Meine Frau, der Wilde und ich

Die zwei vor Jahrhunderten in Kleinkönigreiche zerfallenen Nordreiche östlich der Wilden Lande.
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Thorik
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Re: Meine Frau, der Wilde und ich

Beitrag von Thorik » Fr, 30. Jun 2017 22:15

„Ich würde mich freuen, deine Familie und die Bräuche deines Volkes kennenzulernen.“, meinte die Elfe und Thorik warf ihr einen grimmigen Blick zu. „Ich werde dich daran erinnern, wenn wir meinen Bruder treffen.“, knurrte er und starrte auf die Karte. Er verstand zwar nicht, wieso der Weg östlich der Berge besser oder schneller war, als der westlich, immerhin mussten sie durch dichte Wälder und unwegsames Gelände. Zu Pferd war es nahezu unmöglich zügig voranzukommen und zu Fuß wäre es auch nicht viel schneller. In der Steppe dagegen erwartete sie freie Fläche, zu Fuß war es ein einfacher Weg und zu Pferd war es, als ob der Wind einem Flügel verlieh. Dazu kam noch, dass es gut befahrene Handelswege gab, zwischen Itkkin und Thamyr, von denen Thorik wusste. Vermutlich wollte er einfach dort entlang reisen, wo er sich selbst ein wenig zurecht fand, statt in der völligen Fremde herumzuirren. Aber wenn die Elfe so reisen wollte, die Sache entschieden. Ihr Ehemann war sicherlich auf ihrer Seite und wenn Thorik eines mitgenommen hatte seit er seine Heimat verlassen hatte, dann dass man nicht die Hand wegschlug, die einem den Bierkrug reichte. Kurz wurde über das Für und Wider gestritten, doch eigentlich stimmte jeder dem Vorschlag der Elfe zu. Auch Thorik erhob keinen Einwand, letzten Endes war es ihm völlig gleich welchen Weg sie nahmen, solange sie ankamen. Schwierigkeiten konnten immer und überall auftauchen. Asua und Learcan verabschiedeten sich kurz darauf und zogen sich für den Rest des Tages zurück. Thorik blieb noch ein wenig und hörte sich Geschichten über vergangene Tage an und welche wundersamen Orte Caorl schon gesehen hatte und was er dort so spannendes erlebt hatte. Thorik erzählte im Gegenzug, wie er ein paar Jahre durch die Steppe gezogen war. So zog sich der Rest des Abends hin, bis man Thorik ins Bett scheuchte, immerhin musste er ja auch früh raus. Etwas unschlüssig, stampfte Thorik umher, denn wenn er es genau betrachtete, hatte er bisher nicht einmal sein eigentliches Lager zu Gesicht bekommen. Bisher hatte er immer bei und mit Esme geschlafen und sah keinen Grund eine gut funktionierende Vorgehensweise zu ändern. Also schlug er den Weg zu ihrem Zelt ein.
Am nächsten Morgen wusste Caorl genau wo er den Wilden zu finden hatte und weckte ihn. So leise er konnte kleidete er sich wieder an und verließ das Zelt. Learcans Onkel reichte ihm seine Äxte, die man ihm bei ihrer Ankunft freundlicherweise abgenommen hatte. Die beiden Kleinen hängte er sich an den Gürtel und die Große nahm er in die Hand. So marschierte er zu Asua und Learcan die bereits auf ihn warteten und gemeinsam zogen sie los. Am abendlichen Lagerfeuer legte sich Thorik gleich zum Dösen hin, wenn er später Wache schieben sollte, dann wollte er so ausgeruht wie möglich sein. Heimlich lauschte er aber wie die Elfe ihrem Ehemann ein paar Bocken der elfischen Zunge beibrachte. Einen Moment fragte er sich, wie es sein konnte, dass ein Wanderer wie Learcan kein Elfisch beherrschte, erst recht wenn er sogar eine zur Frau hatte. Außerdem konnte er sein Wissen vielleicht etwas aufstocken, immerhin war es auch schon wieder mehrere Jahre her, da er die Sprache angelernt bekommen hatte. „Woher kannst du die Sprache?“, fragte Learcan plötzlich. Offenbar war Thorik wirklich etwas weg gedöst, solange wie er nicht angesprochen wurde. Er schlug die Augen und musste Learcan kurz suchen. „Von den Elfen.“, gähnte der Wilde ausgiebig und hielt einen Moment inne. Sicherlich wollte er etwas mehr als Antwort. „Ich war Söldner und da hat mich ein Händler mit nach Süden genommen. Wenn man in elfischen Tavernen und Hurenhäusern unterwegs ist, lernt man die Sprache. Ach und wir hatten einen Magier dabei, der hat mir auch ein wenig beigebracht.“ Der Wilde setzte sich auf und stocherte etwas im Feuer herum. „Aber mein … Steppisch… nein, Moment … ach keine Ahnung. Jedenfalls kann ich die Sprache der Pferdemenschen aus dem Westen um einiges besser.“ Als Beweis klaubte er aus seinem Hirn ein paar Wörter zusammen, deren Bedeutung nicht einmal annähernd dem gleich kam, was er hatte sagen wollen. „Pferdefleisch gut.“, meinte er voller Stolz in einem Dialekt der Steppe. Etwas später schickte Learcan seine Frau förmlich zu Bett und strich ihr dabei sanft über den Bauch. Das war Thorik auch schon bei Asua selbst aufgefallen und langsam dämmerte ihm, dass sie vielleicht schwanger sein könnte, aber er wollte nicht nachfragen. Learcan und er teilten sich hauptsächlich die Wachschichten und so ging es zügig voran.

Ein paar Tage später wurde Learcan unruhig und das steigerte sich, bis er irgendwann um eine Rast bot. „Dort liegt ein wichtiger heiliger Ort meines Volkes. Ich möchte ihn besuchen, bevor wir weiter reiten. Es wird nicht lange dauern.“, erklärte er und Thorik nickte ihm zu. Wenn einer es verstand, wie wichtig solche Orte für ein Volk waren, dann er. So verschwanden er und Asua und ließen Thorik bei den Pferden allein. Völlig egal wie lange es dauern würde, dieser Ort war so gut wie jeder andere um eine Rast zu machen und zu jeder erholsamen Rast gehörte zu dieser Jahreszeit ein prasselndes Feuer. Also zog Thorik nun seinerseits los um etwas Holz zu sammeln. Nicht zu weit von den Pferden weg, immerhin wollte er nicht das ein möglicher Wanderer eine günstige Gelegenheit nutzte, um ein paar Pferde zu erbeuten. Immer wieder blickte er sich zum Lager um, bis er es aus den Augen verlor. Er schlug einen Bogen ein um langsam wieder zurück zu gehen und da sah er es. Vor ihm, keine zwei Dutzend Schritt, stand ein Hirsch in voller Pracht. Das Tier wühlte mit der Nase am Boden herum, auf der Such nach etwas essbaren. Thorik schnellte in die Hocke. Einen Moment ärgerte er sich, dass er keinen Speer oder so etwas hatte, aber dann genoss er vielmehr den erhabenen Anblick. Wie oft kam es vor, dass man einem Tier so nahe war, ohne dass es einen selbst auch nur erahnte. Mit einem Mal drehte der Wind und ein kalter Schauer lief dem Wilden über den Rücken. Ein mulmiges Gefühl machte sich in ihm breit, als stimmte irgendetwas nicht mehr. Auch der Hirsch schien es zu spüren, denn er hob den prachtvoll gekrönten Kopf und ergriff die Flucht. Thorik stand auf und blickte sich um. Über ihm ertönte ein Krächzen und als er nach oben sah, sah er wie dutzende Vögel in jene Richtung flogen, in welche der Hirsch geflohen war. Irgendwas schien die Tiere zu beunruhigen und was Tiere beunruhigte, sollten Menschen nicht ignorieren. Auf einem tiefen Ast ließ sich ein Rabe nieder und starrte Thorik förmlich an. In alten Liedern hieß es, Raben seien die Augen und Kundschafter der Etáín, der Naturgeister und berichteten ihnen alles, was sie sahen. Andere Stimmen behaupteten die schwarzen Vögel seien jene Verstorbenen, die keinen Platz unter den Ahnen gefunden hatten und nun in dieser Gestalt die Lebenden beobachteten. So oder so, wer eine Missetat unter dem wachsamen Blick eines solchen Vogels begann, dessen Leben war verwirkt, dessen war sich Thorik sicher. Schnell machte er das Zeichen gegen den Rabenblick und verschwand wieder Richtung Lager. Gehetzt und unruhig kam er an und hatte völlig vergessen, dass er das gesammelte Feuerholz im Wald hatte liegen lassen. Die Pferde wieherten nervös und scharten mit den Hufen. Ob sie das gleiche spürten wie der Wilde oder sich nur von seinem Unmut anstecken ließen, konnte er nicht sagen, aber irgendwas stimmte nicht, das spürte und wusste er einfach.
Kurz darauf kamen Learcan und Asua zurück und Thorik eilte direkt zu ihnen. Er wollte ihnen erzählen, dass etwas seltsames vor sich ging und sie so schnell sie konnten fort von hier gehen sollte. Als er einen Schritt näher an sie heran getreten war, sah er wie Learcan einen kleinen Schnitt am Arm hatte, der eindeutig nicht ein zufälliger Kratzer sein konnte. Thorik packte ihm am Arm und hielt ihm die Wunde vorwurfsvoll unter die Nase. „Blutzauber ist gefährlich Mann!“, zischte er ihn an. „Völlig gleich, ob ein einfacher Wanderer ein paar Tropfen vergießt oder eine Hexe einen Fluch ausspricht. Damit geht man nicht leichtfertig um.“, knurrte der Wilde. „Erst recht nicht wenn deine Frau ein Kind unterm Herzen trägt.“ Er ließ Learcan wieder los. „In meinem Volk gibt es eine Hexe. Die kann mit ein paar Tropfen ...“, er fuchtelte wild mit den Armen um das Ausmaß klar zu machen. „Dinge tun, die will ich mir nicht ausmalen.“, schloss er und ging zu Pferden. Thorik band sie los und blickte nochmal zu den Beiden. „Ich will hier weg… ich… ich will hier einfach weg.“, gab er kleinlaut zu.

