Ein Abenteuer namens Leben

"Die Stadt der Wasser" am Fuße der Ruwayd-Berge. Bekannt für ihren Wohlstand und der Akademie der Heiler.
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Re: Ein Abenteuer namens Leben

Beitrag von Gilldor » Do, 19. Apr 2012 23:23

„Streit gibt es unter uns nicht. Wir sind zu wenige als dass wir uns noch gegenseitig töten. Sicher beansprucht der eine das was ihm nicht gehört, doch das wird auf dem Land durch einen fairen Wettstreit entschieden in dem der Sieger das Recht zugesprochen bekommt. In der Stadt entscheidet ein gewählter unparteiischer Richter.“, antwortete er nur leise und starrte die Tischplatte vor sich an ohne den Blick wirklich zu heben. Der Instinkt zu fliehen war wieder in ihm und er hatte Mühe dagegen anzugehen, nicht dem Impuls zu folgen aufzustehen und aus der Schänke zu laufen. Damit würde er die Meinung der anderen über ihn gewiss nicht verbessern. Deswegen blieb er, auch wenn es ihm sehr schwer fiel. Aber er war bemüht sich das nach außen hin nicht anmerken zu lassen.

„Dieser Konflikt... so ist es auch bei den Shiín und den Menschen. Einst kamen die Menschen in die Nordreiche und vertrieben die dort lebenden Shiín. Nach und nach drängten sie sie immer weiter zurück bis uns nur noch die Hügellande zum leben blieben. Die Kämpfe waren grausam und oft verloren meine Ahnen, denn sie waren in Zahl und Bewaffnung den Siedlern unterlegen. Aber irgendwann gewannen wir eine Schlacht. Dann die nächste und so weiter. Bis heute glauben die jungen Krieger, dass sie noch immer Rache für ihr Volk nehmen. Doch die Wenigsten von ihnen kennen noch die wahren Gründe warum dieser Krieg entbrannt ist. Für sie ist es ein Vergnügen die Menschen wie Wild zu jagen und abzuschlachten. Andere hingegen so wie meine Großeltern wollen versuchen das Vergangene endlich zu vergessen und einen Frieden herzustellen, zwischen uns und den Menschen. Denn die, die damals mordeten, sind schon lange tot und es bringt nichts etwas aufrecht zu halten, was nur noch sinnloses Töten bedeutet.“ Er sprach leise und wählte jedes seiner Worte mit Bedacht. Ihm war bewusst, dass er ihre Frage nicht wortwörtlich beantwortete, aber dennoch auf seine ganz eigene Weise eine Antwort lieferte.

Als sie von ihrem Großvater zu sprechen begann und dessen Sicht auf die Welt, verirrte sich ein leichtes Lächeln auf seine Lippen. Der Mann schien sehr weise zu sein oder aber hatte in seinem Leben genügend Erfahrungen gesammelt um so zu reden. Beides waren Dinge, die bei Gilldor großen Respekt hervorriefen. „Cail ist ein weiser Mann.“, sprach er seine Gedanken laut aus. „Er hat es richtig erkannt. Wir alle, ob Mensch, Elf oder Shiín fürchten uns vor dem, was wir nicht kennen. Wir erfinden Geschichten um dem Ganzen ein Gesicht zu geben. Jeder fügt dem Erzählten Etwas hinzu, glaubt Dinge gesehen zu haben, die furchtbar und schrecklich sind. Am Ende dann regiert nur noch die Furcht und der blinde Hass, obwohl niemand die Wahrheit kennt sind alle blind und wollen nur noch das Eine: Töten.“ Zum Ende hin war seine Stimme immer leiser geworden. Auch er hatte seine ganz eigenen Bilder im Kopf gehabt bis er dem ersten Menschen in seinem ganzen Leben begegnet war und dieser Jemand hatte ihn ausgerechnet so böse betrogen und ausgenutzt gehabt. Dennoch wollte und konnte er nicht das ganze Volk der Menschen hassen. Seine Wut bezog sich einzig auf diese eine Frau.

Wieder nur lächelte er sacht und hob den Kopf leicht um sie durch die Strähnen seines Haares hinweg anzusehen. Seine blauen Augen schimmerten leicht im flackernden Licht der Kerzen. „Ich weiß nicht wie ich mir die Städte der Menschen vorgestellt habe. Darüber habe ich mir nie wirklich Gedanken gemacht. Wir alle waren einmal jung und erträumen uns viel. Meist sind wir dann enttäuscht, wenn das was wir aus unseren Träumen kennen nicht der Realität entspricht. Was mich angeht, habe ich immer versucht alles zu so zu sehen wie es ist.“ Er lehnte sich erneut nach vorn und strich sich mit den Händen die Strähnen hinter die spitzen Ohren.

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Re: Ein Abenteuer namens Leben

Beitrag von Elin » Fr, 20. Apr 2012 22:45

"Vielleicht gibt es zu viele von uns...vielleicht würde man unseren Wert auch erst dann erkennen, wenn es weniger gäbe. Aber so scheint es den Fürsten wenig auszumachen, wenn die Jünglinge zum Schwert greifen solange noch genügend übrig bleiben um die Felder zu bestellen. Ein fairer Wettstreit hört sich interessant an...ist es ein Duell? Mit Waffen? Auf Leben und Tod?" Elin betrachtete ihn noch immer nachdenklich. Sie fuhr sich mit einer freien Hand durch ihre kurzen blonden Haare. Ob seine Haare ihn bei der Arbeit störten? Sie hatte ihre aus diesem Grund abgeschnitten, aber vielleicht war es ein Irrglaube. Wenn er sein Haar lang tragen konnte, dann vielleicht auch sie? Die junge Menschenfrau lächelte als ihr bewusst wurde worüber sie nachdachte. Es erschien so unwichtig neben ihren eigentlichen Themen, aber waren es nicht die Unwichtigkeiten, die das Leben bereicherten?

