Alte Heimat, neue Zukunft

"Die Stadt der Wasser" am Fuße der Ruwayd-Berge. Bekannt für ihren Wohlstand und der Akademie der Heiler.
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Sortan
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Sortan » So, 23. Sep 2012 8:36

Der Assassine war zufrieden mit Eonas Leistungen. Sie hatte sich viel eingeprägt, ihm bei den Verletzten geholfen und auch das Schmerzmittel hatte sie hinbekommen. Natürlich war es die eine Sache, so etwas mit ihm zusammen zu brauen, als es alleine tun zu müssen. Aber sie würde ja nicht alleine sein, er würde sie nicht wieder verlieren. Das er zufrieden war, galt sowieso als größte Auszeichnung bei ihm und obwohl Eona nicht die beste Schülerin war zeigte sie doch Willen und Begeisterung für die Alchemie. Sie hatten den Verwundeteten so gut geholfen wie sie es an einem einzelnen Tag schafften. Sie hatten den Armstumpf ausgebrannt und versorgt, hatten der Frau den Bolzen aus dem Körper entfernt. Ausserdem hatten sie auf jeder Wunde Heilpaste verteilt und sie mit ordentlichen Leinen verbunden. Sortan hatte kurz an den Toten gedacht, der hier gelegen hatte. Vielleicht hätte er versuchen soll irgendwie an ihn heranzukommen, damit er Eona einmal anschaulich demonstrieren konnte was einen Menschen alles töten konnte. Aber er beließ es erstmal dabei. Dazu würden sie sicherlich auch später noch Gelegenheit haben. Zumindestens erklärte er ihr anhand den Wundrändern und den Verletzung was alles darunter lag. Ob nur Muskeln und Haut, oder auch wichtige Organe und Knochen. Einer der Männer hatte eine Schnittwunde am Bauch die ziemlich tief war, "Ich weiß nicht ob er es schafft. Die Wunde hier ist tief genug um innere Organe zerrissen zu haben. Vielleicht ist er morgen schon tot..." Er sah sie einen Augenblick forschend an und nahm ihre kleine Phiole zur Hand. Dann tröpfelte er ein paar Tropfen von dem Schmerzmittel in den Mund des Verletzten und bog seinen Kopf durch damit er es schluckte.

Als sie fertig waren, kam schließlich Dschiab zu ihnen und bedankte sich in aller Höflichkeit und sehr freudig bei ihnen. Natürlich freute er sich, überlegte Sortan, denn jeder dieser Männer waren seine Armee. Wenn er einen davon verlor, war es wie als ob er selbst ein Messer verlieren würde oder ein Gift. Irgendwann hatte er dann einfach keine Waffen mehr und wie sollte man sich da verteidigen und wehren? Sortan schluckte unmerklich und erwiderte kurz den Blick der Sklavin. Natürlich lag es auch daran das die Stämme Inzest trieben und hier praktisch jeder zur Familie gehörte. Zumindestens hatte man ihm das so mal erzählt, oder er hatte es irgendwo aufgeschnappt. Sicher war er da nicht. Aber er widmete seine Aufmerksamkeit mit einem müden Lächeln nun Dschiab zu. "Das war doch eine Kleinigkeit, Herr. Ihr habt uns genauso geholfen, mit Nahrung und einer Unterkunft. Ich denke wir werden noch eine Zeit lang bleiben, bis hier alle genesen sind. Vielleicht noch zehn Tage, oder mehr?" Unschlüssig sah er sich im Lazarett um und zuckte mit den Schultern. "Wir werden euch auf jeden Fall noch helfen, aber für heute reicht es und wir haben genug getan... Ich denke der Großteil wird überleben nur Rial hat schlechtere Karten." Zumindestens meinte er sich so an dessen Namen zu erinnern. Irgendwann hatte seine Schwester ihn besucht und seinen Namen genannt meinte er sich zu erinnern. Sortan sah erneut zu Eona und schob sie aus dem Lazarett hinaus. Er nickte dem Soldaten noch einmal zu und mahnte den alten hier aufzupassen, ob sich ein Zustand verschlechterte.

Der junge Raquiiah verschloss die Tür hinter sich und schmunzelte vor sich hin. Dann nahm er Eona, drückt sie aufs Bett herunter und gab ihr einen Kuss. Er wollte das Feuer noch ein wenig anfachen, wollte das sie ihn ansah wie sie es dann immer tat und schmiegte sich einen Moment an sie, "Du warst heute gut. Du musst dir all diese Dinge einprägen..." Er stand wieder auf und ließ sie auf dem Bett liegen. Schnell war er dann wieder bei ihr, mit Salbe und einem Verband. Dann strichen seine Hände über ihren Oberschenkel und er löste den alten Verband. Erneut stand er auf um einen Lappen in dem Wasserfass zu befeuchten und ihre Wunde auszuwaschen. Er ging dabei vorsichtig vor und schmierte dann erneut Salbe auf ihre Wunde. Sie war bereit gut am Heilen und bald schon würde sie verschwunden sein. Während er den Verband um sie wickelte, sah er zu ihren Augen und seine Stimme wurde etwas leiser. "Sag mir was du lernen willst, egal was... Heute Nacht bringe ich es dir bei. Vielleicht ein starkes Halluzinogen? Oder ein langsames Gift? Reiten? Oder etwas anderes?" Er schmunzelte und ließ seine Finger sacht über ihren Oberschenkel wandern.
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Eona » So, 23. Sep 2012 12:00

Eona nickte zufrieden, nachdem Sortan Dschiab gegenüber erwähnt hatte, dass sie noch einige Tage bleiben wollten und es beruhigte sie etwas. Noch hatte die Sklavin keine große Lust ihre Reise fortzusetzen, auch wenn es in die Richtung ihrer Heimat gehen würde. Doch sie hatte Angst davor. Wieder dieses schreckliche Gefühl. Nun war es aber beschlossen, dass das ungleiche Paar noch etwas länger in dem Bergdorf verweilen würde und Eona hatte die Chance, sich noch mehr Wissen anzueignen und ihre Verletzung zu kurieren, obwohl die Wunde an diesem Tag noch nicht geschmerzt hatte.
Der Tag neigte sich dem Ende zu und es war schon Abend, als Sortan sie zurück in ihre Hütte schob. "Meinst du, wir haben genug für sie tun können?", fragte die Sklavin und massierte sich die Schläfen. So viele Dinge, die sie sich merken musste und die noch zu lernen waren. Zwar hatte sie heute gute Arbeit geleistet, so wie es ihr der Assassine gesagt hatte, doch er hatte ihr mehr als einmal geholfen und nun war die Rothaarige müde vom Verbinden, Ausbrennen und Versorgen der Kranken. Das diese Tätigkeit einen so zu schaffen machen konnte war Eona nun bewusst.
Die Sklavin gab ein ersticktes Lachen von sich, nachdem Sortan sie auf das Bett gedrückt hatte und ihre Lippen auf die ihre presste. Mit einem Lächeln auf den Lippen umschlang sie ihren Liebhaber und versuchte, die kranken und verletzten Menschen auszublenden. Die grünen Augen blitzten listig auf und sie sog das Lob ihres Geliebten wie einen Schwamm in sich auf, damit sie es wie einen kleinen Schatz in sich behüten konnte. Kurz entfernte er sich, um einige Dinge, wie eine Salbe, Verband und einen sauberen Lappen zu holen. "Danke, Sortan", sagte sie leise und strich ihm durch die weißgraue Haarpracht, während er sich rührend um ihre Wunde kümmerte. Ein weiches Lächeln umspielte ihre vollen Lippen und ein seliger Ausdruck war in ihrem Gesicht zu sehen. Verträumt sah sie dem Assassinen in die Augen. Kurz versank sie in dem weichen Braun, welches keine Spur von Kälte oder Egoismus zeigte. Nein, sie sah den wahren Sortan darin. Was für ein Mensch er eigentlich wirklich war. Eona hatte es wohl geschafft, ihre Finger weit genug in ihn getaucht zu haben, um ihn zu erreichen, zu fühlen und mit ihren Worten seine Seele zu erreichen. "Bist du sicher?", hauchte sie und ihre Finger strichen sanft seinen Hals hinab. Eigentlich kam ihr etwas anderes im Sinn. Sie wollte ihm zeigen, wozu sie fähig war, wie sie ihre Männer betören konnte und was sie wirklich als gute Sklavin ausgezeichnet hatte. Doch den Gedanken platzierte sie erst einmal an die zweite Stelle. "Willst du immer noch mit mir in den Norden reiten? In meine Heimat?" Eigentlich wusste sie nicht genau, wo ihre Heimat war. Die Wüste war es jedenfalls nicht und Eona sehnte sich schon seit langem nach kühleren Tagen, Wäldern und Wiesen. Und vielleicht... ja vielleicht konnte Sortan ihr bei einer Sache helfen, die sie noch zu erledigen hatte. "Dort gibt es jemanden, dem ich seit Kindertagen Rache geschworen habe. Ich verlange nicht von dir, dass du mir hilfst. Aber falls wir in den Norden reiten sollten, werden wir einen kleinen Abstecher dort hin machen." Seit der Assassine erwähnt hatte, dass sie beide in ihre Heimat reiten könnten, wuchs dieser Wunsch in sie heran, Eowhan, ihren alten und ersten Herrn, zu vernichten. Er war es, der ihr dieses Leben beschert hatte und ihre Vergangenheit, so wie ihre Zukunft beschmutzt hatte, auch wenn die Rothaarige nun wieder Hoffnung schöpfen konnte. "Es ist dasselbe, wie bei Menderea", fuhr sie fort und fixierte den Mann vor ihr mit einem kalten und entschlossenen Blick. "Er soll einfach nur sterben."
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Sortan » So, 23. Sep 2012 12:51

Der Assassine versank ebenfalls kurz in ihren grünen Augen und lächelte kurz, "Wir haben das beste getan was wir konnten. Aber wir sind keine Heiler und das hier ist nicht unsere Aufgabe... Vergiss das nicht Eona." Er sah wieder auf die Wunde und verknotete den Verband. Ihre Finger strichen über seinen Hals wie eine kühle Brise am Meer und er erschauderte leicht. Seine Haare stellten sich unmerklich auf und bildeten eine Gänsehaut. Innerlich wunderte er sich noch immer über diese Gefühle und Reaktionen die sie in ihm auslösen konnte. Immerhin schaffte er es sich in der Öffentlichkeit zurückzuhalten und seinen eigenen Gedanken zu folgen. Er durfte sich nicht so sehr von ihr beeinflussen lassen und seine Instinkte und Ziele aus den Augen verlieren. Trotzdem drangen ihre leisen Worte in sein Ohr und in seine Seele hinein, ließen den kleinen Funken in ihm auflodern und die dunklen Schatten wurden kurz vertrieben. Er genoss jede ihrer Berührungen so sehr, wie ein Verdurstender einen schluck Wasser. Seine Finger strichen sanft ihren Oberschenkel hinauf und er wandte ihr das Gesicht zu, ließ den Blick über ihre Lippen und ihre Augen schweifen und schmunzelte kurz. "Sehr sicher sogar..."

