Eine persönliche Angelegenheit

"Die Stadt der Wasser" am Fuße der Ruwayd-Berge. Bekannt für ihren Wohlstand und der Akademie der Heiler.
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Eona » Di, 24. Apr 2012 22:46

Vertrau deinen Gefühlen. Vertrau deinen Instinkten.

Den Instinkten zu vertrauen war etwas einfaches, das sie sich schon in jungen Jahren angeeignet hatte und auf bestialische Weise lernen musste. Flucht war einer dieser Impulse gewesen und war immer noch ein Bestandteil ihrer selbst. Ihr Vater sagte, flieh! Und sie ist geflohen. Er wollte es, aber Eona wollte um alles in der Welt bei ihm bleiben, auch wenn er sie gedrängt und ihr schließlich gedroht hatte. Mit was wusste die junge Frau nicht mehr. Die Angst war damals etwas greifbares gewesen und sie hatte dieses Gefühl mit ihrem Körper durchschnitten, als wäre es ein flexibles Monster gewesen, dass sich ihrer Schritte angepasst hatte.

Aber ihren Gefühlen vertrauen? Das war etwas unmögliches, ja schon beinahe banal. Sie hatte sich in einen Zigeuner verliebt, ihn auf Händen getragen und ihm jegliche Emotion zu Füßen gelegt. Eona war frei, glücklich und verliebt. Ein wunderschönes Gefühl, das tief in ihrer Erinnerung noch bestand, wenn auch hinter verschlossenen Türen. Dann würde ihr das Gefühl geraubt, zerrissen und vor die Füße geworfen.
Würde sie nun ihren Gefühlen vertrauen, wäre die Vernunft über Bord und die Sklavin würde sich Sortan bedingunslos an den Hals werfen, um mit ihm glücklich bis ans Ende aller Tage zusammen zu sein.

Doch der Sklavin war das gute Bauchgefühl verwehrt. Meistens entschied sie sich falsch und rutschte noch tiefer in den Bottich voll Dreck, in dem sie schon seit Jahren stand. Irgendwann wird sie dafür büßen müssen und jemanden, der ihr nahe stand, mitreißen.
Wird es Sortan sein? Würde er ihr Vertrauen wieder erwecken?
Er meinte, Loyalität sei das oberste Gebot in der Familie und das müsse sie lernen. Die Familie der Raquiiah würde die Sklavin unterstützen, wrüde sie ihre Sache nur gut machen. Ein stetiges Geben und Nehmen. Der Gedanke gefiel Eona. Sie fixierte Sortan mit ihren grünen Augen und runzelte die Stirn. Er war ein paranoider Assassine. Würde sie auch irgendwann mal so werden? Sich verfolgt fühlen von allem und jedem, außer der Familie? Außer von ihm? Wenn sie jedoch das zerbrochene Vertrauen wieder mühsam zusammen klebte und es auch so halten könnte, würde es nur ihm gehören und das sollte was heißen. Er sollte sich geehrt fühlen. Aber Eona war der Meinung, dass er auch nicht schlau aus den Geschehnissen der letzten Tage wurde und nun auch nur seinen Instinkten folgte.
Müde strich sie sich über das Gesicht und zuckte erschrocken zusammen, als der junge Mann sie fortzog, aus dem Waschraum, in das Schlafgemach der Sklavin und ihr mit einem Mal wieder so nahe war, wie noch vor wenigen Stunden. Das raubte ihr für einen Moment den Atem und sie verkrampfte sich unter seinen Händen. Was? Jetzt? "Sortan, ich..." Ihre Worte gingen in einem stürmischen Kuss unter, der ihr abermals die Luft aus den Lungen nahm und keuchend schnappte sie nach Luft, als er wieder von ihr abließ. "Ich weiß deine Leidenschaft zu schätzen, mein Herr, aber ich brauche wirklich etwas Ruhe..." Diese Worte wurden schüchtern geäußert, da sie als Sklavin nicht das Recht hatte, Widerworte in den Mund zu nehmen. Doch bei Sortan war es etwas anderes. Er würde es verstehen.... oder?
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Sortan » Di, 24. Apr 2012 23:36

Er musste schmunzeln, weil ihre Worte so schüchtern und zaghaft waren wie die eines unhörigen Kindes. Einen Moment überlegte er sie sich zu nehmen, verwarf den Gedanken dann jedoch wieder und hielt sie in einer Umarmung fest. Lächelnd suchte er ihren Blick und berührte dann ihre Wange, "Dann sollst du sie bekommen, kleiner Drache..." Seine Augen blitzten kurz belustigt auf, ehe er sie erneut küsste, diesmal aber sacht und langsam. Sortan wusste das sie eine Sklavin war und ihr diese Widerworte nicht gut zu Gesicht standen, aber sie war nicht seine Sklavin und sie sollte es auch nicht sein. Sie war für ihn eine angenehme Schülerin und würde bald seine Frau werden, wenn alles nach Plan laufen würde. Aber würde es das? Konnte es für so etwas überhaupt einen Plan geben? Ja, es war besser wenn ein Plan schiefging, als wenn man direkt improvisieren musste. Das Geräusch wie sie nach Luft schnappte gefiel ihm, es erinnerte ihn an die vergangenen Stunden. Dann lösten sich seine Lippen wieder von ihren und die Gedanken verschwanden so schnell wie sie gekommen waren. Für einen Moment hatte er Ruhe, sah nur noch in ihre tiefen Augen und strich über ihren Rücken. Dann seufzte er leise und löste sich von ihr, "Du hast nichts dagegen, wenn ich hierbleibe, mhm?" fragte er dann eher rethorisch und ging bereits um das Bett herum. Schließlich war das mehr oder weniger sein Haus und sein Schlafzimmer. Und seine Sklavin? Er schob den Gedanken weg und machte es sich bequem, sie war viel mehr für ihn trotzdem aber blieb sie das was sie einmal war. Sie hatte diese Eigenarten übernommen und praktisch angezüchtet bekommen, es blieb abzuwarten ob sie sich davon irgendwann komplett lösen konnte, aber er bezweifelte es. Sein Blick ging wieder zu ihr und sein Blick war ein wenig undeutbar, genauso wie ihre Beziehung es wohl war.

Irgendwann war er dann eingeschlafen. Mittlerweile war sein Zeitgefühl komplett durcheinander. Dem Licht nach zu urteilen war es etwas später in der Nacht als er wieder aufwachte, vielleicht Mitternacht oder etwas früher. Gewohnt leise schlug er die Decke ein Stück zur Seite und schlüpfte wieder aus dem Bett um sich zu strecken. Er hasste es unnötig und wach im Bett zu liegen und versuchen weiter zu schlafen, obwohl es nicht gehen würde. Leise tappte er um das Bett herum und sah nach Eona, sollte er sie wecken? Im Dunkeln verschränkte er die Arme und dachte nach, sie würde draussen üben können und sich sicher sein das sie niemand sehen würde. Sie könnten natürlich auch etwas anderes tun... Er wischte den Gedanken weg und ging schließlich nach unten. Sie brauchte eine Waffe, am besten etwas das zu ihr passte. Nachdenklich suchte er ein paar Ecken im Haus ab und trug ein paar Dinge in der Küche zusammen, zwei lange Messer, ein Langschwert, ein kurzes Krummschwert und ein sax. Ausserdem einen abgeriebenen Kurzbogen und ein paar Wurfmesser. Die meisten der Waffen waren Gewöhnungssache, zwischen einem Kurzschwert einem Krummschwert oder einem Breitsax bestand kein großer Unterschied. Es dauerte eine Weile bis er alles gefunden hatte, deponierte und versteckte Waffen, teilweise auch Beute oder zusätzliche Bezahlung. Noch während er vor dem Tisch stand und diese Dinge nacheinander betrachtete, fragte er sich ob er sie nun wecken sollte oder nicht.
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Eona » Di, 24. Apr 2012 23:59

Wie eine Katze, die wusste, dass sie hier zu Hause war und sich dort auch wohl fühlte, rollte sich Eona an Sortans Seite zusammen. Ihre Knie waren fast bis zum Kinn angezogen, ihre Hände lagen unter dem Kopf und das flachsrote Haar war noch geschwind zu einem Zopf zusammen gebunden worden, damit sie im Schlaf nicht unnötig verfilzten. Das Gesicht ihrem Herrn zugewandt lag neben seiner Brust auf dem weichen Bett und für einen kurzen Moment ließ sich die Sklavin in diesem ungewohnten Gefühl der Geborgenheit fallen.
Es war gut so, oder nicht? Er würde ihr etwas beibringen, er schlug sie nicht, zwang ihr nicht seinen Willen auf und respektierte ihre Entscheidungen. Sie hatte etwas zu Essen. Ein Heim. Es war warm und gemütlich. Sie war befriedigt und fühlte sich schon beinahe geliebt. Ein wohliger Seufzer entrang sich ihrer Kehle und erwärmte für kurze Zeit die Seite Sortans, an der die große Wunde unter dem frischen Verband prangte. Ein Schauer lief ihr über den Rücken, doch war dieser nicht unangenehm und wiegte sie nach wenigen Minuten in den erholsamen Schlaf, den sie dringend brauchte.

