Versprochen ist versprochen

Das trockene, baumlose Land westlich des Dûngar-Gebirges.
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She'sejia
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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von She'sejia » Mi, 01. Mai 2019 0:34

Als Kékulé ihrem Vorschlag, sich nach Osten zu wenden zustimmte, machte She'sejia sich sofort daran, ihren Wasserschlauch wieder zu verstauen und Anions Sattel wieder richtigzustellen. Erst die schüchternen Worte Miras lenkten ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihre Reisegefährten. Gerade als sie die Stimme erheben wollte, kam die Kentaura ihr zuvor. „Für mich ist es in Ordnung, aber pass bitte gut auf Mira auf.“, sagte sie in einem Tonfall, den die Elfe nicht zuordnen konnte. Es war wieder nicht der übliche nachdrückliche Tonfall sondern einer, der irgendetwas versteckte, das sie nicht ergründen konnte. Kurz folgte eine beinahe unangenehme Stimmung, in der sie sich fragte, was sie verpasst hatte, dann beschloss sie es vorerst zu ignorieren und wandte sich an Mira.
Du kannst gerne auf meinem Hegst reiten.“, sagte sie und winkte das Mädchen heran. Der Braune senkte den Kopf zu Mira und schien sie ein wenig beschnuppern. Offensichtlich für die Ablenkung dankbar hob die Kleine die Hand und hielt sie dem Pferd an die Nüstern. „Er heißt Anion.“, erklärte She'sejia und flüsterte dann auf Wüstenelfisch zu Anion: „Das ist Mira, sie wird für die nächste Zeit auf dir reiten.“ Schließlich half sie dem Mädchen in den Sattel und setzte sich hinter das Mädchen. „Wir werden nicht schnell reiten und ich werde aufpassen, dass du nicht herunterfällst, aber wenn du dich unwohl fühlst, kannst du dich am Sattel festhalten.“, sagte sie sanft, während sie ihren Hengst anwies, Kékulé zu folgen.


Anfangs waren sie noch langsam, doch mit der Zeit bewegten sie sich in raschem Schritttempo vorwärts. Langsam begann sich die Sonne in ihrem Rücken dem Horizont entgegen zu bewegen. She'sejia begann sich nach einem passenden Ort umzusehen, an dem sie zumindest einen Teil der Nacht verbringen konnten, doch noch wagten sie es nicht, anzuhalten. Erst als Sterne und Mond längst die Sonne am wolkenlosen Nachthimmel abgelöst hatten, beschlossen sie an einer leichten Flussbiegung nah am Bach zu rasten. Vielleicht könnten sie bei ihrem Aufbruch die Spuren des Lagers verwischen, überlegte sie sich.
Wie schon beim ersten mal errichtete Mira ein flaches Zelt, nachdem She'sejia ihr wieder aus dem Sattel geholfen hatte. Diese nahm ihrem Hengst Sattel, Satteltasche und Zaumzeug ab und rieb ihn trocken, bevor sie sich kurz selbst stärkte. Dann wandte sie sich an Kékulé: „Ich werde diesmal die Wache übernehmen.“ Sie sagte dies mit soviel Nachdruck wie möglich, da die Bogenschützin auf sie bisher einen stolzen Eindruck gemacht hatte und sie sich tatsächlich nicht sicher war, ob diese damit einverstanden war. Doch die Elfe war auch Stolz und konnte zudem sehr stur sein.

Und so war es tatsächlich sie, die vor dem Zelt an der Uferböschung des Bachs saß und Wache hielt. Anion war wieder von Kékulé dazu überredet worden, sich hinzulegen und auch die Pferdefrau hatte sich schlafen gelegt. Selbst Mira war schnell eingeschlafen, trotz dass sie wie She'sejia am Vormittag schon ein wenig geschlafen hatte. Dieser Schlaf war wohl wegen ihres Ausbruchs nicht besonders erholsam gewesen, überlegte die Elfe und ließ die Fingerspitzen über sie Griffe ihrer Wurfmesser am Gürtel fahren. Zur Wache hatte sie all ihre Waffen anbehalten, um jeden Moment dafür bereit zu sein, auf einen Überraschungsangriff zu reagieren. So saß sie lange im trockenen Steppengras, hielt die mondlichtbeschienene Landschaft im Auge und lauschte in die Nacht, doch nichts geschah.
Erst als die Nacht schon weit fortgeschritten war, kam Mira aus dem flachen Zelt gekrochen. Sie rieb sich die Augen, wirkte aber sonst wach und kam zu She'sejia hinüber. Sie setzte sich neben die Elfe und schlang die Decke noch enger um sich, die sie vor der Kälte der Nacht schützte. Sie schien etwas sagen zu wollen, doch als einige Momente in Stille vergangen waren, erhob She'sejia das Wort. „Hast du nicht gut geschlafen oder hat dich sonst etwas geweckt?“, fragte sie sanft. Mira schüttelte den Kopf. „Ich bin von selbst aufgewacht.“, flüsterte das Mädchen und es war offensichtlich, dass sie sich in Anwesenheit der voll bewaffneten Kriegerin immer noch nicht ganz wohl fühlte. Dennoch war jetzt zumindest die Stille durchbrochen und sie sah mit ihren traurigen Augen zu She'sejia hoch und fragte: „Bist du wirklich keine Magierin? Du hast doch rote Augen!
Ein kleines Lächeln konnte sie sich bei der Antwort nicht verkneifen. „Nein. Ich beherrsche keinerlei Zauber. Aber bei meinem Volk, den Wüstenelfen gibt es Magier. Sie erspüren die Elemente und können sie durch Zauber beeinflussen. Diese Ausbrüche sind wenn dann eine passive Art von Magie, nichts das man kontrollieren kann.“ Bevor sie weitersprechen konnte, hörte sie kurz ein Geräusch und sah sich alarmiert um, doch es war nur die Kentaura, die sich wohl im Schlaf bewegt hatte. Es entstand ein Schweigen, in dem She'sejia überlegte, was sie das Mädchen fragen konnte, ohne direkt traurige oder traumatische Erinnerungen bei ihr auszulösen.
Wie bist du denn an solch eine zuverlässige Beschützerin gekommen?“, entschied sie sich schließlich. „Kékulé?“, fragte Mira und sah zu der Pferdefrau. Sie zuckte die Schultern. „Ich habe sie befreit und sie hat mir versprochen, mich nach Hause zu bringen.“ Bevor She'sejia etwas dazu sagen konnte, hob Mira die Hand und zeigte auf die blasse Narbe, die sich über ihr linkes Auge zog. „Woher hast du die?
Unsicher, ob das Mädchen einfach nicht weiter darüber reden wollte, wie sie die Kentaura befreite, oder ob sie langsam etwas ihrer Unsicherheit und Zurückhaltung bei der Wüstenelfe ablegte, antwortete She'sejia erst nicht. „Ich...“, begann sie „es waren Männer, wie die die dich gefangen gehalten haben, die mich als Kind verletzt haben.“, meinte sie vage. Dann herrschte wieder Stille, aber diesmal eine etwas angenehmere als zuvor.


Kurze Zeit später, noch vor Sonnenaufgang, beschloss She'sejia die Kentaura zu wecken. Sie packten rasch das Lager und taten ihr Bestes dabei, die Spuren zu verwischen, bevor sie sich wieder auf den Weg machten. Diesmal kamen sie schneller voran und so rückte das Gebirge immer näher und die sanften Hügel immer höher und felsiger. Ihr Lager schlugen sie wieder erst sehr spät auf, diesmal am Fuß eines Hügels an einer Stelle, die etwas vom Bach entfernt und sogar durch ein paar Felsen halbwegs von den Seiten sichtgeschützt war. Nach der Nachtwache und dem langen Tag sehnte She'sejia sich nach Ruhe. „Übernimmst du die erste Wache?“ fragte sie Kékulé mit einem unterdrückten Gähnen.
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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von Kékulé » Fr, 03. Mai 2019 15:25


Obwohl Kékulé es sich anfangs nicht eingestehen wollte, war die Tatsache dass Mira mit auf She’sejias Hengst reiten konnte eine wirkliche Erleichterung für die sturköpfige Kriegerin. Sie schaffte es besser mit ihren verbliebenen Kräften zu haushalten und daher kamen sie unerwartet gut voran. Als die Nacht über sie herein gebrochen war, fiel die Entscheidung an einer Flussbiegung Rast zu machen. Diesmal war es die Wüstenelfe, die freiwillig die Nachtwache übernahm und die Kentaura war viel zu erschöpft um darauf hin noch einen Protest zu erwidern. Daher nickte sie nur knapp und als die kleine Mira unter ihr provisorisches Zelt kletterte, legte sich auch Kékulé schlafen und fiel sogleich in einen tiefen traumlosen Schlaf. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, als die ungleichen Gefährten sich erneut für den Aufbruch bereit machten. Als She’sejia von ihre Idee die Spuren zu verwischen erzählte, nickte die Kentaura bedächtig und sagte:
„Es ist keine schlechte Idee unsere Spuren unkenntlich zu machen, jedoch weiß ich nicht, ob dies einen geübten Fährtenleser täuschen kann. Allerdings haben wir ja nicht viel zu verlieren, also ist es zumindest einen Versuch wert.“. Sie lächelte, vielleicht das aller erste Mal seit sie aufeinander getroffen waren, die andere Kriegerin freundlich an. Die körperliche Verfassung und daher gehend auch die Laune der Silbernen hatte sich ganz offensichtlich deutlich verbessert. Während das Mädchen und die Elfe also ihr Bestes gaben den trockenen Boden möglichst unberührt erscheinen zu lassen, schulterte sich die Kentaura den Großteil des Gepäcks und spannte ihren Bogen, ehe sie sich auch diesen um die Schultern hing.