Er runzelte die Stirn als sie weitersprach, "Ja das will ich... Es ist besser wenn wir etwas Abstand von der Wüste gewinnen und untertauchen. Eine kleine Pause würde mir sicher gut tun und es gibt noch so viel was du lernen musst. Ganz zu schweigen davon, das ich weiß wie sehr du zurückwillst..." Sortan beugte sich vor und küsste ihren Hals. Dann zog er den Kopf wieder zurück und hob eine Augenbraue. Er spürte ihren kalten und entschlossenen Blick auf sich und entgegnete ihm ohne auszuweichen. Jeder normale Mann würde vor diesem kalten Hass und ihren deshalb folgenden Taten zurückweichen. Würde sich fragen woher das kam und wie eine Frau nur so empfinden konnte. Aber der Raquiiah war kein normaler Mann. Er war ein gedungener Mörder, ein eiskalter Mann der sich scheinbar um nichts scherte als den Tod. Seine Gedanken schweiften in die Ferne und er legte den Kopf schief. Dann sah er sie genauso ernst an, "Wir haben kein Ziel und können reiten wohin wir auch immer wollen. Wenn du dies erledigen willst, dann werden wir das tun. Aber du wirst ihn alleine töten, ohne meine Hilfe." Sortans Blick drang in sie ein und er verzog keine Miene, "In jedem Handwerk muss man geprüft werden und dies soll deine Prüfung sein. Es ist wichtig das du dich nicht von Gefühlen und Rache leiten lässt, du musst kalt und hart sein wie ein Stein... Berechnend und vorrausschauend. Du wirst ihn töten, weil er ein Ziel ist und nicht aus Rache. Du wirst ihn töten, weil du einen Auftrag erhalten hast und nicht weil du es willst. Und du wirst belohnt werden, wenn du den Auftrag ausführst ohne Fehler zu machen..." Sortan atmete tief ein und schloss kurz die Augen, dachte an seinen ersten Auftrag und lächelte matt. Er lag so viele Jahre zurück. Natürlich würde er sie das alles nicht alleine tun lassen. Er würde über sie wachen wie ein Schatten in der Nacht und notfalls ihre Fehler ausbügeln. Aber so eine Feuerprobe würde wichtig sein für sie und die Familie.

Unwillkürlich musste er grinsen und sah sie an. Dann küsste er sie sanft auf die Wange und hauchte leise, "Du wirst noch viel lernen bis dahin und ich vertraue auf deine Fähigkeiten. Das liegt noch in weiter Ferne also mach dir keine Sorgen, meine schöne und gefährliche Wüstenblume... Dein Blick verrät dich, zeigt wie viel Potential in dir steckt." Seine Hand ruhte noch immer auf ihrem Oberschenkel und er strich mit der anderen durch ihre roten Haare. Er war gespannt wie sie auf seinen Vorschlag reagieren würde, das sie ihn alleine und auf Art der Raquiiah töten sollte. Aber dieser Punkt war für ihn sowieso unverhandelbar...
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Eona » So, 23. Sep 2012 14:44

Eona genoss seine Berührung und die Nähe. Seine Finger ruhten immer noch auf ihrem Oberschenkel und wanderten langsam nach oben. Das Feuer wollte wieder Besitz von ihr ergreifen, doch die Sklavin zwang sich zur Ruhe. Ihr war dieses Thema sehr wichtig und wollte wissen, was sie von Sortan erwarten konnte und was nicht. Und auch sein Einverständnis war ihr wichtig.
"Aber du wirst ihn alleine töten, ohne meine Hilfe." Zwischen ihren geschwungenen Augenbrauen bildete sich eine Furche und sie versuchte, dem durchdringenden Blick ihres Gegenübers standzuhalten. "Eine Prüfung?", wiederholte sie und ihr Blick schweifte in die Ferne. Der Gedanke gefiel ihr in irgendeiner Weise, doch sie hatte auch Bedenken. Sie hatte Eowhan schon lange nicht mehr gesehen. Auch wusste Eona nicht, ob er noch in dem Anwesen außerhalb Imrahads wohnte oder seine Geschäfte überhaupt noch selbst tätigte. Und wenn schon. Sie würde auch seinen Nachfolger umbringen und all die Sklaven freilassen, die dort in dem Anwesen schuften mussten. Ein Stich fuhr in ihr Herz und ein längst verblasstes Bild ihres Vaters blitzte auf. Nicht von Rache leiten lassen? Die junge Frau sah ihrem Geliebten wieder in die Augen. "Er hat meinen Vater umgebracht und mich zu einer Sklavin degradiert. Weil er es so wollte, habe ich mich verdreht und mich mehr und mehr von meinem Vater entfernt, bis dieser nicht mehr wusste, ob ich wirklich seine Tochter war!" Ihre Stimme schwoll an, doch sie schrie nicht. Niemals würde Eona schreien, außer sie war an der Spitze ihrer Wut angelangt. Und das war schon lange nicht mehr der Fall gewesen. Einzig und allein ein fester und herablassender Ton schwang in ihren Worten mit und innerlich versuchte sich die Sklavin in den Griff zu bekommen. "Das ist schon sehr lange her, doch trotzdem ist es schwer, diesen Mann nur als mein Ziel anzusehen. Ich weiß, dass Gefühle eine Schwäche sind. Aber dieses Gefühl von Rache hat mich all die Jahre stark gemacht, Sortan. Ohne es hätte ich nicht überlebt. Und ich möchte es nun aus meinem Leben streichen, da ich etwas besseres gefunden habe..." Die grünen Augen der Sklavin wurden weich und ihre Mundwinkel zuckten nach oben. "Aber wenn du es so willst, werde ich versuchen mein Bestes zu geben. Ich möchte um jeden Preis an deiner Seite bleiben und nützlich für dich sein." Sie ergriff seine Hand, welche auf ihrem Oberschenkel geruht hatte und drückte sie fest. Sicherheit, Geborgenheit, eine starke Führung, Liebe... Das alles konnte sie in diesem Mann sehen, dem sie bis in den Tod folgen wollte. Eona schloss die Augen, während seine Lippen ihre Wange streiften und lauschte seinen Worten.
Dann nickte sie. "Ich möchte so viel wie möglich lernen und auf meine Prüfung hinarbeiten. Aber ich bin mir sicher, dass ich es mit deiner Hilfe schaffen werde", raunte sie und drückte nochmals seine Hand.

"Sortan..."
Gerade lösten sich ihre Lippen von einem langen Kuss, welcher so süß war wie Honig und ihrem Feuer Nahrung gab. Doch etwas beschäftigte sie noch. "Ich möchte mehr über das Dorf und deren Streitereien herausfinden. Ich weiß, eigentlich sollte ich mich schonen und meine Ausbildung beginnt ja nun... aber trotzdem lässt mich diese Sache nicht in Ruhe." Sie wusste nicht, wie der Assassine reagieren würde, aber ganz wäre er damit nicht einverstanden, da dieser Krieg zwischen den Bergdörfern sie ja nichts anging. Nur für einige Tage rasten, die Unterkunft verdienen und wieder verschwinden. "Ich möchte nur mit Dschiab und den Dorfbewohnern sprechen." Es war ihr in Fleisch und Blut übergegangen, um Erlaubnis zu fragen. Und auch bei Sortan war es nichts anderes. Er war ihr Lehrer und hatte ein besseres Verständnis für seine Arbeit und auch der Maskerade, die sie zur Zeit betrieben.
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Sortan » So, 23. Sep 2012 15:22

Das machte die Sache natürlich wesentlich schwerer, fand Sortan. Er sah die Gefühle in ihr aufkeimen und natürlich war sie voll von Rache, denn so etwas hinterließ Spuren. Kurz senkte er den Blick, als ihre Stimme anschwoll und schloss die Augen. Dieser Mann hatte ihre Familie ermordet und sie in ein Leben hineingezwungen das sie so niemals haben wollte. Wahrscheinlich hatte er sie in jungen Jahren gefügig gemacht und für seine niederen Gelüste schamlos ausgenutzt. Seine Gedanken schweiften erneut kurz in die Ferne, ein junges Mädchen... Er hatte schon viele getötet, weil es sein Leben war. Aber er hatte niemals Spaß an so etwas empfunden und er hatte sich niemals an ihnen vergangen. Warum sollte er auch, so etwas war einfach nur widerwärtig und krank. Er sah wieder in ihre Augen und legte den Kopf etwas schief, "Du wirst deine Rache bekommen, aber wenn du dich von Gefühlen leiten lässt machst du Fehler. Du hinterlässt Spuren die dich selbst und auch mich gefährden könnten... Du darfst niemals zögern etwas notwendiges zu tun. Vor allem darfst du niemals deine Umgebung aus den Augen verlieren und den Plan." Er zuckte mit den Schultern und spürte wie sie seine Hand drückte. Es war angenehm und er wusste was sie mit ihren Worten sagen wollte. Er wusste was sie meinte und lächelte kurz, "Das alles liegt in weiter Ferne, in der Vergangenheit und auch in der Zukunft. Lass uns erst darauf zurückkommen, wenn es soweit ist." Er hob wieder eine Hand und fuhr durch ihr rötlich schimmerndes Haar. Noch immer faszinierte ihn der Gedanke an die Drachen. Er fragte sich ob sie es wirklich irgendwo gab und ob sie eines Tages aufsteigen und durch die Lande ziehen würden... Eine Spur der Verwüstung hinterlassend. Er war kein Held, nein ganz bestimmt nicht, aber wenn es soweit sein sollte... Wollte er einen dieser Drachen sehen, er wollte versuchen ihn zu bezwingen und sich zu unterwerfen. Drachen waren einfach mystische Wesen, die ihn sehr interessierten. Er riss sich von dem Gedanken los und sah Eona wieder an, "Du bist nützlich für mich und du wirst es noch viel mehr sein, wenn die Ausbildung beendet ist. Du bist die einzige Person in meinem Leben, der ich Vertrauen schenke und die ich liebe." Erneut streiften seine Lippen ihre Wange und ihr Ohr und er hauchte ganz leise und kaum hörbar, "Ich brauche dich, Drache..."

