Alte Heimat, neue Zukunft

"Die Stadt der Wasser" am Fuße der Ruwayd-Berge. Bekannt für ihren Wohlstand und der Akademie der Heiler.
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Eona
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Eona » Di, 25. Sep 2012 21:31

Ihr entglitten die Gesichtszüge. Die Hand der Sklavin wollte das Messer, welches der Assassine ihr eigenhändig in die Hand gedrückt hatte, sofort fallen lassen. Aber etwas anderes schloss sich fester um den Schaft. Ein Flüstern, ein kleiner Schubs, das Böse in ihr. Völlig unerwartet hatte ihr Körper aufgehört zu zittern, ihr Blick wurde klarer und richtete sich auf das Messer in ihrer Hand. Es war nur Millimeter von der Bauchdecke ihres Geliebten entfernt. Sortan Al-Shedim. Azoth. Schattenklinge. Er trug so viele Namen, doch diese hatten nun ihre Bedeutung verloren. Sie fielen in die dunkle Vergessenheit und Eona sah vor sich einen Mann, der nicht über eine Frau verfügen, sondern sie auf den richtigen Weg bringen wollte. Nicht unterdrücken, sondern leiten.
Er wollte ihr eine Möglichkeit geben, die sie sonst nie hatte und für die sie eigentlich dankbar gewesen war.

Was tue ich hier?

Fast unmerklich für das Auge, zuckte die Sklavin zurück, die Spitze der scharfen Klinge entfernte sich von der Bauchdecke Sortans.

Eine Entscheidung treffen. Und zwar jetzt!

Das Böse in uns. Wer kannte es nicht? Etwas Dunkles, Grauenhaftes, welches uns zumeist die Entscheidung einfach aus der Hand nahm und uns in wilde, gewissenlose Kreaturen verwandelte. Die Sklavin kannte es gut. Sie war eine der Menschen, die wusste, dass das Leben zwei Seiten besaß und auch diese zwei Seiten in den Menschen inne wohnte. Doch das sie gerade jetzt zu Tage trat und die Rothaarige zunehmend verwirrte, hatte wohl nichts mit Zufall zu tun.

Ich liebe ihn.

Ihr Kopf hob sich und sah dem Assassinen in die Augen. Leer und ausdruckslos starrten sie zurück, obwohl er gerade kurz bevor stand, der bösen Seite Eonas zum Opfer zu fallen. Sortan zuckte nicht einmal mit der Wimper. War es ihm egal?

Gefühle machen schwach.

Das Herz der Sklavin raste und es schien ihr, als wäre sie kurz davor, in Ohnmacht zu fallen. Das war zu viel. Das konnte sie nicht entscheiden. Eona hatte eine Ahnung, dass es nicht ihre Bestimmung war, hier und jetzt den Assassinen zu töten. Jemand anderes musste das tun. Der Tod selbst.

Erinnerst du dich?

Ein Bild zuckte vor ihr inneres Auge. Sortan, wie er sie schlug, sie misshandelte und zurechtbog. So wie all die anderen. Der Schmerz, den sie gefühlt hatte und die Trauer, wieder von vorne anfangen zu müssen. Ja, es war ein grausames Ende gewesen. Jedoch ein sauberer Schnitt. Der Assassine hatte ihr einen neuen Anfang geschenkt, dessen Ende noch lange nicht geschrieben stand.

Er ist dein Herr. Du bist nicht frei und du wirst es niemals sein.

Etwas riss in der Sklavin. Niemand konnte es hören. Nur sie selbst und das Böse. Ihr Verstand schaltete aus, die Lichter in ihrem Inneren erlischten und auch die Flamme, welche für Sortan bestimmt war, ging im wabernden Dunkeln unter. Eine unsichtbare Hand führte die Klinge Stück für Stück an Sortans Haut heran, streifte sie und drang in das Fleisch ein. In Eonas Ohren rauschte das Blut, und obwohl es das tat, konnte sie hören, wie der Stahl sich in seine Haut hineinfraß.
Ein Millimeter. Zwei Millimeter.

Nein.

Das Messer schlug auf dem Holzboden auf. Langsam sickerte Blut aus der kleinen Wunde, die die Sklavin ihm zugefügt hatte, doch es war kein Blutfluss, der ihm gefährlich werden könnte. "Ich werde das nicht tun", sagte sie tonlos und ließ den Kopf hängen. Ein starker Wind kam auf, pfiff laut durch die Ritzen des Hauses und die Sklavin spürte eine leichte Brise auf ihrer Haut. Der Wind fegte den letzten Rest aus der jungen Frau heraus und zurück blieb eine leere Hülle, die nicht wusste, was sie getan hatte oder warum sie es nicht getan hatte. "Das du so etwas von mir verlangst..."
Keine Kraft mehr. Ihre Stimme war nur noch ein Flüstern. "Ich hoffe, das reicht dir jetzt. Ich hoffe, du bist jetzt.... zufrieden." Das letzte Worte würgte sie gerade so hervor und trat einige Schritt zurück, bis ihre Kniekehlen an die Bettkante stießen und sie sich auf das Bett fallen ließ. Ein Seufzer entwich ihren Lippen und ihre Lider schlossen sich flattertend.
Vergessen. Ich möchte lernen, zu vergessen.
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Sortan » Mi, 26. Sep 2012 12:21

Der Assassine betrachtete sie und seine Gedanken rauschten durch das Dunkel. Es schien eine Ewigkeit an Zeit zu vergehen, in der die Klinge sich kaum bewegte und Eona scheinbar nicht wusste was sie tun sollte. Er schloss für ein paar Sekunden die Augen und war sich unsicher. Würde sie ihn wirklich umbringen? Engte er sie so sehr ein und war er so negativ für ihr Leben das sie es wirklich erwog? Der Raquiiah zuckte unmerklich zusammen, vielleicht hätte er das doch nicht tun sollen, vielleicht war sie viel zu wütend auf ihn um noch klar zu denken. Seine Augen öffneten sich wieder und er spürte das kalte Metall. Er sah in ihre Augen und sah nichts, ebenso wie sein Blick waren sie leer. Er hatte diesen Weg gewählt und würde ihn nun beschreiten, ohne Kompromisse. Zischend zog er Luft in seine Lungen, als die Klinge sich in seine Haut fraß und sich langsam in ihn hineinbohrte. So etwas hätte er ihr niemals zugetraut, sie war immer loyal gewesen und er gedacht das sie ihn liebte. Sortan schloss nicht die Augen sondern suchte weiter nach ihrem Blick, als sie plötzlich das Messer fallen ließ und es mitsamt ein paar Blutstropfen auf den Boden krachte. Kein Finger rührte sich und er zuckte nichtmal, aber dennoch war er innerlich froh darüber. Wenn er durch eine Hand sterben wollte, dann wohl durch ihre... Aber nicht so und nicht jetzt. Er wollte ihr eine Zukunft schenken, ein neues Leben und eine neue Berufung und das gerade war vielleicht ein wichtiger Schritt gewesen. Sie hatte mit sich gekämpft, ein Teil von ihr schien ihn so zu hassen, das sie ihn wirklich töten wollte. Aber sie konnte es nicht... Das Blut rauschte in seinen Ohren, schuld war das Adrenalin, als er versuchte ihre Worte zu hören und sich leicht schüttelte.

Zum ersten mal nach einer gefühlten Ewigkeit bewegte er sich dann wieder und hob das blutige Messer auf. Er wischte aus sauber und schob es zurück in seinen Gürtel. Dann wandte er sich von ihr ab und besah sich die kleine Schnittwunde. Jede Verletzung konnte tödlich sein und er brauchte gerade Beschäftigung, also wusch er sie aus und verteilte etwas der Heilsalbe darauf. Er wusste noch immer nicht was er davon halten sollte, wie er reagieren sollte. Sie war kurz davor gewesen ihn zu töten, wie sollte man auch darauf reagieren? Andererseits war der Tod nichts neues für ihn und schon uralt. Er drehte sich wieder zu ihr um und sah Eona an. Oder die leere Hülle, die auf dem Bett saß. Seine Stimme war leise, aber er schaffte es irgendwie etwas weiches hineinzulegen, "Ich habe nichts von dir verlangt, ich habe dir nur die Möglichkeit gegeben etwas zu tun. Lass die Vergangenheit endlich hinter dir, du bist keine Sklavin mehr... Du bist schon bald eine Raquiiah, ein Schatten der den Tod bringt und dem Weg des Schicksals folgt." Kopfschüttelnd senkte er den Blick und sah auf das Blut, das dick und zäh aus der kleinen Wunde quoll. Er verband sie mit einem dünnen Stück Leinenstoff und richtete den Blick wieder auf Eona, "Ich bin dein Meister, aber nur dein Lehrmeister... Ich bin auch dein Mann, Norddrache, vergiss das niemals... Und ja ich bin zufrieden, immerhin lebe ich noch." Sortan ging auf sie zu, blieb vor ihr stehen und seufzte innerlich auf. Es war eine schwierige Situation und er wusste ja selbst am besten das er daran Schuld war. Aber auch er machte Fehler und diesen einen würde er sich nicht ewig vorhalten lassen. Auch hatte er recht gehabt mit seiner Vermutung, das es um etwas tieferes ging. Er wusste nicht wirklich was in ihr vorging, oder was er mit dieser Handlung nun in ihr ausgelöst hatte. Seine Finger legten sich auf ihre Wange, umschlossen ihr Kinn und zwangen sie sacht ihn anzusehen. Er wusste nicht was er noch sagen sollte, besonders da er eigentlich kein Mann der Worte oder Gefühle war. Er überlegte etwas hin und her, während er sie ansah und meinte dann schließlich, "Sprich mit mir, sag mir was dich wirklich bedrückt..." Dann sah er auf und starrte kurz durch eine Ritze in die Nacht. Mit belanglosem Unterton fügte er dann leise noch hinzu, "Ich... Wir haben einen Auftrag, der Kontaktmann will sich um Mitternacht mit mir an den Stallungen treffen."
"Mit der Ehre in der Brust und dem Stolz in dem Kopf,
macht die Seele kein Verlust, wenn man nur weiter hofft."
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Eona » Mi, 26. Sep 2012 14:06

Es war still und Eona genoss diese Stille. Lange Zeit war sie nicht alleine gewesen. Eigentlich war sie nie alleine gewesen. Nur manchmal, wenn ihr Herr ausgeritten war oder sich anderweitig beschäftigt hatte. Dann hatte sich die Sklavin zurückgezogen, aber ihre Gedanken wollten nicht ruhen. Sie kreisten um die Vergangenheit oder um die Zukunft, welche so nicht vorhanden gewesen war. Besonders die vergangenen Ereignisse lasteten oft so schwer auf ihren Schultern, dass sie befürchtete, diese irgendwann nicht mehr tragen zu können. Verdreht, verstoßen, verkauft und nie so akzeptiert wie sie wirklich war.
Nicht einmal das wusste die Rothaarige genau. War ihr jetziger Charakter das, was sie schon immer gewesen war? Natürlich veränderte man sich im Laufe der Jahre, aber Eona hatte so viele starke Veränderungen durchgemacht, dass wohl nichts von der alten Eona übrig geblieben ist.
Die Sklavin fühlte sich elend und ihr war schlecht. Sie hob nicht einmal den Blick, nachdem Sortan sich von der Stelle gerührt hatte und sich anscheinend um seine Wunde kümmerte.

