Die Launen des Schicksals

Die zwei vor Jahrhunderten in Kleinkönigreiche zerfallenen Nordreiche östlich der Wilden Lande.
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Adraéyu
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Re: Windherz & Rabenseele

Beitrag von Adraéyu » Fr, 25. Jan 2013 15:51

Bildchwarze Wolken hingen buchstäblich über Adraéyus Kopf, während er das Pferd an den Zügeln führte. Mit der anderen Hand stützte er sich auf dem Weg mit seinem Zweifinger Stab ab - der Langbogen, der so dick wie seine zwei Daumen war und welchen er unbespannt als Wanderstab nutzte. Nicht dass er ihn brauchen würde, denn der Weg war eben und ohne nennenswerte Erhebungen. Dennoch fand Adraéyu es beruhigend den Stab griffbreit zu haben, falls er ihn brauchen würde. Auch wenn er nicht hoffte, ihn gebrauchen zu müssen. Während er das Pferd hinter sich her zog, auf welchem die beiden Frauen saßen, grummelte er in sich hinein. Ihm ging es nicht darum, dass er nicht gehen wollte. Jedenfalls nicht primär. Die Tatsache, dass sie nicht zu dritt auf dem Pferd Platz fanden, störte ihn nur insofern, dass sie langsamer voran kamen, und somit leichter einzuholen waren, sollte ihnen jemand auf der Spur sein.

Zu allem Übel war Rahela noch sehr zickig und Adraéyu vermied es sie anzusehen. Und selbst wenn es der sperrige Lautenkasten und der Stab und die Satteltaschen irgendwie zugelassen hätten, dass sie sich zu dritt auf das Pferd gesetzt hätten, so wäre da noch immer Rahelas wachsender Bauch, welcher im Weg gewesen wäre. Aber zumindest konnte er sich ein kleines, diebisches Grinsen nicht verkneifen, als er daran dachte dass die rothaarige Schlampe, wie Rahela Eliśja nur noch nannte, hautnah hinter ihr saß, und sie sogar zaghaft umarmte, um nicht vom Pferd zu fallen. Und so setzte er stets einen Fuß vor den anderen und zog das Pferd gemächlich hinter sich her. Vögel zwitscherten in dem Dickicht der Bäume und Büsche, welche den Wegesrand säumten. Eigentlich war es mehr ein Trampelpfad, als ein Wegesrand. Eine richtige Straße hatten sie noch keine gefunden. Und der Wind rauschte durch das Blätterwerk. Doch weder Adraéyu noch eine der beiden Frauen sprach auch nur ein Wort. Allmählich verwünschte Adraéyu sich und dass sie zu dem Birkenhain gegangen waren. »Das ist alles nur die Schuld von dem verfluchten, schwarzen Geiger.«, maulte er murrend vor sich hin. »Was?«, fragte Rahela, doch Adraéyu reagierte nur mit einer abwimmelnden Geste, als ob er Fliegen verscheuchen würde. »Nix.«, brummte er und zog das Pferd ein wenig schneller.

Nach unzähligen Stunden, die Adraéyu beinahe wie der gesamte Tag vorgekommen waren, lichtete sich langsam der Wald. »Sind wir bald da?«, fragte Eliśja irgendwann mit einem Unterton in der Stimme der neugierige Ungeduld verriet. Sie war wohl auch froh, die beiden durchgeknallten Vagabunden, welche in ihr Leben geplatzt waren und dieses völlig auf den Kopf gestellt hatten, los zu werden. »Ja doch. Dauert nicht mehr lange.« Sie machte einen gequälten Eindruck. Wahrscheinlich schmerzten sie noch Aldenars, nunja zärtliche Berührungen, vom Vorabend. Doch sie konnte sich ja an nichts mehr erinnern. »Wir könnten ja noch eine Rast einlegen, und morgen früh weiterziehen.«, schlug Adraéyu vor, und beide Frauen schienen seinem Vorschlag zuzustimmen. Für Rahela war ein solcher Ritt, auch wenn das Pferd nur sehr langsam gegangen war, zweifellos auch nicht mehr sonderlich angenehm. Das Kind wuchs, und mit diesem auch der Bauch. Zweifellos war es auch ihr nicht sonderlich angenehm, so lange auf dem Pferd zu sitzen. Und zu allem Übel saß Eliśja noch so nah hinter ihr und versuchte sich immer wieder an ihr festzuhalten, um nicht vom Pferd zu fallen. Adraéyu vermutete, dass dies beinahe die größere Tortur für sie war. In diesem Moment erinnerte er sich an ihre Worte am abendlichen Feuer. Sie hielt sie für eine Schlampe. Aber viel prägender waren ihre Worte, dass sie zwanzig Jahre auf einen Mann gewartet hatte, der sie liebte. Und den auch sie liebte. Adraéyu liebte Rahela. Ja das stand zweifelsfrei fest. Er war nie der Mann gewesen, der andere Frauen geliebt hatte. Er war stets von einer Liebschaft zur nächsten gezogen. Selbst Maéve'ja, welche tiefere Gefühle in ihm geweckt hatte, als nur den Wunsch sie zu besitzen, hatte ihn weder halten können, noch hatte er ihr eine einzige Träne nachgeweint, als er sie in Merridia alleine zurückgelassen hatte. Doch Rahela war anders. Sie war beinahe wie der Wind. Sich von ihr zu entfernen, bedeutete beinahe dasselbe, nicht auf den Wind zu hören, und diesen hinter sich zu lassen. Es erschien Adraéyu zu diesem Augenblick so unmöglich, wie dem Wind mit seiner Musik zu befehlen, die Richtung zu ändern. Auch das war etwas, was er nach all den Jahren noch immer nicht geschafft hatte. Wieder schlug ihm diese Erkenntnis schwer aufs Gemüt.

Während er so nachdachte, und der Wald sich langsam zu einer vereinzelten Gruppe Bäume lichtete, suchte er eine geeignete Stelle, um das Nachtlager aufzuschlagen. Und während sie so dahingingen, oder besser gesagt; während er das Pferd führte, und die beiden Frauen sich von ihm durch die Wildnis führen ließen, da brach Eliśja irgendwann das quälende Schweigen.

Vielleicht wollte sie einfach nur reden, weil die bedrückende Stille einem fast wie eine unerträgliche Einsamkeit vorkommen konnte. Was auch nicht verwunderlich war, wenn man bedachte, in welcher Gesellschaft sie sich befand. Von Rahela ging nur eine Eiseskälte aus, und von Adraéyu nur zurückgezogenes Schweigen. Sie rutschte unruhig auf dem Pferderücken herum, um eine bequemere Haltung zu finden, doch gelang ihr dies nicht. Rahelas Blicken nach zu urteilen, ging ihr das nach einer Weile auch gehörig auf den Geist. »Kannst du nicht still sitzen?«, herrschte sie die junge Zigeunerin an, und schließlich räusperte sie sich. »Weißt du …«, setzte sie an und biss sich dann aber auf die Lippen, als ob sie die folgenden Worte am liebsten verschlucken würde. Rahela rollte mit den Augen und doch wandte sie leicht den Kopf zur Seite. »Was?«, fragte sie und aus ihren Augen blitzte ein schwarzer Schatten. Doch Eliśja hatte ihn nicht sehen können, denn dafür hatte Rahela ihren Kopf nicht weit genug nach hinten gedreht. »… Eigentlich steh' ich ja nicht auf Männer.« Eliśja wirkte leicht verlegen, als sie weitersprach. »Ich bin damals nur mit Nadiija mitgegangen, da ich naja … du weißt schon …« Doch Rahela schüttelte den Kopf. Vielleicht wusste sie es wirklich nicht. Doch Adraéyu vermutete eher, dass sie sehr wohl wusste, was Eliśja damit hatte andeuten wollen: Nämlich, dass Eliśja anscheinend sich mehr als nur in Freundschaft zu Nadiija hingezogen gefühlt hatte. Doch ließ Rahela das nicht erkennen. Wahrscheinlich wollte sie nur, dass Eliśja die Worte aussprach, damit sie sich weiter vor Rahela bloßstellte. Adraéyu verkniff sich ein diebisches Lächeln. Seine Chéla konnte ein richtiges Biest sein. Das hatte er selbst auch schon am eigenen Leib erfahren. Er erinnerte sich nur ungern an ihre zärtliche Bittersalzkur, die sie ihm heimlich verschrieben hatte. Und die verfluchte Arschkälte, alleine auf dem Lokus, mitten in dem Schneegestöber.

Schließlich fuhr Eliśja fort und überging Rahelas Kopfschütteln einfach. »Naja, sie hat mir gesagt sie wolle mir etwas zeigen …« Erneut begann sie herumzudrucksen und schließlich brachte Adraéyu es auf den Punkt. »Du warst in sie verknallt.« Sofort bereute er seine Wortwahl. Eliśja wusste ja nicht, dass Nadiija tot war, doch sie errötete nur und wandte den Blick von ihm ab. »Ich hatte eigentlich erwartet … naja … und den Rest kennst du ja … sie wollte mir wohl die Vorzüge der Männer zeigen …« Dann schwieg sie. Doch sie erntete von Rahela nur einen langen, schweigsamen Blick. Als ob Eliśja diese Geschichte erzählt hätte um Mitleid oder Vergebung zu erheischen, doch da war sie bei Rahela an der falschen Adresse. Während ihrer Erzählungen waren Eliśjas Hände von Rahelas Hüfte ein wenig hinauf gewandert. Sie war geistesabwesend gewesen. Vielleicht war sie in Gedanken auch bei Nadiija gewesen, doch als sie geendet hatte, und von Rahela den missbilligenden Blick geerntet hatte, da zog sie hastig und peinlich berührt ihre Hände von ihrem Busen zurück. »Verzeih.«, murmelte die rothaarige Zigeunerin und rutschte hastig von dem Pferd herunter. Eigentlich hatte Adraéyu noch vor gehabt, ein wenig weiter zu gehen. Aber dieser Platz war so gut wie jeder andere.

Schweigend und bedächtig schlugen sie ihr notdürftiges Lager auf. Im Grunde legten sie nur die beiden Decken aus, die sich in ihrem Gepäck befanden, und schürten ein klägliches Feuer. Es war warm genug, und ein Feuer war daher kaum nötig. Doch hatte Adraéyu ein dürres Kaninchen gefangen, welches sie über dem Feuer brieten. Sie saßen schweigend um das Feuer und jeder starrte ein wenig geistesabwesend und verloren in die Flammen.

Schließlich räusperte sich Adraéyu, um der bedrückenden Stimmung die Macht zu nehmen. »Also, wenn wir uns nicht völlig verlaufen haben, dann dürften wir drei oder vier Stunden nach dem Sonnenaufgang den Handelsplatz erreicht haben.« Rahela nickte und ihre Anspannung schien ein wenig von ihr zu weichen. Sie war es auch nicht gewohnt tagelang durch die Wildnis zu marschieren. Als sie noch die Schamanin in den wilden Landen gewesen war, da kam es nicht so häufig vor, dass sie zu den Nachbardörfern gehen musste. Meistens, wenn eine Frau in den Wehen lag, oder irgend eine seltsame Krankheit grassierte. Doch kannte sie die meisten Wege, und wusste wie lange sie unterwegs sein würde. Doch hier war das anders. Sie kannte weder das Land, noch wusste sie wie lange die Reise noch andauern würde. Diese Ungewissheit musste quälend für sie sein, und er versuchte ihr Trost zu spenden, indem er sie sanft in den Arm nahm, und sie ein wenig an sich drückte.

Später, als es bereits dämmerte, da begann Adraéyu Feuerholz zu sammeln, um das Feuer daran zu hindern zu erlöschen. Sie hatten ein wenig von dem schalen Wein getrunken, der sich noch in ihrem Gepäck befunden hatte, und das letzte Dörrobst vertilgt. Es war leicht vergoren gewesen. Wahrscheinlich war bei dem vielen Regen Wasser in die Satteltaschen gekommen und hatte das Obst ein wenig befeuchtet. Auf jeden Fall schmeckte es fürchterlich, und Adraéyu spürte den leichten Rausch, den sie davon erhielten in den Fingern. Dies war auch der Grund, warum er aufgestanden war, um das Holz zu sammeln.

Ob Eliśja ebenfalls von dem leichten Rausch ihren Mut gefunden hatte, wieder das Wort an Rahela zu richten, oder was auch immer die Zigeunerin sich dabei gedacht hatte, das konnte Adraéyu sich nicht vorstellen. Während er sich von den beiden Frauen ein wenig entfernt hatte, da begann Eliśja wieder mit Rahela zu tuscheln. Wahrscheinlich wollte sie einfach nur einen Seelenfrieden. Ohne den stetigen Hintergedanken Rahela verärgert zu haben. Wer wusste schon, was in den Köpfen von Frauen vorging? Wahrscheinlich nicht einmal die Frauen selbst. »Kannst du mir vergeben?«, fragte Eliśja und sah Rahela tief in die Augen. Die Frage war ein wenig seltsam, wenn man wusste, was Rahela und Adraéyu ihr letzte Nacht angetan hatten. Nur Rahelas Macht war es zu verdanken, dass sie es nicht mehr wusste. Sie hatte ihre Rache bekommen, ohne dass Eliśja davon wusste. Das musste den honigsüßen Geschmack der Rache noch viel befriedigender erscheinen lassen. Jeder andere Mensch wäre nach dieser Frage wohl eher beschämt gewesen, doch wenn Rahela so empfand, dann verbarg sie es sehr gut. Wenn man es genauer betrachtete, dann hatte Eliśja eigentlich viel weniger getan, als Nadiija, und dafür eine verhältnismäßig viel höhere Strafe erhalten. Ja, Nadiija war tot, doch hatte sie vor ihrem Tod nicht eine derartige Tortur durchleben müssen, wie Eliśja. Adraéyu verstand nicht, was oder ob Rahela etwas auf ihre Frage geantwortet hatte. Er war zu weit weg von den beiden Frauen gewesen, während er das Holz eingesammelt hatte. Und so schlich er, wie ein Luchs auf der Lauer, ein wenig näher, in der Hoffnung wieder etwas besser lauschen zu können. »Wären die Umstände anders gewesen, hätten wir vielleicht Freunde werden können.«, murmelte Eliśja und stocherte mit einem angekokelten Stecken in der Glut herum. Dieses Mal erwiderte Rahela nichts. Doch da sie mit dem Rücken zu Adraéyu saß, konnte sie weder ihre Blicke sehen, noch ihre Gefühle in ihren Augen lesen. Aber die folgenden Worte trafen ihn beinahe wie kalter Platzregen. »Du bist schön.«, sagte die junge Frau schließlich zu Rahela und versuchte sie zögerlich an zu lächeln. Adraéyu kniff die Augen zusammen, als ob er sich verhört hätte, und musterte die beiden Frauen. »Und du hast schöne, schwarze Haare. Wie Nadiija, ein wenig …« Sie verhaspelte sich, als ihr bewusst wurde, dass sie Rahela soeben indirekt mit Nadiija verglichen hatte. Adraéyu kann sich gerade noch ein Lachen verkneifen und unterdrückt es zu einem Prusten. Noch bevor Rahela auf diese Worte reagieren konnte, da platzte Adraéyu belustigt dazwischen. »Soll ich euch für einen Augenblick alleine lassen?«, feixte er und sah Rahela mit einem durchtriebenen Blick an, bevor er dann doch schelmisch lächelte und kurz darauf den Blick wieder abwand um so zu tun, als ob er die Beiden alleine lassen wollte.
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Adraéyu hatte noch immer eine kleine, brennende Beule am Hinterkopf, wo ihn die glühende Kohle traf, die Rahela ihm nachgeworfen hatte. Aber bereut hatte er seinen kleinen Spaß dennoch nicht. Inzwischen war es bereits beinahe Mittag, und die Zelte und hölzernen Wagen des Handelspostens ragten vor ihnen auf. Hier und da standen auch einige einfache Holzhäuser, die wenigen befestigten Gebäude dieses Ortes. Hier lebten die Münzwechsler, die Steuereintreiber und auch ein Vogt des hiesigen Fürsten, welcher sehr akribisch Buch darüber führte, welche Waren verkauft und welche gekauft wurden. Und natürlich nicht ohne den Anteil seines Herren auf die Waren aufzuschlagen.

Adraéyu hatte eigentlich keine große Lust hier allzu lange zu verweilen. Zumal er sein Kettenhemd in den Satteltaschen gelassen hatte. Er wollte nicht unnötig Aufsehens erregen, indem man sah, dass er so etwas wertvolles besaß. Das Pferd war schon wertvoll genug, um sie dafür auszurauben. Er wollte nur die rothaarige kleine Lesbe loswerden, und dann so schnell wie möglich weiterziehen. Als sie den großen Platz erreicht hatten, da schnippte Adraéyu mit den Fingern. »Na los. Steig vom Pferd ab.«, raunte er Eliśja zu und nach kurzem Zaudern, rutschte sie seitwärts aus dem Sattel und ließ sich auf den Boden gleiten. »Gut. Komm her.«, bat er sie so freundlich wie möglich und als sie neben ihm stand, da legte er ihr kurz seine Hand auf die Schulter. »Du musst hier aufpassen.«, riet er der jungen Schönheit, und flüsterte ihr dabei ins Ohr. »Aber du selbst weißt ja, wie lange deine Sippe im Birkenhain stets verweilt. Vielleicht noch eine Woche? Aber ich glaube nicht, dass sie so lange warten werden. Sie werden dich zweifellos suchen. Also wirst du hier nicht lange warten müssen.« Er redete ihr gut zu und steuerte dabei auf das Haus des Steuerschreibers zu. Der Vogt des Fürsten war die falsche Adresse. Doch der Steuereintreiber hingegen der ließ sicherlich gerne die eine oder andere Münze für sich selbst in die Taschen wandern. Und was war es schon für eine Aufgabe, auf eine junge Frau aufzupassen, bis ihr Vater eintreffen würde. Der Heller, den er dafür hergeben müsste, den sah er als Preis für seine Taten an ihr an. Ein erschreckend geringer Preis, doch mehr wollte er nun auch wieder nicht ausgeben.

Während sie über den Marktplatz schritten, da bemerkte Rahela immer wieder Stände und Wagen, die ihre Aufmerksamkeit erweckten. Doch Adraéyu zog sie unbeirrt weiter. »Wir sind nicht hier, um unser Geld auszugeben.«, murrte Adraéyu, doch Rahela widersprach ihm. »Proviant brauchen wir auf jeden Fall. Und vielleicht eine neue Decke. Diese hier ist ganz dreckig und verschlissen.« Sie deutete auf die Decke, welche unter dem Sattel auf dem Rücken des Pferdes lag, und welche sie jede Nacht als Schlafdecke benutzten. Er rollte mit den Augen, aber nickte dann eingestehend. Ja, da hatte sie Recht. Sie brauchten ein wenig Wegzehrung für die nächste Etappe ihrer Reise. Wohin diese auch immer führen würde. Adraéyu fischte sich den Beutel aus seiner Bruche und lockerte die Schnürung. Dann nahm er den Coryn, sowie die sieben Goldmünzen, sowie einen Heller für den Steuereintreiber, heraus. Aber die Silberlinge und alle Heller und Kupferstücke ließ er darin. Dann zurrte er die Kordel wieder ruckartig zusammen und warf sie Rahela in die offenen Hände. »Da! Kauf was du glaubst. Aber übertreibs nicht.«, ermahnte er sie, wohlwissend, dass sie einen Dreck auf das gab, was er ihr sagte oder gar auftrug. Aber aus diesem Grund hatte er ja auch die Goldmünzen aus dem Beutel genommen. Innerlich musste er grinsen, doch nach außen hin gab er sich streng und kompromisslos. Doch auch Rahela ließ sich keine Regung anmerken. Sie ließ einfach nur den Beutel zwischen ihrem Busen verschwinden, und zurrte kurz darauf ihr Kleid wieder zusammen. »Du solltest aber deine Armbrust an den Gürtel hängen. Das schafft Eindruck. Niemand wird sich mit einer bewaffneten Frau aus den wilden Landen anlegen. Das erspart dir sicher einige lästige Verhandlungen bei den halsabschneiderischen, schlitzohrigen Dieben von Händlern.« Dann legte er Eliśja die Hand in den Rücken, nur knapp über dem Gesäß, und schob sie vor sich her. »Ich lade sie beim Steuereintreiber ab. Warte so lange auf mich, und …«, die letzten Worte sprach er gar nicht aus. Er sah sie einfach nur eindringlich an, und wusste, sie würde es verstehen. Sie sollte sich um Himmels Willen zurück halten und keinen Streit beginnen, oder gar die Menschen mit ihrer Magie dazu bringen, von irgendwelchen Zinnen zu springen. Auch wenn es hier im Grunde genommen ohnehin keine Zinnen gab. Lediglich den großen Kornspeicherturm. Es war ein alter, steinerner Rundturm. Doch er hatte keine Zinnen, nur ein kegelförmiges, spitzes Dach, welches mit roten Ziegeln bedeckt worden war. Auf der Spitze des Daches flatterte eine einsame, verlotterte und ausgefranste Fahne im Wind. Das Wappen des Grafen, dieser Mark. Gerade als Rahela noch etwas sagen wollte, da schien ihr ein Wagen ins Augenmerk zu fallen. »Asis?«, rief sie nur ungläubig, und Adraéyu musste ihren Blicken zwangsläufig folgen. Und tatsächlich. Da stand dieser dunkelhäutige Menai. Seine Haut war beinahe so schwarz wie ein Stück Kohle. Nur seine bunten Perlen und Bänder, die er sich ins Haar geflochten hatte, oder sein prächtiges Gewand verhinderten, dass er in der Nacht gänzlich mit den Schatten des Zwielichtes verschmelzen würde. Als der Menai Rahela erblickte, da runzelte er zunächst die Augenbrauen, bevor er kurz darauf ergeben lächelte und zwei Reihen blitzweißer Zähne offenbarte. Sie würden jemanden blenden, wenn die Sonne auf sie schiene, wenn man kurz zuvor nur die gähnende Schwärze seiner dunklen Haut betratet hatte.

Adraéyu nickte für einen Augenblick, doch dann wandte er sich von Rahela ab. Sie würde sich wenigstens nicht langweilen. »Na komm. Wir gehen.«, sagte er zu Eliśja und schob sie weiter. »Ich danke dir, dass ihr mich nicht in der Wildnis ausgesetzt habt.«, sagte die Zigeunerin nur doch Adraéyu zuckte mit den Schultern.

Als sie vor dem kleinen, hölzernen Haus standen, da klopfte Adraéyu drei Mal fest gegen die Tür, bis kurze Zeit später ein gedrungener, dicker Mann die Tür öffnete. »Was ist? Wer seid ihr? Und was wollt ihr?«, blaffte er nur ungehalten. Um seinen Hals hing ein dickes, bronzenes Medaillon, mit dem Emblem der Steuereintreiber. »Verzeiht meine Störung.«, entschuldigte sich Adraéyu und deutete eine leichte Verbeugung an. Als Eliśja nichts dergleichen tat, da knuffte er ihr dezent in den Rücken, und so tat sie es ihm gleich. Ihr unbeholfenes Verhalten quittierte der Steuereintreiber nur mit einem Schnauben. Und auch Adraéyu rollte die Augen. »Hat dir dein Vater nix beigebracht?«, zischte er ihr ins Ohr. »Frauen verbeugen sich nicht. Sie machen einen Knicks.«, raunte Adraéyu und sah wieder zu dem Mann. »Und? Was kann ich für euch tun?«, fragte er blasiert und herablassend. Fast monoton, als ob es ihn einen feuchten Scheißdreck interessierte, was dieser Vagabund und dieses ungebildete Mädchen von ihm wollten. »Wir haben nur eine bescheidene Bitte.«, begann Adraéyu und kramte in seiner Wamstasche nach dem Heller. »Für eure Umstände.«, sagte Adraéyu und hielt dem Mann den Heller hin. Sofort glitzerte die Gier in seinen Augen und er schnappte sich die Münze. Dann sah er sich vorsichtig um, doch als er sich sicher schien, dass sie nicht beobachtet wurden, da winkte er hastig mit den Händen. »Kommt rein.«, zischte er und war schon im Inneren des Hauses verschwunden.

Als Adraéyu die Tür hinter sich geschlossen hatte, da baute sich der Mann, welcher auf einmal einen halben Kopf kleiner wirkte, als noch zuvor, vor ihm auf. »Und? Womit habe ich diese Großzügige Spende verdient?«, fragte er und sah Adraéyu misstrauisch, aus zwei zusammen gekniffenen Augen an. »Diese junge Frau, ihr Name lautet Eliśja, wurde von ihrem Vater getrennt. Ich hege nur die bescheidene Bitte, sie in eurer Obhut zu wissen, bis ihr Vater hier eintrifft und sie mit sich nimmt.« »Aha.«, meinte der Steuereintreiber nur und sah dann, mit einem Blick völliger Gleichgültigkeit auf Eliśja herab. Doch als er begann sie genauer zu studieren, da zauberte sich langsam, und bedächtig, ein beängstigendes Lächeln auf sein Gesicht. »Einverstanden.«, sagte er nach einer Weile, und reichte Adraéyu die Hand dar. Und dieser schlug kurzerhand ein. Er war froh, diese Sorge los zu sein, und wollte nur zu Rahela zurück. Der Mann wandte sich dann an einen großen Tisch, um die Münze, welche er von Adraéyu erhalten hatte, in einer kleinen Lade zu verstauen. Indes rutschte Eliśja an Adraéyu heran, und zupfte ihn am Umhang. »Mir ist nicht wohl bei diesem Kerl.«, flüsterte sie mit halb gebrochener Stimme. »Ach Unsinn.«, wehrte Adraéyu nur ab, doch Eliśja ließ sich nicht beirren. »Gibt es keinen anderen Ort, an dem ich warten kann?«, fragte sie hoffnungsvoll, doch Adraéyu schüttelte nur den Kopf. »Nur der Wald, oder die Gosse.«, raunte er zurück und Eliśja nickte. »Dann lass mich dort. Bitte.« Adraéyu legte den Kopf schief und bedachte dann den Steuereintreiber. Er machte einen redlichen Eindruck auf Adraéyu. »Was ist mit dir?«, hakte er nach, doch Eliśja zuckte nur mit den Schultern. »Ich habe einfach nur ein mulmiges Gefühl.«, sagte sie und Adraéyu seufzte. Wenn Rahela das wüsste, sie würde ihn nur auslachen. Warum er sich überhaupt die Mühe mit ihr machte? »Was stellst du dir vor? Ich habe ihm die Münze schon gegeben. Die gibt er nicht mehr her.« Adraéyu deutete auf den dicken Mann, welcher gerade tief unter seinem Tisch verschwand, um die Münze in seiner Schatulle zu verstauen. »Ich gebe sie dir wieder.«, sagte Eliśja doch Adraéyu lächelte nur. »Wie denn? Du hast nix.« Mit diesen Worten wandte er sich schließlich von ihr ab, und verließ das Haus.

Draußen angekommen legte er den Kopf in den Nacken und starrte kurz in den Himmel. Einige Augenblicke vergingen, während er nur in die Wolken starrte. Die Worte Eliśjas ließen ihm irgendwie keine Ruhe. Er seufzte schließlich und wandte sich auf der Schwelle um. Er legte die Hand auf den Griff, und drückte die Tür langsam auf. Er wollte schon seine Stimme anheben, um dem Steuereintreiber zu sagen, dass es sich erledigt hätte, doch kaum war die Tür offen, und Adraéyu stand in der Schwelle, da konnte er kaum glauben was er sah. Der Steuereintreiber hatte Eliśja zu Boden geschlagen, und stand bereits über ihr, mit herunter gelassener Hose. »Du?«, fragte der dicke Mann ihn ungläubig, als er Adraéyu in der Schwelle stehen sah und sein Blick verfinsterte sich. »Wie kannst du es wagen, einfach in mein Haus reinzuplatzen?«, herrschte er ihn an, und versuchte sich ungeschickt die Hose wieder hinauf zu ziehen. »Ich habe sie in deine Obhut gegeben. Nicht sie dir verkauft, du blöder Wixer.«, zischte Adraéyu und seine Hand, welche seinen Wanderstab umklammerte, krallte sich förmlich in das dicke Holz hinein. Die Knöchel traten weiß hervor und verdrängten das wenige Blut, welches durch die dünne Haut strömte, so dass sich die Haut um die Knöchel ebenfalls weiß verfärbte. »Ich lasse dich von der Wache in Ketten legen, du Lump!«, rief der Mann und stolperte zur Tür. Doch Adraéyu war schneller. Mit einem geschickten Dreher wischte er den Mann von den Beinen und drehte sich mit dem Schwung gleich weiter. Der Stab beschrieb einen Bogen und als Adraéyu sich vollends umgedreht hatte, da ließ er den Stab mit voller Wucht auf den Schädel des Steuereintreibers niedergehen. Adraéyu vernahm das unangenehme, knackende Geräusch, als ob der Schädel in zwei Hälften zerbrach. Kaum hatte er dieses Geräusch vernommen, da fluchte Adraéyu auch schon. »Scheiße! Was …« Er wollte den Mann nicht umbringen. Doch war sein Schlag ein wenig zu beherzt gewesen.

Dann wandte er seinen Blick zu Eliśja, welche ihr Gesicht in den Händen vergraben hielt, und er bedachte sie mit einem finsteren Blick. »Du ziehst Unheil magisch an, Fräulein.«, meckerte Adraéyu und eilte sogleich zu dem Tisch des Steuereintreibers. Hastig riss er die Laden auf und suchte nach der Geldkassette, doch fand er nur Schuldscheine und Bittstellerbriefe. »Was für ein Sauhaufen!«, meckerte Adraéyu. »Wie konnte der nur so fett werden. Hier ist ja gar kein Geld.«, schnaubte Adraéyu wütend und nahm schließlich nur den Schlüssel an sich, welcher mitten auf dem Tisch lag. Es war ein einfacher, eiserner Schlüssel. Ohne Zier oder Tand. »Los komm schon.«, zischte er zu Eliśja und zerrte sie ruppig auf die Beine.

Als sie aus dem Haus heraus waren, versperrte Adraéyu hastig die Tür, und war Dankbar, dass es wirklich der Schlüssel zu m Haus des fetten, toten Mannes war. Als das Schloss verriegelt war, da warf Adraéyu den Schlüssel kurzerhand weit von sich, und glättete sein Gewand. »Los. Wisch dir die Tränen vom Gesicht.«, befahl er Eliśja. »Und schau auf den Boden. Dein entgeisterter Blick, wird uns noch alle verraten.« Er zerrte Eliśja von dem Haus fort und schlängelte sich mit ihr durch die Reihen der Zelte und Wagen. Doch Rahela fand er nicht. »Wo steckt sie nur?«, fragte er sich irgendwann verzweifelt. Er fand lediglich das Pferd, doch von seiner wilden Gefährtin war keine Spur. Doch er konnte nicht ewig auf sie warten. »Los.« Er deutete auf den Waldesrand und zog das Pferd hinter sich her. »Wir gehen hier lang.«, befahl er und lenkte das Pferd hinter sich her. Er hielt den Blick stets starr auf den Wald gerichtet, während er Eliśja hinter sich herzog und sie dazu anhielt auf den Boden zu starren.

Als sie schließlich den Wald erreicht hatten, da band er erleichtert das Pferd an einen Baum und lehnte sich kurz darauf dagegen. Er atmete erst einmal tief aus, und versuchte angestrengt nachzudenken. »Danke.«, flüsterte Eliśja plötzlich, nach einer Weile des Schweigens. Er wusste zuerst gar nicht was sie genau meinte, doch dann nickte er nur. »Passt schon. Du bist einfach ein Pechvogel. Ich denke wir sind jetzt quitt hm?«, sagte er und dieses Mal war es an ihr verwirrt dreinzublicken. Wieder seufzte er und hob zur Erläuterung an. »Du hast mich beim Stehlen erwischt, ich habe dich umgehauen und entführt. Und jetzt habe ich dich vor diesem widerlichen, und zweifellos auch ungewaschenen Bastard gerettet. Quitt oder?«, sagte er und sie nickte. Die Tatsache, dass er noch weit mehr Dreck am Stecken hatte, verschwieg er und wandte schließlich seinen Blick aus dem Wald. »Du wartest hier. Ich werde Ruénja suchen gehen.«
In den Weiden werden uns're Träume klingen,
und die Winde werden uns're Lieder singen.
Lasst uns mit den Funken übers Feuer springen,

in der Walpurgis Nacht.

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Re: Windherz & Rabenseele

Beitrag von Rahela » Sa, 26. Jan 2013 16:30

Bilder Ritt war mühsam. Sehr mühsam. Eliśja hielt sich an Rahelas Hüfte fest, um sicher auf dem Pferd zu sitzen. Sie hielt sich zaghaft an, doch fest genug, dass Rahela dies als störend empfand. Sie gönnte es Adraéyu genauso wenig, mit Eliśja am Pferd zu sitzen, wie sie es sich gönnte, zu Fuß zu gehen. Ihr Bauch war noch nicht übermäßig groß, doch groß genug, so dass sie ihn allmählich als störend empfand. Eliśja wurde nach einiger Zeit auch schon ein wenig ungeduldig und Rahela war von der jungen Zigeunerin nur noch genervt. "Sind wir bald da?" fragte Eliśja und Rahela äffte sie nach. "Sind wir bald da? Kind, bitte schweig! Mir fällt es genauso schwer wie Dir, hier mit Dir am Pferd zu sitzen. Und ich darüber hinaus trage noch ein Kind ihn mir!" Sie wählte diese Worte Bedacht und mit ein wenig Stolz. Ja, am Anfang hatte sie dieses Kind als Fluch gesehen, ein lästiges Anhängsel, aber seit einiger Zeit war sie wirklich stolz darauf und trug ihren Bauch freudig vor sich her. Es war Adraéyus Kind! Sie, die Neeskia hatte das Herz von Adraéyu, des Barden, Arn, des Barden, Alerion von Vamureon oder wie er auch immer sich nannte, erobert. Und er das Ihre. Er vermutlich schneller ihres, als sie seines, aber was spielte das schon für eine Rolle! Sie ergänzten sich wirklich auf eine großartige Art und Weise. Ein Mann für Rahela durfte nicht mehr, aber auch nicht weniger schräg sein, als Adraéyu es war. Normal waren sie beide sicher nicht, doch war es nicht genau das, welches sie so gut zueinander passen ließ? Ihre heiteren Gedanken verdüsterten sich wieder, als Eliśja Finger sich wieder in Rahelas Hüften gruben um sich dort festzuhalten. "Kannst du nicht still sitzen?" herrschte sie die junge Frau nach einer Weile an, doch ihre ruppige Art schien leider nicht auf fruchtbaren Boden zu fallen. Denn Eliśja begann schließlich "Weißt Du…" und machte eine Pause, vermutlich, um bei Rahela Neugierde oder Interesse zu wecken. Nicht, dass es Rahela interessierte, nicht dass sie irgendeine Regung empfand, wie gar Höflichkeit oder dergleichen, aber trotzdem sah Rahela kurz zur Seite und hakte nach "Was?" "Eigentlich steh' ich ja nicht auf Männer…." Wie war das? Sie hegte kein Interesse für Männer? Und dennoch hatte sie sich nicht gescheut, sich auf Adraéyus Gesicht zu setzen? Eliśja erzählte weiter " Ich bin damals nur mit Nadiija mitgegangen, da ich naja … du weißt schon …" Nein. Rahela wusste gar nichts. Sie hasste nichts mehr als, wenn man zarte Andeutungen machte und sein Gegenüber in dem Glauben ließ, es dachte das genau dasselbe. Woher sollte diese Zigeunerin auch wissen, was sie dachte? Eliśja hätte alles Mögliche wollen können… Unwillig schüttelte Rahela den Kopf "Nein, ich weiß nicht, was du meinst…" Wenn sie mit Rahela unbedingt reden wollte, musste sie die Dinge schon aussprechen. Eliśja druckste weiter herum " Naja, sie hat mir gesagt sie wolle mir etwas zeigen…" "Aha… und was?" hakte Rahela ein wenig gelangweilt nach. Da schaltete sich Adraéyu ein, der bis dato geschwiegen hatte. "Du warst in sie verknallt, stimmt's?" Eliśja führte fort "Ich hatte eigentlich erwartet … naja … und den Rest kennst du ja … sie wollte mir wohl die Vorzüge der Männer zeigen…" "Soso… wollte sie das… und dafür musstet ihr Euch meinen aussuchen, oder wie?" Eliśjas Erklärungen stießen bei Rahela auf keinerlei Verständnis. "Als ob es unter Euresgleichen keine anderen Männer gab… Da waren ja durchaus ansehnliche dabei, aber ihr wolltet keinen Unfrieden in Eurer Gemeinschaft stiften, und deswegen musste es Arn sein, hab ich nicht Recht? Und hast Du wenigstens einen Vorzug entdecken können?" fragte sie interessiert nach, doch sie ließ die Zigeunerin nicht zu Wort kommen. "Vermutlich nicht, denn dazu hättest Du Dir an Nadiija's statt [18]seinen Schwanz reinschieben müssen[/18], denn lecken kann jeder, Mann und Frau. nicht wahr? Keine kluge Vorgehensweise, um sich von den Vorzügen der Männer überzeugen zu wollen…" erwiderte sie gehässig. "Du bist nicht normal, Mädchen, weißt du das? Es ist von der Natur vorbestimmt, dass Mann und Frau sich miteinander vereinigen und Kinder in die Welt setzen. Schlüssel und Schloss…Und wer keine Kinder möchte, sollte gefälligst die Beine zusammen lassen oder sich einen Knoten in den [18]Schwanz[/18] machen! Aber du bist wider die Natur…Wären alle wie Du, würde die Menschheit binnen hundert Jahren ausgestorben sein… " Rahela dachte kurz über diese Worte nach. Wollte sie nicht auch nie Kinder haben? Dennoch hatte sie ihre Beine nie zusammen lassen können. Und Adraéyu? Das wusste sie nicht, doch sie würde ihn einmal bei passender Gelegenheit fragen. Aber trotzdem war das etwas ganz anderes. Eliśja schwieg, und ihre Hände wanderten geistesabwesend ein Stück weiter hinauf. Rahela drehte sich im Sattel zu ihr um und fuhr sie aufgebracht an "Was, bei allen Göttern, machst du da?" Eliśja entzog sich hastig und murmelte "Verzeih!" Bevor Rahela noch etwas erwidern konnte, hatte das Pferd angehalten und die junge Frau war vom Pferd gerutscht.

Nun, sie alle drei hatten sowieso keine rechte Lust mehr darauf, weiter zu reiten, und so schlugen sie hier an Ort und Stelle ihr Lager auf. Ein kleines Lagerfeuerchen, über dem ein ausgemergeltes Kaninchen briet. Sie wären mit dem kläglichen Tier besser dran gewesen, es in einer Suppe auszukochen, doch sie hatten ohnehin keinen Kessel. Warum eigentlich nicht? Und es war schon dämmrig, und jetzt konnte man sich unmöglich auf die Suche nach Wurzeln, Blattgrün oder Wildgemüse machen. So also briet das kleine Jungtier über dem Feuer und Adraéyu holte die Trockenfrüchte hervor die sie noch aus Aramad hatten. Leider hatten diese Feuchtigkeit vom Regen angenommen und waren in der Sommerwärme gärig geworden. Rahela spuckte den Bissen der Dörrzwetschge ins Feuer und winkte dankend ab. Doch Adraéyu und Eliśja bedienten sich dennoch der Trockenfrüchte und Rahela beschloss, dann lieber gar nichts oder lediglich ein wenig Kaninchen zu essen. Es herrschte angespanntes Schweigen. Keiner wusste wohl so recht, was er sagen sollte. Schließlich räusperte sich Adraéyu und brach das bedrückende Schweigen. "Also, wenn wir uns nicht völlig verlaufen haben, dann dürften wir drei oder vier Stunden nach dem Sonnenaufgang den Handelsplatz erreicht haben." Er legte seinen Arm um Rahela und drückte sie ein wenig an sich. Es war tröstlich, es war gut, doch leider gab es hier keinen Raum auf ein wenig Intimität. Rahela nickte. Das war doch mal eine gute Nachricht, die drei, vier Stunden, die sie nach dem Schlafen noch mit Eliśja verbringen würde, würde sie ja noch aushalten können.

Doch falsch gedacht! Das gärige Obst und der Wein, den sie miteinander geteilt hatten, hatte Eliśja anscheinend neuen Mut gegeben. Sie konnte die Sache, einfach nicht auf sich beruhen lassen und musste immer wieder davon anfangen! Sie beugte sich zu Rahela und blickte ihr tief in die Augen. "Kannst Du mir vergeben?" Die Tatsache, dass diese junge Frau an Frauen interessiert war, ließ ein wenig Unbehagen in Rahela aufkeimen. Sie rückte von Eliśja ein wenig eg und zischte "Nein! Niemals, ich werde Dir nie und nimmer vergeben, und jetzt hör auf damit, verstanden? Ich habe mit der Angelegenheit längst abgeschlossen!" Eliśja schwieg ein wenig, dann meinte sie " Wären die Umstände anders gewesen, hätten wir vielleicht Freunde werden können." Rahela erwiderte nichts darauf. Was hätte sie schon sagen können? Dass sie davon nicht überzeugt war? Dass sie in ihrer Heimat genug Freunde hatte und keine neuen brauchte? Dass sie kein Interesse daran hegte, ein verquertes Kind zur Freundin zu haben? Nein, manchmal war es besser, zu schweigen, um jede weitere Diskussion im Keim zu ersticken. Da platzte Eliśja hervor "Du bist schön!" und versuchte, Rahela anzulächeln. "Und du hast schöne, schwarze Haare. Wie Nadiija, ein wenig…" Bei den Alten, zog sie hier etwa gar Vergleiche zu dieser Zigeunerschlampe? Rahela sah sich nach Adraéyu um, um ihm einen hilfesuchenden Blick zu zuwerfen, doch sie sah lediglich sein belustigtes Gesicht. " Soll ich euch für einen Augenblick alleine lassen?" lachte er verschmitzt und Rahela spürte, wie ihr die Zornesröte ins Gesicht stieg. Als Adraéyu sich noch gespielt abwandte, um seine Worte mit dieser Geste zu bekräftigen, da platze ihr der Kragen. Sie griff, da sich nichts anderes in Reichweite befand, nach einem Stück Glut, das aus dem Feuer gekullert war und abkühlend vor sich hin schwelte und bereits mit einer grauen Ascheschicht überzogen war, und warf es erbost Adraéyu hinter her. Sie hatte sich ein wenig die Finger daran verbrannt, doch das war es allemal wert gewesen!

Am nächsten Tag erreichten sie mittags endlich den Handelsposten! Rahela frohlockte, denn bald würden sie die unselige Zigeunerin wieder los sein! Hier gab es einige Märkte und Rahela überlegte, ob sie nicht etwas kaufen wollte. Doch wenn es um Geld ging, dann war mit Adraéyu nicht zu spaßen. "Wir sind nicht hier, um unser Geld auszugeben." Murrte er, doch Rahela wandte ein "Proviant brauchen wir auf jeden Fall. Und vielleicht eine neue Decke. Diese hier ist ganz dreckig und verschlissen." Adraéyu nickte und Rahela lächelte. Sie hatte immer Recht, auch wenn er das nicht eingestehen wollte. Er nahm den Coryn, sowie all die Goldmünzen heraus, und überließ ihr den Rest. Er warf ihr den Beutel zu und meinte "Da! Kauf was du glaubst. Aber übertreibs nicht." Rahela rollte die Augen und schüttelte den Kopf. Ein wenig zu heftig für Thârgon, denn er krächzte empört auf und schlug mit den Flügeln. "Bin ich Deine Tochter? Zeit wird’s, dass wir die Zigeunerin loswerden, du fängst ja schon an, auch mich zu bemuttern und zu bevormunden…" Dann hing sie sich den Beutel um den Hals und ließ diesen zwischen ihren Brüsten verschwinden. "Du solltest aber deine Armbrust an den Gürtel hängen. Das schafft Eindruck. Niemand wird sich mit einer bewaffneten Frau aus den wilden Landen anlegen. Das erspart dir sicher einige lästige Verhandlungen bei den halsabschneiderischen, schlitzohrigen Dieben von Händlern." Sie nickte und nahm ihre Armbrust, die an einer der Satteltaschen hing und befestigte sie an ihrem Gürtel. Rahelas Blicke durchbohrten ihn beinahe, als sie seine Hand so vertraulich auf dem Rücken, so knapp unter dem Gesäß der jungen Frau sah. Doch sie sagte nichts. "Ich lade sie beim Steuereintreiber ab. Warte so lange auf mich, und …" Die folgenden Worte sprach er nicht aus und das war auch gar nicht notwendig. Sie wusste, was er sagen wollte. Sie sollte einfach keine Schwierigkeiten machen. Sie machte gerade den Mund auf, um etwas zu erwidern, da fiel ihr einer der Händlerwagen ins Auge. "Asis?" rief sie ungläubig aus. Als dieser sie bemerkte, schien er einen Moment zu überlegen, doch dann lächelte er, und streckte die Hände zur Seite. Rahela zwinkerte Adraéyu noch grinsend zu, dann ließ sie ihn stehen und eilte zu dem Menai. Als sie vor ihm stand, konnte sie nichts anderes tun, als einfach zu lächeln. Ihr Lächeln breitete sich bald zu einem Grinsen aus und sie meinte "Dich hier zu treffen, überrascht mich!" Sie musterte ihn. Einige neue Ketten waren hinzu gekommen, und auch seine Tunika war eine andere, als beim letzten Mal. "Rabenfrau…" meinte dieser und nickte mit einer leicht angedeuteten Verbeugung. Er musterte sie von oben bis unten und meinte schließlich "Dasselbe könnte ich für Dich sagen… Möchtest Du kommen in meinen Wagen und etwas mit mir trinken?" Rahela nickte "Gerne". Er deutete mit seiner Hand einladend zum Eingang seines Wagens und schob sie, die Hand in ihren Rücken gelegt, weiter.

