bei dem Dämon. Sie konnte sich nicht an das letzte Mal erinnern, als sie sich jemand anderem so offenbart hatte und sie konnte nicht verhindern, wie ihre Wangen vor Scham brannten.
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Re: Die Legende der Immer-Winter-Nacht

Beitrag von Xarrbraxas » Sa, 15. Aug 2020 15:46


Die Elfe trat aus dem Dickicht des Waldes und Xarrs eisblaue Iriden taxierten sie sogleich. Er hatte tatsächlich die ganze Zeit gewusst, dass sie ihm gefolgt war, denn seine empfindliche Nase konnte man nicht so leicht überlisten. Die junge Elfe blieb auf sicherer Entfernung zu ihm am Ufer des Bachlaufes stehen. Hatte er sie so verängstigt, dass sie sich nicht mehr dichter an ihn heran traute? Ein selbstgefälliges Grinsen legte sich auf die feinen Züge des Dämons. She’sejia war sich vermutlich gar nicht bewusst, welches Glück sie gehabt hatte. Dennoch kam Xarrbraxas nicht drum herum sie für ihren Mut ein klein wenig zu bewundern. Sie war durchaus taff die kleine Elfe und auf irgendeine merkwürdige Art und Weise weckte dies sein Interesse an ihr.
„Ob es mich stört?“, fragte er nachdenklich und schürzte die Lippen. „Manchmal möchte ein Mann gern allein gelassen werden und manchmal sehnt er sich nach Gesellschaft.“, gab er ihr eine ausweichende Antwort auf ihre Frage. Dann schien sie ihre Scheu zu überwinden und klärte den Dämon über ihre Misere auf. Dieser lauschte zurückhaltend und schweigend ihren Worten und nickte hier und da als Zeichen, dass er verstand. Im Grunde war es Xarrbraxas vollkommen gleich, wo She’sejia her kam oder wo sie hin wollte. Doch es gab da tatsächlich etwas, dass sie ihm anbieten konnte, etwas dass er im Augenblick begehrte. Ob sie wohl unter ihren Gewändern schlank und zierlich war? Oder hatte sie den muskulösen Leib einer Kriegerin? Hoffentlich würde er noch die Gelegenheit bekommen dies heraus zu finden.

Als She’sejia geendet hatte, wandte sie ihren Blick von ihm ab. War das etwa Schamesröte, die sich dort auf ihren Wangen gebildet hatte?
„Hmm…“, machte der Dämon leise, aber dennoch so laut, dass die Elfe es hören musste. „Stolz zur falschen Zeit, kann einem das Leben kosten kleine Elfe.“, sagte er nachdenklich. Der Gedanke daran, wie die stolze She’sejia vor ihm im Dreck kniete und ihn anflehte, war durchaus eine Vorstellung die ihm gefiel. Es war eben jenes Gedankenspiel, welches seine Laune zunehmend besser werden ließ. „Komm her und setz dich zu mir!“, sagte der Dämon anschließend in deinem Tonfall, der einem Befehl gar nicht so unähnlich war. Er wartete darauf, dass die Elfe zu ihm aufblickte, dann klopfte er freundlich neben sich auf den Boden. „Ich werde dir nichts tun. Ich gebe dir mein Wort.“, fügte er etwas versöhnlicher hinzu und ein charmantes Lächeln sollte die Wahrhaftigkeit seiner Worte bezeugen. Es fiel Xarrbraxas nicht sonderbar schwer den freundlichen Samariter zu spielen, doch She’sejia wusste ja bereits dass er ein Dämon war. Es würde gewiss nicht leicht werden ihr Vertrauen zu gewinnen. Xarr blickte die Elfe erwartungsvoll mit seinen eisblauen Augen an. Er war wirklich gespannt darauf, ob sie sich erneut in seine Nähe wagen würde. Andererseits hatte sie selbst gesagt, dass sie seine Hilfe brauchte und wenn ihre Situation tatsächlich so ausweglos war, wie sie ihm eben ausführlich geschildert hatte, würde sie seiner Aufforderung gewiss Folge leisten.


