Auf den Spuren der Stadt

"Die Stadt der Wasser" am Fuße der Ruwayd-Berge. Bekannt für ihren Wohlstand und der Akademie der Heiler.
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Azar
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Re: Auf den Spuren der Stadt

Beitrag von Azar » Fr, 23. Sep 2016 23:35

"Azar.. Azar?! Geht es dir gut?" Wenn Yára angenommen hatte ihn in einem ähnlich schwachen Zustand anzutreffen, wie sie ihn verlassen hatte, so erlebte die Diebin eine angenehme Überraschung. Statt in seinem Bett lethargisch zu liegen, erblickte die Diebin den Blinden, wie er im Halbdunkel hin und her stromerte. Bleich war sein Antlitz, das er ihr auf ihre Worte hin zuwandte. Doch anstelle von Sorgen zeichnete sich plötzlich Erleichterung in seinen Zügen wieder. Leise mit der Zunge schnalzend bewegte er sich rasch auf Yára zu, blieb dann aber wenige Schritte vor ihr plötzlich abrupt stehen. „Die Schlüsselmeisterin!“ wisperte er leise an Yára gewandt ehe er wieder im Halbdunkel der Höhle hin und her zu tigern begann. „Was auch immer der Schlüssel bedeutet.“ sprach er mehr zu sich, denn zu Yára. „Die Schlüsselmeisterin ist in heller Panik.“ Wieder wandte Azar schnalzend den Kopf zu Yára, beinahe als wolle er sich vergewissern, das sie tatsächlich unversehrt war. „Und sie ist gefährlich in ihrer Angst.“ Azar atmete tief ein und wieder aus. „Ich fürchte um dein Leben Yára und um meines dazu, solange du den Schlüssel hast oder die Schlüsselmeisterin ihn bei uns vermutet.“ Azar ging zu seiner Schlafstatt zurück und griff sich den am Kopfende zusammengefalteten Umhang. Der kurze Moment des Schwindels, der ihn beim Herabbeugen erfasst und zu zwei, drei Sekunden des Innehaltens, den Rand der Schlafnische dabei mit bleichen Fingern fest umklammernd, zwang, er entging Yára wohl nicht. „Ich vermute, das du sehr gut auf dich selbst aufpassen kannst, aber diese Diebe kennen die Stadt und ihre Regeln weit besser, denn du, die du doch neu in Naradesh noch bist.“ Azar legte sich den Umhang um und nickte Yára zu! „Darum möchte ich dich bitten, mich zu meinen Brüdern zur äußeren Quelle der Erkenntnis zu begleiten. Wenn du danach deiner Wege ziehen willst, sei es so, aber ich will dir zumindest eine Zuflucht bieten, bis die Sache ausgestanden, einen Ort, an dem Du Hilfe erfahren kannst, denn ich bin mir sicher, das es ab jetzt um unser beider Leben geht.“ Das Teile seiner Rede für Yára unverständlich wohl sein dürften, schien Azar entweder schlicht nicht zu bemerken, oder aber es war ihm einerlei. Scheinbar aufbruchbereit schritt er leise schnalzend auf Yára und fasste sie etwas zu zielsicher für einen immerhin doch blinden Menschen am Ellenbogen. Doch statt sie nun wie ein kleines Kind hinter sich her zu zerren ließ er nach dieser kurzen auffordernden Bewegung ihren Arm auch schon wieder los, so das es ganz an ihr war ihm entweder zu folgen, oder auch nicht.