Im Wageninneren bot er ihr einen Platz auf seinen Sitzkissen an und Rahela nehm im Schneidersitz darauf Platz. Aus einem kupfernen Gefäß, welches an einen Samowar erinnerte, goss er in zwei Becher dampfend heißen Tee. Als er sich Rahela wieder zuwandte, lächelte er und reichte ihr einen der Messingbecher. Dann nestelte er aus einem seiner Beutel eine Trockenfrucht und hielt sie dem Raben hin. Begierig schnappte er sich diese und flatterte damit auf den Boden und begann, die Frucht mit seinen Krallen umfasst, zu bearbeiten. Erwartungsvoll sah Asis sie an, während Rahela an dem heißen Tee nippte. Sie hatte schon lange keinen Tee mehr getrunken, fiel ihr auf und sie seufzte auf. "Was treibt Dich aus den wilden Landen in die gefallenen Reiche, Rabenfrau?" "Viel ist passiert, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben…" meinte Rahela. Er deutete auf ihren Bauch und meinte "Ich habe es bemerkt…" Rahela errötete leicht. "Ist es…" begann er vorsichtig, doch sie unterbrach ihn, mit den Händen abwehrend "Bei den Göttern, nein! Ganz bestimmt nicht…" lächelte sie und seine Miene entspannte sich wieder und er nickte verstehend. "Von wem ist es?" fragte er ganz unverblümt. "Arn, der raéyunsche Barde, Dd kennst ihn, oder?" Er nickte und lächelte wissend. "Habt ihr beiden…" begann er und Rahela sah ihn fragend an. "…einen Bund geschlossen?" Rahela errötete erneut und schüttelte den Kopf. "Er ist mein Chéol…" Asis sah sie fragend an doch Rahela winkte ab. Sie hatte keine Lust, dieses Wort erneut zu erklären. "Wir gehören zusammen, das genügt…" "Du siehst zufrieden aus, Rabenfrau. Besser, als beim letzten Mal…" Mit diesen Worten verschüttete er etwas von dem Tee auf den Boden und murmelte "Für die Götter..." Rahela nickte "Das bin ich auch, es hat sich alles zum Besten gewendet" meinte sie und trank erneut einen Schluck Tee. "Das ist gut, ein Kind ist immer ein Segen von den Göttern. Ob von deinen, oder von meinen Göttern, es bleibt immer ein Segen." Rahela lächelte schief. Wenn er wüsste, welche Wellen dieser Umstand geschlagen hatte. "Das hoffe ich…" meinte sie. "Wann kehrst du zurück, in die wilden Lande?" erkundigte er sich. Ein Schatten huschte über ihr Antlitz. "Ich weiß es nicht. Wann wirst Du wieder zum Faernach Clan fahren?" Asis antwortete ihr. "Noch diesen Herbst. In einer Woche brechen wir auf. Wir fahren dieses Mal ein wenig früher, damit uns ein früher Winter nicht überraschen kann. Du kannst Dir denken, wie langsam man mit dem Wagen durch Deine Heimat kommt." Sie nickte. "Soll ich Euch mitnehmen?" bot er ihr an, doch sie lehnte dankend ab. "Vielen Dank für Dein Angebot, aber das geht nicht…" Was sollte sie ihm auch von Adraéyu und dem Ruf des Windes erzählen? Geschweige denn von den anderen Begebenheiten, die passiert waren? "Kannst Du Benwick, Ruka tu nemia Faernach eine Nachricht von mir überbringen?" Er nickte. "Gerne…" Sie überlegte einen Augenblick. Was sollte sie Benwick überhaupt ausrichten lassen? Wer wusste schon, ob er nicht mit ihr gebrochen hatte und es ihn gar nicht interessierte, ob es ihr gut ging? Sie zuckte die Schultern "Sag ihm bitte, dass es mir gut geht, und dass es mir sehr leid tut, dass ich noch nicht nachhause kommen kann…Und dass ich mich freuen würde, wenn es auch in Zukunft einen Platz für mich im Faernach Clan gäbe." Sie senkte ein wenig scheu den Blick. Das war auch für Asis genug Information, dass er sich seinen Teil zusammen reimen konnte. "Danke… Ich heiße übrigens Rahela, falls Du es vergessen hast, falls Benwick nicht weiß, wer die Rabenfrau ist…" zwinkerte sie ihm zu. "Ich habe es nicht vergessen, ich finde Rabenfrau hübscher." Sie lächelte. "Bist Du noch zufrieden mit deiner Hautmalerei?" fragte er sie und ihr Lächeln verschwand. "Es ist leider zerstört worden…" Asis sah sie unverständlich an. "Ich verstehe nicht…" "Ein Peitschenhieb…" meinte sie mit Bedauern in ihrer Stimme. Er nickte. "Lass es mich ansehen…" bat er und sie nickte. Sie öffnete die Brustschnürung ihres Kleides und schob das Kleid auf der rechten Schulter hinab und strich sich ihr langes wildes Haar auf die andere Seite. Asis ließ seine Hand über die Narbe, die den Raben entzwei geteilt hatte, gleiten. Sie erinnerte sich dabei an den intimen Moment, den sie miteinander geteilt hatten, doch sie nahm es emotionslos hin. Sie war voll und ganz Adraéyu ergeben und hegte keinerlei Interesse daran, intensiver in ihren Erinnerungen zu schwelgen, oder diese gar aufzufrischen. "Soll ich es Dir ausbessern?" fragte er. "Geht das denn?" hakte sie nach. "Natürlich…" "Dann bitte ich darum…" Er nickte. "Sollen wir gleich damit beginnen?" Sie nickte. Er holte das ihr bekannte Farbtöpfchen hervor und dieses ebenso vertraute nadelartige Instrument, welches ihr schon beim letzten Mal, solche Schmerzen bereitet hatte. Doch sie war gewillt, diese Schmerzen auszuhalten, um den Raben wieder ganz zu wissen. Er wischte ihr die Schulter mit einem Alkoholgetränktem Lappen ab und öffnete das Döschen mit der schwarzen Farbe. Dann tauchte er die Nadel in die Farbe und begann vorsichtig, in die vernarbte Haut zu stechen. Rahela zuckte dabei zusammen. Es schmerzte weitaus mehr als beim ersten Mal. Vielleicht war sie durch die Schwangerschaft auch einfach nur ein wenig empfindlicher geworden. Nach einer ganzen Weile war er fertig. Er tupfte vorsichtig mit einem sauberen Lappen darüber und bestrich die Schulter mit einer Heilsalbe und legte einen losen Verband darüber. "Danke, Asis…" meinte sie, während sie ihr Kleid wieder über die Schulter zog und vorne verschnürte. Dann trank sie ihren Tee aus. Sie hatte sich nun schon zulange bei ihm aufgehalten. Vielleicht suchte Adraéyu sie schon. Das Mädchen abzuladen, konnte schließlich nicht so lange dauern. "Ich möchte noch gerne etwas von deinem wunderbaren Pfeifenkraut kaufen" meinte sie noch. "Und von deinen Trockenfrüchten." Er nickte. Rahela überlegte kurz. Sie würden eine ganze Weile unterwegs sein. Sie kaufte Pfeifenkraut für drei Heller, und Trockenfrüchte für zwei. Es war jeweils ein ganz schön dickes Säckchen. Bevor sie sich zum gehen umwandte, meinte er "Warte, Rabenfrau..." Er wandte sich in seinem Wagen um und kramte in einem Kasten etwas hervor. Es war eine schmucke weiße Flasche mit filigranen blauen Mustern bemalt. Asis hielt sie Rahela hin und meinte "Für deinen Chéol... Er mochte ihn, aber ich glaube, er war ihm zu teuer. Grüß ihn von mir." "Was ist das?" fragte Rahela neugierig. "Rum..." Sie nickte, doch sie wusste nicht, was das sein sollte. Egal, Adraéyu würde sie bei Gelegenheit sicherlich aufklären, wie er es sonst immer gerne tat. "Ich danke dir, er wird sich bestimmt freuen!" Asis verneigte sich leicht und dann warf sie sich ihm einfach an den Hals und umarmte ihn zum Abschied und in ihrem Inneren war sie ein wenig traurig. Doch sie war sich sicher, irgendwann würde sie dem schwarzen Menai wieder begegnen…

Sie schlenderte gemächlich über den Markt. Suchend sah sie sich nach Adraéyu um, doch sie konnte ihn nirgendwo entdecken. Das Pferd allerdings auch nicht. Es verwirrte sie ein wenig. Hatte man ihnen das Pferd gestohlen? War er mit dem Pferd davon? Oder hatte er es gar der Zigeunerin gegeben, damit sie von hier aus zum Birkenhain reiten konnte? Nein, so dumm und vor allem großzügig war er sicher nicht. Rahela ging auf einen Marktstand zu, der Lebensmittel aller Art anbot. Rahela begann, nach gewohnter Manier, und wie Adraéyu es gar nicht leiden konnte, gar nicht erst zu feilschen. Es lag ihr einfach nicht im Blut, und sie hatte immer noch keine Begriffe von Geld und dessen Wert. Sie erstand Trockenfleisch, Brot, ein saftiges Stück Schinken und einiges Frischgemüse. Alles wurde in ein kleines Stück dünnes Leder gewickelt und dann schritt sie weiter. Der nächste Stand, an dem sie stehen blieb, war ein Stand, an dem es allerlei Alltägliches gab. Stoffe und Decken gab es hier ebenso wie Waffen, Geschirr und anderen Tand. Doch hatte sie nicht erst kürzlich einen Topf vermisst? "Wie viel kostet dieser Topf?" fragte sie den Händler und sie ließ ihre Hand auf dem gusseisernen Ding ruhen. "Nur fünf Heller, werte Frau!" rief der Händler geschäftstüchtig und umschmeichelnd. Sie kramte in ihrem Geldbeutel. Sie zählte nach und es befanden sich noch acht Heller darin. Sie schüttelte den Kopf. "Das ist mir zu teuer… ich brauche auch eine Decke…" "Wie viel habt ihr, werte Dame?" Rahela antwortete "Acht Heller…" Er schüttelte den Kopf. "Dafür könnt ihr nicht beides erstehen. Die Decke kostet auch fünf Heller… Ihr habt also zwei Heller zu wenig" Rahela wiegelte ab. Topf oder Decke? Sie entschied sich schließlich für den Topf. Der Händler war froh, ein Geschäft gemacht zu haben und Rahela ärgerte sich ein wenig, dass Adraéyu nicht hier war. Die Decke würden sie brauchen, komme, was da wollte. Und wo war er überhaupt? Ein wenig unsicher sah sie sich um und sie wünschte sich, er wäre hier. Er hätte dem Händler die Decke bestimmt für zwei Heller weniger abgeluchst. Sie hatte ihm ja schließlich versprochen, keine Magie zu wirken. Und doch, wem schadete es schon?

Doch ihre Gedanken, den Händler einfach zu lenken, um ihm für drei Heller die Decke abzuluchsen, wurden von einigen aufgebrachten Stimmen unterbrochen. "Der Steuereintreiber! Er ist tot!" "Bei den Sieben! Was ist passiert?" "Woher soll ich das wissen? Der Kerl liegt im Steuerhaus blutüberströmt am Boden, so, als ob ihm jemand den Schädel eingeschlagen hätte!" "Ein Raubmord?" "Ich habe keine Ahnung!" "Heieiei! Man muss sofort den Vogt verständigen!" "Nein, den Fürsten!" "Ob sich der Fürst für solche Belange interessiert? Reicht es nicht, den Vogt zu verständigen?" "Egal, irgendjemand muss verständigt werden!" Rahelas Gedanken drehten sich im Kreis. Warum wurde sie das untrügliche Gefühl nicht los, dass Adraéyu hier seine Finger im Spiel hatte? Allmählich wurde sie nervös. Es würde sicher nicht allzu lange dauern, dann würde es hier von Wachen oder gar einer Garde des Fürsten hier nur so wimmeln. Und wer weiß, was Eliśja ihnen erzählen würde, wenn es soweit käme, man konnte dem jungen Ding einfach nicht trauen! Zumindest Rahela tat es nicht, bei Adraéyu war sie sich mittlerweile nicht mehr so sicher. Während sie, deckenlos, durch den Markt lief, auf der Suche nach Adraéyu, erblickte sie einen Stand, dessen Besitzer ihr ebenso bekannt vorkam, wie Asis. "Bodo!" rief sie erfreut und der untersetzte kleine Mann wandte sich jäh um, als er seinen Namen vernahm. Als er Rahela erblickte, blieb ihm der Mund offen "Bei den alten Göttern! Rahela!" rief er erfreut und sein Gesicht strahlte. Als er ihren Bauch betrachtete, ging ein breites Grinsen über sein Gesicht. "Bei den Sieben… nein, bei den Alten! Das kann es doch nicht geben! Du, und schwanger? Oder hast Du nur zu viel gefressen?" Rahela lachte und schüttelte den Kopf. "Nein, Du siehst schon richtig…" Er nahm sie bei der Hand, als sie näher getreten war. "Komm, setz dich, du musst bei meinem Stand nicht herumstehen. Magst Du was trinken? Darfst Du überhaupt? Ach, ein kleiner Schluck Sommerwein wird schon nicht schaden!" Damit drückte er sie auf einen kleinen Hölzernen Schemel, der hinter dem Tisch stand, auf welchem seine Waren aufgebaut waren und ging zu einem kleinen Fass aus welchem er ein wenig hellgelbe Flüssigkeit in einen Becher laufen ließ. Dann verschloss er den Zapfhahn wieder und reichte ihn Rahela. "Lass ihm ein wenig Zeit zum Atmen, das lässt sein volles Aroma ausreifen!" hob er mahnend den Zeigefinger. "Währenddessen kannst du mir ja erzählen, warum du hier in Córalay bist!" meinte er neugierig und lehnte sich gegen seinen Tisch und verschränkte die Arme vor der Brust. "Du meine Güte, was soll ich sagen… Du wirst es ohnehin erfahren, wenn du wieder zum Faernach Clan reist, nicht wahr?" Er grinste. "Ich nehme es stark an, und wenn nicht dann spendiere ich eine Flasche Wein, die bringt jeden zum Singen…" "Es ging ziemlich hoch her im Clan. Mein Vetter wurde das neue Oberhaupt meiner Familie und hat sich dementsprechend aufgeführt. Er wusste, dass ich eine Schwäche für den Barden hatte und wollte mich mit einem von Benwicks Hersen verheiraten…" Bodo pfiff durch die Zähne und lachte. "Und was ist dann passiert?" "Nun ja, ich wurde zeitgleich schwanger" meinte sie und legte ihre Hand demonstrativ auf ihren Bauch. Er lachte. "Von wem? Von dem Hersen? " "Nein, von Arn…" lachte sie. "Und dann wollte mich der Herse nicht mehr…" zwinkerte sie Bodo zu. "Arn… Arn… Wer ist das noch gleich?" dachte er laut. "Ein Barde… keiner von uns Wilden… Schwarze Haare, der Raéyun…" "Ah, ja, jetzt weiß es wieder! Der mit dem seltsamen roten Auge, nicht wahr?" "Eben der…" meinte sie und nippte an dem Wein. " Oh, der schmeckt gut…" meinte sie. "Ja, nicht wahr? Ein leichter, fruchtiger Wein… Der Raéyun war damals auch bei mir…Hat mich über einen Alambic ausgefragt, hat ein wenig von mir gekauft, viel gefeilscht…" "Ja, das ist Arn…" lachte sie. "Komischer Kerl, was findest du nur an dem?" Rahela verzog unwillig die Augenbrauen und unterbrach ihn harsch "Schweig, Bodo, jetzt gehst Du zu weit… Das geht Dich einen Scheißdreck an…" Er hob abwehrend sie Hände. "Das ist meine Rahela! Feine Wortwahl, wie immer… Verzeih, verzeih! Ich hab's ja nicht so gemeint…" Sie nickte versöhnlich. Wenn sie nur gewusst hätte, wie unverschämt Bodo Adraéyu damals behandelt hatte, sie wäre wohl nicht so versöhnlich gewesen. Und wer konnte die Liebe schließlich schon erklären, oder in Worte fassen, was genau so maßgeblich dafür war, dass man einen Menschen so sehr liebte, wie sie es tat? Sie wusste selbst nicht, was ihr an Adraéyu so gefiel. Er war einfach wie für sie geschaffen, das konnte sie nie und nimmer in Worte fassen. Er war einfach der Mann, an dem ihr ganzes Herz hing, und damit hatte es sich.

Schließlich wechselte sie das Thema. "Wie laufen Deine Geschäfte? Hat mein letzter Zauber Dir geholfen?" Bodo nickte "Das hat er, tausend Dank Dir… Wissen die Götter, warum wir uns jetzt und hier über den Weg laufen, aber könntest Du…" Dabei verschwand er kurz in seinem Wagen und kam mit einer kleinen Schatulle wieder zurück. "Ich habe hier ein Stoffstück eines Nebenbuhlers…" meinte er verächtlich. "Wenn er nicht wäre, wäre ich zufriedener…" "Du bist nie zufrieden, Bodo, aber gib nur her, ich kümmere mich darum…" Bodo nickte dankbar und holte aus der Schatulle ein unscheinbares Fetzchen groben Leinenstoffs. "Ich nehme es an mich, doch ich mache es nicht heute und hier… Es herrscht hier sicher bald ein Trubel wegen des Steuereintreibers…" Sie sah sich ein wenig unsicher um. "Ja, ich habe davon gehört. Dieses unselige Lumpengesindel! Wer weiß, was für einen Sack sie uns nun hierher schicken. Vielleicht ein noch gröberer Arsch als der Letzte…" schimpfte er ein wenig aufgebracht. Rahela verwahrte das Stück Stoff in ihrem ohnehin leeren Geldbeutel. "Mach dir keine Sorgen, es wird sich alles in Wohlgefallen auflösen, so wie immer…" beschwichtigte sie ihn. Sie hatte Lust auf Wein. "Was gibst Du mir dafür?" kniff sie die Augen zusammen. "Ich habe schon gehofft, Du fragst mich nicht..:" scherzte er. "Nein, such Dir was aus. Rahela lächelte herausfordernd und ein klein wenig boshaft. "Ich möchte etwas von dem Goldenen, aber nicht die kleine Flasche… Und noch eine von dem Sommerwein, und noch irgendetwas, was Du mir empfehlen kannst…" "Du willst mich an den Bettelstab bringen!" rief er in gespielter Verzweiflung, doch er händigte ihr die gewünschten Flaschen aus. "Nein, ich sorge eben dafür, dass dies nicht passiert" lächelte sie wissend, während sie die drei Flaschen neben dem vielen anderen Zeug in ihrer übervollen, mittlerweile recht schweren Tasche verstaute und nahm noch einen Schluck aus dem Becher. Plötzlich spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter. Sie wandte sich um, die Hand gehörte zu Adraéyu, welcher ohne die Zigeunerin zurück gekommen war. "Ah, hier bist Du!" meinte sie und strahlte über das ganze Gesicht. "Ihr kennt Euch noch, aus den wilden Landen, nicht wahr?" meinte sie. "Wir sollten allmählich aufbrechen" meinte sie, während sie sich von dem Schemel erhob. "Der Steuereintreiber wurde umgebracht" meinte sie leise, so dass es nur Adraéyu hören konnte und sie sah ihn dabei herausfordernd an…
Sie ist eine Frau! Und alle Frauen sind böse...!

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Re: Windherz & Rabenseele

Beitrag von Adraéyu » So, 27. Jan 2013 23:00

Bilderade als Adraéyu gehen wollte, da hielt ihn Eliśja am linken Handgelenk fest. »Warte noch.«, sagte sie mit verhaltener und beinahe gebrochener Stimme. Adraéyu hielt inne und wandte sich auf halbem Fuße um, um ihr ins Gesicht sehen zu können. »Was ist denn noch?«, fragte er ein wenig müde. Er wurde ihrer langsam überdrüssig. Die anfängliche Schwärmerei, welche er für sie empfunden hatte, als er sie das erste Mal am Feuer gesehen hatte, war vergangen. Jäh schoss ihm das Bild durch den Kopf, welches er gehabt hatte, als er sie zum ersten Mal gesehen hatte, wie sie zwischen den ganzen Zigeunern, schüchtern am Feuer gesessen hatte, und zu seinen Liedern gesungen hatte. Es war ein vertrautes Bild gewesen. Und nur wenig später hatte es sich bewahrheitet. Wie er und Rahela sie sich gefügig gemacht hatten, und er sie beide zugleich gehabt hatte. Nie hätte er sich träumen lassen, dass dieser spontane Gedanke Wirklichkeit werden würde, und vor allem nicht so schnell. Vielleicht waren hier auch höhere Mächte am Werk gewesen?

Doch nun empfand er anders. Sie biederte sich an. »Ich stehe in deiner Schuld.«, sagte sie doch Adraéyu legte den Kopf schräg. »Ich sagte doch, wir sind quitt.« Doch sie ließ sich nicht beirren. »Du hast dem Steuereintreiber viel Geld gegeben ...«, setzte sie an, und sogleich wurde sie von Adraéyu unterbrochen. »Ja …«, grummelte er. »… und gefunden habe ich es in der Eile auch nicht wieder.« Eliśja schlug die Augen nieder. »Doch ich kann es dir nicht zurück zahlen. Ich besitze keinen Heller.« Eliśja seufzte, doch Adraéyu winkte nur ab. »Lass gut sein. Sie ließ ihre Hände langsam seinen Arm hinauf wandern, und als sie die Schulter erreicht hatte, da glitt ihre Hand, beinahe wie von selbst, an seiner Brust herunter und Adraéyu überkam eine leichte Gänsehaut. Doch dann wehrte er ihre Berührungen ab und hielt ihre Hand fest. »Sag, stehst du nicht auf Frauen?«, fragte Adraéyu herausfordernd, und sie hielt für einen Moment inne. Sie wirkte verlegen und ein wenig aus dem Konzept geworfen. »Ja. … schon.«, stotterte sie verdattert und entwand zuerst ihre Hand der seinen und zog sich schließlich von ihm zurück. Sie drehte ihren linken Fuß ein wenig auf der Stelle und sah mehr an ihm vorbei, als ihm in die Augen. Adraéyu kannte dieses Phänomen. Nur wenige konnten seinem seltsamen Blick lange standhalten. Die Andersartigkeit seiner Augen war befremdlich genug, doch zwei verschiedene Augenfarben waren für die meisten einfach zu viel. Zumal das eine davon bedrohlich und rötlich schimmerte. »Aber mir fällt keine andere Möglichkeit ein, meine Dankbarkeit zu zeigen.«, sagte sie irgendwann und Adraéyu musste erheitert lachen. »Und du glaubst, ich bin so einfach gestrickt, dass du dich auf solche Weise bedanken müsstest?« Wieder sah sie ihn verwirrt an und Adraéyu genoss es regelrecht, sie so vorzuführen. Es war beinahe erfrischend, wie einfältig sie war. »Nun ehm …«, nuschelte sie, doch fiel ihr nichts mehr wirklich ein. »Findest du mich nicht hübsch?«, fragte sie ausweichend, und Adraéyu grinste verschmitzt. Diese Frage hatte er schon oft gehört. Meist von Frauen, die wirklich nicht schön waren. Nein, das war noch viel zu nett umschrieben. Einige waren ihm viel zu dick gewesen, oder hatten eine unansehnliche Warze im Gesicht, oder einen seltsamem Buckel auf der Nase. Adraéyu war ein pingeliger Mensch, und all die Jahre auch sehr oberflächlich gewesen. Doch hier war es anders. Eliśja war äußerst schön. Und was sie selbst nicht wusste, denn Rahela hatte sie ja mit einem Bann belegt, er wusste wie sie nackt aussah. Und sie war außerordentlich schön.

Also seufzte Adraéyu »Wenn du wüsstest, Mädchen.«, sagte er nur auf ihre Frage, und dachte dabei an die unredliche Nacht, in welcher er sie geschändet hatte. »Nenn mich nicht Mädchen, ich bin eine junge Frau.«, sagte sie ein wenig bestimmter und Adraéyu war ein wenig verwundert, von dem Feuer, welches auf einmal in ihren Augen loderte. »Ja das bist du, in der Tat.«, musste Adraéyu zugestehen, doch wandte er sich erneut von ihr ab. Er hatte das Interesse an diesem Gespräch verloren. Doch als er sich von ihr abwandte, da trat sie forsch einen Schritt vor, und so schnell konnte Adraéyu gar nicht reagieren, da hatte sie bereits ihre Hand auf sein Gemächt gelegt. Völlig überrumpelt glotzte er sie an, und ihm fiel nichts anderes ein, als die selbe Frage, welche er schon zuvor gestellt hatte. Nur dieses Mal schwang mehr überraschte Verwunderung, als höhnischer Spott mit. »Sag, hattest du nicht gesagt, du stehst auf Frauen?«, fragte er, und sie nickte nur verlegen, wobei Adraéyu es langsam irgendwie so vor kam, dass sie dieses gezierte Verhalten ihm nur vorgaukelte. »Und was soll das?«, fragte er dann. Doch sie zuckte nur mit den Schultern. »Ich weiß, ich bin nicht normal … hat Ruénja schließlich auch gesagt …« Mehr sagte sie nicht, sondern drückte ihm ihre Lippen auf die seinen und forderte einen innigen Kuss. Und nach nur wenig Widerstand, gab er ihn ihr. Seine Hände hielten ihre zarten Hüften, und ihre hingegen rutschten ihm geschickt unter das Hemd.

Im selben Moment wurde ihm schlagartig bewusst, was hier geschah, und er drückte sie von sich fort. Die Magie der Frau! Adraéyu hatte einmal gehört, dass überall, wo eine Frau war, auch ein Zauber war. ›Hatte Rahela so etwas einmal gesagt?‹ Er versuchte seine Gedanken zu ordnen, und beachtete Eliśja s empörte Blicke gar nicht. ›Wann hatte sich das Mädchen so verändert?‹, versuchte sie sich heraus zu reden, doch Adraéyu runzelte nur die Stirn. Irgendwie war ihm diese Situation sehr befremdlich. »Worauf wartest du?«, zischte mit einem mal die innere Stimme, die ihm so vertraut und zugleich auch so verhasst war. »Nimm sie dir!«, befahl er ihm und beinahe buchstäblich nahm Adraéyu auch den wohlbekannten Aldenar wahr, wie er neben ihm stand, die Arme vor der Brust verschränkt hatte, und ihn abfällig ansah. Natürlich stand diese Person nicht wirklich dort, mitten im Wald. Nur Adraéyu konnte ihn sehen. Es war wie eine Art Wahnvorstellung oder geistiger Manifestation. Es war die Art und Weise, wie sein Geist mit dieser zweiten Persönlichkeit umging, ohne völlig verrückt dabei zu werden. Vielleicht brauchte sein Verstand einen sichtbaren Gegenüber, welchem er diese befremdliche und doch zugleich so unangenehm vertraute Stimme zuordnen konnte. Früher, als Aldenar sich noch nicht selbst Aldenar genannt hatte, und Adraéyu ihn nur als das böse, dunkle Ich betitelt hatte, da sprach er stets mit dem Nichts, oder der Dunkelheit. Doch seit einigen Wochen erschien immer wieder diese Gestalt vor seinem geistigen Auge. Seine tiefen, bernsteinfarbenen Augen leuchteten ihm stets bedrohlich entgegen, und sein langes, offenes Haar tauchte sein Gesicht stets in einen unwirklichen Schatten. Adraéyu erwischte sich auch immer wieder dabei, dass er mit Aldenar offen redete, als ob er wirklich und leibhaftig vor ihm stünde. Sein Geist schien in einen Zustand abzurutschen, im welchen er die Wirklichkeit und seine Gedanken nicht mehr voneinander zu trennen vermochte. Sehr zur Verwirrung anderer, beistehender Personen, welche Aldenar natürlich nicht sehen konnten. »Nein.«, sagte Adraéyu bestimmend, und sowohl Aldenar, als auch Eliśja sahen ihn entrüstet an. »Wieso nicht?«, fragte Eliśja verwirrt, denn zuvor hatte er doch noch den Kuss erwidert. »Ja, warum nicht?«, fragte Aldenar belustigt. »Du weißt genau warum.«, antwortete er Aldenar, denn Eliśja war für ihn in diesem Augenblick weder existent, noch von Bedeutung, wenn er sie wahrnehmen würde. »Du bist ein Narr.«, blaffte Aldenar nur und stellte sich demonstrativ neben Eliśja, um Adraéyus Aufmerksamkeit wieder auf die rothaarige Zigeunerin zu lenken. Und es gelang ihm damit auch. Welches falsche Spiel er hier auch zu spielen versuchte, er war sehr geübt darin. Adraéyu jedenfalls bemerkte nur den diebischen Blick in Aldenars Gesicht. Doch konnte er die Gedanken seines dunklen Ichs nicht lesen. Doch war dies auch nie nötig. Er versuchte stets Zwietracht zu säen und arbeitete stets nur für den eigenen Vorteil. »Letztes Mal, musste ich es zu Ende bringen, da dir die entschiedene Manneskraft dafür gefehlt hatte.«, schnaubte Aldenar verächtlich und grinste Adraéyu überheblich an. »Nein, noch besser. Rahela hat mich dazu aufgefordert, es ihr zu geben. Sogar sie war von deiner Leistung enttäuscht! Du hast sie doch beinahe um ihre wohlverdiente Rache gebracht, nur wegen ein paar Tränen. Schwächling!« Aldanar spie Adraéyu die Worte förmlich entgegen. »Doch jetzt? Sieh sie dir an! Sie würde sich dir bereitwillig hingeben, aus falscher Dankbarkeit. Ha!« Aldenar stieß ein einzelnes lautes Lachen hervor. »Wenn die dumme Kuh nur wüsste.«, murmelte Aldenar und Adraéyu nickte. »Eben deshalb.« Da rollte Aldenar nur die Augen und winkte die Worte Adraéyus hinfort, wie lästige Insekten. »Du bist ein Waschlappen. Du hast es letztes Mal einfach nur nicht gepackt. Zu viele Tränen und zu wenig rassiges Blut, wie bei deiner ach so geliebten Rahela. [18]Sie war stümperhaft und zierte sich. Adraéyu braucht williges Fleisch zum ficken. Kann es nichtmal einem kleinen Flittchen wie dem da richtig besorgen.[/18]«, spöttelte Aldenar weiter und heizte so Adraéyus Ego weiter an. Und langsam gelang es ihm auch.

Und Aldenar trieb es noch immer weiter. Und Adraéyu ließ sich von ihm einlullen, anstatt einfach zu gehen, wie er es vor gehabt hatte. Irgendwann platzte ihm dann der Kragen. »Sei bloß still!«, rief er erbost, und kurz darauf zuckte Eliśja zusammen. Aldenar hingegen verschränkte nur die Arme und grinste. Und dieses Grinsen machte Adraéyu so wahnsinnig, dass er sich schließlich an Eliśja wandte und ihr tief in die Augen sah. »Du willst also dankbar sein?«, fragte er und die junge Frau sah ihn nur unsicher an. Doch ohne eine weitere Antwort abzuwarten, da öffnete er seinen Gürtel und auch die Schnürung seiner Hose. Als er die Hose, sowie die Bruche geöffnet hatte, ließ er den Stoff zu Boden gleiten und nahm sein Gemächt in die Hand. »Dann sei dankbar.«, forderte er sie nur auf und wackelte, wie zur Aufforderung, ein wenig mit der Hand. Zuerst sah sie ihn nur verblödet an, doch relativ bald begriff sie, worauf er hinaus wollte, und ging vor ihm in die Knie.

[18]Langsam rutschte sie auf den Knien zu ihm, und nahm seinen Schwanz in die Hand. »Nur zu.«, ermunterte er sie, und kurz darauf leckte sie vorsichtig darüber. Natürlich war sie vorsichtig und zögerlich. Sie hatte so etwas ja noch nie gemacht, und diese unschöne Erinnerung von vor zwei Nächten, war aus ihrem Geist wie weggeblasen worden. Als sie sein Gemächt schließlich in den Mund nahm, da bemerkte er den angewiderten Blick, den sie auf dem Gesicht trug und er entzog sich ihr.[/18] »Lass es sein.«, murrte Adraéyu und begann sich die Hose wieder hinauf zu ziehen. ›Was habe ich mir nur dabei gedacht?‹, fragte er sich augenblicklich insgeheim, und da fiel sein Blick wieder auf Aldenar, welcher noch immer da stand, mitten im Wald, und ihn ansah. ›Du!‹, zischte Adraéyu innerlich doch Aldenar reagierte nicht. »Warte.«, sagte Eliśja schließlich und umfasste Adraéyus linkes Handgelenk. »Ich will es aber wissen.«, flüsterte sie leise. »Was willst du wissen?«, hakte Adraéyu ungläubig nach und legte den Kopf ein wenig schief. »Wie es ist … bei einem Mann zu liegen.«, antwortete sie langsam und Adraéyu musste unweigerlich ein wenig seine Mundwinkel verziehen. »Wenn du wüsstest.«, sagte er nur und dachte erneut an jene verhängnisvolle Nacht, die er selbst am liebsten aus seinem Gedächtnis streichen würde. »Ja, zeig es ihr.«, kommentierte Aldenar gehässig und Adraéyu wurde nur wütend. Doch insgeheim weckte diese Szene die Lust in ihm. Er wollte Aldenar am liebsten das Maul stopfen, und dieser dreckigen Dirne gleich mit, doch zugleich wollte er diesem dummen, unerfahrenen Ding zeigen, was die wahren Vorzüge eines Mannes waren.

Und so drückte er sie sanft in den moosigen Waldboden und schob ihr langsam die Röcke hinauf. »Lass dich fallen.«, sagte er ihr, und sie schloss die Augen und nickte hastig. [18]Er drückte sanft ihre Beine auseinander. Ihre weiche Haut an den Schenkeln war beinahe makellos. Und ihre Scham lockte verführerisch in der Mitte, zwischen den Beinen. Und schließlich folgte Adraéyu dem willigen Ruf. Küssend bahnte er sich einen Weg an den Schenkeln entlang, immer tiefer und tiefer, bis er beinahe in der Mitte angelangt war. Eliśjas Haut zitterte unter seinen Berührungen und ihr Atem wurde schwerer. Sie bekam eine leichte Gänsehaut, und da weder ein Lufthauch, noch ein kühler Wind herrschte, konnte es nur die Erregung in ihr sein. Diese Erkenntnis zauberte Adraéyu ein siegessicheres Lächeln auf das Gesicht. Doch noch kam er nicht zur Mitte. Er überging Eliśjas Scham und küsste stattdessen ihren anderen Schenkel, während er langsam ihr Kleid nach oben schob. »Bäum dich auf.«, raunte er ihr zu und sie leistete seiner Aufforderung folge. Für einen Moment richtete sie sich auf den Beinen und den Schultern auf, so dass ihr Gesäß in der Luft hing. Und diesen Augenblick nutzte Adraéyu, um ihr das Kleid vollends den Körper hinauf zu schieben und ihre Brüste frei zu legen. Sofort begann er sie sanft zu streicheln und zu kneten, und zugleich ihren Bauch zu küssen. Und während er sie so liebkoste, da wuchs seine Männlichkeit langsam und richtete sich zu seiner vollen Größe auf. Als er begann an ihren Brüsten zu saugen, da rieb er sich zugleich langsam und fordernd an ihrer Scham und wurde bald darauf belohnt. Sie wurde langsam immer feuchter, und so rutschte er wieder auf ihrem Bauch, diesen mit Küssen eindeckend, hinab. Und nun widmete er sich ihrer Scham. Und wie er das tat. Er umfing sie am Hintern und schob sie sich näher. Und zuerst drückte er ihr sanft einige Küsse auf, doch ihr Atem ging schneller und sie stöhnte so lustvoll, dass er kurz darauf seine Zunge zwischen ihre Lippen schob, diese teilte und den kleinen, runden Punkt am oberen Ansatz suchte. Als er ihn gefunden hatte, da ließ er seine Zunge gekonnt im Kreis tanzen, und wurde dabei immer schneller, bis Eliśja schließlich begann sich unter seinen Berührungen erneut aufzubäumen, und dabei immer wilder zu stöhnen. Und als sie schließlich ihrer Lust freien Lauf ließ und laut schrie, da ließ er von ihr ab und rutschte an sie heran.

Sein Schwanz stand so stramm, wie ein Stück Holz und er pochte und tanzte. Und da nahm Adraéyu ihn in die Hand, und führte ihn langsam an Eliśjas Scham heran. Zuerst rieb er die Eichel nur an ihren Lippen, drückte sie sanft hinein und zog sie sogleich wieder hinaus. Doch nach dem dritten Anlauf, ließ er ihn schließlich hineingleiten und wurde von einem tiefen Stöhnen Eliśja belohnt. Sie krallte sich förmlich in das Moos, welches zu ihren Füßen lag und schon total zerstört und aufgerissen war.

Als er endlich in ihr steckte, da legte er sich sanft über sie und bedeckte sie dabei mit Küssen und saugte sanft an ihren Brüsten oder an ihrem Hals. Und sie schien die Berührungen, wie auch seine Stöße zu genießen. Anders, als vor zwei Tagen, wie sie sich unter ihm wand, und ihm am liebsten entfliehen wollte. Nun war sie willig. Und Adraéyu kam nicht umhin festzustellen, dass es ihm dieses Mal gefiel. »Wenn sie die Wahl hätte, jetzt mit Rahela, statt mit dir diese Erfahrung zu erleben, würde sie sofort tauschen.«, flüsterte Aldenar auf einmal, und Adraéyu war irritiert und sah von der Zigeunerin auf und suchte die Blicke Aldenars. Doch er war nicht da. »Sieh sie dir an. Sieh ihren gequälten Blick.«, zischte Aldenar gehässig und Adraéyu erkannte es. Wenn man es nicht derart vor Augen geführt bekam, konnte man es auch für ein Zeichen der Lust halten. Adraéyu war unsicher, und zugleich keimte in ihm auch wieder eine unruhige Wut auf. »Du genügst ihr nicht! Sie will dich nicht, sie will Rahelas Möse! Sie steht auf sie, vergessen?«, Aldenar lachte. Zuerst lachte er belustigt und gehässig. Doch sehr schnell auch Schadenfroh, als ob er Adraéyu auslachen würde. »Treib ihr diese Gedanken aus!«, befahl ihm Aldenar, und Adraéyu gehorchte beinahe blind vor Wut mit harten Stößen. Und als Adraéyu sich schließlich in ihr ergoss, da fühlte er sich richtig befreit.[/18]Aldenar war verstummt und Eliśja lag matt im Moos und lächelte. Adraéyu konnte dieses Lächeln nicht wirklich deuten, denn Aldenars Worte spukten noch in seinem Kopf herum. ›Was spielte er hier für ein Spiel?‹ »In deiner Haut will ich nicht stecken, wenn Rahela davon erfährt ...«, hallte Aldenars Stimme in seinem Kopf wieder, gefolgt von einem dumpfen, verklingenden Lachen. Und Adraéyu knirschte mit den Zähnen. Dieser Bastard hatte ihn in eine Falle gelockt. Mit seinen Trieben und seinem Ego gespielt, nur um ihn in die Bredouille zu bringen. Und er schalt sich selbst einen dummen Narren, der nicht einmal seinen Schwanz in der Hose hatte lassen können. Nein, er wollte sich und auch Aldenar und der kleinen, rothaarigen Schlampe etwas beweisen. Etwas beweisen, was völlig unwichtig war, und Rahela gehörte. Adraéyu wurde zornig. Zornig auf Aldenar und auch auf sich selbst. Und seinen Zorn entlud er über der jungen Frau.

Er ließ keine weitere Zeit verstreichen. »Ich gehe jetzt.«, sagte er knapp und zog sich die Hose hoch. »Wenn ich mit Ruénja wieder komme, bist du wieder angezogen und stehst mit dem Pferd am Waldrand. Und wehe du verlierst ein Wort hierüber!«, warnte er sie und sie nickte nur, breit grinsend und sichtlich zufrieden.

Als er Eliśja hinter sich gelassen hatte, blieb er nochmals kurz stehen und atmete tief durch. Der Wald, in welchem sie mit dem Pferd wartete, lag auf einer sanften Anhöhe, und bot eine relativ gute Aussicht über den Handelsposten, welcher sich vor ihm ausbreitete. Er erkannte die Wagen und Zelte, die Kreuz und Quer auf dem Platz verteilt waren. Zwischen den Wagen rannten unzählige Menschen herum, doch waren die meisten von den Wagen verdeckt. Die Aussicht war nicht besonders gut, aber besser noch, als würde er ebenerdig stehen. Hinter den Wagen ragte der große Rundturm aus gemauerten Steinen auf. Der Kornspeicher, wie Adraéyu noch wusste. Und nicht unweit davon standen die hölzernen Häuser. Die aufgeregte Menschenmenge, welche sich vor einem dieser Häuser gebildet hatte, konnte er von hier aus nicht sehen. Also ging er auch nichtsahnend, den Hang hinunter zu den Wagen. Er nahm sich im Gehen den Umhang ab, drehte ihn um, und legte ihn sich wieder an. Falls ihn jemand gesehen hatte, wollte er vermeiden am Umhang erkannt zu werden, und wieder einmal war er froh, dass er damals diesen Umhang erstanden hatte. Außen war er von edlem Rot, und die Innenseite ein schlichtes Grau. Zumal die rote Seite mit edlen, goldenen Stickereien versehen war, und zweifellos Aufmerksamkeit erregen würde. Und so schlug er sich den grauen Mantel um den Leib und zog sich die Kapuze tief in das Gesicht. Sicherheitshalber kniff er noch sein rotes Auge zu, damit es wirklich niemand im Schatten der Kapuze schimmern sehen konnte. Und so ging er zwischen die Wagen.

Er suchte Rahela. Doch so einfach war diese Herausforderung nicht zu bewältigen. Unzählige Menschen, die meisten wohl aus den nahen Dörfern und Städtchen, waren zusammengekommen um den Händlern ihre Waren anzukaufen, oder gegen andere Waren einzutauschen. Und in dem ganzen Gedränge, war Rahela wie vom Erdboden verschluckt.

Adraéyu hangelte sich von Wagen zu Wagen und von Zelt zu Zelt, bis er schließlich bei einem Weinhändler angekommen war. »Wein? Wein der Herr?«, fragte ihn der Mann doch Adraéyu schüttelte nur den Kopf. »Hast du Wasser?«, fragte Adraéyu und der Weinhändler sah ihn bestürzt an. »Nein, verschwinde du Sandler!«, zischte der Mann ungehalten und deutete mit dem ausgestreckten Finger in die Menge. »Geh doch beim Brunnen trinken!« Und Adraéyu folgte seinem Finger und ignorierte das Gezeter des Mannes. Er schob sich umständlich durch die Menge und drückte hier und da die Leute zur Seite. Er widerstand dem inneren Drang die Menschen nach ihren Geldbörsen abzutasten, oder diese gar zu stehlen. Er wollte jedwelches Aufsehen vermeiden. Er hatte schon genug Schwierigkeiten am Hals, durch den Tod des Steuereintreibers. Doch als ihm eine fette Börse förmlich in die Hand fiel, als er den Besitzer, welcher sie am Gürtel trug, sanft zur Seite schob, um an ihm vorbei zu kommen, da war es um seine Beherrschung geschehen. Mit einem geschickten Griff, packte und drehte er die Börse und durch die Drehung hatte sich der lockere Knoten bereits vom Gürtel gelöst. Mit schnellen Schritten entschwand Adraéyu in der Menge und schob sich, diebisch und heiter grinsend, den Beutel in die Bruche. Er würde es später zählen.

Als sich die Menge endlich lichtete, da stand er schon fast vor dem Brunnen. Die Menschenmasse hielt sich nur bei den Wagen und Zelten auf, und raubten den Händlern förmlich ihre überteuerte Ware aus den Händen. Doch Adraéyu kümmerte dies vorerst nicht. Er stellte sich an den Rand des Brunnens, nahm das dicke Seil zur Hand und zog den Kübel aus dem finsteren, schwarzen Loch. Als der Kübel endlich über den Rand des Brunnes zum Vorschein kam, stellte Adraéyu den hölzernen Eimer auf dem Brunnenrand ab, und streckte sofort beide Hände in das kühle Nass. Er wusch sich zuerst die Hände, und formte dann eine Kuhle um sich das Wasser zum Mund zu führen. Rückwirkend betrachtet, wäre es vielleicht klüger gewesen, zuerst das Wasser zu trinken, und dann erst sich die Hände zu waschen. Doch so schmutzig waren seine Hände nicht gewesen. Er wollte nur Eliśjas Saft von den Händen und vom Mund waschen. Und das tat er auch. Er rieb sich ausgiebig die Hände, und auch über den Mund, sowie den Bart, bis er das Gefühl hatte, alles hinfortgespült zu haben. Rahela hatte Eliśjas Geruch letztes Mal an ihm wahrgenommen, und das wollte er dieses Mal einfach vermeiden. Verstohlen sah er sich um, doch am Brunnen stand niemand. Aber es waren genug Menschen anwesend. Er konnte sich also kaum die Hose herunterlassen um sein Gemächt zu waschen. Also benetzte er nur beide Hände und griff sich umständlich unter die Hose, um es mit einigen, geschickten Handgriffen ebenfalls zu waschen. »Naja.«, murmelte Adraéyu. »Sie wird mir schon nicht ans Leder wollen, kaum haben wir uns wieder gefunden.« Adraéyu grinste breit, und zuckte kurz darauf mit den Schultern. Er hob seine Achsel und sog den Geruch, welcher sich darunter verbreitete ein. Ein Badehaus wäre nicht schlecht, kam es ihm dann in den Sinn. Der letzte Waschtag war schon viel zu lange her. Das war etwas, dass Adraéyu an den langen Reisen durch die Lande hasste. Man konnte sich nur an Seen oder Flüssen waschen. In diesem verdammt eiskalten Wasser. Und ohne Seife.

Adraéyu hatte den Brunnen wieder hinter sich gelassen und das kühle Nass in seiner Hose war inzwischen auch wieder getrocknet. Einer inneren Eingebung folgend, zog es ihn zu dem Wagen des Menai. Doch als er dort angekommen war, musste er feststellen, dass Rahela zwar bei ihm gewesen war, aber inzwischen gegangen war. »Weißt du, wohin sie gegangen ist?«, fragte Adraéyu hoffnungsvoll, doch der Menai schüttelte den Kopf. »Zu viele Menschen sind heute hier.«, sagte er und deutete in eine ungefähre Richtung. »Sie ist in diese Richtung gegangen.«, sagte er und Adraéyu neigte dankend den Kopf. »Ich habe ihr etwas für dich mitgegeben. Sie hat mich mit ihrer Großzügigkeit geehrt.« Adraéyu hob fragend die linke Augenbraue und runzelte leicht die Stirn. »Was?«, hakte Adraéyu ein wenig unwirsch nach und der Menai lächelte ergeben. »Sie hat viel gekauft, und zum Dank habe ich ihr ein Geschenk für dich mitgegeben.« Adraéyu seufzte innerlich. »Oh Rahela.«, seufzte Adraéyu nur und wehmütig dachte er an das Geld, welches sie mit beiden, offenen Händen ausgab. »Schade, dass sich unsere Wege dieses Mal nur so kurz kreuzen.«, sagte Adraéyu. Er erinnerte sich daran, dass er dem Menai versprochen hatte, bei ihrer nächsten Begegnung einen Met mit ihm zu trinken. »Aber ich habe leider auch keinen Met dabei.« Der Menai schlug ergeben die Augen nieder. »Die Schatten der Berge sind unsterblich.«, sagte er geheimnisvoll. Adraéyu verstand das rätselhafte Gefasel seines Glaubens nicht. Er wusste ja, dass die Menai an die Berge glaubten, dass diese Götter seien. Eine törichte Vorstellung, wie Adraéyu fand. Doch Asis war ihm sympathisch, daher hielt er mit diesen, seinen Ansichten, hinter dem Berg. »Wir werden uns in ihrem Schatten sicherlich wieder sehen.«, erklärte der Menai und Adraéyu verstand und seine Miene hellte sich sogleich auf. »Ah, verstehe.« Er reichte dem Menai die Hand und sie verabschiedeten sich von einander. »Gutes Gelingen wünsche ich dir. Wann bist du wieder in den wilden Landen?«, fragte er und der Menai nickte dankend mit dem Kopf, während er auf seine letzte Frage antwortete. »Ende des Sommers, bis Mitte Herbst. Der Winter war sehr schneereich, und die Astrologen unserer Tempel sagen einen harten und langen Winter voraus.« Adraéyu nickte. »Dann werden wir uns wohl erst nächstes Jahr wiedersehen. Denn Ende des Sommers werden wir nicht zurück sein, in den wilden Landen.«, antwortete Adraéyu mit ehrlichem Bedauern in der Stimme. »Ich verstehe.«, kommentierte Asis Adraéyus Worte nur und entzog seine Hand aus der Adraéyus. »Gehab dich Wohl.«, grüßte Adraéyu den schwarzem Mann zum Abschied, und er hob nur die Hand, zum Zeichen des Abschieds.

Das hatte nun auch nichts gebracht. Er folgte der ungefähren Richtung, in welcher Asis Rahela hatte verschwinden sehen, und war froh, dass inzwischen weniger Menschen zwischen den Wagen herumliefen. Die meisten von ihnen waren wohl gerade in der großen Halle, welche nahe des Hauses des Steuereintreibers stand. Bei dem Gedanken an den Steuereintreiber, lief es ihm mit einem Mal kalt den Rücken hinab. Irgendwann würden die Leute es bemerken, wenn er sich nicht blicken ließ. Spätestens nach dem Mittag, wenn es Zeit war, die Steuern auf die Umsätze zu erheben, würde er vermisst werden. Nun, die Händler würden ihn nicht vermissen. Doch es gab genug Höflinge, welche für den Vogt zu Kreuze krochen.