Und nur, weil ich nicht vergessen kann und an der Vergangenheit festhänge, kann ich Sortan keine Chance geben? Ich meine, seit ich bei ihm bin, war ich wirklich vielen Gefahren ausgesetzt und bin mehreren Malen dem Tod entronnen. Doch wann habe ich mich das letzte Mal so frei bewegen können? Wann habe ich das letzte Mal Liebe empfunden? Wann habe ich das letzte Mal gelebt?

Eine Raquiiah. Eona wusste noch genau, wie ihr das Wort Angst gemacht hatte, als sie herausgefunden hatte, wer Sortan wirklich war. Und nun war sie schon selbst soweit, zu einer Raquiiah zu werden... Wollte sie das eigentlich?
Potenzial. Das war es, was der Assassine zu ihr gemeint hatte. Sie habe Potenzial. Und das sollte man wohl ausschöpfen, nicht? Sie könnte besser werden, durch Sortan als Lehrmeister und niemand würde ihr je wieder eine Kette anlegen können. Sollte dem Assassinen je etwas zustoßen, würde sie sich entweder selbst das Leben nehmen, oder jeden umbringen, der sie anfassen wollte.
Eona dachte weiter nach, bemerkte gar nicht, wie Sortan vor ihr stand.

Ich würde stärker werden, selbstbewusster und Fähigkeiten erlangen, die es mir ermöglichen, ein sorgenfreies Leben leben zu können.

Der Assassine holte sie aus ihren Gedanken, indem er sie zwang, ihn anzusehen. Eona spürte wieder den Kloß im Hals und wie es anfing, unangenehm in ihrer Nase zu kribbeln. Doch sie schluckte die Tränen einfach hinunter und sah Sortan entschlossen an.
"Sprich mit mir, sag mir was dich wirklich bedrückt..."
Ihr Blick wurde weicher. Das sie jemals gefragt werden würde, was sie bedrückt. Niemand hatte das je getan. Ihr Vater vielleicht, aber wie lange war das schon her?
"Ich habe Angst", sagte sie schlicht und wollte auch nicht weiter erläutern, wieso, weshalb und wer ihr Angst machte. Nicht einmal sie selbst konnte dieses Gefühl wirklich begründen. Doch sie hatte schon immer Angst gehabt, nur in letzter Zeit war es viel schlimmer als zuvor. Würde es anhalten, wenn sie eine Raquiiah werden würde?

Eona nahm die Hand des Assassinen und zog sich an ihr auf die Füße. "Ist es das, was auf dem Brief stand? Ein Auftrag?" Und obwohl sie diese Frage stellte, war die Sklavin nicht ganz bei der Sache. Es war beinah so, als hätte jemand anderes diese Frage gestellt.
Lass die Vergangenheit endlich hinter dir.
Wenn es doch nur so einfach wäre. Aber die Vergangenheit war ein Teil von ihr. Sie konnte ihn nicht einfach so abschneiden oder völlig außer Acht lassen. Dennoch sollte sie sich nicht zu sehr darauf konzentrieren, sondern auf ihre Ausbildung, die wohl langsam in Gang kam. Müde strich sich die Sklavin durch das rote Haar, damit die Strähnen ihr nicht ins Gesicht hingen und blickte auf. Das Gesicht der Rothaarigen war nicht weit von Sortans entfernt. Sie hätte sich nur auf die Zehenspitzen stellen müssen. Doch für einen Moment blieb sie so, genoss seine Nähe und versuchte die chaotischen Gedanken zu verbannen, die in ihrem Kopf umhergingen. Es war ein langer anstrengender Tag gewesen und die Müdigkeit war wohl bei beiden anwesend. Doch der Auftrag war wichtiger. Sie durften ihn nicht ignorieren.
"Ich werde mit dir gehen. Sag mir nur, was ich tun soll", flüsterte sie und stellte sich auf die Zehenspitzen, um ihm einen leichten Kuss auf die Lippen zu hauchen. "Es tut mir Leid, dass ich so schwierig bin. Ich sollte es dir einfacher machen..."
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Sortan » Mi, 26. Sep 2012 17:52

Der Assassine schloss kurz die Augen, als sie wieder so dicht bei ihm stand. Angst. Hatte nicht jeder Angst? Empfand nicht jeder Mensch Angst vor irgendetwas? Ja auch er hatte er Angst. Er hatte Angst sie zu verlieren, Angst davor ohne sie leben zu müssen. Er hatte Angst zu sterben, bevor er seine Bestimmung erfüllen konnte. Aber er hatte keine Angst vor dem Tod oder Schmerzen. Diese Dinge kannte er wahrlich zur Genüge und besser als jeder andere Mensch. Er hatte so viele sterben und leiden sehen, durch seine eigene Hand, das er schon lange an keinen Gott mehr glaubte. Es gab kein Leben nach dem Tod, es war einfach zuende, denn sie alle waren nur Schachfiguren im Spiel des Schicksals. Seine Gedanken wanderten durch die Schwärze, auf der Suche nach tröstenden Worten. Aber so recht wollten ihm keine einfallen, "Wir haben alle Angst. Jeder hat Angst vor Dingen, Menschen oder der Zukunft. Angst macht Vorsichtigkeit und man überlegt sich zwei mal wie man handelt. Aber sie darf dich nicht beherrschen und du brauchst weder Angst vor mir, noch vor deiner Vergangenheit zu haben." Er zuckte leicht mit den Schultern und sah sie einen Moment lang einfach an. Sah in ihre grünen Augen und betrachtete ihr feuerrotes Haar, das ihn immer wieder faszinierte. Er wusste nicht was er sonst noch sagen sollte, worüber sie nachdachte oder was sie für sich entschieden hatte. Vielleicht war das auch besser so für ihn, er war sich unsicher was das anging. Dann spürte er ihre Lippen auf den seinen, ganz sanft und ehe er den Kuss erwidern konnte waren sie schon wieder verschwunden. Sortan seufzte leise auf und legte eine Hand auf ihren Rücken, "Ja, das stand in dem Brief. Du sollst nichts tun... Achte auf die Kleinigkeiten, merk dir wie man einen Auftrag annimmt und was man alles beachten muss. Achte darauf, das man dein Gesicht und die markanten Dinge nicht sieht, wie deine Haare. Schlussendlich können solche Treffen immer gefährlich sein, wenn es sich um Fallen handelt oder man sich einfach nicht einig wird. Also pass auf deine Umgebung auf, du musst immer alles im Blick haben und versteckte Gefahren sehen... Dann kannst du sie nicht nur besser abwehren, sondern vielleicht sogar übertrumpfen." Er musste kurz lächeln und gluckste leise, "Ja, du solltest es mir wirklich einfacher machen... Aber vielleicht finden wir ja noch eine Gelegenheit, in der du dich bei mir entschuldigen kannst." Er gab ihr einen längeren Kuss und wandte sich dann um. Nachdem er sich den Mantel umgelegt hatte, warf er sich die Kapuze über und überprüfte den Sitz aller Waffen. Dann blickte er zu Eona, "Beizeiten werde ich dir noch zeigen wie du Waffen verstecken kannst, man kann nie genug Klingen haben..."

Die Nacht hatte sich über das Dorf gelegt und der Mond stand schon längst hoch im Himmel. Mitternacht war sicher schon vorbei, aber so sehr kam es auf Pünktlichkeit nicht an. Auch Eona hatte ihre Haare unter der Kapuze versteckt. Sortan war froh gewesen, das die Stadtwache es scheinbar nicht für nötig hielt ihn einzusperren oder zu beobachten. So kamen sie wenigstens unbemerkt bis zu den Stallungen und abgesehen von dem Gasthaus waren in dem kleinen Dorf auch schon alle am Schlafen. Kurz vor dem Gasthaus verschwand er zwischen zwei Häusern und zog Eona mit sich. Man traf sich niemals in solcher Öffentlichkeit, also ging der Assassine ein paar Schritte in der schmalen Gasse entlang und blieb schließlich stehen. Dann drehte er sich um, zwängte sich an Eona vorbei und ging wieder einen Schritt zurück. Seine Hand griff kurz nach hinten und strich über ihren Unterarm, nun hieß es warten und Ruhe bewahren. Es dauerte nicht allzu lange bis ein Schatten im Licht am Ende der Gasse auftauchte. Aber dennoch lange genug, das der Assassine mittlerweile in die Hocke gegangen war. Er richtete sich wieder auf und sah dem schwarzen vermummten Schemen entgegen. Eine Hand legte sich auf den Krummdolch, während er kurz den Blick senkte und eine Begrüßung murmelte. Sein Gegenüber tat es ihm gleich und Sortan streckte die Hand aus. Kurz darauf klimperte es leise und er wog den Lederbeutel in der Hand. Er stand extra so, das man Eona nicht direkt sehen würde und hob dann den Kopf so weit, das die Kapuze nicht viel von seinem Gesicht entblößte, "Das Ziel?" "Ihr... ähm... Kriegt dasselbe noch einmal wenn ihr euren Auftrag erledigt habt, Herr..." Sortan konnte die Nervösität des Mannes förmlich spüren und anfassen. So etwas passierte in den Bergdörfern wohl wirklich nur alle zehn Jahre. Sein Blick richtete sich kurz auf den Lederbeutel und er sah hinein. Dann nickte er zufrieden und hängte ihn an seinen Gürtel. Erneut sprach er leise, "Das Ziel, mit allem was ihr wisst." "Achja... Es handelt sich um Serazar, den Schamanen des Tsatsa-Clans... Ich verlange Rache für unseren Heiler und..." "Das interessiert mich nicht, sagt mir nur die wichtigen Dinge über diesen Mann." "Nun, ähh... In Ordnung. Er lebt inmitten des Dorfes, direkt am Berghang und manche sagen er kann wirklich zaubern... Aber der Tsatsa-Clan hat viel mehr Wächter und wird euch sicher nicht so leicht einlassen." "Lasst das meine Sorge sein. Gebt mir eine Woche und dann seid jeden Tag um Mitternacht hier." Der Assassine wartete bis der Mann endlich verschwunden war und drehte sich zu Eona um, "Nun warten wir noch ein wenig... Wir widmen uns morgen dem Rest." Er sprach leiser und seine braunen Augen funkelten kurz.
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Eona » Mi, 26. Sep 2012 20:30

Eona zog ihre Kapuze tiefer ins Gesicht. Eine schwarze Silhouette war an Sortan herangetreten und sie drängte sich etwas an die Hauswand. Sie hatte keine Lust, entdeckt zu werden. Doch trotzdem legte sich ihre Hand auf Silberstich und ihre wachsamen Augen glitten über den Unbekannten. Auch er hatte die Kapuze tief ins Gesicht gezogen und ein Mantel verbarg seine wahre Statur. In dieser Dunklheit konnte man nicht einmal sein Gesicht erkennen. Aber aus seiner Stimme war die Nervösität zu hören und ein kleines Lächeln trat in ihr Gesicht. Machte Sortan ihm Angst oder war er einfach nur ob der Situation so nervös? Sie konnte nicht einmal sagen, ob sie genauso nervös gewesen wäre. Vielleicht war er auch geschickt worden oder hatte einfach nur den Kürzeren gezogen. Wer er nun wirklich war, konnte die junge Frau nicht ausmachen. So regte sie sich nicht in den schützenden Schatten und wartete, bis der Handel und der Informationsaustausch abgeschlossen war.

