Ein tollkühner Plan

Die zwei vor Jahrhunderten in Kleinkönigreiche zerfallenen Nordreiche östlich der Wilden Lande.
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Re: Ein tollkühner Plan

Beitrag von Degan » Sa, 24. Mär 2012 16:11

Seine Bemühungen um eine friedliche Verständigung zwischen den einzelnen Parteien war nicht von Erfolg gekrönt, ganz im Gegenteil der Wortführer der beiden Söldner verschärfte nochmal seine Mordanklage. Kurz schwankte Degans Entschluss zu helfen, was wenn er wirklich zwei Mördern half? Aber dann besann er sich wieder seiner Prinzipien, egal was sie getan hatten, sie verdienten eine ordentliche Anhörung und keine willkürliche Hinrichtung am Wegesrand. Falls sie überhaupt schuldig waren, er hatte keinen Grund den beiden Aggressoren auch nur ein Wort zu glauben, auch wenn sie behaupten, dass einer dabei gewesen wäre. Jemanden auf offener Straße zu überfallen wirkte sich nicht gerade gut auf eine Glaubwürdigkeit aus. Aber Degan konnte immer noch nichts tun. Hilflos musste er mit ansehen wie sich die beiden Armbrüste keinen Meter von ihnen weg bewegte, stattdessen die Schwarzhaarige ihr gebogenes Schwert und ihren Dolch ins Gras warf. Den warnenden Blick des Söldners konterte er mit Offenheit, er hatte nicht vor jemand anderen mit einer unbedachten Handlung zu gefährden. Zumindest nicht solange immer noch die Armbrüste im Spiel waren.

Irgendwie müssten sie sich entwaffnen lassen…
Aber wie er das anstellen sollte wusste er nicht so genau, vorerst ließ sich die Kämpferin Richtung Unterholz abführen. Was die Söldner darin mit ihr machen würden konnte sich der Heiler schon denken und dabei sträubten sich ihm die Nackenhaare. Doch bevor der Wortführer seine Drohung, jemanden zu erschießen, wahr machen konnte, tauchte in den Hügeln über ihnen eine kleine Gestalt auf. Das musste der Zwerg sein, nach dem sie so dringend suchten. Offenbar wollte er sich ergeben bevor seinen Kameraden ein Leid geschah. Agierten so gewissenlose Mörder? Degan konnte es sich immer noch nicht vorstellen. Als ein Bellen und nachfolgendes Knurren ertönte zuckte der Heiler kurz zusammen. Erst jetzt erblickte er den Hund, der sich bisher eher still verhalten hatte, nun aber aggressiv seinen Wagenzug verteidigen zu wollen schien. Und als wäre dies ein Zeichen gewesen, stürzte der Zwerg wie vom Blitz getroffen mit einem Stöhnen den Berg hinunter, hatten sie ihn etwa vom Fleck weg erschossen?! Aber ein Blick auf ihre Armbrüste zeigte, dass sie nicht dafür verantwortlich waren. Vielleicht war er gestolpert? Ihm blieb aber kaum Zeit darüber nachzudenken und wenn die Situation geklärt war konnte er dem Gestürzten womöglich helfen.

Die Söldner wirkten genauso überrascht wie er auch, denn während der Wortführer Richtung Hügel ging um nach ihrem Zwerg zu schauen fürchtete sich der Zweite scheinbar vor dem Hund. Die beiden waren abgelenkt und Degan tappte mit langsamen Schritten im Halbkreis vom Wagen weg und nach vorn. Er wollte außer Sichtweite der beiden Söldner bleiben aber sich ihnen doch nähern, während sie mit den Ablenkungen beschäftigt waren. Was er genau vorhatte wusste er noch nicht, ausgefeilte Pläne waren noch nie seine Stärke gewesen, doch vielleicht konnte er ja einem irgendwie die Armbrust entwinden während der Andere nicht auf seinen Kumpanen schießen wollte. Und dann… ja dann war später. Plötzlich ging alles ganz schnell. Ein kurzer Wortwechsel und im Nu löste sich ein Bolzen und traf den knurrenden Hund. Die Rothaarige schrie einen Namen und sprang aus dem Wagen, scheinbar war dies ihr Hund mit Namen Eyla. Degan hatte von seiner mittlerweile erreichten Position gesehen wie der Hund getroffen worden war, oder besser gesagt nicht ganz getroffen worden war. Natürlich hatte er nicht den Flug selbst gesehen, aber wie der Bolzen an einem Felsblock weiter hinten des Weges zersplittert war hatte er gesehen.

Ein Streifschuss… oder ein Durchschuss, doch der Heiler hoffte für das Tier das Ersteres zutraf. Auch ihm konnte er vielleicht helfen, doch nicht wenn er eine Armbrust im Rücken hatte. Aber das konnte sich womöglich in diesem Augenblick ändern, denn die neu auftauchende Halbelfe verwirrte die Söldner nun vollends und Degan sah seine Chance gekommen. Er sprintete los, auf den Söldner zu, der ihm halb den Rücken zu wandte und dessen Armbrust noch geladen war.
Bitte triff mich nicht… bitte triff mich nicht…
Hallten in endlosem Stakkato die Gedanken des Heilers, während ihm das Herz während des Rennens bis zum Hals pochte. Und er hatte Glück, erst als der zweite Söldner die Augen aufriss und eine Warnung brüllte fuhr jener Erik herum. Aber Degan war schon fast heran… und stellte trotzdem fest, dass er den Mann gehörig unterschätzt hatte. Der Söldner war schnell, Sekundenbruchteile früher und der losgehende Bolzen hätte ihn problemlos erwischt. So aber prallte er gegen den Söldner als der Bolzen losging und das Geschoss ging um nicht einmal eine Elle fehl.

Zusammen stürzten sie auf den Boden, nicht weit von dem Unterholz entfernt, aus dem die beiden Männer einst getreten waren. Er prallte hart auf, verlor dabei den Kontakt zu dem Söldner und versuchte sich sofort wieder aufzurappeln. Aber wie er schon im Augenblick zuvor geahnt hatte war sein Plan die Beiden Waffenlos zu Entwaffnen ziemlich dämlich gewesen. Der Söldner war viel schneller und vor allem besser als er. Noch während er sich mühte auf die Beine zu kommen stand Erik schon wieder. Zwar hatte er die Armbrust beim Sturz verloren, doch das hielt ihn nicht wirklich auf. Er trat dem Heiler zwischen die Rippen und zog im selben Augenblick sein Schwert. Degan wurde die Luft aus der Lunge gepresst und er wurde mit einem schmerzvollen, tonlosen Stöhnen nach hinten geworfen. Zweimal rollte er um seine eigene Längsachse weiter und blieb schließlich schmerzhaft in einem Gewirr aus Ästen liegen. Der Söldner hingegen zögerte nicht lange und setzte dem gefallenen Heiler nach um ihm mit einem schnellen Stich den Garaus zu machen. So viel sah und registrierte jener durchaus noch und seine Hände suchten panisch nach etwas zur Verteidigung, fanden es und kurz bevor ihn der Söldner erreichten hieb er mit dem Mut der Verzweiflung zu.

Ein armdicker, modriger Ast von fast zwei Meter Länge war es, was seine Hände gefunden hatten. Und der Hieb des Liegenden kam sogar für den Söldner überraschend… überraschend genug, dass er nicht mehr parieren konnte. Aber eigentlich auch nicht musste. Zwar traf Degan voll, doch das Holzstück war zu morsch um ernsthaften Schaden anzurichten. Stattdessen zersplitterte es und der Söldner taumelte in einer Wolke aus morschen Holzsplittern und –Staub laut fluchend nach hinten, unverletzt. Aber so hatte der Heiler etwas Zeit gewonnen, die er sofort damit füllte, erneut zu versuchen sich aufzurappeln. Was um die anderen herum vor sich ging konnte er nicht sagen, er war zu sehr mit seinen Problemen beschäftigt, doch er hoffte inniglich, dass es jenen besser erging.

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Re: Ein tollkühner Plan

Beitrag von Laelay Len Shaya » Di, 03. Apr 2012 22:41

[Der zweite Wegelagerer, der Laelay festgehalten hat, heißt ab jetzt Ithnan ;) ]

Der Mann, der sie wegführte, zerrte erschrocken an ihrem Arm und wandte noch desorientiert den Kopf, während Laelay schon begriffen hatte, woher das unerwartete Geräusch kam. Was es damit auf sich hatte, verstand sie allerdings nicht gleich, und ihr blieb auch keine Zeit mehr, einen Gedanken darauf zu verschwenden – denn im gleichen Moment, als oben Gnomos den Hang hinab rutschte, begannen die Ereignisse, sich zu überschlagen.
Ein grauer Schatten zuckte neben ihr durch die Luft, Ithnan riss die Armbrust hoch und ließ ihren Arm los. Einen Augenblick später ein Klicken, dann ein Jaulen – war der Hund getroffen? – Laelay nahm sich nicht die Zeit, sich umzuschauen, sondern warf sich mit aller Kraft gegen den Mann, der sie festgehalten hatte.
Was leider nicht ganz den Erfolg zeigte, den sie sich erhofft hatte – dazu war sie einfach zu leicht. Doch der Überraschungseffekt reichte aus, um den Mann, der sich gerade eben noch vergewissert hatte, dass die Bestie, die sich auf ihn gestürzt hatte, unschädlich gemacht war, aus dem Gleichgewicht zu bringen. Im Fallen krallte sie sich an seiner Kleidung fest, um ihn zu Boden zu ziehen. Die Armbrust fiel zu Boden, gleich darauf wurde Laelay die Luft aus den Lungen gepresst, als sie selbst ungebremst aufschlug und Ithnan halb auf sie fiel. Er brauchte nur den Bruchteil einer Sekunde, um sich von seiner Überraschung zu erholen, dann zog er auch schon die Knie an, um sich wieder aufzurappeln, seine rechte Hand flog noch währenddessen zum Griff des Schwertes – doch bevor sich seine Finger um das Leder schlossen, hatte auch Laelay reagiert. Mit einer ruckartigen Bewegung ihres linken Armes beförderte sie den Wurfdolch aus dem Ärmel in ihre Hand und stach unkoordiniert zu. Sie hatte mehr Glück als Verstand - die kurze Klinge durchbohrte den Handrücken Ithnans und traf die darunter liegende Nierengegend, ohne dort viel Schaden anzurichten. Der Soldat brüllte vor Schmerz und Schreck, was Erik wohl für einen Warnschrei hielt, und starrte erschrocken die durchbohrte Hand an –
Laelay riss derweil am Dolch, mit der Folge, dass ein beißender Schmerz ihre Hand durchfuhr. Mit einem erschrockenen Zischen ließ sie die Klinge stecken, wo sie war, rappelte sich auf und versetzte dem auf dem Boden knienden Ithnan, der gerade dabei war, den Dolch aus seiner Hand zu ziehen, einen Tritt, der ihn noch einmal taumeln ließ, jedoch nicht zu Boden schickte.