Endlich fand er Rahela. Ihr prächtiges, schwarzes Haar war unverkennbar. Doch Rahela hatte stets etwas bei sich, was sie sofort als Rahela auszeichnete. Thargôn, der schwarze Kolkrabe. Er war inzwischen ausgewachsen. Sein pechschwarzes Gefieder schimmerte leicht violett und bläulich in der Sonne. Als der Vogel Adraéyu kommen sah, wurde er ein wenig unruhig und hob aufgeregt die Flügel. »Arn!«, rief der Vogel und Adraéyu konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Für ihn würde er ewig Arn sein. Doch das störte ihn nicht. Sie verhandelte gerade mit einem Weinhändler. Adraéyu kam er irgendwie bekannt vor, auch wenn er sein Gesicht nicht wirklich zuordnen konnte. Kurzerhand legte er ihr die Hand auf die Schulter, und sofort wandte sie ihren Blick zu ihm und als sie ihn erkannte, hellte sich ihre Miene sogleich auf. »Ah hier bist du.«, flötete sie fröhlich, und vielleicht auch ein wenig erleichtert. Dann wandte sie ihre Hand in Richtung des Händlers und sah Adraéyu fragend an. »Ihr kennt euch noch aus den wilden Landen, nicht wahr?«, fragte sie, wohl um ihr den Mann vorzustellen, doch Adraéyu kniff die Augen zusammen. Ja er hatte ihn schon gesehen, aber wirklich erinnern konnte er sich nicht. Er schüttelte nur den Kopf und legte dann den Kopf ein wenig schief. »Wie viel Geld hast du noch?«, fragte er nur misstrauisch, und vielleicht auch, um vom Thema abzulenken. Dieser fette Händler interessierte ihn nicht, und er hegte weder ein Interesse daran, mit ihm zu plaudern, noch mit Rahela über diesen zu reden. Und so schob er sie von dem Wagen weg und legte seinen Arm um ihre Hüfte. »Der Steuereintreiber wurde umgebracht.«, raunte sie ihm leise ins Ohr und wieder überkam ihn eine Welle, die kalt den Rücken hinab lief. Als ob man ihm beim Stehlen eines Apfels erwischt hätte. »Ich habe davon gehört.«, antwortete er gedämpft. »Wir sollten lieber gehen, bevor die Soldaten des Vogts hier anfangen die Leute zu befragen.« Rahela sah ihn nach diesen Worten misstrauisch an doch er deutete nur auf sein Auge. »Sie müssen mich nur ansehen, und schob haben sie den Täter.«, sagte Adraéyu und lächelte. In diesem Fall war es sogar so, doch er schwieg sich dazu aus. Er hoffte, sie würde ihn nicht direkt fragen, ob er es war, doch bis dahin zog er es vor, sich zu diesem Thema auszuschweigen.

Sie gingen ein Stück, und dann erhob Adraéyu wieder die Stimme. »Also. Wie viel Geld hast du noch?« Auf ihren entschuldigenden Blick hin, konnte er nur seufzten und kurz darauf lächeln. »Ach du.«, meinte er nur und griff sich wieder in die Bruche. »Sei froh, dass du mich hast.«, sagte er und hielt ihr den Beutel vor die Nase. »Sonst würdest du das Kind wohl nie durch den Winter bringen, wenn du all dein Geld den gierigen Händlern in den Rachen wirfst, ohne zu verhandeln. Wir sind nicht in den wilden Landen! Hier gibt es keine ehrlichen Geschäfte.« Er merkte, dass er wieder begann sie zu maßregeln und biss sich auf die Lippen. Er wusste, wie sehr sie das hasste und – wie zur Entschuldigung – legte ihr die Hand auf die Hüfte. »Komm. Eliśja wartet mit dem Pferd am Waldesrand.« Als er die rothaarige Zigeunerin erwähnte, verfinsterte sich Rahelas Blick und er zuckte gelangweilt mit den Schultern. Unweigerlich kam es ihm aber in den Sinn: Was, wenn das junge Ding ihre Gunst der Stunde genutzt hatte, und mit dem Gaul über alle Berge geritten war? Dann würden sie ohne Pferd dastehen, und Adraéyu wäre vor Rahela wieder der Depp. Augenblicklich verfinsterte sich sein Blick, und sein Herzschlag beschleunigte sich ein wenig, als sie langsam den Handelsposten hinter sich ließen und sich dem Waldesrand näherten.
In den Weiden werden uns're Träume klingen,
und die Winde werden uns're Lieder singen.
Lasst uns mit den Funken übers Feuer springen,

in der Walpurgis Nacht.

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Re: Windherz & Rabenseele

Beitrag von Rahela » Mo, 28. Jan 2013 11:54

Bildahela lächelte entschuldigend, als er sie fragte, wie viel Geld sie noch besaß. Er seufzte, doch dann lächelte er und zog einen Beutel aus seiner Bruche. Ein Beutel, der zweifellos nicht ihnen gehörte. "Sei froh, dass du mich hast. Sonst würdest du das Kind wohl nie durch den Winter bringen, wenn du all dein Geld den gierigen Händlern in den Rachen wirfst, ohne zu verhandeln. Wir sind nicht in den wilden Landen! Hier gibt es keine ehrlichen Geschäfte." Rahelas Augen wurden größer und sie flüsterte "Schon wieder! Du Lump, du kannst es einfach nicht lassen, oder? Willst Du, dass sie uns hier an Ort und Stelle aufknüpfen?" Sie schüttelte missbilligend den Kopf und schwieg dann, als er ihr seine Hand auf die Hüfte legte und sie weiterschob. Sie wandte sich noch zu Bodo um und verabschiedete sich. "Lebe wohl! Wir begegnen uns bestimmt irgendwann wieder!" Wann, wusste nicht, denn im Herbst würden sie ganz bestimmt nicht in den wilden Landen sein. Bodo hob die Hand zum Gruß und deutete eine zarte Verbeugung ab, dann hatten sie sich auch schon vom Marktplatz entfernt. Ihr Blick verfinsterte sich mit einem Schlag, als Adraéyu die Zigeunerin erwähnte. "Wie? Ich dachte, du hättest sie beim Steuereintreiber abgeliefert? Hast Du sie mittlerweile schon so lieb gewonnen, dass du es dir doch anders überlegt hast?" zischte sie ihm zu. Unter diesen Umständen fand sie es noch seltsamer, dass dieser tot war. Doch Adraéyu zuckte nur mit den Schultern doch dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. "Du lässt dieses Kind alleine im Wald… Mit unserem Pferd? Mit all unseren Sachen?" rief sie ungläubig aus. "Du Holzkopf! Du Idiot! Eliśja wird ganz bestimmt nicht darauf warten, bis wir wieder zurückkommen! Sie wird türmen mit dem Pferd! Sie wird den Weg zum Birkenhain finden und dann sind wir ohne Pferd! Sie werden auf unserem Pferd die Verfolgung nach uns aufnehmen und sie werden uns finden, weil wir ohne Pferd unterwegs sind… zu Fuß!" Sie konnte es einfach nicht glauben. "Meine ganzen Sachen sind in den Satteltaschen! Das wertvolle Ritualbuch von Morach und Catara! Es birgt all die Beschwörungen und Formeln, die ich irgendwann noch einmal erlernen wollte! Ist dir eigentlich klar, welch unschätzbaren Wert dieses Buch darstellt? Nicht nur für mich! Für jeden Schamanen in den wilden Landen! Dieses Buch ist in den Nordreichen nichts! Vielleicht ist es Zeugnis dafür, welche Macht wir haben! Vielleicht werden sie beginnen, die Schamanen zu verfolgen und als Hexen zu verbrennen! Wer weiß das schon?" schrie sie zornig, während sie die Anhöhe hochhasteten. "Meine Kräuter! Meine Gifte! Meine Essenzen! Ich kann das Zeug nicht ohne weiteres ersetzen! Ohne diesen bin ich nur halb so fähig und mächtig! Ich brauche sie! Verdammt! Was hat dich nur so unvorsichtig werden lassen? Vertraust du dieser dummen Schlampe etwa schon? Ich nicht! Hast du dir dein Hirn [18]rausgefickt[/18] letztens?" Rahela war wirklich zornig… Zornig und fassungslos. Sie schwieg. Sie hatte genug gesagt. Er würde es ja doch nicht verstehen. Sie hielt sich ihren Bauch, während sie liefen und dabei immer schneller liefen und es zog unangenehm. Nach einer Weile war sie atemlos und keuchte, doch sie durfte jetzt nicht nachgeben und langsamer werden. Bei den Alten! Möge das dumme Ding noch da sein… Sollte sie von mir aus flüchten, dabei stürzen und sich den Hals brechen! Mochte sie sich in einem Ast verheddern und stürzen und sich den Schädel auseinander brechen! Mochte sie… Ach, es war sinnlos, zu hoffen, dass sie noch da war! Sie würde weg sein und mit ihr das Pferd. "Das Pferd gehört eigentlich mehr mir als dir, denn es stammt von meinem Volk, von meinem Clan, das ist dir hoffentlich auch klar, oder?" keuchte sie böse. "Zumindest wäre dann deine Laute auch weg! Und recht geschähe dir! Und Zweifinger! Und deine mühsam geschnitzten Pfeile! All das wäre auch weg! Und ich würde dich dafür auslachen! Selbst zuzuschreiben hättest du dir das!" rief sie atemlos. Rahela fluchte und schimpfte, wie sie schon lange nicht mehr geflucht und geschimpft hatte.

Schließlich erreichten sie die Anhöhe. Rahelas Gesicht überzog, von der Zornesröte abgesehen, ein Anflug der Überraschung, als sie Eliśja dort mit dem Pferd sah. War sie wirklich nicht geflohen? Den Göttern war es gedankt! Rahela blieb stehen und stützte ihre Arme auf die Knie und versuchte, ruhig zu atmen und sich wieder zu beruhigen. Ihr Herz schlug rasend und sie ließ ihre Blicke vom Waldboden wieder auf die junge Frau gleiten. Doch was tat sie da? Sie stieg auf das Pferd. Sie würde doch nicht? Nein! Doch! Warum erst jetzt? Warum hatte sie damit gewartet? Wollte sie sie verhöhnen? "Nimm deinen Bogen und schieß sie runter!" rief Rahela zu Adraéyu. "Ich kann nicht." meinte dieser "Tu es, du Narr!" rief sie verärgert! "Wie gesagt, geht nicht. Ich habe den Bogen nicht bei mir!" Rahela fuhr sich über das Gesicht. Sie war schon vollends verwirrt. Da hatte sie ihn gerade erst ausgelacht, dass er diese Dinge auch verlieren würde und im nächsten Moment schon dachte sie nicht mehr daran. "Das Pferd setzte sich langsam in Bewegung und mit ihm all ihr Hab und Gut. "Was meinst Du, wer ist dümmer und schwächer im Geist, das Pferd, oder seine Reiterin?" fragte Rahela eher rhetorisch. "Ich weiß, was du sagen würdest, aber ich halte das Mädchen für dümmer…" blitze sie ihn boshaft an und haftete dann ihre Blicke auf Pferd und Reiter. Sie schloss die Augen und begann, ihre Beschwörungsformeln zu murmeln. Sie musste sich beeilen, sobald die zwei aus ihrem Einflussbereich verschwunden waren, war alles verloren! Rahela murmelte ihre Sprüche runter und rief schließlich mit erhobenen Händen gen Himmel "Thârgon, í neesk tú noryâ, doyeâ ma virâ!" Man konnte förmlich erkennen, wie Eliśja aufhörte, das Pferd zu lenken und es trippelte noch einige gemächliche Schritte vorwärts, bis es schließlich zum stehen kam. Erleichtert glitt ein Lächeln über Rahelas Lippen und sie schrie in den Wald "Ich danke Euch, ihr Götter!" Dann besann sie sich und lief auf das Pferd zu. Sie wusste nicht, was Adraéyu gerade machte, doch sie wusste genau, was sie nun tun würde! Als sie das Pferd erreichte, zerrte sie Eliśja unsanft daran her herunter und ließ sie unbekümmert auf den harten Waldboden fallen. Rahela kniete sich über sie, holte aus und gab ihr eine harte, schallende Ohrfeige. "Du falsche Schlange! Du Miststück!" rief sie und bevor sie weiter schimpfen und ihre Fäuste auf das Mädchen niedergehen lassen konnte, fühlte sie sich von Adraéyu auch schon von ihr herunter gezerrt. Rahela schnaubte aus und atmete schwer. Dann wandte sie sich an Adraéyu. "Du hast recht! Eigentlich kann man dem Mädchen keinen Vorwurf machen! Sie ist nur ihren Instinkten gefolgt. Ich hätte es auch nicht anders gemacht! Eigentlich verdienst du die Ohrfeigen!" rief sie wütend. Doch sie hütete sich, Adraéyu vor Eliśja zu schlagen. Sie verspürte wirklich große Lust, ihm eine zu knallen, oder ihm mit dem Knie einen gezielten Stoß zu geben, auf dass er zu Boden ging. Er hätte es wahrlich verdient! Rahela atmete schwer aus. "Kein Wort mehr darüber… Ich will nichts mehr hören und sehen von euch Beiden…" winkte sie müde ab. Dann starrte sie Eliśja, die immer noch auf dem Boden lag, und einen leicht glasigen, aber durchwegs wachen Blick hatte, durchdringend an. "Und du? Du bist ja immer noch bei uns. Ich hatte schon gehofft, dich nun endlich los zu sein! Warum bist du noch bei uns?" Bevor Eliśja den Mund öffnete, hob Rahela die Hand. "Ich wills gar nicht wissen! Wirklich! Halt einfach die Klappe, das wird besser sein!"

Sie warf einen Blick in den Himmel. Die Sonne stand schon etwas tiefer. Es würde Nachmittag sein. "Nun denn, dann lasst uns weiterziehen. Weiterhin im Schneckentempo…" warf sie Adraéyu einen vernichtenden Blick zu. "Ich bin müde, ich werde aufsitzen…" meinte sie und schwang sich auf das Pferd. Sie nickte zu der jungen Zigeunerin. "Sie ist jung und gut zu Fuß, und du, naja dir schadet es auch nicht, dir die Beine zu vertreten, vielleicht macht das deinen Kopf wieder etwas klarer." So ritt Rahela auf dem Pferd, in gemächlichem Tempo, begleitet von Adraéyu und Eliśja und sie würdigte beiden keines Blickes. So ritten und liefen sie einige Stunden dahin. Als es dämmerte, erreichten sie ein kleines Waldstück und sie beschlossen, es für heute gut sein zu lassen. Sie schlugen ihr Lager auf und Rahela, die sich wieder beruhigt hatte, entfachte ein kleines Lagerfeuer. Adraéyu setzte sich zu Rahela und Eliśja saß den beiden gegenüber auf der anderen Seite des Lagerfeuers. Immer wieder bemerkte sie, wie Eliśja ihr seltsame Blicke zuwarf, doch ob diese ihr oder Adraéyu galten, konnte sie nicht deuten. "Was ist?" keifte Rahela schließlich gereizt zu der jungen Frau. "Nichts…" murmelte diese und Rahela nickte. Rahela holte aus ihrer der Tasche schließlich etwas von dem Proviant, den sie auf dem Markt erstanden hatte. Sie unnötig war das denn, ein weiteres Maul durchfüttern zu müssen? Eliśja weiterhin mit sich zu schleppen, war nicht nur nervenzehrend, wie Rahela fand, es war noch unwirtschaftlich und kostenpflichtig. Gerade Adraéyu war doch derjenige, der immer jeden Jetsu dreimal umdrehte, bevor er ihn ausgab! Manchmal wurde sie aus ihm einfach nicht schlau. Doch seltsam war das schon, so fand Rahela. Er wollte sie doch am Handelsposten loswerden, und nun war sie immer noch bei ihnen. So, als ob er sich nicht von ihr trennen konnte! Nachdem sie gegessen hatten, zog Rahela die Flasche Rum hervor. "Sieh mal…" meinte sie ihn versöhnlichem Tonfall zu ihm. "Ein Geschenk des Menai… Er meinte, du hast ihn in den wilden Landen gemocht, und er hat mir eine Flasche davon für Dich geschenkt" lächelte sie ihn an und strich ihm sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Rum, was ist das?" fragte sie neugierig. "Der Menai meinte, es sei Zuckerseele…" Rahela nickte, doch sie verstand nicht. Manche Dinge hinterfragte man manchmal besser nicht, sondern probierte sie gleich aus. Sie zog den Stopfen aus der Flasche und nippte. Es war scharf, nicht ganz so scharf wie der Schnaps, den sie gewohnt war, und doch war es vollmundig und weich am Gaumen. Eine leichte, ganz dezente Süße erfüllte ihren Mund. "Das ist gut…" hauchte Rahela und verschloss die Flasche wieder. "Ich habe dir auch einen Goldenen gekauft, den magst du doch gern…Und sieh Dir mal diesen großen Beutel Pfeifenkraut an… Es stammt auch von Asis… Der Handelsposten kommt gerade recht, das Pfeifenkraut ist uns ja erst ausgegangen…Wie Du siehst, habe ich das meiste Geld eigentlich für Dich ausgegeben, nicht für mich… Möchtest Du eine Pfeife rauchen? " Sie schmiegte sich ein wenig näher an ihn heran. "Wie gern wäre ich jetzt mit Dir alleine…" flüsterte sie ihm mit einem bedauernden Ton zu und begann, ihm über den Rücken zu streicheln. Sie nahm die Flasche Rum wieder auf und trank einen Schluck und hielt ihm dann auffordernd die Flasche hin. Der Abend war noch jung, und nach dem heutigen Tag konnte solch guter Alkohol und eine Pfeife den Tag nur besser ausklingen lassen...
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Re: Windherz & Rabenseele

Beitrag von Adraéyu » Do, 31. Jan 2013 12:12

Bilds war ein gehetzter Gang gewesen, den Rahela und Adraéyu bis zum Waldesrand angeschlagen hatten. Rahela ließ eine fürchterliche Tirade vom Stapel, als er ihr eröffnet hatte, dass die rothaarige, ihr so verhasste, Zigeunerin, mit dem Pferd alleine war. Sie bekam sich kaum mehr ein, vor lauter Gezeter. Ritualbuch hier, und Schamanenmacht da. Adraéyu bereute es immer mehr, mit ihr in den Birkenhain gegangen zu sein. »… Vielleicht ist es Zeugnis dafür, welche Macht wir haben! Vielleicht werden sie beginnen, die Schamanen zu verfolgen und als Hexen zu verbrennen! Wer weiß das schon?«, schnaufte Rahela völlig außer Atem, da sie den Hang hinauf hastete. Und dennoch ließ sie einfach nicht locker. Sie redete und redete, und fluchte und schimpfte und spuckte. So dass Adraéyu nicht umhin kam, sie noch mehr zu reizen. »Dein olles Buch interessiert hier eh keinen. Ich glaube, sie würden es eher dafür verwenden, sich nach dem Scheißen den Arsch auszuwischen, bevor sie anfangen darin zu lesen und deinesgleichen als Hexen zu verfolgen.«, blaffte Adraéyu missgunstig. »Außerdem sind das doch alles nichtsnutzige Herumtreiber, in deinen Augen. Warum sollten sie sich die Mühe machen, und in den hohen, kalten Norden gehen, nur um ein paar Hexen zu verfolgen.« Adraéyu zuckte mit den Schultern, doch auch er kam so langsam außer Atem, und war froh, dass sie endlich den Waldesrand erreicht hatten.

Zu seiner Erleichterung stellte er fest, dass Eliśja noch immer dort war. »Na siehst du. Hast dich ganz umsonst so aufgeregt. Heiße Luft für nix.«, sagte Adraéyu triumphierend und mit einem selbstgefälligen Grinsen im Gesicht. Doch kaum hatte er die Worte ausgesprochen, da schwang sich Eliśja in den Sattel und trat dem Pferd die Fersen in die Seite. Adraéyu starrte nur ungläubig, bis ihm bewusst wurde, dass Eliśja gar nicht auf sie gewartet hatte, sondern einfach nur zu lange dafür gebraucht hatte, sich fertig zu machen. Wahrscheinlich hatte sie Schwierigkeiten gehabt den Sattel auf das Pferd zu schnallen. Rahelas und Adraéyus Habe lag, achtlos auf den Boden geworfen, neben dem Pferd. Die Satteltaschen waren offen und wirkten durchwühlt. Nun ging Adraéyu ein Licht auf, warum sie noch da war. Sie hatten Glück gehabt. Nur wenige Augenblicke später, und sie wäre davon gewesen. Wer weiß was sie aus den Satteltaschen mitgehen hatte lassen? Das Geld jedenfalls nicht. Das bewahrte Adraéyu stets nah am Körper auf. Er war sehr bedacht und hütete die goldenen Münzen wie seinen Augapfel. Meist trug er diese Kleinode direkt neben seinen Juwelen, wie man es auch edel umschreiben konnte, wenn man nicht Gemächt oder Glocken sagen wollte.

Rahela hingegen zögerte nicht einen Augenblick. Sie nahm Eliśjas Handeln zum Anlass, erneut Adraéyu einen unfähigen Narren zu schimpfen. Doch in ihrer Wut schien sie selbst vergessen zu haben, dass er seinen Bogen gar nicht bei sich trug, als sie ihn dazu aufforderte, Eliśja vom Pferd zu schießen. » Ich kann nicht.«, sagte Adraéyu nur und zeigte ihr demonstrativ seine offenen Hände. »Tu es, du Narr!«, rief sie mit deutlicher Verärgerung in der Stimme. »Wie gesagt, geht nicht. Ich habe den Bogen nicht bei mir! Falls es dir nicht aufgefallen ist, in deiner blinden Wut, du blöde Hexe! Also hol sie dir doch selbst vom Pferd.«, blaffte Adraéyu sie ungehalten an. »Du Furie.«, legte er dann noch nach und verschränkte die Arme. Rahela fuhr sich mit der flachen Hand über das Gesicht und schien innerlich zu seufzten. »Reiß ihr doch die Seele aus dem Leib. Damit schlägst du gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Sie entkommt nicht und damit auch nicht dein ach so wichtiges Pferd aus deinen wilden Landen. Und du bist sie endlich los.«, schlug er ihr schnippisch vor und war kaum verwundert, als sie seine Idee kurzerhand auch aufgriff.

Es dauerte nicht lange. Rahela spie einen ihrer Zaubersprüche in den Wald und kurz darauf verlangsamte sich das Pferd. Rahela dabei zuzusehen, wie sie den Geist anderer derart zu beherrschen vermochte, jagte Adraéyu manchmal eine gehörige Gänsehaut über den Rücken. Wie ein unheimlicher, kalter Schauer, der kommt und bevor man ihn noch bemerkt, wieder vergeht, so dass nur der Schweiß und das Herzrasen bleibt. Jede weiteren, dummen Kommentar verkniff er sich lieber. Wer wusste schon, was Rahela in wahrer Rage tat, wenn er sie weiter triezte und reizte?

Kaum war Rahela bei Eliśja angekommen, da hatte sie sie schon am Kleid gepackt und grob vom Pferd gerissen. Die junge Frau hatte einen glasigen und verwirrten Blick, und ehe sie wusste, wie ihr geschah, da lag sie auch schon am Boden. Sie stürzte sichtlich unsanft, und zog zweifellos eine üble Prellung davon. Dies bezeugte nicht nur ihr schmerzerfüllter Blick, der sich sogleich auf ihr Gesicht drängte. »Du falsche Schlange! Du Miststück!«, rief Rahela und warf sich auf, die am Boden liegende, und wehrlose Zigeunerin. Kaum saß sie auf ihr, da deckte sie sie schon mit Fäusten und Schlägen ein, als ob Rahela ihr die Seele aus dem Leib prügeln wollen würde. Und als ob die Schläge Eliśja aus der Benommenheit geholt hätten, klarte ihr Blick auf und sie verzog verärgert ihr Gesicht. »Wer ist hier die falsche Schlange? Ihr seid doch zu uns in den Hain gekommen, und habt unsere Gastfreundschaft mit Füßen getreten! Entführt habt ihr mich, ihr …«, weiter kam sie nicht, denn Rahela donnerte ihr die Faust mitten ins Gesicht. Adraéyu hatte bis dahin genug zugesehen. Er zog Rahela, sanft aber bestimmend, von Eliśja herunter und bedachte sogleich die junge Frau mit einem ernsten und finsteren Blick. »Beruhige dich. Sie ist noch da, deine Sachen auch. Verschwende nicht deine Kraft.«, versuchte er Rahela zu ermahnen. »Und du …«, sagte er an Eliśja gerichtet. »… hüte lieber deine Zunge, wenn du heil aus dieser Sache heraus willst.« Ein drohender Schatten schwang in seiner Stimme mit, und Eliśja nickte nur und wandte dann den Blick ab. Einen Blick, in dem Adraéyu den Zorn blitzen sah. Er schob Rahela zur Seite und legte seinen Kopf auf ihre Schulter. »Wir müssen aufpassen, dass sie uns nicht im Schlaf erdolcht. Sie wirkt sehr zornig und ist inzwischen sicher zu allem fähig!«, raunte er ihr mit einer haspelnden und flüsternden Stimme ins Ohr.

Schließlich, als sie ihr Hab und Gut endlich am Sattel oder in den Satteltaschen verstaut hatten, widmeten sie sich wieder Eliśja. »Los. Zeig her was du gestohlen hast.«, befahl ihr Rahela, doch Eliśja rutschte nur rücklings von ihr fort. Adraéyu verengte seine Augen zu zwei Schlitzen und verschränkte nur die Arme. »Rücks raus.«, sagte er nur und bedachte sie mit einem ernsten Blick. »Ihr seid die Diebe!«, rief sie aufgebracht, und Rahela stürmte schon auf sie zu. »Diebe lassen sich ungern von anderen Dieben bestehlen.«, sagte Adraéyu und setzte ein gekünsteltes Lachen auf. »Und genarrte Diebe können fürchterlich grausam sein wenn sie Rache suchen.« Mit diesen Worten war Rahela schon bei ihr, und riss an ihrem Kleid. Eliśja wehrte sich, und dafür kassierte sie sogleich eine Ohrfeige. Adraéyu sah bedächtig zu und nach einer Weile schob er Rahela zur Seite und widmete sich Eliśja. Er begann sie abzutasten, und fand schließlich in einer verborgenen Tasche eine kleine Phiole. Wortlos reichte er sie an Rahela und schob Eliśja dann die Röcke hinauf. Als ob er eine Ware auf Mängel prüfen würde, begann er Eliśja nach Gegenständen abzusuchen. Zuerst die Beine, und dann tastete er sich weiter hinauf. [18]Er ließ es sich nicht nehmen ihr grob über die Scham zu streichen, und für den Bruchteil eines Wimpernschlags, rutschte sein mittlerer Finger in ihre feuchte Spalte.[/18] Sie begehrte protestierend auf, doch Adraéyu lächelte nur dreckig und entzog sich ihr wieder. Er riss an ihrem Dekolleté und lockerte die Schnürung und offenbarte dabei die Falte ihres Busens, welche sich darunter verborgen hatte. Als die Schnürung weit genug gelockert war, griff er ihr grob in das Kleid hinein und ließ die Finger suchend wandern und kurz darauf zog er eine der seltsamen, eisernen Kugeln hervor, welche er dem Alchemisten gestohlen hatte. »Was haben wir denn hier?«, sagte Adraéyu mit einem rhetorischen Unterton in der Stimme, doch erntete er nur einen finsteren Blick von Eliśja. Er nahm das eiserne Ding an sich, und steckte es wieder in seine Tasche. »Dummes Ding.«, sagte Rahela nur und versetzte ihr eine schallende Ohrfeige.

Nachdem sie einige Zeit gegangen waren, und Rahela das Pferd für sich alleine beansprucht hatte, schlugen sie ihr Lager an einer Lichtung auf. Adraéyu erkannte Wagenspuren. Diese Lichtung war zweifellos schon oft von reisenden Händlern benutzt worden.

Als sie dann am Feuer saßen, und Rahela ihm den Rum darbot, da nahm er dankend die Flasche entgegen und nippte an dem süßen Alkohol. Es brannte angenehm und er genoss den Geschmack. Langsam ließ er sich ein wenig absacken um etwas Entspannung zu finden. Seine Füße schmerzten von dem langen Marsch und er war müde. »… möchtest du eine Pfeife rauchen?«, frage Rahela und Adraéyu nickte. Während sie das Pfeifenkraut aus der Tasche kramte, suchte er die Pfeife und als er in der Satteltasche danach kramte, fiel ihm ein kleiner, lederner Beutel in die Hand. »Ah.«, sagte er überrascht. »Die hier habe ich schon ganz vergessen.«, murmelte er und lockerte die Schnürung des Beutels. »Wie hatte dieses Kräuterweib bei dem Köhlerdorf dieses Zeug hier nochmal genannt?«, fragte er und hielt Rahela den offenen Beutel hin, in welchem ein seltsames, violettes Pulver, welches silbern schimmerte, lag. »Traumblume.«, sagte Rahela nur und Adraéyu zuckte mit den Schultern. »Was meinst du?«, fragte er und wackelte herausfordernd mit den Augenbrauen, doch Rahela sah ihn nur fragend an. Da nahm er ihr kurzerhand das Pfeifenkraut aus der Hand, zog etwas davon aus dem Beutel und stopfte es in die Pfeife. Dann nahm er eine Priese von dem Traumpulver aus dem ledernen Beutel und stopfte es ebenfalls in die Pfeife. »Na dann wollen wir mal sehen.«, meinte Adraéyu neugierig und steckte sich die Pfeife an einem Stöckchen an, welches er zuvor ins Feuer gehalten hatte. Doch bevor er damit begann den Rauch zu inhalieren, hielt er Eliśja die Pfeife hin. »Los, koste mal!«, forderte er sie auf, doch sie schüttelte den Kopf. »Nein?«, fragte Adraéyu und richtete sich dann auf. »Du sollst kosten!«, befahl er ihr sogleich und drückte ihr die Pfeife in die Hand. Wortlos setzte Eliśja die Pfeife an die Lippen und kurz darauf zog sie kräftig an dem dünnen Ende. »Zieh stärker!«, kommentierte Adraéyu nur ihr beherztes Verhalten. »Nicht so zögerlich.« Schließlich zog Eliśja sehr stark an der Pfeife und kurz darauf begann sie stark zu husten. »Ja, das brennt, wie?« Adraéyu lachte nur und nahm Eliśja die Pfeife ab. Doch die junge Frau hustete nicht lange. Sie blieb einfach liegen und begann zu murmeln und zu brabbeln und nur wenige Augenblicke später war sie wie weggetreten. »Ob diese Traumblume ihr angenehme Träume beschert?«, fragte Adraéyu an Rahela gerichtet und begann den Kopf der Pfeife leer zu klopfen. »Ich habe kein Interesse daran so wie sie im Moos zu liegen und zu schlafen.«, erklärte Adraéyu sein Verhalten und zupfte sich kurz darauf erneut etwas Pfeifenkraut aus Rahelas Beutel.

Als sie beide gemeinsam am Feuer saßen und die Pfeife rauchten, kam Adraéyu nicht umhin die schlafende Eliśja immer wieder anzusehen und dann diebisch zu grinsen. Adraéyu hatte den Arm um Rahelas Hüfte gelegt und sie sich heran gezogen. »Die letzten Tage waren ganz schön Scheiße, hm?« Adraéyu sah Rahela fragend an und reichte ihr kurz darauf die Pfeife, welche sie dankend entgegen nahm. Als er beide Hände frei hatte, begann er damit Rahela sanft zu streicheln. Zuerst auf den Schenkeln, und dann auch über den Bauch. Rahela schloss zufrieden die Augen und zog erneut an der Pfeife. Schließlich strich Adraéyu ihr sanft über den Busen, und begann diesen auch immer wieder zu kneten.

Diese traute Zweisamkeit dauerte nicht lange. Nur knapp eine Stunde später wurden sie von rumpelndem Lärm, dem Wiehern von Pferden und dem Gemurmel von Stimmen gestört. Ein Wagen holperte die Straße hinauf. »Vorwärts! Verfluchte Wixer!«, rief eine tiefe Stimme und Adraéyu schreckte unweigerlich auf. »Da kommt jemand!«, rief er und huschte zu ihren Habseligkeiten um sich den Langbogen zu holen. Hastig spannte er eine Sehne in den Bogen ein, und nahm sich den Köcher mit den Pfeilen, nur um kurz darauf im Dickicht zu verschwinden.

Als dann der Wagen in die Lichtung eintrat, da spannte Adraéyu sogleich den Bogen. »Hoo!«, rief der Mann, welcher auf dem Kutschbock saß, und riss an den Zügeln. Neben den beiden Pferden, welche vor den Wagen gespannt waren, gingen einige Männer und Frauen her. Sie zogen an den Pferden, und hinten standen sogar einige, welche den Wagen schoben. Sie wirkten ausgemergelt und verlottert. Und beim näheren Hinsehen bemerkte Adraéyu, dass jeder von ihnen einen schweren Eisenring um den Hals trug, und dass sie alle mit einer Kette zusammen gebunden waren. ›Sklavenhändler.‹, schoss es Adraéyu sogleich durch den Kopf. »Na wen haben wir denn hier?«, fragte der Sklaventreiber und grinste breit, als er die beiden Frauen am Lagerfeuer sah. Die eine schlief und Rahela sah ihn finster an. »Was machen denn zwei so hübsche Dinger wie ihr ganz alleine im Wald?«, fragte er und legte sogleich, kaum merklich, die Hand auf seine Peitsche. »Das geht dich nix an!«, blaffte Rahela nur und der Mann grinste daraufhin breit. »Ha! Du bist vielleicht ein Prachtweib! Für dich würden manche sicher eine Menge Geld bezahlen!« Mit diesen Worten richtete er sich auf seinem Kutschbock auf und erhob sogleich die Peitsche. Und im selben Moment, wie er die Peitsche knallen ließ, um sie um Rahelas Hals zu wicklen, da entließ Adraéyu seinen aufgelegten Pfeil von dem gespannten Bogen. Er kam zitternd und mit einem lauten Knall, im Holz der Kutsche zum Stehen, und der Mann hielt irritiert inne. »Was zum …?«, fluchte er und ließ sogleich die Peitsche sinken , während er den Pfeil ansah, welcher langsam im Holz vibrierte. Adraéyu hingegen legte sogleich den nächsten Pfeil auf und trat aus dem Dickicht. »Ich würde dir raten, deine Peitsche fallen zu lassen.«, drohte er und richtete den Pfeil auf den Sklavenhändler. Dieser grinste nur selbstgefällig und hob langsam die Arme. »Ist ja schon gut.«, sagte er daraufhin und legte die Peitsche neben sich auf dem Kutschbock ab.

Ohne weiteres Aufsehen sprang er von der Kutsche herunter und trat an Rahela heran. »Ich heiße Sarek.«, sagte er und reichte ihr die Hand zum Gruße, als ob er nicht vor wenigen Augenblicken noch versucht hätte, die rassige Frau, sowie das junge Ding, als Sklaven einzusacken. Adraéyu ließ den Pfeil weiterhin auf der Sehne und trat ebenfalls etwas näher. »Los! Macht schon ihr Hunde! Ab in den Käfig mit euch!«, rief der Mann dann und wandte sich von Adraéyu und Rahela ab. Während der Mann seine Sklaven in den Käfig trieb, welcher auf dem hinteren Teil der Kutsche stand ließ Adraéyu den Bogen sinken. »Wir sollten weiterziehen.«, schlug Adraéyu vor. Er hatte keine große Lust die Nacht mit einer Zigeunerin, der man nicht trauen konnte, und einem verfluchten Sklavenhändler, dem man noch weit weniger trauen konnte, zu verbringen.

Sie sattelten auf, verstauten ihre Habe am Pferd und marschierten los. »He! Wollt ihr nicht auf einen Schluck bleiben?«, rief Sarek mit einem, für Adraéyus Ohren, viel zu übertriebenen Enttäuschen in der Stimme. »Nein! Damit du uns im Rausch dann zu den anderen in den Käfig sperren kannst?«, rief Adraéyu herausfordernd zurück und erntete dafür nur ein gespieltes Entrüsten von dem Mann. »Das würde ich doch niemals machen!«, sagte er und grinste dabei. »Bestimmt nicht.«, murmelte Adraéyu nur und schüttelte kurz darauf den Kopf. Ohne weiter auf den Mann zu reagieren, half er Rahela auf das Pferd und warf Eliśja vor ihr über den Sattel. »He, müht euch doch nicht so mit ihr ab! Ich zahle euch einen guten Preis! Die kleine rothaarige ist süß!«, rief der Mann und griff sich dabei anzüglich in den Schritt. »Fick dich!«, rief Adraéyu nur und zeigte dem Sklavenhändler den Mittelfinger. »Halt's Maul!«, rief Adraéyu noch hinterher und der Sklavenhändler sah ihm nur finster nach. »Du blöder Arsch! Was bildest du dir eigentlich ein?«, rief der Sklavenhändler zornig, und zog ein kleines, krummes Schwert aus dem Gürtel. »Scheiße.«, rief Adraéyu und zerrte hastig einen Pfeil aus dem Köcher. »Ich werde dich ausweiden, und deine beiden Weiber ficken, während du sterbend zusiehst! Du Wurm!« Der Sklavenhändler leckte sich über die Lippen und erhob das Schwert über seinen Kopf, um brüllend auf Adraéyu los zu stürmen. »Und ich werde sie an die Hurenhäuser in Kamîrush verkaufen! Die rothaarige wird viel Geld bringen! Sie ist noch jung! Die schwarzhaarige ist zwar älter, aber zum ficken reicht sie noch!« Geschickt legte Adraéyu den Pfeil auf den Bogen, spannte ihn in die Sehne ein und richtete kurz darauf den Bogen auf den Sklavenhändler. »Noch einen falschen Schritt, oder ein falsches Wort, und du bist tot!«, rief Adraéyu und der Sklavenhändler hob widerwillig seine Hände. »Geh zu deiner Ausschussware.«, rief ihm Adraéyu zu und der Mann gehorchte, wenn auch mit einem finsteren Blick.

Doch plötzlich hielt der Mann inne. »Pass auf!«, rief Rahela und Adraéyu sah gerade noch, wie der Sklavenhändler auf einmal ein kleines Messer in den Händen hielt, und es nach ihm warf. Adraéyu duckte sich instinktiv, und ließ sogleich den Pfeil von der Sehne schnellen. Das Messer verfehlte ihn nur um Haaresbreite. Doch so viel Glück hatte der Sklavenhändler nicht gehabt. Der Pfeil bohrte sich tief in seinen Hals und er ging gurgelnd zu Boden. Adraéyu zog unbekümmert einen weiteren Pfeil aus dem Köcher und strich Rahela sanft unter den Rock und streichelte ihre Wade. »Danke.«, hauchte er ihr zu und schob das Kleid hinauf um ihr einen zärtlichen Kuss auf das Knie zu geben. Dann legte er den Pfeil wieder auf den Bogen, spannte den Zweifinger und trat an den Mann heran. »Du hast es ja nicht anders gewollt, du dummer Bastard.«, zischte Adraéyu schließlich, als der Mann röchelnd vor ihm lag, und um Hilfe suchend die Hand nach ihm ausstreckte. »Sklavenhandel ist ein ungesundes Geschäft.«, sagte Adraéyu nur und trat die Hand, welche er nach ihm ausgestreckt hatte, achtlos beiseite. »He! Lass uns frei!«, rief einer der Männer, welcher im Käfig eingesperrt war. DIe Sklaven streckten, einer nach dem anderen, ihre Hände zwischen den Käfiggittern hindurch und Adraéyu sah zuerst von einem Gesicht zum anderen Schließlich warf er Rahela einige fragende Blicke zu, bevor er sich an den, inzwischen toten, Sklavenhändler heran näherte.
In den Weiden werden uns're Träume klingen,
und die Winde werden uns're Lieder singen.
Lasst uns mit den Funken übers Feuer springen,

in der Walpurgis Nacht.

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Re: Windherz & Rabenseele

Beitrag von Rahela » Do, 31. Jan 2013 20:58

Bildahela überging Adraéyus Boshaftigkeiten, welche er über Rahelas Buch los ließ. Was wusste dieser Narr schon über das Schamanentum und all die Dinge, die es zwischen Himmel und Erde gab? Er deutete zwar hin und wieder an, dass Rahela mächtig sei, doch sie war nichts im Vergleich zu Morach oder gar Catara und auch sie wollte noch mehr lernen und noch mächtiger werden. Doch da beide Schwestern nicht mehr am Leben waren, war ihr dieses Buch momentan der einzige Zugang dazu. Davon abgesehen war das Buch an sich schon wertvoll genug, und der Inhalt war es für Rahela umso mehr! Sie erreichten die Lichtung. "Na siehst du. Hast dich ganz umsonst so aufgeregt. Heiße Luft für nix!" Doch im selben Moment schwang sich die junge Zigeunerin in den Sattel und trieb das Pferd an. Der Boden war ein wenig steinig und so tänzelte es zunächst gemächlich über den steinigen Boden. "Ha! Heiße Luft?" rief Rahela. "Da hast du deine heiße Luft!" Doch Adraéyu war wie vom Donner gerührt und starrte einfach nur ungläubig auf die fliehende junge Frau. Rahela besaß mehr Geistesgegenwart und forderte von ihm, dass er sie vom Pferd schießen sollte. Doch das war nicht möglich, da Adraéyu seinen Bogen nicht bei sich trug. Stattdessen begann er, ebenso wüst zu schimpfen und Rahela ebenso zu beleidigen. "Reiß ihr doch die Seele aus dem Leib. Damit schlägst du gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Sie entkommt nicht und damit auch nicht dein ach so wichtiges Pferd aus deinen wilden Landen. Und du bist sie endlich los" zischte er ihr zu. Was hatte er schon für eine Ahnung, welch höchste Konzentration es erforderte, dies zu bewerkstelligen? Dies war auch der Grund, warum sie Ciran damals im Weiher verschont hatte. Einfach, weil sie nicht genug Konzentration und nötige Ruhe hatte! Und jetzt in dem Moment war sie hochgradig aufgebracht. Wahrscheinlich würde sie jetzt nicht einmal furzen können, selbst wenn sie wollte! Nein, es musste etwas sein, was sie schon beinahe im Schlaf konnte, nämlich die Lenkung! Und so sprach sie ihre Gebete und Beschwörungen und es trug wirklich Früchte! Erleichtert stieß sie ein Dankesgebet zu den Göttern aus und schwor sich, bei der nächsten Gelegenheit wieder mit mehr Herz zu beten und den Göttern ihre ihnen zustehenden Brandopfer zu bringen. Dies hatte sie schließlich mehr als oft genug vernachlässigt, seit sie die wilden Lande verlassen hatte!

Wütend kniete Rahela über Eliśja und ließ all ihren Frust und Ärger an ihr aus, den sie in sich trug. All den Ärger, den diese erst verursacht hatte! Rahela war zwar körperlich nicht sehr stark, doch dennoch ließ sie ihre Fäuste auf den Körper der jungen Frau niedergehen, während sie sie wüst beschimpfte. "Wer ist hier die falsche Schlange? Ihr seid doch zu uns in den Hain gekommen, und habt unsere Gastfreundschaft mit Füßen getreten! Entführt habt ihr mich, ihr … " Weiter sprach sie nicht, denn Rahela hatte ihr die Faust ins Gesicht geschlagen und die junge Zigeunerin stöhnte schmerzerfüllt auf. Während Rahela sich ihre Hand rieb, wetterte sie. "Ich habe niemandes Gastfreundschaft mit Füßen getreten! Ich habe mich der Gemeinschaft angepasst und ihr beiden [18]Schlampen[/18] wart es, die ihr uns mit Füßen getreten habt! Und ich habe überhaupt niemanden entführt… Ich…" Sie schwieg. Sie wollte nicht Adraéyu vor Eliśja bloßstellen, auch wenn es ohnehin offensichtlich war. Er musste das dumme Ding ja auch schließlich mitschleppen! Erst nach einer Weile ging Adraéyu dazwischen und sprach beruhigend auf Rahela ein und sie ließ sich von ihm wegzerren. Er ging drohend auf die junge Frau zu und sprach auch so mit ihr. Dann beugte er sich zu Rahela und meinte: "Wir müssen aufpassen, dass sie uns nicht im Schlaf erdolcht. Sie wirkt sehr zornig und ist inzwischen sicher zu allem fähig!" Rahela nickte. Das war wahr! "Du hast Recht…" raunte sie ihm zu. "Was ist nur plötzlich los mit ihr? Sie ist auf einmal so selbstbewusst, so... ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll… Als hätte sie sich die ganze Zeit nur als Dummchen dargestellt… Sie ist zwar ein kleines dummes Ding, aber sie ist bauernschlau, und das ist gefährlich…" Adraéyu beugte sich inzwischen zu seinem Lautenkasten und überprüfte, ob dieser oder gar die Laute nicht beschädigt war. Doch anscheinend war sie es nicht, da er ruhig blieb und diese wieder auf das Pferd schnallte. Als sie alles wieder verstaut hatten, widmeten sie sich wieder der Zigeunerin. " Los. Zeig her was du gestohlen hast!" fuhr Rahela sie an. " Ihr seid die Diebe!" stieß Eliśja aufgebracht hervor. "Halt den Mund! Ich habe gar nichts gestohlen! Ihr Zigeunervolk seid es doch, denen man das nachsagt!" Als Eliśja sich gegen Rahelas vehemente Zugriffe, sie zu durchsuchen, wehrte, gab ihr Rahela eine schallende Ohrfeige und Eliśjas Blicke verfinsterten sich beinahe bedrohlich. Adraéyu schob Rahela schließlich beiseite und begann Eliśja durchsuchen. Nach einer Weile förderte er triumphierend eine kleine Phiole zutage. Sie gehörte Rahela. Aufgebracht nahm sie diese an sich und schimpfte sie die junge Zigeunerin. "Hast du überhaupt eine Ahnung, was das ist, du dumme Göre?" Unwillig schüttelte Rahela den Kopf. Es war die Stechapfelessenz. Eliśja konnte unmöglich wissen, was das war. Wahrscheinlich hatte sie die kleine Phiole nur mitgenommen, weil diese wertvoll oder verlockend aussah. Schließlich fand Adraéyu auch die von ihm selbst gestohlenen Dinge des Alchemisten. So bestahlen sich die Diebe nun wirklich schon gegenseitig. Rahela musste innerlich schmunzeln, doch ihre Miene verriet keine Regung und sie schalt Eliśja.

Am Lagerfeuer betrachteten sie immer wieder die schlafende Zigeunerin. Adraéyu hatte ihr Traumblume zu rauchen gegeben. Und es war gut, denn Rahela fühlte sich schon lange nicht mehr wohl in ihrer Haut, seit sie Eliśja mit sich führten. "Die letzten Tage waren ganz schön Scheiße, hm?" meinte er und Rahela nickte und griff nach der Pfeife. Während sie den Rauch ausstieß, murmelte sie "Das kannst du laut sagen… Alles wäre besser, wenn sie nicht hier mit uns umherzöge. Warum binden wir sie nicht an den nächsten Baum und überlassen sie einfach ihrem Schicksal?" Das Schicksal wären wohl wilde Tiere wie Berglöwen, Bären oder andere gewesen… Es war ihr wirklich unverständlich. Adraéyu hatte ihr immer noch keine Erklärung dafür gegeben und Rahela fand es allmählich seltsam. Egal… Sie genoss Adraéyus Zärtlichkeiten und erwiderte diese. Heute konnte sie nichts und niemand mehr daran hindern oder sie dabei stören! Eliśja würde bis morgen tief schlafen! So ließen sich die beiden alle Zeit der Welt...