Während sie unterwegs waren, redeten sie kaum miteinander. Als die Sonne bereits hoch am Himmel stand, kam Kékulé noch eine brauchbare Idee in den Sinn, die ihre Verfolger vielleicht täuschen oder zumindest etwas verwirren könnte. Sie verließ das Bachbett und galoppierte in einer großen Schleife ein Stück des Weges zurück, nur um anschließend wieder zu She’sejia und Mira aufzuschließen. Ein wenig außer Atem erklärte sie:
„Vielleicht hält sie die kleine Täuschung eine Weile auf, aber gewiss nicht lange.“. Sie zuckte mit den Schultern und verfiel wieder in Schweigen, während ihre Begleiter auf Anions Rücken immer mal wieder leise miteinander tuschelten. Kékulé wusste nicht recht, ob sie diese Wendung als positive oder negative Entwicklung einstufen sollte. War sie etwa eifersüchtig auf die Wüstenelfe? Im Grunde war es doch nicht verkehrt, wenn die zwei ein freundschaftliches Verhältnis aufbauten. Mira wäre dann für den Fall der Fälle, dass ihr etwas zustoßen sollte, vielleicht sogar versorgt. Sie nahm sich vor zu einem späteren Zeitpunkt mit She’sejia über dieses ernste Thema zu reden und als sie erneut einen geeignet Platz für ein Lager fanden und sie gebeten wurde die erste Nachtwache zu übernehmen, antwortete die Silberne rasch: „Gewiss, das ist doch gar kein Problem. Ich weiß auch nicht, ob…“. Kékulé hielt kurz inne und schien mit sich zu hadern. Dann atmete sie kurz durch und führte den Satz zu Ende: „Ich weiß nicht, ob ich mich bereits bei dir bedankt habe. Aber… dass ich mich letzte Nacht erholen konnte, habe ich allein dir zu verdanken. Ich weiß nicht, ob wir ohne deine Hilfe soweit gekommen wären.“. Die stahlblauen Augen blickten die Elfe direkt an. „Danke.“, fügte sie noch dem bereits Gesagten hinzu.

Gemeinsam nahmen sie noch ein karges Abendmahl zu sich und auf die Frage Miras, ob sie denn ein Feuer entzünden könnten, war selbstredend ‚Nein‘ die klare Antwort darauf. Das Flackern des Feuers wäre deutlich in der Dunkelheit der Nacht erkennbar gewesen, selbst jetzt da sie hinter einigen Felsen Schutz gefunden hatten.
„Sobald wir die Steppe hinter uns gelassen haben, werden wir uns auch wieder an einem Lagerfeuer wärmen können. Versprochen…“, sprach Kékulé und meinte Zustimmung in dem Gesicht der Elfe lesen zu können. Ihre Gefährten legten sich zur Ruhe und die Silberne blickte sich aufmerksam um. Die Abwesenheit von Licht hatte den weiteren Vorteil, dass die Nachtsicht der Kriegerin deutlich besser war. Blickte man erst einmal in die grellen Flammen eines Feuers, so versank die restliche Umgebung in gnadenloser Finsternis. Die Kentaura stellte sich entspannt hin und entlastete ihren rechten Hinterhuf. Der Mond zog nur sehr langsam seine Bahn am Horizont und immer wieder ertappte Kékulé sich dabei, wie ihr die Augen zu fielen. Mühsam versuchte sie sich wach zu halten, doch wie auch ihre tierischen Verwandten vermochte die Kentaura es im Stehen zu dösen. Ein spitzer Schrei holte die Kriegerin in die Realität zurück. Panisch riss sie die Augen auf und blickte sich in ihrem kleinen Lager um. Ein großer Mann hielt Mira an der Kehle gepackt und bedrohte das Mädchen mit einer gezogenen Klinge, während zwei Bogenschützen direkt auf die Kentaura zielten. Doch wo war She’sejia? Von der Elfe war keine Spur zu sehen und Kékulé hoffte inständig, dass ihr nichts zugestoßen war. Vielleicht war es ihr gelungen noch vor dem Angriff zu flüchten? „Na wen haben wir denn da…“, erklang hinter der Silbernen eine Stimme, die ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ.

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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von She'sejia » Mo, 06. Mai 2019 6:57

Kékulés Dank rührte She'sejia. Die Pferdefrau war so ehrlich und direkt dabei, dass sie gar nicht richtig darauf reagieren konnte und erst verzögert ebenfalls lächelte. Worte wollten ihr aber keine passenden einfallen und so sagte sie nichts. Beim Essen wurde jedoch deutlich, dass sie begannen sich aneinander zu gewöhnen und einander zu vertrauen, zumindest wirkte es auf die Elfe so. Mira war schon am Tag weit gesprächiger gewesen als zuvor und hatte She'sejia von ihrer bisherigen Reise mit ihrer Beschützerin erzählt und auch jetzt wirkte sie weniger schüchtern. Sie fragte nach einem Feuer, doch Kékulé verneinte. „Sobald wir die Steppe hinter uns gelassen haben, werden wir uns auch wieder an einem Lagerfeuer wärmen können. Versprochen...“, erklärte die Bogenschützin und sprach damit ihre eigenen Gedanken aus.
Nach dem Essen legte die Wüstenelfe zwar ihre Waffen ab, behielt sie aber in Griffweite, als sie sich zum Schlafen hinlegte. Die Unruhe und Unzufriedenheit waren zwar weniger geworden und der unterdrückte Zorn tatsächlich gewichen, als sie den Bach gefunden, Hoffnung geschöpft und gut voran gekommen waren, doch verschwunden waren die Gefühle nicht vollends. Genauso wenig wie die Bedrohung: Ihre Verfolger. Deshalb fiel sie auch nur in einen unruhigen Schlaf, bis sie sich schließlich eingestand, dass es kaum einen Sinn hatte. Sie konnte die Unruhe einfach nicht abschütteln. Kurz lag sie einfach nur da und lauschte Miras gleichmäßigem Atem, doch dann wurde ihr bewusst, wie eng es in dem kleinen Zelt war. Man konnte kaum aufrecht sitzen und es war zudem schmal und hatte nur eine kleine Öffnung. Ihr war, als wurden die Zeltwände auf sie zukommen und ohne weiter zu überlegen robbte sie so schnell es ging nach draußen.
Vor dem Zelt drehte sich She'sejia und lag nun auf dem Rücken, den Himmel über sich. Mit einer Hand hielt sie einen ihrer Säbel umklammert und bemerkte erst jetzt, dass sie wie automatisch danach gegriffen hatte. Nach einigen Atemzügen setzte sie sich auf. So konnte das nicht weitergehen. Sie hatte ihre Gefährten schon einmal in Gefahr gebracht, weil sie ihre Gefühle nicht im Griff hatte und so wie es ihr ging, konnte jeden Moment ein weiterer Ausbruch geschehen. Sie würde ihre Übungen machen müssen. Jetzt.