Ein Seufzer entrang sich seinen Lippen, als sie den Kuss löste und kurz darauf brummte er unwillig. Aber er riss sich zusammen und sah Eona fragend in die Augen, sie hatte anscheinend viel auf dem Herzen und war mit vielen Dingen beschäftigt. Stirnrunzelnd betrachtete er ihre Lippen und ließ die Worte einen Moment im Raum stehen. Seine Fingerspitzen strichen über ihre Wange und ihren Hals, ehe er sich wieder von ihr löste und durch eine Ritze im Holz nach draussen sah. Es war noch immer hell in der Wüste, da sie den Tag nicht vollends ausgeschöpft hatten und eigentlich wollte er ihn für wichtigere Dinge nutzen, als mit den Dorfbewohnern zu sprechen. Nachdenklich verschränkte er die Unterarme und machte ein paar Schritte durch die Hütte, "Warum willst du das alles wissen? Es berührt uns nicht im geringsten, wir haben damit nichts zu tun und sollten uns heraushalten. Ich verstehe nicht was dich daran beschäftigt, diese Dorfbewohner sind für uns nur ein Mittel zum Zweck, keine Heimat oder etwas wichtiges. Wenn sie sich gegenseitig umbringen wollen, dann sollen sie es doch tun. Ohne den Krieg existiert kein Frieden und der Mensch ist geschaffen um zu kämpfen. Wir aber..." Er drehte sich wieder zu ihr um und sah in ihre smaragdgleichen Augen, "...Wir sind etwas besonderes. Wir schlachten nicht einfach irgendwelche Menschen ab... Wir sind Schatten, wir sind der Tod in dieser chaotischen Welt und sorgen dafür das die Vorsehung ihren Willen erhält. Wir sind Schatten, agile und dünne Messer, keine groben Beile wie der Rest. Verstehst du das Eona? Der kleine Dolch der in deinem Fleisch steckt, das essen welches deinen Hals anschwellen lässt... Das sind wir, Eona. Wir mischen uns nicht in Kriege ein, nicht in Fehden oder sonstiges. Wir sind keine Söldner die alles für Gold tun. Wir sind die schwarze Hand des Schicksals und erledigen nur Arbeit die unserer würdig ist." Sortan leckte über seine Lippen und zog die warme Luft in seine Lungen. Wahrscheinlich hatte sie verstanden worauf er hinauswollte, aber schlussendlich zuckte er dann doch mit den Schultern. Er hatte ihr gesagt das sie tun würden was sie wollte und eigentlich hatte er auch Hunger und wollte etwas essen. Also zuckte er mit den Schultern und überprüfte kurz seinen Waffengurt. Dann warf er sich den Mantel über die Schulter und hielt ihr eine Hand hin, "Aber ich beuge mich deiner einnehmenden Schönheit, Norddrache... Lass uns etwas essen gehen und währenddessen kannst du all das in Erfahrung bringen, was du willst."
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Eona » So, 23. Sep 2012 16:53

Wir sind Schatten, wir sind der Tod in dieser chaotischen Welt und sorgen dafür das die Vorsehung ihren Willen erhält.

Eona hüllte sich in Schweigen, während sie wieder ihren Mantel überwarf. Schatten, unerkannte Schemen, Monster in der Nacht, der leise Tod. Niemand bekam uns zu Gesicht und wenn, war es das letzte, was er vor seinem Tod erblicken durfte.
Es war alles so einfach und eindeutig, aber doch so kompliziert. Die beiden traten auf die Straße hinaus und die junge Frau atmete die frische Luft ein. Sie konnte es nicht genau erklären, warum sie wissen wollte, was der Grund für den Zwist war, welcher zwischen den beiden Dörfern herrschte. Aber der Anblick der Kranken und Verletzten hatte sie doch für kurze Zeit im Herzen berührt, und das hatte gereicht. Außerdem waren die Menschen freundlich und noch ohne großes Misstrauen, nicht wie in den Großstädten, in denen das Misstrauen und Skepsis in jeder Begrüßungsformel mitschwang. Die Emotionen hier waren nicht gekünstelt oder aufgesetzt. Es waren ernste Menschen, aber mit dem Herzen am rechten Fleck.

Werde ich jetzt plötzlich sentimental?

Seit sie Laretan und Basima begegnet war, hatte sich ihr Weltbild etwas verändert. Die Freundlichkeit, die ihr von Basima entgegengekommen war, hatte sie verwirrt aber trotzdem tief berührt. Und Laretan war ihr wirklich ähnlich gewesen, auch wenn sie das etwas später bemerkt hatte. Trotzdem war sie an Sortans Seite verblieben, denn hier fühlte sie sich sicher und - wenn auch nur stellenweise - verstanden. Die Neugierde siegte bei Eona meistens und so betrat sie neugierig das kleine Gasthaus. Es war etwas gefüllter als an jenem Morgen. Meist saßen nur Männer an den Tischen und nur wenige Frauen. Die Besitzer des Hauses huschten zwischen den Menschen und den Tischen hin und her, trugen Essen oder Getränke von Tisch zu Tisch. Es roch nach Schweiß, Essen und Pfeifenrauch. Eona legte ihren Mantel ab und suchte sich zusammen mit Sortan einen Tisch in einer etwas dunkleren, abgeschiedenen Ecke. "Ich komme gleich wieder", raunte sie zu ihm und begab sich an die Theke des Wirtshauses. Eine beleibte Frau, welche wohl die Besitzerin des Gasthauses war begegnete der jungen Frau mit einem misstrauischen Blick. "Wäre es möglich, etwas von ihrem Essen zu bekommen, werte Frau?", sagte die Sklavin höflich und lächelte der Frau entgegen. Diese schnaubte nur, sah vorbei zu dem Assassinen und nickte dann nur. Danach verschwand sie in der Küche weiter hinten im Raum. Die Rothaarige spürte die Blicke der Anwesenden auf sich und ließ den Blick durch den Raum schweifen. An einem der etwas größeren Tische konnte sie Dschiab erblicken, der ihr zu nickte.
"Emilia", sagte er anerkennend, nachdem die Sklavin an den Tisch getreten war. Die Gespräche verstummten am Tisch und die ihr unbekannten Männer bedachten sie mit dem gleichen Blick, wie die Wirtsfrau vor wenigen Sekunden. Doch Eona machte sich nichts daraus und lächelte Dschiab an. "Ihr habt gute Arbeit heute geleistet. Euch gehört mein Respekt." Aber anscheinend nur von dir, schoss es der Frau durch den Kopf. "Ich danke Euch, Dschiab." Kurz prägte sie sich all die unterschiedlichen Gesichter an diesem Tisch ein. Es waren ausschließlich Männer, fünf an der Zahl, Dschiab miteingerechnet. "Sagt, was ist mit eurem Heiler geschehen. Ihr sagtet zu mir, er sei bei dem Überfall getötet worden. Doch wie konnte das passieren? Hat er mit euch gekämpft?"
Sie konnte spüren, wie die Stimmung am Tisch angespannter wurde. Einige Männer senkten den Blick in ihre Krüge vor ihnen oder wichen dem neugierigen Blick der Sklavin aus. "Nein", antwortete ihr Dschiab. "Er wurde vergiftet."
Vergiftet? Eona runzelte die Stirn. "Anscheinend hat sich jemand ungesehen in unser Dorf eingeschlichen, bevor der Kampf begonnen hat." Sein Blick wechselte von ihr zu Sortan und die Furchen auf ihrer Stirn wurden tiefer. "Ihr glaubt, mein Mann hätte das getan." Keine Antwort. Schweigen. "Warum hätte er das tun sollen?"
"Es ist ganz einfach. Wir wollen eine Erklärung für diesen Vorfall finden", antwortete ihr schließlich einer der größeren Männer, welcher ihrem Blick ausgewichen war. Seine grauen Augen durchbohrten die Sklavin nun und sie fühlte sich unwohl in ihrer Haut. "Das ergibt keinen Sinn. Mein Mann und ich versuchen euch mit all unseren Kräften zu helfen, da euer Heiler getötet wurde. Wieso lenkt ihr euren Misstrauen auf uns?"
"Auf wen denn sonst?"
Eona stockte. Ja, auf wen sonst? "Vielleicht sollten wir jemanden aus unseren eigenen Kreisen beschuldigen?", lachte jemand und die junge Frau hob eine Augenbraue. Der Mann, welche diese frechen Worte geäußert hatte, grinste ihr unverschämt entgegen und entblößte eine Reihe fauliger Zähne, die schon schwarze Ansätze zeigten. Ihm fehlte das rechte Auge und er hielt es wohl nicht für nötig, dieses schwarze Loch in seinem Gesicht zu verdecken. Ihr lief es eiskalt den Rücken hinunter und ihre Lippen pressten sich zu einem nichtssagenden Strich zusammen. "Verräter gibt es viele auf der Welt, werter Herr", brummte sie und reckte ihr Kinn nach vorne. "Das sollte euch bewusst sein." Ein Raunen ging durch den Tisch und das Grinsen wich aus dem Gesicht des Fremden. "Also beschuldigt ihr mich? Hängt ihr mir den Tod unserers Heilers an?", grollte er zornig und erhob sich so aprupt, dass der Stuhl, auf dem er gesessen hatte, polternd zu Boden fiel. "Verdreht mir nicht die Worte im Mund", gab Eona ruhig zurück. Ein jähzorniger Kerl also, welcher sich nichts gefallen ließ und wohl nicht die Meinung der anderen teilte, die dankbar dafür waren, dass Sortan und die Sklavin den Verletzten geholfen hatten. "Risk, halte deine Zunge im Zaum", kam es von Dschiab, der einen großen Schluck aus seinem Becher nahm, als wäre er es schon gewohnt, dass der benannte Risk oft einmal übertrieb.
"Dieses Weib soll endlich ihren Mund halten, sonst schneid ich ihr die Zunge heraus! Was fällt dir eigentlich ein!"
"Zu eurem Verhalten fällt mir nichts mehr ein, werter Herr", lächelte Eona schief und Belustigung machte die Runde. Einige der Männer gaben ein leises, brummendes Lachen von sich, andere räusperten sich belustigt. "Da hat sie Recht, Risk", gluckste Dschiab und Risk entglitten nun alle seine Gesichtszüge. Die Sklavin lächelte immer noch und verneigte sich dann leicht. "Entschuldigt mich, meine Herren. Ich werde eure traute Runde nicht weiter stören." Mit diesen Worten entfernte sie sich von dem Tisch, mit dem Wissen, dass sie sich keinen neuen Freund gemacht hatte.
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Sortan » So, 23. Sep 2012 17:35