Ob dies ein Fehler gewesen war oder nicht, konnte man im Nachhinein nicht mehr sagen, denn plötzlich polterte ein Wagen den Weg heran. Adraéyu sprang auf und war mit seinem Langbogen und wenigen Sätzen im Dickicht verschwunden. "Hooh!" hörte Rahela den Mann rufen, dann hielten seine Pferde, sein Wagen und schließlich auch die Menschen, die um den Wagen gescharrt, mitgelaufen waren. "Hörige…" dachte Rahela, als sie die zerlumpten Menschen sah. Wie in den wilden Landen, doch bis auf Asa, ging jedermann mit seinen Hörigen, so sie folgsam waren, achtsam um. Der Mann ließ seine Blicke über Rahela schweifen und meinte "Na, wen haben wir denn hier?" Rahela fixierte den Mann mit düsteren Blicken und er fragte " Was machen denn zwei so hübsche Dinger wie ihr so spät abends ganz alleine im Wald?" "Das geht dich nix an…" blaffte Rahela ihn an. Der Mann lachte und rief " Ha! Du bist vielleicht ein Prachtweib! Für dich würden manche sicher eine Menge Geld bezahlen!" Mit diesen Worten griff er nach etwas und schließlich konnte Rahela erkennen, dass er eine Peitsche ausrollte, bereit, diese knallen zu lassen. Rahela zuckte für einen Moment unmerklich zusammen und plötzlich fühlte sie beinahe Phantomschmerzen in ihren längst verheilten Narben. Von Peitschen hatte sie wahrlich genug! Doch weiter kam er nicht, denn ein Pfeil surrte durch die Dunkelheit und stak zitternd und surrend in seinem Holzwagen. Der Mann fluchte "Was zum…?" während er den Pfeil betrachtete. Da trat auch schon Adraéyu aus der Dunkelheit und fixierte ihn mit gespanntem Bogen. " Ich würde dir raten, deine Peitsche fallen zu lassen" stieß er drohend hervor und der Mann hob abwehrend und beschwichtigend die Hände und rief "Ist ja schon gut!" Damit rollte er die Peitsche wieder zusammen und legte sie neben sich auf den Kutschbock. Er sprang von diesem herab und lief auf Rahela zu und hielt ihr die Hand entgegen. "Ich heiße Sarek!" Doch Rahela ignorierte seine Geste und starrte ihn nur weiterhin schweigend und finster an. Sarek lächelte dünn und überging ihre Ignoranz geflissentlich. " Los! Macht schon ihr Hunde! Ab in den Käfig mit euch!" rief er den Menschen, die unschlüssig und gebeugt umher standen und sie leisteten ihm Gehorsam. " Wir sollten weiterziehen!" meinte Adraéyu schließlich leise zu Rahela und sie nickte seufzend. Sie war erschöpft und müde und nun weiterreiten war nicht unbedingt etwas, was sie nun liebend gerne tun würde. Sie brachen ihr Lager ab und verstauten alles am Pferd. Rahela war nun missmutig. Sarek versuchte sie aufzuhalten "He, wollt ihr nicht noch auf einen Schluck bleiben?" rief er gut gelaunt, doch Adraéyu winkte entschieden ab, während er Rahela auf das Pferd half, die schlafende Zigeunerin vor Rahela auf das Pferd hievte, und sich dann selbst noch in den Sattel schwang. Das Pferd wieherte leise und unwillig. " He, müht euch doch nicht so mit ihr ab! Ich zahle euch einen guten Preis! Die kleine Rothaarige ist süß!" Rahela gefiel der Gedanke, das junge Ding an den Sklavenhändler zu verschachern. Als sie den Mund aufmachen wollte, um ihn zu fragen, welchen Preis er gewillt wäre, zu zahlen, fiel ihr schon Adraéyu ins Wort. "Fick dich! Halts Maul!" Rahelas Blick verfinsterte sich wieder, doch sie schwieg. Plötzlich begannen die beiden Männer zu streiten, doch Adraéyu saß mit seinem Langbogen eindeutig am längeren Ast. Unwillig trollte sich der Mann zurück zu seinem Wagen, doch Rahela bemerkte, dass er eine seltsame Geste vollführte und ein kleines Messer blitzte in der Dunkelheit auf. "Pass auf!" rief Rahela und gab ihm einen Schubs. Instinktiv warf sich Adraéyu nach vorne und ließ den Pfeil von der Sehne sausen. Dann ging alles sehr schnell. Das Messer verfehlte ihn um Haaresbreite, doch der Sklavenhändler sank, tödlich von dem Pfeil in den Hals getroffen, gurgelnd in die Knie. Rahela atmete erleichtert auf, während Adraéyu dem Sterbenden noch giftige Worte zuwarf.

"He, lass uns frei!" ertönte eine Stimme eines Mannes aus dem Käfig. Die Sklaven! Die waren ja jetzt wohl herrenlos… Nacheinander streckten sich immer mehr flehende Hände durch die Gitterstäbe und ein allgemeines Betteln und Gemurmel drang an Rahelas Ohren. Adraéyu sprang vom Pferd, musterte die Menschen und warf schließlich Rahela einen fragenden Blick zu. Diese zuckte die Schultern. Wären sie jetzt auf dem Weg in die wilden Lande, würde Rahela diese Menschen wohl mitnehmen und ihrem Fürsten zum Geschenk machen. Dem war aber leider nicht so, daher meinte sie "Bei den Göttern, lassen wir sie eben frei. Unsere letzten Tage waren so Scheiße, wie du sagtest, das muss ja nun nicht zwingend für alle Menschen gelten. Einmal im Leben können wir auch etwas Gutes tun, hm?" grinste sie ihn vom Pferd herunter an. Adraéyu nestelte an dem toten Sklavenhändler herum. Nebst Schlüssel, welcher an einem Lederband unter seiner Tunika an einem dicken Lederband baumelte, zog er auch grinsend einen dicken Geldbeutel von seinem Gürtel und ließ diesen in seiner Bruche verschwinden. Die Beule, die sich nur des Geldes wegen in seiner Hose abzeichnete, war mittlerweile schon beachtlich! Dann steckte er den Schlüssel ins Schloss, und nach einer mühsamen Bewegung klackte das Schloss und Adraéyu zog die quietschende Türe auf. Nachdem er einen schnellen Schritt zur Seite getan hatte, strömten die Menschen förmlich heraus. Sechs Sklaven… Nun mehr wieder freie Menschen… Gleichermaßen drei Frauen, wie drei Männer. Alle hochgewachsen, schön anzusehen, augenscheinlich alle aus den Nordreichen, keiner aus den wilden Landen, keine Elfen, nur Menschen… Einer trat an Adraéyu heran und fiel vor ihm auf die Knie. "Wie kann ich dir nur danken?" rief er und seine Stimme bebte, so, als wollte er gleich weinen. Rahela beschlich ein seltsames Gefühl. Beinahe so, als wäre es falsch, sich Menschen Untertan zu machen und sie als Hörige zu halten. Sie schob diesen unliebsamen Gedanken beiseite, als Adraéyu wieder auf das Pferd stieg. Die Menschen mussten schon sehen, wie sie zurechtkamen, das war nicht ihr Problem! Das Pferd setzte sich in Bewegung und sie trabten gemächlich in die Nacht. Sie ritten die halbe Nacht durch und den Rest der Nacht legten sie sich bei der nächstbesten Gelegenheit einfach ins Gras, ohne ein Lager aufzuschlagen. Sie waren einfach nur müde und wollten schlafen! Doch nicht, ohne der Zigeunerin vorher Arme und Beine zu fesseln. Es wurde immer makaberer…

Am nächsten Tag, am späten Nachmittag, erreichten sie eine Stadt. Es war Shuridron, eine Handelsstadt, die letzte Station, bevor es in die Einöde und Wildnis ging, und vielen Menschen diente diese Stadt als letzter oder auch erster Versorgungspunkt, je nachdem ob man gen Westen oder Norden, oder gen Osten oder Süden reiste. In dieser Stadt gab es von allen ein Wenig. Schenken, Tavernen, Gasthäuser, Schneidereien, ein Badehaus, einen Schmied, einen Medicus, ein Hausratgeschäft und noch etliches mehr. Shuridron war eine winzige Stadt, doch gut aufgebaut. Seit Eliśja wieder erwacht war, und sie auf dem Pferd sitzend, ihre Fesseln wieder losgeworden war, blickte sie nur mehr düster durch die Gegend. Beinahe so, als wolle sie Rahela imitieren. Rahela fühlte sich in ihrer Anwesenheit immer weniger wohl und sie betete zu den Göttern, dass sie das Mädchen bald loswürden. Ihre Blicke schweiften oftmals über den Chabur und sie dachte nicht nur einmal daran, Eliśja einfach im Chabur zu ersäufen… Schließlich suchten sie sich eine Gaststätte auf, in welcher sie speisen, trinken und übernachten würden. Rahela war schon sehr gespannt, wann Adraéyu endlich einmal Pläne schmiedete, wie sie sich Eliśja entledigten, und noch immer dachte sie kummervoll an den toten Sklavenhändler. Schließlich nahmen sie sich zwei Zimmer und grummelnd bezahlte Adraéyu diese im Voraus. Er brachte noch ihr Hab und Gut nach oben und Rahela ging einstweilen mit der jungen Zigeunerin in die Schankstube. Während sie eine Flasche Wein bestellte, ließ sie ihre Blicke gelangweilt durch den Schankraum schweifen, nur um sie ja nicht ansehen, oder gar mit Eliśja reden zu müssen. Als Adraéyu zurückkam, hellte sich ihre Miene auf.

Rahela war gut gelaunt und guter Dinge. Die Aussicht, wieder einmal in einem weichen, bequemen Bett schlafen zu können, in dieser Schenke, versetzte sie in gute Laune. Zwar wurde diese Aussicht ein wenig getrübt, da sie die Zigeunerin Eliśja immer noch mit sich herum schleppten, doch heute würde ein guter Abend werden, komme, was da wolle! Rahela bestellte sich ein wenig Brot, Käse und eingelegtes Gemüse, und als der Wirt ihnen die Speisen brachte, bat sie ihn, eine erneute Flasche Wein zu bringen. Der Wirt setzte eine zufriedene Miene auf und brachte die gewünschte zweite Flasche Wein. Heute wollten sie es sich so richtig gutgehen lassen! Auch Eliśjas Stimmung schien sich ein wenig aufzuhellen, was nicht zuletzt an dem Wein lag, aber auch ganz sicher an der Schenkenatmosphäre. Wahrscheinlich war sie als Zigeunerin nicht oft in solchen Häusern abgestiegen, wenn überhaupt! Während Rahela an ihrem Käse und Brot zupfte, und sich immer wieder mit den Fingern ein Stück davon in den Mund schob, beobachtete sie die Menschen, die hier saßen. Der Rauch von Pfeifenkraut durchströmte die Schenke, es roch wie üblich nach Schweiß, ein wenig Urin, abgestandenem Bier und der Duft von Schnaps umwaberte ihre Nase. Rahela fand solche Schenken ganz ulkig. Es gab immer etwas zu sehen, oder zu beobachten. Würfelspiele, Kartenspiele, die eine oder andere Rauferei oder Streiterei, was Rahela meistens amüsierte. Als sie gegessen hatten, war Rahela ein wenig müde. Sie saß bei ihrem dritten Becher Wein, oder war es schon der vierte? Sie wusste es nicht mehr so genau, und die lösende, befreiende Wirkung des Getränkes machte sich allmählich in ihr breit. Sie stützte ihren Kopf in die Hand und musterte die junge Zigeunerin. Adraéyu rauchte eine Pfeife mit dem Pfeifenkraut des Menai und schwieg hauptsächlich, verborgen im Schatten seiner Kapuze, doch Rahela ließ sich von seiner ruhigen Stimmung nicht aus der Ruhe bringen. "Welch illustre Runde wir hier sind, nicht wahr?" meinte Rahela lächelnd, und mit einem Seitenhieb an die junge Zigeunerin meinte sie noch "Wie schade, dass Nadiija nicht bei uns sein kann, die fehlte uns hier gerade noch, findest du nicht auch?" Eliśja murmelte "Lass das…" Doch Rahela sah sie nur herausfordernd an und meinte "Wieso? Denkst du nicht manchmal an sie? Fehlt sie dir denn gar nicht?" Eliśja schwieg, dann meinte sie "Du bist wirklich ein Biest…" "Wirklich? Das hab ich schon so oft gehört. Wenn du mich beleidigen willst, musst du dir schon etwas besseres einfallen lassen. Also ich denke manchmal noch an Nadiija…" meinte sie herablassend und nahm den Becher Wein in die Hand. "Auf Zurückgelassene…" meinte sie und hob den Becher. Eliśja blitzte sie böse an. "Auf die wilden Lande… Auf die Götter, die Alten, die einzig Wahren…" meinte Rahela "Und auf Nadiija…" fügte sie noch boshaft hinzu und trank einen großen Schluck Wein. Da konnte Eliśja nicht mehr an sich halten. Sie hatte wohl auch schon einen über den Durst getrunken, und stieß schließlich leidenschaftlich hervor, mit einem Nicken auf Adraéyu. "Kein Wunder, dass er sich in meinen Schoß flüchtet, wenn du so ein Ekel bist…!" Sie schlug sich erschrocken auf den Mund, senkte den Blick und Rahela erstarrte.

Als Rahelas Vater gestorben war, und sie Nachricht darüber erhielt, musste sie lächeln, weil sie es nicht glauben konnte. Sie hatte mit ihrem Vater nie ein inniges Vater Tochter Verhältnis gehabt, und doch erschien es, als würde ihr Verstand sie mit dieser Reaktion des Lachens davor schützen, sich im ersten Moment der vollen Tragweite dieser Worte bewusst zu werden. Und auch jetzt lächelte Rahela, als sie Elisjas Worte vernommen hatte. Sie schluckte und spürte, wie sich der Schluck Wein quälend langsam durch ihre Kehle mühte und wie ein Kloß im Hals stecken zu blieben schien. "Was hast du da gesagt?" flüsterte sie und warf einen Blick auf Adraéyu, der plötzlich aus seiner Lethargie gerissen schien. Er schwieg immer noch, doch er hatte sich leicht nach vorne gebeugt. Rahela biss sich auf die Lippen und ihr Lächeln erstarb. "Ist das wahr?" fragte sie ihn leise, und er sagte nichts. Das war Rahela Antwort genug. Natürlich war es wahr! Wahrscheinlich hatte sie ihn, mit ihrer dummen Idee, ihm Nadiija und Eliśja zum Geschenk zu machen, gerade erst auf den Geschmack gebracht. Wahrscheinlich nahm er jede Gelegenheit dazu wahr, wenn die Beiden alleine waren, oder Rahela abends schlief, sie zu [18]ficken.[/18] Dieses junge Ding zu [18]ficken,[/18] dieses Mädchen, das angeblich nur auf Frauen stand. Sie spürte, wie ihr die heißen Tränen in die Augen stiegen und sie schluckte schwer. Doch sie kämpfte gegen den Tränenfluss an und würgte diesen tapfer ab. Sie blickte noch immer in Adraéyus Richtung. "Wieso tust du mir das an?" fragte sie in die Dunkelheit seiner Kapuze. "Wieso? Weil ich nur eine Chéla bin?" Sie vermied, das Wort 'deine' in den Mund zu nehmen. Die Stimmung war nun eiskalt und ungemütlich geworden. "Weil ich zu einer unansehnlichen schwangeren Frau geworden bin?" Sie sprach, als wäre Eliśja gar nicht da. Und es war ihr, verflucht nochmal, völlig egal, ob sie da war. "Bei den Göttern… Was bin ich nur für ein dummes Weib! Sie hatten alle Recht! Jodis, Kolgrim… Alle, die mir sagten, du bist nur ein Blatt im Wind… Sie alle hatten Recht und ich habe ihnen nicht geglaubt…" flüsterte Rahela tonlos. "Und gegen Jodis habe ich noch deine Ehre verteidigt… Und meiner Sippe... " Sie schnitt sich selbst das Wort ab. Sie war es leid, diese alten Sippen- und Schande- Geschichten hervor zu kramen. "Ich dachte, das zwischen uns sei etwas Besonderes. Auch, wenn wir keinen Bund geschlossen haben… Ich dachte, ich bin mehr als nur eine Chéla, doch hast doch im Birkenhain gesagt… Seit ich mit dir unterwegs bin, habe ich nicht einmal an andere Männer gedacht, sie waren wie unsichtbar für mich, ich habe immer nur dich gesehen und an dich gedacht… Du warst schon davor alles für mich und dann wurdest du noch der Vater meines Kindes… Was bin ich doch für ein blödes, leichtgläubiges, einfältiges Stück!" sinnierte sie. Sie schwieg für einen Moment und hielt sich fassungslos die Hand vor den Mund, als ihre Lippen zu beben begannen. Sie wollte nicht, dass es einer von Beiden an diesem Tisch sah. Als sie sich wieder gefangen hatte, erhob sie sich. Sie wankte ein wenig. Sie war etwas betrunken, das wusste sie, doch ihr Geist war immer noch scharf und wach und kein bisschen benebelt. Sie bedachte Eliśja mit einem vernichtenden Blick und flüsterte ihr zu "Wenn ich könnte, wie ich wollte, ich würde dich am liebsten an Ort und Stelle abschlachten… Dein Herz würde ich Dir bei lebendigem Leib herausschneiden und verbrennen, und deine Augen würde ich meinem Raben zum Fraße vorwerfen…" Harte Worte, doch Rahela meinte sie so todernst, wie sie sie aussprach. "Ich möchte wieder nachhause…" hauchte sie wehmütig.

Sie hielt sich mit einer Hand an der Tischkante fest und rief in den Raum "He!" Sie hatte es zu leise gerufen, darum räusperte sie sich und rief noch einmal, diesmal ein wenig lauter " Heee!!! Hört alle einmal her!" Die Menschen in der Schenke verstummten und blickten neugierig auf die seltsame Frau mit den langen schwarzen wilden Haaren, die immer ungekämmt aussahen. Deren Antlitz so stolz war und deren Ausdruck in den Augen gleichzeitig so gebrochen wirkte. Rahela räusperte sich. Was tat sie hier eigentlich? Und doch, war ihr in diesem Moment alles so egal, wie schon lange nichts mehr in ihrem Leben. "Ist heute nicht ein schöner Abend?" rief sie laut in die Schenke. Einige Männer murmelten zustimmend. "Das hab ich mir auch gedacht, und doch musste ich eben erfahren, dass mein Mann… Nein, eigentlich ist er nur mein Begleiter, dessen Kind ich unglückseligerweise in mir trage…" Sie hielt kurz inne und bemerkte schmerzlich, dass sie in diesem Moment zum ersten Mal bemerkte, dass sie kleine Tritte spürte. Sachte, ganz sachte, wie der Flügelschlag eines Schmetterlings bewegte sich da etwas in ihrem Leib und sie hielt sich die Hand schützend an das Bäuchlein, das sich schon deutlich sichtbar wölbte. Eine Träne verirrte sich aus ihrem Augenwinkel und hastig wischte sie diese weg und sprach weiter. "… Hat sich mit einer jungen Frau vergnügt, die alt genug ist, sie zu [18]ficken[/18], aber jung genug ist, um seine Tochter zu sein." Ein leises Gemurmel ging durch den Raum und eine Frau rief [18]"Hurenbock!"[/18] Ihre Hand wanderte an ihren Hals, so, als könnte sie damit den Kloß in ihrem Hals vertreiben und rutschte dabei über den Bernsteinanhänger, den er ihr geschenkt hatte. "Sagt mir, bin ich so unansehnlich, nur weil ich ein Kind in mir trage?" Einige der Leute, gleichfalls Männer wie Frauen, schüttelten den Kopf. Dann ließ sie ihre Blicke durch den Raum wandern. Sie blickte einen Mann an, der nicht so übel aussah und sie zeigte mit dem Finger auf ihn. "Du da... Wie heißt du?" Er sah sich rechts und links um, blickte sie erstaunt an und deutete mit der Hand auf sich selbst. "Ich? Gishar, wenn's beliebt!" Sie nickte. "Gishar, hast Du ein Weib?" Er schüttelte den Kopf. "Leider nicht, meine letzte…" "Ist gut, ist gut…" unterbrach sie ihn ein wenig ungeduldig. "Und störst du dich, wie der Chéol, der an meinem Tisch sitzt, an schwangeren Frauen?" "Nein, gar nicht, ich finde es sogar äußerst…" "Gut, das genügt mir zu wissen…" nickte sie. "Komm und begleite mich nach oben, Gishar, in mein Zimmer, denn ich habe für heute genug …" meinte sie und nickte deutend zu den Stiegen und nach oben. "Bei den Alten, so ein Glückspilz…" murmelte ein anderer. Rahela warf ihm einen irritierten Blick zu und sagte zu ihm "Du auch, komm auch mit!" Ein breites Grinsen ging über sein Gesicht und er ließ es sich nicht zweimal sagen und erhob sich. Rahela hielt noch einen Moment inne. Sie sah Eliśja an, ging einen Schritt auf sie zu und tippte ihr mit dem Zeigefinger auf die Stirn. Sie murmelte einige unverständliche Worte in ihrer Sprache und meinte zu Eliśja "Ich glaube, Du hast da ein paar Erlebnisse vergessen…" blitzte Rahela sie böse an. In einer anderen Situation hätte sie darüber vermutlich gehässig gelacht, denn Eliśja würden nun all Dinge, die Rahela, Adraéyu, und besonders Aldenar ihr in jener Nacht angetan hatten, wieder ins Gedächtnis kommen. Doch nach Lachen war ihr nun nicht mehr. Sollte sie doch damit konfrontiert werden! Was kümmerte Rahela das nun! Dann warf sie noch einen Blick auf Adraéyu. "Und du… Alles, was du mir im Birkenhain gesagt hast, ist für mich nur Schall und Rauch, denn was wiegen deine Worte schon, im Vergleich zu deinen Taten...? Mögest du vergessen werden! Ich werde dich vergessen, wenn ich erst wieder in den wilden Landen bin." Dann griff sie an ihre Kette, riss sie sich vom Hals und schleuderte sie ihm entgegen. Die Kette war abgerissen und lag auf der kerbigen, schmutzigen Tischplatte. Der Bernstein schien im schwachen Talglicht beinahe zu leuchten, so wie Adraéyus Auge, welches im Schatten verborgen lag. Die kleinen Einschlüsse darin, die diesen Stein für jeden Schmuckhändler und Goldschmied so wertmindernd machten, machten diesen Stein für Rahela erst zu etwas Besonderen, denn diese erinnerten sie an seine flirrenden Funken, die hinter der Iris oftmals umher huschten. "Du hast heute das vielleicht Beste verloren, das dir je passiert ist!" Mit diesen Worten wandte sie sich ab und ging mit Gishar und dem Anderen nach oben. Als Rahela die Schankstube verlassen hatte, starrten einige der Anwesenden Adraéyu und Elisja an, die immer noch an dem Tisch saßen. Der Wirt rief. "Wunderbar! Da dies nun geklärt ist..." dabei klatschte er in die Hände und forderte die anwesenden Spielleute auf, ein Lied zu spielen. Diese ließen sich auch nicht lange bitten.
Ach ich werde mich wohl bald müssen bequemen,
mir ein hübsches, junges Weibchen zu nehmen.
Aber ach so manch junger Gesell,
fand schon in der Eh' statt des Himmels die Höll'.

Aber nein, aber nein, aber nein, aber nein,
ich werde vorsichtig sein.
Aber nein, aber nein, aber nein, aber nein,
ich werde vorsichtig sein.

Manche Mädchen sind gar liebliche Dinger,
haben weiße Arme und zärtliche Finger.
Aber das ist alles nur äußerliche Pracht,
denn in ihren Herzen sind sie schwarz wie die Nacht.

Aber nein, aber nein, aber nein, aber nein...

Manche suchen in ihren frühen Tagen,
wie sie einen jungen Ehemann erjagen.
Doch nach eines Jahres vollendetem Lauf,
setzen sie dem Mann schon die Hörner auf.

Aber nein, aber nein, aber nein, aber nein...

Manche sind so zart wie Lämmer und Täubchen,
sind sie aber erst im Stande der Weibchen,
da wollen sie gleich Herr im Hause sein,
sie schlagen zuletzt mit dem Pantoffel drein.

Aber nein, aber nein, aber nein, aber nein...

Aber Gott sei Dank: Es gibt noch eine Sorte,
die ist ohne Falschheit in Tat und in Worte!
Ist fleißig bei der Arbeit, tüchtig und reich,
sind niedliche Dinger und hübsche zugleich.

Aber nein, aber nein, aber nein, aber nein,
das kann doch nicht Wirklichkeit sein!
Oben angekommen, ließ sie die beiden Männer ins Zimmer. Sie betrat das andere Zimmer, und holte ihre Tasche. Dann ging sie eilig in ihr Zimmer zurück, schloss die Türe hinter sich und schob den Riegel vor. Sie kniete nieder und überprüfte, ob alles Wichtige da war. Das Buch, die Kräuter, Gifte und Essenzen… Ein wenig Proviant, kein Geld, aber darauf schiss sie. Geld gehörte zu den übrigen Ländern der Nordreiche, in den wilden Landen spielte es keine Rolle. Sie fixierte den Mann, dessen Namen sie nicht kannte und fragte ihn "Du hast vorher 'Bei den Alten' gesagt… Woher stammst du? Und wie lautet dein Name?" "Mein Name ist Aevarr… Ich stamme aus den wilden Landen…" Ein Lächeln ging über ihr Gesicht, so gut sie eben zu Lächeln vermochte. "Aus welchem Clan bist du, Aevarr?" fragte sie mit ehrlich gemeintem Interesse. "Aus dem Wengûr-Clan… Ein unbedeutender Clan am Fuße des Craegachs." Sie nickte. Sie hatte ehrlich gesagt noch nie von dem Clan gehört, er musste auf der anderen Seite des Craegachs liegen, anders konnte sie sich es nicht erklären. Wann kehrst Du wieder zurück in die wilden Lande, Aevarr?" Der blonde Hüne erwiderte "Schon morgen. Ich war nur für heute Nacht in Shuridron. Ich habe einige unerlässliche Dinge hier besorgt, denn die Händler kommen erst wieder im Herbst in die wilden Lande, solange konnten wir nicht warten." Sie nickte wissend. "Nimmst du mich mit in die wilden Lande? Ich sehne mich nach zu Hause..." flüsterte sie flehend. War sie erst in den wilden Landen, war es eine Lächerlichkeit, den Weg zurück in den Faernach Clan zu finden! "Von mir aus…" meinte Aevarr und seine Miene war aufmunternd.

[18]"Genug der Worte…" meinte sie und löste die Schnürung ihres Kleides. Das Kleid fiel über ihre Schultern und sie schob es an ihrem Oberkörper hinunter. Es fiel über ihre Hüften und dann entstieg sie dem Kleid und ließ dieses achtlos auf dem Boden liegen. Dann setzte sie sich auf das Bett und sah die beiden Männer herausfordernd an. Diese ließen sich auch ohne Worte nicht bitten und entkleideten sich hastig. Gishar war der eindeutig Schönere, der beiden Männer, doch das Wissen, dass Aevarr aus den wilden Landen stammte, ließ ihr Herz deutlich höher schlagen. Flugs waren beide nackt und der Gishar setzte sich zu Rahela den Rand des Bettes und küsste sie, während Aevarr ihre Beine aufs Bett zog, diese leicht öffnete und sich mit seiner Zunge den Weg bahnte. Rahela stöhnte leise in Gishars Mund, während sich dieser mit der einen Hand in ihren dichten Haarschopf grub und mit der anderen vorsichtig ihre Brüste knetete. Rahela blendete Adraéyu in diesem Moment völlig aus. Der, ach so arme, Raéyun, der mit seinem Schwanz immer so unglücksselig und unbeabsichtigt in eine Möse stolperte… Sollte er doch zum Henker gehen! Aevarr stellte sich wirklich sehr geschickt an. Er umkreiste ihren empfindlichsten Punkt, glitt mit feuchten Fingern in sie hinein, streichelte sie und fingerte sie und umschloss schließlich ihre Backen. Seine Hände wanderten über ihre Hüfte, glitten langsam und bedächtig über ihren Bauch und suchten schließlich ihre Brüste und umschlossen diese. Schließlich ließ Gishar von ihr ab und murmelte "Jetzt will ich auch mal ran…" Aevarr nickte und sie tauschten die Plätze. Gishar leckte Rahela mit dem abwechselnden, reizvollen und schier unerträglichen Spiel zwischen weicher und harter Zunge, bis er sich schließlich nicht mehr zurückhalten konnte. Er schob ihr sein hartes Gemächt rein und begann sie vorsichtig zu ficken. "Du brauchst dich nicht zurückhalten, ich bin kein rohes Ei…" murmelte Rahela ihm zu, während sie aufstöhnte. Im Zimmer wurde es trotz des kühlen Abends, der vorherrschte, bald heiß und Rahela begann zu schwitzen. Ihre Haut wurde von einem feinen Film überzogen und die laue Luft streichelte ihr sanft und kühl darüber. Nach einer Weile nahm er sie und drehte sie um, um sie von hinten zu nehmen. Kehlig stöhnte sie auf und widmete sich schließlich Aevarrs hartem Gemächt um ihm Lust zu bereiten, während ihr der Schweiß an ihrem Hals, über die Schultern und schließlich übers Dekolleté und zwischen die Brüste lief… Ihr langes Haar klebte ihr am Rücken und umhüllte diesen beinahe wie ein schwarzer Mantel…[/18]
Sie ist eine Frau! Und alle Frauen sind böse...!

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Re: Windherz & Rabenseele

Beitrag von Adraéyu » Fr, 01. Feb 2013 12:21

Bildährend Rahela ihren Ausbruch hatte, und Adraéyu zuerst immer ruhiger, und dann wohl auch immer roter wurde, begann Eliśja immer breiter und gehässiger zu grinsen. Es schien ihr zu gefallen, dass Rahela sich selbst vergaß und ihrer Verzweiflung freien Lauf ließ. Vermutlich hatte Rahela recht. Eliśja genoss in diesem Moment das wohltuende Gefühl, Rache an Rahela genommen zu haben. Sie hatte Adraéyu verführt, und ihr so eins ausgewischt. Und nun, da sie die Wahrheit erfahren hatte, reagierte sie und übertraf alle kühnsten Erwartungen Eliśjas. Als Rahela sich langsam dem Ende ihrer Tirade näherte, da zischte sie Eliśja einige harsche Worte zu, doch diese trafen sie kaum. Sie grinste unentwegt weiter und Adraéyu wurde langsam zornig. Zornig auf sich selbst, zornig auf Rahela, weil sie sich so kopflos verhielt, und auch zornig auf die kleine Zigeunerschlampe.

Als Rahela schließlich den Bernsteinanhänger sich vom Hals riss, und Adraéyu vor den Latz knallte, da traf dies Adraéyu merklich. Sein Blick ruhte starr auf dem zerstörten Anhänger, während Rahela damit begann die Männer verrückt zu machen. Doch das nahm Adraéyu gar nicht wahr. Er ließ die Hand über dem Anhänger niedergehen und zog ihn dann zu sich heran. Der Bernstein war unter der Wucht des Aufpralls gebrochen und hatte nun einen großen Sprung. Adraéyu fühlte eine eisige Kälte in sich aufsteigen. Und kurz darauf eine kochende Wut. Dieser Anhänger war mehr als nur ein plumpes Schmuckstück. Er hatte es als einen Teil von sich selbst bezeichnet. Das zerstörte Auge, wie es sein sollte, für Rahela ein Zeichen. Und sie spuckte darauf. Sie hatte den Anhänger zerstört, und damit auch den Teil von ihm, den er ihr geschenkt hatte. Es glich beinahe dem Zerstören eines Eheringes, wenn zwei Verheiratete sich stritten.

Mit einem finsteren Blick, ließ er den Bernsteinanhänger in seine Tasche gleiten und besah den Rest der folgenden Farcé. Er spürte, wie sich die Blicke auf ihn setzten, doch das war ihm egal. Er sah nur zu, wie Rahela mit den beiden Kerlen auf der Treppe in das obere Geschoss verschwand. Als Rahela schließlich außer Sichtweite war, erhob er sich langsam und bedächtig, als ob all dies ihn überhaupt nichts anginge. »Los, komm.«, zischte er zu Eliśja und diese verlor augenblicklich ihr breites Grinsen und zuckte unmerklich zusammen. Er packte das junge Ding am Handgelenk, und zerrte sie mit sich hinauf, Rahelas Spuren folgend.

Im oberen Geschoss angekommen, bugsierte er Eliśja in den freien Raum und warf sie sogleich auf das Bett. Eliśja hatte gemischte Regungen, welche sich in ihrem Gesicht abzeichneten. Verwirrung, Angst, aber auch ein selbstgefälliges Lächeln. Vielleicht erwartete sie, dass er sie hier an Ort und Stelle nehmen würde, um seinen Frust abzubauen. Adraéyu entging nicht, wie sie langsam ihre Beine öffnete, und ihr Kleid sich zwischen den offenen Beinen spannte und so einen tiefen Blick darunter gewährte. Doch mit einem Mal begann sich ihr Gesicht zu verändern. Sie sah schmerzerfüllt aus, und hatte einen ungläubigen Blick, welcher ihr Gesicht vereinnahmte. Kurz darauf rutschte sie auf dem Bett vor Adraéyu davon und sah ihn mit wütenden und zugleich ängstlichen Blicken an. »Ihr Bastarde! Alle beide! Was habt ihr mir angetan?«, rief Eliśja entsetzt und zog sich den Rock herunter, um sich zu verhüllen. »Halts Maul.«, blaffte Adraéyu nur, doch sie ließ sich nicht beirren. »Du hast mich vergewaltigt!«, rief sie und Tränen standen ihr in den Augen. »Und nicht nur das. Nur einen Tag später hast du mich geliebt, als ob ich dir gehören könnte. Du bist ein mieses Arschloch!« Ihre Stimme brach und sie brach kurz darauf in Tränen aus. Doch Adraéyu kümmerte das nicht. Er nahm nur seine Laute aus dem Kasten und zog schließlich den Schlüssel aus dem Schloss ab. »Du wartest hier. Und gnaden dir die Sieben und die Fünf, wenn du auf dumme Ideen kommst oder zu flüchten versuchst.« Eliśja reagierte nicht. Weder nickte sie, noch schrie sie. Sie sagte nichts, und so warf Adraéyu die Tür ins Schloss und versperrte sie sogleich mit den Schlüssel.

Mit zielsicheren Schritten ging er zu jener Tür, hinter welcher er Rahela vermutete. Und als er sein Ohr auf die hölzerne, grob gemaserte, Tür legte, da vernahm er gedämpftes Stöhnen und unverständliche, gemurmelte Worte. Adraéyu ballte nur die Faust, doch war die Tür verschlossen. Es gab kein Hinein. Er sah sich suchend um, und entdeckte am Ende des Ganges ein Fenster. Dieses Gasthaus hatte keine verglasten Fenster. Nur einfache Holzrahmen, welche man mit einfachen Läden versperren konnte. Dieses Fenster war offen, und so trat er näher heran und beugte sich ein wenig hinaus. Es war bereits dunkel, denn der Abend dämmerte schon seit geraumer Zeit. Und als er aus dem Fenster hing, da sah er, als er um die Ecke sah, dass das Fenster zu Rahelas Zimmer offen war. Auch vernahm er das tiefe Stöhnen von männlichen Stimmen. Er kletterte aus dem Fenster und hielt sich an dem Sims fest. Sogleich wurde ihm sehr mulmig zumute, als er nach unten sah, und feststellte, wie weit es hinunter ging. »Oh verdammt.«, flüsterte er und krallte sich sogleich fester in den Sims hinein. »Mögen die Furien des Windes mir beistehen.«, raunte er sich selbst zu, doch glaubte er selbst nicht so recht daran, dass dies geschehen würde. Er hangelte sich einige Schritte weit, an dem Sims entlang, bis er an der Ecke des Hauses angelangt war. Doch hier war Schluss. Er konnte unmöglich um die Ecke greifen um weiter zu hangeln. Und so gab er sein Unterfangen auf, über das Fenster zu Rahelas Zimmer zu gelangen. Er hangelte sich auf dem gleichen Weg, auf dem er gekommen war, wieder zurück und kroch dann durch das noch offene Fenster wieder ins Haus.

Resignierend setzte er sich auf den Boden und vergrub das Gesicht in den Knien. Und als er so in sich gekehrt war, da kroch ihm wieder eine wohlbekannte Stimme ins Ohr. »Na? Brauchen wir Hilfe?«, fragte Aldenar gehässig. Adraéyu sah von seinen Knien auf und entdeckte Aldenar, wie er lässig an der Wand lehnte, die Arme vor der Brust verschränkt, und den rechten Fuß an der Wand abgestützt. Er wirkte beinahe provozierend, so wie er da stand. »Verschwinde.«, befahl ihm Adraéyu und winkte mit den Händen, doch Aldenar lachte nur. »Na, gib dir mehr Mühe. So wirst du mich sicher nicht los. Wo sind dein Groll und dein Hass?«, fragte Aldenar und legte den Kopf schief, wie Adraéyu es zuweilen pflegte. »Das weißt du genau.«, sagte Adraéyu und zog sich am Fenster wieder auf die Beine. »Ah ja. Rahela. Ich habe mir eigentlich mehr erwartet, als ich dir gesagt hatte, dass ich nicht in deiner Haut stecken wollen würde, wenn sie es erfährt.« Adraéyu biss sich die Zähne zusammen, bis sein Unterkiefer knackte und bedachte Aldenar mit einem wütenden Blick. »Du bist doch Schuld.«, meckerte Adraéyu und war schon im Begriff der eingebildeten Erscheinung eine knallen zu wollen, bis er sich besann, dass dies sinnlos sein würde. Und Aldenar lachte nur über Adraéyus Hilflosigkeit. »Unsinn. Du hast es genauso gewollt, wie die kleine Schlampe.«, lachte Aldenar herausfordernd, doch Adraéyu stieg nicht darauf ein. »Lach du nur. Wenn Rahela in den Norden zurück geht, werde ich sie nicht begleiten. Das hast du von deinen Intrigen. Du wirst Ruénja auf immer verlieren.« Da zuckte Aldenars Mundwinkel unweigerlich und kurz darauf verfinsterte sich ein Blick. »Das lasse ich nicht zu.« Adraéyu war es nun der lachte und die Arme verschränkte. »Und was willst du machen?«, fragte er mit ehrlicher Neugierde, doch Aldenar schwieg. »Lass mich frei!«, bat Aldenar mit einer ungewohnten Höflichkeit in der Stimme. Adraéyu dachte nicht einen Augenblick darüber nach. Er sah Aldenar nur tief in die Augen und nickte dann. »Gerne.«, sagte Adraéyu und erntete dafür einen verblüfften Blick von Aldenar. »Tu dir keinen Zwang an.«, sagte Adraéyu und seine Mundwinkel umspielte ein gehässiges Grinsen. Und nur wenige Wimpernschläge später begann Aldenar frenetisch zu kichern und dann wurde es schwarz um Adraéyu.

Doch nicht für lang. Nur wenige Atemzüge später, stand Adraéyu dort, wo Aldenar zuvor gestanden war. Verwirrt sah er sich um und öffnete die Hände um die offenen Hände vor sein Gesicht zu halten. »Ungewohnt, nicht wahr?«, fragte Aldenar und Adraéyu nickte nur. »Sieh es als Geschenk. Du kannst dabei zusehen. Und du wirst dich an alles erinnern können.« Adraéyu nickte und ein diebisches Grinsen der Freude huschte über sein Gesicht.

Aldenar ging vor Rahelas Tür in die Hocke und lugte durchs Schlüsselloch. »He, da liegt sie ja. [18]Und der Wilde fickt sie gerade von hinten![/18]« Adraéyu wollte das eigentlich gar nicht so genau hören. Auch wenn Rahela da zweifellos anderer Meinung war, doch was sie da soeben tat, wog seines Erachtens viel schlimmer. Adraéyu hatte Rahela nicht so bewusst betrogen, wie sie es gerade tat. Sie hatte sich zwei völlig beliebige Kerle genommen, und mit völligem, berechnetem Bewusstsein, ließ sie sich gerade von ihnen [18]ficken[/18]. »Mach einfach, und rede nicht.«, sagte Adraéyu und versuchte die schwarzen Gedanken auszublenden, die seinen Geist bereits umnebelten.

Und Aldenar nahm sich die Laute zur Hand, lugte weiterhin durch das Schlüsselloch und grinste dann. »Der Wilde sieht kräftig aus.«, murmelte er, und ließ kurz darauf die Finger über die Saiten tanzen. »Sie sind zu sehr abgelenkt.«, murrte Aldenar und verharrte einige Augenblicke. »Ah, der andere ist fertig.«, seufzte Aldenar und begann sein Spiel. »Rahela ist nicht die einzige, mit Macht.«, grinste Aldenar und kurz darauf erklang ein leises, kaum hörbares Lied. Aldenar wollte weder die Aufmerksamkeit der Drei in dem Zimmer erringen, noch dass andere Gäste seine Musik vernahmen. Flüsternd sang er eine dunkle Weise. Das Lied der Irrlichter, welches Adraéyu in seiner Kindheit oft gehört hatte, und sich dann stundenlang gefürchtet hatte einzuschlafen. Aldenar sang dieses Lied mit einem monotonen Akkord, dass das Lied noch eingängiger wurde, und man sich ihm kaum entziehen konnte. »Komm her.«, flüsterte Aldenar und ließ dazu die Saiten erklingen. Und Adraéyu stand nur daneben und bedachte das seltsame Bild, wie sein Körper vor der Tür hockte, durch das Schlüsselloch spähte und ein Lied, flüsternd, sang.

Wenige Augenblicke später grinste Aldenar und erhob erneut die Stimme. »Los, nimm den Riegel von der Tür.« Und kurz darauf vernahm Adraéyu ein kratzendes Geräusch hinter der Tür. Da war Aldenar schon aufgesprungen und hatte die Laute neben sich auf den Boden gelegt. Mit einer geschickten Drehung zog er das Langmesser aus der Schneide, stieß sachte die Tür auf, und trieb die Klinge, dem verdutzten Mann von unten in den Kopf. Die scharfe Klinge fraß sich in die weiche Haut des Halses und durchstieß die Mundhöhle. Blut schwoll dem Mann aus dem Mund, doch sein Gurgeln erstarb nur wenige Augenblicke später, als die Klinge den Mund durchstoßen hatte, und in den Schädel eingedrungen war. Das Hirn schmatzte kurz, und da hatte Adraéyu auch schon die Klinge aus dem Schädel gezogen. Er war augenblicklich tot. Nicht einmal seine Augen konnten so schnell leer und glasig werden, wie ihm das Lebenslicht ausgeblasen wurde. Aldenar fing geschickt den fallenden Leichnam des Mannes auf und zog ihn in den Raum hinein.

Als er in das Zimmer trat, da folgte ihm Adraéyu unauffällig. Auf dem Bett lag Rahela auf dem Rücken. Und über ihr rackerte sich gerade dieser wilde aus den wilden Landen ab. Er stöhnte schwerfällig und sie krallte sich in seinen Hintern und fiel in sein Gestöhne mit ein. Adraéyu konnte nicht wirklich sagen, ob es ihr gefiel, oder nicht. Doch wenn man die Laute deutete, dann kam eigentlich nur ein Schluss in Frage. »Töte ihn.«, zischte Adraéyu und Aldenar hob die Hand. Wie zum Zeichen, dass er Adraéyu aufforderte zu Schweigen.

Aldenar schlich an das Bett heran und näherte sich dem Mann von hinten. Er war so laut, wie ein röhrender Hirsch. Kein Wunder, dass sie es nicht einmal bemerkt hatten, dass der andere Kerl zur Tür gegangen war und kurz darauf verreckt ist. »Du hast etwas vergessen … deine Blutmagie!«, rief Aldenar und noch bevor die Worte verhallt waren, und weder Rahelas noch Aevarrs Verstand sich darüber klar werden konnte, dass da jemand im Raum war, da ließ Aldenar die Klinge auf den Mann niedergehen. Er traf ihn genau im Genick, und das scharfe Messer, rutschte wie durch Butter in das weiche Fleisch, schlitzte die Kehle auf und trat mit Schwung auf der anderen Seite wieder hervor. Aevarr hatte gerade lustvoll gestöhnt und den Mund geöffnet, und im selben Augenblick trat ihm die Klinge direkt aus dem Mund aus. Zwei Schneidezähne brachen unter der Wucht des Stoßes sogleich ab, und das Blut schoss Rahela in Strömen ins Gesicht. Die Klinge kam nur eine Haaresbreite vor Rahelas rechtem Auge zum Stillstand. Rahela starrte ungläubig auf die Klinge. Die blute Spitze hing ihr so dicht vor dem Auge, dass sie wohl nur einen roten, verschwommenen Schemen erkennen konnte. Doch wenige Herzschläge später begann sie zu kreischen.

Da zog Aldenar das Messer aus dem Nacken des sterbenden Mannes und trat ihn achtlos beiseite. »Blut, für deine Blutmagie. Um ihn dir richtig hörig zu machen. Denn nur so macht es dir doch am meisten Spaß, nicht wahr?«, ätzte Aldenar gehässig und versetzte Rahela kurz darauf einen festen Schlag gegen die Schläfe. »Verletzte sie nicht!«, ermahnte Adraéyu doch Aldenar hob nur den Blick und sah Adraéyu tief in die Augen. Ein wahnsinniger Schatten huschte über das goldene Auge, und das rote Glasauge glühte bedrohlich. »Sie braucht etwas, dass sie an diese Nacht auf ewig erinnern wird.« Adraéyu legte den Kopf schief und sah Aldenar fragend an. »Damit sie den heutigen Tag niemals vergisst.« »Das wird sie sicher nicht.«, sagte Adraéyu und verschränkte die Hände vor der Brust. »Lass uns gehen, bevor man dich verhaftet.«, sagte Adraéyu nur nervös doch Aldenar lachte verachtend aus. »Wer [18]ficken[/18] will, muss auch den Preis dafür zahlen. Manch eine zahlt mit einer ungewollten Schwangerschaft, manch eine mit einer ansteckenden Krankheit. Und Rahela …«, mit diesen Worten setzte er ihr das Messer auf den linken Busen und schnitt eine geschwungene Wunde. Er ließ von ihr ab, und setzte ein weiteres Mal an der linken Brust an, um einen zweiten Schnitt zu setzen. »Lass das!«, rief Adraéyu ungehalten, doch Aldenar ließ sich nicht stören. Er pfiff sogar ein fröhliches Lied, während er Rahela eine Rune in den Busen schnitt. »... zahlt mit Blut. Das wird sie immer daran erinnern.«, sagte Aldenar irgendwann zufrieden und erhob sich von Rahela.

Sie atmete schwer und ihr Körper war völlig mit Blut verschmiert. Nicht nur das des toten Kerls, welchen Aldenar abgestochen hatte. Auch ihr eigenes, wenn auch bedeutend weniger. Aldenar begann in Rahelas Tasche zu wühlen. »Was machst du da?«, fragte Adraéyu verwirrt. »Rahela bändigen.«, sagte Aldenar nur und zog kurz darauf ihr heiliges Runenbuch aus der Tasche, sowie ein schwarzes Pulver. Das buch verstaute er in der Tasche. Wenn Rahela ihre Rache suchen würde, dann würde er es verbrennen! »He, wie kommt denn das Schwarzpulver in ihre Tasche?«, fragte Adraéyu und Aldenar zuckte nur die Schultern. »Aber das kommt mir gerade recht.« Er löste die Verschnürung des Beutels und schüttete den Inhalt auf die Wunde an Rahelas Busen. Grob verteilte er das Pulver um es in die Wunde zu reiben. »So! Eine schwarze Rune. Die Rune Kenaz.«, sagte Aldenar zufrieden und Adraéyu kam nicht umhin zu fragen, was diese Rune bedeutete. »Kenaz bedeutet die Fackel. Es hat viele Bedeutungen. Aber eine davon ist Liebeslust.« Da grinste Aldenar und schloss kurz darauf die Augen. Und im nächsten Moment stand Adraéyu alleine in dem dunklen Raum.

Adraéyu sah sich um und er fühlte sich bedrückt. Das Blut er beiden Toten lief unaufhörlich zwischen die Dielen der Bodenbretter. Wenn nur genug Blut aus ihnen ausläuft, dann tropft es morgen schon von der Decke in der Ausschank. Er trat an Rahela heran und strich ihr die, von Blut verklebten, Haarsträhnen aus dem Gesicht. »Ich teile dich nicht.«, sagte Adraéyu nur und drückte ihr daraufhin einen kurzen Kuss auf. »Und vergeben werde ich dir das hier auch nicht.« Er nahm den Bernsteinanhänger aus seiner Tasche und legte ihn Rahela wieder um den Hals. Mit einem einfachen Knoten verband er die gerissenen Enden des Lederbandes miteinander. Und kurz darauf verließ er den Raum. Er zog die Tür hinter sich zu, und ging zurück zu Eliśja.

