Seite 1 von 2

Ein Abenteuer namens Leben

Verfasst: Do, 12. Apr 2012 18:32
von Elin
Die schwere Lederschürze lag in ihrer Hand als sie den stickigen Raum betrat. Es würde dauern bis der heiße Wind frische Luft hineingeweht hatte. Aber ihr war es so lieber. Der trockene Wind tat gut. Früher war ihre Kleidung immer feucht gewesen. Egal was sie in Kalourn getan hatte, ihre Kleidung war immer feucht gewesen. Kein Feuer hatte sie je trocknen können. Immer war ein Rest geblieben. Elin versuchte die Erinnerung wieder abzuschütteln. Kalourn. Finn. Ruven. Es war Alles Vergangenheit. Ein schiefes Grinsen bildete sich auf Elins Gesicht als sie die Lederschürze überzog. Ihr einfaches Oberteil aus Leinen hatte bei weitem schon bessere Tage gesehen und da sie es nicht mehr ausgehalten hatte, hatte sie die Ärmel unsauber gekürzt. Sahar, die Frau von Memnun war es, die die Arbeit zuende brachte und die kürzeren Ärmel ordentlich vernähte. Ihre Hose war aus dünnem Leder, damit sie etwas Schutz bot, aber nicht so dick wie ihre einstige Kleidung aus Merridia. Die Schuhe waren noch immer ihre schlichten Lederstiefel, aber bald schon würde sie sich anderes Schuhwerk kaufen. Leichte Kleidung für ihr heißes Leben.

Ihr Blick schweifte durch die Schmiede. Es war ein einfaches Gebäude, das sich an das Wohnhaus ihres Meisters anschloss. Schwere Fensterläden wurden jeden Morgen weit geöffnet damit genug Luft in den Raum eindringen konnte. Abends wurden sie verschlossen, damit Diebe es nicht zu einfach hatten. Wie viel lieber wäre Elin eine offene freistehende Schmiede gewesen? Hier wurde es manchmal viel zu heiß. Viel viel zu heiß. Sie sehnte sich manchmal nach einem kalten Wind oder dem Regen. Manchmal. Aber nur solange bis ihr einfiel, dass Regen nicht vor den Schlafplätzen halt machte. Wie hatte sich ihr Leben doch gewandelt. Nadim betrat die Schmiede. Sein massiger Körper war noch immer trainiert. Auch er trug bereits seine schwere Schürze auf den täglichen Kleidern. Man sah noch immer die Spuren des Ruß der Vortage. Ob er jemals ganz sauber wurde? Mit Aadil, dem Sohn von Nadim, hatte sie darüber oft gescherzt. Aber natürlich nur dann, wenn Nadim nicht in der Nähe war. Er war nicht unbedingt...humorvoll. „Du bist früh“, brummte Nadim, der seine junge Gehilfin musterte ehe er sich daran machte das Feuer zu entzünden. „Großvater sagte immer, dass man nichts davon hat, wenn man bis in die Mittagsstunden im Bett liegt“. Ihre Stimme klang im Vergleich zu seiner sanft, aber man hörte noch immer den verräterischen Akzent ihrer Stimme. Sie war daran gewöhnt, dass sie gemeinsam die Schmiede herrichteten. Allerdings ohne Aadil. Es war ein kleines Ritual, das sich in den letzten Wochen fest verankert hatte. Sie sprachen dabei nur wenig. Manchmal sprach Nadim von den Aufträgen, die sie bearbeiten würden. Manchmal sprach er von seiner liebenswerten Frau Banu. Sie war sein Juwel, sein kostbarster Besitz. Durch sie hatte er seinen Sohn Aadil sowie seine Tochter Amber geschenkt bekommen. Zwei wunderbare Wesen, die das Leben allerdings nicht so ernst nahmen wie ihr Vater. Vielleicht war das einer der Gründe dafür, dass Aadil in den Morgenstunden nicht in der Schmiede war.
Elin nahm sich die beiden Wassereimer und machte sich auf den Weg. Viele waren nicht auf der Straße, aber die, die ihre Geschäfte auch vorbereiteten, winkten Elin zu. Die junge Frau erwiderte die Grüße mit einem strahlenden Lächeln. Sie füllte die beiden Eimer und brachte das Wasser zurück zur Schmiede. Aadil würde später noch mehr Wasser holen, aber das Wasser für den Morgen war Elin's Aufgabe. Als sie in die Schmiede zurückkehrte, füllte sie das Wasser in den Bottich. Fröhlich und begleitetet mit dem Geruch nach frischem Brot betrat Banu die Schmiede. Sie war eine schöne, etwas beleibte Frau. Voller Fröhlichkeit. In einem Leinentuch hatte sie das Frühstück für Nadim. Mehr als genug, so dass er es mit Elin teilte. Sie bekam dafür etwas weniger Lohn, aber die Speisen mit der Familie erschienen Elin wichtiger. Es war wieder so als wäre sie Teil einer Familie, auch wenn es wohl mitunter daran lag, dass Banu hoffte, dass sich Aadil um die junge Frau bemühen würde. Eine solch tüchtige Frau konnten sie in der Familie gut gebrauchen. Elin und Aadil allerdings hatten anderes im Sinn – anstatt Geliebte zu werden wurden sie Freunde. Zumindest bis jetzt.

Die Arbeiten in der Schmiede waren abwechslungsreich. Reparaturarbeiten an Lederstiefeln, Ledergürteln, Lederrüstungen und allem anderen was es so aus Leder gab. Es war Banu, die ihr dabei manchmal helfen musste, da Elin nicht sehr geschickt dabei war Nähte auszubessern. Metallarbeiten fertigte Elin oft nur als Verzierungen an oder bei kleinen Flickarbeiten. Ihre Finger waren geschickt, aber die Arbeit hinterließ ihre Spuren.

Auch dieser Tag versprach Abwechslung. Nach dem frischen Brot, das Nadim brach und mit ihr teilte, begannen sie beide ihr Tagwerk. Elin die leichten Aufgaben, die zwar nicht so lukrativ waren wie ein neues Teil, aber es sorgte dafür, dass sie Kunden kamen und blieben. Nadim hingegen arbeitete wieder an einem größeren Projekt. Irgendwann tauchte Aadil auf. Er übernahm oft die Gespräche mit den Kunden. Sein Charme kannte kaum Grenzen. Sein Lächeln war einfach nur zauberhaft. Von seinem Vater hatte er das sicherlich nicht. Wieder stahl sich ein Grinsen auf die Lippen der Frau, während sie an einem Lederharnish arbeitete.

Zur Mittagszeit brachte Banu wieder etwas zu Essen. Die drei machten eine Pause, teilten ihr Essen und ruhten sich dann etwas aus. Die Arbeit war hart, aber alle drei liebten sie. Aus den unterschiedlichsten Gründen.