Bis zu ihren am Boden liegenden Waffen waren es nur wenige Schritte, und erst als sie das Katana wieder an sich genommen hatte, nahm sie sich ein paar Sekunden Zeit, die Situation zu erfassen. Die Reste des Giftes in ihrem Blut waren wohl schuld daran, dass sie dafür länger als sonst brauchte – kostbare Zeit verstrich.
Shandira kauerte neben dem am Boden liegenden Hund, Degan schien gerade gegen Erik zu verlieren und Gnomos war weiterhin nirgends zu sehen. War er tatsächlich durch einen Schuss niedergestreckt worden? Laelay würgte diesen Gedanken ab. Es gab dringenderes zu tun. Ungesehen von ihr am Wagen machte einer der Soldaten, die Merriadock angeheuert hatte, gerade Anstalten in das Geschehen einzugreifen (zu Ungunsten Laelays und Degans, wie zu vermuten war) während der andere noch zögerte… doch er hatte den Händler unterschätzt. Hatte dieser sich eben gerade noch zum Schweigen bringen lassen, beugte er sich nun schnell herüber und fasste in die Zügel des Pferdes, einen halb bittenden, halb zornigen Blick unter zusammen gezogenen, buschigen Brauen hinauf zu seinem Geleitschutz schickend.

Ithnan hatte sich währenddessen von seinem Schreck erholt und war wieder auf die Beine gekommen. Eben gerade noch hatte Laelay vor gehabt, Erik anzugreifen und damit Degan zu schützen, doch plötzlich sah sie sich einer fast schussbereiten Armbrust gegenüber. Nur die verletzte Hand hatte Ithnan daran gehindert, die Waffe in gewohnter Geschwindigkeit wieder zu spannen. Doch nun hinderte ihn eben diese Schusswaffe in seiner Hand daran, sich mit dem Schwert zu schützen, als die elfische Söldnerin in den letzten Sekunden, die ihr blieben, mit gezücktem Katana auf Ithnan zu stürmte, der sich unter ihrem Schlag weg duckte und einen Moment später von Laelay von rechts hinten am Kragen gepackt und halb wieder hochgezogen wurde.

„He! Erik! Still gestanden, oder dein Kumpan hier hat die längste Zeit gelebt!“, tönte ihre Stimme in scharfem Tonfall hinüber zum Rand des Unterholzes, wo Degan am Boden lag, während sie seitlich hinter Ithnan stand und das Katana so weit gehoben hatte, dass die Spitze kurz über dem Kettenhemd im Nacken des Mannes lag. Keine besonders sichere Position für eine Drohung dieser Art, doch besser als nichts – ihr Langdolch, der geeigneter dafür gewesen wäre, lag noch im Gras neben der Straße.
[i][color=#3A4F57][size=92]Schenk voll ein - und immer, immer mehr![/size][/color][/i]

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Re: Ein tollkühner Plan

Beitrag von Gnomos » Fr, 06. Apr 2012 20:55

„Ach, vergiss deines Kumpans Kragen und mach dir lieber Gedanken um den deinen.“ Mit einer leise sirrenden, beständig um seine halb über den Kopf gehaltenen Linke rotierte die feuerbereite Schleuder, derweil er gelassen den Hang hinunter humpelte. Mehrfach hatte er kurz davor gestanden einzugreifen, aber immer hatten sich seine Gefährten, oder der Fremde der ihnen scheinbar beistand noch selbst zu helfen gewusst ehe er ein neues Ziel auserkoren hatte. Zuletzt hatte der Händler, Merriadock, sich eines seiner „Wachleute“ angenommen und solcherart diesem möglicherweise dessen Leben bewahrt. Kalt ruhten Gnomos' Augen auf seinen drei möglichen Gegnern. Einer der Wachen, das war dem Bergelfen nämlich nicht entgangen, hatte sich nicht dazu durchgerungen den Wegelagerern beizustehen. Als Gnomos Blick einen Moment auf jenem ruhte, da blickte dieser trotzig zurück. Unbehagen zeichneten des Mannes Züge und seine Hand wanderte unbewusst zum Schwertknauf an seinem Gürtel. Doch auch ohne die Gabe die man seinen Augen zusprach: Er hatte gelernt das, wer etwas zu verbergen hatte, seinen Blicken auswich. Dieser Mann aber zeigte einen Ausdruck, der beinahe schon ein ‘Na schau doch selbst nach!’ ausdrückte. Der letzte Wachmann hätte sicherlich nicht das Schwert gegen seine Kumpane erhoben, aber was diese ihm Gnomos und mehr noch Laelay hatten antun wollen... Der Bergelf nickte und entließ den anderen aus seinem Blick.

Dann schließlich lies er die Schleuder sinken, behielt sie aber noch immer feuerbereit in seiner Linken. „Ich denke - Erik - über alles weitere möge ein Richter entscheiden, einverstanden?“ Beinahe sanft lies er leise Frage, die keine war über seine Lippen gleiten. Doch der Blick, der den Söldner traf, er hätte keiner besonderen Augen Färbung bedurft, versprach ganz aus sich heraus einen schnellen Tot, sollte Erik einen weiteren Fehler begehen. Dazu hatte Laelay den momentan einzigen anderen Gegner gleichermaßen gut im Griff und der am Boden gekauert habende Fremde hatte inzwischen Zeit genug gehabt zu tun, wonach ihm begehrte. „Wird sie durchkommen?“ Die Frage galt Shandira und ihrem Hund. Erik indes hatte immer noch nicht das Schwert sinken lassen. „Es ist an dir zu entscheiden, wer dein Richter sein soll, wir oder...“ mit einem Schmatzen fiel das Schwert in den regendurchweichten Morast. „Dann sei bitte nur noch so freundlich, dich bäuchlings niederzulegen, das wir dir die Hände auf dem Rücken fesseln können, bis man auf Burg Kernok über dein weiteres Schicksal entscheidet.“ Gnomos bemerkte das Zucken der Augen Eriks. Nur kurz wanderten seine Augen den Steilhang hinauf, wo er seinen letzten Gefährten wähnte. Dann, mit einem nur unzulänglich verhohlenem Grinsen, ergab er sich scheinbar in sein Schicksal, sank in die Knie und schließlich ganz zu Boden.

Bei der Gruppe angelangt verhielten seine Schritte schließlich mit einem letzten morastigen Schmatzen. Der Regen hatte inzwischen wieder aufgehört und - ‘Oh wie kitschig!’, dachte der Bergelf im Stillen bei sich - ein wundervoller Regenbogen prangte am aufgerissenen Wolkenhimmel. Ohne weiter darüber nachzudenken wanderte seine Rechte aber zu seinem Hals, in dem einer alten Überlieferung nach die Seele stecken eines Bergelfen wohnen sollte. Zumindest hatte Gnomos das mal im Relief der Mauer einer vor Ewigkeiten verlassenen Ruine tief unter den Bergen seiner Heimat so gelesen, vor langen Jahren - auf einem seiner Streifzüge. Einen Moment verharrten seine Augen an dem fernen Regenbogen, neigte sich sein Haupt. ‘Cirian!’ formten seine Lippen stumm, dann wandte er sich, ein wölfisches Grinsen auf den Lippen, den Anderen zu. „Und - was hab ich verpasst?“
Greifst Du an, scheine unvorbereitet - bewegst Du dich, wirke inaktiv - bist Du nah, täusche Ferne vor - bist Du fern, bring sie dazu sich nach Dir umzusehen.

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Re: Ein tollkühner Plan

Beitrag von Shandira » Fr, 06. Apr 2012 22:11

Die Zigeunerin blendete alles andere um sich herum raus. Mit klarem Kopf hätte sie sich vielleicht sogar über das herrschende Chaos gefreut, das die Chancen ihrer Begleiter erhöhte. Der Grund dafür ließ sie unter diesen Umständen jedoch alles andere als fröhlich sein. Sie hatte etwas Zeit gebraucht, um den ersten Schock zu überwinden und dann festzustellen, dass Eyla nicht schwer getroffen war. Die Wunde blutete nicht einmal stark. Zwar war nicht alles in Ordnung, aber es war nichts Kritisches. Shandira fiel ein Stein vom Herzen, als ihr das klar wurde und sie umarmte ihre Hündin fest, die sich für den Moment an sie schmiegte. Langsam klärte sich das Blickfeld der Rothaarigen, der Fokus, der sich zuerst nur auf ihre Hündin konzentrierte, erweitere sich zunehmend auf ihre Umgebung. Plötzlich drang auch der Kampflärm an ihre Ohren, der schon die ganze Zeit da gewesen war. Als nächstes huschte ihr Blick zum Wagen, doch es war kein Hinweis darauf zu sehen, dass Finn den Karren verlassen hatte. Die rötlichen Haare flogen nur so als sie von links nach rechts schaute und versuchte das Geschehen zu erfassen. Sie brauchte einen Moment um die unterschiedlichen Personen und Parteien zu erkennen und zu erfassen. Der Heiler schlug eben mit einem dicken Ast auf einen der Söldner ein und fiel zu Boden. Im nächsten Moment vernahm sie auch schon die vertraute Stimme von Laelay, die den anderen Söldner mit ihrer Waffe in Schach hielt. Sie musste in den letzten Minuten jede Menge verpasst haben .. sie würde nicht sagen können, was zwischen ihrem hastigen Sprung vom Wagen und diesem Augenblick passiert war. Fest stand jedenfalls, dass die richtige Seite, nämlich ihre, gewonnen zu haben schien. Und plötzlich war da wieder der Gnom. Shandira wusste nun noch weniger, was sie von diesem halten sollte. Kam und ging wie es ihm beliebte und verlor die Situation scheinbar nicht aus den Augen. Sie war nicht nur von ihm, sondern von allen drei Kämpfern aus ihrer Gruppe überrascht, wie schnell sie die Situation unter Kontrolle gebracht hatten, die eben noch so aussichtslos schien. Irritiert schaute sie den Gnom an, als sich dieser nach Eyla erkundete. "Ähm.. ja, ich denke schon", murmelte sie zurück und strich sich die wirren Haare aus dem Gesicht, das noch nicht vollends entspannt wirkte, aber aus dem der erste Schreck und die Todesangst verschwunden war.

Shandira atmete tief durch. Erik und Ithnan hatten sich in ihr Schicksal ergeben. Die Situation schien unter Kontrolle, der Kampf gesiegt und Eyla schien es nicht sehr schlimm zu gehen. Sie versuchte sogar schon, sich zu erheben und humpelte nur ob des brennenden Schmerzens und der Wunde, über die sie immer wieder leckte. Beruhigens streichelte Shandira beruhigend über ihr glattes graues Fell. Laelay und Gnomos kümmerten sich um die Gefangenen. Sie wusste nicht, was sie auf die Frage des Letzteren antworten sollte, zu Scherze war sie noch nicht wieder aufgelegt. Alles war so schnell gegangen, es hatte sie nahezu sprachlos gemacht. "Geht es euch gut?", erkundigte sie sich nun ihrerseits bei den drei, wobei ihr Blick als letztes bei Degan hängen blieb. Er hatte erwähnt, dass er Heiler war, das hatte sie nicht vergessen. "Würde es Euch etwas ausmachen, Euch kurz die Wunde meiner Hündin anzusehen?", fragte sie dann, fast schüchtern, als sie sich gewiss war, dass es ihm selbst soweit gut ging. Zwar erkannte sie, dass es keine lebensbedrohliche Wunde war, aber sie besaß auch nicht das Wissen eines Heilers und hatte selbst schon Fälle erlebt, in denen eine scheinbar leichte Verletzungen zu einem quälenden Tod geführt hatte. Es fröstelte sie, sodass sie sich kurz schütteln musste. "Ich bin übrigens Shandira, danke für Eure Hilfe", wandte sie sich an Degan, als er bei ihr war und lächelte schwach.
Tanze, tanze über Tiefen, denn wer tanzen kann der lebt!

