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Alte Heimat, neue Zukunft

Verfasst: Do, 20. Sep 2012 20:00
von Eona
Schwammige Schwärze umgab die Sklavin, während sie in ihrem Halbschlaf durch fensterlose Gänge rannte. Angst. Das kalte Gefühl von Angst klebte ihr am Körper, kroch in jede Pore und wollte nicht von ihr ablassen. Nicht mal der Schweiß, der ihr am Körper hinablief, wollte das Gefühl abwaschen. Ihre Haare klebten im Gesicht, am Hals, im Nacken und an ihren Schultern. Manchmal konnte sie die Augen aufschlagen und merkte dabei, dass sich die Welt um sie herum bewegte. Der Schmerz an ihrem Oberschenkel war nur noch ein dumpfes Pochen, doch trotzdem war es sehr unbequem. Hufgetrappel drang an ihr Ohr und Eona bemerkte, dass Sortan hinter ihr saß, die Arme um sie gelegt hatte und die Zügel in seinen Händen hielt. Sie ritten. Aber wohin? "Wohin reiten wir, Sortan? Wo sind Laretan und Basima?", fragte sie und hoffentlich hatte der Assassine sie gehört, denn ihre Stimme war so zittrig und leise, dass es sie sogar selbst überraschte. "Folgen sie uns?" Nein, das war eine blöde Frage. Sortan hatte die Initiative ergriffen und hatte die beiden verlassen. Ohne Eona danach zu fragen. Waren sie noch am Leben? Oder hatte er ihnen das Leben genommen? Doch die Kopfschmerzen ließen keine weiteren Gedankengänge zu und Eona sank wieder in einen unruhigen Schlaf.

Es war später Abend, als die Sklavin wieder erwachte. Sortan zog sie gerade aus dem Sattel und während sie zusammenhangloses Zeug murmelte, setzte der Assassine sie vorsichtig auf die Füße. "Ich möchte eine Erklärung von dir, Sortan", brummte sie und stierte geradeaus auf seine Brust. Den Kopf zu heben wäre zu anstrengend und außerdem wollte sie ihm gerade nicht in die Augen sehen. Er hätte sie ihrem Schicksal überlassen. Er dachte sofort, sie wäre tot gewesen und war einfach davon geritten, ohne sich zu versichern oder ihre Leiche zu bergen. "Wieso bist du fortgeritten, ohne nach mir zu suchen?" Der starke Geruch von Schweiß und Kiefernnadeln drang in ihre Nase und am liebsten hätte sie sich an ihn geschmiegt. Vergeben und vergessen. Doch so dachte Eona schon lange nicht mehr. Der Traum und der Schlaf hing noch in ihren Gedanken und machten sie schwer und träge. Außerdem fühlte sich die Sklavin immer noch nicht ganz auf dem Damm. Aber sie wollte jetzt eine Antwort von ihm. "Und wieso haben wir Laretan und Basima verlassen? Sie haben mir das Leben gerettet..." So viel Angst. So viel Angst hatte sie schon lange nicht mehr empfunden. Angst, zu sterben. Angst, Sortan oder eine der beiden in die toten Augen zu sehen. Angst, nie mehr wieder das Tageslicht erblicken zu können. Und das sie das alles so verwirrte und durcheinander brachte, schürte dieses Gefühl nur noch. Wie hilflos sie dastand. Mit gesenktem Haupt stand sie dort vor ihrem Geliebten, versuchte ihre wirren Gedanken zu ordnen und die Ereignisse zu verdauen. So war sie doch sonst nicht. Das hatte alles zu sehr an ihren Nerven gezerrt.

Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Verfasst: Do, 20. Sep 2012 20:28
von Sortan
Der Assassine musterte sie stirnrunzelnd und behielt den Abstand bei. Sie sah ihn weder an, noch berührte sie ihn und er tat es ihr gleich. Seufzend zog er seine Kapuze und das Mundtuch herunter und starrte an ihr vorbei auf den Fluss. In ihm tobte ein kurzer Kampf, denn er wollte sie eigentlich nicht verletzen, wollte sie nicht enttäuschen. Leider hatte die Situation in der Höhle wieder tiefer in die Schwärze hineingerissen und er murrte unwillig vor sich hin. Er hatte keine Lust auf dieses Gespräch. "Du bist in ein bodenloses Loch gefallen, Eona. Hätte ich hinterher springen sollen? Ich habe dich weder gehört noch gesehen und wie hätte ich dich suchen sollen?" Kopfschüttelnd wandte er sich leicht von ihr ab und sah die Berge hinauf. Tief zog er dann die kalte Luft in seine Lungen und atmete geräuschvoll wieder aus. "Ich habe gedacht, ich hätte dich verloren. Die Familie kommt immer zuerst und dann erst wir selbst, erinnerst du dich?" Sortan sah sie wieder an, "Erinnerst du dich überhaupt an das, was ich dich gelehrt habe? An die Regeln die ich dir beigebracht habe? Wir waren kaum einen Tag getrennt und du vertraust dein Leben schon blind irgendwelchen Fremden an? Du bringst dich, mich und die gesakte Familie damit in Gefahr und das weißt du auch. Wir sind Einzelgänger, wir können uns keine Fehler leisten und blind auf irgendwelche Menschen vertrauen..."

Knurrend wandte er sich wieder von ihr ab und ging ein paar Schritte. Schließlich blieb er vor dem starken Wallach stehen und strich ihm über den Hals und die Nüstern. Dann senkte er kurz den Kopf und schloss die Augen. Als er sich wieder umdrehte, sah er Eona an und runzelte die Stirn, "Ich war in den Höhlen kurz davor diese Frau umzubringen. Ich habe es nicht getan, denn ich vertraue auf die Vorsehung... Und sie hat dich mir zurückgebracht. Ich habe auch auf dich vertraut... Aber nachdem du am Markt verschwunden bist, greifst du direkt nach Fremden Händen. Vertraust du mir überhaupt? Denkst du ich würde dich zurücklassen, weil es mir zu anstrengend ist dich zu suchen? Denkst du ich würde nicht alles unternehmen um dich an meiner Seite zu haben?" Der Assassine ging wieder auf sie zu, legte eine Hand auf ihr Kinn und hob ihren Kopf, damit er in ihre Augen sehen konnte. Dann beugte er sich ein wenig vor, küsste sie aber nicht. "Wieso wir sie verlassen haben? Weil man keine Zeugen zurücklässt. Und man lässt sich erst Recht nicht mit Menschen ein denen man nicht vertrauen darf. Du hast dieses Leben gewählt und angenommen, du kannst nicht die Regeln ändern. Ich habe dir den Wunsch gewährt und sie leben lassen... Aber wenn sie in irgendeiner Weise der Familie schaden, werde ich sie finden... Ich werde sie mir einzeln vor nehmen und es ist deine Sache das zu beenden." Er atmete leise und gleichmäßig und sah ihr tief und ernst in die Augen. Dann nahm er ihre Hand und drückte sie bestimmt auf den Boden. Sein Blick ging zum Fluss, "Du musst viel trinken um den Blutverlust auszugleichen und du musst dich jetzt ausruhen. Ich bringe dir etwas zu essen."

Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Verfasst: Do, 20. Sep 2012 21:24
von Eona
Es herrschte eine Weile Stille und nur die umliegenden Geräusche drangen an Eonas Ohr. Der Wind, der durch die vielen Sandkörner fuhr, das Rauschen des Flusses, das Schnauben des Wallachs und nach einigen Minuten gesellte sich das widerwillige Murren Sortans hinzu. Eona rührte sich nicht, hörte ihm zu, was er zu sagen hatte und sie musste zugeben, dass er recht hatte. Anscheinend hatte der Assassine sie nicht gehört, als sie dort unten war und geschrien hatte. Was hätte er also tun können? Was hatte sie in seiner Situation getan? Sie wusste es nicht.
Und auch sonst sagte sie kein Wort. Es war, als würde ein Vater seine Tochter zurechtweisen, da sie einen Fehler begangen hatte. Und ja, es war dumm von ihr, sich jemand anderen anzuvertrauen. Aber was hätte sie denn tun sollen? Egoistisch sein, tönte es aus der Sklavin heraus und die innere Stimme hatte Recht. Schon oft war Eona auf sich allein gestellt gewesen und hatte allein überlebt. Aber Laretan war... war einfach so anders gewesen. Er wollte ihr wirklich helfen und hatte nichts von ihr verlangt, als sich selbst besser zu verstehen. Was meinte er? Dass sie sich sehr glichen, Eona und er?
Und Basima war gutmütiger Natur gewesen, auch wenn sie und Eona sich nicht sehr verstanden hatten..

Sortan hatte sich abgewandt und noch immer hielt es die Sklavin nicht für möglich ihren Kopf zu heben. Ihre Finger strichen über den Verband an ihrem Oberschenkel. Sortan hatte ihn erneuert. Sofort hatte er sich um sie gekümmert. Und auch der komische Geschmack in ihrem Mund, dort vor den Höhlen, rührte wohl von einem Gebräu her, dass er ihr eingeflößt hatte. Ihr ging es schon etwas besser, nur war sie noch sehr dösig im Kopf und nicht wirklich fähig, sich gegen Sortan in irgendeiner Weise zu wehren.
Und auch, als er ihr Kinn anhob und sich ihre Blicke kreuzten, wehrte sich die Sklavin nicht gegen diese Geste. Seine Augen hatten einen gewissen kalten Glanz angenommen, als er fortfuhr.
Eona schluckte, nachdem Sortan geendet hatte und für einige Sekunden blieben sie so stehen. Seine Hand an ihrem Kinn, Eona leicht den Kopf nach oben gehoben, grüne und braune Augen, welche sich kreuzten. Aber kein Aufbegehren ihrerseits. Ihre Gedanken waren zum Stillstand gekommen. Fragen, Ideen und Antworten hatten sich in Ritzen verkrochen und würden wohl so schnell nicht mehr hervorkommen. Er nahm ihre Hand und drückte sie zu Boden. Eona ließ es geschehen und erinnerte sich an Sahabi, der sie auch oft so auf den Boden gedrückt hatte... Die Sklavin nickte gehorsam und starrte noch minutenlang auf das fließende Wasser, bevor sie anfing, daraus zu trinken. Sie hatte wirklich Durst, was ihr vorher gar nicht klar gewesen ist. Und immer gieriger und schneller tauchte sie ihre Handflächen in den klaren Fluss. Dann begann die Rothaarige sich aus dem engen Mieder zu befreien, da es langsam unbequem wurde. Sie legte es an das Ufer und begann es von dem gröbsten Schmutz rein zu waschen. Danach wusch sie noch ihre Gesicht, die Arme und ihre Haare. Warum sie das tat war reine Routine. Nach ihren Botengängen hatte Eona abermals darauf geachtet, das ihr Werkzeug und ihre Kleidung gewaschen wurde und wieder verwendbar waren, wenn sie sie denn bräuchte.

Eine Weile saß sie einfach nur da, starrte in das klare Wasser und dachte nach.
Durfte sie denn mit niemanden mehr sprechen? Und zu niemanden mehr Vertrauen fassen? Nun, für Eona war es eh beinah unmöglich zu jemandem Vertrauen zu fassen, aber bei Laretan und Basima war das erstaunlich schnell geschehen.Vor allem, da sie ihr in verzwickten Situationen immer beigestanden waren. Aber trotz dieser Tatsachen war Sortan verschlossen geblieben und hatte mit eiskaltem Egoismus reagiert.
"Die Familie kommt immer... zuerst", murmelte sie vor sich hin und seufzte dann resigniert. Sie würde sich erst an dieses Leben gewöhnen müssen.

Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Verfasst: Do, 20. Sep 2012 22:08
von Sortan
Seine Hände fuhren durch die Taschen des Wallachs und seine Augen suchten nach dem Proviant. Natürlich war er da, aber das Dörrfleisch und das Dörrobst wollte er aufheben, es würde am längsten haltbar sein und wer wusste wann sie neuen Proviant besorgen konnte. Schließlich kramte er einen Laib Brot hervor, und einen Laib Käse. Er zog eines seiner Messer, schnitt beides in handliche Formen und verstaute den Rest dann wieder. Er hatte sich Zeit gelassen mit alldem und drehte sich nun wieder zu der Sklavin um. Sie saß da und starrte in den klaren Fluss, dessen Ursprung nicht mehr allzuweit entfernt sein konnte. Sicher lag er irgendwo in den Bergen und wenn sie weiterritten, würden sie ihn bald finden. Er hatte vieles gelernt, in seiner Ausbildung und auch wie er überleben konnte. Aber ohne Proviant schaffte er das nicht lange, soviel war klar. Er war kein Jäger, oder Mann des Waldes, sondern einer der Klingen und Gifte. Er hatte genügend Geld um Nahrung für eine lange Reise zu kaufen, das Problem war nur das sie hier wohl kaum auf einen Händler treffen würde. Weiter oben in den Bergen hatten sie vielleicht Glück und fanden eine Oase, oder eines der Bergdörfer. Er kniete sich vor ihr hin und reichte ihr Brot und Käse. Sein Blick ruhte eine Zeit lang auf ihrem Gesicht und er fand sie urplötzlich wunderschön und anziehend, wie er es am Anfang gespürt hatte. Begierde breitete sich in ihm aus, aber er rang sie nieder und senkte kurz den Blick, "Wir werden in die Berge reiten und dort bleiben bis du dich erholt hast und es dir besser geht. Danach werden wir in den Norden gehen, in deine Heimat. Du bist für mich Familie, wenn es auch noch nicht offiziell ist, und ich werde alles für dich tun, Eona. Vergiss das nicht... Aber dennoch kannst du nicht die Regeln brechen, du musst mir schon vertrauen, wenn du dieses Leben wirklich willst. Gefühle sind Schwäche und wir können uns keine Schwäche erlauben, bei dem was wir tun... Was uns vorherbestimmt ist." Er kam sich ein wenig dämlich vor, als er ihr so eine Moralpredigt hielt und ihr erneut erklärte das es kein Zurück mehr gab und sie nunmal war, was sie sein musste. Schulterzuckend zog er sich etwas zurück, setzte sich dann ebenfalls hin und lehnte den Kopf an einen Baum. Er aß ein Stück Käse und etwas Brot und schloss die Augen. Es war viel passiert in letzter Zeit und nicht viel davon war guter Natur, so schien es ihm. Aber das juckte ihn nicht im geringsten, er glaubte an seine Bestimmung, seinen Weg und an sein Können.

Als er aufgegessen hatte, beugte er sich über den Fluss und trank etwas. Er schöpfte das Wasser in seinen Mund und dann in sein Gesicht und über die Haare. Ob der plötzlichen Kühle aufseufzend, fuhr er sich mit den Händen durch sein weißes Haar und lehnte sich wieder gegen den Baumstamm. Dann sah er zu Eona hin, "Das was ich dir gegeben habe, war ein Extrakt aus verschiedenen Kräutern und Wurzeln. Er bildet eine Blutgerinnung und enthält wichtige Dinge, die deinen schwachen Körper stärken. Er besteht aus..." Er erklärte ihr die Zutaten und die Zubereitung eines solchen Tranks. Warum er das tat, wusste er selbst nicht so genau, vielleicht wollte er von dem unangenehmen Thema weg und ihr dabei noch etwas nützliches beibringen. Natürlich war der Zeitpunkt ungünstig gewählt, "... Das erhitzte Destillat muss man dann... Eona?" Sortan runzelte die Stirn und schmunzelte dann leicht. Die Sklavin war eingeschlafen und der Schlaf würde ihr Erholung bringen. Der nächste Morgen würde aber ebenso die Schmerzen zurückbringen, denn der Trank hielt nicht bis zur Abheilung an und bei ihrem kleinen Vorrat konnten sie es sich fürwahr nicht leisten noch mehr davon zu verbrauchen. Sie war unvorsichtig gewesen, sonst wäre sie nicht verletzt worden, und aus Fehlern und Schmerzen lernte man nunmal am besten. Das war eine einfache, aber wahre und erfolgreiche Strategie, sowohl zur Erziehung als auch beim Lernen. Er selbst schloss ebenfalls die Augen und schlief kurz darauf ein. Als er am nächsten Morgen aufwachte, ließ er noch einmal alles geschehen. Die Diebe auf dem Markt, wie er Eona gesucht und nicht wiedergefunden hatte... Dann wieder diese verdammten Diebe die ihn gefangen hatten und Eonas Stimme die ihn dazu aufrief zurückzureiten und Gifthand zu helfen. Knurrend schüttelte den Kopf, man stellte sein Leben nicht unter andere und schon gar nicht wenn man ein Raquiiah war. Die Assassinenfamilie war etwas besonderes, etwas besseres und er hatte wahrlich noch viel zu tun, um sich für einen dahergelaufenen Fremden zu opfern. Vielleicht hatte er Recht gehabt damit, das er ohne Laretan nicht aus der Zelle gekommen wäre. Vielleicht aber auch nicht. Dank schuldete er ihm auf jeden Fall nicht, sie sollten froh sein das er sie leben gelassen hatte. Schließlich stand er auf und streckte sich. Er spannte die Muskeln an, tat einige Schritte und vollführte dann ein paar Techniken. Zunächst zur Entspannung, Beruhigung und der Atemkontrolle. Dann Konzentrations und Geschicklichkeitsübungen. Er hatte sein Training in letzter Zeit etwas vernachlässigt, seit Eona bei ihm war um genauer zu sein, und wollte das nun wieder nachholen. Immerhin ließ er der Sklavin so die Chancen so lange zu schlafen wie sie es brauchte. Als er keuchend und schwitzend sein Training beendete, ging er zu ihr hinüber und kniete vor ihr hin. Ihr Atem war normal und gleichmäßig, also schlief sie immer noch. Mit etwas mehr Mühe und Anstrengung hob er sie erneut hoch und setzte sie in den Sattel. Dann schwang er sich hinter ihr auf Schattenmähne und nahm die Zügel. Er lenkte das Pferd am Fluss entlang, weiter in die Berge und schon bald würde der sandige Untergrund zu steinigem werden.

Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Verfasst: Fr, 21. Sep 2012 11:32
von Eona
Eona konnte hören, wie Sortan in den Satteltaschen herumwühlte und nach einigen Augenblicken war er auch schon neben ihr. Langsam kniete sich der Assassine neben die Sklavin und gab ihr etwas Brot und Käse in handlichen Stücken. Es war nicht viel, aber damit gab sich die Rothaarige zufrieden. Sie spürte seine Blicke auf ihr, doch ignorierte es gekonnt. Ihr Blick war weiterhin geradeaus gerichtet, klebte regelrecht am Horizont, welcher von hohen Bergspitzen durchbrochen wurde.
"Ich weiß", sagte sie nur und biss etwas von dem würzigen Käse ab. "Ich bin nur etwas ... durcheinander." Ja, das war es. Durcheinander, verwirrt, orientierungslos. Eona hatte schon viel mitgemacht. Sie war zur Sklavin degradiert worden, wurde herumgeschubst, verdreht und durch die halbe Welt geschickt, nur um dann für einen alten Bibliothekar zu schuften und bei einem Assassinen zu enden. Aber diese nervenaufreibenden Tage waren die Spitze des Berges gewesen. Sortan war auf einmal verschwunden und sie hatte Angst, er wäre jemanden zum Opfer gefallen oder hatte sie aus den Augen verloren und würde sie nicht mehr wieder finden. Und dann hatte sie die einzige helfende Hand ergriffen, die ihr dargereicht worden war. Laretan hatte etwas an sich gehabt... Eine bestimmte Anziehung, die ihrer doch so glich.
"Tut mir Leid, Sortan", fügte sie noch hinzu und schob sich das letzte Stück Brot in den Mund.
Ohne weiter auf ihre Worte einzugehen, lehnte sich der Assassine gegen einen Baum und fing an zu erzählen. Sie hörte ihm nur mit einem Ohr zu, denn das andere hatte sich nach Innen gewandt. Ich sollte aufhören, mir Sorgen zu machen. Sortan ist nicht Zerx. Das darf ich nicht vergessen. Zerx ist tot und Sortan lebt. Er wird mir helfen und mich beschützen. Ihn wird man mir nicht so leicht wegnehmen können. Nur er ist wichtig und nur ihm kann ich vertrauen.

Noch immer sprach ihr Geliebter von der Zusammensetzung des Trankes, doch Eona fielen langsam die Augen zu. Ihr Kopf sank auf ihre Brust, der Atem regulierte sich nach unten. Zwar hatte sie keine Lust, schon wieder alles zu verschlafen, aber ihr Körper forderte diesen Tribut, um wieder zu Kräften zu kommen. Sie brauchte ihre Kraft. Und schon sank sie nieder in das Reich der Träume, in dem sie wieder durch dunkle Gänge rannte und einfach nur Angst verpürte.

Hufgetrappel. Wind. Schmerzen. Das war der Morgengruß, den man Eona entgegenbrachte, nachdem sie aufgewacht war. Wieder hatte Sortan es geschafft, sie auf das Pferd zu hieven, ohne sie vorher zu wecken. Sie hatte es satt, umherzureiten. Die Rothaarige streckte sich etwas, versuchte ihren Nacken zu entspannen und lehnten den Kopf nach hinten, um ihn auf Sortans Brust zu legen. "Warum weckst du mich nicht auf...", sagte sie brummend und sah sich die Umgebung an, die sich nun in feste Erde und Stein verwandelt hatte. Der Assassine hatte zu ihr gemeint, dass sie in die Berge reiten würden, damit sie sich dort ausruhen konnte. Und dann... dann würden sie in die Nordreiche reiten...
"Wie geht es dir?", fragte sie und rutschte im Sattel etwas umher, um bequemer sitzen zu können. Ihre Oberschenkel schmerzten, besonders der linke. Aber zum Glück hatte sie sich während des Rittes nichts mehr aufgerissen, sondern verspürte nur Muskelkater. Anscheinend hatte sie den Dreh langsam raus. Noch immer hatte sie ein schlechtes Gewissen, da sie ihrem Herrn so die Stirn geboten hatte. Das gehörte sich eigentlich nicht, obwohl Sortan niemals die Worte "Sklavin" gebrauchte. Jedoch war sie ihm untergeben, und niemand anderem. Das hätte sie eigentlich wissen sollen. "Reiten wir schon lange?"

Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Verfasst: Fr, 21. Sep 2012 13:01
von Sortan
Der junge Raquiiah schlang einen Arm enger um ihre Taille, als sie ihren Kopf gegen ihn lehnte und führte Schattenmähne nur noch mit einer Hand. Irgendwie genoss er es sie wieder so nahe bei sich zu haben, auch wenn er immer noch etwas sauer war. Immerhin hatte sie sich mehr oder weniger direkt dem nächsten an den Hals geworfen und nicht an ihn geglaubt. Vielleicht war sein Vertrauen in sie etwas leichtfertig gewesen, was an ihrer Anziehung lag. Irgendwie fühlte er sich bei ihr wohl und gut, auch wenn er seine grundlegenden Rgeln ihretwegen nicht beugte, so hatte sie ihn doch schon stark verändert. Allein ihre brummelnde, aber dennoch weiche Stimme war Beweis genug. Niemals wollte er jemanden so nah an sich heranlassen, oder einen Zeugen verschonen, aber bei ihr war es einfach etwas anderes. "Du musst dich erholen und Schlaf ist dabei nunmal das wichtigste..." Meinte er leise und schob den Kopf etwas nach unten um an ihrem Haar zu riechen. Es roch wie immer und der leichte Duft von Sandelholz klebte noch an ihrer Haut. Tief zog er die Luft ein und wandte den Blick wiender auf die Strecke. Sie ritten zwischen zwei Berghängen hindurch und folgtem einem schmalen Pfad. Wahrscheinlich würde er sie in eines der Bergdörfer führen...

"Mir geht es gut, ich bin erschöpft und müde... Aber du bist am Leben und ich bin am Leben und wir sind beide entkommen. Es wird besser sein, wenn wir uns etwas bedeckt halten." meinte Sortan nachdenklich und lenkte das Pferd an einer Kreuzung nach links. Der Fluss war von einem Bergausläufer getrennt worden und er wählte diesen Pfad um ihn wieder zurückzufinden. Dann ließ er Eona kurz los und kramte in den Satteltaschen nach etwas Trockenfleisch. Er schob es sich in den Mund und bis ein Stück ab, ehe er es an ihren Mund hielt. "Iss etwas... Ja wir haben bald Mittag. Mit etwas Glück finden wir ein kleines, der Bergdörfer, dann ruhen wir uns aus und reiten vorerst nicht weiter..." Er schmunzelte leicht vor sich hin, denn er wusste wie ungern sie ritt. Aber es gab nunmal keine Alternative dazu, besonders keine so schnelle. Der Tag zog vorüber und als sie wieder an dem Fluss waren, machten sie öfter Pause um zu trinken und sich etwas auszuruhen. Selbst hier am Rand der Wüste brannte die Sonne unerbittlich auf das Land und macht zur Mittagszeit selbst dem Raquiiah etwas zu schaffen. Er schwitzt und musste die Flüssigkeit wieder ersetzen, aber bei Eona war es noch schlimmer. Sie ritten noch einen Teil in der kühlen Nachtluft, als Sortan das Pferd zügelte und sich hinter ihr reckte. Vor ihnen mündete der Pfad in ein kleines Tal und dünne Palisaden ragten an den Steinwänden aus dem Boden. "Wir sind da... Ich hoffe sie nehmen uns gastfreundlich auf und wir können handeln..." meinte er leise an Eonas Ohr und grinste leicht, "Ich würde mich auch über ein Bett freuen, Geliebte..."

Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Verfasst: Fr, 21. Sep 2012 14:26
von Eona
Sie genoss es. Sie genoss es wirklich. Angelehnt an seinen starken Körper, seinen Atem an ihrem Hals, sein Gesicht in ihren blassroten Haaren vergraben und einen Arm um ihre Taille. Ein angenehmes Kribbeln fuhr durch ihren Körper und sie konnte kurz die Ereignisse vergessen, welche sie so aufgewühlt hatten. Der Wallach bahnte sich den Weg durch das unwegsame Gelände, manchmal im Schritt doch oft im Trab, als hätte Sortan es eilig, so viel Abstand wie möglich zwischen sich und ihren zurückgebliebenen Weggefährten zu bringen. Eona war es Recht so. Und auf einmal bemerkte sie, dass sie alleine waren. Ja, in seinem Haus in Naradesh waren sie auch unter sich gewesen, doch immer in dem Wissen, dass es Nachbarn gab oder Leute, die auf den Straßen umhergingen. Hier war das weite Land ohne Häuser oder anderen Menschen. Sie waren allein. Und ein längst vergessenes Gefühl ging in ihrem Herzen auf wie ein verstorbener Phönix, erhob es sich aus der Asche und eine angenehme Wärme breitete sich in ihrer Brust aus.

Ich bin frei.

Ja, frei. An niemanden zwanghaft gebunden. Sortan war ihr Begleiter, ihr Geliebter, dem, dem sie bis in den Tod vertrauen konnte. Er schürte diese Freiheit nur und würde sie auch nicht in ihre Schranken einweisen. Kurz schloss Eona die Augen und fragte sich, wann sie das letzte mal so glücklich gewesen war. Ein junges Gesicht, geziert von verwuschelten blondem Haar, einem schiefen Grinsen, tauchte vor ihrem inneren Auge auf und konnte die Frage sofort beantworten. Bei den Zigeunern. Dort hatte sie das letzte Mal Glück und Freiheit verspürt. Es war so lange her... Viel zu lange.
Ein langer, tiefer Seufzer entwich ihren aufgesprungenen Lippen und lauschte der Stimme ihres Begleiters, bevor er ihr etwas Trockenfleisch reichte. Es war salzig und hatte einen stark rauchigen Geschmack, doch es kam ihr so vor, als hätte sie noch nie etwas besseres gegessen. "In Ordnung", meinte sie nur, als Sortan die Bergdörfer erwähnte und sie freute sich auf etwas mehr Essen und eine weiche Schlafstätte. Sie hatte zwar in langen Abstände mehrere Stunden geschlafen, doch war dieser nur oberflächlich gewesen oder so tief, dass sie von Albträumen geplagt worden war.

"Ich glaube, ich gewöhne mich langsam an das Reiten", meinte sie nach mehreren Stunden und einem kurzen Halbschlaf. Die beiden waren noch tiefer in das Gebirge und dessen Täler eingedrungen. Die Mittagszeit hatte sie mehr oder weniger überstanden. Sie war nicht sehr empfindlich, was Temperaturen anbelangte, doch an die unerträgliche Hitze der Wüste hatte sie sich immer noch nicht gewöhnen können. Aber wenigstens hatte sich die Wunde an ihrem Oberschenkel etwas beruhigt und auch der Muskelkater an ihren Beinen war auszuhalten. Langsam begann sie, Spaß zu haben, auf dem treuen Wallach zu sitzen und durch das Gelände zu reiten, auch wenn es langsam Zeit wurde, dass sie wieder festen Boden unter den Füßen spürte.
Das Pferd hielt an und Eona blickte auf ein Tal hinunter, dass anscheinend von einem kleinen Dorf eingenommen wurde. Palisaden aus Holz ragten empor, Rauch stieg von kleinen Häusern auf und es brannten einige Fackeln in der kühlen Nacht. Zum Glück hatten sie eine Bleibe für die Nacht gefunden, auch wenn es noch nicht sicher war, ob die Bewohner die beiden gastfreundlich empfangen würden, so wie es ihr Begleiter erwähnte. Eine Gänsehaut zierte ihre Arme, als Sortan sich wieder etwas zu ihr hinabbeugte und ihr etwas ins Ohr flüsterte. Ein kleines Lächeln huschte über ihr Gesicht, doch sonst hüllte sich die Sklavin in Schweigen.

Es wunderte Eona, dass sie Palisaden aufgestellt hatte und als Sortan näher ritt, konnte sie Wachen entdecken, welche an den Palisaden entlangliefen oder den Eingang bewachten.
"Halt!", tönte es, nachdem die beiden den Pfad entlanggeritten waren und endlich vor dem Eingang zum Dorf stehen blieben. "Wer seid ihr?" Die junge Frau senkte etwas den Blick und zupfte die Kapuze ihres Mantels zurecht, den sie sich bei hereinbrechender Nacht wieder umgeworfen hatte, um unerkannt zu bleiben. Manche reagierten eben immer noch abweisend, wenn sie ihre blassroten Haare als Zeichen der Drachenerben fehlinterpretierten. Doch die begegnete der Wache mit einem wachen Blick, als dieser näher herantrat und den beiden mit einer Fackel ins Gesicht leuchtete.

Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Verfasst: Fr, 21. Sep 2012 17:45
von Sortan
"Wir sind Wanderer, Reisende und Kaufleute... Eigentlich bin ich Kräuterhändler, Sortan Al-Shedim, aber wie ihr sehen könnt habe ich meine Waren unterwegs an Diebe verkauft... Leider zu einem sehr sehr kleinen Preis..." fing Sortan an zu erzählen. Er verstellte seine Stimme, bis sie vor Freundlichkeit und Gutmütigkeit nur so troff und grinste die Wache an. Dann fuhr er ohne Umschweife fort, "Wir sind eigentlich auf dem Weg in die Nordreiche, aber meine Begleitung ist verletzt und wir suchen einen Ort zum Ausruhen, vielleicht etwas zu Essen und ein warmes Bett. Hättet ihr so etwas hier in eurem Dorf, Soldat?" Der Assassine ließ die Zügel in Eonas Hand hinabgleiten und ließ sich umständlich und aufseufzend von dem Wallach heruntergleiten. Abgesehen von dem Krummschwert und dem dazugehörigen Dolch baumelte nur ein kleiner Lederbeutel an seiner Hüfte und in den Bergen war es normal das die Menschen bewaffnet waren. Immerhin gab es hier viele Höhlen und somit auch viele Verstecke der Diebesgilden und Banditen. Der Wachmann trat einen Schritt näher, als Sortan seine Kapuze herunterzog und ihm in die Augen blickte. Es herrschte einen Moment Schweigen und er spannte bereits seine Muskeln an. Irgendetwas schien ihn nicht zu überzeugen und er war sehr misstrauisch, als plötzlich der andere Wachmann dazukam und ihm eine Hand auf die Schulter legte, "Dschiab, sie hat rote Haare und er blonde... Sie sind weder Beraij, noch aus der Wüste. Sie kommen aus den Nordreichen, sicher nicht von Tsatsa-Stamm..." Der Angesprochene Soldat, Dschiab anscheinend, nickte leicht und zog auch Eona die Kapuze herunter. Er leuchtete in ihr Gesicht und auch noch einmal in das von Sortan. Um Drachenerben scherten sich die Bergvölker nicht, sie waren relativ weltfremd und bekriegten sich oft untereinander. Denn hier oben war Nahrung knapp und es gab nur wenige fruchtbare Stellen im steinigen Boden. "Ihr seid Kräuterhändler? Könnt ihr auch Tränke und Salben mischen?" Sortan wusste worauf er hinauswollte. Sie hatten keinen Dorfmagus, oder Heiler hier. Vermutlich war er erst vor kurzem gestorben und jemand musste sich um die Kranken und Verletzen kümmern. Kurz schien er zu überlegen und nickte dann grinsend, "Aber sicher doch, Herr. Mein Weib kennt sich sogar im Heilen aus und sie kann Wunden verbinden und alles Mögliche..." Er sprach offen und viel, was meistens einen freundlichen und etwas dümmlichen Eindruck hinterließ und genau den wollte er ja haben. "Wir könnten euch eine Hütte und Essen zur Verfügung stellen, wenn ihr euch um unsere Kranken und Verletzten kümmert, solange ihr hier seid und uns etwas Medizin herstellt. Kräuter sind noch genug da. Ein kleines Scharmützel mit den Tsatsa, ich weiß nicht wie viele überleben können."

