Eine persönliche Angelegenheit

"Die Stadt der Wasser" am Fuße der Ruwayd-Berge. Bekannt für ihren Wohlstand und der Akademie der Heiler.
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Eona » Mi, 04. Apr 2012 22:13

"Wer seid ihr?", kam es knurrend von dem älteren Herr, der sich schützend vor die Frau und das Kleinkind stellte. Eonas Wunde pochte mit jedem Schritt schmerzhaft, als sie der kleinen Gruppe näher kam. Silberstich glitzerte immer noch tödlich von dem Gift und nur die Spitze der Klinge war vom Blut des Bogenschützen gerötet. "Das sollte euch nicht interessieren. Doch ich weiß wer ihr seid, Andanam", grinste Eona und richtete sich nun zu ihrer vollen Größe auf, doch Andanam überragte sie immer noch um einen guten halben Kopf. Er hatte einen schwarzen Vollbart und ebenso schwarze Haare, die in kurzen Stoppeln aus seiner Kopfhaut sprossen. Die Geheimratsecken, die faltige braune Haut und die müden Augen deuteten auf ein hohes Alter hin und auf viele durchzechte Nächte, besonders in den letzten. Tiefe Augenringe zeichneten sich unter den Augen ab, die der Sklavin bedrohlich entgegen funkelten. Er war schlicht gekleidet und der schwarze lange Mantel mit der großen Kapuze bedeckte seine Kleidung gänzlich. Nur die Lederstiefel an seinen Füßen waren zu sehen und die große Pranke, die ein Kurzschwert in Händen hielt.
"Was wollt ihr?" Die Sklavin leckte sich über die Lippen und ihr Blick sprang von dem Kaufmann zu der etwas älteren Frau hinter ihm, die das schreiende Kleinking fest umklammert hielt. Die junge Frau konnte ihren Angstschweiß sogar gegen die leichte Brise riechen, die über die Dünen fegte. Eona hatte noch nie Frauen oder Kinder getötet, dass lag außerhalb ihrer Moral. Doch sie wusste auch nicht so recht, ob sie Andanam töten sollte, da er vielleicht Informationen hatte, die Sortan wichtig sein konnten oder die nicht an die Öffentlichkeit geraten sollten. Sortan hätte mehr mit mir besprechen müssen, raunte Eona innerlich und wog ihren Dolch in der Hand. "Ihr stellt zu viele Fragen, Andanam. Doch sagt mir, was wollt ihr in Avrabêth?" Eine tiefe Furche bildete sich zwischen den buschigen Augenbrauen des alten Kaufmannes und Eona sah den Angriff noch bevor er begann. Ein kraftvoller Stoß ging von der Hand über das Kurzschwert und hätten die Sklavin direkt aufgespießt, wäre sie nicht nach rechts ausgewichen. "Ich möchte nicht gegen euch kämpfen. Wir können das auch ganz..." Weiter kam die junge Frau nicht denn anscheinend hielt Andanam nichts von schlichten Diskussionen. Mit wutentbrannter Miene schlug er nach Eonas Kopf und hätte ihren Hals von dem übrigen Körper abgetrennt, hätte sie sich nicht flink unter seiner Klinge weg geduckt und mit ihrem Fuß nach seinem Schienbein getreten. Er zog die Luft scharf durch seine Zähne ein und vollführte eine Reihe von Schlagsalven, die die junge Frau nicht abblocken konnte, da sie zu kräftig waren, aber sie wich ihnen geschickt aus. Der ältere Herr preschte nun vorwärts in geduckter Haltung und wollte nach Eonas Unterleib schlagen, doch mit der Grazie einer langjährigen Tänzerin vollführte sie eine Drehung nach rechts und schlug mit ihrem Dolchknauf auf den Hinterkopf Andanams. Der Kaufmann stolperte, da er zu viel Schwung hatte und viel in den Sand, der protestierend gegen das große Gewicht aufwirbelte und darunter nachgab. Ein Seufzer entwich den Lippen Andanams und regte sich nicht mehr. Er war schon zu alt, um sich in einem Kampf zu groß zu verausgaben und war nun von der jüngeren Generation ausgeschaltet worden. Eona wischte sich den Schweiß von der Stirn und wandte sich der älteren Dame zu, die der Sklavin ängstlich entgegenstarrte. Wimmernd fiel sie mit dem Kleinkind in ihrem Arm vor ihr auf die Knie. "Bitte... tut uns nichts." Die junge Frau runzelte die Stirn und fragte sich, wieso sie nicht weggelaufen war, als ihr Mann sie beschützt hatte. Doch sie brachte es nicht übers Herz, der Frau etwas anzutun. "Euer Mann ist bewusstlos. Er wird bald wieder zu sich kommen, doch das wird noch eine Weile dauern."
Drohend hob Eona ihre Klinge vor das tränenverschmierte Gesicht der älteren Dame und das Blut des Bogenschützen tropfte in den Sand. "Wenn ich zurückkomme und ich sehe, dass ihr verschwunden seid, werden wir euch nachjagen..." Die grünen Augen der Nordfrau funkelte bedrohlich, um ihre Aussage zu unterstreichen. Die Frau nickte nur wimmernd und verbarg das immer noch schreiende Kind unter ihrem grünen Mantel.

Die junge Sklavin musste sich orientieren und dabei pochte ihre Wunde unaufhörlich weiter. Es hatte nicht aufgehört zu bluten und es schmerzte schrecklich. Sie riss den Stoff an der Stelle der Wunde auf und drückte einige Kräuterblätter in die Verletzung, die die Blutung stillen und den Heilungsprozess beschleunigen sollte. Sie hielt ihre Hand gepresst darauf, damit die Blätter nicht abfielen und suchte Sortan, den sie in der Ferne erspähte. Sie beschleunigte ihre Schritte und war bald bei ihrem Begleiter angekommen. Er hielt sich mit schmerzverzerrter Miene die Seite, aus der reichlich Blut in den rotgefärbten Sand lief. Vor ihm lag Menderea. Tot. Seine Augen starrten schreiend in den Nachthimmel und flehten um etwas, das Eona nicht verstand.
"Sortan...", flüsterte sie und kniete sich neben ihren Begleiter nieder. Aus ihrem Beutel packte sie ihren Heilkräutervorrat hervor und stellte diesen neben sich in den Sand. Den Dolch steckte sie ebenfalls in den Wüstensand, um niemanden mit dem Gift, das immer noch an der Klinge haftete, zu verletzen. Dann riss sie sein Hemd auf, um sich die Wunde an der Seite ansehen zu können. Das Schwert Mendereas war scharf gewesen doch war nicht sonderlich tief ins Fleisch eingedrungen. Außerdem sah sie eine hässliche Wunde an der Schulter des Mannes, die unaufhörlich blutete. Das Hemd riss sie in große Fetzen und presste sie gegen die blutenden Wunden. "Du Narr... Wieso hast du deine Lederrüstung nicht angezogen?", knurrte sie und arbeitete weiter. Sie legte die blutstillenden Kräuter an die Wunden, bis ihr Vorrat aufgebraucht war. Ein Gedanke schoss ihr dabei durch den Kopf. Ich könnte ihn hier liegen lassen. Ich könnte mir sein Pferd schnappen und nach Naradesh zurückreiten oder auch nach Avrabêth. Er würde hier sterben. Entweder würde er verdursten oder an dem großen Blutverlust verrecken. Doch ihre Hände arbeiteten unbeirrt weiter. Die Ärmel wurden in breite Streifen zerrissen und um die Wunden verbunden. Die Blutung ließ langsam nach und das war ein gutes Zeichen.
Aber wieso verarzte ich ihn dann hier? Liegt mir... etwa etwas an ihm? Wir er mein neuer Herr? "Kannst du aufstehen?", fragte sie ruhig und strich ihm das verschwitzte Haar aus dem Gesicht, damit er sie ansehen konnte.
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Sortan » Mi, 04. Apr 2012 22:42

