Versprochen ist versprochen

Das trockene, baumlose Land westlich des Dûngar-Gebirges.
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Kékulé
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Versprochen ist versprochen

Beitrag von Kékulé » Mi, 20. Mär 2019 17:52


Die Sonne verschwand hinter dem endlos erscheinenden Horizont der Steppe und wie jeden Abend mit Einbruch der Dämmerung machten sich Kékulé und Mira auf den Weg. Ihre Reise war lang und gefährlich, führte sie die ungleichen Gefährten doch direkt durch das Feindesland der Steppenreiter. Die schmerzhafte Stichverletzung in der Flanke, welche sich die Silberne bei der Flucht aus einem Lager ihrer Feinde zugezogen hatte, war in den letzten Wochen gut verheilt. Daher war die Pferdefrau wieder kräftig genug, um ihre zierliche Begleiterin auf dem Rücken tragen zu können. Freundlich lächelnd streckte sie dem Mädchen ihre Hand entgegen und half ihr auf ihren massigen Leib zu klettern. „Bist du bereit?“, fragte sie leise und nach einem knappen Kopfnicken Miras trabte sie zügig aber nicht allzu kräftezehrend los. Kékulé war eine ausdauernde Läuferin und so machte es ihr nichts aus, die ganze Nacht unterwegs zu sein. Die Nächte in der Steppe konnten kalt und unangenehm werden, doch dicke Umhänge aus grober Wolle schützten die Reisenden vor der Kälte und dem Wind.
„Ich mache mir immer noch etwas Sorgen um Thomas.“, flüsterte Mira mit kaum hörbarer Stimme und fügte beinahe noch leiser hinzu: „Was ist, wenn ihm etwas zugestoßen ist und er unsere Hilfe braucht?“. Tatsächlich hatte die Kentaura sich selbst schon ihre Gedanken darüber gemacht. Es war bereits einige Tage her, dass sie den Krieger, welcher sie auf ihrem Weg begleiten sollte, gesehen hatten. Er selbst hatte Kékulé versichert, dass er würde mit ihr Schritt halten können und so hatten sie sich eines nachts in beiderseitigem Einverständnis getrennt. Doch nun war von Thomas weit und breit keine Spur und sollte ihm tatsächlich etwas zugestoßen sein, konnte sie es nicht riskieren nach ihm zu suchen. Es war schließlich nicht nur ihr eigenes Leben, welches auf dem Spiel stand.

Nach einigen Momenten des Schweigens beschloss die Silberne, das kleine Mädchen nicht weiter zu beunruhigen und so antwortete sie ebenfalls flüsternd:
„Ach du kennst doch Thomas! Er ist groß und stark und hat im Kampf bewiesen, dass er auf sich aufzupassen weiß. Mach dir um seinetwegen keine Sorgen. Und nun sei lieber still, wir wollen doch keine ungewollte Aufmerksamkeit auf uns ziehen.“. Des nachts war es besser auf Gespräche zu verzichten, da man in der Stille der Nacht nie wissen konnte, zu wem der Wind ihre Stimmen trug. Wie aus einem Reflex heraus prüfte die Pferdefrau den Sitz ihres Rückenköchers und strich beinahe zärtlich über das vertraute Holz ihres Bogens. Da der Mond mittlerweile hinter dicken Wolken verborgen lag, konnte man beinahe die Hand nicht mehr vor Augen sehen. Daher verfiel die Kentaura in eine deutlich langsamere Gangart, denn sie konnte es nicht riskieren aufgrund eines unsicheren Trittes zu stürzen. Doch was war das? War da ein Geräusch? Ruckartig blieb Kékulé stehen um zu lauschen, wobei Mira im Halbschlaf beinahe von ihrem Rücken gepurzelt wäre. Den eigenen Atem anhaltend spähte die Silberne in die fast vollkommende Dunkelheit. Das leise Rascheln von Gras im Wind wurde von dumpfen Hufgeräuschen unterbrochen. Sie waren nicht mehr alleine, so viel war klar. Der Tritt des fremden Pferdes – oder der eines anderen großen Huftieres – war ruhig und regelmäßig, was darauf schließen ließ, dass sie noch nicht entdeckt wurden. Beinahe lautlos zog die Kentaura einen blau befiederten Pfeil aus dem Köcher und legte ihn an. Die kräftigen Muskeln ihres massigen Pferdekörpers waren gespannt, jeder Zeit bereit entweder zum Angriff über zu gehen oder aber im wilden Galopp die Flucht zu ergreifen.
Zuletzt geändert von Kékulé am Sa, 23. Mär 2019 10:12, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von She'sejia » Do, 21. Mär 2019 20:57

She'sejia lief zwischen den Karren und immer noch aufgeregten Pferden umher und sammelte ihre Wurfmesser. Die anderen räumten Leichen mit violetter Haut weg und kümmerten sich um Verletzte. Zielstrebig steuerte sie einen mit dem Gesicht im Boden liegenden Shiín an, kniete sich neben ihn und drehte ihn um. Sein junges Gesicht war jetzt unverzerrt und seine Augen starrten leer in die Ihren. Ihr Blick blieb kurz auf der kunstvollen Tätowierung in seinem Gesicht hängen, dann zog sie ihm ihr Wurfmesser aus der Brust. Sie wischte es behutsam wie die anderen zuvor mit einem Stofffetzen sauber und steckte es zurück an ihren Gürtel. Dann fasste sie den toten Krieger unter den Achseln und zog ihn zu den anderen seiner gefallenen Artgenossen. Die Händler, die sich von dem Überfall offensichtlich bereits erholten, beugten sich über die Leichen und sammelten ihre Waffen. She'sejia schüttelte nur den Kopf. Die Angreifer hatten gut gekämpft und hatten sie daran erinnert, dass sie trotz allem, was sie schon konnte noch viel zu lernen hatte. Diese Respektlosigkeit, das war dieses Plündern nämlich in ihren Augen, hatten sie nicht verdient. Zumal es ja nicht die Händler waren, die diesen Kampf gewonnen hatten, sondern die von ihnen angeheuerten Söldner.

Eine Bewegung in ihrem Augenwinkel verriet ihr, dass sich jemand neben sie gestellt hatte. „Dass es welche wie dich noch gibt, Prinzesschen“, sagte der Anführer der Söldnertruppe, der sie zur Seite gestellt worden war, ein Mann, bei dem es schien, als bestehe seine Haut nur aus Narben, wie ein Netz nur aus Löchern zu bestehen schien. „Oder dass es sie je gegeben hat“, seufzte er „das hier ist kein Märchenland. Diese Männer haben keine Ehre, meine Männer haben keine Ehre und auch die violetten Bastarde haben keine Ehre.“ Unwillkürlich straffte sie die Schultern und hob das Kinn, sich weigernd sich zu ihm zu drehen und ihm Aufmerksamkeit zu schenken.
Nichts als eine Illusion. Wenn ich dich nicht kämpfen gesehen hätte, könnte ich glauben, das sei alles an dir, dein Glauben an diese Illusion.
Weiter versuchend ihn zu ignorieren, drehte sie um und ging zu den Wagen zurück, doch er folgte ihr. Sie wusste, dass er sie nur provozieren wollte, doch es fiel ihr dennoch schwer, sich zurückzuhalten. Seit sie ihm einen Kehlkopfschlag verpasst hatte, als er sie das erste Mal Prinzesschen genannt hatte ging das schon so. Sie hatte schnell gelernt diesen Ausrutscher zu bereuen. Und die Ausrutscher danach. Sie bereute es schon fast, wieder nach Süden und nicht weiter in die Nordreiche zu gehen, aber die Bezahlung war so gut wie die Empfehlungen vieler Reisender, gerade als Elfe nicht in die Nordreiche zu gehen sie verunsichert hatten.
Was hatte sie jetzt davon? Unangenehme Gesellschaft.
Die anderen, seine Männer, ließen sie in Ruhe, seit sie wussten, dass She'sejia nicht davor zurückschreckte, handgreiflich zu werden, wenn man sie zu sehr reizte. Über den Punkt herablassender Arroganz hinaus. Doch diesem hier, dem Anführer schien eben dies zu gefallen. Also provozierte er sie, wie er nur konnte und schien sie nicht einen Moment ernst zu nehmen oder zu respektieren.
Wurde dir diese Illusion von denen eingeflößt, die dir auch beibrachten so zu kämpfen? Jemanden mit einem Schlag zu besiegen? Willst du es mir beibringen, Prinzesschen?“, fragte der Mann. Mit zornig glühenden Augen drehte sie sich um. „Jemandem wie Euch, jemandem ohne Illusion würden sie nichts beibringen, genauso wenig wie ich das tun würde. Jemandem, der nur an Geld glaubt. Was sind Krieger den ohne diese Illusion?“, fauchte sie und richtete sich weiter auf. „Nichts als Tiere, nein noch weniger, denn die kämpfen wenigstens nur für sich und ihr Leben.
Rasch wandte sie sich ab und stürmte durchs Lager, bis sie einen ihrer Auftragsgeber fand.

Der Weg über Thamyr und Itkkin in die Nordreiche ist sowieso besser“, hatte einer der Händler ihr vor ein paar Tagen gesagt. Und langsam reichte es ihr mit den Söldnern, vor allem mit ihrem Anführer. Sie hatte ihren Teil getan, nun würde sie nach Westen in die Steppe gehen. Nun würde sie wieder zu den Spiegelseen und dann durch die Steppe nach Norden reisen, wo sie die Umgebung wenigstens ein bisschen kannte und nicht so sehr auf Gasthäuser und Gesellschaft angewiesen war, wie im Wald. Der war ihr so fremd und andersartig, dass sie sich ungewohnt unbeholfen und unwissend fühlte.
Den Entschluss endgültig gefällt habend packte sie ihre Sachen zusammen und war schon vor den Händlern wieder fertig zum Aufbruch. Während sie ihren Hengst Anion an einem nahegelegenen Bach trinken ließ, füllte sie bei den Händlern ihr Proviant auf und erhielt die Belohnung für ihren Schutz. Dann war sie davon, bevor sie noch ein einziges weiteres Mal „Prinzesschen“ hören musste.