Der Schlaf war ungewöhnlich tief und beinhaltete Fetzen von Träumen, die sie nach dem Erwachen schon wieder vergessen hatte. Zuerst fiel ihr die Wärme auf, die das Bett beherrschte. Schlaftrunken bewegte sich die Sklavin und wäre beinahe auf ihre wehe Schulter gerollt, doch konnte sie diese Bewegung gerade noch abfangen. Zögernd schlug sie die Augen auf und blinzelte, da sie befürchtete, die Morgensonne würde sie blenden. Doch es war stockdunkel. Für einen jähen Moment wurde die junge Frau in eine schreckliche Erinnerunge zurück katapultiert und sie glaubte, wieder in dem Keller zu sein, das rote Kleid als Kopfkissen, das Stroh unter ihrem geschundenen Leib.
Eona fuhr hoch und hörte gerade noch Sortans Schritte, die das Zimmer verließen und die Treppe hinunter schlichen. Die Schritte des Assassinen waren wie immer geräuschlos, doch konnte sie ein kurzes Knarzen der Holzdielen vernehmen, das ihn verriet. Alles in Ordnung... Die junge Frau rieb sich die Augen und testete, ob ihre Schulter etwas bewegungsfähiger war. Jedoch waren die Muskeln verkrampft und schrien regelrecht auf, als sie den rechten Arm hob. Verdammter Mist, fluchte sie und bog den Rücken durch, um sich so wenigstens etwas zu strecken. Ansonsten fühlte sie sich gut und auch ausgeruhter, als vor wenigen Stunden, auch wenn Eona nicht wusste, wie spät es war. Mitternacht? Kurz vor dem Morgengrauen? Der Himmel draußen war tiefes schwarz und ließ nur einige Sterne auf dem Firmament glimmen. Wie lange hatten sie geschlafen?
Eona fuhr beinahe verträumt über das Laken, auf dem Sortan noch vor einigen Augenblicken geschlafen hatte und spürte die Wärme, die er dabei hinterlassen hatte. Sie vergrub das Gesicht darin, roch den Moschus des Schweißes und den feinen Geruch des Nadelwaldes, der mal ihre Heimat gewesen war. Ich versuche es, Sortan. Ich werde dir eine gute Schülerin sein.

Das einzige, dass sie für nötig hielt, an Kleidung zu tragen, war ein luftiges Unterhemd aus dünner, weißer Wolle und ihre Unterwäsche. Würde Sortan verlangen, sie solle sich mehr anziehen, würde sie das tun, doch im Moment fühlte sie sich damit wohler. Die Sklavin schwang die Beine aus dem Bett und massierte ihre Waden- und Oberschenkelmuskeln, da die von dem Ritt immer noch etwas wund gerieben und starrig wirkten. Die Salbe tat gute Arbeit und die Verletzungen hatten sich zu Krusten verhärtet. Der Zopf wurde gelöst und ein Schwall roter Haare ergoss sich über den narbigen Rücken der jungen Frau, bevor sie den Schlafraum verließ und nach dem Assassinen suchte.
"Sortan?" Ihre Stimme war selbstsicher und so fühlte sich Eona in diesem Augenblick auch. Sie kannte das Haus ungefähr, wusste wo welcher Raum lag und wo der Assassine sich aufhalten konnte. Zwar kannte sie nicht alle Geheimnisse dieses Anwesens und eigentlich war sie auch nicht scharf darauf, dieses Wissen zu erlangen. Leise tappte sie die Stufen der Treppen hinunter und fand ihn - wie sonst - in der Küche. "Was machst du?", fragte Eona und ihr Blick fiel auf die Waffen, die der junge Mann auf dem Tisch verteilt hatte. Sie runzelte die Stirn. "Was willst du mit den ganzen Waffen? Den Sultan überfallen?" Diese Ansammlung von Stahl und Holz war etwas seltenes für die Sklavin. Sie hatte immer nur ihren Dolch bei sich und konnte auch so keine schweren Waffen heben. Die Wurfmesser waren vielleicht noch zu schaffen, aber ein Krummschwert? Das lag außer ihren Fähigkeiten.
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Sortan » Mi, 25. Apr 2012 10:30

Nachdenklich ruckte sein Kopf nach oben und sah zur Treppe. Er meinte, er hätte etwas gehört und sah dann den ersten Zipfel ihres Unterhemds, während sie zu ihm herunterkam. Kopfschüttelnd sah er wieder auf die Waffen, er musste sich dran gewöhnen das sie nun ebenfalls hier im Haus war und auch an ihre Anwesenheit. Früher hatte jedes Geräusch den Tod bedeuten können, heute könnte es durchaus von ihr verursacht worden sein. Schon wieder eine komplizierte Eigenart ihrer Anwesenheit. "Ich denke nach..." antwortete er dann wahrheitsgemäß auf ihre Frage und sah sie kurz über die Schulter an. Der dünne Stoff umspielte ihren Körper und hob dabei durchaus ihre Vorzüge hervor. Kurz fing dieser Anblick ihn ein und zauberte ein sachtes Lächeln auf sein Gesicht, ehe er sich losriss und wieder zu den Waffen sah. Sicher war sie nicht so stark wie er, aber die kurzen Schwerter waren leicht und trotzdem tödlich. Nur mit einem Dolch zu kämpfen war schwierig, besonders in Gefahrensituationen und er konnte sie ja nicht immer beschützen. Seine Finger glitten über die lederumwickelten Griffe der Waffen und blieben auf einem liegen. Nachdenklich hob er die kurze gebogene Klinge hoch und fuhr mit dem Finger über ihre Schneide. Mit solch einem Krummschwert musste man anders kämpfen, denn es war einschneidig und drang nicht so leicht durch die Rippen oder Knochen wie sein Kurzschwert. Mit einem Breitschwert dagegen konnte man sogar Rüstungen durchschlagen und hatte mehr Gewalt und Kraft. Langsam ließ er die scharfe Klinge wieder auf den Tisch sinken und tat einen Schritt zurück. Schmunzelnd schob er sie leicht auf den Tisch zu, "Du musst lernen zu kämpfen... und dafür brauchst du eine geeignete Waffe, ein Werkzeug des Blutes." Interessiert verschränkte er die Arme und ging ein wenig von links nach rechts, den Blick noch auf die Waffen gerichtet. Dann blieb er hinter ihr stehen und erklärte ihr die Waffen kurz, "Das Langschwert, eine große Reichweite und dünne Schneide... Aber zu schwer für dich, denke ich. Der Bogen und die Wurfmesser dagegen wären machbar, aber ich kann dir nur die Grundzüge beibringen. Der Vorteil eines Bogens ist seine tödliche Kraft, der der Wurfmesser dagegen eher die Schnelligkeit und Verborgenheit." Es würde wahrscheinlich in einer der kurzen Klingen enden, die nicht so schwer zu führen waren wie sie vielleicht dachte. Seine Hand strich über ihren Rücken und er trat wieder neben sie. Übung und Training war wichtig und sie würde so oder so etwas lernen müssen... Da war die Wahl der Waffe eher nebensächlich, "Ebenso ist dein Dolch, klein schlank und eine verborgene Waffe... Aber er verliert seinen Vorteil nach der ersten Benutzung. Nun... Du kannst schlecht mit einem Dolch gegen einen gepanzerten Wachmann antreten." So verhielt es sich mit allen Dingen, jede hatte seinen Vor- und Nachteil. Es war nicht an ihm zu entscheiden was für sie am besten war. Tatsache war, das er ihrem Instinkt ein wenig vertraute und gespannt war ob sie das erfüllen konnte, "Such dir etwas aus... Frag, wenn du etwas wissen willst. Dann werden wir mit deinem Training beginnen."

