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Re: Eine persönliche Angelegenheit

Verfasst: Sa, 07. Apr 2012 18:52
von Sortan
Sortan sah auf, als Eona herunterkam und die letzten paar Stufen übersprang. Er zog eine Augenbraue hoch, es schien fast als ob sie gute Laune hatte. Naja sie hatte ihre Rache bekommen, aber... Er schüttelte die Gedanken ab und wollte gerade etwas sagen, als es an der Tür klopfte. Seine Stirn kräuselte sich sacht, ehe er wieder seine neutrale Miene aufsetzte und aufstand. Die Sklavin war schneller als er und bereits an der Tür, weshalb er sich kurz streckte und etwas Wachs von dem Siegelring an seiner Hand kratzte. Er erkannte die Stimme des alten Stallmeister und lächelte innerlich in sich hinein. Zumindestens auf einen konnte er sich verlassen. Er kam Rorik entgegen, nahm jedoch vorher den Brief vom Tisch, und sschüttelte ihm die Hand. Dann spürte er kurz Eona´s fragenden Blick auf sich und schüttelte sacht den Kopf. Sie würde schon früher oder später ein paar Sachen über ihn erfahren, aber ob die richtige Zeit dafür nun wahr wusste er nicht genau. Sein Blick fixierte wieder den Stallmeister, "Danke das du vorbeikommst... Ich wollte eigentlich kommen, aber ich habe noch nicht die Zeit dazu gefunden." Kurz sah er zu dem Tisch, doch wahrscheinlich war es sowieso vergebene Müh ihm einen Platz anzubieten. Rorik kam zwar vorbei und würde auch bleiben solange er es wünscht, aber Sortan wusste genau das er genug Arbeit hatte. Dann nahm er ihm den Beutel ab und lächelte, sogar ernsthaft und ehrlich, "Danke, alter Freund. Ich schätze das reicht für einige Tage?" Er stellte den Beutel neben sich, da seine linke Hand nicht wirklich beweglich war und er ihm noch den Brief übergeben musste. Nachdem er ihn in die rechte Hand gewechselt hatte, hielt er ihn dem alten Stallmeister hin. Rorik betrachtete kurz den Brief und das Siegel, "Du weißt das ich meinen... Pflichten nachkomme. Und ja die Vorräte reichen erst einmal, es wäre nicht sehr ratsam momentan auf die Straße zu gehen, die Wachen sind etwas in Aufruhr... Du weißt sicher weswegen." Dann nahm er den Brief entgegen und wog ihn etwas in der Hand, ehe er ihn in den Falten seines Hemdes verschwinden ließ. Ehe er etwas sagen konnte, band der Raquiiah sich den Lederbeutel vom Gürtel, in dem noch etwas Gold war, und reichte ihn ebenfalls an den Stallmeister. "Für deine Ausgaben... Der Brief sollte meinen..." Er sah ganz kurz zu der Sklavin und wählte die Worte mit Bedacht, "...Vater erreichen. Es ist wichtig, also sei vorsichtiger als sonst." Rorik nahm den Beutel dankend entgegen und grinste dann, "Ich bin doch immer vorsichtig, Meister Sortan." Er nickte sacht und griff sich kurz an die Seite, als ein Schmerz ihn durchzuckte, "Danke... Beeil dich bitte..." Sie drückten sich erneut die Hände, ehe der alte Stallmeister sich umdrehte und Eona noch kurz einen halbwegs verwirrten und halbwegs interessierten Blick schenkte. Dann ging er wieder und die Tür schloss sich hinter ihm.

Sortan sah zu Eona herüber und legte den Kopf schief, "Setz dich... Du hast bestimmt Hunger." Dann packte er den Riemen der Tasche und trug sie zur Anrichte der Küche. Er leerte ihren Inhalt auf selbiger und verteilte diesen dann auf die Schränke, getrennt in Wein, Wasser, Brot sowie Fleisch und Käse. Einen Fladen und etwas Dörrfleisch behielt er draussen und legte diesen zusammen mit etwas Wasser auf den Tisch. Dann legte er die Tasche neben die Schränke und setzte sich an den Tisch. Er überlegte kurz und sah erneut zu der Sklavin hin. Sein Blick war etwas weicher und ruhte sacht auf ihrem Gesicht, "Du willst mich doch etwas fragen..." Wahrscheinlich hatte sie mehr fragen über ihn, als er in einem Leben beantworten könnte. Darüber musste er kurz schmunzeln und riss sich etwas Brot ab, "Pass auf... Du verrätst mir ehrlich warum du noch hier bist und warum du mich nicht getötet hast. Danach antworte ich dir auf eine Frage..." Sortan verengte kurz seine Augen zu schlitzen, ehe er sich etwas von dem Brot in den Mund stopfte. Schon wieder trieb er dieses Spiel, das eventuell Tote mit sich ziehen könnte. Irgendwie fühlte er sich danach noch etwas hinzu zufügen, "Aber sei dir bewusst, das wenn du die falsche Frage stellst und zu viel über mich erfährst... Ich dich nicht so leicht gehen lassen kann."

Re: Eine persönliche Angelegenheit

Verfasst: Sa, 07. Apr 2012 20:19
von Eona
Eona blieb an Ort und Stelle stehen. Kein Muskel rührte sich und nicht mal ihre Mimik hatte sich in den letzten Minuten, in denen die beiden wie vertraute Freunde miteinander redeten und umgingen, verändert. Ihren wachen Augen entging keine Bewegung und ihre Ohren spitzten sich, um auch wirklich jedes gewechselte Wort zwischen ihnen in sich aufsaugen zu können. Der Brief, der vorher noch auf dem Tisch gelegen hatte, verschwand in Sortans Hand und obwohl Rorik ihr den Rücken zugekehrt hatte, wusste sie, dass das Stück Papier den Besitzer gewechselt hatte.
Die einzige Veränderung in ihrem Gesicht erfolgte erst, als Sortan wieder kurz stutzte, Eona ansah und dann etwas von "Vater" schwafelte und genau das blieb der jungen Frau im Gedächtnis. Rorik ging nach dem Gespräch wortlos an der Sklavin vorbei, doch nicht ohne einen interessierten Blick auf sie zu werfen.

Sortans Angebot, sich zu setzen und etwas zu essen ignorierte sie. Mit langsamen Schritten ging sie zu dem Küchentisch, legte ihre Hände darauf und stützte somit ihren Oberkörper darauf ab; ihr Blick auf den Assassinen fixiert. "Schluss mit den Spielchen", knurrte sie schroff und funkelte den Mann vor ihr wütend an. "Ich habe dir genug von mir erzählt." Ihr Geduldsfaden war gerissen und das schafften bei weitem nur wenige Menschen. Eonas Nasenflügel bebten und eine tiefe Zornesfalte hatte sich zwischen ihren geschwungenen Augenbrauen eingegraben. "Ich hab mehrere Fragen an dich, aber die erste wäre, wer nun wirklich deine Familie ist, von der du immer so begeistert redest. Die Geheimnistuerei geht mir langsam an die Substanz." Das Gesicht der jungen Frau hatte sich zu einer wütenden Grimasse verzerrt und würde sich nicht verändern, bis sie Antworten auf ihre Fragen bekam. "Und weißt du was? Ich weiß ganz genau, dass du mich nicht mehr gehen lässt, da ich schon lange zu viel mitbekommen habe. Wenn ich jetzt gehen würde, dann stecke ein Messer in meinem Rücken, weil du ein paranoider Affe bist, Sortan!" Ihre sonst weiche und klare Stimme erzitterte unter ihren Worten und sie unterstrich diese mit akkuraten Bewegungen ihrer Hände. Eona umrundete das letzte Stück des Tisches, um genau vor dem Assassinen zu stehen. "Man sollte nicht mit dem Feuer spielen...", zischte sie und beugte sich zu dem Mann vor ihr hinunter. "Du hättest mich genauso gut bei Sahabi verrecken lassen können, doch aus einem mir unerfindlichen Grund trägst du eine Sklavin von Sahabis Haus in dein Haus." Bei jedem Wort tippte sie dem jungen Mann in die Brust und ihre letzten waren nur ein Flüstern. Ihre Wangen hatten sich vor Wut rot gefärbt, doch die Augen blieben in einem unveränderten giftgrün. "Du hättest Menderea auch ohne mich gefunden. Also könnte ich dich genauso gut fragen, warum du mich nicht umgebracht hast!"