So war das mit dem Glaube und dem Aberglaube. Was für den einen ein heiliger Ort war, war für den anderen eine Lichtung im Wald oder schlimmsten Falls ein böser Ort. Nachdem Thorik erkannt hatte, dass Learcan dort ein Blutopfer mit eigenem Blut gebracht hatte, hatte sich Thorik schlecht gefühlt. Ein Opfer mit Tierblut zu bringen, war etwas völlig anderes, das würde ihm nicht solch eine – man musste es einfach beim Namen nennen, solch eine Angst einjagte. Eigentlich hatte er erwartet, dass er sich besser fühlen würde, mit jeder Meile die sie zurück legten, doch mit jeder Meile die sie sich von diesem Ort entfernten, kamen sie seiner Heimat näher. Sein Dorf lag in der Nähe des Waldrandes, an den süd-östlichen Ausläufen des Duurvan Berges, nahe der Grenze zu Cathrad. Je näher sie seiner Heimat kamen, desto öfter dachte über das nach, was er im Pilzrausch gesehen und gehört hatte. Seinen Großvater zu sehen war eine Sache, aber mit ihm zu sprechen, als stünde er vor einem, war etwas völlig anderes. Es war so viel wirklicher als ein Traum gewesen und dennoch nicht die Wirklichkeit. Oder etwa doch. Thorik konnte nicht leugnen, dass es ihn sehr beschäftigte. Erst recht, welche Auswirkungen es auf das Wiedersehen mit seinem Bruder haben könnte. Er hatte versucht Thorik umzubringen, dafür verdiente er den Tod, aber der Wilde kannte seinen Bruder. Mit Sicherheit würde er sich wie die Schlange die er war aus der Sache herauswinden können und somit Thorik als den Bösen dar stehen lassen, so vermutete er. Aber wenn er ihn als Vatermörder und versuchten Brudermörder darstellte, dann hatte er vielleicht die Chance einen ehrenvollen Zweikampf zu verlangen, ohne dass die Speichelleckern seinen Bruder unterstützte. Außerdem konnte er ja schlecht die Elfe und ihren Ehemann in ein mögliches Kriegsgebiet lotsen, ohne sie vorzuwarnen. Eines Abends als sie beim Feuer saßen rutschte Thorik nervös hin und her. Er wusste nicht wie er es ihnen beichten sollte, dass er eigentlich nur über die Wilden Lande hatte ziehen wollen, um Rache an seinem Bruder zu nehmen. „Hört mal.“, begann er zögerlich. „Ich muss euch noch was sagen, bevor wir bald die Wilden Lande erreichen. Mein Volk liebt den Krieg, wenn wir nicht gerade unseren liebsten Feind die Orks bekämpfen oder in die gefallenen Reiche einfallen, bekriegen wir uns auch gerne untereinander. Auch innerhalb der eigenen Sippe.“ Unschlüssig stocherte er im Feuer herum. „Es kann sein, dass wir nicht so herzlich empfangen werden wie bei dir Learcan. Mein Bruder hasst mich und ich hasse ihn. Möglicherweise wird Blut fließen … aber solange meine Schwester da ist, seid ihr bei ihr sicher. Sind wir da sicher. Ihr würde keiner etwas tun.“
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Re: Meine Frau, der Wilde und ich

Beitrag von Asua » Mi, 13. Sep 2017 12:27

Asua beeilte sich mit dem Packen ihrer Habseligkeiten keineswegs. Denn im Grunde hatte sie es gar nicht so eilig, zur Zuhandálkette, und zurück in ihre Heimat, zu reisen. Im Gegenteil. Jeden Gegenstand, den sie in Händen hielt, um ihn zu verstauen, schien so schwer wie ein Felsbrocken zu wiegen. Was irgendwie seltsam war. Denn den Birkenhain zu verlassen, das fiel ihr weniger schwer als in ihre Heimat zurückzukehren. Sie warf Learcan einen kurzen Seitenblick zu, der Grund war für ihre Zweifel. Man würde Learcan, einen Menschen, nicht unbedingt mit offenen Armen begrüßen. Auch dann nicht, wenn er zu Asua gehörte. Erst recht nicht, wenn bekannt wurde, dass er ihr Ehemann war. Und am allerwenigsten, weil sie sein Kind unter ihrem Herzen trug. Als sie sich schließlich auf das Bett legte, um sich auszuruhen, kam die Bergelfe dabei auf die seltsamsten Gedankengänge, um nur ja nicht zur Zuhandálkette reisen zu müssen. Das steinerne Herz einem Händler mitgeben zum Beispiel, mit dem Auftrag, es im Gebirge irgendwo abzulegen. Diesen Gedanken verwarf sie aber gleich wieder. Niemand erschien ihr vertrauenswürdig genug für diesen Auftrag. Nein, sie musste das Herz schon selbst in die Heimat zurück bringen. Vielleicht konnte man Lear entsprechend tarnen, in einen Kapuzenumhang hüllen, der ihn, und seine menschlichen Attribute weitestgehend verbarg? Über diesen absurden Gedanken schüttelte Asua schließlich den Kopf, und ein klein wenig schämte sie sich auch darüber. Es war nicht so, dass sie nicht zu Learcan stand. Doch es war beträchtlich einfacher, als Bergelfe mit einem Menschen in den Nordreichen zu verkehren, da dies wohl besonders in Mérindar nichts Außergewöhnliches war, dass Menschen und Elfen nebeneinander lebten. Unter den Augen der Bergelfen mit einem Menschen zusammenzuleben war dies schon etwas ganz anderes. Das war ein Umstand, den Asua bewusst oder unbewusst beiseitegeschoben hatte, als sie zugelassen hatte, sich in Lear zu verlieben. Kadim war als Bergelf wirklich eine Ausnahme gewesen. Es war ihm völlig egal gewesen, wer Lear war. Nein, es half nichts, wenn sie Kadims Herz im Reich der Bergelfen zur ewigen Ruhe bringen wollte, dann musste sie dorthin reisen und zwar mit Learcan, ihrem Mann, an ihrer Seite. Eines Tages, in ein, oder zwei Jahren, würde sie zurück in den Birkenhain kehren, um auch die restlichen Gebeine zu holen, das hatte sie sich bereits fest vorgenommen. Doch Learcan brauchte vorläufig nichts davon wissen. Dieser hatte sich mittlerweile zu Asua auf das Bett gesellt und den Arm um sie gelegt. Asua wandte sich ihm zu und legte ihren Kopf an seine Schulter. „Das Bett wird mir fehlen…“ seufzte er, und Asua, von ihren zahlreichen Gedanken nicht minder betrübt, fand, dies war der passende Moment, in das Seufzen miteinzufallen. Auch wenn sie die Bezeichnung „Bett“ für diese Pritsche ein wenig übertrieben fand, aber das behielt sie für sich. Sie würde dieses Bett ebenso wenig vermissen wie den Birkenhain oder seine Bewohner. Aber auch das behielt sie für sich.

Am nächsten Morgen, als man den Sonnenaufgang im Osten noch nicht einmal erahnen konnte, brachen sie auf. aDer Birkenhain lag noch im Schlaf, doch Onkel Caorl war bereits auf den Beinen, um sie zu verabschieden. Ihn hätte Asua gerne auf ihrer Reise dabei gewusst. Er hatte stets eine interessante Geschichte zu erzählen, und war einfach ein herzlicher, angenehmer Mensch. Doch Caorl war nicht mehr der Jüngste. Wenn man ihn beobachtete, konnte man erkennen, dass er sichtlich bemüht war, seine Altersbeschwerden zu verbergen. Eine Reise in das Reich der Bergelfen war sicherlich viel zu anstrengend für ihn. So blieb es dabei, seine guten Wünsche entgegenzunehmen und zu erwidern, und den Birkenhain zu verlassen. Der Morgen war eiskalt und trotzdem Asua gut in Mantel und Decke gehüllt war, fror sie. Mit der aufgehenden Sonne im Rücken, die allmählich die klirrende Kälte vertrieb, ritten sie gen Westen, und als die Sonne schließlich über ihnen stand, waren alle soweit wach und munter, dass das Schweigen endete und sich Gespräche ergaben. Asua schloss schließlich mit ihrem Pferd zu Lears Pferd auf und wandte sich an ihn „Was möchtest du als erstes lernen?“ fragte sie ihn lächelnd. Learcan überlegte kurz und antworte schließlich „Die wichtigsten Sätze. Mein Name ist Learcan… Wie heißt du? Guten Tag… Ich habe Hunger… Willst du mit mir schlafen… Sowas eben...?“ Asua runzelte die Stirn und maß ihn mit einem tadelnden, wenn auch nicht ganz ernst gemeinten, Blick. „Das sind die wichtigsten Sätze für dich? Wen willst du denn fragen ob sie mit dir schlafen will? Mich jedenfalls hast du das noch nie gefragt…“ Learcan grinste spitzbübisch. „Nein wirklich… ich stelle es mir gerade bildlich vor, wie du das in genau dieser Reihenfolge zu irgendeiner Elfe sagst…“ meinte Asua und imitierte Lears tiefe Stimme. „Guten Tag, mein Name ist Learcan, und wie heißt du? Ich habe Hunger, und willst du danach mit mir schlafen?“ Sie lachten beide, und dann bemühte sich Asua wieder um etwas Ernsthaftigkeit und begann dann mit ihren Lektionen, was sich alles andere als einfach erwies. Zum einen war die elfische Sprache schwerer zu erlernen als coreonisch, und zum anderen erwies sich Asua auch nicht als talentierte Lehrerin. Eine Sprache sprechen und jemandem eine Sprache beibringen waren jedenfalls zwei Paar Schuhe.