Seine Schritte verklangen ein wenig, während er sein Kurzschwert holen ging und ihr dabei Zeit zum nachdenken ließ. Sicher würde das Ganze eine schwere Prozedur werden, sie würde lernen müssen und das viel, aber es würde sich lohnen. Sie war flink, geschmeidig und hatte Feuer das sie einsetzen konnte. Überhaupt brachte sie bereits viele Vorraussetzungen mit um diesen Beruf gut ausüben und schnell lernen zu können, vor allem war sie noch jung und hatte Zeit. Leise tapsten seine nackten Füße wieder über den Boden zu ihr zurück und die kühle Nacht ließ ihn etwas am Oberkörper frösteln, denn das Haus heizte er normalerweise nicht. Er lächelte kurz und hielt nun die lederne Scheide, mitsamt Schwert, in der rechten. Seine linke Seite war gerade nicht in besonders guter Verfassung, aber sie würden auch nicht kämpfen.
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Eona » Mi, 25. Apr 2012 19:12

Das Sortan ihr kurz Zeit zum Nachdenken gab, dankte sie ihm stumm.

Du musst lernen zu kämpfen.

Ts.
Sie kämpfte schon ihr ganzes Leben lang. Gegen Männer, gegen ihr erbärmliches Leben, gegen sich selbst.
Der Dolch jedoch war wirklich keine Waffe, um sich gegen eine Rüstung zu wehren, in der ein befähigter Mann steckte und ihr den Tod wünschte. Wenn jemand mit einem großen Schwert auf sie zuraste, konnte sie sich nur durch flinke Finten und Ausweichmanöver wehren. Das wäre sinnlos. Irgendwann würde die Sklavin schwer verletzt werden und mehr als nur ein Pfeil würde in ihrem Körper stecken. Ihre Finger zuckten zu dem Verband an der Schulter und sie verzog das Gesicht. Ich muss mir wohl ein paar Muskeln zulegen, um so ein Schwert halten und führen zu können.
Die Wurfmesser waren wohl ein guter Anfang und sie nahm eins davon in die Hände. Erinnerungen durchzuckten die junge Frau und sie sah sich selbst mit den unscheinbaren Waffen im Zigeunerlager üben. Zerxs Vater hatte sie dabei beaufsichtigt und ihr einige Kniffe und Tricks beigebracht. Seitdem hatte sie sogar ihren Dolch als Wurfmesser missbraucht, wenn es mal brenzlig erschien. Ihre Trefferquote war nicht besonders hoch, doch diese konnte sie bestimmt mit etwas Übung verfeinern. Die leichten Messer wären eine gute Fernkampfwaffe, um den Gegner schon von Weitem schwächen zu können.
Doch der Nahkampf war das große Problem. Eona umfasste den Griff des Langschwertes und es war ungewöhnlich leicht, lag zudem auch noch gut in der Hand. Es hatte - wie Sortan schon meinte - eine dünne Klinge und hatte natürlich eine längere Reichweite als ihr Dolch. Würde sie aber länger mit so einer Waffe kämpfen, würden ihre Muskeln bald streiken. Der Bogen schien auch eine weitere Möglichkeit zu sein, sich zu wehren, aber er war wieder nur eine Fernkampfwaffe. Außerdem würde sie mit ihm schlechter zielen können, als mit den Wurfmessern.
Das Sax erschien ihr als eine bessere Waffe für sich, als das Langschwert. Auch das nahm sie in die Hand und auch hier erstaunte sie das leichte Gewicht. Die Klinge funkelte bedrohlich und der Griff lag angenehm in ihrer linken Hand. Mit dir könnte ich mich anfreunden, dachte Eona und schmunzelte leicht.

Sie hielt das Sax immer noch in ihrer Hand, als Sortan zurückkehrte. Seine Waffe trug er in der Rechten und sie erinnerte sich daran, als er es benutzt hatte, um Menderea zu töten. Dort war sie mit öligem Gift überzogen gewesen. Doch diesmal war sie in der Schwertscheide und verbarg den tödlichen Glanz, die die Klinge in sich zu tragen schien. "Ich denke, mit dem Sax könnte ich mich anfreunden", sagte sie und strich vorsichtig über die Klinge. "Als Fernkampfwaffe könnte ich mir die Wurfmesser vorstellen. Früher hab ich schon mit ihnen geübt und vielleicht kannst du mir noch etwas beibringen."
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Sortan » Mi, 25. Apr 2012 19:40

Er lächelte sacht, als er sie mit dem Sax sah und nickte langsam bei ihren Worten, "Eine gute Wahl, denke ich. So ein breites Sax ist schwerfälliger als mein Kurzschwert, aber es ist auch wuchtiger und tödlicher. Ausserdem dringt es leicht durch Rüstungen und zwischen Knochen, dank der dünnen Schneide." Nebenbei legte er sein Kurzschwert auf den Tisch und strich über die anderen Waffen, wie über etwas das ihm sehr wertvoll war, "Es mag schlicht aussehen, aber es ist scharf und sein Gewicht in Gold wert. Fangen wir mit ihm an, den Wurfmesser können wir uns später widmen." Er packte die zwei Messer und legte sie an ihre ursprünglichen Verstecke in der Küche und dem Eingangsbereich, "Streck deinen Arm gerade aus und sieh das Schwert als eine Verlängerung deines Arms... Dann halte es so lange oben wie du kannst." Der Mond schien durch die Fenster und auch die Lichter der Stadt erhellten das Haus sacht. Trotzdem verschwand sein Lächeln in einem Schatten, während er die restlichen Sachen zusammenpackte und wegräumte. Sie würde erst einmal damit beschäftigt sein und er war gespannt wie lange sie es aushalten würde. Zeit war etwas schönes und die hatte er. Dementsprechend dauerte es ein wenig, bis er wieder in der Küche war und sich neben den Tisch stellte. Theorie war wichtig, das Verständnis einer Waffe allerdings noch mehr, "Trotzdem darfst du dich nicht auf Stahl verlassen, es ist nur ein Werkzeug wie ein Hammer. Wenn du es verlierst musst du instinktiv richtig reagieren und ihm nicht nachtrauern." Leicht schabend glitt dann sein Kurzschwert aus der Scheide und spiegelte sich kurz in einem Mondstrahl. Dann führten ihn seine Schritte geschmeidig an ihre Seite und er ließ es sich nicht nehmen mit der freien linken kurz über ihren Rücken zu streichen. "Kampfhaltung ist wichtig, wenn man gut geschützt ist. Das sind wir aber nicht... Mein Kampfstil begründet sich auf Schnelligkeit und Reaktionsfähigkeit, nicht auf Kraft oder Stärke. Trotzdem werden wir das Ganze üben." Lächelnd stellte er sich seitwärts von ihr auf, der hintere Fuß breitgestellt, während der linke nach vorne zeigte. Seine rechte Schulter zeigte mit dem Fuß nach vorne und er hob das Schwert quer vor sich. Dann wartete er bis sie ihn nachgeahmt hatte und korrigierte mit der flachen Klinge ihr hinteres Bein ein wenig. Auch ihre Hand hob er etwas höher und nickte dann, "Das ist eine gute Abwehrhaltung, du kannst nach hinten federn und so etwas von der Wucht des Schlags abfangen. Gleichzeitig kannst du aber auch schnell zurückstoßen." Dann kam ihm noch eine Idee und er ließ das Schwert wieder sinken, suchte ihren Blick, "Willst du etwas besonderes wissen? Vielleicht sollten wir einen kleinen Übungskampf machen..." Eigentlich hatte er das nicht vor, aber es war einfacher für ihn um sie zu trainieren. Sacht legte er die Klinge dann wieder auf den Tisch und suchte zwei relativ gerade Stöcke aus dem Feuerholz raus. Er wartete bis sie soweit war und warf ihr dann den einen zu.
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Eona » Mi, 25. Apr 2012 20:11