Zur Gleichen Zeit wurden She’sejias Gefährten an den Händen gefesselt vor der Magierin auf die Knie gestoßen. Den Jüngern der Elfenmagierin war es ein leichtes gewesen diese sogenannten Kopfgeldjäger im Morgengrauen zu überrumpeln und gefangen zu nehmen. Sie hatten den Meuchlern einfach einen Sack über den Kopf gestülpt und sie anschließend in die Höhle hinter dem geheimnisvollen Wasserfall verschleppt. Es war Faolan, dem als erstes der Sack vom Kopf gezogen wurde, ein kräftiger Krieger hinter ihm zwang ihn jedoch mit dem Knie im Rücken zu einer ehrfürchtigen Haltung vor seiner Herrin. Diese stand hoch erhobenen Hauptes vor ihm und blickte herablassend auf den Elfen hinab.
„Wer seid ihr und was habt ihr in meinem Wald zu suchen?“, fragte sie kühl. Dann beugte sie sich elegant hinab, legte einen einzelnen Finger unter Faolans Kinn und zwang ihn somit ihr direkt ins Antlitz zu sehen. Die Elfenmagierin war durch und durch hübsch anzusehen. Zwar war sie von kleiner, zierlicher Statur doch allein die Ehrfurcht, die ihr von allen Anwesenden entgegen gebracht wurde, ließ ein enormes magisches Talent vermuten. Das zart geschnittene Gesicht war umrahmt von etwa hüftlangen, kohlrabenschwarzen Haaren und ihre mandelförmigen Augen erstrahlten in einem satten Moosgrün. Ihr gesamtes Äußeres zeugte davon, dass sie wohl dem Volke der Waldelfen angehören musste. „Jetzt sprich!“, sagte sie ungeduldig während ihre feingliedrige Hand zu Faolans Kehle wanderte und sanft zudrückte. „Und wo steckt dieses Weib das bei euch war?“, wollte sie außerdem in Erfahrung bringen.

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Re: Die Legende der Immer-Winter-Nacht

Beitrag von She'sejia » Sa, 15. Aug 2020 21:44

She’sejia war sich nicht sicher ob Xarrbraxas Aufforderung, sich zu ihr zu setzen sie überraschte. Er hatte schon zweimal angedeutet, von ihrer Gesellschaft nicht abgeneigt zu sein – und dass wo doch seine letzten Worte als sie sich trennten ganz gegenteilig waren. Sie sah zu ihm auf, unschlüssig ob sie seinen Worten Folge leisten sollte. Ein Teil von ihr war überzeugt, dass es sich dabei um irgendeine Falle handelte, doch ein anderer meinte, dass sie ihm gerade angeboten hatte, was auch immer sie ihm geben konnte. Sie hatte das vor allem getan, weil sie nicht wusste, was er von ihr wollen könnte, doch jetzt konnte sie einen Schauder nicht ganz unterdrücken. Sie beschloss nicht darüber nachzudenken, was diese Reaktion bedeuten konnte. Außerdem, sagte sie sich, immer noch unentschlossen am Bach hockend, welchen Grund hätte er, ihr etwas zu tun? Sie hatte ihm gesagt, dass sie bereit war zu gehen und ihm folgte, weil sie seine Hilfe brauchte, nicht um ihm etwas zu tun.
Er könnte jemand sein, der anderen aus Spaß Schaden zufügt, warnte sie ihr Misstrauen, jemand, der mit seinen Opfern spielt. Aber dieses Risiko gab es schon die ganze Zeit, außerdem hob er in diesem Augenblick das Wort und versprach ihr, ihr nichts zu tun. Sich einen Ruck gebend wandte sie sich um, wusch sich so rasch sie konnte die immer noch vom Blut des Katzenelfen schmutzigen Hände und das Gesicht (nicht, dass sie besonders verschmutzt war – nicht mehr als unvermeidlich – sondern sie tat es eher um den Kopf klar zu bekommen) und richtete sich auf. Sie trat auf den Dämon zu und löste ihre Säbel, die sie am Rücken trug. Sie ließ ihn nicht aus den Augen, als sie sich ihres Umhangs entledigte und sich schließlich neben ihn setzte. Sie legte Umhang und Säbel neben sich in Griffnähe. Er hatte zwar versprochen, ihr nichts zu tun, aber sicher war sicher.

Sie versuchte sich an einem Lächeln, als sie sich erneut zu dem Dämon wandte. „Wenn nicht nach Agheveer, wohin sonst führt dich dein Weg?“, fragte sie, zu nervös darauf zu warten, was er ihr zu sagen hatte. Sie sah zum Bach, damit ihr Blick nicht zu oft von Xarrbraxas Gesicht zu seinem entblößten Oberkörper abglitt, doch ihre Neugierde war letztendlich zu groß. Sie musterte wieder sein Gesicht, mit seinenmarkanten Zügen und den intensiv blauen Augen. Wahrscheinlich würde er weiter auf ihre Bitte oder vielleicht ihr Angebot eingehen und diese Frage ignorieren, überlegte sie.
Was bringt den Sinneswandel?“, fragte sie vorsichtig „vorhin noch wirktest du bereit mich, wenn es nötig ist, zu verjagen oder…“, sie brach kurz ab und zuckte vage die Schultern. „Aber jetzt… nicht mehr. Ich hätte nicht gedacht, dass es etwas gibt, was ich dir geben kann, aber warum sonst hast du mich noch nicht vertrieben?