Erst in den Abendstunden als die Sonne sich bereits verabschiedete, zog es Elin zur Taverne „Zum ewigen Brunnen“. In der ersten Woche hatte sie diese Art zu leben sehr ermüdet, aber nach einer Weile hatte sie sich daran gewöhnt. Die Hitze machte ihr manchmal noch zu schaffen, aber ansonsten liebte sie es. Am Brunnen hinter der Taverne tauchte sie erst ihr Gesicht und die Arme in kühles Nass. Mit Sahar hatte sie sich geeinigt, dass sie sich reinigte bevor sie die Taverne betrat. Außerdem tat es einfach gut das Wasser auf ihrer Haut zu fühlen. Sie füllte einen weiteren Eimer und betrat dann die Küche der Taverne. „Ah, Zana!“, begrüßte Sahar die junge Frau fröhlich, „Gut, dass Ihr schon da seid. Wir brauchen Eure Hilfe.“ „Gerne, ich säubere mich nur rasch“, erwiderte Elin fröhlich. Es tat so gut gebraucht zu werden. Mit ihrem Wassereimer betrat sie die kleine Kammer, die sie bewohnte. Ein Bett, ein einfacher Schrank und ein Stuhl. Für mehr war garkein Platz, aber es genügte. Das Fenster war klein. Aber da sich Elin kein Öl oder Kerzen leisten konnte, brauchte sie das Fenster für das wenige Licht am Morgen. Mit dem eisigen Wasser wusch sie Elin ab, ehe sie in ihr Kleid schlüpfte. Leichtfüßig lief sie zurück in die Küche. Sahar war verschwunden, vermutlich arbeitete sie im Schankraum. Elin nahm sich ihre Schürze, die sie sich umband, ehe sie mit einem fröhlichen Lächeln hinaus trat. Die Luft war angefüllt von Lachen und dem Geruch nach Alkohol. Darunter konnte man noch den Duft von Sahars Essen wahrnehmen. Am Anfang dachte Sahar, dass Elin ihnen in der Küche würde helfen können, aber sie wurde bald schon eines besseren belehrt. Deshalb half Elin beim Ausschank und zur Not stand sie Memnun zur Seite, wenn einige der Gäste Stunk machen wollten. Viele der Gäste waren Stammkunden, die es genossen mit Sahar, Memnun oder Elin zu erzählen. Man sprach über die Stadt, über den Handel und die Fremde. Wie oft hatte Elin schon über die nassen Wälder erzählt? Lachend nahm sie die Krüge von Memnun entgegen, der ihr sagte zu welchem Tisch sie sie bringen solle. Schon war die junge Frau auf dem Weg. Stammkunden. Man erkannte sie am breiten Lächeln und daran, dass sie immer das selbe tranken. „Zana! Setzt euch doch einen Moment“, rief einer der Gäste als sie die Krüge auf den Tisch stellte. Elin unterdrückte ein Seufzen. Sie wusste, dass es Memnun wichtig war, dass sich die Gäste wohl fühlten, aber sie wusste ebenso, dass er Hilfe brauchte. „Nur für einen Augenblick! Sonst verdursten all die anderen“, erwiderte Elin während sie sich auf die Bank fallen ließ. Sie erzählten von ihrem Tag, fragten sie nach der Arbeit in der Schmiede und ließen sie dann gehen. Zum Glück, denn der Schankraum wurde nicht leerer. Bei diesen Gesprächen verlor Elin nie ein böses Wort über Nadim oder all ihre anderen neuen Freunde, auch wenn sie durchaus mit den Leuten spaßte. Für einen Augenblick sah Elin zur Theke. Da standen Sahar und Memnun. Lächelnd sahen sie beide zu ihrem jungen Streuner. In ihrem Blick war etwas, das Elin kannte, aber sie konnte es dennoch nicht zuordnen. Dann widmete sie sich wieder ihrer Arbeit. So wie Sahar und Memnun auch.

Re: Ein Abenteuer namens Leben

Verfasst: Fr, 13. Apr 2012 20:55
von Gilldor
Der Tag war lang und anstrengend gewesen. Es war heute besonders heiß und stickig gewesen. Gilldor, der solche Temperaturen aus seiner Heimat nicht gewohnt war, hatte arge Probleme mit seinem Kreislauf gehabt. Die Hitze der Schmiede war noch dazu gekommen und er musste mehr trinken als er es für gewöhnlich getan hatte. Der Schweiß war ihm in Sturzbächen vom Körper hinab geronnen und er hatte sein Hemd gegen Mittag abgelegt gehabt. Zum Glück hatte ihn niemand in der Schwärze der Werkstatt gesehen gehabt und selbst wenn dem so gewesen war, hätte sich der junge Shiín nicht daran gestört. Sollten die Leute, die sich Tag für Tag aufs Neue das Maul über den Mann mit der lila Haut das Maul zerrissen zur heißesten Stunde an der glühenden Schmiede stehen. Trotz der widrigen Bedingungen hatte er sein Pensum geschafft und alle Arbeiten zu vollster Zufriedenheit seines Meisters erfüllt gehabt. Dieser war mehr als stolz auf seinen Lehrling aus der Ferne. Er musste ihm nichts mehr zeigen und war immer wieder aufs Neue über sein handwerkliches Geschick überrascht. Gerade, wenn es um die Fertigung kleiner Klingen ging, übergab er diese Aufgaben gerne an Gilldor ab, da er es selbst kaum besser zu machen wusste.

So sehr er auch den Umgang mit dem heißen Metall und dem Hammer liebte, freute er sich jeden Abend von Neuem auf den Feierabend. Auch wenn er schon sein einigen Wochen in Naradesh war, so hatte er sich noch immer nicht an das Klima der Wüste gewöhnt. Aber auch seine Arme schmerzten unter der ständigen Anstrengung. Es war beinahe zwei Jahre her seit er das letzte Mal an der Schmiede gestanden hatte, daheim bei seinen Großeltern. Selbst wenn es nur ein sehr einfaches Leben gewesen war, fehlten ihm die vertrauten Gesichter und Stimmen. Hier hatte er keine Freunde und einzig Murat, der Inhaber der kleinen Schmiede war sein einziger Kontakt in einer Stadt voller argwöhnischer Menschen.

Als die Sonne am Horizont zu versinken begann, legte Gilldor den Hammer zur Seite und wischte sich ein letztes Mal den Schweiß von der Stirn. Mit einem einfachen Kopfnicken verabschiedete er sich von Murat und machte sich auf in Richtung seines kleinen Zimmers, das gleich an die Wohnküche in dem ehemaligen Bauernhaus grenzte. Dort schüttete er Wasser aus einem tönernen Krug in eine Schüssel aus weißem rissigen Porzellan und begann sich so gut es denn ging mit einem Tuch zu waschen. Wasser, so hatte er schnell gelernt, war ein kostbares Gut in der Wüste und man konnte nicht jeden Tag ausgiebig baden. Daher er sich angewöhnt sich morgens und abends um so gründlicher zu waschen. Es war ihm selbst unangenehm, wenn er so stark schwitzte und versuchre so gut er denn konnte gegen den strengen Geruch anzugehen.

In ein frisches Hemd und saubere Hosen gekleidet, verließ er den Hof mit dem Vorsatz in irgendeine Taverne einzukehren um dort den Tag voller Arbeit ausklingen zu lassen. Es war das erste Mal seit er in der Stadt war, dass er sich dorthin wagte und sein Zimmer aus anderen Gründen als der Arbeit verließ. Entsprechend nervös war er auch, da er im Voraus nicht abschätzen konnte wie die Menschen auf ihn reagieren würden. Trotz seiner imposanten Erscheinung, den kräftigen breiten Schultern und seiner beachtlichen Größe hatte er Angst vor den kritischen Stimmen, die ihm unweigerlich entgegen gebracht werden würden. Das war so gewiss wie der Frühling auf den Winter folgte, denn selbst hier so weit weg von den Hügellanden war die Feindschaft zwischen Menschen und Shiín deutlich greifbar. Gilldor versuchte sich seine Gedanken nicht nach außen hin anmerken zu lassen, als er die Tür zur Taverne mit dem für die Region eigenwilligen Namen 'Zum ewigen Brunnen' betrat. Sofort richteten sich alle Blicke auf den lila häutigen Mann mit dem langen weißen Haar und er war versucht augenblicklich wieder Kehrt zu machen. Es kostete ihn all seine Überwindung weiter zu gehen und sich den hintersten Tisch zu suchen um sich dort niederzulassen. Von dort aus beobachtete er interessiert, aber auch wachsam das Treiben in dem sehr großzügig geschnittenem Schankraum.