Rasch suchte sie ihre Waffen zusammen. Sie würde mehr Erfolg haben, wenn sie sich ein Stück von den anderen entfernte und für sich war, aber ohne ihre Waffen würde sie sich auch unwohl fühlen. Sie bemühte sich, möglichst still zu sein und entschied sich dagegen, die Kentaura anzusprechen. Zwar war sie kurz versucht, doch ihr war nicht danach, jetzt mit jemandem zu sprechen. Zudem wandte Kékulé ihr den Rücken zu und schien noch nichts bemerkt zu haben. Sie fühlte sich zwar seltsam schuldig, als sie sich von den beiden fortstahl, doch als sie einen Hügelkamm zwischen sich und das Lager gebracht hatte, atmete sie freier.
Nach ein paar Minuten setzte sie sich an einen Hügel, und zwang sich, ihren Körper zu entspannen. Sie konzentrierte sich auf ihre Atmung und ließ diese langsamer und tiefer werden. Ihre Gefühle wurden ihr jetzt, da sie bewusst an keinem Gedanken mehr festhielt und sie einfach fließen ließ, stark bewusst. Es gab nichts mehr, dass sie von ihnen ablenkte und so musste sie sich ihnen stellen. Einige Minuten konzentrierte sie sich darauf, die Gefühle zu ergründen. Ihr verletzter Stolz, ihre Nervosität, die Sorge um das Sklavenmädchen und sogar seine Begleiterin, für die sie sich jetzt schon etwas verantwortlich fühlte und etwas Heimweh. Da war noch viel anderes doch die Nervosität, die Sorge und der leichte Zorn waren am stärksten. Sie musste sie annehmen und das Problematische, den Zorn, loslassen.


Einem plötzlichen Instinkt folgend stand sie auf und griff nach ihrer Waffe. Die Ruhe und Entspannung ihrer Übung waren spurlos verschwunden. Da war Irgendetwas. Etwas hatte sie aus ihrer Meditation gerissen, doch was? Dann hörte sie einen Schrei. Er kam zweifellos von ihrem Lager. Sofort lief She'sejia los, denn sie kannte diese Stimme. Es war Mira. Erst rannte sie kopflos los, doch dann zwang sie sich, anzuhalten. Der Schrei konnte entweder bedeuten, dass etwas harmloses das Mädchen geweckt hatte oder sie einen Alptraum gehabt hatte, oder sie war in Gefahr. Die wahrscheinlichste Gefahr, der ihre Gefährten ausgesetzt sein konnten waren ihre Verfolger, die sie endlich eingeholt hatten. Sie würde sich mit Vorsicht nähern müssen, denn noch war sie ja nicht entdeckt worden.

Beim Anschleichen an das Lager vermisste sie trotz der Kälte der Steppe bei Nacht ihre Wüstenkleidung. Die fühlte sich nämlich bei so etwas viel natürlicher an. Sie konnte von ihrem Versteck hinter einem Felsen, der ein paar Meter von den Felsen entfernt war, die ihr Lager teilweise umschlossen, wenig erkennen. Der Sichtschutz, wegen dem sie sich für diese Stelle entschieden hatten, lies sie nur einen Teil dessen sehen, was sich beim Lager ereignete. Sie sah Kékulé, die aufrecht stand und weit über die Köpfe der Steppenreiter aufragte. Sie hatte noch ihre Waffen und schien sich nicht ergeben zu haben, doch sie kämpfte auch nicht. Tatsächlich wirkte sie seltsam steif, doch warum? Hatte es etwas mit Mira zu tun? Oder mit dem Anführer, Klerus? Doch sie konnte weder Mira sehen noch erkennen, wer der Männer ihr Anführer war. Ein Paar hatten jedoch ihre Bögen gespannt und zielten auf die Kentaura. Vielleicht wehrte sie sich deshalb nicht. Das Zelt war direkt hinter dem Felsen aufgebaut, der She'sejia die Sicht versperrte. Dort musste Mira sein. Das Mädchen war den Angreifern nun hilflos ausgeliefert, befand sich vielleicht schon in deren Gewalt. Und wenn Gefahr bestand, dass ihr etwas zustoße, wenn sich die Kentaura wehren würde, dann würde diese nichts tun, dessen war sich die Elfe sicher. Die Kentaura würde auf keinen Fall das Leben Miras in Gefahr setzen. Das hieß, sie konnte sich nicht wehren.
She'sejia musste also zu erst Mira retten, doch sie sah das Mädchen nicht einmal. Fieberhaft überlegte sie, was sie tun würde. Sollte sie angreifen und das Überraschungsmoment für sich nutzen? Warten und den Steppenreitern auflauern? Währenddessen löste sich ein Mann aus der Gruppe und ging von Hinten auf Kékulé zu. Sie würde nicht mehr lange bewaffnet bleiben. She'sejia musste sich jetzt entscheiden.
In diesem Moment tauchte Mira in ihrem Blickfeld auf. Ein großer Mann zerrte sie hinter dem Felsen hervor, hinter dem sie das Mädchen schon vermutet hatte. Sofort fällte sie ihre Entscheidung. Sie hechtete aus ihrem Versteck und lief nach vorne. Es war ein Glück, dass Kékulé noch jetzt für Respekt bei den Steppenreitern sorgte und so ihre Aufmerksamkeit fast ganz einnahm. Im Laufen griff She'sejia nach einem Wurfmesser und zielte auf den großen Mann, auf den sie in vollem Tempo zu rannte. Sie warf und kaum dass ihn das Messer im Rücken traf war sie bei ihm und zog ihm die Waffe wieder aus dem Fleisch. Noch stand er und so führte sie die Waffe nach oben über seine Schulter und schnitt ihm die Kehle auf. Blut spritzte und der Mann erschlaffte. Sofort griff die Elfe nach dem Mädchen, das Blut bespritzt und schockstarr geworden war. Die Assassine war so schnell gewesen, dass im ersten Moment niemand etwas mitbekommen hatte, doch spätestens als Mira die Situation realisierte und erneut aufschrie, waren aller Augen auf der Elfe. Diese zog das Mädchen hinter sich, hob das blutverschmierte Wurfmesser und sagte gerade so laut, dass Mira es hörte: „Lauf!
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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von Kékulé » Mi, 08. Mai 2019 11:42


She’sejia hatte sie offenkundig nicht im Stich gelassen. Schnell wie ein Pfeil tauchte die Kriegerin aus ihrer Deckung auf und erledigte den ersten der Steppenreiter im Alleingang. Mira schrie erneut auf, als ein plötzlicher Tumult ausbrach und sie sich Blut besprenkelt mitten darin verwickelt wieder fand. Die Elfe hatte das Mädchen befreit und eben jenes begann nun, ihren Verstand wieder findend, die Füße in die Hand zu nehmen. Sie lief so schnell sie konnte, doch zu Fuß würde sie den Steppenreitern niemals entkommen. Daher drehte Mira ab und hielt nun auf Anion zu, den kräftigen Hengst der Wüstenelfe. Kaum war ihr Schützling nicht mehr in unmittelbarer Gefahr, regten sich auch die Reflexe der Kentaura. Augenblicklich zog sie ihren Bogen und legte einen blaugefiederten Pfeil auf die Sehne. Doch ihre Feinde waren keine ungeübten Kämpfer und ließen nun ihrerseits ihre Geschosse auf die Pferdefrau los. Der erste Pfeil verfehlte Kékulé nur um Haaresbreite, hinterließ jedoch einen roten Striemen an ihrer Schläfe, als sie gerade noch rechtzeitig zurück setzte. Der zweite Pfeil war unausweichlich und schlug schmerzhaft tief in die Schulter der Silbernen ein. Sie keuchte auf vor Schmerz und ließ daher ihrerseits die Sehne los. Sie traf einen der Bogenschützen mehr schlecht als recht, doch immerhin ging dieser zu Boden, wenn der Treffer auch nicht von tödlicher Natur war.
„Was tut ihr denn da? Ich möchte sie lebend! Ihr Trottel! Hört gefälligst auf zu schießen! Bringt mir das Mädchen!“, bellte Klerus seine Befehle und zog nun seinerseits seinen Reitersäbel. Der zweite Bogenschütze reagierte sofort und richtete seine Aufmerksamkeit auf die andere Kriegerin.