Eona kam sich lächerlich, ja sogar schwach vor, als sie das Sax mit ihrem Arm vor sich ausstreckte und geradeaus stierte. Ihre Muskeln begannen zu arbeiten und sie versuchte wirklich, das Messer so lang wie nur möglich halten zu können. Doch das war eben nicht einfach. Die junge Frau war flink, wendig und auch ausdauernd. Doch die Kraft in den Armen fehlte ihr allemal. Bald senkte sie das Sax wieder und rieb sich den linken Oberarm, dort, wo sich die Muskeln angespannt hatten. Sie hatte es nicht lange halten können, doch so lange, um keine Schande für ihren Lehrer darzustellen. Das war betrübend. Sie sagte nichts und hörte einfach nur zu, was Sortan zu sagen hatte. Manchmal nickte sie, wie ein kleines Mädchen, das man erklärte, wie die Welt da draußen so ablief.
Sie versuchte es nochmal angestrengt, den Arm länger ausgestreckt zu halten. Es kam ihr kürzer vor, als das erste Mal. Ich fühl mich wie ein schwaches kleines Mädchen, sagte sie zu sich selbst und runzelte verärgert die Stirn. Aber das ließ sie bald wieder sein. Konzentration war nun das wichtigste.
Als Sortan sein Kurzschwert aus der Schwertscheide befreite, lief ein kalter Schauer ihren Rücken hinunter und sie war unbewusst einen halben Schritt von ihm gewichen. Er brauchte nur ausholen und ihre Beine wären nur noch blutende Stummel und bald würde sie nach Luft röchelnd auf dem Boden liegen. Dieses Bild erschien ihr so scharf vor den Augen, dass sie etwas den Kopf schütteln musste, um es verschwinden zu lassen. Sie musste vertrauen. Und sie irrte sich nicht. Der Assassine strich ihr wieder sanft über den Rücken, berührte sie nur kurz, als wolle er sichergehen, dass Eona wirklich da war und kein Trugbild darstellte. Abermals nickte sie, als Sortan weitere Dinge erklärte und sie saugte jedes Wort in sich auf. Kampfhaltung war das Für und Wider in einem Kampf. Bleibt man zu versteift in seiner Haltung, kann ein wendiger Gegner deine Verteidigung spielend leicht durchschneiden. Vernachlässigt man sie aber im falschen Moment, kann das der Tod bedeuten. Es gab eine gute Zwischenbilanz, die es zu treffen galt und dafür brauchte man Übung. Eona hatte sich in den letzten Jahren mit ihrem Dolch gut verteidigen können und hatte das Glück, keiner Rüstung in den Weg zu laufen. Meistens war sie eh schneller als ihr Gegner, da dieser ja nie eine Ahnung von seinem Ende hatte. Informationen erhalten, Ziel eliminieren, wenn es nötig war. Kurz und schmerzlos.
Doch in einem offenen Kampf, in dem der Überraschungsmoment nicht auf ihrer Seite stand, würde sie gnadenlos verlieren und in ihrem eigenen Saft liegen.
Ohne Widerworte ahmte sie Sortans Abwehrhaltung nacht, das gar nicht so einfach war, denn sie hatte immer eine ganz andere. Doch da das Sax eine längere Reichweite hatte und Eona sich damit selbst verletzen könnte, würde sie nicht die richtige Haltung haben. Der Assassine korrigierte ihre Haltung mit der flachen Klinge und doch war es der Sklavin unangenehm, dass er mit dieser tödlichen Klinge in ihrer Nähe so "herumfuchtelte". Etwas wie Lob drang aus seiner Stimme und sie nickte zufrieden. Gut, dass sie schon einige Vorkenntnisse hatte. Sonst würde das noch eine lange Nacht werden. Eona versuchte sich die Haltung zu merken und ließ das Sax sinken, als Sortan meinte, ein Übungskampf wäre nicht schlecht. Sie schluckte. Das kann nicht sein Ernst sein, oder? Unbehagen spiegelte sich in ihren grünen Augen wider, doch trotzdem nahm sie den Holzstock entgegen, den Sortan ihr reichte. Dieser war ungefähr so lang wie das Sax, aber lang nicht so gerade. Jedoch war so ein Stück Holz besser, als die blanken Klingen. Für einen kurzen Moment wollte sie ihrem Herrn widersprechen und ihm sagen, dass sie ihm haushoch unterlegen war, doch blieben ihre Lippen verschlossen. Sie würde es versuchen, wenn auch mit einem unguten Gefühl im Magen.
Eona atmete tief ein, beruhigte ihr Herz und regulierte den Atem nach unten. Die Küche war zwar kein guter Platz für solche Übungen, aber die Sklavin musste sich schon in einem Wandschrank verteidigen. Dort war nicht mal Luft, um zu atmen.
"Nun gut", sagte sie und leitete somit den Kampf ein.

Ihre Finger schlossen sich fester um das Holz und sie versuchte sich vorzustellen das dies das Sax war, das noch vor kurzem in ihrer Hand lag. Es ist länger als mein Dolch, also muss ich andere Bewegungen einhalten, als das ich es gewohnt bin.
Eona schnellte vor, verlagerte ihr Gewicht auf das linke Standbein und versuchte Sortans Seite zu treffen, doch er parierte diesen Schlag. Die junge Frau ließ sich nicht aus der Fassung bringen. Der nächste Schlagabtausch war für sie etwas zu schnell und wie sie sich´s versah, hatte der Assassine ihr einen Schlag auf das Handgelenk verpasst und sie hatte den Stock fallen gelassen. Wäre der Stock ein Schwert gewesen, wäre ihre Hand nicht mehr da, wo sie sein sollte. Wütend funkelte sie ihr Gegenüber an und Enttäuschung machte sich breit.
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Sortan » Mi, 25. Apr 2012 20:50

Er wusste das es ein Stück Arbeit werden würde und sie würde viel Ausdauer und Ehrgeiz benötigen um mit seinen Lehrmethoden klar zukommen. Die Haltung war relativ gut, aber er merkte das sie sich noch auf den Dolch versteifte und sich erst an das längere Schwert gewöhnen musste. Er lächelte kurz, als er in ihre Augen blickte und musterte sie ein wenig. Das Holz war leichter als das Sax, ein ganzes Stückweit, aber wenn sie erst einmal die richtige Technik beherrschen würde, wäre der Rest auch einfacher. Sortan war gespannt auf den Kampf und wie sie sich schlagen würde, das versprach ein interessanter Kampf zu werden.