Der Assassine nickte bereitwillig und schob seine Hände zwischen den Gürtel. Der Mantel umwehte seine Lederrüstung und er sah in den Himmel. Die Nacht war klar und würde sehr kalt werden. Etwas seiner Arbeit zugunsten eines Bettes und Essen war nun wirklich ein fairer Tausch. Eigentlich hütete er seine Alchemistischen Geheimnisse sehr sorgfältig, aber bei den Anforderungen hier würden einfache Salben und Heiltränke ausreichen. Vermutlich hatten sie sowieso nicht mehr Kräuter da, als er dafür brauchte. "Einverstanden. Aber verzeiht, der Ritt war lang und wir würden uns gerne etwas ausruhen..." Die Wache nickte dem anderen zu, bezog wieder Posten und Sortan nahm Eona die Zügel aus den Händen und folgte dem anderen Wachmann. Sie ließen Schattenmähne im Stall und Sortan versicherte dem jungen Mann noch einmal eindrücklich das er sich selbst um sein Pferd kümmern würde. Dann nahm er die Satteltaschen ab, tauschte einen kurzen Blick mit Eona und stützte sie auf dem restlichen Weg. Es war eine ziemlich verfallene kleine Hütte, aber zumindestens das Dach war größtenteils ganz. Nebendran befand sich eine größere und schmalere Hütte, wahrscheinlich das Krankenlager, das ihn aber eher weniger interessierte. Sie folgten dem Wachmann in ihre Hütte hinein und der Raquiiah setzte Eona auf dem Bett ab. Ausser dem Bett gab es nicht wirklich nützliche Einrichtung, ausser einem Hocker und ein paar wichtigen Destillationskolben und Dingen die er fürs Tränke brauen brauchen würde. Aber darum würde er sich morgen kümmern, "Ich danke euch, morgen früh werde ich sehen was wir für euch tun können." Matt grinsend sah er dem Soldat nach und wandte sich zu Eona um. Die Tür fiel in ihren Rahmen und knallte leise, ehe er den Riegel vorschob. Dann legte er seinen Mantel ab und mitsamt den Satteltaschen auf den Hocker. Seine Schritte führten ihn geschmeidig zu der Sklavin und er stützte sich neben ihr ab, beugte sich zu ihr vor und schmunzelte. "Ich hoffe du hast aufgepasst, Illusion und Täuschung sind wichtige Mittel eines Assassinen. Und wir haben zwei weitere Vorteile... Ich bringe dir die Grundzüge der Alchemie bei und wir leben umsonst hier bis es dir besser geht." Dann beugte er sich noch weiter nach vorne, bis ihre Lippen sich fast trafen und hauchte leise, "Und wir haben ein Bett..." Er war so glücklich das sie wieder bei ihm war, das sie am Leben war und das es ihr so gut ging. Er hatte gemerkt das sich ihre Laune gebessert hatte, was überraschend war trotz des vielen Reitens und ihrer Wunde. Am liebsten würde er sie ins Bett packen, sich daneben und den Rest des Jahres neben ihr liegen bleiben. Immerhin gewöhnte sie sich an das Reiten und Schattenmähne und auch das fand er wunderbar. Schließlich würden sie viel Zeit damit verbringen in Zukunft und er freute sich, das sie sich nun dafür begeistern konnte. Vielleicht würde er es ihr auf dem Weg in die Nordreiche beibringen und ihr dort ein eigenes Pferd kaufen. Andererseits würde er dann ihren warmen Körper beim Reiten vermissen... Unwillkürlich breitete sich ein Grinsen auf seinem Gesicht aus.

Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Verfasst: Fr, 21. Sep 2012 19:20
von Eona
Eona überließ es dem Assassinen, den Wachmann davon überzeugen, dass sie nichts böses im Schilde führten. Aber doch konnte sie es sich nicht verkneifen, eine Augenbraue in die Höhe zu heben, da der Ton, den Sortan anschlug, eine ganz andere war. So redete er nie mit ihr, da es eine so gespielte Art von Freundlichkeit enthielt, die ja wohl kaum zu übersehen war. Mit ihr sprach er immer ruhig und niemals gespielt. Darüber war sie auch froh. Doch den Wachmann schien es nicht wirklich zu beruhigen, dass sie nur Reisende waren und nach Obdach suchten.
Sortan reichte der Sklavin die Zügel und rutschte von dem Wallach herab, der schnaubend den Kopf gesenkt hatte. Wieso waren die Leute hier so misstrauisch? Hatten sie etwa etwas zu befürchten? Und Eona wusste auch nicht, ob es an Sortans komischer Haarfarbe lag oder an der Sklavin selbst, aber sie wurde langsam unruhig. Doch trotzdem hielt sie ihren Mund und überließ ihrem Begleiter das Gespräch. Ein zweiter Wachmann eilte herbei und die junge Frau spitzte die Ohren.Tsatsa-Stamm? Ein feindlicher Stamm?
Widerwillig ließ sich Eona die Kapuze vom Kopf ziehen und tauschte mit Sortan einen unruhigen Blick aus, doch dieser reagierte nicht darauf. Er war sich wohl sicher, dass ihnen die Wachmänner Eintritt gewähren würden. Und so versuchte auch Eona sich zu beruhigen. Mit blanker Miene verfolgte sie das Gespräch zwischen den beiden und nickte nur zustimmend, als Sortan ihnen anbot, die Kranken zu verbinden und anderweitig zu versorgen. Das dürfte ja wohl das mindeste sein, wenn sie ihnen schon eine Unterkunft und Essen stellten. Und als der Wachmann, Dschiab, wieder den Tsatsa-Stamm erwähnte und ein bestimmtes "Scharmützel" war sich Eona sicher, dass sie keinen Frieden mit diesem Stamm geschlossen hatten. Hoffentlich würde dieser Stamm Ruhe geben, bis die beiden wieder weitergezogen waren.

Nun waren sie endlich zu einer Rast gekommen und hatten sogar ein mit Stroh gefülltes Bett, um darauf zu nächtigen. Und auch das Haus schien mehr oder weniger intakt zu sein. Zwar zog es durch manche Ritzen und erzeugte dabei ein leises Rauschen und Pfeifen, doch das würde sie wohl am wenigstens stören. Sortan beugte sich wieder zu ihr vor, seine plötzliche Nähe ließen das Feuer in ihr aufflammen und der Geruch von Kiefernnadeln benebelte ihre Sinne. Ein weiches Lächeln umspielte ihre Lippen und sie nahm sein Gesicht in ihre Hände. "Ja, ich habe aufgepasst. Ich werde mich bemühen eine gute Schülerin zu sein", flüsterte Eona und ihre Lippen streiften die seine. Er war hier, bei ihr und das war ihr wohl das wichtigste auf der Welt. Sie waren gesund, bis auf die Verletzung an ihrem Oberschenkel, aber diese würde vergehen. "Glaubst du, dieser andere Stamm wird während unserer Anwesenheit angreifen? Wir sollten uns am besten nicht dort einmischen, sollte es dazu kommen...", meinte sie mit einem besorgten Unterton und strich mit ihrem Daumen über die helle Narbe unter seinem Auge. Es war nur ein Gedanke, der ihr während des Gespräches durch den Kopf gegangen war und der sie nun etwas besorgte.

Und nun hatten sie etwas Zeit für sich, um aufzuatmen, um endlich wieder füreinander da sein zu können und Eona fühlte sich bestätigt, dass Sortan die richtige Wahl gewesen war. Er konnte kühl sein, ja sogar egoistisch, aber bis jetzt hatte er sich immer gut um sie gekümmert und ihr alles gegeben, was sie brauchte. "Ich danke dir...", hauchte sie und küsste ihn ein weiteres Mal, nur um das Feuer weiterhin anzufachen, dass sie so lange vermisst hatte.

Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Verfasst: Fr, 21. Sep 2012 21:05
von Sortan
"Das will ich auch hoffen, ich bin nämlich ein schlechter Lehrer..." grinste Sortan sie an und legte den Kopf etwas schief um seine Wange gegen ihre zarte Hand zu drücken. Er hatte tatsächlich einen Witz gemacht, wie lange war das schon her, seit er sich wirklich über solche Dinge amüsiert hatte? Er wusste es nicht, am ehesten wohl beim letzten Familientreffen der Raquiiah, das mehr als lang zurücklag. Er sah sie wieder etwas nachdenklich an. Er würde bald Boten in jede Stadt schicken und zu den Oasen und Dörfern in der Wüste. Er würde den Großteil der Familie zusammenrufen, sofern sie Zeit hatten und keinem Auftrag nachgingen und würde Eona in die Familie einführen. Aber das behielt er vorerst für sich, das sie nun endgültig seine Frau und eine Raquiiah werden würde. Denn es galt noch viel zu lernen für sie und obwohl er sie sehr mochte und ihr vertraute, reichte das noch nicht aus. Um die geheimen und rituellen Dinge bei einer Eheschließung, die Umgangsformen und den Dialekt der Raquiiah zu erlernen musste er ihr völlig vertrauen können. Er musste wissen, das sie ihn niemals verraten würde und für immer an seiner Seite blieb, denn alles andere würde nicht in seine Vorstellungen passen und er mochte sie zu gern um sie für Verrat zu bestrafen. Besonders da in diesem Fall die Strafe den Tod bedeutete und keinen langsamen. Seine Augen wurden wieder klar und aufmerksam, als sie ihn erneut küsste und er erwiderte den Kuss leidenschaftlich. Als sich ihre Lippen lösten, vermisste er fast sofort ihren Geschmack und seufzte ganz leise auf. Sie bedeutete ihm so viel, wieso hatte er in den Höhlen so schnell mit ihrem Tod gerechnet? Er schüttelte sacht den Kopf und widmete sich ihrer Frage, "Ich hoffe nicht. Aber ich glaube diese Stämme führen keine Eroberungsfeldzüge, sondern eher kleine Schlachten bis sich ein Stamm dem anderen ergibt weil er keine mehr hat." Er hörte ihre Sorge heraus und lächelte, "Ich fürchte wir werden uns einmischen müssen, denn es gibt keinen anderen Ausweg aus diesem Tal, als durch die Palisaden... Was aber auch bedeutet das sie von dort aus angreifen werden, wenn sie es tun. Aber keine Angst, Eona, ich werde morgen früh ein paar Dinge vorbereiten und in Erfahrung bringen. Man muss immer wissen mit wem man sich einlässt, Wissen ist ebenso ein großer Bestandteil jedes guten Attentats und ausserdem der Schlüssel zu Macht."