Kékulé wich halb taumelnd einem Schwertstrich aus, einem weiteren Angreifer hinter sich, versetzte sie einen kräftigen Tritt mit den mächtigen Hinterbeinen. Gehetzt hielt sie nach Mira Ausschau und erblickte sie letzten Endes nicht unweit entfernt. Zwei weitere Männer waren ihr dicht auf den Fersen, als das Mädchen vor lauter Hast stolperte und der Länge nach hin fiel.
„Nein…“, keuchte die Kentaura auf und wollte ihr zu Hilfe eilen, als sich ein dickes Seil um ihren Hals legte und kräftig zu zog. Ein siegessicheres Grinsen legte sich auf Klerus Züge, der das andere Ende des Seils fest in den Händen hielt, allerdings respektvollen Abstand zu der Kentaura hielt. Nach Luft ringend ließ die Silberne ihren Bogen fallen und griff nach dem Hanfseil, welches sie unnachgiebig in die Knie zwang. Währenddessen hatte auch die kleine Mira nach ihrem Dolch gegriffen und versuchte sich den Männern zu stellen. „Lasst mich in Ruhe!“, kreischte sie die Verfolger an, doch die Worte des Opfers entlockten den Kriegern nur ein bösartiges Grinsen. Sie machten zeitglich einen Satz auf die Sklavin zu und einer packte sie bei den dunklen Haaren, nur um ihr anschließend die Waffe aus der kleinen Hand zu entwenden. „Hilfeee!“, schrie Mira auf und hoffte dass She’sejia sie erneut aus dieser ausweglosen Situation retten würde. „Hör auf dich zu wehren…“, flüsterte Klerus beruhigend auf Kékulé ein, die nun mehr ihre Umwelt nur noch verschwommen wahrnahm. Die kräftige Kentaura war der Ohnmacht bereits sehr nahe, ihre Lungen brannten wie Feuer und schrien nach frischer Luft. Der Schlag ihrer Herzen verlangsamte sich zunehmend, doch sie war sich sicher, dass die Steppenreiter sie nicht töten würden.

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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von She'sejia » Do, 09. Mai 2019 14:29

Darauf vorbereitet, dass ein paar der Männer dem Mädchen folgen würden, schleuderte She'sejia dem ersten, der sich in Bewegung setzte, ihr Wurfmesser entgegen. Doch der mit einem Speer bewaffnete Mann schlug geduckt einen Haken und so verfehlte ihr Messer sein Ziel. Die Elfe hatte aber nicht gewartet um zu sehen, ob ihr Wurf Erfolg hatte und bereits einen Säbel gezogen. Die Klinge blitzte kurz im Mondlicht auf, als sie sich auf Miras zweiten Verfolger warf, der mit einem Kurzschwert ausgerüstet war. Der Mann parierte ihren Schlag und griff selbst an, doch in einer flüssigen Bewegung lenkte sie den Stoß ab und verwandelte die Parade in einen Angriff. Ihre von schräg oben herab sausende Klinge überraschte den Steppenreiter und so war seine Verteidigung ungeschickt. Sie traf ihn am Oberarm und riss ihm das Hemd und die Haut auf, doch tiefgehend war die Wunde nicht. Sie machte einen kleinen Schritt zurück um sich einen Überblick zu verschaffen und das war ihr Glück. Ein Pfeil flog nur Millimeter vor ihrem Gesicht an ihr vorbei, fast hätte er sie geschrammt. Sie fühlte seinen Luftzug und war von diesem Flugobjekt so überrascht, dass sie kurz innehielt. Doch statt dieses Zögern auszunutzen setzte der Schwertkämpfer nun auch dem Mädchen nach.
She'sejia machte eine Rolle in Richtung des Bogenschützen, der auf sie zielte. Für ihn musste es so wirken, als habe sie sich zu Boden geworfen um seinen nächsten Pfeil auszuweichen, doch kurz nachdem dieser Pfeil über ihren Kopf hinweg in der Nacht verschwunden war, kam die Wüstenelfe wieder hoch. Sie war dem Bogenschützen dank der Rolle ein beträchtliches Stück näher. Während er hastig einen weiteren Pfeil auf die Sehne legte, lief sie auf ihn zu, schlug den Bogen zur Seite und versenkte ihren Säbel in seinem Unterleib.

Als sie ihre Waffe aus dem sterbenden Mann zog, wurde sie sich wieder ihrer Umgebung bewusst: unweit von ihr lag der große Mann, den sie von hinten getötet hatte und ein paar Meter vor ihr stand Kékulé, die mit einem Seil kämpfte, das ihren Körper umschlang. Hinter ihr lagen zwei Männer, offensichtlich verletzt, da sie sich noch regten. Der Mann, der an dem Seil zog war im Gegensatz zur Kentaura, in deren Schulter ein Pfeil steckte, unverletzt. Gerade wollte She'sejia ihr zur Hilfe eilen und sich den Mann vorknöpfen, der wohl Klerus sein musste, als sie einen Schrei hörte: „Hilfee!“ Mira! Erschrocken wirbelte die Elfe herum und sah, dass die beiden Männer das kleine Mädchen ergriffen hatten. Was sollte sie tun? Klerus angreifen oder dem Mädchen zur Hilfe eilen?
Sie hielt nur einen Atemzug inne, dann setzte sie sich in Bewegung und rannte zu Mira. Kékulé hätte es so gewollt, sagte sie sich und versuchte nicht daran zu denken, was der Pferdefrau gerade alles geschehen konnte. Sie musste sich auf den Kampf konzentrieren. Wieder griff sie im Laufen an ihren Gürtel und warf. Sie traf den Speerkämpfer in sein rechtes Auge und der gute Wurf flößte ihr wieder etwas Zuversicht ein. Der Mann, der das Mädchen an einem Arm gepackt hatte, erschlaffte und fiel zu Boden. Der andere jedoch, der Mira mit einer Hand an den Haaren gepackt hielt, bewegte das Mädchen vor sich, wie um es als einen lebendigen Schild zu verwenden. Mit der anderen Hand streckte er ihr sein Kurzschwert entgegen. Sie sah, dass die Wunde an seinem Schwertarm, die sie ihm verpasst hatte, zwar immer noch blutete, ihn aber nicht genug schwächte. Sie näherte sich ihm langsam und begann dann, um ihn herumzugehen, doch er drehte sich immer so, dass Mira zwischen ihnen stand. Entschlossen zog sie den zweiten Säbel. „Lass sie gehen!“, befahl sie, aber er schüttelte nur den Kopf. Ihre Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Wie konnte sie Mira aus dieser Situation retten?
Plötzlich nahm sie aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahr. Mehr aus Instinkt als bewusst hob sie einen ihrer Säbel um den Angriff abzublocken, doch es war nicht genug. Das Schwert des Angreifers rutschte ab und traf sie irgendwo in der Hüftregion. In den wenigen Herzschlägen, die ihr noch blieben, bevor sie den Schmerz spürte, schnitt sie ihm eine tiefe Wunde in den Hals.

Gerade, als ihr bewusst wurde, dass der zu ihren Füßen sterbende Mann einer der Verletzten um Kékulé gewesen war, erreichte sie der Schmerz. Fast knickten ihre Beine ein und ihr wurde Schwarz vor Augen. Mira! Dachte sie, doch ihr glitt einer der Säbel aus der tauben Hand. Sie tastete nach der Wunde und spürte aber nur warmes Blut. Verzweifelt rang sie nach Fassung und wandte sich wieder zu dem Steppenreiter um, der das Mädchen festhielt.
Dieser machte fast zaghaft einen Stritt vor und versuchte zu erkennen, wie es um die fremde Kriegerin stand. Ob sie noch eine Bedrohung war. Er hatte das Schwert erhoben, auf die Wüstenelfe gerichtet und dabei seinen Griff im dunklen Haar des Mädchens gelockert. Außerdem stand die Kleine jetzt nicht mehr vor ihm. She'sejia erkannte, dass dies vielleicht Miras letzte Chance war. Mit einem Aufschrei sammelte sie ihre letzten Kräfte und stürzte sich auf den Schwertkämpfer.


Mit Freuden sah Klerus die Silberne immer schwächer werden. Ihre starken Beine waren eingeknickt und ihr Schweif zuckte noch ein wenig und zeigte ihren Kampf ums Bewusstsein, doch ihre Kraft schwand. Mit einem fast sanften Lächeln machte er einen Schritt auf sie zu und flüsterte ihr ins Ohr: „So ist es gut. Gib nach, ruh' dich aus.“
Herr“, ertönte ein Röcheln hinter Klerus. Es war der Bodenschütze, den die Kentaura verwundet hatte. Er wirkte zwar verletzt und geschwächt, schwebte aber anscheinend nicht in Lebensgefahr. „Herr, das Mädchen“, wiederholte der Bogenschütze und deutete schwach in Richtung des kleinen Zeltes, dass die Flüchtigen errichtet hatten. Dort lagen zwei seiner Männer tot oder sterbend am Boden, genau wie einer seiner Bogenschützen ganz in der Nähe. Der Fährtenleser lieferte sich mit der Urheberin all dieses Übels einen Kampf, doch die kleine Sklavin war nirgends zu sehen. Wut schäumte in Klerus auf. Er hatte gedacht, dass seine Männer mit einer Frau leicht fertigwürden, doch das verdammte Biest war wohl eine ernstzunehmende Gefahr. Er ließ das Seil los und wollte sie sich des Problems schon selbst annehmen, als ihm auffiel wie viel langsamer und schwächer die Bewegungen der Frau mit jedem Schlag wurden. Sie würde es nicht mehr lange machen.
Er konnte sich also Zeit lassen, als er zu den Kämpfenden lief und ihr, die ihn scheinbar nicht einmal mehr bemerkte, den Griff seines Schwertes auf den Kopf schlug. Sie sackte in sich zusammen, doch Klerus verspürte kein Siegesgefühl. Er hatte die Silberne wieder in seiner Gewalt, doch vier seiner Männer hatte diese Hexe ihm genommen. Dafür würde er sie Büßen lassen, dafür und für das erneut entlaufende Sklavenmädchen.
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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von Kékulé » So, 12. Mai 2019 13:53