Doch hatte er entweder ihre Neugierde geweckt oder aber sie gar überzeugt. Denn schon bald schritten sie beide die Straße hinab, gen des Ringkanales, der das Villenviertel umschloss in dem die Häuser der wohlhabendsten und mächtigsten Männer der Stadt inmitten der Wasser und den grün sprießenden Gärten mit ihren artesischen Springbrunnen lagen. Als einer der Kähne, die die einzige offizielle Möglichkeit boten, auf die von Kanälen umschlossene Insel zu gelangen, in Rufweite an dem am Ufer des Kanals einher schreitenden ungleichen Paares vorüber zog, steckte sich der Bildhauer zwei Finger in den Mund, stieß einen lauten Pfiff auf und winkte den Steuermann des Gefährtes zu sich herüber. Der lenkte den Kahn zwar in ihre Richtungen, beäugte die beiden Gestalten vor sich aber misstrauisch und strich dabei wie abwesend über einen ledernen Totschläger an seinem Gürtel. „Ihr wohnt hier nicht und ohne Einladung…“ Azar schnitt dem Anderen das Wort ab und erwiderte nur: „Zum weißen Tempel, schnell, es ist wichtig!“ Yára mit ihrem guten Auge sah, anders als Azar, den am Heck des Kahns stehenden Ruderer so stimmlos wie überheblich Azar nachäffen. ‘Zum weißen Tempel, schnell, es ist wichtig!’ doch schickte er sich nichtsdestotrotz an, den Kahn zu ihnen herüber zu lenken und bald hockten Azar und Yára in einem mit Bierfässern und Weinkrügen beladenem Lastenkahn, der sie über den Kanal zu einer der eigentlichen Palastinsel vorgelagerten Landzunge inmitten des Kanals fuhr, auf dessen anderer Seite sich durch die Landzunge so etwas wie ein künstlicher kleiner Hafen befand. Da diese Kanal bereits Teil des Aquäduktes war, der die Stadt durchzog, war es eigentlich allen strengstens verboten darin oder darauf sich zu bewegen, so das niemand das Wasser, sei es nun absichtlich oder unabsichtlich verschmutzte. Doch die Palastinsel, auf der selbst Sultan Amjad ibn Akin ibn Thaaqib al Farhaan noch ein privates Haus abseits des Regierungspalastes im ebenso gut gesicherten Regierungsviertel besitzen sollte galten diese Regeln offenbar nicht – wobei dennoch auch dort penibelst darauf geachtet wurde den Kanal nicht zu verschmutzen. Doch wie dem auch sei. Von hohen Bäumen beschattet stand dort auf dem künstlichen schmalen Streifen Land ein kleiner Pavillon, darum etwa an die zwanzig Menschen Tee tranken, flanierten, beim Brettspiel vertieft waren, lasen, sich in der Fechtkunst maßen oder tatsächlich auch das Bogenschießen auf eine nahe Scheibe übten.

Nach einer kurzen Frage wer die Beiden seien und was sie wollten, „Azar und Yára sein Gast“ und man wolle den alten Bayapalin sprechen, erlaubte man dem Kahn abzulegen und den beiden Passagiere an Land zu gehen. Obgleich Azar und Yára gleichermaßen ärmlich daher kamen, hier unter den Reichsten der Reichen, wurden sie beide mit erlesener und Yára vermutlich erstaunender Zuvorkommenheit behandelt, wobei Yára durchaus auch mehrere scharfäugige und bewaffnete Beobachter stets um sich herum gewahrte. Auch bemerkte Yára spätestens jetzt, was Azar mit Brüdern meinte, da hier doch etliche verschwisterte Menschen umzugehen schienen, die indes eher Geschwister im Glauben, welcherlei Art auch immer, denn etwa leibliche Geschwister zu sein schienen. „Ah Azar, was treibt dich in diese erlauchten Kreise?“ Herzlich ergriff ein alter Mann mit unzähligen kupferfarben im Sonnenlicht schimmernden Armreifen Azars Hände und schüttelte diese. Doch Azar gab sich nicht lange mit Höflichkeiten ab und erteilte dem Anderen, Bayapalin, scheinbar Bericht. Die Sklavenhändler schienen nichts mit den Sabotageakten zu tun zu haben, wobei sie sich natürlich nicht in die Karten hatten schauen lassen, die Kinder wären Kinder nur, wie gedacht. rüpelhaft, auf Krawall aus, aber ohne den langen Atem, den solch fortwährende Zerstörungen verlangten. Aber, und nun begann Azar davon zu berichten, wie er den ihm genannten Dieb aufgesucht hatte und bald darauf in Yára hinein lief, wie er sie versehentlich für eine Verfolgerin gehalten hatte und darum den Kontakt zu ihre gehalten hatte, wie sie sich dann aber als aufrichtige Freundin erwiesen hatte, die ihm in seiner Not nach einer Vergiftung beigestanden hatte und wie aber einer der Diebe den Schlüssel, den er bei einem Gerangel mit Azar scheinbar verloren hatte nun verzweifelt zu suchen schien. „… und er machte dabei ganz den Eindruck über Kurz oder Lang über Leichen zu gehen , um das Teil wieder zu bekommen.“ Anschließend bat Azar um Schutz für seine Begleiterin, die ja um seinetwegen überhaupt nur in diese ganze Geschichte hineingeraten war. Obgleich Yára sicher war, das der aufmerksame altersgraue Zuhörer Azars kleine Auslassungen und Lügen, etwa bezüglich Yáras Anteil an dem im Gerangel zwischen Azar und dem Dieb im Badehaus den Besitzer gewechselt habenden Schlüssel, wohl durchschaute, blickte der die Diebin nun offen und freundlich an.