Re: Eine persönliche Angelegenheit

Verfasst: Sa, 07. Apr 2012 20:56
von Sortan
Der Assassine ließ seine Hand sinken und legte das angebissene Brot auf den Tisch. Er runzelte die Stirn und beobachtete die Sklavin genau, anscheinend war irgendetwas mit ihr durchgegangen. Sie war wütend, das war nicht zu übersehen, dennoch hatte er nicht damit gerechnet das sie solch ein Temperament an den Tag legen würde. Er schmunzelte innerlich bei der Meinung das sie ihm genug von sich erzählt hatte. Sicher hatte sie ihm mehr erzählt, als er ihr... Viel war es aber trotzdem nicht gewesen. Er wusste noch immer nicht wo er wirklich an ihr dran war, was sie genau wollte, und vor allem wie sie tickte. Einiges lies sich gut zusammenreimen, anderes jedoch -wie dieser Wutausbruch- war eher überrsachend. Er erwiderte ihren Blick mit grimmiger Bestimmtheit und hatte das Bedürfnis die Sklavin zu mäßigen, zu schlagen. So wie es einer Sklavin nun einmal geziemt und wie es eigentlich zu ihm passte. Kurz ballte er die Fäuste zusammen, bis die Knöchel weiß hervortraten, öffnete sie dann jedoch wieder. Es wäre dämlich so etwas in dieser Situation zu tun und mit Sicherheit nicht vorteilhaft für ihn selbst. Er spürte ihren Finger auf der Brust und wie sie immer wieder auf ihn tippte und seine Augen verengten sich etwas. Doch die dunklen Augen hielten ihrem Blick mehr als stand und er wusste nicht recht wie er damit nun umgehen sollte. Würde er ihr die Wahrheit sagen, müsste er wirklich auf sie aufpassen, müsste sie töten. Wenn sie ihm jetzt entkommen würde, dann wusste sie wenigstens nichts genaues über die Familie. Sie könnte ihn verdammen, aber nicht die Raquiiah. Er lehnte sich auf dem Stuhl etwas zurück und kaute auf der Innenseite seiner Unterlippe herum.

Einige Minuten herrschte nun also das unangenehme Schweigen, ehe der Assassine sich regte. Er wandte den Blick ab und griff wieder nach dem Brot. Einen Augenblick kaute er auf dem trockenen Fladen herum und deutete dann auf den Stuhl gegenüber, "Setz dich." Seine Stimme war ruhig, aber bestimmend. Irgendwie war es ihm leicht unangenehm, sie neben sich stehen zu hatten. Das lag weniger an ihrer Person, als an seiner Vorsicht. Er wartete, bis sie seiner Anweisung folge leistete und starrte sie dann nachdenklich an, "Fangen wir mit dem offensichtlichsten an... Ich hätte dich bei Sahabi töten können, ja. Aber das hätte mich nicht nur mehr Zeit gekostet, die ich dafür hätte aufwenden müssen Menderea zu finden, sondern dazu auch noch den Spaß den ich bisher mit dir hatte. Die eigentliche Frage ist also warum ich dich jetzt nicht getötet habe. Die Antwort ist genauso offensichtlich. Du bist nützlich und hast Potential." Er machte eine Pause und trank einen Schluck Wasser. Nachdem er den Schlauch wieder verkorkt auf den Tisch gelegt hatte, schwieg er einige Sekunden, "Wir sind wenige... Und es gibt so viele Aufträge. Ich habe zu dir gesagt das aus dir mehr werden könnte... Das meinte ich ernst. Du siehst was für ein Leben ich führe, wie viel Gold ich für einen einzigen Auftrag bekomme... Und ja, es macht mir Spaß. Das Schicksal hat mich in dieses Leben hineingeboren und ich habe es dankend angenommen. Nein, ich habe es sogar lieben gelernt." Er seufzte leise und aß etwas von dem Brot. Sich selbst zu offenbaren und Informationen über sich preis zugeben, war einfacher als gedacht. Noch nie hatte er sich jemandem so anvertraut und er hoffte das er es nicht bereuen würde. Sein Blick fixierte sie und er war gleichermaßen nachdenklich, wie bedrohlich, "Aber es gibt Erwartungen. Aufträge und Schwierigkeiten, die man nicht alleine erfüllen kann... Ich spiele immer noch mit dem Gedanken dich zu töten... Oder aber auszubilden." Erneut trank er einen Schluck, es war lange her seit er so viel geredet hatte und seine Kehle fühlte sich an als würde sie zusammengepresst werden. Er wusste nicht ob das was er gerade tat falsch oder richtig war, er wusste nur das es nun kein zurück geben würde. Er wollte ihr nicht zu viel geben, nicht zu viel Wissen und Macht über ihn, weshalb er die Familie erst einmal außen vor ließ. Allerdings war er interessiert und neugierig, ob sie von ihr gehört hatte, "Tja... und mein Name ist auch nicht Sortan Al-Shedim. Er ist bedeutender. Tödlicher. Ich bin Azoth Raquiiah, Sohn von Aziz Raquiiah. Enkel des Familienoberhauptes und Meister in 'Spezialaufträgen'..." Er stockte kurz und fügte dann bedrohlich lächelnd noch etwas hinzu, "Ich brauche dir wohl kaum zu sagen das ich dich töten werde, sollte auch nur ein Wort davon an irgendjemand anderen gehen."