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Re: Ein tollkühner Plan

Beitrag von Degan » Fr, 13. Apr 2012 16:59

Wie erwartet brauchte Erik nicht lange um sich von der Überraschung des Schlages zu erholen, die Wolke aus Holzsplittern war noch nicht einmal gänzlich zu Boden gesunken als er bereits wieder auf den halb am Boden liegenden Heiler eindrang. Degan hatte den nutzlosen Stumpf des Astes bereits fallen lassen, bereit einen Stich oder Schlag mit dem Schwert irgendwie mit den Händen oder Armen abzufangen, als der scharfe Befehl der Dunkelhaarigen ertönte. Der Söldner erstarrte und auch Degan sah verwundert und gleichzeitig erleichtert zu dem ungleichen Paar hinüber. Scheinbar war er nicht der einzige gewesen, der das Chaos des Augenblicks genutzt hatte und er war selten so froh gewesen, das Schwert eines Söldners im Nacken eines anderen zu sehen. Als dann auch noch eine zweite Stimme, begleitet von einem merkwürdigen Surren erklang schien die Situation gänzlich unter Kontrolle. Während der Gnom den Berg hinunter… humpelte. Das entging dem Heiler keineswegs, doch vorerst war er damit beschäftigt sich endlich zu erheben und die am Boden liegende Armbrust an sich zu nehmen. Nicht, dass er ohne Bolzen viel damit anfangen konnte, doch ein paar rasche Schritte brachten ihn und die Waffen weit genug von dem Söldner weg, so dass dieser damit keinen weiteren Unfug mehr anstellen konnte.

Jetzt erst bemerkte er den dumpfen Schmerz an seinen Rippen, dort wo ihn Erik mit dem Tritt erwischt hatte. Kein Bruch, wie er geübt erkannte, aber eine ordentliche Prellung – das würde einen stolzen blauen Fleck ergeben, wahrscheinlich färbte sich die Stelle jetzt bereits unter seiner Kleidung. Er würde sich später darum kümmern, ebenso um seinen braunen, ledernen Reisemantel, dem der Sturz in den, von Regen aufgeweichten Boden, nicht gerade verschönert hatte. Doch das war nebensächlich. Mit einem weiteren argwöhnischen Blick zu Erik überwand er die verbliebene Entfernung zwischen sich und dem Fuhrwerk, warf die Armbrust achtlos auf einen freien Platz. Es zeigte sich, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte, denn seine unfreiwilligen Gefährten machten keine Anstalten die zwei gleich zu meucheln wie es scheinbar jene vorgehabt hatte. Innerlich atmete er auf, schließlich war er sich nicht sicher gewesen, was er getan hätte wenn sich herausgestellt hätte, dass er skrupellose Mörder unterstützt hatte. Und freilich atmete er auch auf weil nun vorerst die Gefahr von einem Armbrustbolzen durchbohrt zu werden gemindert war.

Trotzdem verbrachte er erst einmal wenige Augenblicke, während sein Körper von seinem Adrenalinschub herunterkam und der Gnom die Beiden „überredete“ keinen weiteren Dummheiten zu machen. Degan erkannte jetzt woher das Surren kam, jener führte eine Schleuder. Fesseln und auf Burg Kernok der Gerichtlichkeit übergeben…
Eine rechtschaffene Idee… wenn die Herrscher von Burg Kernok nicht die wären die sie sind.
er bezweifelte, dass man dies als hohe Gerichtsbarkeit anerkennen konnte – aber womöglich wusste das der kleine Mann nicht. Und offiziell galten sowieso andere Regeln, als die der Menschlichkeit. Doch das sollte vorerst nicht sein Problem sein. Während der Bergelf sie erreichte wand sich Degan kurz an die Anführerin mit ihrem gebogenen Schwert.
„Ich danke euch für euer rechtzeitiges Eingreifen!“
sprach er dankbar lächelnd und ehrlicher konnte er es in diesem Moment nicht meinen. Seine Idee war eine Schnapsidee gewesen und hätte ohne weiteres schief gehen können – aber die damit verbundenen negativen Gedanken verdrängte er lieber schnell wieder. Er war schon immer in gewisser Hinsicht ein Glückspilz gewesen, ohne sich dessen aber wirklich bewusst zu sein.

Degan hatte im Gegensatz zu manchen der anderen auch gar nicht mit bekommen, dass die Situation auf dem Fuhrwerk kurz zu kippen drohte und nur durch das Eingreifen des Händlers schlimmeres verhindert worden war. Und durch den tödlichen Blick Gnomos – hätte er dies alles mit bekommen, wäre ihm sein Herz wohl mehr in die Hose gerutscht als er es jetzt sich selbst gegenüber zugab.
„Es freut mich, dass ihr euren Sturz überstanden habt, wenn ihr wollt sehe ich mir euer Bein an“
gab er freundlich zur Antwort, auch wenn das nicht ganz die Antwort auf Gnomos eigentliche Frage war, aber er hielt diese auch für eine rethorische Frage. Das meiste hatte der Kleine mit der Kapuze schließlich wohl beobachten können. Doch bevor er sein Angebot wahr machen konnte, nahm die Rothaarige seine Aufmerksamkeit in Beschlag – sein Angebot würde ja nicht verfallen. Die Anführerin und ihr Begleiter kümmerten sich sowieso gerade um die Besiegten. Unwillkürlich fuhr sein Arm halb zu seiner geprellten Brust, aber er nickte zustimmend. Luft holen ging, nur einen Ausdauerlauf sollte er wohl erstmal sein lassen.

„Es macht mir nichts aus, gerne sogar…“
…wobei ich mit der Verpflegung von Tieren weniger Erfahrung als mit der von Menschen oder Elfen habe.
aber das sprach er nicht aus. Angehörige mussten nicht jede nebensächliche Wahrheit wissen, das beunruhigte sie meist nur und es war für jeden ersichtlich, dass die Halbelfe an der Hündin hing. Er war lange genug im Gewerbe um diese Regel zu kennen. Aber natürlich würde er nach dem Tier sehen, wenn er sich nicht getäuscht hatte war es keine tödliche Wunde gewesen und dafür reichten seine Kenntnisse in der Heilung von Tieren hoffentlich.
Er lächelte Shandira, die sich kurz vorstellte, zuversichtlich an, während er näher kam und langsam neben der Hündin in die Hocke ging.
„Ganz ruhig, Eyla. Ich will dir nichts tun.“
Sprach er beruhigend auf das Tier ein, dessen Namen er sich nach dem Schrei von vorhin gemerkt hatte. Dabei hielt er ihr vorsichtig seine flache Hand hin, damit sie daran schnuppern konnte. Sie leckte nervös an ihrer Wunde, sah ihn aber ansonsten eher neugierig als aggressiv an. Aber selbst harmlose verwundete Tiere konnten in ihrer Panik um sich beißen – und dieser Hund war nun nicht gerade ein kleiner Schoßhase.
„Freut mich eure Bekanntschaft zu machen und nichts zu danken, Fräulein Shandira. Es versteht sich von selbst für mich, das ich Reisende nicht tatenlos auf offener Straße überfallen lasse.“
Erklärte er der Rothaarigen nebenher, während er vorerst ohne Berührung die Wunde ihrer Hündin betrachtete. Ehrlicherweise musste man ihm zugestehen, dass er, obwohl seine Hände noch aufgrund der Erlebnisse noch ein wenig zitterten, nicht gleich an dem Tier herumfummelte, sondern erst versuchte sich zu beruhigen und auch Halbelfe wie ihren Hund zu beruhigen. Und mit Beruhigen hatte er viel Erfahrung.

Rasch kam er zu einer Diagnose und wand sich nun kurz ganz und sicher klingend der Besorgten zu.
„Es ist nichts Schlimmes, ein Streifschuss im Fleisch. Der Knochen dürfte nicht verletzt sein, sonst könnte sie schlechter humpeln, aber das sehe ich mir gleich noch genauer an. Tiere sind gegen Entzündung meist gefeiter als Menschen, aber wenn ich schon hier bin würde ich auf Nummer sicher gehen. Ich würde ihr einen Verband mit einer kühlenden, entzündungshemmenden Salbe anlegen. Ihr müsstet dann nur auspassen, dass sie sich den Rest des Tages nicht mehr allzu viel bewegt oder den verband abbeißt.“
Er schnalzte kurz zweimal mit der Zunge, und siehe da, Rowina, die schon wieder an einem Grashalm herumkaute kam langsam heran getrottet. Und da hingen auch sein Streitkolben und seine Faustschild… ja da hingen sie gut. Sein Interesse galt aber einer der anderen Ledertaschen an dem Gepäcksattel. Nach und nach kamen ein Leinenverband und ein kleiner tönerner Topf, in dem sich eine graue, leicht aromatisch aber auch etwas bitter riechende dicke Paste befand, zum Vorschein. Hauptbestandteil des getrockneten Suds war Schafgarbe, die man praktisch auf jeder Wiese fand. Degan legte sich alles zurecht und machte sich bereit das Tier nun mehr oder weniger fachmännisch zu verarzten.
„Also gut. Wenn ihr vielleicht Acht geben könntet, dass sie nicht… zuckt oder beißt, wenn ich sie berühre? Es könnte anfangs ein wenig brennen bevor die kühlende Wirkung einsetzt.“

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Re: Ein tollkühner Plan

Beitrag von Laelay Len Shaya » Fr, 20. Apr 2012 23:54

Laelay war selbst überrascht, wie schnell ihrem Befehl Folge geleistet wurde, wie schnell die eben noch völlig verfahrene Situation sich zum Guten zu wenden schien. Eriks Schwert fiel in den Schlamm, der totgeglaubte Gnomos humpelte den Hang hinab, Degan rappelte sich auf und Shandira begann wieder zu quasseln. Was sie da sagte, drang gar nicht bis zu Laelay vor – denn so schnell, wie die Anspannung von ihr ab fiel, holte sie die Nachwirkung des Giftes ein. Und nicht nur die. Ihre Rippen und Ellenbogen schmerzten von dem Fall, stärker als sie es unter normalen Umständen getan hätten. Nur Ithnan bemerkte wohl, dass ihre Hände zu zittern begannen. Er versuchte halbherzig, sich ihrem Griff zu entwinden, wurde jedoch mit einem Ruck an seinem Kragen, der ihm einen blutigen Schnitt im Nacken bescherte, von dieser Idee abgebracht.
„Wirf das Schwert weg“, knurrte ihn Laelay an, in einem Tonfall, der hoffentlich das Zittern in ihrer Stimme verbarg. Der Söldner leistete Folge, während Laelay Gnomos beobachtete. Eines Schauderns konnte sie sich dabei nicht erwehren… gesundes Misstrauen hätte sie es vielleicht selbst genannt, um nicht zugeben zu müssen, dass es abergläubische Angst war, die sie immer wieder verspürte, wenn sie ihn ansah.
Nur ein einziges Wort, von dem was er sagte, vermochte es, in ihr Bewusstsein vorzudringen.
Kernok…
Der restliche Sinn seines Satzes formte sich erst mit einiger Verspätung in ihrem Kopf.
„Nicht Kernok!“, entfuhr es ihr. „Gerechtigkeit ist nichts, das ich in dieser Gegend jemand anderem überlassen würde“, sprach sie leiser weiter. Wütend darüber, noch nicht einmal mehr ihre Stimme im Griff zu haben, wurde sie dann wieder lauter:
„Junge, Finn… bring mir das Seil vom Wagen!“
Keine Reaktion.
Sie öffnete schon den Mund, um ihrem Befehl ein paar motivierende Drohungen hinterher zu schicken, da erhob sich Finns dreckig blonder Haarschopf über die Ladung. Der Junge mit dem wieder sichtbaren Sklavenhalsband hatte sich eines der sorgfältig aufgerollten Seile gegriffen, die normalerweise die Ladung sicherten, momentan aber ungenutzt herum lagen, da ein Teil der Waren schon verkauft worden war.