Faolan schluckte schwer. Ihm wurde klar, dass er und seine Begleiter in Gefahr schwebten und dass es wohl an ihm lag, sie alle wieder daraus zu befreien. Die Elfenherrin war ohne Frage mächtig. Mächtig und schön, und Faolan konnte nicht umhin als sie zu bewundern. Es war schließlich sein Ziel, eines Tages ebenso mächtig zu sein. So mächtig, dass es in anderen eben jenen Respekt, eben jene Ehrfurcht auslöste, wie sie es tat. Das Dämonenblut hatte ihm dabei helfen sollen, doch abgesehen von der ungünstigen Situation, in der er sich befand, hatten sie seine Spur jetzt wahrscheinlich ohnehin verloren.
Er bemühte sich um einen respektvollen Tonfall, so gut es ihm in ihrem überraschend kräftigen aber noch nicht verletzenden Griff gelang, und antwortete: „Wir sind drei Reisende, die gegen Bezahlung verschiedenste Aufträge erfüllen. Es ist ein solcher Auftrag, der uns in, ah, Ihren Wald brachte. Wir sind auf der suche nach einem Mädchen, das verschollen ist und ihrem Entführer, den wir ich diesen Wald verfolgt haben.“ Er sprach ruhig und ihm gelang der Nachdruck und die Überzeugung eines Mannes, der weiß, dass er nichts falsch getan hat und daher nichts zu befürchten hat. Sein Blick huschte zu seinen Begleitern neben ihm. Er wusste nicht, ob sie wach waren, aber im Moment tat das auch nichts zur Sache. „Ich bin Faolan, ein Meistermagier der Feuermagie und das sind meine Begleiter Caen, ein Bogenschütz, und die Neeskia Éirinn“, berichtete er wahrheitsgemäß, da ihm sein Instinkt sagte, dass es unklug wäre die Elfendame zu belügen. „Leider kann ich Euch nicht sagten, wo unsere Begleiterin ist. Ich bin selbst erstaunt, dass sie nicht hier bei uns ist. Sie ist schließlich noch nicht lange bei uns und wir kennen sie kaum.
Jetzt, da er ihre Fragen beantwortet hatte, hieß es, einen Ausweg aus dieser Situation zu finden. „Werte Dame“, hob er an „vielleicht können wir Euch irgendwie zu Diensten sein? Wir waren nur auf der Suche nach dem Mädchen und ihrem Entführer, es war nicht unsere Absicht, Euch zu stören. Wenn unsere neuste Begleiterin Euch Probleme bereitet, sind wir gerne bereit Euch zu helfen diese aus dem Weg zu räumen.
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Re: Die Legende der Immer-Winter-Nacht

Beitrag von Xarrbraxas » So, 16. Aug 2020 19:04


Die Elfe leistete seiner Aufforderung ohne weitere Widerworte folge. Sie legte ihre Waffen und ihren Umhang ab und ließ sich neben ihm nieder. She‘sejia wirkte sichtlich nervös, was Xarrbraxas ein aufrichtiges Schmunzeln entlockte. Er spürte deutlich ihre Blicke auf seiner nackten Haut, doch er genoss es wie sie ihn musterte und begutachtete. Ob ihr wohl gefiel was sie dort sah?
„Genau genommen, weiß ich im Augenblick selbst nicht so recht, wo mein Weg mich hin führt. Ich kann mich einfach nicht erinnern…“, antwortete der Dämon nachdenklich auf die Frage der Elfe. Dieses Gift, welches ihm in der Höhle der Magierin gespritzt worden war, musste die Ursache seiner verlorenen Erinnerungen sein. Er konnte einfach nur abwarten und hoffen, dass sein Gedächtnis mit der Zeit zurück kehren würde. Xarrbraxas blickte der Elfe direkt in die Augen und versuchte ihr seinen Sinneswandel zu erklären: „Nun, wenn ich mich recht entsinne, warst du diejenige, die mir eine Klinge an den Hals gehalten hat und mein Leben bedrohte und im nächsten Augenblick meine Hilfe erwartete. Wie hättest du an meiner Stelle reagiert?“. Sein Blick wurde forschend und eindringlich, dann sprach er ruhig weiter: „Jeder, der nur halbwegs bei Verstand ist, würde einem schlecht gelaunten Dämon aus dem Weg gehen und würde sich einfach glücklich schätzen solch einer Begegnung lebendig entronnen zu sein. Doch du kleine Elfe bist mir weiterhin gefolgt. Ich weiß nicht recht, ob es Unwissenheit oder Verzweiflung war, die dich dazu trieb. Doch ich bewundere deinen Mut.“. Seine Worte waren ernst gemeint und keine dieser leeren Phrasen, welche man einer Frau nur erzählte, nur um sie zu umgarnen.