Re: Eine persönliche Angelegenheit

Verfasst: Sa, 07. Apr 2012 22:42
von Eona
Der Stuhl rumpelte laut, als er auf den Holzboden der Küche fiel. Die Temperatur war von "kochender Wut" auf "elektrisierender Kälte" gesunken und kroch in alle Poren von Eonas Körper. Sie zitterte, doch warum, wusste sie nicht genau. Anscheinend war das Wort Raquiiah das ausschlaggebende gewesen und die tosenden Wellen in ihrem Inneren mit einem Mal verschluckt. Die Sklavin war mit einem Ruck aufgestanden, als Sortan seinen letzten Satz beendet hatte. Wilde Gedanken tobten durch ihren Schädel und mit einem Mal fragte sich die junge Frau, wieso sie überhaupt hier war. Ja, du dummes Gör! Wieso bist du noch hier? Wieso bist du nicht abgehauen, als die Sache noch nicht so brenzlig und verwirrend war? Eona stellte sich die Frage immer und immer wieder und dass innerhalb zwei Herschläge.
Ihre Augen fixierten ungläubig den Mann vor ihr, der ein Fremder war. Er war ein Fremder, der auf einmal seinen Mantel öffnete und all das Grauen darunter freigelassen hatte und dies stürzte sich hungrig auf die Sklavin, die all davon keine Ahnung hatte. Die Raquiiah waren ihr ein Begriff. Es war eine große Familie, die sich dazu verschrieben hatte, hinter verschlossenen Türen irgendwelche Leute wahllos umzubringen. Sie lebten nach ihren eigens geschaffenen Regeln, die für jeden Aussenstehenden total wirre Vorstellungen von Mord und Todschlag ergaben. Sinnloses Töten und dafür wurden sie auch noch bezahlt. Nun gut, Eona war auch kein unbeschriebenes Blatt. Doch was hätte sie tun sollen? Sie war doch nur eine dumme Sklavin, die sich ihrem Herrn unterworfen hatte. Ich bin Azoth Raquiiah, Sohn von Aziz Raquiiah...
"Das bist du also", hauchte sie und ihr Blick verlor sich in der Ferne. Eonas Körper begann sich mechanisch zu bewegen und ging einige Schritte rückwärts. Ihre Hände waren halb erhoben, schon fast abwehrend. Nein, sie wollte damit nichts zu tun haben. Doch nun saß sie mittendrin. Ihre eigene Dummheit hatte sie in die nächste Scheiße reingeritten und da kam Eona nun nicht mehr hinaus.
Ein weiterer Schritt rückwärts folgte dem nächsten und die Ereignisse überschlugen sich.
Eona machte auf dem Fuß kehrt, griff nach der Türklinke, riss die Tür auf und stürmte nach draußen. Einige stolpernde Schritte später, war die Sklavin auf der offenen Straße und stürmte diese hinab. Wenn Menschen sich überfordert oder in die Ecke gedrängt fühlen, ergreift der Fluchtinstinkt ihren Körper und zwingt sie dazu, das Weite zu suchen. Adrenalin wird ausgeschüttet und in alle wichtigen Regionen gepumpt, die man zum flüchten brauchte: Lunge, Herz, Muskeln. Die nackten Füße der Sklavin klatschten auf den gepflasterten Steinen und mit einem rasenden Tempo bog sie in die nächste dunkle Seitengasse ein, in der Hoffnung, Sortan oder irgendwelche Wachen würden ihr folgen. Es war eine beinah kindische Reaktion, vor etwas wegzulaufen, dass unumkehrbar war und trotz allem eintreffen wird.
Eona wurde von einem Assassinen der Raquiiah entführt und hat sich ihrer angenommen. Nun hatte er sie schon tief in den Strudel der Machenschaften gezogen und wollte sie sogar zu einem der seinen machen. Davor hatte sie Angst. Sie hatte Angst vor einer weiteren Veränderung, die ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen würde und sie danach nicht wüsste, wo oben oder unten ist geschweigedenn was richtig oder falsch wäre. Schon jetzt konnte sie es kaum feststellen. So viele Menschen hatten sie in ihren Klauen bekommen und die Sklavin geformt, verdreht und manipuliert, bis sie das Denken annahm, dass die Menschen für sie vorgesehen hatten. Ohne darauf zu achten, ob es nicht besser wäre, nicht weiter an einem zerstörten Geist rumzuwerkeln.

Re: Eine persönliche Angelegenheit

Verfasst: Sa, 07. Apr 2012 23:08
von Sortan
Der Assassine schaute zu ihr hoch als sie aufstand und tat es dann ebenfalls. Die Raquiiah waren nunmal kein unbeschriebenes Blatt und hatten einen gewissen Ruf. Er erwiderte ihren Blick und ging um den Tisch herum, "Ja. Du wolltest es wissen und jetzt weißt du wer ich b..." Er brach ab als sie langsam rückwärts ging und seine Muskeln spannten sich an. Ein gewisses ungutes Gefühl machte sich in ihm breit, es war falsch gewesen es ihr zu erzählen. Er hätte sie umbringen sollen, als er die Gelegenheit hatte. Und warum hat er es nicht getan? Weil er etwas in ihr gesehen hatte und es noch sieht. Er war kein Monstrum, denn auch der Assassine hatte Gefühle. Sicher, sie waren gut verschlossen und nicht wirklich stark, aber sie waren da. Er kniff die Augen zusammen, als sie kehrt machte und schüttelte knurrend den Kopf, "Scheiße!" Seine Gedanken rasten, aber seine Reflexe waren schneller. Tod war wahrscheinlich die einzigste Option. Ein Preis den er nicht gern zahlen würde, aber er war der Familie loyal ergeben und Eona gehörte nunmal nicht zur Familie. Vielleicht war es närrisch gewesen sie überhaupt damit zu konfrontieren. Er bewegte sich erst, als die Tür schon offen war, immerhin war sie schnell. Die Handgriffe waren routiniert, als ob er schon öfters getan hatte. Das hatte er auch, am Anfang war der Keller nicht so stabil und sicher gewesen. Die rechte schnellte auf dem Weg nach draussen unter das Kopfkissen und zog das lange Messer heraus. Während er aus der Tür hetzte, zog er sie mit der linken zu und sah sich um. Der Schmerz, den seine Schulter nun aussendete, ignorierte er dabei und folgte dann der Sklavin. Im laufen schob er das Messer hinten in der Gürtel und fluchte noch einmal. Warum zur Hölle war sie so schnell? Er hätte sie nicht heilen sollen, ihr nicht vertrauen. Aber nur aus Fehlern lernt man, nicht wahr? Seine Gedanken überschlugen sich und waren gepaart aus Abscheu vor sich selbst und Wut auf die Sklavin. Er folgte ihr, wäre beinahe an der dunklen Gasse vorbei gelaufen, und lief sie dann hinunter. Ihr rotes Haar blitzte am Ende der Gasse auf und Sortan legte einen Schritt zu. Sein Gesicht war eine Grimasse voll Wut, aber seine Gedanken klar. Er wusste wo sie waren, kannte Naradesh wie seine eigene Tasche.

Er war ihr noch durch ein paar Gassen gefolgt, hatte Bettler und Betrunkene zur Seite gestoßen und Diebe gesehen. Abschaum der Gesellschaft, der sich in den Gassen verdingte. So etwas gab es überall und selbst in Naradesh, das gütig zu den Armen war. Erneut fluchte er, seine Seite schmerzte und die Wunde war wieder aufgebrochen. Doch das hinderte ihn nicht daran ihr weiter zu folgen. Seine Schritte bogen ab, entfernten sich von der Sklavin. Sie lief in eine Sackgasse, musste nach rechts. Sortan schlug der Atem eines Trunkenbolds entgegen, er schob den Mann mit Gewalt zur Seite und hörte ihn gegen die Mauer knallen. Seine Schritte bogen erneut ab, der Abstand war geschmolzen, er musste sie bekommen. Dann kam die Kreuzung, er stoppte an der Hausecke, atmete schwer und holte tief Luft. Einige Sekunden blieben ihm, dann hörte er ihre Schritte. Er wirbelte heraus, stand ihr im Weg und packte sie an dem Arm. Der Schwung der Sklavin riss ihn etwas mit, doch er nutzte ihn um sie besser zu stoppen und drückte sie gegen die kühle steinerne Hauswand. Das Messer glitt wie von selbst in seine Hand, schlank und kühl so wie er selbst. Seine gesamte linke Körperhälfte schmerzte, aber die Hand hielt das Messer fest und drückte die Klinge leicht an ihren Bauch. Die rechte langte nach ihrer Kehle, überlegte sich es jedoch im letzten Moment anders und verpasste ihr eine Backpfeife. Eine zweite folgte kurz darauf und dann folgte sie dem ursprünglichen Ziel, ihre Kehle. Er zischte leise, "Beruhig dich, Eona. Überleg dir gut was du jetzt tust, oder deine Innereien werden sich auf dieser Gasse verteilen." Er kam mit dem Gesicht näher und drückte ihr leicht die Luft ab, schwieg jedoch.