„Ein Monat Azar, und etwaige Vergehen wider unsere Regeln fallen auf dich zurück Azar, das ist dir hoffentlich klar?“ Yára bemerkte den prüfenden Blick des Alten, der aber dem Blinden und nicht etwa ihr galt. Und sie begriff, das der Alte verhohlene Zuneigungen zu der offensichtlich schönen Frau an seiner Seite als möglichen Beweggrund für Azar Handeln vermutete. Und auch Azar schien den Klang der Stimme des Mannes so zu deuten. „Freunde, wir sind nur Freunde.“ meinte Azar daraufhin nach einem kurzen selbstreflektiven Zögern und ganz schamlos. „So nenne ich Menschen, die ohne Vorteilsabsichten mir zur Seite stehen, wenn ich in Not bin und die Solches fortan darum auch von mir erwarten dürfen.“ An Yára gewandt erklärte er ihr, das es fortan bis zum nächsten Vollmond für sie an drei Orten in der der Stadt verteilt, Zufluchten gäbe, sollte sie durch die Schlüsselmeisterin oder anderweitig in unverschuldete Gefahr geraten. Der Alte nickte bestätigend und gab Yára einen kleinen beschrifteten Fetzen Pergament in die Hand, das sie an den öffentlich bekannten Quellen der Erkenntnis „Schutzhäuser in deinem Fall!“ vorzeigen sollte, wenn sie Hilfe denn bräuchte. „Ach so, ja. Apropos Beistand: Ich schulde Yassir jetzt übrigens was!“ Während Azar Yassir Rolle bei dem Überfall durch die Schlüsselmeisterin irgendwie ganz ausgelassen hatte, dessen Taten weder rühmlich noch abfällig zur Sprache gebracht hatte, klang diese Eröffnung, die er dem Alten gegenüber zum Abschied noch zur Sprache brachte irgendwie enttäuscht. Doch der Alte nickte nur, ehe er sich einem Brettspiel wieder zuwandte, an welchem er mit einem Diener zuvor beim Spiel unterbrochen worden zu sein schien. An Yára gewandt fragte Azar diese nun, wie ihre weiteren Pläne ausschauten und ob sie sich etwa vorstellen könnte mit ihm gemeinsam das Geheimnis des Schlüssels der Schlüsselmeisterin zu ergründen...
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Re: Auf den Spuren der Stadt