Adraéyu ging schnurstracks zu dem Zimmer, in welchem er Eliśja eingesperrt hatte. Er zog den Schlüssel aus seiner Tasche und schob ihn langsam ins Schloss. Als er dann die Tür aufgesperrt hatte, schob er sich schnell in den Raum und legte die Laute wieder in den Lautenkasten. »Na komm.«, befahl er Eliśja und sie richtete sich auf dem Bett auf. »Wohin gehen wir?«, fragte sie misstrauisch nach, als sie das Blut an seinen Händen sah. »Wirst du schon sehen.«, maulte Adraéyu ungehalten, doch Eliśja zierte sich. »Nein. Ich …« Da platzte Adraéyu der Kragen. »Mir reichts jetzt! Komm sofort mit!«, rief er und drohte ihr mit dem, noch immer blutigen Messer, welches er nach wie vor in der Hand hielt. Da gehorchte die junge Frau und schob sich eilig aus dem Bett.

Ruppig nahm er Eliśja an die Hand und zog sie hinter sich her. Auf dem Weg fiel ihm wieder das blutige Messer ein, und so wischte er es kurzerhand an dem Saum ihres Kleides sauber. »Kein Wort.«, befahl Adraéyu nur, als er Eliśja die Stufen in das Untergeschoss herunter bugsierte. Und sie nickte. Es herrschte noch immer reges Treiben, und kaum jemand sah zu ihnen auf. Und ehe man sichs versah, waren die beiden auch schon aus dem Haus heraus. »Und wohin jetzt?«, fragte Eliśja zaghaft, während Adraéyu sich versuchte zu orientieren. »Sei doch mal still.«, herrschte er sie an, und kurz darauf zog er sie wieder mit sich mit. Er schlug den Weg in Richtung zum Chabur ein. Zumindest hoffte er, dorthin zu gelangen. Er war die Zigeunerin leid. Und ihretwegen hatte er Rahela schlimme Dinge angetan. Natürlich konnte Eliśja nur wenig dafür, was Adraéyu tat, doch Adraéyu gab ihr dennoch die Schuld. Irgend jemandem musste er die Schuld geben, und sich selbst käme ihm nie in den Sinn.

Adraéyu wog sie in Sicherheit, indem er vorgab sich die Beine vertreten zu wollen. »Warum muss ich mit?«, begehrte Eliśja auf, doch Adraéyu würgte ihr das Wort ab. »Ich traue dir nicht. Darum.«, sagte er kurz angebunden. »Ich muss einen freien Kopf bekommen. Die kühle Abendluft tut mir sicher gut. Und der Mond.« Adraéyu seufzte. »Du weißt gar nicht was du angerichtet hast.«, warf er Eliśja vor, und sie zuckte nur mit den Schultern. »Sie ist ein Biest. Ich wäre dir eine viel bessere Frau …«, setzte Eliśja an und Adraéyu sah sie scharf und finster an. Doch sie kam nicht wegen seiner Blicke ins Stammeln. »… wenn ihr mich nicht wie ein Tier geschändet hättet.«, fauchte Eliśja kurz darauf und Adraéyu zuckte nun seinerseits mit den Schultern. Er zog es vor, sich in Schweigen zu hüllen. Wenn sie erst am Fluss angekommen waren, würde er alle Kraft benötigen, ihren Kopf unter Wasser zu drücken, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen würden, nur damit sie niemanden mit ihren Schreien aufschrecken würde. Er malte es sich haargenau im Kopf aus. Zuerst ans Ufer setzen. Ein wenig in den Himmel starren. Vielleicht ihre Arme streicheln um ihr Vertrauen zu gewinnen. Sie musste nach diesem Erlebnis mit Rahela zweifellos annehmen, dass er sie mehr begehrte, als Rahela. Und wenn er sie dann soweit hatte, dann würde er sie packen, zum Wasser zerren und ihren Kopf ins kühle Nass drücken, bis sie ihr Leben ausgehaucht hätte.

Und so gingen sie zusammen immer näher zum Hafenviertel. Der unverfälschte Geruch von Fisch und Wasser stieg Adraéyu bereits in die Nase. Weit konnte es nicht mehr sein. Doch als er schließlich mit Eliśja am Ufer ankam, da sah er keine Möglichkeit seinen Plan in die Tat umzusetzen. Überall waren Hafenarbeiter, und das Ufer war mit hölzernen Kaianlagen und Bootsstegen verbaut, dass es beinahe kein seichtes Ufer mehr gab. Er würde weit von den Ankerplätzen fort gehen müssen. Schließlich seufzte er resignierend. Nichts lief so, wie er es sich vorstellte. Besonders in der letzten Zeit. Wenn Rahela je wieder ein Wort mit ihm sprechen würde, dann wären es zweifellos Worte des Hasses und des Trotzes. Und doch schwelte ein gewisser Groll gegen Rahela in seinem Herzen. ›Sie hatte es verdient!‹, redete er sich selbst ein. Vielleicht nicht die Entstellung durch die Rune, doch das Blutbad schon. Sie konnte nicht einfach zwei Kerle schnappen und diese ins Bett mitnehmen, Nein! Adraéyu dachte nur mit Abscheu daran, dass diese Kerle ihren Samen in sie gespritzt hatten. Nunja, zumindest der eine von ihnen. Der Wilde war gestorben, bevor er es hatte beenden können. Bei diesem Gedanken umspielte ein gehässiges Grinsen Adraéyus Gesicht.

Auf Rahelas Frage, wich er sich selbst aus. Er hatte sie nicht bewusst betrogen. Er war weder zu Nadiija, noch zu Eliśja in der wissentlichen Absicht gegangen, um diese zu ficken. Nein, sie hatte ihm diese Beiden sogar zum Geschenk gemacht, und nun brach sie alle Bande mit ihm. Adraéyu hatte gewusst, dass es dumm gewesen war, Eliśja in dem Wäldchen erneut zu besteigen. Noch in jenem Moment, als er sich in ihr ergossen hatte. Es hatte ihm durchaus gefallen, das gestand er sich ein. Doch liebte er diese Zigeunerin nicht. Sie war nur ein Spiel gewesen. Doch redete er sich selbst ein, dass Aldenar ihn dazu verleitet hatte, eben um Rahela und ihn gegeneinander auszuspielen. Und es war ihm gelungen. ›Verfluchter, schwarzer Bastard.‹, schimpfte Adraéyu innerlich und ballte die Fäuste.

Schließlich wurde Adraéyu aus den Gedanken gerissen, als ein Schiff vor Anker legte. Lauthals wurden Befehle gebrüllt und ein großer, schwerer Wagen von dem Schiff heruntergelassen. Es war ein Sklavenwagen, wie sie ihn schon am gestrigen Abend gesehen hatten. Der Käfig knarrte und quietschte, als er die holprigen Planken hinunter gelassen wurde. Und unzählige Männer hielten ein dickes Seil, mit welchem der Wagen gesichert war. »Passt auf ihr Hunde! Wenn der Wagen zu Schaden kommt, werde ich euch alle im Chabur ersäufen!«, rief ein kräftiger Mann mit einer Peitsche in der Hand. Immer wieder ließ er das dünne Leder auf einen der Männer niedergehen.

Adraéyu verfolgte interessiert das Geschehen, und legte dabei wieder den Kopf auf die Seite. Und an seiner rechten Hand hielt er Eliśja, als ob sie seine Geliebte wäre. Doch eigentlich wollte er nur dafür sorgen, dass sie nicht davonlief.

Als der Wagen schließlich am Ufer stand, und die Sklaven die drei Pferde vor den Wagen gespannt hatten, begann der Mann die Sklaven in den Käfig zu treiben. »Los! Ihr dreckigen Bastarde!« Wieder ließ er die Peitsche knallen. Es schien Adraéyu fast, als ob es ihm Spaß machen würde, die Menschen zu schlagen. Er wandte den Blick ab, um Eliśja anzusehen, und in ihren Augen wohnte ein tiefer Hass inne. Er hatte diese junge Frau verdorben und zerstört. Es gab kein Zurück mehr. Wieder seufzte Adraéyu und wollte sich von dem Geschehen am Pier abwenden. Er musste sich eine andere Lösung einfallen lassen, wie er sich der Zigeunerin entledigen konnte. Und just in diesem Moment erkannte er den Sklavenhändler wieder. Adraéyu kniff die Augen zusammen und versuchte ein klareres Bild von dem Mann zu erhaschen. Es gestaltete sich als schwieriger, als gedacht. Es war dämmrig und zwielichtig, und der Mann war ständig in Bewegung. Aber irgendwann war sich Adraéyu sicher, dass es der Mann war. Da kam Adraéyu eine grausame Idee. Er zog Eliśja mit sich und ging mit ihr, während sie sich zierte und wehrte, näher an den Wagen heran. Er zog sich die Kapuze über den Kopf und schob sich einige Haare vor das rote Auge. »Sei gegrüßt!«, rief Adraéyu dem Mann hinauf und erntete nur einen finsteren, schweigenden Blick. »Wer bist du?«, fragte der Mann direkt und Adraéyu lächelte dünn. Seine Augen verengten sich für einen Moment, aber er schluckte seinen Ärger hinunter. »Ich kenne dich!«, sagte Adraéyu nur und der Mann zuckte mit den Schultern. »Schulde ich dir Geld?«, fragte er misstrauisch doch Adraéyu schüttelte den Kopf und lächelte etwas gezwungen. »Nein.« »Dann ist ja gut.«, murrte der Sklavenhändler und ließ erneut die Peitsche auf einen der Männer niedergehen, welcher zu langsam in den Käfig stieg. »Und woher kennen wir uns?«, fragte der Mann. »Aus den wilden Landen.«, antwortete Adraéyu wortkarg und wartete stets die Reaktion seines Gegenübers ab. »Ah, die wilden Lande. Aus welchem Clan stammst du?«, fragte der Sklavenhändler doch Adraéyu winkte energisch ab. »Nein, ich bin kein Wilder.« Wieder erntete er einen fragenden Blick von dem Mann. »Was willst du eigentlich?«, fragte dieser nun. »Wie du siehst, habe ich zu tun.«

Adraéyu nickte nur und hob beschwichtigend die Hände. »Ich habe schlechte Nachrichten für dich.«, sagte Adraéyu und wartete erneut die Reaktion des Mannes ab. »Und welche?«, fragte der Mann mit unverkennbaren Desinteresse. »Du hast letztes Jahr eine Arcanierin an Benwick, vom Faernach-Clan verkauft …«, begann Adraéyu und der Sklavenhändler seufzte. »Ah, ich erinnere mich an sie. Hatte ein gutes, enges Loch.« Er grinste dreckig, doch dieses Grinsen blieb ihm schlagartig im Halse stecken, als Adraéyu seine folgenden Worte sagte. »Sie hat mehrere Hörige getötet und Benwicks Frau, die Rukaja des Clans, schwer verwundet.« Er blieb völlig ernst und sah dem Mann tief in die Augen. »Du lügst!«, platzte dieser schließlich heraus. »Meine Sklaven …«, begann der Mann und wurde dieses Mal von Adraéyu unterbrochen. »Sie hat vor ihrem Tod Bhelors Namen geschrien. Es gab eine blutige Fehde zwischen Benwick und Bhelor und alles nur wegen deiner Arcanierin.« »Scheiße.«, fluchte der Mann und biss sich unweigerlich auf die Unterlippe. »Dieses Miststück!« Er ließ nervös die Peitsche durch die Hand wandern, doch schien er unschlüssig zu sein. »Das kann doch nicht wahr sein. Man wird mir die Haut abziehen, wenn ich dort auftauche.«, brabbelte der Mann vor sich hin, und hatte damit gar nicht so unrecht. »Ich kann dir vielleicht helfen.«, schlug Adraéyu vor und der Mann sah ihn mit einer Mischung aus Misstrauen und Neugierde an. »Und wie?« »Ich bin Benwicks Blutsbruder. Und die Schamanin des Clans, Rahela, ist ebenfalls bei mir.« Der Mann sah Eliśja abfällig an und schnaubte verächtlich. »Die da? Sieht mir mehr wie eine Zigeunerin aus, als eine Schamanin. Ich kenne Rahela! Das ist sie nicht.«, sagte er und verschränkte die Arme vor der Brust. »Natürlich ist das nicht Rahela.«, sagte Adraéyu genervt. »Und wer ist das?«, fragte der Mann und bedachte Eliśja mit gierigen Blicken. »Das ist dein Pfand für Benwick.«, sagte Adraéyu nur und grinste kurz darauf. Er genoss sowohl den fragenden Blick des Mannes, als auch den entsetzten Blick Eliśjas. »Was? Das kannst du doch nicht machen!«, rief sie aufgebracht, doch der Sklavenhändler schnitt ihr barsch das Wort ab. »Halts Maul!«, rief er nur und ließ die Peitsche knallen, um seinen Worten mehr Nachdruck zu verleihen. »Und was willst du für sie?«, fragte der Mann mit einen tiefen Grunzen.

Adraéyu wog hastig einige Gedanken gegeneinander ab, bevor er antwortete. »Also, wenn du Eliśja an Benwick verschenkst, wird er dir zweifellos gnädiger gestimmt sein.«, sagte Adraéyu nur und hielt dabei Eliśja den Mund zu, da sie immer wieder zeterte. »Ha! Das glaubst du vielleicht. Er wird mir alle Sklaven abnehmen und mich häuten!«, rief der Mann aufgebracht und Adraéyu lächelte zuversichtlich. »Sag ihm, du hast sie von Arn dem Zaubersänger und Rahela tu Faernach erhalten. Als Zeichen deiner Ergebenheit. Beschwöre ihn, dass du die Arcanierin von Bhelor gekauft hattest, ohne etwas von seinen Missetaten zu wissen, und falle vor ihm auf die Knie. Dann wird er dich zweifellos am Leben lassen, und du kannst deine Sklaven auch weiterhin in den wilden Landen verkaufen.« Der Mann nickte nur und schien die Worte Adraéyus auf sich wirken zu lassen, doch nach einer Weile streckte er dem Raéyun die Hand entgegen. »Einverstanden.« Eliśja schrie verzweifelt auf und strampelte mit den Füssen. »Lass mich frei! Du hast versprochen mich frei zu lassen.«, rief die junge Frau und Tränen liefen ihr die Wangen hinunter. »In den wilden Landen bist du freier, als in den gefallenen Reichen.«, sagte Adraéyu nur und zog sich Eliśja ganz nah heran. »Grüße mir Benwick. Er hat einen großen Schwanz, sagt man. Und seit seine Frau Asa getötet wurde, hat er ihn zweifellos schon lange nicht benutzt.« Mit diesen Worten schubste er Eliśja in die Arme des Sklavenhändlers, welcher sie sogleich grob betatschte. »Lass mich los!«, schrie Eliśja und erntete dafür nur eine Ohrfeige. Mit einem groben Griff packte er die Frau am Genick und zog sie zu dem Käfig. Als er die Tür geöffnet hatte schubste er Eliśja in die Menge der anderen Menschen und blaffte noch drohende Worte hinterher. »Wehe ihr fickt sie! Dann schneide ich euch die Schwänze ab!«, rief der Mann und knallte die Tür zu.

Adraéyu räusperte sich und hielt dem Mann seine offene Hand entgegen. »Ich denke für so einen guten Fang, steht mir doch sicher eine Belohnung zu, nicht wahr?«, fragte Adraéyu und der Sklavenhändler nickte ungehalten. »Ja. Ich gebe dir zwei Heller für sie.«, schlug er ernst vor, doch Adraéyu schüttelte den Kopf. »So eine ist doch mindestens zwei Goldstücke wert.«, hielt Adraéyu entgegen und der Sklavenhändler lachte. »Ja vielleicht. Aber Benwick zahlt kein Gold für Sklaven. Und diese hier muss ich ihm auch noch schenken um meinen eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Zwei Heller ist ein gutes Angebot!«, sagte er vehement, doch Adraéyu schüttelte den Kopf. »Das Doppelte, oder ich nehme sie wieder mit.« Da seufzte der Mann und zog sich seinen ledernen Geldbeutel aus der Bundhose. Er lockerte die Schnürung und zählte, quälend langsam, die vier Münzen daraus hervor. »Hier!« Er händigte Adraéyu die Münzen aus und dieser deutete eine leichte Verbeugung an. »Und jetzt verpiss dich.«, befahl der Sklavenhändler und Adraéyu ließ sich das nicht zwei Mal sagen. Begleitet von dem Schluchzen und den Verwünschungen Eliśjas verließ er das Hafenviertel. »Halts Maul, du Schlampe!«, rief der Sklavenhändler und donnerte die Peitsche gegen den Käfig. Zweifellos würde Eliśja eine fürchterliche Reise erleben. Der Mann würde sie sich sicher hernehmen, und dabei sicher auch nicht zärtlich sein. Adraéyu grinste dreckig und boshaft in sich hinein. Ein einziges Mal war ihr so etwas wie Zärtlichkeit vergönnt gewesen, doch nun würde ihr Leben ihr nur mehr Leid und Pein für sie bereit halten. Ein wenig schwermütig wurde ihm bei diesem Gedanken und er wischte diese Bilder rasch von sich. Doch eines konnte er nicht fortwischen. Das gehässige und tiefe Kichern, welches er in sich vernahm.

Nach einiger Zeit kam er wieder in dem Gasthaus an, und leise betrat er das Zimmer, in welchem er Rahela zurück gelassen hatte. Sie lag noch immer bewusstlos in dem, von Blut besudelten Bett, und das Blut tropfte unter dem Bett in stetigen Tropfen auf den Boden. Die beiden Leichen waren bereits ausgeblutet, und der Boden rot getränkt. Er nahm sich die Pfeife aus dem Beutel und stopfte sich etwas Pfeifenkraut in den Kopf. Schließlich setzte er sich in den einzigen Sessel im Raum, rückte ihn zurecht und sah Rahela beim Schlafen zu. Immer wieder zog er an der Pfeife und wartete darauf, dass sie irgendwann aufwachen würde.

Als sich Rahela schließlich dann rührte und zaghaft die Augen aufschlug, da zog er erneut an der Pfeife und sein Gesicht wurde in den rötlichen Schimmer des verbrennenden Pfeifenkrauts getaucht. »Na?«, setzte er an und sah ihr tief in die Augen. »Hats Spaß gemacht?«, fragte er und zog erneut an der Pfeife. »Wars dir das wert?«, fragte er und blies einige Rauchringe in die Luft. Noch bevor Rahela richtig munter wurde, erhob er sich schließlich von dem Platz. »Ich lasse dir das Pferd. Du wirst es brauchen.« Mit diesen Worten kramte er in seinem Geldbeutel und fischte zwei der Goldmünzen hervor. »Hier. Eine für dich, und eine für Benwick.«, er schnipste ihr die Münzen zu, und sie landeten in dem von Blut verschmierten Bett. »Ich gehe jetzt. Lebe wohl.«, sagte er nur und verkniff sich ein niedergeschlagenes Seufzen. »Warum?«, fragte Rahela doch Adraéyu konnte in der verschlafenen Stimme nicht heraus hören, was sie meinte. Meinte sie, warum er die beiden getötet hatte? Oder warum er ging? Er nahm einfach letzteres an. »Ich habe kein Interesse daran, mir die Seele aus dem Leib reißen zu lassen.« Mit diesen Worten machte er auf dem Absatz kehrt, und verschwand durch die Tür.
Bild
Adraéyu war müde. Er war die ganze Nacht hindurch gelaufen, und nun kratzte die Sonne bereits am Horizont. Das graue Land verfärbte sich zusehends in das prächtige Grün und das tiefe Braun, welches bei Tage sonst vorherrschte. Die ersten Vögel begannen zu singen und einige Hunde bellten, nicht weit von Adraéyu. Die wenigen Gehöfte, welche um Shuridrion herum verteilt lagen. Er hatte in Shuridron nicht mehr schlafen können. Es war auch nicht nur gefährlich gewesen, wenn man ihn aufgegriffen hätte und wegen Mordes hinrichten würde. Nein! Neben zwei Leichen zu schlafen, empfand er dann doch als zu makaber und auch sehr ekelhaft. Und Rahela hatte ihn mit Missachtung gestraft. Vielleicht hatte er das verdient, aber er war der Letzte, der einer Frau hinterher lief. Wenn sie in die wilden Lande zurück wollte, dann sollte sie sich doch verpissen! Er würde sie sicherlich auch vergessen. Schließlich hatte sie ihm ja den Fluch der wilden Lande an den Kopf geworfen. Möge er vergessen werden. Er würde zweifellos vergessen werden. Niemand erinnerte sich irgendwann auch nur an einen verlotterten, herumstreunenden, vagabundierenden Raéyun. Solche Menschen vergaß man schon, sobald sie aus der Sicht verschwanden. Er malte sich schon lange keine Hoffnungen mehr aus, einst so mächtig zu werden wie sein alter Meister. Oder noch weit mächtiger? Dem Wind durch seine Musik zu befehlen, das hatte er in all den Jahren, seit er als fahrender Musiker unterwegs war, nicht einmal mehr vermocht. Und er glaubte auch nicht mehr daran, dass an diesen Legenden auch nur ein Körnchen Wahrheit haftete.

Da er sich nicht sicher war, ob er verfolgt wurde, hatte er kaum Pausen eingelegt. Und nun war er am Ende seiner Kräfte. Der Chabur lief neben ihm gemächlich dahin und das sanfte Rauschen des Wassers hatte eine beruhigende Wirkung auf Adraéyu. Er setzte sich ans Ufer und streckte die Beine ins Wasser. Das kühle Nass umspielte seine Zehen und erfrischte ihn sogleich ungemein. Ein wenig niedergeschlagen, ob der vergangenen Ereignisse, nahm er seine Laute zur Hand, um den Etáín ein Lied zu spielen. Der Wind rief ihn. Das Wasser rief ihn. Der Wind rief ihn auf das Wasser. Und das Wasser führte unweigerlich und unaufhaltsam nach Merridia. Führte ihn sein Weg dort hin? Zurück in die verkommene und gefährliche Stadt? Eine Großstadt, tausende Bürger leben dort, Tür an Tür mit Verbrechern, Halsabschneidern und Huren. Huren so weit das Auge reichte. Adraéyu kam nicht umhin an Maéve'ja zu denken. Ob sie noch am Leben war? Nun da er Rahela hinter sich gelassen hatte, hielt ihn nichts mehr hier. Die wilden Lande hatten ihren Glanz und auch ihren Reiz eingebüßt.

Und so saß er am Wasser, spielte ein trauriges Lied und sang lustlos vor sich hin. »Die Furien werden es mir wahrlich danken, wenn ich so einen Scheiß singe.«, murmelte er vor sich hin. Doch irgendwie fehlte ihm die Motivation und auch die Lust sich dem Lied mit mehr Hingabe zu widmen. Und so legte er die Laute einfach beiseite. Viel hatte er nicht mitgenommen. Er hatte beinahe alles in den Satteltaschen gelassen. Es würde ihn ohnehin behindern.

Er hatte nur seinen verschlissenen Mantel mitgenommen, damit er sich unter die Menge mischen konnte, ohne mit dem prächtigen Roten aufzufallen. Dann natürlich seine Laute und der Langbogen, sowie der Köcher und die Pergamentrolle. Und dazu noch die große, lederne Tasche, in welcher die eisernen Kugeln lagen, und das Schwarzpulver. Das Traumpulver hatte er Rahela überlassen. Vielleicht konnte sie es in den wilden Landen gebrauchen? Er hatte kein Interesse daran andere, hilfsbedürftige Menschen zu heilen. Am liebsten würde er die ganze Welt in Blut ertrinken lassen.

Er schalt sich selbst einen Narren, ob solcher Gedanken und versuchte an das erquickende und einfache Leben eines Fisches zu denken, welche immer wieder an ihm vorbeischwammen. Doch es gelang ihm nicht wirklich. Seine Gedanken kreisten ständig um Rahela und auch die rothaarige Zigeunerin, die Adraéyu aber nicht vermisste. Gedankenverloren nahm er eine der eisernen Kugeln aus dem Beutel und hielt sie in seiner rechten Hand. »Was das wohl ist?«, fragte er sich und wog die schwere Kugel. An einem Ende hatte sie ein kleines Loch, aus welchem eine seltsame Schnur heraus ragte. Neugierig zog er daran und hatte sie auch kurz darauf in der Hand. »Ach verdammt.«, murrte Adraéyu und versuchte die Schnur wieder hinein zu stecken. Was ihm auch nach einigen Versuchen endlich gelang. Er roch an der Kugel, und sie stank ebenso wie das schwarze Pulver, welches er dem Alchemisten gestohlen hatte. »Er hat Schwarzpulver in die eisernen Kugeln gefüllt.«, murmelte Adraéyu und zog dann sogleich seine Zunderbüchse hervor. Er öffnete das kleine, gläserne Gefäß welches darin war und steckte die Zündschnur direkt in den weichen Stein darin. Es dauerte nicht lange, und da fing die Lunte augenblicklich Feuer und brannte in erschreckender Geschwindigkeit ab. Zuerst hielt er die Kugel noch fasziniert in den Händen, doch mit einem Mal überkam ihn ein ungutes Gefühl, je kürzer die Lunte wurde. »Scheiße!«, rief er und warf die Kugel so wuchtig es ihm aus dem Sitzen möglich war von sich. Sie beschrieb einen hohen Bogen und landete dann schließlich im Fluss. »So eine Verschwendung.«, grummelte Adraéyu und stopfte die Zunderbüchse wieder in seine Tasche. Doch kaum war das erledigt, da wurde er von einem ohrenbetäubenden Krach wach gerissen. Eine gewaltige Fontäne schoss aus dem Fluss hervor und ging in regelrechten Kaskaden auf Adraéyu nieder.

Klitschnass saß Adraéyu nun am Fluss und fluchte. Doch nicht wegen dem Wasser, sondern nur aus Ehrfurcht vor der gewaltigen Macht dieses Schwarzpulvers. »Ach du Scheiße.«, stöhnte er benommen und strich sich das Wasser aus dem Gesicht. »Was für ein teuflisches Hexenfeuer.« Als er das letzte Wort ausgesprochen hatte, musste er irgendwie an Rahela denken. Thargôn hatte sie früher oft Hexe genannt. Und in den gefallenen Reichen galt ihresgleichen ohnehin als solche. Er vermisste den Raben. Wahrscheinlich sogar mehr als Rahela. Ironischer Gedanke, wie Adraéyu fand.

Während er an Rahela und ihren Raben dachte, stand er von dem nassen Gras auf und begann sein Gewand notdürftig auszuwringen. Glücklicherweise war es ein warmer Sommertag, und die nasse Kleidung würde schnell trocknen. Er setzte sich alsdann in Bewegung und lief den Chabur entlang. Immer der Strömung folgend. Er war weit von Shuridron entfernt. Der Fluss beschrieb einen leichten Bogen und verschwand dann hinter einem kleinen Wäldchen. Adraéyu wusste, dass der Fluss schon recht bald die große Festung Ceroans Schild passieren würde. Von dort an, wand sich der Fluss nicht mehr durch die gefallenen Reiche, sondern durch mérindarischen Boden. Vielleicht einhundert Kilometer noch bis zu der Festung. Adraéyu hatte es nicht eilig. Ob er jetzt einen Tag oder zwei Tage für diesen Marsch benötigen würde, war ihm gleich. Er hatte etwas Trockenfleisch in der Tasche, und zur Not konnte er das Wasser aus dem Fluss trinken, wenn er kein Wirtshaus finden würde.

Nach einer Weile hatte Adraéyu keine Lust mehr zu gehen. Er fand eine schattige Eiche, welche weit ausladende Äste hatte, und legte sich einfach darunter. So ein Vagabundenleben hatte auch seine Vorzüge, wenn man sie zu nutzen wusste. Er zog sich den Umhang und auch das Hemd aus und hing es über einen der Äste. Die Hose behielt er aber lieber an. Es konnte immer eine unangenehme Überraschung geben, und dann stand er am Ende ohne Hosen da. Das schwere Kettenhemd hatte er noch in seiner Reisetasche. Er haderte damit es anzulegen. Es war sehr schwer und es war ohnehin ein sehr warmer Tag. Doch hier, weit ab vom Schuss, war keine Menschenseele zu sehen. Also hatte er das Kettenhemd ausgelassen.

Irgendwann musste er eingeschlafen sein. Am Horizont hob sich schnell ein nahendes Pferd ab. Es schien immer größer zu werden, und zeugte davon, wie schnell es unterwegs war. Erst als er schon das Getrappel der Hufe, auf dem harten Boden, wahrnahm, hob er seinen Blick. Ein mächtiger Hengst ritt auf ihn zu und wer auch immer auf dem Pferd saß, er hatte es ziemlich eilig. Adraéyu schreckte aus seinem Tagtraum auf und besah den näher kommenden Reiter mit skeptischen und verschlafenen Blicken.
In den Weiden werden uns're Träume klingen,
und die Winde werden uns're Lieder singen.
Lasst uns mit den Funken übers Feuer springen,

in der Walpurgis Nacht.

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Re: Windherz & Rabenseele

Beitrag von Rahela » Fr, 01. Feb 2013 23:21

[18]Bilds dauerte nicht lange, bis sich Gishar in Rahela ergoss. Er zuckte und stöhnte leise, dann hielt er schwer keuchend ein und erhob sich mit einem Grinsen. Rahela beachtete ihn nicht weiter, schließlich war ja noch Aevarr da. Aevarr war wichtig! Er war so etwas wie der Schlüssel zum Glück, er würde sie mit in die wilden Lande nehmen und dann würde alles wieder gut werden, so hoffte Rahela. Sie legte sich rücklings aufs Bett und winkte ihn zu sich heran. Schließlich warf er sich auf sie und drang begierig in sie ein. Rahela hatte ihn völlig geil und wie willenlos gemacht und er wollte mehr! Soviel Glück hatte man schließlich nicht alle Tage, dass man einfach so und völlig unverhofft von einer Frau ins Bett gezogen wurde, noch dazu von einer solch wilden Schönheit! Er begann sich in ihr zu bewegen und Rahela stöhnte auf. Doch die anfängliche Euphorie hatte sich schnell in Nichts aufgelöst. Ihr gefiel nicht, was er tat. Es lag nicht an ihm, es lag viel mehr an diesem heutigen beschissenen Abend und hauptsächlich daran, dass es nicht Adraéyu war, mit dem sie hier lag und das Lager teilte. Unwillig versuchte sie, Adraéyu aus ihren Gedanken zu verbannen, sie war fertig mit ihm… Und doch gelang es ihr nicht… Während Aevarr sich auf ihr abmühte, legte sie selbst noch Hand an sich, um diesen Moment besser zu machen, doch er wurde nicht besser. Immer wieder drängte sich vor ihrem inneren Auge das Bild von Adraéyu und Elisja, die sich zusammen auf dem Waldboden liebten, wie sie sich im Gras liebten, wie er Dinge mit ihr anstellte, die Rahela so gern mit ihm anstellte, und nur die Vorstellung daran bereitete ihr Übelkeit und Hassgedanken. Während Aevarr immer lauter wurde und sichin ihr immer heftiger vor und zurück schob, wuchs in Rahela die Abneigung gegen diesen Mann. Egal, was war schon dieser eine Akt, sie hatte schon mit weitaus schlimmeren Männern das Bett geteilt, oder sogar teilen müssen. Plötzlich drang eine leise Stimme an ihr Ohr. "Du hast etwas vergessen … deine Blutmagie!" Irritiert versuchte sie inne zu halten. Und plötzlich spritzte ihr warmes hellrotes Blut entgegen. Fontänenartig schwall es ihr entgegen und sie sah nichts mehr, da ihr das Blut sogar bis an die Augen gespritzt war und sie reflexartig die Augen geschlossen hatte. Als sie diese wieder wenige Momente später öffnete, schielte sie nur wenige Millimeter vor sich auf etwas Blutiges, Verschwommenes. Sie drückte sich ein wenig nach hinten ins Kissen, um dieses Ding erkennen zu können und dann sah sie es. Eine Messerspitze, welche nur haarscharf vor ihrem Auge, zitternd ruhte. Erschrocken und hysterisch begann sie zu schreien. Doch noch immer drang der Schenkenlärm durch die Eichendielen durch und so hatte sie wohl niemand gehört. Geschockt versuchte sie die Situation zu erfassen, doch der schwere Leichnam, welcher sie noch wenige Augenblicke zuvor aus geweiteten starren Augen angestiert hatte, sank gegen ihre Brust und sie war unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. "Blut, für deine Blutmagie. Um ihn dir richtig hörig zu machen. Denn nur so macht es dir doch am meisten Spaß, nicht wahr?" vernahm sie eine gehässige Stimme und irritiert fragte sie "Was?" War das Adraéyus Stimme gewesen? Die Leiche des Nordmannes versperrte ihr jegliche Sicht. Aber wie? Die Türe war doch verschlossen… Sie hätte es bestimmt gehört, wenn jemand die Türe aufgebrochen, aufgetreten oder sonst irgendwie gewaltsam geöffnet hätte! Dann spürte sie einen dumpfen Schmerz an ihrem Kopf und schließlich wurde alles schwarz…[/18]

Wilde Träume bemächtigten sich Rahela, während sie in Shuridron, ohnmächtig und nackt im Bett der Schenke lag. Sie träumte verschiedene Szenarien, und doch handelten sie alle von demselben… Blut! Sie träumte von den wilden Landen, von ihren Blutritualen, von der erdolchten Jodis, von Heinar, der qualvoll ans einem Blut erstickte, während Rahela daneben stand, und ihm dabei nur zusah, sie träumte von blutigen Schlachten, von ihrem toten Vetter, der sie blutüberströmt aus leeren Augenhöhlen anstarrte, von der toten Asa, der das Blut zwischen den Beinen heraus lief, weil sie ein Kind verloren hatte, selbst vom Beltane träumte sie, nur tranken die Menschen dort nicht rotes Bier, sondern Blut… Rahela ächzte und stöhnte im Schlaf, und doch träumte sie weiter, anstatt munter zu werden. Sie träumte von Adraéyu und Eliśja, sich innig einander zugeneigt, sie träumte von ihrer bevorstehenden Geburt, und dass ihr schwallartig das Blut aus dem Unterleib lief, während sie unter Schmerzen und gellenden Schreien ein totes Kind aus ihrem Leib presste… Irgendwann hörten diese Alpträume auf und sie schlief traumlos weiter.

Nach einer Weile erwachte sie schließlich und sah sich irritiert um. Wo war sie? Sie lag im Bett in dieser Schenke… 'Bei den Göttern, welche Alpträume…' dachte sie bei sich. Adraéyu… Elisja… War das alles nur einer der zahllosen bösen Träume gewesen? Doch dann sah sie in dem Schein des Talglichtes das dunkelrote getrocknete Blut und ihr wurde gewahr, dass dieser Abend tatsächlich passiert war. 'Scheiße…' dachte sie erschrocken, als sie an die Situation dachte, als ihr Aevarrs Blut um die Ohren geschossen war. Sie griff sich an den Hals und spürte dort den glattpolierten Anhänger, der nun wieder an ihrem Hals hing. Ihre Gedanken verfinsterten sich, als ihr gewahr ward, wie der Anhänger wieder an seinen ursprünglichen Platz gekommen war. Plötzlich drang eine ihr wohlvertraute Stimme an ihr Ohr. "Na? Hat's Spaß gemacht?" Jäh wandte sie den Kopf in die Dunkelheit. Sie sah das Glühen einer Pfeife und das Glühen von Adraéyus rotem Auge. Beide Gluten warfen rötliches Licht in sein Gesicht, welches ansonsten im Schatten lag. "Adraéyu…" flüsterte sie, zu mehr war sie derzeit nicht fähig. "War's dir das wert?" fragte er und er blies einige Rauchringe in die Luft, welche sich, durch den Raum schwebend, ausbreiteten und sich schließlich verflüchtigten. Rahela runzelte die Augenbrauen. "Dieselbe Frage könnte ich dir stellen…" brummte sie, während sie sich im Bett aufsetzte. Doch er erwiderte nichts darauf, sondern erhob sich aus dem Sessel. "Ich lasse dir das Pferd. Du wirst es brauchen" meinte er schließlich. Er kramte etwas aus einem seiner zahlreichen Beutel und warf es auf die blutverschmierten Laken. "Hier. Eine für dich, und eine für Benwick. Ich gehe jetzt. Lebe wohl." Irritiert vernahm Rahela diese Worte. Es waren Worte, die sie nie erwartet hatte, zu hören, nicht heute, nicht hier, und schon gar nicht von ihm. Hatte er ihr nichts anderes zu sagen? "Warum?" fragte sie ihn schließlich. "Ich habe kein Interesse daran, mir die Seele aus dem Leib reißen zu lassen." Was hatte er immer nur mit Seele aus dem Leib reißen? Sie hatte ihm doch nichts dergleichen angedroht… Wieso fing er nur immer wieder damit an? Schließlich wandte er sich um und trat aus der Tür. Seine Schritte wurden immer leiser, je weiter er sich entfernte, und nach einer Weile waren die Schritte über die Stufen ebenso verhallt.

Rahela sprang, wie von der Tarantel gestochen, aus dem Bett. Sie war so rasend wütend, dass sie sich am liebsten übergeben hätte. Er ließ sie stehen? Er? Er hatte genauso viel Dreck am Stecken, und er ließ sie wirklich und wahrhaftig stehen? Mit lediglich einer Goldmünze? Damit kam sie keine Woche aus! Sie hastete zu dem Kleid, welches am Boden lag. Den Göttern wars gedankt hatte Rahela es so achtlos zusammengeknüllt am Boden liegen gelassen, wo kein Blut der beiden Männer es erreicht hatte. Sie stieg hinein, zog es sich hoch, schlüpfte in ihre Ärmel und zog sich schließlich die Schnürung zu. Dann nahm sie ihre Tasche, raffte sie zusammen und eilte aus dem Zimmer. Sie wurde sich schließlich gewahr, dass sie noch über und über mit Blut besudelt war, doch fürs Badehaus war nun keine Zeit mehr. Sie legte sich lediglich ihren Mantel um, zog sich die Kapuze tief ins Gesicht und lief den Gang entlang, die Stiegen hinab, direkt in die Stallungen.

Der Stallbursche lag auf einem Haufen Stroh und schlief. Rahela bedachte ihn mit einem finsteren Blick. Hier konnte jeder hinein marschieren und sich ihr Pferd stehlen! Unwillig schüttelte sie den Kopf, doch dann begann sie zu überlegen, während sie dem Pferd über die Nüstern strich. "Weißt du was… Ich werde dich 'Rhôak' nennen. Mir gefällt der Name. Wenn Adraéyu der Name nicht gefällt, ist das sein Problem…" murmelte sie. Während sie ein zweites Pferd von seinem Wandhaken los knüpfte, schüttelte sie unwillig den Kopf. Adraéyus diebisches Gehabe schien allmählich auf sie abzufärben. Es würde wohl nicht mehr lange dauern, bis sie ebenso inmitten von Menschenmassen zur Beutelschneiderin wurde. Es war still in dem Innenhof der Schenke und Rahela führte beide Pferde links und rechts an den Zügeln aus dem Hof der Schenke. Sie blickte über die Dächer der Schenke und pfiff leise. Sie suchte Thârgon. Als er nicht herangeflogen kam, pfiff sie erneut. Nach einer kurzen Weile fluchte sie. "Thârgon!" zischte sie in die Dunkelheit und endlich kam der große Vogel angeflogen und ließ sich schnarrend auf ihrer Schulter nieder. "Na also… Muss ich dich also doch nicht hier lassen…" brummte sie missmutig. "Los, wir sind in Eile…" wisperte sie. "Arn ist gegangen… Kannst du dir das vorstellen? Er hat uns einfach zurückgelassen!" "Arn… Arn…" krächzte der Vogel. Für ihn würde Adraéyu auf ewig Arn bleiben. Sie stieg auf ihr Pferd und versuchte, sich so unaufällig wie nur möglich zu verhalten und ritt langsam, das zweite Pferd mit dem Zügel an der Satteltasche angeknüpft. Es waren kaum mehr Menschen auf der Hauptstraße unterwegs. Hier und da schien eine Fackel an einer Hausfassade und Rahela ließ ihre Blicke suchend schweifen. Wohin war er nur gelaufen? Gen Osten oder gen Westen? Rahela fluchteerneut, doch dann kam ihr der rettende Einfall. "Thargon! Flieg! Such Arn! Es gibt nur zwei Möglichkeiten, wo er entlang gelaufen sein kann! Such ihn!" meinte sie zu ihm und hoffte, dass sie sich nicht irrte. Nach einer Weile kam er tatsächlich angeflogen und ließ sich schnarrend auf Rahelas Schulter nieder. "Arn… Arn…" krächzte er und Rahela lächelte. Dieses kluge Tier! Und sie hatte ihn so vernachlässigt, die letzte Zeit, fiel ihr schwermütig ein… Thârgon flog voran und Rahela folgte ihm im leichten Trab, bis sie am Ende der Hauptstraße Adraéyu laufen sah. Sie schnappte Thârgon, der sich mittlerweile wieder auf ihrer Schulter niedergelassen hatte, und steckte ihn kurzerhand in die Satteltasche und schlug die Taschenklappe vorsichtig über ihn. Er krächzte empört auf, doch bald ließ in die Dunkelheit seinen Kopf in sein Rückengefieder stecken und so schlief er schließlich in der Satteltasche ein. Er bekam genug Luft da drinnen… Nach einer Weile, die sie ihn mit einem gehörigen Abstand verfolgt hatte, gab es ihr im Herzen einen Stich. Dieser Mann konnte so hartherzig sein! Das war schon das zweite Mal, dass er sie einfach zurückließ. Das war mehr, als nur der bloße Ruf des Windes, das war ein Mann, dem es scheißegal war, und dem sein Stolz über alles ging, und diese Gedanken ließen Rahelas Miene wieder verfinstern. Oh, wenn sie ihn erst eingeholt hatte, und irgendwann würde er Pause machen müssen, dann konnte er sich aber etwas anhören!

Rahela fluchte immer wieder. Von wegen Pause! Er lief die ganze Nacht durch! Rahela war schon ein paar Mal beinahe eingenickt und sehnte sich dringend nach Schlaf! Doch würde sie nun Rast machen, würde sie Adraéyu aus den Augen verlieren. Sie wunderte sich kaum über sich selbst, warum sie diesem Taugenichts nachritt, anstatt in die wilden Lande zurückzukehren. Sie liebte ihn… Sie liebte ihn so rasend, dass sie nicht daran dachte, in die wilden Lande zurückzukehren, wenn er sie nicht begleitete. Zwar hatte die Sache mit Eliśja ein gehöriges Loch gerissen, doch noch war sie nicht bereit, die Sache einfach hinzuschmeißen. Sie hatte sich gerächt, und nun galt es, alles wieder zurecht zu rücken…

Im Morgengrauen konnte sie sich schon beinahe nicht mehr im Sattel halten und sie beneidete den Raben, der friedlich in der Satteltasche schlief. Schließlich schüttelte sie den Kopf. Sie hatte genug, wenn sie ihn aus den Augen verlor, so würde sie unermüdlich Thârgon nach ihm ausschicken, bis dieser ihn gefunden hatte! Sie wollte nur mehr schlafen… Sie band die Pferde an einen kleinen Baum und ließ sich einfach ins Gras fallen. Sie rechnete nicht damit, hier auf Menschen zu treffen, darum schloss sie unbekümmert die Augen und schlief recht bald ein. Als sie wieder erwachte, stand die Sonne schon ziemlich hoch und Rahela blinzelte verschlafen in den Himmel. Nach einer Weile war sie hellwach und pfiff nach Thârgon. Doch dieser saß nicht unweit von ihr im Gras und pickte auf etwas herum. Als sie zu ihm trat und das Ding begutachtete, erkannte sie eine bereits halb verweste Maus. Angewidert wandte sie sich ab. "Komm, Thârgon, du kriegst etwas Besseres von mir, doch zuerst musst du Arn suchen! Bitte! Such ihn für mich!" bat sie ihn. Schnarrend erhob er sich in die Lüfte und sie lächelte, als sie ihn davon fliegen sah. Sie hatte schon lange nicht mehr soviel mit ihm geschwatzt und gesprochen. Er tat ihr leid. Sie hatte Thârgon regelrecht zu einem unwichtigen Teil werden lassen, wegen Adraéyu… Immer nur Adraéyu… Alles in Rahelas Leben drehte sich um diesen Raéyun… Rahela lief ans Ufer des Chaburs. Sie zog sich das Kleid aus und wollte sich zunächst einmal das Blut von Gesicht und Körper und aus den Haaren waschen. Langsam stieg sie mit einem Fuß in das kalte Wasser, doch es machte ihr nichts aus. Sie war die kalten Seen und Gebirgsbäche der wilden Lande gewohnt. Dagegen war der Chabur regelrecht warm! Sie schrubbte sich mit den Händen das Blut von ihrem Körper und stutzte schließlich.

Was… bei… den… Alten… war… das??? Ungläubig starrte sie auf ihren Busen, dem eine blutig schwarzverkrustete Wunde zweifelhaft zierte. Kenaz? Eine Rune? Eine schwarze Rune? Das konnte doch nur ein dämlicher Zufall sein, dass diese Verletzung auf ihrer Brust die Form von Kenaz hatte! Aber warum war das hier schwarz? Und was noch viel interessanter war… Wer hatte ihr diese verpasst? Die Antwort lag so klar auf der Hand… "Ich bringe ihn um! Ich bringe ihn um!" schimpfte Rahela, während sie sich hastig weiterschrubbte und schließlich noch abtauchte, um sich die blutverklebten Haare zu waschen. Wie sehr wünschte sie sich nun ein Stück Seife! Schließlich entstieg sie wieder sauber dem Fluss und legte sich ins weiche Gras, um zu trocknen. Die Mittagsluft war warm und es dauerte nicht lange, bis Rahela trocken war. Sie schlüpfte wieder in ihr Kleid und trat an die Pferde heran. Sie betrachtete das gestohlene Pferd. Es war ein prächtiger schwarzer Hengst. Sein dunkles, glattes Fell schimmerte im Sonnenlicht, beinahe, wie Thârgons Gefieder, nur gänzlich ohne violett-blauen Stich, ja beinahe wie Adraéyus Haar… Man konnte Rahelas Haar höchstens mit einem struppigen altersschwachen Ackergaul vergleichen, dessen Fell schon matt und stumpf war. Rahelas Haar war zwar seidig und weich, dennoch durch die leichte Naturkrause alles andere als glänzend und glatt. Das Licht spiegelte sich nicht gut darin, darum sah es eher matt aus… Rahela führte die Pferde noch zum Chabur und tränkte sie, dann saß sie auf und wartete, bis Thârgon wieder zurückkam. Es dauerte eine Weile, bis er schnarrend wieder angeflogen kam. "Arn… Arn…" schnarrte er. "Los, Thârgon… Führe mich zu diesem Herumtreiber! Der kann was erleben!" schnaubte sie und trieb das Pferd an. Thârgon flog und Rahela folgte ihm in gemäßigtem Tempo, so gut das mit zwei Pferden eben möglich war.