Sortan küsste sie erneut, drückte sie leicht aufs Bett und küsste dann ihren Hals. Seine Hände strichen durch ihr Haar, ehe er sich wieder aufrichtete und sie musterte. "Du brauchst mir nicht zu danken, hörst du?" Seine Hände glitten über seine Schultern und er hob die Arme um die Schulterpanzer abzuschnallen. Darauf folgten die Arm- und Beinschienen und der Gürtel mitsamt Waffen. Erst als er die Rüstung ablegte, sah man einen Großteil der versteckten Messer und dünnen Ledergurte, die sie hielte. Teilweise hatte er sogar welche zwischen die einzelnen Rüstungsteile geschoben und auch in die Stiefel. Selbige zog er ebenfalls aus und schob die Messer unter seine Kleidung. Die zwei langen Messer, die hinten in seinem Gürtel gewesen waren behielt er allerdings in der Hand und schob sie unter das Kopfkissen. Man konnte nie vorsichtig genug sein. Schlussendlich folgte dann noch der Brust- und Rückenpanzer und das Mundtuch, sodass er nur noch in der schwarzen, dünnen Stoffkleidung vor ihr stand. Er spürte Eonas Blick auf sich und sah wieder zu ihr hin, "Ich danke dir. Vielleicht habe ich dich wirklich zu früh aufgegeben... Aber ich musste Prioritäten setzen, wie konnte ich ahnen das du so einen Sturz überlebst?" Dann kam ihm ein anderer Gedanke, "Sag mir wie du den Sturz heil überstanden hast... Und wenn du es geschafft hast, hat die Schlange ihn doch sicher auch überlebt?" Er war ein wenig neugierig und es wunderte ihn das er nun erst darauf kam sie zu fragen. Vielleicht hatte sich vorher einfach keine richtige Gelegenheit ergeben.

Sortan ließ sich wieder aufs Bett gleiten und stützte sich neben ihrem Körper mit den Händen ab. Langsam schmiegte er sich an ihren warmen Körper und neigte den Kopf leicht um ihren Hals zu küssen und ihr leise ins Ohr zu flüstern, "Ich bin froh das du es überlebt hast... Dein Tod hätte vieles verändert, hätte mich verändert und hätte mir so vieles weggenommen... Aber die Vorsehung meint es gut mit mir, mit uns... Ich liebe dich, Eona." Seine Hände teilten ihre Beine, damit er nicht auf ihrer Wunde lag, und er ließ sich ganz auf sie sinken. Ein kleines Funkeln trat in seine braunen Augen, als sich ihr Blick kreuzte und er zog ihren Geruch tief in sich hinein. Er spürte wie sehr sie ihn vermisst hatte und ihn bei sich haben wollte und ihr Feuer sprang auf ihn über, entfachte in ihm einen Brand und loderte auf. Seine Lippen legten sich auf ihre, während er die Augen schloss und diesen Kuss endlos hinauszögern und genießen wollte. Der Raquiiah zuckte kurz zusammen, als er ihre kalten Hände spürte und er zog sein Hemd aus. Es pfiff leise durch das Haus, als der Wind auffrischte und er konnte sich nicht dem Instinkt erwehren den Kopf nach dem Geräusch zu drehen. Schmunzelnd sah er wieder auf die Sklavin und schmiegte sich an ihren Körper, "Hast du Schmerzen?" fragte er leise und strich sacht über ihren Oberschenkel und den Verband.

Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Verfasst: Sa, 22. Sep 2012 15:00
von Eona
"Ich finde es sinnlos", antwortete die junge Frau, nachdem Sortan ihr auf die Frage geantwortet hatte. "Hier in den Bergen ist doch das Leben schon hart genug, wieso muss man sich noch zusätzlich bekriegen?" Aber Krieg war doch meistens sinnlos. Ohne wirklich Grund, und wenn es doch einen gab, verlor dieser inmitten eines Gefechts an Bedeutung. Menschen werden wohl nie aufhören, sich zu bekriegen, dass war ein Teil der Welt, teil der Menschen selbst. Wenn es keinen Krieg gab, konnte man auch keinen Frieden erlangen, auch wenn das viele von sich behaupten. Würde das jemals aufhören?
"In Ordnung. Vielleicht kann ich dir auch dabei helfen? Informationen zu beschaffen ist für mich ein Leichtes", sagte sie und der letzte Satz war nur noch ein Flüstern, ein Hauch, der über ihre Lippen glitt, bevor sie wieder Sortans fordernde Lippen auf den ihren spürte. Das Kribbeln, dass vorher durch ihren Körper gefahren war, ist nichts im Vergleich zu dem Feuer, welches nun ihre Lenden hinaufkroch und ihre Hände verkrallten sich für einen kurzen Moment in seinen Haaren. Der Geruch nach Kiefernnadeln schwoll an, benebelte ihre Sinne und sie wollte ihn nie wieder loslassen. Jedoch richtete der Assassine sich wieder auf und befreite sich von seinen Ausrüstungsstücken. Sie hatte oft gesehen, wie er diese an und wieder ausgezogen hatte, aber jedes Mal staunte sie darüber, wie viele Waffen er unter den vielen Kleidungsstücken verstecken konnte. Mit einem Schmunzeln im Gesicht beobachtete sie ihn dabei, bis er nur noch dünnen Stoff an seinem Körper trug. Es war so, als würde Sortan einen Panzer ablegen, um Eona an sich heranlassen zu können. Um sie ganz nah bei sich spüren zu können und dieser Gedanke machte sie glücklich. Alles machte sie im Moment glücklich. Die neu erlangte Freiheit, Sortan, das Leben... Es war auf einmal alles so viel klarer und farbenfroher, wie noch vor ein paar Monaten. Und Eona ließ sich auf dieser Welle des Glücks treiben, wollte nicht mehr an die Vergangenheit denken. Sondern nur noch an die Zukunft, die sie mit ihrem Geliebten gemeinsam bestreiten konnte.
Wie er so vor ihr stand, beinahe nackt, ohne Mundtuch oder einer Waffe am Körper, sah er aus, wie ein ganz normaler Mensch. Er hätte ein Bauer sein können, oder ein Schmied. Oder einfach nur ein Familienvater mit Frau und Kind. Doch er war ein tödliches Biest, dass den Tod besser kannte als irgendjemand anderes. Ein Mann, der für seine Ziele kämpft, niemals seine Waffe senkt oder seinen Weg aus den Augen verliert. Und dafür liebte sie ihn. Mehr als anderes andere.

Eona hob eine Augenbraue, ob der plötzliche Frage über ihren Sturz. Sie stützte sich auf ihre Ellbogen, um ihren Oberkörper etwas aufrichten zu können und blickte in seine braunen Augen. "Ich bin in einen unterirdischen Fluss gefallen. Und als ich gerufen habe, kam Laretan herunter. Ich habe nicht gedacht, dass du mich hörst..." Sie runzelte die Stirn und fuhr sich durch das rote Haar. "Und dann sind wir lange Zeit dem Fluss gefolgt. Ich habe mich an Gifthand geklammert, da ich nicht schwimmen kann." Eona schämte sich etwas und senkte den Blick. Doch Wasser war ihr einfach zuwider. Und nun, da sie diesem unterirdischen Fluss entkommen war, könnte sie sich nicht vorstellen, nochmals irgendwann schwimmen zu lernen. Auch, dass sie sich an Laretan festklammern musste, war ihr etwas peinlich, aber sie war ehrlich gegenüber Sortan.
Die Sklavin stockte und fixierte den Assassinen wieder mit ihren grünen Augen. "Du hast die Schlange herunter gestoßen? Er hat uns verfolgt... und uns beinahe umgebracht, da wir sehr geschwächt waren. Aber er ist tot. Du brauchst dir keinen Kopf mehr um ihn machen." Sie hatte wirklich gedacht, in dem Moment, als die Schlange aus dem Fluss gestiegen war, nun zu sterben. Und zwar durch dessen Hand. Wieder dankte sie Laretan in Gedanken dafür, dass er sich für sie eingesetzt hatte. Doch das war jetzt nicht mehr wichtig. Sie hatten die beiden hinter sich gelassen und Eona hatte das Gefühl, dass sie sich vielleicht schon bald wiedersehen würden. Die Sklavin schob den Gedanken beiseite und streckte die Hände, wie ein kleines Kind, nach Sortan aus, damit er sich zu ihr legen konnte. Es war etwas kalt in der Hütte und seine Körperwärme, die Nähe und sein Atem taten ihr ungemein gut.
Seine rauen Lippen strichen an ihrem Hals entlang und genüsslich schloss sie die Augen.
"Ich liebe dich, Eona."
Überrascht, ob dieser Worte, riss die Rothaarige die Augen auf und spürte, wie sich das Gewicht Sortans auf ihren Körper senkte. Der Klang dieser Worte verhallte noch lange in ihren Gedankengänge und das Feuer loderte auf. Ein mächtiges Gefühl fing an, sich im Körper der jungen Frau aufzubäumen. Ein Kloß steckte in ihrem Hals und ihre Augen fingen an zu brennen. Sie spürte das vertraute Kribbeln in der Nase, doch diesmal legte sich kein Gewicht auf ihr Herz, sondern es fühlte sich an, als könne sie nun besser, freier atmen. Ein leichtes Gefühl umspielte ihren Verstand, hebelte ihn vollkommen aus und plötzlich spürte sie, wie nach langer Zeit heiße Tränen über ihr Gesicht liefen. Bei den Göttern, wie lange war das her? Wie lange habe ich nicht geweint? Ich habe... ich habe mir geschworen nie wieder zu weinen. Wieso gerade jetzt? Wieso vor Sortan?
Seine nächsten Worte überhörte sie, da ein Rauschen ihre Ohren erfüllte und ihre Lippen bebten unkontrolliert. Wütend wischte sie die Tränen fort und versuchte sich wieder unter Kontrolle zu bringen. "Tut... tut mir Leid...", murmelte sie und schüttelte den Kopf. Gefühle zu zeigen sind Schwäche, rief sie sich ins Gedächtnis, doch die Tränen wollten nicht aufhören.
"Ich liebe dich, Eona."
Das Feuer in ihr wurde heiß, ja beinahe unerträglich. Ihr Körper schmiegte sich plötzlich an den seinen, ihre Hände verkrallten sich in seinen Rücken und ihre Lippen schmiegten sich an seine. Sie wollte das es dieses unerträglich heiße Gefühl nicht aufhörte. Sie wollte, das Sortan nie wieder von ihr ging. Er sollte sie nicht wie Zerx verlassen. Das würde er nicht tun. Niemals.
Ihre Finger fuhren unter das dünne Stoffhemd, erforschten auf ein Neues den doch so bekannten Körper ihres Geliebten und gab sich ganz der Wärme hin, die ihr entgegenfloss. [18]Sie wollte nicht länger warten. Mit geschickten Bewegungen, die über all die Jahre in Fleisch und Blut übergegangen waren, entledigte sie sich ihrer und seiner Kleidung, um sich endlich mit nacktem Körper an seinen zu schmiegen. Ihr war heiß, als würden die Flammen auf ihrer Haut züngeln und sich auf Sortans weiter vermehren. Eonas Lippen fuhren vom Hals, hinab ans Schlüsselbein und wieder hinauf. Sie keuchte leise, schickte ihren warmen Atem auf seine Haut und ihr Becken schmiegte sich in einer fließenden Bewegungen an seinen Unterleib. Nur kurz lösten sich ihre fordernden Lippen von ihm und die funkelnden, grünen Augen begegneten den seinen. "Ich bin glücklich, Sortan. Ich liebe dich..."[/18]

Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Verfasst: Sa, 22. Sep 2012 16:32
von Sortan
Der Assasine war froh zu hören, das die Schlange erledigt war. Das würde ihm einiges an Last abnehmen, hätte der Mann überlebt so hätte er ihn wohl verraten können. Ob Absicht oder nicht, aber so hatte auch Eona ihren Teil dazu geleistet das die Familie geschützt war. Es war einfach Vorsehung, mehr konnte er darauf nicht anwenden. Er glaubte schon lange nicht mehr an Götter oder höhere Wesen die sie leiteten. Es gab nur das Schicksal und dessen herrschende Hand, die Vorsehung. Alles geschah aus bestimmten Gründen, aber nicht weil die Götter es so wollten, sondern weil die Welt es so brauchte. Er glaubte daran das sein restlichen Leben genauso vorherbestimmt war, wie es folgen würde und auch daran das er einmal durch die Klinge den Tod finden würde. Als sie über Laretan sprach, verzog er keine Miene. Aber er traute dem Faustkämpfer noch immer nicht über den Weg und würde es wohl nie. Vorsicht war eben besser als Nachsicht. Sie hatte sich an ihn geklammert um zu überleben und er war froh darüber, anstatt eifersüchtig zu sein. Sie konnte nicht schwimmen, fiel ihm da wieder auf. Sie konnte überhaupt wenig, nicht reiten und nicht schwimmen... Sie musste dies alles noch lernen, ein Attentäter musste flexibel sein, egal in welcher Umgebung er sich befand. Aber er sagte nichts davon, dafür hatten sie in den Nordreichen ausreichend Zeit und die Gelegenheiten waren besser, denn dort gab es zahlreiche Flüsse und Seen, nicht so wie in der Wüste.
Sein Blick flog über ihr Gesicht, als er die Tränen bemerkte und die Stirn runzelte. Er hatte ihr diese Worte noch nie gesagt, vielleicht weil er sich selbst nicht sicher gewesen war ob es Realität war. Zugegebenermaßen war es nun immernoch so, das er nicht hundertprozentig wusste ob er sie liebte. Innerlich lachte er kurz auf, er wusste ja nichtmal wie sich Liebe anfühlte. Aber dieses unbändige Verlangen, das ihn erfasst wenn sie bei ihm war... Die Sehnsucht nach ihrer Nähe und ihren weichen Lippen... Tatsächlich vermisste er sie und hatte sich Sorgen um sie gemacht, auch wenn er das sich selbst niemals eingestehen würde. Es musste Liebe sein, oder nicht? Seine Hände strichen über ihre Wangen und wischten die Tränen erneut weg. Irgendwie hatte es etwas befreiendes sie so zu sehen, warum auch immer. Trotzdem sollte man seine Gefühle nie zeigen... Aber war es nicht ein Sonderfall zwischen ihnen? Er zeigte ihr seine Liebe jeden Tag... Gerade jetzt im Moment und so oft er es konnte. Der Assassine schmunzelte ein wenig als sie so plötzlich an ihn schmiegte und dann spürte er auf ein neues ihre Lippen. Er erwiderte den Kuss und wollte das er nie aufhört, das diese Nacht für immer anhalten mochte. Doch ein kleiner Teil in ihm rebellierte gegen diesen Gedanken, es gab noch so viel zu tun und die Familie musste geschützt werden... Er hörte nicht auf diesen Teil in sich und konzentrierte sich ganz auf die Sklavin.

[18]Sortan reckte seufzend den Kopf etwas hoch, als er ihren Körper unter, an und um seinen eigenen spürte. Er spürte sie so, wie kein anderer sie spüren konnte und genoss ihre Küsse und ihre Bewegungen waren so fließend und gekonnt, das er sich oft fragte ob sie selbige früher einstudieren musste. Auch diesen Gedanken wischte er hinfort, spürte ihre heiße Haut an seiner eigenen und wurde von flammender Begierde übermannt. Es war ihm alles egal, nur sie zählte in diesem Moment nur noch. Er wollte sie und würde alles dafür eintauschen sie bei sich zu haben. Wäre er nicht so abgelenkt gewesen, wäre ihm wohl aufgefallen das sie sein einziger Schwachpunkt war und dazu noch ein so großer, das er ihn sich niemals erlauben durfte. Aber daran verschwendete er keinen Gedanken, sie war eine einzigartige Frau und wenn er mit ihr fertig war, würde sie eine tödliche Frau sein. Sie würde seine tödliche Frau sein. Der Raquiiah schmiegte sich eng an sie an und genoss es ihr so in die Augen zu blicken. Kurz leuchteten seine braunen Augen auf, als er in diese wunderbaren grünen Smaragde sah und er lächelte erneut, "Und ich werde alles dafür tun, das du noch glücklicher wirst... Du bist der Funke in meinem Leben, der mich durch die Schwärze führt..." Den letzten Satz murmelte er ihr leise ins Ohr. Er war es nicht gewohnt solche Gefühle zu zeigen und wollte es auch nicht, aber es brach einfach so aus ihm heraus. Zu lange war es her, das sie bei ihm gelegen hatte und er genoss jede einzelne Sekunde die er ihr so nahe war. Erneut hob er den Kopf, spürte ihre Lippen an seinem Hals und sah sie an. Dann stützte er sich mit den Händen auf und drang in sie ein. Die Dunkelheit hatte sich längst auf das Dorf gesenkt und es die brennende Kerze in der Hütte spendete nur wenig Licht. Aber es reichte um auf seinem Körper zu schimmern, seine schlanken Muskeln zu umspielen und auf seinen Narben zu tanzen. Auch auf ihrem Körper tat das warme Licht dies, umspielte ihre so verlockenden Rundungen, umspielte ihr feuerrotes Haar und funkelte in ihren Augen. Sortan ließ sich etwas tiefer sinken um ihren Körper an seinem zu spüren und schob die Hüfte vor und zurück. Erneut forderte er von ihren Lippen einen Kuss, stöhnte leise auf und schloss die Augen. Er wollte es solange hinauszögern wie möglich, wollte dieses Verlangen und die Begierde in ihm schüren bis er es nicht mehr aushielt. Eine Hand wanderte über ihre Wange und strich sacht über ihren Hals und er liebte es sie zu spüren, liebte ihre Berührungen und ihre Küsse...[/18]

Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Verfasst: Sa, 22. Sep 2012 18:15
von Eona
[18]Ihr Verstand war vernebelt von ihren Sinnen, die so viel auf einmal erfahren durften. Den würzigen Geruch seiner Haut, die Muskeln, welche sich unter seiner schweißbenetzten Haut an und entspannten, der Geschmack seiner Lippen und seiner Zunge, sein Keuchen und Stöhnen, welches sich mit dem leisen Pfeifen des Windes vermischten. Sie konnte nur noch Schemen ihres Geliebten erkennen, doch mehr brauchte sie nicht. Ihn nur zu fühlen und erneut zu erforschen war ein viel intensiveres Erlebnis für sie und genoss es in vollen Zügen. Ihr Gesicht schmiegte sich an seinen Hals, die rechte Hand in seine Haare verkrallt, die andere suchte an seinem Rücken Halt, als er in sie eindrang. Die bittere Sehnsucht nach seiner Nähe wurde von dem süßen, blauen Feuer überschwemmt, ergoss sich in ihren Körper und ein Seufzen verließ ihre Lippen. Eona klammerte sich an ihn, wollte am liebsten eins mit ihm werden. Ihr Becken bewegte sich im Takt seiner Bewegungen, ihre Haut wurde flüssiges Feuer unter seinen Händen und sie konnte nicht anders, als die Welt um sich herum zu vergessen.
Die Sklavin begann am ganzen Leib zu zittern, die Erregung steigerte sich ins unermessliche und es fühlte sich an, als würde sie gleich explodieren. Es war so unerträglich heiß und es war, als würde die Hitze von Sortan allein ausgehen und anstatt sich von ihm zu trennen, schmiegte sich ihr Körper nur noch fester an den seinen. Ihre Fingernägel gruben sich immer stärker in sein Fleisch und einmal hatte sie sich doch glatt in seiner Schulter verbissen, damit sie nicht vor Genuß aufschrie und man sie hören konnte.
Doch endlich kam die Erlösung. Das Feuer hatte seinen Siedepunkt erreicht und Eonas Körper bäumte sich auf, streckte sich Sortans noch etwas mehr entgegen. Ihrer Kehle entrang ein heller Ton und ihre Muskeln verkrampften sich für einige Augenblicke. Kurz ruckte ihr Becken nochmals nach vorne, doch schon wurde ihr Körper weich in seinen Armen und ein zufriedener Seufzer kam über ihre Lippen.[/18]