Re: Ein Abenteuer namens Leben

Verfasst: Fr, 13. Apr 2012 21:49
von Elin
Elin eilte zur Theke und nahm zwei Schalen mit dampfenden Speisen von Sahar entgegen. "Tharus", sagte sie sanft. Elin nickte. Aufmerksam sah sie sich um und entdeckte genannten. Eigentlich hätte sie nun lächelnd eine Hand gehoben, aber als sie einst diesem Impuls nachgegangen war, hatte es dazu geführt, dass sie das Essen verschüttet hatte. Sahar war wütend geworden. Elin hatte das Essen bezahlen müssen und den Dreck aufwischen. Es hatte sie eines gelernt: Sie würde es nicht wieder tun und ihre Impulse hier unter Kontrolle halten. Lächeln genügte schon, da der Mann und seine Begleitung bereits zu ihr sahen. Sie wollte sich gerade zu ihm auf den Weg machen, als alle sich zur Tür wandten. Auch Elin hielt an um zum Eingang zu sehen. Viel zu neugierig darauf woran die Gäste interessiert waren. Ein weiterer Gast.

Seine Haut war lila! Tatsächlich lila! Ob er wohl ein Shiín war? Cail hatte Lieder gekannt und Geschichten. Auch sie kannte sie nun. Darin wurde die Grausamkeit dieser Kreaturen besungen. Man lehrte in den Geschichten die Furcht vor ihnen. So brauchte man keine Monster, die in Schränken oder unter Betten lauerten...man benötigte nur die Geschichten über die Shiín um Kinder zu ängstigen. Wie gut, dass sie keines mehr war. Elin grinste als sie sich wieder Tharus zu wand. Cail hatte sie gelehrt, dass es immer zwei Seiten einer Geschichte gab. Mit viel Glück sogar noch mehr. Tharus beobachtete allerdings noch immer den Fremden als sie sich auf den Weg zu ihm machte.
Was trieb einen Shiín wohl in diese Gegend? Ob es eine ähnliche Geschichte war wie die ihre? Aber Cail hatte doch die Feindschaft der Rassen bezwungen, wie konnte er dann hier sein?

Erst als Elin die Schalen auf den Tisch von Tharus und seinem Gefährten stellte, beachtete er sie wieder. "Was wisst Ihr über solche?", fragte Tharus leise. Sein Gefährte zog seine Schale zu sich, aber ließ Elin dabei nicht aus den Augen. Beide wussten sie, dass Elin aus der Ferne kam. Vielleicht erhofften sie sich von ihr mehr Informationen? Elin schüttelte den Kopf. "Nicht heute, Tharus. Ihr bringt mich nur wieder dazu meine Laute zu holen, aber dafür ist keine Zeit. Seht...der Schankraum ist nahezu gefüllt. Sahar und Memnun benötigen meine Hilfe." Etwas enttäuscht ließ Tharus den Kopf sinken, aber reichte Elin die Münzen für die Speisen. "Zu späterer Stunde vielleicht", gab Elin lächelnd von sich. Dadurch wirkte Tharus wieder etwas milder gestimmt. Er nickte leicht, dann machte sich Elin auf dem Weg zu dem neuen Gast. Auf dem Weg dorthin sah sie für einen Moment grinsend in Memnuns Richtung, der aber nur den Kopf schüttelte.

'Zeig keine Angst', hallte es durch ihren Kopf. Das war es was man sie gelehrt hatte. Sowohl im Kampf wie auch im Umgang mit Hunden. Er hatte seine Gründe hier zu sein und er würde sicher keinen Streit anfangen. Ob es wohl sicherer wäre, wenn sie ihre Waffen holen würde? Nein, besser nicht. Es würde nur zu Problemen führen, wenn sie sie holte.
Als sie an seinem Tisch ankam, musterte sie ihn aufmerksam. "Seid mir gegrüßt", begann sie das Gespräch freundlich obgleich man einen Hauch von Unsicherheit in ihrer Stimme wahrnehmen konnte. Ihre blauen Augen suchten seinen Blick. Abiona sagte immer, dass die Augen der Spiegel der Seele seien. Deshalb war es vielleicht ganz gut seine zu betrachten. "Sahar hat heute einen guten Hirsebrei zubereitet zu dem es eine Auswahl von Gemüse gibt, falls Euch der Hunger hierher geführt hat." Elin legte den Kopf leicht auf die Seite und lächelte etwas. Oder hätte sie ihm Brot und Käse anbieten sollen? Die junge Frau dachte einen Augenblick darüber nach, während sie ihren Blick kurz durch den Raum schweifen ließ um die anderen Gäste zu betrachten. Einige sahen noch immer zu dem Shiín. Hoffentlich fühlte sich keiner von ihnen durch den lilanen Mann gestört. Dann erst sah sie zu dem Fremden zurück.

Re: Ein Abenteuer namens Leben

Verfasst: Fr, 13. Apr 2012 22:42
von Gilldor
Überdeutlich spürte Gilldor die Blicke der anderen Gäste auf sich ruhen. Wie kleinen Nadelspitzen gleich schienen sie ihn mit ihren Augen zu durchbohren und ergründen zu wollen warum ausgerechnet einer wie er sich in ihre Schänke verirrte. Dabei war sein Grund ebenso simpel wie der aller anderen. Er hatte Hunger und Durst. Aber das schien für einen wie ihn so unnormal zu sein wie sein Erscheinen in einer von Menschen bevölkerten Stadt. Es kostete ihn viel Mühe sich nichts anmerken zu lassen und er hielt den Kopf erhoben. Einzig seine blauen Augen sahen sich hektisch nach allen Seiten hin um und seine Hände versuchten vergebens nach den Griffen seiner Katana am leeren Gürtel.

Er machte innerlich drei Kreuze als er die kurze Strecke zwischen der Tür und dem Tisch in der hintersten Ecke der Taverne hinter sich gebracht hatte und dabei begafft worden war wie ein exotisches Tier. Innerlich war er so angespannt, dass er wohl bei dem kleinsten Geräusch oder einer Regung der anderen Leute wie eine Katze zur Seite gesprungen wäre. Jeder Muskel in seinem kräftigen Körper war bis zum Bersten gespannt und zuckte leicht unter der allgemein herrschenden Anspannung. Ein wenig konnte er sich entspannen als er Platz genommen hatte und die Hände in seinem Schoß verschränkt hatte um das nervöse Zittern zu verbergen.

Seine feinen spitzen Ohren konnten das Getuschel um ihn herum wahrnehmen und er konnte nicht verhindern, dass sie unruhig und unsichtbar unter seinem langen weißen Haar zuckten. Alles in ihm schrie danach zu gehen, sich wieder in seinem Zimmer zu verbergen bis zum Morgen, wenn das Tagesgeschäft begann. Doch Gilldor war es leid sich immer zu verstecken. Deswegen war er hier und er würde bleiben. Egal was die anderen dachten oder sagten.

Über die kurze Zeit hinweg geriet er so in seine eigenen Gedanken, dass er merklich zusammen zuckte als eine junge Menschenfrau auf ihn zukam. Er hatte sie einfach nicht kommen sehen und fragte sich woher sie auf einmal kommen mochte. Als sie ihn dann auch noch freundlich begrüßte und fragte was er denn essen und trinken wolle, fehlten ihm im ersten Moment die Worte. „Guten... Abend.“, stammelte er und kam sich wie ein Narr vor. Sie musste von ihm denken, er sei verwirrt oder gar verrückt. „Danke. Dann nehme ich einen Hirsebrei und einen Krug Wasser. Sofern es keine Umstände bereitet.“, sagte er dann schon ein wenig gefasster und räusperte sich mehrmals. Er wagte es nicht sich Wein zu bestellen solange er unter solch scharfer Beobachtung stand. Zwar konnte es ihm egal sein was die anderen dachten, doch das war es leider nicht.