Auch beim zweiten Mal versetzte sie der Anblick der Spiegelseen noch in Staunen. Und der Anblick der Steppe dahinter hatte im Vergleich zum Wald, dem zum Gebirge hin die grasbewachsene Hügellandschaft zwischen dem Gebirge der Bergelfen und dem Hügelland von Harrhy'in gewichen war, wieder etwas von Zuhause. Das brachte kurz auch ein paar unangenehme Erinnerungen zurück, die sie eigentlich auf ihrer Reise hinter sich lassen wollte. Schnell vertrieb sie diese aus ihren Gedanken und ging in ihrem Kopf ihre weitere Route durch. Schon bald würde sie das Gebirge hinter sich gelassen und die Steppe erreicht haben. Zuversichtlich trieb sie ihr Pferd an und gutes Wetter ließ sie die nächsten Tage rasch vorankommen.

Als sie das Gebirge schließlich verlassen hatte, hielt sie sich nach Norden. Vor und hinter ihr zogen sich die sanften Hebungen in der Steppenlandschaft, deren Schatten nun, da die Sonne unter ging, immer tiefer wurden, bis zum Horizont. Der Wind, der sanft das Gras bog, ließ die Landschaft in einem Spiel aus Licht und Schatten lebendig werden und im Osten glühten die Bergspitzen der Zuhandal-Kette im orangenen Licht des Sonnenuntergangs.
Bei ein paar Büschen in einer Senke beschloss sie schließlich ihr Lager für die Nacht aufzuschlagen, denn die dicken Wolken, die sich vor den Mond schoben und sein kühles Licht schluckten, tauchten She'sejias Umgebung in undurchdringliche Finsternis. Ohne die Sterne oder wenigstens die ferne Bergkette als Orientierung würde sie sich schließlich nur verlaufen. Also ließ sie den braunen Hengst halten und stieg ab, als ein Geräusch sie plötzlich innehalten ließ. So leise wie möglich drehte sie sich um und spähte in die Dunkelheit, während ihre Hand unwillkürlich nach ihren Wurfmessern am Gürtel griff.
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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von Kékulé » Sa, 23. Mär 2019 10:11


Die dumpfen Schritte des Pferdes verstummten und ein leises Schnauben erklang. Kékulé war sich mittlerweile bewusst, dass es sich nur um ein einziges Pferd handelte. Mit einem Gegner, sollte es sich um einen Krieger handeln, würde sie schon fertig werden. Es gab keinen Grund fortzulaufen und zu riskieren, dass man sie bemerkte und Verstärkung gerufen wurde. Immer noch den Bogen gespannt, schritt die Kentaura beinahe lautlos den Geräuschen entgegen. Das war der Nachteil eines Reittieres, wie sie wusste. Die Steppenreiter selbst mochten sich in der Dunkelheit der Nacht verbergen können, doch ihre Tiere erzeugten weiterhin Laute, die der Pferdefrau nur allzu bekannt waren. Ein grimmiges Lächeln legte sich auf Kékulés Lippen. Eine leichte Brise zog auf und der Blick ihrer hellblauen Augen richtete sich gen Himmel. Die Wolken setzten sich langsam in Bewegung, mit etwas Glück würde bald das Himmelsgestirn etwas Licht in die Finsternis bringen. Sie stand einige Momente regungslos und zielte mit dem Bogen in die Richtung, aus der sie eben noch das Schnauben vernommen hatte. Mira saß angespannt auf ihrem Rücken, auch das kleine Mädchen war sich der drohenden Gefahr anscheinend bewusst. Die Pferdefrau hatte sich ein breites Lederband um die Hüfte gebunden, sodass die Kleine sich auch im wilden Galopp noch gut daran fest halten konnte. Der Wind hatte weiter zugenommen und spielte mit Kékulés Haar, während ihr Blick nun wieder starr gerade aus gerichtet war. Die Wolken zogen weiter, der strahlende Mond tauchte die Nacht in eine Landschaft aus Grautönen und dann standen sie sich gegenüber…

Eine kleine Frau mit langem schwarzen Haar, ihr Körper war schlank und wirkte auf den ersten Blick gut trainiert. Die Körpersprache ihres Gegenübers zeigte der Kriegerin deutlich, dass auch die Fremde jederzeit zum Angriff bereit war. Sie hatte keinen Bogen, doch die Griffe zweier Säbel ragten über ihren schmalen Schultern empor. Da die Frau diese jedoch nicht blank gezogen hatte und stattdessen nach ihrem Gürtel zu greifen schien, vermutete Kékulé dort einen Dolch oder gar Wurfmesser. Mit den Hufen tänzelnd drehte die Pferdefrau ihren massigen Leib, sodass sie das Mädchen auf ihrem Rücken mit ihrem eigenen Oberkörper abschirmte. Sie selbst entschloss sich gegen einen Kampf, lockerte die Spannung auf ihrem Bogen und stellte sachlich fest:
„Du bist keine Steppenreiterin…“. Ihre Augen huschten eilig hin und her, die Fremde schien tatsächlich allein zu sein. „Wir sind keine Feinde, wir müssen nicht kämpfen. Ich bitte dich aufrichtig nicht anzugreifen, wenn ich gleich meinen Bogen senke.“, fügte sie ruhig hinzu. Sie fixierte die Fremde noch einen kurzen Augenblick und atmete tief durch, dann nahm sie den aufgelegten Pfeil von der Sehne und ließ ihn geschmeidig zurück in ihren Köcher gleiten. „Ich und die Kleine, wir sind nur auf der Durchreise und nicht auf der Suche nach Ärger. Die Steppe kann jedoch ein sehr gefährlicher Ort sein für eine Kentaura wie ich eine bin und so muss ich stets Vorsicht walten lassen.“, erklärte sie mit knappen Worten ihre Situation. Sie blickte auf die Fremde herab und konnte nur darauf hoffen, dass sie vernünftig genug war ihr Friedensangebot anzunehmen.

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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von She'sejia » Mo, 25. Mär 2019 20:12

Starr verharrte She'sejia und versuchte in der Dunkelheit irgendetwas auszumachen, die Muskeln angespannt und bemüht keinen Laut von sich zu geben. Ihr Hengst jedoch schien unbesorgt und sie konnte im Augenwinkel eine Bewegung seines Kopfes erahnen, als er schnaubte. Bei dem Geräusch wäre sie fast zusammengezuckt und sie wusste, ohne ihr langjähriges Training würde die Aufregung ihre Konzentration erheblich beeinträchtigen. Dann machte sie in der Schwärze der Nacht eine Bewegung aus und der Umriss einer großen Gestalt machte sich aus. Als ein leichter Wind die Wolken ein Stück beiseiteschob, erhaschte sie im fahlen Licht einen Blick auf ihren Gegenüber. Erst meinte sie, es handele sich um einen Reiter, doch irgendetwas stimmte nicht. Dann erkannte sie das Wesen vor sich: Ein kräftiger Pferdeleib, der in den Oberkörper einer Frau überging. Sofort wurde sie sich auch des auf Sie gerichteten Bogens bewusst, doch auch so wirkte die Gestalt auf She'sejia majestätisch, wenn nicht gar einschüchternd. Hoch ragte die Pferdefrau über ihr auf, und aus ihrem Gesicht, das von schwarzen langen Haaren leicht umspielt wurde, blickten hellblaue Augen starr auf sie hinab. Gleichsam wie ihr eigener, war der Körper dieser Frau zum Angriff gespannt und obwohl sie sich noch nicht entspannte, wagte She'sejia es nicht anzugreifen oder sich auch nur zu bewegen. Zu groß das Risiko, im nächsten Moment einen Pfeil zwischen den Augen zu haben.

Die Pferdefrau bewegte sich und löste die Spannung in der die Wüstenelfe kaum zu Atmen gewagt hatte. Erst in diesem Moment, da die Frau? Das Wesen? sich drehte und ihr nun direkt gegenüberstand, bemerkte sie, dass jemand auf dem Pferderücken saß. Ihr Blick traf kurz den aus großen, traurigen Augen, dann verschwand das kleine Mädchen hinter der Frau, die ihren Bogen immer noch auf She'sejia gerichtet hatte. Doch anstatt zu schießen entspannte sich die Haltung der Bogenschützin fast unmerklich und sie sagte etwas, das zwar eindeutig eine die Sprache der Steppe war, von der She'sejia ein paar Dialekte zumindest in den Grundzügen auf ihrer Reise erlernt hatte, das aber dennoch zu schnell war, als dass sie es hätte verstehen können. Sie konzentrierte sich auf die Worte und verstand sogar, was als nächstes gesagt wurde. Die Pferdefrau würde nicht angreifen und bat sie, es ebenso zu tun. Endlich wich die Spannung, zumindest augenscheinlich, aus ihrem Körper und sie ließ die zum Gürtel gehobene Hand sinken. Dennoch waren ihre Sinne gespitzt und ihre Muskeln bereit, im Notfall blitzschnell zu reagieren.
Ebenso senkte Pferdefrau ihren Bogen und verstaute den Pfeil, der eben noch auf die Stirn der Elfe gerichtet war, in ihrem Köcher. „Ich und die Kleine, wir sind nur auf der Durchreise und nicht auf der Suche nach Ärger. Die Steppe kann jedoch ein sehr gefährlicher Ort sein für eine Kentaura wie ich eine bin und so muss ich stets Vorsicht walten lassen.“, waren die nächsten Worte der Pferdefrau, oder eher Kentaura, was wohl die Bezeichnung für ihre Art sein musste. Bei ihr und dem Mädchen hielt es sich also wie bei She'sejia um Durchreisende.