Am nächsten Morgen erwachte Asua mit klammen Gliedern. Trotz gewachster Plane, Mantel und Wolldecken war die Kälte durch ihren Körper gekrochen. Schon jetzt bereute sie, dass sie ihren Dickkopf durchgesetzt hatte, sofort aufzubrechen. Das kalte Herz Kadims war gut in Stein gehüllt und sicher vor jedem Wetter und jeder Witterung, doch dies galt für die Herzen und Körper der drei Reisenden keineswegs. Vielleicht wäre es besser gewesen, den Winter im Birkenhain auszusitzen und zumindest bis zur Schneeschmelze zu warten. Doch nun war es zu spät für eine Umkehr, wenn man sich nicht vollends lächerlich machen wollte. Für die Bewohner des Birkenhains war es schier schon unvorstellbar gewesen, das Herz bergen zu wollen. Der Aufbruch nach dem Bergelfenreich war noch eine Steigerung des Unverständnisses, doch eine urplötzliche Rückkehr für Asuas Stolz nun undenkbar. Während die beiden Männer ihre Habe wieder in den Satteltaschen verstauten und alles für die Weiterreise vorbereiteten, wärmte sich die Bergelfe mit einem Becher Kräutertee in der Hand an dem kleinen, rußenden Lagerfeuer auf, welches man aus feuchtem Holz errichtet hatte. Immer wieder legte sie besorgt und schützend ihre Hand unter dem Wollmantel auf ihren Bauch, und fragte sich, ob ihre Sorgen die Hexe betreffend berechtigt waren oder ob sie sich lieber über Witterung und Wildnis den Kopf zerbrechen sollte. Dennoch war sie kaltes und rauhes Klima aus den Bergen gewohnt und so vermied sie es, sich zu beklagen. Das Reiten stellte sich in diesen frostigen Tagen als angenehm heraus. Das Pferd verströmte da wo der Körper der Elfe es berührte, aufkeimende wohlige Wärme. Als sie eine Hügelkette passierten, bemerkte Asua, dass Learcan unruhig im Sattel umher rutschte und immer wieder in eine bestimmte Richtung blickte, die ein wenig abseits eines sanft ansteigenden Hügels lag. Asua war hin und hergerissen, Learcan nach seiner Unruhe zu fragen, denn sie war sich nicht sicher, was Learcan gesehen haben könnte. Ein Dorf? Reiter oder Reisende von welchen Gefahr drohen könnte? Noch bevor sie sich dazu entschloss ihn zu fragen, bat Learcan um eine kurze Rast. „Dort liegt ein wichtiger heiliger Ort meines Volkes. Ich möchte ihn besuchen, bevor wir weiterreiten. Es wird nicht lange dauern“ erklärte er und machte alle Anstalten, alleine dorthin zu reiten. „Ich möchte dich begleiten“ meinte Asua schließlich, doch Learcan reagierte ein wenig ablehnend. „Es ist eine raéyunsche Tradition…“ begann er ausweichend. Asua sah ihn unverständig an. „Na und?“ „Eine Tradition die für jene die nicht den Raéyun angehören…seltsam… erscheinen mag…“ Asua legte den Kopf schief und blickte ihn herausfordernd an. „Hast du nicht immer wieder betont, dass die Raéyun nun, da wir verheiratet sind und zueinander gehören, auch mein Volk sind? Was also läge näher, dass du mir die Traditionen meinen neuen Volkes näher bringen solltest, auch, wenn sie seltsam erscheinen mögen?“ Doch egal wie Lear auch argumentierte, Asua ließ sich von ihrem Vorhaben ihn zu begleiten, welches sie sich längst in den Kopf gesetzt hatte, nicht abbringen. Schließlich resignierte er seufzend und Asua lächelte siegessicher, denn es gab kaum etwas, das Learcan ihr wirklich abschlagen konnte.

Als sie Thorik zurückgelassen hatten, und die Pferde zu jenem geheimnisvollen Ort trotteten, fragte Asua Learcan neugierig aus, was es damit auf sich hatte. Ein Ort der Geister, erklärte der Raéyun ihr. Man konnte sie mit einer Opfergabe gnädig stimmen, und wenn man Glück hatte, gewährten sie die Erfüllung eines Wunsches. „Brot und Käse als Opfergabe? Für Geister? Ist das dein Ernst? Meinst du nicht, wir sollten unsere Vorräte für uns aufsparen, als sie an Frost und Schnee zu verschwenden?“ fragte die Bergelfe ihren Mann ungläubig, denn sie fühlte sich eher auf den Arm genommen, als dass sie ihre Frage als ernsthaft beantwortet sah. Learcan lächelte geheimnisvoll und erklärte, dass an diesem Ort ein alter blinder Einsiedler lebte, der sich diesen Opfergaben annahm und sie somit keine Verschwendung darstellten. Asua zuckte resigniert die Schultern und unterließ es, Learcan weiter danach auszufragen. Es war nicht so, dass sie die kleinen Speisen einem alten Mann der sicherlich auf Hilfe angewiesen war, nicht gönnte, vielmehr fragte sie sich, wie der Alte diese Gaben finden mochte wenn er blind war, und wie er sich als Einsiedler sonst hier durchschlug. Doch manchmal war es besser, Learcans Vorhaben nicht infrage zu stellen, denn wenn man ihn zu sehr mit seltsamen Fragen löcherte, konnte es auch schon mal vorkommen, dass er verstimmt reagierte, besonders, wenn es um die Raéyun ging. „Es ist üblich, den Geistern mit Musik zu huldigen. Doch dieser Ort ist anders. Es ist wichtig, sich schweigend zu nähern und den Wunsch nicht auszusprechen. Es ist ein Ort der Stille“ erklärte Learcan ihr und Asua nickte schweigend. Sie betraten eine runde Lichtung auf welcher sanft gerundete Felsblöcke lagen, die mit Schnee bedeckt waren. In der Mitte befand sich eine Steinplatte, die verriet dass dieser Ort öfter besucht wurde, denn auf der Platte befand sich kein Schnee. Oder waren es die Geister die dafür sorgten? Asua hatte verabsäumt, zu fragen, ob jeder der hierher kam in Gedanken einen Wunsch vorbringen durfte oder ob es den Raéyun vorbehalten war oder jenem der die Opfergabe vorbrachte. Jetzt wagte sie es nicht mehr, hier zu sprechen. Asua ließ ihre Blicke über den Platz schweifen. Es erschien ihr ein unheilvoller Ort zu sein. Verdorrte Pflanzengebinde aus Kornähren lagen hier ebenso wie Gebinde aus Schlehen- und Hagebuttenzweige, aber auch kleine getötete Tiere. Asua schloss daraus, dass der Einsiedler sich nicht allem bediente, was hierher gebracht wurde. Vielleicht war er ja sogar längst gestorben und es waren Wildtiere die sich die Opfergaben einverleibten. Während Learcan entschlossen vortrat, blieb die Bergelfe in respektvollem Abstand zurück und beobachtete interessiert Learcans Tun, bis dieser seinen Dolch zückte. Asua hob eine Augenbraue, bis ihr durch Learcans entschlossene und eindeutige Geste klar wurde, dass er sich den Arm aufgeschnitten hatte. Zischend zog sie die Luft durch die Zähne ein, was Lear dazu bewegte, sich zu ihr umzuwenden und ihr mit dem Finger am Mund Schweigen zu gebieten. Mit einem mulmigen Gefühl verfolgte Asua mit ihren Augen die Blutstropfen, die schnell und stetig sich in einem Rinnsal ihren Weg zu der eingravierten Rune bahnten. Blutopfer, das war nun überhaupt nicht das Ihre, und ein wenig wunderte sie sich, dass die Raéyun so etwas taten. Das Bergelfenvolk hielt von solchen Sitten jedenfalls wenig, und so dachte auch Asua. Zumal es sie an die Alte aus den Sümpfen erinnerte, die sie in ihren Alpträumen immer noch verfolgte und ängstigte. Als Learcan fertig war, verband er sich seine Wunde, trat an Asua heran und schweigend gingen sie zu ihren Pferden zurück. Als sie zurück zu Thorik ritten und einen gewissen Abstand zwischen sich und der Lichtung gebracht hatten, brach Asua ihr Schweigen. „Von wegen nur Brot und Käse… Du hättest es mir sagen sollen. So etwas…“ Beinahe hätte sie ‚Primitives‘ gesagt… „…will ich nicht sehen…“ meinte sie, und gab ihrem Pferd einen sanften Tritt in die Seite, worauf hin die Stute ihre Schritte beschleunigte. Ein Schwarm Raben flog krächzend und schnarrend über sie hinweg. Als sie zu Thorik zurückkamen war dieser sichtlich aufgeregt. Die Elfe fragte sich, was ihn so beunruhigt haben könnte, da packte er Learcan am Arm, und blickte ihn vorwurfsvoll an und machte ihm ebenso Vorwürfe über die Gefahren von Blutzaubern. Er wirkte richtig ängstlich und Asua musste darüber beinahe schmunzeln, denn sie hatte nicht erwartet, dass Thorik, dieser bärenhafte Mann, sich durch so etwas aus dem Konzept bringen ließ. Nicht zuletzt weil man sich in den Bergen über die Menschen erzählte, die das Elfenvolk so gering schätzte. Auch über Barbaren im Norden, die das Blut ihrer Opfer und Toten tranken. Das dies nicht stimmen konnte, wurde Asua spätestens jetzt klar, denn Thorik würde sich niemals so benehmen wenn solch ein Brauch normal wäre. Doch zumindest wurde ihr ebenso klar, dass sie und Thorik etwas gemeinsam hatten. Denn sie fühlte sich durch Thoriks Gebaren durchaus bestätigt dass an Blutzaubern wie die Hexe sie vollführt hatte, etwas dran sein konnte. „Ich will hier weg… ich… ich will hier einfach weg.“, schloss Thorik, und genauso dachte Asua.

