Allein unter vielen

"Die Stadt der Wasser" am Fuße der Ruwayd-Berge. Bekannt für ihren Wohlstand und der Akademie der Heiler.
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Yámina
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Allein unter vielen

Beitrag von Yámina » Mi, 09. Mai 2012 13:10

Es war schwül an diesem Tage. Die Leute schwitzten in ihren bunten Kleidern und die Reichen ließen sich kühlere Luft zufächeln. Yámina ging direkt hinter dem Eunuchen, der einen großen Pfauenfeder-Fächer trug, mit dem er der ibema shasa sanft Erleichterung verschaffte. Dennoch wirkte diese heute alles andere als zufrieden, das verriet der missbilligende Zug um ihre Mundwinkel. Yámina vermied es, sie anzusehen. Sie verlor sich stattdessen in den vielfältigen Ansichten Naradeshs, der Gassen und Winkel und Plätze, die sich zu ihren Seiten hin auftaten. Sandstein war hier allgegenwärtig; alles und jedes schien daraus gemacht. Hier und dort kallte sich karges Gestrüpp in die Mauerritzen, waren unzüchtige Bilder in den trockenen Stein geritzt. Yámina sog alles in sich auf, wusste sie doch nicht, wann sie die nächste Gelegenheit für einen Ausflug erhalten würde. Diese Erinnerungen mussten ihr in den dunklen Stunden ihres Daseins helfen, den Verstand nicht zu verlieren. Sie brauchte sie.

Im Tross der Sultansfrau zogen vier berittene Wachen, Eunuchen und Sklaven und einige Tänzerinnen, von denen sie eine war. Da gab es auch Spieler und Sänger, und ein Eunuch führte einen Geparden an seinem goldenen Halsbad neben der ibema shasa her. Dieses Tier wurde besser behandelt als ein Mensch, dachte Yámina bei sich. Ihm hätte man gewiss nicht den Kopf abgeschlagen, wenn er einen Mann angefallen hätte. Doch war es müßig, solche Dinge zu denken, und dennoch trug sie es schwer mit sich herum, mit jedem einzelnen Schritt, den sie mit ihren weichen Pantofffeln machte. Mit jedem zweiten Schritt, mit dem die dünne Kette um ihren Knöchel leise klirrte, als sei sie ein Instrument und kein Zeichen dafür, dass sie ein Niemand war. Ein Niemand, der es nie zu etwas bringen würde. Natürlich bestand stets die Möglichkeit, dass sich der Sultan für sie zu interessieren begann, was angesichts ihrer mangelhaften Bildung sehr unwahrscheinlich war. Doch die Möglichkeit bestand. Yámina allerdings wollte dem Sultan gar nicht auffallen, zumindest nicht als Frau, die ihm vielleicht einen sohn gebären und damit aufsteigen konnte, sondern nur als Tänzerin. Und das war ihr bereits gelungen und sie begnügte sich damit. Weiter dachte sie auch gar nicht darüber nach, sonst wäre ihr vielleicht aufgefallen, dass sie nach Saritas Hinrichtung keine Idee mehr hatte, was sie aus ihrem Leben machen sollte. Der einzige Antrieb, den sie noch gehabt hatte, der war ihr genommen worden. Als das Entsetzen etwas nachgelassen hatte, war die Wut gekommen. Yámina war so wütend gewesen! Wie hatte ihre Schwester nur so dumm sein können? Wieso hatte sie das getan und sie verlassen? Schuldgefühle hatten die Wut abgelost. Sie hätte früher etwas mitbekommen müssen. Und dann war die Trauer gekommen. Tagelang hatte sie geweint, nächstelang kein Auge zu tun können vor Gram. Und nun ersetzte diese Trauer allmählich eine Leere, gepaart mit Gleichgültigkeit und einem stumpfen Ergeben in ihr Schicksal.

Inzwischen war sie wieder in ihrer Lethargie versunken. Dumpf brütete sie vor sich hin. Dabei bemerkte sie nicht, dass die ibema shasa die Hand gehoben hatte und der Tross augenblicklich stoppte - Yámina lief auf den vor ihr schreitenden Eunuchen auf, erschreckte sich und wurde an ihrem Fußkettchen zurückgerissen. "Pass gefälligst auf wo du hinläufst", zischte ihr der Eunuch zu, der das andere Ende des Kettchens durch einen stabilen Ring gezogen am Gürtel trug. Der Eunuch mit dem Pfauenfächer vor ihr blickte sie nur tadelnd über seine massige Schulter hinweg an, sagte jedoch nichts. Yámina schwieg und senkte demütig den Kopf. Die ibema shasa winkte einen Eunuchen zu sich heran, der der Aufforderung sofort nachkam und sich dann aufrichtete. "Saraya ibema shasa wünscht einen Tanz zu sehen!" verkündete er mit glockenklarer Stimme. Der Tross schwappte regelrecht zur Seite, machte Platz für die Tänzerinnen. Und erst jetzt nahm Yámina ihre Umgebung wieder wahr. Sie befanden sich auf einem der großen Plätze von Naradesh. Hier gab es sogar einen Brunnen. Das abgetretene Pflaster unter ihren dünnen Sohlen war unregelmäßig, doch frisch gefegt, was man von den Gassen wohl weniger behaupten konnte. Unmittelbar vor den ansässigen Garküchen und Schenken waren frische Binsen ausgelegt worden. Der Himmel war von einem wolkenlosen, kräftigen Azurblau und es war absolut windstill. Ganz in der Nähe konnte man noch die letzten Stände des Wochenmarktes erkennen, doch die Geräusche von dort drangen nur noch leise bis hierher. Es hätte ein perfekter Tag sein können, wenn Sarita noch gelebt hätte, und wenn Yámina diejenige gewesen wäre, um deretwillen dieses Spektakel veranstaltet wurde.