Ich werde nicht angreifen“, sagte die Wüstenelfe nun, noch etwas ungelenk mit der neuen Sprache und sicher nicht akzentfrei. „Wie ihr bin ich Reisende und suche nicht nach einem Kampf.“ Es brauchte einen Moment, bis sie sich ihre nächsten Worte zurechtgelegt hatte: „Mein Weg führt nach Norden.“, sie deutete in die entsprechende Richtung, nun, da sie sich im Licht des Mondes zumindest grob orientieren konnte. Hoffentlich würde die, was war es doch gleich? … Die Kentaura sie verstehen. Wenn schon nicht ihre Worte, dann doch zumindest sinngemäß was She'sejia zu sagen versuchte. „Darf ich nach dem Ziel eurer Reise fragen?“, fügte sie nach einer erneuten kurzen Pause hinzu. Sie wäre normalerweise nicht so offen gewesen und hätte von selbst etwas gesagt. Doch erstens interessierte sie dieses Geschöpf, das so anders war als jeder Mensch, Elf, Shiín oder eigentlich jeder, den sie je getroffen hatte und zweitens hatte die Pferdefrau selbst gesagt, dass auch hier überall Gefahren lauerten. Falsche Scheu war in diesem Fall wohl nicht zu empfehlen, wo es sich ja bei den beiden nicht um Feinde oder zumindest eine direkte Bedrohung zu halten schien. Sie hoffte nur, das die Kentaura ihre Einschätzung, dass es sich bei der Elfe um keine Feindin handelte, nicht änderte.
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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von Kékulé » Mi, 27. Mär 2019 21:32


Zufrieden stellte Kékulé fest, dass auch die Kriegerin die Hand sinken ließ und nicht nach ihren Waffen griff. Sie atmete erleichtert aus und straffte ihre muskulösen Schultern. Sie hatte schon immer ein gutes Gespür dafür gehabt, schwierige Situationen richtig einzuschätzen. Die Fremde schien ihre Sprache zu verstehen und war recht bemüht in eben dieser auch zu Antworten. Ihr Akzent war zwar etwas gewöhnungsbedürftig, dennoch war ihre Aussage klar und verständlich: Auch sie war auf der Reise nach Norden. Die Kentaura nickte und zeigte ebenfalls erst nach Norden und anschließend nach Nord-Osten.
„Unser Weg führt uns in die Wilden Lande.“, fügte sie langsam and deutlich sprechend hinzu. Der Hengst der Fremden schien aufgrund der Anwesenheit der Kentaura zugleich nervös als auch interessiert zu sein. Vermutlich hatte er ein Wesen wie sie eines war – halb Frau, halb Stute – noch nie zuvor gesehen. Ein schmales Lächeln regte sich auf Kékulés Lippen, als sie dem Tier durch ihre Körpersprache zu verstehen gab, dass es bloß nicht auf dumme Ideen kommen solle. Währenddessen regte sich Mira auf ihrem Rücken und flüsterte leise: „Sieh mal! Dort hinten!“. Kékulé wandte sich in die Richtung, in die das kleine Mädchen mit dem Finger zeigte und runzelte besorgt die Stirn. Nicht allzu weit von ihnen entfernt war ein Lagerfeuer entzündet worden, dessen rötlicher Schein in der Dunkelheit der Nacht gut zu erkennen war. „Kein guter Ort um zu reden. Wir sollten hier nicht verweilen.“, stellte die Silberne sachlich fest und fügte an Mira gewandt hinzu: „Halte dich gut fest, wir laufen ihnen einfach davon.“. Sie hielt noch einen kurzen Augenblick inne, abwartend ob die andere Kriegerin ihnen folgen wollte, dann setzte sie sich in Bewegung und galoppierte einen sanften Hügel hinauf.


Nicht unweit entfernt an einem Lagerfeuer…

Er wollte sich wieder holen, was bereits ihm gehört hatte. Ob sich die schöne Kentaura-Stute noch an ihre gemeinsame Nacht erinnern konnte? Wachte sie des nachts schweißgebadet auf, weil er in ihren Alpträumen auftauchte? Ein dreckiges Grinsen breitete sich auf Klerus Gesichtszügen aus, während er vor sich hin träumend in die Flammen blickte. Er und eine Hand voll Krieger waren Kékulé dicht auf den Fersen. Sie musste so nah sein, dass er sich förmlich einbildete bereits ihren Duft wahrnehmen zu können. Der beste Fährtenleser seines Stammes saß neben ihm, die Beine zum Schneidersitz verschränkt. Er hatte kurz zuvor berichtet die Spuren eines Kentauroi entdeckt zu haben.
„Wie kannst du die Spuren von denen unserer Pferde unterscheiden?“, hatte er ihn darauf hin gefragt. Doch die Antwort war, sofern man sie wusste, wahrlich naheliegend. Die Pferde der Steppenreiter waren oft schlanke Tiere, während die kräftig gebauten Karrôk-Kentauroi tiefe Spuren im trockenen Boden der Steppe hinterließen. Und die Silberne war eine dieser massigen Geschöpfe. Er hatte es gewusst, hatte es tief in seinem Innersten gespürt, dass sie zu ihm zurück kehren würde. Dies hier war sein Land, die Herden seiner Sippe grasten hier schon seit Menschen gedenken konnten. Wie konnte sich dieses Weibsbild einbilden unbemerkt an ihm vorbei schleichen zu können? „In der Dunkelheit der Nacht, werden wir sie kaum aufspüren können. Sie ist zu klug, um mit einem Feuer auf sich aufmerksam zu machen. Gewiss wird sie tagsüber Rast machen und das ist unsere Gelegenheit zuzuschlagen. Zeige mir morgen, wo du ihre Spuren entdeckt hast und es wird uns ein Leichtes sein, ihr zu folgen.“, sprach er an den neben ihm sitzenden Mann gerichtet.

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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von She'sejia » So, 31. Mär 2019 21:59

Die Aussage der Kentaura, dass sie in die Wilden Lande reiste, weckte She'sejias Interesse. Sie hatte von diesem Ort bisher nur wenig gehört, vor allem aber dass er seinem Namen „Wilde Lande“ mit schroffer Landschaft, tiefen Wäldern und sich bekriegenden Menschen und Orks – wie auch immer diese Wesen auch aussahen – mehr als nur gerecht wurde. Was wohl dieses Wesen vor ihr, die selbst halb Frau halb Stute war, dorthin zog, wenn sie schon hier in Gefahr und wohl in gewisser Weise fremd war? Bevor sie sich jedoch weiter darüber Gedanken machen konnte, lenkte das Mädchen auf dem Rücken der immer noch fremdartigen Kentaura die Aufmerksamkeit der Elfe auf sich. Sie zeigte mit dem Finger in die Ferne, wo ihr wohl etwas aufgefallen war. Tatsächlich konnte man zwischen den sanften Hügeln unweit von den Dreien den flackernden orangenen Schein eines Lagerfeuers ausmachen. Kein gutes Zeichen, wie die Worte der noch namenlosen Pferdefrau bekräftigten. Ihrer Empfehlung folgend saß She'sejia wieder auf, jedoch nicht ohne Anion, den die Kentaura etwas nervös zu machen schien, über den Hals zu streichen.
Wir müssen noch weiter, hier können wir noch nicht ausruhen“, flüsterte sie ihm auf Elfisch zu und blickte kurz zu der Gestalt ihrer vierbeinigen Begleiterin: „Sie scheint die Steppe zu kennen und wird sicher einen sicheren Rastplatz finden“. Wie die Elfe war auch ihr Hengst erschöpfter als er es sich anmerken ließ, waren sie doch schon den ganzen Tag ununterbrochen unterwegs gewesen, ebenso wie die Tage zuvor. Ob es auch ihrer Begleiterin so ging? Sie schien kräftig und doch musste die Gefahr, mit der sie zu rechnen schien, ihr wohl auch wenig Ruhe erlauben.

Als sie fertig war, folgte She'sejia der Kentaura den Hügel hinauf und weiter durch die Steppe. Die ferne Gebirgskette blieb zu ihrer Rechten und zeigte ihr, dass sie sich weiter nach Norden bewegten, während immer wieder Wolken am Mond vorbeizogen, ihn jedoch niemals ganz verdeckten. Währenddessen spürte sie sich immer müder und unaufmerksamer werden, während sie immer weiter ihrer Führerin, die unermüdlich weiterlief, folgte. Sie verlor das Gefühl für die vergehende Zeit und wenn sie sich umsah rückte der flackernde Feuerschein in immer weitere Ferne, bis er schließlich nicht mehr zu erkennen war. Doch das Gebaren der Kentaura gab She'sejia das Gefühl, die Gefahr sei auf ihren Spuren. Folgte ihnen jemand? Gab es irgendeinen Unterschlupf, in dem sie sich verstecken konnten? Das würde sich wohl schwerer gestalten, denn obwohl sie wenig Ahnung von der Steppe hatte, ließen sich Spuren auf der festen Erde weniger leicht verwischen als in dem Sand, der einen Großteil der Wüste bedeckte. Außerdem war ihr dieses Gefühl, auf der Flucht zu sein, zuwider. Sie mochte das Gefühl, die Kontrolle zu haben, zu wissen, wo welche Feinde warteten. Bei den Banu war sie es gewesen, die anderen auflauerte oder sich zu ihnen schlich. Sie hatte ihre Umgebung gekannt und früher von Unerwartetem und Fremdem gewusst als dieses von ihr. Doch hier fühlte sie sich nun beobachtet und verfolgt.