„Ich danke euch für euer rechtzeitiges Eingreifen!“
- „Ich danke Euch… für eure unerwartete Hilfe“, antwortete sie Degan. Eine leise Frage lag in ihrer Stimme, doch für lange Erklärungen war gerade ohnehin keine Zeit. Mit einem Druck ihrer Klinge zwang sie Ithnan dazu, sich gleich Erik hinzulegen und fesselte ihm dann die Arme auf den Rücken und die Beine.
Erst dabei bemerkte sie endlich, was vorhin den brennenden Schmerz verursacht hatte, als sie versucht hatte, ihren Wurfdolch aus Ithnans Hand zu ziehen: Als sie mit der parierstangenlosen Waffe zugestochen hatte, war ihre Hand nach vorn auf die Klinge gerutscht, die zuerst ihren Handschuh und beim Zurückziehen dann das erste Fingerglied der linken Hand zerschnitten hatte.
Ithnan war fertig verschnürt und Laelay erhob sich leicht taumelnd wieder. Noch einmal schlugen die Kopfschmerzen mit voller Wucht zu, und ihr wurde kurz schwarz vor Augen. Sie hoffte inständig, dass sich einfach irgendjemand anderes weiter um die Situation kümmern würde.
Immerhin bot der Fremde eilfertig seine Hilfe bei diversen Verletzungen an, und so blieb vorrangig noch eine Sache zu tun. Die Söldnerin öffnete die Augen wieder und blickte zu Gnomos.
„Ich würde vorschlagen, wir lassen sie da hinten im Wald einfach liegen.“ Mit dem Kinn deutete sie auf das Dickicht abseits des Weges.
„Irgendwann kommt vielleicht jemand vorbei… und wenn nicht…“ Sie zuckte die Schultern. Es mochte sein, dass sie sich von ihren Fesseln irgendwann befreien konnten, dass ihre Söldnerkumpane vorbei kamen und sie entdeckten… oder dass die Wölfe schneller waren. Laelay war es gleich.

„Und wo habt Ihr Euch währenddessen herumgetrieben?“
Sie versuchte nur halbherzig, den Argwohn in ihrer Stimme zu verbergen. Immerhin hatte Gnomos’ Aktion auf sie so gewirkt, als ob er sich beim ersten Anzeichen von Gefahr aus dem Staub gemacht hatte. Andererseits hatte er ihr letztendlich noch keinen Anlass dazu gegeben, ihn als Feind zu sehen. Sein Ablenkungsmanöver konnte sie in ihrem momentanen Zustand nicht als solches einordnen… ihre Gedanken sprangen wie ohne ihr zutun hin und her und blieben nirgends lange genug hängen, um irgendeinen tieferen Sinn zu erfassen. So langsam war es selbst der Söldnerin kaum noch möglich, ihren angeschlagenen Zustand zu verbergen.
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Re: Ein tollkühner Plan

Beitrag von Gnomos » Sa, 21. Apr 2012 16:41

Gnomos stieß den Söldner, sanfter als man es in einer solchen Situation hätte erwarten dürfen, mit dem Stiefel in den Schlamm und fesselte diesem die Arme auf dem Rücken. Nur einmal stieß er dem Anderen nochmals das Knie in die Seite und zog, als dem Anderen darob die Luft aus den Lungen und die Kraft aus den bis dahin angespannt gehaltenen Armen wich, dessen gelösten Gürtel noch etwas fester. Des Heilers Worte über die Gesinnung des oder der Herren auf Kernok tat er noch mit einem angedeuteten Schulterzucken ab. Doch als dann Laelay mit ihren ersten Worten in die selbe Kerbe schlug, da kam ihm im Ton ernsten Missfallens sowie in, für des Elfischen mächtige Zuhörer deutlich bergelfischen Idiom, ein Kommentar über die Lippen, der die Werte einer Welt hinterfragte in welcher man nicht einmal mehr den Richtern den ihrem Amt gebührenden Respekt ruhigen Gewissens zollen mochte. Als sie dann noch vorschlug sie einfach im Wald liegen zu lassen, Gnomos glaubte ihrem Tonfall entnehmen zu können das sie eigentlich „verscharren“ hatte sagen wollen, verhärteten sich seine Züge. Vielleicht deutete sie darum gleich darauf die mögliche Befreiung ihrer an, vielleicht fuhr sie ihn darum gleich darauf gereizt an. Was ihn derweil umgetrieben hatte. Der Argwohn perlte dem kürzlichen Regenschauer an ihm ab.

Und doch musterten des Bergelfen Augen von einem verirrten Sonnenstrahl getroffen hell strahlend die Kriegerin vor sich. In ihrer Hand ein scheinbar selbst verursachter Schnitt, der Blick unstet, dazu ihr sprunghaftes unstetes Auftreten, die fehlende Standsicherheit... Degan, der Heiler, wollte sich gerade um das Tier der Zigeunerin kümmern als Gnomos sich nach Eriks fallengelassenem Schwert bückte und auch seinen Gefangenen auf die Beine zerrte, derweil er mit schneidender Stimme an Degan sich wandte. „Heiler, das Tier muss warten!“ Ob der Heiler mit Missfallen auf Gnomos und sein angeschlagenes Knie blickte, wusste Gnomos nicht zu sagen. Doch sein harter, unverwandt auf Laelay ruhender Blick ließ keine Fragen offen wer des Heilers Hilfe grad dringlicher brauchte. Das das Gift noch immer in ihren Adern nachwirken konnte, das kam dem Bergelfen nicht einmal in den Sinn. Aber das diese Frau sich alles Andere als sicher auf den Beinen hielt und zugleich Kriegerin genug war nicht selbst um Hilfe zu bitten ehe allen Anderen hinreichend geholfen wäre, das schien offensichtlich. Gnomos war kein Heiler, aber lange genug unter Kriegern gewesen zu erkennen wann es wirklich schlecht um einen stand. Mochte Shandira ihn also ruhig verachten, das er ihrem Hund gerade weniger Wichtigkeit zusprach denn der Söldnerin. Zumindest aber würde er des Heilers Blick auf Laelays Zustand lenken. Was der anschließend weiter verfuhr... darüber mochten die Götter später richten.

Gnomos stieß Erik beim Wagen zu Boden, zerrte dessen gefesselte Arme durch zwei Speichen eines Hinterrades und Stach mit dem Schwert Eriks in solcher Weise zwischen dessen Armen und den Speichen in den schlammigen Boden, das dieser bei jeder unbedachten Gefahr lief sich an der Schneide die Arme sich aufzuschneiden, nicht, oder zumindest sehr schwer nur, mit der Fessel an des Schwertes Scheide zu kommen vermochte, noch die Arme an der Waffe vorbei durch die Speichen herausziehen konnte. „Ich will schauen ob der dritte Mann den Sturz von den Klippen nicht vielleicht doch überlebt hat.“ Die Worte waren eigentlich an seine eigenen Gefährten gerichtet. Doch wer ob derer plötzlich wie ein waidwunder Stier aufröhrte war Erik - der seine letzten Felle gerade hinfort schwimmen sah. Schnell, sein angeschlagenes Bein möglichst wenig dabei belastend, eilte Gnomos zu dem, wie er nun feststellte, Toten. Er zog ihn etwas vom Weg fort, zwischen einige Sträucher und humpelte dann zurück. Sollte der Heiler ihn eines Blickes würdigen, der Bergelf würde bedauernd den Kopf schütteln. Dem Manne half auch kein Heiler mehr. kehrte Gnomos darum zum Wagen zurückkehrend, zog die Kapuze tief in seine Stirn und murmelte Teilnahmslos ein kurzes Gebet für die hier verstorbenen. Mit etwas mehr emotionaler Beteiligung wollte er heute Abend, seinem Überleben zum Danke, ein kleines Ritual zu ehren der Herrin des Mondes wohl noch zelebrieren. Doch erst einmal schleppte er sich müden Schrittes zu den Anderen zurück.
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Re: Ein tollkühner Plan

Beitrag von Shandira » Mi, 02. Mai 2012 17:20

(Danke fürs Warten, falls es Absicht war =)

Shandira wusste zum Glück nichts von Degans Gedanken bezüglich der Heilung von Menschen und Tieren und dass er sich mit dem einen viel besser auskannte. Auch wenn sie natürlich ahnte, dass er kein Heiler war, der sich um tierische Patienten kümmerte, nahm sie doch an, dass er trotzdem genug oberflächliches Wissen darüber besaß. Sein Lächeln erwiderte sie leicht. Es wirkte seltsam beruhigend und entschärfte die Gefühle, die in ihr tobten. Dass er Eyla bei ihrem Namen nannte, verstärkte ihr Lächeln und brachte dem Heiler einige Pluspunkte gegenüber der Halbelfe ein. Ihre Hündin und sie waren in der Vergangenheit vielen schwierigen Situationen und Beleidigungen ausgesetzt gewesen, und wenn es bei Eyla nur der Umstand war, dass man sie nur als dreckige Töle betitelte und so behandelte. Dass Degan sie mit ihrem Namen ansprach hatte daher eine große Bedeutung für Shandira, da sie es damit gleichsetzte, dass er sie als eigenständige Persönlichkeit wahrnahm. Weiterhin streichelte sie sacht über Eylas Kopf, die nicht den Eindruck machte, als würde sie den helfenden Heiler im nächsten Moment anfallen.

Fräulein Shandira. Trotz der angespannten Situation konnte sie sich einem Schmunzeln nicht erwehren. "Das ist sehr ehrbar von Euch", erwiderte sie dann mit den ehrlich gemeinten Worten. Sein einziges Ziel schien tatsächlich jenes gewesen zu sein, sie alle vor den Verfolgern zu warnen. Shandira fielen nicht viele Personen ein, die sie solch ein Verhalten zugestehen würde. Dass dies ein Wildfremder nun tat, sorgte für große Verwunderung und ehrlicher Anerkennung bei der Rothaarigen.
Aufmerksam lauschte sie der Diagnose des Heilers. Schon allein seine erste Aussage sorgte für ein erleichtertes Ausatmen. Es ist nichts Schlimmes. Shandira fiel ein Stein vom Herzen. Sie nickte hier und da verstehend, als er ihr die empfohlene Behandlung schilderte. "Ist gut. Am Besten legen wir sie nachher auf den Wagen. Ich werde dafür sorgen, dass sie still liegen bleibt."