Schon bei den Worten der Sultansfrau waren die ersten Passanten stehen geblieben. Der Eunuch, an dessen Gürtel die Ketten der Tänzerinnen zusammenliefen, war vorgetreten und gewährte ihnen nun mehr Freiraum, indem er die Reichweiten erhöhte. Schon während des ersten Jahres im Harem hatten sie alle lernen müssen, mit dem dünnen Kettchen an ihren Knöcheln zu tanzen, ohne sich darin zu verheddern oder gar zu stürzen. Das war Yámina immer leicht gefallen, und oft vergaß sie fast, dass sie derart gebunden war. Als die Spieler mit Riqq und Darbukka vortraten und einen langsamen Rhythmus anschlugen, Nai und Ud bald darauf einsetzten, war es, als hätte Yámina sich verwandelt. Nichts gab es mehr außer der Musik und ihr. Füße und Hände, Hüften und Haar bewegten sich wie flüssige Seide zum Klang der Musik. Yámina bewegte sich im Einklang mit ihr, sie war die Musik. Mit geschlossenen Augen und rasendem Herzen wirbelte sie herum, ließ Rock und Haar vorüberrauschen und die Schellen erklingen als polychromes Echo der Musik. Sie ließ sich fallen und zugleich gehen, zog die Zuschauer in ihren Bann und vergaß alles und jedem um sich herum, bis-

Der Eunuch zog harsch an ihrer Kette und brachte sie aus dem Gleichgewicht. Sie hatte eben zu einer weiteren leidenschaftlichen Drehung angesetzt, was nun dazu führte, dass sie ins Straucheln geriet und zu Boden ging. In ihrem Sturz bemerkte Yámina, dass sich bereits wieder alle in die Formation eingeordnet hatten und auf sie warteten. Auch die ibema shasa. Der Eunuch richtete einige harsche Worte an sie und ruckte erneut an ihrer Kette, diesmal so stark, dass Yámina einen leisen Schmerzensschrei nicht unterdrücken konnte. Sie beeilte sich aufzustehen. Jeder starrte sie an, und die Blicke waren nicht eben freundlich, sondern herablassend und gemein. Zumindest kam es ihr in diesem Augenblick so vor, und die Situation selbst trug dazu bei, dass sie bereits wieder den Tränen nahe war, während sie aufstand. Um ein Haar hätte sie sich in der Kette verfangen. Dann stand sie jedoch wieder, und der Eunuch packte sie grob am Handgelenk, um sie zurück in den Tross zu schubsen. Abermals geriet Yámina aus dem Gleichgewicht und prallte unsanft gegen eine Mittänzerin, die sie mit grimmigem Gesicht zurückschubste. Sie hatte hier keine Freunde mehr, das war ihr nun wieder einmal klar.

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Re: Allein unter vielen

Beitrag von Gilldor » Mi, 09. Mai 2012 21:11

Es kam Gilldor so vor als wäre es heute wärmer als an all den anderen Tagen, die er schon in der Wüste erlebt hatte. Aber war mehr die Schwüle, die ihm zu schaffen machte. Solche Temperaturen war er aus seiner Heimat nicht gewohnt und er hatte arge Probleme damit sich daran zu gewöhnen. Schweiß rann ihm die Stirn hinab und er musste sich mehr konzentrieren als sonst. Immer wieder musste er seine Arbeite unterbrechen um etwas Wasser zu trinken damit sein Kreislauf in Schwung blieb.

Heute war Markttag und Murat hatte ihn wie jede Woche gebeten für ihn die Schmiede auf dem Markt zu betreuen, so dass er die Werkstatt weiterhin offen halten konnte. Auf diese Weise konnte er an zwei Orten gleichzeitig seine Dienste anbieten und seine Erzeugnisse verkaufen. Diese reichten von einfachen Alltagsgegenständen wie Besteck bis hin zu Waffen. Aber auch das Beschlagen von Hufen und Schärfen von Klingen wurde angeboten. An diesem Tag hatte der kleine Stand reichlich Zulauf und der junge Shiín kam kaum dazu sich selbst einmal ein wenig auf dem Markt umzusehen. Viele waren gekommen um ihn sich anzusehen, den Fremden aus dem Osten dessen Volk so grausam sein sollte. Gilldor mochte es nicht mehr hören, all das Getuschel und die Fragen zu seiner Herkunft. So gut es eben ging, versuchte er die Leute zu negieren, schwieg verbissen und wandte der Menge den Rücken zu um die Schmiede neu zu befeuern.