Serazar, Schamane im Tsatsa-Clan. Wohnhaft im Dorf an einem Berghang. Ein Magier? Möglich. Viele Wächter? Potenzielle Gefahr. "Ich weiß, es darf mich nicht interessieren, aber diese immerwährende Rache geht mir auf den Geist. Erst wird der Heiler umgebracht, dann das Oberhaupt und immer so weiter, bis keiner der Dörfer mehr existiert." Eonas Stimme war ein Flüstern und sie hielt diese so gesenkt wie möglich. Ihre Augen glitten über Sortans Gesicht und dann zu dem Lederbeutel mit dem Geld, den er gerade verstaute. "Denkst du, dass Serazar ein Magier ist? Es kann natürlich nur ein Gerücht sein, aber was machen wir, wenn er wirklich Zauber mächtig ist?"
Eona hatte nur einmal im Leben einen Magier gesehen und dieser war nicht froh darüber gewesen, dass die Sklavin ihn verführt und eine wichtige Information aus den Rippen geleiert hatte. Die Feuerbrunst, die er entfesselt hatte, war unübersehbar gewesen und hatte ihr mehrere Strähnen weggesengt. Zum Glück war nicht mehr passiert. Trotzdem hatte sie dieses Bild nicht vergessen. Wie sie in ein ganzes Dorf eindringen sollten, das auch noch rund um die Uhr bewacht wurde, war ihr geringste Sorge. Das überließ sie dem Assassinen, der dort wohl mehr Erfahrung haben dürfte. Die junge Frau strich sich eine Haarsträhne über das Ohr und blickte Sortan in das schattenüberzogene Gesicht. Das Mondlicht beleuchtete die enge Seitengasse kaum und sie konnte nicht einmal die braunen Iriden ihres Gegenübers ausmachen. Doch sie konnte ihn riechen. Hier war es windstill und sein würziger Moschusgeruch schlug ihr entgegen. Nahmen die anderen Menschen diesen Geruch auch so wahr, wenn sie vor ihm standen oder mit ihm verhandelten? Sie jedenfalls wurde jedes Mal davon betört und konnte nur selten an sich halten.

"Sortan...", murmelte sie und stellte sich vor ihren Geliebten. Ihre Hand legte sie auf seine Brust und die Kapuze rutschte von ihrem Kopf, als sie zu dem Assassinen auf sah und die langen roten Haare fielen wie ein Wasserfall über ihre Schultern. "Ich werde es dir ab sofort leichter machen. Wenn du kein so guter Lehrer bist, werde ich dir wenigstens eine gute Schülerin sein." Eonas Kopf war wie leer gefegt und ihr Körper erhitzte sich schlagartig. Doch mit Mühe konnte sie die Flamme in ihren Lenden in Schach halten.
"Das alles... ist nicht so leicht für mich", fügte sie noch hinzu und lächelte dabei schwach, obwohl sie nicht dachte, dass er ihr Lächeln sehen konnte. Dann trat sie einige Schritte zurück, sah die Hauptstraße entlang und nachdem sie niemanden erspähen konnte, trabte sie zu der Hütte zurück.
"Wie viel hast du bekommen?", fragte sie den Assassinen neugierig und legte Mantel, Mieder sowie Rock ab. Auch ihre Stiefel schleuderte sie von ihren Füßen und fühlte sich gleich ein Stück wohler. Eona war es nicht gewohnt, immer in dieser Kleidung umherzu laufen. Sie war an leichte, luftige Stoffe gewöhnt, die sie für ihre Herrn anziehen musste und irgendwie vermisste sie das.
Ihre Hände strichen langsam über ihre Beine und Eona bemerkte, dass die Haut so trocken wie die Wüste selbst war. Außerdem vermisste sie warme Bäder und ihre Öle. Bin ich wirklich so verwöhnt? Danach fuhr sie sich durch die Haare und ihr kam ein schleichender Gedanke. "Wie bist du eigentlich zu dem geworden, der du heute bist, Sortan? Wer oder was hat dich zu einem Assassinen gemacht?"
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Sortan » Mi, 26. Sep 2012 21:37

Sein Blick richtete sich unwillkürlich an die Stelle, an der ihr Kontaktmann vorher gestanden hat und er sah wieder zu Eona hin, "Wie du schon sagst. Es interessiert uns nicht. Manche sagen das Schicksal sorgt für ausgleichende Gerechtigkeit und die Wahrung des Gleichgewichts. Es gibt nur wenige von uns... Und noch weniger glauben daran das wir wirklich existieren. Ist es da kein Schicksal das wir ausgerechnet hier auf jemanden treffen, der uns erkennt?" Er flüsterte ebenso wie sie und seine Stimme war wie ein dunkles Flüstern im Wind, das man fast nicht vernehmen konnte. "Die Menschen verbreiten sich schneller als jede andere Rasse, oder jedes andere Tier. Ihre Leben sind genausowenig wert, wie das eines Hirsches. Mit dem Unterschied das ein Hirsch sich nicht für den Tod eines Bruders rächen kann, ein Mensch aber sehr wohl. Das ist die Natur, das ist das Schicksal... So wurden die Menschen gemacht und so werden sie untergehen. Wir sind nur Werkzeuge, die Sense in der Hand des Todes." Kurz schloss er die Augen und sah erneut die schmale Gasse entlang, "Wir gehen sicher, auf jeden Fall. Einem Magier sind wir unterlegen, aber wir brauchen nur ein Herz um jemanden zu töten. Ein Magier brauch ein Ziel, er muss uns sehen und erkennen um uns anzugreifen. Wir haben wenig Zeit und Gelegenheit und werden ihn daher schnell umbringen und genauso schnell wieder verschwinden. Keine Sorge, er wird den Schatten nicht einmal sehen, der ihn tötet." Er hatte bereits einen Plan entwickelt, die verschiedenen Hinweise fügten sich in seinem Kopf fast von selbst zusammen. Aber das würde sie alles schon noch sehen, er wollte ihr nichts verraten. Viel mehr war er gespannt, auf welche Ideen sie von sich selbst aus kommen würde, immerhin musste sie lernen so zu denken wie er. Der Assassine spürte ihre Hand auf seiner Brust und sah auf ihr langes rotes Haar. Es umwehte sie wie ein Meer aus tanzenden Flammen, als die Kapuze fiel und vernichtete all seine konstruktiven Gedanken mit einem Schlag. Aufgrund der Enge in der Gasse und der Windstille, stand sie so nah an ihm das er ihre Schönheit wieder einmal riechen konnte. Sortan presste seine Lippen aufeinander und schüttelte leicht den Kopf um seine Gedanken wieder in geordnete Bahnen zu bringen, er durfte sich von ihr nicht immer direkt aus dem Konzept bringen lassen, auch wenn sie für ihn wie eine Droge war, von der er immer mehr haben wollte. Nicht hier und nicht jetzt, ermahnte er sich innerlich und nickte leicht. "Auch für mich ist es nicht leicht... Aber wir werden das zusammen hinkriegen und ich werde mein Bestes geben um aus dir das zu machen, was aus dir werden soll... Eona." Seine Finger zuckten nach vorne und schoben ihr die Kapuze wieder über die feuerroten Haare. Dann folgte er ihr zurück in ihre Hütte.

Es erinnerte ihn irgendwie an Naradesh, wie er damals mit ihr heim kam. Wie er in sein Haus trat... Er zuckte unmerklich zusammen und schloss hinter sich die Tür. Er verschloss sie und ließ seinen Blick durch den karg eingerichteten Raum schweifen. Er vermisste sein Haus, es hatte alles gehabt, so wie er es je wollte. Es war genau auf ihn abgestimmt und dort war es sicher gewesen... Hier hatte er nichts und es war überhaupt nicht sicher. Seufzend blickte er zu Eona, zuckte dann mit den Schultern und löste den Lederbeutel von seinem Gürtel. Er zog sich ebenfalls seinen Mantel und den Gürtel aus und musterte sie eine ganze Weile sehr interessiert. Dann riss er seine Gedanken los und warf ihr den Beutel zu, "Zähl ruhig nach... Es ist mehr als ich von dem Bergvolk erwartet hätte, aber dennoch gerade genug um einen Schamanen umzubringen. Ich hab eine Ahnung wer dahintersteckt... Die Wache hier wird uns wohl nicht mehr behelligen." Der junge Raquiiah zog sein schwarzes Hemd aus und sah an seinem vernarbten Körper hinab. Er strich über den weißen verband um seinen Bauch und sah wieder zu Eona. Dann kam er näher, legte eine Hand auf ihre Wange und küsste sie kurz. Die Hand wanderte höher hinauf und fuhr durch ihr feuerrotes Haar, "Wer? Das Schicksal. Die Raquiiah sind eine Familie..." Unwillkürlich sah er sich um und senkte seine Stimme noch mehr, "...Man gehört nur zu uns, wenn man einheiratet. Aber die wahren Raquiiah sind die, welche geboren wurden als Assassinen. Meine Eltern waren beide Mörder, mein Onkel ebenso. Ich hatte keine schlechte Kindheit, aber wie soll man einem Leben entfliehen, das die gesamte Familie lebt? Der Sohn eines Bäckers wird Bäcker... Und dessen Sohn wird ebenfalls Bäcker, verstehst du?" Er leckte sich über die Lippen und sah in ihre grünen Augen, versank kurz darin und unterdrückte die vielen Gedanken die sich ihm aufdrängten, "Ein Raquiiah zu sein, bedeutet von der Vorsehung auserwählt zu sein. Wäre es nicht meine Bestimmung, wäre ich in eine andere Familie geboren worden. In jungen Jahren begann mein Training, ich trainierte mit allen verschiedenen Waffen... Baute Muskeln und Ausdauer auf. Ich lernte Lesen, Rechnen und Schreiben... Lernte deine Muttersprache, Norddrache. Ich lernte zu klettern, zu springen und sich in jeder Umgebung schnell zu bewegen. Ich lernte reiten und schwimmen, lernte wie man sich unauffällig versteckte und in der Masse verschwindet. Ich lernte zu reden, lernte zu feilschen und ich lernte die Regeln zu beachten und zu befolgen. Ich habe gelernt auf die Vorsehung zu vertrauen und ich habe gelernt zu töten. Auf so viele unterschiedliche Weisen, das du sie niemals alle erfassen wirst..." Er beugte sich erneut vor, zog sie enger an sich und bog ihren Kopf leicht zurück, um sie erneut zu küssen und ihren Hals zu liebkosen. "Ich habe gelernt zu Schweigen, der zu sein der ich sein muss. Du bist der erste Mensch dem ich das erzähle und auch der letzte. Denn ich habe gelernt nicht zu vertrauen. Das hört sich vielleicht schlimm an, aber es ist meine Familie. Das Training war immer und überall, aber es beherrschte mich nicht... Mein Vater machte oft einen Spaß oder einen Wettstreit daraus und es fiel mir leicht dies alles zu lernen und zu tun. Es ist meine Bestimmung, verstehst du? Und man kann nicht vor seiner Bestimmung flüchten..." Der Assassine holte tief Luft und sah ihr ebenso tief in die Augen. Ein Gedanke drängte sich ihm auf und er musste ihn nun irgendwie rauslassen, "Wirst du mir auch einen... Ich meine wirst du mich irgendwann zu einem Vater machen? Nicht jetzt... Ich meine nur... irgendwann..." Sortan verzog unwillig das Gesicht, er war in so etwas wirklich schlecht und unerfahren.
"Mit der Ehre in der Brust und dem Stolz in dem Kopf,
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Eona » Do, 27. Sep 2012 0:30