"Vertrieben aus der Heimat?", fragte Elin leise und ebenso bestürzt. Sie kannte viele Geschichten, aber davon war nur selten die Rede. Es waren lilane Mörder ohne Beweggründe, die aus der Dunkelheit kamen und hilflose Menschen ausweideten. Genau das war es wovor man sie gewarnt hatte. Sie sollte nicht alle Geschichten glauben sondern die selbst hinterfragen.
Wieder betrachteten die blauen Augen den lilanen Mann und der Kopf, in dem die Augen ruhten, bemühte sich darum all jene Geschichten zu verbannen. Er war ein einfacher Mann. Ein Schmied. Dabei handelte es sich um einen guten Beruf. Auch nahm er das Leben hier als Herausforderung und ließ sich nicht abschrenken. Anstatt der Feindseligkeit nachzugeben, die wohl seinen Tod forderte oder dass er sich nicht auf den Straßen zeigte, nahm er den Kampf auf. Das sprach für Mut. Er interessierte sich für diese ihn unbekannte Welt. Anscheinend erkundete er wie sie selbst diese Stadt. Wahrscheinlich würde das ihm missfallen, aber im Moment konnte Elin nur die lilane Haut sehen, die sie wirklich unterschied. Nur machte die lilane Haut ihn nicht minderwertig, sondern exotisch zwischen all den braungebrannten Menschen. Für einen kurzen Moment sah sie zu dem Ohr, hinter das er die Haare gestrichen hatte. Sie kannte Geschichten über Elfen. Vielleicht waren die Ohren auch fremdartig, aber doch vertraut. Was also war es, dass Shiín als solche Nachtmahre hinstellte? Leicht kopfschüttelnd setzte sie dann fort: "Nur leider wird jeder sturr auf seiner Position beharren und der Kampf wird wahrscheinlich erst dann ein Ende finden, wenn eine Seite ausgerottet ist...oder beide Parteien müde des Kampfes werden." 'Oder ein neuer Feind auftaucht', fügte Elin in Gedanken hinzu. Durch Cail kannte sie Geschichten darüber, dass sich manchmal Feinde zusammenschlossen wenn ein stärkerer Feind auftauchte. Sicher waren die Menschen sowie die Shiín in dem Gebiet geschwächt. Wie viel besser ging es ihnen wohl, wenn sie den Kampf sein lassen würden und sich wieder anderen Dingen widmeten?

Elin lachte fröhlich und schüttelte abwehrend den Kopf. Sie vergaß das ernste Thema. Vor ihrem inneren Auge sah sie für einen Moment Cail und Abiona. Die beiden so unterschiedlichen Menschen, deren tiefe Liebe zueinander man deutlich sehen konnte, wenn die beiden sich ansahen. Es war förmlich so als wäre Liebe etwas greifbares. "Nein...nein. Er würde niemals zulassen, dass ihn jemand als weise bezeichnet. Cail ist...er sagt, dass er noch nicht alt genug sei um weise zu sein. Er liebt das Leben, er liebt es Geschichten zu erzählen und er hat viele Erfahrungen gesammelt. Fast sein ganzes Leben ist er durch die Welt gezogen." Da fiel bei Elin der Groschen. Sein Blut war es wohl, die sie dazu trieb das Abenteuer zu suchen und die Welt zu erkunden. So hatte sie es noch nie gesehen, aber vielleicht musste sie jedem Teil ihrer Selbst etwas Zeit opfern. Eines Tages sollte sie vielleicht zu den Menai um auf den Spuren von Abiona und ihren Ahnen zu wandeln.
Nur ungerne löste sie sich von dem erfreulichen Thema und dachte wieder über die Beweggründe anderer nach. Es war nur ein Flüstern, das über Elins Lippen kam: "Dabei vergessen sie...dass man selbst auch etwas stirbt, wenn man das Leben eines anderen nimmt. Das eigene Schwert durchdringt das Fleisch, man hört wie der Atem aus ihm weicht und sieht wie das Leben aus seinen Augen weicht." Für einen kurzen Moment sah sie Gilldor nicht direkt an, sondern durch ihn hindurch. Sie verscheuchte die Gedanken. Schloss sie zu den Gedanken an Finn.

Wieder schüttelte sie leicht den Kopf. Dieses Mal um die Gedanken endgültig zu vertreiben. "Ich konnte mir auch nicht vorstellen wie es ist in einer Stadt zu leben bevor ich nach Merridia zog. Es war...so anders verglichen mit meinem Leben in der Festung." Sie stützte ihr Kinn mit einer Hand ab und betrachtete Gilldor. Neugierig sah sie wieder zu seiner Tätowierung. "Ist es ein Zeichen eurer Familie?", fragte sie nun endlich obgleich sie es sie interessiert hatte seitdem sie ihn gesehen hatte.

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Re: Ein Abenteuer namens Leben

Beitrag von Gilldor » Sa, 21. Apr 2012 19:25

Gilldor hatte sich noch nie wirklich Gedanken darüber gemacht wie viele Menschen es geben mochte. Er wusste nur, dass sie anders als sein eigenes Volk ganz Alvarania bevölkerten und sie meist in Städten lebten die so groß wie sein Heimatdorf oder gar noch größer waren. Seiner Herkunft schämte er sich nicht, das hatte er noch nie getan. Ein Shiín zu sein hatte ihn immer mit Stolz erfüllt und er hatte sich nie Gedanken darüber gemacht wie es wohl wäre, wenn er ein Elf oder ein Mensch war. Doch seit er durch die Welt zog, hatte er angefangen sich Gedanken darüber zu machen wie es wohl sein würde, wenn er keine lila Haut und schwarze statt weißen Haaren hätte. Dann würde man ihn für einen Elfen halten und vermutlich ganz anders behandeln. „Nein, nicht auf Leben und Tod.“, erwiderte er nach einer kleinen Weile in der Schweigen zwischen ihnen geherrscht hatte. „Wie gesagt, wir sind zu wenige und selten kommt bei den Kämpfen jemand ums Leben. Jeder Shiín kann kämpfen, egal ob er ein Bauer ist oder ein Krieger. Wir lernen von klein auf uns zu verteidigen. Das ist ein Teil unserer Mentalität und wird von Vater zu Sohn weitergegeben, aber auch die Frauen wissen wie man eine Waffe führt.“ Ihr Blick, der auf ihm ruhte, behagte ihm nicht und er zwirbelte mit seinen Fingern Strähnen seines langen Haares. Sie waren für ihn ein Zeichen der Männlichkeit und er würde sie um nichts in der Welt kürzen. Bei der Arbeit an der Schmiede band er sie zusammen, schon damit er nicht zu sehr im Nacken schwitzte.

„Ja, wir sind vertrieben worden, denn die Menschen wollten das ganze Land für sich allein und waren nicht bereit es mit uns zu teilen, obwohl wir schon seit hunderten von Jahren dort gelebt hatten. Wir hatten ihnen geholfen, ihnen gezeigt wie man jagt, Häuser baut und Felder bestellt. Gedankt haben sie es uns indem sie einen blutigen Krieg begannen, der bis heute andauert.“, antwortete er leise und mit ernster Stimme. Für ihn war es wie für alle seines Volkes kein Märchen und jeden Tag mussten sie erneut einen Angriff fürchten. Die Wunden, die vor sieben Jahren durch den blutigen Überfall der Menschen auf die Shiín geführt worden war, waren noch lange nicht verheilt. Seitdem war der Hass und die Angst nur noch gewachsen.