Der Assassine keuchte erneut, er hasste es Blut zu verlieren. Andererseits hatte die Vorsehung und das Schicksal vielleicht beschlossen ihn nun dem Scharfrichter vorzuführen. Man konnte leicht sagen, das man bereit für den Tod war, aber Sortan... war es tatsächlich. Er hatte schon so viele von diesen Verletzungen abbekommen und die zwei Schnitte durchkreuzten einige andere Narben. Dennoch, so schnell gab ein Raquiiah nicht auf. Er stöhnte erneut, als er seine Kraft sammelte um sich aufzurichten, doch dann waren da plötzlich Schritte und eine Stimme. Seine Augen zuckten zur Seite, "Eona?" Dann erkannte er sie und ließ sich wieder zurücksinken. Er musste seine Kraft sparen und das Blut quoll noch immer zwischen seinen Fingern hervor. Er hatte die Tiefe des Schnitts gespürt, er traf genau einige Adern, aber drang nicht an die Organe. Schlussendlich würde er wieder einmal überleben. Er spürte wie sie sein Hemd zerriss und fröstelte etwas. Der eingetrocknete Schweiß und die kühle Nachtluft gaben keine gute Mischung ab, "Hätte auch nicht... geholfen. Ausserdem... Dachte ich nicht das er... so gut ist." Er hustete zwischendurch und ließ die Sklavin weiterarbeiten. Er spürte ihre Handgriffe, die Kräuter und schließlich auch das Verbandszeug. Als sie fertig war, zwinkerte er ihr zu und setzte sich mit einiger Mühe auf. Mit der unverletzen Hand zog er sich das Mundtuch aus dem Gesicht und knirschte mit den Zähnen. Diese feurigen Schmerzen, die sich tief in ihn hineinschnitten... Er würde sie vielleicht ausbrennen müssen. Bei dem Gedanken daran verdrehte er jetzt schon die Augen, "Natürlich kann ich das... Sind sie alle... tot?" Der Assassine musterte sie kurz und ihre verletzte Schulter. Dann schloss er kurz die Augen und beruhigte sein restliches Blut etwas, ehe er einen schrillen Pfiff ausstieß. Während der Wallach angetrabt kam, meinte er dann, "Du siehst aber auch nicht gerade... besser aus..." Als der Wallach neben ihm war, streckte er eine Hand nach dem Steigbügel aus und zog sich hoch. Anschließend ließ er sich zu dem Kadaver Mendereas ziehen und zog sein blutiges Kurzschwert aus ihm heraus. Er würde sich nicht helfen lassen und grummelte unwillig vor sich hin, selbst ein Assassine hatte seinen Stolz und vor allem bei solch kleinen Kratzern. Es dauerte zwar einen Moment und viel Kraft, aber schließlich saß er im Sattel und der linke Arm baumelte kraftlos herab, während der rechte die Zügel hielt, "Komm..." meinte er dann zu Eona und zog aus den Satteltaschen einen Wasserschlauch hervor, während das Pferd etwas tänzelte. Er trank einen großen Schluck und hielt ihn dann der Sklavin hin. Die Wunden bluteten schon fast nicht mehr, das war eine angenehme Tatsache und er würdigte sie schweigend. Er wusste nicht was er tun sollte, zum Foltern fühlte er sich nicht gerade in bester Verfassung und auch nicht zum Töten. Sollte es also Überlebende geben... Was sollte er mit ihnen anstellen? Er könnte sie nach Avrabêth ziehen lassen und es an einen anderen Raquiiah weitergeben. Dann hätten diese genug Zeit um alles vorzubereiten und sie zu empfangen. Andererseits wollte er so eine Schwäche nicht vor der gesamten Familie zeigen, sie würden denken ihm wären ein Kind und eine Frau entwischt, lächerlich. Schmerzlich wurde ihm bewusst, das er irgendwie gerade sein Leben in die Hände einer fremden Sklavin gelegt hatte und er runzelte die Stirn. War es schon so weit mit ihm? Allerdings hatte sie was sie wollte und hatte ihm dennoch geholfen. Das war eine unleugbare Tatsache die ihn verwunderte.

Er ritt in die Richtung, in der die Kaufmannsfamilie war und hielt dann schließlich vor ihnen an. Sein Haar sah schlohweiß aus, als der Mond darauf schien und die Verbände hatten sich doch etwas rot verfärbt. Er hielt das Pferd an und sammelte seine Kräfte um nicht schwach zu wirken, während er die Frau anstarrte und den Mann kurz gemustert hatte. Sein Blick wirkte kurz Müde, aber immer noch bedrohlich, als er von dem Pferd abstieg. Je länger es dauern würde, desto schneller würden seine Kräfte schwinden. Sein Blick fiel von der Frau auf das Kind und er zog eine Augenbraue hoch, "Also... Sag mir woher ihr das alles wisst... Von wem... Und was ihr in Avrabêth wolltet..." Die theatralischen Pausen dienten ebenfalls dazu seine Schwäche zu verbergen, er wollte schließlich nicht plötzlich anfangen Blut zu husten. Seine Augen verengten sich zu Schlitzen, zwei Hiebe und die beiden wären tot, "Sag es mir, oder dein Kind wird... Sterben, oder schlimmeres..."
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Eona » Do, 05. Apr 2012 14:18

Keine Zeugen. Niemals.

Eona wusste sofort, dass das Leben der älteren Dame und ihrem Kind zu Ende war, als Sortan sie mit seinem durchdringenden Blick betrachtete und mit fester Stimme fragte, was sie in Avrabêth wollten. Auch die Frau Andanams wusste es und ein Vorhang legte sich über ihre glasigen Augen, in denen sich die Sterne spiegelten. Eine entschlossene Stimme erhob sich und die Sklavin wunderte sich, dass sie von der älteren Frau stammte. "Wir wollten nach Avrabêth, um dort Schutz zu suchen. Andanam half Menderea bei den Vorbereitungen und versprach ihm, dass sie sicher in der Stadt ankommen würden." Eine einzelne Träne verlor sich in den langen schwarzen Wimpern und sie schlug die Augen nieder.
Ein Schluchzer durchschüttelte den Körper und ihre Arme zogen sich fester um ihr Kind, das schon lange aufgehört hatte zu schreien. Für die Sklavin war es eine mütterliche Geste, um ihr eigen Fleisch und Blut zu schützen und sie erinnerte sich an das blutverschmierte Gesicht ihres eigenen Kindes, dass sie aus ihren Armen geben musste. Ein Kloß bildete sich in ihrem Hals und vergeblich versuchte sie diesen hinunterzuschlucken, doch es wollte ihr nicht gelingen.
Kurz fiel der Blick der jungen Sklavin auf Sortan, doch sein Blick hatte sich nicht verändert. Genauso hart und ausdruckslos wie vor einigen Sekunden. Eona biss sich auf die Unterlippe und kaute auf ihre herum, während sich ihre Hand fester um den Dolch schloss. Sie war skrupellos, immer zum kämpfen bereit und niemals weich geworden. Doch ihre Ziele waren meistens männlich und hatten auch einen Grund zu sterben... Das Wimmern der Frau erweichte ihr Herz und brachte die Eisschicht fast zum schmelzen. Doch die Sklavin wandte sich noch rechtzeitig von dem Bild ab und meinte trocken zu Sortan: "Wenn du hast was du brauchst und damit fertig bist, findest du mich bei den Palmen. Pass auf Andanam auf; er ist nur bewusstlos."