Dunkle Schweißflecken zeigten sich auf seinem Hemd und er wischte sich immer wieder mit dem Ärmel übers Gesicht. Ruß lag auf seinen Wangen und den Armen. Die Arbeit lenkte ihn ab, auch wenn er sich immer wieder dabei ertappte wie seine Gedanken abschweiften und er sich vorstellte zu Hause bei seinen Großeltern an der Schmiede zu stehen. Schmerzlich vermisste er diese Zeiten und sehnte sie mehr denn je zurück. Doch es brachte nichts unentwegt dem nachzutrauern, was man verloren hatte. Das musste sich auch Gilldor eingestehen. Viel zu viel hatte er schon in seinem jungen Leben mitgemacht und glaubte nicht mehr recht an sein eigenes Glück.

Als Musik erklang, hob er den Kopf um zu sehen woher die Melodie kam. Ein Stück weit vom Markt entfernt hatte ein Tross angehalten. Selbst auf die Entfernung hinweg konnte er erkennen, dass sich um eine der Frauen des Sultans und deren Eunuchen handelte, die der Stadt einen Besuch abstatteten. Neugierig schob er die Plane, die seinen Stand vor dem Wind und der Sonne schützte ein Stück zur Seite und sah dem Tanz der Sklavinnen zu. Er war fasziniert von der Leichtigkeit, die in jeder ihrer Bewegungen lag, wie sie sich im Klang der Musik bewegten und trotz der Ketten, die sie banden so schön zu tanzen vermochten. Eine von ihnen fiel ihm besonders auf. Sie tanzte mit einer solchen Leidenschaft, dass sich Gilldor ganz in ihrer Darbietung verlor und ihr voller Sehnsucht dabei zusah. Der junge Mann verlor sich vollkommen in ihrem Tanz und vergaß darüber hinaus ganz seine Kunden, die ungeduldig bei ihm anstanden und darauf warteten, dass er ihre Bestellungen aufnahm. Erst als das Spiel der Instrumente verstummte und die Tänzerin sich als Einzige noch bewegte, fand er langsam wieder zurück in die Wirklichkeit. Seinem Herzen verpasste es einen tiefen Stich als die junge Frau zunächst durch den harten Ruck an ihrer Kette ins Taumeln geriet und dann hinfiel. Nur zu gerne wäre er zu ihr hingeeilt und hätte ihr wieder aufgeholfen, doch die Eunuchen hätten ihn nicht einmal in ihre Nähe gelassen.

In stummer Wut über die schlechte Behandlung des Mädchens sowie seiner eigenen Hilflosigkeit wandte er sich wieder um und griff zu seinem Hammer. Das Eisen, das noch immer auf dem Amboss lag, war mittlerweile abgekühlt und er musste es von Neuem in der heißen Kohle erhitzen. „Ihr solltet nicht zu auffällig die Sklavinnen ansehen, es könnte Euch schlecht bekommen.“, hörte er eine Stimme und hob kurz den Kopf. Es war einer der wartenden Männer gewesen, der ihn eben angesprochen hatte. Schweigend begegnete er dessen Blick und nickte nur knapp. Ärger war das Letzte was er gebrauchen konnte. Dennoch ging ihm die dunkelhaarige Frau nicht mehr aus dem Kopf und er drehte sich immer wieder um nach dem kleinen Tross, der in Richtung des Marktes zog. Bald schon würden sie an all den Ständen und auch an seiner Schmiede vorbeiziehen. Dann konnte er sie von Nahem betrachten. Doch auch auf die Entfernung hin hatte er erkannt wie schön sie für eine Sklavin war. So schön, dass er sich wünschte sie noch einmal betrachten zu können, ihrem Tanz zuzusehen und ihr in die Augen zu blicken. Welch törichte Gedanken, schallt er sich innerlich einen Narren und hieb mit aller Kraft auf das Stück glühenden Eisens ein so dass die Funken nur so sprühten. Langsam, aber allmählich formte sich ein Hufeisen daraus. All seine Gedanken fokussierte er auf seine Arbeit und jeden Schlag seines Hammers.
Zuletzt geändert von Gilldor am So, 13. Mai 2012 14:29, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Allein unter vielen

Beitrag von Yámina » Fr, 11. Mai 2012 16:35

Beinahe augenblicklich setzte sich der Zug dann wieder in Bewegung. Die Menschen, die zuvor stehen geblieben waren, zerstreuten sich allmählich und gingen ihrer Wege, mochten heim zu den Kindern eilen, ihren Einkauf fortsetzen oder sonstigen Geschäften nachgehen. Für Yámina hatte all dies keine Bedeutung. Sie war nur ein Teil dieses langen Wurms, der sich seinen Weg nun schlängelnd in Richtung der Märkte bahnte, weil die ibema shasa sich die neuest eingetroffenen Stoffballen präsentieren lassen wollte. An der Seite einer anderen Tänzerin, die sich demonstrativ von ihr abgewandt hatte, setzte sie also ihren Weg fort. Sie passierten den Brunnen, auf dem ein stattlicher Greif mit weit ausgebreiteten Schwingen gleichsam kühlen Schatten und erfrischendes Nass spendete, und an dessen Fuß einige Kinder rasteten und ein Spiel mit kleinen Stöckchen spielten. Einige von ihnen zeigten auf die Tänzerinnen in ihrer knappen Kleidung. Vermutlich erging es ihnen ebenso wie Yámina damals, und sie bewunderten den sanften Hüftschwung, den eine solche Ausbildung unweigerlich mit sich brachte, die langen, glänzenden Haare und die schönen Tücher, in denen sie gewandet waren. Wie goldener Glanz war es ihr vorgekommen, damals, vor einer Unendlichkeit. Inzwischen war aus dem Glanz ein goldener Käfig geworden, in dem sie schillernd wie ein Paradiesvogel hockte und darauf wartete, dass jemand sich an ihr erfreuen wollte.