Der Assassine sah ihr nach, als sie aufstand und zur Theke ging. Sein Blick schweifte kurz durch den Raum und er nickte Dschiab zu, als er ihn sah. Dann bemerkte er wie die Frau verschwand und anscheinend etwas zu essen holte. Sein Blick folgte der jungen Sklavin, wie sie an den Tisch trat an dem Dschiab und einige Männer saßen. Größtenteils waren es wohl Wachleute, so ziemlich jeder Mann hier musste Wachdienst schieben, kam es ihm in den Sinn. Sein Blick ruhte ruhig auf den Anwesenden und er faltete die Hände auf dem Tisch. Dann lehnte er sich etwas nach vorne, immerhin hatte er die Wand im Rücken, was ihm etwas Schutz und Sicherheit gab. Sein Blick wechselte ständig hin und her, zwischen den Männern und Eona, je nachdem wer gerade am sprechen war. Natürlich konnte er durch den Lärm nicht hören was gesprochen worde und von den Lippen lesen konnte er auch nicht. Das war etwas, das er sich schon oft versucht hatte anzutrainieren, da es sehr nützlich war... Aber diese Fähigkeit schien nicht so ganz zu ihm zu passen. Bis zu einem gewissen Grad konnte er es zwar, aber von der Seite und durch den Pfeifenrauch und Gestank der hier vorherrschte war es schier unmöglich für ihn. Er spürte den Blick von Dschiab auf sich und erwiderte ihn ohne große Emotionen. Seine Stirn zog kurz eine tiefe Furche, als sich einer der Männer urplötzlich erhob und den Stuhl dabei umschiss. Eine Hand wanderte blitzschnell an seinem Körper entlang und er beugte sich etwas vor, damit es nicht allzu sehr auffiel. Fast schon sanft umschloss er das Heft des Krummdolches und musterte die Situation weiterhin. Dann bemerkte er eine Bewegung an seinem Tisch, drehte den Kopf und lehnte sich lächelnd zurück. Sein Blick kreuzte den der Wirtsfrau, die nun einen Krug mit zwei Bechern und zwei dampfende Schüsseln auf den Tisch stellte. Vermutlich war in dem Krug Wasser und der Inhalt der Schalen sah nach einem Eintopf aus verschiedenem Gemüse und Fleisch aus. Sein Blick lag immer noch auf der Frau, aber er konzentrierte sich auf Eona. Als sie dann alles abgestellt hatte, nickte er unmerklich, "Ich danke euch." Er zog eine der Schüsseln etwas näher und sah hinein, ehe sein Kopf sich hob und er Eona anblickte. Sie kam wieder und setzte sich neben ihn an den freien Tisch. Er lächelte sie an und schob ihr die andere dampfende Schale zu, "Lass es dir schmecken. Hier..." Seine andere Hand ergriff einen der Becher und füllte das klare Wasser hinein, ehe er ihn ebenfalls der Sklavin hinstellte. Dann füllte er seinen eigenen, trank einen Schluck und nahm den Holzlöffel zur Hand. Seine Finger hatten sich unmerklich von dem Griff des Dolches gesenkt und lagen nun auf seinem Oberschenkel. "Ich schätze sie haben deine Neugier nicht so gut aufgenommen?" meinte er etwas leiser und pustete auf die Suppe. Dann schob er sich einen Löffel in den Mund und kaute auf einem zähen Fleischstück herum.

Als er fertig gegessen hatten, schob er die Schale in die Mitte des Tisches und trank noch einen großen Schluck. Gewohnheitsmäßig schweifte sein Blick durch den Raum und er sondierte die Umgebung. Eona hatte ihm erzählt was die Männer ihr erzählt hatten und er musste innerlich lachen, das sie ihn verdächtigten. Unter jedem anderen Umstand wäre er wohl wirklich derjenige gewesen, der diesen Heiler umgebracht hatte. Aber erstens bezahlten die Bergvölker oft nicht genug um einen Raquiiah anheuern zu können und zweitens war er zum ersten mal in seinem Leben hier. So oft und viel er auch getötet hatte und zu recht beschuldigt werden könnte, war dies hier nicht der Fall. Das war wohl eine offensichtliche Sache, aber wem sollten sie sonst die Schuld geben als ihm? Seine Hand legte sich sacht auf ihre und er sah in ihre grünen Augen. Sie hatte ebenfalls fertig aufgegessen und er beugte sich vor, "Wir sind niemals sicher..." er gab ihr einen Kuss auf die Wange und sprach leise und schnell, "...Überall lauert der Tod. Menschen urteilen schnell und dann bestrafen sie den Schuldigen." Es war wohl klar was er damit ausdrücken wollte und nach einem weiteren Kuss lehnte er sich lächelnd zurück und sah kurz zu Dschiab und den Männern. Sollten sie ihre Meinung festigen, würden sie ihn festnehmen und hängen lassen. Oder wohl eher im Kampf umbringen, denn er würde sich niemals wehrlos ergeben. Sortan rückte seinen Stuhl etwas zurück und stand auf, "Komm mit, ich will dir etwas zeigen." meinte er und bot ihr erneut eine Hand dar. Dann verließen sie das Gasthaus und Eona nahm ihren Mantel mit, denn es war kühler und dunkler geworden. Seine Schritte führten ihn zu den Stallungen und er nickte kurz einem Stallburschen zu. Dann nahm er sich eine Bürste und fuhr damit über das schwarze Fell seines Wallachs. Es war ein treues und gutes Tier, das beste das er sich nur wünschen konnte. Sein Blick glitt zu Eona, die näher bei ihm war als eben, und er genoss einen Moment die Stille. "Ich habe alles in den Satteltaschen verpackt, sie liegen unter dem Bett. Wenn etwas passieren sollte, brauchst du nur einen Sattel auf seinen Rücken zu legen und ihn festzuschnallen." Er nahm geschickt einen und schnallte ihn mit einer gekonnten Handbewegung stramm fest. Dann hob er Eona hinein und hielt ihr die Zügel hin, "Wenn du schnalzt und deine Füße in seine Seiten presst reitet er los... Je fester und öfter du das tust, desto schneller wird er." Der Raquiah wartete bis der Hengst aus dem Stall getrabt kam und legte eine Hand auf Eonas Oberschenkel, "Wenn etwas passieren sollte will ich das du genau das tust und das du es kannst. Keine Widerworte." Den letzten Satz fügte er noch schnell und bestimmend hinten an, nur als reine Vorbeugungsmaßnahme. Schattenmähne trabte langsam los und Sortan ging neben ihm her, er hatte entschieden das sie zumindestens das beherrschen musste. Wenn wirklich etwas passieren würde, konnte sie so wenigstens fliehen. Das hatte ihm die Situation gerade deutlich gemacht.
"Mit der Ehre in der Brust und dem Stolz in dem Kopf,
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Eona » So, 23. Sep 2012 18:38

Der Stuhl scharrte über den Boden und Eona setzte sich.
Sortan schob ihr eine Schüssel voll wohlriechender Suppe zu, in der mehrere Fleischbrocken und Gemüse schwammen. Ihr war der Appetit vergangen, aber sie musste etwas essen. "Nicht wirklich", raunte Eona und trank aus ihrem Becher. "Das ist alles so komisch. Irgendetwas stimmt nicht. Vor allem mit diesem Risk, dem das Auge fehlt." Dieser jähzornige Kerl, welcher mit seinem Kommentar eine Lawine losgerissen hatte und die nun unendlich lang und polternd in ihren Magen donnerte. Die Sklavin war oft ihrem Bauchgefühl gefolgt. Nicht immer, aber in manchen Situationen war es einfach besser darauf zu hören. Sie tauchte den Holzlöffel in die Suppe und steckte sich ihn in den Mund. Die Suppe schmeckte kaum wässrig, kräftig und würzig. Die warme Flüssigkeit wanderte in ihren Magen und wärmte sie wohlig von innen. Sie erzählte Sortan alles, was sie gesehen und gehört hatte, aber verschwieg ihren Verdacht. Verräter. Spione. Späher. Leute, die das Bergdorf von innen heraus zerstören wollten und den Heiler umgebracht hatten, damit die Verletzten ihren Wunder erlegen würden. Es könnte jeder sein, aber ihr Verdacht festigte sich auf Risk. Nachdenkliche Falten wellten ihre Stirn und die grünen Augen starrten geradeaus.