Re: Eine persönliche Angelegenheit

Verfasst: Sa, 07. Apr 2012 23:35
von Eona
Ihre hastigen Schritte hallten in ihren Gedanken wider, die sich zu einem großen Knoten zusammengeschlossen hatten und jegliche vernünftigen Reaktionen oder Denkvorgänge unterband. Eona rannte sich die Seele aus dem Leib; lief um ihr Leben, das eigentlich keinen Inhalt hatte. Langsam bekam sie Seitenstiche und auch ihre Innenschenkel begannen zu schmerzen. Doch sie ignorierte es und arbeitete sich weiter durch die Gassen und Menschenmassen. Keinen Augenblick lang drehte sie sich um oder warf einen Blick über ihre Schultern. Sie wusste, dass der Assassine sie verfolgte. Eona wusste zuviel. Und genau das ist ihr zum Verhängnis geworden. Einen kurzen Augenblick erinnerte sie sich an die schrecklichen Alpträume, die sie die letzten Nächte verfolgt hatten und endlich verstand sie den Sinn. Die Sklavin war vor Sortan weggelaufen. Er war ein Monster, dass hechelnd nach ihr jagte, um sie endlich unter ihren Klauen zerfleischen zu können. Eona hatte sehr selten Angst, und meistens war dieses Gefühl mehr als begründet. Auch diesmal.
Als ihre Schritte langsamer wurden, dachte sie, es wäre nun an der Zeit doch einen Blick nach hinten zu werfen, doch da wurde sie schon gepackt. Erst dachte sie, einer der Wachen hatte ihre roten Haare erkannt und seine Chance gesehen, doch das weiße Haar des Assassinen erstickte diese Vermutung im Keim. Sie wusste gar nicht wie ihr geschah, als Sortan sie packte und in eine dunkle Gasse drängte. Innerhalb weniger Sekunden, die zäh durch eine Sanduhr flossen, schwindelte ihr der Kopf und der kalte Stahl seiner Klinge drängte sich gegen ihre Kehle. Ein durchdringendes Pfeifen begann sich in ihren Ohren einzunisten, als der junge Mann sie ins Gesicht schlug und Eona brauchte einen Moment, um wieder einen klaren Blick zu bekommen. "Lass mich los, Bastard!", zischten ihre Lippen und endlich klärte sich ihr Sehvermögen und nahmen die braunen Augen des Raquiiah ins Visier. "Wie soll ich mich beruhigen, wenn du mich in diese Scheiße reingezogen hast!" Der Körper des Mannes drückte sie an die Hauswand und machten es ihr unmöglich, die Knie hochzureißen oder sich auch nur einen Millimeter von der Stelle zu bewegen, da die Klinge sie sonst wirklich verletzen könnte. "Das einzige was ich wollte, war ein ganz normales Sklavendasein!" Das Herz der Sklavin pochte so laut, dass es sich anfühlte, als würde es gegen Sortans Brust hämmern. "Gar nichts hab ich von dir verlangt! Ich hätte alles mit mir anstellen lassen. Aber nicht das!" Die junge Sklavin riss ihre Augen weit auf und entflammten somit das grüne Feuer, dass wie ein Fluss um die kleine Pupille spülte. "Das hast du mit Absicht getan!" Ein Kloß steckte in ihrer Kehle und für einen Moment wollte sie in Tränen ausbrechen. Doch sie hatte vor Jahren das letzte Mal geweint und das würde auch der letzte Moment für den Rest ihres Lebens sein. Der Atem Eonas ging stoßweise und sie verfluchte Sortan mit allem, was ihr Schimpfwörter-Repertoire aufwies. "Du wolltest das ich bei dir bleibe und hast mir den ganzen Mist erzählt, weil du wusstest, dass ich nicht mehr rauskommen würde!", knurrte sie aufgebracht und ruckelte mit ihrem Becken, um etwas Platz zwischen sich und dem Assassinen zu bringen, der sie erbarmunglos gegen die Wand presste. "Dann töte mich endlich, Sortan! Worauf wartest du noch?", zischte sie zwischen zusammengepressten Zähnen hervor und reckte ihr Gesicht dem seinen entgegen, wobei die Klinge gefährlich an ihre Kehle drückte.

Re: Eine persönliche Angelegenheit

Verfasst: So, 08. Apr 2012 0:06
von Sortan
Der Assassine knurrte leise und drückte sie fester gegen die Wand, "Ich hab dich hineingezogen? Du hast getötet, du hast es für mich getan und es hat dir gefallen. Ich gebe dir eine Chance über dein Leben zu bestimmen, mit mir zu arbeiten und wie dankst du mir das?" Er war dieses mal wirklich wütend, er hasste es jemandem nach zulaufen und erst Recht wenn er gerade anfing diesem jemand zu vertrauen. Ausserdem schmerzten seine Wunden, ihn schmerzte alles. Seine Beine taten von dem Lauf weh und sein Körper war erschöpft von den letzten Tagen. Doch das zeigte er nicht, er durfte es nicht. Es wäre Schwäche gewesen und seine Miene blieb steinhart. Er knurrte leise, bei ihren Worten und spürte wie ihr Becken an seinem rieb. Sein Körper presste sie noch mehr gegen die Wand und er schlug ihr mit der linken in den Magen, "Mit Absicht?! Du wolltest es wissen, wolltest wissen wer ich bin!" Er ließ den ganzen Frust raus, der sich in letzter Zeit in ihm angestaut hatte. Nichts ernstes eigentlich, aber viele kleine Dinge ergaben doch am Ende großes. Ein zweiter Schlag folgte und seine Schulter brannte wie Feuer, doch das hinderte ihn nicht daran fester zu zuschlagen, "Ich will das du bei mir bleibst, ja. Und du wolltest es auch, sonst wärst du schon längst weg, schon längst geflohen Drache!" Es brodelte in ihm und er schlug erneut zu. Die Klinge verrutschte etwas und schnitt ganz wenig in ihren Hals. Ein kleiner roter Tropfen rann ihre Kehle herunter, doch Sortan beachtete ihn nicht, denn er hielt ihrem Blick stand, "Ich bin kein Monster, aber du wirst mich noch kennen lernen, Eona!" Er hatte nicht vor sie zu töten und spannte seine Nackenmuskeln an. Dann nahm er das Messer von ihrer Kehle und lies seinen Kopf vorschnellen. Es krachte, als seine Stirn auf ihre traf und die dann auf die Wand dahinter. Die Schmerzexplosion hinter seinen Augen ignorierte er, es war zwar schmerzhaft aber nicht tödlich. Er schlug ihr noch ein- zwei mal in den Magen um sicher zu gehen das sie bewusstlos war und ließ sie dann los.

Er fluchte erneut, noch ein paar mal und versuchte seinen Atem in den Griff zu kriegen, besonders aber die Schmerzen in seinem Körper. Es dauerte ein paar Minuten, ehe er zu der am Boden liegenden Sklavin sah und sie packte. Er zog sie an der Mauer hoch und warf sie sich dann über die rechte Schulter. Ihr Gewicht schmerzte ihn etwas, aber er setzte sich ohne zu murren wieder in Bewegung. Seine Beine trugen ihn durch die Gassen zurück bis zu seinem Haus, wobei er es vermied den Wachen zu begegnen. Einige der Menschen drehten sich nach ihm um, sahen dann aber den Sklavenring an Eonas Hals und dachten sich nichts weiter dabei. Sein Glück das die Sklavin ihn nicht abnehmen wollte, denn so erreichte er wieder unbescholten sein Haus. Sortan öffnete die Tür und schloss sie keuchend wieder hinter sich. Dann ließ er Eona auf den Boden fallen, er war immer noch wütend das sie ihn dazu gezwungen hatte. Er hustete ein wenig und rieb sich die Augen, dann trat er ihr noch einmal in den Magen, "Gottverdammte Hure..." Er packte ihren Fuß und zog sie wieder zur Falltür, ehe er die Tür öffnete und wieder in dem Loch verschwand. Es dauerte nicht lange, bis er sie wieder an der Wand angekettet hatte und ihr langes Haar betrachtete, das ihr über den Rücken fiel. Es hatte seinen Grund, das er seine Gefangenen mit dem Gesicht zur Wand festband, das machte die Sache etwas unangenehmer. Sowohl die Kette, wie auch die Handschellen klickten wieder und der Assassine ließ sich stöhnend auf den Stuhl fallen. Er fluchte erneut und stand wieder auf. Wer wusste wann sie aufwachen würde, er würde dann jedenfalls nicht hier sein. Diesmal nicht. Nachdem er wieder oben war und alles verschlossen hatte, begab Sortan sich in den zweiten Stock und rieb sich noch einmal mit der Salbe ein. Natürlich hatte er vorher die -mittlerweile blutdurchtränkten- Verbände gewechselt und legte danach auch wieder neue an. Er fluchte dabei eigentlich unaufhörlich und stand dann wieder auf als er fertig war. Er ging wieder nach unten und betrachtete das Essen auf dem Tisch. Dann schnitt er mit dem blutigen Messer etwas Fleisch und Brot ab, setzte sich und aß. Er war nicht so empfindlich was Hygiene anging und trank viel Wasser. Der metallene Geschmack ihres Blutes hing hier und da ziemlich tief, aber das war ihm egal. Als er fertig war, wischte er das Messer sauber und legte es unters Kopfkissen, ehe er selbst ins Bett fiel. Es waren vielleicht zwei Stunden vergangen seit er augestanden war, aber er war schon wieder hundemüde.