Die Frage, was nun mit den Meuchlern geschehen sollte, verfolgte sie nur schweigend und nebenher. Sie glaubte nicht, dass ihre Meinung in diesen Dingen gefragt war. Außerdem war es ihr im Endeffekt egal, was mit diesen Männern geschah. Obwohl ihr die Aussicht, mit ihnen weiter nach Kernok zu reisen, noch weniger gefiel, als sie einfach hier zurück zu lassen. Mitleid empfand die Zigeunerin nicht, immerhin hatte ihr Leben vermutlich genauso auf dem Spiel gestanden, auch wenn sie nicht zu den Gesuchten gehörte, so wäre sie doch eine Zeugin gewesen, die die Männer vermutlich nicht gerne gesehen hätten. Daher nickte sie nur zustimmend zu Laelays Vorschlag, die Männer einfach im Wald liegen zu lassen.

Verwundert schaute sie auf, als Degan plötzlich schnalzte. Ihr fiel das Maultier ins Auge, das nun gehorsam heran getrottet kam. Ein weiteres mal musste sie schmunzeln. Diese Reaktion hatte sie nicht erwartet, sie war überrascht, dass ein Maultier die Verhaltensweisen eines Hundes aufweisen konnte. Interessiert, und nun weitaus ruhiger durch Degans Anwesenheit und Worte, verfolgte sie seine Bewegungen und betrachtete die Dinge, die er aus den Satteltaschen ans Tageslicht beförderte, aufmerksam. Sie nickte zu seinen Worten und legte eine Hand seitlich an den Hals der Hündin und kraulte mit der anderen sanft den Kopf von Eyla, den sie im Notfall hinunter drücken würde. Allerdings war nicht davon auszugehen, dass sie aggressiv auf seine Behandlung reagieren würde. "Vielen Dank, Degan", sagte sie dann, schon im Voraus und lächelte den Mann an. Sie war bereit.

"Heiler, das Tier muss warten!" Shandiras Kopf ruckte herum. Ein eiskalter Blick traf den Gnom, der sich nicht einmal die Mühe machte, ihren Blick zu erwidern, sondern unablässig Laelay anstarrte. Dass dies eine gewisse Bedeutung hatte, war vorerst nebensächlich für sie. Viel wichtiger war der Ton seiner Worte. Das Tier musste seiner Meinung nach also warten. Nur Degan konnte hören, wie sie wütend die gesammelte Luft aus ihren Lungen presste und ahnen, welche Beherrschung es sie kostete, dem Gnom keine unbedachten Worte an den Kopf zu werfen. Er bat nicht, er befahl. Und sprach über Eyla so, wie es Degan nicht getan hatte und was sie ihm hoch angerechnet hatte.
Jetzt erst hatte Shandira einen Blick für Laelay übrig, als sie innerlich zugeben musste, dass Gnomos wohl nicht einfach so von der Behandlung Eylas absehen wollte, obgleich sie ihn für die Art und Weise noch immer mit einem funkelnden Blick strafte, würde er sie nur einmal ansehen. Die dunkelhaarige Söldnerin sah blass aus und schien ungewohnt leicht nur auf den Füßen zu stehen. Sie sah, wie sie die Augen geschlossen hatte und alles in allem in schlechter Verfassung schien.
"Geht und kümmert Euch um sie. Bitte." Shandira fiel es schwer, die Wut in ihrer Stimme zu unterdrücken, die weder Degan noch Laelays Vorrang galt, sondern letztlich nur Gnomos' Benehmen zu schulden war. Sie hoffte, dass er es verstand, auch wenn es ihr schwer fiel, zu klingen, als würde es ihr nichts ausmachen.
Tanze, tanze über Tiefen, denn wer tanzen kann der lebt!

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Re: Ein tollkühner Plan

Beitrag von Degan » Mo, 14. Mai 2012 21:14

Von den Schicksalen und den Gesprächen der anderen bekam der Heiler nur peripher etwas mit. Mit halbem Ohr, dass man ihre Gefangenen nun nicht nach Kernok bringen sollte . Doch dies interessierte ihn im Moment nicht, auch nicht die unausgesprochene Frage in der Stimme der dunkelhaarigen Halbelfe, die er wohl wahr genommen hatte… er war mit der Diagnose seines Patienten und der Beruhigung dessen Begleiterin beschäftigt. Und seiner eigenen auch, jetzt wo die Gefahr gebannt war, konnte man alles nach dem anderen angehen. Und zumindest beide wichtigen Punkte gelangen ihm ganz gut, es war spürbar wie Shandira auf seine Worte einging. Er hatte keine Zweifel an ihren Worten, fürwahr in einem Ernstfall hielt er sie sogar für eine gute Assistentin. Sie schien mittlerweile wieder ruhig und enthusiastisch zu sein… zumindest bei solch kleinen Verletzungen. Er mochte die Art der jungen Frau, sie war kein bisschen militärisch, sondern schien ehrlich und offen zu sein. So sollten viel mehr Menschen… oder auch Elfen in seinen Augen sein. Bevor er jedoch mit der Verarztung des Tieres fortfahren konnte, eigentlich sogar bevor er überhaupt anfangen konnte unterbrach ihn die Stimme des kleinwüchsigen Mannes. Aber es waren weniger die Stimme als die Worte, die seinen Kopf hoch rucken ließen.

Neben sich hörte er Shandira die Luft ausstoßen, man musste keine Gedanken lesen können um dieser Reaktion eine Emotion zu ordnen zu können. Spätestens der Blick ihrer Augen schaffte Klarheit und auch Degan’s Blick war alles andere als begeistert.
Es obliegt meiner Verantwortung wem zu Erst geholfen wird, kleiner Mann, nicht der euren, und der Hund ist weitaus…
Seine stummen Gedanken brachen ab, als er dem Blick des Mannes folgte und sah wie die Anführerin der Gruppe aschfahl im Gesicht geworden war und Mühe zu haben schien, sich auf den Beinen zu halten. Sie schwankte, fiel jedoch nicht. Noch nicht. Auch wenn er über den scharfen Unterton Gnomos‘ immer noch nicht sonderlich erbaut war. So akzeptierte er doch dessen scheinbare Sorge um die Dunkelhaarige und nicht seinem eigenen Bein. Trotzdem hätte er den Verband noch zu Ende gebracht, es war schließlich keine stundenlange Operation, wäre da nicht Shandira gewesen, die ihn nun bat der Bitte… dem Befehl des Kleinwüchsigen nachzugehen. Einen Augenblick sah er ihr in die Augen, glaubte zu erkennen, dass hinter der unterdrückten Wut in ihrer Stimme der ehrliche Wunsch stand, dass er wirklich Laelay den Vorrang gab. Vielleicht irrte er sich aber auch nur, er selbst konnte die Wut verstehen, schließlich konnte es Degan kein bisschen leiden wenn jemand glaubte ihm befehlen zu können wer zuerst Hilfe verdiente, zumeist reagierte er mit scharfem Trotz. Aber… Eyla würde an ihrer Verletzung nicht sterben, was der Frau fehlte wusste er jedoch noch nicht zu sagen. Also nickte er, und sprach dann leise und ernsthaft.
„Ich verspreche euch, dass ich mich sofort danach um Eyla kümmern werde. Seid unbesorgt, ihr wird es wieder gut gehen.“

Dann richtete er sich auf und verlor keine weitere Zeit, sondern schritt wieder von dem Wagenzug weg, wich dabei dem blonden Strubbelkopf aus, der der Söldnerin den Strick gebracht hatte. Gnomos war währenddessen los gehumpelt um nach dem dritten Söldner zu sehen, der – so vermutete Degan – wohl einen nicht ganz freiwilligen Sturz von den Klippen hinter sich hatte. Dasselbe schien auch jener Erik zu denken, wenn man dessen Röhren betrachtete, aber das war ebenfalls nicht Degans Problem. Ob die Schwarzhaarige mitbekommen hatte, dass er zu ihr geeilt war, wusste er nicht, aber er blieb etwa in einem Meter Abstand stehen, bereit aufzufangen falls es etwas aufzufangen gab.
„Es geht euch nicht gut, was fehlt euch? Womöglich kann ich helfen?“
Sprach er sie ruhig an, das war schließlich offensichtlich, aber es sollte das „Eis brechen“. Erst jetzt sah er den blutigen Schnitt an ihrer Hand, seine Augen weiteten sich etwas.
„Woher habt ihr den Schnitt? War die Klinge vergiftet?!“
Fuhr er, immer noch ruhig, aber drängender und innerlich alarmiert fort. Das die offensichtlich im Waffengang geübte Frau von einem so kleinen Schnitt Kreislaufprobleme bekommen haben sollte hielt er für äußerst unwahrscheinlich… doch Gift vermochte manch Riesen zu Fall zu bringen, es erschien ihm als die erste sinnvolle Schlussfolgerung.

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Re: Ein tollkühner Plan

Beitrag von Laelay Len Shaya » Sa, 19. Mai 2012 0:21

Im einen Augenblick ging gerade noch alles seinen mehr oder weniger geordneten Lauf, im anderen war sie plötzlich unfreiwillig Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Es schien ihr, als wären ihr zwischen diesen beiden Ereignissen ein paar Sekunden oder Minuten verloren gegangen, denn wie es dazu kam war ihr momentan entfallen. Nun stand schon Degan vor ihr und fragte sie nach dem Schnitt in ihrer Hand. Sie brauchte einige Sekunden, um zu verstehen, wie er darauf kam, dass die Klinge vergiftet sein sollte.
„Mir fehlt nichts.“ Sie gab sich Mühe, ihre Stimme fest klingen zu lassen, auch wenn sie sich langsam eingestehen musste, dass ihre Aussage nicht der Wahrheit entsprach. Doch immerhin schien es ihr, dass ihr Körper so langsam wieder den Dienst aufnahm, umso mehr sich ihr Herzschlag beruhigte. Immerhin tanzten keine dunklen Flecken mehr am Rand ihres Sichtbereiches. Wenn sie nur still stehen blieb, würden ihr hoffentlich auch die Kopfschmerzen fern bleiben.
„Nein, der Dolch war nicht vergiftet. Ich habe mich nur dumm angestellt.“ Ein ironisches, für sie so typisch schräges Grinsen verzog kurz ihre Lippen und wirkte ein wenig angestrengt dabei, dann sprach sie weiter, die Stimme matt.
„Aber mit dem Gift habt Ihr nicht so ganz unrecht. Nachwirkungen vom gestrigen misslungenen Auftrag.“ Sie warf einen sehr kurzen, angewiderten, geradezu tödlichen Blick hinüber zu Erik, den dieser trotzig erwiderte. Und zum ersten Mal kam ihr kurz darauf der Gedanke, dass es vielleicht nicht allzu klug gewesen war, auf eine noch nachwirkende Vergiftung Wein zu trinken.
„Also falls Ihr nicht rein zufällig ein Wundermittel dabei habt, tut es hoffentlich auch etwas Ruhe… kümmert Euch besser um den Hund, der hat es nötiger.“
Und wenn Degan ging, würde sie sich hoffentlich unauffällig und ganz vorsichtig zum Wagen schleichen können, um sich dort im Fall des Falles festhalten zu können – statt schmachvoll von einem Fremden aufgefangen zu werden. Seine halb ausgestreckten Arme sprachen jedenfalls Bände davon, wie ihre Indisponiertheit von außen wirken musste. Solange er vor ihr stand, bewegte sie sich jedoch keinen Zentimeter und verwendete einen Großteil ihrer Konzentration darauf, auf den Beinen zu bleiben… denn sie ahnte, dass ihr Gleichgewichtssinn ihr momentan keine guten Dienste leisten würde, sollte sie es wagen, sich von der Stelle zu bewegen.