Abends am Lagerfeuer, wo Asua vergeblich versuchte, eine bequeme Sitzlage zu finden, rutschte auch Thorik unruhig hin und her, bis er schließlich mit der Sprache herausrückte. „Es kann sein, dass wir nicht so herzlich empfangen werden wie bei dir, Learcan. Mein Bruder hasst mich und ich hasse ihn. Möglicherweise wird Blut fließen … aber solange meine Schwester da ist, seid ihr bei ihr sicher. Sind wir da sicher. Ihr würde keiner etwas tun…“ Das waren nun nicht allzu gute Neuigkeiten. Von Bruderzwisten hatte Asua schon gestrichen die Nase voll, und ganz sicherlich auch Learcan. Und Thoriks Zwist musste da schon ein Stück weit prekärer sein, wenn er meinte, dass auch Blut fließen könnte. Scheinbar besaß seine Schwester in dem Clan eine wichtige Position. Ihr würde keiner etwas tun. War sie eine Heilerin? Eine Seherin? Eine Hexe? Letztes schloss Asua aus. Doch neugierig war sie dennoch geworden. Learcan und Thorik hatten vereinbart, dass sie abwechselnd Nachtwache würden halten, und Thorik übernahm die erste Wache. Als Learcan, der immer und überall einschlafen konnte, eingeschlafen war und in Asuas Kopf die Gedanken immer noch ihre Runden zogen, schälte sie sich schließlich aus ihrem Nachtlager und gesellte sich zu Thorik ans Feuer. „Ich kann nicht schlafen“, meinte sie nach einer Weile des Schweigens. „Mir geht so viel im Kopf herum. Besonders seit heute. Du hattest wirklich Angst, als du gesehen hattest, was Lear getan hat, nicht wahr?“ Eine Weile schwieg sie, starrte in die Flammen und rückte etwas näher an das Feuer heran, doch dann sprach sie weiter. „Ich habe auch einen Bruder. Wir waren als Kinder getrennt worden und haben uns vor etwa einem Jahr wieder getroffen, völlig unerwartet. Dann verschwand er ebenso unerwartet wieder aus meinem Leben. Vor einigen Wochen überraschte er mich im Birkenhain. Doch er ist ein Bergelf, wie er im Buche steht. Und von Hass zerfressen. Ich habe nur eine geringe Ahnung was ihm alles wiederfahren ist im Leben, während mein Ziehvater Kadim mir das beste Leben ermöglicht hat, welches ein Waisenkind nur erfahren kann. Er hieß die Verbindung von Lear und mir nicht gut. Aber das war uns egal. Ich lud ihn zu unserer heimlichen Hochzeit ein, ich meine, er ist ja mein Bruder, und auch wenn er unsere Verbindung nicht guthieß, wollte ich ihn dabeihaben, ebenso wie ich nach Kadim schicken ließ. Wir verließen den Birkenhain und versprachen uns einander auf einer Anhöhe, unweit des Hains. Plötzlich kamen sie, Riâns Verfolger. Sie wollten ihn wohl umbringen. Doch am Schluss lebte Riân, doch Kadim war tot. Und ich schwerverletzt, ein verirrter Pfeil im Bauch. Lear und Riân legten ihre Differenzen beiseite und brachten mich zu einer Hexe in den Sümpfen. Im Nachhinein erfuhr ich, dass Riân sein Leben anbot um das meine und das meines Kindes zu retten. Ich weiß nicht, was sie getan hat, aber es hat mich und mein Kind gerettet. Trotzdem lebte Riân, obwohl er sein Leben gegeben hatte. Seitdem werde ich von Alpträumen verfolgt. Wie auch da, als wir diese Pize gegessen hatten. Die Hexe erschien mir und… ich weiß nicht… wahrscheinlich hältst du mich für verrückt, so wie Lear es sicherlich tut, denn er glaubt mir nicht, oder vielmehr glaubt er an keine Bedrohung… doch ich glaube, diese Angelegenheit ist noch nicht vorbei. Denn sie erscheint mir in meinen Träumen, legt ihre Hand auf meinen Bauch, und immer hallt derselbe Satz nach… ‚Ein Leben für ein anderes…‘ Es ist mir als ob sie sich betrogen fühlt… und ich habe große Angst. Angst um mein Leben, um das meines Kindes… um Lears… Wir haben schon so viel durchgestanden, und alles was ich will ist Ruhe und Frieden… und Sicherheit… ein festes Zuhause… stattdessen vagabundiere ich mit meinem Mann mitten im Winter durch die Lande. Er sagte mir, wie es sein würde. Doch wenn man jemanden liebt, schlägt man alles in den Wind, nicht wahr? Und man kann es sich niemals vorstellen, wie es sein wird. Man malt es sich niemals so schlimm aus. Ich fürchte diese Hexe, und ich weiß nicht, was ich dagegen tun kann… ich fürchte ich vor dem Schlaf… ich bin müde, so müde, aber wenn ich schlafe, dann träume ich von dieser Alten…“ Asua war selbst ein wenig überrascht, wie redselig sie geworden war. Doch irgendetwas sagte ihr, dass sie Thorik vertrauen konnte, und sie mehr Gehör finden würde, als bei Lear…

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Re: Meine Frau, der Wilde und ich

Beitrag von Learcan » Di, 19. Sep 2017 11:19

Er hatte Asua nicht mitnehmen wollen zu diesem besonderen Ort. Und das wäre wohl besser gewesen. Aber wenn Learcan eines nicht konnte, dann war es, mit Asua zu diskutieren oder ihr etwas auszureden, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte. Sie verstand es wie kein anderer, die irrwitzigsten Argumente vorzubringen, ihn mit seinen eigenen Worten zu schlagen oder –wenn all das noch nichts nützte- ihn mit diesem besonderen Blick anzusehen, bei dem er einfach immer schwach wurde. So hatte sie ihn auch dieses Mal überredet. Neugierig geworden wollte sie alles von ihm wissen über die heiligen Orte der Raéyun, über Geister und Opfergaben. Learcan versuchte sich an den nötigen Erklärungen, blieb dabei aber recht einsilbig. Ein Blick auf sie verriet ihm, dass sie nicht den nötigen Ernst, zumindest aber nicht das nötige Verständnis aufbrachte. „Brot und Käse als Opfergabe? Für Geister? Ist das dein Ernst? Meinst du nicht, wir sollten unsere Vorräte für uns aufsparen, als sie an Frost und Schnee zu verschwenden?“ fragte sie. Learcan schüttelte den Kopf und mahlte unbewusst mit den Kieferknochen. „Das ist ja der Sinn einer Opfergabe: Es muss ein echtes Opfer sein.“ Asua schien das nicht zu überzeugen. Learcan sah ihr an, dass noch viele weitere Anmerkungen hinter ihrer hübschen Stirn darauf warteten, ausgesprochen zu werden. Doch der Hinweis darauf, dass sie sich an einem Ort der Stille befanden, brachte sie zum Schweigen. Learcan grinste schwach. So ein Ort der Stille war hin und wieder keine schlechte Erfindung, fand der Raéyun. Er liebte Asua wirklich abgöttisch, aber es gab Momente, in denen er auch gerne allein war. Dies war so einer, denn er ahnte bereits, dass Asua nicht gefallen würde, was er vorhatte. Er sollte Recht behalten. Sie hielt tatsächlich nichts von Blutopfern. Als sie auf dem Rückweg waren, brachte sie ihren Unmut deutlich zum Ausdruck und ritt ein Stück voran. Learcan seufzte. Er bereute, dass er sie mitgenommen hatte. Es war seine Schuld, Asua war kein Vorwurf zu machen. Sie verstand es nicht, konnte es nicht verstehen. Nur ein Raéyun konnte das. Auf andere musste sein Opfer befremdlich wirken.