Seine Muskeln waren locker, als sie angriff und er wehrte ihren ersten Schlag entschlossen ab. Gar nicht so verkehrt, sie hätte ihn aber besser in eine Finte umgeleitet oder fester zugeschlagen. Doch zumindestens der Ansatz stimmte. Er setzte an und ließ sich von seinen Instinkten treiben, kurz danach knallte das Holz noch einmal aufeinander und ein paar Sekunden später traf er ihr Handgelenk und hörte den Stock zu Boden fallen. Er ließ seinen eigenen sinken und lockerte die Muskeln wieder ein wenig, während er ihrem wütenden Blick stand hielt, "Und du wärst tot... Erste Regel bei so einem Kampf ist... Alles ist erlaubt. Wir sind keine Ritter, wir sind Mörder. Warum sollten wir also fair kämpfen?" Er schnalzte leise mit der Zunge und deutete auf den Stock, während er darauf wartete das sie ihn wieder aufnahm. Er wollte ihr nicht unbedingt wehtun, aber sie musste zumindestens eine kleine Lehre aus ihren Fehlern ziehen. Er verstand auch ihre Enttäuschung, teilte sie aber nicht unbedingt. Schlussendlich war ihr Stil nicht einmal so schlecht, sie musste nur schneller werden und Reaktionen bekommen. Diesmal griff er zuerst an und spürte kurz den Widerstand ihres 'Schwerts'. Direkt danach sprang er aber einen Schritt zurück und lächelte still, während er sie leicht etwas umtänzelte. Es folgte wieder ein kurzer Schlagabtausch, ehe er vorstieß und das Schwert auf ihren Kopf sausen ließ. Es traf zwar vorher auf ihren Holzstock, doch seine linke griff gleichzeitig nach ihrem Handgelenk und hielt es stur nach oben, während sein eigener sich auf ihre Kehle richtete, "Schon wieder tot. Versuch mir in die Augen zu sehen, nicht auf meine Arme... Du musst wissen was ich tun werde, bevor ich es tue." Kopfnickend machte er wieder ein paar Schritte zurück und ließ das Holzschwert sinken. Dann wartete er auf einen erneuten Angriff von ihr und hoffte das er kommen würde. Enttäuschung war Teil des Lehrprozesses und sicher wichtig. Lob war das zwar auch, aber das bekam sie von ihm noch nicht, er wollte wissen wie weit sie mitmachen würde, bis sie aufgeben oder wütend werden würde.

Kurz spannte er die Muskeln an, ihren Angriff erwartend, und kniff die Augen zusammen. "Gefühle verleiten dich zu Ausbrüchen, Unvorsichtigkeit und Fehlern... Du musst immer ruhig sein, kalt wie ein Eisblock." Das war ein guter und vorerst letzter Rat, nun würde er sehen wie schnell sie das umsetzen konnte.
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Eona » Mi, 25. Apr 2012 21:21

Erster Tod. Alles ist erlaubt.

Als er ihren Kopf angriff und diesen spalten wollte, riss sie den Stock instinktiv hoch, um den Schlag abzuwehren, doch Eona hatte nicht gerechnet, dass Sortan ihr Handgelenk umfasst und sie somit kampfunfähig machte. Ihre Augen blitzten auf und sie hätte ihm am liebsten einen Tritt in die Weichteile verpasst. Nah genug war er ja herangetreten, doch sie unterließ es. Seine Verletzungen waren noch zu schwer und zu frisch, als das sie ihm weh tun wollte. Doch das fiel auch in die Sparte "unfairer" Kampf, aber er war schon wieder von ihr zurückgewichen, bevor sie sich umentscheiden konnte.

Zweiter Tod. In die Augen sehen. Nicht auf die Arme.


Es schien, als würde die Sklavin viele Tode sterben und danach wieder auferstehen. Zwar nicht stärker, aber klüger.
Eona beobachtete seine Leichtigkeit, seine Füße, die über den alten Holzboden zu schweben schienen und jeder dieser Schritte war mit Bedacht gewählt. Er wusste was er tat. Das sah man ihm sofort an. In die Augen ihres Gegners zu sehen war gar nicht so einfach, denn die Arme bewegten sich natürlich etwas mehr als die Augen. Sie wollte wissen, wohin er schlug, wie stark er aushalte und wie sie zu parieren hatte. Die Augen waren ihr da keine große Hilfe.
Kalt wie ein Eisblock zu sein, konnte Eona allemal. Die Enttäuschung und die aufkeimende Wut auf Sortans Skrupellosigkeit flaute ab, als er den Satz beendete. Damit hatte er recht. Wenn sie in Raserei verfiel und in blinder Wut auf ihren Gegner losstürmte, konnte sie nicht einschätzen, wohin welcher Schlag treffen würde. Also beruhigte sich die Sklavin etwas und fixierte Sortan abermals.

Alles ist erlaubt. Auf die Augen konzentrieren.

Eona nahm sich Zeit die Haltung einzunehmen, die Sortan ihr gezeigt hatte und versuchte sie so korrekt wie nur eben möglich nachzuahmen. Ihr Stand war sicher und auch ihr Herz hatte aufgehört aufgeregt zu pumpen. Doch das würde sich schnell ändern.
Sie nutzte die Leichtigkeit des Holzstocks und versuchte seine Reichweite auszunutzen. Zweimal stieß sie mit dem Stock nach vorne, auf die Brust des Assassinen ausgerichtet und er wich mit Leichtigkeit nach hinten aus. Mit mehreren Stößen und Schlägen drängte sie den jungen Mann in eine Ecke und variierte das Tempo ihrer Schläge, um ihn aus der Fassung zu bringen. Dabei blieben ihre Füße nie still. Sie bewahrte die Haltung, erwartete jeden Moment eine Parade von Sortan. Und diese kam. Sie wehrte einige Schläge ab, anderen wich sie aus, doch einer streifte ihre Seite. An dieser Stelle wäre sie verwundet gewesen, aber nicht tot. Das war schonmal ein Lichtblick.
Der Assassine drängte nun die Sklavin zurück an die vorherige Stelle und noch weiter zurück, bis sie mit ihrem Hinterteil an den Tisch knallte. Ein dumpfer Schmerz breitete sich dort aus, doch sie ließ sich nicht abwimmeln. Eona duckte sich unter einen weiteren Schlag hinweg und nutzte ihre geduckte Haltung aus, um wie ein Rammbock hervorzustürmen und ihren Kopf gegen Sortans Magen zu rammen. Er taumelte nach hinten, hatte aber noch so viel Gleichgewicht, dass er sich auf den Beinen halten konnte. Sie nutzte es schamlos aus und schlug mit dem Schienbein nach Sortans Oberschenkel.
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Sortan » Mi, 25. Apr 2012 22:01

Sein Mimenspiel blieb bedeutungs- und ausdruckslos, während er sie fixierte und auf ihren Angriff wartete. Auch dieser kam, aber besser als zuvor. Sie kämpfte mehr und wurde immer besser. Diesmal drängte sie ihn sogar ein wenig zurück und nahm mehr Sachen in Kauf um am Leben zu bleiben und ihn zu besiegen. Er hätte sie verwundet und drängte sie ein wenig zurück, bis sie gegen den Tisch stieß. Kurz darauf rammte sie ihren Kopf in seinen Magen und schleuderte ihn etwas zurück. Keuchend hielt er sich auf den Beinen, da sie ihm sämtliche Luft aus dem Bauch getrieben hatte, und knickte dann mit einem Bein ein, als sie nachtrat. Er war überrascht von ihrem Kampfgeist und ihren Angriffen. Sie wirkten wirklich gut, als ob sie eintrainiert worden wären und vielleicht waren sie das auch. Dennoch gab er sich so leicht nicht geschlagen, ließ sich von ihrem Schwung komplett fallen und entging so knapp einem weiteren Schlag. Kurz drehte er sich ein wenig und hakte schnell den Fuß in ihrer Ferse ein, ehe er kräftig zog um sie auch zu Fall zu bringen. Mit einem zweiten beherzten Tritt gelang das auch und nach ein paar Sekunden war er schließlich über ihr. Den Holzstock hatte er fallen gelassen und griff mit beiden Händen nach jeweils einem ihrer Handgelenke um sie am Boden zu halten, während er auf ihr lag. Sein Instinkt riet ihm zu einer beherzten Kopfnuss, stattdessen hob er aber etwas den Kopf und suchte ihren Blick, "Gut... Das war gar nicht mal... So schlecht..." Er hielt sie trotz des Kampfendes noch immer fest am Boden, damit ihr Gemüt ein wenig abkühlen konnte und betrachtete sie schmunzelnd und ein wenig nach Luft schnappend. Dann beugte er sich zu ihr hinunter, "Das war gut... aber vielleicht sollten wir das doch verschieben..." Sacht legten sich seine Lippen auf ihre und schenkten ihr einen kurzen Kuss, ehe er aufstand und ihr eine Hand hin hielt, damit sie auch aufstehen konnte.