Beitrag von Yára » Do, 17. Nov 2016 14:57

Zuerst einmal war sie erleichtert, dass es Azar soweit gut ging. Das Gift schien seinen Körper zum größten Teil verlassen zu haben und die Gestalten, von denen Yassir sie gewarnt hatte, hatten offenbar kein zu übles Spiel mit ihm getrieben. Bei seinen eindringlichen Worten verfinsterte sich ihr Gesichtsausdruck zunehmend. Nur einmal veränderte sich ihre Miene kurzzeitig, als Azar berichtete, dass die Schlüsselmeisterin in heller Panik war. Da musste sie sogar etwas selbstzufrieden schmunzeln. Der Schlüssel hatte also eine große Bedeutung und schien sehr sehr wichtig zu sein. Yára hätte gerne mehr über das passende Schloss gewusst. Oder besser gesagt: mehr über das, was hinter diesem Schloss lag. Es war schon entzückend, dass er sich offensichtlich so große Sorgen um sie machte. Sie wollte schon abwinken und das Ganze mit einem Scherz herunter spielen. Sie kannten sich schließlich kaum und sie vermutete, dass sie mehr Erfahrung als er darin hatte, unter nicht so optimalen Umständen zu überleben. Doch sein folgender Satz weckte tatsächlich ihre Neugierde. "Darum möchte ich dich bitten, mich zu meinen Brüdern zur äußeren Quelle der Erkenntnis zu begleiten." Sie verstand zwar nicht, was genau er damit meinte, aber es klang interessant und so, als müsste sie sich diese ‘äußere Quelle’ einmal von Nahem ansehen.

Überrascht erkannte die Beraij bald, dass sie auf den inneren Ring der Stadt zu steuerten. Sie war schon ein paar mal hier gewesen, aber hatte immer den Kürzeren gezogen. Es gab kein Hineinkommen in den Ring der Gutbetuchten, den sie sich tatsächlich zunächst einmal aus reiner Neugierde hatte anschauen wollen. Doch da sie nicht die Gewänder einer Edelfrau besaß, war sie bei ihren Versuchen immer wieder abgewiesen worden. "Wie zum.." n, murmelte sie, bevor die Sprachlosigkeit sie verstummen ließ, als er so zielsicher einen nahenden Kahnfahrer auf sie aufmerksam machte. Schon vorhin hatte sie gestutzt, als er so zielsicher nach ihrem Arm gegriffen hatte, aber das hätte auch ein glücklicher Zufall gewesen sein können. Doch wie hatte er den Kahn überhaupt sehen können? Während sich dieser ihnen näherte, quittierte Yára das Nachäffens des Fahrers ihres Begleiters mit einem finsteren Blick, der dem anderen aber nicht das Geringste ausmachen zu schien. Dann betrachtete sie Azar genauer aus den Augenwinkel. War er tatsächlich so blind wie er die ganze Zeit vorgab? Aber welchen Grund sollte er haben, dies über mehrere Jahre allen anderen vorzutäuschen und sich selbst diese Einschränkung aufzuerlegen? Nein, das würde genauso wenig Sinn machen. Es blieb ihr also weiterhin ein Rätsel, wie er das anstellte. Noch darüber nachdenkend, stieg sie schließlich in den Kahn und erwiderte den misstrauischen Blick des Ruderers auf die gleiche Weise.

Auch dieses mal war es Azar zu verdanken, dass sie zu den Reichen und Schönen der Stadt vorgelassen wurde. Mit großen Augen betrachtete sie den Reichtum, der sich in den Häusern, den Gärten und nicht zuletzt in den Leuten widerspiegelte. Yára kam sich hier so fehl am Platz vor, wie selten zuvor. Sogar noch mehr als in dem Tempel der Götter. Da waren verschleierte Damen, die den Blick von ihr abwandten und provozierend in Gruppen tuschelten und kicherten. Aber auch welche, Frauen wie Männer, die sie offen und zumeist interessiert musterten, während sie ihre erlesenen Getränke zu sich nahmen, ehe sie sich wieder ihren wichtigen Gesprächen widmeten. Nervös trat Yára unbewusst von den einen Fuß auf den anderen und versuchte so locker wie möglich zu wirken, was ihr sehr schwer fiel, vor allem in Anbetracht der muskulösen und breiten Männer, die mit Säbel bewaffnet in der Nähe ihrer Herren verharrten und nur darauf zu warten schienen, dass sie eine falsche Bewegung machte.