Was verfolgt euch?“, fragte She'sejia die Pferdefrau, als diese langsamer geworden war und es ihr erlaubt hatte, vollends zu ihr aufzuschließen. Sie liefen nun nebeneinander und obwohl die Elfe nichts Verdächtiges in der näheren Umgebung erkennen konnte, sprach sie mit gedämpfter Stimme. „Oder wer?“, fuhr sie fort. Sie würde bald zumindest eine kurze Rast brauchen, sonst wäre sie jeder Gefahr beinahe hilflos ausgeliefert, das wusste sie und so wandte sie sich erneut an die Kenraura: „Ich und mein Pferd brauchen Ruhe, sonst... bin ich euch im Kampf, sollte einer kommen, keine Hilfe.“.
Erneut warf sie einen kurzen Blick zurück. Vor wem auch immer die Kentaura und das kleine Mädchen flohen, sie hatten, dem Lagerfeuer nach zu schließen, ein Lager aufgeschlagen. Das hieß, dass ihnen höchstens eine kleine Gruppe – vielleicht eine Vorhut – folgte, aber nicht die ganze Gruppe. Es erschien ihr unwahrscheinlich, dass ihnen irgendwer so weit gefolgt war und selbst wenn, dann hielt es sich um eine kleinere Gruppe, hoffentlich. Ihr Blick wanderte nach Osten, wo sich bald die Sonne über die Berggipfel erheben würde und dann sah sie wieder zu der Kentaura mit den klaren hellen Augen und dem kleinen Mädchen das sich im Halbschlaf an ein Lederband an der Hüfte ihrer Beschützerin klammerte.


Etwas später und weit hinter den Dreien saß die Nachtwache der Steppenreiter bei den letzten glühenden Scheiten des Lagerfeuers und blickte zum sich kaum merklich erhellenden Himmel hinauf. Er erhob sich und ging zum Zelt seines Anführers. „Bruder Sonne erwacht“, sagte er nur leise, als dieser sich zum Eingang des Zeltes drehte. Sofort schlich sich ein erwartungsvolles Grinsen auf Klerus' Züge und er setzte sich auf. „Dann weck' die anderen, bei Sonnenaufgang sollen alle bereit sein!
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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von Kékulé » Mo, 01. Apr 2019 18:45


Die Nacht war weit voran geschritten als Kékulé ob ihrer neuen Begleiterin die Geschwindigkeit drosseln musste. Sie selbst trabte nun gemächlich dahin, während die Kriegerin auf ihrem Hengst zu ihnen aufschließen konnte.
„Ich kann nicht mit Sicherheit behaupten, dass wir verfolgt werden.“, begann die Kentaura zu erzählen. „Mein Clan und die Steppenreiter, welche in diesem Gebiet angesiedelt sind, leben seit jeher in Feindschaft. Wir durchqueren ihr Land und sollten sie uns entdecken, werden sie keine Zeit damit verschwenden Fragen zu stellen. Klerus ist der Anführer ihrer Kriegerschaar und man könnte sagen, er ist nicht gerade ein Freund von mir…“, fügte sie hinzu und ihre Gesichtszüge verdunkelten sich, als sie an die Nacht ihrer Gefangenschaft zurück dachte. Unterdessen erklommen die ersten Sonnenstrahlen der Morgendämmerung die Zuhandal-Kette und tauchten den Himmel in ein feuriges Rot. Die Kentaura blickte noch einmal besorgt zurück, doch die Fremde hatte nicht gelogen: Ihr Pferd war erschöpft, die Flanken nass vor Schweiß und weißer Schaum bildete sich bereits um das Maul herum. „Hier gönnen wir uns bis zur Mittagsstunde Rast.“, sagte sie im gewohnten Befehlston, als sie in der Mitte einer kleinen Mulde halt machten. Das kleine Sklavenmädchen hüpfte leichtfüßig von dem Rücken der Kentaura und begann damit ihr schlichtes Lager zu errichten. Sie entrollte die sandfarbenen Decken und baute ein rudimentärs Zelt auf, das ihnen zugleich Schutz vor der Sonne bot als auch aufgrund der Farbe eine gewisse Tarnung darstellte.

Anschließend reichte Mira Kékulé den prall gefüllten Wasserschlauch, doch anstatt ihren eigenen Durst zu stillen, überließ die Kentaura ihr Wasser dem Hengst, der das kühle Nass dringender zu brauchen schien als sie. Nachdem das Pferd seinen Durst gestillt hatte, strich Kékulé ihm vertraut über den Hals.
„Darf ich?“, fragte sie an die Fremde gewandt und griff nach dem linken Vorderhuf des Hengstes. Sie zog den Huf bestimmend nach oben und redete beruhigend auf das stolze Ross ein. Es kostete sie einige Überzeugungskraft, doch dann legte sich das erschöpfte Tier endlich nieder. „So ists brav…“, flüsterte die Silberne beinahe schon zärtlich, bevor auch sie selbst sich etwas umständlich nieder ließ. „Stehen bedeutet gesehen werden und wir wollen ja nicht mehr Aufsehen erregen als unbedingt notwendig.“, erklärte sie ihr Verhalten und deutete dann auf das schlichte Zelt bevor sie fort fuhr: „Du kannst nun etwas schlafen, wenn du möchtest. Ich werde über euch wachen und euch rechtzeitig wecken, sollte Gefahr drohen.“. Das kleine Mädchen blickte indes die Fremde mit ihren großen traurigen Augen an. „Wie heißt du eigentlich? Ich bin Mira und meine silberne Freundin hier heißt Kékulé.“, sagte sie mit piepsiger Stimme. Dann begann sie nervös auf ihrer Unterlippe zu kauen und blickte auf die Waffen der Fremden. Ihr schien der Gedanke allein mit der Kriegerin unter einem gemeinsamen Zelt zu schlafen nicht sonderlich zu gefallen. Bedachte man ihre Vergangenheit, war dies auch nicht verwunderlich. Die Kentaura, die den Blick des Mädchens schnell durchschaut hatte, räusperte sich leise und fügte hinzu: „Würde es dir etwas ausmachen deine Waffen abzulegen?“.


Mit den ersten Sonnenstrahlen war Klerus geweckt worden. Dort wo das nächtliche Lagerfeuer gebrannt hatte, glommen noch ein paar verkohlte Holzscheite und eine feine Rauchsäule schlängelte sich dem Himmel entgegen. Der Krieger streckte die müden Knochen, denn die Nacht war viel zu kurz und sein Lager deutlich zu hart zu gewesen. Die kleine Schaar, welche er um sich gesammelt hatte, war bereits dabei aufzusatteln und die stolzen Pferde der Steppenreiter tänzelten ungeduldig. Sie waren bereit zu Laufen, dies war einfach die Natur ihrer besonderen Zucht. Mit stolz geschwellter Brust bestieg nun auch Klerus seinen prächtigen Hengst.
„Zeig mir die Spuren…“, sagte er an den Fährtenleser gewandt und dieser ritt dem Befehl umgehend nachkommend voraus. Die restlichen fünf Reiter folgten ihm mit einigem Abstand, bis der Jäger sein Pferd zügelte und abstieg. Er ging ein paar Schritte zu Fuß weiter, hockte sich hin und strich sanft über den trockenen Boden. „Hier müssen sie letzte Nacht Rast gemacht haben… Ihre Spuren führen nach Norden, sie sind noch ganz frisch. Sie kann nicht Tag und Nacht laufen, irgendwann müssen auch die Kräfte der Kentaura erschöpft sein.“. Er richtete sich auf und ging zu seinem Pferd zurück um wieder aufzusitzen. „Und da ist noch etwas, das ihr wissen solltet, Herr. Ich habe die Spuren eines weiteren Pferdes entdeckt. Die Spuren führen in die selbe Richtung. Sie ist nicht mehr allein unterwegs…“, fügte er hinzu und strich sich dabei über das stoppelige Kinn. Doch Klerus schien ob der neuen Entwicklung wenig besorgt und so gab er seinem Hengst die Sporen und folgte den Spuren der Silbernen.

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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von She'sejia » Mi, 03. Apr 2019 15:43

Erleichtert stieg She'sejia vom Rücken ihres Hengstes, als die Kentaura in einer kleinen Senke verkündete, hier könnten sie rasten. In Gedanken noch bei den Worten ihrer Begleiterin sattelte die Elfe ihr schweißnasses Reittier ab und rieb ihn so gut es ihr im Moment möglich war trocken. Es war eine Erleichterung, dass sie nicht mit Sicherheit verfolgt wurden aber offensichtlich bedeutete es keineswegs, dass sie in Sicherheit waren. Es hieß eher, dass jederzeit Feinde zufällig auf sie stoßen konnten und sie die Gefahr ihnen daher nicht auf den Fersen war, sondern überall lauern konnte. Dies warf wieder die Frage auf, warum die Kentaura diese Reise durch Feindesland auf sich nahm, noch dazu allein, wo sie doch von einem eigenen Clan gesprochen hatte. Es mochte gute Gründe dafür geben und Geschichten, die der Pferdefrau anhafteten, wie auch She'sejia, und sollten sie bereit sein, ihr etwas davon zu erzählen, so würden sie es tun, sagte die Wüstenelfe sich. Doch alles zur rechten Zeit.
Inzwischen hatten ihre Begleiter ein Zelt aufgebaut und sich ein spärliches Lager eingerichtet und sie begann es ihnen gleichzutun. Ihre Wüstenkleidung würde ihr als Kopfkissen dienen und der Mantel als Unterlage, da sie sich bei Tage um die Kälte keine Sorgen zu machen brauchte. Erst die Frage der Kentaura ließ sie aufblicken und nickend ihr Einverständnis geben. Aufmerksam beobachtete sie, wie die Fremde sanft aber bestimmt Anion dazu bewegte, sich hinzulegen. Sie hatte in Aysibrir bei ihrem Volk gelernt, ein Pferd zu schätzen wie einen Freund und es sprach nur für die Kentaura, dass sie dem Hengst mit Respekt behandelte und nicht wie einen Sklaven.
She'sejia hielt die Vorsicht, mit der die Kentaura ihre Handlung begründete für vernünftig und weil sie keinen direkten Grund sah, ihr zu misstrauen, hatte sie gegen das Angebot, Wache zu halten, keine Einwände: „Eine Wache ist sicherlich ratsam und... ich sollte wirklich ruhen.“.
Sie wandte sich zu dem kleinen Mädchen und versuchte ein, wie sie hoffte, beruhigendes Lächeln. „Meine Eltern nannten mich Elyria, doch schon vor langem nahm ich den Namen She'sejia an. Du kannst mich aber nennen, wie du möchtest Mira“, sagte die Wüstenelfe und hoffte, mit mehr Offenheit vielleicht die Nervosität des Mädchens zu lindern. Zudem war sie sich nicht sicher, ob sie mit einem ihrer Namen Probleme bei der Aussprache hätten, und bot vorsichtshalber beide an. Kurz war sie versucht, auch den Namen der Kentaura auszusprechen, um sich an dessen Aussprache und Klang zu gewöhnen, doch etwas hielt sie zurück. Es war Mira gewesen, die ihr diesen Namen gesagt hatte und nicht Kékulé selbst, außerdem schien die Kentaura stolz und wenn auch nicht direkt misstrauisch dann doch noch vorsichtig. Sie erinnerte She'sejia in diesen Eigenschaften irgendwie an sie selbst und so beschloss die Elfe, dies zu respektieren und den Dingen ihre Zeit zu lassen.