Nach einer Weile tauchte in ihrem Blickfeld eine große Eiche auf, und unter dieser lag eine Gestalt. Als sie darauf zu trabte, konnte sie Adraéyu erkennen. Er schien zu schlafen, doch als sie näher kam, schien er durch das Hufgetrappel aufzuwachen. Schließlich erreichte sie den Baum und Rahela hielt das Pferd an. Rahela starrte finster auf den sichtlich immer noch verwirrten Adraéyu und schwieg eine Weile. Dann meinte sie "Du hast mir ein Versprechen gegeben. Du hast mir versprochen, dich um dein Kind und auch um mich zu kümmern! Nur weil du dich jetzt durch die Gegend hurst, was mich dazu veranlasst hat, es dir gleichzutun, entbindet dich das noch lange nicht von diesem Versprechen!" Damit stieg sie vom Pferd ab und ließ sich neben ihm im Gras nieder. Thârgon hatte sich auf einem dicken Ast über ihnen niedergelassen, und als er Adraéyu sah, begann er freudig zu schnarren. "Arn… Arn… Arn...!" Dann schwang er sich vom Ast und ließ sich vor ihm nieder und blickte ihn mit schiefen Kopf und klugen Augen demonstrativ an. "Nuss" krächzte er fordernd. "Ach ja, ich hab dir etwas versprochen…" murmelte Rahela zu ihm und holte aus ihrem Beutel einige der letzten Nüsse aus Aramad und schüttete ihm diese ins Gras. Begierig stürzte er sich über die Macadamianüsse und begann diese zu verschlingen. Rahela blickte Adraéyu an. "Bei den Alten… Wie kann man nur die ganze Nacht laufen… Ich fühle mich wie gefoltert…!" jammerte sie. "Wenn wir schon bei Folter sind…" meinte sie bissig und öffnete ihre Schnürung und entblößte ihre linke Brust. "Was, bei allen Göttern, ist das? Was soll der Scheiß? Wieso schneidest du mir Kenaz in meinen Busen? Das ist nicht nur eingeritzt, das ist geschnitten! Reichen dir meine bisherigen Narben nicht? Bist du bescheuert? Willst Du mich brandmarken, wie eine Kuh? Muss ich dir auch mein Zeichen einritzen, damit jede Schlampe der Welt weiß, dass du nicht zu haben bist?" Sie schüttelte unwillig den Kopf und legte sich ins Gras unter der Eiche und stützte ihren Kopf auf eine der dicken Wurzeln. Nach einer Weile begann sie. "Ich spreche heute darüber, und dann nie wieder… Du hast mich sehr verletzt… Nein, ich meine damit nicht diese unselige schwarze Rune… Ich habe viel nachgedacht und ich glaube, ich hätte dir jede andere Frau, jede andere Fremde, die absolut nichts zu bedeuten gehabt hätte, vergeben. Doch dass du heimlich erneut mit Eliśja [18]gefickt[/18] hast, das kann ich dir nicht vergeben. Ich werde es vergessen und nicht mehr darüber reden, aber ich kann dir das nicht verzeihen. Damit kannst du vermutlich leben, da ich annehme, dass du dich ungerecht behandelt fühlst, dass ich mit den zwei Kerlen aufs Zimmer gegangen bin. Nein, es hat mir nicht gefallen, falls du dich das fragst. Ich bereue es, doch in dem Moment gestern, wollte ich es tun. Ich wollte dir vor Augen führen, wie es sich anfühlt. Asa, Nadiija, Eliśja, das war einfach zu viel für mich. Du hast gesagt, dass du mich liebst und du hast mir diesen Anhänger geschenkt, den du gleichgesetzt hast, mit einem Ring in den Nordreichen. Und dennoch hast du es mit Eliśja getrieben. Ja, ich weiß, du konntest nichts für als du zweimal über Asa gestiegen bist, da war auch alles noch unverfänglicher zwischen uns. Das erste Mal mit den beiden Schlampen konntest du auch nichts dafür. Beim zweiten Mal war ich so blöd und wollte dir beweisen, wie sehr ich dich liebe, dass ich dir eine solche Rache an ihnen gönnte. Das alles kann ich noch ausblenden. Aber dann noch einmal, und wer weiß, wie oft noch, heimlich mit Eliśja [18]herumficken[/18], nachdem du mir diesen Anhänger und diese Worte geschenkt hast, das ist nicht mein Verständnis von Liebe oder dem, was ich mir von einem Mann wünsche oder erwarte. Würde es dir gefallen, wenn ich mir ständig andere Männer ins Bett hole? Wäre es dir gleichgültig, oder würde es dich stören? [18]Wenn Du es so dringend brauchst, deinen Schwanz in so viele Löchern wie nur möglich zu versenken, dann bitte[/18], aber dann werde ich das Gold nehmen, und das Pferd, und nachhause reiten. Es liegt allein an dir." Rahela blickte Adraéyu eindringlich in die Augen "Wenn ich dir etwas bedeute, dann tu nie wieder so etwas. Lass es, oder verlass' mich... Ich möchte dir vertrauen, aber du machst es mir schwer..." Sie deutete auf den schwarzen Hengst, der hinter Rhôak stand, und wie der Braune, graste. "Das ist jetzt dein Pferd… Egal, was die Zeit auch bringt, es gehört nun dir. Vielleicht brauchst du Abstand von mir, auf den Reisen, vielleicht auch nicht… Vielleicht brauchst du es, um in eine andere Richtung zu reiten als ich, vielleicht auch nicht… So oder so, ein Pferd ist nie verkehrt… Und frag mich nicht danach, der dämliche Stallbursche hat eben geschlafen, und deine diebische Ader scheint wohl auf mich abzufärben." Es sollte gleichgültig klingen, doch sie kam nicht umhin, zu lächeln. Sie schloss die Augen und ließ die Hand auf ihrem Bauch ruhen. "Es hat sich gestern erstmals bewegt… Das kannst du von außen noch nicht spüren, aber ich spüre es…" Damit schwieg sie und atmete tief die warme Hochsommerluft ein…
Sie ist eine Frau! Und alle Frauen sind böse...!

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Re: Windherz & Rabenseele

Beitrag von Adraéyu » So, 10. Feb 2013 22:00

Bilder Raéyun saß allein unter der knorrigen, alten Eiche und starrte auf den Fluss, welcher nicht weit von ihm vor ihm dahinglitt. Hier und da waren einige Steine, welche aus dem Wasser ragten, und von weißem Schaum und der Gischt der Stromschnellen umspült wurden. Man konnte regelrecht das Leben in dem Wasser sehen, welches unablässig dahinfloss. Adraéyu war wie gebannt von dem Wasser, und den gelegentlichen Fischen, welche er unter der klaren Oberfläche ausmachen konnte, dass so sehr viel Zeit ins Land strich, bis er sich besann, dass er eigentlich weitergehen wollte. Doch als er sich schließlich dazu aufraffen wollte, da war er zu müde. Er ließ sich in das saftige Gras sinken und starrte in die Baumkrone der Eiche. Die Blätter raschelten sanft im lauen Wind des angebrochenen Mittags. Irgendwo im Baum musste ein Vogel sitzen, welcher sein Lied in den Wind sang und es von den Etáín hinfort tragen ließ. Doch er konnte den Vogel nicht sehen. Der Baum hatte weit ausladende Äste, welche stellenweise sogar beinahe den Boden berührten. Und zwischen all den Blättern lugten hier und da die grünen Eicheln hervor.

Adraéyu hielt inne. Er vernahm mit einem Mal das entfernte Getrappel von nahenden Pferdehufen. Sie klangen unregelmäßig. Dies bedeutete, dass es mehr als ein Pferd sein mussten. Er stützte sich auf seine Ellbogen und sah sich nach den Pferden um. Und er sah sofort die Silhouette von zwei nahenden Pferden. Doch nur auf einem der Pferde saß ein Reiter. Das andere war reiterlos. ›Ein Bote?‹ fragte sich Adraéyu und runzelte die Stirn. ›Oder ein Postreiter?‹ Auf jeden Fall konnte es kein Soldat sein. Aber vielleicht ein Ritter? Doch wo war dann sein Knappe?

Adraéyu wurde ein wenig unwohl, und er zog sich seine Tunika von dem nahen Ast herunter und stülpte es sich geschickt über den Kopf. Nach einigem Zupfen und Zerren saß das Hemd wieder an seinem Platz. Er überlegte für einen Moment auch das Kettenhemd anzulegen doch alleine würde das zu viel Zeit in Anspruch nehmen, und diese Geste könnte auch falsch interpretiert oder gedeutet werden, weshalb er das Kettenhemd in seiner Tasche ließ. Außerdem war es nicht immer klug das Kettenhemd zu tragen. Wenn der Reiter ein Räuber war, und erkannte, welchen Besitz Adraéyu hatte, wäre er vielleicht eher geneigt den wandernden Barden zu berauben. Ein verarmter, vagabundierender Barde war oft keine lohnende Beute und wurde links liegen gelassen.

Adraéyu strich sich die Haare leicht ins Gesicht, um von seinen Augen – und besonders von dem roten, gläsernen und auch leuchtenden Auge – abzulenken. Dann stützte er sich mit dem Rücken an den tief hängenden Ast, welcher beinahe den Boden berührte und lehnte sich leger dagegen. Schließlich nahm er noch seine Laute zur Hand um zu signalisieren, dass er nur ein harmloser Barde war, und weder ein Wegelagerer, noch ein lohnenswertes Opfer.

Doch als der Reiter schließlich näher kam, und Adraéyu langsam erkannte, dass es kein Soldat oder Ritter war, da entspannte er sich und legte die Laute wieder beiseite. Und kurz darauf seufzte er und rollte genervt mit den Augen. Kein Ritter. Viel ärgerlicher! Es war Rahela. Und sie hatte eine gemischte Mimik. Zum einen wirkte sie übermüdet und auch ausgelaugt. Doch zum anderen auch verärgert und so verengte Adraéyu seine Augen zu zwei Schlitzen und starrte neugierig auf das zweite Pferd. ›Woher hat sie das?‹, fragte er sich unweigerlich und kurz darauf musste er diebisch grinsen. ›Sie hat es sicher gestohlen.‹, dachte er sich insgeheim und ein wenig von seinem Frust und seiner Wut war binnen kürzester Augenblicke verraucht. Dennoch sah er sie verwirrt an. Wie hatte sie ihn so schnell gefunden? Er sah an ihr herab, und ließ dann seine Blicke schweifen, bis ihr der schwarze, in der Sonne schimmernde, Rabe auffiel und er schnaubte. »Vielen Dank auch, Thargôn.«, murmelte er. Zweifellos hatte sie es dem Raben zu verdanken, dass sie ihn aufgespürt hatte. Der Vogel ließ sich auf dem dicken Ast neben Adraéyu nieder und schlug sogleich mit den Flügeln aus. »Arn … Arn …. Arn …«, schnarrte der Vogel und Adraéyu musste unweigerlich schmunzeln. »Ja, ist ja gut.«, maulte er und strich dem Vogel sanft über den Rücken.

Kaum war Rahela zum Stehen gekommen da erhob sie auch schon die Stimme. »Du hast mir ein Versprechen gegeben. Du hast mir versprochen, dich um dein Kind und auch um mich zu kümmern! Nur weil du dich jetzt durch die Gegend hurst, was mich dazu veranlasst hat, es dir gleichzutun, entbindet dich das noch lange nicht von diesem Versprechen!« Adraéyu starrte Rahela ungläubig an. »Ich soll was machen?«, fragte er beleidigt. »Wer hurt hier herum?«, fragte er und biss sich zornig die Zähne zusammen. »Du tust ja grad so, als ob das die Regel wäre.« Adraéyu verschränkte beleidigt die Arme vor der Brust und sah Rahela abfällig und mit geringschätzendem Blick an. Er hatte weder dafür bezahlt bei einer der Frauen zu liegen, noch war er dafür bezahlt worden, höchstens mit Schmach und Demütigung seitens Rahela. Doch das konnte man kaum Hurerei nennen. Höchstens … Adraéyu fiel kein passendes Wort ein. Jedenfalls nicht Hurerei. Liebelei höchstens. Und mehr war das auch nicht gewesen. Eine bedeutungslose und unwichtige Liebelei. Vielleicht um sich selbst etwas zu beweisen, oder um Aldenar etwas zu beweisen? Adraéyu wusste nicht so recht, ob er überhaupt etwas beweisen hatte wollen oder er einfach den Verlockungen nachgegeben hatte. Er gestand sich ein diesbezüglich schwach zu sein, doch Rahela gestand er dieses Wissen nicht zu. Ganz sicher nicht. Er schwieg und starrte sie nur mit kalten Augen an. Wobei nur eines davon kalt war, denn das andere leuchtete und wirkte aufgrund dessen alles andere als kalt. »Du wolltest dich doch verpissen.«, sagte Adraéyu nur und besah Rahela mit kritischem Blick und leicht schief gelegtem Kopf. »Und nun stehst du vor mir. Mit zwei Pferden.« Adraéyu wurde von Thargôn unterbrochen, als dieser unnachgiebig und beharrlich nach Nüssen forderte. Und während Rahela seinem Wunsch nachkam, wetterte und zeterte sie weiter. »Bei den Alten! Wie kann man nur die ganze Nacht laufen?«, fragte sie und warf dem Raben die Nüsse zu. Adraéyu zuckte mit den Schultern. Er ist sein Leben lang gelaufen. Es war ihm gar nicht aufgefallen. »Ich fühle mich wie gefoltert …«, sie hielt inne und lockerte dann plötzlich die Schnürung ihres Kleides. Adraéyu sah sie überrascht an und zog dabei seine linke Augenbraue leicht hinauf. Was hatte sie vor? Kurz darauf hatte sie schon ihren Busen aus dem Kleid entblößt und hielt ihn in der Hand. »Was soll der Scheiß?«, schnauzte sie ihn an und deutete auf das schwarze Mal, welches sich auf der Brust abhob. Es war von einem roten Rand umschlossen. Offensichtlich eine Entzündung der Wunde. Adraéyu kannte sich nicht genug mit Wunden aus, doch hoffte er dass es kein Wundbrand war. Das Schwarzpulver in der Wunde würde dem Heilungsprozess auf jeden Fall nicht dienlich sein, das war sogar Adraéyu klar.

Er wusste, was es mit der Wunde und auch der Rune auf sich hatte. Schließlich hatte er dabei zugesehen, wie Aldenar sie geschnitten hatte. Doch er schwieg und sah sie zuerst nur trotzig an. Doch er konnte ihrem Blick nicht lange standhalten, und so wandelte sich sein Trotz recht bald in Bedauern und dann in einen entschuldigenden Blick. »Wieso schneidest du mir Kenaz in meinen Busen?«, fragte Rahela, die seine Blicke wohl gedeutet hatte. »Das ist nicht nur eingeritzt, das ist geschnitten! Reichen dir meine bisherigen Narben nicht? Bist du bescheuert?«, herrschte sie ihn an, und wieder schwall der Trotz und die Wut in ihm hoch. »Ach halt doch die Klappe!«, zischte er ungehalten und versuchte dabei aufzustehen. Rahela indes glotze ihn nur entgeistert und zugleich auch mit eisigem, starren Blick an. Würden Blicke töten können; Adraéyu wäre wohl augenblicklich tot umgefallen. Stattdessen ließ sie sich aus dem Sattel gleiten und trat einen Schritt an Adraéyu heran, welcher inzwischen auch aufgestanden war.

Sie trat an ihn heran und sah ihn finster an. »Willst du mich brandmarken? Wie eine Kuh?«, fragte sie und Adraéyu hielt herausfordernd dagegen. »Das ist kein Brandmal, sondern eine Schnittwunde.« Und dafür erntete er sogleich eine satte Ohrfeige. »Du Arsch! Wie kannst du mir so etwas nur antun?«, fragte sie und Adraéyu war sich nicht sicher, ob sie überhaupt noch von der Wunde sprach. Vielmehr bekam er das Gefühl, dass sie von der rothaarigen Zigeunerin sprach und Adraéyu hielt inne. »Ich habe dich nicht verunstaltet.«, hob Adraéyu nur verteidigend an, doch Rahela fuhr ihm unwirsch dazwischen. »Unsinn! Du warst es! Wer sonst?« Rahela sah Adraéyu zweifelnd an, und in ihrem Blick mischten sich die Gefühle, die Adraéyu verrieten, dass sie ihm kein Wort glaubte. Oder zumindest schien sie zu glauben, er wolle sie für dumm verkaufen. »Und die beiden Kerle haben sich selbst umgebracht oder?« fragte Rahela schnippisch und Adraéyu musste grinsen. »Nein, das haben sie sicher nicht.« Sein Grinsen wurde breiter. Ja die beiden Wixer hatten bekommen was sie verdient hatten. Die kalte Klinge hatte ihr warmes Blut gekostet und hatte es genossen. »Und ihr Blut klebt auch an deinen Händen. Du hast das selbst herausgefordert«, sagte Adraéyu ohne Reue. Und das, obwohl er die Klinge nicht einmal selbst geführt hatte. Rahela schien nicht Adraéyus Ansicht zu sein, was aber auch nicht sonderlich verwunderlich war. »Aber ich habe weder die Klinge geführt, noch habe ich dich entstellt.«, sagte Adraéyu und beharrte weiterhin darauf. Wieder verschränkte er die Arme um seine unmissverständliche Ansicht zu symbolisieren. Doch Rahela ließ nicht locker und Adraéyu seufzte irgendwann. »Du hast mir keine andere Wahl gelassen.«, sagte er schließlich entschuldigend. »Mir blieb keine andere Wahl.« Adraéyu rang nach den Worten, und das fand er dann doch sehr erbärmlich. Er, der Barde, dem die Worte fehlten. »Aber ich allein konnte es nicht. Also habe ich Aldenar die Macht gegeben. Und alles was weiterhin passiert war, da kannst du dich bei ihm bedanken …« Seine Reue war nur von kurzer Dauer. Kurz darauf überkam ihn wieder der Trotz. »Hättest du dich nicht so bescheuert verhalten, würden die beiden noch leben.« Seinen Worten schwang ein nicht unerheblicher Anteil an Vorwürfen mit. Doch das war ihm in diesem Moment egal. In einem Streit kehrte Adraéyu nicht selten seine schlechte Seite zum Vorschein. »Aldenar hat mir geholfen. Du hast mir Unrecht getan.«, sagte er schließlich und Rahela schnaubte verächtlich. »Und du etwa nicht?«, fauchte sie, doch Adraéyu schnitt ihr harsch das Wort ab und hob die Hand um sie zum Schweigen zu bringen. »Ich habe dich nicht vor unzähligen Fremden brüskiert. Und ich habe dich auch nicht vor diesen Fremden derart vor den Kopf gestoßen, dass ich mir zwei dahergelaufene Luder schnappe um sie zu ficken. Das war entwürdigend und verletzend.«, sagte Adraéyu und bereute diese Wortwahl sogleich wieder. Er wollte sich vor ihr in diesem Moment keine Schwäche eingestehen. »Ach was weißt du schon.«, blaffte er kurz darauf. »Deine trotzige Kurzschlussreaktion hat einen tiefen Keil zwischen uns getrieben, und zu allem Übel noch hast du der Zigeunerschlampe, die du so hasst, direkt in die Hände gespielt.«, bei diesen Worten horchte Rahela kurz auf. »Wo ist die überhaupt?« »Weg. Du wirst sie nicht so schnell wieder sehen.«, antwortete er nur und beließ es dabei.

Sie trat einen Schritt von ihm zurück und legte sich dann in das Gras. Sie stützte ihren Kopf auf eine der dicken Wurzeln und Adraéyu tat es ihr schließlich gleich. Er legte sich zwar nicht ins Gras, sondern setzte sich stattdessen auf den breiten Ast, welcher beinahe den Boden berührte. Und als er sich auf dem Ast niedergelassen hatte, da drückte er diesen schließlich auch mit seinem Gewicht bis auf den Boden nieder. Er begann unheilvoll zu knacken und zu knarren, doch hielt er stand. Als sie beide sich niedergelassen hatten, offenbarte Rahela ihre wahren Gefühle. Und erst da erkannte Adraéyu was er ihr eigentlich angetan hatte. Er hatte kopflos gehandelt. Doch nicht in der Absicht ihr Leid zuzufügen. Auch nicht in der Absicht durch die Gegend zu huren. Wenn er sich ehrlich war, konnte er selbst nicht einmal mehr genau sagen, warum es so weit gekommen war. Doch ihre folgenden Worte trafen ihn unerwartet. »Würde es dir gefallen, wenn ich mir ständig andere Männer ins Bett hole?« Adraéyus Blick verfinsterte sich. »Nein. Ich würde sie alle abschlachten.«, sagte er haltherzig und mit eisiger, ruhiger Stimme, die einem beinahe eine Angst einjagen könnte, wenn der Tag nicht so sonnig und freundlich wäre. »Du bist mein. Meine Chéla.«, sagte Adraéyu und legte ihr kurz darauf die Hand auf das Knie. »Wage es nicht etwas anderes zu behaupten. Ja du gehörst mir nicht. Aber du bist mein mich widert der Gedanke an, dass in dir der Saft von diesen zwei Bastarden klebt.« Er verzog unwillig das Gesicht. Adraéyu war vielleicht ein Egoist in diesem Moment, aber so war er eben. Man konnte es auch auf seine Bardennatur schieben. Oder auf die Gesellschaft an sich. Männer waren stets Eroberer und Frauen eben Schlampen, wenn sie sich anderen hingaben. Adraéyu gab auf dieses Gerede nichts. Diese Sache hatte ihm höchstens die Augen geöffnet, wie Rahela sich fühlen musste. »Ich habe dich verletzt.«, sagte er schließlich und strich ihr sanft über das Knie und den Oberschenkel hinauf. Doch Rahela schob seine Hand unwillig hinfort und er seufzte. »Mach das nie wieder. Du würdest vielleicht dich in die wilden Lande verpissen, wenn ich das noch einmal machen sollte, aber ich würde nicht mehr so gnädig sein. Das schwarze Verlangen Aldenars in mir färbt immer mehr auf mich ab. Mein Verstand wird dunkel und schwarz. Ich kann es gar nicht anders erklären, aber ich habe dabei zugesehen, als Aldenar die beiden Mistkerle abgeschlachtet hat, und ich habe es genossen dabei zuzusehen.« Adraéyu schwieg für einen Moment und räusperte sich dann. »Du hast Macht, das weiß ich und ich werde dich nie unterschätzen. Aber unterschätze du mich auch niemals. Denn auch ich habe Macht, und wenn du mir jemals wieder etwas derartiges antust, dann …« Adraéyu schwieg. Er wollte Rahela nicht drohen. Er war wütend und sie hingen in einem gewaltigen Streit. Im Streit sagte man immer Dinge, die man nicht so meinte. Und doch: Adraéyu würde beim nächsten Mal vielleicht sogar Aldenar gar nicht brauchen um die Klinge zu führen.

Rahela lenkte schließlich vom Thema ab und deutete auf das neue Pferd, welches Adraéyu zuvor bemerkt hatte, aber nicht wusste woher es war. »Das ist jetzt dein Pferd … Egal, was die Zeit auch bringt, es gehört nun dir. Vielleicht brauchst du Abstand von mir, auf den Reisen, vielleicht auch nicht … Vielleicht brauchst du es, um in eine andere Richtung zu reiten als ich, vielleicht auch nicht … So oder so, ein Pferd ist nie verkehrt … Und frag mich nicht danach, der dämliche Stallbursche hat eben geschlafen, und deine diebische Ader scheint wohl auf mich abzufärben.« Rahela schien genervt und das letzte was sie wohl hören wollte, wäre ein abfälliger oder zynischer Kommentar auf den Diebstahl des Pferdes. Doch Adraéyu wäre nicht Adraéyu, wenn er sich solche Gelegenheiten entgehen ließe. »Du schenkst mir also ein gestohlenes Pferd? Was soll ich davon halten?«, fragte er und lächelte sie herausfordernd an. »Wenn nun eines Tages mir jemand über den Weg läuft, dem ein Pferd abhanden gekommen ist, dass zufällig genau diesem gleicht. Was sagt das über deine Liebe zu mir aus? Wünscht du mir den Tod?«, fragte Adraéyu und konnte sich ein Lächeln kaum verkneifen. »Aber ich danke dir.«, sagte er daraufhin und neigte leicht seinen Kopf, zum Zeichen seiner Dankbarkeit.

Sie saßen noch eine Weile unter der Eiche, bis sie sich langsam wieder aufmachten. Es herrschte eine unangenehme Spannung zwischen beiden. Sie hatten sich zwar ausgesprochen, aber irgendwie war noch alles offen. Schweigend packte Adraéyu sein Hab und Gut in eine der Satteltaschen und hängte diese auf sein neues Pferd. »Welchen Namen soll ich dir geben?«, fragte er das Pferd, während er den Sattel überprüfte. Doch das Pferd gab ihm natürlich keine Antwort. Rahela saß bereits auf ihrem Pferd und Adraéyu schwang sich gerade in den Sattel hinauf, bis sie ihm schließlich in die Augen sah. »Und? Wohin nun?«, fragte sie und Adraéyu deutete auf den Fluss. »Wir folgen dem Chabur, bis zur Küste.«, sagte er trocken und verdeutlichte damit, dass es für ihn unerheblich wäre, ob sie damit einverstanden wäre oder nicht. Es stand ihr frei zu gehen, wenn sie nicht mit ihm gehen wollte. Der Streit war zwar vorbei. Doch die kühle Stimmung und die aufreibende Spannung zwischen ihnen nicht. So schnell würden sie sich nicht in Versöhnung in die Arme fallen und sich leidenschaftlich in dem satten Gras lieben. Adraéyu seufzte ein wenig schwermütig bei diesem Gedanken. Er stand auf und ging zu seiner Tasche. Nach einigem Wühlen kam er zu Rahela zurück und hielt ihr Ritualbuch in der Hand. »Hier, das gehört dir. Ich habe es an mich genommen, damit …« Adraéyu wusste eigentlich selbst nicht so recht warum. »… vielleicht damit ich einen Trumpf in der Hand habe, wenn es haarig wird.« Damit setzte er sich wieder zu ihr und sie nahm das Buch schließlich entgegen.

Während sie ritten, dachte er immer wieder an ihre letzten Worte. Das Kind hatte sich bewegt. Es war nun nicht mehr einfach nur ein dicker Bauch. Dieser Gedanke ließ ich kaum mehr los und beschäftigte ihn mehr als alles andere. Irgendwann näherte er sein Pferd an das ihre an und räusperte sich. »Wenn es ein Junge wird, wie es diese seltsame Alte Zigeunerin gesagt hatte … Wie würdest du ihn nennen?«
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Der nächste Morgen graute. Sie hatten die Nacht einfach unter freiem Himmel verbracht und waren am frühen Morgen von dem Lärm vieler Stimmen geweckt worden. Ein Handelsschiff hatte nahe des Ufers den Anker ausgeworfen und die Matrosen waren ausgeschwärmt um sich die Beine zu vertreten. Die lange Reise auf dem Fluss war mitunter sehr beschwerlich und Kräftezehrend. Sie hatten Adraéyu und Rahela mit ihren Stimmen und ihrem Gebrabbel aufgeweckt. Befehle wurden gebrüllt, Seile vertäut und Ladung gesichert. Hier und da rannte ein Mann scheinbar kopflos umher und so hatte die Szenerie die Neugierde der beiden Vagabunden erweckt. Adraéyu hatte die Gelegenheit gleich beim Schopf gepackt und den Kapitän aufgesucht. Nachdem sie alles zusammengepackt und es in den Satteltaschen verstaut hatten, waren sie zu dem Schiff ans Ufer gegangen. Nun standen sie auf dem Schiff und dem alten Seebären gegenüber.

Er strich sich durch den dichten Bart und musterte die beiden Vagabunden. »Würdet ihr uns nach Merridia mitnehmen?«, fragte Adraéyu vorsichtig und der Mann schüttelte den Kopf. »Nein.« Adraéyu senkte enttäuscht den Blick und der Seebär lachte. »Wir fahren nur bis Ceroans Schild. Dort löschen wir die Ware und fahren wieder nach Hause.« Für Adraéyu war das nicht sehr hilfreich. Die große Flussfestung war nur zwei Tagesmärsche von hier entfernt. Sie würden mit dem Pferd beinahe genauso schnell sein, wie mit dem Schiff. »Außerdem seht ihr sehr zwielichtig aus. Habt ihr überhaupt Geld?« fragte er misstrauisch. Und Adraéyu legte sein verlegenstes Lächeln auf, welches er im Repertoire hatte. »Dacht ich's mir doch.«, sagte der Mann und grinste zufrieden, ob seines guten Blickes. »Nun, wir werden bald weiterfahren. Vielleicht habt ihr beim nächsten Schiff mehr Glück.« sagte der Kapitän entschuldigend, doch weiter kam er nicht. »Scheiße!«, schrie ein Matrose. »Schnell! Auf eure Posten!«, rief ein anderer und der Kapitän war augenblicklich von Rahela und Adraéyu fortgeeilt. »Was ist los?«, rief er aufgebracht doch da sah er es schon selbst. Eine kleine Schaluppe näherte sich dem Schiff, welches da vor Anker lag. »Piraten!«, rief der Kapitän und ballte die Fäuste. »Und wir liegen hier vor ihnen wie auf dem Silbertablett!« Er warf Adraéyu und Rahela einen vorwurfsvollen und vernichtenden Blick zu bevor er sich wieder auf das nahende Schiff konzentrierte. »Zu den Waffen!«

Es dauerte nicht lange, und da war das Schiff längsseits gekommen. Enterhaken und Kletterseile wurden herüber geworfen, Befehle wie Beleidigungen wurden gebrüllt, Pfeile und Messer flogen durch die Luft und dreckige Männer kletterten an Deck. Adraéyu schob Rahela hinter sich. »Los, lass uns verschwinden. Das ist nicht unser Problem.«, raunte er ihr zu und wandte sich zum Gehen. Doch da erstarrte er. »Scheiße.«, murmelte er und schob erneut Rahela hinter sich. Am Ufer standen ein Dutzend Männer. Einer von ihnen hielt ihre beiden Pferde an den Zügeln und grinste dreckig. »Gebt auf ihr Narren!«, rief ein Mann mit einem dunklen Kettenhemd. In der Hand hielt er einen scharfen Säbel. Doch das war nicht das auffälligste, was Adraéyu an dem Mann auffiel. Nein. Viel auffälliger war die weiße Armbinde, welcher er an seinem Oberarm angebunden hatte. »Armaganen!«, rief einer der Matrosen entsetzt und ließ sogleich die Waffe fallen. »Bei den Sieben!«, rief der Kapitän und wandte sich erschrocken von den Piraten ab, um zum Ufer zu sehen.

Sie waren in der Falle. Die Piraten hatten sich vom Fluss her sehr offen dem Schiff genähert und so die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt, und diesen Umstand hatten die Krieger mit den weißen Armbinden zugleich für sich genutzt und waren vom Ufer her angeschlichen. Ob die Piraten und die Armaganen gemeinsame Sache machten, oder ob die Verbrecher mit den weißen Armbinden nur die Gunst der Stunde nutzten war nicht ersichtlich. Doch Adraéyu wollte lieber sein Glück mit den Piraten als den Armaganen versuchen. »Nutze deine Magie.«, flüsterte er Rahela zu. »Wir helfen den Piraten. Lieber denen, als den Armaganen.«

Doch selbst wenn Rahela es wirklich geschafft hätte sie alle in Schach zu halten, und auch wenn Adraéyu seine Laute zur Hand gehabt hätte. Es war zu spät. Die Armaganen stürmten bereits das Schiff, und jeden der Widerstand leistete wurde kurzerhand umgebracht. »Schlachtet jeden der sich widersetzt!«, brüllte der Kerl mit dem dunklen Kettenhemd und Adraéyu tat einen Teufel sein nutzloses Langmesser zu ziehen. Lediglich seinen Wanderstab hielt er fest in der Hand. Er versuchte Rahela hinter sich zu schieben, doch was konnte er schon gegen sie alle ausrichten? »Was haben wir denn hier?«, rief einer der Enterer. »Eine Frau!«, rief ein anderer und sie näherten sich, als ob sie alle noch nie eine Frau gesehen hätten. »Eine Wilde.«, kommentierte ein anderer Armagane abfällig. »Und schwanger auch noch.«, schnaubte der erste wieder und wandte sich von Rahela ab. »Und wer bist du? Ihr Bruder?«, fragte der Mann mit dem Kettenhemd und wischte sein blutiges Schwert an einer der Leichen ab, welche auf dem Deck verteilt lagen. »Ihr Gemahl …«, antwortete Adraéyu verhalten. Er wusste wann er die Klappe zu halten hatte. Und wenn es sonst keinen Moment in dem Leben eines Menschen gab dann ganz sicher aber dieser Moment. »Ah, du kommst nicht aus den wilden Landen.«, sagte er trocken. Es war keine Frage, sondern eine schlichte Feststellung. »Hast du nix besseres gefunden, als ne' dumme Wilde?« Er lachte dreckig und sein Gefolge stimmte sogleich mit ein. »Es gibt keine bessere als sie.«, zischte Adraéyu und erntete dafür eine satte Ohrfeige mit dem Handrücken, welche ihm der Armagane abfällig verpasste. Adraéyus Lippe platzte auf und er ging noch im selben Moment zu Boden. »Halts Maul du wertloser Dreck.« Damit packte er Rahela am Oberarm und zog sich anzüglich zu sich heran. »Is das Balg von ihm?«, fragte er und strich Rahela grob über den Bauch. »Wirklich schade.«, sagte er nur enttäuscht und seufzte. »Wer kauft schon eine schwangere Hure?«, fragte er lauthals in die Runde und erntete abfälliges Gelächter. Da zog er einen Dolch und Rahelas, sowie Adraéyus Augen blitzten erschrocken auf. »Nein!«, rief Adraéyu und rappelte sich mühsam auf die Beine. »Nein?«, hakte der Mann, welcher offenkundig der Anführer war, ungläubig nach. »Habe ich dir erlaubt zu sprechen?« Damit versetzte er Adraéyu einen Tritt in die Magengrube und dieser ging mit einem gequälten Schrei zu Boden. Die Luft wurde aus seinen Lungen getrieben und er biss sich beinahe auf die Zunge. »Los! Kettet sie zusammen.«, befahl er und steckte sein Messer weg.

Adraéyu atmete erleichtert aus. Immerhin hatte er sein Vorhaben vereiteln können, Rahela das Messer in den Bauch zu rammen.
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Von der Besatzung war kaum jemand verschont worden. Den Kopf des Kapitäns hatten sie auf den Mast aufgespießt und anschließend auch die Piraten alle getötet und über Board geworfen. Wenn die Armaganen und die Piraten je zusammengearbeitet hatten, dann wurde dieses Bündnis soeben seitens der Armaganen gelöst. Sie plünderten das Schiff und zündeten es anschließend an. Mit der Schaluppe der Piraten fuhren sie den Chabur hinunter, bis sie bei der großen Kurve angelangt waren, in welcher Adraéyu vor zwei Tagen die eiserne Sprengkugel zur Explosion gebracht hatte. Müde griff sich Adraéyu in den ledernen Beutel, welcher noch um seine Schulter gelegt war. Die eisernen Kugeln lagen schwer und unheilvoll darin doch was nützten sie? Sie würden nie alle Armaganen damit töten können, ohne selbst in Gefahr zu geraten. Und das Schiff würde zweifellos sinken und sie mit in die Tiefe ziehen. Adraéyu musste den richtigen Moment abwarten.

Nach einigen Stunden erreichten sie eine seichtere Stelle des Flusses und das Schiff fuhr direkt in die Sandbank des Ufers. Adraéyu stellte fest, dass zwei Wagen mit einigen bewaffneten Kriegern dort vor Lager warteten und scheinbar nur auf die Ankunft der Schaluppe gewartet hatten. »Los! Ausladen!«, befahl der Anführer und trieb sowohl Adraéyu als auch Rahela dazu an die Ware von dem Schiff herunter zu schaffen, um sie auf die Wagen zu laden. Die übrigen Matrosen, welche sie ebenfalls gefangen genommen hatten, mussten ebenfalls mit anpacken. Als das gesamte Schiff schließlich entladen worden war, zogen sie es an Land und spannten die Pferde von Rahela und Adraéyu davor. Sie ließen ihre Peitschen unnachgiebig auf die Pferde niedergehen, und sie stemmten sich mit der gesamten Kraft, welche sie aufbringen konnten dagegen, bis sie das Schiff schließlich in das nahe Wäldchen gezogen hatten. Dort spannten sie die Pferde aus und der Anführer nahm beide an den Zügeln. »Hier. Steig auf. Du hältst uns nur auf.«, blaffte er Rahela zu und deutete ihr auf das Pferd zu steigen welches sie erst am vergangenen Tag Adraéyu geschenkt hatte. Doch die Zügel ließ er nicht los. »Und komm ja nicht auf blöde Gedanken, sonst ist der Raéyun dran.«, sagte der Armagane und grinste daraufhin dreckig. »Was schauste so blöd? Klar hab ichs gemerkt was er is.« Sein Dialekt war verschlissen und grob. Beinahe wie ein Bauer. Doch Adraéyu hütete sich, ihm das zu sagen. »Du gehst. Wenn du stolperst oder zurückfällst, töte ich dich. Also gib dir Mühe am Leben zu bleiben!« Mit diesen Worten schubste er Adraéyu von sich fort in die Richtung, in welche sie gingen. Adraéyu hastete einige Schritte vor, bis er das Gleichgewicht wieder gefunden hatte und verlangsamte dann seinen Schritt. »Bravo. Erste Prüfung bestanden.«, meinte einer der Armaganen abfällig und kramte dabei in den Satteltaschen von Rahelas Pferd herum. Zu Adraéyus Glück, waren alle Sachen von Wert in seinen Satteltaschen. Zu Rahelas Pech, war all ihr Hab und Gut in den ihren verstaut. All ihre Tränke, Kräuter und auch das Buch, welches Adraéyu ihr nach dem Streit wieder gegeben hatte. »Nur nutzloser Plunder! Was seid ihr denn?« Einiges der Sachen schmiss er hinter sich, doch das meiste ließ er in den Taschen und schnaubte verächtlich, bevor er sich von Rahela entfernte. Adraéyu begann einige der Stücke aufzuheben, doch kassierte er dafür nur einen weiteren Tritt. »Lass den Dreck liegen und geh weiter!«, befahl ihm eine tiefe Stimme, die er nicht näher zuordnen konnte. Außerdem war er erneut damit beschäftigt nicht zu stürzen. Sein Stolpern sorgte für allgemeine Unterhaltung, so schien es. Denn alle lachten, alle nur Adraéyu nicht. »Ich werde sie alle töten.«, zischte die schwarze Stimme in Adraéyu und er stimmte ihr zu.

Die Zeit verging, quälend langsam. Adraéyu wusste weder wo sie waren, noch wo sie hingingen. Doch eines wusste er ganz sicher. Sie waren nicht auf dem Weg nach Merridia, sondern weit in den Südwesten. Nach Cathrad. Das verhasste, Scheiß Cathrad. Jenes der gefallenen Reiche, welches sich Adraéyu geschworen hatte niemals zu betreten. Und er war nun tief im Landesinnern. Und er konnte rein gar nichts dagegen unternehmen, außer stillschweigend einen Fuß vor den anderen zu setzen.
In den Weiden werden uns're Träume klingen,
und die Winde werden uns're Lieder singen.
Lasst uns mit den Funken übers Feuer springen,

in der Walpurgis Nacht.

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Re: Windherz & Rabenseele

Beitrag von Rahela » Mi, 13. Feb 2013 12:06

Bildahela gab Adraéyu eine schallende Ohrfeige. "Du Arsch! Wie kannst du mir so etwas nur antun?" rief sie und hielt inne. Ging es hier nun um die Rune, oder ging es hier schon um etwas ganz anderes? Sie wusste es nicht genau, doch war die Rune ganz sicherlich nur zweitrangig, denn Gefühle von Demütigung, Enttäuschung und Zorn vermischten sich in ihrem Geist. Sie glaubte ihm kein Wort. Die Türe war verschlossen gewesen. Wer hätte Grund gehabt, gewaltsam einzudringen, und den beiden Kerlen den Garaus zu machen, wenn nicht Adraéyu? "Verarsch mich nicht. Natürlich warst du es. Du hast die Beiden umgebracht und mich verletzt und verunstaltet!" Es war ihr beinahe unbegreiflich, wie er so etwas nur hatte tun können. War ihm alles so egal? Hielt er sich für etwas Besseres, dass er ungestraft seinen [18]Schwanz[/18] in dieses Mädchen stecken konnte, und Rahela konnte nicht tun, was sie wollte? Schließlich seufzte er und meinte "Du hast mir keine andere Wahl gelassen. Mir blieb keine andere Wahl." "Man hat immer eine Wahl" warf Rahela ein. Adraéyu rang sichtlich um Worte, doch dann meinte er schließlich "Aber ich allein konnte es nicht. Also habe ich Aldenar die Macht gegeben. Und alles was weiterhin passiert war, da kannst du dich bei ihm bedanken …" Rahela kniff die Augen zusammen. "Weißt du eigentlich, was du da sagst? Du hast mir deine schwarze Seele auf den Leib gehetzt! Bedanken… Soll ich mich etwa bei ihm bedanken, dass er mich nicht umgebracht hat? Erst im Birkenhain hast du mich belehrt, und mir gesagt, man dürfe der schwarzen Seele niemals Macht geben! Du hast mich geschimpft und zurechtgewiesen, für das, was ich getan habe, aber selbst bist du nicht besser!" Sie spuckte unwillig aus. "Aldenar hat mir geholfen. Du hast mir Unrecht getan" meinte er schließlich trotzig und Rahela schnaubte verächtlich. "Und du mir etwa nicht?" fauchte sie, doch Adraéyu schnitt ihr harsch das Wort ab und hob die Hand um sie zum Schweigen zu bringen."Ich habe dich nicht vor unzähligen Fremden brüskiert. Und ich habe dich auch nicht vor diesen Fremden derart vor den Kopf gestoßen, dass ich mir zwei dahergelaufene Luder schnappe um sie zu [18]ficken[/18]. Das war entwürdigend und verletzend!" sagte er. Er hielt kurz inne und fügte noch hinzu "Ach was weißt du schon!" "Ich weiß, dass du keinen Deut besser bist! Diese beiden Kerle waren lediglich ein Racheakt. Ich hätte es nie so weit kommen lassen, wenn diese Schlampe nicht ausgepackt hätte und dich als Lügner, Betrüger und Hurenbock entlarvt hätte! Ich hatte eigentlich keinen Grund, mir einen fremden [18]Schwanz[/18] zu nehmen, ich war zufrieden, wie es war, was für dich anscheinend nicht galt!" "Deine trotzige Kurzschlussreaktion hat einen tiefen Keil zwischen uns getrieben, und zu allem Übel noch hast du der Zigeunerschlampe, die du so hasst, direkt in die Hände gespielt" meinte er und Rahela sah sich um "Den Keil hast du zwischen uns getrieben, nicht ich, ich habe dem Ganzen vielleicht lediglich die Krone aufgesetzt, und das werde ich dir nicht verzeihen… Wo ist diese Schlampe überhaupt?" meinte sie schließlich und Adraéyu erwiderte "Weg. Du wirst sie nicht so schnell wieder sehen." "Wo ist sie? Was hast du mit ihr gemacht? Wohin hast du sie gebracht?" hakte sie nach doch er erwiderte nichts darauf. Rahela seufzte und ließ sich ins Gras nieder. Sie lümmelte sich bequem auf eine der dicken Eichenwurzeln und versuchte, ruhig zu atmen.

Schließlich erzählte sie ihm, was sie dachte und fragte ihn schließlich "Würde es dir gefallen, wenn ich mir ständig andere Männer ins Bett hole?" Adraéyus Blick verfinsterte sich. "Nein. Ich würde sie alle abschlachten. Seine Stimmlage war ernst und kalt. "Du bist mein. Meine Chéla" sagte er und legte ihr kurz darauf die Hand auf das Knie, als würde er mit dieser Geste seine Worte bekräftigen wollen. "Wage es nicht etwas anderes zu behaupten. Ja, du gehörst mir nicht. Aber du bist mein, und mich widert der Gedanke an, dass in dir der Saft von diesen zwei Bastarden klebt." Es klang beinahe wie eine Drohung, und Rahela erfasste eine schauerliche Gänsehaut. Sie befand es für besser, darauf nichts zu sagen, doch sie erwiderte kühl "Ich hoffe, zumindest du warst so anständig, dich jedes Mal gewaschen zu haben, nachdem du sie berührt oder [18]gefickt[/18] hast, bevor du dich mir wieder zugewandt hast…" "Ich habe dich verletzt" stellte er fest und strich ihr sanft über das Knie und den Oberschenkel hinauf. Doch Rahela schob seine Hand unwillig hinfort "Ja, das hast du. Und lass das, das ist jetzt nicht angebracht…" murrte sie. "Mach das nie wieder. Du würdest dich vielleicht in die wilden Lande verpissen, wenn ich das noch einmal machen sollte, aber ich würde nicht mehr so gnädig sein. Das schwarze Verlangen Aldenars in mir färbt immer mehr auf mich ab. Mein Verstand wird dunkel und schwarz. Ich kann es gar nicht anders erklären, aber ich habe dabei zugesehen, als Aldenar die beiden Mistkerle abgeschlachtet hat, und ich habe es genossen, zuzusehen." Rahela horchte auf. "Weißt du eigentlich, was du da sagst? Was soll ich darauf erwidern? Du hast Weib und bald auch Kind. Müssen wir uns immer vor dir fürchten? Muss ich dein eigenes Kind vor dir beschützen?" fragte sie ihn und legte wie zur Bekräftigung ihre Hand auf ihren Bauch und schloss die Augen und hörte ihm zu, was er ihr noch zu sagen hatte. "Du hast Macht, das weiß ich und ich werde dich nie unterschätzen. Aber unterschätze du mich auch niemals. Denn auch ich habe Macht, und wenn du mir jemals wieder etwas Derartiges antust, dann …" "Was dann? Willst du mir drohen? Wirst du mich dann umbringen? Oder weitere Runen in meinen Körper schneiden? Ich habe ohnehin keine Veranlassung, mich einem anderen Mann zu zuwenden. Doch wenn du meinst, mit anderen Weibern anbandeln zu müssen, dann werde ich es dir immer doppelt und dreifach heimzahlen, das verspreche ich dir. Vielleicht lassen das die Frauen in den niederen Nordreichen mit sich machen, aber nicht wir Frauen aus dem hohen Norden! Wir sind dem Manne nicht so unterstellt, wie andere!" Sie seufzte und befand, es wäre ein guter Zeitpunkt, das Thema zu wechseln, diese Diskussion führte ohnehin zu nur noch mehr bösem Blut. Und so lenkte sie das Thema auf das Pferd, welches sie ihm mitgebracht hatte. Sie wandte sich ihm zu, als sie ihre Worte beendet hatte und ein listiges Lächeln huschte über sein Gesicht. "Du schenkst mir also ein gestohlenes Pferd? Was soll ich davon halten? Wenn mir nun eines Tages jemand über den Weg läuft, dem ein Pferd abhanden gekommen ist, dass zufällig genau diesem gleicht….? Was sagt das über deine Liebe zu mir aus? Wünschst du mir den Tod?" Rahela blies die Luft aus den Backen. "Nein, natürlich nicht… Höchstens, dass sie dich dafür verdreschen…" grinste sie. Er bedankte sich schließlich doch noch dafür.