Als sie mit einem Mal fröhlich zu lachen begann, zog er die Stirn kraus und sah sie ein wenig irritiert, aber auch verwundert an. Das kam unvermittelt und wirkte angesichts ihres doch sehr ernsten Themas unpassend. Auch konnte er ihr erst nicht wirklich folgen bis er dahinter kam, dass sie von ihren beiden Großeltern sprach und seine Miene erhellte sich ein wenig. Wenn er es ganz genau nahm, war er selbst wie dieser Cail. Ihn hatte es auch, wenn aus anderen Beweggründen heraus, in die weite Welt getrieben und nun bereiste er sie auf seine ganz eigene Weise. Sollte er selbst einmal irgendwann Kinder haben, würde er ihnen wohl viel zu erzählen haben.

Schließlich kam sie auf seine Tätowierung zu sprechen und nun war er es, der den Kopf leise lachend schüttelte, so dass ihm wieder Strähnen ins Gesicht fielen, die er in einer unbewussten Geste nach hinten schob. „Nein, das ist kein Zeichen meiner Familie, sondern meines Erwachsenendaseins. Im Alter von 15 Jahren bekommen alle Shiín ihre Tätowierung gestochen als Symbol ihres Überganges vom Kind zum Erwachsenen. Die Linien sind bei jedem vollkommen willkürlich gewählt und kein Tattoo gleicht einem anderen. Ihr werdet nie zwei Shiín begegnen die ein und dasselbe Muster auf ihrer Haut tragen.“, erwiderte er und kam nicht umhin ins Schwärmen zu geraten in Erinnerung an seine eigenen ersten Stiche und den damit verbundenen Schmerzen. Es war eine harte Probe gewesen, die jeden jungen Shiín an seine eigenen Grenzen brachte und dessen Willensstärke bewies.

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Re: Ein Abenteuer namens Leben

Beitrag von Elin » Sa, 21. Apr 2012 23:42

"Dann ist Euer Volk gar nicht derart barbarisch wie all die Geschichten behaupten.", murmelte Elin. Es war nichts böses daran, wenn man sich auf das Schlimmste vorbereitete und man sollte immer in der Lage sein seinen eigenen Grund und Boden zu verteidigen. Ein Volk, das vertrieben worden war, hatte nur gelernt sich anzupassen damit es nicht wieder passierte. Angreifern war es gleich ob sie einem Mann oder einem Weib gegenüber standen. Es war also nur allzu verständlich, dass auch Frauen somit lernten zu kämpfen. In ihrer Heimat hatte sie zur Minderheit gehört. Frauen konnten durchaus in sogenannten Männerberufen bestehen, aber doch schienen sie traditionell mehr mit Heim und Familie verbunden zu sein. Elin nahm dabei keinesfalls an, dass es bei den Shiín so anders war. Nur eben mit dem Zusatz, dass jeder lernte sich zu wehren. Sie waren wenige und vertrieben worden.

Sie kannte die Neigung der Menschen nach Macht zu streben ohne dabei mit anderen teilen zu wollen. Auch darüber gab es viele Geschichten, zu viele als dass es nicht auch einen wahren Kern in den Geschichten geben musste. Außerdem hatte man es bereits in der Festung zu spüren bekommen. Auch einige Geschichten von Ludgrim sprachen durchaus dafür. Der stetige Kampf nach Macht...

Als er ihr erklärte wofür seine Tätowierung stand, lächelte Elin freundlich. "Ah. So etwas gibt es bei uns in Merridia nicht. Bei mir lag es an der Familie wann sie mich für erwachsen hielt und gehen ließ." Elin legte den Kopf auf die Seite und dachte über diese Symbole nach. Wenn die Tätowierung nicht für die Familie stand, gab es dann etwas anderes das symbolisch eine Verbindung verdeutlichte? "Würden auch Zwillinge unterschiedliche Tätowierungen bekommen? Sieht man Ähnlichkeiten bei Verwandten? Oder sind sie wirklich alle...einzigartig?" Er hatte zwar gesagt, dass alle Linien willkürlich seien, aber sie konnte sich nicht vorstellen, dass ein Künstler immer einen ganz anderen Schwung fand. Oder stachen sich die jungen Shiín das Tattoo etwa selbst? Vielleicht sah sie alles aber auch einfach nur von einer zu menschlichen Sicht. Elin schmunzelte leicht.

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Re: Ein Abenteuer namens Leben

Beitrag von Gilldor » So, 22. Apr 2012 20:53

Gilldor war versucht zu schnauben, hielt aber an sich und lächelte nur scheu. „Barbaren... leider haben viele von uns dieses Bild im Kopf und wir wiederum von den Menschen. Ich denke, wenn man mehr miteinander reden würde statt gleich mit erhobenen Waffen aufeinander loszugehen, würde sich vieles ändern. Vor allem könnte man damit viele Probleme lösen und den Krieg endlich beenden.“, meinte er und wusste, dass er einem Traum nachhing. Er war einer der wenigen Shiín, die so dachten. Die meisten scherten sich entweder nicht um die Menschen oder hassten sie bis aufs Blut. Selbiges wollten sie vergießen um sich das zurückzuholen was ihnen gehörte.

Ihr freundliches Lächeln jedoch stimmte ihn rasch wieder milde und auch er konnte nicht umhin dieses zu erwidern. Es war für eine willkommene Abwechslung mit jemand anderem zu sprechen als immer nur mit Murat oder den Kunden der Schmiede. Vor allem konnte er auf diese Weise neue Kontakte knüpfen und vielleicht freundeten sie sich auch an. Ihm fehlten seine Freunde und Bekannten aus der Heimat sehr. Auch wenn es nicht viele gewesen waren, so hatte er sich doch von ihnen verstanden gefühlt. Anders als von den hiesigen Leuten, die ihn nur als Fremden sahen, der dazu noch ein Feind ihres Volkes war. „Es ist eine Tradition bei uns deren Ursprung wohl niemand mehr kennt. Ich denke es hat Etwas damit zu tun, dass man in den Tagen vor dem Fest beim Stechen der Tattoos beweisen muss wie stark man ist und wie viel Schmerz man zu erdulden bereit ist. Es kommt einer Prüfung des Willens gleich.“, antwortete er und versuchte somit den Sinn dieses Rituals erklären. Leise musste er dann jedoch lachen als sie fragte ob es denn je schon einmal zwei Shiín gegeben hatte, die ein und dieselbe Tätowierung trugen. Mit Bestimmtheit wusste er das nicht sagen, weil er nicht alle Shiín kannte. Dennoch glaubte er, dass es zwar ähnliche Muster, aber gewiss nie exakt dasselbe gab. „Nein, ich denke nicht. Da die Linien und Muster willkürlich ohne jede Vorlage gestochen werden und es mehrere Tätowierer gibt, denke ich werdet Ihr nie zwei gleiche Tätwierungen sehen. Aber nun zu Euch. Ihr sagtet in Merridia gäbe es eine solche Zeremonie nicht und dass die Familien entscheiden wann jemand als erwachsen gilt. Wie geschieht das und woher weiß ein Vater oder eine Mutter das?“