Geschickt fing die junge Frau den Beutel auf und wunderte sich über das doch beachtliche Gewicht. Kurz war sie einen Blick hinein. Mehrere Heller und Kupfermünzen klimperten fröhlich gegeneinander und Eona nickte, bevor sie den Beutel in ihren Mantel wickelte und unter dem Bett verschwinden ließ. Geld oder andere Wertsachen hatten in all den Jahren ihrer Sklaverei an Wert verloren. Sie war nicht gierig und hatte Münzen nur gestohlen, da sie sich selbst etwas leisten wollte oder nur als Spaß. Es war zum Überleben da und mehr wollte sie davon auch nicht wissen. "Es ist genug", meinte sie nur und sah zu Sortan herüber. "Wenigstens haben wir jetzt unsere Ruhe." Sortan entledigte sich seines schwarzen Hemdes und entblößte seinen nackten Oberkörper. Die Narben schillerten wie Silber und die Sklavin hätte gerne die Geschichte von jeder einzelnen gehört. Mit seinen Fingern strich er über den Verband an seinem Bauch und Schuldgefühle stachen auf ihre Herz ein. Wieso hatte sie das eigentlich getan? Hasste sie ihn wirklich, irgendwo in ihrem Inneren? Hätte sie ihn wirklich umgebracht?
Seine Lippen waren rau, die Berührung sanft, als würde der Assassine Glas berühren. "Einheiraten?" Die junge Frau runzelte die Stirn. Moment Mal... "Heißt das... du und ich... wir..." Heiraten? Ungläubig sah sie ihren Geliebten an, aber in seinen Augen war das sein voller Ernst. Ihre Beine wurden etwas schwummrig und sie wollte sich gar nicht ausmalen, wie so eine Zeremonie denn überhaupt aussah. Obwohl ihre Gedanken um die Heirat kreisten, hörte sie Sortan zu. Sie sog jedes Wort auf und verwahrte es tief in ihrem Herzen, denn es war wohl nicht einfach, dem sonst so geheimnisvollen und schweigsamen Assassinen diese vertraulichen Informationen zu entlocken. Er hatte auch keine besonders leichte Kindheit, obwohl er in den Stand eines Raquiiah hineingeboren wurde. Eona selbst wurde auch in das Sklavendasein hineingeboren, hatte es aber nie angenommen, da es etwas ganz anderes war, zu einem Mörder ausgebildet zu werden, als zu einem Spielzeug für die sexuellen Bedürfnisse der Männer.
"Du hattest es auch nicht leicht, nicht wahr?", sagte sie und strich über seine Wange. Niemand hatte es leicht. Doch manche Menschen hatten einen steinigen Weg zu beschreiten, welcher meist in einen Abgrund endete. Entweder lernte man zu fliegen oder fiel tief nach unten. "Wirst du mir das auch alles beibringen? Ich weiß, dass es für dich und auch für mich nicht einfach sein wird, aber ich möchte mich dir und deiner Familie als würdig erweisen wenn..." Die nächsten Worte blieben ihr beinahe im Halse stecken, doch trotzdem sprach sie sie aus. "...wenn ich dich ... heirate." Heiraten. Nie wäre sie auf die Idee gekommen, jemanden zu heiraten und sich somit ewig an denjenigen zu binden. Eona war der Meinung, dass eine Heirat in der heutigen Zeit zwar sehr wichtig war, aber nur sehr selten vollführt wurde. Und meist geschah es aus Zwang. Aber in diesem Fall war es kein Zwang, oder Mittel zum Zweck. Ja, was war es dann? Ihr Wunsch? Sein Wunsch? "Wünschst du es dir denn? Mich zur... zur Frau zu nehmen?"
Er sagte zwar oft, dass sie ihm wichtig war, aber ging es darüber hinaus? Sie konnte den Blick von seinen braunen Augen nicht abwenden und war von der nächsten Frage genauso verwirrt, wie von der Heirat.
"Ein Kind?"
Ihre Hand legte sich auf ihren Bauch und eine schmerzhafte Erinnerung drängte sich in ihr auf. Das schreiende Bündel aus Fleisch und Blut, welches schreiend und gesund die Welt erblickt hatte. So sehr wollte sie ihre kleine Emilia in die Arme schließen und sie nie wieder hergeben. Doch sie war damals noch nicht so weit gewesen. "Emilia...", murmelte sie leise und strich sich über den Bauch. Kurz schloss sie ihre Augen und rief sich eine andere Erinnerung vor das innere Auge. Schon oft hatte sie sich ausgemalt, wie ihre Emilia wohl nun aussah. Hatte sie ihre Haarfarbe? War sie hübsch und wurde sie gut behandelt? Wo war sie gerade? "Ich... Sortan. Als Sklavin kann man es nicht verhindern, mehrere Male schwanger zu werden. Zwar gibt es Mittel dagegen, aber nicht immer helfen sie." Sie senkte beschämt den Blick und schluckte die Schuld hinunter, die sich in ihr aufbäumte. "Ich war oft schwanger. Vier Mal, soweit ich mich erinnern kann. Und nur eines davon war gesund. Es war mein erstes. Emilia. Ich war von meinem ersten Herrn Eowhan schwanger, aber man nahm es mir weg, da ich damals noch sehr jung war und bei den Zigeunern lebte. Noch heute... trauer ich meinem Kind nach und... frage mich oft, ob es noch lebt. Aber..."
Ein anderes Bild schob sich vor die kleine Emilia und erwärmte schlagartig ihr Herz. Sortan, wie er ein Kind, ihr Kind, in den Armen hielt. Ja, das fühlte sich richtig an. "Aber ich möchte dir gern ein Kind schenken. Irgendwann, wenn ich bereit dafür bin und wir dafür Sorgen können." Die junge Frau hob wieder ihren Kopf und lächelte ihrem Geliebten entgegen. "Ich möchte, das du der Vater meines Kindes wirst."

[18]Langsam, als hätte die Zeit ihren Atem angehalten und den Moment lange hinauszögern wollte, zog sich die Sklavin das schwarze Leinenhemd über den Kopf. Abermals wallten ihre roten Haare über die Schultern, fielen ihr wie blutgetränktes Wasser über den Rücken und hoben die Narben hervor, wie Gebirge während eines Sonnenuntergangs. Nackt und vollkommen stand sie inmitten des Raumes und obwohl der Wind durch die Ritzen der Hütte heulten, fühlte sie keine Kälte. Nur die Wärme des Feuers, welches sich Sortan mit unzähligen Armen entgegenstreckte. Klare Linien definierten die Rundungen ihres Körpers, machten aus ihr eine Frau, von der man träumte oder gerne an seiner Seite gewusst hätte. Sie schmiegte sich an den Assassinen, fuhr mit ihrem Finger die vielen Narben nach, deren Geschichten ihr immer noch verborgen blieben und deshalb ihren Reiz vollkommen entfalten konnten. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals, ihre Hände wühlten durch sein weiches Haar. Augen, die ein intensives Grün verbreiteten, als hätte der Sommer die grünen Wälder und Wiesen niemals verlassen, versanken in ihrer Essenz, der braunen Erde, welche das Gras nährte und nur noch stärker erblühen ließ. Ihr warmer Atem legte sich auf Sortans Gesicht, ihr junger Körper presste sich noch etwas mehr an seinen starken Oberkörper und für einen kurzen Moment hielten ihre Lippen vor den seinen inne. Das war der Trommelwirbel. Der Augenblick, der wie eine Ewigkeit dauerte, bevor die Lippen der Liebenden sich endlich berühren durften. Er schmeckte süß, würzig und ihre warme Zunge fuhr über die seine. Eona seufzte leise und fragte sich, wann ein Kuss je so intensiv gewesen war. Niemals würde sie diesen Mann gegen einen anderen eintauschen wollen.
Er konnte sie schlagen, zurechtbiegen, misshandeln oder sogar verlassen. Ihn und keinen anderen. Und als sie sich diesen Schwur gab, wallte die bekannte Hitze in der Sklavin auf und wischte mit heißem Wind den letzten Funken Verstand aus der jungen Frau heraus. Sie wollte sich nur hingeben, ihn fühlen und bei sich wissen.[/18]
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Sortan » Do, 27. Sep 2012 19:35

Der Assassine schmunzelte bei ihrem verblüfften Ausdruck. Es war ihr wohl nicht ganz klar gewesen, was er wirklich damit gemeint hatte das sie nun eine Raquiiah werden sollte. Er spürte ihre weiche Hand auf seiner Wange und fragte sich warum sie so sanft und gut zu ihm war. Auch fragte er sich womit er das verdient hatte. Hatte er so eine Frau wie Eona wirklich verdient? Nachdem was er ihr alles angetan hatte... Er verdrängte den Gedanken ganz weit nach hinten in die schwarzen Ecken seines Kopfs. Solche Gedanken sollte er sich nicht stellen, sie war hier bei ihm und liebte ihn. Sie würde ihm überall hin folgen und ihm vertrauen, alles andere war unwichtig. Er zuckte leicht mit den Schultern, "Natürlich hatte ich es nicht leicht... Aber ich habe meine Rolle angenommen und mich hineingefügt. Sie passt mir gut und ich bin zufriedener mit meinem Leben als so manch anderer." Sicherlich hatte er eine harte Jugend gehabt. Aber seine Kindheit war relativ normal verlaufen und schließlich musste jeder arbeiten und etwas lernen. Nur das es bei ihm viel auf einmal war und er sich so viel hatte einprägen und merken müssen. Aber er hatte all dies gemeistert und schlussendlich war das auch der Grund warum er überhaupt noch am Leben war und ihre Berührung spüren konnte. "Ich werde dir das beibringen was du wissen musst, das was du zum Überleben brauchst." Er schluckte unmerklich und sah sich in dem kargen Raum um. Ja, das war eine gute Frage. Wollte er sie eigentlich zur Frau haben? Das brachte viel mehr mit sich als sie momentan ahnen mochte... Sie waren auf ewig aneinander gebunden, was ihm eigentlich keine Probleme bereitete. Er liebte sie, jeden Teil ihres Körpers und ihres Charakters. Er mochte ihre kleinen Eigenheiten, auch wenn er Eona längst nicht in allen Punkten verstand. Er wusste längst nicht wie die Familie reagieren würde, ausgenommen seiner Eltern. Sie war weder aus der Wüste, noch ein Beraij... Sie war eine Nordländerin und das Oberhaupt und die restliche Familie würden sie sicher nicht mit wohlwollen aufnehmen. Es kam äußerst selten vor, das jemand die Familie annahm und sich in ihr einfand, wenn er nicht aus der Wüste stammte. Aber das war ihm egal, sie würden seine Wahl akzeptieren müssen, ihnen blieb nicht viel anderes übrig. Er wollte sie und würde sie auch bekommen und er war sich sicher das die Familie dem zustimmen würde. Selbst wenn dadurch Groll geweckt werden sollte, so würden sie die Familie doch selten zu Gesicht bekommen. Er sah sie schließlich wieder an, sah ihr tief in die Augen und meinte leise, "Es ist kein Brauch sich eine Frau zu nehmen, die nicht aus der Wüste kommt. Die Vorsehung und das Schicksal fließen durch unsere Adern und die Familie muss das reine Blut wahren, damit das Schicksal auf unserer Seite bleibt, verstehst du? Ich weiß das du an nichts glaubst, aber du musst dieses Vertrauen und den Glauben irgendwann akzeptieren, spätestens wenn wir auf die Familie treffen." Er seufzte leise und strich über ihren Hals, "Ja, ich will dich zur Frau nehmen. Ich will das du die Mutter meiner Kinder wirst und ich wünsche mir das die Familie dich gut aufnimmt, akzeptiert und du meine Frau wirst." Erneut betrachtete er sie leicht schmunzelnd, um ihre Reaktion zu sehen. Aber es war die Wahrheit, er wollte es von sich aus und nicht nur damit sie in zur Familie gehörte. Er liebte sie und er würde sein restliches Leben an ihrer Seite verbringen, so kurz oder lang es auch noch sein möge...