Dann saßen sie noch eine Weile unter der Eiche. Die meiste Zeit davon herrschte unangenehmes Schweigen. Zwar hatten sie miteinander gesprochen, doch es war unklar, wie es nun weitergehen sollte. "Und? Wohin nun?" erkundigte sie sich vorsichtig bei ihm, als sie ihr Hab und Gut schließlich wieder eingepackt und aufgesessen hatten. Es war eine unverfängliche Frage. Sie konnte bedeuten, dass sie gewillt war, weiter mit ihm zu ziehen, es konnte aber auch bedeuten, dass sie wissen wollte, was er nun weiter vorhätte. "Wir folgen dem Chabur, bis zur Küste." Deutete er auf den Fluss und eine Erleichterung durchfuhr sie. Zumindest hatte er sie noch nicht gänzlich abgehakt. Sie nickte. Ihr war es sowieso egal, wohin sie zogen. Sie wusste, dass sie die wilden Lande, solange sie mit Adraéyu unterwegs war, so schnell nicht wieder sehen würde. Schließlich beugte er sich zu seiner Tasche herunter und kramte darin herum. Dann lenkte er sein Pferd näher an Rahelas Pferd und hielt ihr das Buch mit den Beschwörungen vor die Nase. "Hier, das gehört dir. Ich habe es an mich genommen, damit …" Er schien nach den richtigen Worten zu suchen…"…vielleicht damit ich einen Trumpf in der Hand habe, wenn es haarig wird." Rahela sah ihn unverständlich an. "Fürchtest du mich? Habe ich dir je gedroht? Hab ich dir je einen Anlass gegeben, zu glauben, ich würde dir etwas antun?" Schließlich nahm sie das Buch an sich und murmelte "Danke." Sie ritten schweigsam weiter. Es gab ja auch nicht viel zu sagen. Nach einer Weile ließ er sein Pferd ein wenig zurückfallen, bis er schließlich gemächlich neben ihr ritt und räusperte sich. "Wenn es ein Junge wird, wie es diese seltsame alte Zigeunerin gesagt hatte … Wie würdest du ihn nennen?" Rahela zuckte die Schultern, während das Pferd in gemächlichem Schritt über die weite Flur trottete. "In den wilden Landen ist es üblich, dass der Mann den Namen für seinen Sohn wählt. Es ist wie ein ungeschriebenes Gesetz, der Name, den der Vater erwählt, ist unabdingbar. Der Name für eine Tochter hingegen ist Weiberangelegenheit. Du kannst den Namen aussuchen, mir ist alles Recht, solange es ein schöner Name ist" versuchte Rahela ein Lächeln aufzusetzen. Während sie so dahinritten, fragte Rahela ihn plötzlich "Wie lautet eigentlich dein Nachname? Du hast ihn mir nie verraten, und jeder Mensch hat doch einen. Du kannst ja schließlich nicht nur Adraéyu, der Raéyun sein, genauso wenig wie ich nicht nur Rahela, die Wilde bin, sondern Rahela Norrsken… Ich frage, weil ich wissen möchte, wie das Kind mit Nachnamen heißen wird…"

Am Abend saßen sie bei einem Lagerfeuer, und aßen, was sie vom Handelsposten noch übrig hatten. In Shuridron war die Gelegenheit ungenutzt verstrichen, sich dort noch mit Lebensmitteln einzudecken. Die Stimmung war nach wie vor gedämpft und Rahela fragte sich, ob dies nun immer so sein würde. Der Hochsommer hatte seinen Zenith längst überschritten Es würde nicht lange dauern, dann würde sich das Laub verfärben. Die Blätter würden rot und golden werden, die Abende und Nächte deutlich kühler, die Tage würden allmählich merkbar kürzer werden, und ehe man es sich versah, würde der Herbst nahen. Es würde ein Herbst unter freiem Himmel werden, und Rahela machte sich allmählich schon Gedanken, wie sich die nächsten Monate gestalten würden, als Vagabunden, die sie nun einmal waren. Immerhin waren sie heimatlos, und der Winter nahte, der Winter, in welchem die Geburt sein würde…

Und so waren sie den Argamanen in die Hände gefallen. Rahela hatte von diesen noch nie etwas gehört. Auch wenn Córalay und Cathrad das Nachbarland der wilden Lande war, so waren ihr die Argamanen gänzlich unbekannt. "Schlachtet jeden, der sich widersetzt!" hörte sie den offensichtlichen Anführer brüllen und plötzlich schien sie alles wie durch einen Nebel hindurch zu hören. Wie in Zeitlupe schienen die leblosen Köroer der getöteten Menschen auf die harten Eichendielen des Decks zu fallen und Rahela wagte es nicht, sich zu bewegen. Adraéyu schob sie hinter sich, als einer der Argamanen auf sie beide zukam und sie war ihm wirklich dankbar dafür. Auch wenn ihr nicht wohl war bei dem Gedanken, dass er somit abfangen könnte, was vielleicht sie abbekommen würde. "Eine Frau!" rief einer von ihnen erstaunt aus. So, als wäre sie die erste, oder auch letzte Frau auf Alvarania. "Nur eine Wilde…" meinte einer verächtlich. "Und schwanger ist sie auch noch, die Schlampe…" "Und ein Rabe hockt auf ihrer Schulter! Habt ihr sowas schon einmal gesehen?" lachte einer und die anderen fielen in schallendem Gelächter mit ein. Der Zorn stieg in Rahela hoch, doch gemischt mit der Angst, die sie verspürte, wagte sie es nicht, diesem Luft zu machen. Ein falsches Wort, eine falsche Geste… Sie hatte an zahlreichen Beispielen hier an Deck erleben können, was die Armaganen mit jenen machten, die sich widersetzten, oder auch nur deren Gesicht ihnen nicht gefiel. "Und wer bist du? Ihr Bruder?" fragte einer von ihnen, auch, wenn sich sein wahres Interesse dafür in Grenzen hielt. "Ihr Gemahl…" stieß Adraéyu knapp hervor, und dennoch konnte sich Rahela über diese Worte nur schwerlich freuen. Warum war auch immer nur so ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt? In letzter Zeit lief aber auch alles schief! "Ah, du kommst nicht aus den wilden Landen. Hast du nix besseres gefunden, als ne' dumme Wilde?" lachte er widerwärtig. "Es gibt keine Bessere als sie" meinte Adraéyu und bekam eine harte Ohrfeige mit dem Handrücken, dass seine Lippe aufplatzte und das Blut in einem dünnen Rinnsal gen Kinn lief. "Halts Maul du wertloser Dreck!" Rahela stand immer noch wie neben sich. Sie hätte Adraéyu so gerne geholfen, doch wie? Es war unmöglich, hier Magie zu wirken. Sie verfügte nicht über die nötige Konzentration und diese Männer waren ausgefuchst! Sie würden es sofort bemerken und dann waren sie beide fällig! Man müsste den richtigen Moment abwarten, doch woher wusste man, wann dieser war? Der scheinbare Anführer packte Rahela grob am Arm und riss sie zu sich heran, während er ihr unsanft über den gewölbten Bauch strich. "Ist das Balg von ihm?" "Natürlich ist es von ihm…" zischte Rahela leise, aber giftig und der Mann festigte seinen Griff um ihren Oberarm, sodass sich später sicherlich blaue Flecken bilden würden. "Klappe halten!" herrschte er sie an und meinte dann "Wirklich schade…" Er seufzte und wandte sich an seine Kumpane und streckte herausfordernd die Hände zur Seite. "Wer kauft schon eine schwangere Hure?" Und ein allgemeines Gelächter machte sich breit, während er einen Dolch aus seiner Scheide zog. Der Dolch blitzte unmissverständlich auf und Rahela durchfuhr ein eisiger Schauer, als sie ihre Gedanken ausführte, was er wohl mit diesem Dolch machen würde. "Nein!" fuhr Adraéyu dazwischen und der Anführer knurrte ihn an. "Nein? Habe ich dir erlaubt zu sprechen?" blaffte er barsch und trat ihm mit aller Gewalt in den Bauch, so dass Adráeyu, immer noch kniend, erneut zu Boden ging, während er schmerzerfüllt auf keuchte. "Los! Kettet sie zusammen" meinte er, während er seinen Dolch zurücksteckte.

"Hier. Steig auf. Du hältst uns nur auf" meinte der Anführer, als sie die Schiffsladung abgeladen hatten und ungnädig zu Rahela und hielt ihr die Zügel des Pferdes entgegen. Zögerlich nahm Rahela diese entgegen, doch dann schwang sie sich auf das Pferd und fühlte sich ein wenig sicherer. "Und komm ja nicht auf blöde Gedanken, sonst ist der Raéyun dran." Ihre Augen blitzten vor Überraschung und Furcht unmerklich auf. Doch spielte er wirklich eine Rolle, welchem Volk man angehörte? Man war wohl als Raéyun nicht besser oder schlechter dran, als ein Elf, ein Menai, oder eine Wilde." Was schauste so blöd? Klar hab ichs gemerkt was er is." Rahela wäre nun wohl jedermann lieber gewesen, als dieses Argamanenpack. Ihr Zorn schwelte, ihre Furcht vergrößerte sich und sie wünschte sich, sie müsste nicht so machtlos alles über sich ergehen lassen. Sie wussten, was Adraéyu war und wozu die Raéyun fähig waren. Demnach hatte er schlechtere Karten als Rahela. "Du gehst. Wenn du stolperst oder zurück fällst, töte ich dich. Also gib dir Mühe am Leben zu bleiben!" meinte er barsch und stieß ihn nach vorne, wodurch Adraéyu ins Straucheln kam. Rahela schloss verzweifelt ihre Augen, als sie diese Worte vernahm und betete zu den Göttern, sie mochten ihm die nötige Kraft geben, durchzuhalten. Schließlich begann der Anführer, Rahelas Satteltaschen zu durchwühlen. Achtlos und wütend gleichzeitig, weil er mit all diesen Dingen nichts anzufangen wusste und weil sie in seinen Augen nichts wert waren, warf er das Meiste davon auf den Boden. Als Adraéyu sich danach bückte, um etwas davon aufzuheben, bekam er nur einen weiteren Tritt. So gingen sie immer weiter nach Südwesten, bis sie schließlich spät abends das Einzugsgebiet der Argamanen erreichten.

Im Stützpunkt der Armaganen angekommen, wurde Rahela unwirsch dazu aufgefordert, vom Pferd abzusteigen. "Bindet die beiden irgendwo an, ist mir egal, wo… Nehmt die Pferde, tränkt und versorgt sie, und dann bindet sie irgendwo fest! Und schmeißt den ganzen Krempel aus den Satteltaschen!" rief der Anführer, während er in eine der Holzhütten ging. Einer der Männer nickte und trat an die beiden Pferde heran. Er löste die Satteltaschen, öffnete diese und schüttete unbekümmert Adraéyus und Rahelas Hab und Gut auf den Boden, selbst den Lautenkasten pfefferte er achtlos in die Dunkelheit. Klirrend zerbrachen einige von Rahelas Fläschchen, das Buch fiel in den Dreck, und viele der wertvollen Elixiere und Kräuter waren somit unwiederbringlich verloren! Der Mohnblumensaft versickerte im Gras, der wertvolle und kostbare Mohnblumensaft! Rahela beobachtete dieses mit ungläubig geweiteten Augen. Während die Beiden unsanft vorgestoßen wurden, entzündete ein weiterer ein Lagerfeuer. Am nächstgelegenen Baum, der verfügbar war, wurden ihnen Arme und Beine gefesselt und mit einem Seil wurden ihre Körper am dicken Stamm festgebunden. So saßen sie im schwachen Feuerschein und Rahela kam alles vor wie ein schlechter Scherz oder ein böser Traum. Nach einer Weile, die vergangen war, begann Rahela im Flüsterton zu Adraéyu zu sprechen. "Adraéyu… Ich verzeihe dir… Ich verzeihe dir alles, was vorgefallen ist… Aber vergib du mir bitte auch. Es tut mir so leid… Ich liebe dich…" Es klang wie ein Abschied, und Rahela machte sich wirklich keine großen Hoffnungen, die nächsten Tage noch zu überleben.

Plötzlich trat einer der Männer an die Beiden heran. Er kniete bei Rahela und löste ihre Fesseln. Unwillig brummte er "Hätte ihm das nicht schon früher einfallen können..?" Umständlich hantierte er an den Knoten, bis er sie schließlich öffnen konnte, und erhob sich, während er Rahela mit hoch zerrte. "Mitkommen, Erill will dich sehen…" meinte er knapp und packte sie am Oberarm und zerrte sie mit sich mit. Wer, bei den Alten, war Erill? Er lief mit ihr zu der Hütte des Anführers, dann öffnete er die Türe und stieß sie hinein und schloss die Türe wieder.

In der Hütte des Anführers stand Rahela unschlüssig da. Was würde nun passieren? Sie konnte es sich denken. Langsam trat er auf sie zu, während er eine Haarsträhne ergriff und diese zwischen den Händen zwirbelnd, betrachtete. "Lange her, dass ich ein Weib hatte... " meinte er. Er legte ihr die Hand in den Nacken und zog sie langsam zu sich heran. Rahela stand stocksteif da und plötzlich fiel ihr der Dolch ein, der immer noch am Gürtel in seiner Scheide steckte! Bevor er seine Lippen auf ihre pressen konnte, zog sie den Dolch aus der Scheide hervor. Doch Erill war leider alles andere als dumm und bemerkte Rahelas Reaktion. Er packte sie am Armgelenk und drückte dieses fest nach hinten, bis Rahela ihren Griff um den Dolch lockern musste und dieser aus ihrer Hand glitt und klirrend auf den Boden fiel. "Verdammtes Miststück! Denkst du, ich bin von gestern?" fluchte er, während er sie packte, umdrehte und sie schließlich mit ihrem Rücken zugewandt an seinem Körper gedrückt wurde. Mit einer Hand hielt er sie eisern umklammert, mit der anderen öffnete er ihren Gürtel, welcher hinab fiel, löste die Schnürung ihres Kleides und streifte es an ihren Armen nach unten. Es glitt über ihren Körper und der schwere Stoff fiel beinahe geräuschlos zu Boden. Sie wagte kaum zu atmen und ihr Herzschlag dröhnte in ihrer Brust und das Blut rauschte in ihren Ohren. Er drehte sie wieder zu sich und musterte sie. "Schwanger bist du… naja… aber auch nicht unansehnlich…" meinte er, als würde er Vieh begutachten. "Los, leg dich hin…" meinte er und deutete auf sein behelfsmäßig zusammen gezimmertes Bett. Rahela blieb wortlos stehen und starrte den Mann weiterhin an. "Kannst du eigentlich sprechen? Bist du taub? Ich hab gesagt, du sollst dich hinlegen!" blaffte er sie barsch an und schließlich tat sie, wie ihr geheißen. Er zog sich rasch aus und kam über sie, in der einen Hand ihren Dolch. Langsam fuhr er mit der Dolchspitze vom Hals über ihr Brustbein, über den gewölbten Bauch und die metallene Spitze scherte kratzend über ihre Haut und hinterließ eine Linie, die zuerst weiß war, und sich langsam rötlich verfärbte. Bedächtig fuhr er mit der Dolchspitze um ihren Bauchnabel und murmelte dabei "Denk nicht einmal daran, irgendeinen Blödsinn anzustellen oder versuchen zu flüchten. Sonst schneide ich dir das Kind aus dem Bauch. Und dann töte ich dich, und danach den unsäglichen Raéyun da draußen…" Rahela schluckte schwer. Es war riskant, und doch würde sie es versuchen. Wahrscheinlich würden sie sie früher oder später so oder so umbringen. Sie starrte ihm in die Augen, mit ihren kühlen, heugrünen Augen, und suchte seinen Blick. Irritiert erwiderte er diesen finsteren Blick und langsam versuchte Rahela, sich in seinen Geist zu wühlen. Langsam und bedächtig ging sie dabei zur Sache und schließlich befahl sie ihm im Geiste, den Dolch fallen zu lassen. Willenlos begann seine Hand zu zucken, entfernte sich von ihrem Körper, und der Dolch fiel klirrend zu Boden. Sie hatte ihn in ihrer Hand! Triumphierend lächelte sie ihn an, doch dann passierte es, einige seiner losen Haarsträhnen hingen in ihr Gesicht und kitzelten sie an der Nase, bis sie schließlich zweimal niesen musste. Diese kurzen Momente reichten, ihn aus ihrer geistigen Fessel zu befreien. Verwirrt und wütend gleichzeitig starrte er sie an. "Was… was war das? Du… du Hexe! Du bist eine Hexe aus dem Norden! Von Euresgleichen habe ich gehört! Du und dein vermaledeiter Rabe, und dein vermaledeiter raéyunsche Mann… Steh auf und zieh dich an! Ich werde mich keine Hexe nehmen!" meinte er und spuckte neben dem Bett aus, während er sich unwillig von ihr löste und sich erhob…
Sie ist eine Frau! Und alle Frauen sind böse...!

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Re: Windherz & Rabenseele

Beitrag von Adraéyu » Sa, 16. Feb 2013 23:30

Bildiefste Schwärze umfing Adraéyu. Ein stechender Schmerz schoss ihm, bei der Schläfe, ins Hirn. Ein gellender Blitz durchzuckte seinen Verstand und kurz darauf wieder Schwärze. Die Faust hatte ihn direkt am Kopf getroffen und die Folgen des Schlages raubten ihm die Sicht. Die rote, gläserne Kugel in seiner linken Augenhöhle flammte für einen Moment auf, und erlosch dann für einige Augenblicke, bevor sie kurz darauf wieder zu glimmen begann. Adraéyu schrie schmerzerfüllt auf und sackte kurz darauf wieder zusammen. Bilder durchzogen seinen Verstand, und vor seinem inneren Auge liefen diese Bilder wie eine bebilderte Geschichte ab. Er saß auf dem Pferd, welches Rahela ihm geschenkt hatte. Das gestohlene Pferd, welches ihm nun von den Armaganen gestohlen worden war. Und Rahela ritt neben ihm her. Sie sprach, doch drangen die Worte nicht bis an sein Ohr. Er sah sie nur stumm neben sich und ihr Mund bewegte sich seltsam verlangsamt. Er schüttelte den Kopf, doch bekam er die Bilder nicht aus dem Kopf. Sie wurden klarer, und ein störendes Rauschen begleitete sie. Zuerst war das Rauschen nur dumpf und leise. Doch bald schwoll es zu einem regelrechten, rauschenden Bach an. Und kurz darauf gellte ein zweiter Blitz auf und ein ohrenbetäubender Knall ließ Adraéyu aufschrecken. Ein Knall, als ob ihm soeben das Trommelfell geplatzt wäre. Ein weiterer Schlag hatte ihn am Ohr getroffen. »In den wilden Landen ist es üblich, dass der Mann den Namen für seinen Sohn wählt. Es ist wie ein ungeschriebenes Gesetz. Der Name, den der Vater erwählt, ist unanfechtbar. Der Name für eine Tochter hingegen ist Weiberangelegenheit. Du kannst den Namen aussuchen. Mir ist alles Recht, solange es ein schöner Name ist.« Rahelas Worte klangen verzerrt und verhallten teilweise in seinem Kopf, doch ergaben die Worte dennoch einen Sinn. Diese Worte hatte sie erst gestern zu ihm gesagt, auf seine Frage, wie sie das Kind nennen würde, so es denn ein Sohn werden würde. Die Bilder brachen ab und rauschten mit einem Mal dahin.

Erneut Schwärze. Rotes Blut und blanker Stahl. Adraéyu riss die Augen auf und sog die Luft tief in seine Lungen. Ein Tritt in die Magengrube ließ ihn beinahe seine Innereien herauswürgen. Kurz darauf verklärte sich die Schwärze und die Bilder kehrten verschwommen zurück. Adraéyu vernahm seine eigene Stimme. Doch es klang seltsam und unvertraut. Als ob er neben sich stünde, und hören würde, wie er mit sich selbst sprach. »Wenn du es wünschst.«, klang seine Stimme emotionslos. Fast so, als ob es ihm egal wäre. »Wie lautet eigentlich dein Nachname?«, drangen erneut Rahelas Worte an seinen Geist. »Du hast ihn mir nie verraten, und jeder Mensch hat doch einen. Du kannst ja schließlich nicht nur Adraéyu, der Raéyun sein, genauso wenig wie ich nicht nur Rahela, die Wilde bin, sondern Rahela Norrsken … Ich frage, weil ich wissen möchte, wie das Kind mit Nachnamen heißen wird.« Adraéyu konnte förmlich fühlen, wie sich sein Gesicht zu einem Schmunzeln verzog. »Ich habe keinen richtigen Nachnamen.« Rahela sah ihn skeptisch an und Adraéyu musste die Augen zusammenkneifen um die verschwommenen Bilder noch halbwegs zu erkennen. Das Bild verblasste bereits und er konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. »Meine Eltern gaben mir einen Beinamen in der Sprache der Raéyun. Grob übersetzt bedeutet es Kind der Sonne.« Adraéyu schwieg sich dazu aus, wie man es in seiner Muttersprache aussprach. »Doch mein Kind wird nicht meinen Namen erhalten.«, vernahm Adraéyu schließlich seine abwehrende und verhaltene Stimme. Und wieder sah er die fragende Skepsis in Rahelas Blicken. »Ich trage nicht den Namen meiner Eltern, denn sie waren nicht verheiratet. Wir beide sind es ebenfalls nicht, und somit steht meinem Erben auch ein eigener Name zu.«

Die Schwärze verschlang die Bilder, und auch die Stimmen. Nichts blieb mehr als absolute Dunkelheit. Und kurz darauf ein kaltes, kühles Nass. Wasser wurde in Adraéyus Gesicht geschleudert und er vernahm ein dreckiges und gehässiges Lachen. »Wach auf, Dornröschen!« Er vernahm wie jemand ausspuckte und ein Scharren von schwerem Schuhwerk auf lockerem Boden. »So ein Weichei. Hält nicht einmal einen Schlag aus.« Wieder das Geräusch von klebriger Spucke, welche mit einem tiefen Grunzen aus dem Rachen gezogen wurde und kurz darauf auf dem Boden aufschlug. »Lasst ihn am Leben ihr Schwachköpfe!«, brüllte eine harsche Stimme und kurz darauf schlug ihm erneut kühles Nass entgegen. »Is ja gut.«, murmelte die erste Stimme wieder und Adraéyu schlug benommen die Augen auf. »Siehste? Er lebt eh noch.«, lachte die zweite Stimme wieder und Adraéyu erkannte unscharfe Schemen, welche vor ihm standen. »Ein wenig zu spät.«, sagte die erste Stimme wieder mit einem gehässigen Unterton. »Hast ja leider verpasst, wie deine Wilde zu Erill gebracht wurde.« Er lachte aufgesetzt und der andere stimmte sogleich mit ein. »Erill?«, hakte Adraéyu verwirrt nach und versuchte sich zu orientieren, indem er seine Blicke umherstreifen ließ. »Ja Mann. Erill.«, antwortete der Erste genervt und der zweite schnaubte nur verächtlich. »Schwachkopf.« »Erill wird deiner Wilden schon zeigen wo der Hammer hängt.« Wieder dieses dreckige Grinsen. »Ja! Er wird sie so durchficken, dass sein Schwanz dein Balg in ihr abtreiben wird.« Diese Worte trafen Adraéyu schlimmer noch als der Schlag in die Magengrube. »Was?«, platzte er entsetzt und zugleich benommen vor unfähiger Wut heraus. Doch er erntete nur ein verächtliches Lachen. Die Beiden gingen davon. »Wenn er uns genug von ihr übrig lässt, dann wird sie noch mit meinem Schwanz Bekanntschaft machen.« Er griff sich anzüglich in den Schritt und hob das Gemächt unter der Hose einige Male an. »Ihr Bastarde!«, schrie Adraéyu nur doch erntete er nur Missachtung. Einige böse Blicke, doch kurz darauf wieder Belustigung. »Mit dir wird er ganz andere Sachen machen. Raéyun.«

Adraéyu versuchte seine Fesseln zu lockern, indem er die Arme und Hände hin und her bewegte. Doch die Seile saßen verdammt fest. »Adraéyu … Ich verzeihe dir … Ich verzeihe dir alles, was vorgefallen ist … Aber vergib du mir bitte auch. Es tut mir so leid … Ich liebe dich …« Rahelas Worte, kurz bevor sie von der Wache abgeholt worden war, hallten ihm wieder durch den Kopf. Wie ein Echo ihres Geistes, der in ihm wohnte. »Ich dich auch …«, murmelte er niedergeschlagen und erhob daraufhin seinen Kopf zum Himmel. »Helft ihr.«, bat er nur und richtete seine Worte an den Wind und die Sonne. »Helft ihr, oder ich werde euch für immer hassen.«, zischte er und eine einzelne Träne lief ihm aus dem gesunden Auge die Wange hinunter. Sie vermischte sich sehr schnell mit dem Blut, welches aus der Platzwunde an seiner Schläfe herausgetreten war, sowie dem Blut der Schürfwunden an der Wange und dem aus den aufgesprungenen Lippen. Die Handgelenke waren wund gescheuert und brannten. Die Haut war rot und an einigen Stellen schon offen. Doch er nestelte noch immer weiter, um sich zu befreien. Sich zu befreien, um Rahel zur Hilfe zu eilen. Und wenn es ihn das Leben kosten würde. »Nie bist du da, wenn man dich braucht, du unnützer Bastard.«, fluchte Adraéyu und biss sich, mit einem unangenehmen Knirschen, auf die Zähne. »Was kann ich schon ausrichten? Wir haben weder eine Laute, noch Hände frei um sie zu spielen. Und die Flöte ist in der ledernen Tasche«, klagte Aldenar. Er saß auf einem alten Fass, welches schon deutlich bessere Tage gesehen hatte und hatte seine Arme auf seinen Knien abgestützt. Er sah ihn betreten und zugleich bedauernd an. Aber auch vorwurfsvolle und anklagende Blicke meinte Adraéyu zu entdecken. »Du bist ein Schwächling. Immer wieder beweist du es, wie unnütz du bist. Hättest du mir die Macht gewährt, und Rahela mich nicht zwiegespalten, wäre es nie so weit gekommen. Ihr verdient dieses Ende …« Aldenar schnalzte mit der Zunge und schüttelte den Kopf dazu. »Dieses Weib und du. Ihr passt wirklich zusammen. Total verkorkst und beide nutzloser als Scheiße.« Adraéyu zuckte nur anteilnamslos mit den Schultern »Danke für deine freundlichen Worte.«, sagte er nur gehässig. »Ach halt's Maul!«, blaffte ihn einer der Armaganen an, welcher in der Nähe stand. Er konnte ja natürlich nicht wissen, dass Adraéyu mit Aldenar sprach. Er rückte seine weiße Armbinde ein wenig zurecht und näherte sich Adraéyu. »Mit wem redest du da? Bist du bescheuert oder verrückt?« Er sah ihn aus zwei geschlitzten, finsteren Augen an, doch Adraéyu fühlte sich so hundeelend, dass ihm einfach der klare Verstand dazu fehlte, die Klappe zu halten. »Jedenfalls nicht mit dir, du Wixer!«, zischte Adraéyu ungehalten und erntete dafür nicht nur ein aufbrausendes Schnauben. »Du kleiner Pisser!« Die Faust des Armaganen schlug so schnell gegen seine Stirn, dass Adraéyu sie beinahe gar nicht hatte kommen sehen. Sein Hinterkopf schlug gegen den Pfahl, an welchem er angebunden war, und kurz darauf umfing ihn wieder die Dunkelheit. »Na? Machen wir ein Nickerchen?« Adraéyus schwarze Stimme, die Stimme Aldenars, hallte ihm durch den Kopf, begleitet von einem sarkastischen Lächeln. »Zu nichts nutze. Wie ich bereits sagte …«

Adraéyus Augen flackerten unter den geschlossenen Augenlidern. Das Blut aus den Wunden, das Wundsekret und der sabbernde Speichel, aus seinem halb geöffnetem Mund , tropfte in Schlieren sein Kinn hinunter. »Sieh dich an. Du bist fertig. Wertloser Dreck, und völlig am Boden.« Aldenar schüttelte den Kopf und sein empörtes Schnalzen hallte Adraéyu unerbittlich und unaufhörlich in den Ohren. »Kannst du nicht einfach mal dein Maul halten?«, schnauzte Adraéyu in die Schwärze, doch Aldenar gluckste nur belustigt. »Wer hat grad eine aufs Maul bekommen, weil er selbiges nicht halten konnte?«, Aldenars Worte trafen Adraéyu, doch entsprachen sie der Wahrheit. Die Wahrheit war bekanntlich am schmerzhaftesten. »Verpiss dich einfach.«, maulte Adraéyu beleidigt und vergrub sich in seinem innersten.

»Aufgewacht!«, bellte eine tiefe Stimme und erneut wurde Adraéyu Wasser an den Kopf geschüttet. »Erill will dich sehen! Los auf die Beine mit dir du räudiger Hund!« Adraéyu wurde grob am Arm gezerrt, und er spürte wie ihm die Fesseln von den Händen und von den Beinen gelöst wurden. »Mach schon! Tragen werd' ich dich nicht, verstanden?« Er wurde in die Nieren geknufft und grob einige Schritte nach vorne geschubst. Verzweifelt versuchte Adraéyu die geschwollenen Augen zu öffnen, und stolperte dabei unkoordiniert und halb blind voran. »Hier lang!«, befahl die Stimme und packte ihn erneut am Oberarm. Nur um ihn dann in eine andere Richtung zu schleifen. Die restlichen Schritte verliefen recht wortlos. Mit Ausnahme von einigen wüsten Beschimpfungen und Beleidigungen, die Adraéyu über sich und seine Herkunft ergehen lassen musste, sprach der Wächter kein Wort mit ihm. »Hat deine Mutter auch so goldene Augen wie du? Kleiner Hurensohn.«, fluchte der Mann und zog Adraéyu wieder einige Schritte schneller voran, bis sie schließlich und endlich bei einer Hütte angelangt waren und Adraéyu unsanft hinein geschoben wurde. »Los, beug dein Knie!« Der Mann drückte Adraéyu seine Füße in die Kniekehlen und Adraéyu knickte unweigerlich zusammen. Schmerzvoll und unkontrolliert landete er auf dem Boden und stützte sich mit den lädierten Händen am Boden ab. »Da ist er!«, meinte der Wächter nur kurz angebunden und schien die Reaktion des Mannes abzuwarten, der da im Schatten saß. »Gut, verschwinde jetzt.« Adraéyu versuchte sich umzusehen. Er versuchte zu erkennen, ob Rahela auch hier war, und schließlich erkannte er sie. Sie stand neben dem Bett und zog sich gerade ihr Kleid an … ›Nein!‹, schoss es Adraéyu durch den Kopf und er gedachte der Etáín mit dunklen Gedanken ...
In den Weiden werden uns're Träume klingen,
und die Winde werden uns're Lieder singen.
Lasst uns mit den Funken übers Feuer springen,

in der Walpurgis Nacht.

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Re: Windherz & Rabenseele

Beitrag von Rahela » So, 17. Feb 2013 12:30

Bildahela zog sich gerade wieder an, so wie Erril sie angewiesen hatte, und sie tat nichts lieber, als seinem Befehl Folge zu leisten, auch wenn sie dies nicht direkt als Befehl sah, sondern eher als gnädige Erlösung. Während sie sich nach ihrem Kleid bückte und mit den Beinen hineintrat, um es hochzuziehen, schickte sie ein Dankgebet an die Götter, die Etáín, die Geister, und alle Wesen zwischen Himmel und Erde. Errill hatte sie verschont. Nun, verschont war vielleicht nicht das richtige Wort dafür, er hatte sie wohl eher verschmäht, sich von ihr abgestoßen gefühlt, weil er sie für eine Hexe gehalten hatte. Rahela gefiel es allmählich, als Hexe bezeichnet zu werden. Schamanen wurden belächelt, als Nichtskönner und Scharlatane verspottet. Sie waren nicht anerkannt in den Nordreichen, nur in den wilden Landen, und von den wilden Landen hielten sie auch nichts. Doch Hexen waren gefürchtet, Hexen flößten den Menschen Angst und Respekt ein. Rahela wollte nicht belächelt werden, sie wollte respektiert und gefürchtet werden. Und vielleicht war sie ja wirklich eine Hexe? Wer gab das Maß vor, was einen Schamanen, der sich der Naturmagie bediente, von einer Hexe und ihrer dunklen Künste, unterschied? In der Feuerstelle prasselte ein kleines Feuer, und malte zuckende und tanzende Schatten in den Raum, und Rahela fragte sich, was Errill nun mit ihr machen würde. Vielleicht würde er sie verbrennen? Sie an einem Baum aufhängen? Ihr die Kehle durchschneiden? Sie an seine Kumpane anbieten? Es gab immer Männer, die nicht gottesfürchtig waren, oder nicht anspruchsvoll, oder denen alles egal war. Oder sie einfach nur unversehrt wegschicken? Sie hoffte auf Letzteres. Auch, wenn die Aussichten darauf eher gering standen, wenn man realistisch war. Ganz sicherlich würde er sich sicherer fühlen, wenn das Hexenweib tot war. Rahela hatte Angst. Sie hatte Angst davor, dass man ihr Kind mit ihr mitumbrachte, und sie hatte Angst davor, Adraéyu nie wieder zu sehen. Mehr fürchtete sie eigentlich nicht. Es war ihr egal, wenn es nur um ihr Leben ginge. Doch das tat es mit dem Kind in ihrem Leib nicht. Und sie konnte sich nichts Schlimmeres vorstellen, als ohne ihn leben zu müssen, oder ihn zurücklassen zu müssen. Die Vorstellung allein machte ihr das Herz schwer, und seit die Argamanen sie aufgegriffen hatten, hielt sie alles für möglich. Alles, was schlimm und negativ war, war möglich. Es schien nur unmöglich, da heil wieder raus zu kommen.

Die Türe zu dem kleinen Häuschen öffnete sich, und zwei Männer brachten jemanden herein. Sie warfen ihn unbekümmert in den Raum, warteten, bis Errill ihnen zunickte, und ihnen mit einer Geste bedeutete, wieder zu gehen. Sie schlossen die Türe hinter sich, welche krachend und zitternd ins Schloß fiel. Die Rahela starrte ungläubig auf die zusammengekauerte Gestalt, die sich mit den Händen scheinbar mühselig am Boden abstützte, und die so klein wirkte. Nicht, weil sie klein war, sondern weil sie wie gebrochen wirkte. Und diese Gestalt war... Adraéyu... Immer noch ungläubig kniff sie die Augen zusammen und hielt inne, als sie sich gerade das Kleid über die Schulter schieben wollte. Beinahe wäre ihr vor Schreck der Stoff zwischen den Händen entglitten, als er sie für einen kurzen Moment ansah, und dann den Kopf wieder sinken ließ. Doch es wirkte beinahe so, als sähe er eher durch sie durch, als sie an. "Adraéyu..." flüsterte sie leise und entgeistert, und musterte ihn in dem hellorangen Schein des kleinen Feuers, welches in der Feuerstelle loderte. Er sah furchtbar aus! Das konnte sie auch erkennen, ohne ihn näher betrachten zu müssen. Sie schob sich schnell das Kleid über die Schultern und zog die Schnürung zu und verknotete diese an ihrem Brustansatz. Sie warf einen zögerlichen Blick auf Errill, welcher, sich ebenfalls ankleidend, auf das Bett gesetzt hatte, und nach einem Krug griff, der auf einem kleinen behelfsmässig zusammen gezimmerten Tischchen, gleich neben dem Bett, stand, und daraus trank.

Er schien die Beiden in diesem Moment überhaupt nicht wahr zu nehmen, und so nahm Rahela die Gelegenheit wahr, und trat an Adraéyu heran und hockte sich zu ihm herunter. "Adraéyu, es ist nicht passiert, wonach es aussieht..." meinte sie vorsichtig. Als er nicht den Kopf hob oder sonstig auf ihre Worte reagierte, nahm sie ihre Hand, legte es an sein Kinn und hob sachte den Kopf an, um ihn dazu zu bringen, sie anzusehen. "Adraéyu?" hauchte sie leise und sah ihm in sein Gesicht. Rahela prallte entsetzt zurück, als sie ihn ansah. Sein Kopf und sein Oberkörper waren nass, das Wasser tropfte ihm aus seinen rabenschwarzen Strähnen, welche ihm teilweise im Gesicht klebten. Das Wasser bahnte sich in dünnen Rinnsalen den Weg aus seinen Haaren über sein Gesicht, vermischte sich mit Blut, welches ihm aus einer Wunde an der Schläfe, aus der Nase und aus den aufgeplatzten Lippen sickerte. Seine Augen waren verschwollen, dunkle Flecken schienen sich hier und da abzuzeichnen, seine Hände waren verschrammt und blutig aufgerissen, und seine Kleidung war, abgesehen von nass, schmutzig, erdig und teilweise angerissen. Rahela war, bis auf einen blauen Abdruck am Arm, den sie sich zugezogen hatte, als sie dort grob gepackt wurde, unversehrt geblieben. Es schien beinahe so, als hätte Adraéyu alle Gewalt, die die Argamanen zu vergeben hatten, hatte einstecken müssen. Rahelas Augen weiteten sich ungläubig, als sie ihn so sah. Ihr Blick wechselte zwischen Betroffenheit hin zu Trauer, Fassungslosigkeit, und schließlich rasender Wut und Zorn. "Was haben sie dir nur angetan?" flüsterte Rahela, und nahm seinen Kopf vorsichtig zwischen ihre Hände, und in ihren Augen sammelten sich Tränen. Zornig schloß sie die Augen, und dieses schickte die Tränen über ihre Wangen. "Alles wird wieder gut, ich verspreche es dir!" versicherte sie ihm. Sie hätte ihn am liebsten in ihre Arme geschlossen, und nie wieder los gelassen, doch bevor sie auch nur daran dachte, wurde sie von Errill unterbrochen. "So, genug der trauten Zweisamkeit!" drang seine alles durchdringende Stimme an ihr Ohr. Rahela wandte ihren Kopf und blickte ihn finster an. Sie konnte ihn nur durch ihren tränenverschleierten Blick sehen, wie durch einen Nebel, der in orange getaucht war. Sie erhob sich langsam und wischte sich dabei über ihre Augen und ihr Blick klärte sich wieder. "Was habt ihr ihm angetan? Er sieht entsetzlich aus!" Errill wischte sich den Schaum aus seinem Oberlippenbart und zuckte unbekümmert die Schultern. "Na und? Das ist doch nur ein dreckiger Raéyun... Dieses Volk ist der Abschaum der Welt. Niemand mag Raéyun... Sie sind verhasst auf ganz Alvarania, sie sind gefürchtet, und doch haben wir einen gefangen, und er kann nichts gegen uns ausrichten!" Er lachte. "Vielleicht stimmen das Gerede und die Gerüchte über die Raéyun doch nicht..." "Er ist kein dreckiger Raéyun... Du bist dreckig, ihr alle seid dreckig... dreckige Bastarde!" Errill hob warnend die Hand. "Vorsicht, Weib, du vergisst dich!" "Wieso habt ihr uns überhaupt mitgenommen? Wir haben nichts, was ihr begehrt, wir haben weder Geld, noch sonstige Schätze, wir haben nichts, was für Euch von Nutzen sein kann... Ihr hättet die Pferde nehmen können, und uns weiterziehen..." Errill hob die Hand und gebot ihr, zu schweigen. "Die Pferde, ja... Dann noch einen schönen Damaszenerdolch, eine Jagdarmbrust, klein, aber immerhin. Wenn ich einmal einen Sohn habe, dann gebe ich sie ihm zum spielen" lachte er. "Der Raéyun hatte wahrlich nur Plunder in seinen Taschen. Eine Laute, ein kleines Pfeifchen, Pfeile, einen Wanderstab, der, bei näherer Betrachtung, zum Bogen umfunktioniert werden kann. Eigentlich keine schlechte Idee... Wenn man Wandersmann ist... Sonst habt ihr wahrlich nichts, was für uns von Interesse ist. Doch vielleicht macht es uns einfach Spaß, Euch zu quälen... Und nun zu dir..." meinte er und trat an Adraéyu heran. "Knien tust du ja bereits..." meinte er und blickte geringschätzig auf ihn herab. "Sieh mich an..." meinte Errill, doch Adraéyu reagierte nicht. Rahela war sich nicht sicher, ob er trotzig war, oder schlichtweg nicht bei sich war. "Sieh... mich... an..." brummte Errill betont, doch wieder passierte nichts. Da gab ihm Errill einen Tritt mit seinem schweren Stiefel, dass er aufstöhnend zur Seite fiel.

"Halt!" rief Rahela, zornig und verzweifelt gleichzeitig, lief auf die Beiden zu, und stellte sich schützend zwischen ihn und den Anführer der Argamanen. "Es reicht!" rief sie erbost und Errill schlug ihr mit dem Handrücken ins Gesicht. "Es reicht in der Tat, Weib!" Ihr Kopf drehte sich zur Seite, die wilden Haare flogen umher, und so verharrte sie. In ihr schwelte der Zorn und sie hatte genug. In Gedanken, begann sie zu murmeln. Sie schickte Gebete, zu den Göttern, zu den Geistern der Toten, und zu den Ahnen, die als Sterne am Himmel thronten, zu den Vergessenen, zu jenen, welche den Weg zu den Göttern bewachten und zu den unsteten Etáín. Irgendjemand musste sie hören und erhören! Sie hatte es noch nie gemacht, doch heute würde sie es tun! Sie murmelte in Gedanken ihre Gebete, und begann ihre Beschwörungen in Gedanken auszuformen. Schließlich begann sie, ihre BEschwörungen, die sich nun in ihrem Geiste manifestiert und gefestigt hatten, leise zu wispern, so leise, dass es einem Windhauch an Lautstärke glich. "A neeskia tú nemia Faernach... I ruâch a ôrcinia... Adiuvâr a diveo i seiwaz!" Rahela hörte eine Stimme in ihrem Kopf. "Wir wollen Blut..." wisperte sie. Warum? Warum? Sie vergoß ihr Blut bei jeder sich bietenden Gelegenheit! Warum wollten die Geister immer Blut? Und warum wollten sie es gerade dann, wenn die Gelegenheit es nicht zuließ, oder denkbar ungünstig war? "Ich gebe Euch noch Blut, aber nicht jetzt..." flüsterte sie leise, und Errill sah sie verwirrt an. "Was? Was hast du gesagt?" "Wir wollen jetzt Blut..." wisperte die Stimme in ihrem Kopf. Rahela überlegte für den Bruchteil einer Sekunde. Dann wandte sie sich an Adraéyu, und wischte ihm über sein blutverschmiertes Gesicht, dass es an ihrer Handfläche klebte. "Nehmt sein Blut! Ich bitte Euch, nehmt sein Blut! Ich gebe Euch noch mehr, aber nicht jetzt! Bitte!" rief sie flehend. "So soll es sein..." tönte die Stimme in ihrem Kopf, und Rahela verspürte, wie ein unglaubliche Macht und Kraft durch ihren Körper strömte. "Mit wem redest du da, Hexenweib?" fragte Errill misstrauisch und seine Augen verengten sich zu Schlitzen. "Ich warne dich, hör sofort auf damit!" rief er. "Ja... Ich höre auf... Wenn ich mit dir fertig bin..." zischte Rahela ihm hasserfüllt zu und ihre Augen waren mit einem dunklen Schatten verschleiert, und gaben ihrem ohnehin schon finsteren Blick noch ein wenig mehr Bedrohlichkeit. Sie trat einen Schritt an Errill heran, und legte ihn ihre Hand auf seine Brust, da, wo das Brustbein sich befand. Sie murmelte laut und klar wiederholend die Worte "Adiuvâr a diveo i seiwaz!" Der Raum war mit einer kalten und beinahe bedrohlichen Aura erfüllt. Das Feuer flackerte und zuckte wild und beinahe unkontrolliert und es schien, als würden die Schatten, die es an die Wand warf, bedrohliche Gestalten und Fratzen sein, die in einem rituellen Freudentaumel tanzten und jubelten. Es fühlte sich für sie so an, als würde sie mit ihrer Hand in seinen Körper hineinfahren, und doch war es nicht so. Vielleicht verspürte Errill es ebenso. Es war ihr egal, es interessierte sie nicht, sie hoffte sogar, es würde schmerzhaft werden. "Adiuvâr!" rief sie laut und es schien ihr, als wühlte sie wahrhaftig in seinem Körper. Mit einem beherzten Griff packte sie zu, umklammerte das Nichts, und riss mit einer heftigen Bewegung ihren Arm zurück. Errill schrie gellend und schmerzerfüllt auf und er sackte plötzlich mit starren Augen leblos zu Boden. Rahela hielt in ihren Händen nichts, und gleichzeitig auch alles. Sie hatte ihm seine Seele aus dem Leib gerissen. Die bedrohliche Aura verflüchtigte sich, das Feuer normalisierte sich und flackerte wieder ruhig, beinahe beruhigend, die schattenhaften Schemen waren verschwunden, und Rahela empfand eine beinahe tröstliche Ruhe und Befriedigung.

Errill war tot. Adraéyu am Leben. Und auch sie war noch am Leben. Noch... Sie ging schnellen Schrittes an die Türe, und schob den Riegel vor. Sie hatten noch Zeit. Es war später Abend, und so, wie sie Errill einschätzte, wagte es niemand, sich gewaltsam Zutritt zu verschaffen, wenn der Riegel vorgelegt war. Allerhöchstens mittags würde es auffällig werden. Doch bis dahin hatten sie hoffentlich eine Idee, einen Plan, wie sie da nun lebend wieder herauskommen würden. Doch nun war Rahela alles egal. Sie kniete bei Adraéyu, und legte seinen Kopf in ihren Schoß, und strich ihm die nassen Strähnen aus dem Gesicht. Sie überlegte einen Augenblick, ließ ihre Blicke durch den Raum huschen, und ihr Blick fiel dabei auf das Bett. ja, warum eigentlich nicht? "Komm, leg dich hin... Ich helfe dir ins Bett..." raunte sie ihm zu und legte dabei seinen Arm in ihren Nacken und erhob sich langsam und mit Anstregung. Adraéyu war nicht bewusstlos, und so schaffte sie es mit seiner Hilfe, ihn in das Bett zu bugsieren. Rahela zog ihm das nasse Leinenhemd aus und legte es nahe an die Feuerstelle, so dass es trocknen würde. Sie sah sich um in dem Raum. Eine kleine zinnerne Schüssel stand da auf einem Tisch, und es befand sich ein wenig Wasser darin. Daneben lag ein unbenutzter, trockener Lappen. Sie ging zu der Schüssel, tränkte den Lappen mit Wasser, wrang ihn aus, und setzte sich zu Adraéyu ans Bett. Vorsichtig wischte und tupfte sie über seine Wunden, und wischte ihm das Blut weg. Er sah ziemlich ramponiert aus, aber es würden vermutlich keine Narben zurückbleiben. Die aufgeplatzte Lippe würde verheilen und die Schramme an der Schläfe würde verkrusten und ebenso abheilen. Sie strich ihm erneut die Haare aus dem Gesicht, und als sie ihn so betrachtete, verspürte sie das unbändige Verlangen, ihn zu küssen. Es erschien ihr schon wie eine Ewigkeit, dass sie das getan hatte, obgleich es vermutlich nur wenige Tage gewesen waren, die sie miteinander im Zwist gelegen hatten, und sich aus diesem Grund nicht berührt hatten, wenn es nicht zwingend notwendig gewesen war. Sie drückte ihm vorsichtig einen Kuss auf seine Lippen. "Alles ist gut... Errill ist tot..." flüsterte sie ihm zu. Sie begann zu überlegen. Das Lager war sicherlich gut bewacht. Eine Flucht in der Nacht erschien undenkbar. Und alleine rauszugehen, um seine Laute zu holen, das war ein riskantes, wenn nicht sogar unmögliches Unterfangen. Rahela legte sich zu Adraéyu, und barg ihren Kopf an seine Schulter. Sicherlich war die Lage aussichtslos, doch diesen Augenblick der Ruhe wollte sie genießen...

Nach einer Weile des Schweigens und des Nachdenkens meinte sie "Ich weiß, der Zeitpunkt ist nicht gerade der Beste... Und vermutlich hältst du es für total unsinnig, aber hast du dir schon einen Namen überlegt? Ich möchte, dass es einen Namen hat, bevor sie uns umbringen..." Sie setze ein gequältes Lächeln auf. "Er soll nicht namenlos von dieser Welt gehen und vergessen werden..." Sie wusste, dass sich niemand an ihn erinnern würde, weil niemand außer ihnen davon wusste und den Namen kennen und in die Welt, oder in ihre Heimat tragen würde... Doch ihr gefiel der Gedanke, in diese dunkle Stunde ein wenig Licht zu bringen und einen Namen zu erwählen. "Einen gänzlich eigenen Namen finde ich unsinnig... Ich möchte deine Eltern in ihrem Tun nicht beleidigen, doch ich finde, ein Kind sollte den Nachnamen seiner Eltern tragen... Bekäme es einen eigenen, so sähe es für mich so aus, als hätte es weder zum Vater, noch zur Mutter eine Zugehörigkeit. Ich fände das einfach nicht richtig..." meinte sie und schüttelte leicht den Kopf. "Wenn du ihm nicht deinen Namen geben willst, so soll er meinen bekommen... Oder du nimmst mich zu deinem Weib..."
Sie ist eine Frau! Und alle Frauen sind böse...!