Re: Ein Abenteuer namens Leben

Verfasst: Fr, 13. Apr 2012 23:23
von Elin
Elin lächelte den Fremden ehrlich an. Es tat gut, dass er ebenso verunsichert wirkte. Zumindest hoffte sie, dass es daran lag. Vielleicht hatte sie ihn auch nur überrascht, da er wohl die anderen im Auge behalten wollte. Ob sie für ihn genauso seltsam aussah wie er für sie? Oder war es eher ungewohnt? "Es bereitet keine Umstände. Ich bringe Euch Euer Essen gleich", erwiderte Elin freundlich. Für einen Moment hielt sein Tattoo sie zurück sich umzudrehen und zu gehen. Ihre Augen folgten den verschwungenen Linien. Ein Zeichen seiner Familie? Elins Wangen röteten leicht als ihr bewusst wurde, was sie da tat. "Verzeiht", murmelte sie und ging.

Sahar erwartete sie bereits aufgeregt. Ihre großen braunen Augen leuchteten. "Was hat er gesagt?", fragte sie neugierig. Elin grinste Sahar breit an. "Er möchte eine Schale Hirsebrei mit Gemüse. Dazu einen Krug Wasser." "Aber...", begann Sahar, deren Neugier durch diese Antwort nicht befriedigt wurde. Memnun gesellte sich zu seinen beiden Frauen und sah Elin nachdenklich an. "Hat er Gold?", fragte Memnun sehr leise. Sahar funkelte ihn böse an. Ihre braunen Augen konnten so wunderschön funkeln. Elin wusste, dass sie diesen Momenten lieber still blieb. "Bei keinem Gast zweifeln wir daran, Liebster!", erwiderte sie ebenso leise, aber bestimmt. Memnun sah schuldbewusst aus und nickte leicht. Sahar verschwand in die Küche. Elin sah zu Memnun, der ein paar Jahre jünger als ihr eigener Vater war. Ihm schien diese Aufregung in seinem Schankraum nicht gut zu gefallen. Elin verstand ihn. Falls es zu Streit kommen würde, wäre er derjenige, der für den Schaden aufkommen musste.

Der Tonbecher sowie der Holzlöffel verschwanden in der Tasche der Schürze. Sahar brachte ihr eine Schale gefüllt mit Hirse sowie einen Tonkrug, der bis zum Rand mit Wasser gefüllt war. Elin seufzte leise. Das war Sahars Art sie zu ärgern. Sie hatte Sahar nicht alles über den lilanen Mann erzählt, dafür musste sie nun einen Wasserkrug balancieren, da kein einziger Tropfen daneben gehen durfte. Die Zeit, in der sie geübt hatte, würde dafür hoffentlich reichen. Sie nahm beides von Sahar entgegen, die Elin anschmunzelte. Vielleicht lag es aber auch daran, dass Memnun sie etwas verärgert hatte. "Später erzählt Ihr mir alles", flüsterte Sahar liebevoll. "Natürlich", murmelte Elin. Ob eine Mutter sich wohl auch so verhielt? Oder eine große Schwester? Eine gute Freundin sicherlich. Schmunzelnd, aber sehr vorsichtig machte sich Elin auf den Rückweg zu dem Lilanen.

Sie erwiderte die neugierigen Blicke mit einem freundlichen Lächeln. Man hatte sie auch seltsam angesehen. Eine Frau, die hier alleine blieb, in der Fremde. Sie hatte helle Haare, helle Augen und verdammt nochmal: Sie verdiente ihren Unterhalt durch die Arbeit in einer Schmiede. Für einige der Männer war es wohl ungewohnt gewesen, aber so waren sie nunmal. Lächelnd stellte Elin Krug und Schale auf den Tisch. Sie holte den Trinkbecher aus der Tasche. Es wirkte einstudiert als sie den Becher mit Wasser füllte und dem Shiín im Anschluss den Löffel reichte. "Falls...Ihr anderes Essen gewöhnt seid", begann Elin vorsichtig und leise, "Wäre es besser dennoch so zu tun als wäre es das beste Essen, das Ihr jemals zu Euch genommen habt." Kurz sah sie in Sahars Richtung. Sie war damit beschäftigt Getränke nachzuschenken, die Memnun im Anschluss verteilte, und bemerkte den Blick nicht. Elin wusste aber, dass Sahar es kaum erwarten konnte ihre Neugier zu stillen, aber trotzdem musste der Betrieb aufrecht erhalten werden.

Re: Ein Abenteuer namens Leben

Verfasst: Sa, 14. Apr 2012 11:08
von Gilldor
Gilldor hatte redlich Mühe den Blick aufrecht zu halten. Er kam sich fehl am Platz vor und war versucht wieder zu gehen. Die anderen Gäste machten ihm allein schon durch ihre Blicke und das leise Gerede klar, dass er hier unerwünscht war und nicht hierher gehörte. Verunsichert biss er auf seiner Unterlippe herum und unter dem Tisch verkrampften sich seine Hände nur noch mehr. Seine Fingernägel bohrten sich in die Handballen und hinterließen kleine weiße Halbmonde, so fest ballte er die sie zu Fäusten.

Auf Elins Aussage hin, nickte er knapp und einige Strähnen fielen ihm ins Gesicht, die er hastig wieder hinter die spitzen Ohren strich. Er wusste um seine Andersartigkeit gegenüber all den Menschen in diesem Raum. Niemand von ihnen hatte wie er spitze Ohren oder gar eine lila Haut. Einzig in ihrer Haarfarbe unterschieden sie sich. So entging es ihm auch nicht, dass die Kellnerin blonde statt schwarze oder braune Haare hatte. Daraus zog er für sich den Schluss, dass sie ebenso wie Selicia aus dem Norden stammen musste. Allein der Gedanke an dieses falsche Weibsbild ließ ihn innerlich zusammenzucken und leise verächtlich schnauben. Wie hatte er nur so dumm sein können?! Ausgenutzt hatte sie ihn! Kurz überkam die Wut, einem heißen Schauer gleich und verschwand wieder so schnell sie auch gekommen war.

Daher fiel ihm das Starren der Frau erst verspätet auf und unwillkürlich fuhren seine Finger über seine Schläfe. Er konnte deutlich die Einstiche entlang der feinen Linien fühlen und lächelte milde als sie sich für ihre Blicke entschuldigte. Auch wenn es nur ein leises Murmeln war, konnten seine Ohren es hören. Seine Sinne waren feiner als die der Menschen. „Schon gut. Ihr habt sicherlich nicht alle Tage einen Shiín in Eurer Schänke zu Gast.“, erwiderte er und versuchte ihren Blick einzufangen.

Er sah ihr noch nach wie sie zur Theke hinüber ging um seine Bestellung zu holen. Sogleich kam eine andere Frau mittleren Alters auf sie zu und Gilldor konnte nur erahnen was sie miteinander besprachen. Doch die Blicke der zweiten jungen Frau, die immer wieder zu ihm hinüber glitten, machten klar worüber sie sich unterhielten. Nun, es war auch nicht alltäglich, dass sich jemand aus seinem Volk so weit in den Süden verirrte. Jeder kannte die Geschichten um die Kriege, die Grausamkeit der Shiín gegenüber den Menschen und dem Hass zwischen beiden Seiten. Auch er hatte als Kind diesen Erzählungen gelauscht und seine Großeltern hatten ihm beigebracht, dass jeder dazu in der Lage war den ewigen Kreislauf aus Gewalt und Tod zu durchbrechen. Egal ob Mensch oder Shiín. Es war einzig eine Frage des Wollens und der Stärke. Auch wenn er selbst zutiefst verletzt und gedemütigt worden war durch eine menschliche Frau, hegte er keinen wirklichen Hass gegen sie oder ihr gesamtes Volk. Sicher gab es da viele Dinge, die er mit ihr noch bereden wollte, aber das hielt ihn nicht davon ab weiterhin nach vorne zu blicken statt ewig zurück.