Re: Eine persönliche Angelegenheit

Verfasst: So, 08. Apr 2012 0:29
von Eona
Es war zu schmerzhaft. Die Tritte und Schläge Sortans waren einfach zu viel für sie gewesen. Die Ohnmacht und die stille Schwärze, die so tief wie ein bodenloser Brunnen war, packte die Sklavin und riss sie hinunter. Eigentlich war sie dankbar dafür, denn die Schmerzen waren einfach zu groß, um sie ohne Ohnmacht wirklich auszuhalten. Aber andererseits wusste sie nun nicht, ob Sortan sie getötet oder lebend in der Gosse liegen gelassen hatte. Egal. Es ist alles gleichgültig. Ich werde sterben und endlich Zerx wieder sehen...
Die Sklavin vernahm Sortans Worte noch in der schwarzen undurchlässigen Masse, in der sie schwebte und machten ihr abermals Angst.

...du wirst mich noch kennenlernen, Eona...

Nein, er wird mich nicht sterben lassen. Das wäre zu einfach für ihn. Mein Tod wird durch Qualen und unglaublichen Schmerz durch seine Hand herbeigeführt werden. So leicht lässt er mich nicht davon kommen.
Und genau so war es, als Eona ihre Augen aufschlug. Sie bemerkte, wie ihre Augen ganz verklebt waren und sie fragte sich, ob sie im Schlaf geweint hatte. Das Klirren der Ketten war eine weitere Erkenntnis, dass sie tief in der Scheiße saß und sich die weiteren Tage unter Schreien und Schmerzen hinziehen werden. Aber Sortan würde es nicht schaffen. Er würde sie nicht brechen können, so sehr er es auch versuchen würde. Alles schmerzte; jeder Winkel und jeder Zentimeter ihres zerschundenen Körper litt Höllenqualen und es fühlte sich an, als würde sie wirklich in der Unterwelt schmoren. Ihre Haut brannte und die Wunde an der Schulter war der Knackpunkt der ganzen Misére. Eona hatte es verbockt. Aber wieder stellte sich die Frage, was sie am besten hätte tun sollen? Die Sache ganz normal hingenommen und gesagt: Ich wäre dir nützlich? Gut, weih mich ein. Der zerstörte Geist der jungen Frau ließ es einfach nicht zu, irgendwelche Ideale anzunehmen, die vollkommen aus der Luft gegriffen waren und nur aus den Mündern geisteskranker Menschen stammen könnten. Zu lange hatte sie verschiedene Glauben, Denkweisen und Handgriffe gelernt, die irgend einer Person angehörten, anzunehmen und sich zu verbiegen und hin und her zu springen, wie es diesem Jemand passte. Sortan konnte anstellen was er wollte, sie würde sich ihm nicht untergeben. Das wäre das letzte, was sie tun wollte. Doch ob sie es schaffte war eine andere Sache. Die letzten Tage hatten an ihrem Körper und an ihrem Geist gekratzt, wie es schon lange Zeit nicht mehr der Fall war. Eona hatte sich in den letzten Jahren so gut vor allen Einflüssen schützen können, dass sie ihr Umfeld manchmal gar nicht wahr nahm. Doch wenn dieser Hundesohn es wirklich versuchen wollte, sie in irgendeiner Weise umzukrempeln, dann soll er nur kommen. Ihre Wand war dicker, als seine.

Re: Eine persönliche Angelegenheit

Verfasst: So, 08. Apr 2012 0:47
von Sortan
Die Dunkelheit hatte sich erneut über Naradesh gesenkt und Sortan war gegen Mitternacht wieder aufgewacht. Er seufzte und hielt sich den Kopf, verdammte Schmerzen. Während er langsam aufstand sah er sich kurz um, alles war so wie es sein sollte. Jedenfalls fast. Sein Blick war etwas träge und am liebsten würde er sich den ganzen Schmutz vom Körper waschen, vor allem der Sand aus der Wüste klebte immernoch an seinem Körper. Die Kerze war heruntergebrannt und sein Blick fiel auf einen der Schränke in der Küche. Er nahm eine neue, dicke Kerze heraus und zündete sie an der spärlichen Flamme der alten an. Dann öffnete er wieder einmal die Falltür und schloss sie hinter sich, während er nach unten ging. Sein Körper schmerzte und war eine einzige Wunde, aber das war ihm egal. Er wusste das er es überleben würde und nur das zählte in diesem Augenblick. Sacht stellte er die Kerze auf den Tisch und sah zu der Sklavin. Sie schien wach zu sein, anscheinend war sie hart im nehmen. Es war als würde alles das was er sich über die Jahre aufgebaut hatte nun anfangen zu bröckeln und in sich zusammen fallen. Glück war es, wenn sie niemand gesehen hatte und den Wachen gemeldet. Sie suchten nach Eona, einer rothaarigen Sklavin und er hatte sie fast durch die gesamte Stadt gehetzt und später zurückgetragen. Die Wut brodelte kurz wieder in ihm hoch, doch er setzte sich auf den Stuhl. Er genoss die Ruhe, gönnte sie seinem Körper und starrte weiter die Sklavin an. Er verstand sie nicht. Sie wusste das er ein Auftragsmörder war und kein besonders feinfühliger, dennoch schreckte sie vor davor zurück das er ein Raquiiah war. Seine Hand strich über sein Gesicht und er grummelte etwas unverständliches, wahrscheinlich ein paar Flüche.

Er saß ein paar Minuten dort, schweigend und leise und überlegte wie er vorgehen sollte. Der Tod war so flexibel und schnell und er hatte ihn so oft in seinem Leben gesehen und gebracht. Trotzdem wollte er nicht ihren Tod, er wollte ihr Leben. Wollte das sie ihn als das anerkannte was er war und zu ihm gehörte. Ob Ria es getan hätte? Er würde es nie erfahren, aber das war auch nicht wichtig. Die Vorsehung leitete und führte seine Geschicke und Handlungen und alles was er nun tun würde, sollte genau so geschehen. Doch lehrte es ihn etwas? Brachte es ihm Erfahrung? Er wusste es nicht Recht. Stirnrunzelnd fragte er sich ob sein Vater genauso um seine Mutter hatte kämpfen müssen. Die Raquiiah, die Familie, war etwas das man annehmen musste. Tat man es nicht, wartete nur der Tod. Seine Stimme war leise und er lies keinerlei Emotionen in ihr mitschwingen, "Du willst nicht sterben und ich will dich nicht töten. Du wusstest was ich bin, seitdem du mich zum ersten Mal gesehen hattest. Du bist mir gefolgt, hast für mich getötet und meinen Befehlen gehorcht. Du hast gesehen wie ich Frauen und Kinder gefolter und getötet habe." Er stockte kurz und kratzte sich am Kinn, sein Kopf dröhnte immer noch, "Jetzt sag mir warum du wegrennst vor dem was ich bin. War das nicht offenkundig?" Er stand auf und ging ein paar Schritte zu ihr hin. Dann strich er über ihr Haar, "Vielleicht sollte ich damit anfangen..." Er presste sich gegen sie und fuhr über ihre Brüste herab, bis zu ihren Schenkeln hinunter, "Oder lieber so wie das letzte mal?"