Eonas Schlaf war traumlos. Sie hatte sich nach ihrem Liebesakt neben Sortan zusammengerollt und war nach wenigen Minuten eingeschlafen, mit einem befreienden Gefühl im Herzen. Und auch als sie am nächsten Morgen aufwachte und sich räkelte, war dieses warme Gefühl noch da, brannte wie eine lebhafte Flamme und Eona wusste, dass diese noch lange Zeit brennen würde. So war sie ausgeruht, auch wenn die Sonne noch nicht ganz über den Horizont gekrochen war und nur ein helles gelbes Licht verscheuchte das dunkle Blau der Nacht. Als sie sich langsam, um Sortan nicht zu wecken, aus den dicken Decken schälte, fröstelte sie sofort und eine kühle Brise strich über ihren nackten Körper. Noch einmal streckte sie sich und ein Lächeln trat auf ihre Lippen. Ihr Blick wanderte über die komischen Gerätschaften zu ihrem Geliebten, der anscheinend noch tief schlief und die Rothaarige wollte ihn auch nicht wecken. Er hatte noch weniger geschlafen als sie, in den letzten Tagen und er hatte es sich verdient. Kurz kontrollierte die junge Frau ihre Wunde, die etwas unangenehm pochte, seit dem Liebesakt, doch das war es wert gewesen. Wenigstens hatte sie nicht mehr geblutet und die Schwellung war etwas zurückgegangen. Leise schlüpfte die junge Frau in ihre Kleidung, schnürte das Mieder und warf sich den Mantel um, bevor sie leise die kleine Hütte verließ. Die Sterne verblassten am Himmelszelt und obwohl es noch so früh am Morgen war, konnte sie schon einige Menschen erblicken, die ihrer Arbeit nachgingen. In unmittelbarer Nähe konnte sie die Laute von Schafen und Kühen vernehmen und auch das Geklapper von Geschirr oder leisen Unterhaltungen. Nachdem sie die breite Straße etwas entlanggelaufen war, auf der Suche nach etwas zu Essen, kam ihr die Wache Dschiab entgegen. Er war ein Mann mittleren Alters, mit schwarzen lockigem Haar und einem dichten Kinnbart. Er hatte einen etwas kühlen Blick, aber einen aufrechten und selbstsicheren Gang. Eona blieb stehen und nickte ihm zu. "Ihr seid die Frau des Kräuterhändlers, nicht wahr?", fragte er und musterte die junge Frau vor ihm. Wieder nickte die Sklavin. "Mein Name ist Emilia, werter Herr. Ich danke euch, auch im Namen meines Mannes, für die Unterkunft. Ich wollte nach einer Kleinigkeit zu Essen fragen, bevor wir uns um die Verletzten kümmern." Das sie nicht ihren wahren Namen nannte, war wohl in Sortans Sinne, denn auch er benutzte einen Decknamen. Und den Namen ihres verschollenen Kindes zu nennen, war das erste, was ihr einfiel.
"In Ordnung, folgt mir." Brav folgte die junge Frau Dschiab, der heute in einer ganz normalen Tracht gekleidet war. Ein Hemd aus dunklem Leinen und eine ebenso dunkle Hose, die schon etwas zerschlissen aussah, aber wohl eher praktisch sein sollte. Anscheinend war jeder Mann in diesem kleinen Dorf verpflichtet, Wache zu halten. Sie kamen zu einem kleinen Gasthof an, den sie betraten und nachdem Dschiab in einen der hinteren Räume verschwunden war, kehrte er mit einem Krug und einem Beutel zurück. "Das müsste reichen. Unser Vorrat ist etwas knapp, also hoffe ich, dass es euch reichen wird." Ein Blick in den Beutel und Eona nickte mit einem freundlichen Lächeln. "Natürlich. Wir sind sehr genügsam. Ich danke euch." Auch der Mann rang sich ein kleines Lächeln ab und fügte noch hinzu: "Wir werden gleich ein paar Materialien und Kräuter zu euch bringen, außer, ihr wollt euch selbst darum kümmern." Eona schüttelte den Kopf. "Tut das, was ihr für richtig haltet. Aber am besten unterhaltet ihr euch mit meinem Mann darüber. Ich werde ihn gleich wecken." Meinem Mann. Es hörte sich so komisch und doch schön zugleich an. Aber das war wohl die beste Art der Tarnung. Mann und Frau. Und nicht Sklavin und Assassine.
Dschiab nickte wieder nur und Eona folgte ihm noch aus dem kleinen Gasthaus. "Sagt mir, Dschiab. Was hat es mit dem Tsatsa-Stamm auf sich?" Ein Schatten huschte über das Gesicht des älteren Mannes und er runzelte etwas die Stirn. "Es ist ein etwas größeres Bergdorf etwas weiter nördlich. Wir sind schon lange im Zwist mit diesem Dorf und deren Bewohner, die aus der Wüste stammen und sich dort angesiedelt haben. Erst vor kurzem haben wir einen Angriff von ihnen abgewehrt, darum wäre es uns eine große Hilfe, wenn euer Mann die Verwundeten behandelt. Unser Heiler ist bei dem letzten Angriff getötet worden." Dschiabs Gesicht verhärtete sich, nickte der Sklavin noch einmal zu und entfernte sich zügig in Richtung des Einganges. Eona sah ihm noch eine Weile nach, bevor sie zurück zu der kleinen Hütte ging. Was bewog dieses andere Dorf dazu, ein kleineres Dorf regelmäßig anzugreifen? Was hatten sie für einen Grund? Oder war es einfach nur grundlos? So in Gedanken versunken kam sie wieder in der Hütte an, schloss die Tür leise hinter sich und legte den Beutel, in dem sich ein kleines Stück Schinken, frisches Brot und Käse befand, neben sich auf das Bett. Dann weckte sie Sortan auf, indem sie ihm sanft durch das Haar fuhr und seinen Namen rief.

Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Verfasst: Sa, 22. Sep 2012 20:42
von Sortan
[18]Laut stöhnte er auf, als sie sich in sein Fleisch grub und ihre Zähne und Fingernägel hineintrieb. Es machte ihm nichts aus, denn die dünnen Schmerzwellen wurden rasch wieder von seiner Erregung hinfortgespült. Die Augen hatte er mittlerweile geschlossen und er vergrub seine Nase in ihren Haaren, zog ihren ureigenen Geruch in sich auf und stöhnte ihr leise ins Ohr. Es war so wunderbar, er hatte gedacht das er sie verloren hätte und das gleich mehrmals... Aber nun waren sie wieder zusammen und es war wie das erste Mal. Etwas so neues und fremdes, aber gleichzeitig auch vertraut. Dann spürte er wie sie sich unter ihm immer stärker regte, wie ihre Muskeln sich spannten und schmal wurden. Er spürte wie ihr Atem schneller ging, sah das sich die feinen Härchen an ihrem Körper aufgestellt hatten und konnte fast ihr Herz schlagen hören. Aber auch er selbst hatte sich schon merklich verändert, sein Atem ging schnell und flach und sein Blut rauschte in seinen Ohren. Sein Herz hämmerte vor Anspannung so stark, das er kurz befürchtete es würde die Brust durchbrechen. Dann ging es ganz schnell und er hörte ihren hellen und wohligen Schrei, spürte wie sich ihre Muskeln erneut zusammenzogen und dann förmlich explodierten, ehe sie erschlafften. Der Assassine krallte sich in ihre Haare, stöhnte ebenfalls laut auf als er kam und beugte dann leicht zitternd den Kopf nach unten. Es war kalt in dem Raum, aber ihr Körper strahlte solch eine Hitze aus, das sein eigener kaum mithalten konnte. Erleichtert und zufrieden stieg ein wohliges Gefühl in seinen Bauch und er senkte den Kopf um sie noch einmal matt zu küssen. Als sie sich neben ihm zusammenrollte schlang er einen Arm um ihre Taille, zog sie dicht an sich heran und flüsterte ihr ganz leise etwas ins Ohr. Aber sie war schon eingeschlafen und er folgte ihr kurz darauf in das Land der Träume.[/18]

Sortan hatte düstere Träume, Menschen die er getötet hatte... Geld das er angenommen hatte, bezahlt für Attentate und wie er eine junge Frau folterte. Es dauerte lange, aber irgendwann merkte er das es sich um Eona handelte und der Traum nur eine blasse Erinnerung an ihre erste Begegnung war. Im Schlaf schmunzelte er vor sich hin und war so davon eingenommen das er tief und fest schlief. Ja die Sklavin veränderte ihn wirklich, sie war sein Schwachpunkt und er ließ einen Teil seiner Vorsicht sinken, nur um bei ihr zu sein und sich das zu holen nach dem es ihn so lange gedürstet hatte. Der kleine Funken in seiner Seele glomm allmählich wieder auf und wurde etwas größer. Er durchbrach die Schatten ein wenig, aber das alles würde nichts ändern. Das würde es niemals, denn der Funke gehörte alleine Eona und sonst niemanden. Also würde auch niemand ausser ihr davon profitieren. Er spürte eine Hand zwischen seinen Haaren, war sofort wach und hatte eines der Messer in der Hand. Dann bemerkte er Eonas helle und klare Stimme an seinem Ohr, wie sie seinen Namen aussprach und er ließ den Griff des Messers wieder los und zog seine Hand unter dem Kissen hervor. Sein Blick wandte sich um, bis er auf die grünen Augen seiner Geliebten traf und er musste unwillkürlich lächeln. Dann setzte er sich auf, schlang einen Arm um ihre Taille und küsste sie. Er küsste sie leidenschaftlich, teilte ihre Lippen mit seiner Zunge und biss leicht in ihre Unterlippe um sie zu necken. Dann drehte er den Kopf und sah das es schon hell war, wie lange hatte er wohl geschlafen? Sein Blick wanderte über Eonas Körper und ihrer Kleidung nach zu urteilen war sie schon draussen gewesen. Also hatte er wohl länger geschlafen als gedacht. Sein Blick fiel auf den Beutel neben ihr und er zog kurz eine Augenbraue hoch. Dann schmunzelte er, sicher hatte sie Hunger gehabt. Erneut hauchte er ihr einen Kuss auf die Wange und flüsterte leise, "Gut geschlafen?" Er tat dies mit einem gewissen, unverkennbaren Unterton und zwinkerte ihr zu. Etwas müde streckte er seine ausgelaugten Glieder von sich und kratzte sich am Kinn. Dann langte er nach dem Beutel und besah sich den Inhalt. Mit etwas mürrischer Miene nickte er leicht und reichte ihn Eona, "Iss dich satt, ich habe nicht so viel Hunger... Hast du auch Wasser mitgebracht?" Sortan strich über ihre Wange und mit dem Daumen über ihre Lippen, während seine braunen Augen kurz auffunkelten und sie fixierten. Dann riss er sich von ihr los und stand auf. Er streifte sich seine Kleidung über und legte den Waffengurt an. Die Rüstung und die restlichen Sachen schob er unter das Bett und streckte sich noch einmal ausgiebig. "Ich werde nach Schattenmähne sehen und fülle unsere Wasserschläuche... Hast du jemandem etwas erzählt oder etwas erfahren?"

Der Assassine kam gerade aus dem Stall, als ein älterer Mann ihn ansprach. Er hatte zwei prallgefüllte Wasserschläuche in der Hand, denn er war schon am Fluss gewesen und hatte sich grob gewaschen und die Schläuche gefüllt. Auch Schattenmähne war versorgt und wurde anscheinend gut behandelt, was ihn ein Stück weit zufrieden stellte. "Folgt ihr mir, Herr? Ihr müsst entscheiden was wir zu euch bringen sollen..." Sortan nickte und setzte ein Lächeln auf. Dann folgte er dem Mann in das größere Haus, anscheinend war es neben Lazarett auch noch Lager für Kräuter und andere Dinge der Heilkunst. Er besah sich lange und gründlich die Kräuterbestände und ließ sich das bringen was er gebrauchen konnte für seine Tränke. Auch ein großes Wasserfass war dabei, was seine Schläuche fast überflüssig machte. Schulterzuckend wandte er sich um. Natürlich brauchte er auch noch Phiolen, Dosen und Flaschen für die Elixiere, Tränke und Salben. Auch diese Dinge sagte er dem alten Mann und war sich sicher das er sie bekommen würde. Seine Schritte wandten sich in das Lazarett. Die meisten der Verwundeten waren notdürftig verbunden. Nacheinander besah er sich die Männer aus der Ferne, der eine hatte seine Hand eingebüßt. Man würde die Wunde sauber ausbrennen und ordentlich verbinden müssen. Es folgten noch zwei weitere mit mehr oder weniger tiefen Schnittwunden. Das konnte er so natürlich nicht sagen, denn sie waren alle notdürftig verbunden worden. Es folgte eine Frau, der noch immer ein gefiederter Pfeil in der Schulter steckte und dazu die üblichen Kranken, Altersschwachen und sogar ein Toter. Sortan trat näher heran, seine Augen starrten in die Luft und er war bereits kalt. Kurz hielt er den alten noch einmal an, "Dieser hier ist tot... Bringt ihn bitte weg." Der Assassine wandte sich wieder ab und ging zurück in die Hütte. Kurz sah er zu Eona und hielt ihr einen der Wasserschläuche hin. Dann aß er selbst den Rest den sie übrig gelassen hatte und trank einen großzügigen Schluck. Er saß neben ihr auf dem Bett und erklärte ihr die Verletzten, ihre Wunden und wie man sie am besten behandelte. Natürlich war er als Attentäter in der Anatomie und der Giftmischung ausgebildet worden. Das half ihm sehr beim töten, hatte aber auch den großen Vorteil das er wusste welche Wunden gefährlich waren und welche nicht. Der Unterschied zwischen Medizin und Gift lag sowieso sehr nahe beinander. Zwei junge Männer brachten derweil die verlangten Sachen hinein und stellten sie in Kisten und Körben um den Alchemietisch. Sortan hatte eine Hand auf ihren Oberschenkel gelegt und erklärte ihr weiter die Behandlung und was er wie machen wollte, zumindestens bis die Bergmenschen fertig waren und wieder verschwanden. Dann stand er auf, lächelte sie kurz an und deutete auf den Tisch und die daraufsstehenden Gläser, Eisenschalen und Kerzen, "Dann lass uns anfangen... Zuerst werden wir etwas gegen die Schmerzen brauen, ein kleines Elixier. Du brauchst dafür Schwarzwurz, etwas Schöllkraut und die Feuernessel..." Er zeigte bei jedem der Worte auf die entsprechende Pflanze in einem der Körbe und fuhr dann fort, "Die Nesseln und das Schöllkraut musst du zerstoßen, aber von dem Schöllkraut nimmst du nur die Blüten. Dann gibst du es in Wasser und kochst einen Sud daraus. Sobald dieser kalt ist, gibst du den Schwarzwurz hinzu und die Mischung in den Destillatkolben. Du musst ihn erhitzen und der klare Extrakt sammelt sich oben und läuft hinüber in die kleine Phiole... Dann hast du ein schmerzlinderndes Mittel erschaffen." Er sah erneut zu ihr und schmunzelte, "Fang ruhig an... Ich werde dir mit der Dosierung helfen, denn wenn es zu viel von ein paar Dingen wird, könnte es tödlich werden. Aber das ist reine Erfahrungssache..."