Sortans Berührung zog sie aus ihren chaotischen Gedankengängen und zum ersten Mal seit einer halben Ewigkeit sah Eona den Assassinen wieder direkt an. Die Sklavin wusste nicht, wie sie den Verdacht von sich ablenken oder die Meinung der Dorfbewohner ändern konnte, aber das war unmöglich oder einfach nur schwer zu bewältigen. Aber allen voran war es sinnlos. Sollten sie sich doch von innen heraus zerstören, solange die Bewohner sie und Sortan in Ruhe ließen. Ihr Blick wanderte kurz zu Dschiab, welcher sich wieder mit den anderen unterhielt. Ein resigniertes Seufzen kam über ihre Lippen. "Du hast wohl Recht", antwortete Eona ihm und lächelte leicht, nachdem er ihr einen Kuss auf die Wange gedrückt hatte.
Ohne weitere Worte, legte Eona ihre Hand in die seine und ließ sich von ihm aus dem Gasthaus ziehen. Abermals warf sich die Sklavin ihren langen Wollmantel über die Schultern, doch die Kapuze ließ sie unten. Hier brauchte sie sich nicht verstecken.
Schnurstracks führte der Assassine sie zu den Stallungen und die junge Frau konnte Schattenmähne sofort von den anderen Pferden unterscheiden. Sortan ging so gewissenhaft mit diesem Wallach um und erkannte die Liebe zu dem Tier. Sie beobachtete seine gleichmäßigen Bewegungen, mit denen er die Bürste über das glänzende Fell führte und legte eine Hand auf den Hals des Wallachs. Dieser schnaubte nur ruhig und seine Schnauze sank wieder in das frische Heu vor ihm.
Eona runzelte die Stirn. Wieso erklärte er ihr das alles?
Mithlfe ihres Geliebten stieg sie in den Sattel und er drückte ihr die Zügel in die Hand. Ruhig hörte sie ihm zu und prägte sich alles ein, was er zu sagen hatte. "Etwas passieren?" Natürlich, sie waren niemals sicher, wie er gesagt hatte. Dachte er, die Dorfbewohner richteten ihren Groll gegen ihn und Eona? "Ich werde an deiner Seite kämpfen, Sortan. Das weißt du auch. Bitte sag soetwas nicht", sagte sie bestimmt und versuchte, sich etwas in den Sattel sinken zu lassen und nicht zu versteifen. So allein auf dem Pferd zu sitzen, war zwar etwas ungewohnt, doch sie hatte ein Gefühl für die Bewegungen und Gangarten des Tieres gewonnen, während sie tagelang umhergeritten waren. Sie hielt ihre Hände mitsamt den Zügeln vorne am Sattelknauf und umklammerte diesen. Eona verlagerte ihr Gewicht etwas nach rechts und der Wallach tat es ihr gleich. Reiten wird doch wohl keine Schwierigkeit mehr darstellen. Kurz zog sie an den Zügeln und der Wallach blieb stehen. "Ich werde erst flüchten, wenn es keinen Ausweg mehr gibt. Aber nur dann. Keine Widerworte."
Langsam wendete sie das Pferd, so wie sie es oft bei Sortan gesehen hatte und ritt den Weg zurück zu den Stallungen. Dabei kamen sie am Gasthaus vorbei, aus dem gerade Dschiab, Risk und die anderen Männer traten. Sie überquerten die Straße, nur Risk nicht. Sein gesundes Auge starrte die Sklavin an und er verschränkte die Arme vor der Brust. Die Sklavin verengte die Augen und treib Schattenmähne etwas an, damit sie schnell an ihm vorüberreiten konnte.
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Sortan » So, 23. Sep 2012 19:23

Als sie den Wallach zum stehen brachte sah er zu ihr hoch und sein Gesicht verfinsterte sich kurz, "Du wirst auf mich hören, wenn ich sage flieh dann wirst du fliehen. Notfalls auch ohne mich, verstanden?" Er legte einen herrischen Ton in seine Stimme, obwohl er das nur sehr ungern tat. Immerhin wusste er ob ihrer Vergangenheit, aber auch das sie ihn immer noch als ihren Herren betrachtete. Irgendwie war sich unsicher ob sie dieses Gefühl jemals loswerden würde und er spielte ungern diese Karte aus. Aber so hart das auch klang, in einem richtigen Kampf war sie eine zusätzliche Belastung für ihn. Sie konnte noch lang nicht gut kämpfen und sich ihrer Haut so wehren wie er. Natürlich war sie tödlicher geworden, aber er hatte einfach so viel mehr Erfahrung und Training als sie. Er würde aus so manch einer Situation schneller und besser hinauskommen als sie und er wollte nicht das sie wegen ihm verletzt wurde. All das sprach er nicht aus, sondern senkte seinen Blick um ihr es nicht zu zeigen. Sie wendete das Pferd und ritt zurück zu den Stallungen. Sortan lief langsam neben ihr her und musste dann doch kurz lächeln. Sie war aufmerksam und passte bei allem gut auf, das war ein großer Vorteil. Sie beherrschte den Wallach schon relativ gut und er war froh darüber. Sie begegneten erneut Dschiab und den anderen Männern vor dem Gasthaus, was Sortans Laune nicht gerade hob. Die Vorsehung führte immer etwas im Schilde und meistens war dies unvermeidbar. Er hätte es im Gasthaus wissen müssen, diese Begegnung war so zufällig das etwas passieren musste. Der Mantel schmiegte sich um seinen Körper, als der Wind auffrischte und ihn von hinten erfasste und der Assassine behielt Risk scharf im Auge. Eona trieb Schattenmähne etwas mehr an und ritt an ihm vorbei auf die Stallungen zu. In den Einäugigen kam plötzlich Bewegung und er trat ihnen in den Weg, trat vor den schwarzen Wallach. Sein Blick fixierte den Mann, nachdem er sich umgesehen hatte, und er ging an dem Pferd vorbei. Dann baute er sich zwischen ihm und Eona auf und erwiderte sein unheimliches Starren schweigend.

Die Stille schwoll einen Moment lang an, bis Sortan mit einer Hand nach hinten fuhr und den Pferdehals streichelte ohne den Mann aus den Augen zu lassen, "Bring ihn in die Stallungen, Emilia. Sorg dafür das er etwas frisches Wasser bekommt..." Sein Blick richtete sich kurz und eindringlich auf die Sklavin, ehe er einen Schritt auf den Mann zu machte. "Was wollt ihr?" Im Gegensatz zu Risk verschränkte er nicht die Arme, sondern ließ sie locker neben seinem Körper hängen. "Du solltest dein Weib besser unter Kontrolle halten, sie hat eine ganz schön freche Zunge..." Die Drohung war unüberhörber, die in diesem Satz mitschwang und Sortan starrte absichtlich in den leeren Augapfel, "Vielleicht solltet ihr besser Acht auf eure Augen geben, Herr." meinte er dann schmunzelnd und legte den Kopf etwas schief. Er merkte bereits wie der Mann in Wut aufging und zu explodieren drohte und schätzte ihn kurz ein. Er war breit gebaut, wie es bei den Bergstämmen der vorherrschende Männertyp war. Er war schwer und nicht so flink und meistens hatten diese Wachen nie gelernt ihre Kraft richtig einzusetzen. Besonders da er sehr jähzornig erschien, würde er sich schlecht unter Kontrolle haben. Er spürte seinen Atem im Gesicht und rümpfte die Nase, als Risk näher auf ihn zutrat und ihn am Kragen packte. Er ließ es zu und erwiderte den Blick eisig. Fauliger Gestank stieg ihm erneut in die Nase, als er anfing zu knurren, "Ich muss euch wohl Manieren beibringen. Ihr seid hier nicht erwünscht, Giftmischer." Der junge Raquiiah musst lachen, so laut wie er konnte um ihn abzulenken und vielleicht die Aufmerksamkeit anderer Männer auf sich zu ziehen. Dann schlüpfte er flink aus seinem Mantel, sank in die Hocke und drehte sich zur Seite. Er befand sich nun genau dort, wo das Auge fehlte und somit im toten Winkel. Dann streckte er seine Beine durch, zog die Faust mit Schwung nach oben und ließ sie gegen seinen Kiefer krachen. Blut spritzte und er tänzelte ein Stück zurück und nahm etwas Abstand. Mit Glück würde eine der Wachen kommen, bevor es ernst wurde. Er wich dem nächsten Schlag aus, duckte sich unter einem anderen weg und schlug seine Handkante gegen dessen Arm. Als er zurückzuckte, stieß Sortan erneut nach vorne und ließ seine Faust auf Risks Nase krachen. Erneut tänzelte er etwas zurück und sah kurz etwas aufblitzen. Anscheinend hatte der Einäugige genug, denn er hielt plötzlich ein langes Messer in der Hand. Sortan runzelte die Stirn, er hatte keine Waffen an ihm bemerkt. So versteckten nur Mörder ihre Klingen, aber dieser hier war kein Raquiiah. Er war eine schlechte Kopie. [18]Es schabte leise, als das Krummschwert aus der Lederscheide glitt und kurz darauf auf die Klinge des Messers prallte. Sortan zog das Schwert nach unten, schnitt in die Finger des Mannes und zog die Waffe mit beiden Händen wieder hinauf um ihn von der Sohle bis zum Scheitel aufzuschlitzen. Die scharfe Klinge schnitt an seinem rechten Bein hinauf, über Bauch und Brust bis in den Hals. Sie zerschnitt Fleisch, Kleidung und die Haut darunter und erneut spritzte Blut auf den sandigen Steinboden unter ihnen.[/18] Der Assassine sprang zurück und Blut tropfte von der Spitze des Krummschwerts, als Risk nach hinten umfiel und nach Luft japste. Sein Blick schweifte durch die Umgebung und er sah bereits Dschiab und einige bewaffnete Wachleute näherkommen. Natürlich tauchten sie erst auf, wenn es vorbei war und er als Mörder dastand. Er fluchte leise vor sich hin und senkte die Klinge gen Boden. Zuerst wollte er abwarten, wie die Soldaten reagieren und entscheiden würden... Vielleicht gelang es ihm ja sie zu überzeugen.
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Eona » So, 23. Sep 2012 20:07