Re: Eine persönliche Angelegenheit

Verfasst: So, 08. Apr 2012 1:10
von Eona
"Verschwinde...", krächzte die Sklavin und rührte sich keinen Millimeter. Seine Hände klebten wieder an ihrem Körper und es war so paradox, dass es sich anfühlte, als würden seine Finger an ihre Haut, in ihr Haar und in ihr Wesen gehören. Doch sie wehrte sich so vehement dagegen, dass es beinahe wehtat. Äußerlich rührte sie keinen Muskel. Auch als er sich gegen sie presste und der Geruch von Moschus und nassem Sand ihre Sinne vernebelte, konnte und wollte sich Eona nicht rühren. Er wollte ihre Schmerzen sehen und ihre Qualen als Schreie hören. Jedoch würde er beides nicht kriegen. "Lass mich einfach hier hängen und sterben", flüsterte sie und bewegte kurz ihre Hände, um wieder Blut hineinzupumpen. Alles an ihr fühlte sich schwammig an, als würde jemand ihren Körper erst mit Flüssigkeit vollsaugen, um sie dann mit voller Krauft von dem Nass befreien, indem er sie zusammenpresste und beinahe mit dieser Kraft erwürgte. Der Nacken tat weh, die Innenschenkel schienen durch die Flucht aufgescheuert worden zu sein und die Seitenstiche haben immer noch nicht nachgelassen. Auch die altbekannte Wunde an ihrer Schulter wollte nicht aufhören zu schreien und zu wüten. Etwas schweres lag in ihrem Magen und drohte sie nach unten in die tiefe Welt des Vergessens ziehen zu wollen, doch als Gegenmaßnahme spannte sie ihre schmerzende Beinmuskulatur an. Die Erregung, die Sortan abermals in ihrem Körper erzeugte, versuchte sie so gut wie es eben ging zu ignorieren, was ein Ding der Unmöglichkeit war. Innerlich verfluchte sie sich und den Assassinen ein weiteres Mal, bevor sie antwortete.

"Ja, ich bin dir gefolgt und habe Menschen an deiner Seite getötet. Doch da wusste ich noch nicht, was du eigentlich mit mir vor hattest." Ihre Stimme zitterte und der Atem, der noch vor wenigen Augenblicken ruhig zwischen ihren rissigen Lippen hervorblies, ging nun keuchend und rasselte in ihren Lungen. "Du wolltest... mich zu etwas anderem machen. Jeder verdammte Kerl, dem ich als Sklavin unterstand, wollte mich zu etwas machen, das ich eigentlich nicht bin. Alles... jeder einzelne Charakterzug wurde von jemanden dahingestellt und ich musste mich dessen annehmen, ob es mir passte oder nicht." Eona hätte dem Assassinen gerne ins Gesicht gesehen, während sie das sagte und ihn mit wütenden Blicken durchlöchert, doch sie hatte den Kopf hängen gelassen und ihre Augen geschlossen. Vielleicht war das auch besser so. "Versuch es, Sortan. Versuch mich wie all die anderen zu dem zu machen, was ich nicht sein will und du wirst nur mehr kaputt machen, als das es schon ist!" Die Sklavin war wieder einer Ohnmacht nahe, doch sie wehrte sich dagegen, um ihrem Peiniger zu zeigen, dass sie genauso stark sein konnte wie er selbst. Eine Frau war konnte genauso mentale Stärke beweisen, wie ein Mann und vielleicht noch darüber hinaus.

"Aber... du wirst... keine Freude... an dem... Ergebnis haben", stieß sie hervor und presste die Lippen zusammen, um die Tränen ein weiteres Mahl zurückzudrängen. Nicht jetzt, nicht hier. "Am Ende bin ich nur irgenwelcher Müll, der auf der Straße in eine Gosse gehört..."

Re: Eine persönliche Angelegenheit

Verfasst: So, 08. Apr 2012 1:51
von Sortan
Der Assassine seufzte leise in sich hinein und strich ihr übers Gesicht. Er hatte Schmerzen, doch sie hatte mit Sicherheit wesentlich mehr. Er wusste das sie sich unwohl fühlen musste und es für sie eine Qual war hier zu hängen und sich mit ihm zu unterhalten. Auch wusste er das sie sterben würde, wenn er sie noch länger hier unten ließ. Er wusste nicht was er tun sollte, sie würde sich nicht zu ihm wenden. Würde durch die Folter nicht gebrochen werden und ihm gehören. Die einzigste Option blieb also der Tod. Ihrer, oder seiner... Dennoch wollte er es nicht so enden lassen, das war nicht richtig. Unter seiner Würde und auch unter ihrer. Sie war eine Sklavin, aber sie war nun seine Sklavin ob sie wollte oder nicht. Er schlang seinen Arm um ihre Taille und hob sie ein Stück hoch, gleichermaßen um sie zu entlasten und ihr zu demonstrieren wozu er noch imstande war. Sein Atem blies warm in ihren Nacken und seine Stimme zischte leise, "Ich dich verändern? Ich wollte dir etwas anbieten, mehr anbieten. Du wärst mir gefolgt, sonst wärst du schon vorher geflohen. Du wolltest mir folgen und du willst mehr als das... Jetzt noch." Er ließ sie wieder los und strich über ihren Körper. Zumindestens bei dem letzten Satz war er sich sicher, denn die Erregung zeigte sich förmlich zwischen ihren Schenkeln. Seine Hand löste sich von ihr und er trat ein paar Schritte zurück, "Ich brauche dich nicht zu verändern... Du bist leise, Rachlüstig, schnell und tödlich... Was sollte ich an dir ändern?" Er ließ eine Pause, so als ob er überlegte, "Achja... Du musst noch lernen was Loyalität bedeutet. Die Familie ist ein Geheimnis und du bist jetzt Teil davon... Das lernst du aber auch noch." Er wusste nicht recht was er aus ihrem Stottern deuten sollte, vielleicht wurde sie gleich wieder ohnmächtig oder sonst etwas. Er erwartete nicht das sie weinte, nicht wirklich. Dafür war sie zu stark. Das Ganze wunderte ihn, selten sah man eine Sklavin die noch solch ein Feuer in sich trug. Seine Finger strichen über den Tisch und klopften auf das Holz, "Vielleicht hast du in die Gosse gehört... Ich werde dich nicht dahin zurückbringen. Ich brauche dich nicht zu brechen... Du bist verwirrt, aber du weißt das es das richtige ist hier zu bleiben..." Er näherte sich ihr wieder und lächelte dabei.

[18]Seine Finger wanderten über ihren Rücken und ihre Seite und öffneten das Mieder. Nach und nach zog er sie aus und strich über ihren nackten Körper, "... Bei mir." vollendete er dann den Satz und presste seinen Körper wieder gegen ihren. Er spürte die Kühle der Wand an seinem Arm und die Wärme ihres Körpers auf seiner Brust. Selbst durch den Stoff der Hose drang ihre Körperwärme hindurch und ihn packte erneut die Erregung, die ihn immer in Eona´s Nähe überkam. Seine Hände strichen über ihren Körper, ehe sich die rechte in ihrem Hals verkrallte, "Du kannst töten... Hast getötet... und wirst töten. Wieso also willst du es nicht für Geld tun... Für mich?"[/18]

Re: Eine persönliche Angelegenheit

Verfasst: So, 08. Apr 2012 2:37
von Eona
Seine Worte waren verlockend und süß wie Honig. Alles war so verlockend was er sagte. Es fühlte sich an, als würde seine Stimme in ihren Verstand einsinken und ihr Herz zum schmelzen bringen. Wie eine zufriedene Katze, räkelten sich seine Buchstaben in ihrem Inneren und rollten sich zu einem Ganzen zusammen.

Gib dich mir hin. Sei mein. Tu es für mich und ich erlöse dich. Ich will dich nicht verändern, du bist perfekt, so wie du bist.