Gespannt verfolgte sie das Gespräch zwischen Azar und Bayapalin, während sie sich nervös umschaute bis ihr Blick abrupt wieder auf Azar fiel. Sklavenhändler, Sabotage, Kinder, Diebe.. Was redete er da? Yára versuchte den scheinbar zusammengewürfelten Worten einen Sinn zu entlocken, aber es war vergebens. Sie verstand nicht, worum es ging. Als er dem Fremden erklärte, dass er sie für eine Verfolgerin gehalten hatte und nur deshalb in ihrer Nähe geblieben war, hätte sie fast laut aufgelacht. Bayapalin jedenfalls konnte an ihrer Miene deutlich ablesen, wie absurd Azars Gedanken sie betreffend gewesen waren, die er zum Glück sogleich selbst berichtigte. Dass sie die Verantwortung dafür trug, dass die Schlüsselmeisterin nun womöglich nach ihrer beiden Leben trachtete, ließ sie sich so wenig wie Azar anmerken. Sie war sich nicht sicher, ob Bayapalin ihre Mitschuld an dem Geschehen erahnte, doch ihr Gesicht blieb wie eine Maske, die es zu verstehen wusste, alles zu verbergen, das ihrem Selbstschutz galt. So erwiderte sie seinen freundlichen Blick gleichsam, aber ohne dabei zu versuchen, sympathischer als sie war, zu wirken. Sie war sich sicher, dass sie seinen Schutz nicht benötigen würde und war ja eigentlich nur hier, um zu ergründen, was es mit der ‘Quelle der Erkenntnis’ auf sich hatte. Nun wusste sie es und dazu kannte sie nun auch andere dieser Quellen, bei denen sie im Notfall Schutz suchen konnte. Nach einem kurzen Blick auf das Pergament, für das sie sich bei Bayapalin bedankte, ließ sie es in der eingenähten Tasche ihrer Tunika verschwinden, an die so schnell keiner heran kommen würde.

Als Azar sie nach ihren weiteren Plänen fragte, hakte sie sich ungefragt bei ihm unter und führte ihn zunächst ein paar Meter weiter weg, außer Hörweite der anderen. Die Frage, ob sie mit ihm das Geheimnis des Schlüssels ergründen wollte, ließ ihr Herz höher schlagen. Doch vorerst gab es da etwas anderes. "So so, du hielst mich also für eine diebische Verfolgerin, hm? Und ich dachte schon, du hättest echtes Interesse an meiner Gesellschaft gehabt." Sie hatte sich inzwischen von Azar gelöst, doch statt einem beleidigten Tonfall klang der ihre viel mehr belustigt. "Außerdem: Irgendwann musst du mir erklären, wie du all diese Sachen sehen kannst, wo du doch behauptest, blind zu sein." Aber auch das klang nicht wie eine Anschuldigung, schließlich war sie sich ziemlich sicher, dass er wirklich blind war und das nicht nur behauptete. Umso rätselhafter war ihr sein Verhalten, das sie neugierig machte und sie ehrlich interessierte, was dahinter steckte.
"Und nun zurück zu deiner Frage: Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen als mit einem Freund ein Geheimnis zu ergründen, für das es sich zu töten lohnt." Aufgrund ihres fröhlichen Tonfalls war zu bezweifeln, dass Yára das Ganze so ernst nahm wie es wohl angemessen gewesen wäre. Doch aus ihrer Stimme tönte Tatendrang, Abenteuerlust und Furchtlosigkeit. Als wäre das alles nur ein Spiel. "Zuerst einmal drehen wir den Spieß um! Ich hasse es, zu den Gejagten zu gehören. Wir sollten der Schlüsselmeisterin mindestens einen Schritt voraus sein und zu den Jagenden werden." Sie erzählte Azar von ihrem Plan, der natürlich schon längst vor diesem Treffen seine Form angenommen hatte. Sie wollte im Verborgenen in Deckung gehen, auf die Schlüsselmeisterin warten und ihr schließlich folgen. Sie vermutete, dass einer von ihnen oder sogar beide früher oder später erneut einen Besuch zu Hause abgestattet bekommen würden. Das wäre ein Punkt, an dem man ansetzen konnte. Doch anstatt in Ruhe vor dem Kamin zu warten, könnten sie die Häuser beschatten und schließlich zur Verfolgung ansetzen. Yára war sich ziemlich sicher, dass die Schlüsselmeisterin sie früher oder später zum passenden Schloss führen würde.
Wer dem Weibe vertraut, der vertraut auch Dieben.