Auf den Hinweis Kékulés hin, begann sie ihre Waffen abzulegen und zu der Satteltasche zu legen. Zwar fühlte sie sich ohne Waffen irgendwie unsicherer, doch zum Schlafen hätte sie sie sowieso abgelegt und vielleicht würde es das Mädchen beruhigen. Sorgfältig nahm sie erst die beiden Säbel ab und löste dann die Wurfmesser vom Gürtel. „Ich werde dir nichts tun, und deiner Beschützerin auch nicht.“, sagte sie sanft, als sie sich wieder zu Mira drehte und kurz einen Blick auf Kékulé warf. „Ich glaube nicht, dass mir das überhaupt möglich wäre.“. Doch als die traurigen Augen sie unverwandt anstarrten, seufzte die Elfe traurig. Sie glaubte die Haltung und das scheue Wesen Miras zu verstehen. So wie das Mädchen manchmal, vor allem in ihrer Anwesenheit, den Kopf einzog und zusammenzuckte, als erwartete sie Schläge oder eine schlimmere Strafe... Sie kannte dieses Gefühl und wagte doch nicht, mit Mira darüber zu reden, denn einerseits konnte sie sich täuschen und das Mädchen war keine Sklavin gewesen oder darüber zu reden würde sie nur an die Misshandlungen ihrer Gefangenschaft erinnern.
So legte sie sich hin und hoffte, dass sie das Mädchen nicht davon abhielt, sich auch auszuruhen.


Schnell glitt sie in einen unruhigen Schlaf. Ihre Träume führten sie nach Westen, zurück in die Wüste.
Männer zogen die Leichen eines Mannes und einer Frau über den Sand und rollten sie in eine ausgehobene Grube. Unter den Männern stand ein kleines Mädchen. Es war das Mädchen mit den traurigen Augen. Nein, es war nicht das Mädchen, zumindest nicht mehr. Das Mädchen hatte jetzt rote Augen. Sie war das Mädchen. Niemand kümmerte sich darum, das schockstarre Mädchen festzuhalten oder ihm Beachtung zu schenken.
Dann verschwamm das Bild bis sie das gleiche Mädchen, sich selbst, verloren über den heißen Sand stolpern sah. Sie war gefesselt und die Männer wollten, dass sie schneller lief. Dann war es wieder das Mädchen mit den traurigen Augen, und dann lief sie selbst über den Sand, die sengende Sonne über sich. Der Sand war zu warm, die Sonne stach, das Brandmal auf ihrem Schulterblatt brannte wie an dem Tag an dem sie es erhielt. Ihre Handgelenke schmerzten von den Fesseln und Trauer bohrte sich wie eine Scherbe in ihr Herz. „Lauf schneller“, riefen die Männer, doch das kleine Mädchen mit den roten Augen wollte nicht. Als sie Hände nach sich greifen spürte, begann sie sich heftig zu wehren. Sie schrie und strampelte, ihre Augen glühten und Funken tanzten auf -


Wach auf!“. She'sejia fuhr in die Höhe und Mira zog ihre Hand zurück, als habe sie sich verbrannt. Mit aufgerissenen Augen sah die Wüstenelfe, deren Augen noch immer glühten, sich um. Die wenigen Funken, die sie gerade noch umgeben hatten waren verschwunden und hatten glücklicherweise keinen Schaden hinterlassen, doch noch immer umgab She'sejia eine ungewöhnliche Hitze. Da sie sich keiner direkten Gefahr ausgesetzt fühlte, begann sie sich zu beruhigen und tastete mit der Hand nach dem Brandmal auf ihrem rechten Schulterblatt und der Narbe darüber. Der Schmerz aus dem Traum verblasste nur langsam und sich erst jetzt wieder ihrer Begleitung bewusst werdend sah sie auf, unsicher wie Kékulé und Mira auf ihren Ausbruch reagieren würden.
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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von Kékulé » Do, 04. Apr 2019 18:22


Mit wachsamen Blick beobachtete die Silberne, wie die Kriegerin She'sejia die Waffen ablegte. Sie selbst legte ihren Bogen griffbereit vor sich in das Steppengras, den mit Pfeilen bestückten Köcher behielt sie umgeschnallt.
„Erholt euch gut, zur Mittagsstunde werde ich euch wecken.“, wiederholte Kékulé nochmals als die beiden in das flache Zelt schlüpften. Die Sonne kletterte rasch die Himmelsleiter empor und die Kentaura hielt aufmerksam die Umgebung im Blick. Von Weitem würde man sie nicht sehen können, dennoch war sie sich der Spuren die sie hinterlassen hatten, schmerzlich bewusst. Sollte jemand ihren Hufabdrücken folgen, vermochte selbst das beste Versteck der Welt sie nicht zu schützen. Leise seufzend blickte sie zu dem ebenfalls dösenden Hengst hinüber und kämpfte gegen die bleierne Müdigkeit. Sie durfte einfach nicht schlafen, nicht jetzt, nicht hier. Die Angst vor dem, was Klerus ihr und Mira antun könnte, sollte er sie ein weiteres Mal zu fassen bekommen, ließ sie ihre letzten Kraftreserven mobilisieren. In ein paar Tagen würden sie die Grenzen des Stammesgebiets hinter sich lassen und dann wäre der vorerst gefährlichste Teil ihrer Reise überwunden. So lange hieß es einfach Zähne zusammen beißen und durch halten. Der Blick gen Himmel verriet der Pferdefrau, dass die Mittagsstunde nicht mehr fern war. Doch gerade als sie sich aufrappeln wollte, erklang ein spitzer Schrei. Sofort waren Kékulés Sinne wieder hell wach und sie wuchtete ihren massigen Pferdeleib empor. „Mira, was ist passiert? Hattest du einen schlechten Traum?“, fragte sie mitfühlend als sie die Eingangsplane des Zeltes anhob um hinein zu schauen. Das ehemalige Sklavenmädchen rüttelte an der Schulter der Elfe und zuckte plötzlich erschrocken zurück. Die zwei waren umhüllt von tanzenden Funken und eine ungewöhnliche Hitze, die unmöglich natürlichen Ursprunges sein konnte, strahlte der Kentaura entgegen.

“Was zum…“, konnte Kékulé sich gerade noch einen Fluch verkneifen. Mira war in der Zwischenzeit aufgesprungen und versteckte sich halb hinter dem Leib ihrer Gefährtin. „Sie ist eine Magierin!“, flüsterte das kleine Mädchen erstaunt und zugleich ängstlich. Die Kentaura legte fürsorglich ihre Hand auf die zierliche Schulter des Mädchens und fragte besorgt: „Hat sie dich verletzt? Geht es dir gut?“. Mira schüttelte rasch den Kopf und antwortete nicht ohne den Blick von She'sejia abzuwenden: „Mir geht es gut… Ich denke, sie hat es nicht mit Absicht getan. Sie hat unruhig geschlafen, hat sich die ganze Zeit hin und her gewälzt. Vielleicht hatte sie ja nur einen Alptraum?“. Augen kalt wie Stahl blickten die Elfe forschend an. „Es muss ein ziemlich schlimmer Traum gewesen sein.“, pflichtete sie anschließend der Vermutung Miras bei. Magie war etwas Fremdartiges für die Silberne, doch sie wollte sich ihre Angst nicht anmerken lassen. Sichtlich bemüht gelassen zu wirken, wandte sie sich ab und atmete tief durch. She'sejia hatte auf sie keinen feindseligen Eindruck gemacht und sie gewährte ihr daher einen Vertrauensvorschuss. Nachdenklich strich sich die Silberne eine widerspenstige Haarsträhne hinters Ohr. Sie musste einfach Gewissheit haben, bevor sie weiter ziehen konnten. Daher fragte sie nach kurzem Zögern: „Mir ist bewusst, dass wir dir fremd sind. Aber wenn du vor hast uns weiter zu begleiten, dann muss ich wissen ob du deine… Kräfte… unter Kontrolle hast. Wir können es uns nicht leisten ausversehen einen Steppenbrand zu verursachen. Den Reitern laufen wir vielleicht davon, doch das Feuer würde sich im trockenen Gras zu schnell ausbreiten. Ich habe Mira versprochen, sie in ihre Heimat zurück zu bringen. Ich will und ich werde ihr Leben nicht leichtsinnig aufs Spiel setzen.“. Das kleine Mädchen nickte zustimmend und flüsterte:

„Versprochen ist versprochen…“

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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von She'sejia » So, 07. Apr 2019 15:54