Allerdings hatte er nicht damit gerechnet, dass es auf Thorik ebenfalls diese verstörende Wirkung hatte. Ein Blick auf Learcans Arm genügte dem Wilden und er wusste, dass Learcan und Asua dort oben auf dem Berg nicht nur einen harmlosen Spaziergang gemacht hatten. „Blutzauber ist gefährlich Mann!“ zischte Thorik und hielt Learcan zur Verdeutlichung den Verband unter die Nase. „Völlig gleich, ob ein einfacher Wanderer ein paar Tropfen vergießt oder eine Hexe einen Fluch ausspricht. Damit geht man nicht leichtfertig um.“, knurrte der Wilde. „Erst recht nicht wenn deine Frau ein Kind unterm Herzen trägt.“ Learcan schnaubte und entzog sich Thoriks Griff. „Dafür habe ich es ja getan! Für sie und das Wohl unseres Kindes“, zischte Learcan ebenso leise zurück. „Das verstehst du nicht. Wir haben auch eine Hexe getroffen und ….“ Learcan machte eine wegwischende Handbewegung. Er hatte keine Lust, Thorik die ganze Geschichte zu erzählen. Zum einen, weil es noch zu frisch war und ihm die Sache sehr nah gegangen war. Die Angst Asua zu verlieren hatte ihm fast den Boden unter den Füßen weggezogen. Zum anderen weil er Thorik nicht beunruhigen wollte. Learcan war froh, dass der Wilde sie begleitete und wollte nicht Gefahr laufen, dass er sich aus welchem Grund auch immer von ihnen abwandte. „Ist ja auch egal, was genau vorgefallen ist“, wiegelte er ab. „ Jedenfalls hat die Alte Asua Angst eingejagt mit dem, was sie tat und sagte. Ich glaube nicht, dass uns eine Gefahr droht. Was zu tun war, ist erledigt. Aber um ganz sicher zu gehen….“ Learcan hob bedeutungsschwer die Brauen und zeigte auf seinen Arm. „Die Geister der Berge werden von den Raéyun von jeher verehrt. Ihre Macht ist stärker als jeder Zauber. Sie um Beistand zu bitten, kann nicht schaden. Ich würde jederzeit mehr als nur ein paar Tropfen Blut geben, wenn ich überzeugt wäre, dass es meine Familie schützt. Vor wem oder was auch immer.“ Mehr gab es dazu nicht zu sagen. Mit entschlossenem Gesichtsausdruck stapfte Learcan davon. Er verstand die ganze Aufregung nicht. Für ihn war dies kein befremdlicher Ort, sondern ein Ort alter Traditionen und somit ein guter Ort. Es kam eben auf den Standpunkt des Betrachters an.

Je weiter sie ritten, desto mehr geriet die Sache in Vergessenheit und die Stimmung erhellte sich wieder. Das Wetter tat sein Übriges dazu. Die Sonne schien, die Luft war klar und sie kamen gut voran. Sie hätten sogar fast einen dieser hühnerartigen wilden Vögel erlegt, die es in dieser Gegend gab, wenn er ihnen nicht noch im letzten Moment entwischt wäre. Wieder einmal wünschte sich Learcan, er hätte seinen Bogen noch. Er war zwar kein Meisterschütze, aber für diese Zwecke wäre es ausreichend. Zum wiederholten Mal nahm er sich vor, sich bei er nächsten Gelegenheit, die sich dafür bot, einen Bogen zu besorgen.

Am Abend, als sie gemeinsam am Feuer saßen, nutzte Thorik die Gelegenheit, sie vor seiner Familie zu warnen. Learcan ließ das unbeeindruckt. Daher zuckte er nur mit den Schultern. Wie schlimm konnte das schon sein? In manchen Sippen ging es eben rauer zu. Ein Bruderzwist war nichts Ungewöhnliches und nichts, was ihm Angst machte. Wenn man mit fahrendem Volk unterwegs war und an viele Orte gereist war wie Learcan, hatte man schon so einiges mitbekommen. Learcan hatte die Erfahrung gemacht, dass man sich dann am besten zurück hielt und sich in die Familienangelegenheiten anderer nicht groß einmischte. „Dann wollen wir mal hoffen, dass es nicht nötig sein wird, bei deiner Schwester Schutz zu suchen“, sagte Learcan gut gelaunt und prostete Thorik zu. Er kannte ja Thoriks Schwester nicht, aber er hielt es doch für einen Scherz, dass sie für ihre Sicherheit sorgen konnte. Learcan war zwar kein Held oder großer Krieger, aber doch ein gestandener Mann, der mit dem Schwert umgehen konnte. Er konnte sich nicht vorstellen, dass es nötig sein würde, hinter den Röcken einer Frau Zuflucht zu suchen. Einen Moment schaute er Thorik nachdenklich an und stellte sich dessen Schwester als ein Ebenbild Thoriks vor. Lediglich ohne Bart und mit Brüsten. Quasi ein Thorik in Frauenkleidern. Ein verstörendes Bild, das Learcan sofort wieder aus seinem Kopf zu vertreiben versuchte.
Sie saßen noch eine Zeitlang plaudernd zusammen am Feuer, dann bereiteten sie ihr Nachtlager. Weil sie abwechselnd Wache hielten und die Nächte kurz waren, schlief Learcan sofort ein.

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Re: Meine Frau, der Wilde und ich

Beitrag von Thorik » Mi, 18. Okt 2017 20:24

Ein Leben für ein Anderes. Diese Drohung ausgesprochen von einer Hexe, jagte Thorik einen wahren Schauer über den Rücken. Thorik gab sich immer furchtlos, behauptete, er habe vor nichts von niemanden Angst, aber bei Hexerei stieß diese Scharade an ihre Grenzen, hier konnte Thorik seine Angst nicht verbergen – es war einfach etwas Urmenschliches. Und Blutzauber war dabei noch etwas ganz anderes. Eine Weile schwieg er, während er sich seine Gedanken machte. „Ich weiß nicht was du tun kannst.“, begann Thorik und setze sich auf, um näher am Feuer zu sein und Asua zu zeigen, dass er die Sache ernst nahm. „Ich verstehe deine Furcht, aber ich weiß nicht wie ich sie dir nehmen kann. Hexenwerk übersteigt alles was ich weiß und jagt mir mehr Angst ein als sonst was.“ Lustlos stocherte der Wilde im Feuer herum und bedachte Asua mit einem warmen Lächeln. „Aber ich halte dich nicht für verrückt, wenn du mich nicht für verrückt hältst. Immerhin hat mir mein toter Großvater gesagt, mein eigener Bruder habe unseren Vater vergiftet – zumindest glaube ich, dass das die Botschaft war. Mir haben sie gesagt mein Vater sei an einer Wunde gestorben, die er sich bei der Jagd zugezogen hat.“ Da er das ganze einmal laut aussprach, konnte er sich gut vorstellen, wie verrückt das klingen musste. Hätte er es nicht selbst erlebt und mit eigenen Augen gesehen, würde er einen wie sich für einen Irren halten und abwegig mit der Hand abwinken, statt ihn ernst zunehmen. Aber niemand von ihnen verstand die Geister, selbst Learcan nicht, selbst wenn er das Ganze als normal abtat. Thorik verurteilte ihn nicht wegen seiner Traditionen, jedes Menschenvolk konnte dem anderen fremd sein, sondern weil Learcan für Thorik zu leichtfertig damit umging. Thorik wusste, dass das vielleicht gar nicht so war, aber er hatte die Auswirkungen gespürt, hatte die Tiere gesehen. „Er hat auch versucht mich zu töten, weißt du...“, gab Thorik nach einem langen Moment des Schweigens zu seiner eigenen Überraschung von sich. „Ich lag bereits verwundet am Boden und er nutzte das aus, um mir ein Schwert in den Bauch zu rammen. Dafür bringe ich ihn um, deshalb habe ich ein schlechtes Gewissen euch mitzunehmen. Am Ende habt ihr noch Angst vor mir.“ Thorik lachte bitter. Er glaubte kaum, dass die Beiden plötzlich vor Angst zitternd vor ihm zurückwichen, aber allein die Möglichkeit beunruhigte ihn. Grade erst hatte er jemanden gefunden, der ihn nicht sofort verurteilte und nun drohte dieses Gespann zu zerbrechen, nur weil er seinen Willen heimlich hatte durchsetzen wollen. Thorik lehnte sich wieder zurück und machte es sich gerade so bequem, als dass er nicht so leicht einschlief. „Vielleicht zählt das Leben meines Bruders, für das deines Kindes.“, meinte er traurig, denn er glaubte nicht, dass dies so einfach sein konnte. So hätte sein Bruder immerhin ein Leben gerettet und einen Teil seiner Schuld getilgt. „Vielleicht kann dir meine Schwester helfen. Sie ist zwar keine Hexe, kommt dem aber sehr nahe.“, meinte er mit einem Augenzwinkern. Seine Schwester war Heilerin, vielleicht konnte sie auch Asua von ihren Sorgen und Ängsten heilen. Oder ihr zumindest Mut machen, von Frau zu Frau.