Re: Alte Heimat, neue Zukunft

Verfasst: Sa, 22. Sep 2012 23:28
von Eona
Er zuckte ein wenig, als er erwachte und Eona wusste, dass er nach seinem Messer unter dem Kissen gegriffen hatte, doch sie ließ sich nicht davon beirren. "Ich bin es...", sagte sie beruhigend und lächelte ihm entgegen. Ein Kuss folgte, leidenschaftlich, fest, fordernd. Sie strich ihm über die Wange, schloss die Augen und seufzte zufrieden, nachdem er sich wieder von ihr gelöst hatte. Am liebsten hätte sie sich wieder neben ihn gelegt, ihren Kopf auf seine Schulter gebettet und weiter geschlafen. Doch dafür war keine Zeit. Nun stand etwas Arbeit auf dem Tagesplan, damit sie sich die Unterkunft verdienen konnten.
"In Sicherheit zu Schlafen hat etwas erholsames. Besonders neben einem starken Mann", sagte sie mit einem belustigen Unterton in der Stimme und beobachtete ihren Geliebten dabei, wie er den Beutel an sich nahm, doch den er wieder an sie zurückreichte. Die Sklavin nickte nur, ohne etwas zu sagen und nahm sich etwas von dem Brot. Schon war er aus dem Bett gestiegen und irgendwie tat es ihr Leid, dass sie ihn geweckt hatte. War er noch müde? Sein muskulöser Körper streckte sich und für einen Moment wollte sie Sortan wieder an sich ziehen, die schönen Stunden von letzter Nacht wiederholen. Doch tat es nicht, sah ihm dabei zu, wie er sich ankleidete und ihr sagte, dass er nach seinem Wallach sehen wollte. Gerade hatte Eona sich ein kleines Stück des würzigen Brotes zwischen die Lippen geschoben, als der Assassine sie fragte, ob sie jemanden etwas erzählt oder erfahren habe. Sie schluckte das Brot herunter und hustete kurz, bevor sie antwortete.
"Ich habe einen Decknamen benutzt. Emilia. Aber sonst nichts über uns erzählt." Sie wischte sich über den Mund und brach noch etwas von dem wohlschmeckenden Brot ab. Dann runzelte sie etwas die Stirn, bevor sie hinzufügte: "Ich habe Dschiab noch gefragt, was es mit dem Tsatsa-Stamm auf sich hat und er meinte, sie bekriegen sich schon seit einer Weile und nach dem letzten Angriff haben sie viel einstecken müssen. Ihr Heiler ist dabei umgekommen." Abermals schwang ein besorgter Unterton in ihrer Stimme mit, doch ihr Gesicht blieb ohne Emotion. Es war nicht ihre Angelegenheit und über soetwas durfte sie sich auch nicht den Kopf zerbrechen. Vor allem, da Sortan es von ihr erwartete. Er zerbrach sich wohl auch nicht den Kopf darüber, wie viele Menschen umgekommen waren oder welche Opfer dieses kleine Bergdorf bringen musste, um überleben zu können. Doch trotzdem tat es Eona irgendwie Leid. Aber dieses Gefühl schluckte sie einfach herunter.

Während Sortan sich um Schattenmähne kümmerte, ließ sich Eona mit ihrem Essen Zeit. Die andere Hälfte des Brotes ließ sie für den Assassinen übrig und aß noch etwas von dem weichen Käse und ein Stück von dem Schinken, der ihr jedoch etwas zu salzig schmeckte. Dann trank sie noch ausgiebig aus dem Wasserkrug und wusch sich noch das Gesicht, ihre Arme und einige Strähnen ihres Haares. Es wurmte sie, dass ihre ganzen Öle, Bürsten und übrige Kleidung noch in Sortans Haus lagen und sie diese wohl nie wieder sehen würde. Dabei hing sie doch an diesen Sachen, die ihren Körper immer in Schuss gehalten hatten. Besonders ein Kamm fehlte ihr, denn mit den Fingern das Haar zu durchkämmen, war nicht wirklich das Wahre. Doch sie schob den Gedanken beiseite und überprüfte nocheinmal ihre Wunde. Der Verband würde noch einige Tage halten, nur die Salbe sollte aufgefrischt werden. Vielleicht sollte sie Sortan später danach fragen. Doch ersteinmal sollten die Verwundeten gepflegt werden. Um ihre Muskeln etwas geschmeidig zu halten, vollführte sie noch einige Dehnübungen und probierte aus, wie weit sie den linken Fuß mit der Verletzung belasten konnte. Es sah ganz gut aus, doch vollen Einsatz konnte sie wahrscheinlich im Kampf nicht zeigen. Wobei sie hoffte, in nächster Zeit nicht in einen Kampf verwickelt zu werden.
Nach einer Weile und mehreren Übungen später kehrte ihr Geliebter zurück und reichte ihr wortlos einen Wasserschlauch, aus dem sie auch noch einige Schlücke trank und dann an ihn zurück gab. "Ist es sehr schlimm?", fragte sie und deutete mit dem Kinn auf das Lazarett neben an. Sie hatte keine Probleme damit, sich schlimme Wunden oder kranke Menschen anzusehen. Dafür hatte sie schon zu viel gesehen, als dass sie das noch abschrecken würde. Ruhig setzte sich Sortan neben die Sklavin auf das Bett und erklärte ihr nüchtern, um was es sich handelte, wie viele es waren und wie es um sie stand. Auch wie man am besten ihre Verletzungen behandelte und damit umging. Eona hörte ihm dabei genau zu und versuchte sich alles einzuprägen. Dabei bemerkte die Rothaarige, dass Sortan anscheinend sehr viel über die Anatomie der Menschen wusste und auch, was die Heilkunst anging. Sie bewunderte ihn dafür. Eona selbst wusste zwar, wie sie oberflächliche Schnittwunden oder Verstauchungen kurieren konnte, aber das, was ihr der Assassine erzählte, ging über ihr Wissen weit hinaus. Aber es beruhigte sie, dass er an ihrer Seite war und auch bereit dafür war, ihr mehr darüber zu lehren.
Seine Hand ruhte dabei die ganze Zeit auf ihrem Oberschenkel und es gab ihr ein kleines Stück Geborgenheit und Sicherheit.
Die Männer waren zwischenzeitlich mit all den nötigen Sachen hereingekommen und hatten die Dinge wortlos aufgestellt. Eona stand mit Sortan auf und besah sich die Dinge näher. Es waren viele Kräuter darunter, Pflanzen, die sie entweder noch nie gesehen hatte oder deren Name und Verwendung bekannt waren. Dazu hatten die jungen Männer noch viele Schalen, Phiolen und Kerzen gebracht. Gerade fühlte sich die Sklavin etwas unsicher, als Sortan ihr erklärte, was sie wie tun sollte und welche Kräuter man für das schmerzlindernde Elixier brauchte, aber sie musste sich anstrengen. Eona war nicht auf den Kopf gefallen, aber brauchte ihre Zeit und auch eine strenge Hand, um neue Dinge zu erlernen. Doch mit Sortan als Lehrer hatte sie eher weniger Bedenken.

So fingen die beiden an, die Medizin anzufertigen. Bei den Dosierungen half der Assassine ihr und Eona versuchte sich die Anzahl oder die Menge zu merken. Während Sortan das Wasser aufkochte, zerstieß sie die Kräuter sorgfältig und gab diese dem Wasser hinzu. Während der Sud abkühlte, wollte sich Eona das Leid aus der Nähe ansehen und verzog keine Miene, auch als sie die Frau mit dem Pfeil erblickte. Es sah schlimm aus, aber die Sklavin ließ nichts davon an sich heran. Manchen der Verwundeten gab sie etwas Wasser und fragte nach deren Befinden und wie es nun weitergehen würde. Die junge Frau versuchte einfühlsam zu sein und ihnen etwas die Angst zu nehmen, auch wenn sie nicht wusste ob ihr das so gut gelang.
Danach zeigte Sortan ihr, wie der Destillatkolben funktionierte, wo man den Sud hinzugeben sollte und was er eigentlich für Funktionen hatte. Die eigentliche Medizin, die in kleinen Tropfen aus einem Hahn floss und sich in der Phiole sammelte, hatte eine dunkle, beinah bernsteinfarbene Färbung und neugierig hielt Eona diese gegen das Licht. Sie war fasziniert von der Alchemie und war begierig darauf Neues zu lernen. "Ich hoffe, diese Medizin lindert wirklich Schmerzen und tötet niemanden", murmelte sie nachdenklich und folgte Sortan zurück in das Lazarett, in dem weitere Schritte folgten. Verbände wurden gewechselt, Wunden ausgewaschen oder anderweitig versorgt und der Assassine zeigte ihr noch die Herstellung einer Paste, welche die Blutung stoppte und die Heilung förderte. Dem Mann, welchem die Hand genommen wurde, wurde die Wunde ausgebrannt und auch nach mehreren Stunden hatte die Sklavin den Geruch von verbranntem Fleisch in der Nase. Aber es verlief alles gut und anscheinend schöpften einige der Menschen im Dorf neue Hoffnung, nachdem der Prozess ersteinmal abgeschlossen war. Einige Familienangehörige kamen am späten Nachmittag und besuchten ihre kranken Verwandten, wenn auch nur kurz. Dschiab, welcher für Eona als allgemeiner Ansprechpartner angesehen wurde, bedankte sich höflich und mit einem freudigen Funkeln in den Augen bei Sortan und seiner Frau. "Ihr habt uns wirklich sehr in unserer Notlage geholfen", meinte er mit seiner dunklen, rauen Stimme und wandte sich an Sortan. "Wie lange werdet ihr noch hier verweilen?"
Eona warf ihrem Geliebten einen Seitenblick zu. Es wäre wirklich gut, wenn sie noch weiterhin hier bleiben könnten, denn ihre Verletzung war noch nicht verheilt und sie könnte hier noch einige lernen. Der Umgang mit einem Kurzschwert sollte wieder aufgefrischt werden und auch wenn sie das Reiten erlernen würde, wäre das ein guter Schritt vorwärts.