Eona hatte sich entfernt. So weit, dass sie die Schreie der Frau nicht mehr hören konnte, doch nah genug, dass Sortan sie schemenhaft in der dunklen Nacht erkennen konnte. Der Sand rieselte in ihre Schuhe und sie bemerkte, wie die kleinen Körner an ihren Fußsohlen und Zehen schabten. Die Wunde pochte zwar immer noch, doch der Schmerz war abgeflaut und auch die Blutung schien gestillt zu sein. Sie entfernte die Blätter, vergrub sie im Sand und bestrich die runde Wunde mit einer ihrer Salben. Außerdem wischte sie die Klinge von dem Gift und dem Blut rein, bevor sie es wieder an ihr Strumpfband befestigte. Der kühle Nachtwind riss ihr die Kapuze vom Kopf und löste auch einige Haarsträhnen, die ihr ins Gesicht peitschten. Doch die Sklavin achtete nicht darauf. Sie hatten den Kopf in den Nacken gelehnt, die Hände hinter ihrem Rücken verschränkt und starrte zum Sternenhimmel empor, an dem auch der Mond wie eine Silbermünze klebte.
Menderea war tot. Andanam wird Sortan nicht überleben. Keine Zeugen. Niemals. Eona atmete tief ein und rieb sich etwas die Augen. Ihre Glieder waren schwer und am liebsten hätte sie sich im Sand eingerollt, um zu schlafen, doch sie mussten wieder zurück nach Naradesh. Was hält mich eigentlich noch an Sortan? Ihre Stirn legte sich in Falten und ihre Augen blieben an dem Vollmond hängen, der ihre Augen funkeln ließ. Der Mond hatte schon immer eine magische Anziehungskraft auf den Mensch und auf das Meer ausgeübt. Doch warum das so war, konnte sich die Sklavin nie erklären. Wenn sie die Scheibe am Himmel betrachtete und die Sterne, die sich wie eine Armee um ihn herum versammelt hatten, wurde sie ruhig in ihrem Inneren, als würde der Bruder der Sonne ihre inneren Wogen glätten. Würde ich nur versuchen zu fliehen, dann wäre mein Leben verwirkt. Er würde mich töten, da ich zu viele Informationen über ihn und seine Taten habe. Dieser paranoide Mistkerl... Mit flinken Handgriffen befestigte sie die losgelösten Strähnen wieder mit den Haarklammern und schloss die Augen. Also bin ich wohl gezwungen bei ihm zu bleiben, wenn ich nicht auf der Stelle sterben möchte.
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Sortan » Do, 05. Apr 2012 19:10

Der Assassine hakte noch ein paar Mal noch und drohte schärfer, aber die Familie wusste nichts weiteres. Mit schnellen und genauen Strichen, tötete er erst die Mutter, dann das Kind und zum Schluss Andanam. Er hatte sein bestes gegeben und wahrscheinlich standen die Chancen gut das die Botschaft der Raquiiah die richtigen Personen erreichte. Kurz schwankte er und das noch warme Blut tropfte von seiner Klinge. Er hasste es, wenn seine Waffen schmutzig waren und so säuberte er sie mit ein wenig Wasser, was mit einer Hand gar nicht so einfach war. Seine Gedanken beruhigten sich allmählich, er würde bald einen Boten an das Familienoberhaupt schicken und ihm darin die Lage schildern. Sollte sich jemand anderes in Avrabêth um die Kontaktmänner Mendereas kümmern, seine Sache war erledigt. Er wischte ein paar Sandkörner von der Klinge an seiner Kleidung ab und schob sie dann in die Scheide. Seufzend tätschelte er mit der rechten den Hals des Pferdes, die Schmerzen ließen allmählich nach und die Blutungen waren fast gestillt. Sobald sie wieder in seinem Haus waren, würde er sich aber selber noch einmal um die Verletzungen kümmern müssen. Die Kräuter der Sklavin wirkten zwar gut, aber er vertraute lieber und ausschließlich seiner eigenen Medizin. Erneut gingen ein paar Minuten vorbei, bis er sich wieder in den Sattel gequält hatte und das Pferd in die richtung der Palmen lenkte. Er war froh darüber Schwattenmähne auch auf seine Stimme trainiert zu haben.

Nach einigen Minuten erreichte er dann die Palmen und hielt neben Eona an, "Darf ich euch mitnehmen, edles Fräulein?" Zumindestens seinen Humor hatte er noch nicht verloren, wobei einige mit Sicherheit standfest behaupten würden er hätte überhaupt keinen. Sicherlich zeigte er ihn höchst selten und meistens nur in der Familie und den dazugehörigen Kreisen. Es war schon interessant, das er nicht einmal alle Mitglieder der Familie kannte, es gab so viele Cousins, Cousinen, Onkel und noch viele mehr, die er noch nie gesehen hatte. Er zwang sich ein lächeln aufs Gesicht und wartete bis Eona aufgestiegen war. Dann zog er sich wieder das Mundtuch über und lenkte sein Pferd in Richtung Heimat. Natürlich blieb er dabei in der Nähe des Flusses, irgendwann würde Naradesh dann schon am Horizont auftauchen. Das Pferd schlug einen Galopp an und seine Wunden schmerzten ab und an bei den Schritten, doch er hielt es aus. Besser schnell und mit Schmerzen, als den gesamten nächsten Tag in der Wüste zu verbringen, "Bring uns nach Hause, Kleiner..." murmelte er zu dem Pferd.

Die Sonne stand schon wieder relativ hoch am Zenit, es war vielleicht zehn Uhr, als sie in Naradesh ankamen. Sie ernteten zwar einige misstrauische Blicke von den Wachen und besonders den Bürgern, schafften es jedoch unbehelligt bis zu den Stallungen. Es war nicht ganz unüblich mit freiem Oberkörper durch Naradesh zu gehen, schließlich war die Hitze manchmal unerträglich. Auch wenn seine verbundene Seite und die linke Schulter nicht normal waren, ließen sie doch die Menschen in Ruhe. Ob das eher aus desinteresse, oder dem kalten Blick des Raquiiah zu verdanken war, könnte man wohl nur raten. Rorik war bereits mit einem anderen Pferd zugange, als er sie kommen sah, "Herr? Was ist passiert?!" Der Assassine winkte ab und stieg vom Pferd, "Vergiss es... Familienangelegenheiten. Kümmer dich gut um Schattenmähne, ich bin zu Müde um mich zu unterhalten." Er zitterte etwas und taumelte ganz leicht, ehe er einen festen Stand hatte und sich halbwegs normal bewegen konnte. Sein Blick ging zu Eona, "Gehen wir zurück..." Er überlegte kurz ob er ihr nun die Freiheit anbieten sollte, verneinte es dann aber wieder. Der Zeitpunkt war falsch und er selbst fühlte sich nicht besonders gut. Bedächtig machte er ein paar Schritte, ehe er sich etwas an die Wunden gewöhnt hatte und langsam in Richtung Innenring trabte. Bald waren sie dann an seinem Haus angekommen, das er aufsperrte und hinein ging. Er ließ sich direkt auf einen der Stühle in der Küche fallen, denn er war kaputt und brauchte zumindestens einen kleinen Moment Ruhe. Während er tief durchatmete, überlegte er ob er noch genügend von den Heilsachen hatte, aber natürlich hatte er das. Er war nie schlecht und erst recht nicht unvorbereitet. Allerdings hatten sie nichts mehr zu essen, weshalb er bald noch auf den Markt gehen musste. Zumindestens hatte der Proviant noch für ein karges Frühstück am Morgen gereicht.
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Eona » Do, 05. Apr 2012 19:27