Das Wetter hielt sich und sie kamen gut voran. Davon abgesehen, dass der Boden gefroren war und hier und da ein wenig Schnee lag, schwitzte Thorik unter seinem Mantel stark und er konnte nicht sagen, ob es an der Sonne im Rücken oder seiner Heimat vor ihm lag. Kaum dass die drei Reisenden in Sichtweite kamen, huschten die Bauern von ihren Feldern. Die vorerst letzte Kontrolle der Wintersaat, meistens irgendwelche Rüben, wurde auf den nächsten Tag verschoben, denn wer außer ein paar Vagabunden zog bei diesem Wetter schon umher? Die Sonne schien hell am Himmel und ließ den Schnee zu ihren Füßen glitzern, was Thorik auf die Nerven ging. Man konnte nicht nach unten sehen ohne geblendet zu werden, konnte nicht sehen, wohin man lief und Thorik war deshalb bereits zwei Mal gestolpert. Die Bauern waren in ihre Hütten verschwunden oder hatte die Ausläufe von Thoriks Heimat erreicht. Als er noch ein Kind gewesen war, hatte der Wald bis weit in des Osten, beinahe bis zum Chabur gereicht, doch war in den letzten Jahren durch Brände im Sommer und gnadenlose Rodung ob des Ackerlandes wegen lichter geworden oder gar ganz verschwunden. Ackerland! Zu keiner Zeit, seit der erste Mensch einen Fuß auf dieses Land setzte, waren Thoriks Leute Bauern gewesen. Jäger, Krieger, Plünderer – ja, aber niemals Bauern oder Hirten.Doch seit sein Bruder ihres Vaters Posten inne hatte, siedelten hier Fremde aus dem Osten, nahmen sich Frauen aus den Wilden Landen und zeugten Bastarde. Selbst seine eigene Schwester hatte zwei Kinder von einem sogenannten Ritter aus dem Osten. Eigentlich hatte Thorik nichts gegen andere Völker, solange sie das seine in Frieden ließen. Aber hier, hier hatte sich etwas vermischt, was sich nicht hätte vermischen sollen. Als nächstes lud sein Bruder noch die spitzohrigen Elfen aus den südlichen Wäldern ein. Thoriks Blick huschte zu Asua und Learcan – das war etwas anderes.
Als sie den Waldrand erreichten, konnten sie bereits einen breiten Pfad erkennen, der hinauf in den Wald führte. Das letzte Mal als Thorik hier gewesen war, hatte man damit begonnen einen hölzernen Wall aufzubauen und er fragte sich, ob sie ihn bereits fertiggestellt hatten. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Das Dorf war umgeben von einem Wall aus hüfthoher, fester Erde, die mit hölzernen Pfählen gespickt war und über einem kleinen Graben aufragte. Man konnte hinüber erklettern, wenn man genug Zeit hatte und nicht entdeckt wurde. Dort wo der Wald dem breiten Pfad wich, hatten sich vereinzelt Steine in die Erde verirrt und ein großes Holzgebilde deutete einen Torbogen an. Die Tatsache dass ein Tor fehlte, ließ das Alles wie den armseligen Versuch wirken, ein Dorf aus dem Osten nachzuahmen. Auch dass die Wache sie ohne weiteres passieren ließ, weil sie bloß Thorik überrascht anstarrte, tat sein übriges. Der Wilde kannte den Mann, er war einer der Siedler, die vor einigen Jahren hierher gekommen waren, aber Thorik hatte den Namen vergessen. Von jenen Männern und Frauen die er seit Kindertagen kannte, waren kaum noch welche im Dorf anzutreffen. Nahe an der Mauer hatten ein paar Häuser ein steinernes Fundament oder gar ganze Häuserseiten waren mit Lehm verputzt. Dort lebten jene, die erst hierher gekommen waren, nachdem sie Thoriks Bruder eingeladen hatte, doch je weiter sie ins Dorfinnere vordrangen, desto mehr Häuser waren bloß flache Gebilde aus Holz, die Thorik wiedererkannte. Dort sah er das Gespenst der alten Orna, wie sie Tag für Tag an ihrem Spinnrad gesessen hatte und Tücher gewebt hatte, dort Gunnar und Gunnir, die beiden Brüder, die sich stets über alles gestritten und geprügelt hatten. Thorik war wieder zuhause und das Gefühl, das ihn durchströmte, war einfach unbeschreiblich und überwältigte ihn einfach.Je weiter sie in den dunklen Wald vordrangen, desto vertrauter wurde ihm alles, bis sie schließlich vor dem Prachtstück der Siedlung standen. Das Langhaus des Dorfoberhauptes. Beinahe stieg ihm der Gestank des Fisches in die Nase, den sein Bruder und er einmal dort unterm Dachfirst versteckt hatten. Monate hatte er vor sich hin gefault und ganz egal wie oft ihr Vater sie geschlagen hatte, sie hatten stets behauptet, nichts darüber zu wissen. Das war wohl das einzige Mal, dass die beiden Brüder zueinander gestanden hatten. Da standen sie nun vor dem wichtigsten Haus des Dorfes. Die Türflügel und die Pforte waren über und über mit Schnitzereien versehen in denen sich die Generationen des Dorfes verewigt hatten. Direkt über der Tür zierten machtvolle Runen den Balken, um diejenigen zu Schützen die hier Zuflucht suchten und jene, ob Geister oder Lebende, die Böses im Schilde führten zu vertreiben. Wie oft hatten sie sich hier versteckt, wenn sie mal wieder den Zorn ihres Vaters gefürchtet hatten. Die Runen hatten ihn nie aufgehalten, weshalb sie ihre Abreibungen wohl stets zurecht erhalten hatten. Thorik sah sich um. Es war bestimmt das halbe Dorf hier versammelt, um die Neuankömmlinge zu beäugen. Kaum einer war unter Waffen hierher gekommen und wenn doch, hing die Axt lässig im Gürtel oder sie stützten sich gelangweilt auf ihre Speere. Diejenigen die Thorik wiedererkannten, machten hastig ein Abwehrzeichen um böse Geister abzuwehren und manche Frau scheuchte ihre Kinder wieder ins Haus oder fort, Hauptsache weg von ihm. Bloß die Schildwachen seines Bruders hatten ihre Hände an ihren wertvollen Schwertern. Thorik zählte von ihnen ein halbes Dutzend. Zwei bewachten die Tür, der Rest war nach und nach hinzu gekrochen gekommen. Der Wilde hatte seine Äxte bei den Pferden gelassen, die sie hinter sich her führten, denn er hatte nicht sofort einen Streit mit den Männern seines Bruders vom Zaun brechen wollen. Und ganz gewiss würde er nicht betteln um eingelassen zu werden. Einer dieser Köter hatte bestimmt schon gemeldet, dass ein Geist vor der Pforte wartete und tatsächlich, nach wenigen Momenten schwang ein Flügel nach ihnen und Thoriks Schwester kam heraus. Sie sah ihrer Mutter sehr Ähnlich, fand Thorik. Sie hatte die gleichen hellen Locken, auch wie sie ihn mit großen, grauen Augen anstarrte und zögerte ihn zu begrüßen, als fürchtete sie, er wäre ein Geist der verschwinden würde, wenn sie seinen Namen nannte.
„Gida.“, begrüßte Thorik sie und brach damit den Bann, der sich über sie gelegt hatte. Mit einem Schluchzen fiel sie ihm, wie damals schon, um den Hals und heulte ihm Ohr und Mantel voll. Irgendwann hörte das Schluchzen auf und sie begann zu lachen. Sanft aber bestimmt löste er sich von ihr. „Du lahmer Esel.“, lachte sie und wischte sich die Freudentränen fort. „Was hat da so lange gedauert?“ Thorik grinste sie an und wischte sich demonstrativ das Ohr ab und schmierte es ihr an Kleid. „Tut mir leid, was hast du gesagt?“ Sie knuffte ihm gegen die Schulter und bemerkte nun, dass Thorik nicht alleine gekommen war. Ihr Blick blieb auf Asua haften. „Sie ist ja -“, begann sie, doch Thorik unterbrach sie. „Eine Elfe aus den Bergen, ja. Und das ist ihr Mann. Learcan und Asua,“, wandte er sich um und deutete auf seine Schwester, „das hier ist meine Schwester Gida.“ Gida lächelte die Beiden an und schnippte dem Wilden gegen sein Ohr. „Ich wollte sagen, sie trägt ja ein Kind unterm Herzen, du Holzkopf.“ Wiedermal war Thorik von der Offenheit seiner Schwester überrascht, sie waren eindeutig vom gleichen Blute, das konnte man nicht bestreiten. In gewisser Weise waren auch die Entscheidungen ihres Bruders von Offenheit geprägt gewesen. Bei dem Gedanken an seinen Bruder, verfinsterte sich Thoriks Miene wieder. Er legte seiner Schwester die Hand auf die Schulter. „Ist er drinnen?“ Sie legte ihm beschwichtigend die Hand auf die Brust. „Sei nicht wütend. Er hätte dich ebenso begrüßt, hätte er gekonnt.“