Der Dämon unterdrückte den Drang seine Hand auszustrecken und She’sejia eine Haarsträhne aus dem Gesicht zu streichen. Sie saß direkt neben ihm und er sog ihren Geruch gierig ein. Die Elfe würde ihm auf keinen Fall mehr davon laufen können, selbst wenn sie es wollte. Doch wenn alles so kam wie er es geplant hatte, würde sie nicht vor ihm davon laufen. Nein, sie würde sich vollkommen nackt in seinen Armen räkeln und sich ihm bereitwillig hingeben. Die eisblauen Iriden des Eisdämons glitzerten voller Begierde. She’sejia war so nah, er brauchte einfach nur die Hand nach ihr ausstrecken. Doch er hielt sich weiterhin zurück und versuchte sein Verlangen zu zügeln. Er räusperte sich leise und wandte den Blick ab, um gespielt nachdenklich zum Himmel hinauf zu schauen.
„Die Dämmerung wird bald herein brechen, doch ich denke dies ist ein guter Ort um zu verweilen.“, sagte er so ruhig als könnte ihn kein Wässerchen trüben. Als würden sie nicht von merkwürdigen Gestalten verfolgt werden und als bestünde absolut keine Gefahr für die Elfe, solange sie sich in seiner Nähe aufhielt. Der Dämon jedoch wusste nur zu gut, dass auch er nicht unverwundbar war und dass die Magierin ein Gift hatte, welches ihn im Ernstfall einfach aus dem Gefecht setzen würde. Doch dies würde er She’sejia nicht erzählen. Nein, ihr gegenüber würde er weiterhin das absolute Gefühl von Sicherheit ausstrahlen. „Doch auf ein Feuer sollten wir vorsichtshalber verzichten. Ich hoffe doch, dass du nicht allzu schnell frierst keine Elfe?“, fragte er eindeutig zweideutig und zwinkerte She’sejia neckisch zu.

Die Magierin musterte Faolan teilnahmslos, während sie seinen Worten lauschte.
„Ihr drei seid also Meuchelmörder…“, stellte sie nüchtern fest und legte nachdenklich den Kopf schief. Die Auskünfte über die vierte Gefährtin kamen ihr vage und unvollständig vor. Daher packte sie Faolans Kehle nun etwas fester und fragte erneut: „Sag mir Unwürdiger, ist eure entkommene Gefährtin auch eine Magierin? Und gibt es sonst noch etwas, dass ich über sie wissen sollte?“. Sie ließ den Elfen wieder frei, damit er ihr antworten konnte. War es möglich, dass dieses entkommene Elfenweib auf den Dämon getroffen war? Sie selbst hätte den Eisdämon allzu gern gefangen gehalten und weitere Experimente an ihm durchführen lassen. Doch ihr Gelehrter hatte sie beinahe angefleht ihn gehen zu lassen. Sie hatten einfach nicht die Mittel ein solch mächtiges Wesen gegen seinen Willen hier festzuhalten. In der letzten Nacht jedoch, hatte sie davon geträumt, wie sie bei dem Dämon gelegen hatte und anschließend seine Leibesfrucht in ihrem Bauch heran wuchs. Gedankenverloren legte sie ihre zierliche Hand auf ihren flachen Bauch. Dann entsann sie sich plötzlich und winkte eine Wache herbei. „Bringt die drei Meuchler in den Kerker. Ich werde einige Zeit brauchen um über ihr Angebot nachzudenken. Wer so rasch seine eigenen Gefährten verrät und hintergeht, erscheint mir nicht sehr zuverlässig in seiner Treue.“. Sie blickte den Gefangen noch einen Augenblick hinterher und seufzte leise. War es wirklich eine gute Idee gewesen, den Dämon am Leben zu lassen?

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