Es war schwierig mit solch Wunden zu kämpfen, denn das Ganze würde die Heilungsdauer nur noch länger verzögern. Andererseits war es das beste um sie zu testen und zu trainieren und sie hatten ja wahrlich nicht viel Auswahlmöglichkeiten. Er hob nachdenklich die Stöcke wieder auf und lehnte sie an den Tisch, "Das ist es was ich sehen wollte... Das Schwert ist dein Werkzeug, aber der Körper ist deine Waffe. Du musst flexibel kämpfen, mit allen Mitteln und ohne Grenzen, um das zu bekommen was du willst." Er suchte kurz in einem der Schränke, ehe er eine Flasche mit dunkler Flüssigkeit in der Hand hielt und einen großen Schluck daraus nahm. Dann stellte er sie neben sich und leckte sich über die Lippen, während sein Blick auf ihr ruhte. "Wir sollten etwas weniger... Körperforderndes üben, Eona."
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Eona » Mi, 25. Apr 2012 22:34

Scheiße.

Das war das einzige Wort, das ihr durch den Kopf schmetterte. Eona hatte sich wirklich angestrengt und das sah man ihrer Brust an, die sich unter Sortan etwas zu schnell hob und senkte. Doch wieder war sie ihrem Lehrer unterlegen und das entflammte ihr trotziges Feuer und sie ruckelte mit ihren Handgelenken, um frei zu kommen doch Sortan lenkte vom Thema ab. Der Kuss war reine Besänftigung, doch die Sklavin war kurz gewillt, ihm in die Lippen zu beißen. Zugegeben, das war wirklich nicht schlecht. Ihren Körper hatte sie schon immer im Kampf eingesetzt, da ihr Dolch manchmal nicht Werkzeug genug war. Sie war beweglich, was wohl ihrer Tanzfähigkeiten zuzuschreiben war und hatte sich in einem Kampf schonmal fast unmöglich verbogen, um einem Schlag auszuweichen. Mit unaufgewärmten Muskeln war das schwer, doch sie hatte Übung.
Vielleicht konnte sie das vertiefen und würde ihr bestimmt helfen. Das Sortan einen Spagat nach einem Sprung beherrschte, bezweifelte sie und sie machte sich gedanklich einen Knoten ins Tuch, um sich daran zu erinnern, ihre Tanzfähigkeiten mal wieder aufzufrischen. Ungeübte Muskeln rosteten meist ziemlich schnell.
Er hielt ihr die Hand hin und sie ergriff sie. Sortan zog sie auf die Füße und Eona strich den Staub aus den Kleidern. Danach lehnte sie sich etwas gegen den niedrigen Tisch, wischte sich über die Stirn und seufzte einmal tief. Dem Assassinen eine Art Erschöpfung anzusehen, trieb der Sklavin ein keckes Schmunzeln ins Gesicht. Aber er hatte recht: Sie sollten ihre Genesung nicht aufhalten. Einige Tage Theorie sollten ihnen nicht schaden und Eona nickte schließlich. "In Ordnung", sagte sie dann und streckte sich etwas. Die Schulter ziepte unangenehm und war immer noch steif. Zum Glück war sie Linkshänderin, sonst hätte sie den Übungskampf überhaupt nicht bestreiten können. Sie trat an den Assassinen heran, betastete seine Verbände, um zu sehen, ob darunter wieder Blut ausgetreten war oder angeschwollen war. Doch es fühlte sich eben an und die Blutung war letztendlich gestillt. "Danke, das du mit mir so viel Geduld hast", sagte sie leise und vermied es dabei ihm in die Augen zu sehen. Etwas wie Dank war etwas fremdes und hatte schon lange nicht mehr "Danke" oder "Bitte" gesagt und es dabei auch noch ernst gemeint. "Ich möchte mich etwas waschen und dann etwas ausprobieren, um zu sehen, ob ich es noch kann." Sie lächelte Sortan ins Gesicht und war gewillt, ihm noch einmal einen Kuss zu schenken, doch das war der falsche Moment.

Die Körperwäsche fiel kurz aus. Sie scheuerte die Haut nur etwas mit Seife und Wasser. Die Haare ließ sie aus. Das war im Moment zu viel Arbeit. Dann rieb die Sklavin sich wieder mit dem Körperöl ein und ging sparsam damit um. Die Flasche würde bald leer sein.
Dann kleidete sie sich mit frischen Sachen ein, trennte dabei noch Schmutzwäsche von frischer. Die schmutzige warf sie unter den kleinen Tisch im Schlafraum und die frische verweilte in der Reisetasche. Morgen würde sie etwas waschen müssen, um nicht in verdreckten Lumpen rumlaufen zu müssen. Etwas Näharbeit wäre vielleicht auch von Nöten. Das schwarze Hemd war zerrissen vom Kampf in der Wüste und auch ihr Mieder hatte etwas gelitten. Vielleicht hatte auch Sortan einige Sachen, die repariert gehören.
Sie seufzte kurz und machte sich dann an die Arbeit.
In kleinen Übungen dehnte sie ihre Beinmuskulatur, bis die Muskulatur angenehm unter der Haut ziepte und wiederholte dies zehn Mal. Dann testete sie, wie weit sie die Armmuskulatur dehnen konnte und hörte dabei auf ihren Körper. War der Schmerz in der Schulter zu groß, hörte sie sofort auf und probierte es dann vorsichtiger, bis sie wusste, inwieweit sie die Schulter strapazieren durfte. Dann ließ sie sich langsam vom Stand in den Spagat sinken, ohne sich dabei abzustützen. Es nannte sich Längsspagat. Das recht Beine zeigte nach vorne und das linke nach hinten. Es war für Eona ein leichtes und hatte sie nur ein paar Monate Übung abverlangt. Dann drehte sie sich in den Seitspagat. Beide Beine waren nun vom Körper abgespreizt und die Sklavin atmete tief ein. Sie versuchte langsam ihren Oberkörper nach vorne sinken zu lassen und nach einigen Minuten langsamen vornüber Kippens berührte ihre Stirn den Boden vor sich. So blieb sie erstmal, hörte auf ihren Körper und ihrem Herzschlag. Es tat gut wieder zu üben. Der Tanz hatte immer einen Funken Freiheit in sich gehabt, dem sie verfallen war und jede Sekunde davon auskostete. Dann schloss sie die Beine wieder und merkte das Ziepen der Muskeln, die sich unter der Haut beruhigten. Ein zufriedenes Lächeln spiegelte ihr Inneres wider und sie wiederholte den Vorgang noch einmal, da es ihr zu viel Spaß machte.
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Sortan » Do, 26. Apr 2012 0:28

Sein Blick folgte ihrer Hand und wie sie über seine Verbände tastete und er lächelte innerlich. Es war fast schon angenehm, wie sie sich um ihn kümmerte und dann bedankte sie sich auch noch bei ihm. Er wollte ihr in die Augen sehen, aber sie wich seinem Blick geschickt aus und so ließ er es irgendwann sein, "Dafür bin ich da..." Ein Stirnrunzeln breitete sich aus, während er sie nachdenklich betrachtete, was sie wohl ausprobieren wollte? Sie war schon ein wenig wechselhaft, unnahbar und geheimnisvoll, selbst jetzt noch. Ein lächeln trat auf sein Gesicht, als sie nach oben ging und er ihren Schritten mit seinem Blick folgte. Dann genehmigte er sich noch einen Schluck von dem Wein und stellte ihn wieder weg. Er sollte ein wenig aufräumen, Nahrung sortieren und die Waffen an ihren Platz bringen. So vergingen zahlreiche Minuten, bis er wieder in der Küche saß und mit geschlossenen Augen nachdachte. Schade das er keine Scheide für das Breitsax besaß, aber die würden sie später noch besorgen können. Seine Wunden juckten und zeigten ihm das sie langsam verheilten, die Frage war jedoch wie lange sie noch brauchen würden. Es geschah immer mal wieder das ein Raquiiah verletzt wurde und Zeit für sich brauchte, doch das bedeutete nichts in der Familie. Man brachte ihnen bei für solche Fälle Gold zu sparen und das hatte er reichlich getan. So viele Tote und doch blieb ihm nichts als Gold und Juwelen, was sollte er sich also davon kaufen? Manchmal spielte er mit dem Gedanken sich irgendwo in der Nähe von Naradesh ein Anwesen bauen zu lassen, aber das würde Verdacht auf ihn lenken und den wollte er vermeiden. Wie so oft fragte er sich dann ob er bald sterben würde, oder ob es ihm vergönnt war alt zu werden. Würde er Kinder haben? Wären es Eona´s Kinder, die einmal in seine Fußstapfen treten würden? Dieser Gedanke brachte ihn zum nachdenken, was wenn sie bereits eines von ihm empfangen hatte? Kopfschüttelnd vertagte er diesen Gedanken, denn das wäre so ziemlich das Schlimmste was passieren konnte. Sortan war skrupellos und konnte alles und jeden töten, aber er konnte keinen Raquiiah verletzen. Sie waren geboren um zu töten und so musste es kommen.
Endgültig strich er diese Gedanken und befasste sich lieber mit etwas anderem. Er fragte sich ob er ihr vertrauen würde, irgendwann, und auch ob seine Familie das tun würde. Würden sie diese Verbindung gut heißen, oder überhaupt anerkennen? Sie war weder aus der Wüste, noch ein freier Mensch... Doch stand es ihm nicht schlussendlich selbst zu, dies zu entscheiden? Er nickte abwesend, es war seine Entscheidung. Seine Eltern würden nicht die Stimme gegen ihn erheben und es könnte funktionieren. Dennoch... Würde sie ihn ewig wollen? War es nicht vielleicht nur der Hauch von Gefahr und die Anbietung eines fast freien Lebens das sie weitermachen ließ? Er wusste es nicht, genauso wenig wie er wusste was er selbst über sie denken sollte. Frauen waren immer kompliziert, aber die Sklavin übertraf da einiges.