Kaum dass Mira wieder frei war, lief sie ohne noch einmal zurück zu blicken los. Hastig hielt sie sich in Anions Mähne fest und kletterte ungeschickt auf dessen Rücken. Der Hengst tänzelte unruhig, beinahe so als wolle er nicht ohne She’sejia aufbrechen.
„Los! Nun lauf doch! Bitte!“, rief Mira verzweifelt und trat dem Pferd panisch in die Flanken. Dann endlich ließ sich das Tier überzeugen und preschte davon. Das kleine Sklavenmädchen hatte sichtlich Mühe sich auf dem kräftigen Hengst zu halten und klammerte sich verzweifelt fest. Sie hatte keine Gelegenheit noch einmal zurück zu blicken. Einige dicke Tränen rannen ihr über die Wangen und wurden vom Wind hinfort geweht.

Erlösende Dunkelheit umfing die Gedanken der Kentaura und als Klerus das Seil endlich zu Boden fallen ließ, war sie nicht mehr Herrin ihres Körpers. Fast schon regungslos lag der massige Körper im trocknen Gras und nur, wenn man genau hinschaute, konnte man sehen wie ihre Brust sich regelmäßig hob und sank. Klerus blickte auf die Silberne hinab und seufzte leise, ehe der den verwundeten Bogenschützen anwies ihr den linken Vorderhuf festzubinden.
„Schön fest zurren, hast du verstanden? Mit drei Beinen wird sie uns wohl kaum mehr davon laufen können.“, sagte er und der Steppenreiter tat wie ihm geheißen. Dann reichte er dem Fährtenleser die Hand und zog ihn hoch. „Hat dir ganz schön zugesetzt diese Furie, was? Entscheide du, was mit ihr geschieht. Du hast deine Sklavin verloren, nimm diese hier ruhig als Ersatz. Wir sind zu wenige um dem Mädchen nachzusetzen.“, sagte er und deutete auf die ebenfalls bewusstlose Wüstenelfe. Der Fährtenleser rieb sich das schmerzende Kinn, die Kriegerin hatte ihm in ihrem verzweifelten Kampf einen ganz schönen Kinnhaken verpasst. Und nun lag sie dort… hilflos, verletzt und vollkommen wehrlos. Er beugte sich zu ihr hinab und tastete nach ihrem Puls. Sie lebte, doch wenn er sie nicht versorgte, wohl nicht mehr lange. Er zückte seinen Dolch und legte die blutige Wunde frei, er war kein Heiler aber ein paar grundlegende Dinge sollte jeder Krieger beherrschen. So reinigte er die Wunde gewissenhaft mit frischem Wasser und legte einen provisorischen Druckverband an. „Das sollte fürs erste genügen mein Mädchen…“, murmelte er fast schon zärtlich, ehe er sie an Armen, Händen und Beinen fesselte.

Blinzelnd erwachte Kékulé und sofort spürte sie den stechenden Schmerz in ihrem Schulterblatt. Ihre Arme waren auf dem Rücken gefesselt und als sie panisch versuchen wollte, sich zu erheben, kam sie nur sehr unbeholfen auf die Beine.
„Was zum…“, fluchte sie leise und zerrte an ihren Fesseln, doch das grobe Hanfseil, welches um ihren Vorderlauf gewickelt war, hielt ihren Anstrengungen stand. „Schön, dass du zu mir zurück gekehrt bist.“, erklang Klerus Stimme. Die verbliebenen Steppenreiter hatten ihre Pferde bereits gesattelt und waren zum Aufbruch bereit. „Verzeih mir die Umstände meine Schöne, doch ich wollte nicht riskieren, dich noch einmal zu verlieren.“, säuselte er in ihr Ohr. Er selbst saß bereits auf seinem Hengst und die Silberne blickte verwirrt an sich hinab: Ihr Pferdeleib war mit mehreren dicken Seilen umwickelt und die Enden waren an Klerus Sattel befestigt. „Ja, du siehst richtig, ohne mich, gehst du nirgendwo mehr hin.“, sagte Klerus mit einem zufriedenen Unterton und nur um seiner Gefangen zu beweisen wie wehrlos sie war, ließ er sein Pferd ein Stück antraben. Der Zug auf den Seilen nahm rasch zu und unbeholfen war Kékulé gezwungen ihm auf den drei verbliebenen Beinen zu folgen. „Herr, was ist mit den anderen… Ich meine… mit den Leichen…“, erklang hinter ihnen der Bogenschütze. „Was soll schon mit ihnen sein? Willst du sie alle mitnehmen? Wir lassen sie hier, aber wenn du Wert darauf legst, kannst du ihnen ja noch ein Grab schaufeln.“, kam es unterkühlt zur Antwort. Der andere Mann knirschte unzufrieden mit den Zähnen, entschied sich dann jedoch selbst aufzusitzen. Zu guter Letzt kam auch der Fährtenleser aus dem provisorischen Zelt gekrochen. Sein Gesicht war geschwollen und erstrahlte in einem kräftigen Blauton, doch seine Miene wirkte jeodch trotzallem seltsam zufrieden.

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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von She'sejia » So, 26. Mai 2019 19:03

Als She’sejia erwachte, schmerzte ihr ganzer Körper. Sie fühlte sich steif und eine Wunde in ihrem Unterleib schmerzte. Blinzelnd öffnete sie die Augen, konnte erst aber nur verschwommen sehen. Es war hell um sie herum, also musste es Tag sein, doch woher kamen nur die Schmerzen? Dann kam die Erinnerung an den Kampf wieder. Sofort war sie wacher. Wo war sie? Was war noch passiert? Sie erinnerte sich, zuletzt verzweifelt gegen den Schwertkämpfer gekämpft zu haben, aber an nichts danach. Als sie versuchte sich zu bewegen, merkte sie, dass sie gefesselt war. Das bedeutete wohl, dass sie in der Hand der Steppenreiter war. Doch was war mit den anderen? Während sie versuchte herauszufinden, was geschehen war, begann ihr Umfeld Gestalt anzunehmen und sie erkannte, dass sie in dem kleinen Zelt war, dass Kékulé und Mira mitgebracht hatten.
Endlich erwacht, meine Schöne?“, sagte eine Stimme neben ihr und ihr Kopf ruckte zur Seite. Dort saß der Schwertkämpfer, gegen den sie gekämpft hatte und grinste sie an. Das Grinsen hatte etwas beunruhigendes, vor allem da sein Gesicht offensichtlich einen harten Schlag abbekommen hatte und angeschwollen und blau-grün verfärbt war. Sie war das gewesen, erinnerte sie sich und konnte nicht umhin, als stolz auf sich zu sein. Sie war geschwächt gewesen und hatte ihm doch einen ordentlichen Kampf geliefert. Vielleicht hatte sie ihn sogar lange genug aufgehalten, dass Mira entkommen konnte. Wieder fragte sie sich, was mit den anderen war, doch sie fand die Kraft nicht, den Mund zu öffnen und etwas zu sagen. Das Grinsen war nicht von seinem Gesicht gewichen. „Hat es dir die Sprache verschlagen? Oder bist du etwa schüchtern?“, fragte er mit einem spöttischen Unterton in der Stimme. Er beugte sich vor und ihr wurde bewusst, wie nah er ihr war. Wie hatte sie ihn so lange nicht bemerken können? „Nein, du bist eine Kämpferin.“, sagte er, und klang beinahe stolz. „Das hast du ja bewiesen. Hast einen ordentlichen Schaden angerichtet, aber das wirst du wiedergutmachen können, keine Sorge.
Sie verzog den Mund ob dieser Andeutung, sammelte das bisschen Spucke, das sie in ihrem Mund finden konnte und spuckte ihm ins Gesicht. Kurz flackerte in seinen Augen Zorn auf, doch dann grinste er breit und beinahe zufrieden. Die Reaktion war nicht nur irgendwie endtäuschend, weil er nicht besonders gerührt davon schien, sondern irgendwie besorgniserregend. Ihr Instinkt schlug bei diesem Mann Alarm. „Tatsächlich eine Kämpferin, ein Biest. Aber mach dir keine falschen Vorstellungen, deinen Stolz treibe ich dir noch aus. Ich werde dich brechen, meine Schöne.“ Mit wachsendem Unwohlsein bemerkte She’sejia in seinen Augen, dass er es ernst meinte, und dass es ihn freute. Allein die Vorstellung daran schien ihm zu gefallen. Ihre Reaktion, realisierte sie, hatte sie in seinen Augen nicht weniger begehrenswert gemacht, sondern eher das Gegenteil bewirkt. Doch sie würde ihn ihre Sorge nicht sehen lassen. Stattdessen legte sie soviel Verachtung in ihren Blick wie nur möglich. „So ist es gut. Wir werden noch viel Spaß haben miteinander!“, meinte er beinahe belustigt und verließ das Zelt.