Eine tiefe Müdigkeit erfasste Eonas Körper und auch ihren Geist, als sie sicher hinter Sortan aufgestiegen war. Obwohl sie nicht gewöhnt war, auf einem Pferd zu sitzen oder gar zu reiten, machte sie es sich so gut wie möglich bequem, zog sich die Kapuze über ihr Gesicht und schmiegte sich geradezu an Sortans Rücken. Der Wind rauschte an ihr vorbei, so wie die Welt, die nur aus Sand und Himmel zu bestehen schien.
Die Sklavin versank in einem Halbschlaf, der von den trommelnden Hufen des Pferdes und dem Pochen ihrer Wunde begleitet wurde. Sie verlor jegliches Zeitgefühl und überließ es dem Assassinen sie sicher nach Hause zu bringen. Ihre Gedanken schweiften ab und sie fragte sich, wie Sortan es schaffen konnte, unschuldige Menschen zu ermorden und sogar ein Kleinkind, dass nichtmal verstand, was überhaupt um ihn herum passiert war. Aus der Ferne konnte sie die Blutlache sehen, die sich in den rieseligen Sand ergossen hatte, doch schon bald war das Tier außer Reichweite gewesen und Eona wendete den Blick ab. Sie war skrupellos, genau wie Sortan, doch etwas wie Moral steckte noch irgendwo in ihren Knochen. Doch sie konnte es nicht verhindern und in gewissem Maße hatte der Assassine auch recht. Zeugen waren nie etwas gutes und besonders Eona, die eines Mordes verdächtig wird, sollte das wissen.
Als die Hufe auf gepflasterte Straßen traf und das gleisende Sonnenlicht der Morgensonne auf die beiden Reiter fiel, seufzte Eona und hob seit langen Stunden das erste Mal den Kopf. Ihr Nacken war steif, ihre Innenschenkel schienen wieder aufgerissen zu sein und die Wunde hatte immer noch nicht aufgehört zu pochen. Was für eine Nacht, brummte sie in Gedanken und ignorierte die Menschen, die sie neugierig oder gar misstrauisch beäugten. Neugieriges Pack.

Die junge Frau hatte es gerade so geschafft, das Haus Sortans zu erreichen. Ihre Oberschenkel schmerzten und die Wunde an ihrer Schulter war auch kein wirkliches Hilfsmittel, schneller bei ihrem Ziel anzukommen. Jedoch war Eona zäh und ignorierte bald den Schmerz, der ihren ganzen Körper erfasste.
Der Stuhl war ein Willkommensgruß an die Sklavin gewesen und sie ließ sich - wie Sortan - auf diesen fallen. Den letzten Rest des Trinkschlauches an ihrem Gürtel leerte sie durstig in einem Zug und atmete erleichtert auf, als ihre Innenschenkel nicht mehr aneinanderrieben. Dann legte sie ihre Stirn auf die Arme, die sie auf dem Tisch verschränkt hatte und schloss nur für einen Moment die Augen. Zu den anderen Schmerzen hatte sich ihr Kopf dazugesellt und pochte nun im Gleichtakt mit ihrer Wunde an der rechten Schulter. Ohne den Schlaf aufhalten zu wollen, umarmte sie ihn dankend. Nach wenigen Minuten atmete Eona tief und gleichmäßig, als sie am Küchentisch eingeschlafen war.
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Sortan » Do, 05. Apr 2012 19:53

Sortan grunzte leise, als er bemerkte das die Sklavin eingeschlafen war und stand dann langsam auf. Er zog den Teppich wieder von der Falltür und öffnete sie leise, ehe er dann die kurze Treppe einhändig hinab stieg. Er wusste nicht recht, ob er seine Wunden ausbrennen sollte, beschloss dann aber das er genug Schmerzen ertragen musste und ließ es darauf ankommen. Seine Finger fuhren über die Flaschen und Phiolen in der Kommode, ehe er zwei herauszog und in den Gürtel steckte. Dann fand er noch die Dosen im unteren Regal, einige mit schmierigem Gift oder kleinen Kügelchen als Inhalt und andere mit riechenden Salben die zur Heilung dienten. Letztere steckte er ebenfalls ein, zwei an der Zahl, und ging dann wieder hoch. Nachdem er alles wieder geschlossen hatte, sah er aus dem Fenster in die grelle Sonne und seufzte leise. Genauso leise stellte er alles auf dem Tisch ab, um Eona nicht zu wecken, und öffnete die erste der Dosen. Dann fiel ihm noch etwas ein und er durchsuchte kurz die Küchenschränke, bis er das Verbandszeug fand. Er besaß auch Nadel und Faden, aber damit konnte er eher schlecht als recht umgehen und die Salben würden die Blutung genug stillen. Nachdem er sich auf den Stuhl sinken ließ, wickelte er vorsichtig den Verband an seiner Schulter ab. Er griff nach dem abgestandenen Wasser von gestern und schüttete es etwas über die Wunde. Dann rieb er mit dem benutzten Verband die Wunde aus. Er stöhnte kurz und sein Gesicht war vor Schmerzen etwas verzerrt, doch bald war es geschafft. Nachdem er die erste Salbe aufgerieben hatte, entfaltete sich fast sofort die kühlende und blutstillende Wirkung. Er seufzte kurz zufrieden und verband die Wunde wieder. Dann tat er dasselbe mit der Wunde in seiner Seite, nur mit etwas mehr Schmerzen. Er hatte Glück das die Säbel scharf gewesen waren und die Schnitte gerade und relativ schmal waren, so würde das Fleisch schneller wieder zusammenwachsen.

Nachdem er sich dann wieder einige Zeit von den Schmerzen erholt hatte rieb er sich die Augen und öffnete die zweite Dose. Sie enthielt ein paar grüne Kügelchen, die einen schmerzstillenden und berauschenden Effekt hatten. Er schmunzelte kurz, sie waren nicht gut angesehen und machten abhängig, aber gering dosiert wirkten sie Wunder. Er blickte zu der Sklavin und seufzte leise, er würde sie auch versorgen müssen, nicht das sie ihm an Wundbrand starb. Vorsichtig zog er ihren Stuhl zurück um sie nicht zu wecken und kniete sich vor ihr hin. Dann hob er sie sich über die rechte Schulter und trug sie hoch in das große Bett. Er strich ihr ein paar Haare aus dem Gesicht, schmunzelte und ging dann wieder nach unten um die restlichen Utensilien zu holen. Als er wieder kam, fuhr sein Blick über den Körper der Sklavin und er bemerkte ein wenig Blut an ihren Beinen. Das Reiten war nunmal kein Kinderspiel, zumindest nicht am Anfang. Er würde sich später darum kümmern, zunächst die Wunde in der Schulter. Er strich kurz um die Wunde an der rechten Schulter und öffnete dann ihr Mieder. Nachdem er sie nach und nach ausgezogen hatte, konzentrierte er sich auf die Schulter. Er war bis jetzt vorsichtig und leise vorgegangen um sie nicht zu wecken und hoffte das würde so bleiben. Allerdings war das eher unwahrscheinlich, denn das Auswaschen würde wahrscheinlich etwas schmerzhaft werden. Schulterzuckend begann er wieder mit der ganzen Prozedur und würde sich danach den Schenkeln zuwenden und sie ebenfalls verbinden und mit der Salbe einschmieren.
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Eona » Do, 05. Apr 2012 20:22

Die Sklavin sog die Luft scharf zwischen ihre Zähne ein, bevor sie überhaupt ihre Augen aufgeschlagen hatte.
Das Morgenlicht war grell und sie wollte die Augen nicht aufmachen, da sie sie eh wieder schließen müsste, da es zu hell war. Eona bemerkte, dass sie sich in einer horizontalen Position befand und anscheinend am Küchentisch eingeschlafen war, bis Sortan sie ins Bett gebracht hatte. Finger betasteten ihre Innenschenkel und etwas wie ein Tuch ging über die Schürfwunden und sie wusste, dass Sortan sie versorgte. Eine jähe Erregung erfasste ihre Lenden als die Finger des Assassinen etwas höher glitten, doch dieses Gefühl wurde sofort durch den Schmerz unterbunden."Wie lieb von dir", presste Eona hervor und zuckte zusammen als er etwas wie eine Salbe auftrug, die sich ungemein kühl auf der Haut anfühlte."Doch das hätte ich auch selbst machen können." Seine Hände berührten die richtigen Stellen und waren darauf bedacht, die Wunden nicht zu berühren, was sich als schwierig herausstellte. Ein brennender Schmerz zog sich nun von ihren Schenkeln in die Waden bis zu ihren Zehen. Ihre Augen erfassten Sortans Gesicht, das konzentriert ihre Innenschenkel begutachtete und nur manchmal abschweifte, um neue Salbe aufzutragen oder sie zu verbinden.