Als She'sejia sich langsam beruhigte und die Hitze um sie herum verschwand, wurde sie sich der Reaktion ihrer Begleiter erst richtig bewusst. Kékulé und Mira hielten Abstand von ihr und sahen sie nun nicht mehr zaghaft und vorsichtig, sondern offen erschreckt und misstrauisch an. Das Mädchen versteckte sich halb hinter der Kentaura, die die Elfe mit dem forschenden Blick ansah, den She'sejia schon kannte. Er war auf eine Art durchdringend und kühl, die sie bisher nicht gekannt hatte und die wohl teilweise der Augenfarbe Kékulés, aber vor allem ihrem stolzen Wesen, zumindest so wie sie es bisher einschätzen konnte, geschuldet war. Das sie beide sogar etwas Angst vor ihr hatten und unsicher waren, wie sie jetzt mit ihr umgehen sollten, konnte She'sejia sehen obwohl die Kentaura sich bemühte es sich nicht anmerken zu lassen. Gerade konnte sie sich einen Fluch verkneifen. Vielleicht hatte sie sich jetzt alle Offenheit und Freundlichkeit verspielt und musste die beiden verlassen und alleine weiterreisen. Erneut fuhr sie zu dem von einer Narbe überzogenen Brandzeichen an ihrer Schulter, das sie einst als Sklavin gekennzeichnet hatte und das immer noch leicht schmerzte. Die Narbe darüber hatte wie immer, obwohl sie eine tiefe und schmerzhafte Verletzung gewesen war, eine seltsam beruhigende Wirkung. In ihrem Kopf wiederholte sie die Worte, die sie vor einer gefühlten Ewigkeit auch dem Heiler Djamal an den Kopf geworfen hatte: Ich bin niemandes Eigentum. Von ihrem Ausbruch war jetzt, abgesehen von der seltsamen Atmosphäre im kleinen Zelt, nichts mehr übrig und She'sejia konnte sich jetzt darauf konzentrieren, Kékulé und Mira davon zu überzeugen, dass sie ihnen nicht gefährlich werden wollte und es auch nicht tun würde, auch wenn sie dafür nur schwer vollends garantieren konnte, wie ja der Gefühlsausbruch deutlich gemacht hatte. Wie gesagt hoffte sie vor allem nicht in die Wüste, oder in diesem Fall in die Steppe geschickt zu werden.

Obwohl sie sich eigentlich darauf eingestellt hatte, allein zu sein und ihre Begleiter nicht wirklich kannte, wollte sie sie nicht verlassen müssen. Sie fühlte sich auch nicht wohl bei dem Gedanken, das Mädchen und ihre vierbeinige Beschützerin zu verlassen. denn auch wenn die Kentaura durchaus imstande schien auf sich und das Mädchen aufzupassen fühlte es sich falsch an sie sich selbst zu überlassen. Daher war es eine Erleichterung, als Kékulé ihr mit ihren Worten zwar misstrauen ihren Kräften gegenüber äußerte und darüber Aufklärung verlangte, aber nichts davon sagte, She'sejia sollte sie verlassen.

Ich... es sind nicht direkt Kräfte, sondern... Gefühle oder eher Gefühlsausbrüche.“, begann die Elfe ihre Erklärung. „Es hat etwas mit meinem Volk zu tun. Elfen mit roten Augen wie meinen werden in manchen Momenten von diesen Funken umgeben, in Momenten starker Emotion. Es ist schwer zu kontrollieren, es ist ja ein Ausdruck von Gefühlen, aber normalerweise habe ich die Funken unter Kontrolle! Zumindest soweit das möglich ist...
Sie sah die beiden eindringlich an und hoffte, ihre Worte würden ihr Misstrauen lindern. „Ich habe Übungen, die mir helfen solche Gefühlsausbrüche zu kontrollieren und sie seltener und schwächer zu machen. Ich würde euch gerne auch weiterhin begleiten, zumindest wenn ihr damit einverstanden seid?“ Immer noch etwas unsicher wartete She'sejia auf die Bestätigung, dass sie die Worte Kékulés tatsächlich richtig gedeutet hatte.
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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von Kékulé » Di, 09. Apr 2019 19:38


Kékulé hörte sich geduldig die Worte der Elfe an. Sie war übermüdet und das denken fiel ihr in diesem Zustand äußert schwer. Doch letzten Endes beschloss sie die Entscheidung, die fremde Kriegerin fort zu schicken, könne sie auch noch zu einem späteren Zeitpunkt treffen.
„Nun gut… Dann mach bitte regelmäßig diese Übungen und von mir aus… kannst du vorerst bei uns bleiben.“, sagte sie müde und rieb sich die schmerzende Stirn. Ein stetig pochender Kopfschmerz begann sie sichtlich zu quälen, doch sie sollten wirklich nicht länger hier verweilen. „Mira, bitte bau das Zelt ab, wir brechen bald auf.“, sprach sie nun an das junge Mädchen gewandt. Dann blickte sie wieder die Elfe an und anschließend zu ihrem Hengst. „Ich hoffe dein Pferd hat sich ebenfalls etwas erholen können. Es tut mit aufrichtig Leid, dass ich euch nicht mehr Ruhe gönne.“, sagte die Kentaura und blickte dann zum Horizont. Die Sonne hatte beinahe ihren Zenit erreicht. Sofern die Steppenreiter im ersten Morgengrauen aufgebrochen waren, mussten sie ihren Reittieren bald eine Pause gönnen. Die silberne trabte gelassen den Hügel hinauf um sich einen besseren Überblick zu verschaffen, doch was ihre stahlblauen Augen entdeckten, gefiel ihr ganz und gar nicht. Im vollen Galopp kehrte sie zu ihren Gefährten zurück. „Sie haben uns gefunden!“, war alles was sie zu ihrer Entdeckung sagte. Hektisch warf das Sklavenmädchen die bereits zusammen gebundenen Decken über Kékulés Rumpf, ehe auch sie auf den breiten Rücken gezogen wurde. „Los! Wir haben keine Zeit zu verlieren!“, trieb die Pferdefrau ihre Gefährten zur Eile an.

Seht! Dort auf dem Hügelkamm!“, rief Klerus über den Gegenwind hinweg. Falls seine Begleiter ihn nicht hören konnten, deutete er zusätzlich mit dem ausgestreckten Arm in Richtung Norden. Deutlich zeichnete sich der massige Leib der Kentaura vor dem blassblauen Himmel ab. Die hellgraue Fellfarbe und das rabenschwarze Haar legte die Vermutung nahe, dass es sich tatsächlich um die Silberne handelte. Ein breites, zufriedenes Grinsen legte sich auf Klerus Lippen. Er hatte es ja bereits geahnt, aber sie nun in greifbarer Nähe zu wissen, trieb ihn zusätzlich an. Sein Hengst hingegen war schweißgebadet und weißer Schaum troff von dessen Maul, doch so kurz vor seinem Ziel, kannte der Steppenreiter kein Halten mehr. Er gab seiner Meute das Zeichen sich aufzufächern, sodass sie ihre Beute einkreisen konnten. Nun mussten sie nur noch schnell genug sein, also gab er seinem Pferd erneut die Sporen. Das arme Tier hechtete mit letzter Kraft den Hügel hinauf. Oben angekommen musste Klerus erkennen, dass es für den Moment aussichtslos war. Der Reiter zu seiner rechten legte einen Pfeil auf die Sehne seines Bogens, doch der Anführer gebot ihm mit einer Geste nicht zu schießen. „Ich will sie lebendig und weitestgehend unversehrt. Sie gehört mir! Mir allein!“, schrie er den ahnungslosen Reiter an. Die kleine Horde Steppenreiter sammelte sich um ihn herum. Sie alle hatten die Verfolgung vorerst aufgegeben. „Sie ist kräftig und ausdauernd, aber auch die Silberne kann uns nicht ewig davon laufen.“, versuchte der Fährtenleser seinen Herrn zu beruhigen. Doch allein der Gedanke daran, was er der Pferdefrau alles antun würde, schaffte es sein Gemüt zu besänftigen.

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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von She'sejia » Mi, 10. Apr 2019 21:55

She'sejia atmete erleichtert aus, als Kékulé ihr tatsächlich gestattete zu bleiben, wenn auch nicht ganz ohne Widerwillen. Dass sie sich danach die Stirn rieb und kurz ihre Fassade zu bröckeln schien, bemerkte die Elfe ebenso wie die Müdigkeit, die die Kentaura nicht ganz aus ihrer Stimme verbannen konnte. Doch obwohl es ihr durchaus Sorgen bereitete, beschloss sie, nichts dazu zu sagen. Die Kriegerin war stolz, das war offensichtlich und sie hatte manchmal eine Art, Entscheidungen zu verkünden, die keine Widerrede duldete. So tat sie es Mira gleich und packte stumm ihre Satteltasche. Die Worte der Kentaura ließen sie sanft lächeln und ihrem Blick auf den Hengst folgend sagte sie: „Es ist weit besser als nichts und wir beide sind dir für deine Wache Dank schuldig, denn unsere Ruhe war auf deine Kosten.“ Damit stand sie auf und bedeutete ihrem Hengst es ebenso zu tun, um ihn satteln zu können.
Gerade war sie dabei, sich ihre Waffen wieder anzulegen, als Kékulé von ihrem Aussichtspunkt auf dem Hügelkamm zu ihnen hinab galoppierte. „Sie haben uns gefunden!“, rief die Bogenschützin und brachte She'sejia dazu, rasch die Wurfmesser an ihrem Gürtel zu befestigen und sich auf ihr Pferd zu schwingen. Dann trieb sie Anion an, es der Kentaura gleichzutun und sofort in wilden Galopp zu verfallen.