Thorik stieß die Tür auf und sah, dass die große Halle leer stand. Weiter hinten hörte er eine weibliche Stimme und Kindergeschrei, dort wo sein Bruder seine Schlafstätte hatte. Ein Feuer brannte in der Feuerstelle, doch die Bänke darum herum waren verlassen. Sein Bruder selbst saß auf seinem Thron, zur Linken des Eingangs, auf einem erhöhten Podest, von wo aus er Recht sprach und sich ehren ließ. Doch der Mann der da saß, ähnelte kaum noch seinem Bruder. Wo sein Bruder vor einem Jahr noch nach dem Vorbild der Zivilisierten glatt Rasiert war, spross nun ein zerzauster, dunkler Bart. Die dunklen Augen blutunterlaufen und eingefallen, das Gesicht hager, die Gestalt zusammengesunken und krumm. Ein Schatten seiner selbst. Thorik war entsetzt. Wochenlang hatte er sich ausgemalt wie er seinen Bruder im Kampf erschlagen würde, aber das wäre Mord! Mord an diesem etwas in Gestalt seines Bruders. Vorsichtig trat Thorik näher und hockte sich vor ihn hin. Sein Bruder stank nach Schweiß und saurem Wein. Der Wilde packte seinen Bruder am Kiefer und zwang ihn, ihn anzusehen. Sein Bruder lächelte ihn schwach an. „Thorik.“, wisperte er. „Schön dich sehen.“ „Lügner.“, knurrte Thorik uns ließ ihn los. Sein Bruder fing an leise zu lachen, was in einem Hustenanfall endete. „Ich versteh dich.“, meinte er außer Atem. „Ich würde mir auch nicht glauben.“ „Du wolltest mich umbringen.“, zischte Thorik und bohrte ihm den Finger in die Brust. „Wissen es die anderen schon?“ Thorik lächelte grimmig, aber sein Bruder blieb entspannt. „Ja.“, antwortete er trocken. „Und sie wissen weshalb ich tat, was ich tat.“ „Und weshalb!“, herrschte Thorik ihn an. „Um dich zu retten.“ Thorik konnte nicht an sich halten. Mit einem Mal packte er seinen Bruder bei der Kehle und riss ihn in die Höhe. „Mich retten?“, donnerte er so laut, dass wohl die Bauern auf den Feldern wieder in ihre Hütten flohen. Sein Bruder versuchte seinen Griff etwas zu lockern, um besser Luft zu bekommen, aber Thorik presste bloß noch fester zu. „Der große Thorik Talwesson, der Grauwolf, größter Krieger unseres Dorfes, getötet von einem Pferd?“, presste sein Bruder röchelt hervor. „Darüber hätte man keine Lieder gesungen. Dann doch lieber durch die Hand des eigenen Bruders. Vater hätte es verstanden!“ „Wage es nicht von Vater zu sprechen!“, knurrte Thorik. „Hör auf Thorik!“, schimpfte seine Schwester und fiel ihm in den Arm. Ihr Bruder fiel auf die Knie und lechzte nach Luft. Gida half ihm wieder in seinen Thron, der kaum mehr war, als ein reich mit Schnitzereien verzierter Stuhl, mit hoher Lehne. Nachdem sein Bruder wieder zu Atem gekommen war, fuhr er fort. „Ich habe gewusst, dass du kommst Bruder. Seit Tagen habe ich den selben Traum, dass ein grauer Wolf unsere Wälder durchstreift. Ich hab bloß nicht gewusst, dass er bereits ein Rudel gefunden hat.“ Er blickte an Thorik vorbei und winkte Asua und Learcan näher, wie ein hoher Fürst, der Gäste empfing. „Mein Name ist Thorjen und ich bin, wie ihr sicher schon gemerkt habt Thoriks kleiner Bruder.“ Sein Bruder fing an zu husten und musste einen Augenblick schwer atmen. Sein Atem ging rasselnd. „Ich heiße euch in unserem Dorf und in meinem Haus willkommen. Seid meine Gäste und seid Teil des Festes, das wir zur Rückkehr meines Bruders feiern.“ „Was für ein Fest?“, fragte Thorik misstrauisch. „Das, dass wir jetzt in aller Eile ausrichten werden.“, mischte sich Gida ein. „Ich und die anderen Frauen werden schon etwas kochen, dass dir zusagt Bruderherz. Kommt, ich zeige euch wo ihr euch einrichten könnt.“ Thorik rührte sich nicht vom Fleck. „Ich schlafe in unserer Hütte.“ „Die gibt es nicht mehr.“, antwortete Gida traurig. „Ich habe sie abgebrannt.“, warf sein Bruder ein. „Zu viel Schmerz war mit ihr verbunden. Aber hier ist genug Platz für euch alle.“ Thorik glaubte nicht recht, was er soeben gehört hatte. Niedergeschlagen folgte er seiner Schwester. Hinter ein paar Bahnen Stoff verbargen sich die Wohn- und Gästequartiere. Learcan und Asua bezogen ihr eigenes Quartier und Thorik wurde separat untergebracht. Das war ihm nur recht. Wenigstens konnten sie sich so noch einmal ausruhen, bevor am Abend dieses Fest aus falschen Gründen gefeiert wurde. Thorik glaubte seinem Bruder nicht, auch wenn er es gern würde.
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Re: Meine Frau, der Wilde und ich

Beitrag von Asua » Di, 02. Okt 2018 12:46

Während sie weiter gen Thoriks Dorf ritten, beschäftigten Asua eine Vielzahl von Gedanken, die dafür sorgten, dass die Zeit im Nu verflog. Gedanken an das Gespräch, das sie und Thorik am Lagerfeuer geführt hatten. Sie hatte ihm erzählt was sie beschäftigte und was sie befürchtete. Und den Sieben wars gedankt, hatte er sie Ernst genommen, sie nicht für verrückt gehalten und ihr sogar einen Vertrauensbeweis entgegengebracht indem er ihr wiederum Dinge erzählt hatte, wofür manche ihn als Verrückten abstempeln würden. Die Sonne schien hell und klar und der Schnee reflektierte das Licht, sodass Asua die Augen zusammenkniff, um diese vor dem unangenehmen Licht zu schützen. Kein Lüftchen wehte, was den Ritt sehr angenehm machte, wenn Asuas Hintern nicht schmerzen würde von dem ungewohnten und vor allem langen Ritt. Sie verlor kein Wort darüber, dass sie sich nicht wohl fühlte und biss die Zähne zusammen, denn sie wollte weder Learcan beunruhigen, noch die Reise durch eine weitere Pause verzögern. Man konnte beinahe meinen, dass der Winter bereits im Sterben lag, doch dies war nicht der Fall, es war lediglich ein letztes Aufbäumen der Milde, bevor die Strenge und Kälte des Winters die Zügel in die Hand nehmen, und das Land hart durchpeitschen würde. Thorik hatte gesagt, er wolle seinen Bruder umbringen, der wiederum ihn hatte umbringen wollen, und der, wenn man seinem Hirngespinst glauben wollte sogar den eigenen Vater durch Gift auf dem Gewissen hatte. Ein wenig mulmig war Asua schon zumute. Thorik fürchtete sie nicht. Natürlich konnte man sich in einem Menschen oder Elfen täuschen, zumal sie ihn kaum kannten, aber ihr Bauchgefühl sagte Asua, dass von diesem Menschen keine Gefahr drohte. Dass er seinem Bruder vergelten wollte, was dieser ihm und deren Vater angetan hatte, war durchaus nachvollziehbar, doch die Bergelfe befürchtete, möglicherweise zwischen die Fronten eines Zwists zu gelangen, mit dem sie nichts zu tun hatte und auch nicht wollte. Zumal ein Bruderzwist eine heikle Angelegenheit war. Trotz allem waren sie ein Blut. Für Asua war es unvorstellbar, dass Blut nicht dicker als Wasser war. Auch wenn sie mit ihrem Bruder Differenzen gehabt hatte wegen Learcan. Er war ihr Bruder und obwohl sie ein Leben lang getrennt waren und sich letztendlich nicht verstanden hatten, sie hätte ihre Hand ins Feuer gelegt dafür, dass er ihr nichts hätte antun können. Tief in seinem Inneren liebte er seine Schwester, das fühlte Asua. Und auch, wenn er sich absolut unpassend benommen hatte, sein Herz erkaltet war, und sie ihn nicht recht leiden konnte, so wusste sie, dass sie Rian tief in ihrem Inneren, wider allen Umständen, auch liebte. In jenem Augenblick, da sie über ihn nachdachte, tat es ihr leid, dass sie ihn weggeschickt hatte. Sie war die einzige nahe Verwandte, als Zwillingsschwester mit Sicherheit sogar die engste, die er hatte, und sie war so herzlos gewesen und hatte ihm einfach gesagt dass es besser wäre, wenn sich ihre Wege trennen würden. Vielleicht begegneten die beiden sich in einem anderen Leben wieder, wo ihnen die Gelegenheit vergönnt war, ein besseres Leben als Geschwister zu führen. Zumindest hatte Thorik ihr nahegelegt, dass sie bei seiner Schwester in Sicherheit waren, und dass seine Schwester wohl auch so etwas war, was einer Hexe sehr nahe kam. Asuas Blick wanderte zu Learcan hinüber. Ihm vertraute sie blind. Er würde nicht zulassen, dass ihr oder dem Ungeborenen ein Schaden zugefügt würde. Als hätte er ihre Sorgen gespürt, wandte er plötzlich den Kopf zu ihr und sah sie an, und Asua fühlte sich mit einem Mal ertappt. Hatte er seine raéyunsche Gabe benutzt und in ihren Gefühlen gelesen? Sie konnte sich dessen nie sicher sein. Auch, wenn er beschwor, seine Gabe kaum, und bei ihr schon gar nicht, zu nutzen, so wurde die Elfe das Gefühl nicht los, dass das so nicht ganz stimmte. Vielleicht mochte er in diesem Augenblick da sich ihre Blicke begegnet waren, auch diese Unsicherheit lesen können. Aber unabhängig davon, was sie fühlte, sie schenkte ihm ein sorgloses und warmes Lächeln und blickte dann nach vorne, als Thorik ihnen im selben Moment zurief, dass sie seinen Clan erreicht hatten.