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Re: Auf den Spuren der Stadt

Beitrag von Azar » Fr, 09. Dez 2016 11:01

"So so, du hielst mich also für eine diebische Verfolgerin, hm? Und ich dachte schon, du hättest echtes Interesse an meiner Gesellschaft gehabt." Azar lachte leise auf. „Ich hielt dich für eine selbstbewusste eigenständige und willensstarke Persönlichkeit mit großer Geschicklichkeit und Köpfchen. Wenn ich mich dafür entschuldigen sollte?“ Wie empört hatte sich Yára ob dieser Worte von ihm gelöst, klang aber unverändert belustigt, als sie fortfuhr "Außerdem: Irgendwann musst du mir erklären, wie du all diese Sachen sehen kannst, wo du doch behauptest, blind zu sein." Und doch stimmte Yáras, in seinen Augen überzogene, Gelassenheit ihn besorgt.. Ihr Plan aber den Spies umzudrehen bestätigte erneut die ihr grad von ihm wieder unterstellte Intelligenz. Nein, diese Frau, ob nun tatsächlich eine Diebin, oder vielleicht ja auch etwas ganz anderes, schien zu wissen, wie man alleine in dieser Welt überlebte. Doch das hieß erst einmal von dieser insel zu verschwinden. Bald saßen wie wieder im gleichen Kahn als wie zuvor und wurden über das reine Wasser des Kanals wieder in den normalen Trubel dieser Wüstenstatt gestakt. Die heisse Wüstensonne brannte unerbärmlich auf sie hernieder und als Azar sich an einem nahen Brunnen kurz erfrischen wollte, musste er sich in eine Reihe Wartender stellen, dreier Kinder, zweier Frauen undeines vornehm gekleideten Haändlers, der sich mit einem selbstgefälligen „Ich kann nicht warten, habe dringende Geschäfte zu tätigen.“ grob vordrängelte. Doch statt sich, wie die Frauen, empört zu geben, lachten die Kinder nur und umtanzten ihn. Kaum war er weg, sah Yára wie die Kinder an einer Straßenecke einen Beutel mit gut einem halben Dutzend Seyal leerten, unter sich aufteilten und dann lachend in alle Richtungen davon stoben. Schmunzelnd begte Azar sich über das Wasser, leise etwas wie ein Gebet murmelnd, in welchem die Worte Schutzgeist und Wasser zu vernehmen sein mochten.

„Wir sollten wohl wirklich den Spieß umdrehen.“ nahm Azar den Faden des von Yára auf dem EIland begonnenen Gespräch, beantwortete zuerst einmal aber ihre Frage nach dem Geheimnis um seine Blindheit. Reichlich entspannt schlenderten sie beide in Richtung von Yáras Unterschlupf, derweil Azar in angenehmer Art von seiner Vergangenheit berichte, wie seine Mutter ihn fand und er im Hause ihrer Herrin, als Sklave zwar, aber privilegierter als so mancher Frei aufwuchs. Er erzählte, wie er relativ früh auf die eigenen Beine sich machte, obgleich er nicht sehen konnte, berichtete davon, das er bald erkannte, das die Nähe anderer zu spüren, wie er es tat, sich als nicht normale Wahrnehmung ihm offenbarte - auch wenn er bei seinem Bericht nicht von Naturmagie sprach, sondern einfach von Insinkt. Denn ab des Geredes der Priester hielt er das genau dafür. Denn warum sonst sollte er die heilerischen oder seherischen Talente die Naturmagier sonst noch so erlernen mochten, trotz der Mühen eben solcher Kundigen nie in sich geweckt haben. Und es war so angenehm ihm zu lauschen, das Yára relativ spät erst bemerkte, das er ihr die Führung die ganze Zeit überlassen hatte, unbewusste Hinwendungen ihrerseits mal hie-, mal dorthin aufgegriffen und eben jene Wege eingeschlagen hatte. - Auch eine geschickte Art, sich von Anderen an einem selbst noch unbekannte Orte führen zu lassen. Doch schien er, so selbstverständlich ihre Körpersprache gerade deuten zu können, wie ein Sehender in einem Buch las, denn kaum, dass Yára erkannte wohin sie unbewusst ihre Schritte hingelenkt hatte, lenkte Azár sie nun zu einem kleinen Teehaus.