Die Gewissheit, verfolgt zu werden, trieb die Gruppe an und ließ sie lange kaum langsamer werden. Erst nach einiger Zeit verfielen sie in schnellen Trab, der der Elfe einen klareren Blick zurück über die Schulter erlaubte. Doch niemand war zu sehen. Die Steppenreiter saßen ihnen also nicht mehr direkt im Nacken doch ihre Verfolger würden es wohl kaum darauf beruhen lassen. Sie mussten der Kentaura schon länger gefolgt sein, wie weit das auch war, und würden es auch weiter tun. Wie hieß ihr Anführer doch gleich? Klerus. Er war Steppenreiter, dies war seine Heimat und er war sicher fähig ihnen so weit zu folgen wie nötig. Doch warum folgte er der Kentaura so verbittert? Kékulé hatte gesagt, er sei nicht gerade ein Freund von ihr, was nahelegte, dass da etwas persönlicheres war als die Feindschaft zweier Clans. Lag es daran?
So oder so, sie konnten nicht ewig fliehen, denn auch wenn sie ein wenig geschlafen hatte, würde sie irgendwann wieder Ruhe brauchen, ganz zu schweigen von der Kentaura die sich wohl schon länger keine richtige Ruhe mehr gegönnt hatte. Und die Steppenreiter waren ihnen, wie ihnen un klar war, direkt auf den Fersen. Für She'sejia war es klarer, je mehr sie darüber nachdachte: sie würden sich ihnen stellen müssen. Doch wie? War es ihnen überhaupt möglich gegen Klerus und seine Männer zu gewinnen, wenn sie sie schon nicht abschütteln konnten? Das wird sich herausstellen, sagte sich die Elfe. Obwohl die Steppenreiter sie nun wohl zumindest von Ferne gesehen haben mussten und so von ihr wussten, kannten sie sie im Gegensatz zu Kékulé nicht. Das konnte ein Vorteil sein.

Sie ließ ihren Hengst auf gleicher Höhe mit der Kentaura weitertraben um ihr vorsichtig ihre Gedanken mitzuteilen, schließlich hatte sie ihren Gefühlsausbruch noch in Erinnerung und war in dieser Gegend und mit ihrer Verfolgung sicher keine Expertin. „Weißt du, wie lange sie uns noch folgen werden? Ich glaube nicht, dass wir ihnen ewig davonlaufen können, wenn sie uns tatsächlich so Nahe sind.“ Kurz glitt ihr Blick über den schweißgebadeten Pferdeleib ihrer Begleiterin und sie wartete kurz, ob diese etwas erwidern würde, bevor sie fortfuhr: „Denn sollte ein Kampf unausweichlich sein, dann sollten wir ihn von uns aus beginnen, um uns zumindest ein paar Vorteile zu verschaffen und nicht völlig unvorbereitet zu sein.“ Wieder sah sie kurz zurück, als erwarte sie, die Steppenreiter würden sie einholen, doch auch deren Pferde konnten nicht unendlich laufen.
Ihr beide kennt unsere Verfolger, ich nicht. Was haltet ihr für das Beste?“, fragte sie schließlich an das Mädchen ebenso wie an ihre Beschützerin gewandt.


Wann werden wir sie einholen?“, fragte Klerus seinen Fährtenleser und dieser zuckte die Achseln. „Sie ist zäh. Es kommt darauf an, wie zäh. Wenn sie uns noch öfter so weglaufen kann, dann kann es noch etwas dauern.“ Klerus ließ ein unzufriedenes Schnauben hören. Er wollte die Silberne, wollte sie wieder, wollte sie jetzt. „Aber wir werden sie einholen?
Das ist gewiss
Und die Begleitung? Der andere Reiter?“, fiel Klerus ein, der sich davon abhalten musste, seinen Hengst schon wieder zum Galopp zu zwingen. Er durfte das Tier nicht zu sehr ermüden, es war zu wertvoll um es zugrunde zu reiten. Es kam auf Ausdauer an, nicht auf Schnelligkeit. „Wir konnten nicht viel erkennen“, antwortete der Fährtenleser sofort „doch es ist nicht der Mann mit der Eisenkleidung der ihr bei der Flucht half.“ Klerus nickte nur und ritt schweigend weiter, in die Richtung, in die er die Silberne hatte verschwinden sehen. Sie war ihm entkommen, doch zum letzten Mal, schwor er sich. Das nächste Mal würde er nicht nachlassen. Er würde sie jagen und treiben bis all ihre Kraft aufgebraucht war und sie sich nicht mehr gegen ihn wehren konnte. Und dann würde er mit ihr seinen Spaß haben.
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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von Kékulé » So, 14. Apr 2019 10:45


Ein tiefes Seufzen entkam Kékulés Kehle. Ihr Kopf dröhnte als würde man mit einem Eisenhammer auf ihre Schläfen schlagen, ihre Gedanken überschlugen sich und ihr sonst so kräftiger Körper war beinahe am Ende seiner Kraftreserven angelangt. Eben waren sie noch nebeneinander her getrabt, doch nun blieb die Kentaura ruckartig stehen, die Hände in die Seiten gestemmt schnappte nach Luft. Sie blickte sich um, doch von ihren Verfolgen war, zumindest in diesem Augenblick, nichts zu befürchten. Ihr Gesicht war leicht gerötet und kleine Schweißperlen glitzerten im Licht der Sonne auf ihrer Stirn.
„Geht es dir gut?“, fragte die kleine Mira besorgt. Sie hatte die kräftige Kentaura noch nie in solch einem schlechten Zustand erlebt – nicht einmal als sie noch schwer verletzt gewesen war. Und es war allein ihre Schuld! Wäre sie nicht gewesen, würde es dieses Versprechen, welches Kékulé ihr gab, nicht auf ihren Schultern lasten. Sie wären jetzt nicht in dieser auszwecklosen Situation gefangen. Doch zum Umkehren war es bereits zu spät, das erkannte selbst das Sklavenmädchen. Ein Zurück gab es nicht mehr… Nachdem die Kentaura wieder zu Atem gekommen war, blickte sie über ihre Schulter und sprach: „Ja, es ist… Ich bin nur etwas erschöpft. Mach dir keine Sorgen Kleines.“. Das Mädchen kaufte ihr diese fadenscheinige Antwort nicht ab, kam jedoch zu dem Entschluss, dass es vielleicht helfen würde, wenn sie nicht mehr so schwer tragen musste. Beschwingt sprang sie von dem breiten Pferderücken und nahm auch die Last des Reisegepäcks von ihrer Beschützerin. „Ich kann ein Stück zu Fuß gehen.“, verkündete Mira selbstbewusst und schulterte sich selbst die Decken und den Proviant. Ein müdes, aber durchaus dankbares Lächeln bildete sich auf den Lippen der Pferdefrau ab.

Während sie nun im Schritt nebeneinander her gingen, nahm die Silberne sich die Zeit über die Worte der Kriegerin nachzudenken. Erneut seufzte sie, ehe sie zu sprechen begann:
„Du hast Recht She'sejia, wir können ihnen nicht ewig davon laufen. Aber ich fürchte, in einem Kampf wären wir ihnen auch unterlegen. Selbst mit deiner Unterstützung, weiß ich nicht, wie wir sie besiegen sollen. Die Steppe ist kahl und weitläufig, kein guter Ort um einen Hinterhalt zu planen. Und hinzu kommt…“ unterbrach sie, blickte auf Mira und sprach dann kaum hörbar weiter: „Ich möchte die Kleine nicht der Gefahr aussetzen. Es ist das Eine, was sie mir antun sollten sie mich in die Finger bekommen. Doch die Vorstellung, was sie einer entflohenen Sklavin antun… Sie ist doch noch ein Kind…“. Ihre Stimme brach ab und kurze Zeit herrschte Schweigen zwischen ihnen. Die Kentaura kämpfte gegen den dicken Kloß in ihrer Kehle an. Sie fühlte sich für das Sklavenmädchen verantwortlich. Sie selbst hatte keine eigenen Kinder, doch konnte sie in diesem Moment nachempfinden, wie eine Mutter sich fühlen musste für ihr eigen Fleisch und Blut einfach alles zu geben. Ihr Blick wurde weich als sie ihre stahlblauen Augen auf Miras Antlitz legte. Sie war jung und musste schon viel ertragen in ihrem kurzen Leben. In ihren Augen lag so viel Traurigkeit, dass es einem beinahe einen Stich ins eigene Herz versetzen konnte. Plötzlich kam erneut Bewegung in die kleine Gruppe als Mira das Gepäck fallen ließ und einige Schritte eine kleine Senke hinab rannte. Ein kleiner Bachlauf schlängelte sich durch das weite Grasmeer der Steppe. Welch ein Segen, dachte Kékulé und ließ ihre überhitzten Fesseln von dem kühlenden Nass umspülen. „Vielleicht ist dies die perfekte Möglichkeit um unsere Spuren zu verschwischen.“, sagte sie voller Erleichterung.

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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von She'sejia » So, 28. Apr 2019 12:03

Der Anblick des Baches war auch für die Wüstenelfe eine Erleichterung. Vor allem da die Worte der Kentaura sie eher noch weiter beunruhigt hatten: Keinen guten Ort für einen Hinterhalt und abgesehen davon im Kampf gegen die Steppenreiter wohl ebenso schlechte Chancen wie bei der Flucht vor ihnen. Dass ihre Vermutungen richtig und das Mädchen tatsächlich eine ehemalige Sklavin war hatte She'sejia der Kleinen kurz einen Blick gemischter Emotionen zuwerfen lassen. Einerseits Mitleid und Trauer, aber auch etwas Anerkennung und tiefes Verständnis, da ihr dank des Traums die Erinnerungen an ihre eigene Gefangenschaft wieder deutlich vor Augen waren. Dennoch schaffte es der flache Wasserlauf, ihre Stimmung zu heben und ihr wieder etwas Hoffnung zu geben.
Sie glitt von Anions Rücken und nickte erst nur, als Kékulé mit erleichterter Stimme vorschlug, dass sie den Bach zum verwischen ihrer Spur verwenden konnten. Wobei es diesmal weniger ein Befehl war, wie es sonst bei der Kentaura häufig war. Die Worte wirkten nicht einmal richtig wie ein Vorschlag sondern eher wie eine Hoffnung, eine Möglichkeit die die Kriegerin aussprechen musste, um daran zu glauben, dass sie tatsächlich noch eine Chance hatten. Deshalb tat es She'sejia ihr gleich und konzentrierte sich vorerst darauf, das kühle Nass zu genießen. Sie ließ sich vor dem Bach auf die Knie sinken, trank und wusch sich kurz das Gesicht, dann füllte sie ihren Wasserschlauch und ließ auch ihren Hengst trinken. Auch Mira trank und erfrischte sich am Wasser, ein erleichtertes Lächeln auf den Lippen. Sie machte den Eindruck, als bessere es ihre Laune fast noch mehr, dass ihre Beschützerin Kékulé wieder Hoffnung zu schöpfen schien, als dass sie den Bach gefunden hatten.