Ihr blieb keine Zeit allein, denn sobald er draußen war, wandte er sich um und zog sie auch aus dem Zelt. Sie wollte sich erst wehren, war dazu aber zu schwach und stolperte ein paar Schritte, als er sie auf die Beine zog. Sie sah auf und sofort fiel ihr Blick auf Kékulé, die wie sie gefesselt war. Sie sah der Kentaura eindringlich in die Augen, wie als wollte sie ergründen, ob sie wusste was mit Mira war, wie es ihr ging oder ob es noch irgendeine Hoffnung gab, doch der Schwertkämpfer zog sie zu sich und führte sie zu einem der Pferde. Zwar konnte sie nun ihre Gefährtin nicht mehr sehen, doch dafür sah sie nun, im Licht des Tages, was für einen Kampf sie in der Nacht ausgetragen hatten. Das trockene Steppengras war an manchen Stellen unverwechselbar rot gefärbt und die vier Leichen der Getöteten lagen nicht weit entfernt im Freien. Sie schienen nur aus dem Weg geräumt und um ihre wertvollsten und nützlichsten Habseligkeiten erleichtert worden zu sein. Würden die Steppenreiter sie einfach so hier liegenlassen?
Der Schwertkämpfer hievte sie auf einen Pferderücken und fesselte sie daran. Dabei war er zwar sorgfältig, aber auch beinahe umsichtig, ihr und dem Pferd keine oder so wenig wie möglich Schmerzen zuzufügen. Als sie von oben den Kopf drehte und sich umsah, merkte sie, dass weder Anion und Mira da waren. Nur sie, Kékulé und die drei Steppenreiter. Das hieß, dass Mira vielleicht tatsächlich entkommen war. Doch wie würde sie sich allein durch die Steppe schlagen?


Bald setzten sie sich in Bewegung und schlugen die Richtung ein, aus der sie gekommen waren. Die Elfe hatte versucht, dem Pferd, auf dass sie gefesselt war mit den Schenkeln Befehle zu geben, doch es reagierte nicht und selbst wenn es das getan hätte, hätte es nichts gebracht. Ein Seil verband das Halfter ihres Pferdes mit dem Sattel des Schwertkämpfers. Ein Entkommen schien unmöglich und sie fühlte sich völlig entkräftet. Auf dem Pferderücken fand sie keine Ruhe und allein der Weg vom Zelt zum Pferd war ihr schwergefallen. Ihre Wunde schmerzte und obwohl sie verbunden war, fürchtete She’sejia dass die durch den Ritt verursachte Reibung sie wieder öffnen würde. Anfangs hatte sie sich noch aufrecht gehalten und den Schwertkämpfer zornig angefunkelt, wenn er sich umdrehte, doch mit der Zeit sank sie in sich zusammen und krallte sich am Sattel fest. Erst gegen Abend hielten sie.

Sie konnte sich kaum auf den Beinen halten, als der Schwertkämpfer die Seile löste, die sie an das Pferd fesselten und sie runterließ. Sie konnte Klerus, den Anführer, Befehle rufen hören, verstand aber nicht, um was es ging. Der Schwertkämpfer führte sie zu dem kleinen Zelt, das die Steppenreiter wohl mitgenommen hatten. Sie folgte ihm, ohne sich wehren zu können. Ein Teil in ihr forderte, sie solle sich wehren, irgendwie, doch sie konnte nicht. Ein kleiner Druck auf die Schultern genügte, dass sie sich setzte und sie war so durstig, dass sie nicht anders konnte als zu schlucken, als der Mann ihr einen Wasserschlauch an die Lippen hielt. Ihr verletzter Stolz schmerzte.
Jetzt lass mich nach deiner Wunde sehen…
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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von Kékulé » So, 02. Jun 2019 16:07


Zu Tode erschöpft klammerte sich Mira in Anions Mähne fest. Auch der starke Hengst war nicht mehr im Vollbesitz seiner Kräfte und trabte nur noch gemächlich vor sich hin. Sie hatten kein festes Ziel, liefen einfach immer der Nase nach gerade aus. Das kleine Mädchen war tief in Gedanken versunken, sie machte sich Sorgen und gar Vorwürfe, dass sie ihre Gefährtinnen einfach im Stich gelassen hatte. Doch was hätte sie schon tun können? Sie war nur ein kleines, schwaches Mädchen und sie hatte selbst ihre einzige Waffe verloren. Mit einem plötzlichen Ruck blieb das Pferd stehen und die ehemalige Sklavin wäre um ein Haar von seinem Rücken gestürzt. Mira blickte erschrocken auf und begriff, was das Problem war. Ein Gruppe Steppenreiter blockierte ihnen den Weg. Die bärtigen Männer blickten sie forschend an, doch ihre Waffen hatten sie nicht gezogen. Wozu auch, um ein unbewaffnetes Mädchen gefangen zu nehmen.
„Bitte… Bitte tut mir nichts…“, wimmerte Mira, die dachte sich in die nächste ausweglose Situation hinein manövriert zu haben. Die Reiter tauschen ein paar verwunderte Blicke, dann löste sich ein Mann auf einer braunen Stute von der Gruppe und kam ihr gemächlich entgegen. „Hab keine Angst, wir wollen dir nichts tun. Was machst du hier so ganz alleine? Und wie kommst du hier her?“, fragte er mit einer tiefen, wohlklingenden Stimme. Der Tonfall war ganz und gar freundlich, was dazu führte, dass das Mädchen die Stirn verwirrt kraus zog. Der Reiter schien ihre Unsicherheit zu spüren und griff daher nach seinem Trinkschlauch, den er ihr anschließend hin hielt. „Hier, trink erstmal einen Schluck, danach wird es dir besser gehen.“, fügte er hinzu.

Nachdem der erste Schreck überwunden war und der Durst gestillt, gab Mira dem Mann seinen Schlauch zurück, der nun kaum noch gefüllt war.
„Danke…“, murmelte das Mädchen und ihr Gegenüber konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Also nun erzähl mir, was dir widerfahren ist. Vielleicht können wir dir ja behilflich sein junge Dame.“, ermunterte er die Kleine zu reden. Mira räusperte sich und begann zögerlich über die Geschehnisse der letzten Wochen und Tage zu berichten. Die Männer tauschten erneut einige Blicke untereinander, dieses Mal waren sie aber von verärgerter Natur. „Klerus!!!“, zischte der Mann, er spie den Namen regelrecht aus. „Ich hätte es wissen müssen! Dieser elende Bastard! Du musst wissen Mira, nicht alle Steppenreiter Clans sind so, wie der seine. Nicht alle sind wir so kriegerisch und bösartig. Nicht weit von hier ist unser Lager, wenn du möchtest, kannst du mit uns kommen. Du kannst dort bleiben, in Sicherheit, während ich versuche ein paar Freiwillige zusammen zu trommeln. Ich werde sehen, was ich für deine Freunde tun kann, aber versprechen kann ich dir leider gar nichts.“, fügte er nun etwas beherrschter hinzu. Das kleine Mädchen nickte zustimmend. Sie war erschöpft und müde und selbst wenn die Männer es nicht ehrlich mit ihr meinen sollten, so hatte sie doch kaum eine andere Möglichkeit. Mira hatte schon viel erlebt in ihrem kurzen Leben. Sie wurde als Sklavin geboren und ihr wurde Gewalt angetan. Was sollten ihr diese Reiter noch antun können, was ihr nicht schon längst widerfahren war? Also ritt sie mit ihnen und ein kleiner Funke Hoffnung begann in ihrem Herzen zu gedeihen.