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Re: Ein Abenteuer namens Leben

Beitrag von Elin » Mo, 23. Apr 2012 13:44

Die junge Frau legte den Kopf auf die Seite und dachte darüber nach. Würde das wirklich reichen um Jahre des Krieges zu vergessen? Würde nicht ein falsches Wort die Kontrahenten dazu führen lassen wieder zu kämpfen? Aber auch wenn die Fürsten entscheiden würden, dass Frieden herrscht, wer würde diesen Frieden in die Herzen des einfachen Volkes bringen? Oder müssten sich alle an den Gesprächen beteiligen? Mit ganz viel Pech würde es allerdings in einer riesigen Kneipenschlägerei enden. Vielleicht war das Ziel garnicht, dass sich alle verbrüderten, sondern dass einige wenige den ersten Schritt wagten und sich die Völker langsam aneinander annäherten.
"Aber wer wagt den ersten Schritt? Vielleicht ist die Angst zu groß, dass der andere einem den Kopf absäbelt, wenn man unbewaffnet auf ihn zutritt. Solange diese Angst vorhanden ist, wird es schwer ein Treffen ohne Waffen abzuhalten. Außerdem ist es einfacher dem Gewohnten zu folgen...anstatt etwas zu ändern. Es erfordert viel Mut gegen die eigenen Ängste zu kämpfen..." Elin lächelte sanft. Sie selbst war vor einem schrecklichen Moment geflohen und sich ihm nie gestellt. Wieviel Kraft würde man wohl brauchen, wenn man sich einem solch großen Dämon stellte wie der Feindseligkeit zwischen zwei Völkern?

Als er über die Tätowierung sprach, dachte Elin darüber nach wieviel sie erdulden würde. Vermutlich weniger. Sie war in manchen Dingen eben doch ein Mädchen. Ruven und Finn hatten sich darüber oft lustig gemacht. Finn. Für einen Moment huschte Schmerz durch ihre blauen Augen, aber sie schüttelte ihn schnell ab. Vertrieben durch ein freundliches Lächeln. "Bei mir hätte es wohl zu einigen Punkten gereicht...", murmelte Elin. Dann dachte sie über ihr Erwachsenwerden nach. Wann wussten es alle? "Ich glaube...es war an dem Tag als ich entschieden habe mein eigenes Leben in die Hand nehmen zu wollen und begonnen habe zu versuchen meinen Kopf durchzusetzen. Es war die Erkenntnis, dass ich meine Zukunft selbst planen müsse. Natürlich waren mein Vater Einar und dessen Vater Wilm auf meiner Seite, da sie selbst auch den Weg des Soldaten eingeschlagen hatten. Auch wenn es bei Wilm sehr lange zurück liegt. Meine Großmütter sahen es allerdings anders. Abiona hatte ihre Tochter bei meiner Geburt verloren. Kein Elternteil sollte dem eigenen Kind beim Sterben zusehen müssen. Sie hätte mich vor allem Beschützen wollen...und ebenso Thea, das Weib von Wilm, sie...sie hätte beinahe meinen Vater an den Krieg verloren. Wie hätte sie da das Mädchen gehen lassen können, dass sie wie ihre eigene Tochter großgezogen hat? Es war eine schwere Zeit, aber schlussendlich ließ man mich ziehen. Damit ich meinen eigenen Weg gehen konnte. Es gab aber auch Augenblicke in denen ich diese Entscheidung bereut habe. Ich habe mich nach meinem warmen Bett am Hofe meiner Familie gesehnt. Wie gerne hätte ich am Küchentisch mit allen gesessen und über solch unwichtige Themen wie das Vieh, das Gemüse und das Obst gesprochen. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass mir diese Gespräche fehlen würden, aber trotzdem stehe ich zu meinem Weg. " Elin dachte an die Zeit ihrer Ausbildung und das Leben in der Festung. "Ich habe gelernt zu kämpfen. Immer wieder hinzufallen und aufzustehen. Männer sind wahrlich kräftiger gebaut als Frauen. Zumindest war es in der Festung so. Vielleicht war das meine Prüfung des Willens? Sie war...nicht derart konzentriert auf einen kurzen Moment, sondern hat sich auf Wochen, Monate und sogar Jahre hingezogen. Ich war bereit meinen Weg zu wählen und blieb ihm treu. Egal wie oft ich ins Wanken kam" Außer am Ende. Aber das musste Gilldor nicht wissen.

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Re: Ein Abenteuer namens Leben

Beitrag von Gilldor » Di, 24. Apr 2012 14:51

In Vergessenheit würden die Jahre der blutigen Kriege gewiss nicht so schnell, aber man würde anfangen darüber nachzudenken. So zumindest hoffte Gilldor es. Aber ihm war auch schmerzlich bewusst, dass es immer bei diesem Wunschdenken bleiben würde und sich beide Völker eher gegenseitig ausrotteten als aufeinander zuzugehen. Das hatte einerseits viel mit Stolz zu tun, aber auch mit Sturheit. Menschen wie Shiín waren nun einmal Krieger, die nicht redeten sondern ihre Waffen gegeneinander erhoben. Dieser Gedanke ließ ihn abermals leise seufzen.

„Niemand wird den ersten Schritt wagen. Wenn, dann sind es wie in unserem Fall nur vereinzelt Anhänger beider Völker, die sich begegnen ohne sich, wie Ihr schon sagtet, den Kopf abzusäbeln.“, erwiderte er und beugte seinen Oberkörper wieder leicht vor. Der Rücken tat ihm von der schweren Arbeit am Amboss weh und er wusste nicht recht wie er sitzen sollte. Ein heißes Bad, so glaubte er, würde ihm Linderung verschaffen, doch das war nicht verfügbar und so biss er tapfer die Zähne zusammen.