"Danke, Sortan", sagte sie schlicht und betrachtete weiter sein Gesicht. Der Dank war ehrlich gemeint und kam aus tiefstem Herzen, auch wenn sie selbst überzeugt war, keines mehr zu besitzen. Zumindest kein schlagendes mehr.
"Dafür, dass du Menderea erledigt hast. Das..." Kurz runzelte die Sklavin ihre Stirn und suchte nach den richtigen Worten, die so schwer über ihre Lippen kamen. Wann hatte sie sich das letzte Mal bei jemanden bedankt? "Das hat mir viel Last von den Schultern genommen." Kurz fasste sich die Sklavin an die Schulter und bemerkte, dass diese Verletzung auch schon verbunden war. Zufrieden seufzte die junge Frau und sank etwas tiefer in die Kissen zurück. Brav und ohne zu jammern ertrug sie die Prozedur und war dankbar für die kühlende Salbe und für die geübten und vorsichtigen Finger Sortans.
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Sortan » Do, 05. Apr 2012 20:45

Er musste schmunzeln, "Lieb, mhm? Da bist du der erste, der diese Meinung vertritt..." Sein Blick begegnete kurz ihrem und er lächelte etwas spöttisch, "Schon... Aber du warst ja mit schlafen beschäftigt." Er lachte kurz und widmete sich dann wieder ihrem aufgerissenen Fleisch. Die Schorfwunden waren nicht besonders tief, aber breit gefächert, was es wirklich schwierig machte. Die Salbe ging ebenfalls zur Neige, weshalb er sie etwas sparsamer auftrug. Die Wunden würden sowieso schnell verheilen, da war die Schulterwunde wirklich wichtiger gewesen. Zwischendurch wischte er sich etwas Schweiß von der Stirn und auch auf seinem freien Oberkörper klebte Schweiß, mit etwas Sand gemischt. Er seufzte leise, obwohl sie drinnen waren war die Hitze wirklich unerträglich heute. Auch die Wunden taten sicherlich ihr bestes um ihn zu erschöpfen und den Schweiß fließen zu lassen. Er schmunzelte kurz und hob eine Augenbraue, "Mhm? Ähh... Gern geschehen?" Er war nicht gut darin, dafür bedankten sich die Leute einfach zu wenig. Das Mordgeschäft war leider etwas ernster, als man vielleicht meinen konnte. Ihm fielen keine Frauen um den Hals, nur weil er ihre Männer umgebracht hatte. Dennoch erwiesen sie ihm Respekt und es war eine gute Arbeit, "Naja... Es war auch in meinem Interesse, allerdings ist es gut das es nun vorbei ist." Er wollte noch etwas hinzufügen, ließ es dann aber bleiben. Sie musste nicht wissen was er noch tun musste und das es mehr wie ihn gab. Erst recht nicht das sie eine große Familie waren, was in irgendeiner Weise makaber klang. Zumindestens noch nicht, fügte er in Gedanken hinzu und berührte aus Versehen eine Wunde. Er konzentrierte sich wieder etwas mehr und wickelte dann den Verband um ihr Bein. Das ganze war natürlich etwas schwieriger mit einer Hand, aber zum Glück war Eona ja wach und konnte ihr Bein von selbst heben.

Als er fertig war seufzte er leise und wischte sich erneut etwas Schweiß von der Stirn, "Ich... danke dir. Du hättest mich töten können und hättest sowohl deine Freiheit, sowie deine Rache bekommen. Wieso hast du mir geholfen?" Er zog die Augenbrauen zusammen, das Ganze erschien ihm etwas komisch und irrational. Andererseits hätte sie sein Pferd nicht bekommen, denn Schattenmähne war viel zu eigen und auf ihn fixiert. Sogar Rorik hatte manchmal Probleme mit dem treuen Gaul. Er schüttelte die Gedanken ab und fixierte die Sklavin wieder mit seinem Blick. Er betrachtete ihr Haar und ihre Augen und erwiderte ihren Blick müde. Dann strich er sich über das Gesicht und griff neben sich zu der Kommode. Auf dieser standen die zwei kleinen Phiolen und die andere Dose. Er schraubte sie auf und nahm zwei der Pflanzenkügelchen heraus, ehe er die Dose wieder auf die Kommode legte und Eona eine der Perlen hin hielt, sowie eine der Phiolen. Er erklärte kurz, "Keine Angst, kein Gift. Es lindert die Schmerzen und beruhigt dich etwas... Ausserdem kannst du besser schlafen und die Wundheilung geht schneller von statten." Er schmunzelte kurz und nahm dann selber das pflanzliche Schmerzmittel. Während er es zerkaute, schluckte er das klare Substrat in der Phiole in seinen Mund und verzog kurz das Gesicht. Widerwärtiges Zeug, fürwahr, aber es würde helfen.
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Eona » Do, 05. Apr 2012 21:14

Eine tiefe Melancholie gepaart mit Müdigkeit breitete sich in ihrem Körper aus, als Sortan damit fertig war, sie zu verarzten. Er war dabei so gewissenhaft und sanft vorgegangen, wie sie es von ihm nie erwartet hätte. Dabei wurde ein Wunsch nach Nähe und Zärtlichkeit freigesetzt, der Eona in Wellen durchspülte. Doch sie ignorierte dieses Gefühl, dass sich so alt anfühlte und dachte lieber über Sortans Frage nach. Sie beantwortete diese mit einer Gegenfrage: "Du willst wissen wieso ich dir geholfen habe? Genauso gut könnte ich dich fragen, wieso du mich jetzt verarztest?" Ihre Mundwinkel hoben sich zu einem Lächeln, dass verschmitzt Sortan entgegensprang. "Aber ja. Ich hätte dich töten können und das nicht nur einmal. Doch getan habe ich es nicht." Weshalb auch immer, schoss es ihr durch den Kopf und betrachtete den verschwitzten Körper des Assassinen während er ihr eine Pille entgegenhielt. Zuerst runzelte sie die Stirn, doch als ihr der junge Mann versicherte, dass es kein Gift sei, nahm sie das Ding entgegen und betrachtete die kleine Perle eine Weile, bevor sie sich in den Mund steckte und probeweise daran lutschte. Der fast gleiche widerliche Geschmack wie des Gegengifts wurde freigesetzt und sie verzog das Gesicht. Nachdem sie die Medizin zerkaut hatte, schluckte sie noch den Inhalt der Phiole und hätte beinahe ausgespuckt, doch sie behielt die Arznei im Magen.
Ausgelaugt ließ sie sich in die Kissen zurückfallen und seufzte schon fast zufrieden, auch wenn der bittere Geschmack der Medizin in ihrem Mund verweilte. "Du solltest dich auch ausruhen. Deine Verletzungen sind schlimmer als meine", meinte sie fürsorglich und betrachtete den Assassinen weiter im Morgenlicht. Seine Seite sah wirklich schlimm aus, wenn sich Eona die Wunde ins Gedächtnis rief. Auch die Verletzung am Arm war nicht ganz ohne und sie fragte sich, wie zäh dieser Männerkörper sein konnte, dass er auf einem galloppierndem Pferd noch nach Naradesh reiten konnte. Vor allem mit einer ebenso verletzten Sklavin im Schlepptau.
Langasam wurde es auch der Sklavin zu warm und sie zog die letzten Kleidungsstücke umständlich aus, um auch die letzten Körperregionen an die Luft zu lassen. Dann räkelte sie sich genüsslich auf dem Laken und sie wollte sich schon zusammenrollen, um endlich dem Schlafmangel entgegenzukommen, doch ihr Blick fixierte Sortan, der noch in ihrem Raum anwesend war. "Sortan?", fragte sie leise und richtete sich etwas auf. "Möchtest... möchtest du heute hier schlafen?"
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Sortan » Do, 05. Apr 2012 21:32