Leise klingend zogen sie weiter, passierten den Brunnen und erreichten die Verengung der Straße zum Markt hin. Das Pflaster war hier schmutziger als andernorts in der Stadt und auch ausgetretener. Der Markt von Naradesh war ein wichtiger Umschlagsplatz für viele Händler, die nicht bis Avrabêth reisen wollten, und es war sogar noch schlimmer geworden, seit der dortige Sultan die Ausgangssperre verhängt hatte. Yámina hatte nicht viel darüber gehört, sie wusste nur, dass der Sultan damit anscheinend sein Volk schützen wollte. Inzwischen platzte Naradesh aus allen Nähten, auf dem Markt standen die Stände dicht an dicht und in den Straßen kauerten mehr Obdachlose als jemals davor. Ganze Straßenbanden von elternlosen Kindern zogen durch die Gassen und nirgendwo gab es noch ein unbelegtes Bett für die Nacht. Die ersten Stände boten Küchlein und geschnittenes Obst feil, und während hungrige Kinder davor herumlungerten und gierig auf das Essen starrten, löste dieser Anblick in Yámina nichts weiter aus als Mitleid für die Kinder. Denn auch wenn sie sich das Leben schöner hätte vorstellen können, so musste sie doch niemals Hunger leiden.

Der Markt war angelegt als eine Art Rundweg mit vier kreuzförmigen Querstraßen, und die ibema shasa hatte wohl beschlossen, zunächst einmal den Platz zu umrunden. Sie wies nach links, und prompt drehte sich ihr Tragestuhl in diese Richtung, während der gesamte Tross sich durch die enge Verkaufsgasse quälte. Die Eunuchen hatten nun alle Hände voll zu tun, die Händler allerdings waren nicht eben erfreut, dass ihre Kunden schlicht zur Seite gedrängt wurden. Doch spätestens wenn sie sahen, wer dort vorbei kam, neigten sie ehrerbietend die Köpfe und boten der Sultansgemahlin höflichst ihre Ware an, seien es irdene Gefäße, Ziegenlederschuhe oder Schwerter, so unsinnig ein solches Angebot einer Frau zu machen auch war. Yámina sog all die Eindrücke um sie herum auf wie ein Schwamm. Der Markt veränderte sich jeden Tag aufs Neue, Stände wurden abgebaut, neue kamen hinzu. Das alles war eine interessante Abwechslung vom Alltag, und gerade heute, da sie sich unerwünschte denn je fühlte, war Yámina dankbar für die immer neuen Bilder, die sich ihr offenbarten und an die sie sich in stillen Momenten klammern konnte. Ehe sie wieder über Sarita nachdachte.

Mit jedem weiteren Schritt drang das stetige Klingen eines Hammers lauter an ihr Ohr. Yámina wandte unwillkürlich den Kopf und suchte nach der Quelle des Geräuschs, wie wiele andere im Tross ebenfalls. Der Eunuche vor ihr mit seinem Pfauenfächer verdeckte bei jedem Aufwärtsstreich seines Fächers den Amboss, den sie zuerst entdeckte. Unerträglich langsam bahnten sich all die Menschen im Gefolge der Sultansfrau ihren Weg durch das Gedränge. Und dann hatte sie uneingeschränkte Sicht auf einen Mann, dessen weißes Haar wie eine Flamme hell leuchtete. Yámina hatte so etwas noch nie gesehen bisher. Auch seine Haut war dunkel. Wieder schlug er auf etwas ein, vermutlich ein Schwert, wobei es aus ihrem Blickwinkel ebenso gut eine Mistgabel hätte sein können. Mit jedem kleinen Schritt verkürzte sich der Abstand zwischen ihnen, und Yámina konnte besser sehen. Der Mann wirkte grimmig auf sie, als trüge er eine große Wut in sich, die er mit jedem Schlag seines Hammers herausließ. Die angedeuteten Muskeln unter seinem schweißnassen Hemd ließen ihn sehr stattlich wirken. Yámina bemerkte nicht, dass sie ihn mit einer Mischung aus Neugier, Faszination und Scham anstarrte, doch als er aufsah, senkte sie rasch den Blick und konzentrierte sich auf ihre Füße.