Über seine Gedanken hinweg vergaß er die Zeit und als er das nächste Mal hochsah, kam Elin schwer beladen mit dem Wasserkrug und der Schale mit dem Hirsebrei auf ihn zu. Als sie bei ihm am Tisch angekommen war, stand er auf und nahm ihr den schweren und bis zum Rand gefüllten Krug ab. Scheu lächelte er sie an und nahm wieder Platz. „Nun, Hirsebrei gehört nicht unbedingt zu meinem eigentlichen Speiseplan. Aber ich bin nicht wählerisch. Hauptsache es schmeckt.“, sagte er und sah sie mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen an. Leicht hoben sich seine Augenbrauen an als sie meinte er solle dennoch tun als sei es das Beste was er je gegessen hatte und folgte ihrem Blick in Richtung der anderen Frau. Sie schien hier das Sagen zu haben, anders konnte er sich ihre Reaktion nicht erklären. Vorsichtig nahm er eine kleine Portion auf den Löffel und schob diese in seinen Mund. Der Brei war sämig und ein wenig zu nüchtern, dennoch hob er den Daumen nach oben und bedeutete ihr so, dass es ihm schmeckte. Auch wenn er hastig zum Becher griff um nachzuspülen.

Re: Ein Abenteuer namens Leben

Verfasst: So, 15. Apr 2012 23:06
von Elin
Elin dachte über seine Antwort nach. Wenn er keinen Hirsebrei aß, was nahm er dann zu sich? Sie hatte hier bei Sahar den Hirsebrei mit als eine Art Grundnahrungsmittel kennengelernt, da er günstig und sättigend war. Wahrscheinlich war ein Grund dafür auch, dass Sahar nicht nur Essen für eine kleine Familie zubereitete sondern ebenso für die Gäste in der Schenke. Ob der Shiín oft Fleisch aß? Elin hatte seit sie hier war nur sehr selten Fleisch gegessen. Bei der Hitze ließ es sich nicht so gut aufbewahren. Zumindest behauptete das Sahar. Elin war einfach nur froh, wenn sie nicht in der Küche helfen musste, da das meistens schief endete. Memnun war darüber sicher auch sehr erfreut, da er schon einmal in den Genuss gekommen war etwas zu essen, das Elin zubereitet hatte. Man starb davon nicht. Ein Gourmet würde wahrlich Höllenqualen erleiden, da es einfach nicht schmeckte.

Sie beobachtete ihn beim Probieren seines Essens. Auch wenn er ihr bedeutete, dass der Hirsebrei ihm schmeckte, so war es doch etwas verstörend, dass er direkt Wasser trank. Elin drehte sich um um wieder zu gehen, aber dann verharrte sie. In eine Schenke kam man der Geselligkeit wegen. Zumindest war das bei ihr früher der Fall gewesen. Zu dem Shiín würde sich sicher niemand setzen. Die Menschenfrau drehte sich wieder um und ließ sich auf den Stuhl sinken, der dem Shiín gegenüber stand. Es war schon reichlich verrückt, aber sie musste zugeben, dass auch sie neugierig auf den Fremden war. Sie kannte so viele Geschichten über diese Wesen, aber hatte noch nie einen gesehen oder gar bei einem am Tisch gesessen. Außerdem würde er ihr vor all den Zeugen sicher kein leid zufügen.

Eine kleine Pause würden Memnun und Sahar ihr sicher erlauben, auch wenn noch einiges zu erledigen war.

„Verzeiht meine Dreistigkeit. Wenn Ihr gerne alleine speisen wollt, so sagt es ruhig.“ Elin legte den Kopf wieder leicht auf die Seite und lächelte freundlich. „Ich dachte nur, dass etwas Gesellschaft noch niemandem geschadet hat und so müsstet Ihr nicht alleine die Blicke aller anderen ertragen.“

Re: Ein Abenteuer namens Leben

Verfasst: Mo, 16. Apr 2012 20:19
von Gilldor
Für Gilldor war die Frage nach seinen eigentlichen Essgewohnheiten befremdlich und er zog die Augenbrauen leicht nach oben. Hirsebrei kannte war ihm erst bekannt seitdem er in Naradesh lebte. Vorher hatte er im besten Fall nur davon gehört gehabt, dass die Menschen in diesen Breitengeraden sich ausschließlich von dieser Speise ernährten. Aus seiner Heimat war er ebenfalls meist einfache Dinge gewohnt, vornehmlich jedoch war es Fleisch, das die Shiín aßen. Die Hügelländer und Wälder boten viel Wild zum Jagen. Aber sie waren auch Bauern und hatten von allem zu Genüge. Anders als die Wüstenvölker lebten sie, wenn man es so wollte im Überfluss.

Er fühlte sich ein wenig unwohl unter der ständigen Beobachtung von allen Seiten her. Nicht nur, dass die übrigen Gäste in der Schänke jeder seiner Bewegungen mit ihren Blicken folgten, nun betrachtete ihn auch die Kellnerin genauestens. „Es ist nicht das Beste was ich je gegessen habe, aber ich habe auch schon schlechter gespeist.“, fügte er schließlich an um endlich das Starren zu beenden und nahm einen weiteren Löffel voll mit Brei und Stücken des Gemüses in den Mund. Sein Unwohlsein verstärkte sich immer mehr und er stand kurz davor aufzustehen und zu gehen. Ein Stück Fleisch mit grob geschnittenem Gemüse und Kartoffeln wäre ihm am liebsten in diesem Moment gewesen, doch er gab sich durchaus auch mit dem zufrieden was vor ihm auf dem Tisch war.

Ein wenig verdutzt war er schon als sich die junge Frau ungefragt ihm gegenüber hinsetzte und um sie herum das Getuschel mit einem Mal noch an Intensität zunahm. „Der Platz ist frei.“, meinte er nur. „Also könnt Ihr Euch setzen wohin Ihr wollt. Es ist sicher nicht leicht den ganzen Tag mit dem schweren Tablett umher zu laufen.“ Es war mehr der Versuch keine peinliche Stille zwischen ihnen aufkommen zu lassen, nicht mehr und nicht weniger.

Re: Ein Abenteuer namens Leben

Verfasst: Di, 17. Apr 2012 21:24
von Elin
Elin nahm das Getuschel wahr, aber sie dachte darüber nicht weiter nach. Sollten sie doch. Als er Verständnis dafür zeigte, dass die Arbeit als Schankmaid doch anstrengend sei, lachte Elin nur fröhlich. Abwehrend schüttelte sie dann den Kopf.