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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von She'sejia » Fr, 07. Jun 2019 22:19

Nawat brauchte Taregans Kommentar, dass sie die Stelle, von der ihnen das Mädchen erzählt hatte, erreicht hatten nicht, um zu wissen, dass sich hier ein Kampf abgespielt hatte. Die vier Leichen sprachen für sich. Sie lagen dem Geruch nach auch schon den ganzen Tag hier. Nawat hielt sich lieber von ihnen fern und erkundete die nahe Umgebung. Mit vier weiteren Freiwilligen seines Stammes war er losgezogen, um Klerus, seine Männer und ihre Gefangenen zu finden. Die Erzählungen des kleinen Mädchens hatten bei ihm sofort Interesse geweckt. Es hatte etwas gebraucht, bis die Kleine dem Stamm ihre Geschichte erzählt hatte, doch dann erzählte sie, wie sie von einer Frau aus der Sklaverei gerettet wurde, die halb Pferd und halb Frau war. Das musste Nawat sehen. Schon immer hatte ihn seine Neugierde immer wieder in Schwierigkeiten gebracht, doch das hatte ihn nie aufgehalten. Außerdem hatte er erst vor wenigen Wintern seine Reifeprüfung abgelegt und musste sich noch Ansehen im Stamm verdienen. Vor allem bei den Mädchen. Der Erzählung des Mädchens nach waren sie und die Pferdefrau auf ihrer Flucht einer Kriegerin begegnet, die sie begleitet hatte und ihr zur Flucht verhalf, als Klerus sie mit seinen Männern einholte. Sie und die Pferdefrau befanden sich entweder in der Gewalt von Klerus oder sie waren tot oder geflohen. Auf jeden Fall hatten sie Klerus bei ihrer Gefangennahme offensichtlich einen ordentlichen Kampf geliefert.
Nawat kehrte zu den anderen zurück. Taregan, der Spurensucher, stand etwas von den Toten entfernt und hatte das Gesicht ob des Gestanks der verwesenden Leichen verzogen. Die anderen drei standen näher an den Toten und Songan, der Anführer der Truppe, hatte sich über einen der Toten gebeugt. „Das waren bewusst tödliche Schnitte“, meinte er „wer sie vollführt hat, hatte die Absicht zu töten und wusste auch genau wie. Außerdem meinte die Kleine, dass es vielleicht sieben Männer waren, also leben noch drei.“ Er erhob sich und sah sie an. „Wir werden ihnen weiter folgen, aber wir müssen uns beeilen, sie zu erreichen, bevor sie wieder in ihr eigenes Stammesgebiet kommen!
Warum ist das so wichtig?“, fragte Sinopa, die einzige Frau unter ihnen. „Weil der Häuptling will, dass wir uns in unserem Gebiet halten, es könnte Krieg geben, wenn wir bei ihnen eindringen. Gerade haben nur sie gegen die Regeln verstoßen.“, erklärte Songan. Er nickte Taregan zu und dieser begann, nach Spuren zu suchen, die das Lager verließen. Wenig später wurde er fündig und führte sie weiter.

Sie ritten bis spät in die Nacht und immer wieder musste Taregan absitzen, um die Spuren besser zu sehen. Nawat wurde immer ungeduldiger und so war er es, der den matten Feuerschein in der Ferne als erstes sah. „Dort!“, zischte er und deutete nach vorne, wo man hinter einem Hügel das verräterische flackernde Licht sehen konnte. Songan nickte ihm anerkennend zu und machte ihnen Zeichen, sich aufzuteilen und vorsichtig dem Lager zu nähern. Sie saßen ab und ließen die Pferde in einer Senke zurück, wo man sie vom Lager aus nicht sehen konnte, dann schlichen sie ans Lager.

Das Lager bestand aus drei kleinen Zelten, die sich um das Lagerfeuer gruppierten. Am Feuer saß ein Mann und sah in die Dunkelheit statt in die Flammen. Er war wohl die Wache. Nawat beobachtete den Mann von seinem Versteck, einem kleinen Felsen hinter dem er sich flach ins Gras gelegt hatte, aus und horchte auf die anderen Männer, die wahrscheinlich in den Zelten waren. Der Mann am Feuer hatte eine Hand auf den Bogen in seinem Schoß gelegt und hielt in der anderen einen Pfeil. Nawat sah ihn von der Seite, konnte sein Gesicht aber nur im Profil sehen, da das Feuer den Bogenschützen von hinten beleuchtete. Sein Blick glitt weiter über die Zelte, doch er konnte nichts sehen oder hören, dass ihm verriet, wo sich die anderen aufhielten. Er hörte ein Rascheln hinter sich und fuhr herum. Dort kam Taregan an ihn heran. Die weiße Feder, die der Fährtenleser ins Haar geflochten trug, leuchtete im Mondlicht und so war es leicht, ihn zu erkennen. Nawat schwieg, als Taregan zu ihm gekrochen kam und rutschte zur Seite, um ihm Platz zu machen. Als er neben ihm war, spähte der Spurensucher kurz hinüber zur Wache am Lagerfeuer und drehte sich dann zu Nawat. Er bedeutete ihm, das Zelt zu ihrer Linken genauer zu untersuchen, während er selbst das Kleinste zu ihrer Rechten übernehmen würde. Nawat nickte und begann vorsichtig aus seiner Deckung und auf das Zelt zuzukriechen. Zwar lag das Zelt im Rücken der Wache, doch der Mann drehte sich immer wieder um und so wollte der junge Jäger das Zelt schnell zwischen sich und den Bogenschützen bringen.
Im Schatten des Zeltes verharrte Nawat kurz. Er sah sich um und sah, dass auch Taregan das Versteck hinter dem Felsen bereits verlassen hatte. Alles war noch ruhig und Klerus hoffentlich noch ahnungslos über ihre Anwesenheit. Dann hörte Nawat Geräusche aus dem Zelt. Er kroch näher heran und konnte Worte ausmachen: „Da bist du nun, meine Schöne. Wieder bei mir. Du kannst mir nicht entkommen! Jetzt da ich dich wiederhabe, sollte ich dich für deine Flucht bestrafen, oder nicht? Vielleich weißt du selbst, wie du dich revanchieren kannst?

In diesem Moment körte man einen Ruf. Er kam vom Feuer und brachte die Stimme im Zelt kurz zum schweigen. „Was zum…“, sagte die Stimme, dann wurde die Zeltplane zurückgeschlagen. Nun konnte er die flackernden Schatten umherlaufender Menschen neben dem Zelt sehen und Rufe hören. Er konnte Sinopa und Songan heraushören und war kurz versucht, auch in den Kampf zu stürzen. Doch dann erkannte er die Chance, die ihm geboten wurde. Kurz entschlossen schnitt er mit dem Jagdmesser die Rückseite des Zeltes auf und schlüpfte hinein. Sofort stieß er mit den Füßen gegen einen Körper und wäre beinahe gestolpert. Auf dem Boden lag ein gefesselter Körper. Er schien zu einer Frau zu gehören – zumindest dachte Nawat das, als er hinabsah. Doch selbst hier, in der Dunkelheit des Zeltes, erkannte er, dass der Körper nicht menschlich war, zumindest nicht völlig. Er stieg über den Oberkörper der Frau und konnte nun sehen, was an dem Körper so ungewöhnlich war: Das durch den Schnitt eintretende Mondlicht ließ ihn die Frau grob erkennen, die da lag und die halb Mensch und halb Pferd war. Bis zu diesem Moment, da er sie sah, hatte er den Erzählungen des Mädchens kaum glauben können, aber es war wahr. Ihre Retterin war eine Kentaura. Eine jener Pferdemenschen, die laut den Geschichten im Süden leben.
Nach einem Moment der Sprachlosigkeit kniete er sich neben die Pferdefrau. „Ich bin Nawat“, flüsterte er und beugte sich zu ihr, um zu sehen, ob sie ihn überhaupt hörte und bei Bewusstsein war. „Wir sind gekommen, um euch zu retten. Darf ich Eure Fesseln lösen? Ich glaube nicht, dass wir viel Zeit haben!