Er hustete kurz und schüttelte sich etwas, wirklich widerlich das Zeug. Was man nicht alles tat um gesund zu werden. Er zog eine Augenbraue hoch und strich sacht über den Verband an ihrer Schulter, "Weil ich mein Wort halte und meine Schulden begleiche. Man vieles über mich sagen, aber ich bin kein Eidbrecher..." Er stockte kurz und fuhr dann flüssig wieder damit fort zu reden, "... Ich hoffe sie entzündet sich nicht, ansonsten muss ich sie ausbrennen." Kurz schloss er die Augen, das erste mal als er das Eisen in der Hand hielt, als er es langsam an den Schnitt heranführte um ihn zu verschließen und die Blutung zu stoppen. Das Zittern seiner Hand, der Geruch nach verbranntem Fleisch und seine Schmerzensschreie. Er schüttelte die Gedanken von sich weg und stand schließlich auf. Er hatte genug getan und wollte nur noch schlafen, "Mhm... Das werde ich auch, aber ich will nicht sterben während ich mich ausruhe und du sollst das schließlich auch nicht." Dann zwinkerte er ihr zu und lächelte müde. Er stellte die leeren Phiolen wieder auf die Kommode und schraubte die Heilsalbe wieder zu. Nachdem er die Dosen aufeinander ordentlich neben den Gläsern aufgereiht hatte, nickte er halbwegs zufrieden und bewegte testweise die Schulter. Er zuckte zusammen und ließ sie wieder sinken, der Schnitt war relativ nah am Gelenk und hatte mit Sicherheit einige Nerven und Teile des Muskels durchtrennt. Er stöhnte und griff instinktiv nach der Schulter, bemerkte es jedoch im letzten Moment und ließ die rechte wieder sinken. Sein Körper war ausdauernd und durchtrainiert und er war viele Wunden gewohnt und wusste wie er damit umzugehen hatte, aber dennoch war seine Kraft am Ende und er wollte gerade gehen, als Eona noch etwas sagte. Mit hochgezogener Augenbraue drehte er sich zu ihr um und legte den Kopf etwas schief. Dann ging er wieder zurück und auf die andere Seite des Bettes. Ein Schmunzeln umspielte seine Lippen, "Du fragst mich, ob ich in meinem Bett schlafen will?" Dann lachte er kurz und legte sich neben sie auf das Laken. Die Sonne schien noch immer, aber das war kein Problem für ihn, er war es gewohnt so zu schlafen. Zufrieden seufzte er und drehte den Kopf zu ihr, "Aber ich weiß deine Frage... beziehungsweise dein Angebot, durchaus zu schätzen Eona." Er rutschte etwas hin und her und zog zischend die Luft ein, weil er ein wenig auf der Wunde lag. Das ging so ein paar mal hin und her, bis er eine halbwegs bequeme Schlafposition gefunden hatte und sein Blick die Sklavin wieder fixierte. Er wusste nicht recht was das Ganze zwischen ihnen war oder was es werden sollte. Er wusste nur das es seltsam für ihn war und ihn irgendwie überraschte. Sein Kopf fand keine weiteren Worte, die er nun sagen könnte, weshalb er schwieg.
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Eona » Fr, 06. Apr 2012 19:39

Seine Gegenwart war etwas, dass Eona an dem Assassinen interessierte. Er hatte es geschafft binnen von Tagen in ihr eine Art Gefühlschaos ausgelöst, das kaum zu beschreiben war. Erst kam die Angst, die dann von einer dumpfen Akzeptanz der Tatsachen gefolgt wurde. Die Gefühle der Lust waren eine Sache, die Eona als Sklavin fast täglich zu spüren bekam, aber in einer solchen Dosis, die sogar ihren Horizont überragte, war ihr noch nie untergekommen. Entweder war Sortan nur ein gutes Liebhaber oder hatte die junge Frau in den letzten Tagen abwechselnd geschockt und fasziniert, dass sie von richtig und falsch nicht mehr unterscheiden konnte.
Das Bett gab nach, als er sich zu ihr legte und sofort kam ihr ein unverwechselbarer Duft entgegen, der sich mit verschiedenen Dingen mischte. Der Geruch nach Kiefernwald und dem eines wilden Tieres vermischte sich mit dem Moschusgeruch des Schweißes und dem eigenartigen Note von nassem Sand. Er sah die Sklavin an, die sich zu ihm gedreht hatte und die Beine ein wenig anzog, um es sich bequemer zu machen. Seine braunen Augen hatten eine komische Art, sich binnen einer Sekunde von drohendem dunklen Sumpfbraun in ein helles weiches Braun zu verwandeln, dass einen tiefen Einblick in seiner Selbst gewähren würde, wäre da nicht eine dicke Wand, die wohl niemand durchbrechen konnte. Er ist wie ich, nur aus anderen Gründen, dachte Eona und nickte, als Sortan meinte, er wisse ihr Angebot zu schätzen.
Ihr Blick wanderte seinen Körper hinunter und wieder hinauf, betrachtete einzelne Details, die ihr vielleicht die letzten Tage entgangen sind, doch die Narben waren immer noch an ihrem Platz, außer das bald eine Neue hinzukommen wird. Eonas Kopf wurde ganz leicht und schien keine Gedanken mehr behalten zu können, sodass jeder angefangene Gedankenfaden einfach fallen gelassen wurde. Die Schmerzen waren kaum noch vorhanden und ihre Glieder wurden abermals schwer. Doch sie wollte noch etwas tun, bevor sie vielleicht einschlafen würde und mit langsamen, trägen Bewegungen stützte sie sich mit einer Hand ab, um in eine halb sitzende, halb liegende Position zu kommen. Dabei beugte sich ihr Oberkörper über Sortans und ihr Gesicht kam dem seinen näher. Einzelne Strähnen fielen ihr ins Gesicht und für einen Moment versank sie in dem hellen Braun, dass ihr aus Sortans Augen entgegenleuchtete, bevor sich ihre Lippen auf die seine legten.
Ich kann es mir nicht erklären. Ich will es mir nicht mal selbst erklären, denn es wäre zu schwer. Es wäre zu schwer, die Geschehnisse in einem Ruck zu verdauen und gleichzeitig die verschiedenen Gefühle, die sich zu einem wirren Knäuel zusammen gebauscht haben, zu entwirren. Lieber gebe ich mich dem Gefühl hin, dass ich für richtig halte und sowieso schon in Fleisch und Blut übergegangen ist, als dass ich mir meinen Kopf zerbreche über den Mann, der mich eigentlich umbringen wollte.
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Sortan » Fr, 06. Apr 2012 20:12