Seufzend stand er wieder auf, die Gedanken hinter sich lassend, und ging langsam die Treppe hinauf. Er sah kurz in den Waschraum, aber dort war sie nicht, also schaute er in das Schlafzimmer. Sein Blick blieb auf ihrem wunderschönen Körper hängen, wie sie sich rekelte und bewegte. Er wusste gar nicht, das sie dermaßen beweglich war und lehnte sich stumm lächelnd gegen den Türrahmen. Sein Blick folgte ihren Bewegungen ein paar Minuten lang, ehe er die Tür hinter sich schloss, so das sie es hören konnte, "Macht es dir... etwas aus, wenn ich hier bleibe?" Es war schwierig für ihn so eine Frage zu stellen, insbesondere da sie eigentlich die Sklavin war und er selbst alles bestimmen konnte was er wollte. Andererseits war sie jedoch mehr als das, sie war seine Frau und verdiente zumindestens ein wenig Respekt, den er ihr entgegen zu bringen versuchte. Trotzdem, allein schon die Formulierung der Frage gestaltete sich schwierig. Leise seufzte er und lehnte sich gegen die Tür, den Blick sacht auf ihr ruhend. Erstaunlicherweise würde er es hinnehmen, würde sie das ablehnen. Er würde wieder nach unten gehen und vielleicht ein wenig schlafen, schon seltsam dieses Gefühl und das mit ihm verbundene Verhalten.
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Eona » Fr, 27. Apr 2012 13:09

Eona zuckte etwas zusammen. Sie musste sich daran gewöhnen, das Sortan ein lautloser Killer war, der durch das ganze Haus schleichen konnte, ohne dabei auch nur eine knarzende Holzdiele herunterzudrücken. Auf seine Frage hin lächelte sie verschmitzt und gluckste in sich hinein.
"Es ist dein Haus, mein Herr. Du kannst bleiben wo es dir beliebt."
Die Sklavin wunderte sich, dass der Assassine soetwas überhaupt fragte. Vor einigen Tagen war er noch ein blutrünstiger Mörder, der sie umbringen wollte und nun fragte er die junge Frau, ob er im gleichen Raum mit ihr bleiben durfte. Sie zwinkerte ihm noch einmal zu und wandte sich dann wieder ihren Übungen zu. Der Spagat war wohl nicht das Problem und das freute sie. Andere Tanzschritte, die in einen Spagat übergingen waren zwar noch etwas ruppig, doch wenn sie diese nochmal wiederholte, würden auch diese flüssiger werden.
Sie versuchte ihr rotes Haar wie früher herumzuwirbeln und somit ihre Gesten und Schritte zu untermalen. Dann hielt sie inne und seufzte kurz. "Ich habe einige Jahre bei den Zigeunern gelebt, nachdem ich von meinem ersten Meister geflohen bin", begann Eona und sie wusste nicht genau, ob sie es Sortan erzählte oder nur sich selbst, damit die schönen Erinnerungen nicht von den schlechten irgendwann überdeckt wurden.
Nach einigen Anläufen machte sie sogar einen Handstand, der zwar nicht von Dauer war, aber sie konnte ihn noch. Das trieb ihr wieder ein Grinsen ins Gesicht und ihre Augen begannen abermals zu leuchten. "Dort war ich frei und hatte Freunde, die mich akzeptierten, auch wenn sie dachten, ich sei eine Drachenerbin. Von ihnen lernte ich den Tanz, den Umgang mit Feuer und auch etwas Messerwerfen. Ich wurde das "Tanzende Rot" genannt."
Ein Rad zu schlagen schien ihr auch keine Probleme zu bereiten, doch die Schulter hatte etwas dagegen, so stürmisch behandelt zu werden. Sie knickte mit dem rechten Arm zur Seite und mit einem Rumms landete sie unbequem auf den Knien. Kichernd pustete sich die Sklavin eine Haarsträhne aus dem Gesicht und richtete sich dann wieder auf. Eine unsanfte Landung. "Ich habe seit Jahren nicht mehr "professionell" getanzt, sondern nur zum Vergnügen meiner Meister und das nicht sehr oft. Ich bin noch ziemlich ungeschickt." Wieder lächelte die junge Frau und fixierte dabei den Assassinen. Vielleicht war er nicht sehr angetan von ihren Tanzkünsten oder ihrer Beweglichkeit, aber das war ihr nicht so wichtig. Wenigstens ihr selbst war es eine Stütze und auch ein Vorteil. Aus seinen Gesichtszügen konnte sie es jedenfalls nicht herauslesen.
"Was möchtest du als nächstes tun, da der Kampf etwas zu anstrengend für uns ist?"
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Sortan » Fr, 27. Apr 2012 14:37

Schmunzelnd gin er um sie herum und setzte sich auf das Bett um sie besser beobachten zu können. Nach ein paar mal hin und her rutschen stützte er seine Arme auf den Beinen ab und musterte sie kurz, "Das ist mir bewusst... Ich dachte nur es sei höflicher vorher zu fragen, schließlich bist du nicht meine Sklavin." Zumindestens nicht wirklich. Sicher war er sich nicht, ob sie wirklich noch freiwillig bei ihm blieb oder eher aus Angst. Aber selbst wenn, bevorzugte er doch die Formulierung 'Unfreiwillige Schülerin' anstatt Sklavin. Sein Blick folgte ihren Bewegungen und er war immer wieder überrascht wie beweglich sie war und auch wie grazil sie sich bewegen konnte. Es war schon ein wenig anreizend für ihn, sie dabei zu beobachten, aber interessanter wurde es, als sie etwas aus ihrem Leben erzählte. Sie war verschlossen gewesen und bisher war es schwierig etwas aus ihr herauszubekommen, nur hier und da hatte sie einen Hinweis fallen gelassen. Er schwieg lächelnd und sog ihre Wörte in sich auf, prägte sich die Dinge ein und fügte sie nach und nach in ihre Geschichte hinein. Das Leben war interessant, die Vorsehung schien immer verwirrend zu sein, aber im Endeffekt ergab sich doch immer einen Sinn aus den ganzen Geschehnissen. Als sie dann umfiel zuckte er kurz hoch und streckte reflexartig die Hand aus, ließ sich aber direkt wieder auf das Bett sinken als er sie lachen hörte, "Mhm, dabei kannst du es doch ganz gut... Du solltest lernen und versuchen diese Beweglichkeit im Kampf einzusetzen, sie ist ein großer Vorteil gegenüber schweren Gegnern." Dann legte er fragend den Kopf schief und musterte sie eine Weile lang. Die Wunden waren nervig und nicht sehr hilfreich bei ihren verschiedenen Vorhaben. Das Schlimmste war aber, das sie Zeit brauchen würden um zu heilen und sie konnten ja nicht noch etliche Wochen im Bett verbringen. Wie gesagt, sein Leben wurde von mal zu mal komplizierter seit sie hineingetreten war und das gefiel ihm eigentlich gar nicht. Nachdenklich kaute er eine Weile auf seiner Unterlippe herum und sein Blick schien ins Leere zu schweifen. Es gab viel was sie noch lernen konnte, aber relativ wenig bei dem sie hier bleiben und sich nicht zu sehr anstrengen mussten.