Der Mann war unerwartet sanft, als er She’sejias Wunde verpflegte, ähnlich wie am Morgen, als er sie an das Pferd gefesselt hatte. Er löste den Verband, den er um ihren Unterleib gebunden hatte und säuberte die Wunde an ihrer Seite. Sie hatte sich beim Reiten tatsächlich wieder etwas geöffnet und so verband der Mann sie, als er sie versorgt hatte, umsichtig aber fest. Als er fertig war, glitt sein Blick über ihren liegenden Körper und sie musste sich einen unangenehmen Schauer unterdrücken. Er grinste wieder dieses beunruhigende Grinsen. „Ich heiße Machk, aber du gehörst mir jetzt, deshalb wirst du mich mit ‚Herr‘ ansprechen.“, sagte er bestimmt und griff nach ihrer Bluse, die er hochgeschoben hatte, um ihre Wunde zu versorgen. Ihre Weste hatte er ihr dazu ausgezogen. Im ersten Moment meinte sie, er würde die Bluse wieder glattziehen, doch stattdessen begann er sie langsam zu öffnen. Sofort wich sie etwas zurück, wobei die Bewegung aufgrund ihrer fehlenden Kraft schwächer ausfiel als sie gehofft hatte. Obwohl er immer noch lächelte, war da nun eine unbarmherzige Härte in seinen Augen. She’sejia wurde plötzlich schlecht und eine schreckliche Kälte breitete sich in ihrem Körper aus. Sie zwang die Angst, die sie lähmen wollte hinab und zwang Verachtung und Zorn in ihren Blick. Sie würde nicht zulassen, dass er das mit ihr tat. Machk jedoch machte sich weiter daran, ihre Bluse zu öffnen. Sie wollte seine Hand wegschlagen doch er fing ihren Schlag am Handgelenk ab. Sie versuchte seinem Griff zu entkommen, doch sie war geschwächt und sein Griff schien eisern. Er sah ihr in die Augen. „Ich mag es, wenn Sklavinnen kämpfen und Feuer in sich haben, aber du musst vorsichtig sein. Ich will nicht, dass sich deine Wunde noch weiter öffnet, deshalb tätest du gut daran, zu gehorchen.“, sagte er leise und bestimmt. Sie verzog nur zornig das Gesicht und versuchte erneut, ihre Hand seinem Griff zu entwenden. Er schüttelte den Kopf, schien aber nicht wütend, sondern eher belustigt. „Also wirklich meine Schöne, du machst es dir nur schwerer! Aber wenn du es so willst…“, damit machte er sich daran, ihre Bluse, nun mit der anderen Hand, vollends zu öffnen. Mit ihrer freien Hand versuchte sie, ihn daran zu hindern, aber er fing sie erneut am Handgelenk ab und hielt dann mit der einen Hand ihre Handgelenke und griff mit der anderen unter ihre Bluse. Sie schaffte es kaum noch, ihre Angst mit Zorn zu verhüllen. Verzweiflung kam in ihr hoch. Sie versuchte sich zu drehen und nach ihm zu treten, doch sie war so schwach, dass sie nicht gegen seinen Griff ankam. Nein! Dachte sie, ich kann das nicht zulassen! Sie versuchte sich aufzubäumen, kämpfte gegen seinen Griff an, doch vergebens, er grinste nur.

Ein Rufen von draußen ließ Machk innehalten. Er drehte den Kopf zum Zelteingang, ließ ihre Hände aber nicht los. She’sejia, deren Bewegungen immer schwächer geworden waren, versteifte sich und lauschte. Was geschah dort draußen? Fast hatte sie sich schon ihrem Schicksal ergeben, doch vielleicht gab es noch Hoffnung. Machk drehte sich zu ihr um, griff nach den Fesseln und band ihre Hände schnell zusammen, dann griff er nach seinem Schwert und verließ das Zelt. Sofort versuchte die Elfe, ihre Fesseln zu lösen. Sie waren ihr in größter Eile angelegt worden und deshalb nicht besonders fest, aber sie hatte kaum Kraft. Die Frustration darüber ärgerte sie und trieb ihr beinahe die Tränen in die Augen, doch sie versuchte sich zu konzentrieren. Sie merkte, wie erschöpfend der Tag gewesen war, die Angst, das Ankämpfen gegen Machk.
Die Fesseln ließen sich nicht lösen, es war beschämend. Sie wusste nicht, was draußen geschah und wann Machk möglicherweise zurückkehren würde. Sie hörte nur die Rufe und Kampfgeräusche. Dann erschien eine hochgewachsene Gestalt im Zelteingang.
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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von Kékulé » So, 04. Aug 2019 11:27


Die Gedanken der Kentaura schienen wie gelähmt, ihr Geist flüchtete sich weit, weit weg. Sie setzte abwesend einen Huf vor den anderen und starrte vor sich hin. Die kleine Gruppe kam nur sehr langsam voran, denn der massige Leib der Kentaura ließ sich nicht zur Eile zwingen. Dumpfe Stimmen drangen an Kékulés Ohren, doch sie folgte den Gesprächen nicht. Irgendwann hielten sie inne, die rauen Seile hatten sich schmerzhaft in die empfindlichen Fesseln der Kentaura gebissen und dort wunde Stellen hinterlassen. Sie war erschöpft und müde, daher ließ sie sich nicht zwei mal bitten sich nieder zu lassen, während um sie herum ein Zelt errichtet wurde. Eine plötzliche Berührung ließ die Silberne aus ihrer Starre erwachen. Es war Klerus, der sie interessiert musterte und ihr bedrohlich klingende Worte ins Ohr flüsterte.
„Was willst du…“, erklang die raue Stimme der Pferdefrau. Ihre Kehle war trocken und ihre schmalen Lippen rau und spröde. Der Durst quälte sie ganz fürchterlich, doch sie würde sich nicht die Blöße geben und nach Wasser betteln. Klerus würde sie schon nicht verdursten lassen, da war sich die Kriegerin ganz sicher. Ein wollüstiges Grinsen bildete sich in dem Gesicht des Steppenreiters und er blickte auf ihre linke, nicht gefesselte Hand. In Kékulés Kopf pochte es wie wild und es fiel ihr sichtlich schwer einen klaren Gedanken zu fassen. Ihre Hufe waren fest zusammen gezurrt, ihr massiger Körper am Boden fixiert und ihre rechte schmerzhaft verdreht auf den Rücken gebunden. Doch wieso hatte Klerus ihr diese eine freie Hand gelassen? „Nein… vergiss es!“, fauchte sie ihn an und spuckte ihm ins Gesicht, als ihr dämmerte welche Gefälligkeit er damit erzwingen wollte. Wütend und wuchtig traf sie die Ohrfeige des Steppenreiters, die einen feurig roten Abdruck auf ihrer Wange hinterließ. Gewaltsam griff er nach ihrer Hand und bemühte sich ihrer habhaft zu werden, doch dann wurde er von einem Ruf abgelenkt. Der Reiter griff aufgebracht nach seiner Waffe und verließ fluchend das Zelt.

Kékulé atmete erleichtert auf und zerrte an ihren Fesseln, doch es schien einfach aussichtslos. Selbst mit der freien Hand, schaffte sie es nicht die festen Knoten zu lösen. Dann spürte sie einen Tritt und erstarrte erneut. War Klerus bereits zurück gekehrt? Dann drang eine unbekannte Stimme an ihr Ohr und sie blickte in ein fremdes Gesicht. Es fiel ihr sichtlich schwer dem Inhalt der Worte glauben zu schenken, doch allein der Gedanke daran die lästigen Fesseln los zu werden, weckte erneut ihre Lebensgeister. Sie nickte entschlossen und sagte:
„Wir sollten keine Zeit verlieren.“. Der junge Mann machte sich sofort daran die dicken Hanfseile durch zu schneiden, doch das Unterfangen würde einige Zeit in Anspruch nehmen. Klerus war vielleicht ein jähzorniger Mann, doch dumm war er ganz gewiss nicht. Er hatte gelernt den Körper der Kentaura gefangen zu halten. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis die Silberne unbeholfen auf die Beine kam. Das Zelt war zu niedrig, als dass sie aufrecht darin stehen hätte können und so riss sie die Leinenbahnen empor. „Ich brauche meinen Bogen!“, rief sie dem Steppenreiter noch zu und setzte sich dann etwas unbeholfen in Bewegung. Nur weil sie im Augenblick keine Waffen hatte, war sie noch lange nicht wehrlos. Ein Tritt ihrer mächtigen Hufe konnte einen Mann innerhalb weniger Sekunden den Schädel zertrümmern. Und nun war diese Kraft wieder entfesselt… Sie blickte sich hektisch um, hier und da waren Kampfgeräusche zu hören, doch die Dunkelheit machte es ihr unmöglich einen Überblick zu gewinnen. Sie stellte erstaunt fest, dass der Mann, der sie befreit hatte nicht allein gekommen war und dann entdeckte sie ihr Ziel. Klerus kauerte am Boden, die Klinge eines fremden Steppenreiters fest an seine Kehle gedrückt. Die Silberne zwang ihren gepeinigten Körper zur Bewegung und rief: „Halt! Stopp! Dieser hier gehört mir!“. Sie richtete sich vor den Männern zur ihrer vollen Größe auf und blickte voller Verachtung auf Klerus hinab.

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