Doch Thoriks Schwester sah alles andere als wie eine Hexe aus. Jedenfalls wie die Hexen, wie Asua sie sich ausmalte, wie es das unheimliche Waldweib war, oder wie man derartige Menschenweiber beschrieb, die in Geschichten, die das Elfenvolk sich erzählte, auftauchten. Gida, so wurde sie ihnen vorgestellt, war nichts von alledem, sie wirkte wie eine normale Frau, und sie wirkte auch sehr freundlich, neugierig und offen, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Nach einigem Geplänkel zwischen Bruder und Schwester erkundigte sich Thorik nach seinem Bruder. Jenen, den er zu ermorden gedachte. Als Gida ihm erklärte, wo er seinen Bruder finden würde, ging er sofort und entschlossenen Schrittes in die Halle, und Asua und Learcan folgten ihm. Die Bergelfe hatte aufgrund von Thoriks Erzählungen schon eine vage Vorstellung des Bruders, doch die beschreibung wurde dem tatsächlichen Erscheinungsbild nicht gerecht. Auf dem Thron saß ein Mann, der nicht so alt war, wie er aussah. Ein kränklicher Mann, ein Schatten seiner selbst. Thorik war die Bestürzung die er empfand regelrecht anzusehen. Ein Disput zwischen den Brüdern folgte, was Asua beschämte. Sie wünschte sich, sie wäre Thorik nicht gefolgt sondern hätte vor der Halle gewartet, bis die beiden ihre Meinungsverschiedenheiten geklärt und sie schließlich hereingebeten hätten. Doch nun war es zu spät und Asua und Lear mussten warten, bis die Diskussion beendet war. Schließlich blickte Thorjen an seinem Bruder vorbei und sprach die beiden an. “Mein Name ist Thorjen und ich bin, wie ihr sicher schon gemerkt habt Thoriks kleiner Bruder.“ Er unterbrach sich, hustete, atmete schwer und rasselnd. „Ich heiße euch in unserem Dorf und in meinem Haus willkommen. Seid meine Gäste und seid Teil des Festes, das wir zur Rückkehr meines Bruders feiern.” Noch bevor Asua oder Learcan etwas erwidern konnten, hatte Thorik schon wieder das Wort an sich gerissen, und erneut gab es einen kurzen Disput. Asua war froh, als ihnen schließlich ein Gästequartier zugewiesen wurde. Die Ankunft hier war nicht gerade rosig gewesen, und die Bergelfe war müde und erschöpft von dem langen Ritt. Auf ein rauschendes Fest hatte sie überhaupt keine Lust mehr. Ein kleiner Platz, abgetrennt von allen anderen Schlafplätzen mit einigen Stoffbahnen sollte nun ihr Gästebereich sein, und Asua setzte sich sogleich auf die niedrige Schlafstatt. Sie konnte und wollte auch nicht mehr vor Learcan verbergen, dass sie müde und erschöpft war. Die Tatsache, heute noch eine Fest beiwohnen zu müssen, versetzte sie nicht gerade in Hochstimmung. Sie legte die Hand auf ihren Bauch. Er war in letzter Zeit beträchtlich gewachsen, das war ihr erst so richtig bewusst, weil Gida, Thoriks Schwester ihr die Schwangerschaft sofort angesehen hatte. Asua war nicht einmal bewusst, wie viel Zeit vergangen war während ihrer Reise, sie war sich nicht sicher, welcher Mond gerade herrschte, sie wusste nur, es war anfangs Winter, es war bitterkalt, und es würde hier im Norden noch viel kälter werden. Kälte machte ihr nicht so viel aus, da sie es aus den Bergen gewohnt war, aber da hatte sie auch nie beschwerliche Reisen auf sich genommen, und sie war auch nie mit einem Kind hernieder gegangen. Sie fragte sich jetzt schon, wie lange sie hier in Thoriks Clan bleiben würden. Asua nahm den Wollmantel von ihren Schultern und legte ihn am Fußende ihres Bettes. Sie fand, dass ein Bad jetzt genau das wäre, was sie bräuchte, aber darauf durfte sie nicht hoffen. Wenn man es ihr anbot, dann natürlich, aber niemals würde sie die Gastfreundschaft von Fremden auf eine solche Geduldsprobe stellen, dass sie nach einem Bad fragen würde. Asua blickte zu Learcan auf, der eben seine Habseligkeiten abschulterte und abgürtete, die er an sich trug. “Es ist hier ganz anders, als ich erwartet hatte… als Thorik erzählt hatte” meinte sie im Flüsterton. “Thoriks Bruder macht eigentlich einen ordentlichen Eindruck, ich hatte ganz andere Bilder im Kopf” Sie erhob sich schließlich und trat an Lear heran, umschloss seine Hüften und zog ihn zu sich heran. Dann blickte sie an sich herunter. “Siehst du, wie groß mein Bauch mittlerweile geworden ist? Ich kann mich gar nicht mehr ganz an dich anschmiegen” grinste sie. “Ich denke, das ist doch ein gutes Zeichen, oder nicht? Das Kind scheint kräftig zu sein und zu wachsen…” Hinter dem Vorhang, der ihnen in dieser großen Halle ein wenig Privatsphäre gewährte, hörte man Geschirrgeklapper und Gida, die in die Hände klatschte, Hörige umher scheuchte, befehle und Anweisungen gab, hier schimpfte, dort fluchte, und nach einiger Zeit steckte sie ihren Kopf zwischen den Stoffbahnen durch. “Verzeiht, ich störe nur ungern” lächelte sie fröhlich und mit roten Backen. “Aber ich habe euch etwas gebracht, zum Aufwärmen.” Sie hielt zwei irdene Becher in den Händen und reichte sie Asua und Lear. Eine dampfende rote Flüssigkeit war darin. Asua bedankte sich und nippte an den Gebräu, und es gelang ihr nur mit sehr viel Mühe, das Gesicht nicht zu verziehen, während Gida sie mit in die Hüften gestemmten Händen beobachtete. Als sie Asuas Miene bemerkte, lachte sie. “Areskerbeerenwein” erklärte sie. “Den gibt es nur in den Wilden Landen. Fremde reagieren immer so darauf, aber keine Sorge, ihr gewöhnt Euch schon daran. Und in drei Tagen werdet ihr nach Areskerbeerenwein bitten… Ist immer dasselbe… Er ist sehr gesund und verleiht Kräfte. Darum sind wir Wilden auch alle so groß und stark” zwinkerte sie schelmisch, und verschwand dann sogleich wieder. Asua nahm einen erneuten Schluck von dem Getränk, und fand, dass der zweite Schluck nicht mehr so grässlich war, wie noch der erste. Sie beobachtete Learcan, während sie sich die Hände an dem Tonbecher wärmte. Die Zukunft war so ungewiss. Wo würde ihr Kind geboren werden, wo würde es aufwachsen, wo würden sie leben? Und sie musste zugeben, dass in diesen kurzen Willkommensmomenten, sie die Wilden schon mehr ins Herz geschlossen hatte, als es während dem gesamten Aufenthalt bei den Raéyun gewesen war. Doch das würde sie Learcan niemals sagen. Sie wollte ihn nicht vor den Kopf stoßen, beleidigen oder gar verletzen.

“...und so lasst uns die Becher heben, auf Thoriks Wiederkehr! Sei willkommen zurück, Thorik Talwesson! Und auch unseren Gästen, die du mitgebracht hast. Mögen die Alten diesen Abend segnen! Allvoll!” rief Hrut, der zur Rechten Thorjens saß, und ihm wohl als Sprachrohr diente, da Thorjen augenscheinlich nicht in der körperlichen Verfassung war, die Rede selbst zu halten. Die Halle war brechend voll, an den langen Tischen saßen dicht an dicht jede Menge Wilde, Männer und Frauen, und als Hrut ‘Allvoll’ rief, da hoben alle in einem gewaltigen einstimmigen “Allvoll!” die Becher und man musste wirklich aufpassen, von dem Bier nicht nass zu werden der über die Becherränder schwappte. Der köstliche Duft von gebratenen Wildschwein und Hirsch zog durch die Halle, und zwischen den Bänken liefen emsig Hörige umher, die eine Menge an Schüsseln mit einfachen Speisen wie Getreidebreie, Sauerkraut und anderen Eintöpfen brachten und auf den Tischen platzierte. Einige er Hörige kamen überhaupt nicht nach, unter lauten Forderungen mehr Bier zu bringen, so durstig und trinklustig schienen die Männer zu sein. Die Halle war erfüllt mit Lachen, übermütigem Gebrüll, aber auch der eine oder andere harmlose Streit lag in der Luft. Asua und Lear saßen nebst Thorik und Gida in der Nähe von Thorjens Platz, als Spielleute erschienen und begannen, aufzuspielen. Dies steigerte die Stimmung in der Halle umso mehr. Viele Männer und auch Frauen sangen mit, derbe und zotige Lieder, die für allgemeine Begeisterung, Gelächter und Hochstimmung sorgten. Plötzlich wurde Asua von einem Wilden von der Bank auf die Beine gezogen und er hob sie über die Bank und zog sie an sich heran. “Komm her, du schwarzhaarige Schönheit, ich will mit dir tanzen!” brüllte er ausgelassen. Asua erschrak, und es war Gida, die sie errettete, als sie sich erhob. “Lass sie in Ruhe, Björn!” sagte sie ruhig. “Sie ist verheiratet…” nickte sie zu Learcan “Sie trägt ein Kind unter ihrem Herzen…” deutete sie auf Asuas Leib, “... und sie hatte eine anstrengende Reise hinter sich!” Björn blickte verduzt von Asua, zu Learcan und Gida, dann warf er den Kopf in den Nacken und fiel in ein brüllendes Gelächter ein. Er ließ Asua los, und klopfte Lear mit seinen kräftigen Pranken auf die Schulter. “Nichts für ungut, ich wusste das nicht. Wir setzen uns nachher zusammen an die Feuerstelle und dann erzählst du mir eine Geschichte, denn du siehst aus wie einer, der gute Geschichten zu erzählen weiß!” Dann packte er Gida und wirbelte sie herum. “Tanz mit mir, Gida!”

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