Der Assassine beobachtete sie stirnrunzelnd, wie ihr Blick über seinen Körper glitt und auf den Narben verweilen zu schien. Er fragte sich, ob Eona damit anfing seine Verletzungen zu zählen, verwarf das jedoch denn es würde sicher zu lange dauern. Er spürte bereits den Rausch, besser als Alkohol, den die Kräuter in ihm auslösten. Wäre da nicht die flüssige Medizin gewesen die ihn schläfrig machte, würde er wohl unaufhörlich grinsen. Doch so fielen ihm die Augen immer wieder zu und er musste sich schon fast zwingen wach zu bleiben. Er konzentrierte sich auf die Sklavin und ihre Bewegungen um wach zu bleiben und sein Blick wurde etwas fragend, als sie sich halb aufsetzte und dann langsam über ihn beugte. Er drehte sich etwas zu ihr hin und ignorierte das dumpfe Pochen in seiner Schulter, die er damit mehr belastete. Ihr Gesicht kam seinem näher und zunächst spürte er nur ihre weichen Lippen auf den seinen. Er war verwirrt und überrascht, was wohl hauptsächlich an den Kräutern lag, und erwiderte den Kuss erst relativ spät. Seine Hand strich über ihren Hals und strich ihr die Haare aus dem Gesicht, ehe sie sacht über ihr Gesicht strich. So vergingen einige weitere Minuten, ehe er sich von ihren Lippen löste und sie betrachtete, "Schön... Aber schlaf..." Jetzt würde er es wahrscheinlich zugeben, diese schmerzstillende Medizin weichte sein Gehirn und seine Gedanken ganz schön auf. Er fiel wieder zurück in die Kissen, da er sich ihr etwas entgegen gehoben hatte, und seufzte laut. Dann schloss er die Augen und war auch schon eingeschlafen.

Die Sonnenstrahlen weckten ihn schließlich wieder. Sein Schlaf war angenehm gewesen, so... schöne Träume hatte er schon lange nicht mehr gehabt und auch die Erholung hatte ihm gut getan. Er war etwas verwirrt, fragte sich wie lange er geschlafen haben mochte. Die Antwort darauf war ein Tag und eine Nacht, denn nun war bereits der nächste Tag angebrochen. Er wollte aufstehen, oder sich zumindestens richtig umsehen, aber als er sich bewegte gründete seine Schulter und seine Seite in einen Abgrund aus Schmerzen. Die Wirkung der verschiedenen Kräuter hing immernoch nach und es dauerte eine Weile, bis ihm eingefallen war was passiert ist. Er spürte den nasskalten Schweiß noch auf seiner nackten Haut und auch den dünnen Stoff der Wolldecke, die er wohl irgendwann über sich und Eona gezogen hatte. Er runzelte die Stirn, warum passierte das alles gerade mit ihm? Warum tat er das Ganze für sie, für eine Sklavin? Es war richtig das er seine Schulden beglich, aber sie hatte ihn verbunden und er hatte sie befreit und verbunden. Außerdem hatte er sie leben gelassen und nicht gefoltert, waren damit seine Schulden nicht schon mehr als beglichen? Er wusste es nicht genau und kannte keine Antwort darauf, wieso er dies alles für Eona tat und sie in seiner Nähe ließ. Er drehte den Kopf und blickte zur Seite, um zu sehen ob sie noch da war.
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Eona » Fr, 06. Apr 2012 20:45

Die junge Sklavin hatte ihre Beine schon vor einigen Minuten, bevor Sortan erwacht war, träge aus dem Bett geschwungen und tappte nun mit nackten Füßen über den kalten Boden. Sie hatte einen unruhigen Schlaf mit dunklen und wirren Träumen, in denen sie etwas verfolgt hatte, dass sie nicht sehen konnte. Sie versuchte ihre müden Glieder zu strecken, darauf bedacht, ihre Schulter nicht zu sehr zu strapazieren.
Ihr Kopf fühlte sich schwummrig an und hatte die Konsistenz eines Schwammes, so fühlte es sich für Eona zumindest an. Ihre leisen Schritte tappten über den Boden zu dem kleinen Tisch, auf dem ihre Reisetasche immer noch dort stand, wo sie sie abgestellt hatte. Der Kamm war schnell gefunden und mit ruhigen, gleichmäßigen Bewegungen kämmte sie ihr Haar, während sie nachdenklich aus dem Fenster sah. Im Hintergrund hörte sie Sortan, wie er sich im Bett wälzte, doch ihr Blick blieb nach draußen gerichtet.

Die neuesten Ereignisse huschten durch ihren zähen Gedankengang und der leere Blick Mendereas war der Knotenpunkt dieser Erinnerungen. Die roten Lippen kräuselten sich zu einem leichten Lächeln und eine warme Zufriedenheit begann sich in ihrem Bauch auszubreiten. Zwar hatte sie den Kerl nicht töten können, da Sortan ihr zuvorgekommen war, dochs ein Anblick hatte der Sklavin gereicht, um das Rachegefühl zu stillen, dass jahrelang unbewusst in ihrem Hinterkopf gebrodelt hatte. Endlich war es vorbei und sie hatten es überstanden, wenn auch nicht ganz unversehrt. Nun glitt ihr Blick zu dem Bett auf dem Sortan lag und anscheinend aufgewacht war. Eona fragte sich in dem Moment, wie lange sie wohl geschlafen hatten und tippte auf einen vollen Tag und eine Nacht, obwohl das nur eine Vermutung ihrerseits war. Es konnte auch mehr oder weniger sein.
"Wie lange meinst du, haben wir geschlafen?", fragte sie beiläufig und legte den Kamm auf den Tisch zurück, um danach ihre Wunden zu überprüfen. Es schmerzte zum Glück nichts, auch wenn ihr Nacken sich ziemlich steif anfühlte und ihre Füße sich nur mit viel Anstrengung heben ließen. Der Verband sah auch noch gut aus an ihrer Schulter, wie der an ihren Beinen, somit musste sie ihn nicht wechseln. Ihre Hände kramten frische Unterwäsche aus der Tasche und streifte diese über, damit sie nicht weiterhin nackt im Raum stehen musste. Eine leichte Gänsehaut bedeckte ihre blasse Haut, als sie umständlich versuchte sich zu strecken.
Dann ging sie durch den Raum zurück ans Bett und begann, auch Sortans Verbände zu überprüfen. Sie waren etwas mit Blut durchtränkt, aber nicht so schlimm wie die provisorischen in der Wüste. "Anscheinend hast du die erste Nacht gut überstanden", meinte sie.
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Sortan » Fr, 06. Apr 2012 21:11

Sie war nicht neben ihm und er hob den Kopf, stirnrunzelnd und etwas miesgrämig. Schließlich hatte er keine Lust sie jetzt zu suchen, vielleicht war sie ja weggelaufen, wer wusste das schon? Zum Glück sah er sie dann vor dem Fenster stehen. Er schlug die Decke zurück, blieb jedoch liegen. Wirklich Lust aufzustehen hatte er jetzt keine und es hätte ihm ja auch nicht sehr viel gebracht. Dennoch rutschte er etwas höher und lehnte seinen Kopf gegen die kühle Wand hinter dem Bett. Schmunzelnd betrachtete er die nackte Kehrseite der Sklavin und sein Blick blieb abermals auf den Narben hängen, "Mhm... Weiß nicht, einen vollen Tag denke ich. Die Sonne steht noch nicht sehr hoch... Wer weiß, vielleicht waren es auch zwei?" Er wollte irgendwie ein Gespräch anfangen, über gestern reden und das was passiert war, wusste aber noch nicht genau wie er das tun sollte. Er seufzte leise und ließ seinen Blick weiter auf der Sklavin ruhen. Nebenbei streiften seine Gedanken um Rorik herum, ob er sich auf ihn verlassen konnte? Er wusste das der Stallmeister vertrauenswürdig war, die Frage die sich in seinem Kopf bildete war allerdings anderer Natur. Der alte... ja man konnte ihn wohl Freund nennen, kam öfters mal vorbei. Nach der gestrigen Nacht würde er sicher heute vorbeikommen um nach ihm zu sehen. Sollte er die Verletzungen nicht selbst behandeln können, würde er dafür sorgen das er in ärztliche Gesellschaft gelangte. Schließlich war Naradesh die Stadt der Heiler. Er lächelte noch immer, dann könnte er ihm sowohl den Botengang anvertrauen, wie auch ihn die Einkäufe erledigen lassen. Er hatte keine Lust einkaufen zu gehen und Eona wurde immer noch von den Wachen gesucht, wie ihm wieder einfiel. Er spürte ihre Nähe und drehte den Kopf etwas zu ihr hin, "Nicht so gut wie du scheint mir..." Der Assassine sah wieder geradeaus. Es gab noch viel zu tun und er musste zumindestens einige Sachen davon erledigen. Als sie dann mit seinen Wunden fertig war, stand er mühselig auf und streckte seine müden und klammen Knochen. Die Schulter und besonders die Seite strahlten noch immer Schmerzen aus, die Sortan jedoch geflissentlich ignorierte. Er machte ein paar Schritte, ehe er sich dann wieder zu Eona umwandte, "Ich werde schon einmal hinunter gehen... Ich muss noch etwas dringendes erledigen, lass dir also Zeit..." Er legte den Kopf schief und sah die verschwommenen Bilder der Nacht vor sich. Die Versuchung war groß sie zu packen und zu küssen und... Aber dafür war er noch zu erschöpft. Er wollte erst einmal etwas essen und vor allem die Botschaft schreiben.