Seine Gedanken verschwanden, als sie etwas flüsterte und über ihren Bauch strich. Er hörte ihr zu, sog die Worte in sich auf und blinzelte kurz. Sie erzählte wenig aus ihrer Vergangenheit, also musste er das nehmen was er bekam. Umso mehr interessierte ihn all dies und besonders ihr Kind. Natürlich hatte sie schon Kinder empfangen und geboren, sie war eine Sklavin und wurde auch so behandelt. So oft ihn der Tod und sein Messer begleitet hatte, so oft wurde sie ins Bett gezogen und bekam den Willen eines anderen aufgezwungen. Er senkte den Blick und sah auf ihren Bauch, dann ließ er seine Finger sanft darüber streichen und legte sie auf ihre Hand. Er verweilte einen Moment so und sah dann wieder auf, sah in ihre grünen Augen, die glitzerten wie Edelsteine und auf ihr rotes Haar, das brannte wie Feuer. "Ich will ein Kind von dir, Eona. Du bist meine Zukunft... Es kommt nicht darauf an ob du bereit bist oder nicht, die Vorsehung wird das für uns entscheiden und die Familie wird uns immer unterstützen. Wir werden jederzeit für ein Kind sorgen können." Er stutzte kurz und legte den Kopf etwas schief, "Emilia... Sie wird deine Haare haben, Norddrache. Wenn wir in den Nordreichen sind, werden wir sehen ob das Glück es zulässt. Sorge dich nicht mehr darum, alles fügt sich so wie es sein muss..." meinte er leise und wusste das es eigentlich nicht die richtigen Worte in solch einer Situation war. Aber der Assassine kannte solche Situationen und Gefühle nicht wirklich und wie sollte er schon darauf reagieren?

[18]All diese Gedanken und auch die Worte die er ihr sagen wollte, verschwanden mit einem Lidschlag. Er sah kurz ihren Leinen nach und richtete seinen Blick auf ihren Körper. Immer wieder sah er diese Haare um ihre nackte Haut und die Narben woben, wie eine Feuersbrunst die sie erfasst hatte und auch auf ihn übergreifen würde. Dann spürte er ihren Körper an seinem, spürte ihre Finger auf seiner Haut und ihren Blick auf sich selbst. Die Zeit schien kurz still zu stehen, oder langsamer zu vergehen und es dauerte schier unendlich lange. Er spürte wie sich enger an ihn presste, ihre Hände durch sein Haar fuhren und überall auf seiner Haut brennende Linien hinterließen. Dann erwiderte er den Blick, ihrer wunderschönen Augen und ließ seine Hände ebenfalls durch ihre lange Feuerpracht streichen, ließ sie ihren Rücken hinabgleiten und über ihre Narben fahren. Er fuhr die langen Striemen nach, geschlagen von Peitschen und über die makellose Haut dazwischen. Aber er konnte sich nicht wirklich konzentrieren, während ihre Lippen so nah vor ihm schwebten und hielt schließlich still bis sie sich endlich auf die seinen legten. Seine Augen schlossen sich, während er ihre weichen Lippen genoss und den süßen Geschmack ihrer Zunge auf der seinen spürte. Es war wirklich der intensivste Kuss, den er seid langem... In seinem ganzen Leben erlebt hatte und er fragte sich erneut was die Sklavin an sich hatte. Irgendetwas war an ihr, das seine Gedanken ausschaltete und ihn anzog, als ob sie aus reinem Gold bestehen würde. Er spürte nur ihren jungen Körper an seinem, spürte ihre Lippen und ihre Haare, die seine Brust kitzelten. Bei all den Göttern, er wollte diese Frau. Er wollte sie jetzt und für immer bei sich und an seiner Seite haben. Endlich kam wieder etwas Bewegung in ihn und er wehrte sich mit seinem eigenen Feuer gegen ihres. Seine Hände fuhren ihren Rücken hinab und über ihren Hintern. Er drückte fordernd und fest zu und schob sie in die Richtung des Bettes. Dann löste er seine Lippen von ihren, stieß sie auf die Matratze und betrachtete sie kurz. Unverhohlen und gierig ließ er seinen Blick über ihren Körper schweifen. Dann trat er einen Schritt zurück und zog sich die Hose aus. Er wendete seinen Blick nicht eine Sekunde von ihr ab und grinste leicht. Dann ließ er sich über ihr aufs Bett sinken und seine Hände griffen nach ihren Handgelenken und er zog ihre Arme leicht auseinander, sodass sie ihn nicht berühren konnte. So hielt er sie fest und senkte den Kopf um ihr leicht in den Hals zu beissen und leise in ihr Ohr zu flüstern. "Heute machen wir es anders..." Seine Finger umschlossen ihre Handgelenke etwas fester und bestimmter, während seine Lippen wieder über ihren Hals wanderten und über ihre Brüste strichen. Er biss und leckte, kostete ihr weiches Fleisch und genoss diese Macht über sie ein wenig. Natürlich biss er nicht richtig zu, schließlich wollte er nicht ihr Blut kosten... Dann schmiegte er sich enger an sie und suchte nach ihrem Blick. Als er ihn dann fand, schob er seine Hüfte vor und zurück um sie zu necken und die von ihr ausgehende Hitze noch mehr anzufachen. Als er es dann selbst nicht mehr aushielt, suchte er sich seinen Weg in sie und legte seine Lippen auf ihre. Er küsste sie nur ganz kurz, damit sie ihn nicht erwidern konnte und liebkoste dann etwas grober ihren Hals.[/18]
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macht die Seele kein Verlust, wenn man nur weiter hofft."
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Eona » Fr, 28. Sep 2012 14:44

Eona schreckte mitten in der Nacht auf. Das hellrote Haar klebte an ihrem nackten Körper und der Schweiß perlte ihre Haut hinab. Sie versuchte sich zu erinnern, was ihr denn so Angst gemacht hatte oder was sie geträumt hatte, dass ihr Herz so laut schlug. Doch ihre Gedanken waren schwammig, dösig und als sie versuchte, nach dem Traum zu greifen, verschwand er in den Tiefen der Nacht.
Es war immer noch dunkel im Raum und der Wind hatte sich etwas gelegt, sodass es still war. Der leise, gleichmäßige Atem ihres Geliebten neben ihr drang an ihr Ohr und sie tastete nach Sortan. Ihre Hand fasste seine Schulter, die unter der dicken Wolldecke hervorlugte und ihre Finger fuhren weiter zu seinem Hals und erfühlten sein weiches Haar. Eona seufzte leise, kuschelte sich wieder in ihre Decke und schloss die Augen. Sie schmiegte sich an seinen Rücken, ihre Nase drückte leicht gegen seinen Nacken und sie sog den bekannten Geruch des Assassinen auf. Ein Arm schlang sich um ihn, fuhr seine Brust entlang und obwohl sie die Narben nicht sehen konnte, war es so, als würde sie diese unter ihren Fingern ertasten können.
Es war noch immer still und der Atem der jungen Frau ging in ein gleichmäßiges Schnaufen über. Ihre letzten Gedanken galten Sortan und ihrem Liebesakt, der abermals so intensiv gewesen war, dass es eine Gänsehaut auf ihre Haut zeichnete, wenn sie nur daran dachte. Sie hatte es nie gemocht, wenn die Männer stärker waren als sie - das war meistens der Fall - aber bei dem Assassinen begrüßte die Sklavin es sogar. Am liebsten hätte sie ihn aufgeweckt und das ganze wiederholt, doch sie ließ ihn schlafen, bedeckte seinen Nacken mit einigen Küssen und sank in einen ruhigen Schlaf zurück.

"Habt Ihr Schmerzen?", fragte Eona und untersuchte die Wunde der jungen Frau, in dessen Schulter noch vor mehreren Stunden ein Pfeil gesteckt hatte. "Nein, es geht mir schon besser. Danke..."
Die Sklavin war wieder vor Sortan aufgewacht, hatte etwas zu Essen geholt, etwas Brot und Trockenfleisch heruntergewürgt und den Rest in der Hütte gelassen, damit der Assassine auch etwas zu sich nehmen konnte, sollte er in den nächsten Stunden aufwachen. Im Gasthaus hatte sie eine kurze Katzenwäsche vorgenommen, so wie ihr Haar nach längerer Zeit mit einem Kamm durchkämmt und es fiel wieder glänzend ihre Schultern hinab. Auch fühlte sich die junge Frau wieder etwas wohler in ihrer Haut.
Die Sonne war gerade über den Horizont gestiegen und die Rothaarige hatte sich vorgenommen, vor ihrer Abreise sich nochmals um die Kranken zu kümmern. Sie untersuchte die Wunden, half den Schwerverletzten zu Trinken und etwas zu Essen und erneuerte Verbände. Von den Heilpasten war noch etwas übrig und auch die schmerzlindernde Flüssigkeit war noch in kleinen Phiolen vorhanden. Sortan hatte gut vorgesorgt.
Dschiab war ihr heute schon über den Weg gelaufen, schweigend hatten sie sich begrüßt und waren wieder ihrer Wege gegangen. Sie fragte sich, ob er der Unbekannte gewesen war, der Sortan den Auftrag gegeben hat. Die Größe würde passen, aber die Stimme irritierte sie immer noch. Doch die Rothaarige machte sich keine weiteren Gedanken darüber und ignorierte auch die anderen Bewohner, welche sie entweder mit der gleichen Reaktion bedachten oder sie argwöhnisch beäugten.
Während sie sich weiter um die Verletzten kümmerte, beschäftigte sie sich in Gedanken mit dem Auftrag. Sie wusste nicht mal, wie weit das Dorf des Tsatsa-Stammes entfernt war, wie sie dort reinkommen sollen und ob das Ziel, Serazar, wirklich ein Magier war oder nicht. Ein Schauer jagte ihren Rücken hinunter und sie wollte sich nicht vorstellen, was passieren würde, wenn er doch einiger Zauber Herr wäre.
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Sortan » Fr, 28. Sep 2012 19:00