Die Gegend war inzwischen weit heruntergekommener als das Viertel, in welchem sie an Land gegangen war. Doch wie Azar nun bei einer Tasse heissen Tees leise weiter berichtete, war er es von Kindesbeinen an gewohnt sich in allen Gesellschaftskreisen gleichermaßen sicher zu bewegen. In den höheren Kreisen, die seine Welt nicht waren, deren Luxus er in Teilen wiederum aber dann doch auch sehr zu schätzen wusste, bewegte er sich von Kindesbeinen an als Sklave seiner Herren und Spielgefährte deren einzigen Kindes. Als Kind einer Sklavin und Laufbursche für alles was ein Blinder so erledigen mochte, wiederum bewegte er sich gleichermaßen gewohnt in den Kreisen der Niederen aber doch auch. Und Azar berichtete wie seine Herren ihn schließlich zu einem BLinden Priester in die Schule gaben, der lehrte, wie man mittels Schnalz- und Klicklauten die Umgebung erkunden konnte. Als Yára diesen Teil seines Berichtes reichlich skeptisch kommentierte, bat er sie die Augen zu schließen, nahm das Tablett auf dem die Tassen und die Kanne gestanden hatten auf und hielt sie ihr mal gut zwei Fuß vor das Gesicht, derweil sie schnalzte und mal nicht und tatsächlich vermochte Yára weit häufiger, als der Zufall dies hätte erwarten lassen sollen, zu sagen, ob das Tablet hochgehalten wurde oder nicht. Die Kanne war indes leer und die letzten Reste in den beiden Tassen längst erkaltet, als Azar mit seiner Erzählung seiner Vergangenheit geendet hatte und Yára nun so viel von ihm wusste, wie die meisten Anderen Menschen in der Stadt auch.

„Doch so angenehm es auch ist von mir zu plaudern, und warum ich nicht ganz so blindscheine, wie ich aber bin, und obgleich ich noch immer nicht mehr von dir weiß denn deinen Namen, währen du mich nicht einmal näher als irgend nötig an deinem Heim wissen willst,“ Azar klang bei diesen Worten weder drängend, noch eingeschnappt, noch sonstwie unangenehm betroffen. „würde ich vorschlagen, das wir deinen Plan nun langsam mal in Angriff nehmen, hm? Ich denke, wir sollten uns nicht trennen, darum nur wollte ich zu dir mitgehen. Beschaffe du, was du dringend brauchst, dann können wir genauso gut auch in der Nähe meiner Bleibe uns auf die Lauer legen und versuchen uns auf die Spur unserer Verfolger zu setzen. Oder wir könnten auch in das Virtel gehen, das zum Revier der Leute um die Schlüsselmeisterin gehört. Wobei da genau auch…“ Azar zögerte einen Augenblick mit nachdenklich gerunzelter Stirn. „wobei da auch genau das Aquäduct steht, das zu bewachen ich mit abgestellt wurde, was sie wohl wissen. … Ob da vieleicht das Schloss zu dem Schlüssel ist, den die Schlüsselmeisterin so verzwiefelt sucht? Ob sie darum so besessen von der Idee sind den Bau des Kanals dort zu saboutieren?“ Fragend "sah" der Blinde zu der Diebin hinüber. Vielleicht war sich gerade da auf die Lauer zu legen ja doch gar keine sooo schlechte Idee...?
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