Auf dem Weg in die Küche nahm er sich ein Blatt Pergament, sowie etwas zum draufschreiben und eine Kerze mit. Nachdem er sie angezündet und auf den Küchentisch gestellt hatte, strich er das Papier glatt und begann dann langsam und konzentriert zu schreiben. Es war nicht so, das er das Licht der Kerze benötigen würde, aber sie würde später noch nützlich sein. Kurz schaute er immer wieder zur Treppe, schließlich sollte Eona nicht alles mitbekommen was er schrieb. Das Ganze war im Grunde nur ein Bericht seines Auftrags, der Morde und Verfolgungen und der möglichen Kontakte in Avrabêth. Er erwähnte die Sklavin darin mit keinem Wort, schließlich wollte er keine unnötige Aufmerksamkeit auf sich lenken, insbesondere nicht da der Brief an das Familienoberhaupt ging und dieses bedacht darauf war das reine Blut zu wahren. Er seufzte leise, während er die letzten Worte schrieb und dann das Pergament zusammenfaltete. Nicht nur das er eine Sklavin hatte, sie war auch noch aus den Nordreichen. Warum suchte er sich immer die schwierigsten Dinge aus? Er grummelte, sie suchten wohl eher ihn aus. Manchmal war er der Meinung das die Vorsehung aus seinem Leben einen schlechten Witz machte. Er träufelte den Wachs einmal quer über die letzte Knickstelle und ließ in der Mitte einen größeren Klecks landen. Dann drückte er seinen Siegelring hinein und ließ das Wachs kalt werden. Es ging relativ gut, da er guten Halt auf dem Tisch gefunden hatte und seine Schulter beim Schreiben nicht belastete. Zum Glück war er Rechtshänder.
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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Beitrag von Eona » Sa, 07. Apr 2012 18:24

Der weiche Stoffe des Unterhemds schmiegte sich perfekt an ihren Körper, als sie dieses überzog. Dann schnürte sie sich das Mieder mehr schlecht als recht und zog sich einen frisch Rock über die Beine. Das Strumpfband wurde umgeschnallt und Silberstich an Ort und Stelle gebracht. In Sortans Nähe konnte man nie wissen, ob man gleich hinterrücks ermordet wird.
Die Stiefel blieben an Ort und Stelle stehen. Sie war es nicht gewohnt mit Schuhwerk im Haus rumzulaufen. Meistens hatte sie ihre Sandalen an, aber nur, weil Sahabi es nicht duldete, dass sie barfuß wie eine arme Bettlerin durchs Haus tappte. Nun war sie froh ein wenig frische Luft an ihre Füße zu lassen und streckte sich noch einmal, um auszutesten, wie sehr Eona ihre Schulter strapazieren konnte. Bis zu einem gewissen Grad war es möglich den Arm nach oben zu strecken, aber irgendwann war auch diese Grenze überschritten und der Schmerz schoss ihren Arm hinunter. Grimmig verzog sie das Gesicht und rieb sich die Wunde, die nun seit geraumer Zeit begonnen hatte zu jucken. Ein gutes Zeichen, aber ziemlich nervig. Ihre trockene Haut wurde mit einem Minzöl eingerieben und ein schimmernder Film zog sich schon bald über ihre Arme, ihr Dekoletee, ihren Hals und auch ihr Gesicht. Die Sklavin ließ sich Zeit dabei, da man das Öl langsam einmassieren musste, damit es in die Haut einzog und außerdem meinte Sortan eh, sie solle sich Zeit lassen. Somit entspannte sie ihre angeschlagenen Muskeln ein wenig und etwas ausgeruhter als zuvor verließ sie das Zimmer. Mit leichten Schritten ging sie die Treppe hinunter und übersprang die letzten zwei Stufen. Aus irgendeinem Grund war sie guter Laune, auch wenn sie sich böse Verletzungen zugezogen hatte und ihren Gemütszustand nicht wirklich zeigte. Aber sie sollte sich ja erfreuen, nicht andere.

Als sie in die Küche kam, lag ein versiegelter Brief aus Pergament auf dem Tisch und Sortan saß davor. Kurz überlegte sie, was für ein Brief das sein könnte und an wen er ging, doch bevor sie Sortan nach irgendwelchen Informationen ausfragen würde, konnte sie genauso gut gegen eine Wand anschreien. Der Assassine schien wirklich gar nichts von sich preis zu geben und hatte eine komische Ausdrucksweise, wenn er über sich oder seine "Familie" sprach. Somit blieben ihre Lippen verschlossen und als sie sich hinsetzen wollte, klopfte es an der Tür. Eona zog eine Braue nach oben, sah Sortan kurz an und ging dann - aus reiner Sklavengewohnheit - zur Tür, um sie einen Spalt zu öffnen. Rorik, der Stallmeister stand mit einer gefüllten Tasche vor der Tür und wartete bis die Sklavin das Tor ganz aufmachte. Doch der Spalt vergrößerte sich nicht. "Ich bin hier, um Sortan zu sprechen. Ich habe auch noch einige Einkäufe erledigt, da ich dachte, er..." Der Alte räusperte sich und verbesserte den vorherigen Satz. "Ich dachte ihr habt Hunger, da ich euch seit Tagen nicht gesehen habe." Seit Tagen? War das nur eine allgemeine Aussage oder haben wir wirklich tagelang geschlafen? Eona nickte und machte letztendlich die Tür für den Stallmeister auf, um ihn eintreten zu lassen. Ihre Augen verengten sich zu Schlitzen und die Sklavin fragte sich, was Rorik wirklich hierher geführt hatte, denn nur Einkäufe zu erledigen, schien ihr etwas zu banal für einen älteren Herrn wie Rorik. Welche Beziehung hatten die beiden zueinander? Und konnte er wirklich alles für sich behalten? Er hatte ja eigentlich alles mitbekommen, was die letzten Tage geschehen war. Wachsam blieb Eona auf der Schwelle zur Küche und dem Eingangsbereich stehen, ihre Hände hinter dem Rücken verschränkt und bereit ihre Waffe zu ziehen, falls das notwendig war. Aber eigentlich war es wieder nur reine Gewohnheit, denn wenn ein Gast kam, dürfte sie sich nur hinsetzen, wenn es ihr Herr ihr anbot. Die grünen Augen der Sklavin sahen erst Sortan fragend an und bohrten sich dann in den Rücken Roriks, der sich anscheinend unwohl in der Nähe der Rothaarigen fühlte oder sich genau die gleiche Frage wie Eona selbst stellte. Was will er hier?
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