Während sie so recht nutzlos in der Gegend herum stand und sich über sich selbst ärgerte, ihr ruhiger werdender Herzschlag in ihren Schläfen dröhnte und das Blut an ihrer Hand trocknete, hatte sie zumindest Zeit, Sinn in ihre Beobachtungen zu deuten. Zum Beispiel in Gnomos’ Worte und sein kurzzeitiges Verschwinden: Das war wohl seine Antwort auf ihre Frage gewesen. Er hatte scheinbar, ob durch Zufall oder Können, den dritten Gegner schon ausgeschaltet gehabt, bevor er den Hang herunter fiel - jenen dritten Gegner, der ihnen sonst unzweifelhaft noch zum Verhängnis geworden wäre. Seltsamerweise war Laelay froh, dass dies nun wieder ein positives Licht sowohl auf Gesinnung als auch auf Können des Zwerges warf. Immerhin hätte er ja auch einfach in den Hügeln verschwinden können… wie es aussah, hatte er die Gefahr ja weit früher als sie bemerkt.

Noch zog sie es vor, mit beiden Füßen auf der Erde stehen zu bleiben, doch die Sprunghaftigkeit ihrer Gedanken hatte inzwischen nachgelassen. Das Zittern ihrer Hände und Knie leider nicht (Adrenalin, Wein und Gift schienen einen seltsamen Cocktail abzugeben), doch wozu lief hier ein Sklave herum? – dachte sie mir einiger Gehässigkeit, für die sie sich gleich darauf schämte. Er würde nicht mehr lange Sklave sein, dafür würde sie sorgen, doch bis dahin konnte er ihr ja ruhig behilflich sein. Sie wollte jedenfalls nicht vor all den Leuten hier im Schlamm landen.
Der junge Finn jedenfalls, der eben gerade noch vor Ithnan gestanden hatte und ihn stumm und mit undeutbarem Gesichtsausdruck betrachtet hatte, folgte ihrer Aufforderung ebenso wortlos und hob den Langdolch aus dem nassen Gras… sie musste jedoch zweimal fragen, bevor er ihn ihr widerwillig und zögernd gab. Es war offensichtlich, dass er die Waffe lieber selbst behalten hätte.

Erst als Gnomos zur Gruppe zurückkehrte, setzte auch Laelay sich vorsichtig in Bewegung. Sie versuchte ihre Schritte locker und entspannt wirken zu lassen, was ihr aber leider nicht wirklich gelang. Trotzdem schaffte sie es ohne weitere Schwindelanfälle bis zum Wagen und wartete darauf, dass Degan den Hund fertig verarztet und Shandira fertig getröstet hatte, um ihn dann zu bitten, mit Gnomos die Gefesselten in den Wald zu schleifen. Bisher hatte sich ja niemand gegen diesen Plan geäußert. Die berittenen Begleiter von Merriadock haten sich noch einige ernste Worte von diesem anhören müssen und hatte dann für den Moment von jedem Plan abgesehen, ihren Söldnerkumpanen helfen zu wollen.
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Re: Ein tollkühner Plan

Beitrag von Gnomos » So, 20. Mai 2012 1:58

Gnomos verfolgte die weitere Szene scheinbar teilnahmslos. Die erste Zurechtweisung des Heilers quittierte Gnomos nur mehr mit einem knappen Lächeln, das freundlich auf seinen Lippen sich widerspiegelte, diese aber nicht verließ. Kalt und ob ihrer Färbung bedrohlich würden seine Augen das geschehen um ihn her mustern. Shandiras Blick, nachdem der Heiler der schwankenden Söldnerin ansichtig geworden war, bemerkte der Bergelf sehr wohl. Mit steinernem Gesichtsausdruck und unverändert hartem Blick verharrte er kurz, gerade solange der Zigeunerin klarzumachen das er sich nicht etwa schuldbewusst abwandte und zu seinen Worten, wie seiner Entscheidung unverändert stand. Nur ein sehr guter Beobachter mochte vielleicht den Anflug eines tief verborgenen Schmerzes kurz über seine Augen huschen sehen. Ein Schmerz, wie ihn viele, Zeit ihres Lebens von Ablehnung und Hass verfolgte Kreaturen erkennen ließen. Die Verachtung, die er in der Zigeunerin erkannte, war nichts was ihn noch verletzen mochte - nicht mehr. Nicht mehr seit der Bloßstellung durch seine erste erste große Liebe, damals in seinen Jugendjahren. Als der Bergelf, ob jener Überlegungen, Aoibheils und des Preises gedachte den diese für ihre Bösartigkeiten ihm gegenüber gezahlt hatte, verzog sich sein Gesicht für einen winzigen Augenblick zu einer wahrhafte Boshaftigkeit widerspiegelnden Maske, ehe der Anflug von unbestimmter Traurigkeit in seine darauf wieder beinahe ausdruckslosen Züge zurückkehrte. Ungerührt verfolgte er Shandiras vor unterdrücktem Zorn schier widerhallende Worte an den Heiler und als dieser sich darauf umwandte erwiderte Gnomos mit verstehend ruhiger, ja beinahe schon mitfühlend sanfte Stimme der Elfe: „Ihr braucht euren Zorn nicht zurück zuhalten, ich bin weit schlimmeres gewohnt, als euch vermutlich gerade auf der Zunge brennt. Tut euch also bitte keinen Zwang an.“ Anschließend erst würde er sich auf den Weg zum dritten Mann machen.

Als er zum Wagen zurück kehrte beendete Merriadock gerade eine scheinbar reichlich theatralisch gehaltene Rede an seine letzten ihm verbliebenen zwei Wachen. Der Alte hörte sich eindeutig zu gerne reden und wäre Gnomos nicht gerade von dem Besuch eines Toten wiedergekehrt und angesichts der reichlich hölzern aber immerhin auf eigenen Beinen zum Wagen schreitenden Söldnerin in Sorge, er hätte vermutlich nicht minder theatralisch die Augen himmelwärts verdreht. Wahrlich, er hatte viel Zeit gehabt das Redetalent des alten Mannes mehr denn reichlich auskosten zu können. So aber lauschte er der Aufforderung der Söldnerin, die mit dieser gewartet hatte. Ob bis zu seiner, Gnomos Rückkehr oder aber des Heilers Versorgung des Hundes, vermochte er nicht zu sagen, ereignete sich beides doch quasi Zeitgleich. So begnügte sich Gnomos damit das Schwert das Erik mehr oder minder bewegungslos beim Wagenrad hatte ausharren lassen mit einem satten Schmatzen aus dem schlammigen Untergrund zu ziehen. Er zog den Mann vorsichtig auf die Beine und drückte diesem darauf beinahe sanft das ein Messer in den Rücken, das dieser nur gerade den leichten Druck der Klinge spüren, wie sich davon gen Wegesrand dirigieren lassen konnte. Bald verschwanden die Beiden zwischen den Bäumen dort verschwanden. Ein Seil Hatte Gnomos sich zuvor vom Wagen genommen und mit einem Schwerthieb zweigeteilt. den zweiten Strick dem Heiler zugeworfen. Erik hatte Angst, wechselte sich in Drohungen und Betteleien ab und versuchte sich auch in zwei ungeschickten plötzlichen Ausbruchsversuchen die immer mit der Klinge eines der Messer Gnomos an seiner unversehrten Kehle endeten. Gnomos ignorierte beide Gefangenen und erst als er einen geeignet scheinenden Baum, abseits des Weges fand bedeutete er Erik mit dem Rücken sich an den Stamm zu lehnen, die Arme nach hinten gestreckt. Er würde, wenn Degan dem nicht widersprach, den anderen Gefangenen gleichermaßen an den Baum fesseln wollen und dann aber beide Stricke soweit anschneiden, das die Beiden, wenn auch nur mit viel Zeit und Mühe, diese endgültig zerreißen mochten - in ein paar Stunden oder so. Auch würde Gnomos ihnen die Stiefel und sämtliche Waffen abnehmen wollen. Erstere damit sie nach ihrer Befreiung noch langsamer nur vorwärts kämen und letzteres sie ihrer Gefährlichkeit weiter zu berauben. Anschließend hockte er sich nacheinander vor beide hin und blickte jedem wortlos mehrere Minuten in die Augen, seinen bersteinfarbenen Blick keinen Augenblick dabei abwendend. Danach lächelte er, stand auf und ging wortlos pfeifend zum Fuhrwerk des Händlers zurück. Wenn die beiden auch nur die Hälfe der Geschichten glaubten die man Leuten mit seinen Augen so nachsagte, mochten sich beide nun sicherlich gerade so ihre Gedanken machen. In der Vergangenheit hatten solche Spielereien durchaus schon mal dazu geführt das gestandene Frauen und Männer fortan einen großen Bogen um ihn gemacht hatten, nicht wissend was ihrer im Falle einer weiteren Begegnung harrte.

Am Wagen zurückgekehrt würde Gnomos drängen den Ort hier zu verlassen, aber auch darum bitten dem Toten wegaufwärts ein zumindest notdürftiges Grab zu bescheren, das sich nicht die Tiere des Landes über diesen hermachen konnten. Degan indes würde er eine etwaige Untersuchung seines Beines verweigern, brauchte dieses seiner Einschätzung nach doch nichts weiter denn etwas Entlastung, den restlichen Tag über und ein heißes Bad am Abend[18]- sowie allenfalls vielleicht noch die geschickten Finger einer kundigen Masseuse dazu, so eine solche sich denn finden ließe[/18].
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Re: Ein tollkühner Plan

Beitrag von Shandira » Di, 05. Jun 2012 11:44

Der kurze Blick des Heilers, der ihre Augen traf, war ihr plötzlich unangenehm. Sie bereute es mit einem Mal, sich so von der Wut hinreißen gelassen zu haben und hoffte, dass er den Grund ihres Tonfalls verstand und es nicht persönlich nahm. Was genau ihn dazu bewog, sich tatsächlich erst um Laelay zu kümmern, konnte sie nicht sagen. Verstand er sie? Glaubte er vielleicht gar, sie wollte seine Hilfe nicht mehr? Nur Sekunden nach ihrer Reaktion, kam sie sich Degan gegenüber plötzlich dumm vor, wegen den Worten des Zwerges so zu reagieren. Ob er verstand, dass sie allein aus der Sorge und Zuneigung zu Eyla so reagiert hatte? Schon früher hatten die anderen Zigeuner ihr teils belustigt, teils mit unverständlichem Kopfschütteln vorgehalten, dass sie ihre Hündin besser behandelte als einen Menschen. Tatsächlich bedeutete Eyla ihr einfach zu viel, um einen so abwertenden Befehl von jemand Fremden einfach so hinnehmen zu können.
Degans Worte verstreuten ihre Zweifel jedoch. Er klang so ehrlich und mitfühlend, dass sie gar nicht anders konnte als ihm zu glauben, dass er sich nachher um Eyla kümmern würde und er ebenfalls erkannte, dass es Laelay schlechter ging und, auch wenn sie es Gnomos nicht zugestehen wollte, seine Hilfe mehr benötigte. Dass ihre Hündin nicht sterben würde, war auch Shandira so langsam klar gekommen, sonst hätte sie den Heiler wohl auch nicht einfach so gehen lassen können.
Während sie der Hündin beruhigt über den Kopf streichelte, beobachtete sie das Geschehen um Laelay, die immer blasser zu werden schien und noch wackliger auf den Beinen stand als noch vor ein paar Sekunden. Auch der konzentrierte Ausdruck auf ihrem Gesicht nahm mit jeder Minute zu, als kostetete es sie unglaubliche Mühe, auf den Beinen zu bleiben und, so wie sie die Söldnerin kenen gelernt hatte, keine Schwäche zu zeigen. Wie kompliziert diese Einstellung sein konnte, wurde jetzt in dieser ernstlichen Lage klar. Shandira hoffte, dass Degan auf die Halbelfe genauso gut eingehen und einreden konnte wie eben auf sie selbst.