Schließlich stand er wieder auf und ging zu dem kleinen Fenster um in die schwarze Nacht zu sehen und die verschiedenen Lichter der Stadt zu betrachten, "Nun... Da bleibt nicht viel übrig. Raus können wir auch nicht, ich will nicht unbedingt riskieren das die Wachen dich einsperren." Schon länger hatte er über diese Problematik nachgedacht, aber es war schwierig sie von ihrer Fährte abzubringen, ohne sich selbst zu präsentieren. Falsche Hinweise konnten schnell nach hinten losgehen und es war wohl am besten bis sie einfach abwarteten. Die Wachen würden früher oder später einfach jemanden festnehmen, wenn sie ihrer nicht habhaft werden konnten, "Kampftraining und alles was damit zu tun hat fällt also weg... Alchemie kann ich dir auch nicht zeigen, da ich weder ein Labor noch Kräuter hier habe." Nachdenklich verschränkte er die Arme und seine Blick folgten mal diesem Bürger, mal einem anderen. Es mochte zwar Nacht sein, aber das hieß nicht das niemand auf den Straßen war. Kurz blickte er zu ihr über seine Schulter und lächelte, "Hast du denn eine Idee, was du lernen willst?"
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Eona » Fr, 27. Apr 2012 15:57

Die Zeit rinnt durch des Menschens Hände und achtet nicht auf die Geschwindigkeit oder darauf, ob es uns Menschen wirklich recht ist, dass sie so skrupellos vorüber geht.

Doch Eona war das nur recht. Die Tage waren meist anstrengend und sie sank jeden Abend total erschöpft in den Schlaf, bis es wieder Zeit war, aufzustehen. Ihre Wunden hatten die Möglichkeit zu verheilen. Die beiden pflegten sich gegenseitig, wechselten die Verbände und verteilten die Salben. Sortans Wunde war nach einer Woche von einer dunkelroten Kruste überdeckt und blätterte an den Seiten schon ab, dort, wo neue Haut zum Vorschein kam. Sie juckte wahrscheinlich bestialisch, doch Eona ging es nicht anders. Ihre Verletzung hatte zwar keine große Fläche, doch war sie tief und pochte jeden Tag munter weiter. Aber nach einer Woche war es nicht mehr so schmerzhaft, das Sax im Training zu halten oder sich auf ihre rechte Hand abzustützten.
Das Training ging munter weiter. Sie trainierten nur, wenn sie sich gut fühlten und übertrieben es nie, da die Wunden immer noch nicht ganz verheilt waren. Doch dann verstrichen an einem Tag Stunden über Stunden bis sie einmal zufrieden waren und aufhörten. Sortan erklärte ihr viel, zeigte ihr Bewegungsabläufe, Finten und wie sie ihre Beweglichkeit besser einsetzen konnte. Das Sax verschmolz mehr und mehr mit Eonas Arm und sie fühlte sich etwas sicherer mit dem großen Tötungswerkzeug. Zwar unterlag die Sklavin ihrem Lehrer noch häufig, doch konnte sie schon einige Siege und unfaire Kämpfe verbuchen, die ihr bewiesen, dass sie langsam besser wurde.
Langsam aber stetig begann die Sklavin sich Sortan zu öffnen. Manchmal war ihr zu reden zumute und sie erzählte einige Dinge aus der Vergangenheit. Von der Flucht aus Eowhans Anwesen, dass sie ihren Vater zurücklassen musste, die schöne Zeit bei den Zigeunern und die Entführung von Sklavenhändlern, bevor sie an André verkauft wurde.
Von André erzählte sie nicht viel, da ihr manchmal der Mut oder die Erinnerung fehlte. Viele Gedächtnislücken begannen ihr aufzufallen und Eona grübelte einige Tage darüber, doch konnte sich keinen Reim darauf machen. Auch das sie drei Kinder verloren hatte und eins - Emilia - abgöttisch liebte, obwohl sie es hergeben musste, verschwieg sie dem Assassinen. Zerx blieb außerdem vor ihm verschlossen. Der Schmerz saß zu tief und vielleicht würde sie diese Erinnerung ins Grab nehmen, ohne irgend jemanden davon erzählt zu haben. Die einzigen Zeugen waren eh schon getötet worden.
Unter ihr Training mit dem Sax und dem Kampf, fiel noch einige Kräuterkunde und auch der Umgang mit Gift. Sortan hatte eine ungeheure Anzahl an Phiolen mit Giften und auch Kräutern, die Eona noch nie zuvor gesehen hatte. Er lehrte sie die Namen, die Wirkung und auch wie man sie verarbeiten musste und wozu man sie gebrauchen konnte.
Der junge Mann schien geduldig mit ihr zu sein und akzeptierte sie so, wie sie war. Das gab Eona eine tiefe Zufriedenheit und Sicherheit, die es ihr erlaubte, einem Menschen Vertrauen zu können. Sie verbrachten viel Zeit miteinander, liebten sich am Abend oder mitten am Tag ohne das Eona etwas dagegen hatte. Sie ließ sich von diesem Gefühl der trauten Zweisamkeit treiben und hätte gehofft, das es niemals aufhören würde.
Drei Wochen lang wurde sie unterrichtet, konnte etwas Ruhe finden und sich an ihren neuen Partner gewöhnen.

Im Großen und Ganzen hatte sich die Sklavin nicht verändert. Vielleicht war sie nach den letzten Wochen Training etwas drahtiger geworden und hatte etwas Muskelmasse zugelegt, doch ihr Gesicht war das gleiche und auch hatte sich ihre leuchtende Haarfarbe nicht verändert.
Ihre Persönlichkeit aber, tat wieder eine große Wandlung, die nur positiv zu beschrieben war, jedoch eher unterbewusst ablief. Eona bekam nur wenig davon mit. Sie fühlte sich einfach wohl, sicher und gefordert unter der strengen Hand ihrers Lehrers.
Doch nach so vielen Wochen, ohne die Sonne auch nur einmal direkt auf ihrer Haut gespürt zu haben, anstatt durch ein Fenster, fragte sich Eona, wann sie denn wieder auf die Straße dürfe. Die Alarmbereitschaft der Wachen hatte sich nach knapp einem Monat etwas beruhigt und anscheinend hatten sie einen Sündenbock gefunden. Sortan verließ immer ohne Begleitung das Haus, wenn er etwas zu erledigen hatte oder Einkäufe tätigte. Die Sklavin fühlte sich nutzlos und wie ein Klotz am Bein des Assassinen, was ihr mehr und mehr Kummer bereitete.

Eines Nachmittags hatte sie fast den ganzen Morgen verschlafen, doch war munter aus dem Bett gestiegen. Sortan schien schon aufgestanden zu sein. Zügig kleidete sich an. Ihren Rock, das Mieder, darunter das schwarze Leinenhemd, das Strumpfband mit Silberstich und ihre Sandalen. Außerdem griff sie noch nach ihrem Wollmantel mit der großen Kapuze. Das rote Haar war schnell zu einem großen Zopf zusammengebunden und würde später unter der Kapuze verschwinden. Sie verließ das Schlafzimmer, versuchte dabei keine Geräusche zu machen und tapste die Treppe hinunter. In der Küche war der Assassine anzutreffen und ohne große Umschweife sagte sie mit fester Stimme: "Ich möchte zum Markt gehen."
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