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Re: Windherz & Rabenseele

Beitrag von Adraéyu » Mo, 25. Feb 2013 22:30

Bilddraéyu kniete auf den alten, hölzernen Dielen. Blut tropfte ihm aus dem verwachsenen Bart und fiel zwischen die Strohhalme, welche hier und da auf dem hölzernen Boden verteilt lagen. Seine Wunde über dem Auge schwoll an und bereitete ihm, neben Schmerzen, auch ein eingeschränktes Sichtfeld. Das Sehen fiel ihm immer schwerer, doch er hob dennoch den Blick, um sich umzusehen. Es war dunkel und staubig. Schummriges Licht herrschte und gedämpfte Töne drangen an sein Ohr. Der Schlag auf das selbige hatte ihm einen leichten Hörsturz beschert. Doch nichts, was nicht verheilen würde, sollte er diesen Tag – und vielleicht auch die folgenden – überleben. Er atmete tief ein und kniff ein wenig die Augen zusammen, bis ihm Rahela auffiel, welche sich gerade ihr Kleid über den entblößten Busen streifte. Der Busen hob sich, mit dem Kleid an, verformte sich und kurz darauf rutschte er sackend in das Kleid, worin er schließlich bebend verschwand. Adraéyus Blicke waren bestürzt, erzürnt und entgeistert. Hatten die Etáín ihn etwa im Stich gelassen? Warum zog sie sich an? Hatte dieser Bastard sie genommen? Tausende Gedanken kreisten ihm durch den Kopf, und zugleich entkam ihm nur ein gekeuchtes und atemloses »Nein« aus den geschundenen, aufgeplatzten Lippen. Seine Hände verkrampften sich zu Fäusten, und dabei kratzten seine Nägel unnachgiebig über die harte Maserung des groben Holzes. Vielleicht brach dabei einer seiner Nägel ab? Oder er zog sich einen Splitter ein? Er bekam es nicht mit. Er ballte nur die Fäuste und presste die Finger so fest zusammen, dass das Weiße an den Knöcheln hervortrat.

Adraéyus Sicht wurde schwarz. Er vernahm nur dumpfe Geräusche und Schatten und Schemen. Doch kurz darauf drang das Knarren und Knarzen von alten Dielenbrettern an sein Ohr. Und eine vertraute Stimme raunte ihm geflüsterte Worte zu. »Adraéyu! Es ist nichts passiert, wonach es aussieht …« Rahelas Stimme. Auch wenn sein Ohr die Worte kaum verstand, sein Geist nahm die Worte als das auf, was sie waren. Sein Zorn ebbte ab, und seine Wut schrumpfte zusammen. Er öffnete die Fäuste langsam und entspannte sich. Augenblicklich schoss ihm wieder das Blut in die Glieder und die weißen Flecken verschwanden. Die gesunde Hautfarbe kehrte langsam wieder zurück und er versuchte die Augen erneut zu öffnen. »Den Etáín sei Dank …«, presste er erschöpft hervor. Zu mehr war er nicht imstande. »Geht es dir gut?«, hakte er noch nach und sah Rahela bedächtig nicken.

Sie redete. Doch die Worte prallten an ihm ab, als ob in seinen Ohren ein rauschender Fluss dahinfloss. In ihren Blicken und an ihrer Mimik, konnte er ihren gequälten und auch zornigen Blick erkennen. Doch er war zu schwach um irgend etwas zu erwidern. Er schüttelte nur den Kopf, als sie ihm versprach, dass alles wieder gut werden würde. Wie denn? Er glaubte nicht so recht daran. Wie konnten sie aus dieser Lage nur entkommen? »So! genug der trauten Zweisamkeit!«, knallte Errills Stimme durch den Raum. Das Echo seiner Stimme hallte von den Wänden wider, und drang unerbittlich in Adraéyus geschundene Ohren ein, so dass er kurz die Zähne zusammen beißen musste, um den Schmerz zu ertragen. »Was habt ihr ihm angetan?«, herrschte Rahela, doch mehr bekam Adraéyu von den Worten Rahelas oder Errills nicht mit. Schwärze umfing ihn erneut.

Als er wieder seine Augen öffnete, da blickte er sich hektisch um. Er war kurz weggetreten? Sicher war er sich nicht. Wie viel Zeit war vergangen? Von Errill war keine Spur zu sehen. Und auch nicht von Rahela. Er richtete sich auf und sah sich um, und da entdeckte er Errill, welcher direkt vor ihm stand. »Sieh mich an.«, befahl seine harsche Stimme und Adraéyus rebellischer Geist lehnte sich sogleich dagegen auf. Er dachte ja nicht daran, diesem Mann zu Gefallen zu sein, und hielt seinen Blick starr auf den Boden gerichtet. »Sieh … mich … an …«, brummte der Armagane ungehalten und scharf, doch Adraéyu blieb trotzig. Zumal er nicht einmal einen Anfall von Schwäche vorgaukeln musste. Er konnte sich ohnehin kaum auf den Armen, geschweige denn auf den Beinen, halten. Und so kam es, wie es kommen musste und auch wie Adraéyu es herausgefordert hatte. Errill versetzte Adraéyu einen kräftigen Tritt gegen die Seite. Adraéyu stöhnte von Schmerzen erfüllt, auf und hielt sich sogleich die wärmer werdende Stelle. Ein wenig zusammengekrümmt kauerte Adraéyu sich zusammen, doch blieb er bei Bewusstsein. Er kniff vorerst die Augen zusammen, doch als weitere Schläge ausblieben, öffnete er seine Augenlider ein Stück, um Errill und Rahela beobachten zu können. Er musste Kräfte sparen und auch sammeln, um Rahela beistehen zu können, falls sie in Not geraten würde. Und das erwartete Adraéyu, nachdem er erfahren hatte, wie mit ihm umgegangen worden war.

Rahela und Errill standen sich gegenüber. Beinahe wie ein geistiges Kräftemessen. Doch nach einem heftigen Wortwechsel holte Errill schon aus. Und so schnell wie er seinen Handrücken in Rahelas Gesicht hatte fahren lassen, so schnell hatte Adraéyu nicht einmal reagieren können um etwas zu sagen, geschweige denn aufzustehen. Doch Rahelas Zorn war nur weiter entfacht worden. Statt zu straucheln richtete sie sich nur auf und sah ihr Gegenüber finster an. Und kurz darauf begann sie in ihrer Gebetssprache, der alten Sprache, zu sprechen. Adraéyu fühlte, wie sich in ihm alles zusammen zog. Nur Aldenar nicht. Der begann zu lachen und zu kreischen und zu grölen. Mit jedem Wort, welches Rahela sprach, wurde er mehr aufgestachelt, so dass Adraéyu das Gefühl beschlich, dass er verstand, was sie da sprach. »Wir wollen Blut …«, flog ein verschleierter Wortfetzen durch Adraéyus Geist und er hielt geistig inne. Wer hatte das gesagt? Verwirrt sah er sich um, doch vernahm er es kein weiteres Mal. Doch Rahela schien verwirrt und auch verzweifelt. Und kurz darauf deutete sie mit dem Finger auf ihn und ihre Stimme war schrill und befehlend. »Nehmt sein Blut! Ich bitte euch! Ich gebe euch noch mehr, doch nicht jetzt!« Und kurz darauf wurde Rahelas Gestalt von ihrem Schatten verschluckt. Regelrecht verschlungen. Als ob die Finsternis in den Ecken der Räume sich langsam ausgeweitet hätte. Die Flamme in der Laterne begann wild zu flackern und zu beben, als ob sie in Todesqualen um ihr Leben kämpfte. Und alle Schatten, die sie an die Wand warf tanzten einen wilden und unheilvollen Schattentanz an den Wänden. Es war beinahe zu schnell, um überhaupt etwas zu erkennen, bis schattenhafte Arme aus den Ecken hervorkrochen um nach dem Schatten Errills zu greifen. Binnen kürzester Zeit hatte Errill begonnen zu zittern und zu beben. Es schien beinahe, als ob die Schatten ihn festhalten würden, während andere Schatten in ihn eindrangen und etwas Unsichtbares aus ihm herauszerrten. Doch nicht die Schatten griffen in Errill hinein. Nein. Rahelas Schatten selbst weitete sich bis zu Errills Brust aus und als er sich aus seiner Brust zurück zog, da sackte der Armagane leblos zusammen. Die Schatten verzogen sich und ließen nur eine erschöpft schnaufende Rahela, und einen ungläubig glotzenden Adraéyu zurück.

Adraéyu rieb sich kurz die Augen, doch da war schon alles vorbei. »Was zum Henker?«, rief er verwirrt und lauthals zugleich. »Was hast du mit ihm gemacht? Hast du etwa …« Ihm fehlten die Worte. Vielleicht wagte er es auch gar nicht, die Worte laut auszusprechen. Hatte sie ihm die Seele aus dem Leib gerissen? Nein! Wie soll das gehen? Adraéyu hatte diese Seite an Rahela stets für übertriebenes Gehabe gehalten. Legenden und Mythen, die sie schürte um die Ängste und auch die Furcht der Menschen zu erhalten, damit sie – die Schamanin und vielleicht auch Hexe – weiterhin respektiert und gefürchtet wurde, vielleicht auch geehrt? Doch Adraéyu schüttelte nur den Kopf. »Woher kamen diese seltsamen Schatten?«, fragte er sich und im selben Moment spukte eine fremde Stimme in seinem Kopf, die nicht zu Aldenar gehörte. »Blut für Blut, Seele für Seele.« »Was soll das heißen?«, herrschte er verwirrt und erntete nur fragende Blicke von Rahela. »Na, Blut für Blut. Seele für Seele. Was ist das für ein Mist?«, fragte er und war dem Kollaps nahe. Seinem Körper war einfach zu viel zugemutet worden. Und nun bäumte er sich ein letztes Mal auf, und entließ all die unfähige Wut, die sich die letzte Zeit angestaut hatte. Ausgerechnet auf Rahela, doch es war niemand sonst da, auf den es gehen konnte.

Er hatte nicht lange etwas davon. Kurz darauf wurde ihm Schwarz vor Augen. Rahela war da. Alles war so unwirklich und verschwommen. Sie kniete neben ihm, und strich ihm die Haare aus dem Gesicht. »Ist das ein Traum?«, säuselte er benommen, doch Rahela schüttelte nur sanft den Kopf und lächelte ihn freundlich an. Er seufzte doch mehr konnte er nicht sagen. Sie half ihm auf die Beine, und stumm und widerstandslos – gleich einer Marionette – ließ er sie gewähren und sich leiten. Sie führte ihn zum Bett des Armaganen. Dort angekommen legten sie sich einfach hin, als ob sie ein Zimmer in einem Gasthaus gemietet hätten. Völlig normal. Als ob die seelenlose Leiche gar nicht neben ihnen auf dem Boden liegen würde, und mit toten, leeren, kalten Augen zu ihnen hinüber starren würde.

Irgendwann hatte sich Adraéyus Geist beruhigt. Er kehrte zurück ins Hier und Jetzt, und Rahelas Hände strichen ihm sanft über die Brust. »Ich weiß, der Zeitpunkt ist nicht gerade der Beste …« Adraéyu nahm Rahelas Worte in sich auf, und ließ sie erst zu Ende sprechen, bevor er seine Stimme erhob. Sie wollte dem ungeborenen Kind einen Namen geben, bevor sie sterben würden und es namenlos vergessen würde. »Es wird niemals vergessen.«, murmelte er und legte die Stirn in Falten. »Wie soll es heißen?« »Aldenar!«, rief die schwarze Stimme in Adraéyu, doch der Raéyun schüttelte nur den Kopf und zwang die Stimme zum Schweigen. Beinahe hätte er den Namen laut ausgesprochen, so überrumpelt hatte ihn der böse Geist in den Schatten seiner Seele. Doch nur beinahe. »Er kann keinen Namen von uns erhalten. So ist es die Tradition der Raéyun. Wir sind nicht vermählt und so hat er das Anrecht auf einen eigenen Namen. Ich werde nicht mit dieser Tradition brechen.«, sagte Adraéyu müde aber bestimmend. »Dann nimm mich zu deinem Weib.«, sagte Rahela gerade heraus und überrumpelte Adraéyu mit dieser Aufforderung regelrecht. »Äh …« Wieder einmal an diesem Tag fehlten ihm die Worte. Nichts läge ihm ferner hier Nein zu sagen. Und doch brachte er es nicht über die Lippen. Er starrte Rahela nur ungläubig an und legte den Kopf schief. »Streng genommen sind wir ja schon vereint.«, meinte Rahela und zog die Bernsteinkette aus ihrem Kleid heraus. »Vor den Gesetzen der wilden Lande, sind wir eins.« Sie lächelte ihn an und er erwiderte dieses Lächeln. »Dann brauchen wir diesen Bund nur noch vor den Göttern zu besiegeln?«, hakte er nach und erntete dafür ein einfaches Nicken und ein hoffnungsvolles Grinsen Rahelas. Mit diesen Worten richtete Adraéyu sich halb auf den rechten Ellbogen auf und ließ seine Hand über Rahelas Bauch gleiten. Sie hingegen, ließ sich auf das Bett fallen und sah Adraéyu nur tief in die Augen. Und so ließ er seine Hand weiter hinunter gleiten, bis er beinahe an den Knien angelangt war. Dort krallte er sich in den Stoff ihres Kleides und zog es hinauf. Immer weiter und weiter, bis er es ihr fast über den Bauch gezogen hatte.

Das Licht der Laterne war schummrig und schwach. Rahelas Ritual schien dem Feuer die meiste Kraft ausgesaugt zu haben. Doch es war noch hell genug, um das wichtigste zu erkennen. [18]Rahelas Scham war ein dunkler Schatten zwischen den hellen Schenkeln, welche sie leicht gespreizt hatte. All seine Sinne und auch sein Körper verzehrten sich nach ihr. Wie lange schon hatten sie sich nicht mehr der Lust und der gegenseitigen Liebe, welche sie für einander empfanden hingegeben?[/18] Adraéyu richtete sich auf dem Bett auf und kämpfte sich langsam aus dem Gewand. Jede Bewegung tat weh, und ein stechender oder ziehender Schmerz fuhr ihm bis in die Gebeine, wenn er sich zu schnell bewegte. Rahela schien seine Beschwerden bemerkt zu haben, denn sie richtete sich ebenfalls auf. Dabei rutschte ihr das Kleid wieder herunter, und bedeckte sie wieder voll und ganz. Lediglich ihre milchig weißen Beine blieben frei. »Lass dir helfen.«, sagte sie sanft und hatte schon ihre Hände auf seine Arme gelegt, um ihm zur Hand zu gehen.

Binnen kürzester Zeit war Adraéyu nackt. Sein Rücken und auch sein Bauch waren übersäht von dunklen Flecken. Blutergüsse und Prellungen. Rahela strich über eine von ihnen, und sogleich zog Adraéyu die Luft ein. Der Schmerz war unangenehm. Doch zugleich auch süß, da Rahela ihn verursacht hatte. Adraéyu wollte nicht anders. Er legte Rahela die Hand an den Hals und zog sie langsam zu sich. Immer weiter und weiter, bis er rücklings in die Kissen fiel, und mit ihm Rahela. Der Schmerz, der ihn nun dafür begrüßte war atemberaubend. Die Luft presste sich aus seinen Lungen, doch er biss die Zähne zusammen. [18]Rahela indes zog sich hastig das Kleid vom Leib und saß nun nackt, wie die Alten sie schufen, über ihm. Sein Gemächt stand, trotz der Schmerzen, bereits stramm und rieb sich sachte an ihrer Scham, so nah saß sie über ihm. Und als Rahela dies spürte, da musste sie lüstern lächeln. Sie beugte sich zu ihm herab, und ihr üppiger Busen legte sich sanft auf seine Brust, während sie ihn mit sanften und liebevollen Küssen bedeckte.

Nach einer Weile verlagerte sie ihre Küsse immer tiefer und tiefer, bis sie schließlich sein Gemächt umschloss und sich kurzerhand darauf setzte. Adraéyu und Rahela stöhnten gemeinsam auf, als er in sie hinein glitt, oder eher sie ihn sich hineinschob. Zuerst begann sie sich langsam zu bewegen, doch recht bald legte sie sich wieder sanft auf seinen Oberkörper, während sie ihren Hintern immer wieder auf und ab bewegte.[/18] Fordernde, feuchte Küsse und rollendes, tiefes Stöhnen begleitete die Szenerie, bis mit einem Mal ein seltsamer Satz die Situation durchbrach. »Blut für Blut!«, schoss es Adraéyu durch den Kopf. Es traf ihn so unvorbereitet, dass er die Worte leise widerholte und Rahela innehielt in ihren Küssen. »Was hast du das gesagt?«, fragte sie ungläubig und starrte ihn entgeistert an. Adraéyu wusste es selbst nicht so genau. »Blut …«, sagte er und Rahela beendete den Satz. »… für Blut. Nein. Das kann doch nicht wahr sein.«, sagte sie und hielt in ihren Bewegungen inne. Doch blieb sie auf Adraéyu sitzen und verharrte. »Was bedeutet das?«, fragte Adraéyu und Rahela seufzte. »Die Geister sind unbarmherzig und grausam.« Adraéyu verengte die Augen und sah Rahela fragend an. »Das beantwortete nicht meine Frage. »Der Tod Errills ist ein Werk der Geister. Für seine Seele verlangten sie Blut.« Adraéyu nickte, zum Zeichen dass sie seine vollste Aufmerksamkeit genoss. »… und ich gab ihnen dein Blut.« Adraéyu starrte sie wortlos an und sein Mund stand offen. Er glotzte sie benebelt und unfähig auch nur ein Wort zu sagen an. »Nun schau nicht so blöd! Du hast ohnehin schon geblutet!« »Blut für Blut!«, zischte wieder die Stimme in Adraéyus Kopf, und dieses Mal hatte es wohl Rahela auch gehört. »Das Blut hatte ihnen wohl nicht gereicht.« »Oder es war das falsche Blut. Immerhin wurde es nicht für die Geister vergossen, sondern ist ohnehin bereits geflossen.«, schloss Adraéyu und Rahela seufzte. »Vermutlich hast du Recht.«

Adraéyu kratzte sich am Bart. »Vermutlich müssen wir froh sein, dass sie keine Seele für die Seele verlangen?« Rahela entkam daraufhin ein kurzes, ehrliches aber auch gequältes Lachen. »Ha, ja vermutlich.« [18]Adraéyu legte seine Hände auf Rahelas Brüste und begann die Busen leicht zu streicheln und sanft zu kneten.[/18] »Und was machen wir jetzt?«, fragte er und lächelte Rahela keck an. Doch sie legte ihre Hände auf die seinen, und zwang ihn so, das Streicheln zu beenden. »Nichts.«, sagte sie trocken. »Ich werde ihnen nicht dein Blut geben.« Rahelas Stimme war ernst und trocken. Ihr Entschluss schien fest zu stehen. »Wird das die Etáín nicht erzürnen?«, fragte Adraéyu unwissend und Rahela schüttelte den Kopf. »Nicht die Etáín, die Ahnen.«, berichtigte sie ihn und schüttelte dann den Kopf. »Ja das wird es. Doch ich gebe ihnen nicht dein Blut.« »Deines kannst du auch nicht geben. Damit gefährdest du das Kind.«, begehrte Adraéyu auf und Rahela zuckte hilflos mit den Schultern. »Die Geister sind grausam, wie du siehst.« »Was wird geschehen, wenn du ihnen nicht gibst, wonach sie verlangen?«, fragte Adraéyu und Rahela schwieg. Und so sprach Adraéyu weiter. »Vermutlich etwas schlechtes? Und sie werden dir sicher beim nächsten Mal nicht mehr so einfach helfen.« Wieder schwieg Rahela, doch ihr Blick war gequälter, was Adraéyu als Antwort reichte.

Umständlich begann Adraéyu umständlich neben sich zu hantieren. Rahela sah ihn fragend an und verengte die Augen zu zwei Schlitzen um zu erkennen, wonach er da fingerte. »Was machst du da?«, fragte sie, doch da war es schon zu spät. Er hatte sich sein Langmesser aus dem Kleiderhaufen gezogen, welches neben dem Bett lag und ehe Rahela hatte einschreiten können, zog er sich damit zwei lange Wunden auf der Brust zu. »Nein!«, rief Rahela erschrocken und vielleicht auch ein wenig erzürnt. »Was machst du da?«, »Los! Bezahle sie! Damit sie unseren Bund segnen!« Er drückte Rahela das Messer in die Hand, damit sie noch ihr eigenes Blut zu Tage fördern konnte, falls die Geister danach verlangen würden, doch er hoffte sein Blut, welches er freiwillig gegeben hatte, würde ausreichend sein. Und so begann Rahela das Blut auf seiner Brust zu verschmieren und mit dem Finger in die Wunde zu fahren. Immer wieder und wieder, und sobald sie den Finger aus der Wunde gezogen hatte, begann sie Runen und Symbole auf Adraéyus Stirn und Wangen und Arme zu zeichnen. Auch auf die Beine und die blutverschmierte Brust. [18]Sogar auf sein Gemächt malte sie Runen, und bei jeder ihrer Berührungen zuckte es kurz auf.[/18] Und jede Rune und jedes Symbol, welches sie gemalt hatte, begleitete sie mit einem alten Gesang, den Adraéyu nicht verstand.

A
ls sie ihn schließlich vollständig bemalt hatte, begann sie sich selbst zu bemalen …
In den Weiden werden uns're Träume klingen,
und die Winde werden uns're Lieder singen.
Lasst uns mit den Funken übers Feuer springen,

in der Walpurgis Nacht.

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Re: Windherz & Rabenseele

Beitrag von Rahela » Mi, 27. Feb 2013 22:30

Bildahela und Adraéyu lagen in dem Bett des Armaganen. Adraéyu wirkte, als würden sich sowohl sein Körper als auch sein Geist wieder beruhigt haben. "Er kann keinen Namen von uns erhalten. So ist es die Tradition der Raéyun. Wir sind nicht vermählt und so hat er das Anrecht auf einen eigenen Namen. Ich werde nicht mit dieser Tradition brechen" meinte er ruhig, aber bestimmt. Rahela zuckte beiläufig die Schultern. Sie war mit dieser Aussage nicht einverstanden, und doch war die Sache so einfach. "Dann nimm mich zu deinem Weib". Er hatte ihr immerhin die Bernsteinkette geschenkt, und gemeint, sie trüge nun einen Teil bei sich, und dass es gleich zu setzen sei, wie anderen Frauen in den Nordreichen ein Ring an den Finger gesteckt würde, oder wie in den wilden Landen, wo die Frauen den Hausschlüssel an einer Kette um den Hals gelegt bekamen. Und doch war bei Adraéyu immer alles so...so undurchdringlich. Er sagte niemals ja und selten nein. Sie wusste trotz allem nicht, woran sie bei ihm war. Wichtige DInge mussten ausgesprochen werden, und man sollte nicht darüber mutmaßen müssen, wie es sich nun verhielt, und ob es sich so verhielt, wie man annahm. "Streng genommen sind wir ja schon vereint" meinte Rahela und zog die Bernsteinkette aus ihrem Kleid heraus, und ließ den Anhänger vor seinem Gesicht baumeln. "Vor den Gesetzen der wilden Lande, sind wir eins" lächelte sie und Adraéyu blickte sie mit schiefgelegtem Kopf an. "Dann brauchen wir diesen Bund nur noch vor den Göttern zu besiegeln?" fragte er sie und lächelte. Rahela nickte, und da war es, dieses Knistern. Bei den Alten, wie lange war es her, dass sie einander geliebt hatten? Seit diesen unseligen Zigeunerweibern war das nicht mehr der Fall gewesen, und sie sehnte sich nach seinem Körper und seinen Berührungen. Sie ließ sich in die Felle fallen und sah ihn herausfordernd an, als er ihr das Kleid hochschob, abwartend, was er nun tun würde.

A
draéyu richtete sich schwerfällig auf und versuchte sich mühsam, die Kleider auszuziehen. "Lass Dir helfen" meinte Rahela, die sich ebenfalls aufgerichtet hatte. Sie ging dabei geschickt vor, und nach wenigen Augenblicken hatte er nichts mehr an. Sie musterte seinen geschundenen Körper mit ruhigen Blicken und fragte sich, ob dies der richtige Zeitpunkt war, miteinander das Lager zu teilen. Er hatte sicher starke Schmerzen. Ihre Mutmaßung wurde bekräftigt, als sie vorsichtig über einen der blauen Flecken strich, und er schmerzerfüllt die Luft zwischen den Zähnen einzog. Und dennoch zog er sie an sich heran. Rahela ließ sich kein zweites Mal auffordern und zog sich hastig ihr Kleid aus und kam über ihn. [18]Als sie seine Erregung spürte, lächelte sie und beugte sich zu ihm hinunter, so dass ihre Brüste seine Brust berührten. Sie ergaben sich einem leidenschaftlichen Kuss und schließlich bedeckte sie Adraéyu über und über mit Küssen. Sie begann an seinem Hals, wanderte zu seiner malträtierten Brust, bis hin über seinen Bauch, unter welchem sich sacht seine Bauchmuskeln abzeichneten. Sie ließ ihre Zunge über seinen Bauchnabel kreisen und schob sich noch ein Stück tiefer hinunter. Schließlich umschloß sie sein Gemächt mit ihrem Mund und begann liebevoll daran zu lecken. Schließlich hielt sie es nicht mehr aus und schob ihn sich mit einer geschickten Bewegung in ihren Leib. Lustvoll stöhnte sie auf, als sie ihn in sich spürte und Adraéyu tat es ihr gleich. Rahela begann sich vorsichtig auf ihm zu bewegen und versuchte zu erforschen, wie viel sie sich im derzeitigen Stadium ihrer Schwangerschaft noch zumuten konnte.[/18]

Doch ihre Ekstase wurde jäh unterbrochen als Adraéyu murmelte "Blut für Blut..." Rahela hielt inne in ihren Bewegungen. "Was hast du da gesagt?" Adraéyu wiederholte "Blut..." "...für Blut..." vollendete Rahela seine Worte. "Was bedeutet das?" fragte er sie und Rahela seufzte. Sie war eigentlich nicht in der Stimmung für dieses Thema, doch sie kannte Adraéyu, und er würde nicht nachgeben, bis sie ihm sagte, was er wissen wollte. "Die Geister sind mitunter unbarmherzig und grausam..." meinte sie und hoffte, er würde sich mit dieser Antwort begnügen. "Das beantwortet nicht meine Frage..." meinte er, während er sie skeptisch, mit leicht verengten Augen ansah. Rahela, sie immer noch auf ihm saß und ihn in sich spürte, seufzte erneut. "Der Tod Errills ist ein Werk der Geister. Für seine Seele verlangten sie Blut. Das tun sie immer. Die Geister sind 'hilfsbereit', doch sie tun es nicht aus Nächstenliebe oder Selbstlosigkeit. ich weiß selbst nicht, wieso es sie nach Blut verlangt. Vielleicht, weil Blut Leben bedeutet... Ich weiß es nicht... Sie haben mir geholfen, doch ich musste ihnen Blut versprechen. Und ich gab ihnen dein Blut." Adraéyu glotzte sie unverständig an, doch er sagte nicht ein Wort. Rahela tippte ihm mit ihrer Hand auf seine Brust und meinte "Schau nicht so blöd, du hast ja ohnehin bereits geblutet... Doch das Blut hat ihnen nicht gereicht, wie es scheint..." "Oder es war das falsche Blut. Immerhin wurde es nicht für die Geister vergossen, sondern ist ohnehin bereits geflossen" schlußfolgerte Adraéyu. "Das kann sein..." meinte Rahela nachdenklich. Für Adraéyu war diese Unterhaltung noch nicht beendet. "Vermutlich müssen wir froh sein, dass sie keine Seele für die Seele verlangen?" Rahela lächelte gequält. "Ja, vermutlich... Doch wenn sie eine Seeledafür verlangt hätten, hätteich es nie gemacht... Man darf den Geistern nicht trauen..." flüsterte sie beinahe unheilvoll. "Vielleicht hätten sie nach meiner Seele verlangt, vielleicht aber auch deine... oder vielleicht..." Ihre Augen glitten hinab zu ihrem Bauch, doch sie sprach den Satz nicht zu Ende. Adraéyu umfasste ihre Brüste und begann diese leicht zu kneten und zu streicheln. "Und was machen wir jetzt?" Rahela verstand nicht ganz, worauf er hinaus wollte. "Nichts..." meinte sie schließlich emotionlos. "Ich werde ihnen nicht dein Blut geben... Vermutlich wollen sie das gar nicht... Ich muss erst herausfinden, nach welchem Blut es sie verlangt. Ich werde meditieren und den Kontakt zu ihnen suchen, wenn der rechte Augenblick gekomen ist. Solange sie nicht danach verlangen, werde ich gar nichts tun..." "Wird das die Etáín nicht erzürnen?" fragte Adraéyu nach. "Nicht die Etáín, die Ahnen..." meinte Rahela. "Ja das wird es. Doch ich gebe ihnen nicht dein Blut. Niemals..." "Deines kannst du auch nicht geben. Damit gefährdest du das Kind" begehrte Adraéyu auf und Rahela zuckte mit den Schultern. "Die Geister sind grausam, wie du siehst." "Was wird geschehen, wenn du ihnen nicht gibst, wonach sie verlangen?" fragte Adraéyu und Rahela schwieg. Sie wusste es selbst nicht genau. Catara hatte ihr stets davon abgeraten, die Geister anzurufen. Catara war weise, Catara die Eule, sie wusste stets, dass nichts Gutes dabei herauskam, wenn man sich auf ein Spiel mit dunklen Mächten einließ. Rahela war nicht dumm, sie war nur unbesonnen. Sie hatte nicht an die Konsequenzen gedacht, sie sich daraus ergeben konnten. Vielleicht lag auch ein Reiz darin, die Macht zu gebrauchen, die anderen verwehrt war. Adraéyu riss sie aus ihren Gedanken. "Vermutlich etwas schlechtes? Und sie werden dir sicher beim nächsten Mal nicht mehr so einfach helfen." Rahela schwieg erneut und ihr Antlitz wurde ernst. Bevor sie die Geister wieder zu Hilfe rufen würde können, musste sie erst ihre Blutschuld zahlen. Was, wenn sie sich davor drückte? Würden die Geister sie einholen? Oder sich einfach nehmen, was ihnen zu stand? Rahela versuchte diese Gedanken abzuschütteln, doch es gelang ihr nicht so recht.

Adraéyu erhob sich leicht von dem Bett und stützte sich am Boden ab und begann in seinen Kleidern zu wühlen, welche Rahela achtlos beiseite geworfen hatte. "Was machst du da?" fragte Rahela ihn und versuchte in dem fahlen Lichtschein etwas zu erkennen, wonach er suchte. Rahela konnte gar nicht so schnell reagieren, wie er das Langmesser gezogen, und sich zwei Schnitte in seine Brust gezogen hatte. "Nein! Was machst du da?" rief sie erschrocken und versuchte zu erfassen, was er da gerade getan hatte. "Los! Bezahle sie! Damit sie unseren Bund segnen!" Rahela verstand nicht, was er meinte. Ihren Bund konnten lediglich die Götter segnen. Und doch wagte sie es nicht, die Götter um ihren Segen und Beistand zu bitten. Zu oft schon hatte sie lieber die Geister angerufen, anstatt die Götter. Bei den Geistern war es meistens sofort abzusehen, ob sie halfen, oder nicht. Bei den Göttern hieß es immer, abwarten, und dann war auch nicht immer ersichtlich, ob sie die Gebete erhörten, oder nicht. Rahela nahm sich vor, sich in Zukunft mehr den Göttern zu zu wenden.Rahela spürte, wie Adraéyu ihr das Messer in die Hand drückte, vielleicht eine Aufforderung, sich ebenfalls zu schneiden. Doch sie hatte keine Lust darauf, und so legte sie das Langmesser beiseite. Als sie Adraéyu so betrachtete, wie er sich opferungsvoll aufgeschnitten hatte, musste sie sich eingestehen, dass sie das ziemlich erregte. Und wer weiß, vielleicht war damit die Blutschuld gesühnt, und sie kamen beide fein dabei heraus? Rahela tippte vorsichtig den Finger in seine Wunden und malte Runen und Symbole auf seinen Körper. In sein Gesicht, auf seine Brust, auf seinen Bauch, auf seine Beine, und sie sparte sogar sein Gemächt nicht aus.

Als sie damit fertig war, betrachtete sie zufrieden ihr Werk. Die Geister hatten sich nach diesem Blutritual nicht zu Wort gemeldet. Wahrscheinlich war der Zeitpunkt der Falsche. Die Geister schenkten einem nichts. Sie würden zur für sie rechten Zeit schon aufbegehren. Rahela legte den Kopf leicht schief und betrachtete die Wunden, die er sich selbst zugefügt hatte. Sie grinste, und griff dann wieder zum Langmesser. Als Adraéyu die Klinge im schwachen Feuerschein aufblitzen sah, blickte er sie verdattert an, doch sie legte ihm die Hand auf die Lippen und flüsterte "Sshhh..." Dann setzte sie die Spitze der Klinge an die bereits geschnittenen Wunden und fuhr mit der scharfen Klinge gezielt ins Fleisch. Als sie damit beendet hatte, lächelte sie selbstgefällig. Adraéyu fluchte "Was, bei..." Doch sie unterbrach ihn. "Raidho..." murmelte sie zufrieden. "Nun hast auch du eine Rune in deiner Brust..." grinste sie und erklärte ihm "Raidho steht für den richtigen Lebensweg, oder für einen neuen Weg, sie steht für Reise und auch für Versöhnung und Neuanfang... Dass mein Name mit demselben Buchstaben beginnt, finde ich zum schreien komisch..." lachte sie ihn schelmisch an, während sie den Weg des Blutes verfolgte, der sich über die Brust zog . Dann beugte sie sich zu ihm und sah im tief in die Augen. "Ich bin dein, hast du gesagt... Deine Chéla... Ich bin dein, und sonst Niemandes... Und du bist mein. Mein Chéol, mein Mann... Der Einzige, den ich will und begehre und liebe..." Sie drückte ihre Lippen auf die seinen und suchte fordernd seine Zunge.

[18]Ihr Atem ging ein wenig schneller, ihr Herzschlag erhöhte sich und sie, die immer noch auf seinen Beinen saß, spürte, wie seine Erregung zurückkehrte. Sie ging ein wenig auf die Knie und ließ sich geschickt wieder in ihn hineingleiten. Sie stöhnte auf, und begann sich zu bewegen. Sie krallte sich in seine blutverschmierte, klebrige Brust und hielt sich daran fest, während sie ihn zuritt. Es gestaltete sich als etwas beschwerlich, da das Kind in ihrem Leib allmählich Raum forderte und eine beachtliche Größe erreicht hatte, doch sie war so erregt, dass sie die Anstrengung beiseite schob und ihn immer schneller ritt, bis sie ihren erlösenden Höhepunkt erreichte.[/18]

Matt, aber zufrieden rutschte sie von Adraéyu herunter und schmiegte sich in seinen Arm und genoß seine streichelnden Hände, die über ihre Schultern und Arme wanderten. Rahela war absolut wunschlos glücklich in diesem Moment. Würde sie heute Nacht sterben, gab es nichts, was sie hätte anders machen wollen. Rahelas Gedanken glitten jäh zu zu den Armaganen. "Die Armaganen... An die habe ich überhaupt nicht mehr gedacht... Was machen wir morgen nur? Wie sollen wir uns gegen diese Horde Verrückter, Radikaler nur zur Wehr setzen?" raunte sie ihm leise zu. Sie überlegte einen Moment. Dann meinte sie "Ich kann mit meiner Macht momentan mehr bewirken als du... Du hast ja deine Laute nicht dabei..." Sie hielt kurz inne, dann fügte sie hinzu "Ich werde hinaus gehen, und deine Laute holen. Heute hast du eine Demonstration meiner wahren Macht bekommen, und nun möchte ich die deine kennenlernen..."
Damit erhob sie sich vom Bett und sammelte ihre Kleidung zusammen. Nachdem sie sich angezogen hatte, huschte sie zur Türe, entriegelte diese, und ohne auf seine Einwände einzugehen, warf sie ihm noch einen liebevollen Blick zu und schob sich dann aus der Türe...
Sie ist eine Frau! Und alle Frauen sind böse...!

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Re: Windherz & Rabenseele

Beitrag von Adraéyu » Mo, 04. Mär 2013 23:23

Bildauber lag in der Luft. Es knisterte förmlich und das magische Kribbeln, welches Adraéyu erfasst hatte, breitete sich auf seiner ganzen Haut langsam aus. Was hatte Rahela einmal gesagt? Wo eine Frau ist, ist auch immer ein Zauber. Wie wahr diese Worte in diesem Moment doch waren. Ja, hier war Magie am Werk. Ungreifbar und Unsichtbar, doch konnte sich Adraéyu ihrer nicht erwehren. Und Rahela war eine Frau, bei den Alten und den Etáín, und was für ein Bild von Frau. Ihr üppiger Busen lenkte Adraéyus Aufmerksamkeit stets auf sich, so dass er kaum Augen für Rahelas Magie und Runenmalerei hatte. Ihr Zauber war unbestreitbar, ganz gleich ob man an Magie glaubte oder nicht. Jede Rune, welche Rahela zeichnete, verdeckte mehr von seiner Haut und verstärkte das magische oder gar göttliche Gefühl, welches sich auszubreiten schien. Als ob die Ahnen Höchstselbst mit ihren geisterhaften Fingern über seine Haut fuhren würden, um Rahela bei ihrer kunstfertigen Macht zur Hand zu gehen. Doch all dieser Zauber und all dieses magische Knistern, sowie dieser Hauch von Nichts, welcher in der Luft hing, war von einem Herzschlag auf den nächsten dahin. Er hatte es zwar kommen sehen, als Rahela sein Messer in der Hand gehalten, und ihm ihre Hand auf den Mund gelegt hatte. Und dennoch hatte er es weder erwartet noch so recht realisiert. Ein fürchterlicher, beißender und einschneidender Schmerz durchfuhr Adraéyu und er zuckte aufbäumend zusammen. »Was zum …«, herrschte er und begehrte er auf. Doch Rahela legte ihm nur ihren Zeigefinger auf die Lippen und gebot ihm zu Schweigen. »Sshhh …«

Sie hatte mit der Klinge seine Haut aufgeschnitten und sie in sein Fleisch getrieben. Und mit einem selbstgefälligen und zufriedenen Grinsen den Schnitt beendet. »Raidho«, sagte Rahela schließlich zufrieden. Adraéyu war kurz davor aufzuspringen. Alles in ihm schrie danach auf dieses durchgeknallte und verrückte Hexenweib von sich herunter zu stoßen, aufzustehen und sie anzuschreien. »Bist du nicht mehr bei Sinnen, Weib?«, zischte er ungläubig und unterdrückte dabei die wallende Wut in seiner Stimme so gut er konnte. Doch so recht gelang es ihm nicht. Denn bevor er seiner Wut und auch seiner Empörung freien Lauf lassen konnte und bevor er seinem Drang Rahela von sich zu stoßen nachgeben konnte, da hatte sie ihn bereits mit süßen Worten und ihren noch viel süßeren Lippen wieder besänftigt. Die Wunde brannte und pochte, und als Rahela sich auf ihn legte, und ihr salziger Schweiß sich mit seinem Blut vermischte, da schmerzte die Wunde unbarmherzig. Und doch verrauchte sein Zorn und er gab sich erneut dem Fall in die Lust hin.

[18]Ihre fordernden Küsse ließen ihn den Schmerz vergessen und als sie ihre feuchte Weiblichkeit an seinem Gemächt rieb, da kehrte seine Erregung schneller wieder, als ein Pfeil fliegen konnte. Mit einer geschickten Bewegung hatte sie sich wieder auf ihn gesetzt und als Adraéyu in sie hineinglitt, da stöhnte er wohlig auf, ob dieses angenehmen und wohltuenden Gefühls. Ganz gleich, dies wollte er sicher nicht missen. Er versank in einem Meer aus Gefühlen und Ekstase. Und selbst, als Rahela sich mit ihren Nägeln in die offenen Wunden krallte, da bereitete ihm dieser Schmerz mehr Lust, denn Leid. Und sie wurde immer schneller und fordernder, bis sie sich irgendwann laut Stöhnend zurückwarf. Sie zuckte und eine Gänsehaut überkam sie, während ihr der Schweiß zwischen den Brüsten hinunter lief. Und während sie ihren Höhepunkt erlebte und ihren Kopf zurück warf, da krallte sie sich erneut in Adraéyus Wunde hinein. Doch dieses Mal zu fest. Er schrie auf, doch nicht vor Lust. »Ah Weib!«, zischte er und bäumte sich unter ihr. Und auch wenn ihr Bauch schon eine gewisse Größe erreicht hatte, so war sie dennoch nicht allzu schwer und er warf sie schließlich von sich herunter. Seine Lust war zwar durch den Schmerz gedämpft, doch sein Gemächt stand noch immer stramm da, und so rutschte er an Rahela heran, welche keuchend und schwer atmend auf dem Rücken lag. Er nahm ihre Beine zur Hand und streckte diese in die Höhe und mit einem kurzen Stoß rammte er ihr sein Gemächt wieder in ihren feuchten und warmen Schoß. Und während er vor ihr kniete und ihr immer wieder sein Gemächt hinein trieb, da pochte und brannte seine Wunde. Das Blut lief seine Brust hinunter und immer wieder tropfte ein dicker Tropfen auf Rahelas Scham oder ihre Schenkel.[/18] Adraéyu keuchte, schon matt und erschöpft – sowohl von der Verausgabung, als auch von der Marter, die ihm durch die Schergen der Armaganen widerfahren war – doch irgendwann öffnete er seinen Mund. »Was fällt dir eigentlich ein?«, herrschte er erneut, während er es Rahela hart gab. Er ließ ihr linkes Bein los und fuhr sich dann mit seiner rechten Hand über die geschnittene Wunde. Doch zuckte er vor der Wunde recht rasch wieder zurück, denn unter seinen Berührungen brannte sie noch stärker. Sie hingegen hatte die Augen geschlossen und sich mit ihren Händen in die Laken gekrallt. »Und sag bloß nicht, dass Ruénja sich für wenige Herzschläge deiner bemächtigt hatte, als du mich mit dieser Rune verunstaltet hast!«, grollte er, [18]während er keuchend und atemlos seinen Schwanz in sie stieß und immer wieder hervorzog, nur um erneut zuzustoßen. Er konnte schon ahnen, was sie sagen würde, doch bevor sie aufbegehrte, und ihm vorwerfen konnte, dass er doch damit angefangen hatte, ihr eine Rune in die Brust zu schneiden, da fuhr er schon fort. »Nicht ich habe dich verunstaltet, sondern Aldenar. Vielleicht ist das für dich kein Unterschied, aber für mich schon.«, schloss Adraéyu schmollend. »Du hast ja nicht einmal dein eigenes Blut für das Ritual vergossen.«, sagte er und fickte sie noch immer mit harten Stößen, so dass sie immer wieder laut aufstöhnte, und er sie so davon ablenkte sich gegen seine Vorwürfe zu erwehren. »Auch wenn es nur für die Geister oder Ahnen oder weiß der Geier wen war. Ich dachte wir vereinen uns vor den Göttern.« Bei diesem Worten musste er schmunzeln, ob der Tatsache, wie sie sich gerade miteinander vereinten. »Doch habe nur ich mein Blut für diesen Bund gegeben. Was ist er da schon wert?«, fragte er sie und ließ sein Gemächt schließlich aus ihr hinaus gleiten. Doch noch war er nicht mit ihr fertig, auch wenn sie stöhnte und keuchte und ihre Brust sich schnell hob und senkte. Ihr Herz hämmerte so wild in ihrer Brust, dass er es sogar spüren konnte und die dumpfen, leisen Schläge kaum merklich an sein Ohr drangen.

Er packte sie an der Hüfte und drehte sie herum. Als sie dann auf den Knien vor ihm lag, drang er wieder in sie ein und krallte sich dabei in ihre Arschbacken. Und während er sie von hinten fickte, da nahm er das blutige Messer auf und war in dem Moment froh, dass sie es nicht sah. Doch er verletzte sie nicht. Stattdessen ließ er wieder von ihr ab und legte sich unter sie. Während dessen schob er das Messer unter die Decke und ein mattes Lächeln machte sich auf seinem Gesicht breit. Mit einigen geschickten Bewegungen hatten sie erneut die Stellung gewechselt und Rahela saß wieder auf ihm und er krallte sich in ihre Brüste. Während er so ihren Busen knetete, und ihre Worte an sein Ohr drangen, da fuhr seine rechte Hand unter die Decke und förderte schließlich das Messer hervor.[/18] »Bring es zu Ende!«, forderte er sie beinahe befehlend auf. »Besiegle den Bund mit Blut! Mit deinem Blut, damit wir vor deinen Göttern vereint sind.« Er hatte bewusst ihre Götter angesprochen, denn seine Götter waren der Wind und die Musik, sie waren allgegenwärtig und zugleich nirgendwo. Man konnte ihnen kein Versprechen abringen, keine Bezeugung und auch keine Segnung erwarten. So schnell wie der Wind kam, so schnell war er auch wieder fort. Und die Musik verstummte, wenn der Spielmann sein Spiel beendete, oder starb.

Als Adraéyu schließlich nicht mehr konnte und Rahela sich von ihm abgewälzt hatte, da lagen sie zusammen und genossen für einen Augenblick die Stille. Adraéyus Atmung beruhigte sich langsam und er hielt die Klinge in der Hand und betrachtete das Blut, welches langsam daran hinab lief. Die scharfe Schneide teilte einige Blutstropfen entzwei und so liefen sie an beiden Seiten der Schneide hinab. Doch irgendwann warf er das Messer von sich und flog wirbelnd durch den Raum. Das Blut flog in alle Richtungen davon und kurz darauf kam das Messer bebend zum stehen und zappelte noch einige Augenblicke in dem Holz der Tür, in welcher es steckte.

Rahela hingegen holte ihn jäh in die Gegenwart zurück. »Was machen wir morgen nur? Die Armaganen …« Ja auch Adraéyu hatte an diese Bastarde für die Dauer des Liebesaktes nicht gedacht. Und das, obwohl sein Körper von ihnen gezeichnet war, und noch immer höllisch schmerzte. »Ja, aber ich bin froh, dass wir zusammen sind und wenn es dann soweit kommt, auch Seite an Seite und gemeinsam sterben, und nicht jeder für sich und allein.«, sagte er sanft und strich ihr dabei durchs Haar. In diesem Moment der Klarheit – der Klarheit, die ihm bewusst machte, dass dies wohl ihre letzte, gemeinsame Nacht gewesen sein könnte – ließ ihn vergessen machen, dass Rahela ihm eine Rune in die Brust geritzt hatte. Er nahm es als Zeichen des Bundes, welche ihre Seelen, wie auch ihre Körper miteinander, durch ein unsichtbares, göttliches Band miteinander verband. Geistesabwesend legte er seine freie Hand auf die schmerzende Brust, während er noch immer durch Rahelas Haar glitt oder ihre Arme streichelte.

Doch dann überrumpelte Rahela ihn erneut, und huschte aus dem Bett. »… du hast ja deine Laute nicht dabei ...« Sie hielt kurz inne, bevor sie den Satz schließlich beendete, während sie sich das Kleid überwarf und Adraéyu sie mit fragenden Blicken , welche ausschließlich auf ihren Brüsten hafteten, ansah. "Ich werde hinaus gehen und deine Laute holen. Heute hast du eine Demonstration meiner wahren Macht bekommen, und nun möchte ich die deine kennenlernen …« Ja war sie denn verrückt geworden? Adraéyu wollte bereits aufbegehren und sie zurückhalten, doch da war sie schon aus der Tür gehuscht. Wild fluchend kämpfte Adraéyu sich aus dem Bett, auch wenn jede einzelne Bewegung ihm fürchterliche Schmerzen bereitete. Während Rahela und er das Lager geteilt hatten, da waren die Schmerzen irgendwie in den Hintergrund gerückt gewesen, doch nun kehrten sie wieder und trafen ihn mit vollster Härte. Doch weckte die Angst um Rahela in ihm neue Lebensgeister und so kämpfte er sich in seine Bruche und auch seine Tunika hinein. Am liebsten hätte er noch das Kettenhemd angelegt, doch hatten die Armaganen es ihm abgenommen. Er wäre alleine ohnehin nicht hinein gekommen und das Gewicht würde nur viel zu schwer auf den Wunden aufliegen. Er nahm das Schwert des toten Armaganen an sich und hängte die Schwertscheide an seinen Gürtel. Mehr hatte er nicht bei sich getragen, und um die Hütte des Anführers nach Wertgegenständen oder hilfreichen Waffen oder Utensilien zu durchsuchen, dafür fehlte nun – Dank Rahelas kopfloser Aktion – die Zeit. Er eilte ihr schnurstracks nach, hinaus aus der Hütte und hinein in die stille, sternenklare und unheimliche Nacht.
In den Weiden werden uns're Träume klingen,
und die Winde werden uns're Lieder singen.
Lasst uns mit den Funken übers Feuer springen,

in der Walpurgis Nacht.

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