Sortans Stimme schnitt durch die Luft und Eona wusste, wieso sie diesen Ton nicht mochte. Es erinnerte sie zu sehr an die Vergangenheit, als man sie noch herumgeschubst hatte. Ihre Blicke begegneten sich und für einen Moment hielt sie seinen braunen Augen stand, doch wandte sich bald wieder ab. Die Antwort blieb ihr im Halse stecken und mehrere Strähnen ihres roten Haares fielen in ihr hübsches Gesicht, als sie den Kopf senkte. Ja, Herr.
Risks Blick gefiel ihr nach wie vor nicht, als sie an ihm vorbei ritt. Und auch nicht, dass sie Sortan zurückließ. Dreist hatte er sich ihr in den Weg gestellt und am liebsten hätte sie ihn unter den Hufen des Pferdes gesehen. Doch der Assassine schickte sie fort und wieder einmal gehorchte sie dem Assassinen wortlos. Sie wollte ihm kein Klotz am Bein sein und ihm nur soweit die Stirn bieten, dass sie ihre eigenen Interessen verteidigen konnte. Eona schnalzte und presste die Beine an die Seiten des Pferdes, damit Schattenmähne antrabte. Schnell hatte die Sklavin die Stallungen erreicht und das Tier steuerte fast von allein den Heuhaufen an, um die Nüstern wieder darin zu versenken. Etwas umständlich ließ sich die Rothaarige von Schattenmähne gleiten und kam etwas wackelig auf die Beine. Sie beeilte sich, den Sattel von seinem Rücken zu nehmen und legte ihn wieder auf seinen vorgesehenen Platz.
Kurz überprüfte sie die Position ihres Dolches und war froh, ihn immer an ihrem Mieder zu tragen. In einem leichten Trab verließ sie die Stallungen und sah die Straße hinunter. Von rechts näherten sich die Männer, welche vor wenigen Sekunden die Gaststätte verlassen hatten und Eona folgte ihnen mit dem Blick, bis sie an Sortan hängen blieb. Risk lag auf dem Boden, krümmte sich vor dem Assassinen auf den Boden und die Sklavin wusste sofort, was passiert war. Sie rannte los.

"Lasst ihn los!", schrie sie und schubste einen der Männer beiseite. Als wäre es ein Leichtes gewesen, hatte sie den Assassinen in die Knie gezwungen und verdrehten ihm die Arme auf den Rücken. Sortan spuckte auf den Boden und hielt sein Haupt gesenkt. "Misch dich nicht ein!", fauchte Dschiab, der neben Risk kniete. Ein langer Schnitt schlängelte sich in blutiger Bahn von seinem Bein, über den Bauch, die Brust und endete erst am Halsansatz. Die Kleidung war zerfetzt und blutgetränkt. Der Mann keuchte, würgte und seine Augen starrten glasig in den Himmel. Noch atmete er. "Lasst ihn los, verdammt noch mal! Er hat mit diesem Spielchen nicht angefangen! Ihr selbst wisst, dass dieser Mann jähzornig ist. Er hat Sortan provoziert!" Plötzlich schoss ein stechender Schmerz durch ihr Gesicht und warf ihren Kopf herum. Die Sklavin stolperte einige Schritte zurück und hielt sich die Wange. Eine der Männer hatte sie mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen und baute sich nun vor ihr auf.
"Und hat ihn sofort aufgeschlitzt?"
Eonas Wut kochte in ihr und sie war kurz davor herumzuschreien und jeden einzelnen von ihnen die Lider von den Augen zu schneiden, damit sie diese nie wieder vor etwas verschließen konnten. "Und warum hat dann er ein Messer bei sich und es gezogen? Sortan hat sich nur verteidigt! Seht ihr das denn nicht?" Ihr Fuß stieß eine lange Klinge an, die neben Risks Hand im Staub lag. "Es ist nicht seine Schuld..." Dschiab erhob sich und trat an Eona heran. Die Augen, welche der Sklavin noch Minuten zuvor so gütig und dankbar angeblickt hatten, funkelten sie nun wütend an. "Es ist... nicht... seine Schuld", presste sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und erwiderte den wütenden Blick ihres Gegenübers.
"Dschiab..." Der große Kerl, welcher Dschiab um einen Kopf überragte, legte ihm eine Hand auf die Schulter und zog ihn herum. Eona konnte erkennen, dass die zerrissene Kleidung des Verletzten zur Seite gelegt wurde, um die Wunde besser sehen und versorgen konnte. Doch auf der blassen Brust war eine Tätowierung zu erkenne. Es sah aus wie eine Pfote. Ein Kreis und drumherum drei Dreiecke, welche aussahen wie Zehen. "Ein Spion. Er ist ein Angehöriger des Tsatsa-Stammes."
Alle Luft wich aus Eonas Lungen, als sie diese vor Erleichterung ausblies und den Hünen mit einem durchbohrenden Blick würdigte, welcher Sortan noch immer festhielt. Dieser sah verdutzt zwischen Eona und Risk hin und her, ließ aber dann doch von dem Assassinen ab.
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Sortan » So, 23. Sep 2012 20:36

Der Assassine ließ sich von den Männern festnageln, sein Krummschwert lag neben ihm auf den Boden. Er sah auf, als Eona dazustieß und schloss kurz die Augen. Er hatte zu schnell und unvorsichtig gehandelt. Der Mann hatte ein Messer gezogen und instinktiv hatte er ihn angegriffen und verletzt. Vielleicht kam das Verhalten noch von den Höhlen, die Kämpfe dort hatten ihn etwas verändert und er war aggressiver geworden. Verdammt, er durfte keine Fehler machen und erst recht nicht so riesige. Er fluchte innerlich laut auf und starrte einen Moment auf den zuckenden Körper vor sich. Eona erhob die Stimme und er schloss sich ihr knurrend an, "Risk hat angefangen, er hatte ein Messer bei sich und wollte mich um..." Er brach stöhnend die Worte ab, als der Mann hinter ihm seinen Kopf zurück ins Genick zog und ihn damit schmerzhaft zum Schweigen brachte. Er knurrte, fauchte und spannte alle seine Muskeln an, als sie geschlagen wurde. Er wollte sich losreißen, wollte jedem einzelnen dieser Männer die Herzen herausreißen. Unnachgiebig hielten ihn aber die kräftigen Hände fest und klammerten sich um seine Handgelenke wie ein Schraubstock. Erneut schloss er die Augen und versuchte langsamer zu atmen und sich zu beruhigen, alles war in Ordnung. Sie lebte noch und er durfte sich nicht so sehr von seinen Gefühlen leiten lassen. Er wollte nicht das er selbst oder sie für einen Fehler starb, den er machte. Sein Kopf ruckte etwas hin und her, während sein Blick die weitere Szenarie verfolgte und er erneut leise knurrte. Dann atmete er tief ein und straffte sich soweit das möglich war. Sein Gesicht verzog sich wieder zu einer starren Grimasse und er fixierte Dschiab, der mit Eona redete. Dann wanderte sein Blick zu dem hageren Mann und er runzelte die Stirn, ob der Worte. Seine braunen Augen glitten über den Boden, zu Risk und er prägte sich die Tätowierung ein. Dann spürte er Erleichterung und Freiheit und zog seine Hände nach vorne. Er fiel etwas vornüber, stützte sich mit den Händen auf dem kalten Stein ab und schüttelte seinen Kopf. Dann griff er nach seinem Krummschwert und stand langsam auf. Das Blut auf der Klinge trocknete schon langsam ein und am liebsten würde er sie sofort säubern, aber er unterdrückte dieses Gefühl.

Er sah die Männer nacheinander mit funkelnden Augen an und ging dann zu der Sklavin hinüber. Sein Blick richtete sich kurz auf den Einäugigen, ehe er Dschiabs fragenden Blick bemerkte und ihn kurz erwiderte. "Er hat sich uns in den Weg gestellt, er wollte mein Weib für ihre Worte bestrafen. Wir haben uns kurz geprügelt, dann hatte er auf einmal dieses Messer in der Hand..." Der Assassine sah zu Boden, hob das Krummschwert und starrte die Blutflecken an, die darauf waren. Sein Blick veränderte sich kurz, als ob ihn die Verwundung dieses Mannes anwidern würde, als ob es ihn anwidern würde das es durch seine Hand geschehen war. "Ich habe mich nur verteidigt, es ist zu früh um zu sterben." Natürlich war dem Assassinen bewusst wie das aussehen mochte, das gerade er einen der Stammeskrieger besiegt hatte und noch dazu einen Infiltrator. Er würde sich daher unbedingt etwas einfallen lassen müssen. Aber nun ging sein Blick zu Eona und er legte eine Hand auf ihre rötlich schimmernde Wange, "Geht es dir gut, Emilia? Keine Sorge, alles wird gut." meinte er dann etwas leiser und lächelte kurz. Dann sah er wieder Dschiab an, "Ich schätze er hat dafür gesorgt das eure Verwundeten sterben und nun wollte er dafür sorgen, das ich ihnen nicht helfe." Dschiab betrachtete gerade Risk, der noch immer flach atmete und nun von zwei Männern verbunden und weggetragen wurde. Er stand auf und kam dem Assassinen nahe, näher als ihm lieb war und am liebsten würde er ihm seine Klinge in den Bauch rammen, "Wie konntest du ihn besiegen? Ein Kräuterhändler, der einen Spion aus dem Tsatsa Stamm fast umbringt? Er war ein guter Krieger, das habe ich mit eigenen Augen gesehen, also?" Sortan sah kurz auf seine Füße und erwiderte dann den Blick des Wachmannes, der scheinbar ein Oberhaupt im Stamm war, "Es war anscheinend Glück und die Reisen sind gefährlich... Es ist gut wenn man sich verteidigen kann, oder nicht?" Die letzten beiden Worte sprach er etwas seltsam und verdreht aus, in dem ureigenen Dialekt der Raquiiah. Immerhin hatten sie überall hin Kontakte und manchmal konnten sie so auf Hilfe oder Aufträge hoffen. Es war mehr oder weniger schon Routine, das er einige der Worte so aussprach und es fiel ihm gar nicht auf. Er sah Dschiab an das er ihm weder vertraute, noch seine Worte glaubte. Aber scheinbar gab er sich damit zufrieden. Sortans braune Augen wanderten kurz wieder zu Eona und er fragte sich ob es besser war hier zu verschwinden. Es würde sicherlich noch mehr Unmut aufkommen und er hatte sich schon mehr eingemischt, als er es jemals tun wollte. Plötzlich ruckte sein Kopf wieder zu Dschiab um, der ihn am Kragen packte und ihm dann nur seinen Mantel auf die Schulter legte. Ihre Blicke kreuzten sich erneut und er machte ein paar Schritte zurück, nahm den Mantel von seiner Schulter und legte ihn sich um. "Am besten wir gehen schlafen und morgen kümmern wir uns um Risk, was auch immer ihr mit ihm vor habt... Oder mit uns, aber ich denke das hat Zeit bis morgen, oder?"
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Eona » So, 23. Sep 2012 21:24