Ihr Lächeln vertrieb seine eigenen finsteren Gedanken und lenkte ihn von seinen Rückenschmerzen ab. „Glaubt mir, es ist alles andere als schmerzfrei und die wenigsten schaffen es ohne auch nur einen Ton von sich zu geben. Ich selbst hörte von einem Jungen, der sich den halben Oberkörper hat tätowieren lassen ohne auch nur einen Laut von sich zu geben.“, sagte er mit einem gutmütigen Lächeln auf den Lippen. Gespannt hörte er ihr zu wie sie von ihrer eigenen Familie sprach und von deren Ängsten um sie. Sacht nickte er immer wieder und sah sie dabei schweigend an bis sie geendet hatte. "Eure Großeltern lieben Euch sehr. Ich denke, dass sie es nicht böse mit Euch meinten als sie Euch davon abhalten wollten in die weite Welt hinauszuziehen. Ich denke, dass es diese Sorge in allen Familien aller Völker gibt, denn es ist ein Zeichen der Liebe zu den Kindern oder wie in Eurem Fall den Enkeln.“, sagte er und füllte seinen Becher nach um diesen sofort wieder zu leeren. „Glaubt mir, auch ich sehen mich nach meiner Heimat, aber ich will nicht zurück. Noch nicht. Vielleicht in ein paar Jahren, wenn die Wunden sich geschlossen haben und ich nicht mehr mit Wehmut zurückblicke.“ Nun war es an ihm den Kopf traurig hängen zu lassen. Zydiera fehlte ihm mit jedem Tag mehr und er wünschte sich, dass sie noch lebte. Aber er wusste, dass sich dieser Wunsch nie erfüllen würde, was ihn umso trauriger stimmte.

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Re: Ein Abenteuer namens Leben

Beitrag von Elin » Sa, 28. Apr 2012 19:33

"Ich weiß", erwiderte Elin sanft auf seine Einschätzung hinsichtlich ihrer Großeltern. "Sie waren wunderbare Eltern, auch wenn sie meine Großeltern waren. Sie haben mich alles gelehrt. Drei Kulturen können manchmal allerdings...etwas anstrengend sein." Lächelnd dachte sie an Abiona und Thea, die manche Dinge so unterschiedlich sahen. Cail war dabei immer der geheimnisvollste gewesen. Vielleicht war er daran schuld, dass sie oft ihren Gedanken nachhing und über die Welt grübelte? Elin betrachtete ihn aufmerksam. Glücklich wirkte er nicht mehr auf sie. Vielleicht lag es an seinem langen Tag...oder an den Erinnerungen an früher? Aber ebenso konnte es die Art sein, wie man ihn hier behandelte, die ihn traurig werden ließ. Wenn sie auf ihr Bauchgefühl hören würde, dann würde sie wohl auf die Erinnerungen tippen. Sie beiden hatten durch dieses Gespräch wohl eine Achterbahn der Erinnerungen geführt. Zumindest wenn Shiín ebenso empfanden wie Menschen.

"Gilldor, bitte verzeiht mir", begann Elin leise und ebenso vorsichtig, "Ich wollte Euch nicht an Dinge erinnern, die Ihr versucht hinter Euch zu lassen. Ich selbst weiß wie es ist, wenn man vor Erinnerungen flieht." Ihre blaue Augen suchten für einen kurzen Moment die Seinen. Sie dachte kurz an Finn, aber trotzdem lächelte sie tapfer. Sie hatte hier ein wunderbares neues Leben. Freunde und Arbeit. Die Familie aber war weit fort. Er sehnte sich sicher auch nach seiner Familie und er hatte sicher seine Gründe dafür, dass er sein Volk und seine Familie hinter sich gelassen hatte. Sie selbst war hier unter ihresgleichen, aber er...er lebte unter Menschen, die ihm Verachtung entgegen brachten. Was war so schlimm gewesen, dass es ihn fortgetrieben hatte? Aber Elin würde nicht danach fragen. Dazu kannten sie einander nicht gut genug. Vielleicht eines Tages. In der Ferne. Falls er dann noch hier war, so wie sie auch. Wenn sie sich besser kannten. Ja, dann vielleicht. Dann würde sie ihn fragen und ihm vielleicht auch von Finn erzählen. Düstere Geheimnisse teilen, aber dazu war es noch zu früh. Das Gespräch war auch jetzt schon sehr privat gewesen.

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Re: Ein Abenteuer namens Leben

Beitrag von Gilldor » Di, 01. Mai 2012 11:11

„Drei? Ich dachte immer Mensch sei Mensch...“, erwiderte er und strich sich grübelnd über das Kinn. Dabei legte er nachdenklich den Kopf leicht auf die Seite und lächelte sie an. „Aber so waren auch meine Großeltern. Sie haben mich aufgezogen als wäre ich ihr eigener Sohn und mich auch als solchen geliebt. Von ihnen habe ich all das gelernt was ich heute weiß, auch das Schmiedehandwerk.“ Dieses Mal dachte er ohne Wehmut zurück. Er hatte eine gut behütete Kindheit gehabt und es hatte ihm an nichts gemangelt. Seine Großeltern waren keine reichen Leute gewesen, aber ihrem Enkel hatten sie stets versucht all seine Wünsche zu erfüllen. „Anstrengend war es nur mit meinem Großvater, wenn er davon anfing zu erzählen wie es war als er noch jung gewesen ist.“, meinte er leise lachend und nahm seinen Becher um daraus zu trinken. „Wollt Ihr auch einen Schluck?“, fragte er schließlich und deutete auf den noch immer gut gefüllten Krug. Sein Durst war fürs Erste gestillt und nun kam die Müdigkeit.

Als sie sich bei ihm entschuldigte, winkte er ab und sah sie lächelnd an. „Es ist nicht Eure Schuld, die Erinnerung an sie begleitet mich jeden Tag. Wann immer ich die Augen schließe, sehe ich sie vor mir. Des Nachts träume ich von ihr und finde nur wenig Schlaf.“ Ein leises Seufzen konnte er nicht verhindern und sein Blick glitt für einen Moment in die Ferne, zurück zu jenem Abend als er Zydiera das erste Mal begegnet war in der Taverne am Marktplatz. Nie zuvor hatte er solch ein bezauberndes Mädchen wie sie gesehen gehabt und sich augenblicklich in sie verliebt gehabt. Doch sie hatte es ihm nicht leicht gemacht. Erst nachdem sie miteinander gekämpft und erschöpft im Gras gelegen hatten, war sie es gewesen, die sich zu ihm herum gedreht und ihn geküsst hatte. Damals wie heute sah er ihre wunderschönen Augen und ihr liebreizendes Gesicht vor sich. Versonnen lächelte er und seufzte abermals leise.

„Sagt, in welche Erinnerungen flieht Ihr Euch? Wen habt Ihr verloren? Ihr müsst jedoch nicht antworten, wenn Ihr es nicht wollt...“, ging er dann nach einer Weile auf ihre Worte ein und suchte ihren Blick.