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Re: Allein unter vielen

Beitrag von Gilldor » So, 13. Mai 2012 18:59

Es fiel Gilldor schwer sich auf sein Arbeit zu konzentrieren. Er erwischte sich immer wieder dabei wie er den Kopf hob und suchend nach der Tänzerin Ausschau hielt. Sein Blick folgte der kleinen Gruppe, die den Marktplatz einmal vollkommen umrundete und nur an einigen Ständen stehen blieb um dort die Auslage zu betrachten. Vor allem die Sultansfrau zeigte großes Interesse an den feinen Stoffen aus den fernen Städten und Ländern deren Namen der junge Mann noch nie gehört geschweige denn jemals gesehen hatte. Die gaffenden und staunenden Kinder nahm er nur am Rande wahr. Wie gebannt starrte er die dunkelhaarige Schönheit an. Erst ein wenig freundliches Räuspern erinnerte ihn an seine eigentliche Aufgabe und er wandte sich schweren Herzens wieder seinem Amboss zu um wenigstens den einen Auftrag zu beenden. Für gewöhnlich machte er Hufeisen mit Links, doch heute wollte ihm die Arbeit nicht so leicht wie sonst von der Hand gehen. Seufzend schüttelte er den Kopf und wischte sich mit einer unwirschen Bewegung Strähnen seines weißen Haares wieder hinter die spitzen Ohren, die ihm ins Gesicht gefallen waren. Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte er die vier Schmiedestücke fertig und löschte sie in der mit Wasser gefüllten Tonne ab. Zischend stieg Rauch auf und er legte die Eisen mit der Zange auf ein Tuch. Vorsichtig tupfte er sie trocken und band es dann zu einem kleinen Bündel. Unwirsch wurde ihm dieses dann aus der Hand gerissen und die Bezahlung überreicht. Kein Trinkgeld. Wie auch, er hatte viel zu lange gebraucht. Seufzend zählte er das noch von der Hand des Kunden warme Geld ab und ließ es in dem kleinen Lederbeutel an seiner Hüfte gleiten.

Der nächste Kunde trat vor und nannte ihm seinen Wunsch. Ein Messer. Ohne irgendwelche Besonderheiten. Vermutlich für Haushaltsdinge, aber so wirklich interessierte es Gilldor nicht wirklich. Schweigend nahm er einen Eisenbarren zur Hand und legte ihn in die Glut. „Schärft mir diese Klinge!“, rief ein junger Mann und drängte sich in der Reihe der Wartenden hervor. Unmut machte sich breit und die anderen empörten sich lautstark über die Dreistigkeit des Jünglings. Doch dieser ließ sich nicht beeindrucken und hielt dem Shiín einen in abgewetztes Leder gehüllten kleinen Dolch hin. „Bitte. Ich habe nicht viel Gold...“ Einem bettelnden Hund gleich sah er ihn mit seinen großen dunklen Augen beinahe schon flehend an. Seufzend nahm er ihm den Gegenstand ab und ein dankbares Lächeln zeigte sich auf dem Gesicht des anderen. Erst jetzt fiel Gilldor auf, dass seine gesamte Erscheinung ärmlich wirkte und die Kleider, dir er trug mehr Fetzen glichen. Mitleid erfasste ihn und er wollte die gereichte Klinge umsonst schärfen um dem armen Kerl nicht auch noch seine letzte Münze abzunehmen. „Gewiss. Wartet einen Moment.“, erwiderte er und drehte sich dem Schleifstein um. Er zog den sehr einfach gehaltenen und geschmiedeten Dolch aus seiner Hülle. Das Metall war oxidiert und schwarz. Ohne es prüfen zu müssen, wusste er, dass man damit nicht einmal mehr Butter würde schneiden können. Das bedeutete viel Arbeit. Mehr als er erwartet hatte. Vermutlich würde er sich die Nacht über mit dem Schärfen beschäftigen. Bei den selbst nach Sonnenuntergang noch sehr warmen Temperaturen schlief er eh schlecht.

Nachdem er dem Besitzer des Dolches gesagt hatte, dass es wohl mehr als ein paar Stunden, vielleicht sogar einen Tag lang dauern würde, wandte er sich wieder der Schmiede zu und kam gerade noch rechtzeitig ehe sich das Eisen vollkommen verflüssigte. Gedanklich war er wieder bei dem Mädchen gewesen und deren Tanzdarbietung. Es fiel ihm schwer sich auf etwas Anderes zu fixieren und er erwischte sich dabei wie er wieder auf den Platz hinaus sah statt auf den Amboss und den Hammer. Als er gerade ausholen wollte zu einem Schlag, glitt ihm der Griff des Hammers aus der Hand und fiel mit einem dumpfen Knall zu Boden. Gilldor fürchtete, dass man den Aufprall auf den doch sehr harten Pflasterstein bis hinüber zum anderen Ende des Platzes hörte und bückte sich hastig nach dem Werkzeug. Solche Missgeschicke passierten ihm sonst nie und er fühlte sich nun noch unwohler als er es ohnehin schon tat.