"Oh nein, ich helfe nur manchmal Abends. Eigentlich arbeite ich bei Nadim in der Schmiede." Sie machte eine kurze Pause und überlegte wieviel sie ihm erzählen solle. Aber im Grunde war es nicht verkehrt mehr zu erzählen, denn immerhin sollte auch er sich in der Schenke wohlfühlen. Für einen Augenblick dachte sie darüber nach, ob es vielleicht für ihn unangenehm sein könne, da seine Rasse soetwas normalerweise nicht tat. Auf der anderen Seite lebte er hier unter Menschen. Er musste sich also irgendwie daran gewöhnt haben. Wieso sollte es ihn also in eine Schenke gezogen haben, wenn er nicht reden wollte? Nur wegen des Essens? "Als ich in Naradesh ankam entließ mein Herr mich aus seinen Diensten, da er Einbußen hinzunehmen hatte, die ihm nicht erlaubten noch einen Bediensteten mehr zu beschäftigen. Memnun, der Wirt dieser Schenke, hat mich bei sich aufgenommen und mir geholfen bei Nadim Arbeit zu finden. Da hier nicht immer genug Arbeit für einen Dritten da ist, sparen sie dadurch, dass ich Abends aushelfe, wenn viele Gäste da sind. Manchmal sitze ich aber auch nur hier und rede mit einigen der Gäste. Wir tauschen dann Geschichten aus."

Sie machte eine kurze Pause und dachte an ihre ersten Tage hier zurück. Damals war es anstrengend gewesen, aber bereits nach den ersten Wochen hatte sie die Arbeit in den Abendstunden zu schätzen gelernt. Memnun sagte ihr immer wieder, dass es gut sei, wenn man viele andere kennenlernte. Immerhin wusste niemand wie lange Nadim sie noch beschäftigen würde. Falls sie eine neue Anstellung suchen müsste, dann wären viele Kontakte Gold wert. Aber all die Namen und Gesichter. Für Elin war es eine Herausforderung gewesen die neue Sprache zu meistern, die Namen und Gesichter zu lernen und dabei versuchterweise immer fröhlich zu bleiben. Mit einigen Namen und Gesichtern hatte sie aber heute noch immer Probleme. Vielleicht lag es daran, dass die Gäste viel zu selten kamen oder oft in den Stunden, in denen sie bei Nadim arbeitete. Aber niemand schien sich daran zu stören, wenn sie mit einem freundlichen Lächeln nochmals nach dem Namen fragte.
Etwas erschrocken wurde sie sich darüber bewusst, dass sie sich selbst noch garnicht vorgestellt hatte. "Verzeiht...mein Name ist Elin, aber die meisten hier nennen mich Zana. " Sie sah den Unbekannten neugierig an.

Re: Ein Abenteuer namens Leben

Verfasst: Di, 17. Apr 2012 23:00
von Gilldor
Gilldor fiel es wesentlich schwerer das Getuschel und Starren um sich herum zu vergessen. Zu viel war in den letzten Wochen und Monaten geschehen als dass er so weiter machen könnte wie zuvor. Der Schmerz über den Verlust und Betrug saß noch viel zu tief um alles was geschehen war als vergangen abzutun. Es würde noch eine ganze Weile dauern ehe er wieder ein ganz normales Leben würde führen können ohne sich immer nach allen Seiten hin umzusehen oder von vornherein anderen gegenüber misstrauisch zu sein.

„Ihr arbeitet in einer Schmiede?“, wiederholte er und war sichtlich überrascht. Er hätte der jungen Frau Vieles zugetraut, aber nicht, dass sie einer solch schweren körperlichen Arbeit nachging. Da er selbst ausgebildeter Schmied war, wusste er was dieses Handwerk von einem verlangte. Umso mehr Respekt hatte er vor der doch im Vergleich zu ihm sehr zierlichen Kellnerin. „Ich selbst arbeite auch als Schmied. Kennt Ihr den alten Gutshof am Rande der Stadt? Dort hat Murat, der Schmiedemeister seine Werkstatt und ich gehe ihm zur Hand. Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich noch lebe.“ Zum Ende hin senkte er seine Stimme um zu verhindern, dass ihre Zuhörer mitbekamen was er sagte. „Laut seinen Aussagen versuchte man mir den Rest zu geben als ich schwer verletzt nach Naradesh kam. Aus diesem Grund meiden ihn nun viele seiner alten Kunden.“, flüsterte er nun beinahe schon und beugte sich leicht vor dabei.

„Mein Name ist Gilldor. Es freut mich Euch kennen zu lernen, Elin.“, meinte er mit einem freundlichen Lächeln und reichte ihr seine rechte Hand. Mit einem Mal war das Zittern und die Unruhe verschwunden. So als wäre das Eis gebrochen worden und er habe neuen Mut gefasst. Er war in einer neuen Stadt und er konnte von ganz vorne beginnen, fernab all der Dinge, die hinter ihm lagen und ihn bisher immer noch belastet hatten. Auch wenn es schwer fiel sich von der Vergangenheit zu lösen, so gelang es ihm Stück für Stück.

Re: Ein Abenteuer namens Leben

Verfasst: Di, 17. Apr 2012 23:21
von Elin
Elin nickte erfreut. "Ja, ich führe die kleineren Arbeiten aus, so dass Nadim für andere Aufträge mehr Zeit hat. Ich bin kein ausgebildeter Schmied, aber sehr dankbar für die Arbeit. In meinem Land war ich Soldatin. Mir scheint es immer als würde es schon Jahrzehnte zurückliegen. Vermutlich liegt das an der langen Reise, die mich hierher geführt hat. Wir kamen durch die Steppe." Nicht sonderlich gerne dachte Elin an diese Zeit zurück. Ludgrim und dessen Frau hatten sich ständig gestritten und die Laune der Kinder war auch nicht besser. Dabei hatte niemand mehr etwas an der Situation ändern können. Sie konnten ja schließlich schlecht mitten in der Steppe ihre Zelte aufschlagen und für immer dort bleiben. Wahrscheinlich wäre das furchtbar gewesen. Ob sie mittlerweile wohl ihr Ziel erreicht hatten und damit beginnen konnten sich ein neues Leben aufzubauen?

Sie dachte darüber nach ob sie den Gutshof am Rande der Stadt kannte, aber schüttelte nur leicht den Kopf. "Ich erkunde noch immer die Stadt, vor allem alles was auf dem Weg von der Schenke zu Nadims Schmiede liegt. So viel Zeit bleibt mir auch garnicht, da ich für meinen Unterhalt arbeite...und versuche etwas zu sparen. Nadim weiß nicht was die Zukunft bringt und wenn die Aufträge knapper werden, dann wird er froh sein, wenn er sich und seine Familie durchbringt. Aber das macht nichts." Elin legte den Kopf leicht auf die Seite und lächelte. "Viel Kontakt zu den Kunden habe ich auch nicht, da Nadims Sohn Aadil sich darum kümmert. Am Anfang waren allerdings einige begierig darauf mich bei der Arbeit zu beobachten."

Als er ansprach, dass man wohl versuchte sein Dasein zu beenden als er hier ankam, verfinsterte sich Elins Gesicht für einen Augenblick. Für einen Augenblick ließ sie es zu an Kalourn zu denken. Sie hatten auf Befehl hin getötet um ihr Land zu verteidigen. Warum hatten die Menschen dem Shiín etwas angetan? Hatten sie Angst vor seiner Andersartigkeit? War das bereits Grund genug oder fürchteten sie, dass ihm weitere folgen würden, die das Leben hier in Naradesh bedrohten?
Wie hätte sie auf ihn reagiert, wenn sie ihm alleine in einer dunklen Gasse begegnet wäre? Hätte sie sich nach ihrer Waffe gesehnt? Vermutlich. Allerdings gab es auch andere Gesellen bei denen sie sich nach einer Waffe sehnte, obgleich in vielen Situationen ein gut platziertes Knie schon mehr als genug war.