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Re: Ein Abenteuer namens Leben

Beitrag von Elin » Di, 01. Mai 2012 12:29

Elin schüttelte grinsend den Kopf. "Uns gibt es in allen möglichen Farben. Schaut Euch alleine die Menschen hier an! Sie sind sicher anders als bei Euch zuhause." Sie machte eine kurze Pause und dachte darüber nach. Wahrscheinlich war er Zuhause immer froh gewesen, wenn er eben keinem Mensch begegnet war. Was für ein dummer Vergleich. Sie hätte besser aufpassen sollen. "Meine Großeltern Wilm und Thea waren immer stolz auf ihre Wurzeln bei den Wilden Menschen. Das ist ein starkes und kämpferisches Volk, aber viele Möglichkeiten blieben ihnen garnicht. Mein Großvater sagte immer, dass der jahrelange Kampf gegen die Orks nunmal seine Spuren hinterlassen hat. Die meisten von ihnen sind blond. Ihre Haare sind aber noch heller als meine. Meine Großmutter Abiona hingegen stammt aus Menainon. Das liegt im Südwesten, jenseits der Wüste. Die Menschen dort sehen ganz anders aus! Ihre Haut ist so viel dunkler als meine. Es ist nicht die Bräune der Sonne, sondern dunkler. So dunkel, dass es nicht einmal ein langer Winter ohne Sonnenlicht zu vermindern vermag. Cail jedoch stamm von einem geheimnisvollen Volk ab. Alle haben sie unterschiedliche Lebensweise, andere Götter...und sehen einander in gleicherweise ähnlich wie sie sich unähnlich sind. "
Sie hätte Stunden über ihre Familie sprechen können und deren Herkunft. Wie oft hatte Abiona ihr von den Göttern erzählt, die auf den Bergen thronen. Wie viele kleine Rituale hatte Abiona auch nach den Jahren in der Fremde noch immer beibehalten? Eines Tages, das wusste Elin, würde sie nach Menainon gehen und das Land von Abiona kennenlernen. Sie würde den Göttern dafür danken, dass sie damals schützend die Hände über die junge Adeptin gehalten hatte, die ihre Familie und ihr Leben zurückgelassen hatte um ein Leben in der Fremde zu beginnen.

"Hatte es den ständigen Kampf noch nicht gegeben als Euer Großvater noch ein Junge war?", fragte Elin neugierig und legte den Kopf auf die Seite, "Wenn es so war, dann müssen es wunderschöne Geschichten über ein stolzes Volk gewesen sein."

Als er ihr Wasser anbot, schüttelte sie leicht den Kopf. Für einen Moment sah sie sich reumütig in der Schenke um. Sie hatte ganz vergessen, dass sie heute Memnun und Sahar hatte helfen sollen. So sehr war sie von dem Gespräch gefesselt gewesen. Aber dann schüttelte sie den Gedanken ab. Sahar hätte sie schon gerufen, wenn es etwas zu tun gab. Sie sah wieder zu Gilldor und lächelte sanft.
"Einen guten Freund, der wie ein Bruder für mich war. Wir leisteten gemeinsam unseren Dienst für unser Land. Er beschützte mich. Dann starb er." Elin zuckte mit den Schultern. Sie konnte die Zeit nicht zurückdrehen und wenn...warum sollte Finn auf sie hören und nicht gehen? Was könnte sie sagen, das ihn vom Bleiben überzeugen könnte? Nichts. Damals hatte sie noch nicht gewusst, was sie für ihn empfunden hatte. Diese Erkenntnis war mit der Zeit gereift und die Wunde war noch immer nicht verheilt. "Und ihr?", fragte sie freundlich.

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Re: Ein Abenteuer namens Leben

Beitrag von Gilldor » Fr, 04. Mai 2012 21:13

„Wir Shiín“, begann er „unterscheiden uns nur in unserem Charakter und der Statur unserer Körper. Ansonsten werdet Ihr nie einem von uns begegnen, der dunkles Haar hat. Lediglich die Farbe der Augen variiert von hell bis dunkel.“ Gewiss war ihm schon die Vielfalt der Möglichkeiten im Aussehen der Menschen aufgefallen. Er war keineswegs dumm noch war er blind. Dennoch hatte er es nie den verschiedenen Völkern zugeschrieben, sondern schlichtweg der Tatsache, dass sie durch ihre große Zahl auch dementsprechend mehr äußerliche Merkmale mit sich brachten. Elins Worte bestätigten einen Teil seiner Gedanken, warfen aber auch neue Fragen in ihm auf. Wie war es möglich, dass ein Volk, das sich äußerlich derart glich so unterschiedlich in seinem Verhalten sein konnte? Warum führten sie unentwegt Krieg? War es den Menschen schlichtweg unmöglich friedlich zu leben, dass sie sogar gegen ihre eigenen Brüder und Schwestern zu Felde zogen? Fragen über Fragen begannen ihn zu beschäftigen und er hörte ihre Worte nur noch wie aus weiter Ferne. Schließlich schüttelte er energisch den Kopf und blinzelte mehrere Male.

„Der Kampf währt schon seit etlichen Generationen. Es ist schwer zu sagen wann er wirklich begonnen hat. Da wir Shiín die Geschichten unserer Vorfahren nur mündlich überliefern, ist der wahre Ursprung des Beginn des Krieges über die Zeit hinweg verloren gegangen. Allerdings war ich noch ein halber Junge als die Menschen den wohl vernichtendsten und entscheidensten Angriff gegen mein Volk geführt hatte. Über eintausend Shiín kamen damals vor sieben Jahren ums Leben und dutzende gerieten in Gefangenschaft.“, erzählte er nicht ohne ein wenig Wehmut dabei zu empfinden. Glücklicherweise waren er und seine Großeltern damals nicht in der Stadt, sonst wären vermutlich auch sie unter den Opfern gewesen.

„Aber Zydiera starb an einem anderen Tag in meinen Armen.“, begann er nach einer kleinen Pause und Augenblicken des Schweigens von Neuem zu sprechen. „Wir wollten heiraten und sie trug unser Kind unter ihrem Herzen. Sie kam bei einem Brand ihres Elternhauses zu Tode. So wie meine Eltern damals in einem Feuer starben. Es scheint als wäre dieses Element mein Schicksal und mein Fluch zugleich.“ Ein müdes und trauriges Lächeln umspielte für einen winzigen Moment seine Lippen.