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Re: Allein unter vielen

Beitrag von Elin » Mi, 27. Jun 2012 11:00

Amber hatte Elin aus der Schmiede entführt, da sie ihren Ausflug auf den Markt nicht alleine unternehmen wollte. Nadim hatte dem natürlich nur murrend zugestimmt. Wie immer eben. Aber seiner Tochter hatte er noch nie etwas abschlagen können. Markttag in Naradesh war so ganz anders. In Merridia war der Marktag auch immer etwas besonderes gewesen. Bunt, laut und neue Gerüche. Aber hier? Hier war es noch eine Stufe mehr...und Elin liebte es. Auch wenn sie Nadim ungerne in der Schmiede alleine ließ, da sie die Arbeit dort schätzte und brauchte, war sie Amber dankbar für den Ausflug. Sie kam sonst selten am Tage nach Naradesh, da ihre Arbeit sie forderte und sie brauchte das Gold. Immerhin wusste sie ja nicht wie lange Nadim noch...aber Elin schüttelte den Gedanken ab und lächelte. Amber zog sie mit zu den Ständen an denen verschiedene Stoffe lagen. Wie unterschiedlich sie wohl aussahen? Amber war von feiner Statur, hatte langes dunkles Haar und würde wohl nie eine Waffe schwingen. Außer natürlich man zählte ihre dunklen Augen zu den Waffen einer Frau, da sie mit einem Blick ihren Vater zu nahezu allem bewegen konnte. Elin hingegen sah man an, dass sie körperlicher Arbeit nachging und das kurze blonde Haar fiel in Naradesh auf. Die Lederhose sowie das einfache Leinenhemd unterstrichen ihr Wirken in einer Männerdomäne, aber darüber machte sich Elin nur selten Gedanken.

Zwar war Amber anders als Lenna, aber trotzdem zog sie Elin in ihren Bann. Elin, die es selbst nicht gewohnt war sich als Frau zu geben, war immer wieder verwundert über Ambers Verhalten. Vor allem wenn es um die Freude über Kleinigkeiten ging. Oft konnte Elin nur den Kopf schütteln, aber sie versuchte mindestens genauso oft zu verstehen was Amber an diesem oder jenem so aufregend fand. Für Elin mussten so beispielsweise Stoffe nützlich sein. Zarte Stoffe, die wenig robust waren, würden einem langen Tag voller Arbeit nicht standhalten. Aber Amber schien gerade von diesen unglaublich fasziniert zu sein. Vielleicht lag es an der Eigenart, dass Frauen sich gerne für Männer herausputzten. Etwas, das Elin nicht nachvollziehen konnte. Wenn ein Mann an ihr Interesse haben sollte, dann bitte so wie sie war. Sie würde sich für niemanden herausputzen oder verändern. Dazu mochte sie sich selbst viel zu gerne. Außerdem mochte sie auch ihre Kleidung. Sie war einfach und nützlich. Aber Amber? Deren Finger glitten über die verschiedenen Stoffe, während ihr Mund kein Ende kannte. Elin schmunzelte nur. Ab und zu erwiderte sie etwas. Meist stimmte sie der anderen zu. Sie wusste, dass sich Amber keine Stoffe kaufen würde, da sie bereits genug Kleider hatte. Das Mädchen hatte Verstand auch wenn sie gerade von Stoffen schwärmte, die sie nie tragen würde. Es war wie ein Spiel und Amber hatte viel Phantasie. Manchmal vielleicht sogar zu viel.

Als Amber einen Stand mit Schmuck entdeckte, konnte Elin ein Seufzen nicht unterdrücken. Mit Stoff konnte sie sich anfreunden, da er einen Zweck erfüllte, aber Schmuck? Sie verstand, dass man sich kleine Dinge schenkte als Glücksbringer oder um die Gunst zu erwerben, aber die Art mancher Frauen klimpernde Armreife zu tragen und dann wie wild mit den Armen zu gestikulieren war Elin fremd und unverständlich. Lange Ketten waren die langes Haar. Sie boten einem Gegner einen Angriffspunkt. Außerdem machte einen dieser zur Schau getragene Reichtum auch Interessant für Banditen. Etwas, das man eigentlich versuchen sollte zu vermeiden. Aber auch dieser Prüfung hielt Elin stand und war froh als sie und Amber sich endlich den Gemüse- und Obstständen zuwandten.
Auch wenn Amber eben noch verspielt war, so war sie nun ganz die Mutter. Zielstrebig, sachlich und eine harte Geschäftsfrau. Dieser Wandel überraschte Elin jedes Mal. Die Händler, die die junge Frau bereits kannten, überraschte es nicht mehr. Aber manchmal fand Amber einen Ahnungslosen. Einen Knecht, der gerade den Stand überwachte, während sein Herr fort war. Meist hatte Elin für die Ahnungslosen ein mitfühlendes Lächeln übrig.

Während Amber um das Obst feilschte, sah sich Elin etwas um. Als sie den kleinen Schmiedestand entdeckte und den zugehörigen Schmied, schmunzelte sie leicht. Nadim würde das natürlich nicht gefallen. Vielleicht war das einer der Gründe warum am Markttag etwas Laufkundschaft aus blieb? Aber genug Arbeit hatten sie dennoch. Elin erklärte Amber, dass sie sich kurz etwas anschauen würde. Nach einem flüchtigen Nicken der Angesprochenen löste sich Elin und schlenderte zu dem Stand. Gilldor schien mehr als genug Arbeit zu haben. Ihr Blick glitt über die anderen rund um den Stand. Zumindest schien ihm keiner feindselig gegenüber zu stehen oder es wurde nicht offen zur Schau getragen. Als ihm der Hammer aus der Hand fiel, sah Elin eher überrascht als erschrocken zu dem Schmied. Um ihn nicht zu stören, stellte sie sich neben einen seiner Kunden und beobachtete ihn bei der Arbeit.