Der Assassine wachte erst spät auf, an diesem sonnigen Tag. Müde fuhr er sich durchs Haar und spritzte sich etwas von dem kalten Wasser ins Gesicht. Dann schüttelte er den Kopf und verteilte das Wasser in der kleinen Hütte. Er gähnte und streckte sich ausgiebig, ehe er einen stirnrunzelnden Blick aufs Bett warf und dann schulterzuckend nach seinen Klamotten suchte. Kurze Zeit später hatte er wieder die leichte, schwarze Stoffkleidung an und saß auf dem Bett und knabberte an dem zähen Trockenfleisch. Auch das restliche Brot aß er auf und ordnete seine wirren und noch etwas müden Gedanken. Grinsend erinnerte er sich an die letzte Nacht, das Gespräch war gut gewesen und hatte viele Dinge klargestellt und die Nacht war erholsam gewesen... Und ein wenig anstrengend. Sein Blick irrte einen Moment durchs Zimmer, wo Eona wohl hin war? Vielleicht war sie nach den Kranken am sehen, wo sollte sie auch sonst sein. Schließlich schob er sich das letzte Stück des Fleisches in den Mund und stand wieder auf. Er ging hinüber zu den Kräutern und suchte kurz in der Kiste. Schließlich fand er noch einen Eisenhut mitsamt Wurzel und schnitt selbige ab. Er legte die harte Wurzel neben sich auf den Tisch und fischte noch ein paar andere Kräuter heraus. Dann zerpresste er die Knolle mit dem Mörser, bis sie in ihrem eigenen Saft schwamm. Er ließ den Saft in ein kleines Fläschen laufen und verfuhr ebenso mit ein paar verschieden farbigen Blüten. Auch diese goss er dann hinzu und und mischte den Inhalt der Flasche. Irgendwann wurde die Flüssigkeit schließlich Erdbraun und Sortan goss sie in einen der Destillationskolben. Er zündete die Kerze darunter an und erhitzte die Flüssigkeit. Während die Flammen ihre Arbeit machten, wandte er sich um und suchte seine Rüstung zusammen. Er zog die Einzelteile an und warf sich den Mantel über, ehe er seine Messer und Waffen versteckte und sich den Waffengürtel umband. Dann schob er seine Sachen noch etwas tiefer unters Bett und musterte sie kritisch. Er hatte keine Lust das hier etwas wegkam, solange sie in dem anderen Clan waren und runzelte nachdenklich die Stirn. Schließlich ließ er es doch so, eine Falle wäre nun einfach zu aufwendig und wenn hier etwas gestohlen wurde, würde er den Dieb suchen und es sich wiederholen. Weit konnte er in dieser Ödnis sowieso nicht kommen. Leise fluchend wandte er sich zu dem Kolben um und schob hastig die Kerze unter dem Glas weg. Dann verkorkte er die kleine Phiole -sie war nicht größer als sein Daumen- und schwenkte sie vor seinen Augen. Die klare Flüssigkeit schwappte hin und her und als er an ihr roch, roch er überhaupt nichts. Als wäre es Wasser... Und genau das war ja auch der Zweck dieses Giftes. Er grinste zufrieden und wickelte die Phiole in einen Lappen, ehe er sie eines der Lederbänder unter seiner Armschiene schob. Dann überprüfte er seine Ausrüstung noch einmal. Vielleicht wäre es besser, wenn er seine Waffen zurücklassen würde und das tat er auch. Der Krummdolch steckte noch immer in der öligen Samtscheide an seinem Gürtel und der feine Stoff würde bald erneuert werden müssen. Aber zumindestens das Krummschwert samt Scheide legte er ab und schob es unter die Matratze. Er überprüfte alles noch einmal. Unter der Rüstung hatte er an die fünf oder sechs Messer versteckt, dazu kam der Krummdolch und die zwei langen Messer an seinem Rücken. Ausserdem hatte er die Phiole mit dem Gift dabei. Eigentlich reichte das, aber bei einem Magier konnte man nie vorsichtig genug sein. Er bückte sich und kramte in den Satteltaschen, ehe er einen schwarzen, abgewetzten Lederbeutel hervorzog. Er öffnete ihn und zog den Inhalt vorsichtig heraus. Die silberne Kette glänzte zwischen seinen Fingern, sie besaß zahlreiche kleine Dornen und dünne Klingen an den einzelnen Gliedern und an der einen Seite war ein dünnes Lederband befestigt. An der anderen dagegen schwang eine kurze, zweischneidige Klinge die ebenfalls aus Silber bestand. Zufrieden schob er sie zurück in den Lederbeutel und schob ihn zwischen den Gürtel, sodass er nicht zu sehen war.

Er hatte noch einen kleinen Lederbeutel am Gürtel hängen und trug wieder seine schwarzen Handschuhe, als er die Hütte verließ und die Tür verschloss. Auch das Mundtuch baumelte an seinem Hals und der Mantel wehte in einem frischen Windstoß hinter ihm her, als er die paar Schritte ins Lazarett machte. Er traf auf Dschiab und nickte ihm kurz zu. Dann wandte er sich doch noch einmal zu dem Bergmenschen um und erklärte ihm das sie für ein oder zwei Tage verschwinden würden. Ausserdem ließ er sich eine kurze Wegbeschreibung zum Tsatsa-Stamm geben. Natürlich machte er dies nicht offen, sondern fragte allgemein wo sich denn noch Stämme befinden würden und ob sie ihnen nicht gefährlich werden konnten. Immerhin wollten sie bei ihrer Reise ja nicht in ein feindliches Dorf geraten... Dann betrat er das Krankenlager und sah Eonas rote Haare aufblitzen. Sein Blick wurde auf Risk gelenkt, der anscheinend am Schlafen oder bewusstlos war. Er würde seine Hilfe nicht brauchen und konnte ihn nicht ausquetschen, das hätte es zwar einfacher gemacht aber es war nicht notwendig. Er berührte sacht Eonas Schulter und lächelte ihr kurz zu, "Komm, es ist Zeit aufzubrechen. Wenn du noch etwas brauchst, dann hol es... Ich mache das Pferd schonmal fertig." Er strich kurz über ihren Hals und wandte sich dann wieder um. Kurz betrachtee er die Verwundeten und bemerkte das Eona sie neu versorgt hatte, ehe er aus der Hütte verschwand. Er fragte sich ob sie es getan hatte um ihre Tarnung aufrecht zu erhalten, oder weil sie es tun wollte. Nachdenklich überlegte er etwas hin und her, bis er bei den Stallungen ankam und Schattenmähne fertig machte. Er legte dem Gaul die Zügel und den Sattel an und gab ihm frisches Wasser und Heu, während er auf die Sklavin wartete. Mit etwas Glück würde sie die Angelegenheit einfacher gestalten und könnte ihm eine große Hilfe sein.
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Eona » Mo, 01. Okt 2012 14:39

Eona nickte gehorsam, nachdem Sortan ihr mitgeteilt hatte, das er im Stall auf sie warten würde. Sie würde ihm gleich dorthin folgen, denn alles was sie brauchen würde, trug die junge Frau am Leib. Die Sklavin ließ die Berührung am Hals zu und ein Kribbeln erfasste sie. Es ist schön, begehrt und geliebt zu werden, schoss es ihr durch den Kopf, als sie Sortan nachsah, doch wandte den Blick bald wieder ab.
Kurz überprüfte sie nochmals den Verband an dem Armstumpf des Verletzten, rückte ihn sanft zurecht und nickte zufrieden. Natürlich, es war nur eine Tarnung und so wie sie den Assassinen kannte, hätte er die Verwundeten an diesem Tag nicht einmal überprüft. Doch die junge Frau wusste, wie es war, verletzt zu sein und auch nicht zu wissen, wie man die Wunde behandeln sollte, um sich vielleicht selbst von dem Leid erlösen zu können. Sortan war das Gefühl bestimmt auch bekannt, aber er übertrug Emotionen nicht auf andere. Und wenn, dann müssen sie sehr stark sein, wie in Eonas Fall.
Die Rothaarige seufzte, strich sich durch das Haar und lugte zu Risk hinüber. Er schlief. Ihn hatte sie noch nicht behandelt und wollte es auch bis zum Ende hinauszögern. Sie griff nach den Tinkturen, Verbänden und der Heilpaste und war nach wenigen Schritten neben seinem Krankenbett. Schweiß lief seine blasse Haut hinab, er atmete unregelmäßig und die Wunde an seinem Oberkörper und den Beinen sah nicht gut aus. Der Verband muss dringend gewechselt und auch die Heilpaste aufgetragen werden. Die Tätowierung auf seiner Brust strahlte förmlich auf der blassen Haut und Eona prägte es sich gut ein. Es hatte etwas von einem Fußabdruck eines Drachen... auch wenn sie nur wenige Geschichten darüber gehört hatte. Eona stellte die Dinge auf dem kleinen Tisch neben dem Bett ab und beugte sich über Risk. "Risk..." Dieser riss sofort die Augen auf und starrte in das Gesicht der Sklavin. Sein Blick verfinsterte sich, aber der Hass, der sie anfunkelte, war nur halb so stark, wie am Tag zuvor. "Ich möchte deine Wunde behandeln..." Keine Antwort. Er hatte das Gesicht von ihr abgewandt, so gut es eben ging. Eona verzog keine Miene sondern redete ruhig weiter. "Ich weiß das du Schmerzen hast...""Schmerzen, die mir dein Mann zugefügt hat, vergiss das nicht, Miststück." Das Wort "Mann" spuckte er förmlich aus und dabei wandte er sein Gesicht wieder der Sklavin zu. Blassblaue Augen funkelten der Sklavin entgegen, doch noch immer zeigte sich keine Emotion in ihrem hübschen Gesicht. Langsam beugte sie sich zu ihm herab, sodass nur noch eine Hand zwischen ihren Gesichtern passen würde und die Rothaarige grinste bösartig. "Es gibt zwei Phiolen hier, Risk. Eine Phiole ist mit schmerzlindernder Medizin gefüllt und die andere enthält ein Gift...." Ihre Menschenkenntnis reichte aus, damit sie die kleine Gefühlsregung erkennen konnte, die in Risks Augen zu finden war. Sie hatte den richtigen Nerv getroffen. "Ich könnte aus Versehen die Phiolen vertauschen", lächelte sie und ihre Hand legte sich langsam auf die Brust des Bergmannes auf. Ein leiser Schmerzenslaut entsprang seiner Kehle, doch er biss die Zähne zusammen und endete in einem Knurren. Ihre Hand lag nicht direkt auf der Wunde, aber nah dran und dürfte auch so genug Schmerzen verursachen. "Ich könnte dich auch einfach hier liegen lassen, ohne etwas gegen deine Verletzung zu tun... Wirst du das einige Tage lang in meiner Abwesenheit aushalten können?""Was willst du von mir, Teufelsweib?"
Das hörte sich doch nach Kooperation an. Schlaues Kerlchen. Eona ging in die Hocke und senkte die Stimme. "Serazar... Ist er ein Magier?" Sie verschränkte die Arme vor der Brust und bedachte den Kranken mit einem kalten Blick. Dieser runzelte die Stirn, doch nach einigen Sekunden hellte sich diese auf. Ihm entrang ein kleines Lachen und verzog sein Gesicht zu einer grausigen Grimasse. "Ich weiß, was ihr vorhabt, aber das wird nicht klappen... Serazar ist mächtig. Sehr mächtig. Ihr werdet nicht einmal in seine Nähe kommen."
"Das war nicht meine Frage."
"Er bemächtigt sich des Feuers... Aber wie stark er wirklich ist, weiß keiner. Nur seine Leibwache." Eona sog die Information auf und leckte sich über die trockenen Lippen. "Leibwache? Wie viele?"
"Drei. Groß, stark, mit Rüstung. Erfahrene Kämpfer..." Er bedachte die junge Frau mit einem belustigten Blick und lächelte wieder. "Ihr werdet nicht mal einen Finger an Serazar legen können. Er ist für seine Grausamkeit bekannt und wird euch langsam sterben lassen..."
Eona legte den Kopf schief und erwiderte seinen Blick ohne Mühe. "Ich finde es grausamer, dass du dein Dorf so leicht verrätst... Sehr schwach." Mit diesen Worten wischte sie das widerliche Lächeln aus Risks Gesicht und sein Mund presste sich zu einem grimmigen Strich zusammen. Eona nahm sich die Heilutensilien und begann wortlos den Bergmann damit zu versorgen, zu verbinden und als letztes die Medizin zu geben. "Schlaf schön", flüsterte sie ihm lächelnd hinzu und verschwand aus dem Lazarett.