Sie erwiderte seine Geste mit einem festen Händedruck und ließ ihre Gedanken ruhen. Wieder stahl sich ein Lächeln auf ihre Lippen. Ob Shiín auch mehr als einen Namen trugen? Die Neugier vertrieb die düsteren Gedanken. Sie war ihm nicht in einer dunklen Gasse begegnet sondern in einem beleuchteten Raum, so dass sie ihn nicht fürchten musste. Das Schicksal hatte ihr demnach die Möglichkeit gegeben sich mit einem Shiín unterhalten zu können ohne davon geblendet zu sein ob die Geschichten alle wahr waren. Es war eine Chance. "Verzeiht, Gilldor, wenn ich unmöglich erscheine, aber tragt Ihr noch andere Namen? Mein vollständiger Name lautet Elin Keshia Kordak. Keshia war der Name meiner Mutter und Kordak ist der Name der Familie meines Vaters.", gab Elin etwas leiser von sich. Sie wollte nicht, dass jeder diesen Teil ihres Gesprächs belauschen konnte.

Re: Ein Abenteuer namens Leben

Verfasst: Di, 17. Apr 2012 23:51
von Gilldor
Abermals überraschte ihn die junge Frau als sie meinte sie sei in ihrem Land Soldatin gewesen. Da drängte sich ihm gleich die nächste Frage auf. „Woher stammt Ihr?“, fragte er und hoffte inständig, dass sie nicht aus den Wäldern von Sieryan kam und seinesgleichen für gewöhnlich jagte. Auch wenn ihm eine leise Stimme zu sagen versuchte, dass sie sich ihm gegenüber ganz anders verhalten würde, wenn dem so war, nagten das Misstrauen und der Zweifel an ihm. „Ich bin ein ausgebildeter Schmied, habe das Handwerk des Schmiedens von meinen Großeltern gelernt bei denen ich aufgewachsen bin und bis vor einem halben Jahr in etwa noch gelebt habe.“, sagte er. An seinen Weg nach Naradesh konnte er sich kaum mehr erinnern, es war Schattenmähne, seinem alten Hengst zu verdanken, dass er überhaupt in irgendeine Siedlung geraten war und nicht irgendwo im Nirgendwo an seinen Verletzungen erlegen war. Mehr als einmal hatte er sich bei dem Pferd schon mit einigen zusätzlichen Möhren und Äpfeln bedankt. Es war ein sehr treues Tier und sein einziger wahrer Freund im Moment.

Sacht lächelte er als sie verneinte den Hof seines Meisters und Wohltäters zu kennen. „Naradesh ist wesentlich größer als Zehaihn, die Heimat fast aller noch lebenden Shiín. Auch ich kenne noch nicht jeden Winkel der Stadt. Die meiste Zeit über arbeite ich und verlasse nur um Besorgungen zu machen den Hof. Dass ich heute Abend nicht in meinem Zimmer bin, liegt wohl an meiner Neugierde. Ich wollte ein wenig mehr sehen von dem Ort, den ich als mein neues Zuhause auserkoren habe, auch wenn man mich nur zähneknirschend hier duldet.“ Er antwortete ihr wieder sehr leise und weit nach vorn über den Tisch gebeugt, was wohl wiederum neuen Gesprächsstoff bei den Gästen um sie herum sorgen mochte. Doch Gilldor nahm sich vor sich nicht mehr länger davon beeinflussen zu lassen.

Ihm entging nicht der Schatten, der für einen Wimpernschlag lang auf ihrem Gesicht lag und er brauchte keine hellseherischen Fähigkeiten zu haben um zu wissen woran sie dachte. Viele wollten ihn und seinesgleichen tot sehen, weil sie die Shiín für skrupellose und brutale Mörder hielten. Dabei waren die Menschen ebenso an dem herrschenden Krieg schuld wie seine eigenen Ahnen. Aber es war müßig immer wieder über das was vergangen war nachzudenken. Es galt die Gegenwart zu beeinflussen und ein für alle Mal den bestehenden Hass in den Köpfen aller Beteiligten verschwinden zu lassen.

„Nein, wir tragen keine weiteren Namen. Manche benennen sich nach ihren Vätern, aber ich erinnere mich nicht mehr an ihn geschweige denn seinen Namen. Er und meine Mutter kamen bei einem Feuer um als ich noch ein kleiner Junge war.“, antwortete er ihr und faltete seine Hände auf der Tischplatte nachdem er sein Mahl beendet hatte.

Re: Ein Abenteuer namens Leben

Verfasst: Mi, 18. Apr 2012 10:05
von Elin
Elin freute sich doch ein wenig darüber, dass ihr gegenüber ihr Fragen zu ihrer Herkunft stellte. Immerhin zeugte das doch von Interesse und half vielleicht die Blicke etwas ignorieren zu können. "Oh...ich stamme aus Linyan. Also nicht ganz. Der Hof meiner Großeltern liegt etwas abseits von Linyan. Aber wahrscheinlich sagt Euch das nichts. Linyan liegt im Fürstentum Jiandor, das zu Mérindar gehört. In einer Festung in Jiandor leistete ich auch meinen Dienst als Soldatin. Als meine Zeit dort vorüber war, zog es mich nach Merridia. Mein Befehlshaber kannte dort jemand, der nach einer Wache suchte...Als Kind war ich bereits einmal dort gewesen, aber es war überwältigend. Ich kannte nur das Leben auf dem Hof und in der Festung. In Merridia war alles so anders." Elin lächelte leicht. Wahrscheinlich plapperte sie wieder viel zu viel, aber sie musste die Jahre immerhin aufholen in denen sie eine Uniform getragen hatte und kaum Zeit dafür war. "Woher stammt Ihr?"

Noch jemand, der von seinen Großeltern aufgezogen wurde. Sie war mit diesem Schicksal nicht alleine. "Mein Großvater brachte mir auch das bei, was ich vom Schmiedehandwerk verstehe. Zwar wurde es in meiner Zeit als Soldat nochmals etwas vertieft, aber die Grundlagen...das war er. Sein Weib und die Mutter meiner Mutter fanden allerdings, dass das nicht unbedingt die richtige Beschäftigung für ein Mädchen sei, aber sie haben gelernt, dass ich meinen eigenen Kopf habe." Wieder legte sie den Kopf leicht auf die Seite während sie kurz über seine Aussage nachdachte. "Also leben Shiín auch in Familien? So wie wir Menschen? Ich muss ehrlich gestehen, dass mein Wissen über Euer Volk aus Geschichten herrührt, die sich kaum damit beschäftigen wie euer Volk lebt...es sind eher Schauergeschichten, die davon erzählen wie ihr foltert und mordet. Einiges mögen auch Berichte von Augenzeugen sein, aber wer weiß das schon? Mein Großvater sagte immer, dass ich Dinge erst selbst sehen sollte bevor ich darüber rede." Sie machte eine kurze Pause. Mehr um ihre eigenen Gedanken zu ordnen und sie für eine Weile zur Ruhe kommen zu lassen. "Warum habt Ihr Eure Heimat verlassen und Euch dorthin begeben...wo man Euch nicht unbedingt mit Freundschaft begegnet?" Elin biss sich leicht auf die Unterlippe. Vielleicht war das eine Frage, die sie hätte nicht stellen sollen, aber doch interessierte es sie. Hoffentlich wäre es für ihn kein Grund das Gespräch zu beenden nur weil sie Dinge fragte, die sie vielleicht nichts angingen.

Als er sich zu ihr über den Tisch beugte, erwiderte sie die Geste leicht um seine Worte besser aufnehmen zu können. Ob er auch aus Zehaihn stammte? Sicherlich, denn sonst hätte er die Stadt wohl kaum erwähnt. Dass es die Neugierde war, die ihn herumstreifen ließ, freute Elin. Immerhin bedeutete es, dass er an der Menschenstadt Interesse zeigte und sich nicht irgendwo verkroch.