Die Wut in ihr wollte sich nicht verflüchtigen. Eona kochte. Das war doch alles absurd! Diese Menschen waren so von Krieg zerfressen, dass sie Freund von Feind nicht unterscheiden konnten. Und außerdem war es nicht klug von Sortan gewesen, Risk in aller Öffentlichkeit hinzurichten, auch wenn dieser noch lebte. Von wegen Schatten, von wegen "ungesehen". Er sollte eigentlich mit gutem Beispiel vorangehen und brachte sie in diese Schwierigkeiten. Er hätte sich nicht von diesem Mann provozieren lassen dürfen, schon gar nicht von diesem Mistkerl. Risk hatte es doch darauf angelegt und Sortan war in die Falle getappt.
Die Berührung ihres Geliebten ignorierte sie und auch seine Worte prallten von ihr ab. Sie hatte große Lust die Wut in sich herauszulassen, herumzuschreien und Dschiab am liebsten die Meinung zu sagen. Doch sie beließ es dabei, den Mann nur wütend anzufunkeln. Wären sie nicht so abhängig von diesen misstrauischen Dorfbewohnern gewesen, wäre sie einfach gegangen. Aber ihre Verletzung war noch nicht verheilt und außerdem fühlte Eona sich noch nicht bereit, weiterzureisen. Sie musste noch einiges lernen und hier wäre eigentlich der perfekte Ort dafür.
Ohne noch ein weiteres Wort an Dschiab oder die anderen zu richten, machte sie auf dem Absatz kehrt und stapfte die Straße entlang. Verdammt nochmal, was sollte das alles?, schoss es ihr durch den Kopf und versuchte sich zu beruhigen. Sie versuchten diesem Dorf zu helfen, oder zumindest mit ihnen auszukommen. Und kaum hatte man ihren Dank erhalten, schon sprangen sie einem an die Kehle. Risk war ein Spion, ein Verräter und wurde mithilfe Sortans endlich enttarnt. Trotzdem war das Misstrauen nicht von ihnen gewichen. Nur weiterem Groll wurde Platz gemacht. Schlagt euch doch alle die Köpfe ein! Ich werde keinen Finger mehr für euch rühren!

"Was sollte das, Sortan?"
, knurrte sie und warf ihren Mantel wütend auf das Bett. "Von wegen ein Schatten, der im Dunkeln handelt. Du hast ihn öffentlich auf der Straße hingerichtet! Hätte dir nicht etwas Besseres einfallen können?" Die grünen Augen funkelten den Assassinen wütend an und nach wenigen Schritten war sie bei ihm. "Natürlich werden sie jetzt noch misstrauischer, als das sie schon waren." Sie tippte ihm kräftig mit dem Zeigefinger an die Brust. "Ein Lehrer sollte mit gutem Beispiel voran gehen und du lässt unsere Tarnung auffliegen." Sie wollten sich hier ausruhen, sich von den Strapazen in der Höhle erholen und die Zeit nutzen, Eonas Ausbildung voranzutreiben. Es war nicht ihre Absicht, in den Wunden der Bewohner herumzubohren, sondern nur ihrer Wut nachzugehen und was sich in den Bergen abspielte, damit sie nicht zwischen die Fronten gerieten.
"Ich hätte mehr Disziplin von dir erwartet." Ihr Zorn wollte nicht verrauchen. Sie kam gerade erst in Fahrt und es war, als würde Eona ihren ganzen Frust gerade aus sich herauslassen, um sich endlich etwas Luft zu machen. "Und sag mir jetzt nicht, dass du dich nur verteidigen wolltest..."
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Sortan » So, 23. Sep 2012 21:48

Der Assassine sah ihr kurz nach, als sie auf dem Absatz kehrt machte und davon stapfte. Er folgte ihr hinein in die Hütte und schloss die Tür hinter sich. Dann legte er genau wie sie seinen Mantel ab und ehe er ihn ganz weggelegt hatte, stand sie schon wieder vor ihm und fuhr ihn an. Unwillig kaute er sich auf der Unterlippe herum und sah von links nach rechts und schlussendlich wieder zu der Sklavin. Er zog einen fleckigen Lappen hervor, ging an ihr vorbei und goss etwas Wasser über seine Klinge um sie dann zu säubern. Er spürte ihre Wut, merkte sie in jedem ihrer Worte und in jeder ihrer Bewegungen. Als sie fertig war, zuckte er unwillig mit den Schultern und schob die saubere Klinge wieder zurück in die Scheide. Dann zerknüllte er den Lappen und ein paar rötliche Wassertropfen fielen auf den Boden der Hütte hinab. Er sah sie wieder an und merkte das sie noch lange nicht fertig war. Aber er selbst ließ sich so etwas auch nicht gefallen, "Denkst du das weiß ich nicht selbst? Verdammt, ich habe in den Höhlen so offensiv kämpfen müssen um zu überleben! Ich habe gedacht du wärst tot, Gefühle sind Schwäche... Verstehst du das nun? Ich will es nicht darauf schieben, es waren Instinkte und es kam alles zusammen..." Er schüttelte unwillig den Kopf und knurrte leise, "Ich sagte doch ich bin ein schlechter Lehrer, was willst du von mir hören? Es ist nunmal passiert, ich lasse mich doch nicht von so einem Bauern aufschlitzen." Sein Blick schweifte durch den Raum und er warf den Lappen auf den Boden, fuhr sich mit den Händen durch die Haare und ließ dann etwas Wasser über sie laufen. Er spritzte es sich ins Gesicht und fuhr sich dann erneut durch die Haare. Was sollte er ihr noch antworten, sie hatte ja recht mit dem was sie sagte. Aber das wusste er doch längst selbst. Er hatte nicht nachgedacht, hatte seine eigenen Lektionen vergessen und fluchte innerlich über sich selbst und seine verdammte Unvorsichtigkeit. So etwas durfte einfach nicht passieren, das durfte es nie und es traf sich glücklich das der Mann ein Spion war. Sortan sah sie wieder an und hatte einen leicht finstren Gesichtsausdruck, "Er wollte dir die Zunge nehmen, für das was du gesagt hast... Wollte dich für dein Verhalten bestrafen, Weib. Er hat Glück das er noch lebt..." knurrte er unwillig vor sich hin und fuhr sich erneut durchs nasse Gesicht. Das Wasser hatte den Boden leicht dunkel gefärbt und es tropfte noch immer von seinen Haaren. Er atmete tief durch und wandte sich um, nahm sich eine Zunderbüchse und entzündete zwei der Kerzen, damit wenigstens etwas Licht im Raum war.

Als er sich wieder zu ihr umdrehte, machte er den Mund auf um etwas zu sagen. Doch er klappte ihn wieder zu als es an der Tür klopfte. Dann schob er sich an ihr vorbei, legte eine Hand auf den Krummdolch und entriegelte die Tür. Er öffnete sie einen spaltbreit, sah aber niemanden. Also ließ er sie aufschwingen und trat hinaus. Sein Blick schweifte durch das dunkle Bergdorf und eine kühle Nachtbrise erfasste ihn. Als er sich wieder umdrehte, sah er den Zettel an der Tür hängen. Er riss das dünne, grobe Papier mitsamt dem dünnen Nagel ab und ging wieder hinein. Dann schloss er die Tür hinter sich und verriegelte sie wieder. Er rieb mit den Fingern eine Zeit lang über das Papier und sah dann wieder zu Eona, "Man wächst an Fehlern und Herausforderungen... Nichts ist vorhersehbar und wir müssen uns dem Willen der Vorsehung fügen. Wie du siehst leben wir beide noch und sind beide frei... Ihnen wird klar werden, das sie nur dank uns Überlebende haben und der Spion gefasst wurde und dann werden sie mehr Vertrauen in uns fassen. Ich weiß was ich getan habe und das es falsch gewesen ist. Ich weiß das du wütend bist, lass es raus." Geschmeidig und schnell bewegte er sich wieder und stand dicht vor ihr. Er ließ den Zettel vorerst auf den Hocker fallen und sah in ihre grünen Augen. Seine Finger umschlossen den Waffengurt und er ließ ihn ebenfalls neben sich zu Boden gleiten. Dann atmete er tief ein und kam noch näher, "Ich will das du es rauslässt, lass all deine Wut an mir raus. Deinen Frust, deine Trauer... Na los, tu es." Es war ihm egal was sie tun würde und ob sie etwas tun würde. Manchmal musste man seiner Wut freien Lauf lassen, er hatte das auch schon oft getan. Es war befreiend seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen, die man solange einsperren musste. Danach würde man klarer sehen, würde sich besser unter Kontrolle haben und vielleicht hätte er selbst das auch tun sollen. Dann wäre das Ereignis vermeidbar gewesen...
"Mit der Ehre in der Brust und dem Stolz in dem Kopf,
macht die Seele kein Verlust, wenn man nur weiter hofft."
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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Eona » Di, 25. Sep 2012 11:39