In der Hütte angekommen, legte sie die Sachen auf dem Tisch ab und verkorkste wieder die Phiolen. Sie hoffte, dass Risk nicht mehr lange leben würde, denn die Medizin, die sie ihm verabreicht hatte, hatte sie selbst hergestellt und zwar nicht mit den gleichen Mengen, die Sortan ihr gezeigt hatte. Diese "Medizin" war wohl tödlich für Risk... hoffte sie jedenfalls. Keine Zeugen.
Sie überprüfte die Anwesenheit ihres Dolches. Am liebsten hätte sie noch eine Waffe in ihrem Schuh versteckt, doch es fand sich keine. Sie würde Sortan fragen müssen. So verließ sie die kleine Hütte und nach einem kurzen Trab kam die Sklavin bei den Stallungen an.
"Hier bin ich", sagte sie und lächelte Sortan entgegen. "Ich habe etwas herausgefunden..." Langsam erzählte sie dem Assassinen von den Informationen, die sie aus Risk herausbringen konnte und dass er hoffentlich nicht mehr lange leben würde. "Vielleicht ist das ja nützlich...", fügte sie noch hinzu und fragte sich im gleichen Moment, ob es wirklich gut war, dass sie das ohne Absprache getan hatte.
Unkraut vergeht nicht.

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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Sortan » Mo, 01. Okt 2012 18:23

Der Assassine bedachte die junge Frau mit einem ausdruckslosen Blick. Was sollte er nun davon halten, es war gut das sie Eigeninitiative zeigte und auch die Informationen würden sich schon sehr bald als nützlich herausstellen. Sein Blick schweifte durch das Dorf und er fuhr sich durchs weiße Haar. Dann seufzte er unwillig, "Ich hoffe sehr um unser beider Willen das dein Experiment funktioniert und er wirklich stirbt. Es war klug von dir ihn umzubringen und ihm diese Informationen zu entlocken... Aber du bist zu unerfahren um so etwas zu tun. Wenn sie seinen Tod überprüfen, könnte sich herausstellen das du es warst. Oder noch schlimmer, er stirbt nicht daran sondern überlebt das Ganze und erzählt jemandem von deinen Fragen. Das würde unsere Arbeit aufdecken und zunichte machen." Der Assassine strich mit einer Hand über die Flanke des Wallach und wartete bis sie sich an seiner Hand in den Sattel gezogen hatte. Dann stieg er ebenfalls auf und sah über die Schulter zu ihr hin, "Illusion und Tarnung sind wichtig, aber auch Unsichtbar handeln. Wir sind Schatten... Nun, ich will dich nicht für etwas verurteilen das noch in den Händen der Vorsehung liegt. Aber nächstes mal frag mich vorher..." Er beugte den Kopf etwas mehr zur Seite und kostete kurz ihre weichen Lippen, die all den Ärger über die Konsequenzen ins Dunkel schoben. Kurz sah er in ihre Augen und lächelte, ehe er sich umwandte und Schattenmähne aus dem Dorf heraustraben ließ. Er war uneins mit sich selbst, wie es weitergehen würde und hoffte das Risk sterben würde. Er hoffte das sie ihre Lektion gelernt hat und ihn vorher fragen würde. Natürlich musste sie ihn nicht bei allem fragen, aber gerade bei solch pikanten Dingen wäre es doch sicherlich besser gewesen. Als sie an den Wachen vorbei waren und das Dorf hinter sich gelassen hatten, zog er sich die Kapuze über den Kopf und trieb sein Pferd in einen schnellen Galopp. Die Wegbeschreibung war relativ deutlich gewesen und zwischen den hohen Bergen blieb ihnen ja auch nicht viel Spielraum. Sie würden die Nacht im Freien verbringen müssen, denn er hatte keine Lust zu später Stunde bei dem Tsatsa-Clan einzutreffen. Sie legten zwischendurch ein paar Pausen ein und teilten das Trockenfleisch und etwas Brot. Er ritt schnell und die Hufe des Pferdes klackten in schneller und stetiger Reihenfolge auf dem Stein. Seine Gedanken dagegen beschäftigten sich mit dem Ziel. Reinkommen würde er durch eine Lüge, oder er würde Neuigkeiten über den hoffentlich bald toten Spion des Clans bringen...

Die Abenddämmerung setzte sein und Sortan hielt den Wallach bei einer kleinen Baumgruppe an. Sie waren wieder an einem Fluss angelangt und das Ufer war bewachsen, aber er wusste nicht mehr ob es derselbe war, dem sie das letzte mal gefolgt sind. Seine Gedanken wanderten wieder zu dem Ziel. Er war ein Feuermagier, ein ranghohes Mitglied und wurde von drei Leibwächtern beschützt. Der Assassine musste um jeden Preis eine Begegnung mit diesen Kriegern vermeiden. Er wusste nicht ob er sie jemals überleben könnte und wie er dann unerkannt entkommen sollte. Zudem war Serazar ein ranghohes Mitglied des Clans und somit angesehen und Richtungsweisend. Vielleicht konnte er dies aber auch zu seinem Vorteil nutzen, und mit den Lügen über Risk direkt zu ihm gelangen. Den Tod würde er dabei nicht mit sich bringen, aber so bot sich eine Gelegenheit die Hütte auszukundschaften. Es blieben ihm nur wenig Alternativen um dieses Ziel zu eliminieren. Zum einen konnte er das Gift einsetzen und ihn bei ihrem Treffen verletzen, oder es in sein Essen mischen. Ersteres wäre vermutlich auffälliger, aber für die zweite Möglichkeit fehlten ihm die Gelegenheiten. Er würde sicher nur schwer an sein Essen gelangen, oder an dem Koch vorbeikommen. Zum Glück würde das Gift erst ein wenig später wirken und es würde kein schöner Tod werden. Serazar würde sich übergeben, er würde Durchfall bekommen und das solange bis er an dem Flüssigkeitsverlust starb. Eine unschöne Angelegenheit, aber das Gift drang direkt in die Blutbahn ein und kein Körper konnte sich dessen Wirkung erwehren. Somit war der Tod auf jeden Fall gesichert. Sortan stieg von dem Wallach und half Eona herunter. Dann band er seine Zügel an einem Baum fest und wandte sich zu dem Fluss um. Er trank einen Schluck des klaren Bergwassers und schloss dann die Augen. Wenn sie erstmal im Clan waren würden sich alle Probleme lösen und die Vorsehung würde ihm schon den richtigen Weg weisen. Sein Blick glitt über den Fluss, auf Eona und er musste kurz lächeln. Sie würde noch einiges lernen müssen, aber sie verhielt sich schon ganz gut. Sie zeigte das sie auch auf eigene Faust etwas erledigen konnte und ihren Teil dazu beisteuerte. Er schlang einen Arm um ihre Taille und zog sie zu sich heran, "Wir werden morgen weiterreiten und in der Früh ankommen. Ich denke die Neuigkeiten über Risk werden sie interessieren... Der Rest wird sich zeigen und von selbst ergeben. Sag mir wie du es tun würdest... Überleg, denk nach und erklär mir wie du Serazar töten würdest, mit unseren Möglichkeiten." Es war ungewohnt so etwas bei einem Auftrag zu fragen. Immer hatte er alleine gearbeitet und nie Hilfe gehabt, zumindestens keine unbezahlte, aber vielleicht gab sie ihm ja einen Denkanstoss oder brachte ihn auf eine Idee? Vielleicht war ihr Plan sogar so gut, das sie danach vorgehen würden?
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Eona » Mo, 01. Okt 2012 20:30

Wie befürchtet: Sortan war nicht wirklich begeistert von ihrem Tun, aber auch nicht wirklich wütend. Gut, sie hätte ihn fragen müssen und wäre so wohl an ein effektiveres Gift herangekommen, aber es war ihr irgendwie wichtig gewesen, auf eigene Faust an Informationen heranzukommen. Das war eigentlich schon immer ihre Spezialität gewesen, auch wenn sie meist mit ihrem Körper für die Informationen bezahlt hatte. Nun gut, das nächste Mal würde sie es mit ihm absprechen. Man lernte immer wieder dazu.

Eona versank in ihren Gedanken und auch manchmal in einen dösigen Halbschlaf. Sie ließ die letzten Tage und Wochen Revue passieren. Und auch wenn alles sehr belastend und gefährlich für sie gewesen war, freute sie sich doch umso mehr, dass sie noch lebte. Und eigentlich war das alles nur Sortan zu verdanken. Er hatte ihr den Rücken gestärkt und ihr gezeigt, dass sie sich auf ihn verlassen konnte und ihr neu entwickeltes Vertrauen gut angelegt war.
Trotzdem fühlte sich die Sklavin erschöpft, ja beinahe ausgelaugt. Es zehrte an ihren Kräften, körperlich wie auch geistig, an Sortans Seite zu sein. Er verlangte viel von ihr, doch er meinte es eigentlich nur im Guten mit ihr. Würde sie sagen, dass sie eine Pause bräuchte, würde er ihr diese wohl gewähren. Aber jetzt kam alles in die Gänge und würde sie auf die Zeremonie vorbereiten, die ihr noch bevorstand. Sie wollte nicht mit "leeren" Händen vor der Familie stehen. Würde sie Sortans Eltern kennen lernen? Waren sie noch am Leben? Und was würden sie wohl von der Sklavin halten? Vor allem, da sie in ihrem früheren Leben eine Sklavin war und sonst nichts anderes getan hat... Anscheinend wären sie nicht wirklich begeistert. Aber darum wollte der Assassine sie ausbilden und sie würde hart arbeiten, um ihm eine gute zukünftige Frau zu sein.
Schattenmähne galoppierte durch das unwegsame Gelände und Eona schlang ihre Arme fest um die Taille ihres Geliebten. Sie schmiegte ihren Kopf an seinen Rücken und schloss wieder die Augen. Es wird alles gut werden.
Zwar war das nicht die übliche Denkweise der Rothaarigen, da sie ja sonst immer sehr realistisch dachte, mit einer großen Prise Pessimismus. Und das hatte sie darauf vorbereitet, auf das Leben, das grausam war und nur sehr selten fair. Aber mit Sortan an ihrer Seite würde alles gut verlaufen. Es gab ihr ein warmes Gefühl und ließ zu, dass es sie von innen gegen den kalten Wind wärmte.