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Re: Allein unter vielen

Beitrag von Gilldor » Do, 28. Jun 2012 14:18

Gilldor tat sich heute besonders schwer damit sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. Es war nicht nur die junge Sklavin, der er immer wieder verstohlene Blicke zuwarf, sondern auch die beinahe erbarmungslose Hitze. Immer wieder musste er sich mit dem Ärmel seines Hemdes den Schweiß von der Stirn wischen und hätte sich am liebsten das Hemd ausgezogen. Aber das tat er dann doch nicht. Zum Einen, weil er sich sonst schnell verbrennen würde und nicht jeder seinen nackten Oberkörper sehen musste. Stattdessen schwitzte er lieber weiter. Was wohl auch mitunter an den nur sehr spärlich bekleideten Tänzerinnen lag, die zusammen mit der Sultansfrau den Marktplatz langsam umkreisten. Sie faszinierte ihn, auch wenn er wusste, dass sie unerreichbar für ihn war und es auch für immer bleiben würden.

Mit einem leisen Seufzen wandte er den Blick ab und versuchte sich auf sein Handwerk zu konzentrieren. Das Eisen hatte er gerade noch so retten können und begann es nun zu bearbeiten. Den Hammer hielt er nun fester in der Hand und begann in rhythmischen Schlägen das Metall zu bearbeiten. Die Funken stoben auf und wirbelten um ihn herum bis sie zu Asche erkaltet zu Boden fielen. Staunende Gesichter sahen ihm zu wie er aus einem anfänglichen Klumpen zunächst langsam ein flaches Blech formte um dieses dann Stück für Stück zu falten und eine gehärtete Klinge daraus zu machen. Diese Technik hatte er von seinem Großvater gelernt. Das Falten, so hatte er gesagt, mache das Eisen fester und die Klinge noch robuster. Der alte Mann war ein großartiger Schmied gewesen, ein besserer als es Gilldor je sein würde. Dennoch versuchte er stets besser zu werden um eines Tages eine ebenso gute Qualität wie er sie zu bieten hatte zu erreichen. Der Shiín machte sich keine Hoffnungen darüber ihn oder seine Großmutter noch einmal lebend wiederzusehen. So sehr ihn dieser Gedanke auch schmerzte, wusste er, dass es ihnen beiden gut ging und sie beide auf ewig in seinem Herzen tragen würde. Genauso wie er sich immer an Zydiera und ihre gemeinsame Zeit erinnern würde. Das zumindest hatte er sich geschworen.

Wieder drohte er in die Melancholie abzudriften und er schlug heftiger mit dem Hammer zu um die trüben Gedanken zu vertreiben. Als er das Werkstück in das Wasserbecken gab um es kurz abzukühlen, ging sein Blick erneut suchend über den Platz. Er erblickte nicht nur die Tänzerin, sondern ein anderes, ihm vertrautes Gesicht. Ein leichtes Lächeln stahl sich auf seine Lippen und er winkte der jungen Frau zu, die er aus dem Gasthaus kannte in dem er ab und an zu speisen pflegte. Wenn er sich recht entsann, war ihr Name Elin.

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Re: Allein unter vielen

Beitrag von Elin » Fr, 29. Jun 2012 13:21

Elin hatte - wie alle anderen auch - ihm bei seiner Arbeit zugesehen. Wie einfach man Menschen doch unterhalten konnte. Vielleicht lag es auch daran, dass sie sich über solche Vorgänge nie Gedanken machten, da sie ihren Lebensbereich nur selten berührten. Elin musste leicht schmunzeln. Sie selbst war viel zu neugierig auf die Welt. Es hatte sie schon immer interessiert wie alles funktioniert. Außerdem brauchte man einen Antrieb im Leben anstatt nur dem täglichen Trott zu folgen. Zur Zeit hatte sie auch ihren...Trott, aber es war dennoch abwechslungsreich und sie lernte dabei viel über die Menschen, die hier lebten. Aber sie lernte auch wieder etwas über das Leben unter Menschen. In einer normalen Stadt und nicht in einer Festung. Das Leben hier war auch so anders als damals bei ihrer Familie. Natürlich hatte sie an beiden Orten ihre Pflichten gehabt, denen sie nachgegangen war, aber es war eine andere Art des Lebens.
Aber es war auch durchaus interessant ihm beim Arbeiten zuzuschauen. Sein Mienenspiel faszinierte die junge Menschenfrau. Ganz anders als bei Nadim, wenn er seiner Arbeit nachging.