Die Worte des Gnoms indes sorgten nicht gerade dafür, dass der Zorn aus ihrem Blick erlosch. Auch wenn sie dazu führten, dass sie sich für einen kurzen Moment recht kindisch vorkam. Sie konnte sich gut vorstellen, dass er schlimmeres gewohnt war als wütende Blicke über die Worte zu einer Hündin, zu der er keinerlei Bezug hatte. Trotzdem sträubte sie sich im Inneren dagegen, seine Worte einfach so hinzunehmen. Einen Moment musste sie an den Shiín denken, an dem sie einmal ihre Wut offen ausgelassen hatte, was ihr nicht sonderlich gut getan hatte. Wenn sie so an seine gelben Augen dachte.. sicherlich war er schlimmeres gewohnt und auch wenn es in ihr brodelte, war es vielleicht nicht so klug, ihn herauszufordern. So beschloss sie es bei einem finsteren Blick mit zusammen gekniffenen Lippen zu belassen. Hätte er sie gut gekannt, er wüsste wohl, dass er ab jetzt mit lang anhaltender und sturer Ignoranz rechnen konnte.

Noch ein kurzer Blick zu Laelay, weg von Gnomos, der inzwischen die beiden Gefangenen ins Unterholz führte, dann erhob sich die Zigeunerin schwungvoll. Eyla wollte ihrer Herrin folgen, doch sie sorgte dafür, dass sie ruhig blieb und sich nur langsam erhob. Während sich Degan um Laelay kümmerte, nutzte Shandira die Zeit, um Eyla zum Karren zu begleiten und ihr dabei zu helfen, sich auf diesen zu legen. Danach holte sie die Paste und Verbände, die der Mensch zu Tage gefördert hatte und brauchen würde, um Eyla weiter zu verbinden, wie er es vorgehabt hatte. Nur, dass er sie dann gleich auf dem Wagen verarzten konnte. Vielleicht würde er sich ihnen ja sogar anschließen und sei es auch nur, um sein Maultier und seine Füße zu schonen. Das waren sie ihm allemal schuldig.
Als sie mit den Sachen des Heilers zum Wagen zurück kehrte, war auch Laelay dort angekommen. Sehr wacklig, sie sah nicht gerade gut aus. Augenscheinlich hatte sie die Hilfe des Heilers ausgeschlagen. "Setz dich lieber." Helfend bot sie der Söldnerin ihren Arm als Stütze, rechnete aber damit, dass sie auch diese ablehnen würde, und reichte ihr dann einen Wasserschlauch vom Wagen. Shandira sah neugierig an dem pfeifend zurück kehrenden Gnom vorbei, konnte die beiden Gefangenen aber nicht entdecken. Auch den Klang von Klingen hatte sie nicht vernommen.. was der Unheimliche wohl mit ihnen gemacht hatte? Schon allein die Bitte darum, dem Dritten ein angemessenes Grab zu bescheren, ließ vermuten, dass er doch nicht so grausam war, wie das Bernstein in den Augen vermuten ließ. Doch Shandira fühlte sich nicht in der Verantwortung dafür - und außerdem war sie noch immer wütend auf ihn. "Dann kümmert Euch darum", antwortete sie deshalb nur trocken, ehe sie den Blick demonstrativ wieder zurück zu Laelay wandte, um ihren Gemütszzustand im Auge zu behalten, und kurz an ihr vorbei nach Degan Ausschau hielt. Auch Finn hatte sich in der Zwischenzeit zurück auf den Wagen gesetzt und kümmerte sich um die Hündin, während Merriadock Gnomos' Drängen zur Weiterreise zustimmte und die Zügel in die Hand nahm, um ihm Folge zu leisten, sobald sich das Grüppchen wieder zusammen gefunden hatte. Auch der Zigeunerin war es lieb, diesen Ort so schnell wie möglich zu verlassen.
Tanze, tanze über Tiefen, denn wer tanzen kann der lebt!

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Inventar:Tasche mit Proviant,Wasserschlauch und Reiseutensilien; Maultier, beladen mit weiterem Zeug, darunter auch seine vielfältige Heilerausrüstung (siehe Steckbrief)

Re: Ein tollkühner Plan

Beitrag von Degan » Mo, 11. Jun 2012 13:18

Obwohl es der Söldnerin sichtlich ganz und gar nicht gut ging, so schien sie dennoch zu stolz zu sein um ihre Schwäche ein zu gestehen. Nun gut, das kannte der Heiler zu Genüge, seiner Ansicht nach waren 80 Prozent aller Waffenträger so… die meisten davon nur eben Männer. Das war nichts womit er nicht klar kam, mit Bestimmung würde er hier nur auf Trotz stoßen, von daher nickte er Laelay nur verstehend zu und nahm die Hände zurück. Registrierte ihren Blick zu ihrem Gefangenen, jenem Erik, allerdings sehr wohl als sie von einem gestrigen, misslungenem Auftritt sprach. Die beiden Gruppen schienen wirklich eine gemeinsame Vergangenheit zu haben und der Heiler konnte nicht sagen, nicht neugierig zu sein, doch war dies mit Sicherheit nicht der richtige Zeitpunkt für derartige Fragen. Stattdessen sprach er nach einem kurzen amüsierten Grinsen über Laelays Galgenhumor erneut. So schlecht konnte es ihr gar nicht gehen.
„Kein Wunderheilmittel nein, aber ich denke… ich kann euch dennoch helfen. Später wenn wir wieder unterwegs sind. Tut euch bitte selbst einen Gefallen und ruht euch bis dahin wirklich aus.“
Dabei ignorierte er geflissentlich, dass er eigentlich nicht zur Gruppe gehörte. Aber allein die Tatsache, dass er die Hündin und vielleicht auch die Kriegerin behandeln würde machte sie zu seinen Patienten und damit würde er nicht nach getaner Arbeit abhauen sondern solange warten bis er keine Verschlechterung des Zustandes befürchten mussten. Allerdings klang seine Stimme eher gutmütig als belehrend, sie war alt genug um eigene Entscheidungen zu treffen. Sein Rat war nur ein Rat und kein Befehl. Auch fragte er sich insgeheim ob es klug war, der Frau seine Fähigkeiten offen zu legen. Die Wahrscheinlichkeit ein Gift, das keine typischen Merkmale aufwies war schwierig, er konnte sich dann nur auf seine besonderen Gaben berufen. Und manche Menschen reagierten auch auf gut gemeinte Naturmagie sehr empfindlich… in Arcanis hatte er gelernt, dass man damit nicht hausieren gehen sollte. Aber sollte er sich anders entscheiden konnte er ihr immer noch einfach einen Kräutertee aufkochen, der ähnliche wenn auch nicht ganz so effiziente Auswirkungen hatte.

So ließ er die Frau erst einmal alleine, folgte ihrem Wunsch nach Ruhe, und nahm stattdessen, den Strick, denn ihm der kleine Elf zugeworfen hatte. Es ihm unangenehm Gefangene zu transportieren… oder einfach im Wald zu lassen. Doch auf Burg Kernok gab es wahrlich keine Gerechtigkeit in diesem Fall hatte Laelay Recht gehabt. Am Ende würden sich die Beiden in der grobschlächtigen Garde des Grafen wieder finden. So folgte er Gnomos, Ithnan und Erik also, stellte allerdings mit einiger Erleichterung fest, dass er den Kleinen nicht von einer Exekution abhalten musste. Stattdessen schnitt der Elf sogar die Fesseln an, damit sie sich irgendwann alleine befreien konnten. Eine Geste die der Heiler sogar gut hieß, was er Gnomos mit einem Nicken und einem zustimmenden Blick verdeutlichte als er kurz sein Augenmerk hatte. Nach verstreuten Waffen und Stiefeln, sowie einem langen, eindringlichen Blick des Elfen für Beide, kehrten sie wieder zum Wagen zurück, wobei Degan nicht so fröhlich war, das er pfiff, wie sein Begleiter. Aber er war zumindest erleichtert, dass die Situation soweit bereinigt war.

Dort angekommen machte er sich daran sein Versprechen einzulösen und kletterte zu Shandira, Eyla und dem blonden Jungen. Und mittlerweile auch Laelay, die sich wenigstens seinen Rat zu Herzen genommen haben schien. Die rothaarige Halbelfe hatte auch schon seine Utensilien mitgebracht, so dass er direkt anfangen konnte. Während er hin und wieder leise mit dem aufmerksamen Tier sprach trug er sorgfältig und vorsichtig, um keine zusätzlichen Schmerzen zu verursachen, die Paste auf. Sobald die kühlende Wirkung einsetzte spürte er wie die ruhige Hündin sich allmählich entspannte und mit einem leichten Lächeln machte er sich daran Bein, Wunde und Paste mit jenem weißen Leinenverband zu umwickeln. Es war keine große Sache und nach wenigen Augenblicken erledigt, der Verband saß fest und sauber, Eyla hatte es überstanden.
„Das dürfte ihr helfen.“
Gab er der Rothaarigen lächelnd zu verstehen und packte seine Sache wieder weg. Nach einem kurzen Gespräch mit Gnomos, in dem dieser ablehnte sich seinen Fuß anschauen zu lassen und ihm Degan allerdings versprach bei dem Begräbnis des Dritten zu helfen, ein paar Worte an Cirian im Zuge der behelfsmäßigen Beisetzung zu richten, besprach er mit Merriadock ob er sich der Reisegruppe anschließen könnte, zumindest bis er wisse, dass es den Verletzten besser gehe. Dem rede freudigen Händler war dies Recht, solange die anderen der Gruppe nichts dagegen hatten und Degan wollte hier nicht länger als nötig bleiben.