"Es tut mir leid was Euren Eltern widerfahren ist." Ob es wohl mit Absicht geschehen war? Elin hoffe, dass dem nicht so war. Ein unglücklicher Unfall. Zumindest hoffte sie, dass es einer war. "Meine Mutter verstarb bei meiner Geburt und mein Vater war Soldat, so dass ich auch bei meinen Großeltern aufgewachsen bin. Ich habe meinen Vater erst kennengelernt als er schwer verwundet heim gebracht wurde."

Re: Ein Abenteuer namens Leben

Verfasst: Mi, 18. Apr 2012 17:18
von Gilldor
Gilldor hörte Elin aufmerksam zu, auch wenn er mit dem Namen des Ortes, den sie nannte, nicht viel anzufangen wusste. Jenseits der Grenzen des Hügellandes kannte er sich nicht aus und war gezwungen nachzufragen. Dennoch wartete er damit bis sie geendet hatte mit ihren Ausführungen. „Mérindar... Merridiar... ich hörte von diesem Land und auch von der größten Stadt der Menschen, dennoch weiß ich nichts Genaues über die Siedlungen und deren Bewohner dort. Allem Anschein nach sind sie sehr kriegerisch und den Shiín damit nicht allzu unähnlich.“, erwiderte er und nahm einen Schluck Wasser zu sich. Auch wenn es nicht wirklich kalt war, stellte es eine willkommene Abwechslung zu der unbarmherzigen Hitze des Tages dar und belebte ihn von innen heraus neu. „Sicher leben dort keine von meinem Volk. Die Menschen hassen uns und die meisten meines Volkes hassen wiederum die Menschen. Es ist eine ewige Spirale aus Hass und Tod und noch mehr Hass.“ Leise seufzte er bei diesen Worten. „Ich selbst stamme aus Zeaihn, der einzigen großen Ortschaft meines Volkes in den Hügellanden. Meine Großeltern besaßen einen kleinen Hof am Rande der Stadt. Wir hatten nur wenig Vieh und die Schmiede, die ich eigentlich eines Tages übernehmen sollte...“ Er senkte leicht den Kopf und unterbrach somit den Blickkontakt.


„Natürlich leben wir in Familien, warum sollten wir das nicht tun?“, entgegnete er und verstand nicht wirklich den Sinn ihrer Worte. Nur weil sie als kriegerisches Volk bekannt waren, hieß es noch lange nicht, dass sie mit einem Schwert in der Hand als Einzelgänger geboren wurden. „Es gibt anscheinend so viele Dinge, die ihr Menschen nicht über uns wisst und auch andersherum scheint dem so zu sein.“, sinnierte er und klang dabei wie sein eigener Großvater. Ob er ihn und seine Frau je wiedersehen würde, stand in den Sternen. Noch war er nicht bereit wieder zurück in seine alte Heimat zu ziehen. Der Schmerz des Verlustes saß noch zu tief und er wollte beweisen, dass er auf eigenen Füßen zu stehen vermochte. So sehr er seine Großeltern liebte und schätzte, aber es war an der Zeit, dass er seine eigenen Wege ging.

Bei ihrer konkreten Frage danach warum er sein Zuhause verlassen hatte, konnte er es nicht verhindern, dass er leicht zusammenzuckte. Er hatte schon lange mit dieser Frage gerechnet, wenn auch nicht unbedingt von ihr, sondern mehr von seinem Lehrmeister. Aber dieser schien instinktiv zu spüren, dass Gilldor seine ganz eigenen Gründe dafür hatte, dass er so weit weg von seiner Heimat war und schwieg. „Ich habe jemanden verloren, der mir sehr nahe stand... deswegen bin ich fort.“, antwortete er nur knapp und lehnte sich nach hinten zurück um die zitternden Hände im Schoß zu falten. Mit einem Mal war die eben noch heitere Stimmung verschwunden.

Er nickte nur knapp als sie ihm ihr Beileid in Bezug auf den Tod seiner Eltern ausdrückte und zugab, dass ihre Mutter bei ihrer Geburt gestorben war. Mehr als nur ein verkrampftes Lächeln hatte er allerdings nicht übrig.

Re: Ein Abenteuer namens Leben

Verfasst: Do, 19. Apr 2012 20:40
von Elin
Elin wartete einen Augenblick bis er geendet hatte. Nachdenklich betrachtete sie ihn. Es schien als hätte sie eine Wunde gefunden und an ihr gekratzt. Trotzdem entschied sie sich dafür nach und nach auf das Gesagte einzugehen. Da der Anfang seines Gesagten unverfänglicher gewesen war anstatt weiter an der Wunde zu spielen. Immerhin wollte sie ihn sicher nicht verjagen.
"Mein Land war im Streit mit dem anderen...Land bedeutet Macht. Also kämpften wir darum. Es war ein alter Kampf. Vielleicht wusste am Ende niemand mehr so recht worum es ging. Aber wenn man jung ist, dann lässt man sich leicht verblenden. Nicht alle Menschen sind kriegerisch. Sind es denn alle Shiín?" Sie dachte daran zurück. Einst hatte die Abenteuerlust sie dazu geführt ihre Heimat zu verlassen und in die Fussstapfen ihres Vaters zu treten. Sie hatte seine Geschichten geliebt. Aber durch die Zeit als Rekrut und später als einfacher Soldat hatte sie gelernt, dass Geschichten nicht immer die Wahrheit waren. Man erzählte Dinge anders als man sie wirklich erlebt hatte. Es war wenig ruhmreich davon zu berichten wie man stundenlang frierend auf der Brustwehr gesessen hatte und sich nur an den Kamin sehnte. Keine Ehre, kein Ruhm...nur die Sehnsucht nach einem Platz nahe dem Feuer.

"Mein Großvater Cail gehört einem Volk an, dessen Vergangenheit mit den Menschen düster ist. Er sagte mir immer, dass sein Geist sich danach sehnte zu wandern. Rastlos ohne eine Heimat. Aber sein Herz hatte bei Abiona ein Zuhause gefunden. Seine Geschichten sprechen davon, dass es oft mit der Unwissenheit beginnt aus der langsam eine unerklärliche Furcht erwächst. Jene Furcht endet zumeist im Hass, den wir nicht mehr in der Lage sind zu kontrollieren. Jede Geschichte, die von diesem Hass zeugt, vererben wir an unsere Kinder, die mit dem Hass in ihren Herzen aufwachsen. Auch sie geben es an ihre Kinder weiter. " Sie legte den Kopf nachdenklich wieder auf die Seite. Vielleicht hätten sie lieber über die Schönheit Naradeshs sprechen sollen anstatt über ihre Vergangenheit. Über all die Bäche, die wunderbaren Anlagen. Das wäre vielleicht ein besseres Thema gewesen.

Dann versuchte Elin sich an einem Lächeln, das recht schwach ausfiel. Seine Aussage über den Verlust von jemanden hatte ihre Erinnerung an Fin geweckt. Verschüttete, verdrängte und ach so geliebte Erinnerungen. "Meine Fragen mögen seltsam klingen, aber ich möchte mich nicht auf die Geschichten verlassen, die so mache vielleicht aus Angst und Unwissenheit erfunden haben. Als ich hierher kam wartete eine neue Kultur auf mich...ich musste die Sprache und einige der Gebräuche lernen um aufgenommen zu werden. Aber hier leben Menschen. Auch wenn sie Fremde sein mögen, so verbinden uns doch viele Gemeinsamkeiten. Bei Euch muss ich erst noch herausfinden was uns verbindet und was uns trennt." Sie zwinkerte Gilldor leicht zu.
Kein Wort würde sie über Fin verlieren. Hier war weder der rechte Ort noch die rechte Zeit um über ihn zu reden. Zu dem wollte sie weder seine noch ihre Wunde aufreißen.