Als Gilldor sie bemerkte, erwiderte sie ein Lächeln vorsichtig und hob die Hand zum Gruß, da er aber noch beschäftigt schien, wollte sie ihn nicht bei der Arbeit stören. Kunden, die warten mussten, zahlten meist nicht mehr als unbedingt nötig. Wahrscheinlich brauchte er in der Fremde auch jedes bisschen Geld, das er auf legalem Weg erarbeiten konnte. Amber trat unbemerkt neben Elin. "Oh! Das ist viel besser als der Schmuck!", rief Amber fröhlich aus, die nun auch dazu übergang den arbeitenden Mann zu beobachten. Elin sah kurz zu der Frau an ihrer Seite und schüttelte dann den Kopf. Jetzt war die Tochter des Schmieds wieder die liebenswürdige Schöne. Nicht die harte Verhandlungspartnerin. Vielleicht war es garnicht so untypisch, dass die Tochter des Schmieds einen anderen Schmied beobachtete? Vor allem wenn er...jünger war und besser aussah. Kurz sah Elin über die Einkäufe, die Amber bei sich trug. "Du hast die Linsen vergessen", sagte Elin mit einem sanften Lächeln. Amber schnaubte und drückte Elin die Einkäufe in die Hand. Dann verschwand sie wieder in der Menge um einkaufen zu gehen.

Elin sah Amber für einen Moment nach. Dann wand sie sich wieder der kleinen Schmiede zu. Hier war es wirklich besser als zwischen all den Stoffen und dem Glitzerkram. Elin musste leicht schmunzeln.

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Re: Allein unter vielen

Beitrag von Gilldor » Fr, 29. Jun 2012 16:17

Es machte dem jungen Schmied nichts aus, dass man ihm bei jedem Handschlag zusah. Für ihn war es ein Beweis des Interesses der Leute an seiner Arbeit und somit auch an seiner Person. Schritt für Schritt akzeptierten sie den lilahäutigen Fremden in ihrer Mitte, auch wenn noch längst nicht alle ihn als den ihren sahen. Anfeindungen gehörten nach wie vor zu Gilldors Alltag und er musste oft sehr mit sich kämpfen um keine Schlägerei anzuzetteln, die bösen Kommentare einfach zu ignorieren. Zum Glück hatte er eine gute Erziehung von seinen Großeltern genossen, sonst wäre so manche verbale Auseinandersetzung ganz anders ausgegangen und er wäre im Kerker gelandet. Andere Shiín, die er kannte, wären nicht halb so ruhig geblieben, wenn man sie als Schlächter und Mörder bezeichnet hätte. Er selbst tat es als Unwissenheit und Angst vor dem Unbekannten ab. Nichts anderes war es in seinen Augen. Allerdings dachten nicht alle so wie er.

Elin zwischen den ganzen geschäftigen Menschen zu sehen, ließ sein Herz höher schlagen. Sie gehörte wahrlich zu denen, die es gut mit ihm meinten und ihn so akzeptierten wir er war. Ihr war die Farbe seiner Haut egal und sie sah in ihm mehr als nur den Fremden aus dem Osten. Daher lächelte er noch ein wenig breiter als sich ihrer beiden Blicke begegneten und er winkte sie zu sich heran. Sobald er die letzten Kunden abgefertigt hatte, würde er den Stand für heute schließen und dann konnten sie beide zusammen in eine Taverne einkehren und dort bei einem Krug Wasser in Ruhe reden ohne Ablenkungen. Vorausgesetzt, dass sie es auch wollte. Das Letzte was er wollte, war einen schlechten oder gar falschen Eindruck bei ihr zu hinterlassen. Nicht, dass sie noch glaubte er wollte sich an sie heranmachen, sie ins Bett kriegen und ausnutzen. Zu dieser Art Männern gehörte er nicht. Im Gegenteil. Er verachtete solche Kerle, die in Frauen nur Objekte sahen, die man benutzen und dann wegwerfen konnte. Aber auch unter den Frauen gab es genügend, die so dachten. Eine von ihnen hatte er leibhaftig kennen lernen dürfen und war auf sie hereingefallen. Das wurmte ihn noch immer und er hatte ihretwegen sein Leben verloren...

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Re: Allein unter vielen

Beitrag von Elin » Di, 10. Jul 2012 22:35

Amber kehrte geschäftigt zurück und reichte Elin einen der Körbe. Die junge Menschenfrau hob die Hand um Gilldor nochmals zu grüßen, aber nun war es an der Zeit, dass sie zu ihrer eigenen Arbeit zurückkehrte. "Sehen wir uns später?", rief sie ihm noch fröhlich zu ehe sie hinter Amber hereilte. Der Heimweg war wesentlich kürzer, da Amber nicht an sämtlichen Ständen stehen blieb. Manchmal war sie eben doch zielstrebig... Elin schmunzelte und wiegte den Korb hin und her. Wäre ihr Leben einfacher verlaufen, wenn sie damals am Hof ihrer Familie geblieben wäre? Vermutlich wäre sie schon verheiratet und hätte fünf Kinder. Das Schmunzeln nahm eine spielerische Note an.

Zurück in der Schmiede nahm Elin wieder ihr Tagewerk auf. Dank dem Ausflug mit Amber war Arbeit liegen geblieben, die sie nun noch erledigen musste. Vermutlich würde sie die Schmiede heute etwas später verlassen aber der Markttag war das sicherlich wert.

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