Zu guter Letzt, als alles was es für ihn zu erledigen gab erledigt war und der Zug sich wieder in Bewegung gesetzt hatte, ließ er sich neben der vergifteten Kriegerin nieder, Rowina konnte und würde neben bzw. hinter her trotten. Einen Augenblick sagte er nichts, er überlegte nur, kam aber zu keinem eindeutigen Ergebnis.
„Ich kann euch einen Tee aufbrühen, der die meisten Beschwerden ein wenig lindern sollte. Zumindest bei herkömmlichen Gift. Habt ihr besondere Auswirkungen an euch beobachtet? Verfärbungen an Zunge oder Händen? Lähmungserscheinungen an irgendwelchen Gliedmaßen. Unregelmäßige Zuckungen oder sonstige Gliederschmerzen? Von Kopfweh, Übelkeit und Schwindel kann ich leider kaum etwas diagnostizieren…“
er klang nachdenklich und kurz schwieg er, dann sprach er erst weiter, dieses Mal etwas leiser. Es musste nicht jeder mit hören, zumindest nicht die anderen Söldner, ihre Gefährten konnten sicherlich alles hören wenn sie es darauf anlegten.
„Es gäbe auch noch eine andere Möglichkeit… eine die wahrscheinlich besser funktioniert. Aber sie mag euch ein wenig… befremdlich erscheinen.“
Das ließ er so erst einmal im Raum stehen.

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Re: Ein tollkühner Plan

Beitrag von Laelay Len Shaya » Mi, 27. Jun 2012 22:18

Shandiras Angebot, ihr zu helfen, klang in den Ohren der Söldnerin wie Spott, und mit einem dementsprechend abweisenden Blick schlug sie es kalt aus. Wahrscheinlich hätte ihr das Mädchen auch kaum helfen können. Etwas umständlich schaffte sie es ohne weitere Zwischenfälle auf den Wagen. Nun hatte sie ja etwas, an dem sie sich festhalten konnte. Auf der halb leeren hölzernen Ladefläche lehnte sie sich an einen Ballen Stoff. Einen erleichterten Seufzer konnte sie nicht unterdrücken. Von ihrer etwas erhöhten Position aus beobachtete sie zufrieden, wie ihrer Bitte Folge geleistet wurde. Was der Gnom und Degan genau mit den beiden Gefangenen taten, war ihr herzlich egal, wie so vieles in diesem Moment.

Schon kurz darauf setzte sich der Wagen ruckelnd in Bewegung. Es schien allen daran gelegen zu sein, den Ort des Zwischenfalls schnell zu verlassen. Dass Degan bei der Gruppe blieb, verwunderte die Söldnerin nicht. Sicherlich wollte er den Hund verarzten und seinen Lohn einstreichen. Oder er freute sich, auf dem halbwegs bequemen Karren ein Stück mit reisen zu können. Oder er war tatsächlich ein selbstloser Spinner, der das alles tat, weil er es für gut und richtig hielt. Was auch immer. Laelay lehnte sich zurück und schloss für einen Moment die Augen, genoss das Gefühl der verfliegenden Kopfschmerzen…
Mit einem Ruck hielt der Wagen, und kaum eine Sekunde später hatte die Söldnerin sich aus ihrer halb liegenden Position auf die Knie erhoben, kampfbereit… wo es nichts zu kämpfen gab. Dafür aber rasende Kopfschmerzen als Belohnung für ihre schnelle Reaktion. Sie musste wohl kurz eingenickt sein, denn die Szenerie hatte sich zumindest ein klein wenig geändert. Immer noch verdammte, undurchdringliche Wildnis um sie herum, doch der Felsen, der vorhin nahe der Straße aufgeragt war, war hier ein wenig von dieser zurückgewichen. Warum hatten sie angehalten? Sie musste kurz nachdenken, doch dann fiel ihr wieder ein, wie Gnomos vorhin etwas davon gesagt hatte, dass noch eine Leiche beseitigt werden musste. Und da eine Leiche ihr wohl nicht gefährlich werden konnte und sie nicht vor hatte, mit zu helfen, lehnte sie sich wieder zurück und wartete einfach ab, bis Gnomos und Degan wieder zurückgekehrt waren und der Wagen sich wieder in Bewegung setzte. Langsam ging es ihr tatsächlich wieder besser… zumindest so lange, wie sie sich nicht groß bewegte. Sie hatte nun wieder eine halbwegs sitzende Position eingenommen und beobachtete abwesend die langsam an ihr vorbei ziehende Gegend, die nicht viel Spannenderes bot als Bäume, Bäume und Bäume. Sie war kurz davor, in Gedanken wieder in unerfreuliche Dinge wie den noch immer nicht geschmiedeten Plan abzudriften, da sprach Degan sie plötzlich an.

Etwas misstrauisch, aber aufmerksam wandte sie den Blick zu ihm und lauschte seiner Frage. „Ein Tee? Unkraut in heißem Wasser? Und das soll helfen?“
So ungern sie es zugab, sie würde momentan das seltsamste Gebräu trinken, wenn es ihr nur dabei half, wieder so gut zu funktionieren wie sonst. Und so wiegelte sie nicht gleich ab, sondern antwortete ihm tatsächlich auf seine Frage.
„Atemnot. Ein vergifteter Pfeil. Ich wäre gestern beinahe erstickt, wenn der… Gnomos nicht gewesen wäre.“
Ihre Augen wurden schmal bei seinem zweiten Angebot. Was wollte er damit sagen? Sie konnte sich beim besten Willen nichts darunter vorstellen. Von Naturmagie wusste sie nichts, hatte kaum je davon gehört, und schon gar nicht in Verbindung mit Heilkräften. Trotzdem war sie kurz davor, ihre Zustimmung, sich von ihm helfen zu lassen, wieder zu bereuen… und die Grundzüge dieser Gedanken sah man ihr sicherlich auch an. Sie hatte keinen Grund, das zu verbergen.
„Was wollt Ihr damit sagen? Versucht bloß keine Experimente an mir.“
[i][color=#3A4F57][size=92]Schenk voll ein - und immer, immer mehr![/size][/color][/i]

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Re: Ein tollkühner Plan

Beitrag von Gnomos » So, 01. Jul 2012 22:01

Die Zigeunerin ignorierte seinen Rat, schluckte ihren Ärger weiter herunter, statt sich offen Luft zu machen. Aber das war dann wohl ihr Problem, nicht das Seine. Das sie ihn fortan mit bösen Blicken strafte war ihm dabei einerlei. Das sie später aber auf seine Bitte anhalten zu können, den Toten zu bestatten derart gefühllos reagierte, das bescherte ihr dann doch einen so gnadenlosen wie verächtlich kalten Blick aus bernsteinfunkelnden Augen! „Ich habe dort einen Menschen getötet, Kind! Möglicherweise den Vater eines Kindes, Gemahl einer Witwe und mit Sicherheit den Sohn zweier Eltern die nun vielleicht auf ihre alten Tage mit der Gewissheit werden leben müsse, das ihr vielleicht einziges Kind ihnen vorausgegangen ist! Wenn Ihr Euch in meiner Gegenwart auch nur noch einmal so vergesst, vergesse ich mich! Behelligt mich mit soviel Verachtung wie ihr mögt, aber spottet - nie - wieder, in meiner Gegenwart der so unnötig Gerichteten oder ihren Hinterbliebenen!“ Kalt und schneidend, wie ein Versprechen vom Tod verließen diese geflüsterten Worte seine Lippen ehe er sich umwandte und den Kutschbock bestieg. Ein Schnalzen, ein Schlagen der Zügel, und das Gefährt setzte sich langsam in Bewegung. Aufgrund des vorherigen Schauers war der Untergrund schlammig, lief der Wagen mehrfach Gefahr sich festzufahren. So übergab Gnomos die Zügel immer mal wieder an Merriadock, stieg ab, legte Bretter unter die Räder oder prüfte, mit einem Spaten vorauseilend, die Festigkeit des Weges. Schließlich gab er Merriadock ein Zeichen anzuhalten. Er eilte zu einem Strauch und trug den dahinter verborgenen Toten, erfreut das der Heiler ihm dabei half, zu einem ebenen Flecken Erde.

Mit einer Verbissenheit die den Anderen befremdlich scheinen mochte, hieb er den Spaten immerfort auf's Neue in die Erde bis schließlich ein Großteil seines Zornes verraucht und eine ansehnliche Grube dafür ausgehoben war. Das sich das Wasser schließlich darin sammelte, er konnte es nicht vermeiden. Mit dem Menschen zusammen ließ er den Toten hinab, kreuzte dessen Arme auf der Brust, schloss ihm die Augen und blickte nur kurz einmal erstaunt auf, als eine Anrufung Cirians von des Menschen Lippen erklang. Er nahm dem Toten noch eine kleine goldene Halskette ab, verließ die Grube und schaufelte diese anschließend, wiederum mit des Heilers Hilfe zu. Dann ging er ein paar Schritte, klaubte einen abgebrochenen Ast vom Boden auf, stak diesen über der frisch zugeschaufelten Grube in den Boden, und befestigte die goldene Halskette des Toten daran, das dies funkelnd das durch die Wolken hervorbrechende Sonnenlicht widerspiegelte. Seine eher unscheinbare stumme Anrufung an Cirian, gesprochen mit dem vom Gold zurückgeworfenen Lichte selbst. Seine Lippen indes verließ nur eine kurze Bitte an Rhelun den Toten gnädig aufzunehmen und ihm etwaige im Leben begangene Vergehen nachzusehen. Darauf wandte er sich kurz Degan zu und sprach ein einzelnes leise aber zugleich auch klares „Danke!“ diesem gegenüber aus, schritt zum Wagen zurück, verstaute die Schaufel wieder an ihrem Platz auf der Ladefläche, bestieg erneut den Kutschbock und setzte das Gefährt wortlos wieder in Bewegung. Sein Gesicht verbarg er unter einer tiefgezogenen Kapuze, er sprach kein Wort, beteiligte sich an keiner Diskussion und konzentrierte sich nur mehr darauf, den Wagen sicher den Weg weiter hinauf zu befördern.

Was in seinem Geiste vorging vermochte wohl niemand zu sagen, aber die Wut, mit der er den Spaten vorhin in die Grabeserde gerammt hatte, sein eisernes Schweigen das, wenn es nach ihm ginge, die ganze restliche lange Fahrt noch dauern mochte, es machte ihn zu einem noch unangenehmeren Reisegefährten, denn eh schon. Selbst die Zugtiere schienen seine Unruhe zu verspüren, welche alsbald auf sie übersprang. Aber erst als eines der Tiere einen unsicheren Ausfallschritt machte und darob ein leises Zischen wie etwa von zwischen den Zähnen hervor gepresster Luft unter des Bergelfen Kapuze hervor klang, griff der zuletzt ungewohnt schweigsam neben diesem gesessen habende Merriadock wortlos nach den in Gnomos Hand verkrampft gehaltenen Zügeln und löste diese aus dem sie nur zögerlich freigebenden Griff des Bergelfen, der darauf vom Wagen sprang und voraus lief. Gnomos hatte kein Problem damit zu töten, wenn es Not tat, doch er tat es niemals gerne oder mit Gleichgültigkeit. Die so gedankenlosen Worte Shandiras darum, weil er eine Verletzung der Söldnerin für ernster zu befinden gewagt hatte, als den Streifschuss ihres Tieres, auf Kosten des und so bar jeglichen Mitgefühls für den Toten, wie seiner Hinterbliebenen ... Ein leises, aber alles andere als freundlich klingendes Knurren entrang sich seiner Kehle, als er sich nur weit genug vor dem Wagen wähnte, nicht mehr von jenen darin Reisenden vernommen zu werden.
Greifst Du an, scheine unvorbereitet - bewegst Du dich, wirke inaktiv - bist Du nah, täusche Ferne vor - bist Du fern, bring sie dazu sich nach Dir umzusehen.

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