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Re: Ein Abenteuer namens Leben

Beitrag von Elin » So, 06. Mai 2012 17:47

Elin nickte leicht. "Der Charakter kommt bei uns noch erschwerend hinzu. Von gut bis absolut böse scheint alles vertreten zu sein." Dann legte sie den Kopf leicht auf die Seite. "Haben denn alle Shiín weißes Haar oder gibt es auch blonde? Ist die Hautfarbe auch bei jedem Shiín identisch oder gibt es da auch leichte Farbvariationen? Wird die Haut dunkler, wenn Ihr lange in der Sonne ward?" Da war sie wieder - ihre Neugier. Leicht entschuldigend lächelte sie ihn an. Aber vielleicht wusste er es garnicht, da die Shiín ihr Gebiet nie verließen und immer die selbe Sonne über ihnen stand? Sie hatte es ja auch erst viel später verstanden. Nie hatte sie sich darüber gewundert, dass Abiona so dunkel war. So war sie eben. Sie war einzigartig gewesen.

Als er von den Shiín sprach, die gestorben waren, dachte sie über die Grenzstreitgkeiten nach. Wieviele waren damals wohl gestorben? Aber es hatte sich alles über Jahre hinweg gezogen...es war wie eine Wunde, die sich nicht verschloss und aus der immer ein paar Tröpfchen Blut flossen. Was Gilldor allerdings erzählte war wohl eher ein Arm, der plötzlich abgerissen wurde. Elin schüttelte den Kopf. Woher kam nur dieses seltsame Bild als Vergleich? Er erzählte wie seine Verlobte und sein ungeborenes Kind starben und Elin hielt für einen kurzen Moment die Luft an. Bei den Shiín brannte es wahrlich oft. Hatte sie es bei seinen Eltern noch auf einen Unfall hätte schieben können, schien es eher so...als wären es menschlichbedingte "Unfälle". Es hatte keinen Sinn eine Weisheit ihrer Großeltern wiederzugeben, denn Elin wusste, dass sie nicht halfen. Wenn man Jahre später zurückblickte, dann verstand man vielleicht den Sinn in den Worten, aber solange es noch schmerzte, konnte man den meisten Worten keinen Sinn abringen.

Vorsichtig legte Elin eine ihrer Hände auf eine der seinen. Stumm sah sie ihm in die Augen. Was wäre es wert, wenn sie ihr Bedauern ausdrücken würde? Dieses Volk lebte im Streit mit den Menschen. Vielleicht waren Menschen sogar an dem Tod seiner Liebsten schuld. Aber vielleicht würden Worte des Bedauern von einem Menschen dann...etwas anderes sein? Immerhin konnte ihr Volk an ihrem Tod ja schuld sein. Viel zu verwirrend war die Situation und bevor sie etwas falsches sagte, entschied sie sich dazu zu schweigen. Wilm war es, der ihr immer wieder gesagt hatte, dass es manchmal besser was zu schweigen, aber vermutlich hatte er nur die ewigen Diskussionen mit Thea gefürchtet.

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Re: Ein Abenteuer namens Leben

Beitrag von Gilldor » Di, 08. Mai 2012 13:31

Gilldor lauschte wie immer aufmerksam ihren Worten, auch wenn die immer stärker werdende Müdigkeit ihn dazu veranlasste hinter vorgehaltener Hand zu gähnen. Die Anstrengungen des Tages machten sich bemerkbar und forderten ihren Tribut. Der morgige Tag würde ebenso anstrengend werden und er wusste, dass es wohl besser war sich bald schlafen zu legen um wenigstens ein paar Stunden Schlaf zu finden. Nach einem ausgiebigen Strecken setzte er zu einer Antwort an. „Auch bei uns gibt es jeden erdenklichen Charakterzug. Je nachdem welches Schicksal jeder Einzelne hat erdulden müssen reichen die Wesenszüge von gutherzig und mild bis hin zu verbittern und von Hass beseelt. Ich für meinen Teil versuche mich darin nicht von Hause aus das Schlechte in den anderen zu sehen und mir stets ein eigenes Bild zu machen. Das fällt mir zwar oftmals schwer, vor allem nachdem was mir eine andere menschliche Frau angetan hat, dennoch will ich nicht alle Menschen nur allein mit ihr vergleichen. Nicht alle, so hoffe ich, sind wie sie selbstsüchtig und nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Ich war wohl blind und taub oder einfach nur verliebt. Wir teilten den gleichen Schmerz, zumindest glaubte ich das und das hat mich für ihre Reize empfänglich gemacht.“, erwiderte er und rieb sich mit Daumen und Zeigefinger die Augen. Ihre Fragen amüsierten ihn ein wenig. Sicher wurde seine Haut dunkler, wenn er zu lange in der Sonne war. Das hatte er am eigenen Leib erfahren dürfen als er über Wochen hinweg durch die Steppe und Wüste geritten war. „Alle Shiín haben weiße Haare, nur wenige von uns färben sie sich. Für uns ist es vollkommen normal, dass jeder die gleiche Haarfarbe hat. Dafür unterscheiden wir uns in unseren Tätowierungen und den verschiedenen Nuancen unserer Haut. Einige haben eine hellere fast schon bleiche, andere wie ich wiederum haben eine dunklere Hautfarbe. Wir können wie alle anderen auch einen Sonnenbrand bekommen, wenn Ihr das meint.“ Sein Blick suchte den ihren und er lächelte sie freundlich an. Noch nie war er jemandem begegnet, der so viel Interesse an seinem Volk zeigte. Es erfüllte ihn mit Stolz so viel Wissen weitergeben zu können.

„Ich sollte mich langsam auf den Heimweg machen. Es ist spät und ich will zumindest ein paar Stunden in dieser Nacht noch Schlaf finden.“ Wieder musste er sich ein Gähnen unterdrücken und leerte mit einem letzten kräftigen Schluck seinen Becher. „Ich hoffe Ihr müsst nicht mehr allzu lange arbeiten und bekommt keinen Ärger weil Ihr so lange mit mir geredet habt. Wenn Ihr wollt, kommt mich doch besuchen in der Schmiede oder ich werde versuchen mal wieder vorbei zu schauen.“ Ein ehrliches und warmes Lächeln zeigte sich auf seinen Lippen während er im Begriff war sich zu erheben. Mit einer Hand griff er in den kleinen Geldbeutel an seinem Gürtel und er holte einige Münzen hervor, die er sorgsam abzählte. Dann reichte er ihr diese und meinte: "Hier, für Euch. Auch wenn man eine beginnende Freundschaft nicht mit Geld aufwiegen kann, so möchte ich, dass Ihr das Trinkgeld als Dank für einen unterhaltsamen Abend anseht." Schließlich nickte er ihr noch ein weiteres Mal zu bevor er den Tisch halb umrundete und unter den neugierigen Blicken der anwesenden Gäste die Schänke verließ um hinaus in die Nacht zu treten und den Weg zu seinem derzeitigen Zuhause anzutreten.