Alles drehte sich. Die Welt, ihr Körper, ihr Verstand. Es wäre alles so einfach. Der Weg lag vor ihr, wie ein Schlüssel, den sie nur in das Schloss stecken musste. Es war eine gerade, seichte Straße, die sich durch seidiges Grün windete und in einem gleisenden Horizont endete. Eona würde wieder unter einem Herrn stehen und zu einer Familie angehören, die für Geld wahllos irgendwelche Menschen tötete. Sortan könnte ihr viel beibringen. Den Kampf, den Umgang mit Gift, das Töten unschuldiger Menschen... Vielleicht könnte sie ein ganz angenehmes Leben führen und sich nicht Sorgen machen, ob sie genug Geld bekam oder etwas zu Essen hatte. Die Sklavin konnte es selbst gar nicht glauben, dass sie wirklich mit diesem Gedanken spielte. Was war nur mit ihr geschehen, all die Jahre der Sklaverei, der Flucht vor sich selbst und den Tatsachen? Würde sie sich selbst verleugnen und ihr Ich aufgeben, wenn sie jetzt nachgab?

Was passiert hier nur mit mir?

Eona wusste, dass Sortan auch sehr müde und ausgelaugt war. Sie hatte gesehen, dass die Verbände wieder blutig waren und auch seine Hände waren nicht so stark, wie sie es von ihm kannte. Ihre Gedanken waren immer noch ein einziges Wirrwarr und vielleicht.... ja vielleicht brauchte sie einfach nur Zeit um nachzudenken? Aber würde sie sich mit diesem Gedanken, eine Raquiiah zu sein, wirklich anfreunden können? "Lass mir... Zeit um nachzudenken. Ich weiß ... dass du genauso müde bist wie ich und deine Wunden... müssen verheilen. Lass mich hier unten...", flüsterte sie und versuchte seine Hände abzuwehren, die ihren Körper hinunterfuhren. Ihre Gedanken widersprachen sich von einer Sekunde auf die andere, aber sie spürte schon, wie sich ihr Charakter wieder umkrempelte. Genau das hatte sie versucht zu erklären. Sie musste sich zwar nicht verändern, wie Sortan sagte, aber trotzdem lernen, was Loyalität war. Wieder eine neue Eigenschaft die sie sich aneignen müsste und genau dazu war sie nicht bereit. Aber dem Strudel der Machenschaften konnte sie nicht entgehen. Entweder wird sie sterben oder Sortans Untergebene sein. Die Antwort war schon gefallen, bevor die Sklavin es wusste und eigentlich brauchte sie keine Zeit um Nachzudenken. Die Würfel waren gefallen.
Egal wie viel Zeit ihr der Assassine zum Grübeln geben würde - was sie sehr bezweifelt - die Realität und ihre baldige Zukunft waren fest in Stein gemeißelt. Sortans Sklavin, eine Raquiiah, die schon bald einen neuen Weg einschlagen müsse.

Re: Eine persönliche Angelegenheit

Verfasst: So, 08. Apr 2012 3:00
von Sortan
Seine Finger strichen über den Sklavenring und die Kette die nun daran befestigt war. Er hatte seine Worte mit Bedacht gewählt, hatte ausgesprochen was er dachte. Es war eigentlich einfach, die Antwort lag vor ihm. Er lächelte und lies die Hände sinken. Sie war schlau und geschickt, vor allem aber hatte sie Recht. Er war am Ende, seine Kräfte schwanden bereits wieder und wahrscheinlich würde er es nicht einmal bis zum Ende durchstehen. Er spielte mit ihr, mit sich selbst und brachte seinen Körper an die Grenzen die offensichtlich bald erreicht waren. Er trat einen Schritt zurück und betrachtete die vielen Narben auf ihrem Rücken und gleichzeitig ihr rotes Haar, das ihr über den Körper herab fiel. Wollte er wirklich ein Teil davon sein? Nur eine weitere Narbe in ihrem Leben? Er runzelte die Stirn, die letzte Nacht war verschwommen und nicht wirklich klar in seinem Kopf. Dennoch erinnerte er sich an sie, an den Kuss den sie ihm gab bevor sie zusammen eingeschlafen waren. Vielleicht interpretierte er da zu viel hinein, doch vielleicht lag er auch richtig. Leise seufzte er, "Du hast Recht..." Seine Finger fuhren über ihre warme Haut, bis zu ihrem Arm hoch und öffnete die Eisenschelle. Dann strich sie den Arm wieder hinab und packte ihr Kinn. Der Raquiiah küsste sie, nicht so leidenschaftslos wie beim ersten Mal, sondern eher so als ob sie ihm wirklich etwas mehr bedeuten würde als seine Messer. Vielleicht war das auch so, er wusste es noch nicht genau, "Nach dem Tod von Menderea... Du hast es nicht gespielt, mich würde interessieren was du an mir findest, Eona." Sacht strich er über ihre Brust und dann den anderen Arm hinauf um auch ihn aus der Schelle zu lösen. Die Kette würde sie halten wie beim letzten Mal und schließlich wollte er sie nicht sterben lassen. Langsam ging er wieder zu dem Tisch und betrachtete die Kerze ein paar Sekunden. Er brauchte nichts weiter zu sagen, sie musste wissen was für eine Entscheidung sie traf. Seine Schritte führten ihn wieder weg von hier, hinauf in die Küche.

Aus irgendeinem Grund hatte er Durst und trank die halbe Flasche des Honigweins leer. Er seufzte leise bei dem süßen Geschmack und packte sich dann einen Wasserschlauch. Er prallte dumpf auf dem Kellerboden auf, sie sollte ihm nicht verdursten. Er ließ die Falltür... Nunja fallen und trank noch einen Schluck von dem Wein. Es war Zeit zu schlafen, Zeit um die Wunden zu kurieren. Er trank noch einen Schluck und dann noch einen, ehe er die Flasche auf den Tisch stellte und sich langsam in das Bett legte. Die dünne Wolldecke reichte für eine warme Nacht, saugte seinen kalten Schweiß ein wenig ein und wärmte ihn dabei auch noch. Manchmal war das Leben zu kompliziert und dann musste man trinken. Er schlief unruhig, aber lang. Ein Mann wie er konnte nicht schlecht träumen, zumindestens nicht viel, doch irgendwie war diese Nacht anders. Alkohol machte alles schlechter, außer die Frauen.

Es war Nachmittag, als er wieder wach wurde, schon fast Abend. Die letzten Reste des Essens waren in seinem Magen gelandet und schließlich war er wieder in den Keller gegangen. Das wenige Licht reichte um ohne Lichtquelle genug zu sehen und er lehnte sich gegen die kühle Steinwand, während er die Sklavin betrachtete. Noch immer war er nicht baden gewesen, heißes Wasser war zeitaufwändig und sie wollte bestimmt auch baden und sich waschen. Eine schlechte Idee wäre das sicher nicht, sein Körper stank mittlerweile nach Tod und kaltem Schweiß, genauso wie ihrer. Nur das an ihr irgendwie immer noch ein angenehmer Duft haftete, der wohl von dem Öl herrührte. Er verschränkte die Arme und ignorierte den Schmerz der seine Schulter hinauf krabbelte, "Nun, War das genug Zeit für dich?"

Re: Eine persönliche Angelegenheit

Verfasst: So, 08. Apr 2012 20:02
von Eona
Sortan war das Monster, dass mich in meinen Träumen verfolgt hat. Ich wollte ihm entkommen, doch meine Füße waren nicht schnell genug. Ich bin machtlos. Ich bin zu schwach.

Die Kette, die an ihrem Sklavenring befestigt war, klirrte leise, als sie sich auf den Boden sinken ließ.

Mein Körper ist eine Wunde und ich hätte mich nicht gegen ihn wehren können und es wäre wohl auch sinnlos gewesen.


Sie vergrub ihr Gesicht in ihren Händen und versuchte angestrengt über das Für und Wieder nachzudenken, doch es fiel ihr schwerer, als gedacht. Ihr Atem prallte an ihren Handflächen ab und erwärmte ihr Gesicht für eine kurze Sekunde. Eona hatte die Augen geschlossen, denn auch wenn sie sie geöffnet hätte, wäre schwarze Dunkelheit, das einzige gewesen, was sie gesehen hätte.