Das Pferd verfiel langsam in einen Trab und dann in einen langsamen Schritt, bis es schließlich zum Stehen kam. Sortan hatte das Tier zu einer Baumgruppe gelenkt, die die beiden etwas vom Wind schützen würde und in der Nähe plätscherte ein Bach. Ein perfekter Platz, um zu rasten. Eona ließ sich von dem Assassinen vom Pferd zu kommen und war wieder einmal froh, festen Boden unter den Füßen zu haben. Aber trotzdem hatte sie langsam gelernt, mit den Bewegungen des Wallachs mitzuwiegen und so verhinderte sie die schmerzhaften Schrammen an den Schenkeln und den Muskelkater, obwohl Letzteres noch nicht ausblieb. Sie streckte sich etwas, schüttelte ihre Glieder und gähnte.
Erschrocken über Sortans Berührung und dass er sie zu sich herangezogen hatte, riss sie die Augen für einen Moment auf, doch beruhigte sich sofort wieder. Seine ruhige Stimme passte nicht ganz zu dem Inhalt seiner Worte, da er gerade über den geplanten Mord einer Person sprach, aber Eona ignorierte diese Tatsache. Sie dachte lange über seine Frage nach und auch über die Möglichkeiten, bis sie eine Antwort gab.
"Wir könnten mit dem Anliegen vortreten, etwas über Risk zu wissen und mit dieser Information zu Serazar gelangen. Ich nehme an, du hast ein oder mehrere Gifte vorbereitet für diese Mission?" Sie bedachte Sortan mit einem prüfenden Blick, wartete aber nicht auf seine Antwort. "Man wird uns empfangen und ihn in ein Gespräch verwickeln. Ich werde das Ablenkungsmanöver sein und ihn einlullen, bis er soweit abgelenkt ist, dass du ihm das Gift untermischen kannst. Wie wäre das?"
Sie erwartete nicht, das Sortan sich für die Idee begeistern lässt. Er war eh meist sehr kritisch, was natürlich eine gute Eigenschaft war, da es um ihr beider Leben ging.
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Sortan » Mo, 01. Okt 2012 21:10

"Hm..." brummte er leise vor sich hin. An und für sich teilte er diese Idee ja mit ihr, aber es gab da auch die ein oder anderen Nebensächlichkeiten und Probleme. "Daran habe ich auch schon gedacht, aber damit machen wir uns bemerkbar. Man wird auf uns achten und uns beobachten und ich arbeite lieber still und im Schatten." Sacht löste er sich von ihr und machte ein paar Schritte hin und her. Dann legte er geistesabwesend eine Hand auf seinen Gürtel und spürte die Kette darunter. Die Silberkette war eine Waffe die er selten führte, aber er brachte seit jeher natürliches Geschick für jedwede Waffengattung her und er hatte jede Klinge trainiert. Sie hatte zwei entschieden Vorteile, der erste war ihre Reichweite und der zweite war ihre Beschaffenheit. Egal wie sie traf, sie verletzte mit ihren silbernen kleinen Dornen. Eigentlich besaß er sie für Werwölfe, Vampire und derlei Kreaturen. Auch wenn er bisher noch nie einen solchen umbringen musste, war es doch besser auf alles vorbereitet zu sein. Gegen einen Magier würde das Silber sicher nichts ausrichten, vermutete er. Er schob die Hand etwas höher und ließ ein scharfes Stilett zwischen seiner Brust- und Rückenpanzerung hervorgleiten. Dann reichte er es Eona, sie hatte auf der Reise nach einer Waffe gefragt und er war ihrer Meinung. Man konnte niemals genug Klingen bei sich haben. "Die Leibwächter sind das Hauptproblem. Sie werden uns kaum in seine Nähe lassen, werden auf unsere Schritte und Bewegungen achten. Ich wäre dafür das wir uns in den Clan unauffällig einschleichen, die Frage ist nur wie wir das anstellen. Ich befürchte sie werden nicht ganz so freundlich zu uns sein wie Dschiab." Erneut ging er etwas hin und her, blieb dann schließlich vor dem Fluss stehen und verschränkte die Arme. "Wir werden abwarten, werden sehen was er tut, wann er es tut und wie er es tut. Jeder Mensch hat gewisse Routine in seinem Leben. Manche gehen morgens zum Stall, oder essen jeden Tag ein Stück Brot mit Käse. Andere laufen jeden Tag dieselbe Strecke entlang, oder reiten ein Stück aus. Jeder besitzt so etwas. Das sind Schwachstellen im Leben, an denen man gut den Tod einschleusen und Fallen aufstellen kann." Sein Blick glitt wieder zu ihr, über ihren Körper und wieder zu ihren Augen, "Wenn er jeden Tag dasselbe isst, oder einem Plan folgt... Können wir den Koch herauslocken und ihm etwas ins Essen oder den Wein tun, das wäre meine persönliche... Empfehlung." Schulterzuckend trat er wieder auf sie zu und strich sich durch sein hellblondes Haar. Dann strich er durch ihr rotes und lächelte, "Zumindestens teilen wir diesselbe Auffälligkeit, was es nicht unbedingt leichter macht. Ich denke wir werden schon eine Gelegenheit finden."

Die Nacht war schnell vorrüber und als der Assassine aufwachte, spürte er die vertraute Nähe der Sklavin an seiner Seite. Es war wirklich überraschend wie schnell er sich an sie gewöhnt hatte und das bei ihm war... Und wie schnell er sie gleichermaßen vermisste. Das konnte doch nur Liebe sein. Kopfschüttelnd verdrängte er seine Gedanken in eine andere Ecke und wandte den Kopf zu ihr um. Er strich ihr einige Haarsträhnen aus dem Gesicht und küsste sie sanft, bis sie aufwachte. Dann schmunzelte er, stand auf und wickelte die Decke zusammen. Er band sie wieder hinten an den Sattel und wandte sich zu Eona um, "Ich weiß es ist gefährlich... Aber ich möchte das du jetzt jemand anderes bist. Ich möchte das du jemand bist der kein Aufsehen erregt. Es liegt bei dir, wie du uns in den Clan bringst... Ob durch Risk oder eine Lüge... Ob du sagst wir sind Händler, oder ob du uns als hungernde Reisende darstellst die eine Unterkunft brauchen." Er kam näher, zog sie zu sich hoch und strich mit einer Hand in ihren Nacken. Dann bog er ihren Hals etwas durch und gab ihr einen Kuss, "Ich hoffe du kannst überzeugend genug lügen. Denn wenn nicht wird dieser Auftrag wesentlich schwieriger werden... Wenn nicht sogar unmöglich."
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Eona » Fr, 17. Jan 2014 20:52

Ich möchte, das du nun jemand bist, der kein Aufsehen erregt.

, hallte es klar in ihrem Kopf und ein etwas hilfloses Schmunzeln schlich sich in ihr Gesicht. Ihre Augen linsten an Sortans Schulter vorbei und betrachteten dabei neugierig die Umgebung. Ein Mann mit schlohweißem und eine Frau mit feuerrotem Haar. Er, ein muskulöser, hoch gewachsener Mann, sie eine schlanke, mit listig schimmernden Augen ausgestattet.
Kein Aufsehen, natürlich.
Wir sind nur Reisende, Freunde, keine Feinde. Innerlich schüttelte sie den Kopf. Zwar hatten sie beide ihre Kapuzen tief in die Gesichter gezogen, aber würde das nicht noch mehr die Aufmerksamkeit der Wachen anfachen?
Langsamen Schrittes zockelte das Pferd dem Ford entgegen, welches sich in einer Gebirgsspalte eingenistet hatte. Es sah so aus, als hätte ein Riese mit seinem Hammer einmal kräftig auf den Boden geschlagen. Der Riss, der daraus entstand, spaltete nun bis zur Spitze des höchsten Berges das Gebirge und genau darin hatte sich eine wahre Festung eingenistet. Man hatte sich sogar die Mühe gemacht, aus den Gesteinsbrocken Wachtürme zu formen und die Holzpalisade, welche den Riss an seiner größten Breite verschloss, war mindestens vier Mann hoch.
"Sie haben uns entdeckt", murmelte Eona und kniff die Augen zusammen. Aus der Ferne konnte sie ein helles Schimmern sehen, welches in kurzen Abständen aufflackerte. Sie gaben sich Zeichen, diese Hunde. Natürlich, schnell einmal den hohen Gesteinsturm zu verlassen, um den Wachen unten über herannahende Fremde zu unterrichten, war ein zu beschwerliches Unterfangen. Entweder waren es ihre Schwerter, die dort so schimmerten.. oder einfach nur Magie.

Magie.

Dieses Wort war ihr schon immer unbekannt gewesen. Der Herr dieses Fords schien sich dieser zu bemächtigen und hatte wohl viel Übung genossen. Des Feuers bemächtigte sich dieser Mann, hatte man gesagt. Eona schauerte, doch unterdrückte weiterhin den Gedanken an aufflammende Feuerbälle, die ihren Körper schmelzen ließen.

Eona konzentrierte sich auf einen Schweißtropfen, der sich ihre Wirbelsäule hinab zwischen ihre Lenden kämpfte, um ihren Geist frei von störenden Gedanken zu halten. Denn endlich hatten sie die großen, schweren Tore des Fords erreicht. Sand wehte wie eine riesige Hand am Holztor hinauf, rieselte jedoch ohne Erfolg an den Rillen hinab.
"Was wollt Ihr, Fremde?", schallte es plötzlich und neugierig lugte der Rote Drache hinter dem Assassinen hervor. Auf Augenhöhe hatten die Bewohner dieser Festung kleine Rechtecke als Fenster in die Holzmauern geschnitten und durch eines dieser Ausgucke, lugten zwei braune Augen hervor.
Langsam und etwas ungelenk rutschte die junge Frau vom Rücken des Pferdes. Es schnaubte unruhig, ob des Gewichtverlustes, doch Sortan hielt das Tier im Zaum. Eona trat an das kleine Fenster heran, doch nicht zu nah, um die Person dahinter nicht zu beunruhigen.
"Wir sind Reisende, Herr. Unsere Orientierung hat uns schon längst im Stich gelassen...", krächzte die Sklavin. Sie hatte seit Stunden kein Wasser mehr zu sich genommen und auch ihre Lippen waren vor Trockenheit schon rissig und geschwollen. Tarnung musste man auch überzeugend ausstrahlen... Sie war wirklich sehr durstig. "...vor zwei Tagen machten wir Halt in einem Dorf, das uns nicht aufnehmen wollte. Sie hätten uns beinahe das Leben für unsere kurze Rast dort genommen. Und nun sind wir durstig und hungrig."
Der Braunäugige runzelte die Stirn und sein Blick huschte zu Sortan.
"Wir nehmen keine Fremden auf", antwortete er knapp.
"Es ist nur für eine Nacht", bettelte Eona und ihr stieg beinahe die Galle hoch, bei diesem flehenden Ton, den sie da von sich gab. "Wir werden mit allem zufrieden sein, was ihr uns gebt. Und wenn wir nur hinter Euren sicheren Toren auf dem Boden schlafen lässt. Diese Wüste ist unerbittlich..."
Fest sah sie dem Fremden in die Augen und legte dabei etwas ihren Kopf schief, um ihren Hals zur Schau zu stellen. "Ich... ich kann Euch auch meine Dienste anbieten, Herr. Wenn mein Meister es erlaubt...." Nun senkte sie demütig den Blick und ließ einen kurzen Blick unter ihren Mantel zu. "Warum redet dann eine gewöhnliche Sklavin mit mir und nicht dein Herr?", zischte er zurück. Eonas Geduldfaden spannte sich. "Er wollte nicht vom Pferde steigen, Herr..."
Da begann der Mann hinter seinen dicken Mauern laut loszuprusten. "Ach so ist das..."
"Wartet hier einen Moment."
Die Augen entfernten sich und eine Wand, direkt hinter der Mauer wurde sichtbar. Ruhig atmete der Rote Drache aus und blickte über ihre Schulter zurück zu Sortan, ob er mit ihrem Tun einverstanden war.
Unkraut vergeht nicht.

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