Während die Elfe das Mädchen beobachtete, dachte sie wieder über die Worte der Pferdefrau nach. In der Wüste gab es außer den großen Flüssen, dem Lamaschtu und dem Furat, nur selten dank des Sommerregens Flüsse. Dann füllten sich die fast das ganze Jahr ausgetrockneten Flussbetten so schnell mit Wasser, dass unvorsichtige Reisende, die diese oft als Wege verwendeten, dem Wasser nicht mehr entkommen konnten und ertranken. Sonst gab es nur Oasen und tiefe Brunnen, die den Menschen in der Wüste vornehmlich als Wasserquelle dienten. Folglich hatte sie wenig Ahnung, wie man mithilfe eines Baches seine Spuren verwischte. Vielleicht indem man dem Wasserlauf folgte? Sie würden sich so oder so überlegen müssen, wohin es weiterging. Ihr Blick folgte dem Wasserlauf stromaufwärts nach Osten, zum Gebirge. Wenn sie dorthin gingen und es weit genug schafften könnte ihnen die Landschaft vielleicht eine bessere Möglichkeit für einen Hinterhalt bieten. Andererseits konnten sie auch so bald es ging wieder nach Norden gehen und hoffen, dass sie das Stammesgebiet von Klerus und seinen Kriegern schnell verlassen konnten und ihnen so entkommen. Oder sie konnten Stromabwärts gehen, tiefer in die Weiten der Steppe.
Ich muss mich beim verwischen der Spuren auf deinen Rat und deine Fähigkeiten verlassen, ich kenne mich nur mit Spuren in Sand und Stein der Wüste aus, nicht mit Erde und Bächen.“, sagte sie mit ihrem schweren Akzent. Dach einer kurzen Pause begann sie wieder zu sprechen: „Wir könnten dem Wasser in Richtung seiner Quelle folgen und nach Osten gehen. Das Gelände dort könnte mehr Deckung geben.“ Die Möglichkeit eines Hinterhalts ließ sie aus, denn obwohl ihr Wesen sie dazu drängte sich ihren Verfolgern zu stellen, wusste sie dass sie ihnen zahlenmäßig weit unterlagen. Kékulé hatte ihr davon ja bereits abgeraten.

Diese Unsicherheit, die Flucht und das Herumüberlegen machten die Wüstenelfe unzufrieden, fast etwas wütend. Sie fühlte sich so hilflos und ungelenk und unwissend wie ein Kind. Sie war bei einer Flucht auf Hilfe angewiesen und das verletzte ihren Stolz. Sie war eine der Banu Bareŷah, ein Geist der Wüste, eine Beschützerin der Nomaden. Sie wollte den Steppenreitern auflauern, die dieses Gefühl in ihr auslösten. Wollte sie beobachten, wollte selbst die Kontrolle haben und die bessere Position.
Noch konnte sie diese Gefühle kontrollieren, aber sie wusste nicht, wie lange noch. Eigentlich sollte sie ihre Übungen machen und ihren Geist beruhigen. Dann konnte sie sich vielleicht einen Plan oder eine Strategie überlegen. Das hieß, dass sie erst einen Ort brauchten, an dem She'sejia ihre Übungen machen konnte und Kékulé sich ausruhen, denn die Erschöpfung der Pferdefrau war nicht mehr zu übersehen.
Zuerst brauchen wir wieder einen Ort, an dem wir kurz halten und uns sammeln können“, sprach She'sejia ihre Überlegungen aus. „Einen, an dem wir nicht sofort wieder gefunden werden.
Zuletzt geändert von She'sejia am Sa, 04. Mai 2019 20:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Versprochen ist versprochen

Beitrag von Kékulé » Mo, 29. Apr 2019 13:27


Nachdenkliche Fältchen bildeten sich auf der Stirn der Kentaura, als sie ihre Möglichkeiten stillschweigend abwog. Ihr Ziel, die Wilden Lande, lag nördlich und der Bachverlauf lief von Osten gen Westen. Leicht bläulich verfärbt erhob sich die mächtige Zuhandal-Kette und frohlockte der Eintönigkeit der Steppe zu entkommen. Falls sich ein Kampf nicht vermeiden ließ, sollten sie ein Gebiet wählen, das ihren Angreifern ebenso unvertraut war wie ihnen selbst. In der offenen Steppe waren sie den Reitern restlos ausgeliefert, da sie hier keinen Schutz suchen konnten.
„Ich sehe es ebenso wie du She’sejia. Wir sollten der Quelle folgen und hoffen, dass wir schon bald vorteilhafteres Gelände finden. Wir gehen also nach Osten!“, entschied die kräftige Kentaura kurzerhand. Es fühlte sich für sie einfach richtig an Entscheidungen zu treffen, denn als Tochter eines Clanführers war ihr das Führen sozusagen bereits in die Wiege gelegt worden. So gab sie auch Mira ein paar Anweisungen, die Befehlen beinahe gleich kamen und stillte dann ihren brennenden Durst. Ihre Kehle war schon eine ganze Weile trocken und rau gewesen, doch sie hatte es tapfer ertragen, hatte sie doch nicht gewusst, wann sie ihre Wasserschläuche wieder auffüllen konnten. Doch zumindest dieses Problem hatte sich nun von ganz allein gelöst. Ungeschickt ging die Pferdefrau auf die Knie ihrer Vorderläufe und wusch sich anschließend den Schweiß von ihrem Gesicht. In dieser Position war sie verletzlich und demnach offenbarte sie so auf ihre Art, dass sie der fremden Kriegerin bereits einiges an Vertrauen zugestand.

Nachdem sie sich fertig gewaschen hatte, richtete sie sich wieder auf und sah nun schon deutlich erholter aus. Natürlich war sie immer noch restlos übermüdet, aber dennoch hatte die kurze Pause Kékulé sichtlich gut getan.
„Wir werden unseren Weg für ein gutes Stück im Bachlauf fortsetzen. So kommen wir zwar deutlich langsamer voran, doch wenn die Steppenreiter unseren Spuren bis zu diesem Bach gefolgt sind, so werden sie nicht wissen in welche Richtung wir aufgebrochen sind. Vielleicht haben wir auch Glück und sie trennen sich. In diesem Fall hätten wir sogar in einem Kampf eine realistische Chance.“, erklärte die Kriegerin ihr Vorhaben und bemühte sich dabei optimistisch zu klingen. Sie lächelte Mira an und bot ihr die Hand an, um ihr zu helfen auf ihren Rücken zu klettern. Doch das Sklavenmädchen schüttelte entschlossen den Kopf. Man sah deutlich wie sie überlegen musste und letzten Endes sagte sie: „Ich wollte schon immer einmal auf einem Hengst reiten. Ich dachte… vielleicht…“. Sie brach ab und blickte zu She’sejia. Natürlich entsprachen ihre Worte nicht ganz der Wahrheit, aber sie kannte Kékulé bereits gut genug um zu wissen, dass sie sie bis zum bitteren Ende tragen würde. Die Kentaura biss sich auf die Zunge, um nicht zu zeigen wie verletzend die Worte ihres Mündels für sie waren. Gewiss meinte es die Kleine nur gut und dennoch… Sie seufzte leise und blickte ebenfalls die Kriegerin an. „Für mich ist es in Ordnung, aber pass bitte gut auf Mira auf.“, sagte sie tonlos und etwas steif, bevor sie selbst sich in Bewegung setzte. Ihre Schritte waren wohlüberlegt und zaghaft, schließlich wollte sie nicht riskieren auf dem rutschigen Untergrund zu straucheln. Doch nach einiger Zeit hatte sie sich daran gewöhnt und ihre Tritte wurden sicherer und selbstbewusster.


Einige Zeit später ebenfalls am Bachlauf…

Hier Enden ihre Spuren“, stellte der Fährtenleser nüchtern fest. Sein Blick wanderte hin und her, doch weit und breit war nichts zu sehen. Ihre Pferde brauchten eine Pause und so hatten sie die Tiere abgesattelt und den Schweiß aus dem kurzen Fell gerieben. Nun war genug Wasser vorhanden, dass alle ihren Durst stillen konnten. Der Steppenreiter wagte es kaum seinem Herren ins Gesicht zu blicken. Er meinte die Wut des Anführers förmlich körperlich spüren zu können. „Ich würde vermuten, dass sie sich gen Osten gewandt haben, aber mit Gewissheit kann ich das nicht sagen. Vielleicht haben sie sich auch genau gegenteilig entschieden… Wir könnten uns aufteilen, aber so würden wir unseren größten Vorteil verlieren.“, stammelte er unsicher vor sich hin. In Klerus Augen funkelte der Zorn. Sie waren der Silbernen so greifbar nah gewesen und doch war sie ihnen im letzten Augenblick entwischt. Der Fährtenleser kannte die sadistischen Züge seines Herrn, er war dabei gewesen als sie die Pferdefrau das erste Mal gefangen genommen hatten und er hatte ihre Schreie gehört, als er vor ihrem Zelt für die Nachtwache eingeteilt gewesen war. Was Klerus an dieser Mistgeburt lag, das wusste er nicht recht einzuschätzen, doch wer war er schon die Handlungen seines Herrn in Frage zu stellen? Er hatte sich zu Letzt der Schar der Verfolger angeschlossen, weil Kékulé bei der Flucht seine Sklavin mit sich genommen hatte. Mira, das hübsche Mädchen mit dem pechschwarzen Haar. Anfangs war sie lebhaft und wild gewesen, ein echtes Biest, doch er hatte es geschafft sie zu brechen, bis sie letzten Endes folgsam wurde. Er musste sich eingestehen, dass er es vermisste sie in seinem Bett zu wissen. Es war die Stimme von Klerus, die ihn aus den Gedanken riss. „Wir trennen uns nicht, wir reiten gemeinsam nach Osten!“.

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