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Re: Ein Abenteuer namens Leben

Beitrag von Elin » Di, 22. Mai 2012 12:14

Elin hatte noch so manche Frage, aber sie wollte ihn nicht davon abhalten aufzubrechen. Er erschien ihr wirklich erschöpft von seinem langen Tag zu sein. Von daher entschied sie sich zu einem freundlichen Lächeln und bedankte sich für das Geld. "Keine Sorge. Die Arbeit hier macht Spaß. Ich werde nicht ausgebeutet." Sie überdachte kurz seine Einladung sowie seine Worte. Vielleicht würde sie wirklich irgendwann Zeit finden ihn in der Schmiede zu besuchen. Irgendwann. Derzeit arbeitete sie am Tag und wollte ihren Meister nur ungerne im Stich lassen. Immerhin brauchte sie diese Anstellung. "Auf hoffentlich bald", gab die Menschenfrau halblaut von sich als der Shiín aufbrach.
In einer fließenden Bewegung stand die junge Frau auf und streckte sich kurz. Rasch strich sie ihr Kleid glatt. Dann machte sie sich daran den Tisch abzuräumen. Sahar sah sie erwartungsvoll an, aber Elin schmunzelte nur. "Werde ich noch gebraucht?" Die Gefragte schüttelte leicht den Kopf. "Aber einige sind neugierig...vielleicht...nur um die Gemüter..." Elin seufzte leise und nickte. Sie mochte es nicht hinter dem Rücken von anderen über sie zu sprechen. Mit Sahar wäre es etwas anderes gewesen, aber mit den Gästen? Es war ein seltsames Gefühl, aber Sahar hatte vermutlich recht. Langsam ging sie zu einem der Tische und setzte sich. Man begrüßte sie fröhlich, was sie nur allzu gerne erwiderte. Aber natürlich fragte man sie auch nach dem Shiín. Eigentlich fragte man sie nur nach ihm. Reichlich diplomatisch - wie Elin fand - erklärte sie den Fragenden, dass er ein einfacher Mann sei, der sich als Schmied verdingte, und den der Hunger hierher geführt hatte. So wie viele andere auch. Seine Haut sei zwar andersfarbig, aber das hatte hier doch noch niemanden gestört. Außerdem hatte er ihr mehr Trinkgeld gegeben als die hier Anwesenden. Sie hatte es sich nicht verkneifen können das im Spaß auch noch anzumerken. Sie gab nichts von den privaten Dingen preis, die er ihr erzählt hatte, sondern nur Dinge, die offensichtlich waren. Viele wussten bereits, dass er in der Schmiede arbeitete und er hatte hier immerhin gegessen. Aus welchem Grund sollte er sonst auch in eine Taverne kommen. Er hatte keinen Streit angefangen, demnach war er auch nicht auf eine Schlägerei ausgewesen. Irgendwie schienen sie enttäuscht von den Antworten zu sein, aber genau das erfreute Elin. Sie verabschiedete sich und kehrte zu Sahar zurück, die bereits eine Schale mit Hirse für sie bereit hielt. "Danke!", rief Elin erfreut aus als Sahar ihr die Schale reichte. Mit ihrem Abendessen setzte sich Elin an einen anderen Tisch und zwischen den Bissen befriedigte sie die Neugier der hier sitzenden genauso wenig wie bei den Gästen zuvor. Irgendwie bereitete ihr das einen ungeheuren Spaß. Die Vorurteile, die ein Teil der Menschen von sich gaben, waren Bestätigung genug, dass sie es garnicht verdient hatten mehr über diese Person zu erfahren, so dass Elin eine Stunde später mit sich und der Welt zufrieden in ihre Kammer ging. Erst als sie ihre Schale zurückgebracht hatte, wurde ihr bewusst, dass sie auch schon sehr erschöpft war. Sie schleppte sich irgendwie zu ihrem Bett und entkleidete sich bevor sie unter die Decke kroch. Die blauen Augen fielen ihr schnell zu.

Am nächsten Morgen erwachte sie ohne sich an den Traum, den sie wohl gehabt hatte, erinnern zu können. Aber Elin fand das nicht sonderlich schlimm. Lieber so als sich an seltsame Traumgespinste zu erinnern, die in Verbindung zu Finn standen. Sie machte ihre Bett, bereitete sich auf den Tag vor und verließ nach einem kurzen Gespräch mit Memnum über die überteuerten Preise auf dem Markt das Haus. Mit einem Lächeln auf den Lippen machte sie sich auf den Weg zur Schmiede. Unterwegs wurde sie begrüßt, dort würde sie Frühstück bekommen. Es war ein einfaches Leben, aber vor allem war es ihres.

In der Schmiede widmete sie sich wieder ihrem Tagwerk. Viel gab es nicht zu tun, aber als Aadil auftauchte, da hatte sie endlich einen Gesprächspartner, der mehr konnte als ein Brummen von sich zu geben. Anscheinend hatte Nadim nicht gut geschlafen. Schmunzelnd berichtete sie Aadil von der Begegnung mit dem Shiín, der das als Möglichkeit nahm auch von seinen Begegnungen mit "seltsamen" Fremden zu berichten. Es machte wirklich Spaß ihm heute zuzuhören. Bis er dann aufbrechen musste, da er ein Gespräch mit einem Kunden hatte. Manchmal machte er sich schon ein wenig wichtig.
Als Banu das Mittagessen brachte war Aadil allerdings bereits zurück. An einem Tisch saßen sie nun zu dritt und aßen. Aadil erzählte etwas von einem Auftrag, den er bekommen hatte und Nadim schien ihm sogar aufmerksam zuzuhören. Immerhin war es gut, dass sein Sohn sich so um mögliche Aufträge bemühte. Dadurch kam Arbeit ins Haus. Die Kunden, die ab und zu etwas zum Reparieren brachten, reichten nicht um eine Familie sowie Elin zu ernähren. Außerdem hatte Nadim, seitdem Elin da war, viel mehr Zeit sich auch um andere Dinge zu kümmern. Elin wusste, dass es Nadim freute, dass er nicht mehr jede Reparaturarbeit selbst erledigen musste und sich so auch dem Schmieden von anderen Dingen widmen konnte. Gesagt hatte er es allerdings nie.

Nach der kurzen Pause widmente sie sich wieder ihrer Arbeit und als es da nichts mehr zu tun gab, begann sie aufzuräumen.

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