Eonas Blick blieb für einige Minuten auf dem Blatt Papier hängen, welches Sortan noch vor wenigen Augenblicken in der Hand gehalten hatte. Ihre Neugierde war geweckt, doch nun gab es eine andere Sache zu lösen.
"Du willst, dass ich es rauslasse? Fein!" Die grünen Iriden starrten den Assassine zornig entgegen und sie hoffte, er würde ihre Wut darin erkennen. Ihre Trauer. Ihren Frust. Ihre Angst.
"Mein Leben lang war ich eine Sklavin, ein Nichts, dass in eine ungerechte Welt hineingeboren wurde. Niemals habe ich etwas wie Freundschaft oder Liebe erfahren dürfen. Nur notgeile Männer, die es auf den Körper eines unschuldigen Mädchens abgesehen hatten. Ich war nicht zufrieden mit meinem Leben, aber ich hatte mich damit abgefunden und meinem Platz im Leben respektiert." Der Atem der jungen Frau ging stoßweise und ihre Brust schien im Takt ihres klopfenden Herzens zu vibrieren. "Dann trittst du in mein Leben und auf einmal wurde mir der Boden unter den Füßen weggezogen!" Um ihre Worte zu unterstreichen zerschnitt sie die Luft mit einer horizontalen, raschen Handbewegung und eine Strähne rote Haares fiel ihn ins Gesicht. "Kannst du dich noch erinnern, als du mich in deinem Keller gefangen gehalten hast, wie ein Stück Vieh? Wieso hast du mich dort nicht umgebracht, Sortan? Sag es mir!" Für einen kurzen Moment war es still im Raum und nur das Pfeifen des Windes, der durch die Ritzen drang, erfüllte die kalte Luft.
Ihre Haare wirbelten wie lodernde Flammen umher, als sie sich umdrehte und sich von ihm abwandte. "Vielleicht sollte ich dankbar sein, nun da ich weiß, dass du mir helfen möchtest und an meiner Seite bleiben möchtest."
Sie senkte den Kopf, die Haare fielen ihr ins Gesicht und verdeckten ihre Emotionen, die sich klar an ihr abzeichneten. Ihre Hände zitterten und sie versuchte sie unter Kontrolle zu bringen, indem die Sklavin sie zu Fäusten ballte. Dabei bemerkte sie nach vielen Jahren wieder, dass ihr der rechte Ringfinger fehlte und ein Stich durchfuhr ihr eisiges Herz. "Aber ich habe falsch gelegen. Ich bin nicht frei. Nun stehe ich unter dir, trage auf einmal den Namen "Weib" und habe manchmal nicht die geringste Ahnung, was in dir vorgeht oder du mit mir vor hast." Eine Träne fiel ihre Wange hinab und nur sie konnte den leisen Schrei hören, der durch das Platschen auf den Boden freigesetzt wurde. Sie wollte schreien, aber nun saß ihr ein Kloß im Hals. Um dieses Gefühl von Machtlosigkeit und Schwäche zu unterdrücken, beschwor sie die Wut wieder herauf und lenkte diese auf den Assassinen.
"Wir haben Unterschlupf, etwas zu Essen und die Möglichkeit uns etwas gedeckt zu halten und nicht dieses Spiel deiner Vorhersehung zu spielen. Und das einzige, was dir in den Sinn kommt, ist diesen Mann beinahe umzubringen!" Ihr Ton war schneidend und unwiderruflich. Mit einer schnellen Handbewegung wischte sie die Tränenspur von ihrer Wange und drehte sich wieder zu Sortan herum. "Es ist mir egal, was in der Höhle passiert ist. Das ist vorbei! Komm endlich runter, Sortan! Du bist so paranoid, dass du es selbst nicht bemerkst. Risk war zwar jähzornig und ein fieser Mensch, trotzdem hast du dich auf sein Niveau heruntergelassen und dich selbst verraten!" Sie wollte ihm am liebsten ins Gesicht schlagen, doch unterdrückte diesen Drang. Eona stand nur da, ihre Fäuste geballt, die Wangen erhitzt und ihre grünen Augen auf den Mann vor ihr gerichtet. "Egal was Risk gesagt hat oder vor hatte zu tun... Und wenn er sich auf mich gestürzt hätte, ich hätte ihm kein Haar gekrümmt." Sie hatte die Stimme gesenkt, doch sie war mit einem eiskalten Stich versetzt, der genau rauszuhören war. "Aber ich habe nicht mein ganzes Leben damit verbracht, ein Assassine zu sein und im Dunkeln und Geheimen zu handeln..."
Unkraut vergeht nicht.

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Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Beitrag von Sortan » Di, 25. Sep 2012 17:23

Der Assassine erwiderte ihren Blick kalt und leer. Er sah all diese Gefühle in ihr aufwirbeln und aus ihr herausbrechen und verschränkte die Arme vor der Brust. Dann ließ er ihren Wortschwall ausdruckslos über sich ergehen und musterte sie dabei. Es steckte so viel Wut und Trauer in ihr, das er sich wunderte wie sie normal durchs Leben gehen konnte, beziehungsweise es schaffte nicht bei jeder kleinen Sache auszuticken. Er zog eine Augenbraue hoch, bei ihrer Frage und sah in ihre grünen Augen. Ja, wieso hatte er sie nicht umgebracht? Es war die Vorsehung gewesen, er wollte sie nicht töten. Hatte es noch nie gewollt, denn er hatte kein gutes Gefühl dabei. Sie war ihm mittlerweile so wichtig geworden, das die Vorsehung von einem anderen Grund abgelöst wurde, nämlich der Liebe oder zumindestens einem ähnlichen Gefühl. Seine Gedanken reisten mit ihren Worten zurück in den dunklen Keller und er erinnerte sich an die Schläge und ihre erste Nacht. Es war brutal für sie gewesen, aber trotzdem blickte er fasziniert und wohlwollend auf dieses Ereignis zurück. Es hatte ihm Spaß gemacht, sie so wehrlos vor sich zu haben. Natürlich, warum sollte so etwas einem Mörder auch keinen Spaß machen... Aber da war dennoch mehr als das. Er schob die Gedanken von sich weg und konzentrierte sich wieder auf Eona, die sich umdrehte und weiterredete. Sein Blick wanderte über ihr feuerrotes Haar hinab, über ihren Rücken und zu den geballten Fäusten. Er zog ihre harten Worte in sich auf wie ein Schwamm und runzelte die Stirn. So sah sie das alles also? Er war ihr Herr und sie beklagte sich nun über ihre fehlende Freiheit?
Der Assassine schloss kurz die Augen, dann merkte er das sie sich wieder umgedreht hatte und sah ihr in die Augen. Als sie geendet hatte, machte er einen Schritt auf sie zu und sein Ton war... einfach nur leer und kalt. Man war diesen Ton von ihm sicher nicht gewohnt, denn er legte so oft falsche Emotionen hinein, aber nun war es wahrhaftig als würde der Tod sprechen. "Ich habe mich verraten? Vielleicht hättest du dich unauffälliger benehmen können? Aber nein, du musstest ihn ja reizen. Ich soll runter kommen, weil die Vergangenheit vorbei ist? Was ist mit dir? Schließ endlich mit deiner Vergangenheit ab und sieh deiner Zukunft ins Auge, Eona! Nur Schwache klammern sich an schwarze, vergangene Tage." Er ließ sich definitiv nichts von ihr gefallen und teilte nun seinerseits aus. Es war ihm egal ob er sie dadurch wütender machte oder nicht, ihm war überhaupt alles egal. Denn ein Teil ihrer Worte hatte sein Herz umschlossen und es eiskalt durchstochen. "Wir sind weder Gefangene, noch tot. Es gibt keinen Grund, warum dich das alles so aufregt. Ich habe mein Leben lang damit verbracht, verdammt richtig. Ich habe einen Fehler gemacht, ich bin auch nur ein Mensch, oder nicht? Denkst du ich stehe über all dem? Menschlichkeit und Gefühle sind Schwäche, weil sie einem Attentäter das Leben und die Arbeit erschweren. Das heißt aber nicht, das man nicht mit ihnen kämpfen muss... Denkst du ich könnte sie so einfach abschalten?"

Er knurrte leise und drehte sich halb um. Es war wahr, das er wirklich weniger fühlte als andere. Es fiel ihm nicht schwer ein Kind zu töten, einer alten Frau Schmerzen zuzufügen, oder sich das zu nehmen was er wollte. Die Schwierigkeiten kamen erst mit der rothaarigen Sklavin, denn sie weckte in ihm kleine Funken und brachte seine Gedanken durcheinander. Mit jedem Atemzug, den sie tat. Er nahm das Papier wieder auf und nutzt die ungemütliche Stille um es sich durchzulesen. Es war hastig gekritzelt und wahrlich keine schöne Schrift, aber es reichte aus. Es stand ohnehin nicht viel auf dem Zettel, aber dennoch war er etwas überrascht. Jemand hatte seinen Dialekt erkannt und einen Auftrag. Mitternacht wollte er sich mit ihm bei den Stallungen treffen. Sortan fragte sich kurz, ob es Dschiab war. Seine Schritte führten quer durch den Raum und er hielt das Papier in eine der Kerzen. Als es dann brannte, legte er es in eine metallene Schale und wandte sich wieder zu Eona um. Seine Stimme wurde wesentlich leiser, aber auch kälter und stechender. "Du bist nicht frei? Du denkst ich bin dein Herr und verbiete dir dein Leben? Du denkst ich habe Geheimnisse vor dir? Sicher weißt du längst nicht alles. Aber du weißt was du wissen musst, du weißt was ich vor habe und du weißt all das was du wissen musst. Wenn du mir Vertrauen würdest, würdest du nicht so reden." Sortan war mittlerweile stehen geblieben, ganz nah an Eona und sah in ihre funkelnden grünen Augen. Seine linke Hand umschloss ihr Handgelenk und unnachgiebig zog er es hinauf. Die andere Hand zog den Krummdolch und er legte ihn in ihre Hand. Dann schloss er ihre Finger um das Heft und setzte die Spitze an seinen Bauch, "Wenn du wirklich denkst, das ich dich festhalte und du bei mir nicht frei sein kannst... Dann beende es, hier und jetzt. Fühl die Freiheit und die Macht. Aber beschwer dich nie wieder über so etwas, ich bin nicht dein verdammter Meister! Ich liebe dich, ja das tue ich wirklich, Eona." Der junge Raquiiah ließ ihre Hand und den Dolch los und breitet seine Arme zur Seite aus. Er bewies ihr vollstes Vertrauen, mehr als er sich jemals zugetraut hatte, aber was sollte schon passieren. Besser er starb durch ihre Hand, als durch eine andere. Vielleicht kam es auch nur von seinen aufgewühlten Gefühlen, oder er verlor langsam den Verstand...
"Mit der Ehre in der Brust und dem Stolz in dem Kopf,
macht die Seele kein Verlust, wenn man nur weiter hofft."
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