Es ist sinnlos darüber nachzudenken, nicht wahr? Ich bin schon mittendrin in den Machenschaften der Raquiiah und entweder sterbe ich oder werde ein Teil dieser Familie, wie er es nennt.


Die Sklavin rollte sich auf dem Boden zusammen, um eine etwas bequemere Position einzunehmen. Doch das änderte nichts an ihrer verzwickten Situation.

Wieso will ich immer alles wissen, was mich eigentlich nichts anging? Ich hätte fliehen sollen, nach Mendereas Tod. Doch etwas... irgendetwas hat mich aufgehalten. War es vielleicht dieses Etwas, dass mich an Sortan so fasziniert? Hätte er mich überhaupt gehen lassen?


Geräuschvoll zog sie die Nase hoch und griff sich mit einer Hand an die Schläfen, um diese im Uhrzeigersinn zu massieren. Jegliches Zeitgefühl war aus ihrem verwirrten Verstand entflohen und sie wusste auch nicht, wie lange sie so dalag und sich die pochenden Schläfen massierte. Manchmal verfiel sie in einem Dämmerzustand, der zwischen Realität und Traum hin und her wechselte. Dann begannen ihre Gedanken wieder sich zu drehen, wie zwei Zahnräder, die nicht wussten, ob sie nun einer Uhr oder einem kompliziertem Mechanismus angehörten.

Tod oder ein Dasein einer Raquiiah?


Sortans Anwesenheit gesellete sich zu ihren Fragen und half ihr nicht wirklich, über ihre Entscheidung wegzukommen. Ja, die Sklavin hatte sich entschieden aber - wie immer - hatte sie keine Wahl. Tod oder Weiterleben? Welcher Narr würde denn den Tod wählen? Eona schon gar nicht, da sie, trotz ihrer schlimmen Erlebnisse, an ihrem Leben hing. Alles konnte man ihr nehmen. Die Perspektiven, die Hoffnung, ihr neugeborenes Kind, ihre Freiheit. Doch ihr eigenes Leben konnte man Eona nicht wegnehmen. Darüber würde sie für alle Ewigkeiten selbst entscheiden.
Langsam kam sie auf die Beine, erst torkelnd und dann mit festem Stand. Ihre langen flachsroten Haare hingen ihr strähnenweise ins Gesicht, doch sie achtete nicht darauf. Ihr Verstand war ausgelaugt und alles an ihr brannte höllisch. Nur noch der Funke Überlebenswille flackerte wie eine Kerze im stürmischen Orkan. Sie war klein, doch erleuchtete einen kleinen Teil ihres Geistes und gab ihr nun Kraft für die nächsten Schritte. Eona fühlte sich auf einmal ungemein schwach, als würde jeder weitere Schritt zu Sortan an ihrem Körper zehren. Keuchend, als wäre sie gerade einen Marathonlauf um Naradesh gelaufen, stand sie vor ihrem neuen Herrn und hielt sich mit einer Hand an seinem Gewand fest, um nicht einzuknicken. Es war ihr gerade egal, ob sie Schwäche zeigte oder irgendetwas anderes an Gefühlen offenbarte, aber sie hatte einfach keine Kraft mehr. Eona war nicht gebrochen, das hätte etwas länger gebraucht, als der Assassine sich vorstellen könnte. Doch sie war nicht mehr bei Kräften und die letzten Tage hatten an ihrer Mauer gekratzt, gepocht und tiefe Wunden hinterlassen, die ihr jetzt das letzte Gramm Verstand nahmen, dass sie noch übrig hatte. Sie wollte raus aus diesem Loch und stundenlang schlafen, bis sie nicht mehr wusste wer sie war oder was überhaupt passiert war.

"Ich habe mich entschieden, Herr..."

Re: Eine persönliche Angelegenheit

Verfasst: So, 08. Apr 2012 20:48
von Sortan
Er spürte ihre Hand an seiner Kleidung und sah auf sie hinunter. Was sollte er nun tun? Weglaufen würde sie nicht mehr, nicht in diesem Zustand. Und selbst wenn, bis jetzt hatte er sie immer gekriegt und sie dafür büßen lassen, fast wie ein Sklaventreiber. Er seufzte leise, er brauchte keine Sklavin die nach seiner Pfeife tanzte, er brauchte jemanden der irgendwann eigenständig arbeiten konnte. Vor allem musste sie lernen, lernen zu kämpfen und zu töten. Sie musste lernen das der Familie ewige Treue und Loyalität galt und sie sich dort nicht rauswinden konnte. Er spürte ihre Schwäche förmlich, obwohl er nur ihren Schatten sah. Das würde sie auch lernen müssen, ein Raquiiah zeigte keine Schwäche. Nicht einmal in Form von Liebe, zumindestens nicht öffentlich. Seine Hand strich über ihren Körper, zu dem Sklavenring hoch und hielt sie daran aufrecht, "Du bekommst eine zweite Chance von mir. Sieh das als Ehre an... So etwas tue ich nur einmal im Leben." Er zog sie etwas näher zu sich heran und spürte ihren Atem auf seinem Gesicht. Leise hauchte er dann zurück, "Das nächste mal wirst du sterben... Und es wird lange dauern, sehr lange." Dann ließ er sie los und drückte sich von der Wand weg. Er ging um sie herum und hob ihre Kleidung auf, ehe er wieder von hinten an sie heran trat und die Kette löste. Er wusste nicht ob sie es bis nach oben schaffen würde, oder wie es ihr genau ging. Aber das war auch eigentlich Nebensache, sie würde überleben wenn das Schicksal es so wollte. Leise trat er wieder dicht von hinten an sie heran, "Geh, schlaf oder iss... Was du willst. Ach und... denk nicht das ich oft so gütig bin, auch nicht zu dir." Er wartete bis sie oben war und kam dann nach. Die letzten Strahlen der Sonne erleuchteten das Erdgeschoss noch ein wenig und spiegelten sich auf ihren Narben wieder. Er musterte ihren Körper erneut und fragte sich zum hundertsten Mal wieso sie so besonders war. Dann drückte er Eona ihre Klamotten in die Hand und schaute in ihre grünen Augen. Es war seltsam, das sie ihn so anzog und noch seltsamer das er sie am leben ließ. Vielleicht war einfach nur das Risiko oder die Gefahr ausschlaggebend für ihre Anziehungskraft? Wahrscheinlich war es mehr und das wusste er. Dennoch, Verdrängung zählte zu seinen leichtesten Übungen.

Er hatte sich von ihr abgewandt und sich wieder in die Küche gesetzt. Nachdem er einen weiteren Schluck des süßen Weins genommen hatte, rieb er sich nachdenklich die Augen. Die Sklavin blieb dabei immer in seinem Hinterkopf, seinem Blickfeld und seinen Gedanken. Er seufzte leise, schüttelte den rötlichen Inhalt der Flasche etwas und sah dem kläglichen Rest zu wie er in der Flasche umherschwappte. Sie wollte es wissen, sie hatte gefragt. Es war ihre Entscheidung gewesen, aber warum hatte er ihr die Wahrheit gesagt? Der letzte rest Wein floss in seinem Mund und seine Kehle hinab. Dachte er wirklich sie würde damit fertig werden? Wollte ein Leben als Mörder führen und ihm zur Hand gehen. Nein, sie war aus anderen Gründen bei ihm geblieben. Vielleicht wollte sie einfach nur warten bis die Stadtwachen sie nicht mehr suchen. Er schüttelte den Kopf und stellte die Flasche wieder auf den Tisch. Seine Wunden schmerzten wieder, dennoch regte sich etwas in ihm. Am liebsten würde er sie noch etwas von ihm spüren lassen. Er seufzte und verschränkte die Arme, den Blick auf die leere Flasche gerichtet. Er trank zu viel, aber vielleicht würde er es noch tun. Vielleicht würde er ihr noch eine abschließende Lektion erteilen.